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om the Real Book, 2011 ist‘s hand-processed print, gelatin silver paper, toned, 6 x 16.0 cm, edition of 10.TW 274

From the Real Book, 2011 Artist‘s hand-processed print, gelatin silver paper, toned, 11.2 x 13.8 cm, edition of 10.TW 275

Was genau ist das: ein Silver Painting? Wenn man sich nur auf das Wort bezieht, dann steht Silver natürlich für das Fotopapier – für den Silbergelatineabzug. Dieses Papier ist mit einer extrem dicken Silberschicht versehen.Auf diese Weise entsteht die räumliche Tiefe des Bildes. Painting wiederum bezieht sich auf den malerisch-gestalterischen Aspekt meiner Arbeit. Da geht es zunächst um den partiellen Lichtauftrag, dann aber auch um das Malen mit Farben erzeugenden Flüssigkeiten – mit Tonern und Bleichern. Jedes Bild ist ein komplexer Geburtsvorgang. Zunächst montiere ich mehrere Negative übereinander, die oft schon im Vorhinein derart chemisch bearbeitet worden sind, so dass sie meiner späteren Bildvorstellung entsprechen. Danach entsteht der partielle Lichtauftrag auf dem Fotopapier. Und zuletzt erarbeite ich mir jede Figur nach und nach mit Tonern und Bleichern. In einem einzelnen Bild steckt also ungemein viel Arbeit und Energie. Das ist auch der Grund dafür, dass ich mich von den klassischen fotografischen Editionen verabschiedet habe und nur noch Unikate anfertige. Ein Silver Painting ist nicht reproduzierbar.

From the Real Book, 2011 Artist‘s hand-processed print, gelatin silver paper, toned, 13.2 x 14.0 cm, edition of 10.TW 277

Ein Silver Painting entsteht aber dennoch in einem in allen Phasen analogen, fotografischen Prozess. Würden Sie sich als analogen Fotografen bezeichnen? Das ist ein sehr weites Feld. Ich habe mich eigentlich nie als Fotograf gesehen, sondern immer als Künstler. Fotografen haben die Aufgabe der Reproduktion von Wirklichkeit. Mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert ist die Malerei erlöst worden von ihrer Abbildungsfunktion. Das hat fortan die Fotografie für sie übernommen. Das Silver Painting aber will nicht abbilden. Es ist von jeglicher Funktion befreit. Niemand braucht es. Und von daher ist es reine Kunst. Es geht um das, was Kant das „interessenlose Wohlgefallen“ genannt hat. Vielleicht hängt das ein wenig mit dem „digital turn“ zusammen. Die reine Abbildung fällt heute der Digitalfotografie zu. Somit ist die analoge Fotografie frei geworden. Und ich bediene mich in gewisser Weise dieser neu gewonnenen Freiheit des Analogen. Wie sind Sie überhaupt zur künstlerischen Arbeit mit diesen fotografischen Mitteln gekommen? Mein Vater war Fotograf. Er hat Postkarten produziert und Dokumentarfotografien für Museen und Ausstellungen erstellt. Das hat mich geprägt. Ich bin quasi mit dem Geruch vom Fixierbad aufge-

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