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reportagen & porträts

Foto: Giada Vesentini

„Erwin Stricker war und ist ein Vorbild für mich“ Ein Interview mit Tausendsassa Markus Soppelsa

Markus Soppelsa

Herr Soppelsa, Sie sind ein bekannter Laienschauspieler, der immer wieder bei den „Rittner Sommerspielen“ mitgewirkt hat und noch lange mitwirken möchte. Verlassen Sie sich ganz einfach auf Ihren Instinkt, wenn Sie ein Drehbuch annehmen oder ablehnen? Nein, ich lese mir zuerst die Rolle durch und dann entscheide ich, ob ich sie spielen kann oder nicht. Ich muss mich ja immer irgendwie mit der Person, die ich verkörpere, identifizieren können. Leicht gefallen ist es mir nicht immer, zum Beispiel heuer am Ritten oder als ich einen SSSoldaten spielen musste. Aber als Schauspieler muss man da durch. Ich freue mich jetzt schon auf die große Herausforderung im Sommer 2015 bei den Rittner Sommerspielen mit Regisseur Klaus Tröger. Muss man sich als Schauspieler eigentlich immer ganz genau an das Drehbuch halten oder gibt es einen Handlungsspielraum? Sind Sie auf diese Weise so beweglich, dass Sie vor Ort kurzerhand auch auf Unvorhergesehenes spontan – und manchmal sicher auch zum Leidwesen des Regisseurs – couragiert reagieren und den Handlungsstrang an sich ziehen können? Man muss sich nicht immer strikt an das Drehbuch halten, aber an die Anweisungen des Regisseurs schon. Da bleibt einem Laien wie mir 100

SÜDTIROLERIN

Markus Soppelsa ist ein bekannter Laienschauspieler. Er besticht durch Charisma, schauspielerisches Talent und seine Vielseitigkeit. Außerdem ist er sonntäglich im Einsatz und präsentiert im Hörfunk das lokale Fußball- und Sportgeschehen. Nebenbei ist der Tausendsassa auch Fußballschiedsrichter und leitet viele Spiele der jüngeren Generationen beim VSS. Viele Jahre war er auch einer der erfolgversprechendsten Handballschiedsrichter. Leider wurde seine Karriere abrupt beendet, weil sein Schiedsrichterpartner aus beruflichen Gründen das Handtuch werfen musste. Die SÜDTIROLERIN hat sich mit ihm unterhalten. wenig Bewegungsspielraum. Manchmal aber konnte ich meinen Kopf schon durchsetzen, aber niemals zum Leidwesen des Regisseurs, da wir beide im gemeinsamen Einverständnis denselben Weg gehen wollten. Nehmen Sie eigentlich Theaterkritiken sehr ernst oder betrachten Sie diese lediglich als Meinungen, bei denen Sie merken, dass das gespielte Stück eben divergierende Reflexe bei den Kritikern auslöst? Ich nehme Kritiken jeder Art über meine Person sehr ernst. Leider manchmal zu ernst! Was ich aber auf keinen Fall akzeptieren kann, ist, wenn Kritiker mit ihrer Rezension etwas kaputt machen, ohne selbst jemals in der Theaterwelt oder Ähnlichem geschnuppert zu haben. Viele Kritiker wissen nicht, wie viel Arbeit hinter so einer Theaterproduktion stecken kann, und warum manchmal etwas anders dargestellt wird, als sie es sich erhoffen. Man sollte immer zuerst den Regisseur fragen, warum der Schauspieler die Rolle so und nicht anders dargestellt hat. So würde man es oft vermeiden, Laienspieler schon in den Abgrund zu schieben, bevor sie überhaupt in die große Theaterwelt schnuppern konnten. Die Empathie, also das Erkennen und Begreifen von Gedanken, Gemütsbewegungen, Motiven und Persönlichkeitsmerkmalen anderer

Suedtirolerin Dezember 2014  
Suedtirolerin Dezember 2014