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Die kulturelle Zeitschrift der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios - Oktober 2011 / Auflage Nummer 92

Das 4. Dorf Socorro:

Erst lebhaft, dann leer, jetzt lebensfroh Es war wohl das fröhlichste, eines der einwohnerstärksten und das wirtschaftlich erfolgreichste der fünf Dörfer von Entre Rios: In Socorro entstanden auf den Hausplätzen zahlreiche kleine Bauernhöfe und die Musik spielte fast jeden Abend. So war es bis Anfang der 60er Jahre. Doch dann führten das deutsche Wirtschaftswunder, die geringen Ausbildungsmöglichkeiten und die wachsende Angst vor der unsicheren Zukunft zur Massenabwanderung von 62% des Dorfes nach Europa.

Kochkunst

Unsere Leute

Gemeinde

Käsepitta

Dienstältester Mitarbeiter der Agrária

Vatertagsfeier


Inhalt 03 04

Foto & Geschichte: Abwanderung

Landwirtschaft: Restaurierung alter Agrarmaschinen

Zeitschrift der Genossenschaft Agrária zur Aufrechterhaltung der Kultur der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios (Guarapuava/Paraná/Brasilien) Redaktionsleitung

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Hauptthema: Das 4. Dorf Socorro Cooperativa Agrária Praça Nova Pátria s/nº Colônia Vitória / Entre Rios Guarapuava - 85139-400 Paraná / Brasilien

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Redaktionsteam

Kochkunst: Käsepitta

Chefredakteur: Manoel Godoy mgodoy@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8008 Redakteurin: Rosely Essert roselib@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8529

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Redakteur: Klaus Pettinger klaus.pettinger@yahoo.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 1437

Unsere Leute: Franz Hermann, dienstältester Mitarbeiter der Agrária

Assistentin: Karin Müller kmuller@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8528 Korrektur: Andrea Scherer Korpasch andrea@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8002 Layout: Prêmio|Arkétipo Comunicação www.premioarketipo.com.br Gestaltungsleitung: Roberto Niczay Berichte und Fotos

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Gemeinde: Vatertagsfeier

ER - Ernesto Remlinger FH - Franz Hermann KP - Klaus Pettinger MG - Manoel Godoy RE - Rosely Essert Herausgeber Genossenschaft Agrária / Marketing-Abteilung

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Druck Midiograf Gráfica e Editora Londrina - Paraná - Brasilien Auflage 700 Exemplare

Kurzmeldungen Titelfoto vom Heimatmuseum Entre Rios: Ein Bauernhof entsteht in der neuen Heimat

Erscheinungsweise Zweimonatlich


Foto & Geschichte

bis 1971 56% der Familien Vitórias, 39% der Familien aus Jordãozinho, 54% der Familien von Cachoeira, 62% von Socorro und etwa 41% der Familien Samambaias, insgesamt 1.776 Personen ab. Über 90% von diesen übersiedelten nach Deutschland, andere zogen in die Großstädte Brasiliens. Erst durch die Neuordnung der Genossenschaft Agrária, des Schulwesens, durch eine interne Agrarreform, materielle Mithilfe aus Deutschland sowie durch wiedergewonnenen Unternehmungsgeist gelang es, die Abwanderung zu stoppen und einen wirtschaftlichen Aufschwung einzuleiten. Ein weiterer Schritt zur wirtschaftlichen Festigung war die Steigerung der Weizenproduktion und der Anbau von Soja und Mais als Sommersaat.

Foto: Archiv Heimatmuseum Entre Rios

Bis zum Jahre 1954 waren von Entre Rios schon 60 Familien aus Enttäuschung und wegen der Schwierigkeiten in der Aufbauphase der Siedlung abgewandert. In den Jahren darauf wurde die Abwanderung durch die Konsolidierung der Siedlung gestoppt. Ab 1958 setzte wieder eine Abwanderungsbewegung ein, die bis 1970 nicht abriss. Die Gründe zur Abwanderung waren in erster Linie wirtschaftlicher Natur, wie Landmangel, schlechte Ernten und chronischer Geldmangel. Vor allem wirkte das Wirtschaftswunder in Deutschland eine magische Anziehungskraft auf alle Abwanderungswilligen aus. Und ein durchaus wichtiger Grund für die Abwanderung von der Siedlung war auch die Sorge um die schulische Erziehung der Kinder. So wanderten

Bis 1971 wanderten 54% der donauschwäbischen Einwanderer in Entre Rios wieder ab

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Landwirtschaft Entre Rios

In alten Agrarmaschinen, neue Seiten einer langen Geschichte Jubiläumsfestlichkeiten stellen immer einen Anlass zum Nachdenken dar: Den Blick richtet man dann unvermeidlich auf die Vergangenheit aus. Das Gehirn versucht, so schnell und deutlich wie möglich, eine Bilanz zu ziehen. Allerdings kann die Bilanz uns jedoch zu einer breiten Gesamtheit von Details führen, die auf der Straße der Zeit schrittweise und unbewusst weit entfernt zurückgelassen worden waren. In Entre Rios, der brasilianisch-donauschwäbischen Siedlung, die am vergangenen 5. Mai 60 Jahre alt wurde, nahmen sich einige Bauern in den letzten Jahren vor, nach bestimmten Details der Vergangenheit ihrer Gemeinde zu suchen. Ganz alte, manchmal kleine

Deutz: ein markanter Traktorname

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aber freilich besondere Dinge: Kühler, Lenkräder, Scheinwerfer, Schalthebel, Treibstoffpumpen, Transmissionsriemen, Geschwindigkeitsmesser, usw. Diese Landwirte, die sich einmal beim Stammtisch dazu entschlossen, einen Verein zu bilden, um ihr Ziel zu erreichen, führte die Atmosphäre des 60. Gründungstags der Agrária zu einer zumindest ungewöhnlichen Aufgabe: Agrarmaschinen der Anfangsjahre der brasilianischen Kolonien der Donauschwaben aus dem Schatten der Vergessenheit zu retten, bzw., die Maschinen völlig original reparieren zu lassen und sie wieder ins rechte Licht zu rücken. Doch nicht offiziell gegründet, hielt der “Verein”, der auch noch keinen Namen

bekam, sein erstes Treffen am 16. Oktober 2010, im Klubhaus des Dorfes Samambaia – einem Lokal, das von ihnen aus Scherz als CIAG (nach der Klubhaus-Wirtin, Frau Gerti) benannt wird: “Gertis Landwirtschaftliches Intelligenz-Zentrum”. Anwesend waren ca. 15 Personen, die fünf alte Traktoren und einen Lastkraftwagen ausstellten. Die Begeisterung war dennoch nicht klein: Die Idee des Vereins bewährte sich dabei, weitere Bauern aus anderen Dörfern sind darüber hinaus der Gruppe beigetreten. Am 10. Juni dieses Jahres kamen sie in Samambaia nochmals zusammen. Die Sitzung debattierte diesmal wie Traktoren-Treffen in anderen Ländern, wie Deutschland,


Fotos: MG

Die historische Agrarmaschinen-Ausstellung in der Expogua

veranstaltet werden. Es entstand der Vorschlag, etwas Ähnliches auch in Entre Rios durchzuführen. In den letzten Monaten unternahmen die Vereinsteilnehmer dann ununterbrochen eine echte und muntere Jagd auf alte Ersatzteile. Ausgangspunkt waren einfach Erinnerungen, alte FamilienFotos, Internet-Infos, Kontakte zu Gebrauchtwagenmärkten (oder Schrotthändlern), Gespräche mit Bekannten und Landwirten in Brasilien und im Ausland. Im vergangenen August präsentierten sie also mit Freude das Ergebnis dieser Bemühungen: eine Traktoren-Ausstellung im Rahmen der “Expogua”, der jährlichen Landwirtschaftsmesse Guarapuava. Nicht wenigen Kindern und Erwachsenen fielen diese für heutige Augen etwas romantisch scheinenden Agrarmaschinen auf. Letzten Endes stehen hinter jeder von ihnen Familiengeschichten, wie Walter Milla, Vereinsteilnehmer und Agrária-Mitglied, erklärte: “Meine Familie und ich, wir haben zwei Maschinen neu repariert, einen Traktor MAN-Ackerdiesel und einen Normag”. Einige Teile konnten bei Schrotthändlern fündig werden, andere musste er in Werkstätten anfertigen lassen oder aus Deutschland oder Holland importieren. Der MAN-Ackerdiesel, so Milla, gehörte Stefan Heiser, dem Großvater seiner Frau, Hermine. “Er hatte den Traktor 1967 gekauft, es war schon ein Gebrauchttraktor, Jahrgang 1954, in Augsburg, Deutschland, hergestellt”. Dessen Anschaffung selbst war schon ein Glücksfall: zurückgekauft werden konnte der Traktor im Oktober 2010 in einem Schrotthandel in Guarapuava. “Meine Söhne haben sich auch auf die Reparatur gefreut und dabei mitgeholfen: 90% der Arbeit haben wir selbst übernommen und nur die Entrostung von Blechteilen

Jungs beim Aufkleben des Markenzeichens – jedes Detail ist wichtig

Hanomag: nochmals glänzend

MAN-Ackerdiesel: von der Familie Milla repariert

Milla: Freude am Wiederaufbau der Geschichte durch die “Renovierung” alter Traktoren

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in einer Werkstatt machen lassen”. Jetzt glänzt – und funktioniert! – der MANAckerdiesel wiederum in seinen originalen hell-grünen Tönen mit Details in Weißem (Räder, Logo-Buchstaben und KühlergrillRahmen) und in Schwarzem (Auspuff und Lufteinlass-Schlitz) und gilt für seinen Besitzer als eine Reliquie. Gekrönt wurde all die Mühe zum Schluss durch einen weiteren und unwahrscheinlichen Fund: “In União da Vitória habe ich sogar das Anweisungsbuch gefunden, auf Deutsch!”. Um sich den Normag anschaffen zu können musste der Bauer im Februar etwas weiter, nach Campo Mourão (Paraná), wo der Traktor (Jahrgang 1951, in Nordhausen hergestellt) 1981 beiseite gelegt worden war. “Eigentlich war er so wie ein Bienennest! Er war von Bienen völlig besetzt. Deswegen, glaube ich, hat man den so billig verkauft”, sagte Milla mit einem Lächeln. Die “Renovierung” dieses Stückes wurde ebenfalls zu einer Geduldsarbeit, die unter anderem vom originalen Markenzeichen bis hin zu Instrumenten des Armaturenbrettes umfasste. Auch hier konnte der Auftrag erfolgreich durchgeführt werden und nun hat Milla zwei Maschinen aus den 50er Jahren. “Viele Leute besitzen noch alte Traktoren, aber legen darauf keinen Wert”, sagte er. Vereinsteilnehmer und AgráriaMitglied zeugt Alexander Seitz (Samambaia) davon, dass sich auch

Seitz: Fahrgestell-Nummerierung in der Reihenfolge eines Hanomags, der dem Urgroßvater gehörte

Zetor: Das Modell stellt die typische Vorstellung eines alten Traktors dar

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Valmet: alte Agrarmaschinen scheinen heute klein und leicht

Das Puzzle der Vergangenheit Nicht nur Bauern aus Samambaia sondern auch aus anderen Dörfern von Entre Rios einten sich im Agrarmaschinenverein, der mit der Begeisterung von mehr als 20 Teilnehmern rechnet. Zurzeit stellen 30 Traktoren früherer Jahrzehnte die Stärke dieses Freundeskreises dar – Beispiel dafür ist ein Lanz Bulldog, Jahrgang 1937, 14 Jahre vor der Gründung der donauschwäbischen Siedlungen hergestellt. Weitere historische Maschinen gehören dennoch auch dazu, wie alte Dreschmaschinen und sogar eine Scheibenegge. Teil nach Teil werden sie von ihren Besitzern in Werkstätten repariert. Eine geduldsame Arbeit, mit der ein Stück der Geschichte – die Landwirtschaft in den Anfangsjahren der Donauschwaben in Brasilien – so wie in einem Puzzle allmählich wieder aufgebaut wird.

die neueren Generationen für den Wiederaufbau der Geschichte durch die Wiederinstandsetzung von alten Maschinen einsetzten. Er erzählte, die Idee fiel ihm während einer AgráriaMitglieder-Reise 2009 in USA auf: “Wir haben auf jeder Farm alte Maschinen (als historische Stücke bewahrt) gesehen”. In der Stimmung des AgráriaJubiläums kam dann die Idee, einen alten Hanomag, so wie den seines Urgroßvaters irgendwie zu kaufen. Ja, den genau konnte er nicht finden, aber in einem Milch-Landbetrieb in Jordão (einem landwirtschaftlichen Distrikt in der Nähe von Entre Rios) stieß Seitz auf einen unglaublichen Zufall: den “Bruder”-Traktor, einen Hanomag 1957, gerade mit der darauffolgenden Fahrgestell-Nummerierung, der damals nach Brasilien gebracht wurde. “Alle Urlagen sind auch da, einschließlich das Wartungsbuch”, fügte der Bauer mit Freude hinzu. In einem anderen Landgut der Umgebung kaufte er

einen Fordson Major, 1954, in England hergestellt. Beide Traktoren werden nun repariert. Ganz sorgfältig: “Wir passen immer auf, dass die Originalität jeder Vorrichtung eingehalten wird”. Zeitdruck versteckt sich allerdings dahinter und zwar aus einem Grund: “Vor ungefähr fünf Jahren waren viel mehr Originalteile bei Schrotthändlern zu finden, aber heute gibt es immer weniger – entweder machen wir es jetzt oder machen wir es nicht mehr”. Was den Verein angeht, informierte er, die Idee ist, Traktoren-Treffen jeweils in einem anderen Dorf zu veranstalten, so dass die Einwohner sie anschauen können. Inzwischen bereiten sich alle Vereins-Mitglieder auf das AgráriaJubiläum vor. Das Fest, vom 4. bis zum 8. Januar 2012 vorgesehen, schließt in seinem Programm unter anderem einen Umzug der alten Agrarmaschinen ein.

MG


Hauptthema

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Foto: Privatarchiv Weigand

Das 4. Dorf Socorro: Erst lebhaft, dann leer, jetzt lebensfroh

Barbara Weigand (geb. Schmaus), ihre Schwestern und ihr Cousin beim Melonenpflücken

Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Es soll das fröhlichste, eines der größten und wirtschaftlich das erfolgreichste der fünf Dörfer von Entre Rios gewesen sein und so war das sicher auch mit dem 4. Dorf Socorro, bis - ja bis Anfang der 60er Jahre. Dann gab es auf einmal immer mehr Berichte über das deutsche Wirtschaftswunder, dazu für die eigenen Kinder im Dorf kaum Ausbildungsmöglichkeiten und wachsende Angst vor der unsicheren Zukunft. All dies führte schließlich zur Massenabwanderung von 62% des Dorfes nach Europa, hauptsächlich nach Deutschland. Zeitschrift Entre Rios sprach mit Pionieren, die aufgrund ihrer eigenen Lebenserfahrungen die Geschichte eines Dorfes erzählen, das nach der Fröhlichkeit der ersten Zeit, die Abwanderung, Anfang der 60er Jahre, verkraften musste. Das 4. Dorf wurde ähnlich wie das 2. Dorf Jordãozinho entworfen und gebaut und hatte 75 Hausplätze. Donauschwaben aus Syrmien, Slawonien und der Batschka kamen hauptsächlich mit dem 5. und 6. Transport und wurden in Socorro angesiedelt. Eine der Besonderheiten dieser Einwanderung waren die großen Familien, mit Großeltern, Eltern und Kindern. Das trug kräftig dazu bei, dass Socorro neben Vitória, das einwohnerstärkste Dorf von Entre Rios

Zur Ernte wurde den Bauern ein sogenannter “Dreschkasten” zur Verfügung gestellt

war. “13 Jahre lang wohnten zum Beispiel vier Generationen unserer Familie im gleichen Haus: die Großeltern meines Mannes, seine Eltern, wir beide und unsere drei Kinder”, erzählt Barbara Weigand. Anderseits, als dann, Jahre später, von einer Familie entschieden wurde, nach Deutschland zurückzukehren, gingen auch alle, vom Urgroßvater bis zum Kind, zurück (mehr dazu im Folgenden). Das 4. Dorf gilt trotzdem heute noch als der fröhlichste Ort der 50er Jahre von Entre Rios. Viele Tänze und Feste wurden dort gefeiert und lockten die Donauschwaben aus den anderen Dörfern nach Socorro. Lustig zu ging es aber schon vorher, auf den Schiffen, wie sich Barbara Weigand, damals ein 9-jähriges Kind, noch erinnern kann. Der 6. Transport kam nicht mit der Provence, sondern mit einem neueren, Conte Biancamano. “Als Kind war das eine Gaudi. Wir waren ja drei bis vier Wochen auf dem Schiff. Ich bin immer mit meinem Cousin in die 1. Klasse geschlichen und wir haben dort heimlich zugeschaut, wie die Leute badeten. Als der Kapitän kam, sind wir schnell wieder hinunter geklettert, das war für uns sehr lustig”, erzählt sie.

Das vierte Dorf Socorro vor rund 60 Jahren: eines der lustigsten Dörfer in Entre Rios

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Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Der kleine Raimund Himmelsbach fuhr tag täglich mit seiner Mutter aufs Feld


Foto: Privatarchiv Weigand

Das Theaterstück “Peckmesfabrik” wurde zu Weihnachten 1952 im Gasthaus Müller in Socorro aufgeführt

sondern in allen Dörfern. “Sie wurden immer auf Deutsch gehalten. Erst als Pater Sepp kam, lernten wir Gottesdienste auch auf Portugiesisch zu feiern”. Selbstverständlich wurden viele traditionelle Feste und kirchliche Feiern im 4. Dorf, wie in der alten Heimat, weitergepflegt. Auch die erste Wallfahrt von Entre Rios organisierte 1964 das 4. Dorf. Vorher, noch in den 50er Jahren, wurden die Hochzeiten ganze acht Tage lang zugerichtet, erzählt Margarethe Himmelsbach: “Kuchen wurden gebacken, einen Tag vorher wurde geschlachtet, alle Eingeladenen brachten Eier, Zucker, Mehl, und Hühner mit”. Die Musikanten gingen zum Bräutigam, der holte mit ihnen dann die Braut ab und alle zusammen zogen schließlich zur Kirche. Dabei spielte die Foto: Privatarchiv Himmelsbach

In den ersten Jahren stellte die Genossenschaft Agrária Traktoren zum Ackern zur Verfügung

Barbara Weigand (rechts) und ihre beiden Schwestern (Adelheid und Ida) vor ihrem Wohnhaus im 4. Dorf: “Im 4. Dorf gab es viele Familien mit zahlreichen Töchtern, darum kamen die Jungen gerne mit dem Fahrrad aus den anderen Dörfern zum Tanz”

Foto: Archiv Heimatmuseum

Im Januar 1952 kam das Schiff an und Barbaras Familie musste noch einige Tage in den Gemeinschaftsbaracken schlafen, bevor das Haus verlost wurde. Als junges Mädchen ging sie zwei Jahre lang in die Schule, zum Unterricht in die Baracke. “Dort war Herr Josef Mayer, aus dem ehemaligen Jugoslawien, unser Lehrer. Er konnte italienisch und dachte, das wäre wie portugiesisch und so hat er es uns beigebracht”, lächelt Weigand noch heute. Als ihre Familie das Feld bekam, konnte sie nicht mehr zur Schule gehen, da sie kräftig auf dem Feld mithelfen musste. Ihre Mutter arbeitete damals in Curitiba, um Geld für die Familie zu verdienen und so konnten Pferde und Wagen gekauft werden. Mittlerweile wurde sogar eine Schule im Dorf gebaut, aber es fehlte an Lehrkräften, wie Weigand sich erinnert. Die ersten Jahre von Raimund Himmelsbach, 72, und seiner Familie waren ähnlich. Als 12-jähriger Junge half er sofort bei der Arbeit mit und konnte praktisch keine Schule besuchen. Raimunds Vater bekam eine Stelle als Traktorfahrer in der Genossenschaft Agrária. So gingen er und seine Mutter täglich aufs Feld. In den ersten Jahren wurde Weizen gesät, was jedoch nicht die gehofften Erträge brachte. Darum stiegen die Bauern auf Reis um, bei dem die Ernten relativ erfolgreicher waren. “Am Anfang baute die Genossenschaft an und zum Dreschen gab es eine Maschine, so einen großen Dreschkasten”, erklärt Himmelsbach. Margarethe Himmelsbach, 70, zwei Jahre jünger als ihr zukünftiger Mann, war nun, wie die meisten Mädchen, im Haushalt beschäftigt. Ihre täglichen Verpflichtungen bestanden darin, für die ganze Familie (acht Personen) zu kochen, das Haus in Ordnung zu halten und die Tiere zu versorgen. Sie erinnert sich noch, dass die Häuser ganz am Anfang keine Öfen eingebaut hatten. So wurde das Mittagessen vom 1. Dorf täglich ins 4. Dorf gebracht und am Hauptplatz ausgeteilt. “Es waren Kessel, einer mit Reis und der andere mit Gulasch, das gab es jeden Tag”, erzählt Himmelsbach. Aber die Donauschwaben lebten nicht nur von und für die Arbeit. Das 4. Dorf war weit und breit das lustigste in Entre Rios. Jeden Sonntag gab es Tanz und nicht selten kamen Jugendliche aus den anderen Dörfern, um ein paar lustige Stunden zu verbringen. “Im 4. Dorf gab es viele kinderreiche Familien, vor allem mit zahlreichen Töchtern. Darum kamen die Jungen gerne mit dem Fahrrad aus den anderen Dörfern zum Tanz”, erzählt Barbara Weigand, die später dann auch zum Tanzen ging, jedoch leider immer nur mit der Großmutter als Verantwortliche. “Da meine Mutter damals in São Paulo arbeitete, ging meine Oma mit uns. Aber kurz vor Mitternacht brannte sie schon die Sturmlampe an, dann wussten wir, es ist Zeit zum Gehen”. Eine der ersten Blaskapellen wurde im 4. Dorf gegründet, die dann sonntags spielte. Auch eine Theatergruppe entstand zusammen mit der Jugend Weigand war damals auch dabei: “Ab und zu sind wir mit dem Traktor in die anderen Dörfer gefahren und haben gesungen und Theater gespielt”. Die Tanzveranstaltungen fanden eine Zeit lang in den nun leeren Baracken statt, als alle Neuankömmlinge endlich in ihre eigenen Häuser eingezogen waren. Dort wurden auch für lange Zeit die Messen gelesen und wenn dann Tanz war, wurde einfach eine große Flügeltür geschlossen, um die Räume zu trennen. Obwohl es noch keine Kirche gab, entstand schon vorher ein Glockenturm, “damit die alten Leute jeden Mittag und Abend die Glocken läuten hören konnten, wie sie es von früher her gewohnt waren”, erzählt Weigand, die jahrzehntelang in der Kirche im 4. Dorf Dienst getan hatte. Sie wurde Kirchenmutter, machte einen Kurs, um in der Kirche Messner zu werden und hielt Jahrzehnte lang Wortgottesdienste, nicht nur im eigenen,

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Foto: Privatarchiv Weigand Foto: Privatarchiv Weigand

Der Kirchenbau des 4. Dorfes: Bevor die Kirche gebaut wurde, errichtete man einen Glockenturm, damit die alten Leute jeden Mittag und Abend die Glocken läuten hören konnten

Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Die erste Wallfahrt wurde im Freien vor der Kirche des 4. Dorfes von Pater Wendelin Gruber gefeiert

Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Die Hochzeit von Margarethe und Raimund Himmelsbach fand traditionsgetreu statt: acht Tage lang liefen die Vorbereitungen

Nikolaus Mayer (links) und Peter Spiess spielten für das Brautpaar Himmelsbach

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Musikkapelle auf dem ganzen Weg. Nach der Messe traf sich die Hochzeitsgesellschaft im Wirtshaus. “Dann wurde stundenlang zu Mittag gegessen, fast bis zum Abend und gleich danach gab es das Nachtessen und um Mitternacht noch ein weiteres Nachtessen”. Wie früher wurde zum 1. Mai auch der Maibaum aufgestellt und am Monatsende ausgetanzt. “Am Nachmittag tanzte dann die Jugend um den Baum und so mancher Junge versuchte, auf den 10 bis 15 m hohen Maibaum hinaufzuklettern, um sich eine der Weinflaschen zu holen”, erzählt Raimund Himmelsbach. Zur Kirchweih in den anderen Dörfern kam man natürlich mit dem Pferdewagen und an Fronleichnam wurde der Weg von einer Kapelle zur anderen mit Ästen markiert, um anzuzeigen, wo die Prozession verlief. Im Laufe der 50er Jahre entwickelte sich das 4. Dorf allmählich, so dass es neben der Landwirtschaft auch noch Milchwirtschaft gab und sogar Weingärten wurden angelegt, um eigenen Wein zu produzieren. Dann jedoch kamen Nachrichten von Verwandten und Bekannten aus Deutschland, die über die vielen Arbeitsmöglichkeiten und über das Wirtschaftswunder berichteten. Zu dieser Zeit wanderten Familien aus allen Dörfern zurück nach Deutschland, aber in keinem anderen gab es dann so viele leere Hausplätze, wie im 4. Dorf. “In Wirklichkeit sind nur noch 30 Häuser geblieben. Viele zogen noch nach Curitiba, in die Milchwirtschaft. Außerdem wanderten die Familien, die viele Kinder hatten, zurück nach Deutschland, denn es gab hier in Entre Rios ja leider keine Ausbildungsmöglichkeiten”, erzählt Weigand. Geblieben sind hauptsächlich die Familien, die sich wirtschaftlich mit neuen Feldern und Maschinen stabilisiert hatten, so wie Familie Raimund Himmelsbach. Sein Vater und ein Partner pachteten ein Feld nahe der Stadt Goioxim. “Ich wollte sogar zurück, aber mein Vater nicht”, erzählt Himmelsbach. Die Angst vor der unsicheren Zukunft war ein weiterer Grund für die Auswanderung, “außerdem kamen wir aus einem Land, in dem es schon Strom und Infrastruktur gab und hier gab es noch nichts. Wenn der Soja-Anbau später nicht gekommen wäre, hätten wir keine Zukunft gehabt. Was sollten wir denn hier anbauen, Weizen vielleicht? Nein, der brachte ja kein Geld”. Margarethe Himmelsbach kann sich noch an die damaligen beklemmenden Gefühle erinnern. “Das war schon sehr schlimm, als alle fort waren. Alles war leer, fast 2 Drittel des Dorfes war weggezogen. Man sieht ja heute noch, wo die Häuser der Freunde sind. Die meisten sind fortgegangen und früher war die Freundschaft alles für uns”, meint sie, die ab 1957, drei Jahre lang einen Kindergarten führte. “Ich hatte über 20 Kinder, doch nach der Abwanderung blieben sehr wenige”. Doch nicht jeder Donauschwabe, der aus Entre Rios wegzog, war mit dem neuen europäischen, bzw. deutschen Lebensstil zufrieden. Adolf Annas, 70, lebte von 1951 bis 1964 im 4. Dorf und zog mit seinen Eltern und seiner Frau nach Deutschland. Der Grund? Sein Vater hatte es so entschieden, obwohl er es

Familie Himmelsbach vor ihrem Haus


Foto: Privatarchiv Annas

Foto: Privatarchiv Annas

In Deutschland begann die Familie Annas ein neues Leben. Adolf war jedoch mit dem deutschen Lebensstil sehr unzufrieden

Elisabeth Stutz (links) ging nicht gerne mit aufs Feld: als sie 10 Jahre alt war, wusste sie schon, dass sie Lehrerin werden würde

Foto: Privatarchiv Stutz

nicht unbedingt wollte. “Er war krank und wollte nach Deutschland, und früher, wenn der Vater etwas beschlossen hatte, machte der Sohn dasselbe”. Alle Vorhersagen seiner Schwestern, die ständig optimistische Briefe schickten, erfüllten sich: Adolf bekam gleich eine Arbeitsstelle und konnte sein neues Leben beginnen. Aber er war über das deutsche strenge Arbeitssystem nicht glücklich. “Ich fühlte mich wie eine Maschine, ein Automat. Jeden Morgen pünktlich zur Arbeit kommen und die Zeit stempeln, beim Mittagessen - stempeln, beim Fortgehen - stempeln. Jede Stunde, jeder Tag, jedes Jahr, immer das Gleiche”. Im Jahre 1972 kam er mit seiner Frau zu Besuch nach Entre Rios und seit dieser Zeit versuchte er, seine Familie zu überreden, wieder nach Brasilien zu ziehen. Es dauerte zwei Jahre, aber 1974 kam die Familie doch zurück. “Ich wollte unbedingt wieder Bauer sein, auf dem Feld arbeiten, meinen eigenen Betrieb haben”. Nun musste er wieder von Null angefangen. “Aber Mathias Leh hat versucht, einige Donauschwaben wieder nach Entre Rios zurückzuholen und hat uns viel geholfen, damit wir Wohnung und Arbeit hatten”. Annas erzählt, dass der größte Unterschied, zwischen Entre Rios 1964 und Entre Rios 1974 in der Entwicklung der Landwirtschaft und in den guten Ergebnissen der Sojabohnen zu sehen war. Außerdem gab es noch eine Kleinigkeit: “Am Anfang waren im 4. Dorf Socorro 4 Wirtshäuser und sehr viel los. Als wir wieder kamen, sahen wir nicht einmal mehr einen Hund herumlaufen”, lächelt er. “Aber es tut mir nicht leid, dass wir nach Deutschland gezogen sind und auch nicht, dass wir zurück nach Entre Rios kamen”, fügt er hinzu. Wie Annas und seine Familie es sahen, begannen in Entre Rios, zum Ende der 60er Jahre und Anfang der 70er einige wichtige Entwicklungen. In der Landwirtschaft brachte der Sojaanbau, mit seinen guten Verkaufspreisen, neue Möglichkeiten und wichtigen finanziellen Gewinn für die Bauern. Im Bereich der Erziehung gab es ebenfalls Fortschritte mit der neuen Zentralschule im 1. Dorf. Aber auch in den Dörfern arbeiteten nun neue Lehrkräfte. Elisabeth Stutz, 63, war für 32 Jahre Kindergärtnerin, größtenteils im 4. Dorf. Sie kam als 3-jähriges Kind nach Entre Rios und ging bis zu ihrem 13. Lebensjahr in die Schule. Dann musste sie doch auf dem Feld mithelfen, obwohl das ihr überhaupt nicht lag. “Mit 10 Jahren wusste ich schon, dass ich Lehrerin werden wollte. Ich fand meine Lehrerin so lieb und die war immer schön angezogen und so wollte ich dasselbe tun und nicht auf dem Feld arbeiten”. Doch dann zogen die meisten ihrer Schulfreunde nach Deutschland. “Ich kann mich noch gut erinnern, wie die Hausplätze und Häuser verlassen waren und verwilderten. Das war eine sehr traurige Zeit”. Im Jahre 1972 machte Elisabeth Stutz große Fortschritte, als sie ein Ausbildungsstipendium in der Stadt Gramado (Rio Grande do Sul) bekam und im August desselben Jahres als Kindergärtnerin zu arbeiten begann. Nebenbei schrieb sie sich ein, um die Oberstufe (Gymnasium) abzuschließen und im Jahre 1983 beendete sie auch ihr Hochschulstudium. “Ich habe mit 8 Kindern angefangen, aber nach zwei Jahren hatte ich schon mehr Kinder im Alter von 3 und 4 Jahren. Über die Kleinen habe ich mich immer sehr gefreut, weil sie so dankbar sind”,

Foto: Privatarchiv Stutz

Adolf Annas (rechts) und seine Schwager Simon Milla und Josef Weigand

Als Kindergärtnerin hat sich Tante “Lissi” ihren Lehrerin-Traum erfüllt

Familie Himmelsbach auf ihrem Hof

Foto: Privatarchiv Himmelsbach

Foto: Privatarchiv Annas

Annas lebte mit seiner jungen Familie bis 1964 in Socorro

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Foto: KP

Margarethe und Raimund Himmelsbach erinnern sich an ein lustiges 4. Dorf, voller traditioneller Feiern und wöchentlicher Tänze

erzählt Stutz, die auch in Kindergärten im 2. und 1. Dorf gearbeitet hatte. Einstimmig ist die Meinung der Pioniere über die Entwicklung von Entre Rios: Eine solch positive Entwicklung konnten sie sich nicht vorstellen. “Wir sind wirklich froh darüber. Auch die Kultur ist vorwärts gegangen unter Herrn Mathias Leh als Präsident der Genossenschaft. Als ich dann in die Schule gehen konnte und sich meine Träume erfüllt haben, ist mein Leben wieder aufgeblüht”, meint Elisabeth Stutz. “Darauf sind wir sehr stolz, wir hätten es uns nie vorstellen können, dass Entre Rios so schön werden könnte. Es ist einfach schade, dass unsere Enkelkinder das nicht schätzen. Sie haben leider keine Ahnung, wie diese Geschichte begonnen hat”, meint Weigand. “Vor allem kennen sie diese schwierige, aber trotzdem fröhliche und erfolgreiche Geschichte des 4. Dorfes Socorro zu wenig”. “Der Fortschritt hier ist schon etwas Schönes, etwas Besonderes, die Donauschwaben haben wirklich viel erreicht”, meint Annas. KP

Adolf Annas wanderte mit seiner Familie im Jahre 1964 nach Deutschland ab. Zehn Jahre später kam er zurück, um “endlich Bauer zu sein”

Foto: KP

Foto: KP

Foto: KP

Barbara Weigand ist stolz auf die Entwicklung von Entre Rios während der letzten 60 Jahre, aber glaubt, dass die neuen Generationen das nicht richtig zu schätzen wissen

32 Jahre lang verbrachte Elisabeth Stutz ihr Leben als Kindergärtnerin, im 1., 2. und 4. Dorf.

Heitere Geschichten

Wer geht jetzt noch zum Tanz? “Wir sind zum Tanz immer auf einem Traktor-Anhänger gefahren. Einmal waren alle darauf und gerade sehr lustig, als plötzlich der Anhänger in ein Schlagloch fuhr und der Anhänger sich vom Traktor abkoppelte und fast umkippte. Wir flogen alle in den Dreck, aber der Traktorfahrer fuhr einfach weiter. Erst viel später merkte er, als alles so ruhig war, dass niemand mehr da war. Als er dann zurückkam, wollten wir auch nicht mehr auf den Tanz, weil wir ja alle dreckig waren”, erzählt Margarethe Himmelsbach.

Zahn reißen in den 50er Jahren “Als ich 12 Jahre alt war, hat mein Zahn in der Nacht weh getan und ich habe vor Schmerzen weinen müssen. Da hat niemand mehr schlafen können wegen mir. In der Früh hat dann meine Mutter mich angeschaut und mein Mund war ganz dick. Dann sind wir zum Maul-Vetter, der im 4. Dorf Rasierer und Haarschneider war. Meine Mutter hat gesagt, wir gehen zu ihm, um meinen Zahn zu reißen. Ich habe meine Mutter noch zur Sicherheit gefragt, ob der Rasierer das überhaupt kann. Sie hat ja gesagt und mich an der Tür warten lassen und ist mit ihm reden gegangen. Als meine Mutter drinnen war, bin ich fort gerannt. Als es Mittag war, habe ich Hunger gehabt und bin heimgegangen, aber meine Mutter hat gesagt, dass wenn ich am Abend wieder weine, dann werde ich es mit dem Riemen kriegen. Dann habe ich gedacht: Zahnweh haben und noch Schläge bekommen, das lohnt sich nicht. Dann bin ich selber wieder zum Maul-Vetter gegangen und er hat mich auch gleich angenommen. Dann hat er seiner dicken Frau verlangt, ihm zu helfen. Ich habe mich auf den Stuhl gesetzt, die Frau hat meinen Kopf nach oben gezogen und mit der anderen Hand den Mund aufgemacht und er hat den Zahn sofort raus gezogen. So war mein Zahn endlich draußen und alle haben am Abend schlafen können, erzählt Barbara Weigand.

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Fotos: ER

Donauschwäbische Süßigkeiten

Käsepitta

In Anna Keller Milla findet man noch eine Bäuerin echten Schlages. Im 2. Dorf Jordãozinho, um 7 Uhr morgens, begibt sie sich in den Stall, um ihre zwei Kühe – noch von Hand – zu melken. Etwas Milch wird von Nachbarn aufgekauft, den Rest verarbeitet sie – zu Käse und Rahm. Am Abend, um 18 Uhr, müssen die Kühe nochmals gemolken werden. “Ich mag diese Arbeit, seit über 50 Jahre melke ich selber meine Kühe”, erklärt die Hausfrau. Tagsüber erledigt die 73-Jährige noch vielerlei Arbeiten: die 10 Hühner versorgen, den Garten pflegen, kochen, Brot backen und selbstverständlich auch Kuchen backen. Sie hat für Zeitschrift Entre Rios das Rezept für Käsepitta ausgesucht, das ihre Mutter schon in Gorjani gebacken hatte. Für den Teig benötigt man: 350 g Mehl (Anna Milla benutzt Agrária-Mehl Typ 1), 160 g Butter, 100 g Zucker, 2 Eidotter, 1 Teelöffel Vanillezucker, 1 Prise Salz, geriebene Zitronenschale, 1 Teelöffel Backpulver, 3 bis 4 Esslöffel Rahm. Alle Zutaten werden zu einem weichen Teig verknetet. Die Hälfte des Teiges rollt man aus und belegt das Backblech. Nun bereitet die Bäuerin die Füllung vor: Zuerst 500 g Quark (Anna stellt ihn selber her) im Sieb passieren, zwei Eiweiße zu Schnee schlagen, die man dem Quark mit 150 g Zucker untermengt. Auch wird 1 Esslöffel Grieß eingemischt, um die Zutaten zu binden. Die Käsefülle streicht sie auf den ersten Teig. Anschließend wird die zweite Teighälfte ausgerollt und als Decke auf die Füllung gelegt. Die Teigdecke wird mit einer Gabel mehrmals eingestochen und mit Zucker bestreut. Im Backofen für etwa 40 Minuten bei mittlerer Hitze backen. Dann dürfen sich die Handarbeitsfreundinnen und die Familie von Anna Milla diese Käsepitta schmecken lassen. Wenn auch der Alltag dieser Donauschwäbin voll ausgefüllt ist, findet sie noch Zeit für Geselligkeit und erholsame Beschäftigungen: “Ich gehe gerne zum Herz-Jesu-Rosenkranz-Gebet in unsere Kirche im 2. Dorf, auch die Treffen der Seniorengruppe Frohe Altenrunde jede zweite Woche versäume ich nicht und großen Spaß habe ich bei der Seniorentanzgruppe”. Anna Keller Milla – eine Frau, die mit ihren 73 Jahren noch traditionsgemäß Haus und Hof versorgt und Freude am Leben hat.

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Der Teig wird zweigeteilt

Für die Fülle wird der Quark passiert

Anna Keller Milla belegt das Backblech mit einer Teighälfte und streicht die Käsefülle darauf

Die Käsepitta in gleich große Stücke schneiden

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Unsere Leute

Dienstältester Mitarbeiter der Agrária, vielseitiger Fotograf Franz Hermann Foto: MG

Auf vielfältige Weise widmete Franz Hermann 50 Jahre seines Lebens der Genossenschaft Agrária, in der er mit Abstand die meisten Dienstjahre vorweisen kann. Angefangen hat er als sogenannter Laufbursche, danach war Hermann zuständig für verschiedene Bereiche der Genossenschaft. Zwischen 1964 und 1968 arbeitete er in der Firma Quimbrasil, in Guarapuava. Nach seiner Rückkehr zur Genossenschaft fing er an, sein Lieblingshobby, die Fotografie, auch in der Arbeit einzusetzen. Zeitschrift Entre Rios sprach mit Franz Hermann und erfuhr, wie er mit seiner fotografischen Leistung seit den 70er Jahren die Geschichte von Entre Rios verewigte. Heute fotografiert er weiterhin und ist noch für das Foto- und Filmarchiv, sowie für die Bücherstube zuständig.

Fotos: Privatarchiv Hermann

Franz Hermann, sein Arbeitsinstrument und die Gebäude der Genossenschaft Agrária sowie des Museums

Stocphoto

Im Jahre 1982 machte Franz Hermann einige besondere Luftaufnahmen: “Das Flugzeug flog mit offener Tür, damit die Fotos besser wurden”, erzählt er.

Wann haben Sie mit dem Fotografieren begonnen? Das Interesse kam von meinem Vater. Er hatte einen Fotoapparat und brachte ihn von drüben mit. Ich war 9 Jahre alt, als wir in Entre Rios ankamen und gleich danach begann ich zu fotografieren. Welche waren Ihre Lieblings-Motive? Ich habe schon immer gerne Landschaftsaufnahmen gemacht, auch heute noch. Wenn ich außerdem mit meinen Freunden am Wochenende irgendwo hin fuhr, habe ich auch sie zur Erinnerung fotografiert. Damals war das eine kostspielige Sache, Filme zu kaufen und Fotos zu entwickeln.

Danach bekamen Sie höhere Stellen? Im Sekretariat blieb ich zwei bis drei Jahre, dann war ich bei Herrn (Heinrich) Wolf, der Abteilungsleiter der Getreide- und Kunstdüngerabteilung war. Später übernahm ich dann praktisch alles, was mit Getreide zusammenhing: Die Verrechnungen von Kunstdünger mit den Bauern, die Orderausstellung zum Aufladen ... Danach führte ich auch die Kontrolle über das gesamte Lager der Weizenmühle, der Getreide und Kunstdünger durch.

Sie sind seit 50 Jahren Mitarbeiter der Genossenschaft Agrária und haben als 14-Jähriger angefangen. Erzählen Sie uns bitte wie der Anfang war? Zuerst war ich im Sekretariat, beim Herrn (Karl) Schäffer, von dem ich alles lernte. Ich war so eine Art “Office-Boy” (Laufbursche). Auch die Poststelle gehörte zu seinem Aufgabenbereich und ich habe da auch mitgeholfen. Um die besten Bilder zu bekommen, gibt es keine Grenzen


In den 70er Jahren begann es dann mit dem Fotografieren für die Genossenschaft? Ja, als Herr (Mathias) Leh Präsident der Genossenschaft Agrária war, verlangte er, dass ich für die Agrária fotografieren sollte. So hat er mir seinen eigenen Foto-Apparat geliehen. Jahrelang habe ich mit seinem Apparat fotografiert. Ein paar Jahre später hat dann die Genossenschaft endlich einen eigenen Apparat angeschafft (lacht). Bei welchen Gelegenheiten haben Sie fotografiert? Die größeren Feste und wichtigen Besuche sollte ich festhalten – die Empfänge von Botschaften und Landwirtschaftsministern aus Deutschland, die Jahresfeiern, den Aufmarsch der Schüler am 7. September, die Ernten und den Aufbau der Industrien. Kurz darauf hat die Agrária auch ein Filmgerät gekauft, noch die Super-8, mit den 3-Minuten-Kassetten. Für eine Zeit machte ich gleichzeitig Schwarz-WeißFotos, farbige Bilder und Slide-Fotos - also hatte ich drei Fotoapparate an mir hängen - dazu noch den Filmapparat. Dann wollte man noch, dass ich Tonband-Aufnahmen mache (lacht). Welche war die wichtigste Gelegenheit, die Sie fotografiert haben? Den Staatspräsidenten von Brasilien, (Ernesto) Geisel, zu fotografieren war etwas Besonderes, da kommt man ja selten dazu, einen Bundespräsidenten so hautnah vor die Linse zu bekommen. Was für ein Gefühl war das denn für Sie? Es war der gleiche Stress wie immer (lacht). Man schaut einfach, dass man die Leute richtig erwischt. Das Problem war, man wusste erst nach dem Entwickeln, ob das Foto gut geworden war. Ständige Disziplin und Konzentration waren also notwendig, denn man musste alles selbst einstellen: die Entfernung, die Blende, den Verschluss. Sie haben auch Privatfeste fotografiert? Das war dann schon in den 80er Jahren. Ich fotografierte 10 bis 12 Jahre lang Hochzeiten, Taufen, Erstkommunionen.

Eines der bekanntesten Kennzeichen von Franz Hermann: auf den Stuhl steigen. Hier mit einem Filmapparat

Seine Lieblingsmotive sind Landschaften: der starke Frost war eines der schönsten

Welche war die fröhlichste und die traurigste Gelegenheit, bei der Sie fotografierten? Die fröhlichste Gelegenheit ist schwer zu sagen. Hochzeiten waren immer lustig, aber es war nichts Außergewöhnliches. Das Traurigste war, als Herr Mathias Leh gestorben ist (im Jahre 1994). Das war das Schlimmste, weil er mich ja sehr gefördert hat und ich immer bei ihm gewesen war. Im Laufe der Jahre, von welchem “Chef” blieb Ihnen das schönste Bild? Das war auch der Herr Leh. Am Anfang, als in der Agrária alles viel kleiner war, haben sich alle Mitarbeiter gekannt und da war das Klima in der Arbeit irgendwie freundschaftlicher. Herr Leh hat sich auch dafür eingesetzt, dass wir ein Foto -und Filmarchiv haben, auch das Museum mit allen Dokumenten entstand auf seine Anweisung. Später haben die Nachfolger von Herrn Leh, besonders die heutige Direktion der Agrária, viel dazu beitragen, dass das Foto- und Filmarchiv und Museum weitergeführt wird und erhalten bleibt. Es wird ein neues Museum gebaut mit speziellen Archivräumen, in dem dann unser Material professionell aufbewahrt werden kann. Sie sind noch für die Aufbewahrung und Organisation von Fotos und Filmen zuständig? Zuerst wurden die gesamten Bilder und Negative in meinem Arbeitsraum aufgehoben und später richtete man dann ein klimatisiertes Zimmer dafür ein. Wir haben noch Negative von 1951, auch Filme, die die Schweizer-Europahilfe in den Anfangszeiten gedreht hat. Auch Fotos von Jesco von Puttkamer und Karl Schäffer wurden uns überlassen. Von mir sind Fotos und Negative seit August 1970 aufbewahrt. Haben Sie eine Ahnung, ob Ihre Leistung von unserer Gemeinde bewundert wird, da Sie doch mit Ihrer Arbeit die Geschichte von Entre Rios verewigt haben? Die meisten Leuten wissen das ja gar nicht (lacht). Die sehen nur, wenn ich schon wieder im Wege stehe und störe (lacht). Dass ich die fotografiert und die Bilder aufgehoben habe, war wichtig,

aber nichts Besonders, weil es zu meiner Arbeit gehörte. Mir wurde verraten, dass Ihnen Ihre Enkel, neben der Fotografie am liebsten sind. Welche Bedeutung hatte Ihre Familie in diesem Zusammenhang? Eine Zeit lang war die Agrária wichtiger als die Familie, die aber immer um mich war und heute noch sind wir jeden Tag beim Mittagessen zusammen, meine Töchter und meine Enkelkinder. Das finde ich schön! Außerdem hat mir meine Frau Christine Oster Hermann zwischen den Jahren 1992 und 2005 (14 Jahre lang) geholfen, indem sie für das Filmarchiv der Agrária Videofilme aufgenommen hat (Jahresfeiern, Besucher, Aufführungen im Kulturzentrum, unter anderem).

Franz Hermann (Mitte hinten) mit dem Fotoapparat, während des Besuches von Ernesto Geisel, im Jahre 1976: “Den Staatspräsidenten von Brasilien zu fotografieren war etwas Besonderes”

Sie haben auch Interesse an neuen Technologien? Eigentlich habe ich mit den ersten Computern, die die Agrária in den 90er Jahren gekauft hat, mitgearbeitet. Bei der Entwicklung des ersten Programms für die Übernahme von Getreide, habe ich auch mitgewirkt. Solche technische Neuerungen haben mich immer interessiert. Woher kommt Ihr bekanntestes Kennzeichen, die “Technik” auf einen Stuhl zu steigen, um zu fotografieren? (Lachen) Ich habe mich daran gewöhnt, wenn man das Bild von einem höheren Standpunkt aus macht, dann hat man eine bessere Übersicht. Das ist nur, damit das Foto besser wird. KP

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Fotos: Privatarchiv Agatha Tratz

Gemeinde

Allein am Vatertag wurden 770 Churrasco-Karten verkauft: eine “heiße” Zahl

Vatertagsfeier

Zusammenarbeit als Hauptziel Seit Jahrzehnten gibt es nun schon die traditionellen Feste zum Mutter- und Vatertag auf dem Gelände der LeopoldinaSchule in Entre Rios und ebenso lange findet die jährliche, dreiwöchige Brasilienreise der Oberstufe statt, an der jeder Junge, jedes Mädchen einmal während der Schulzeit teilnehmen will. Doch das ist ein großes Ziel, denn geschenkt bekommt niemand die Reise. Deshalb sammeln seit Anfang der 70er Jahre Schüler und ihre Eltern das nötige Geld für die traditionelle Brasilienreise der Leopoldina-Schule auf beispielhafte Weise zusammen: Sie veranstalten dafür die allseits beliebten großen Gemeindefeste, vor allem zum Mutter- und Vatertag und das Wichtigste dabei sind, neben Vorbereitung und Durchführung der Feste, die praktischen Lehren und Erfahrungen für die 15 oder 16-jährigen Schüler, die sie aus solchen Festen ziehen. Ein großes Fest zu veranstalten erfordert von jedem Helfer Verantwortung, Zusammenarbeit, Hilfsbereitschaft und großes Engagement. Es beginnt mittags mit dem Churrasco (Grillfleisch), dazu gibt es Salate und Kuchen, Gebäck und süße Nachspeisen. Für Kinder und Jugendliche steht daneben ein reichhaltiges Spiele-Angebot zur Verfügung.

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Zeitschrift Entre Rios schildert die Vorbereitung auf ein gelungenes Vatertagsfest. Die Vorarbeiten beginnen immer schon einige Wochen zuvor, denn bereits vor dem Muttertag wird eine Festkommission mit sechs Müttern gewählt, die für die gesamte Organisation der verschiedenen Veranstaltungen während des Jahres zuständig ist. “Es wird alles vorher organisiert und aufgeschrieben, was man für diese Feste brauchen wird und dann treffen sich Schüler und Eltern zu einer gemeinsamen Sitzung. Ab dann teilt man ein, was jeder übernimmt”, erklärt Helga Remlinger, 49, eine der Kommissionsmitglieder. Mutter- und Vatertagsfeier erfordern ähnliche Vorbereitungen. Drei bis vier Wochen vor dem Fest werden schon die Lose vorbereitet, Preise gesammelt und Churrasco-Karten ausgeteilt, damit die Schüler diese an Verwandte, Freunde und Bekannte verkaufen können - 20 Karten muss jeder Schüler im Voraus verkauft haben. Die Eltern der 26 Schüler steigen nun auch sofort ein: fast alles, Lebensmittel und Preise für die Lose, wurde gespendet. Während die Mütter sich um die Vorbereitung der Kuchen und der Lose kümmern, sind die Väter auf der Suche nach Spenden für Rind-,

Schweine- und Schaffleisch und besorgen das Brennholz für die Churrasco-Öfen. Nur durch die organisierte Zusammenarbeit zwischen den Jugendlichen und Vätern gelingt es, 4 Ochsen und 9 Schweine, bzw. 260 Spieße Rindfleisch und 390 Spieße Schweinefleisch, jedes durchschnittlich

Väter und Jungs übernahmen die Vorbereitung des Fleischbratens: insgesamt waren es 260 Spieße Rindfleisch und 390 Spieße Schweinefleisch


Mädchen und Mütter schwitzten und “weinten” während 240 kg Kartoffeln gekocht und 60 kg Zwiebeln geschält wurden

Die großen Klapptische auf- und abladen war eine mühsame Arbeit für die Burschen – doch die Mädchen halfen auch mit

Das Wetter half ebenfalls mit und die Vatertagsfeier wurde ein angenehmer Sonntagnachmittag

1,460 kg schwer, zu verschneiden, einzubeizen und aufzuspießen. Dazu wurde um die Erfahrung von Estefano Remlinger, 53, gebeten, der zum dritten Mal dabei ist (hat drei Kinder) und die Routine schon auswendig kennt. “Wir haben zwei Wochen vorher organisiert, wie viel Fleisch man braucht. Rindfleisch, Schweinefleisch, Schaffleisch und Ochsenrippen gab es”, erklärt er. Am Samstagmorgen vor dem Vatertag wurde das Fleisch fachgerecht geschnitten und am Nachmittag, mit “Zwiebeln, 2,3% Salz und etwas Knoblauch” eingebeizt. Das gesamte Fleisch blieb über Nacht in Trögen und wurde am Sonntagmorgen aufgespießt. Vorher aber hieß es für Väter und Schüler, die zahlreichen Spieße zu säubern, die Klapptische mit dem Lastwagen abzuholen und aufzustellen. Gleichzeitig schwitzten und “weinten” Mädchen und Mütter in der Küche, während 240 kg Kartoffeln gekocht und 60 kg Zwiebeln geschält wurden. Auch mussten die Tische gesäubert und geschmückt und die Spiele vorbereitet werden. “Das ist alles sehr lustig. Da erzählt und unterhält man sich viel, die Eltern lernen sich besser kennen und sogar neue Freundschaften werden geschlossen”, ergänzt Helga. “Die Schüler kennen sich ja schon seit der Vorschule, aber die Eltern nicht. Da hat man Freude daran, am nächsten

Tag wieder zu kommen und weiter zu arbeiten”, fügt Edeltraud Korpasch Zimmermann hinzu. Endlich kommt der Sonntag und um 7 Uhr sind schon alle in der Schule. Es ist noch vieles zu tun, die Frauen übernehmen die Zubereitung der Salate, die anderen säubern die Tische; die Spiele für die Kinder werden vorbereitet, und die Jungen spießen das Fleisch auf. Bevor nun alles richtig los geht, noch zwei rührende Begebenheiten: Ebenso wie auch am Muttertag für die Mütter, gab es auch eine Überraschung der Schüler für die Väter. “Am Muttertag bekam jede Mami eine Rose und ein Text wurde vorgelesen. Am Vatertag erhielt jeder Vater einen Schlüsselanhänger”, erzählt Helga. “Das war wirklich sehr schön”, findet Vater Estefano Remlinger. Auch versammelten sich alle Helfer, um kurz vor dem Fest ein “Vater unser” zu beten. Dann wurde es ernst und jeder übernahm seine zugeteilte Aufgabe. Beim Spieß-Braten arbeiteten 10 Männer an den Churrasco-Öfen, weitere vier übergaben das gebratene Fleisch an die hungrigen Festteilnehmer. Schüler und Schülerinnen halfen überall mit, sei es beim Churrasco, bei der Getränkeausgabe oder in den verschiedenen Zelten, wo Salate, Hotdog, Süßigkeiten, Kaffee und vieles mehr angeboten wurde. Die Schüler sehen dabei, wie wichtig es ist, dass jeder seinen Teil dazu beiträgt und halten das

auch für eine Lehre fürs eigene Leben. “Es ist wirklich schön, dass wir selbst arbeiten und selber etwas leisten können, um unsere Reise zu verwirklichen”, meint Schülerin Angela Marx, 16, die den Schlüsselanhänger für die Väter bastelte. Die Schülerin Thalita Mudryk, 16, ist der gleichen Meinung und ergänzt noch, dass es auch interessant war “die Schulkollegen bei einer so lockeren und lustigen Situation besser kennenzulernen und nicht immer nur so ernst wie im Klassenzimmer”. Auch die Eltern glauben, “die Zusammenarbeit von Kindern und Eltern hat sehr gut geklappt und die Integration war sehr gut”, so Edeltraud. “Mit den Kindern zu arbeiten hat uns sehr gefreut. Die Burschen haben immer mitgeholfen und waren sehr fleißig”, lobt Remlinger. Insgesamt wurden 770 Churrasco-Karten verkauft. Nach dem Fest, als schon alles aufgeräumt wurde, kamen Eltern und Schüler wieder zusammen und beteten, um Dankeschön zu sagen, weil das Fest so gut gelungen war – nicht nur wegen des beträchtlichen Reinerlöses für die Reise, sondern auch wegen der großartigen Zusammenarbeit von Eltern und Kindern, als Beispiel für gute Erziehung von kleinen, großen Donauschwaben. KP

Die Zusammenarbeit von Schülern und Eltern ermöglicht eine erfolgreiche Vatertagsfeier

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Foto: Antonio Claret de Rezende

Foto: FH

Kurzmeldungen

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Die Jugend von Samambaia organisiert und veranstaltet jährlich das traditionelle Kirchweihfest des Dorfes. Für den Nachmittag am 20. August wurde im Klubhaus ein Männer-Kegelturnier geplant. Am Abend, um 19 Uhr, trugen die Kirchweihpaare den Kirchweihstrauß zur Festmesse in die Maria-Himmelfahrt-Kirche. Um 22 Uhr zeigte die Donauschwäbische Trachtentanzgruppe II der Kulturstiftung im Klubhaus einige Volkstänze und die Kirchweihpaare eröffneten den Kirchweihball, der von der Tanzkapelle Original Donauschwaben Musikanten gespielt wurde. Der Kirchweihstrauß wurde von Edmund Gumpl versteigert. Der letzte Einsatz kam von Robert Keller, der den Strauß gewann und ihn seiner Tochter Luana Keller schenkte, die somit das Kirchweihmädel 2011 wurde.

Foto: ER

Am 30. September wurde in der Leopoldina-Schule in Vitória die Plakette des PASCH-Programmes «Schulen: Partner der Zukunft» enthüllt, die die Partnerschaft zwischen dem Auswärtigen Amt, der Genossenschaft Agrária und der Leopoldina-Schule bezeugt. Weltweit sind 1.500 Partnerschulen bei PASCH angeschlossen. Dadurch soll bei jungen Menschen nachhaltiges Interesse und Begeisterung für das moderne Deutschland und die deutsche Sprache geweckt werden. Anschließend wurden 20 Schülern der Stufe B1 und 3 Schülern der Stufe B2/ C1 des Deutschen Sprachdiploms 2010 im Kulturzentrum die Diplome verliehen. Die DSD-Prüfung ist eine Sprachprüfung der Bundesrepublik Deutschland, welche nachweist, dass ein Schüler die deutsche Sprache auf einem hohen Niveau beherrscht und so die sprachlichen Anforderungen für ein Studium an einer deutschen Hochschule erfüllt. An beiden Feierlichkeiten beteiligten sich Wolfgang Theis, Fachberater für Deutsch, und Paul Illich, Vizepräsident der Genossenschaft Agrária

Foto: Privatarchiv Keller

Zu einem freundschaftlichen Beisammensein am 11. September empfing Deutschlands Botschafter für Brasilien, Wilfried Grolig, im Corcórdia-Klub in Curitiba, den deutschen Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dirk Niebel. Ziel des Zusammenseins war es, den Bundesminister aus Anlass seines Besuches in der Hauptstadt Paranás zu ehren. Unter den Eingeladenen befanden sich der deutsche Konsul Andreas Hoffrichter; der ehemalige deutsche Konsul, Hans Schorer (bei dieser Gelegenheit durch die Verleihung einer Auszeichnung geehrt); die Leiterin des Goethe Instituts Curitiba, Cláudia Römmelt Jahnel; der Präsident der Zeitung “Industrie und Handel”, Odones Fortes Martins; und der Präsident der Genossenschaft Agrária, Jorge Karl (Auf dem Foto, v. l. n. r.: Andreas Hoffrichter; Jorge Karl; Dirk Niebel; Hans Schorer und Luíza Schorer; und Wilfried Grolig).

Am 17. September boten die Tanzgruppen der DonauschwäbischBrasilianischen Kulturstiftung im Kulturzentrum Mathias Leh der Gemeinde von Entre Rios einen abwechslungsreichen Abend an. 11 Tanzgruppen zeigten deutsche und donauschwäbische Tänze. Und zwei Gaúcho-Tanzgruppen, die in diesem Jahr gebildet wurden, meisterten erfolgreich ihre erste Aufführung. Der Abend wurde von 306 Tänzer und Tänzerinnen zwischen 3 und 89 Jahren gestaltet. Dazu gab es eine Fotoausstellung der Tanzgruppen, die bis zur Gründung von Entre Rios, vor 60 Jahren zurückreichte.


Foto: Privatarchiv Zehr

Foto: Privatarchiv Zehr

Foto: Sandra Hyczy

Am 6. September spendete der Frauenverband von Entre Rios dem Kindergarten der Leopoldina-Schule in Vitória Lego-Spielzeug.

VERANSTALTUNGSKALENDER 2011

Durch eine großzügige Geldspende des Bürgervereins Rheinau e. V. aus Rastatt konnte der Frauenverband von Entre Rios den Kinderprojekten der Vila Degail und Nova Esperança (250 Kinder von der 1. bis zur 4. Klasse), den Munizipalschulen Francisco Peixoto de Lacerda Werneck und Princesa Isabel (875 Schüler bis zur 4. Klasse) sowie dem Kinderhort Vitória (90 Kleinkinder von 4 Monaten bis 4 Jahre) pädagogische Spiele und Sportmaterial überreichen.

Der Soroptimisten-Verein von Guarapuava veranstaltete zum 14. Mal das “Treffen der Generationen”, das zum Ziel die Aufwertung der Familie hat. Geehrt werden Omas und Uromas, die als “Fundament der Familie” gelten. 5 Omas erhielten eine Anerkennung, darunter die 75-jährige Theresia Kunst Essert aus Entre Rios, die Mittelpunkt ihrer Familie ist, beispielshaft vorangeht und Erfahrungen vermittelt. Der unterhaltsame Nachmittag mit Tee, Imbiss und Bingospiel, wurde von den Tanzdarstellungen der Seniorentanzgruppe der DonauschwäbischBrasilianischen Kulturstiftung erheiternd umrahmt.

November

Trauermeldungen

11. Sankt-Martinsfest – Kindergarten der Leopoldina-Schule 12. Musikabend – Jugendcenter 25. “Isto é Projeção” – Kulturzentrum Mathias Leh 26. Musikabend – Jugendcenter 27. Adventsbasar – Frauenhilfe der evangelischen Gemeinde Cachoeira

Peter Schramm ist am 21. September im Alter von 87 Jahren in Jordãozinho verstorben. Er wurde am 16. März 1924 in Vucevci, Kroatien, geboren und kam mit dem 7. Transport nach Entre Rios. Seine Ehefrau Maria ging ihm im Tod voraus. Es trauern um ihn seine Tochter Eva, Enkelsohn Diego, Nichten und Neffe.

Dezember 1. Eröffnung der Weihnachtsbeleuchtung – Sankt-Michaels-Kirche 4. Weihnachtsbasar - Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung 6. Nikolausfeier – Leopoldina-Schule 8. Schulabschlussfeier – Leopoldina-Schule 17. Schulabschlussfeier – Schule D. Pedro I 17. Musikabend – Jugendcenter 17. Weihnachtsfeier – Dorf Socorro 19. Beginn der Sommerferien – Leopoldina-Schule 23. Weihnachtsfeier – Dorf Jordãozinho 23. Weihnachtsfeier – Dorf Samambaia 24. Weihnachtsfeier – Dorf Cachoeira 31. Silvesterabend – Freizeitzentrum Jordãozinho

Maria Jurgowsky, geb. Thomann ist am 25. September im Alter von 81 Jahren in Vitória gestorben. Sie wurde am 29. August 1930 in Sotin, Kroatien, geboren und kam mit dem 3. Transport nach Entre Rios. Ihr Ehemann Johann ging ihr im Tod voraus. Sie wird betrauert von ihren Kindern Veronika, Anton, Waltraud und Walter, sowie von 8 Enkel und 5 Urenkelkindern. Adelheid Hauth Geier ist am 1. Oktober im Alter von 51 Jahren in Cachoeira verstorben. Sie wurde am 8. Oktober 1959 in Cachoeira geboren. Es trauern um sie ihr Ehemann Norbert, die Kinder Marcos und Nikita, sowie Enkeltochter Ana Clara und 4 Schwestern.

Änderungen vorbehalten

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Oktober/2011  

Revista Entre Rios - Oktober/2011

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