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Die kulturelle Zeitschrift der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios - August 2011 / Auflage Nummer 91

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Das einzigartige 3. Dorf Cachoeira Jedes einzelne der fünf Dörfer von Entre Rios hat seine eigenen Besonderheiten und Cachoeira ist hier keine Ausnahme, im Gegenteil. In dieser Ausgabe berichtet Zeitschrift Entre Rios über Tatsachen und Erinnerungen zum Aufbau des 3. Dorfes und Pioniere erläutern Fakten, die auch diese Gemeinde einzigartig machte.

Foto & Geschichte

Landwirtschaft

Sport

Die ersten Industrien

Weizen

25. Kegelturnier


Inhalt 03 04

Foto & Geschichte: Die ersten Industrien

Kultur: Welttreffen donauschwäbischer Kulturgruppen in Ungarn

Zeitschrift der Genossenschaft Agrária zur Aufrechterhaltung der Kultur der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios (Guarapuava/Paraná/Brasilien) Redaktionsleitung

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Landwirtschaft: Weizen Cooperativa Agrária Praça Nova Pátria s/nº Colônia Vitória / Entre Rios Guarapuava - 85139-400 Paraná / Brasilien

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Redaktionsteam

Hauptthema: Das einzigartige 3. Dorf Cachoeira

Chefredakteur: Manoel Godoy mgodoy@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8008 Redakteurin: Rosely Essert roselib@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8529 Redakteur: Klaus Pettinger klaus.pettinger@yahoo.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 1437

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Kochkunst: Waffeln

Assistentin: Karin Müller kmuller@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8528 Korrektur: Andrea Scherer Korpasch andrea@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8002 Layout: Prêmio|Arkétipo Comunicação www.premioarketipo.com.br Gestaltungsleitung: Roberto Niczay

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Sport: 25. Kegelturnier

Berichte und Fotos ER - Ernesto Remlinger FH - Franz Hermann KP - Klaus Pettinger MG - Manoel Godoy RE - Rosely Essert Herausgeber Genossenschaft Agrária / Marketing-Abteilung

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Druck Midiograf Gráfica e Editora Londrina - Paraná - Brasilien Auflage 700 Exemplare

Kurzmeldungen Titelfoto vom Heimatmuseum Entre Rios: In den ersten Jahren wurde Reis angebaut

Erscheinungsweise Zweimonatlich


Foto & Geschichte

Seit dem Beginn ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten ist die Genossenschaft Agrária um die Errichtung von Industrien bemüht: einerseits zur Deckung der eigenen Bedürfnisse; andererseits zur verkaufsfertigen Verarbeitung der vorhandenen Produkte und Materialien. Die ersten Industrien in Entre Rios waren: 1. Eine Sägerei mit einer Blockbandsäge mit einer täglichen Schnittleistung von 80 Kubikmetern Rundholz. 2. Eine komplett eingerichtete Tischlerei, die bis zu 35 Arbeitskräfte beschäftigte. Diese beiden Industrien haben sich in der Anfangszeit als sehr wichtig erwiesen. Zunächst lieferten sie für den Aufbaubedarf der Siedlung das Bauholz sowie die Fenster, Türen und alle Möbel für die Bauern und Arbeiter. Ab 1952 begannen sie für den Verkauf nach außen zu arbeiten. So konnte die Genossenschaft seit 1953 monatlich 2.500 Türen nach São Paulo liefern. So half die Holzindustrie

der Kolonie und der Genossenschaft über finanzielle Engpässe hinweg. 3. Eine Weizenmühle mit einer Tageskapazität von 12 Tonnen und Trockenanlagen für 100 Tonnen in 24 Stunden. 4. Eine Hammermühle für Maisschrot zur Futterproduktion. 5. Eine Reismühle mit einer Stundenleistung von 400 kg. 6. Eine moderne und vollständig eingerichtete Mechanikerwerkstatt. 7. Ein Elektrizitätswerk mit 200 kWh zur Versorgung der Industrien und Haushalte. Die Industrien wurden später verkauft und gingen damit in Privatbesitz über. Die Weizenmühle der Agrária wurde vergrößert und modernisiert. Mit einer Verarbeitungskapazität von 148.000 Tonnen Weizen im Jahr ist sie heute eine der größten des Bundeslandes Paraná. Quelle: Buch “Donauschwaben in Paraná”

Die erste Weizenmühle

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Fotos: Privatarchiv Schüssler

Kultur

Welttreffen donauschwäbischer Kulturgruppen in Ungarn Eine jahrhundertealte Geschichte, wie die donauschwäbische, verweist auf zahlreiche Sitten, Traditionen und Bräuche. Um diese Überlieferungen zu beleben sowie Kontakte zu pflegen, nahm die DonauschwäbischBrasilianische Kulturstiftung der Genossenschaft Agrária am 2. Welttreffen der donauschwäbischen Kulturgruppen teil. Das 11-tägige Programm wurde vom 16. bis zum 28. Juni in der Stadt Harkany, in Ungarn, durchgeführt. Dabei konnten die 56 Teilnehmer aus Kanada, USA, Brasilien, Deutschland, Österreich und Ungarn umfangreiche traditionelle Sitten und auch Trachten, von Tänzen bis zu Liedern und das Brauchtum der Donauschwaben auffrischen und, zum Teil, neu kennenlernen. Eine inszenierte Hochzeitsfeier in gleicher Art und Weise, wie es vor 80 oder 100

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Jahren üblich war, oder ein typischer Schwabenball und die unerwartete Teilnahme einer “echten” Braut waren einige Beispiele des vielfältigen Programmes. “Das Hauptziel war, dass sich die Kulturgruppen treffen, um über die Pflege donauschwäbischer Kultur zu sprechen, überall dort, wo die Donauschwaben heute leben und, auch darüber zu berichten” betont die Koordinatorin der Kulturstiftung, Viviane Schüssler, 32, die mit Kulturassistentin Lore Schneiders, 50, und Tanzlehrerin Isabela Brandtner, 43, nach Ungarn geflogen war. Nach der Einladung zum Treffen im Januar, wurde das Programm analysiert und danach die Teilnahme beschlossen. In den 11 Tagen nahmen die Donauschwaben aus Entre Rios an Kursen, Vorträgen und Auftritten teil. Einige Höhepunkte waren

die donauschwäbische Hochzeit, der Schwabenball und auch die Tanzkurse. Die Hochzeit, erzählen Viviane, Lore und Isabela, wurde in der kleinen Stadt Wemend (rund 1.700 Einwohner) von der Gemeinde vorgespielt. “Die Vereine dieser Stadt stellten sich alle zusammen um eine Hochzeit wie im früheren Stil vorzuführen”, erklärt Lore Schneiders. Alle, von den Besuchern bis zu den Einwohnern, waren in Tracht gekleidet. Die Gäste wurden nun eingeladen, die Vorbereitung der Braut zu begleiten. “Uns wurden die Hochzeitskleider der Schwaben gezeigt, mit den vielen Unterröcken, das Leibl und alles, was zum Brautkleid gehörte”, erzählt Isabela. Danach begann die Hochzeit. Die Kapelle mit den Musikanten spielte voraus und man holte den Bräutigam


in seinem Haus ab. Nun marschierten alle zur Braut und holten auch sie ab. Dann ging es zur Kirche wo ein Pfarrer (der jedoch kein Schauspieler war) die Anwesenden segnete. Von der Kirche gingen alle, mit der Blaskapelle voraus, zum Wirtshaus, wo jeder Gast ein Stück Gugelhupf bekam. Zweimal gab es Nachtessen, zuerst um 20 Uhr und dann um Mitternacht. “Die Hochzeitsfeier begann schon um 4 Uhr nachmittags und wurde genau wie früher, im Jahre 1900 oder 1920, von den Donauschwaben dargestellt”, erklärt Lore Schneiders. “Die Braut war schwarz angezogen, zum Nachtessen gab es “Sarma” und dann wurde getanzt. Andere Bräuche wurden ebenfalls präsentiert: Jedes Ehepaar überreichte einzeln sein Brautgeschenk und tanzte dann mit dem Brautpaar zu einem Ehrentanz. “Es waren mehr als 100 Anwesende auf dem Fest”. Dazu fand auch der Auftritt einer Gruppe aus Cleveland (USA) statt. Im gleichen Stil, jedoch im kleinen Ort Görcsöndoboka, mit rund 500 Einwohnern, wurde ein typischer Schwabenball veranstaltet. Auch hier stellte sich die ganze Gemeinde zusammen: Der Kindergarten spielte das Theater “Die sieben Geißlein”, der Chor sang einige Lieder und die Tanzgruppe, welche seit Jahren nicht mehr aktiv gewesen war, tanzte wieder extra für diesen Anlass. Dann fand der Ball statt. Zum Nachtessen gab es Suppe, Gansschinken, Schnitzel, Reis, Kartoffeln und Krautsalat. Zur Eingemeindung gab es einen Integrationstanz mit Donauschwaben aus der ganzen Welt. “Auf einmal kam eine echte Braut zum Ball”, erzählt Viviane Schüssler. “Im Nachbardorf

Besuch von einem 91-jährigen Blaufärber. “Das ist eine Kunst, die so langsam ausstirbt”, erklärt Viviane Schüssler. V. l. n. r: Lore, Isabela und Viviane

Deutsche Messe mit Pfarrer Peter Zillich in Babarc

fand gerade eine ungarische Hochzeit statt und der Tradition nach wurde die Braut “gestohlen” - so musste der Bräutigam sie nun suchen. Und sie versteckte sich in diesem Schwabenball”. Auf dem Ball wurde nur Polka und Walzer getanzt und die Donauschwaben aus Entre Rios konnten hier einige Schritte ausprobieren, die im vorigen dreitägigen Tanzkurs gelernt worden waren. Dazu erklärt Isabela, dass ihnen drei Lehrer aus Ungarn in

In der Stadt Wemend inszenierten die Gemeinde und alle Vereine eine Hochzeit im früheren Stil

Die Donauschwaben besuchten auch eine Gedenkstätte von Massenvernichtungslagern in Gakowo (Serbien)

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Die Hochzeitsfeier wurde genau wie im Jahre 1900 oder 1920 nachgestellt. Die Braut war sogar schwarz angezogen

verschiedenen Tagen acht Tänze für Kinder und Erwachsene eingeübt hatten. “Wir lernten eine Polka, die viel schneller ist, als wir sie bei uns tanzen. Die Kindertänze waren jedoch im gleichen Stil, wie wir sie unseren Kindern einlernen”, betont Isabela, die einige Unterschiede zwischen dem Tanzstil in Ungarn und Entre Rios erwähnte. “Es wird viel während des Tanzes gesungen und das können wir auch bei uns einführen. Anderseits setzen sie Choreografien in Tänzen wie Polka, Walzer und

Wechselschritt ein, anders als wir es machen – wir versuchen, Tänze vorzuführen wie man sie früher getanzt hat”. Zum Programm gehörten noch einige Vorträge zu Geschichte und Traditionen der Donauschwaben. In den Kursen lernte man typische Zöpfe flechten, schwowisches Halstuch und Fransen knüpfen, Wurst machen und Strudel backen. Auch ein 91-jähriger Blaufärber besuchte die Gruppe. “Das ist eine Kunst, die so langsam ausstirbt. Man kauft den rohen Stoff, der wird öfters ausgewaschen. Mit

Im Tanzkurs lernten die Donauschwaben aus Entre Rios acht Tänze für Kinder und Erwachsene

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Anil druckt man das Muster ein und wo Anil ist, nimmt der Stoff keine Farbe an. Somit wird der Stoff weiß und blau, je nachdem, wo Anil ist”, erklärt Viviane Schüssler. Eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung als Gruß an die alte Heimat in Mohacs an der Donau, mit anschließendem Gottesdienst; ein Besuch in Sombor und auch an der Gedenkstätte von Massenvernichtungslagern der Donauschwaben in Gakowo (Serbien), waren Teil des Programmes zum Andenken an die donauschwäbische Geschichte. Von der Reise brachte die Kulturstiftung von Entre Rios viele neue Ideen zurück, aufgefrischte Kontakte und Informationen, welche zum Teil in der donauschwäbischen Gemeinde in Entre Rios eingeführt werden können. “Haarzöpfe flechten, die Tänze und die Lieder, solche Informationen können wir sicher bei uns auch verwenden”, glaubt Lore Schneiders. Außerdem wurde bestätigt, dass die Kulturstiftung der Genossenschaft Agrária auf dem richtigen Weg ist, um die donauschwäbische Kultur zu erhalten. “Man sieht, dass wir noch der genauen Tradition treu geblieben sind”, freut sich Lore Schneiders, die auch Jugendleiterin des Weltdachverbandes in Brasilien ist. Und Isabela fügt hinzu: “Ich war stolz, weil wir noch schwäbisch sprechen, denn die Jugend aus den anderen Ländern spricht leider nicht einmal mehr Deutsch. Ich bin selbst keine Schwäbin, aber ich


bin auch stolz, dass die Kultur erhalten bleibt”. Das nächste Welttreffen ist für 2014 geplant. Nächstes Jahr an Pfingsten, findet in Ulm eine Feier statt, zum Gedenken an die erste Abfahrt der Ulmer Schachtel vor 300 Jahren. “Wir möchten auch Herrn Stefan Ihas, der das Treffen organisiert hat, herzlich gratulieren. Wir sind mit dem gesamten Treffen absolut zufrieden”, betont Viviane Schüssler. “Was mir am meisten geblieben ist, war der Austausch mit den anderen donauschwäbischen Vereinen und Gruppen aus Nordamerika, Kanada und Europa. Wir haben jetzt neue AustauschKontakte und einige Gruppen wollen sogar zur 60-Jahr-Feier von Entre Rios im Januar 2012 kommen”. Auch Vorträge, wie dieser über Brauchtum und Trachten, waren im Programm

KP

Kranzniederlegung an der Donau in Mohacs Kultur- und Traditionsaustausch war der Höhepunkt des Treffens. Hier die Trachten der Ketschinger Gruppe

Die Donauschwaben konnten einige Sitten, wie das traditionelle Zopfflechten in der Praxis ausprobieren

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Landwirtschaft

Fotos : MG

Weizen

Neue Wege zu einer neuen Zukunft In einem Interview über die Aussichten auf dem Weizen-Markt sagte Robson Mafioletti, Wirtschaftswissenschaftler im Landesverband der Genossenschaften Paranás (OCEPAR), der Export – so wie es seit einigen Jahren auf dem Mais-Markt begann – könnte bei Vermarktungsschwierigkeiten einen Ausgang darstellen. Auf einem Seminar, das von der Landwirtschaftsföderation veranstaltet wurde und in der Ackerbau-Gewerkschaft am 29. Juni stattfand, analysiert er die gegenwärtige Lage dieser Winterkultur. Trotz Wirtschaftlichkeitsschwankungen bleibt sie für Brasilien immer noch wichtig.

ZER – Was kann man in Bezug auf den Weizen-Markt vorhersagen? Wie sieht es auf diesem Markt im Moment aus? Robson – In Paraná hat man (Position am 29. Juni) 90% der Weizenanbaufläche der Ernte 2011 bebaut. Im Durchschnitt verzeichnen wir eine Verringerung der Anbaufläche um 4,5%. Und zwar wegen der Situation im Bereich der sogenannten “kleinen Mais-Ernte” (bzw. Winter-Mais): Das ist eine Branche, die den Bauern ein besseres Ergebnis ermöglicht. Der Winter-Mais besetzte die Anbauflächen insbesondere in den westlichen und nördlichen Regionen (von Paraná). Hier in Guarapuava und in Ponta Grossa ist die Situation etwa anders. Eine interessante und auch mögliche Alternative ist der Weizenanbau. Die Landwirte bebauen eine Fläche, die der Fläche des vergangenen Jahres ziemlich ähnlich ist. Der Markt ändert sich nicht viel: Der Weizen-Produzent verkauft (den 60 kg-Sack) um einen Preis von R$ 22,00. In diesem Jahr erreichte der Preis eine Stufe von R$ 27,00. Das ist die Preislage der letzten zwei Jahre. Es ist einfach, den Weizenpreis zu schätzen: Es ist ein stabiler Preis. Und niedrig, leider. Die Produktionskosten werden auf R$ 30,00 geschätzt. Der Bauer verzeichnet einen Ertrag von 3 tausend kg/ha. Im einheimischen Panorama stellen wir Flächeund Produktionsverringerung fest. Es ist viel zu früh, um über das Ernte-Volumen zu sprechen. Weizen ist ein Risiko-Produkt. Aber wir schätzen die nächste (brasilianische Ernte) auf 5,5 Millionen Tonnen. Trotzdem

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ist es eine wichtige Ernte für Paraná und Rio Grande do Sul, die für 90% der Ernte verantwortlich sind. Bei den weltgrößten Weizenproduzenten – USA, Kanada, EU, China, Indien und Kasachstan – befinden sich die Felder in der Entwicklungsphase. Wir müssen abwarten, um zu sehen, wie sich die Entwicklung im Juli und August erweist. Bleibt das Klima weiter positiv, werden wir eine Ernte um 16 Millionen Tonnen größer haben, als im letzten Jahr. Für (höhere) Preise ist es nicht günstig, da die Nachfrage jährlich um 8 oder 9 Millionen steigt. Weltweit entspricht die Produktion 650 Millionen Tonnen. Wir produzieren 5 Millionen. Unser Markt-Anteil ist ziemlich gering, sogar in Südamerika. Zusammengezählt ergeben die Ernten dieser Länder 25 Millionen Tonnen Weizen. Die (brasilianischen) Bauern werden Weizen weiter anbauen. Wir vertrauen darauf, dass es uns jedes Jahr gelingt, Kosten zu reduzieren und Weizen-Sorten zu trennen. Die Agrária besitzt schon ein Programm in diesem Sinne, um bestimmte Branchen beliefern zu dürfen. Ich denke, der Bauer und die Genossenschaften müssen daran arbeiten. Das ist der Weg, wenn wir mit Weizen weitergehen wollen, mit Liquidität und Preis. Durch so eine Arbeit an Kostenreduzierung und an der Verbesserung unserer logistischen Wettbewerbsfähigkeit werden wir Weizen immer mehr exportieren können. In diesem Jahr sind bereits 2,2 Millionen Tonnen Weizen nach dem internationalen Markt verschifft worden. Trotz der Tatsache, dass wir 5,5 Millionen Tonnen produzieren, 10,5 Millionen Tonnen verbrauchen und jedes Jahr importieren

Robson Mafioletti, Wirtschaftswissenschaftler im Landesverband der Genossenschaften Paranás (OCEPAR)

müssen, haben wir die Möglichkeit, auf dem einheimischen Markt zu verkaufen und, bei Liquiditätsschwierigkeiten, zu exportieren. So wie im Mais-Bereich ab dem Jahr 2000. ZER – Da wir gerade von WeizenSorten-Trennung gesprochen haben: Glauben Sie, dass der Bauer an die Qualität des Weizenkornes denken muss? Kann es ihm bei der Vermarktung helfen? Robson – Mit der neuen WeizenRegelung, die am 1. Juli 2012 in Kraft treten wird, müssen wir die Qualität berücksichtigen, die die Industrien anfordern und mit der sie ihre Produkte herstellen werden. Es lohnt sich nicht mehr, Weizen zu produzieren – wie wir es lange gemacht haben – um an die Regierung zu verkaufen. Wir werden Weizen-Sorten anbauen müssen, die den neuen Klassifizierungsstandards des Landwirtschaftsministeriums entsprechen – die den Standards ziemlich nah sind, die von den Industrien angefordert werden. Es geht um diese Zweiseitigkeit: Qualität und Produktivität. Der Bauer denkt immer an Produktivität. Wir werden in diesen Markt hineingehen und dann wird man sehen, ob man den Kampf zwischen Bauer und Industrie befrieden kann. Man muss zusammenarbeiten: Industrie, Bauer und Genossenschaft. Da kann man Ergebnisse erreichen und – wenn möglich – von der Regierung immer weniger abhängen, um Ernten zu vermarkten. MG


Hauptthema

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Foto Privatarchiv Reinerth

Jedes einzelne der fünf Dörfer von Entre Rios hat seit der Einwanderung der Donauschwaben seine eigenen Besonderheiten. Das 3. Dorf Cachoeira ist hier keine Ausnahme, im Gegenteil. Die Familien, die in den 70 Hausplätzen des Dorfes siedelten, kamen ursprünglich aus verschiedenen Gebieten, wie Batschka, Banat, Syrmien und Slawonien. Zum Großteil waren die Bewohner evangelische Donauschwaben, was zu einem außergewöhnlichen Ereignis führte: Das 3. Dorf ist das einzige von Entre Rios, das in friedlicher Eintracht zwei Gotteshäuser erhielt, die noch dazu in unmittelbarer Nachbarschaft stehen. In dieser Ausgabe berichtet Zeitschrift Entre Rios über Tatsachen und Erinnerungen zum Aufbau des 3. Dorfes Cachoeira. Mit Berichten zu ihren eigenen Lebensgeschichten erläutern Pioniere Fakten, die auch diese Gemeinde einzigartig machte, wie beispielsweise die Kirchweihfeste, die für Jahrzehnte von der evangelischen und katholischen Gemeinde des Dorfes gemeinsam gefeiert wurden. Oder die ersten Jahre der Landwirtschaft im Dorf und die Lieferung der Ernte zur zentralen Genossenschaft. Aber auch das tägliche Treffen der

Foto : Archiv Heimatmuseum

Die Glocke der evangelischen Kirche wird feierlich hochgezogen

gesamten Jugend in der Mitte des Dorfes, um Heimatlieder zu singen. Nicht zuletzt die wichtigen Entdeckungen (wie zum Beispiel, dass Skorpione giftig sind) und die schwierigen Arbeitsaufenthalte in verschiedenen Großstädten Brasiliens und die Rückwanderung vieler Donauschwaben. Johann Reinerth ist heute 89 Jahre alt und tanzt seit zwei Jahren bei der Seniorentanzgruppe, die schon rund 30 Tanzpaare hat. “Ich halte es für sehr wichtig, dass ältere Leute eine Beschäftigung haben, die brauchen das”, meint Reinerth. Wille und Tanzbegabung sind bei ihm noch gleich wie vor 60 Jahren. Zur Gründungszeit der Siedlung zählte er bereits 30 Jahre und war Familienoberhaupt. Als Bauer hatte er Recht auf 20 Hektar Ackerfläche, aber er verzichtete auf die Landwirtschaft, um eine

eigene und relativ große Hühnerzucht zu beginnen. “Das war ein ziemlich gutes Geschäft. Die Kunden bestellten die Küken und züchteten sie auf ihrer Farm zum Eigengebrauch”, erzählt er. Reinerth hatte sich eine Brutmaschine für 3.200 Eier zugelegt. Die Küken verkaufte er an die ganze Siedlung und auch im Bezirk Guarapuava. Später, als die Hühner schon im Supermarkt zu kaufen waren, stellte er sich auf Eierproduktion um, was er auch heute noch macht. Jedoch setzte Reinerth seine ganze Kraft nicht nur in der Landwirtschaft und Hühnerzucht ein. Der Pionier trug auch viel zum Aufbau der evangelischen Kirche bei. Da die Gemeinde wenige Pastoren hatte, erzählt Reinerth, “wurden wir von der Stadt Castro (200 km entfernt) betreut, aber der Pastor kam nur einmal, alle 8 Wochen”.

Foto : Archiv Heimatmuseum

Johann Reinerth und Familie in den 60er Jahren

Die evangelische und katholische Kirche wurden nebeneinander und zeitgleich gebaut. Auf dem Bild auch die erste Schule des 3. Dorfes

Foto: Archiv Heimatmuseum

Das einzigartige 3. Dorf Cachoeira

Aufbau von Cachoeira

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Foto: Privatarchiv Reinerth Foto: Privatarchiv Schmidt

Reinerth (2. vorne, v. r. n. l.) bei der Verwaltung im Elektrizitätswerk des 4. Dorfes

In den Anfangsjahren war Katharina Schmidt bei deutschen Familien tätig – hier war sie in Santos

Foto: Privatarchiv Schmidt

Katharina Schmidt (3. v. r. n. l.) : Die Jugend hat sich für den Aufbau des Sportplatzes eingesetzt

Reinerth beim Maishacken (hinten 2. v. r. n. l.)

Foto Privatarchiv Reinerth

Seinen Beitrag leistete er nicht nur durch Mithilfe beim Aufbau der Kirche, sondern er engagierte sich noch viele Jahre lang in der Kirchengemeinde. Für 25 Jahre hielt er jede 2. Woche den Wortgottesdienst. Auch erwähnt Reinerth stolz, dass sich die evangelische und katholische Gemeinde von Anfang an sehr gut verstand. So wurden die Kirchen mit Unterstützung der Genossenschaft Agrária nebeneinander und miteinander gebaut. Auch wurde von Anfang an ein ökumenischer Beschluss gefasst: jeden Sonntag, nach dem 13. Juni wird gemeinsam das Kirchweihfest von beiden Religionen gefeiert. Mit Erfolg: Über 50 Jahre konnte das Fest in dieser Form erhalten bleiben. “Das war ein damaliger Beschluss von der Gemeinde, für den sich die jüngere Generation bedanken muss. Und das Fest sollte heute noch so gefeiert werden, wird aber leider nicht mehr”, bedauert Reinerth, der noch gute Erinnerungen an das Einweihungsfest hat. “Die ganze Gemeinde hat mitgeholfen, wir haben alle eingeladen, das war sehr schön”. Natürlich wurden viele Feste, größere oder kleinere, auf der Siedlung in den 50er Jahren gefeiert. Von Anfang an gab es jedes Wochenende Tanz, oft samstags und sonntags. “Aber am Sonntag ging es nicht bis zum Morgengrauen, denn am Montag weckte uns der Vater schon um 4 oder 5 Uhr früh zur Arbeit auf”, erzählt Katharina Schmidt, 74. Als 14-jähriges Mädchen war die Anfangszeit damals relativ kontrastreich für sie. Einerseits musste das junge Mädchen den Eltern schon tatkräftig helfen, sei es im Haushalt oder auf dem Feld. Auf der anderen Seite aber war sie in einem Alter, in dem sie viele Freunde hatte und die Tänze sehr gerne besuchte. So nahm Katharina das Ganze nicht so schwer und pflegte ihre Freundschaften trotz aller Arbeit. “Damals arbeiteten alle miteinander. Die jungen Mädchen waren immer zusammen”, erzählt sie und erinnert sich sofort an eine Geschichte, die deutlich macht, welchen Gefahren sie unbewusster Weise ausgesetzt war. “Wir haben sehr gerne mit den Skorpionen gespielt, das war so interessant, wie die sich mit dem “Schwanz” bewegt haben. Wir hatten keine Ahnung wie gefährlich die Skorpione waren. Später erst wurde uns gesagt, wie giftig die eigentlich sind”. Unbekannt war nicht nur die Natur, sondern auch, und vor allem die Sprache. Schon in Entre Rios kam die junge Katharina in Verlegenheit, als sie sich einmal mit dem fremden Portugiesisch irrte. “Eines Tages wurde eine andere Art von Tanz geplant und die Leute sagten, es würde barfuß getanzt. Barfuß heißt auf Portugiesisch “descalço”. Aber anstatt “descalço”, habe ich “sem calça” (ohne Hosen) verstanden und alle gefragt, was das sein soll! Da hat mancher darüber gelacht, bis ich drauf kam, was ich eben gesagt hatte”. Aber schwieriger noch tat sie sich am Anfang in São Paulo, wo Katharina, wie auch viele Donauschwaben, als Hausmädchen, Arbeit in einer deutschen Familien fand, um zusätzliches Geld nach Hause zu schicken. “Ich habe sechs Jahre lang in São Paulo gearbeitet – bin aber zwischendurch immer wieder nach Hause gefahren”. Mit diesem Geld kauften sich die Familien Hühner und Schweine für den Eigenbedarf und Pferde für die Landwirtschaft. Katharina war die Arbeit in São Paulo relativ gewöhnt, da sie schon in Österreich als Kindermädchen gearbeitet hatte. Die Begabung, mit Kindern umzugehen, kam ihr nun künftig auch in Entre Rios zugute. Zehn Jahre lang arbeitete sie im Konsum des 3. Dorfes, das damals noch der Agrária gehörte. Danach kaufte sie es und führte das Geschäft privat weiter. Während dieser Zeit nutzte Katharina die Räume, um Kindern aus dem 3. Dorf, zwischen 4 und 14 Jahre, Kinderlieder, Gedichte und Krippenspiele einzulernen. Das weihnachtliche Theaterspiel, wie auch später die Vorführungen zum Mutter -und Vatertag leitete Katharina über 15 Jahre lang. “Wir haben das Krippenspiel eingeübt, beim Muttertag wurden Lieder gesungen und ein Blumensträußchen übergeben. Das war alles sehr schön”, erzählt sie. Zu dieser Zeit war Schmidt schon verheiratet. Zurück zu den Anfangsjahren, erzählt sie, wie Freundschaft und gute Laune zum Beginn einer neuen Tradition führten: damit nicht nur die Burschen den Mädchen am Osterabend Reisspreu streuen, sollten die Mädchen in jedem Schaltjahr auch für die Jungen streuen. “Wir haben vereinbart, dass wir Mädchen auch Reisspreu im Schaltjahr streuen”, erzählt Katharina. Aber wie sollte das in der Praxis gelingen? Zuerst teilten sie sich in zwei Gruppen, legten sich früh schlafen, aber um 2 Uhr nachts sprangen sie aus dem Fenster und trafen sich alle wieder, um den Burschen zu streuen. “Das war offensichtlich der Anfang des Brauches, dass die Mädchen im Schaltjahr streuen gehen”. Nach einer lustigen Nacht kam Katharina um halb sechs Uhr nach Hause. Unter den Schuhsohlen hatte sie Reisspreu, Gras, Mist und Erde. “Mein Vater hat sich aber sogar gefreut, denn damals war Mist Gold

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Foto: Privatarchiv Schmidt

Foto: Privatarchiv Färber

Foto: Privatarchiv Geier

Die weihnachtlichen Theaterstücke wurden über 15 Jahre lang von Katharina Schmidt (rechts) eingeübt. Dieses Stück wurde 1979 präsentiert

Christine Färber (im Vordergrund) während ihrer Arbeit im Sägewerk

Foto: Privatarchiv Schmidt

Das Ehepaar Geier kam mit dem 4. Transport, lernte sich aber erst in Entre Rios kennen. Die Hochzeit folgte im Mai 1953

Foto: Archiv Heimatmuseum

Katharina Schmidt führte 16 Jahre lang den Konsum des 3. Dorfes teilweise für die Agrária und zum Teil privat

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wert: man hatte keinen und brauchte ihn unbedingt für den Garten”. Zu dieser Zeit konnte das Mädchen die Freizeit gut nutzen, musste aber dennoch gleichzeitig viel arbeiten – vor allem in São Paulo und Curitiba. Als Schmidt wieder zurückkam, heiratete sie. Zu dieser Zeit versah sie nun ihre Arbeit mit den Kindern und führte den Konsum. Sechs Jahre versuchte sie und ihr Mann ein besseres Leben fern von Entre Rios aufzubauen, aber schließlich kehrten sie zurück. “Hauptsächlich ging es um die Schulbildung unserer Kinder, wir wollten, dass sie gut ausgebildet werden”, erinnert sich Katharina Schmidt. Genau das war auch einer der Gründe für die Rückwanderung vieler Donauschwaben nach Europa. “Viele gingen zurück, weil die Schulbildung in den ersten Jahren sehr schwach auf der Siedlung war”, erzählt Johann Geier, 84. Er und seine Frau, Irma Geier, 79, kamen mit demselben 4. Transport nach Entre Rios, lernten sich aber erst auf der Siedlung kennen. Jedenfalls heiratete das Ehepaar Geier schon am 31. Mai 1953. Die ersten Hochzeitsjahre waren schwierig. Geier kam als Bauer nach Entre Rios, wurde aber sofort als Traktorfahrer angestellt. “Die Agrária hatte 35 Traktoren und es fehlten Fahrer. Ich war in Österreich schon Chauffeur gewesen und so arbeitete ich 10 Jahre lang als Traktorfahrer für die Genossenschaft”. Geier und seine Kollegen mussten mit den damaligen Traktoren die Felder aller Dörfer umpflügen und urbar machen. Keine leichte Arbeit, wenn man bedenkt, dass auf diesen Flächen nie etwas wuchs und nur wilde Kühe darauf grasten. Die Landwirtschaft der Familie wurde von Geiers Eltern und seiner Frau übernommen. Allerdings musste Irma teils zu Hause und teils auf dem Feld mithelfen. “Man wusste nicht, was schwieriger war”, sagt sie, und erzählt von einem normalen Arbeitstag vor 60 Jahren. “Die Schwägerin und ich mussten immer mit dem Schwiegervater aufs Feld gehen und die Schwiegermutter blieb daheim. Zu Hause war aber auch sehr viel zu tun. Um 4 Uhr sind wir aufgestanden, um Brot zu backen, damit das Brot im Ofen war, bevor wir zur Feldarbeit gefahren sind. Die Wäsche wurde nur mit der Hand gewaschen und nebenbei mussten noch Schweine, Kühe und Hühner gefüttert und die Kinder versorgt werden”. Das tägliche Brot wurde ganz zu Anfang allerdings nicht zu Hause gebacken. In jedem Viertel des Dorfes gab es einen Backofen. Die Familie, so erinnert sich Geier, meldete sich an und musste warten, bis der Ofen frei war und das Recht zum Backen bekam. Wenn es im Haushalt nicht einfach war, ging es in der Landwirtschaft auch nicht besser. Die Missernten machten den Bauern Sorgen. “Bei den ersten Weizenernten war der Samen ungeeignet, der Stock wuchs groß, hatte aber keinen Ertrag. Der Boden war arm, man wusste, dass Kalk fehlte, aber der war nicht vorhanden”. Es gab auch zu wenige Maschinen, dafür aber genügend Pferde. “Das Land wurde mit Pferden vorbereitet, aber die waren so untrainiert, dass man mit ihnen zuerst einmal durch das Dorf lief, um die Tiere langsam “einzuüben”. Leider blieb kaum Geld übrig, um neue Pferde zu kaufen. Dieses Tier war damals sehr geschätzt, da der geerntete Reis, vom Ertrag her wesentlich

Die schwierigen Anfangsjahre in der Landwirtschaft


Foto: Privatarchiv Färber Foto: Privatarchiv Geier

Christine Färber ziert eine Torte und hilft bei einer Hochzeitszubereitung

Foto: Privatarchiv Reinerth

Irma Geier (links) in der Tanzgruppe

Cachoeira 1953: Beim Hochzeitschauen

Foto: Privatarchiv Färber

Foto: Privatarchiv Reinerth

besser als die Frucht, mit dem Pferdewagen vom 3. Dorf bis in die zentrale Genossenschaft geliefert wurde. Danach wurde die Ernte an die Reismühlen und sogar an Reishändler verkauft, berichtet Geier. Nach einigen Jahren ging es bergauf in der Landwirtschaft. Nach zehn Jahren als Fahrer, konnte er seinen eigenen Traktor kaufen. Und im Jahre 1963 kaufte sich die Familie neues Ackerland, 70 Kilometer von Entre Rios entfernt. “Ab dann konnten wir selbstständig leben”. Die Selbstständigkeit gelang auch Christine Färber, 86, geb. Vollweiter. Sie kam als ältestes Kind der Familie nach Entre Rios und wurde sofort sowohl im Haushalt als auch bei der Feldarbeit angestellt. “Ich war Knecht und Magd”, lächelt sie. Für lange Zeit arbeitete sie im Sägewerk, im 1. Dorf Vitória, wohin sie täglich mit dem Fahrrad vom 3. Dorf fuhr. “Oft kam ich aber zu Fuß zur Arbeit, denn das Fahrrad war so voll Dreck, dass ich es einfach am Wegrand stehen ließ”. Da ihre Familie schon fünf Kühe, drei Pferde und einige Hühner hatte, musste sie sehr früh aufstehen, die Kühe melken und als sie dann endlich im 1. Dorf zur Arbeit ankam, zeigte der Zeiger erst auf 7 Uhr. Nicht einmal am Wochenende konnte sie ausruhen. Sonntags fuhr sie mit ihrem Bruder in den Wald, um mit Einheimischen zu handeln. Auf dem Fahrrad hatten sie eine Kiste, in welcher die gekauften Hühner und sogar Schweine nach Hause gebracht wurden. Trotzdem fand sie für ein bisschen Vergnügen immer noch Zeit. “Im 3. Dorf war große Einheit unter der Jugend. Abends haben sich die jungen Männer in der Mitte des Dorfes versammelt und Heimatslieder gesungen”, erzählt sie. Als Frau Färber heiratete, kauften sie und ihr Mann eine Sprudelmaschine, die für das Ehepaar 30 Jahre lang als Einnahmequelle diente. Der Sprudel wurde auf der ganzen Siedlung verkauft und war überall bekannt. “Das schmeckte besonders den Kindern, die es schon nicht mehr erwarten konnten, bis wir vorbeikamen”, erzählt sie. So bestritt die erste Generation der Donauschwaben im 3. Dorf Cachoeira, wie auch in ganz Entre Rios ihr Leben. “Man hatte nichts, aber doch gleichzeitig alles. Früher war alles viel schöner, da waren alle gleich, es gab weder Reiche noch Arme. Man hatte einfach die Freundschaft, egal von welchem Dorf man war”, erinnert sich Katharina Schmidt. Sogar ein Kino gab es in den 60er Jahren auf der Siedlung und zwar im 1. Dorf. Auch das hinterließ nennenswerte Erinnerungen. “Wir luden alle auf den Traktor-Anhänger, mancher fiel während der Fahrt wieder runter, aber man kam somit ins 1. Dorf”, erzählt Irma Geier, die heute noch von den damaligen deutschen Filmen schwärmt. Kulturell gesehen gab es auch verschiedene traditionelle Feste. Außer Kirchweih und den wöchentlichen Tänzen wurde auch einige Jahre lang der Reismühlball veranstaltet. “Der wurde gefeiert, solange man Reis anbaute”, weiß noch Johann Geier. Einige Bräuche und Sitten gingen im Laufe der Jahre jedoch verloren. Immerhin ist hervorzuheben, dass deutsche Kultur und Sprache noch relativ gut erhalten

Christine Färber (rechts) mit ihren Kindern im Weingarten der Familie Vollweiter

1955: Reinerth (links) als Trainer der Fußballmannschaft des 3. Dorfes

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Foto: ER

Foto Privatarchiv Schmidt

Foto: KP

Foto: KP

Seit zwei Jahren ist Reinerth in der Seniorentanzgruppe aktiv

Foto: KP

Foto: KP

Katharina Schmidt war während dieser Zeit in der Tanzgruppe und auch im Chor

Zur Gründungszeit der Siedlung war Johann Reinerth mit 30 Jahren Familienoberhaupt. Heute leitet er weiterhin seinen Betrieb

Beginn einer neuen Tradition und Vorbereitung von KinderVorführungen: Katharina Schmidt war immer beteiligt

ist, trotz aller Modernisierungen. “Die donauschwäbische Kultur ist sehr traditionsreich. Es gibt Volkslieder, die heute noch, wie vor Jahrhunderten gesungen werden”, betont Johann Reinerth. Die Entwicklung der Siedlung bewundern auch die Pioniere, die seit Anfang am Aufbau der Neuen Heimat beteiligt waren. “Vor 60 Jahren war gar nichts auf dieser Siedlung, überhaupt nichts. Und schau mal an, was da jetzt steht. Die Rückwanderer, die hier zu Besuch kommen, können es kaum

Ehepaar Geier: Johann war zehn Jahre lang Traktorfahrer und Irma versah den Haushalt und half in der Landwirtschaft

glauben, welche Fortschritte es in Entre Rios gegeben hat”, ergänzt Katharina Schmidt, die auch 20 Jahre lang im Chor war. Das Ehepaar Geier erinnert sich noch, dass ihr Eindruck in den ersten Jahren war, es könne sogar noch schlimmer werden, als es wirklich war. “Aber wir wünschen unseren Kindern und Enkelkindern niemals, was wir mitmachen mussten: Die Flucht, die sieben Jahre in Österreich und dazu noch die schwierigen Zeiten in Brasilien”, ergänzt Irma Geier und fügt hinzu: “Eigentlich hatten wir hier in Entre Rios endlich wieder

Heiteres

Beim Kirchenbau verschwunden

re Begebenheit, der Anfangsjahre: “Beim Johann Reinerth erinnert sich an eine heite stellen. Mitglied zwei Piloten (Imbuia-Holzklötze) Kirchenbauen”, erzählt er, “musste jedes ging das und auf sie luden e zu schneiden, Wir gingen in den Wald, um die Holzklötz so wir uns, weil wir schon fertig waren und en freut Dann ell. schn und t alles relativ leich fuhren mit und ab e Kirch der vor en Pilot die erlaubten wir uns ein Glas Wein. Wir luden die einem Glas wurden zwei und drei. Aber dem Pferdewagen zum Konsum. Und aus Dorf e ganz Das den! waren spurlos verschwun Leute zu Hause haben uns gesucht. Wir wilde Tiere uns gefressen hatten, aber doch dass lt, erzäh n scho suchte uns. Da wurde im etwas übrig sein. Plötzlich haben sie uns nicht den Pferdewagen, da müsste doch . digt” gepre es einig er mutt ieger Schw e Konsum entdeckt. Dann hat uns aber mein

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“Ich war Knecht und Magd in den Anfangsjahren”, sagt Christine Färber. Heute strickt und häkelt sie für die Familie

ein Dach über den Kopf und eigenen Boden unter den Füßen”. 60 Jahre nach Siedlungsbeginn sind die Pioniere und ihre Geschichten wieder wichtig und interessant, weil sie Einblick geben in den heute kaum noch vorstellbaren Alltag von damals. Und wünschenswert ist, dass beides im Gedächtnis und in würdevoller Erinnerung bleibt: die Geschichte von Entre Rios und ihre wichtigsten Protagonisten. KP


Kochkunst

Donauschwäbische Süßigkeiten

Waffeln

Hast du Lust auf Süßes? Dann solltest du doch einmal bei Maria Rovani in Vitória einkehren, denn an Kuchen lässt sie es niemals fehlen. “Ich koche und backe äußerst gern, es ist wie eine Therapie für mich. Gleichzeitig habe ich auch immer etwas Süßes für Familie und Gäste auf Lager”, erzählt die 57-jährige Hausfrau, die bei allen als Ria bekannt ist. Eins ihrer Lieblingskekse sind die Waffeln, dessen Rezept sie von ihrer Mutter übernahm. Ebenso erbte sie das Waffeleisen der Mutter, das noch heute gute Dienste leistet. Der Waffelteig ist schnell und leicht gemacht. Man rührt zusammen: 600 g Mehl, 300 g Zucker, 50 g Vanillezucker, 150 g Butter, 1 Teelöffel Backpulver, 3 ganze Eier und 1 abgeriebene Zitrone mit Saft, und knetet, bis der Teig fest wird. Den Teig zu einer großen Rolle formen und davon kleine Stückchen abschneiden. Diese legt man auf das vorgeheizte Waffeleisen und schließt den Deckel. Schon nach wenigen Minuten strömt der einzigartige Waffelduft durch die Küche und man kann die ersten der köstlichen, goldgelben Knusperchen kosten. Wenn man die Waffeln auf einem Gitterrost auskühlen lässt, werden sie hart und knackig. Wenn man sie hingegen aufeinander stapelt und in Plastik aufbewahrt, bleiben sie weich. Ganz nach den persönlichen Vorlieben. Jahrein, jahraus kann man bei Ria Rovani Waffeln naschen, sie verschenkt sie auch gerne an ihre Schwestern und Nichten. Aber am besten schmecken sie in der kalten Jahreszeit.

Die Zutaten

Maria Rovani bereitet den Waffelteig vor

Der Teig wird zu einer Rolle geformt

Von dem Teig schneidet man kleine Stückchen ab

Die Teigstücke auf das Waffeleisen legen und den Deckel schließen

Fotos: ER

RE

Nach nur wenigen Minuten sind die goldgelben Waffeln fertig

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Foto: KP

Sport

Das Kegelturnier im 2. Dorf wird seit 1985 veranstaltet. Dieses Jahr nahmen 11 Mannschaften teil

25. Kegelturnier

Tradition auch im Präzisionssport

Foto: ER

Plötzlich ist es still, keine Witze, kein Lachen mehr. Die Zuschauer, die Schiedsrichter und die Mannschaft schauen alle auf den einen, den letzten Kegler. Er hält jetzt nicht nur die knapp 1 kg schwere Kugel in der Hand, sondern auch das Schicksal seiner Spielgruppe. Er konzentriert sich, schwingt seinen Arm neben dem leicht gebeugten Körper, zielt und läuft an. Einige Neugierige gucken durch das Fenster der einzigen Kegelhalle von Entre Rios, die noch im gleichen Stil wie in Jugoslawien, im Jahre 1983, gebaut wurde. Der Spieler nimmt Schwung und sucht den Kegel genau in die Mitte der 1,20 m breiten Bahn. Das Publikum vergisst für einen unendlich langen Augenblick den Gulaschgeruch, der seit den frühen Morgenstunden durch

die Fenster weht. Die Kugel rollt rund 22 Meter in wenigen Sekunden und - trifft den Mittelkegel, den sogenannten “Pupo” (Pfarrer) und damit fallen alle anderen Kegel um. Abgeräumt! Alle Neune! Die Ruhe ist vorbei. Mannschaft und Zuschauer jubeln und klatschen über die Leistung, die wichtige Punkte zum Hauptziel des Tages beiträgt: den 1. Platz des Kegelturniers, in Jordãozinho, zu erreichen. Diese Szene wiederholte sich unzählige Male, seit 1985, als das erste Kegelturnier, im Freizeitzentrum des 2. Dorfes Jordãozinho, stattfand. Am letzten 24. Juli wurde das 25. Turnier unter Teilnahme von 11 Mannschaften veranstaltet. Das Team Jordãozinho wurde zum 13. Mal Sieger des Turniers, diesmal mit 98 Punkten. Auf Platz 2 kam die Mannschaft “Bar Sem Lona”, mit 80 Punkten, und auf dem 3. Platz landete AABER, mit 79 Punkten. Beim Einzelspiel gewann Adelar Goehl mit 30 Zählern. “Das Turnier hat noch die gleichen Regeln seit 1985 und behält denselben Kegelstil bei, wie das originale Kegeln, das man drüben in Jugoslawien

Rodrigo Vollweiter (links), Präsident des Freizeitzentrums, überreicht Christofer Ritter, dem besten Kegler (30 Punkte) des Turniers, einen Pokal

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und Österreich spielte”, erzählt Florian Reichhardt, 64, aus der Mannschaft Jordãozinho, der als einziger seit der 1. Session dabei ist. Im Gegensatz dazu steht die neue Generation. Als Kevin Korpasch, 14, und Reinhard Kreuscher, 14, geboren wurden, hatte das Turnier schon sein 10-jähriges Jubiläum hinter sich. Beide spielen eigentlich gerne Fußball, fanden aber beim Kegeln eine interessante sportliche Alternative. Beide hatten bisher wenig gekegelt, waren aber bereit, ihrer Mannschaft soweit wie möglich auszuhelfen. “Wir wurden eingeladen, für den Fall, dass ein Spieler ausfällt”, erklärt Kevin, der einige Minuten später für seine Mannschaft Cachoeira A zum ersten Mal zum Einsatz kam und gleich wichtige Punkte sammelte – womit er von den Zuschauern den verdienten Applaus bekam. Reinhard debütierte ebenfalls beim traditionellen Kegelturnier und denkt schon voraus: “Die älteren Spieler helfen uns und ich finde diesen Sport gar nicht so schwierig, außerdem ist das Turnier sehr lustig”, meint der 14-Jährige. “Wir werden trainieren, um im nächsten Jahr wieder dabei zu sein”. Die Geschichte des Turniers begann vor dem ersten Spiel. Jahrzehnte lang hatte jedes Dorf von Entre Rios eine eigene Kegelbahn, die jedoch im Laufe der Jahre immer weniger Zustimmung fand. Im Jahre 1983 stellten sich die Mitglieder des Freizeitzentrums vom 2. Dorf zusammen und bauten eine neue Bahn. Wichtige Details, wie die 7%


Auch junge Sportler, wie Kevin Korpasch, 14, interessieren sich für das Kegeln

Foto: Privatarchiv Reichhardt

Foto: ER

Reinhard Kreuscher nahm zum 1. Mal am Turnier teil

Florian Reichhardt (1. hinten, v. r. n. l.), Ernst Jungert, (1. vorne, v. r. n. l.) und Helmuth Stutz (2. vorne, v. l. n. r.) feiern mit der Mannschaft Jordãozinho einen weiteren Turniersieg

Zusätzlich gab es 40 kg Kartoffeln, Nudeln und Krautsalat. Der Präsident des Freizeitzentrums, Rodrigo Vollweiter, war mit der Anzahl an Mannschaften zufrieden. “Das Freizeitzentrum wird im Winter wenig benutzt und beim Kegelturnier kommt die ganze Gemeinde, mit Mannschaften aus allen Dörfern“, erzählt Vollweiter. Teilnahmerekord waren 15 Mannschaften und im Jahre 1998 wurde mit 137 Zählern

Florian Reichhardt ist der einzige, der seit dem 1. Turnier im Jahre 1985 noch dabei ist

die höchste Punktezahl erreicht: “Kegeln ist ein sehr interessanter und angenehmer Sport, der aber sehr viel Training und Konzentration verlangt, damit man Erfolg hat”, meint Reichhardt, der sich schon freut, nächstes Jahr mit seinen Teamkollegen Stutz und Jungert das Gulasch kochen zu dürfen. KP

Ergebnis des Kegelturniers 2011: Foto: KP

Letztes Jahr wurde das Team AABER Sieger und deswegen bereitete die ganze Mannschaft diesmal das Gulasch-Mittagessen für 150 Leute vor

Foto: KP

Foto: KP

Gefälle und der Leitposten auf den ersten vier Metern (danach hat die gesamte Bahn Gefälle) wurden eingehalten. “Diesen Kegelstil, mit unseren Regeln, gibt es nirgendwo in Brasilien”, betont Helmuth Stutz, 50. Die Regeln sind relativ einfach: in jeder Mannschaft sind 10 Spieler, die in jeder Runde drei Mal schieben dürfen. Abwechselnd nimmt jede der Mannschaften an drei Runden während des Tages teil – somit kommt jeder Spieler neun Mal an die Reihe und die Mannschaft schiebt 90 Kugeln. Am Ende der Bahn stehen 5 Kegel, sogenanntes Holz, in “V” Form. Der vorderste ist der Pfarrer (gilt drei Punkte), danach kommen zwei Damen, links und rechts (je zwei Punkte) und zuletzt die zwei Bauern (je ein Punkt) – somit kommt man auf neun Punkte. “Anders als beim Kegeln, das man zum Beispiel in Brasilien spielt, müssen alle fünf Kegeln umfallen, erst dann stellt man wieder auf. Es passiert, dass alle zehn Männer geschoben haben und kein einziges Mal wieder aufgestellt wurde”, erklärt Ernst Jungert. “Das ist die Kriegspartie – einer für alle und alle für einen”, erklärt Reichhardt. Nach jeder Runde werden die Punkte zusammen gezählt und nach drei Runden steht der Meister fest. Der Tradition nach “gewinnt” der 1. Platz nicht nur den Pokal, sondern auch die Möglichkeit, das Gulasch des nächsten Turniers zu kochen. “In den ersten Jahren kochte die Verwaltung des Freizeitzentrums, aber seit Ende der 90er Jahren wurde das geändert. Da der Verlierer natürlich kein Interesse daran hat, Gulasch zu kochen, übernimmt es der Turniersieger und alle Mannschaften waren damit einverstanden”, erinnert sich Reichhardt. Letztes Jahr wurde das Team AABER Sieger und bereitete diesmal das Mittagessen für 150 Leute vor. Einer der ältesten Spieler des Turniers, Adolf Müllerleily, 69, überwachte die Zubereitung. “Vor 20 Jahren war es viel lustiger, denn da waren wir noch jung”, lacht er und fügt hinzu: “Das ist eine schöne Gelegenheit, alle Freunde zu treffen”. Zum Gulasch wurden 70 kg Fleisch und 40 Kilo Zwiebel (die tags zuvor geschält wurden) benötigt.

1. Jordãozinho: 98 Punkte 2. Bar Sem Lona: 80 Punkte 3. AABER «A»: 79 Punkte 4. Cachoeira «A»: 73 Punkte 5. Samambaia «A»: 71 Punkte 6. Cachoeira «B»: 68 Punkte 7. Jugendcenter: 66 Punkte 8. Banda Original: 65 Punkte 9. Samambaia «B»: 57 Punkte 10. AABER «B»: 47 Punkte 11. Trial Clube Entre Rios: 47 Punkte 17


Kurzmeldungen

Fotos: ER

Die Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung präsentierte am 4. Juni im Kulturzentrum Mathias Leh eine Veranstaltung anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Genossenschaft Agrária und der Siedlung Entre Rios. Mit Tänzen, Musik, Gesang, Inszenierungen und Erzählungen von Pionieren wurde die Geschichte der Donauschwaben von Entre Rios dargestellt. Nebenbei konnten sich die Gäste eine historische Fotoausstellung ansehen, die vom Heimatmuseum unter dem Motto “60 Jahre Agrária” vorbereitet worden war.

Das Colégio Imperatriz Dona Leopoldina in Vitória feierte am 18. Juni das beliebte Johannisfest. Kleine Stände, die vom Eltern- und Lehrerverband APM betreut wurden, boten eine große Auswahl typischer Imbisse, Leckereien und Getränke an, die bei einem “São-João”Fest nicht fehlen dürfen. Die Schüler tanzten und die Caipira-Hochzeit wurde gespielt. Eingeladener Gast war die Seniorentanzgruppe der Kulturstiftung, die Quadrilha-Tänze zeigte. Am Abend wurde das Johannisfeuer angezündet, das mit seinem Licht und seiner Wärme alle Besucher magisch anzog.

Am 11. Juni fand die Außerordentliche Generalversammlung des Jugendcenters in Vitória statt. Es wurden die Bilanz und der Tätigkeitsbericht vorgelegt und die Wahlen eines neuen Vorstandes durchgeführt, der unter dem Motto “Neue Heimat” aus folgenden Mitgliedern besteht: Präsident: Rainer Mathias Leh, Vize-Präsident: Marcos Majowski, 1. Kassierer: Robert Milla, 2. Kassiererin: Stephanie Maren Leh, 1. Sekretär: Patrick Abt, 2. Sekretäre: Helton Taubinger und Fernando Vollweiter, Sportabteilung: Kátia Egles und Robson Fassbinder, Eventabteilung: Arison Jung, Ricardo Leh und Alan Leh, Kulturabteilung: Cássia Fassbinder und Daniele Stock. Anschließend feierte das Jugendcenter sein 36-jähriges Bestehen mit einer Party, bei der auch die Gruppen “Provence” und “Nota Livre” von der Kulturstiftung musikalische Vorführungen boten.

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Foto: Archiv Heimatmuseum

Fotos: FH

Nachruf

Pfarrer Julius Müller-Dimmler verstarb am 17. Juli im Alter von 79 Jahren und wurde in seinem Geburtsort Rottweil a. N. in BadenWürttemberg, Deutschland, beerdigt. Er wurde am 12. Dezember 1931 als Sohn einer alteingesessenen Kaufmannsfamilie geboren. Nach Absolvierung des Philosophie- und Theologiestudiums in Tübingen und München, wurde er 1956 zum Priester geweiht. Als Kaplan war P. Julius in Stuttgart, Aalen, Schwäbisch Gmünd und Ludwigsburg tätig. Auch für den Auslandsdienst wurde er im Namen des Katholischen Auslandssekretariats in Bonn von 1963 bis 1973 berufen. Diese Tätigkeit führte ihn nach Belgien, Spanien (Teneriffa) und Mexiko. Gleichzeitig war er von 1972 bis 73 Mitarbeiter am Vatikan in Rom bei der Päpstlichen Kommission für Auswandererseelsorge. 1982 kam P. Julius von seiner Diözese durch Patenschaft nach Brasilien (Rio de Janeiro, Nova Iguaçu, Barra do Piraí). Am 15. Januar 1984 übernahm er die Pfarrgemeinde Sankt-Michael in Entre Rios. In guter Zusammenarbeit mit allen kirchlichen und weltlichen Instanzen, auch mit Hilfe seiner Heimatdiözese Rottenburg, kam es 1985 – 86 zum Neubau der Pfarrkirche in Vitória, dem er mit Architekt Reutter zusammen mit Josef de Ponte, ein unserer Zeit entsprechendes Gesicht gab. Im Oktober 1986 konnte die Kirche eingeweiht werden. Dass sowohl der Rottenburger Weihbischof Dr. Bernhard Rieger nach Entre Rios kam und die Kinder firmte, sowie der Diözesanbischof Dr. Walter Kasper 1991 in Entre Rios zu Besuch kam, hängt damit zusammen, dass P. Julius nach wie vor Priester der Diözese Rottenburg-Stuttgart blieb, die ihn nach Entre Rios beurlaubt hatte. Diese Beurlaubung lief am 2. November 1992 ab. Pfarrer Julius Müller-Dimmler verbrachte die letzten Dienstjahre in seiner Heimat. In Stuttgart arbeitete er zuletzt mit der portugiesischen Gemeinde. Während seiner 9-jährigen Dienstzeit in Entre Rios hat sich P. Julius ganz besonders im sozialen Bereich sowie bei der Jugendarbeit eingesetzt. Außerdem war es ihm immer ein wichtiges Anliegen, einen Ausgleich zwischen Spannungen und Integration zu schaffen, sowie Horizonte zu vermitteln und die Türen der Kirche zu öffnen. Seine Hobbys waren: Kunst, Musik, Kochen, Reisen. Er pflegte zu sagen: “Jeder Mensch muss ein Hobby haben, sonst versauert er – und wird leicht ungenießbar”. Entre Rios wird ein bleibendes Andenken an P. Julius bewahren.


Am 10. Juni haben die Schüler und Schülerinnen der Leopoldina-Schule vom 1. bis zum 11. Schuljahr ihre Projekte und Arbeiten im Bereich der Naturwissenschaften auf einer sehr interessanten und gut besuchten Ausstellung ausgestellt. Die konkrete Anwendung der Projekte spiegelte, die im Unterricht gelernten Stoffe in den verschiedenen Fächern wider, wie z. B. Naturwissenschaften, Physik, Chemie, Mathematik, Agrarwissenschaften, u. a. Schüler und Schülerinnen aus der Dom-Pedro-Schule von Entre Rios, und der Guairacá-Schule, besuchten, von ihren Lehrern begleitet, die gelungenen Projekte und gaben mit Fragen und Anregungen den Arbeiten der jungen Wissenschaftlern weitere, neue Impulse. Kritisches Denken und intensive Teamarbeit wurden durch das Planen, Bearbeiten und durch die anschließende Ausstellung gefördert.

VERANSTALTUNGSKALENDER 2011

Foto: FH

Botschafter Dr. Drago Štambuk von Kroatien (links) und Präsident der Genossenschaft Agrária, Jorge Karl im Heimatmuseum von Entre Rios

Foto: FH

Fotos: ER

Seit einigen Jahren unterhält die Genossenschaft Agrária mit der kroatischen Botschaft in Brasilien konsularische Angelegenheiten. Aus diesem Grunde besuchte der neue Botschafter, Dr. Drago Štambuk, am 14. und 15. Juli Entre Rios, um Land und Leute kennenzulernen. Im Historischen Heimatmuseum wurde ihm die donauschwäbische Geschichte näher gebracht. Der Botschafter besichtigte die Agrária-Industrien, Kulturgruppen zeigten Volkstänze und spielten Musik. Bei einem Treffen mit Kaffee und Kuchen konnte sich Dr. Štambuk mit Siedlungspionieren in kroatischer Sprache unterhalten.

September 04. Makkaroni-Essen – Jugendprojekt Projeção/Katechesezentrum São José Operário 10. Musikabend – Jugendcenter 17. Folkloreabend - DonauschwäbischBrasilianische Kulturstiftung/Kulturzentrum Mathias Leh

Oktober 02. Kirchweih – Sankt-Michaels-Kirche in Vitória 07. Bunter Abend – Leopoldina-Schule 15. Musikabend – Jugendcenter 19. und 20. WinterShow – Agrária 22. und 23. Sportfest – Sportverein Danúbio 29. und 30. Oktoberfest im Jugendcenter: 29. Ball mit Original Donauschwaben Musikanten/Jugendcenter 30. Gulasch- und Stroganoff-Mittagessen – Evangelische Gemeinde/Jugendcenter Änderungen vorbehalten

Trauermeldungen Franz Jaster ist am 7. Juni im Alter von 82 Jahren in Vitória gestorben. Er wurde am 27. Juli 1928 in Tansania, Afrika, geboren. Es trauern um ihn seine Ehefrau Marietta, die Kinder Reinhard, Margarete, Cristoph, Marietta, Kathrin und 11 Enkelkinder. Selvino Luiz Schley ist am 12. Juni im Alter von 49 Jahren in Vitória verstorben. Er wurde am 30. Januar 1962 in Santo Cristo, Rio Grande do Sul, geboren. Er wird von seiner Familie betrauert. Josef Lehmann ist am 15. Juni im Alter von 74 Jahren in Socorro gestorben. Er ist am 29. Mai 1937 in Karavukovo, Serbien, geboren und kam mit dem 6. Transport nach Entre Rios. Sohn Osmar ging ihm im Tode voraus. Es trauern um ihn seine Ehefrau Karoline, Kinder Bruno, Lydia, Artur und 7 Enkelkinder. Nikolaus Klecker ist am 21. Juni im Alter von 76 Jahren in Samambaia verstorben. Er wurde am 22. November 1934 in St. Georgen, Serbien, geboren und kam mit dem 6. Transport nach Entre Rios. Er wird von seinen Schwestern Rosina und Annemarie mit Familien betrauert. Johann Steringer ist am 1. Juli im Alter von 83 Jahren in Cachoeira gestorben. Er ist am 12. Mai 1928 in Homolitz, Serbien, geboren und kam mit dem 4. Transport nach Entre Rios. Seine Ehefrau Maria Steringer ging ihm 2010 im Tode voraus. Es trauern um ihn seine Schwestern Juliane und Katharina.

Am 30. Juli veranstalteten die Semmelweis-Stiftung und der Frauenverband von Entre Rios im Katechese-Zentrum in Vitória den “4. Abend der Suppe”. Zu Tanz und Unterhaltung spielte das C-Dur-Trio. 541 Karten und 5.000 Lose konnten verkauft werden. Der Reingewinn wird zur Anschaffung eines Röntgenapparates für das Krankenhaus Semmelweis verwendet.

Albert Stock ist am 30. Juli im Alter von 83 Jahren in Vitória verstorben. Er wurde am 25. November 1927 in Sotin, Kroatien, geboren. Er wird von seiner Ehefrau Margarete, den Kindern Ulrike, Roland, Arnaldo, Alberto, den 7 Enkelkindern sowie von Schwester und Bruder mit Familien betrauert.

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August/2011