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Die kulturelle Zeitschrift der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios - April 2010 / Auflage Nummer 83

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Das Historische Museum in Entre Rios Ein Besuch des Historischen Museums von Entre Rios lässt die Geschichte der donauschwäbischen Siedler an Hand von Fotoausstellungen und Gegenständen aus der Alten Heimat und den Anfangsjahren in Brasilien auf imponierende Weise lebendig werden. Hier das alte Handwerk in originaler Tracht: Mähen mit der Sense.

Ausbildung Ein Jahr als Lehrerin in Deutschland

Unsere Leute Die Kunst des Lichtes

Kochkunst Die Flüchtlingstorte 1


Inhalt 03 04 05

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Geschichte & Objekt: Ein historisches Foto Landwirtschaft: Feldbegehung 2010 auf der Fapa Ausbildung: Ein Jahr als Lehrerin in Deutschland

Gemeinde: Ideenreiche Spenden-Aktionen

Zeitschrift der Genossenschaft Agrária zur Aufrechterhaltung der Kultur der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios (Guarapuava/Paraná/Brasilien) Redaktionsleitung

Cooperativa Agrária Praça Nova Pátria s/nº Colônia Vitória / Entre Rios Guarapuava - 85139-400 Paraná / Brasilien Redaktionsteam

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Unsere Leute: Die Kunst des Lichtes

Chefredakteur: Manoel Godoy mgodoy@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8008 Redakteurin: Rosely Essert roselib@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8529 Redakteur: Klaus Pettinger klaus.pettinger@yahoo.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 1437

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Hauptthema: Das Historische Museum in Entre Rios

Assistentin: Karin Müller kmuller@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8528 Korrektur: Andrea Scherer Korpasch andrea@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8002 Layout: Prêmio|Arkétipo Comunicação www.premioarketipo.com.br Berichte und Fotos

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Panorama: Fotowettbewerb

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Sport: Schwimmen

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FH - Franz Hermann FSER - Foto Studio Entre Rios KP - Klaus Pettinger MG - Manoel Godoy RE - Rosely Essert Herausgeber Genossenschaft Agrária / Marketing-Abteilung

Kochkunst: Die Flüchtlingstorte

Druck Midiograf Gráfica e Editora Londrina - Paraná - Brasilien Auflage 700 Exemplare Erscheinungsweise Zweimonatlich

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Autoren

Kurzmeldungen

Titelblatt-Foto: Foto Studio Entre Rios

Die mit Namen gekennzeichneten Berichte und Meinungsartikel geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.


m Foto: Archiv Heimatmuseu

Geschichte & Objekt

Ein historisches Foto:

Foto: Puttkamer

Die Blaskapelle der Fabrik Volkswagen aus São Paulo zu Gast in Entre Rios. Im Hintergrund das erste Verwaltungsgebäude der Agrária

Die erste Agrária in Entre Rios

Auf der Treppe der Genossenschaft spricht Michael Moor, erster Agrária-Präsident, zur Gemeinde. Dieses Foto wurde von Wolf Jesco von Puttkamer, dem ersten Sekretär der Agrária gemacht. Er hinterließ dem Heimatmuseum zahlreiche historische Fotos von den Gründungsjahren der Siedlung

Foto: MG

Fotos sind wertvolle Objekte für die Geschichte eines Volkes. Sie legen Worte fest. Bild um Bild wird uns Aufbau, Fortschritt und Entwicklung vor Augen geführt. Durch sie können wir uns sozusagen ein “Bild davon machen”, wie unsere Urahnen lebten, arbeiteten, beteten, sich amüsierten. Auch ihr Gemüt, ihre Gefühle zu bestimmten Momenten und Erlebnisse werden durch das Objekt “Foto” vermittelt. Das oben angeführte Foto ist von historischer Bedeutung. Es zeigt das erste Verwaltungsgebäude der Genossenschaft Agrária in Entre Rios. Es wurde schon im Gründungsjahr der Genossenschaft und der Siedlung, 1951, im Zentrum des Hauptdorfes Vitória errichtet. Die Agrária wurde, wie auch die Wohnhäuser der Siedler, aus Holz gefertigt und auf Hartholzpiloten erbaut. Hier haben Agraringenieur Michael Moor, erster AgráriaPräsident in Entre Rios, und seine Mitarbeiter Hilfe und Orientierung gegeben, den Bauern mit Rat und Tat zur Seite gestanden, den Menschen Rückhalt angeboten und versuchten, ihnen die mannigfachen Schwierigkeiten zu erleichtern. RE

Das Verwaltungsgebäude der Genossenschaft Agrária heute


Die Mitglieder konnten Neuigkeiten erfahren und Verbesserungen zur nächsten Ernte mit den Forschern besprechen

Fotos: MG

Landwirtschaft

Forscher Wobeto erklärt die verschiedenen Fortschritte, die zu den aktuellen hohen Maiserträgen führten

Feldbegehung 2010

Technologien und Fortschritte der Landwirtschaft Gespräche mit Forschern wie man Sojabohnen und Mais effizienter in der Region Guarapuava produziert, Neues erfahren über Saatgut und Agro-Chemie, Freunde wiedersehen: All dies machte den Tag der Feldbegehung der Genossenschaft Agrária für Sommerkulturen zu einer Veranstaltung, die von Mitgliedern, Landwirten, Agronomen und vielen Studenten besucht wurde. Das Wetter stimmte und das Publikum, das sich am 9. und 10. März traf, konnte einmal mehr an Stationen und Ständen der FAPA (Bezirk Entre Rios / Guarapuava) Vorträge von Forschern der Agrária und anderen Institutionen über Sojabohnen und Mais verfolgen – Studien, die sowohl Sorten wie Hybriden analysieren für beste Ergebnisse in der Region und für effiziente Art und Weise zur Durchführung des Feldanbaues. Die Veranstaltung war am ersten Tag den Mitgliedern der Agrária vorbehalten und brachte am 2. Tag eine Neuheit: Der Tag der Feldbegehung der Agrária eröffnete seine Aktivitäten mit dem internationalen Treffen “Mais aus Brasilien” – veranstaltet von der Präfektur von Guarapuava vom 10. bis 13. März im Pahy-Eventzentrum mit Vorträgen von Forschern verschiedener Institutionen wie Embrapa und lapar und dem Zweck, Wissen auszutauschen und hervorzuheben,

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dass Guarapuava einen der größten Maiserträge der Welt verzeichnet. So gab es am ersten Feldbegehungstag, organisiert von Agrária und FAPA, vier Vorträge von Wissenschaftlern: “Der Nachweis von asiatischem Sojabohnenrost” (Pflanzenpathologe Heraldo Feksa); “Antwort der Kulturen zur Kalkdüngung” (Sandra Mara Vieira Fontoura); “Neue Sojasorten und Nachweis von Schädlingspflanzen bei Soja RR” (Vitor Spader) und “Der technologische Fortschritt und die Produktivitätssteigerung von Mais in den letzten 30 Jahren in der Agrária” (Celso Wobeto). Zu diesem zuletzt genannten Thema stellte Forscher Wobeto einen Vergleich an zwischen Transgen-Mais und traditionellem Mais. “Die Bauern möchten wissen, welche Unterschiede es zwischen den beiden Maissorten gibt”, erklärt Wobeto. In den letzten 30 Jahren hatte es beim Maisanbau hervorragende Fortschritte in Entre Rios gegeben. Zwischen 1979 und 1988 lag der Ertrag bei durchschnittlich 3.823 kg/ha, zwischen 1994 und 1998 waren es schon 8.047 kg/ha. Und man schätzt nun einen Durchschnitt von 12.000 kg/ha zwischen 2009 und 2012. In weiteren 10 Ständen von Saatgut-Unternehmen und dazu 10 der Agro-Chemie konnten die Teilnehmer Neuigkeiten aus den jeweiligen Bereichen erfahren.

Wie im vergangenen Jahr Marktinformationen zu technischen Know-how - beschloss die Agrária dieses Jahr, mit Unterstützung der Sescoop, ein Ereignis zu präsentieren: den Vortrag von Eugênio Stefanello, Doktor in Agroökonomie, Analytiker der Conab und Professor an der Universität UFPR und der UNIFAE über den Markt für Mais und Soja und die Wechselkurspolitik. Als einer der bekanntesten Experten im Agrarmarkt Brasiliens, analysiert Stefanello den aktuellen Stand dieser beiden Rohstoffmärkte und die möglichen Szenarien für den Markt. Am Tag der Feldbegehung nahmen rund 590 Leute teil (90 Mitglieder am 9. März und 500 Personen am 10. März). Neben den Mitgliedern und Landwirten der Region lockte die Veranstaltung vor allem Studenten an. Agrária-Forscher Wobeto hob noch ein entscheidendes Detail hervor. Ihm sei es wichtig, dass die Bauern sich persönlich bei der Feldbegehung über den neuesten Forschungsstand informieren. “Das kann man nicht einfach einem Mitarbeiter überlassen. Der Bauer selbst muss diese Erkenntnisse sammeln, um später die richtigen Entscheidungen treffen zu können”. KP


Foto: Privatarchiv Wolbert

Ausbildung

Ein Jahr als Lehrerin in Deutschland Andere Realität, moderner und differenzierter Medieneinsatz im Unterricht, Erweiterung der eigenen Kenntnisse: Für ein Jahr nutzte Dorothea Müllerleily Wolbert, Deutschlehrerin an der Leopoldina-Schule, im vergangenen Jahr 2009 ein Stipendium durch den Pädagogischen Austauschdienst, um sich beruflich fortzubilden und auch persönlich viel Neues zu erfahren. Vom 27. Januar 2009 bis 24. Januar 2010 wohnte sie in Mainz, 45 Minuten von Frankfurt entfernt und war täglich an der Integrierten Gesamtschule Mainz-Bretzenheim tätig und leitete fünf Arbeitsgemeinschaften (AGs). “In der Schule habe ich den Einblick bekommen, wie eine Integrierte Gesamtschule funktioniert”, ergänzt sie. An einer solchen Schule können alle Abschlüsse unter einem Dach erreicht werden: Die Qualifikation der Berufsreife, der Realschulabschluss, die Fachhochschulreife oder das Abitur. Dorothea unterrichtete Deutsch für Schüler mit Migrationshintergrund, bzw. für Schüler, die nicht Deutsch als Muttersprache haben. “Es war am Anfang gar nicht so einfach den Schülern beizubringen, warum sie nachmittags weiter den Unterricht besuchen sollten, während die “deutschen” Schüler schon frei hatten”. Auch die ersten Wochen waren schwieriger als von Dorothea erwartet. “Am gleichen Tag, als ich ankam, sollte ich schon unterrichten, das war die Regelung der Schule. Außerdem sollte ich die Stunden der vorherigen Lehrerin aus Argentinien übernehmen, denn die Schulleitung glaubte, ich könnte

auch auf Spanisch unterrichten”, erinnert sich Dorothea. Als aber Deutschland nicht mehr so fremd war, ging alles leichter. In den Arbeitsgemeinschaften nahm sie als Thema Brasilien und war selbst erstaunt, wie viel ihr dazu im Internet zur Verfügung stand. “Ich musste mir dann selbst einmal Gedanken über mein eigenes Heimatland machen”. In der Universität ging es erst im April so richtig los. Dort besuchte sie drei Seminare. “Wichtig war es auch, dass ich in der Nähe von Uni und Schule wohnte, so konnte ich beides gut mit dem Fahrrad bewältigen”. Dorothea musste auch einen Halbjahresbericht zum Weiterbildungsprogramm für deutschsprachige Lehrkräfte von Auslandsschulen schreiben, dazu einen Abschlussbericht und ein eigenes Unterrichtsprojekt durchführen. “Da ich selbst noch dazulernen wollte, entschied ich mich für das Thema “Kurzgeschichten” und das führte ich in einer fortgeschrittenen Klasse durch, in der ich auch während des ganzen Jahres hospitierte, einer 7.- 8.- Klasse, die bald Gymnasiasten sind”, ergänzte Dorothea. Irene Mattes, Koordinatorin des Deutschunterrichtes an der LeopoldinaSchule, fügte hinzu, dass ein einjähriger Aufenthalt in Deutschland dazu beitrage, die neuesten Informationen, Konzepte und Tipps über Methodik und Didaktik des Deutschunterrichts für die praktische Umsetzung im eigenen Unterricht zu erhalten. “Zweifellos wird dadurch das Niveau des Deutschunterrichts an unserer Schule angehoben”, ergänzt sie dazu. Dorothea lernte fast nebenbei auch

noch ganz Deutschland kennen und einige Nachbarländer, wie Frankreich, Spanien und Österreich. “Ich besuchte Berlin, Dresden, Leipzig, Potsdam, Rastatt, Freudenstadt, Freiburg, Wiesbaden, München und GarmischPartenkirchen. Als großen persönlichen Gewinn bezeichne ich meine ständig gewachsene Selbstständigkeit: Ich reiste alleine durch Deutschland ohne jede Schwierigkeit”. Deutschland intensiv zu erleben, bedeutet nicht nur als Tourist unterwegs zu sein, sondern gibt dem eigenen Unterricht wieder neue Impulse, meint Irene Mattes. “Eigentlich entstehen viele unserer Unterrichtsideen auch aus Erlebnissen und Kenntnissen über das Land, dessen Sprache wir vermitteln. Denn eine Sprache zu lernen, heißt nicht nur lesen, schreiben und sprechen können, sondern man sollte ja auch die Kultur kennen”. Dorothea ist davon überzeugt, dass ihr das DeutschlandJahr, trotz mancher Schwierigkeiten, insgesamt gesehen, die Erweiterung ihrer Kenntnisse in allen Sinnen brachte. “Ganz bestimmt habe ich Deutschland und einige Nachbarländer ohne nennenswerte Probleme landeskundlich erobert”, meint sie. “Ich habe auch persönlich im Alltag dazugewonnen und fühle mich wohl, z. B. beim Lesen einer deutschen Zeitung, und da ich ein Jahr im Lande lebte, weiß ich nun auch ein bisschen Bescheid, wie Deutsche denken, einkaufen, leben und ticken”, fügt sie zum Schluss noch hinzu. KP

Nebenbei lernte Dorothea die wi chtigsten Städte Deutschlands un d einige Nachba rländer kennen Foto: FSER

Foto: Privatarchiv

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Wolbert

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Dorothea unterrichtete Schüler mit Migrationshintergrund

Irene Mattes: Ein einjähriger Aufenthalt in Deutschland trägt dazu bei, die neuesten Informationen und Konzepte über Methodik und Didaktik des Deutschunterrichts zu erhalten


Foto: FSER

Gemeinde

Party für einen sozialen Zweck

Foto: Privatarchiv Holdorf

Ideenreiche Spenden-Aktionen

Mit den Spenden zum 40. Geburtstag von Ärztin Sabine Holdorf und des Journalisten Ricardo Tesseroli konnte eine Spezial-Lampe für den Operationssaal gekauft werden

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Gutes tun, Menschen helfen, das bringt nicht nur für den anderen, sondern auch für einen selbst oft genug echte, persönliche Freude. Auch in Entre Rios leben zahlreiche Menschen, die gerne geben, die gerne helfen, die regelmäßig auf ganz verschiedene Weise freiwillig spenden, ohne es gleich an die große Glocke zu hängen. Zeitschrift Entre Rios zeigt dennoch einige besondere Beispiele. Wichtige Aktionen auf der Siedlung waren die Geburtstagsfeste mit freiwilligen Spenden. Statt Geschenke für das Geburtstagskind wurde vorher festgelegt, was die Gäste zum Fest mitbringen sollen: Geld, Lebensmittel, Decken usw. Dies kommt dann bei notwendigen sozialen Brennpunkten zum Einsatz. Jüngstes Beispiel: Hunderte von Donauschwaben beteiligten sich an einer Spendenaktion zu einem Geburtstagsfest und so kamen genau R$ 8.495,00 an freiwilligen Spenden zusammen. Die gesamte Summe war für das Krankenhaus Semmelweis in Entre Rios bestimmt. “Wir brauchten dringend eine SpezialLampe für den Operationssaal, die R$ 6.900,00 kostet. Diese Lampe und noch anderes Notwendige werde ich

dem Krankenhaus spenden”, erklärt Ärztin Sabine Bückmann Holdorf, die ihren 40. Geburtstag mit einer imposanten 70er-Jahre-Party feierte. “Wir haben unser Ziel erreicht. Das Krankenhaus dient der ganzen Gemeinde und sehr viele Leute haben dieses OP-Projekt tatsächlich ermöglicht”. Das Krankenhaus Semmelweis ist vor allem auf freiwillige Spenden und die Unterstützung der Genossenschaft Agrária angewiesen. Als sie erfuhr, dass das Krankenhaus einen Röntgen-Bildentwickler brauchte, nutzte Hilde Reinhofer, Präsidentin des Frauenverbands aus Entre Rios, die Gelegenheit, zu ihrem 50. Geburtstag Geld für dieses Gerät zu sammeln. “Alle haben mitgeholfen, meine ganze Familie, der Frauenverband, die Kollegen. Herr Stefan und Herr Franz Remlinger haben auch dazu beigetragen, als sie von dieser Spende erfuhren, da dieser Apparat sehr teuer ist”, erklärt Hilde Reinhofer. Auch die Angestellten der Genossenschaft leisten freiwillig monatlich für das Krankenhaus ihren Beitrag. “Diese Spenden gehen von unserem Lohn direkt auf das Konto des Krankenhauses. Die


ihrer Tochter, Maria Beatriz. Die Mutter hatte eine für damals neue, und heute noch besondere Idee: anstatt der Geschenke könnten die Gäste Lebensmittel bringen. “In diesem Alter gibt es kaum Geschenke, mit denen unsere Tochter spielen könnte. Deswegen hatte Alessandra diese Idee und sie wurde sehr gut aufgenommen”, erinnert sich Landwirt Karl Milla. “Wir dachten aber nicht, dass wir so viel bekommen würden. Es waren insgesamt 380 kg Lebensmittelmittel”, ergänzt

Foto: FSER

der Semmelweis-Stiftung, Gerhard Temari. Ein Jahr danach haben Schulkameraden von Paul aus Osterburken auf gleiche Weise für das Krankenhaus gespendet. Auch andere Spenden trugen zur Verbesserung des Krankenhauses entscheidend bei: Zu ihrem 75. Geburtstag sammelte Eva Reinhofer, aus dem 2. Dorf Jordãozinho, Geld für neue Krankenhaus-Bettwäsche. Ihr Schwiegersohn, Paul Illich, VizePräsident der Agrária hatte vorher eine ähnliche Idee und nutzte das gespendete Geld zu seinem Geburtstagsfest, um Bade- und Handtücher derselben Stiftung zu ermöglichen. “Eigentlich fühle ich mich gar nicht wohl, darüber zu sprechen, aber es ist immer wichtig, wenn man irgendwie mithelfen kann”, ergänzt Eva Reinhofer. “Wir sind froh, wenn wir helfen können und natürlich wollen wir weiterhin unseren Beitrag leisten”, meint Pauls Frau, Helga Illich. Manchmal ist es schwierig zu bestimmen, wie diese Idee, das eigene Geburtstagsgeschenk sozialen Institutionen aus Entre Rios zu übergeben, realisiert werden kann. Im Jahre 2005 feierte das Ehepaar Alessandra und Karl Milla aus dem 1. Dorf Vitória, den ersten Geburtstag

Franz Remlinger (links), Dr. Ubiratan Cebulski (Klinischer Direktor des Krankenhauses), Stefan Remlinger, Hilde Reinhofer und Eduardo Potulski (Koordinator der Semmelweis-Stiftung): Röntgen-Bildentwickler-Gerät, ermöglicht durch Spenden

Foto: Privatarchiv Milla

Foto: Privatarchiv Milla

Genossenschaft Agrária ermöglichte es uns, mitzuhelfen, eine Institution zu erhalten, die so ungemein wichtig für unsere Gemeinde ist”, ergänzt Claudia Brigite Hermann Sattler, Verwaltungsangestellte dieser Institution. Hilfe für das Krankenhaus kommt von Fern und Nah. So spendete der Geschäftsführer der deutschen Firma IREKS GmbH, Stephan Soiné im letzten Juni 2009, R$ 104.041,56 – die Summe sammelte er an seinem 50. Geburtstag mit Hilfe seiner Gäste zum Kauf eines Personenrettungswagens (die Agrária steuerte die restlichen R$ 14.158,44 bei). Die besondere Idee von Herrn Soiné dabei: Zu jedem von den Gästen gespendeten Euro legte er noch einen eigenen Euro dazu. Aber nicht nur Erwachsene nahmen an solchen Aktionen teil. Zehn Kinder aus Osterburken, Deutschland, haben ihr Erstkommuniongeld der Semmelweis-Stiftung gespendet. “Es war eine Überraschung und Freude, als ich erfuhr, dass Paul, der Enkel meines Bruders Georg, sowie seine Schulfreunde, ihr Erstkommuniongeld unserer Stiftung gespendet haben, um damit armen kranken Kindern im fernen Brasilien zu helfen”, erzählt der Vorsitzende des Aufsichtsrates

Foto: FSER

Spende an das Krankenhaus Semmelweis: Claudia Sattler (links) und Karina Schlafner (rechts) nehmen die Spenden von Paul Illich und Eva Reinhofer entgegen

Zu Maria Beatriz erstem Geburtstagsfest wurde eine Sozialaktion veranstaltet

Alessandra, Karl und Maria Beatriz: eine Idee, die zu verschiedenen Spenden in Entre Rios führte

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Foto: Privatarchiv Temari

Paul brachte seine Schulkameraden aus Deutschland dazu, ihr Erstkommuniongeld einem brasilianischen Krankenhaus zu spenden

unserer Gemeinde”, ergänzt Eliane. Manchmal findet man die eigene Spende als zu gering und gibt deswegen lieber gar nichts und vergisst dabei aber einfach, dass das Wenige von einem Einzelnen sehr viel für bedürftige Menschen bedeuten kann. “Ich war sehr überrascht, als Sabine mir sagte, wie viel gespendet wurde. Man muss einfach dankbar sein, dass es noch so viele hilfsbereite Menschen gibt”, betont Journalist Ricardo Tesseroli, aus Guarapuava, der mit Ärztin Sabine ihr Geburtstagsfest veranstaltete. “Es ist einfach egal wie man hilft. Wichtig ist, seinen eigenen Beitrag zu geben”, ergänzt Rosangela Stock. KP

Foto: FSER

“Es ist einfach wichtig, dass die Kinder Zugang zu verschiedensten Büchern haben, denn damit können sie ihre Kreativität wie auch ihre Kenntnisse erweitern”. Eliane Zuber Mudryk, Direktorin der Schule, konnte ihre Freude über diese gelungene Aktion kaum fassen. “Es sind ganz verschiedene Bücher, nicht nur zum Lesen, manche haben sogar Puzzle dabei. Damit haben wir endlich eine Bibliothek mit geeigneten Büchern für das Alter unserer Schüler”. Die Lacerda Werneck-Schule besuchen rund 600 Schüler von der Vorschule bis zur 4. Klasse. “Die Bücher sind genau für dieses Alter. Wir freuen uns und bedanken uns sehr, denn wir bekommen immer wieder Spenden von

Das Krankenhaus Semmelweis wird hauptsächlich durch Spenden erhalten. Diese freiwilligen Beiträge können jederzeit in der Banco do Brasil, Konto 2003-6, Agência 2157-1, direkt für das Krankenhaus oder an der Kasse der Genossenschaft Agrária eingezahlt werden.

Foto: FSER

Alessandra. Das Ehepaar spendete alles dem Kinderheim Canaã im dritten Dorf Cachoeira, das zurzeit 32 Kinder beherbergt und seit 1972 auf der Siedlung besteht. Jede Spende ist stets sehr willkommen und bringt den Kindern immer große Freude, erklärt Direktorin Mary Evelyn Gibson. “Das sind feine Leute, die mithelfen, damit es den Kindern an nichts fehlt”. Das Kinderheim Canaã erhält ganz verschiedene Spenden, von Nahrungsmitteln bis hin zu Spielzeug. Aber was am meisten benötigt wird, sind Kleider. “Früher bekamen wir gebrauchte Kleidung aus den USA, aber das hat jetzt nachgelassen”, erklärt Mary. Das erste Mal, als Rosangela Stock ebenfalls ihre “Geschenk-Spenden” weitergab, hatte sie dem Canaã Bettdecken vermittelt. “Mir hatte die Idee von Alessandra Milla gefallen und so überlegte ich mir etwas Ähnliches. Da es damals noch nicht üblich war, Geld zu spenden, schlug ich den Kauf von Bettdecken vor”. Rosangela spendet noch heute auf verschiedene Art und Weise und glaubt, es sei möglich, dass viele Leute sich ebenfalls engagieren können, obwohl manche nicht genau wissen wie. “Eine andere Möglichkeit zu helfen besteht darin, die Schuluniform und das Material für eines unserer Kinder, die in die LeopoldinaSchule gehen, zu spenden. Das hilft sehr viel”, ergänzt sie. Eine ganz andere Hilfsaktion sei hier noch beschrieben: Zur Feier ihrer Ehrenbürgerschaft im Jahre 2008 für ihr soziales Engagement in Entre Rios bat Christina Zehr, aus dem 1. Dorf Vitória, Sekretärin des Frauenverbandes Entre Rios, um freiwillige Spenden. Letztes Jahr feierte sie ihren 50. Geburtstag und wiederholte dieses Spendensystem. So kam Christina zu fast 1.000 Büchern, die für die städtische Schule Francisco Peixoto de Lacerda Werneck in Entre Rios gespendet wurden und betont:

Schulleiterin Eliane Mudryk freut sich riesig über die Spende von ca. 1.000 Büchern von Christina Zehr (rechts)

Die Spenden von Rosangela Stock (links) brachten den Kindern des Kinderheims Canaã und seiner Direktorin Mary Gibson große Freude

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Unsere Leute

Zu Ostern werden meistens Kerzen in Eierform hergestellt

Foto: KP

darüber, damit es dran bleibt”. Eine ähnliche Methode verwendet sie auch mit entwickelten Fotos. Die Kerzen herzustellen ist relativ einfach, obwohl man viel Zeit dafür benötigt. Zuerst lässt man das Paraffin im Ofen vergehen. Danach mischt man eine besondere Farbe zur Kerzenherstellung dazu. “Aber auf die richtige Farbe zu kommen, ist gar nicht so einfach, denn die Mischung muss genau getroffen werden”, erklärt Gabi. Zum Schluss kommen noch duftende Öle in jede Kerzenmischung. Gabi schätzt, dass man bis zu sechs Stunden braucht, um eine große Kerze völlig anzufertigen – dabei mitgerechnet ist die Wartezeit, bis das Wachs ausgekühlt ist. Diese Kerzen verkauft Gabi nach Bestellung und auch im Geschenkbasar im ersten Dorf Vitória. Obwohl sie vor kurzem für die Feier einer Goldenen Hochzeit Kerzen gefertigt hatte, wird Gabis Handarbeit am meisten zur Weihnachtszeit gewünscht. Am Christkindlmarkt nahm sie schon zwei Mal teil. Zu Ostern gibt es nicht so viele Möglichkeiten, meistens sind es Kerzen in Eierform”. Um immer wieder Neues zu entdecken, forscht die Künstlerin in Zeitschriften oder im Internet nach. “Ich frage auch meiner Familie, ob es ihnen gefallen hat und so sammle ich verschiedene Tipps”. Jedoch ist es interessant zu erwähnen, dass man in Entre Rios und überall in Brasilien die Kerzen ausnahmslos als Dekoration kauft und fast nie anzündet. “Das habe ich schon öfter bemerkt und das ist eine

Foto: FSER

Längst haben sie als wichtige Lichtquelle ausgedient und doch sind sie beliebt und begehrt in jedem Haus: Die Kerzen haben ihren Platz in der Kirche, bei Festen und natürlich zu Hause als Dekoration und schaffen dort eine entspannte, oft feierliche, wohltuende Atmosphäre, gerade weil sie für jeden Anlass in allen erdenklichen Größen, Farben und Formen zur Verfügung stehen. Kerzen selber machen, braucht Zeit und jede Menge Kreativität und ist für so manchen ein richtig faszinierendes Hobby. Vor zwei Jahren besuchte Gabi Kreuscher aus dem 3. Dorf Cachoeira einen Schnellkurs zur Kerzenherstellung. “Ich wollte schon immer ein Kunsthandwerk ausüben, um eine neue Beschäftigung zu haben und damit etwas zu verdienen”, erinnert sich Gabi. Sobald sie die Basis dafür erlernt hatte, wurde alles leichter. Einfarbige, bunte, große oder kleine Kerzen brachte sie “zum Leuchten”. Allerdings gibt es zahlreiche Techniken, die auf verschiedene Art und Weise angewandt werden können, um besonders ausgefallene Ideen zu verwirklichen. Doch dabei kommt es vor allem auf die Kreativität der Künstlerin an. “Es gibt Teelichter, das sind ganz kleine und einfache Exemplare, oder auch schwimmende Kerzen, etwas größere runde oder viereckige Kerzen, die von innen hohl sind und in die man kleine Kerzen einfügt. Das leuchtet so schön von innen nach außen”, ergänzt die Handarbeiterin. Und nun hat sie jedes Mal zum Schluss Einzelexemplare einer neuen Kerzentechnik. Gabi erklärt, dass man mit Muscheln, Trockenblumen, Zimtstangen oder sogar ausgehöhlten Kastanien eine wunderschöne Kerze basteln kann. “Man nimmt dazu ganz verschiedenes Naturmaterial”. Auch mit bunten und kunstvollen Servietten kann man schöne Kerzen darstellen. “Die Serviette hält man an die Kerze und bügelt mit dem Bügeleisen

Foto: KP

Die Kunst des Lichtes

Für Gabi Kreuscher ist jede Kerze ein Einzelstück, das viel Kreativität und Zeit braucht

Gewohnheit unserer Leute. Es tut ihnen leid, die schönen Kerzen anzubrennen. Ich denke aber, Kerzen sollten brennen und ihr Licht ausstrahlen”. Jedenfalls gehen viele davon aus, dass in einer Kerze nicht nur Helligkeit steckt, sondern auch anheimelnde Atmosphäre für jeden Raum. “Auch die Farbe einer Kerze hat eine bestimmte Bedeutung”, erklärt Gabi. Rot bedeutet z. B. Liebesangelegenheiten, eine orange Kerze wirkt, um Mut aufzubauen, Gold bringt Glück, usw. Für Gabi ist eines klar: Die Kerzen bringen ihr die nötige Ruhe, um ihren großen Traum zu verwirklichen: ihren Verkauf zu vergrößern, obwohl der Markt keinen Anlass dafür gibt. “Ich bin so begeistert. Wenn ich Kerzen mache, denke ich nur Gutes, habe keine Sorgen, ich mache es einfach von Herzen gerne”, meint Gabi und betont: “Ich jedenfalls zünde meine Kerzen gerne an und bin richtig stolz auf meine kleinen Kunstwerke”. KP

Zur Kerzenherstellung gibt es zahlreiche Techniken, die auf verschiedene Art und Weise angewandt werden können. Für eine Goldene Hochzeit wurden z. B. Kerzen mit Fotos dekoriert

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Foto: MG

Foto: MG

Hauptthema

Foto: MG

Eingang ins Historische Museum. Im Hintergrund: Fotogalerie

Verschiedene Gegenstände

Zeitreise:

Das Historische Museum in Entre Rios Wie haben die Donauschwaben in ihrer alten Heimat gelebt, gearbeitet, sich gekleidet? Welche Geräte standen ihnen zur Verfügung in Haus und Hof, bei der Landwirtschaft? Wie haben sie gewohnt, gefeiert und getrauert? Wie verlief der Lebensweg dieser Volksgruppe, einzelner Personen? All dies sind Themen des Heimatmuseums von Entre Rios, das am 28. Oktober 1971 zur 20-Jahrfeier zum Bestehen der Siedlung gegründet wurde. Zeitschrift Entre Rios sprach mit Leuten, die sich intensiv mit dem Aufbau des Museums befassten und die Geschichte dieser Institution erzählen. Schließlich ist es eine ehrenwerte und verantwortungsvolle Aufgabe, die Fakten einer ganzen Volksgruppe nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das Museum zählt heute jährlich rund 2.000 Besucher, die nun das Ergebnis

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jahrzehntelanger Sammel- und Forscherarbeit auch in Ausstellungen bewundern können. Objekte, wie Bilder, Trachten, Möbel, all das, was zum donauschwäbischen Alltag seit 1951 in Entre Rios gehörte, sogar Gegenstände, Dokumente und Kleidung, die aus Europa mitgebracht wurden, sollte gesammelt werden. Dahinter standen Personen mit größtem Interesse an der Bewahrung der donauschwäbischen Kultur in der damaligen Zeit: Mathias Leh, langjähriger Präsident der Genossenschaft Agrária, der zielstrebig den Aufbau des Museums vorantrieb und Ingrid Schüssler, damals Leiterin der Kulturabteilung und Mitglied der Festkommission der 20-Jahrfeier mit ehrenamtlicher Unterstützung von Elisabeth Leh, Katharina Schüssler und Theresia Roth, ebenso auch Anna Wolbert, damals Oberschwester

des Krankenhauses Semmelweis. Sie kannte ja einen Großteil der Donauschwaben aufgrund ihrer Arbeit und konnte deswegen auch für das Museum gute Dienste leisten. Bald schon wurde als Hauptziel, die Einweihung des Heimatmuseums, für die erste Großveranstaltung zum 20. Jubiläum der Siedlung geplant und so mussten verschiedene Sammelformen in die Praxis umgesetzt werden. “Alles Mögliche wurde versucht, um an die Gegenstände zu kommen”, erklärt Karl Leh, in den 80er Jahren VerwaltungsSuperintendant der Genossenschaft. Persönliches Ansprechen und Besuche von Haus zu Haus waren die ersten Versuche. Aber auch freiwillige Spenden trugen sehr zum Gelingen des Museumsprojektes bei. Einige Schwierigkeiten stellten sich natürlich auch ein: Die Genossenschaft wollte


Foto: MG

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Die Ankunft in Entre Rios

Foto: MG

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Wappen und Dokumente zeigen die Herkunftsgebiete der Donauschwaben

Die Bauernstube in der alten Heimat Schuppen und Rosswagen

Foto: MG

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Die Trachtengalerie

Erste Kücheneinrichtung in Entre Rios

einen dauerhaften Platz für das Museum schaffen und so wurde das alte Büro der Agrária, in dem zuerst die Schule untergebracht war, zum neuen Standort bestimmt. Da aber das Gebäude große Feuchtigkeit und keinen Feuerschutz aufwies, zogen es nicht wenige Leute vor, ihre geschichtsträchtigen Gegenstände bei sich zu Hause aufzubewahren. Trotzdem konnte im Oktober 1971 ein Museum gegründet werden. “Es ist einfach darum gegangen, nach 20 langen Jahren seit der Einwanderung, Historisches unbedingt zu erhalten”, erklärt Karl Leh. So wurde eine Fotoausstellung gezeigt, in der man Bilder von der alten Heimat und den Anfangsjahren sehen konnte. “Es war hauptsächlich Material von Wolf Jesco von Puttkamer, von Karl Schäffer und später von Franz Hermann”. Eine Bauernstube mit zum Teil originalen

Gegenstände der “Fazendeiros”

und auch nachempfundenen Trachten, mit Vorhängen, Bettwäsche, Wandschonern, so wie die ersten Siedlerstuben wurde eingerichtet. Da gab es auch noch die Agrária-Betten mit Strohsäcken aus Seegras und Maisbast zu sehen, altes Ackergerät und verschiedene altertümliche Maschinen. “Diese Abteilung aber war nicht vollständig, hier wurde vor allem Rosszubehör wie Zügel und Zaumzeug ausgestellt so wie Geschirr und Rosswagen, die schon hier auf der Siedlung angefertigt wurden”, erklärt Karl Leh. Die Erinnerungen der von Zeitschrift Entre Rios interviewten Leute bilden ein Panorama voller Einzelheiten, die auch für die Zukunft erhalten bleiben. Ein Beispiel: Die traditionellen blauen Möbel sind heute noch im Museum ausgestellt. Sie wurden aber nicht aus Europa nach Brasilien gebracht,

sondern von Josef Hermann in Entre Rios angefertigt und von Maria Sposta bemalt. Diese lebendige Geschichte wurde von nun an allen Besuchern gezeigt und nicht selten übernahm Mathias Leh selbst die Führung und erklärte die ersten Einwanderungsjahre den interessierten ausländischen und heimischen Besuchern. Es gab außerdem, erklärt Karl Leh, kaum eine Europareise, bei der Mathias Leh nicht versuchte, einige zusätzliche Dokumente hauptsächlich über den Siedlungs-Anfang, die Geschichte von Vertreibung und Flucht oder vom Projekt der Schweizereuropahilfe zu bekommen. Leicht zu erklären ist, warum die ersten gedruckten Dokumente über die Geschichte von Entre Rios bald nach der Gründung des Museums erschienen. Ab den 80er Jahren konnten Autoren wie Anton Hochgatterer und Josef

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Foto: Archiv Heimatmuseum

Foto: KP

Foto: Archiv Heimatmuseum

Foto: Archiv Heimatmuseum

Zeitschrift Entre Rios sprach mit Personen, die sich intensiv mit dem Aufbau des Museums befassten (v. l. n. r.): Karl Leh, Karin Detlinger, Lore Schneiders, Monika Klein, Anna Wolbert, Irene Remlinger und Magdalena Remlinger

Die Leihbibliothek wurde im März 1994 eröffnet. Heute enthält die Bibliothek rund 5.000 Bücher

Im August 1992: Helmuth Abeck übergibt seine Bibliothek an das Museum

Foto: Archiv Heimatmuseum

Wolf Jesco von Puttkamer (1. Sekretär der Agrária) besuchte im Dezember 1990 Entre Rios und half Madalena, Monika und Irene bei Bilderbeschreibungen

Mit den Schülern der Leopoldina-Schule besucht Lore Schneiders, die das Fach Heimatkunde unterrichtet, immer wieder das Museum, um Geschichte hautnah zu sehen und zu fühlen

Gappmaier sich die Informationen des Heimatmuseums zu Nutze machen. Als Erster aber führte Jakob Lichtenberger zu dieser Zeit Interviews mit den Pionieren über Flucht und Vertreibung durch. Später, in der 90er Jahren, wurde diese Arbeit durch die Historische Abteilung ausgedehnt, mit Interviews über die Dörfer, Bräuche, Sitten, über das Leben in Österreich und die Anfangsjahre von Entre Rios. So kam es auch zu weiteren Veröffentlichungen zur Geschichte unserer Siedlung. “Gappmaier versuchte ebenfalls in den 80er Jahren einige Dokumente von der SchweizerEuropa-Hilfe und von EinwanderungsOrganisationen zu bekommen und zu sammeln, denn wir hatten einige Lücken, die dann geschlossen werden

konnten”, ergänzt Karl Leh. “Lange Zeit war ein Großteil der Dokumente an Orten wie zum Beispiel in der alten Weizenmühle in Schachteln oder Plastiksäcken aufbewahrt. Diese Unterlagen wurden alle in der Zeit der Erweiterung der Genossenschaft verpackt und blieben jahrelang dort liegen”, erklärt Karl. Deshalb wurde beschlossen, im Oktober 1989 die Historische Abteilung zu gründen. Die erste Aufgabe war nun, die historischen Dokumente der Genossenschaft Agrária aus den alten Räumen der Weizenmühle herauszuholen und auch die Dokumente der fünf Ortsgenossenschaften zusammenzutragen, um ein vollständiges Archiv der Anfangszeit zu erhalten. Dafür waren Josef

Gappmaier, Madalena Remlinger, Monika Klein und ehrenamtlich Irene Remlinger zuständig, um diese Unterlagen zu retten und wieder in chronologische Reihenfolge zu bringen. “Diese Dinge waren damals nicht mehr genau geordnet und schon seit längerer Zeit nicht mehr durchgesehen worden. Also hatten wir viel Mühe, diese Dokumente zu retten”, fügt Monika Klein, Mitarbeiterin des Historischen Museums seit 1989 hinzu. Genau 20 Jahre lang, bis kurz vor der 40-Jahrfeier von Entre Rios, war das Museum im gleichen Gebäude untergebracht. Dann wurde ernsthaft ein Neubau diskutiert und in letzter Minute entschloss man sich, das Museum am heutigen Ort unterzubringen. Wie


Foto: Archiv Heimatmuseum

Foto: Archiv Heimatmuseum

Josef Gappmaier, Monika Klein und Madalena Remlinger ordnen alte Dokumente (im April 1990)

Foto: Archiv Heimatmuseum

Foto: FH

Gruppengespräch mit Pionieren des 1. Transportes (August 1990)

Foto: FH

Karin Detlinger und Monika Klein (rechts) bereiten eine Fotoausstellung vor (Oktober 2009)

Die Eröffnung des Museums zur 40-Jahrfeier im Januar 1992: (v. l. n. r.): Stefan Teppert aus Deutschland, Leiterin Madalena Remlinger, César Franco und Fernando Carli

Karl Leh sich erinnert, brauchte nun das Museum unbedingt eine eigene Leitung, um diese reiche und zum Teil noch lebendige Geschichte zu erhalten und das wertvolle Material zu pflegen und allen Besuchern zugänglich zu machen. So wurde Madalena Remlinger gebeten, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu leiten. “Um die Gegenstände in richtiger Form aufzubewahren und Dokumente zu ordnen besuchten wir Museen und Institute von (Bundesländern wie) Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul und setzten die dort gängigen Praktiken ein”, erklärt Madalena. Noch einmal wurde auf der ganzen Siedlung um Bilder und Gegenstände für das “neue” Museum gebeten. Auch die Leopoldina-Schule

veranstaltete Wettbewerbe unter den Schülern, die zu dieser Gelegenheit museumsreife Gegenstände von zu Hause mitbrachten. Erfreulicherweise ist es heute noch gerade den Personen möglich, die unter großer Opferbereitschaft die Geschichte von Entre Rios festhielten, über die Entstehung des Museums zu berichten und so auf die oft schwierige und mühevolle Arbeit aufmerksam zu machen. “Interessant daran war, einfach zu wissen, wie die Geschichte von Entre Rios aufgebaut wurde und darauf zu achten, dass das gesamte Werk nicht verloren geht”, erklärt Monika Klein. Seit 2008 ist das jetzige Historische Museum an die Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung angegliedert, deren Leiterin, Lore Schneiders, die

Fachgerechte Aufbewahrung: Karin und Monika säubern Gegenstände im Oktober 2009

Geschichte des Museums so zusammenfasst: “Das Museum ist nur deshalb so reichlich ausgestattet, weil die Gemeinde überaus dazu beigetragen hat und heute noch weiterhin spendet und mithilft”. Um die Geschichte weiter zu vervollständigen, führt die Mitarbeiterin Karin Detlinger Interviews schon mit den jüngeren Generationen der Donauschwaben durch. Besucher aus der ganzen Welt können nun durch die Historische Abteilung des Museums vieles mehr über die donauschwäbische Kultur erfahren, aber auch in der Leihbibliothek (die rund 5.000 Bücher enthält) und an Hand der Vielzahl von Gegenständen und Fotoausstellungen zur Geschichte von Entre Rios. KP

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Foto: Archiv Heimatmuseum

Foto: Archiv Heimatmuseum

Persönlichkeiten aus aller Welt besuchten das Museum:

Foto: Archiv Heimatmuseum

Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr Dr. Rudolf Eberle besuchte das Museum im Oktober 1977

Foto: Archiv Heimatmuseum

Mathias Leh zeigt Gegenstände des Museums seinen Gästen: Dr. Hans Eisenmann (Landwirtschaftsminister von Bayern) und Dr. Wolfram Ruhenstroth (ganz links) im Oktober 1973

Vor dem alten Museum im August 1981: Ministerpräsident von Bayern Dr. Alfons Goppel (links), Mathias Leh, Sekretär der Agrária Karl Keller und Dr. Wolfram Ruhenstroth

Foto: MG

Mathias Leh zeigt Dr. H. Singbartl (links), Ministerialrat aus Bayern, im September 1989 die Fotoausstellung des Museums

Agrária-Präsident Jorge Karl führte am 27.02.2007 Botschafter Kroatiens Rade Marelic durch das Museum

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Foto: Archiv Heimatmuseum

Foto: Archiv Heimatmuseum

Im Oktober 1978 führte Mathias Leh den Konsul von Österreich, Erwin R. von Harbach, und den Botschafter von Österreich, Dr. Walter Margrutsch, durch das Historische Museum

Mathias Leh, Staatssekretär Dr. Siegfried Lengl (Mitte) und Gerhard Temari (Vize-Präsident der Agrária) besuchen die Bauernstube des alten Museums - April 1986

Das Museum ist für das Publikum jeweils von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr geöffnet. Bei Gruppenführungen wird um rechtzeitige Anmeldung gebeten. Gruppen mit über 15 Teilnehmern können auch am Wochenende einen Termin erhalten.


Panorama

Fotowettbewerb

Naturschauspiel bei der Maisaussaat Zum zweiten Mal veranstaltete die Genossenschaft Agrária einen Fotowettbewerb. Diesmal unter dem Motto “Agrária im Fokus”, an dem nun außer den Mitgliedern auch die Mitarbeiter teilnehmen konnten. Im Laufe des Jahres 2009 wurden die drei besten unter 70 Fotos von 46 Wettbewerbern (22 Mitglieder und 24 Mitarbeiter) ausgewählt. Die Gewinner des 1. und 2. Preises erhielten einen Fotoapparat und der 3. Platz bekam ein Poster mit seinen Fotos.

Auf der Panorama-Seite dieser Ausgabe bringen wir das GewinnerFoto der Mitglieder aus der Kategorie “Naturschönheiten der Region”. Das Bild wurde vom Mitglied Manfred Becker eingefangen. In der nächsten Ausgabe zeigen wir den 2. Platz. Die Bilder des Fotowettbewerbes wird die Agrária je nach Anlass in Kommunikationsmaterialien wie Jahresbericht, interne Zeitung, Banner und Folders verwenden. KP

Während ich Mais anpflanzte (am 18. September 2009, um 10:08 Uhr) brachte ein starker Wind schwarze und schwere Regenwolken. Ich kletterte auf den Lastwagen und machte das Foto mit meinem Handy, das war eine einmalige Momentaufnahme”, erklärte Becker, der total überrascht war von der Nachricht seines Gewinnes. “Ich bin froh und stolz, denn ich dachte niemals, dass mein Foto gewinnen könnte.

Manfred Becker: 1. Platz Naturschönheiten der Region

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Foto: KP

Sport

Fit bleiben, Spaß haben: Schwimmen ist der ideale Sport für jeden, der sich im Wasser wohlfühlt. Schwimmen senkt den Blutdruck, trainiert Herz, Muskeln und Immunsystem und ist deshalb praktisch jedem Menschen erlaubt. Je früher man mit dem Schwimmen beginnt, desto größer sind die Vorteile, wie z. B. das Vermeiden von Krankheiten wie Allergien. Sicher scheint auch: Wer Schwimmen einmal gerne hat, hört nie wieder damit auf. So auch bei Hilde Roth, 65, die mit rund neun Jahre alleine an einem Fluss schwimmen lernte und heute noch bis zu zwei Stunden durchgehend im Wasser bleibt, sobald sich nur eine Gelegenheit dazu ergibt. “Leider komme ich zurzeit nicht mehr so oft zum Schwimmen. Besonders gerne schwimme ich im AlagadoStaussee”. Allerdings liebt sie die weiten Strecken. “Im Schwimmbad des 2. Dorfes (Jordãozinho) bin ich schon einmal ununterbrochen vier Stunden um den See geschwommen. Aber zum Schluss war ich körperlich am Ende”, erinnert sich Hilde stolz. “Ich mag eigentlich nur das Brustschwimmen, so ganz gemütlich”. So fit und munter möchte Tiffany Zart, 12, auch noch in den nächsten Jahrzehnten sein. Vor sechs Jahren absolvierte sie einen wöchentlichen Schwimmkurs. Seit dem treibt sie den Sport so ernsthaft weiter, dass sie an zwei Wettbewerben teilnehmen und sogar einen davon gewinnen konnte. Tiffany würde am liebsten an mehreren Meisterschaften teilnehmen, wenn es solche in der Stadt gäbe. “Leider finden Wettbewerbe nur in Curitiba (Hauptstadt des Bundeslandes Paraná) statt und so konnte ich daran

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bis jetzt nicht teilnehmen”. Damit die Schwimmstunden auch noch Spass machen, haben die Sportler bestimmte Ziele vor sich. “Man fängt mit der blauen “Badekappe” an. Um die grüne Schwimmhaube zu erreichen, muss man eine bestimmte Strecke in einer vorgegebenen Maximalzeit in jedem Stil schaffen. Das steigert sich immer weiter, um ständig ein neues Ziel zu haben”. Daniela Korpasch, die Leiterin des Sportzentrums Chuá, im 1. Dorf Vitória, erklärt die Liebe zum Schwimmen: “Es ist ein Sport, den praktisch alle gern ausüben und immer mehr Donauschwaben nehmen daran teil“, erklärt sie. Das Schwimmen wirkt vor allem gegen Stress, denn eine der Voraussetzungen dieser Sportart ist die Konzentration beim Atmen und Bewegen und das tut Leib und Seele richtig gut, sagt Sportlehrerin Elaine K. Duhatschek. “Schwimmen ist ein kompletter Sport, bei dem man sich eigentlich kaum verletzen kann. Deswegen ist es für jedes Alter geeignet”, ergänzt sie. Dorotea, 38, und Hermann Weigand, 45, sind erfahrene Sportler und schwimmen seit rund 13 Jahren immer noch gerne. Hermann findet es wichtig, zu zweit zu schwimmen und zählt die größten Vorteile auf. “Manchmal bin ich müde und dann ermuntert mich Dorotea, trotzdem schwimmen zu gehen. Und das tut dermaßen gut, da schläft man ganz anders, entspannt sich vollkommen”. Nach einer einzigen Schwimmstunde verbrennt man ca. 600 Kilokalorien, ergänzt Elaine. Jedenfalls ist es wichtig, sich vor und nach dem Schwimmen richtig aufzuwärmen und zu dehnen. “Außerdem ist es wichtig, niemals alleine

Foto: KP

Seit rund 15 Jahren schwimmen Hermann und Dorotea Weigand zwei Mal pro Woche mindestens eine Stunde Foto: KP

i e r F : Schwimmen

r alle ü f t r o p s t i e z

Mit sechs Jahren lernte Tiffany schwimmen, nahm schon an zwei Wettbewerben teil und gewann einen davon Foto: FESR

Schwimmen: ein kompletter und gesunder Sport

Hilde Roth lernte alleine schwimmen und ist heute noch bei jeder Gelegenheit dabei

in einem Fluss oder Teich schwimmen zu gehen und schon gar nicht, nachdem man alkoholische Getränke zu sich genommen hat”, warnt Arlison Sanches Sales, Feuerwehr-Kommandant von Guarapuava. KP


Fotos: FSER

Kochkunst

Donauschwäbische Süßigkeiten Flüchtlingstorte Not macht erfinderisch: Eine köstliche Rarität

chwäbinnen ist sie , den älteren Donaus Flüchtlingstor te? Ja n gebacken. Nach rde für einige Jahre wohl bekannt und wu in den sogenannten n en kreier te ma sie ng eru ief erl ählen: Üb n he mündlic ihre Keller Oma erz rianne Stoetzer hört Ma . he und ren Kü ah ch gsj au tlin n ch ma Flü musste, nahm ten ch flü m” oa ah man mit der Milch “Als man von “d allem fehlte, konnte an es ”. hl wo Ob t. e Süßigkeit anbieten Hühner mi r Not den Lieben ein de in en ch tat au Zu rn en Eie ich n und de mit den spärl se Flüchtlingsfrauen Und so erfanden die den Konsumjahren in ute he auch noch eine Köstlichkeit, die Anhänger findet. r, Ma ria Ke lle r in s Ma ria nn e’s Mu tte un tet , rei be pt ze Da s Re hl, ein em ga nz en Ei em ha lbe n Ki lo Me er ein s ck Au Zu n r: fel vo , löf ria en tó Vi r, 2 Supp Teelöffel Backpulve in rd wi er es Di llt. 100 g Butter, einem ste herge n wird ein Knet-Teig :8 und Zitronenschale ten gebacken. Fülle nu Mi 20 . ca für d un llt l ero ffe sg Lö au 1 lt, d tei vier ge kaopulver un ffel Mehl, 2 Löffel Ka Lö die 4 In er, f. ck au Zu l lch ffe Lö n Liter Mi man in einem halbe ch die Vanillezucker kocht g Butter. Jetzt nur no 0 10 nd ße lie sch an n usfrau ma t Ha r gib de heiße Fülle n. Ein Tipp Teigblätter streiche en en ck ba e ge ck die Stü f Fülle au kann man die lle heiß drauf, dann eut man Maria: “Gib die Fü tzt nicht”. Zuletzt str pla ig Te r de d un n ide ne einwandfrei sch itten. Zucker auf die Schn ei ihrer Töchter backte, schauten zw ge hri -Jä 66 die d Währen Caroline meint, dass ue Kreationen vor. ne n. en lug sch d un zu lle bereichern würde en und Nüsse die Fü ben ga Zu se die , Schokoladenstückch “Ja r. su eine Schokoladengla ch Marianne empfiehlt d vielleicht sogar no un rn ine rfe ve te or gst das tlin ch ten ch Flü mö die r n wi würde tter, “aber en”, erwidert die Mu tter, ch mü ma r oß fte Gr e ha ck ser un ma sch r Erinnerung an zu n lte ha be n”. ell ese wi gin be dungsgabe Grundrezept ori d Mangeljahren Er fin un tsmu Ar n de in die auch

Maria Keller bestreicht die heiße Fülle auf die Teigblätter

Den Kuchen in Stücke schneiden

RE Die Schnitten mit Zucker bestreuen

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Zum 3. Mal gewann eine Schülerin der Leopoldina-Schule eine Deutschlandreise. Kamila Müller de Oliveira wurde am 8. März 2010 Gewinnerin des Prämienprogrammes des Auswärtigen Amtes. So kann sie am 23. Juni zu einer 4-wöchigen Deutschlandreise (bis zum 23. Juli) aufbrechen. Die Donauschwäbin der 10. Klasse konkurrierte mit Schülern aus den vier DSD-Schulen von Paraná. “Dieser Erfolg zeigt, dass die Sprachkompetenz unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf hohem Niveau liegt, dass sie sich durch besondere Leistungen in der deutschen Sprache und durch gute Allgemeinbildung auszeichnen und sowohl sprachlich als auch charakterlich den relativ hohen Anforderungen einer vierwöchigen Studienreise gewachsen sind”, fügt Deutschlehrerin Irene Mattes hinzu. Auch Bianca Müller nahm am Auswahlgespräch teil und zeigte, laut Irene, ebenfalls sehr gute Deutschkenntnisse im Niveau B1. Foto: FSER

Foto: Archiv Schule

In diesem Jahr arbeiteten das Team der deutschen Radioabteilung des Senders Rádio Universitária Entre Rios und die Schüler und Lehrer des Faches Deutsch der LeopoldinaSchule ein gemeinsames Projekt aus: eine Jugendsendung mit dem Namen “Rasch”, Radio aus der Schule, die von Schülern der 7. bis 11. Klasse produziert wird und an jedem letzten Freitag des Monats (von 18 bis 18.30 Uhr) mit Wiederholung am darauffolgenden Sonntag ausgestrahlt wird. Für die erste Rasch-Sendung hat sich die 10. Klasse im Laufe von vier Wochen vorbereitet. Die Schüler/innen engagierten sich total. Sie wählten Themen und Musik aus, arbeiteten an Präsentationen im Schulunterricht, übten im Studio und zeichneten Sendungen auf. Das Resultat war: eine tolle, coole Radiosendung von Jugend für Jugend. Das 2. Rasch-Programm, das am 30. April gesendet wird, produziert die 7. Klasse.

Rund 240 Motorradfahrer nahmen an der Eröffnung der Motocross-Meisterschaft am 7. März im 2. Dorf Jordãozinho in neun Kategorien teil. Diese Paraná-Meisterschaft gilt als die schwierigste in ganz Brasilien und hat höchstes Niveau. “Es war praktisch eine National-Meisterschaft, da die besten Fahrer aus ganz Brasilien hier in Entre Rios teilnahmen”, erklärt Cristian Abt, Präsident des Trail Clube de Entre Rios (der für die Durchführung der Veranstaltung zuständig war). Der Fahrer von Entre Rios, Cristian Scherer, 12, wurde 8. in der 85 ccm-Klasse und punktierte als 4. unter den Piloten, die für das Paranaenser Wettbewerb eingeschrieben waren. Die Siedlung hatte die Ehre, zum zweiten Mal in Folge die Eröffnung – immer mit den meisten Teilnehmern der Saison – zu gestalten. Entre Rios wurde im Jahre 2009 als bester Rennort der Meisterschaft aufgrund der einzigartigen Fahrstrecke und der imponierenden Veranstaltung gewählt.

Ein langjähriger Traum geht in Erfüllung: Die Theatergruppe “Thomas Schwarz” der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung von Entre Rios gestaltet vom 15. Mai bis zum 6. Juni eine Tournee durch Deutschland und Österreich. Besucht werden die Städte: Pfungstadt, Mosbach, Albstadt, Ulm, Reutlingen, Rastatt, Speyer, Ingolstadt, Pasching bei Linz, Wien und Graz. Die Schauspieler freuen sich, ihren donauschwäbischen Landsleuten die Verwechslungskomödie in drei Akten “Ja, wo sind wir denn?” von Erika Elisa Karg präsentieren zu können. Die Reise wird freundlicherweise von Stefan Ihas, Jugendreferent des Weltdachverbandes, organisiert. Tel: 6261-18844, E-Mail: stefan.ihas@web.de

Foto: FSER

Foto: FSER

Fahrer aus Entre Rios Cristian Scherer wurde 8.

Am 16. Februar erschienen 90 Senioren zum 1. Faschingstreffen der Frohen Altenrunde. Am Eingang bekam jeder eine Maske und eine bunte Kette umgehängt, dazu ein Pfeiferl, um Lärm zu erzeugen. Auch der Saal war entsprechend geschmückt. Einige kamen verkleidet und unterhielten die Gäste mit Späßen. Es wurde viel getanzt. Die Senioren haben den Faschingsdienstag gut genutzt und sich so richtig ausgetobt. Zum Imbiss wurden die typischen Faschingskrapfen gereicht.

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Foto: KP

Kurzmeldungen


Leserecke Ab dieser Ausgabe bringt Zeitschrift Entre Rios Briefe unserer verehrten Leserinnen und Leser. Ihre Kommentare, Wünsche und Anregungen sind uns stets sehr willkommen und so veröffentlichen wir diese nun in jeder neuen Ausgabe. Sollte Ihnen ein Artikel gut gefallen haben oder möchten Sie sich zu einem bestimmten Thema äußern, so schreiben sie uns bitte. Die E-Mail- und Post-Adressen finden sie auf Seite 2 unserer Zeitschrift. Wir freuen uns über jeden Ihrer Beiträge. Von Hans Supritz aus Deutschland:

APRIL 18. Mittagessen zugunsten des Krankenhauses Semmelweis / Klubhaus Samambaia 21. Kulturprogramm “25 Jahre Gitarrengruppe” – DonauschwäbischBrasilianische Kulturstiftung / Kulturzentrum Mathias Leh 25. II. Pioniertreffen – Frohe Altenrunde / Klubhaus Samambaia 30. Maibaum-Fest – Kindergarten der Leopoldina-Schule 30. Maibaum-Aufstellen – Dörfer Jordãozinho / Samambaia / Socorro und Cachoeira

VERANSTALTUNGSKALENDER

Fotos: MG

Der internationale Soroptimisten Klub von Guarapuava realisierte am 25. März im Hotel Atalaia, die Veranstaltung “FrauenHighlight 2009” und verlieh Anerkennungen an Frauen und Unternehmen in Form von Trophäen. Aus Entre Rios wurden geehrt: die Landwirtin Hildegardt Reinhofer, und die ungarische Missionarin Viktoria Fulop aus dem Kinderheim Canaã. Der Soroptimisten Klub überreichte außerdem die Trophäe “Violet Richardson” - eine Anerkennung an eine Einrichtung für Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren, für ehrenamtliche Tätigkeiten in ihren Gemeinden und Schulen. Ehrengast war Paula Angélica Gonçalves, 16, die Musik-Workshops für Kinder im Sozial-Projekt Projeção in Entre Rios durchführt. Eine weitere Trophäe von “Freund des Soroptimisten Klubs” ging an Unternehmen oder Institutionen, die das Projekt Prodesa unterstützt - eine Bäckerei, die Frauen mit geringem Einkommen in den Dörfern St. Michael und St. George in Guarapuava beruflich ausbildet. Unter weiteren anderen wurden auch die Genossenschaft Agrária und das Agrohaus geehrt.

MAI 01. Maibaum-Fest – DonauschwäbischBrasilianische Kulturstiftung / Platz der Neuen Heimat Vitória 02. Kirchenfest – Katholische Kirchengemeinde / Katechesezentrum São José Operário 07. Muttertagsfeier – Dorf Vitória 08. Muttertagsfeier – Dorf Jordãozinho / Freizeitzentrum Jordãozinho 08. Muttertagsfeier – Dorf Cachoeira / Klubhaus Cachoeira 08. Muttertagsfeier – Dorf Samambaia / Klubhaus Samambaia 08. Musikabend – Jugendcenter 09. Muttertagsfeier – 10. Klasse der Leopoldina-Schule 21. Tag der offenen Tür – LeopoldinaSchule 22. Musikabend – Jugendcenter 26. - 30. Reise der Jugendtanzgruppe der Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung nach Neuland – Paraguay 29. Arbeiterfest – Agrária / ARCA 31. Maibaum-Fällen in allen 5 Dörfern

Liebe Freunde in Entre Rios, ich beglückwünsche Sie persönlich und auch im Namen der Landsmannschaft der Donauschwaben zu der aktuellen Ausgabe Nr. 80, aber auch zu den vorangegangen, die für uns unschätzbar wertvolle Quellen gelebter und unverfälschter donauschwäbischer Sitten und Gebräuche sind. Da die Zeitschrift ja nur wenige Empfänger im Ausland erhalten, wir aber möchten, dass möglichst viele unserer Landsleute von Eurem vorbildlichen Wirken für unsere Volksgruppe erfahren, möchten wir einiges aus der aktuellen Ausgabe in den Mitteilungen veröffentlichen. Dazu bitte ich um die Erlaubnis. Hans Supritz / Bundesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben in Deutschland

Von Charlote Scherer aus Österreich: An die Redaktion der Zeitschrift “Entre Rios”! Wenn diese Zeitschrift bei mir in Graz/Steiermark ankommt, ist meine Freude jedes Mal sehr groß und ich möchte mich daher herzlich bedanken.

JUNI 03. Fronleichnamsprozession 05. Musikabend – Jugendcenter 06. Johannisfeier – Schule Lacerda Werneck 06. Kegelturnier – AABER 11. Kirchweihfest – Dorf Jordãozinho 12. Ball zum Tag der Verliebten – Katholische Kirchengemeinde / Katechesezentrum São José Operário 13. Kirchweihfest – Dorf Cachoeira 20. Firmung – Katholische Kirchengemeinde / Katechesezentrum São José Operário 26. Johannisfeier – Leopoldina-Schule 27. Kirchweihfest – Dorf Socorro Änderungen vorbehalten

Charlote Scherer

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April/2010  

Revista Entre Rios - April/2010

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