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Die kulturelle Zeitschrift der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios - April 2013 / Auflage Nummer 101

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Lebhaftes Heimatmuseum Zahlreiche Besucher aus der ganzen Welt genießen jedes Detail des neuen, modern ausgestatteten Heimatmuseums von Entre Rios. Hinter jedem einzelnen der rund 5.000 aufbewahrten Gegenstände, ranken sich lebendige Geschichten. Im ersten Jahr konnten 10.178 Besucher den Neubau kennenlernen.

Jugend

Sport

Kochkunst

Wiedereinweihung des Jugendcenters

Jung und erfolgreich im Motocross

Schnecken


Inhalt 03 04

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Straßen & Geschichte Landwirtschaft: Agrária erhält Preis „Produktivität des Jahrzehntes“

Zeitschrift der Genossenschaft Agrária zur Aufrechterhaltung der Kultur der donauschwäbischen Gemeinde von Entre Rios (Guarapuava/Paraná/Brasilien) Redaktionsleitung

Jugend: Wiedereinweihung des Jugendcenters

Hauptthema: Lebendige Geschichte im modernen Heimatmuseum

Cooperativa Agrária Praça Nova Pátria s/nº Colônia Vitória / Entre Rios Guarapuava - 85139-400 Paraná / Brasilien Redaktionsteam Chefredakteur: Klaus Pettinger klaus@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8008

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Unsere Leute: Ein junger Donauschwabe lässt grüßen

Redakteurin: Karin Milla Detlinger detlinger@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8316

Kochkunst: Schnecken

Redakteurin: Katrin Korpasch katrin@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8008 Redakteurin: Rosely Essert roselib@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8529 Assistentin: Karin Müller kmuller@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8528

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Sport: Jung und erfolgreich im Motocross

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Korrektur: Andrea Scherer Korpasch andrea@agraria.com.br Tel. Nr. 00 55 42 3625 8002

Kurzmeldungen

Layout: Prêmio|Arkétipo Comunicação www.premioarketipo.com.br Gestaltungsleitung: Roberto Niczay Berichte und Fotos

Titelfoto von Klaus Pettinger

Kultur-Partner

ER - Ernesto Remlinger KK - Katrin Korpasch KMD - Karin Milla Detlinger KP - Klaus Pettinger Herausgeber Genossenschaft Agrária / Marketing-Abteilung Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung Druck Positiva Gráfica e Editora Cascavel - Paraná - Brasilien Auflage 800 Exemplare Erscheinungsweise Zweimonatlich


Straße „Avenida dos Pioneiros“ in Vitória

Ansiedlung, Anfangszeiten und Straßen haben, wurden Straßen mit den Namen dieser Staaten, Bundesländer oder Städte bezeichnet: So benannte man zur 30-Jahr-Feier von Entre Rios 1981 im Dorf Socorro eine Straße „Avenida Brasil“. Die Straße, die vom Industriesektor der Agrária bis zur Ausfallstraße, nach Cachoeira, „Avenida Helvetia“, gedenkt der Schweiz. Die Leistung der Schweizer Europahilfe galt, in den schwierigsten Jahren der Donauschwaben, zur Zeit der Auswanderung von Europa und bei der Ansiedlungszeit in Brasilien, als eine wichtige Hilfe.

1992, als man das 40. Gründungsjahr von Entre Rios feierte, bezeichnete man die „Avenida Paraná“ in Vitória und „Avenida Guarapuava“ in Samambaia. Auch bei der 40-Jahrfeier benannte man in Socorro eine Straße „Avenida dos Suábios“, als Hinweis auf die weltweite Verbundenheit zu allen Donauschwaben. Die Pioniere der Siedlung erhielten im Januar 2002, anlässlich der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum, einen Straßennamen – „Avenida dos Pioneiros“ – ein Tribut des Stadtrates von Guarapuava. KK

Foto: Archiv Heimatmuseum

In Entre Rios wurden die Dörfer, wie in der alten Heimat, schachbrettartig geplant und angelegt und die Straßen erhielten anfangs statt Namen nur Buchstaben und Nummern. Wollte man nun eine Straßenbenennung ändern, bedurfte dies der Genehmigung durch den Stadtrat, der über Notwendigkeit, bzw. Angemessenheit des neuen Namens zu entscheiden hatte. Straßen und Alleen werden meistens umbenannt, wenn eine Gemeinde beschloss, jemanden oder gewisse Ereignisse zu ehren. So auch in Entre Rios. Hier wurden die Namen der Gassen vor allem bei den Jubiläumsfeiern der Siedlung geändert, um Personen, aber auch Ländern und Orten zu gedenken, die in unserer Geschichte eine wichtige Rolle spielten. Um die Bedeutung unserer Straßennamen hervorzuheben, wird in jeder Ausgabe auf dieser Seite erklärt, was sich hinter dem jeweiligen Namen verbirgt. Im ersten Teil werden Straßen genannt, die mit der Ansiedlungszeit von Entre Rios in Verbindung stehen: Der erste Präsident der Agrária und der Gouverneur von Paraná in der Ansiedlungszeit werden in Vitória geehrt. Michael Moor war Agronom und Leiter der Siedlungskommission. Bento Munhoz da Rocha Neto unterstützte die Einwanderung der 500 donauschwäbischen Familien nach Paraná. Als Symbol der Verbundenheit, als Dank und Anerkennung an die Stadt, an den Bundesstaat und an das Land Brasilien, die die Donauschwaben empfangen

Die Namensgebungen der Straßen wurden mit kleinen Feierlichkeiten durchgeführt. Obmänner und Vertretern der Ehrenden waren bei den Gedenktafelenthüllungen anwesend. Das Bild zeigt die Benennung der „Avenida dos Suábios“ in Socorro am 14. Januar 1992: (v. l. n. r.) Stefan Sehl (Landesvorsitzender der donauschwäbischen Landsmannschaft in Baden-Württemberg); Fernando Ribas Carli (Präfekt von Guarapuava); Jakob Dinges (Geschäftsführer und Vorsitzender des Bundesvorstandes der Donauschwaben), Christian Brücker (Präsident des Weltdachverbandes der Donauschwaben und Bundesvorsitzender der Landmannschaft der Donauschwaben) und Bert Reuter (Bundesschatzmeister des Bundesvorstandes der Donauschwaben).

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Landwirtschaft

Präsident Jorge Karl (links) erhält den Preis von Neri Geller aus dem Landwirtschaftsministerium

Die „Rally da Safra“ (oder „Rallye der Ernte“) ist eine jährliche Veranstaltung der Firma Agroconsult. Zwischen Januar und März prüften die Techniker der Rally da Safra über 95% der Anbauflächen von Soja und Mais in ganz Brasilien. Der Preis der Agrária krönt die hohe Produktivität der letzten 10 Jahre. Foto: Archiv Agrária

Die Genossenschaft Agrária bekam am 26. März den Preis „Produktivität des Jahrzehntes“, als Anerkennung für die höchsten Erträge Brasiliens, zwischen den Jahren 2004 und 2013, bei Soja und Mais. Präsident Jorge Karl vertrat die Genossenschaft bei der Preisverleihung in São Paulo. Die Erträge der Mitglieder der Agrária während dieser Jahre, und hier vor allem bei Mais, sind einer der Hauptgründe, die zu dieser Anerkennung führten. Obwohl die Ernte 2011/2012 einen Ertrag von 10,988 Tonnen pro Hektar erreichte, brachte es die Genossenschaft schon seit 2009/2010 auf durchschnittlich über 11.000 t/ha Mais – eine Zahl, die mehr als das doppelte der brasilianischen durchschnittlichen Produktion von 4.808 kg/ha bei der Ernte 2011/2012 ergibt. Nachdem die Agrária im Jahr 2012 einen Rekordumsatz von R$ 2,1 Milliarden erreichte, ist auch dieser Preis eine Ehre für alle Teilnehmer, die zur Stärkung des Genossenschaftswesens in Entre Rios beitragen. „Dieser Preis konnte nur Dank unserer Mitglieder erreicht werden, die Anfang und Ende des gesamten Prozesses sind. Ebenfalls danken wir unseren Mitarbeitern, die mit ihrem Engagement zum ständigen Wachstum der Agrária beitragen“, betont Jorge Karl.

Foto: Guto Andrade/MCPress

Agrária erhält den Preis „Produktivität des Jahrzehntes“

Erträge der Genossenschaft Agrária zählen mehr als das doppelte des brasilianischen Durchschnittes

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Vielfältige Faktoren tragen ständig dazu bei, dass die 62-jährige Genossenschaft weiterhin als Vorbild in der Landwirtschaft anerkannt wird, erklärt Jorge Karl. Dazu können einige Beispiele angefügt werden: Investitionen zur Forschung, mittels der FAPA, eine eigene technische und agronomische Beratung für die Mitglieder, die Fruchtfolge sowie die hohe Technisierung der Landwirtschaft. Die Industrien, wie die Mälzerei, Weizenmühle, Futtermittelfabrik, SojaölIndustrie und die neue Maisindustrie tragen gleichzeitig zu einer nachhaltigen Genossenschaft bei. Die ständige Gewissenhaftigkeit, neue Informationen und Technologien zu erforschen ist ebenfalls ein großer Vorteil der Agrária, meint Karl. „Wir haben unsere Feldbegehungen und die WinterShow ist bereits die größte Veranstaltung zur Winterkulturen in Brasilien. Unsere Kenntnisse werden an unsere Mitglieder weitergegeben“, ergänzt der Präsident und fügt hinzu: „Im Namen der Agrária gratuliere ich allen Mitgliedern, Mitarbeitern und Lieferanten für die großartige Leistung, die zu diesem wichtigen Preis für die Genossenschaft Agrária führte“. KP


Panorama

Schultüten Die weitverbreitete Tradition der Schultüten, oder Zuckertüten im deutschen Sprachraum, spielt sich an jedem Schuljahresbeginn ab. Die Erstklässler erhalten dieses Geschenk als Motivation für die Schule, denn nun beginnt für sie der „Ernst des Lebens“. Die Tüte erleichtert und verschönert die Tatsache, dass das Kind die vertraute Umgebung verlässt und sich an ein neues soziales Umfeld anpassen muss. Für das Kind bedeutet es, endlich groß und reif für die Schule zu sein. Die 28 Kinder beider ersten Klassen der Leopoldina-Schule erhielten am 14. Februar die bunten und süßen Schultüten. „Die Eltern bastelten die Tüten, die sie mit Süßigkeiten, Obst, Säften, kleinen Büchern und Schulmaterial, wie Bleistiften und Radiergummis füllten“, erzählt die Stufenleiterin des Kindergartens und des 1. Schuljahres, Andréia Schneiders. Die Kinder durften die Tüten in der Pause öffnen, dann wurde ihnen erklärt, dass diese als ein Symbol für den Wechsel vom Kindergartenkind zum Schulkind darstellt. „Die Schultüten sind die Zeichen des Jahres, in dem die Kinder lesen und schreiben lernen. Obwohl es etwas schwierig sein kann, soll der Inhalt der Tüten das Lernen versüßen“, hebt die Lehrerin der 1. Klasse, Kassiana Milla, hervor. In Entre Rios wurde die Tradition der Schultüten von Lehrerin Ingrid Leh Pettinger im Jahr 1980 eingeführt.

Foto: ER

KK

KP

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Jugend

Jugendcenter Seit Jahrzehnten dient das Jugendcenter als heimischer Treffpunkt der Donauschwaben, wie auch zur Bewahrung der Kultur und Tradition. Verschiedene Veranstaltungen unterhalten vor allem die jüngere Generation seit seiner Gründung am 10. Juni 1975. Um diesen Freizeitort bestens an sein Publikum anzupassen, wurden nun verschiedene Erneuerungen durchgeführt. Die modernisierte Atmosphäre empfanden Gäste aller Altersgruppen, bei der Wiedereinweihungsfeier, am 16. März 2013, sehr angenehm. Der Präsident des Jugendcenters, Rainer Mathias Leh, und der Vizepräsident der Genossenschaft Agrária, Paul Illich, enthüllten die Gedenktafel und ehrten Gründer, Koordinatoren, Führungskräfte, Direktoren und Partner, die Teil der 37-jährigen Geschichte dieser Einrichtung sind. Die bei der Veranstaltung anwesenden Vereinsgründer, Christina Remlinger Zehr, Heidi Geier Gutfreund, Josef Kopf, Michael Wild und Norbert Geier wurden, neben der Leiterin der DonauschwäbischBrasilianischen Kulturstiftung, Viviane Schüssler, von der derzeitigen Direktion des Jugendcenters geehrt. Zu den wichtigsten baulichen Veränderungen des Jugendcenters gehören die Erneuerung des Daches, modernere und größere Fenster, eine zusätzliche Eingangstür, eine modernisierte Bar und ein erneuter

Fotos: KK

Umbau und Kulturerhaltung

Präsident des Jugendcenters, Rainer Mathias Leh (rechts), und Vizepräsident der Genossenschaft Agrária, Paul Illich, enthüllen die Gedenktafel

Fußboden. Die Wände wurden frisch gestrichen und andere wichtige Kleinigkeiten, wie Lautsprecher und Beleuchtung, neu installiert. „Seit längerer Zeit mussten wir das Dach erneuern. Als es genehmigt wurde, nutzten wir die Gelegenheit, um auch eine neue Bar, den Boden und weitere Verbesserungen durchzuführen“, erklärt Rainer Leh. „Die Modernisierung schafft nun eine neue und jugendliche Atmosphäre“, fügt Jugendleiterin, Erika Taubinger, hinzu. Die Investitionen kamen über die

Ehrung der Gründer, Koordinatoren, Führungskräfte, Direktoren und Partner, die Teil der 37-jährigen Geschichte dieser Einrichtung sind

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Kulturstiftung von der Agrária. „Das Jugendcenter ist im strategischen Plan der Agrária wieder besser berücksichtigt worden, damit es mehr Mitglieder bekommt und die Jugend bei Veranstaltungen präsenter ist“, erklärt Superintendant der Agrária, Adam Stemmer. „Man muss dafür sorgen, dass die Jugend etwas für sich selbst tut, aber auch immer die Unterstützung dafür bekommt. Soweit wie möglich hilft die Agrária dabei mit“. Die neue Struktur des Jugendcenters kam gut bei seinem Hauptpublikum an.

Norbert Geier wurde auch als Gründungsmitglied des Jugendcenters geehrt


Ehemaliger Präsident des Vorstandes, Edson Korpasch: „Jetzt ist das Jugendcenter ein wunderbarer Platz“

„Hier kennen wir alle, sind unter uns Donauschwaben“, meint Manfred Jurgowski

Adam Stemmer: „Die Jugend soll immer etwas für sich selbst tun, aber auch die Unterstützung dafür bekommen“

Viviane Schwemlein (links) feiert mit Freundinnen: „Es gefällt mir hier jetzt noch besser“

Jugendleiterin Erika Taubinger: „Die Modernisierung bringt den Jugendlichen eine neue Atmosphäre“

Als ehemaliges Vorstandsmitglied und heute noch aktiv, geht Edson Korpasch gerne zu den Veranstaltungen. „Als ich Präsident war, führte der Vorstand auch kleine Erneuerungen durch. Jetzt ist das Jugendcenter modern, unsere Jugend hat einen wunderbaren Platz für sich“, meint er. Auch an Wochenenden, an denen es Partys in der Stadt Guarapuava gibt, lockt es Viviane Schwemlein noch lieber ins Jugendcenter. „Es gefällt mir jetzt noch besser, denn es ist angenehmer und moderner. Die Jugend hat einen zusätzlichen Grund, hier zu feiern“, meint sie. „Wir kennen hier alle, sind unter uns Donauschwaben. Ich komme schon seit Jahren und man fühlt sich immer zu Hause“, fügt Manfred Jurgowski hinzu. Ab sofort wird schon ein größeres Ziel ins Auge gefasst: verschiedene Veranstaltungen zu programmieren,

um die Jugend zum neuen Treffpunkt anzulocken. „Es ist ein neues Gebäude. Wir wollen eine Zusammenarbeit des Jugendcenters mit der Kulturstiftung, mit Agrária, Schule, Eltern und den Jugendlichen selbst durchführen, um interessante Programme vorzubereiten“, betont Rainer Leh. Ziel ist, es wieder so weit zu bringen, wie es in den 70er Jahren üblich war, als Schüler und Jugendliche sich zum Tanzen, Sporttreiben oder einfach zur Unterhaltung trafen. Fußball- und Volleyball-Turniere durchzuführen oder Kulturgruppen einzuladen, sind weitere Vorschläge des Jugendcentervorstandes. „Es ist wichtig, ein Freizeitzentrum in Entre Rios zu haben, so müssen sie nicht unbedingt nach Guarapuava fahren. Hier haben wir nun eine neue und moderne Struktur, um sich bestens zu unterhalten“, betont Vizepräsident der Agrária, Paul Illich.

Die Bewahrung der Kultur, Tradition und auch des donauschwäbischen Dialektes sind weiterhin die Ziele des heutigen Jugendcenters. „Die Agrária ist immer bereit, die Vorschläge des JugendcenterVorstandes anzuhören und sie, so weit wie möglich, anzunehmen“, betont Paul Illich. Das Jugendcenter wurde am 10. Juni 1975 von Personen aus der Gemeinde und von Pater Albano Berwanger mit Unterstützung der Agrária gegründet. Das Hauptziel war, den Jugendlichen einen Raum für Unterhaltung anzubieten und die donauschwäbische Kultur und Tradition zu erhalten, wie dies bis heute der Fall ist. Derzeit wird das Jugendcenter von der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung verwaltet und von der Genossenschaft Agrária, sowie ihren Kulturpartnern unterstützt. KP

Jugendliche feiern die erste Party im erneuerten Jugendcenter

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Foto: KP

Hauptthema

Mischung aus einzigartiger donauschwäbischer Geschichte und technologischen Medien

Lebendige Geschichte im modernen Heimatmuseum Die zahlreichen Besucher genießen jedes Detail des neuen, modern ausgestatteten Heimatmuseums von Entre Rios, da vor den neugierigen Augen keineswegs leblose Objekte liegen. Wohl geordnet befinden sich historische Dokumente und Gegenstände in strategisch ausgerichteten Bereichen. So etwa ein originales Landkauf-Dokument aus dem Jahre 1774, oder ein in Jugoslawien ausgesticktes Hochzeitstuch von 1934, eine österreichische Ziehharmonika von 1951, eine Schifffahrtkarte über den Atlantik oder ein selbst gefertigter Laufstuhl aus der Anfangszeit in Brasilien: Hinter jedem einzelnen der rund 5.000 aufbewahrten Gegenstände ranken sich Geschichten, die bei jedem neuen Besuch lebendig werden. Das am 5. Januar 2012 eingeweihte,

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donauschwäbische Heimatmuseum verfügt über historische Objekte und wertvolle Dokumente, die mit interaktiver Technologie versehen sind und in modernem Ambiente arrangiert wurden. Im ersten Jahr konnten 10.178 Besucher die moderne Struktur, so wie die einmalige Geschichte der Donauschwaben, vom 18. Jahrhundert in Südost-Europa bis zur Gegenwart in Brasilien, kennenlernen. Die Technologie ermöglicht es nun, dass Videos während der Besichtigung zu sehen sind, die bisher für die Meisten unbekannt waren, wie zum Beispiel über die Flucht, im Jahre 1944, oder die Ankunft in Brasilien im Jahr 1951. Fotos ab den 1920er Jahren haben den gleichen Zweck: ein lebendigeres Erlebnis anzubieten. Die aufbewahrten Objekte wurden im

Laufe der Jahrzehnte von der Gemeinde aus Entre Rios und auch vom Ausland gespendet und bekamen ab 2012, zum dritten Mal, ein neues „zu Hause“. Das erste Heimatmuseum wurde zur 20-Jahr-Feier (1971) eingeweiht, das zweite zum 40. Jubiläum (1992) und nun das aktuelle zur 60-Jahr-Feier. Das neue Gebäude plante man zwar 1991 gleichzeitig mit dem Bau des Kulturzentrums Mathias Leh, baute es damals jedoch nicht. Da die Struktur des vorigen Museums, im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Agrária, nicht mehr der Sicherheit der Gegenstände diente, entschied man sich im Jahre 2010, ein neues Museum zu errichten, das im Laufe des Jahres 2011 gebaut wurde. In knapp mehr als einem Jahr wurde eines der weltweit modernsten donauschwäbischen Museen fertig gestellt.


„punktgenau ausgerichtete Beleuchtung auf die Elemente“ zu erreichen. „Das ist nicht nur wichtig, damit man es gut sieht, sondern auch, damit das Licht keine Dokumente und Kleidungen beschädigt“, erklärt die Geschichteassistentin des Heimatmuseums, Lore Schneiders. Die Ausrichtung ermöglicht auch, dass Sicherheitsmaßnahmen, wie das Säubern der Gegenstände, ständig durchgeführt werden können. Das gesamte Konzept des Heimatmuseums hatte zum Hauptziel, die Geschichte der Donauschwaben in ihren Einzelheiten und auch ihrer umfangreichen Bedeutung zu zeigen, erklärt Silvia. „Die Protagonisten dieser Geschichte möchten wir in Erinnerung bringen, und den Besuchern den Dank zeigen, zu den Leistungen einer Geschichte voller Leid, aber auch von großem Stolz“, betont die Architektin. Einige Museen, wie das Donauschwäbische Zentralmuseum Ulm, in Deutschland, oder das „Museu do Futebol“, in São Paulo, galten als Inspiration zum Aufbau des Heimatmuseums von Entre Rios. „Die Technologie spielt eine wichtige Rolle. Mit der Modernisierung, die wir eingeführt haben, wollten wir das Verständnis zur donauschwäbischen Geschichte erleichtern und das Interesse dazu anregen“, erklärt Silvia Schwarz Ducat. Das Layout, das heißt, die sichtbare Gestaltung wurde auch genau besprochen. Fotos wurden restauriert, Karten neu gezeichnet, Videos mussten von alten Filmrollen auf Digitalformat übertragen werden. Die Texte jeder Galerie sind dreisprachig (Deutsch, Portugiesisch und Englisch). Kurze aber gezielte Zusammenfassungen schildern ebenfalls die Gegenstände. „Von Anfang an hatten wir etwas Neues, das sich vom Normalen unterscheidet, vorgesehen. Hauptsächlich, was das Erlebnis der Besucher anbelangt, mit fortschrittlichen

Foto: Nicole Gutfreund

Foto: KP

Eine Leistung, die ein umfangreiches und eingespieltes Team erforderte. „Als im Jahr 2010, wegen eines Hagelunwetters eine große Erneuerung des alten Museums notwendig erschien, wurde beschlossen, das Projekt von 1991 durchzuführen - denn der Plan, sowie die elektrische und hydraulische Struktur waren schon fertig. Das wurde von der damaligen Direktion von Herrn Mathias Leh vorbereitet“, erklärt die Leiterin der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung, Viviane Schüssler. Der Neubau begann am 9. Februar 2011, doch die gesamte innere Ausrichtung musste noch ausgedacht werden. Die Zusammenarbeit zwischen Agrária, Kulturstiftung, Architektur und Design führte zur Entscheidung, die Museumeinrichtung mit zwei roten Fäden aufzuteilen: eine chronologische und eine je nach Themen, wie die Siedlung, Religion, die Industrie, Sozial- und Kulturarbeit. „Auf das, was wir schon hatten, dachten wir uns ein moderneres Projekt aus, in dem auch die gleiche historische Reihenfolge des alten Museums eingehalten würde, aber so, dass es für den Besucher selbsterklärend sein sollte, damit es alle, auch ohne Führung, verstehen könnten“, erklärt Viviane. Zur Bearbeitung der internen Gestaltung wurde auf verschiedene Details geachtet, wie zum Beispiel die Einführung von viel Glas und neutralen Möbeln. „Das Mobiliar dient gleichzeitig zur Ausstellung wie auch zum Schutz der Gegenstände. So haben wir uns für die Neutralität der schwarzen Farbe mit der Transparenz von Glas entschieden. Somit bleiben die Gegenstände im Vordergrund und man hat eine deutliche Abgrenzung zwischen geschichtlichen Objekten und der Struktur des Museums“, erklärt Silvia Schwarz Ducat, zuständige Architektin des neuen Heimatmuseums. Dieselben Sorgen hatte man, um eine

Konzepten, welche die hervorragende Architektur und Möbelausstattung aufwerten“, erklärt Maurício Borges, Kreativitätsdirektor der Firma Jump Comunicação, die für die Projekte zur visuellen Kommunikation, Installation und Interaktivität des Heimatmuseums zuständig war. Die Einweihung des Heimatmuseums, während der 60-Jahr-Feier von Entre Rios, schloss die gut gelungene Arbeit ab und eröffnete ein neues Kapitel zur Erhaltung und Verbreitung der Geschichte der Donauschwaben. Kaum je zuvor wurde das Heimatmuseum von über 10.000 Menschen innerhalb eines Jahres besucht. Diese Menschen aus ganz verschiedenen Gegenden Brasiliens oder der Welt lernen nun selbstverständlich auch Entre Rios und seine Besonderheiten kennen. „Sicher kommen jetzt mehr Touristen nach Entre Rios, um das neue Museum kennenzulernen. Und das wird auch weitererzählt. Es dient nicht nur der Bewahrung, sondern auch zur Verbreitung der donauschwäbischen Geschichte“, meint Geschichteassistentin, Karin Detlinger. Der Besuch im Heimatmuseum kann mit Hilfe einer Führung erlebt werden, die gleich von Anfang an über die Ansiedlung in Südost-Europa erzählt. „Als Erstes zeigen wir, warum man Deutsch spricht, wo doch unsere Omas und Opas in Jugoslawien, Ungarn oder Rumänien geboren sind“, erklärt Lore Schneiders. „Dazu auch die Vorgeschichte, um zu zeigen, wer die Donauschwaben sind und warum sie hier her gekommen sind“. Die erste Zeittafel bringt zahlreiche Dokumente, Währungen, die berühmte Ulmerschachtel, Fotos, Videos, eine Galerie von Trachten aus verschiedenen Zeiten und Gegenden (wie Syrmien, Slawonien, Banat und Batschka) und andere Gegenstände. Zunächst wird die Flucht infolge des 2. Weltkrieges mit

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Foto: KP

Jahren, zur Kleidung eines Bräutigams. Am Hochzeitsabend von Januar 1934 hängte er das Tuch ab Mitternacht um und blieb damit, solange noch Gäste im Haus waren. „Das hat mein Vater getragen, und meine Mutter hatte die übliche Haube auf. Das bedeutete, dass er ab dann ein verheirateter Mann war und sie eine verheiratete Frau. So war damals die Tradition“, erklärt Helene Marx Reichhardt. In der Einweihungswoche des Heimatmuseums entschied sie, das von ihrer Mutter für Jahrzehnte aufgehobene Stück zu spenden. „Es ist doch etwas Schönes und ich finde es wichtig, dass die jüngere Generation weiß, wie unsere Kultur früher war“, fügt Helene dazu. Eine Galerie beschreibt nun das Leben in Österreich, mit Nähmaschinen, Radios, eine „Strickmaschine“ die mitgebracht wurde, und gleich daneben eine große Galerie von Küchen-Gegenständen. „Dort sieht man Teller, Schüsseln, Reindln und

Leiterin der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung, Viviane Schüssler: ein modernes, flexibles und umfangreiches Heimatmuseum

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eine Wurstspritze, wie sie in der alten Heimat, in Österreich und auch hier am Anfang benutzt wurden“, erklärt Lore Schneiders. Auch Instrumente sind im Museum ausgestellt. Eines davon bekam Anton Wilk, heute 78, von seinem Vater, im Jahre 1951, noch in Österreich geschenkt. In der neuen Heimat Entre Rios waren festliche Gelegenheiten nun schon seit den Anfangsjahren, trotz den großen Schwierigkeiten, ständig zu sehen. So nahm Anton Wilk, gleich nach der Arbeit seine Ziehharmonika und traf seine Freunde, für die er Heimatlieder spielte. „Die Noten hatte ich von drüben und so langsam habe ich die Lieder nun selbst gelernt. Oft spielte ich sie vor und dann wurde auch viel gesungen“, erzählt Anton Wilk, der heute stolz ist, wenn er seine 61-jährige „Freundin“ im Museum sieht. „Das ist wichtig, wenn man sieht, wie es früher war und wie sich die Instrumente

Architektin Silvia Schwarz Ducat: Das Konzept des Heimatmuseums hatte zum Hauptziel, die Geschichte der Donauschwaben in ihren Details zu zeigen

Foto: KP

Foto: KK

Foto: KP

Videos, Bildern und Objekten erklärt. Im Block der Alten Heimat sieht man eine Heimatstube mit Gegenständen, die ein Zimmer des eingerichteten donauschwäbischen Hauses darstellt. „Das war die ‚Paradestube‘, die mehr für Besucher oder dem Gebet Platz bot. Da war auch das große Bett, auf dem die Aussteuer der Mädchen zu sehen war, damit man zeigte, wie begabt das Mädchen war“, erklärt Lore Schneiders. Danach sind Gegenstände zur Landwirtschaft wie Rossgeschirr und Säge, wie auch Gegenstände vom Schuster, verschiedene Musikinstrumente und Schreibmaschinen zu betrachten. Alltägliche Sitten und Bräuche der donauschwäbischen Kultur sind in diesen ersten Galerien zu erkennen und, geben denen, die es erlebt haben, die Gelegenheit, sich zu erinnern. Ein schön ausgesticktes Hochzeitstuch, oder Bräutigamstuch, gehörte, vor rund 79

„Es ist doch etwas Schönes, wenn die jüngere Generation weiß, wie unsere Kultur früher war“, meint Helene Marx Reichhardt


Foto: KP

geändert und entwickelt haben“, meint er. Die Gegenstände des Heimatmuseums werden nicht alle gleichzeitig ausgestellt, sondern regelmäßig ausgetauscht. Das Archiv verfügt über eine Klimaanlage, um die Dokumente und Gegenstände aufzubewahren. In der Mitte des Museums sehen die Besucher nun ein großes Schild mit der Aufschrift „Brasil“, auf dem ständig Bilder und Videos von der Ankunft in Brasilien, dem Aufbau von Entre Rios und von den ersten Jahren laufen. Die Überseereisen, zwischen 1951 und 1952, und die Anfangszeit der Siedlung werden mit verschiedenen Gegenständen und auch wieder mit technologischen Mitteln gezeigt. „Da haben wir wichtige Dokumente, wie das erste Protokoll, einen Zeitungsartikel von Santos, in dem über die Ansiedlung geschrieben wurde, die Urkunde, die man brauchte, um die Genossenschaft zu gründen und die ersten Aufzeichnungen“, ergänzt Lore Schneiders. Die Entwicklung der Siedlung wird zunächst erwähnt, mit den ersten Bildern über Industrien, die Landverteilung, das Soziale, Kulturelle und Schulische. „Wir haben einen Teil, in dem man die Kultur und Traditionen sieht, die schon von Anfang an gepflegt wurden“. Die Besucher können sich anschließend ein damaliges Siedlerhaus vorstellen, wenn sie die Einrichtung eines Zimmers und einer Küche, sowie Möbel der Anfangszeiten und Objekte der Auswanderung sehen. Lebhaft ist jedenfalls jedes einzelne Foto: KP

Lore Schneiders (links), Karin Detlinger (Mitte) und Monika Klein begleiten Besucher aus aller Welt durch die einmalige Geschichte der Donauschwaben

Foto: KP

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Das traditionelle Hochzeitstuch gehörte im Januar 1934 einem Bräutigam

von Jakob Zentner, heute 85, der in einer Tischlerei tätig war, selbst hergestellt. „Ich habe es abgeschaut und selber gefertigt. Unsere fünf Kinder haben es gebraucht“, erzählt er. Auch eine Wiege, die ebenfalls heute ausgestellt ist, baute Zentner vor 62 Jahren für seine Kinder. Die Gegenstände waren jahrelang aufgehoben und wurden nun in den 70er Jahren dem ersten Heimatmuseum gespendet. Die Besucher sehen nun, neben dem Museumsgebäude, ein Siedlerhaus, das genau im Stil wie zu Beginn der 50er Jahre gebaut wurde, so wie ein Backofen von 1951. Im Heimatmuseum gibt es noch Gegenstände der ersten Jahre in Brasilien, wie Fotoapparat, Grammofon

Objekt, das eine Epoche, eine Jahreszeit oder einfach den Alltag einer donauschwäbischen Geschichte kennzeichnet. Eine weiß emaillierte Gießkanne, ähnlich der, wie sie heute im Bereich Siedlerhaus des Heimatmuseums zur Besichtigung steht, spielte vor 62 Jahren eine wichtige Rolle. Nicht weniger als einen ganzen Kilometer musste Katharina Zentner, heute 85 Jahre alt, täglich die rund 20 Liter Wasser, vom Gemeinschaftsbrunnen bis zu ihrem Haus tragen. In ihrer Küche leerte sie einen Teil des Wassers in das braun-rote „Reindl“ (Topf) und begann somit das Mittagessen zu kochen. Vom Zimmer nebenan hörte sie dabei ein bekanntes Geräusch. Die Räder des selbst gefertigten Laufstuhls rollen auf dem Holzboden des einheitlich großen Siedlerhauses (5,50 x 8,00 Meter): das Kind möchte wieder spielen. „Der Laufstuhl erinnert uns an die schönen Zeiten, als die Kinder noch klein waren“, erzählt Katharina Zentner. Das heutige Museumsobjekt wurde damals

Der Laufstuhl wurde von Jakob Zentner, Anfang der 50er Jahren selbst gefertigt Anton Wilk: „Viele Donauschwaben sehen die Gegenstände und erinnern sich sicher an die damalige Zeit“

Katharina und Jakob Zentner spendeten dem Heimatmuseum verschiedene Objekte

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Zahlen des Heimatsmuseums • 40.000 historische Fotos • 40.000 Negative • 20.000 Bücher • 300 CDs und Videotape – Interviews mit Pionieren • 350 DVDs und kulturelle Filme auf Deutsch • 5.000 Gegenstände • 2.000 Kleidungsstücke • Historische Dokumente ab 1774 • Zeitschrift- und Zeitungssammlungen ab 1951 Besucher • Besucher im Jahr 2012, seit der Einweihung, am 5. Januar: 10.178 • Besucher bis März 2013: 1.088 Räume • 4 Räume • 1.834,28 m²

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die ein Quiz über die Geschichte beantworten können“, betont Lore Schneiders, die auch den Einfluss der technologischen Mittel zum Verständnis der donauschwäbischen Geschichte hervorhebt. „Vor allem die Filme bringen den Besuchern viel mehr Realität zur Geschichte“, fügt sie hinzu. Nicht nur Leute oder Gruppen aus Brasilien, sondern auch aus dem Ausland besuchen das neue Heimatsmuseum. „Es sind Touristen, Studenten, Kunden oder Besucher, die mit Landwirtschaft zu tun haben oder eventuell einen Austausch in Entre Rios machen und mehr über die Geschichte kennenlernen möchten“, sagt Lore. „Um das Museum weiterhin zu pflegen, aber auch, um es zu vergrößern, werden neue Gegenstände jederzeit gerne angenommen“, ergänzt Lore. Das neue Heimatmuseum ist täglich und jeden ersten Samstag des Monats zur Besichtigung geöffnet. „Die meisten

Foto: KP

oder Honigschleuder, Messerschleifer und Schmalzauslasser. Eine Ausstellung von Gegenständen zur Landwirtschaft, wie Rosswagen, Traubenmühle, ein „Maisrippler“, bezeichnen die schwierigen Anfangsjahre ohne technologische Hilfe auf dem Feld. Gegenstände der Fazendas (Landgüter) woher die Namen der fünf Dörfer (Vitória, Jordãozinho, Cachoeira, Socorro und Samambaia) kommen, sind ebenfalls zu sehen. Die Genossenschaft Agrária wird auch gezeigt, mit Bildern über die Industrien und ihre Produkte, wie Malz, Mehl und Sojaöl, unter anderem. Außerdem werden Videos über Entre Rios und die Agrária vorgespielt. Filme und Fotos bringen die Geschichte der Genossenschaft und ihre ehemaligen Präsidenten, die Entwicklung und heutige Daten. Ein Überblick von Entre Rios, im Vergleich zum Anfang und der Gegenwart heute, wird ebenfalls dargestellt. Einer der größten Vorteile des neuen Museums ist die Flexibilität, um es je nach Bedarf zu gestalten, betont Viviane Schüssler. „Man kann neue Objekte, neue Bilder und auch einen ganz neuen Inhalt einfügen. Das Museum ist nicht statisch. Man kann auch Ausstellungen arrangieren und Videos erneuern“, ergänzt die Leiterin. „Das Heimatmuseum ist allerdings noch nicht ganz fertig. Wir wollen zum Beispiel den letzten Teil noch ausarbeiten und auch andere Bereiche mit möglichst vielen Informationen versorgen“, fügt sie hinzu. Die Technologie ermöglicht darüber hinaus eine Gelegenheit zur Entspannung mit interaktiven Spielen. „Das ist interessant zum Beispiel für Schüler,


Den Pionieren bietet die neue Gestaltung auch eine Gelegenheit, das eigene Leben im Museum wieder zu sehen. „Viele Donauschwaben, die so alt wie ich sind, sehen die Gegenstände und erinnern sich sicher an die damalige Zeit“, meint Anton Wilk. Das neue Heimatmuseum hat seinen Platz in einem neuen Gebäude und bietet interessante Besichtigungen, die dazu beitragen, das einzigartige historische Lebensarchiv der donauschwäbischen Pioniere, wie auch ihrer Vorfahren zu bewahren, zu dokumentieren und zu verbreiten.

Foto: Archiv Wilk

Besucher, hauptsächlich die schon andere Museen kennen, sind sehr positiv beeindruckt, hauptsächlich wenn sie die Führung sehen, denn Monika, Lore und Karin können die Besucher für die Geschichte richtig begeistern, denn sie sind ja auch Donauschwaben und die Geschichte wird von Herzen erzählt“, meint Viviane Schüssler. Auch scheint das neue Heimatmuseum schon einen guten Ruf zu haben, und nicht nur in Brasilien. „Ein Bekannter von mir erzählte, dass ihn ein Freund aus Frankreich gefragt habe, ob er schon im Heimatmuseum war, weil er in Frankreich gehört habe, dass es so schön sei“, erzählt Geschichteassistentin Monika Klein.

Im Jahre 1951 bekam Anton Wilk (Mitte) seine Ziehharmonika in Österreich

Fotos: Archiv Heimatmuseum

Foto: Nicole Gutfreund

Foto: KP

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Einweihung des 1. Heimatmuseums, 1971, auf Initiative des damaligen Präsidenten der Agrária, Mathias Leh

Nachgebautes Siedlerhaus

Einweihung des 2. Heimatmuseums, 1992

Die vollständige Geschichte des Heimatmuseums, seit der Gründung, im Jahr 1971, wurde im umfangreichen Hauptartikel der Ausgabe Nr. 83, im April 2010 gebracht. Dieser Artikel, bzw. die Auflage kann nun auch auf der Webseite der Kulturstiftung, unter www.suabios.com.br bzw. www.donauschwaben.com.br gelesen werden.

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Unsere Leute

Foto: KP

Ein junger Donauschwabe lässt grüßen

Gut angekommen, gut aufgenommen: Dennis Schmidt (Mitte) mit Arnaldo Stock, Finanzdirektor der Agrária (links), und Jorge Karl, Präsident der Genossenschaft

Seit ein paar Wochen weilt in Entre Rios ein junger Mann namens Dennis Schmidt. Wer er ist? „Ich bin a Donauschwob, mei Gschicht is’ so, so bin ich aufgewachse und des is tief drin“. Der 19-Jährige lebt in Ludwigshafen am Rhein. Seine Wurzeln, wie er es selbst so schön bezeichnet, liegen im Banat. Seine Familie, wie viele von Unseren, erlitt die Grausamkeiten des Krieges, entschied sich aber in ihrem Heimatort Glogowatz, Rumänien, zu bleiben. Mit der Einführung des Kommunismus, der Enteignung und dem konsequenten Niedergang der Wirtschaft, wurde die Lage jedoch immer schlechter und viele Glogowatzer wanderten nach Deutschland aus. Mitte und Ende der 80er erreichte die Auswanderung ihren

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Höhepunkt. Auch die mütterliche Seite seiner Familie stellte der Regierung ihren Antrag. Sein Vater, der schon seit seiner Jugend im Konflikt mit dem Sozialismus stand, floh über Jugoslawien in die Bundesrepublik. Dennis ist in Mannheim geboren, er ist Einzelkind und sehr aktiv in seiner Gemeinde. So ist er im Pfarrgemeinderat und stellvertretender Vorsitzender einer Partei. Die Sprache und Tradition aus der „alten Heimat“ pflegt er immer noch. Unter vielen anderen Aktivitäten, trägt Dennis im Glogowatzer Jahresheft mit Artikeln bei. Ebenso ist er bei der Heimatortsgemeinschaft Glogowatz engagiert. Dennis interessiert sich für die Landesverbände sowie auch für die

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Arbeit der Landsmannschaft der Banater Schwaben: „Ich bin im Vorstand unserer Heimatortsgemeinschaft. Bin zwar net in der Alten Heimat gebore, ich sag immer, ich bin in erster Linie ein Deutscher, aber als Zweites bin ich a Schwob“. Dennis interessiert sich für alles was die Donauschwaben anbelangt. Bei seinen Forschungen stieß er auf Entre Rios. Nach dem Schulabschluss packte ihn die Neugier, Entre Rios kennenzulernen. So bewarb sich Dennis für ein 3-monatliches Praktikum bei den Donauschwaben in Brasilien, arbeitete zuerst in der Logistik der Genossenschaft Agrária und zurzeit ist er in der DonauschwäbischBrasilianischen Kulturstiftung beschäftigt. Dennis sammelt die ersten Eindrücke und Erfahrungen bei uns: „Die Agrária hat viele Stärken. Das Strukturelle, die Vorgaben, die Zielerfüllungen, das alles ist sehr modern. Das kenne ich nur aus großen Konzernen in Deutschland wie BASF beispielsweise“. Außer dem Wirtschaftlichen ist er auch beeindruckt von der Pflege der überlieferten Traditionen. „Da war ich zum Beispiel einmal essen und es gab Schmarr’n. Also, das hätte ich mir nicht gedacht, dass es in Brasilien Schmarr’n gibt“. Die kurze Zeit in Brasilien will Dennis nutzen, so beteiligt er sich am Kulturleben unserer Gemeinde. Er hebt auch hervor, dass es ihn freut, wenn er durch Entre Rios radelt und sich in seiner Mundart bei jedem verständlich machen kann: „Zwei Dinge kann man do in Brasilien lerna, des is Traditionsbewusstsein und die Weltoffenheit“.

Auf Initiative des jungen Donauschwaben Dennis Schmidt, der in der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung ein Praktikum absolvierte, gedachte die Gemeinde von Entre Rios in der Fastenzeit an zwei Sonntagen bei einem Kreuzweg dem Leidensweg Jesu. Die Andacht umfasste die einzelnen Kreuzwegstationen von der Verurteilung Jesu zum Tode über die Kreuzigung bis hin zu der Szene, in der Jesus ins Grab gelegt wird. Für den Kreuzweg gibt es verschiedene Textvorlagen. Den Kreuzweg in Entre Rios gestaltete Dennis nach Glogowatzer Tradition: „Die Glogowatzer beten den Kreuzweg in Deutschland heute noch in der Fastenzeit, wie sie es in ihrem alten Heimatdorf Glogowatz gewohnt waren. Und ich wollte auch mit den Donauschwaben in Entre Rios den Leidensweg Christi nach dieser alten Art und Weise gehen“. Der Kreuzweg nach Banater Tradition fand am 10. März in der St. Michaels-Kirche in Vitória und am 24. März in der Kirche Maria der Immerwährenden Hilfe in Socorro statt. Jedesmal fanden sich über 100 Gläubige ein, Teilnehmer des Siedlerchores und des Blasorchesters der Kulturstiftung sorgten für die musikalische Umrahmung.


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Den aufgerollten Teig muss man auf 3 - 4 cm Dicke schneiden Foto: ER

Zucker und die Hefe, aufgelöst in 1/3 des Wassers und 1/3 der Milch hinein. Man verrührt es ein wenig mit etwas Mehl und lässt die Masse zugedeckt, 10 bis 15 Minuten gehen. Danach gibt man das Salz, die restliche Milch, das übrige Wasser, das Ei und die Butter dazu, verknetet alles zu einem schönen glatten Teig und lässt es nochmals 30 bis 40 Minuten gehen. Auf einer bemehlten Fläche den Teig zu 1 cm Dicke ausrollen und mit einer Masse aus 200 g Butter und 10 Löffeln Zucker bestreichen. Aufrollen und 3 bis 4 cm dicke Scheiben abschneiden. Mit der Schnittfläche nach oben in ein mittelgroßes Backblech setzen und nochmals ca. 20 Minuten gehen lassen. Im vorgeheizten Backofen bei ungefähr 200° 40 Minuten backen. Wenn die Schnecken bräunlich werden, mit 300 ml warmer Milch + 1 Suppenlöffel Vanillezucker + 1 Suppenlöffel Zucker übergießen und nochmals 10 Minuten backen lassen. Verena verbindet das Rezept der „Campschnecken“ mit der gemütlichen Atmosphäre in ihrem Landhaus. Aber auch zuhause genießt sie den Kuchen bei Kaffeenachmittagen im Familienkreis.

Verena setzt die Schnecken mit der Schnittfläche in das Blech Foto: Privatarchiv Potulski

Was backa mr heit? „Campschnecka!“ Dies ist die Antwort, jedes Mal wenn Verena Weicher Potulski (34) mit ihren Kindern einige Tage auf dem Landsitz verbringt. Zur Erntezeit freut sich Jung und Alt auf die Feldarbeit. Der „Kukuruz“ reift und die Männer haben viel zu tun. Von früh bis spät muss man schaffen, um das Getreide herein zu bringen. Die junge donauschwäbische Hausfrau Verena steht ihrem Mann bei, wo es nötig ist. Zu dieser Jahreszeit weilt sie öfter auf dem Landgut, kümmert sich ums Essen, hilft beim Verlegen der Maschinen und geht, wenn es eilt, sogar manchmal einige Maschinen-Bestandteile kaufen. Am Wochenende ist die Freude besonders groß, denn dann können auch die Kinder mitkommen. Sie dürfen mit den riesigen Erntemaschinen mitfahren. Die Frauen backen „Campkuchen“ und am Nachmittag wird wie bei einem „Picknick“, die Jause auf dem Feld serviert. Jeder darf sich bedienen, selbst die Angestellten greifen zu. Teigwaren wie „Schnecken“ gehören zu den Lieblingsgerichten. Nach Verena’s Rezept braucht man für den Teig 500 g Mehl, 2 Esslöffel Hefe, 1 Prise Zucker, 150 ml lauwarmes Wasser, 150 ml lauwarme Milch, 1 Kaffeelöffel Salz, 1 Ei und 2 Teelöffel Butter. Das Mehl gibt man in eine Schüssel, drückt eine Vertiefung in die Mitte und gibt den

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Kochkunst

KMD Die Jause ist sehr willkommen nach Stunden harter Arbeit

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Wenige Bereiche des Lebens ermöglichen es besser, die eigenen Grenzen kennenzulernen, als beim Sporttreiben. Dieser Grundsatz verstärkt sich, wenn man von extremen Sportarten spricht, wie zum Beispiel vom Motocross. Wenn diese Selbstkenntnisse sich schon ab der Kindheit einstellen, hilft dies entscheidend bei der Entwicklung eines jungen Sportlers, nicht nur in den verschiedenen Wettbewerben, sondern selbstverständlich auch im alltäglichen Leben. Zwei Donauschwaben, jeder mit seinen eigenen Zielen, sammeln seit rund acht Jahren diese Erfahrungen. Daniel Reichhardt, 14, und Cristian Scherer, 15, bauten sich eine ultraschnelle und auch erfolgreiche Karriere beim Motocross auf. Das Jahr 2012 war besonders erfolgreich für beide, obwohl sich die künftigen Ziele ab sofort komplett unterscheiden. Daniel erreichte den ersten Platz bei zwei Meisterschaften (beim „Campeonato Parananaense“ – dem Pokal des Bundeslandes Paraná –, in der 85ccm-Kategorie und dem

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Sport

Regional-Pokal „Copa Oeste“, in der Kategorie „Intermediária“), so wie einem zweiten Platz bei der südbrasilianischen Meisterschaft („Campeonato SulBrasileiro“, 85ccm-Kategorie). Ab 2013 fährt er in professionellen Wettbewerben, trotz seines jugendlichen Alters. Cristian Scherer schloss die gleiche Saison mit einem zweiten Platz im „Campeonato Paranaense“, Kategorie „MX Intermediária“ ab, nachdem er den ersten Platz in der gleichen Meisterschaft, ein Jahr zuvor, erreicht hatte. Da er sich ab jetzt völlig auf seine schulische Ausbildung konzentrieren möchte, beendete er nun seine sportliche Laufbahn und ist auf jeden Fall stolz auf seine bisherigen Ergebnisse. „Diesen Zyklus meines Lebens schließe ich nun ab, bin aber nicht traurig, im Gegenteil: Ich habe sehr vieles daraus gelernt“, betont er. Cristian begann als 8-Jähriger Motorrad zu fahren. Gleich bei seiner ersten Teilnahme beim „Campeonato Paranaense“, im Jahr 2008, gegen die besten Fahrer des Bundeslandes Paraná, wurde er Vize-Meister der Kategorie 65ccm. Das Ergebnis motivierte ihn und seine Eltern, um größere Schritte zu

riskieren. Im Jahre 2010 beendete er auf dem 4. Rang die Nationalmeisterschaft, die schwierigste der Saison, und im 2011 wurde er nun endlich Meister beim „Campeonato Paranaense“, in der 85ccm-Kategorie. „Im Bundesland Paraná war ich immer entweder Erster oder Zweiter. Letztes Jahr erreichte ich wegen eines Punktes nicht wieder den ersten Platz, aber ich bin sehr zufrieden“, erklärt er. Trotz der umfangreichen „Trophäensammlung“, die er zu Hause ausgestellt hat, erreichte Cristian Scherer, seiner Meinung nach, sogar wichtigere Erfolge im Motocross, als Siege. „Ich habe sehr viel gelernt: Disziplin, Verantwortung, Lebenserfahrung, Organisation. Als ich 11 war, machte ich eine Autoreise bis nach Brasilia, ohne meine Eltern, nur mit meinem Trainer“, erklärt er. „Außerdem lernt man die eigenen Grenzen kennen. Man weiß, wie weit man an seine Leistungsgrenzen gehen darf, aber auch, dass man manchmal mehr erreichen kann, als man sich vorstellt“, ergänzt Cristian, was auch seinen Vater, Hermann Scherer, stolz sein lässt. „In diesen ganzen Jahren hat er sehr viele Städte und Freunde kennengelernt. Die Siege und Titel zu gewinnen, war natürlich unser Ziel. Aber auch für seine Erziehung, für seine Entwicklung als Mensch, spielte der Sport eine sehr wichtige Rolle“, meint


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Daniel Reichhardt feierte im Jahr 2012 den 1. Platz bei zwei Meisterschaften Ab 2013 wird Daniel gegen professionelle Konkurrenz weiterhin Entre Rios vertreten

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Den 2. Platz unter den Besten des Bundeslandes Paraná gewann Cristian Scherer im Jahr 2012 Nach zahlreichen Trophäen, schließt Cristian Scherer seine erfolgreiche Karriere ab

„Motocross, bzw. Motorradfahren ist und bleibt in mir drin. Aber heute treibe ich weiterhin andere Sportarten wie etwa Handball. Motorrad ist nun jetzt mein Hobby“, ergänzt Cristian Scherer, der dieses Jahr an der regionalen Meisterschaft von „Enduro Fim“, eine Variante des Enduros für Motorrad, aus Spaß mitmachen wird. Ein Sport, wie Motocross, der nicht nur ein relativ riskanter, sondern auch ein teurer Sport ist, spornte zwei junge Donauschwaben in den letzten sieben Jahren an. Nach zahlreichen Reisen, symbolisieren die vielen Trophäen eine gut gelungene Leistung, die sich für Cristian abschließt und Daniel zu weiteren Siegen anreizt.

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Anfang März 2013 überreichte ihm der Stadtrat von Guarapuava eine Glückswunschehrung. „Das hatte ich nicht erwartet. Ich bin sehr überrascht und froh, hauptsächlich weil es eine Anerkennung für den Motocross-Sport bedeutet“, betont Daniel. Ab jetzt ist sein Ziel, so weit wie möglich Erfahrungen zu sammeln und weiterhin an Wettbewerben teilzunehmen. „Wenn es möglich wäre, einige Trainingsprogramme im Ausland zu realisieren, wäre es das Ideale, aber dafür bräuchte man Sponsoren. So werde ich mich weiterhin selbst entwickeln und mit den älteren Fahrern möglichst viel dazulernen“, meint er. Dieses Jahr wird er wieder an Meisterschaften wie Campeonato Paranaense und Sul-Brasileiro teilnehmen: Eine anstrengende aber immerhin beliebte Routine. „Wir haben einen Zeitplan fürs ganze Jahr und werden an wenigen Wochenenden zu Hause sein. Eigentlich ist das für uns ungewohnt, an einem Sonntag daheim zu sein“, meint Marlene Reichhardt, Daniels Mutter. „Wir haben während der Wettbewerbe echte Freundschaften geknüpft und machen die Reisen sehr gerne“. Wenn Daniel Reichhardt einerseits wiederum seine Stadt und auch Entre Rios in den verschiedensten Städten Brasiliens bestens vertreten möchte, schließt Cristian Scherer andererseits seine erfolgreiche Karriere mit guten Ergebnissen in der letzten Saison ab.

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Hermann. Das gleiche spürte Daniel Reichhardt, der als 7-Jähriger zu fahren begann. Ab jetzt konkurriert er in einem schwierigeren, jedoch erfahrungsreichen Niveau. „Da ich die Meisterschaften gewonnen habe, bin ich in die MX1, einer professionellen Kategorie, eingestuft worden“, erklärt Daniel, der daher wenig Hoffnung hegt, dieses Jahr einen Pokal zu erobern. „Anderseits werde ich wichtige Erfahrungen sammeln, was in meinem Alter sehr wichtig ist“, meint er. In der letzten Saison hatte er eine seiner besten Leistungen. Die ausgezeichneten Ergebnisse brachten dem jungen Fahrer auch eine wichtige Anerkennung ein.

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Am 20. März wurde in der munizipalen Stadtverordnetenkammer von Guarapuava eine Feierstunde abgehalten, um das soziale Engagement von Frauen zu ehren. Unter den zwölf geehrten Frauen, erhielten auch Ingrid Dautermann (vorne, 5. v. r. n. l.) aus Entre Rios, die vom Frauenverband vorgeschlagen wurde, Maria Vera Weckl Passetti (vorne, 1. v. r.) aus dem Soroptimistenverband und Sueli Karling Spieler (1. v. l.), Mitglied des Landwirtschaftssyndikats, das Ehrendiplom „Mulher Cidadã“. Sie betätigen sich ehrenamtlich bei sozialen Aktivitäten und Aktionen. Die Gitarrengruppe der DonauschwäbischBrasilianischen Kulturstiftung spielte beim Empfang.

Eine gemeinsam initiierte Spende kam 21 Kindern und Jugendlichen, zwischen 9 und 17 Jahren zugute, die im Kinderheim Canaã leben. Die Initiative ging vom Mitglied der Agrária, Alexandre Seitz und seiner Mutter Regina Seitz aus, in Zusammenarbeit mit der Firma John Deere. Auf diese Weise konnten den Kindern Miniaturen von landwirtschaftlichen Maschinen geschenkt werden. „Meine Mutter hatte die Idee, diese Spielzeuge zu sammeln und zu spenden. Es ist immer schön, wenn man helfen kann“, erklärt Alexandre Seitz (links), der mit dem regionalen Verkaufskoordinator der John Deere, Paulo Sérgio de Souza (rechts) die Spende abgab. Der Direktor von Canaã, Kevin King (Mitte), betont, dass „die hochwertige Spende sehr gut ankommt und den Kindern zum Geburtstag geschenkt wird“.

Foto: Archiv Agrária

62. Geburtstagsfeier der Agrária

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Die Genossenschaft Agrária veranstaltet am 4. Mai 2013 eine spezielle Feier, aus Anlass ihres 62. Gründungsjahres. Ein besonderes Programm mit anschließendem Abendessen und einem Ball mit den Original Donauschwaben Musikanten wird exklusiv für Mitglieder in der Festhalle Pahy, in Guarapuava realisiert. Die Einladungen mit näheren Informationen, wie Uhrzeit und Adresse, erhalten alle Gäste in den nächsten Tagen. „Diese Feierlichkeit ist im Rahmen der Mitgliederkampagne angesiedelt und möchte nicht nur die Vergangenheit ehren und schätzen, sondern auch die künftigen Ziele und Aktionen der Genossenschaft andeuten“, betont Vizepräsident der Genossenschaft Agrária, Paul Illich. „Wir möchten daher unseren Mitgliedern eine einmalige Feier anbieten. Deswegen schlagen wir vor, diesen Termin, wenn irgend möglich, freizuhalten“, betont Illich.

Foto: KK

Während zweier Tage konnten Mitglieder und Besucher aus verschiedenen Städten einen umfangreichen Überblick zu Neuigkeiten bei Soja, Mais, Bohnen und Tomaten kennenlernen. Die Feldbegehung 2013 für Sommerkulturen lockte rund 1.400 Besucher an, unter ihnen 258 Mitglieder der Genossenschaft Agrária, um die verschiedenen Vorträge in der FAPA zu verfolgen. Die Feldbegehung der Agrária genießt inzwischen als ausschließlich technische Veranstaltung ein viel beachtetes Ansehen. Die Besucher konnten sich mit Resultaten und Neuigkeiten zu fünf Versuchen mit Sommerkulturen vertraut machen, die von den Forschern der FAPA im Laufe der letzten Jahre getestet wurden. „Es handelt sich um Neuigkeiten, die man in unsere Wirtschaft integrieren kann“, meint Mitglied Andreas Keller. Weitere zwei Vorträge befassten sich mit den heutigen Realitäten in der Landwirtschaft, einen der beiden hielt Ex-Landwirtschaftsminister Roberto Rodrigues. Die Weitergabe der technischen Informationen ist die Grundlage der Feldbegehung, erklärt der Präsident der Genossenschaft Agrária, Jorge Karl. „Zurzeit ist die Information das wichtigste Produktionsmittel der Landwirtschaft. Um die Entwicklungen verfolgen zu können, muss man ständig informiert sein und deswegen hatten wir auch eine so gute Besucherzahl an diesen beiden Tagen“, betont Karl.

Dank der großzügigen Spende von Florian Neller, Vorsitzender des Hauses der Donauschwaben in Graz, ist das Heimatmuseum von Entre Rios seit dem 19. Dezember 2012 reichhaltiger geworden. Die Spende kommt aus dem Haus der Donauschwaben und umfasst eine 80 Stückesammlung von Männerleibchen, Schürzen, Trachtenröcken, Schultertüchern, Trachtenblusen, Bettwäsche und verschiedenen anderen Kleinstücken. Das Heimatmuseum von Entre Rios dankt allen Spendern, die immer wieder zur Aufrechterhaltung unserer Geschichte beitragen.

Foto: Prisma

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Kurzmeldungen


Trauermeldungen Michael Mayer ist am 10. Januar im Alter von 85 Jahren in Jordãozinho gestorben. Er wurde am 10. Januar 1928 in Illatscha, Kroatien, geboren und kam mit dem 3. Transport nach Entre Rios. Sohn Raimund und Enkel Christian gingen ihm im Tode voraus. Es trauern um ihn seine Ehefrau Theresia, Kinder Antonio, Ana, Helmuth, Elfriede, 5 Enkel und 2 Urenkel. Sebastian Krämer verstarb am 12. Februar im Alter von 81 Jahren in Jordãozinho. Er ist am 12. Januar 1932 in Drenje, Kroatien, geboren und kam mit dem 4. Transport nach Entre Rios. Er wird von seiner Ehefrau Katharina, den Kindern Erika, Ingrit, Herta, Regina, von 8 Enkeln und 4 Urenkeln betrauert. Barbara Schmaus Weigand ist am 13. Februar im Alter von 70 Jahren in Socorro verstorben. Sie wurde am 15. Juli 1942 in Erdevik, Serbien, geboren und kam mit dem 6. Transport nach Entre Rios. Ihr Ehemann Josef ging ihr im Tode voraus. Es trauern um sie ihre Kinder Magdalena, Hermann, Irene, 6 Enkel und 2 Urenkel. Anna Derner, geb. Tschonka, verstarb am 20. Februar im Alter von 81 Jahren in Jordãozinho. Sie ist am 23. April 1931 in Zubrica, Kroatien, geboren und kam mit dem 7. Transport nach Entre Rios. Ihr Ehemann Heinrich ging ihr im Tode voraus. Sie wird betrauert von ihren Töchtern Anna und Rosemaria, von 7 Enkeln und 5 Urenkeln. Vanilda de Fátima Mietz Milla ist am 1. März im Alter von 41 Jahren in Samambaia gestorben. Sie wurde am 26. Dezember 1971 in Pinhão, Paraná, geboren. Es trauern um sie ihr Ehemann José und ihre Söhne Rodrigo und Gustavo. Georg Huber ist am 10. März im Alter von 79 Jahren in Socorro verstorben. Er ist am 12. August 1933 in Hrnjevac, Kroatien, geboren und kam mit dem 5. Transport nach Entre Rios. Er wird betrauert von seiner Ehefrau Maria, Kindern Rosemarie, João und von 2 Enkeln. Pauline Haider ist am 14. März im Alter von 74 Jahren im Mutterhaus der Caritas Sozialis in Wien verstorben. Sie ist am 24. August 1938 geboren. Schwester Pauline engagierte sich 34 Jahre für die Armen in Brasilien. In Entre Rios gründete sie die Frauenrunde, die sie 25 Jahre lang monatlich betreute.

VERANSTALTUNGSKALENDER 2013

Foto: Archiv Schule

Zum zweiten Jahr in Folge erreichte die Leopoldina-Schule eine hundertprozentige Bestehensquote bei den UniversitätsZulassungsprüfungen. Die 22 Schüler begannen schon das 1. Semester und studieren an Universitäten in Guarapuava (Unicentro, UTFPR und Faculdade Garapuava), in Curitiba (UFPR und FAE), in Maringá (UEM), alle im Bundesland Paraná, sowie in der Stadt Pelotas (UFPEL), in Rio Grande do Sul.

April 14. Erstkommunion - Katholische Kirchengemeinde / Katechesezentrum São José Operário 20. Musikabend - Jugendcenter 21. 5. Pioniertreffen - Frohe Altenrunde / Klubhaus Samambaia 27. Abendessen und Ball - Katholische Kirchengemeinde / Katechesezentrum São José Operário 30. Maibaum-Aufstellen - Dörfer Jordãozinho / Samambaia / Socorro / Cachoeira

Mai 01. Maibaum-Fest - Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung / Platz der Neuen Heimat Vitória 04. Abendessen mit Show und Tanz zum 62. Gründungstag der Genossenschaft Agrária Pahy in Guarapuava 05. Kirchenfest - Katholische Kirchengemeinde / Katechesezentrum São José Operário 10. Muttertagsfeier - Dorf Vitória 11. Muttertagsfeier - Dorf Samambaia / Klubhaus Samambaia 11. Muttertagsfeier - Dorf Cachoeira / Klubhaus Cachoeira 11. Muttertagsfeier - Dorf Jordãozinho / Freizeitzentrum Jordãozinho 11. Musikabend - Jugendcenter 12. Muttertagsfeier - Leopoldina-Schule 13. bis 18. Woche der Museen Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung 18. Feijoada-Essen - Jugendprojekt Projeção 25. Arbeiterfest – Agrária / Fußballstadion Josef Klein 29. Naturwissenschaftliche Ausstellung der Leopoldina-Schule 30. Fronleichnamsprozession 31. Maibaum-Fällen in allen 5 Dörfern

Juni 01. Erntedankkonzert - Donauschwäbisch-Brasilianische Kulturstiftung / Kulturzentrum Mathias Leh 01. Bauernabend mit Lederhosen mit C-Dur-Trio Jugendcenter 02. Mittagessen zugunsten des Krankenhauses Semmelweis / Frauenverband und Semmelweisstiftung / Klubhaus Samambaia 08. Mittagessen zugunsten des Waisenheimes Canaã 08. Geburtstagsfest Jugendcenter 13. Kirchweihfest - Katholische Kirchengemeinde / Dorf Cachoeira 15. Johannisfeier - Leopoldina-Schule 16. Kirchweihfest mit Mittagessen - Evangelische Gemeinde / Klubhaus Cachoeira 22. Kulturprogramm Singgruppe Nota Livre – Donauschwäbisch–Brasilianische Kulturstiftung / Kulturzentrum Mathias Leh 23. Kirchweihfest - Dorf Socorro 29. Ball - Sportverein Danúbio 30. Johannisfeier – Munizipalschule Lacerda Werneck Änderungen vorbehalten

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