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textfragment aus „ZWISCHEN LABYRINTHEN“, armin lixl, 2005

TALOS Viel war noch nicht geschehen und die ersten Überlegungen führten nicht weiter. In den Händen hielt Talos den Stein, den er zwischen den Ölbäumen gefunden hatte. Diese Linien sagten etwas und er wusste nicht was. Er hatte das Symbol, diesen Baum oder was auch immer es darstellen sollte schon gesehen und Dädalus damals auch gefragt was es bedeutet. Der Onkel hatte ihm nur ausweichend geantwortet. Dass er es kenne und dass man es immer wieder irgendwo finde und es sehr alt sei. Die Menschen, die es gemacht haben, konnten nicht schreiben aber sie zeichneten gern. Es sei wohl ein Ornament und ihm gefalle es nicht, weil es nicht symmetrisch sei, davon haben die Menschen damals offenbar noch nichts verstanden.

Der Stein war flach und passte genau in die Handfläche des Jungen. Weiß und flach. Auf der einen Seite die Linien; nur ein wenig eingekerbt. Gedanklich ging er hinein, folgte dem gekrümmten Raum zwischen den Linien, wendete sich, ging weiter. Dabei kam er dem Zentrum erst nahe, entfernte sich, kam wieder näher. Der Weg führte immer ins Zentrum. Er wollte nicht denken. Er folgte den Linien. Er dehnte sich in den Raum. Der ganze Raum von außen nach innen - ein Raum, der auf dem Weg ins Innere immer geschützter schien. Raum zwischen zwei Linien, die sich irgendwo kreuzten. Es ist sicher nicht leicht es zu zeichnen, dachte er. Er versuchte es sich einzuprägen. Im Zentrum ein Kreuz. Waren es zwei Linien oder vier? Er war unruhig. Auch müde. Eigentlich sollte er schon längst bei seinem Onkel in der Werkstatt sein. Er legte den Stein zurück. Morgen würde er wieder kommen. Talos’ Glieder waren schwer. Er hatte alles vorbereitet für den nächsten, vielleicht entscheidenden Versuch mit seinem Onkel. Seine Scheibe sollte sich wirklich drehen und er glaubte daran. Er arbeitete seit einigen Tagen daran und es war seine erste eigene Idee, ein Projekt zu dem er seinen Onkel erst überreden musste und für das er jetzt die Unterstützung des großen Wissenschaftlers hatte. Er war in Gedanken aber bei dem Stein. Er wollte es diesmal alleine schaffen. Ein kleiner Stein sollte sich nicht wehren und er würde Daedalos bald die Lösung des Rätsels vorstellen. Er verließ die Werkstatt, die ein wenig abseits der Stadt auf einer Klippe lag, der Blick frei über das tief unten, jetzt im Dunkel liegende Meer. Sein Onkel liebte diesen Blick und das Geräusch der Brandung. Manchmal standen sie vor der Werkstatt und Daedalos sprach zu ihm über die Aufgabe des Erfinders. Eine Gabe der Götter, die nur für die Gemeinschaft einzusetzen sei. für die Ordnung der Polis. Für seinen Herrn den König. Talos hatte Mühe ihm dabei zu folgen. Er war erst zwölf Jahre alt. Wie im Traum fand er den Weg durch die Nacht ins Haus des Onkels. Niemand war da und er legte sich mit leerem Magen auf sein Schafffell. Er wollte noch an den Stein denken. Er stellt sich den Menschen vor wie er das Muster in den Stein ritzte. Es wurden schon viele gefunden. Alle waren gleich. Immer das Selbe. Wer auch immer es in den Stein arbeitete, wusste um seine Bedeutung und die musste wichtig gewesen sein für die Menschen damals. Jetzt nicht denken - so wie er es immer machte - und warten auf ein Bild.


Das Zeichen erschien aus seiner Erinnerung, verschwommen und in den Details nicht vollständig. Eher als Ganzes, als Bild. Es stand da und es war so eigen. Stabil und doch bewegt. Als ob es gleich kippen würde oder rollen. Er schloß die Augen. Langsam verformt es sich und wurde nun zu einem Vogel, zu einer Gans. Sie schaute ihn an und zerfloss bald darauf in einem Teich, dunkel, glitzernde Wellen in Kreisen um den Punkt wo ein Stein den Spiegel eben zerbrach. Der Stein zurück durch die Luft in seine Hand. Es war nun seine Hand in der alles werden konnte und er wollte es fassen. Warten. Nun sah er eine Ordnung, der es folgte, die es abbilden wollte und die es erinnern wollte. Erinnern wollte auch er sich und nicht vergessen. Er sah das Wesentliche, die grundsätzliche Information. Das Kreuz, die vier Winkel, die vier Punkte. Er sah den Schritt um in das Spiel einzutreten und es zu bewegen. Mit einer Bewegung aus sich heraus das Ganze zu vollenden. Er verließ es wieder. Er wachte noch einmal auf, wollte jetzt schlafen, in einem Moment wäre es morgen und er könnte zu den Ölbäumen laufen. Die ersten Geräusche des Morgens weckten ihn. Sein Onkel machte gerade Feuer, der Hahn, die Vögel. Daedalos war gestern beim König zu Gast. Die Gespräche dauerten wie immer lang und die Gabe des onkels war ein Geschenk, das jeder schätzte. Gewöhnlich blieb Daedalos dann im Palast. Er konnte aber nicht schlafen und kam noch vor der Dämmerung nach hause. Talos stand auf - heute frisch wie selten und begrüßte den alten Mann. Sie aßen Fladen und Oliven. Die ersten Sonnenstrahlen fielen durch die Tür, die einzige Öffnung des langen Raumes. Talos erzählte von den Vorbereitungen und sie machten sich bald darauf auf den Weg. Vom König hörte er und seinem Wunsch nach einer Waffe, die die Polis gegen Feinde schützen sollte. Daedalos könne nichts versprechen und werde sich mit dem Thema beschäftigen. Schutz der Stadt, der Quellen, der Felder und Gärten. In der Werkstatt angekommen sah der alte eine waagrechte Steinscheibe, verbunden mit einer Säule aus gerade gewachsenem Lobeerholz. das Holz war unten zu einem Dorn verjüngt und ruhte in einer Mulde im Fußboden. Das Gerät stand in einer Halterung aus Lederriemen, die Talos von einem Holzring an der Säule aus in drei Richtungen in die Wände des Raumes verspannt hatte. Daedalos betrachtete schweigend das Gerät. Talos griff den Stein, zog an seinem Rand bis er und die Säule schlingernd und knarrend in den Riemen taumelten. Daedalos wandte sich ab und Talos bat den Onkel zu warten. Der Stein war schwer und der junge versuchte nach Kräften die Geschwindigkeit der Drehung zu steigern. Das Geräusche des Holzes am Ring und am Fussboden wurden lauter. „hilf mir Onkel!“ der Alte griff nun in die bewegte Scheibe und schaffte es mit wenigen Zügen, dass sich die taumelnde Konstruktion beruhigte und in immer schnellerer Drehung aufrichtete. Mit einem hellen Knall riss ein Riemen, die kreiselnde Konstruktion brach aus, schlug Daedalos gegen die Hüfte, rollte in eine Ecke des Raumes wo sie auseinander brach. Der Schmerz des Alten, Schreck und Angst des Jungen standen für einen Moment unbewegt im Raum. Daedalos rieb sich die Hüfte, blickte in die Ecke und sagte. „ gut mein Junge. Wir haben es gesehen. Wir werden es noch einmal versuchen. Nicht heute. Ich brauche Ruhe und will nachdenken. Geh mit deinen Freunden ans Meer“. Talos entschuldigte sich. Der Onkel sagte nichts mehr und der Junge verließ den Raum. Das Meer war still wie immer zu dieser Jahreszeit aber er hatte keine Lust auf Schwimmen. Er wollte auch seine Freunde nicht treffen. Er ging zum Olivengarten und beruhigte sich im Gehen ein wenig. Es war so schwer den strengen Idealen des Onkels zu genügen. Warum wollte er nicht, dass er mit ihm über die Waffe nachdachte. Egal. Er hatte auch wenig mit dem Krieg im Sinn. Sein Vater kam damals nicht mehr zurück. Seine Mutter schickte ihn dann zum Onkel. Hier konnte er lernen, hatte auch zu essen und würde irgendwann vielleicht genug verdienen um der Mutter und den Geschwistern helfen zu können.


Talos wollte nicht mehr daran denken. Er hatte von dem Stein geträumt und er erinnerte sich an das wunderbare Gefühl das Muster verstanden zu haben. Wenn er ihn wieder in der Hand hielte, würde die Erinnerung wieder kommen. Der Stein lag noch an der Stelle. Talos setzte sich in den Schatten und berührte mit den Fingerspitzen die Linien. Er sah seinen Traum verschwommen und mit halb gesenkten Lidern fühlte er wieder das Wesen des Zeichens. Ein Ursprung, eine Ausgangspunkt und eine Handlung, um das Muster zu erzeugen. Er nahm einem Zweig und spitzte ihn mit seinem Messer zu. Er spuckte auf die rote Erde und rührte mit dem Zweig eine zähe Masse. Sorgfältig füllte er mit der Farbe das eingekerbte Kreuz der Linien. Ein schöner Kontrast zum weißen Stein. Die Aussage des Musters veränderte sich sofort. Nun sah er die vier Winkel und füllte auch sie rot. die Linien traten zurück und er betrachtete das neue Bild. Er war zufrieden und glaubt die zugrundeliegende Information gefunden zu haben. Er schaute und sah nun die vier Enden der beiden Linien. aus den Winkeln zogen sie in geschlungenen Bahnen, wie in seinem Traum die Wellen im Teich. Er setzte an ihren Anfang einen roten Punkt. Sollte er gleich weiter machen? Sollte er warten um sich nicht in voreilige Gedanken zu verlaufen? Er konnte sich nicht bremsen und es war auch nicht nötig. Die Linien sprachen eine klare Sprache. Er begann den oberen Ast des Kreuzes mit dem Winkel rechts daneben zu verbinden. Dann zeichnete er vom linken oberen Winkel die Linie zum linken oberen Punkt. vom Punkt zum Winkel. Vom Winkel zum Kreuz. So machte er weiter. Immer den nächsten Ansatz auf der linken Seite mit dem nächsten Ziel auf der rechten Seite verbindend wusste er, dass sich das Muster restlos füllen würde. Die letzte Verbindung gab ihm ein Gefühl der Zufriedenheit, ein Lächeln in seiner Seele, eine Aufgeregtheit, die noch lange anhielt während er den Stein betrachtete. Es war ein Spiel und dieses Spiel gefiel ihm.

Es war kaum mehr zeit vergangen als er zum Essen brauchen würde. Für ihn war es nun genug. Er legte den Stein wieder zurück und verdeckte ihn diesmal mit dürrem Laub. Im Gefühl einen großen Schritt gemacht zu haben, nun Zeit zu haben, genießen zu können, ging er wieder in Richtung Werkstatt. Er würde noch nichts sagen. Was sollte er auch sagen. Er hatte nur entdeckt wie man das Muster konstruiert. Er wusste noch nichts über seine Aussage. Aber er wusste wie es auf ihn wirkte, dass es Freude machte und damit wusste er mehr als ihm sein Onkel damals sagen konnte. Er wollte seinen Versuch wieder aufbauen und den Onkel dabei nicht stören. Der hatte seinen Ärger sicher schon vergessen. Das dauert bei ihm selten lang. Sein Zorn kam jäh und er unterdrückte ihn. Er hatte ihn noch nie geschlagen. Daedalos lächelte als er Talos kommen sah. „Hallo, kleiner Freund!“, rief er ihm zu und Talos sprang die letzten Steine runter auf das Felsplateau. Der Onkel hatte ein Kaninchen gefangen und drehte es über dem Feuer. Es duftete herrlich und sie aßen gemeinsam. Es reichte genau für beide. Der Wein erfrischte sie und heiter erzählte der Onkel, dass er für des Königs Problem eine Lösung hatte. Er habe sich auch mit Talos’ Scheibe beschäftigt und überlegt wie sie den versuch besser aufbauen sollten. Sie könnten den Holzring und die Mulde im Boden mit Fett einreiben. Den Stein und das Holz besser verbinden, die Gurte wässern bevor sie an den Wänden befestigt wurden. Trocken würden sie sich spannen und dem Ganzen mehr Festigkeit geben. Es dauerte kaum eine Stunde und sie waren mit der Arbeit fertig. sie verließen gemeinsam die Werkstatt und gingen heim.


Später würden sie zum König gehen und diesmal dürfte er mitkommen. Daedalos wollte dem König seinen Vorschlag erklären, seinen Schüler vorstellen und auch von der Scheibe erzählen. Talos war glücklich wie noch nie zuvor. Der Palast des Königs war beeindruckend. Wie das haus seines Onkels - nur um vieles größer - war es zum Teil in den Felsen gebaut, ragte aus diesem aber heraus und bildete eine große Halle. Zwei Säulen standen vor dem Tor und trugen ein Dach unter dem jetzt bei untergehender sonne der König und seine Frau saßen. Der König begrüßte die beiden und bat sie näher. Seine Frau saß mit bloßem Busen und kunstvollen Locken, die ihr feines Gesicht rahmten. Sie sagte nichts und lächelte dem Jungen zu. Daedalos reichte sie einen Becher Wein. Es dauerte bis Daedalos dem König die gebührende ehre erwiesen, Talos vorgestellt und sich an den Tisch gesetzt hatte. Es wurde Schafkäse, Beeren, Oliven und Salat gereicht. Später Hammel und dazu gewässerter wein. Die Tochter des Königs musizierte auf einem Saiteninstrument, das Talos nicht kannte. Später sprach der König Daedalos auf seinen Wunsch an und dieser begann aufgeregt und stolz von seiner Idee, der Waffe zu erzählten. Talos bat sich den Palast ansehen zu dürfen und die Tochter des Königs nahm ihn an der hand und führte ihn durch die Halle. Die Wände waren schlicht aber stilvoll bemalt. Er sah Tier- und Pflanzenmotive auf der linken Wand. Daüber einen geometrischen Fries. Rechts sah er die Waffen des Königs und seine Kriegskleider. Ein wundervoller Helm, getriebenes Kupfer, reich verziert mit Heldenmotiven. Er glänzte im Widerschein des Abendlichtes, das noch durch die Öffnung des Megarons in den Raum fiel. Am Boden standen fein beschlagene Holztruhen für den Hausrat der Familie. Die Feuerstelle befand sich im hinteren Bereich der Halle. Darüber eine kleine Öffnung in der Decke. Talos überlegte ob sie hier schon im gewachsenen Fels waren. An den wänden konnte er es nicht erkennen. Der glatte Putz zog sich bis zur Rückwand in einer schimmernden Fläche. Sie kamen zu einer Holzklappe im Boden. Hier sei der Zugang zu den Schatzräumen und dem Vorratslager, die in zwei Etagen in den Fels getrieben waren, erklärte das Mädchen. Selbst sie hatte keinen Schlüssel dazu. Talos hatte schon am Eingang der Halle versucht bis zur Rückwand des Raumes zu sehen. Er sah den Thron, ein schlicht aus Stein, vermutlich direkt aus dem anstehenden Fels gehauener Kubus mit hoher Lehne, jetzt mit Fackeln beleuchtet. Aber er interessierte sich viel mehr für die Wand. Direkt hinter dem Thron sah er nun ein Loch in der Wand, die sonst keinen Schmuck aufwies, fein geglättet aber nicht verputzt war. Direkt über dem Loch, möglicherweise dem Eingang in weitere Räumlichkeiten, sah er nun ein Symbol, das ihm nur zu bekannt war. Es war sein Symbol, das Labyrinth, das er heute nachgezeichnet hatte. Nicht größer als ein Kinderkopf und herrlich gearbeitet. Das Blut pochte ihm in den Schläfen und er wusste nicht was er nun tun sollte. Er sagte nichts und betrachtete das Motiv genau. Es war identisch mit seinem. Das Mädchen wunderte sich ein wenig über den stillen und offensichtlich ergriffenen Jungen und erzählte, dieser Teil des Palastes sei alt. Der Großvater habe als Kind hier gespielt und hinter Büschen versteckt den Thron und die Wand entdeckt. Das Loch und die Räume dahinter. später kam er als König zurück und beschloss hier seinen Palast zu bauen. Sie liebe diese Räume, die zwar klein aber sehr angenehm waren und auch durch eine Öffnung in der Decke ein wenig erhellt wurden. Manchmal, sehr selten, fiel ein Strahl direkt auf einen hohen Stein, der wie eine Säule mitten im zweiten Raum stand. Ganz schlicht, verziert nur mit zwei eingetieften Punkten im obersten Bereich. Wie Augen dachte sie immer. Sie könnten reingehen und sie würde ihm gerne alles zeigen. Es sei zwar jetzt dunkel aber sie könnten eine Fackel mitnehmen.


Talos hörte das Mädchen wie durch einen Schleier und als er nicht antwortete nahm sie ihn bei der Hand. „Es ist für alle Gäste so, so viele schöne Dinge sind hier überall und es ist wohl zu viel. Komm bald wieder und dann zeig ich dir die stillen, schönen Räume im Fels“. Sie gingen durch die Halle zurück zu den anderen. Sie hörten lautes Lachen und sahen von weitem wie der König sich angeregt mit Daedalos unterhielt. die Idee zur Waffe dürfte wohl gut aufgenommen worden sein. Sie setzten sich zu Tisch. „Ich höre große Dinge von dir, junger Mann. Dein Onkel sieht in dir seinen Nachfolger und ich heiße dich willkommen. Unser Volk lebt seit vielen Generationen von der Gabe, die Menschen wie ihr uns schenkt. Ich werde euch bald besuchen und deine drehende Scheibe sehen“, sprach der König. „Ja sie dreht sich wirklich und mit einigen Verbesserungen wird sie das auch ohne ständiges Antreiben machen. Wie lange werden wir sehen. Wir wissen nicht wozu es dienen wird und ich werde dem Jungen zeigen was aus einer Idee entstehen kann. Ein Prinzip zu erkennen, es aber weiter zu fassen ist das Wesen der Erfindung“, sagte Dadalos zu Talos und dem König. Talos hörte das und freute sich darüber. Er sah die Aufregung seines Onkels und das Wohlwollen des Herrschers. Ihm war aber das Labyrinth viel wichtiger und er konnte es nur schwer aus seinem Denken verbannen. Er musste es aber und dem König antworten. „Vieles dreht sich, glaube ich, auch wenn wir es nicht so erkennen. Ich weiß aber zu wenig und ich danke euch für euer Vertrauen. Ich werde versuchen vieles zu lernen um Euch dienen zu können. Ihr habt ein sehr schönes Haus, eigentlich wie unseres aber viel größer“, sagte er und er wusste, dass das nicht die rechten Worte waren. Die beiden Alten lachten auch herzlich. Den Rest des abends saß er still am Tisch und sprach nur, wenn er direkt angesprochen wurde. Er wollte überhaupt nicht sprechen und fühlte die Grenze, die ihn als jungen Menschen von den Erwachsenen trennte. Wie würde es sein wenn er mehr wüsste, mehr verstehen könnte? Er versuchte sich vorzustellen welche Ziele er sich setzen sollte. Er sann weiter und ließ seiner Intuition freien Lauf - soweit es in der Situation möglich war. Immer wieder kam ihm das Zeichen in den Sinn. Er fühlte aber, dass sich das Verständnis dafür aus anderen Dingen entwickeln würde als aus dem Forschen und Kombinieren. Er hatte wenig mit dem er kombinieren könnte. Wenig vor allem aus eigener Erfahrung. Lernen könnte er viel. Welche ziele sollte er sich stecken. Er spürte den Mangel an Erfahrung und Ruhe, das Unwissen und die Ungewissheit wie es mit ihm weiter gehen würde beinahe körperlich. Dieses Gefühl drückte ihn. Eine Last von der er sich befreien wollte. Seine Stärke – und die hatte er oft und heute wieder kennengelernt – war sein Gefühl. Seine Unbefangenheit und die Freiheit des Denkens. Nicht denken und warten. Hierin hatte er vertrauen. Wie würde es sein, wenn er die Last abgeschüttelt hätte? dann. irgendwann. Hätte er dann auch vieles verloren, was ihm wertvoll war? Und vor allem wie wurde er dann über sich denken, über das, was ihn jetzt bewegte. Würde er dann völlig anders sein und vielleicht über seine Vergangenheit lachen. Er in der Zukunft über sich jetzt lachen?! Oder würde sich alles einfach weiterentwickeln und die Frage würde überhaupt keine Bedeutung


mehr für ihn haben. Er wollte das nicht und er sollte sich dann, später seiner jetzigen Not erinnern und nicht darüber lachen. Er wusste aber nicht wie er dafür sorgen könnte. Er fühlte sich getrennt von den anderen Menschen. Unüberbrückbar getrennt. Er sah mit seinen Augen, er roch durch seine Nase, fühlte mit seiner Haut. Wie gerne würde er durch einen anderen Menschen sehen, riechen, fühlen! Es gab eine Grenze, erkannte er nun, die er nie bemerkt hatte. Er selbst war die Grenze und nach Allem was er sich vorstellen konnte, musste das für jeden gelten. Menschen, Tiere, alles was lebt. Wie konnte er verschmelzen mit dem anderen? Ginge das überhaupt und wodurch? Was verbindet ihn mit der Welt. Diese Gedanken kamen beinahe gleichzeitig in sein Bewusstsein. Er war davon überwältigt und fühlte sich elend. Gleichzeitig musste er am Tisch sitzen, beobachtet von den anderen. Die Tochter sah oft zu ihm und lächelte. Sie war hübsch und er lächelte schüchtern zurück. Sie stand auf und sagte: “Talos, gehen wir spielen!“ Das war die beste Idee, dachte Talos. Es würde ihn ablenken von seinen Gedanken und er konnte weg vom Tisch, von den Menschen, die soviel schon erreicht hatten in ihrem Leben. Die Kinder liefen fort und Daedalos rief ihm nach: “Talos, mein junge komm in einer Stunde zurück, wir werden dann aufbrechen!“. Sie rannten und lachten und die Tochter zeigte ihm dies und das. Endlich Ruhe und keine Gedanken. Später gingen sie heim und er nahm sich vor, nicht mehr zu dem Stein im Olivengarten zu gehen. Er wollte mit seinem Onkel arbeiten und nicht nachdenken. Lernen, das fiel ihm leicht. In den nächsten Wochen träumte er manchmal von dem Stein aber er war jetzt viel ruhiger. Die Scheibe drehte sich inzwischen beinahe wie von selbst. Er dachte viel nach über Möglichkeiten sie für die Gemeinschaft nützlich zu machen und sein Onkel unterstützte und leitete ihn dabei mit sanfter Aufmerksamkeit. Die Entwicklung der Waffe machte offenbar auch fortschritte. Er konnte dem aber nicht folgen, denn Daedalos hatte in der Werkstatt einen abgeschlossenen Raum gebaut in den er sich zurückzog um daran zu arbeiten. Talos war zwar neugierig aber es war ihm eigentlich lieber nichts davon zu wissen. Das sei auch das Wesentliche an der Waffe, sagte der Onkel, dass niemand sie verstehe außer er selber und der König. Damit war Talos zufrieden. Talos arbeitete neben seiner Scheibe an einigen kleineren Projekten seines Onkels. Bevor er zu ihm kam hatte Daedalos den neuen Tempel gerade fertig gestellt. Daedalos war nicht nur Erfinder sondern auch der größte Baumeister seiner Zeit. Nun waren noch einige Ergänzungen des Tempelbezirkes, vor allem den Platz betreffend zu gestalten. Sie hatten ein großes Modell aufgebaut. Sie verwendeten dazu weissen Ton, den Daedalos von weit her bezog. Es gab immer einen großen Klumpen von diesem Ton, eingeschlagen in feuchtes Tuch. Der Ton aus der Gegend war rötlich – auch sehr schön - und vor allem nach dem Brand strahlte er in herrlichem orange. Talos selbst hatte sich sein Geschirr, einen Teller, einen Becher und den Löffel selbst geformt und gebrannt. Der Ofen stand außerhalb der Werkstatt in sicherer Entfernung und brannte oft nachts während sie zu hause schliefen. Talos war geschickt und nur noch selten sprang ihm ein Stück. Er hatte gelernt mit den Glasuren umzugehen, sie gleichmäßig aufzutragen und er kannte die Freude am nächsten Morgen die nun so anders und so schön glänzende Keramik noch heiß aus dem Ofen zu nehmen. Ihm lag viel an den leichten Unregelmäßigkeiten jeden Stückes, der nur beinahe perfekten Form, die der Erfahrung des Künstlers bedurfte und dem Spiel des Dekors, das eben diese leichten Abweichungen ausglich.


Seine Scheibe funktionierte wunderbar. Talos hatte in den letzten Tagen viel experimentiert, Dinge in die Mitte der drehenden Scheibe gesetzt und gesehen, dass sie nach kurzer Zeit aus dem Zentrum flohen und mit größer Geschwindigkeit weggeschleudert wurden. Er hatte daran Freude und entwickelte einen gewissen Ehrgeiz damit zu zielen und zu bestimmen wohin diese Geschoße flogen. Vielleicht wäre das eine Waffe, die sein Onkel verwenden konnte. Er dachte an seine Schleuder, mit der er als Hirte trefflich umzugehen gelernt hatte. Im richtigen Moment loszulassen. Soviel er aber versuchte, er fand keinen Weg zu treffen. Aber es war lustig. Er versuchte es mit vielem und sein Onkel fluchte oft, wenn seine Geschoße den nun abgetrennten Bereich der Werkstatt trafen. Zuletzt hatte er es mit Bällen aus ton versucht. Sie hafteten an der Scheibe und bewegten sich zuerst nicht oder kaum, bis sie sich schließlich doch verformten, lösten, gegen die Wand klatschten - wo sie auch kleben blieben. Es dauerte oft lange bis das geschah und er musste die Scheibe dazwischen erneut antreiben. Er hatte das gut im Griff und es wurde für ihn auch zunehmend interessanter die Zeit auszudehnen bis der Klumpen sich verformte und von der Scheibe löste. Eine günstige Mischung zu finden, nicht zu feucht und nicht zu trocken. Den Klumpen gut vorzuformen, regelmäßig und ihn auch in der Drehung noch zu formen, ihn auf die Mitte zu zentrieren. Er war inzwischen so geübt, dass sich der Ton nicht mehr durch drehen von der Scheibe löste. Die Formen, die er so erzeugte waren makellos, glatt und sahen nicht aus als ob ein Mensch sie gemacht hätte. Daedalos gefielen diese Körper ausnehmend gut und er war es, der die Idee hatte mit der Scheibe eine Schale zu formen. Von ähnlicher Gestalt wie gewöhnliche Schalen eben sind. Es war nicht ganz einfach aber es gelang schon beim ersten Versuch. Die Scheibe drehte sich langsamer, stand still und sie sahen das Stück. Es ruhte vor ihnen in einer den beiden unbekannten Klarheit. Und es war so schnell geschehen. Nicht einen halben Tag daran arbeiten, es Schritt für Schritt verfeinern und erst zum Schluss mit dem Dekor den Ausdruck zu festigen. Daedalos war sehr beeindruckt und nahm den kleinen an der Schulter und drückte ihn an sich. Talos war verwirrt. Er wusste nicht ob sie ihm gefallen sollte. Wo waren die Unregelmäßigkeiten geblieben, die er so liebte? Wo die Meisterschaft? War es wirklich so wie Daedalos sagte, dass wir auch daran denken sollten, dass die Dinge uns nicht alle so direkt ansprechen sollten, jedes besonders und einzigartig sondern dass es wichtiger wäre, dass sie überhaupt da seien und das für alle. Er meinte auch noch etwas von dem Fortschritt für unsere Gemeinschaft, wenn wir uns durch unsere Gedanken besser entwickeln als andere Städte. Mit seiner Waffe sei das eigentlich auch so. Er löste die Schale vorsichtig und stellte sie zum Trocknen ins Freie. Daedalos gab dem Jungen für den nächsten Tag frei. „Ich bin eingeladen mir in einer Nachbarschstadt Gedanken zur Vergrößerung des Hafens zu machen. Ich brauch dich dabei nicht. Du musst dich ein wenig erholen. Wenn ich zurück bin, werden wir die Schale brennen und den Töpfern in der Stadt zeigen. Die werden staunen und wir haben dann viel arbeit ‚Drehscheiben’ zu bauen“. Irgendwie klang das auch für Talos ganz richtig. Scheiben bauen. Das konnte er gut. Besser als über den kleinen Stein nachdenken. Den hatte er in den vergangenen Tagen und Wochen schon beinahe vergessen. Ob er noch da war. Irgendwie kam ihm dieser Gedanke dumm vor. Der Stein würde sich selber schützen können. Es war nur ein Stein wie die anderen und wer sollte ihn zerstören. Mitnehmen vielleicht. Das war aber auch nicht schlimm und so könnte jemand anderer sich damit beschäftigen. Er wusste, dass er das Muster selber konstruieren könnte und er


brauchte ihn nicht mehr. Er könnte sich selber einen Stein machen oder das Motiv zeichnen. Vielleicht sollte er es mit seinen Freunden zeichnen. Am nächsten Tag ging er zum Strand. Seine freunde waren schon dort. Sie redeten gerade was sie machen wollten und Fische fangen schien wie immer die beste Idee. Sie hatten von einem Fischer ein altes Netz bekommen, das für sie in einer kleinen Höhle bereitlag. Den ganzen Tag am Meer. Schwimmen, fischen, in der Sonne dösen, Gemüse aus den nahen gärten stehlen, am frühen Nachmittag essen am Feuer und reden was ihnen gerade einfiel. Bis zum Abend. Sie waren Freunde und kannten sich seit Jahren. Andere Kinder hatten ihre eigenen Plätze und Begegnung gab es nur wenn ihnen langweilig wurde, was selten vorkam. Talos hatte jetzt aber noch keine Lust. Vielleicht später. Er wollte am Strand entlang gehen und nachdenken. Seit gestern war es wieder da. Sein Labyrinth war zu ihm zurückgekommen und er hatte keine Angst mehr davor. Er ging den Buchten entlang, kam zu anderen Kindern, die ihn misstrauisch anblickten. Er war so in seinen Gedanken, dass er nicht einmal angesprochen wurde und die sonst üblichen abschätzigen Bemerkungen unterblieben. Kletternd und watend kam er von Felsvorsprung zu Bucht, zu Felsvorsprung, zu Bucht, zum Bach wo er seine Füße in das kalte Wasser hielt. Er ging im Bachbett hinauf, rings um ihn üppige Vegetation, die es nur hier gab. Es gab eine Stelle, die er schon lange nicht mehr besucht hatte und dort wollte er sich hinsetzen. Eine besondere Stelle, das Tal ein wenig breiter und der Bach zu einem kleinen Teich gestaut. Seit er sich erinnern konnte, hatten die Kinder an dem Damm gebaut und jedes Frühjahr musste er repariert werden. Die letzte Krümmung noch und hinter dem riesigen Stein sah er nun den Teich, die Sandbank und den überhängenden Fels. Er war nicht allein. Mädchen saßen im Sand und spielten. Ihm war es unangenehm und er wollte lieber allein sein. Er könnte noch ein stück weiter gehen und sich eine andere Stelle suchen. Er grüßte die Mädchen verschämt und wollte nur schnell an ihnen vorbei. „Hallo Talos! setz dich zu uns!“ hörte er und erkannte nun die Tochter des Königs. Er lächelte und blieb stehen. Die anderen Mädchen kicherten und er wollte schon weiter als die Prinzessin aufstand, ihn an der Hand nahm und sagte:“ Ich zeig dir jetzt was!“. Ohne auf sein Einverständnis zu warten, zog sie ihn zu der Stelle wo der Fels die Sandbank am weitesten überragte. Er fiel hier tief zurück und sie mussten sich bücken. Auf knien kamen sie noch ein Stück weiter. Das Mädchen legte sich auf den Rücken und blickte auf den Fels über ihr. „Das hab ich gefunden“, sagte sie und zeigte mit ihrem Finger einer kaum erkennbaren Linie am Fels entlang. Er legte sich zu ihr und versuchte eine Form zu erkennen. Es schien ein Tier zu sein. „Schön “, sagte Talos. Die anderen Mädchen kicherten immer noch und Talos hatte das Gefühl, dass die Prinzessin über ihn erzählt hatte. Ihr war es auch unangenehm und sie schickte sie freundlich aber bestimmt weg. Sie war die Prinzessin, das war so. Talos fühlte sich bei ihr trotzdem wohl und irgendwie glaubte er, er könne mit ihr über sein Zeichen sprechen. „Es ist ein Stier, du siehst die Hörner und den dicken Hals“, sagte er. „Ich kann dir auch etwas zeigen, wenn du Lust hast“. Sie lächelte und beide krochen aus der Enge wieder an den sandigen Streifen am Wasser. Talos nahm einen dürren Ast aus dem Strandgut am Damm und setzte sich mit dem Mädchen in den Sand. „Ich hab bei euch an der Wand ein Zeichen gesehen, das ich einige Tage vorher auf einem kleinen Stein gefunden habe. Es war genau des selbe und ich habe es wirklich genau angeschaut. Ich weiß nicht - ich mag es sehr. Ich hab viel darüber


nachgedacht und mir kommen so viele Dinge in den Sinn, wenn ich es in der Hand halte oder nur daran denke. Ich zeig es dir“, sagte der Junge und zeichnete das Kreuz in den Sand, die vier Winkel und die Punkte. „Schön, sieht irgendwie aus wie der Fries an den Wänden bei uns“, sagte sie und wollte gleich daneben das selbe Zeichen setzen und noch eins. Talos unterbrach sie aber und sagte: „Das meine ich nicht. Ich hab geträumt von dem Zeichen und bin auf etwas gestoßen. Schau!“ Er begann die Punkte mit den kreisenden Linien zu verbinden und ließ sich dabei Zeit. Das Mädchen sah ihm genau zu. Er wollte es so schön er konnte in den Sand zeichnen. Die letzte Linie, die alles schließen würde ließ er noch weg und sagte: „Jetzt schau!“ Er vollendete das Zeichen und das Symbol vor ihren Füßen im Sand war geschlossen. Fertig. Er blickte zu ihr und sie sagten nichts. „Lustig“, kam nach einer Weile und die Prinzessin nahm seinen Zweig und versuchte es selbst. Es war überhaupt nicht schwer. Sie summte dabei eine Melodie. Sie blickte auf das Symbol und versuchte nun mit ihren Fingern in das Zeichen hinein zu gehen, Zeigefinger, Mittelfinger und sie summte immer noch. Sie stand dabei auf und ihre Finger fanden den Weg in das Zentrum. Erst näher, wieder weg, genau wie er es erlebt hatte. Sie summte und als sie im Zentrum war, lachte sie. Es gefiel auch ihr. „Das ist schön. ich hätte gern so ein Haus. Ich würde mich hinter den Ecken verstecken und die Leute erschrecken“, sagte sie und schaute wieder auf das Symbol. „Was glaubst du, dass es bedeutet?“. Talos hatte keine Antwort, hob unwissend Schultern und brauen. „Ich weiß es nicht. Ich glaub nur, dass es Kindern besser gefällt als Erwachsenen“. Talos hatte das Summen der Prinzessin noch im Ohr. Es war kein einförmiges Summen. Es war eine Melodie. Auf dem Weg ins Zentrum von außen nach innen veränderte sie die Tonhöhe von hoch nach tief. Sie war sehr musikalisch und ihre Stimme war klar und hell. Der Weg ins Innere bildetet sich in den Tönen ab und die Unregelmässigkeit des hinein und wieder nach außen und wieder hinein ergab eine unregelmäßige Melodie. Er versuchte in Gedanken selbst die Tonfolge zu finden. Er war leider nicht sehr musikalisch. Er musste sich in diesen Dingen mehr anstrengen als viele andere Kinder. Aber es war ihm egal. Er wusste was er damit erreichen wollte und es dauerte nur ein wenig länger für ihn. Er fand die Melodie sehr interessant. Irgendwie holprig aber nach einigen Wiederholungen ganz spannend. Das Mädchen sang vor sich hin und zeichnete den Weg jetzt vom Zentrum nach außen. Wieder sang sie dabei und stellte sich ihr Haus vor. sie versuche, sagte sie, etwas wie einen Auszählreim zu finden in dem schönen Zeichen. Sie ärgerte sich dabei manchmal, freute sich aber auch wenn ihr etwas einfiel. Nach einiger Zeit glaubte sie es gefunden zuhaben.


„hier bin ich gern will sehn und hören was um mich ist ob du es bist renn ich ein Stück und komm zurück nun ganz herum schon fast der Blick wend ich mich noch einmal zurück und weiter noch soweit es geht steh ich am Tor zur ganzen Welt“

Das war es. Talos wusste nun was das Zeichen bedeutete. Es war so etwas wie eine Beschreibung des Lebens. eine Beschreibung der Beziehung des einzelnen zu den anderen, zu allem um uns herum. Ein Gedanke so überwältigend wie neulich im Palast als er sich die Frage nach seiner Abgeschlossenheit vom außen stellte, war er nun ergriffen und selig, hatte er nun wieder Hoffnung hinter den Vorhang blicken zu können, den sein eigener Geist und Körper bildeten. Es musste so sein. Es war nicht er, der den entscheidenden Schritt machte. Es war dieses Mal ein zauberhaftes Mädchen, es war jedenfalls nicht er. Es war jemand anders und es gab so etwas wie ein gemeinsames und das hatte mehr Kraft als das Einzelne. Er blickte die Kleine an und sah nun wie lieb sie war. Ziemlich schmutzig aber das war er auch. Sie hockte da, die spitzen Knie fast an den Ohren, die Hände im Sand. Sie war süß. Er fühlte mit einem mal, dass er sie sehr gern hatte, lieber als er es bisher erlebt hatte. Die Neckerei unter den Freunden wer nun in wen verliebt sei hatte ihn erwischt. Sicher wieder viel zum nachdenken, schoss es ihm durch den Kopf. Er hatte keine Angst mehr. „Du bist sehr lieb. Und klug.“ Er lächelte und sie lächelte zurück. Er nahm sie bei der Hand und sagte: “Jetzt ist die beste Zeit zum Fischen“. sie liefen den Bach hinunter, an den anderen Kindern vorbei zu den Freunden. Sie lachten und fühlten sich einfach großartig. „Wann kommst du wieder zu uns?“, fragte sie ihn am Abend als sie die Klippen hoch zur Stadt kletterten. „Ich weiß es nicht, ich muss den Onkel fragen. Der ist zur Zeit nicht hier. Er muss sich etwas überlegen. Einen Hafen soll er bauen. Aber eigentlich muss er an der Waffe arbeiten um wieder zu deinem Vater zu gehen. Ein blödes Ding, das niemand kennen darf, weil sonst wirkt sie nicht mehr oder es könnte vielleicht jemand nachbauen und dann würde es uns bedrohen und wir könnten uns dann nicht wehren dagegen. Ich weiß es aber nicht und er sperrt sich immer ein, wenn er daran arbeitet. Und dass wir gegenüber den anderen Städten eine bessere Entwicklung nehmen würden. Meine Scheibe ist übrigens fertig. Sie ist ganz klasse und man kann Geschirr damit machen. Irrsinnig schnell und es wird alles ganz perfekt damit. Das ist auch gut, sagt der Onkel und die Töpfer werden sie alle haben wollen. Meine erste Erfindung, hat er gesagt“. Sie blieben noch kurz unter einem Baum in der Stadt sitzen, schauten sich an. „Bis bald!“, „Bis bald!“ und dann gingen sie ihrer Wege. Talos war müde und glücklich. Er hatte keine Angst mehr. Er hatte viel verstanden heute und er war sicher in


dem Symbol noch vieles zu entdecken, vielleicht zusammen mit der Prinzessin und er wusste nun, dass er nicht abgetrennt war von den Anderen. Er war mitten unter ihnen und das war das wichtigste. Vielleicht sollte er mit dem Onkel über die Waffe reden. Nicht wie sie funktioniert, sondern warum wir sie so dringend brauchen. Vielleicht kann man auch in das Labyrinth schauen und es dann verstehen. Es war vielleicht für alles offen und man könnte vielleicht Fragen stellen wie er es schon am Orakel erlebt hatte und auch wenn es nicht sprechen konnte so wären es vielleicht die Gedanken, die man dann hat und damit könnte man weiter machen. Es kamen so viele Gedanken, wenn er es anschaute und bisher haben sie ihm gut getan. Er entschloss sich noch den Umweg in den Olivengarten zu machen und den Stein zu holen. Er fand ihn unverändert im Laub liegen, nahm ihn mit und stellte ihn in eine kleine Mauernische neben seiner Schlafstatt. Eine kleine Fackel und einfach hinschauen, an die Waffe denken und dann einschlafen irgendwann. So lag er und wartete. Er war müde und es kam ihm kein Gedanke zur Waffe. Zu viele andere Dinge erschienen, vor allem das wunderbare Gefühl, wenn er an die Kleine dachte. Sie war so lieb und klug. Sie hatte ihm den Weg gezeigt, den Beginn das Leben besser zu verstehen. Es geht weiter, es rollt genau wie er es schon das erste mal empfunden hatte. Er blickte wieder zum Labyrinth. Selbst hier in der Nische schien es zu rollen. Vielleicht sehr langsam nur und irgendwann würde es an die Wand stoßen. Warum kam denn kein Gedanke zu der Waffe. Der Krieg, der Vater aller Dinge. So ein Unsinn. Der Vater fehlt mir, dachte der Kleine, sonst ist da nichts. Er wusste nicht warum es damals überhaupt zum Krieg kam und es sprach auch niemand darüber. Viele Männer kamen damals nicht zurück. Sicher wussten die Leute warum. Aber niemand sagte etwas. „Hilft uns der Krieg?“, dachte er mit Blick auf das Labyrinth. „NEIN!“, schrie es in ihm und er dachte an einen Moment, den er mit dem Vater erlebt hatte, wie er ihm gesagt hatte die Schafe zu hüten sei schön und er würde es immer noch gern machen, wenn er Zeit dazu hätte. Wie man mit ihnen sprechen könne und manchmal würden sie antworten, sich verständlich machen, dass es möglich sei sich wirklich zu verstehen. Zwischen Tieren, Menschen, Pflanzen. An das dachte er. Die Scheibe hatte sicher recht. So wollte er das jetzt einfach haben. Kurz darauf schlief er ein. Am morgen kam Daedalos zurück. Talos schenkte ihm frische Ziegenmilch ein, die ihm ein Bauer gebracht hatte. Brot und getrocknetes Fleisch standen auch schon am Tisch. Heute war schlechtes Wetter. Einer der wenigen Tage an denen es regnete und man nicht außer Haus ging. „Hast du die Schale in die Werkstatt gebracht, mein junge?“, fragte er. Das hatte er getan und der Onkel war froh. Er hatte morgen einige Wege in der Stadt und sie könnten später die Töpfer besuchen. Heute Abend würden sie die Schale brennen. Nicht jetzt und abends sei es sicher wieder schön. Sie könnten den ganzen Tag zu Hause bleiben und reden. „Das Gespräch ist oft der Anfang einer neuen Überlegung. Ohne zu reden könnte ich nichts erfinden. Ich möchte dir auch von meiner Reise erzählen. Vom Hafen aber auch von den Leuten in der Stadt am Meer. Es ist so eigenartig, dass Städte so verschiedenen sind. Diese liegt direkt am Meer. Das macht einen Unterschied. Es leben dort auch Menschen, die von einer Insel weit draußen im Meer kommen. Sie handeln mit Produkten von dort. Schmuck, Werkzeug, Kleider und Decken, Geschirr. Die Muster sind völlig anders als bei uns. Menschen und Tiere sind so dargestellt, dass man meinen könnte sie lebten wirklich. Ohne Zurückhaltung und Würde. Sie haben dort einen mächtigen König, Herrscher über ein großes Land mit vielen Städten und er lebt in einem riesigen Palast. Dieser Palast ist


aber nicht befestigt. keine Mauern die den Schatz und die Vorräte schützen. Frauen nehmen am gesellschaftlichen Leben teil genau wie die Männer. Sie verehren heilige Stiere aber unsere Götter kennen sie nicht. Ich habe von einem dieser Händler einen Käfer gekauft. Schau ihn genau an. Er ist aus blauem Stein geschnitten. Er war sehr teuer. Siehst du, es ist ein Mistkäfer. Der Mann hat gesagt der kommt aus einem noch viel weiter entfernten Land. Dort verehren sie Mistkäfer! Stiere, Mistkäfer aber Zeus kennen sie nicht! Diese Länder müssen entsetzlich sein, dass unsere Götter nichts mit ihnen zu tun haben wollen. An einem Fluss liegt dieses weit entfernte Land und der ist sehr breit und unendlich lang. Nur ein schmaler Streifen entlang des Flusses ist bewohnt. Gleich daneben an beiden Seiten ist nur Wüste. Ein land wie eine Schnur. Man kann dort auch hinfahren aber unsere Schiffe sind zu klein für die gefährliche Fahrt über das Meer. Die großen Schiffe, die den weg dorthin finden bringen die Gegenstände. Das eigenartigste aber ist, dass die Schiffe aus Gras gebaut sind. Aus Gras!“ Talos hörte seinem Onkel gerne zu. Von der Stadt sprach er, von der Insel im Meer und dem fernen Land. der Onkel hatte sich den Hafen angesehen, den Wind und die Strömungen im Meer beobachtet, die Tiefe der Hafeneinfahrt gemessen und die Steinbrüche gesehen. Es schien ihm möglich, den Hafen noch vor dem Winter fertig zu stellen, wenn etwa fünfhundert Männer drei mal die Woche zum arbeiten kämen. Er diskutierte das mit einem Kollegen, der später nach seinen Entwürfen das Projekt umsetzen sollte. Diese Gespräche seien für ihn immer interessant, denn so könne er viele Dinge erfahren, die für ihre Stadt irgendwann von großem Nutzen sein könnten. Durch genaue Beobachtung und einige unverfängliche Fragen dinge in Erfahrung zu bringen, selber aber nichts preiszugeben sei eine hohe Kunst. Der junge erinnerte sich an sein Erlebnis mit der Prinzessin und fand, dass es hier genau umgekehrt war. Sie hatten nichts voreinander verheimlicht sondern zusammen ein Rätsel gelöst. Er möchte weiter mit ihr reden und Dinge verstehen lernen. Vielleicht war heute der richtige Moment dem Onkel die Lösung des Rätsels um das Labyrinth vorzustellen. Ob auch er seinem Onkel etwas verheimlichte indem er nicht schon längst über das Labyrinth gesprochen hatte? „Kann deine Waffe Menschen töten?“, fragte der Junge. Daedalos blickte erstaunt auf. „Was ist das für eine Frage.“, sagte er und lachte. „Natürlich kann sie töten. Sie wäre sonst keine Waffe“. Talos hatte sich schon einmal gefragt wozu Waffen nötig sind. Verteidigung, Angriff. Gerade hatte er gehört, dass der Palast auf der Insel keine Verteidigungsanlagen hatte. „Ich verstehe es nicht, Onkel. Auf der Insel scheint etwas anders zu sein. Auch dort leben Menschen aber sie haben den Palast nicht geschützt. Führen sie dort keine Kriege? Vielleicht haben sie Gesetze, die es verbieten Krieg zu führen. Wie groß ist denn eigentlich die Insel“. Daedalos sagte nichts und dachte nach. Er war ein wenig verunsichert und er wusste nicht was er dem Jungen nun sagen sollte. „Wir wissen wenig von der Insel. Sie ist viele male größer als das Gebiet unserer Stadt. Wir haben nur gehört, dass der König sehr grausam ist. Vielleicht droht uns von der Insel Gefahr und wir wissen es nicht. Unsere Schiffe sind zu klein um hinzufahren und sich ein Bild zu machen. Wir müssen uns vorbereiten auf einen Überfall. Bereit zu sein für den Krieg ist der beste Weg ihn zu verhindern.“


Talos war das fremd. Darauf konnte er nichts von seinem Labyrinth erzählen. Es passte nicht zu dem Gespräch. Er wollte seinem Onkel auch nicht widersprechen. Irgendwie hatte er auch das Gefühl, dass er und sein Onkel sehr unterschiedlich waren. Daedalos’ Gedanken waren strenger als seine. Er verfolgte immer einen Plan und ihm selbst flogen Ideen einfach zu. Als Kind war das natürlich leichter, dachte er aber ihm war es auch lieber so. Vielleicht wäre es besser seine Dinge in seiner eigenen Art zu machen. „Wann gehst du wieder zum König?“, fragte er. „Wir werden morgen schon zu ihm gehen. Nach den Töpfern. Ich werde auch von der Stadt am Meer berichten, der Insel und dem land am Fluss.“ Talos war froh. Er würde die Prinzessin wieder sehen, vielleicht auch die Räume hinter dem Thron. Das Labyrinth hatte mit Sicherheit etwas damit zu tun. Es stand wie ein Wächter vor dem Eingang. Sie sprachen noch lange weiter. Der Onkel trank Wein und war heiter. Er erzählte von seiner Kindheit und sie lachten viel. Am Abend kam die Sonne durch die Wolken und sie gingen in die Werkstatt. Während der Onkel den Ofen beheizte, bestrich Talos die Schale mit roter Glasur. dann legte er sie in die Brennkammer. Alles in allem war es ein ruhiger Tag. Gleich in der früh holte Talos die Schale. Sie war perfekt. Sie glänzte nun ohne Makel. Er lief zurück und weckte den Onkel. Er steckte das Labyrinth und die Schale in seine Tasche. Kurz darauf gingen sie in die Stadt. Daedalos traf Handwerker und besprach die Arbeiten im Tempelbezirk. Talos hörte dabei gespannt zu. Es faszinierte ihn wie sich Menschen organisierten und durch die Arbeit von wenigen etwas entstand, das dann alle nutzen konnten. Die Handwerker, die Priester, die Beamten des Königs. Sie alle waren wichtig in diesem Prozess. Bis Mittag waren sie fertig mit den Gesprächen. Sie eilten zu den Töpfern bevor diese ihre Nachmittagspause begannen. Daedalos kannte einen von ihnen, der ihn schon oft bei der Dekoration und den Dachziegeln der Tempelbauten geholfen hatte. Sie begrüßten sich herzlich und Daedalos zog die Schale aus Talos’ Tasche. „Was sagst du dazu!“, fragte er und beobachtete den Töpfer aus den Augenwinkeln. Der Töpfer nahm die Keramik in die hand und betrachtete sie ungläubig. „Wie hast du das gemacht?“. Daedalos erzählte von Talos’ Scheibe, der Neuerung, dem Zeitgewinn, eben alles was dazu zu sagen war. Einige der anderen Töpfer standen nun um sie und es wurde ein Treffen in der Werkstatt vereinbart. Talos dachte an die Unregelmäßigkeiten der ‚alten’ Keramik und hoffte, dass einer der Handwerker etwas dazu sagen würde. Das geschah aber nicht. Talos bemerkte, dass sein Onkel nur über den Fortschritt sprach, den Handel weit über die Grenzen des Königreiches hinaus, den Wohlstand den diese Erfindung den Töpfern und der ganzen Stadt ermöglichen würde. Endlich war es aber so weit und einer der Töpfer sagte, dass es nun Zeit war sich zurück zu ziehen und zu ruhen. Die beiden hatten nun nichts vor und schlenderten durch die Stadt. Der Alte zeigte ihm einige seiner Werke. Den Tempel und auch andere Gebäude, die Wasserleitung, die Zisterne und seine gelungensten Skulpturen. Talos war tief beeindruckt. Auf dem Weg zum Palast kamen sie zu einer Schenke und setzten sich zu den Männern, die Mittag nicht nach Hause gehen wollten. Sie aßen Eintopf und rasteten bis zum späten Nachmittag. Talos spielte mit dem Stein in seiner Tasche und freute sich schon auf die Prinzessin. „Können wir bald aufbrechen, Onkel?“, fragte er ungedudig. Es war nun wirklich Zeit und sie gingen den Weg hinauf zum Palast. Dieses mal war niemand vor dem Megaron des Königs zu sehen. Sie traten ein, sahen eine Gruppe von etwa zehn Männern um den


langen Tisch. Der König sass am Thron und hörte den Ausführungen der Männer aufmerksam zu. Es waren offensichtlich Soldaten, vielleicht die Anführer des Heeres. „Du kommst zur rechten Zeit, mein Freund!“, sagte der König zu Daedalos. „Setz dich zu mir, wir brauchen deine Hilfe“. Talos war die freundliche Stimmung bei ihrem letzten Besuch noch in Erinnerung und er war überrascht nun sorgenvolle Gesichter zu sehen. Er wollte hier weg. Er blickte zurück und sah die Tochter des Königs draußen vor den Säulen. Unbemerkt entfernte er sich von den Männern und ging ins Freie. Die beiden begrüßten sich und gingen seitlich am Palast entlang zum Felsen. Dort setzten sie sich in den Schatten eines Lorbeerbaumes. „Was ist denn mit den Männern da drinnen?“, fragte er. „Sie wollen in den Krieg ziehen. Es gibt Streit mit einer anderen Stadt. Es wurden Schafe geraubt. Immer streit. Ich hab schon mit Vater gesprochen und ihn gebeten eine andere Lösung zu finden als Krieg. Er hört mir immer zu. Ich habe solche Angst um ihn“. Talos sah den Schmerz in ihren Augen. Er hielt ihre Hand. Vermutlich sprach sein Onkel gerade von seiner Waffe. „Ich möchte zumindest hören was da drinnen geredet wird“, sagte das Mädchen. „Ich habe einen zweiten Zugang zu den schönen Räumen im Fels gefunden, komm wir gehen!“. Sie stand auf und Talos folgte ihr. Sie krochen unter dornigen Sträuchern zu einem kleinen Steinhaufen direkt am Felsen. Sie nahm einige zur Seite und er half ihr dabei. Eine Öffnung wurde sichtbar. Bald war sie groß genug um hinein zu schlüpfen. Sie kannte den Weg gut und nahm Talos bei der Hand bis sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Er sah nun einen überraschend großen Raum. Die Stele in der Mitte, das Loch in der Decke. Schnell schlichen sie in den nächsten Raum, der direkt an den Thronsaal anschloss. Sie setzten sich nahe zum Eingang und sahen nur den Thron von hinten, hörten die Männer ohne sie zu sehen. Sie sprachen aufgeregt und einer der Soldaten sagte:“ Mit daedalos’ Waffe können wir die Stadt an einem Tag erobern! Die Schande rächen! Unseren Schatz vergrössern und Sklaven nach Hause führen “. Der König schwieg. Ein Anderer bestärkte die Forderung seines Vorredners und alle am Tisch schienen dem zuzustimmen. Von Daedalos hörten sie nichts. Der König fragte in die Runde ob nun alle Argumente angesprochen worden seien. Niemand meldete sich zu Wort. Einige der Soldaten murmelten und rückten mit ihren Sesseln. Der König schien noch nachzudenken und ließ die Andren warten. Die Prinzessin schlich sich vorsichtig hinter den Thron und flüsterte, dass nur der König sie hören konnte. “Es sind nur Schafe, Vater!“ Die Männer warteten auf eine Entscheidung des Herrschers, auf den Auftrag alles nötige zu organisieren um schon morgen aufzubrechen. Nach langer Zeit stand der König auf und sprach:“ Es wird keinen Krieg geben, noch nicht. Ich werde mit dem anderen König sprechen“. Er bedankte sich bei den Männern und schickte sie weg. Daedalos sollte als einziger bleiben. „Komm raus, mein kind“, sagte er mit müder Stimme. Die Kinder kamen hinter dem thron hervor. Talos hielt seinen Stein fest in der Hand. Daedalos schwieg. Talos senkte den Kopf und spürte den wütenden Blick seines Onkels. Der König nahm seine Tochter beim Arm, stand auf und ging mit ihr aus dem Raum. Daealos und Talos standen allein in der Halle. Ohne zu sprechen gingen auch sie. „Ich will das alles nicht mehr. Ich will nicht mehr“, sprach Talos stumm zu sich. Fest umklammerte er seinen Stein und versuchte an das Mädchen zu denken. Sie hatte einfach recht und er würde seine Gedanken nur mehr ihr erzählen. Er musste einen Weg finden nicht in diese Welt hineingezogen zu werden. Es war nicht seine Welt. Er brauchte Zeit und er hatte seinen Stein. Er würde ihn jetzt immer bei sich tragen und fragen. Er würde seinem Onkel helfen, lernen was er lernen musste. Sich mit seinen Themen weiter beschäftigen und irgendwann dem Onkel alles erklären was er meinte und


Daedalos würde ihm zuhören. Es würde viel Zeit brauchen um sich selbst sicher zu werden aber er hatte keine Angst mehr. Er würde nie wieder Angst haben. „Hilft Angst dem leben?“, dachte er und drückte den Stein. Ihm wurde klar wie wenig Möglichkeit in der Angst lag. Wie eingeschränkt und fehlerhaft die Dinge werden, wenn sie in Angst entstehen. Das Leben an sich wollte er verstehen. Niemand sprach darüber. Alle setzten es einfach voraus. Die Götter waren zuständig dafür. Daedalos und Talos lebten die nächsten Tage nebeneinander und sprachen nur das Nötigste. Der Vorfall im Palast wurde nicht angesprochen. Es gab keine Vorwürfe aber auch keinen Versuch sich wieder näher zu kommen. Talos war das zwar nicht angenehm aber er fühlte sich in dieser Art von Ruhe wohler als die letzten Wochen. Zu viel war für ihn geschehen. Er arbeitete jetzt weniger und der Onkel hatte nichts dagegen. Er verbrachte wieder mehr Zeit mit den Freunden und er traf die Prinzessin regelmäßig am Bach. Sie mussten sich nicht verabreden. Der König war in die andere Stadt gereist und mit den geraubten Schafen zurückgekommen. Die Töpfer hatten Scheiben bestellt und Daedalos baut sie so schnell er konnte. Talos war viel in der Natur und versuchte sich in die Beziehungen der Pflanzen, Tieren, in die Rythmen des Wetters und der Jahreszeiten einzufühlen. Den Stein hatte er bei sich. Das Spiel mit den fragen an den Stein und seinen gedanklichen Antworten nahm er zwar nicht wirklich ernst aber er spielte es weiter und seine Fragen wurden dabei immer vorsichtiger und bezogen sich immer mehr auf Dinge die für ihn schon beinahe verständlich waren. schon einmal gesehen beinahe gesehen nie gesehen wurde für ihn zu einem gedanklichen Leitfaden mit dem er versuchte seine Welt zu ordnen. Die Splitter des schon gesehenen kannte er seit er sich erinnern konnte. Das Gefühl in der selben Situation schon einmal gewesen zu sein, das Gefühl sich zu erinnern und den vergeblichen Versuch diesen flüchtigen Moment zu halten. Das beinahe Gesehene sah er als seine große Gabe. Etwas zu erleben, es nicht zu verstehen aber zu fühlen, dass es zu einer anderen Zeit für ihn Bedeutung gewinnen wird, beschrieb viele seiner wichtigsten Gedanken. Mit dem Stein war es genau so. Das nie Gesehene war für ihn ein Schutz, den er brauchte um sich nicht zu verlieren. An seinem Onkel sah er dieses nie gesehen, dass sich ihre Geister niemals treffen würden. Den Krieg war für ihn auch etwas dem er in seinem Leben keinen Platz geben wollte. Als er der Prinzessin davon erzählte verstand sie es sofort. Sie bat ihn gemeinsam an dem Stein weiter zu forschen. Er erzählte ihr von dem Orakelspiel und sie überlegte sich eine frage. Sie stellte sie stumm und ein leichtes Strahlen huschte über ihr Gesicht. Talos sah es und lächelte. Kein Schatten traf ihr stilles Miteinander. Sie sprachen immer weniger und verbrachten dabei immer mehr Zeit gemeinsam.


Sie spielten oft in der nähe des Palastes und manchmal lud der König sie ein mit ihm und seiner Frau zu essen. Er liebte seine Tochter und er merkte, dass der Junge ihr gut tat. Manchmal schien es Talos, dass der Herrscher von ihm etwas wissen wollte, ihn etwas fragen wollte aber er konnte sich da auch täuschen. Der König hatte den Stein, den Talos ständig mit bei sich trug schon lange bemerkt und manchmal das Muster flüchtig gesehen. Er erinnerte sich an das Symbol hinter seinem Thron und machte sich Gedanken. Er versuchte sich an die Worte seines Großvaters zu erinnern. Er erzählte etwas vom Leben und dass es sich selber schützt. Es tat ihm leid damals noch so klein gewesen zu sein und sich nicht mehr erinnern zu können. Es war um die Mitte des Jahres und eines Tages sprach der König Talos an:“ Lieber Talos, ich möchte dir morgen etwas sehr seltsames zeigen. Du musst eine Stunde vor Mittag hier sein. Talos freute sich und er hatte den alten Mann sehr gern. Er liebte seine Tochter und er hörte auf sie wie auch Talos es machte. Das Leben mit dem Onkel strich an ihm vorbei und es berührte ihn nicht mehr. Schlafen, essen, arbeiten. Egal. Er hatte viel Zeit für sich und seine Gedanken nahmen sich ihren Raum. Das Leben verstehen. Die Götter sagten ihm nichts und das war auch kein Problem. Sein Onkel nahm das viel ernster. Er wollte heute nicht arbeiten und Daedalos willigte sofort ein. Die Sonne stand noch lange nicht im Süden, als Talos beim Palast ankam. Er traf die Prinzessin und sie gingen in die schönen Räume im Felsen. Er kannte inzwischen jede Ecke und jeden Stein dort. Viele Steine von eigenartiger Form. Die Geometrie, der ihre Stadt in jedem Punkt folgte, galt hier scheinbar nicht. Es war wie eine Mischung aus dem heutigen Bauen und dem wie die Natur selbst ihre Räume schuf. In gewisser Weise hatte es von beidem aber alles. Die Formen waren groß. Höhlen aus dem Fels gemeisselt, im Inneren auch große Steine, die wesentlich größer waren als sie heute verbaut wurden und zu groß um durch die kleinen Öffnungen in den Raum gelangt zu sein. wie Möbel standen sie im Raum. Sie mussten unglaublich schwer sein. Alles war sehr glatt behauen aber es gab so gut wie keine gerade Linie. Alles stimmte aber irgendwie zusammen, jede Stelle schien mit jeder anderen in seltsamer Schwingung zu stehen. Nicht gleichmäßig aber alles mit allem, in einer ihnen vielleicht unbekannten Reihenfolge und jedenfalls vielfältiger als sie es gewohnt waren von den ihnen bekannten Räumen. Sie hatten die Räume gezählt. Es waren Siebzehn. Die kleinsten nicht größer als das Vorratslager zu hause bei Daedalos, der größte, in dem die Stele stand, aber halb so groß wie der Thronsaal. Die Räume befanden sich auf unterschiedlichen Ebenen und es gab immer überraschende Durchblicke von einem in den anderen, oft Serien von Durchblicken über mehrere Räume hinweg. Sie hatten Beziehungen des Hörens entdeckt, wie unter lebenden Wesen, wie zwischen Menschen, jeder in seiner Eigenart; weit von einander entfernt konnten die Kinder liegen und sich flüsternd miteinander unterhalten. Von der Stele schien dieses Leben der Räume auszugehen, sie schien dem ganzen Organismus im Fels ihre Kraft zu spenden. Die Prinzessin hatte es genau so beschrieben wie er es nun erlebte. Eine Säule zwei mal so hoch wie er aber nicht breiter als sein junger Körper. Ganz oben zwei Vertiefungen, so hoch oben. Die Augen schienen in irgend eine Ferne zu blicken. Die Ferne mitten im Felsen in einer Höhle. Er ahnte schon was der König ihm zeigen wollte. Das Licht durch die Öffnung in der Decke und der Lichtstrahl auf die Stele. Die Augen im Licht. Er stellte sich vor wie die Figur strahlen würde. Die Augen sehen würden und kurz darauf alles wieder sein würde wie es jetzt war. Ein wunderschöner Raum, der nichts erzählen wollte. Als der König durch den Eingang hinter dem Thron ging, durch den Vorraum schritt und zu ihnen in den großen Raum kam, dachte Talos an seinen Vater. Er war ein stiller Mensch gewesen und konnte mit seinem Leben in Frieden leben. Dieses Gefühl hatte er auch beim König. Die Liebe zu seiner Tochter und die Aufmerksamkeit und Zurückhaltung ihm


gegenüber machten ihm ein warmes unbemühtes Gefühl. Der König schaute zur Decke und sagte: „Es ist bald soweit. Setzt euch zu mir an die Steinbank hier“. Sie saßen und fühlten den ovalen Raum, sahen auf die Stele und immer wieder auf das Loch in der Decke. Als dann der Strahl seinen Weg durch die Öffnung fand und die Augen der Stele traf, war für keinen von ihnen etwas besonderes geschehen. Sie sahen die Figur, einen Menschen im Fels in die ferne blicken. Daüber war nichts nachzudenken. Es dauerte nur einige Augenbicke. Sie hatten es gesehen und würden es immer erinnern. Talos spürte den König, seine noch nicht gestellte Frage an ihn und er wüsste, dass sie heute noch reden würden. Irgendwie war er schon neugierig auf die Frage. Das Labyrinth war jedenfalls hinter dem Königsthron und der König hatte auch keine Scheu in die schönen Räume im Fels zu gehen. Talos fühle sich stark genug Fragen zu beantworten, die damit etwas zu tun hätten. Sie verließen die schönen Räume, gingen gemeinsam in den Thronsaal und weiter durch die Tür zum Tisch unter den Säulen. Sie setzten sich, naschten von den Beeren und sahen über das weite Land. „Mein Großvater war einer der größten Könige unserer Polis. Wir redeten so gerne miteinander aber er starb zu früh. Ich kann mich an viele seiner Worte, die er mir auf den Weg geben wollte kaum noch erinnern. Ich weiß nur, dass er vom Leben erzählte, dass es sich schützt oder wir es schützen sollen. Ich weiß es leider nicht mehr. Wenn du glaubst mir hier helfen zu können um mir die Erinnerung wieder zu geben werde ich dich ehren. Nimm dir dabei so viel Zeit wie du brauchst.“, sagte der König und Talos wusste genau was den Herrscher bewegte. Diese Aufgabe würde ihn nicht belasten. Er drückte den Stein. „Deine tochter, könig, und ich sind auf etwas gestoßen, das mit dem Leben zu tun hat“. Er zeigte ihm sein Labyrinth. „Du hast dieses Symbol auch in deinem Haus. In ihm ist vieles verborgen und einiges davon haben wir schon entdeckt. Es ist nicht schwer noch mehr darin zu finden. Du musst es nur selber denken und du findest es dann in ihm und das beste ist, dass es immer ein wenig mehr ist als du wolltest. Es ist stark und fest aber es bewegt sich irgendwie. Das Leben schützt sich oder wir sollen das Leben schützen. Vielleicht ist das genau das Selbe. Wir sind auch das Leben und die Pflanzen sind es auch, die Tiere, vielleicht auch die Steine. Für den König war es im Moment genug. Er war es gewohnt mit wenigen Worten Dinge zu bewegen und er hatte Vertrauen in die Gaben seiner Untertanen. Er dankte Talos und verließ den Tisch. Die beiden Kinder blieben sitzen und dachten an den Lichtstrahl auf dem Gesicht der Statue. „Es geschieht nur einmal im Jahr, dass der Strahl durch das Loch fällt. Immer im Sommer. ich glaube es soll uns das Gefühl geben, dass immer wieder ein Jahr kommt. Nächstes Jahr eins und immer noch eins“, sagte das Mädchen. Das dachte auch Talos. Für ihn war da aber noch etwas. Ihn interessierten die Menschen, die die Räume in den Fels getrieben hatten und ihm fiel vor allem auf, dass sie anders waren als die Menschen heute. Was hatte sich verändert, hatte es sich stetig verändert oder sind diese alten Gedanken für die nachfolgenden Generationen immer unwichtiger geworden. Oder gab es diese Menschen irgendwann nicht mehr und die Menschen haben neu begonnen sich die Welt zu denken. Sein Verstand kannte nur die Welt wie sie sich heute für ihn darstellte. Es musste hier mehr geben, das zu verstehen war und er glaubte nicht wie sein Onkel, dass die Menschen damals es nicht besser wussten und erst am BEGINN einer bewussten Welt standen. „Es schützt sich, wir schützen es. Das ist das selbe, wenn wir Teil des lebens sind. Ich glaube dein Urgroßvater hat beides gesagt. Es scheint unsere Aufgabe zu sein das Leben zu schützen. Ich kann mir vorstellen, dass auch er sich das Labyrinth genau angeschaut hat. Das Muster und den Schritt es zu bewegen. Das machen wir selber. Wir bringen es in Bewegung. Ohne unser Zutun bleibt es nur ein Muster. Durch uns will es etwas und es rollt. Ein nächstes Jahr und immer


noch eins. Was würde sein, wenn wir nichts tun? Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Leben das möchte. Vielleicht hat auch mein Onkel recht und wir müssen besser sein als die anderen. Mir gefällt der Gedanke nicht sehr. „das leben schützt sich, es will immer ein wenig mehr um sich besser schützen zu können“ ,Sagte die Tochter des Königs. Talos wusste, dass er das nicht vergessen würde. Für ihn war es beinahe gesehen, genug Zeit sich damit zu beschäftigen. Er drückte den Stein und fühlte die Wärme seiner Hand. Immer ein wenig mehr. Sollte es nur wenig sein? Sollte es immer sein? Er küsste das Mädchen auf die Stirn und sie streichelte seinen Kopf. Er hatte schon viel von Liebe gehört und es bisher nicht verstehen können. Für ihn war es wie wenn das Leben ihn direkt ansprach, ihm zu verstehen geben wollte, dass das genau das Richtige ist. Vielleicht auch genau das Richtige für das Leben ist. Schützt sich - ein wenig - besser schützen - keine Angst. Seine Gedanken verloren sich und er fühlte nur noch die unglaubliche Schönheit des Moments, die Aufregung des Neuen und gleichzeitig die Ruhe etwas gefunden zu haben wie es für ihn sein sollte. Immer. Noch ein Jahr und immer noch eins. Der König bemerkte die Veränderung im Umgang der beiden Kinder. Er liebte beide. Die beiden waren aber zu jung und er wusste nicht wie oder ob er überhaupt in diese Liebe eingreifen sollte. Sie waren zu jung. Zumindest zwei Jahre. Unschuldig und er wünschte ihnen noch Zeit, genug Zeit um sich ohne sorgen weiter zu entwickeln. Er hoffte auch, dass die Beiden seine große Frage beantworten könnten, als Kinder und ohne Angst. Talos erzählte ihm von den drei Sätzen seiner Tochter und in seinem Geist sah er seinen Großvater. Schon einmal gesehen. „Ich danke euch, Kinder. mein Großvater würde sich freuen, wenn er heute bei uns wäre. Für mich, der ihn kannte, ist er bei uns. Es schützt sich. Ich muss es auch schützen und ich habe die Macht es zu zerstören. Wir müssen hier noch weiter denken. Morgen kommt Daedalos mit dem Modell der Waffe. Mir graut bei der Vorstellung sie zu bauen und noch mehr sie einzusetzen. Aber auch ich kann sie nicht verhindern. Meine Soldaten lieben den Krieg. Ich weiß nicht was geschieht, wenn wir angegriffen werden und ich die Waffe nicht habe“. Haltung und Gesicht des Herrschers sprachen von tiefer sorge. Der König lag lange wach. Schützt sich um sich besser schützen zu können. Immer mehr. Wen sollte er schützen. Es gab so viel das ständig bedroht war. So viel Schwaches, so viel Altes, so viel das scheinbar niemand brauchte. Sollte er auch das schützen. War es wichtig für das Leben. Es gab auch so viel vergessenes und er dachte an die Räume im Fels hinter seinem Palast. Sein Großvater hatte die Stelle gewählt. in seiner Zeit als König gab es keinen Krieg und die Menschen erzählten noch heute von den goldenen Jahren. Wen sollte er schützen. War das Leben nicht noch viel mehr als das Leben der Menschen hier in der Polis. Wie konnte er Daedalos aufhalten. Die Schafe hatte er zurückgebracht und es war nicht schwer mit dem anderen König zu sprechen. Er kannte ihn gut. Was wenn andere Menschen kämen, vielleicht über das Meer und er wäre nicht vorbereitet. Talos wusch seine Hände vor der Werkstatt. Er dachte an die Gespräche mit dem König und seiner Tochter. Im Palast konnte er mehr machen als in der Werkstatt bei seinem Onkel. Sein Onkel war in den letzten Wochen immer schweigsamer geworden. sie arbeiteten nebeneinander und nichts außer der Wertschätzung, die die Menschen der Polis ihnen entgegenbrachten war ihnen als gemeinsames geblieben. Ihre Arbeiten unterschieden sich dabei immer mehr und Talos sah den sinn im gemeinsamen Forschen nicht mehr.


Heute würde er dem Onkel erzählen, dass er im Palast arbeiten wolle. Der König hatte ihm fragen gestellt, wozu in der Werkstatt Dinge erfinden, Scheiben bauen, schweigen? „Hallo Onkel!“, Daedalos kam aus seiner Kammer um sich zu stärken. Käse und Brot. Talos wollte die Gelegenheit heute nicht verstreichen lassen und setzte sich zum alten Mann. „ Ich habe viel mit dem König gesprochen. Wir haben das Symbol jetzt verstanden. Er hat das selbe direkt hinter seinem Thron“. Der Junge legte den Stein vor seinem Onkel auf den Tisch. Dädalos war die besonder Beziehung des kinds zu dem Stein nicht entgangen. Auch er hatte sich inzwischen mit dem Symbol beschäftigt. Er fand auch einige Ansätze über die er gern mit seinem Neffen diskutieret hätte. Vielleicht könnten sie das jetzt tun, vielleicht könnten sie auch über die Waffe sprechen. Zum ersten Mal. Er spürte die Ablehnung des Jungen diesen Themen gegenüber. Er aber hatte die Verantwortung den Jungen auszubilden, ihn für seine zukünftige Aufgabe zu rüsten. Ja heute sollten sie sprechen. Aus dem Schweigen begann Talos „Er will keinen Krieg, er will dem Volk den Frieden schenken, den es braucht. Er will regieren, ohne dass die Menschen sich darüber Gedanken machen müssen.“ Talos war klar, dass er seinen Onkel damit kritisierte. Dass der Alte sich mit dem Krieg abgefunden, angefreundet hatte, er arbeitete um alles hier zu schützen und Talos wusste, dass er noch nicht alles gesagt hatte. Ewas fehlte. Daedalos sah stumm auf den Stein, in den Raum mit all den Versuchen, Objekten, Zeichnungen. Er sah seinem Neffen in die Augen aber nichts war in diesem Blick. Talos konnte nichts lesen in diesen Augen. „Er will deine Waffe nicht“, sagte er leise. Hoch über dem Meer am Rande der Klippe saßen sie. Talos schien die Haut des Onkels fahler als eben noch. Trocken und grau. Die Kerben, die Täler, die Erinnerungen, das ganze lange Leben war in Stillstand geraten. Es hatte aufgehört sich zu bewegen. Nur grau und ohne Kraft. Die Augen halb geschlossen, grau unter der grauen Stirn. Talos blickte in ein Gesicht und wusste nicht wie es sich bewegen würde. In welche Richtung würde das Pendel schlagen, das jetzt nur hing und wartete auf einen Wind oder eine Hand. auch für ihn stand die Zeit nun still.


Talos