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Sonntag, 2. Juli, 19 Uhr Helmut List Halle

Strauß.SOAP

Josef Strauß (1827–1870) Frauenherz. Polka mazur, op. 166 Lesung Josef Strauß Dynamiden (Geheime Anziehungskräfte), op. 173 (Walzer) Lesung Johann Strauß (1825–1899) Éljen a Magyár. Polka schnell, op. 332 Lesung Johann Strauß Schatzwalzer, op. 418 aus „Der Zigeunerbaron“ in einer Bearbeitung für Salonensemble von Anton Webern (1883–1945)


Johann Strauß Wo die Citronen blühn, op. 364 (Walzer) Lesung Johann Strauß Romanze Nr. 1 in d, op. 243 Lesung Johann Strauß Künstlerleben, op. 316 (Walzer) Lesung Johann Strauß Wein, Weib und Gesang, op. 333 (Walzer) in einer Bearbeitung für Salonensemble von Alban Berg (1885–1935)

Maria Bader-Kubizek, Violine Florian Hasenburger, Violine Thomas Selditz, Viola Ursula Kortschak, Viola Endre Stankowsky, Violoncello Anna Magdalena Kokits, Klavier Magdalena Hasibeder, Harmonium Leitung: Rudolf Leopold, Violoncello Ursula Strauss, Lesung


Warm upper: Thomas Höft Inspizienz: Wolfgang Atzenhofer Übertitelsteuerung: Marie Huber Filmteam: Produktion, Kamera: Roland Renner / reziprok Technische Leitung: Johannes Trummer / TrueTV Bildtechnik: Alois Trummer Bildregie: Martin Steffens Kamera: Andreas Ruhs Musikalische Assistenz: Gertraud Heigl Textauswahl: Thomas Höft Die gelesenen Texte stammen aus: Johann Strauss, Leben und Werk in Briefen und Dokumenten, 10 Bde. (Tutzing: Schneider 1983–2007)

Patronanz:

Programmdauer: Erster Programmteil: ca. 45 Minuten Pause: ca. 30 Minuten Zweiter Programmteil: ca. 50 Minuten

Hörfunk: Dienstag, 11. Juli, 14.05 Uhr


Strauß.SOAP Komponistenwitwen haben einen schlechten

Ruf,

besonders

dann,

wenn

sie sich als geschäftstüchtig erweisen. Zwar gedenkt die Nachwelt voller Mitleids der armen Anna Magdalena Bach, die als Armenfrau in Leipzig lebte. Die anderen Witwen aber, jene, die aus dem Erbe ihres Mannes Kapital schlugen, man

mit

um

zu

überleben,

Misstrauen

an:

schaut

Constanze

Mozart, Helene Berg, Gertrud Hindemith, vor

allem

aber

Adele

Strauß.

Um

Letztere, die „lästige Witwe“, kreist unsere SOAP.


Die drei Frauen des „Schani“ Strauß

In aller Kürze: Johann Strauß Sohn (1825–1899) war dreimal verheiratet. Im August 1862 heiratete er die Sängerin Henriette Treffz. Sie war damals 44 Jahre alt, er 36. Die Ehe verlief glücklich bis zum Tod der Gemahlin im April 1878. Im selben Jahr siedelte der „Walzerkönig“ von der Johann-Strauß-Wohnung des heutigen Wien-Museums in das „Strauß-Palais“ in der Igelgasse um. Dort führte er eine kurze, heftige und gänzlich unglückliche Ehe mit der Schauspielerin Angelika Dittrich, die er schon wenige Wochen nach dem Tod seiner „Jetty“ heiratete – nicht aus heiterem Himmel, sondern mit längerem Vorlauf, da „Schani“ Strauß nicht immer der treueste Ehemann war. Seine zweite Frau aber übertraf ihn in dieser Hinsicht bei weitem. Ihre Affären waren Stadtgespräch, zuletzt mit dem Direktor des Theaters an der Wien. Diese Beziehung wurde zum Scheidungsgrund, doch galt die Trennung nur für Tisch und Bett. Die ehelichen Bande als solche konnten im katholischen Österreich nicht gelöst werden, weshalb der berühmteste Musiker Wiens 1886 Bürger des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha wurde. Vom Herzog konnte seine Ehe vollgültig geschieden werden, eine Wiederverheiratung wurde aber nur durch die Konversion zum lutherischen Bekenntnis möglich. 1887 konnte Johann Strauß endlich seine dritte Frau in die Arme schließen: Adele Strauß, verwitwete Frau Strauss, geborene Deutsch. Sie ist die Heldin der heutigen SOAP. Durch ihr entschiedenes Auftreten wurde sie schon in den letzten zwölf Lebensjahren ihres Mannes zu seiner „Managerin“. Nach seinem Tod legte sie ihren Geschäftssinn bei der Verwaltung seines Nachlasses so drastisch an den Tag, dass sie sich damit den Beinamen „lästige Witwe“ einhandelte.


Die Brüder Strauß und die Frauenherzen Neben den drei Frauen des Walzerkönigs sind auch seine beiden Brüder Josef (1827–1870) und Eduard (1835–1916) notorischer Gegenstand jeder Strauß.SOAP oder ähnlicher Abende. Die Konkurrenz der drei Brüder war im „Triumvirat“ des Wiener Walzers vorprogrammiert, zumal der Alte dabei auch seine Rolle spielte. Heute Abend treten aber nur Johann und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Josef gegeneinander an. Der viel spätere geborene Eduard bleibt außen vor. „Er ist der Begabtere, ich der Populärere.“ Mit diesem Satz hat „Schani“ Strauß den Unterschied zu seinem Bruder Josef markant zusammengefasst. In den Werken des sensibleren Josef transzendiert der Walzer ins Sinfonische und die kleine Form ins Romantische, was man beim wirkungsstarken „Walzerkönig“ gelegentlich vermissen mag. Dabei ist der Werdegang Josefs alles andere als geradlinig verlaufen. Der Vater Johann hätte es gerne gesehen, wenn der Älteste beim Militär Karriere gemacht hätte, doch verweigerte dieser den Dienst an der Waffe. Als der Vater 1844 die Familie verließ und zu seiner Geliebten Emilie Trampusch zog, konnte sich Josef seinen Lebenstraum erfüllen und Ingenieur werden. An der technischen Universität studierte er Maschinenbau, wurde ein viel gefragter Bauingenieur und Erfinder einer Maschine zur Straßenreinigung, die in Wien sogar zum Einsatz kam. Doch schon wenig später erwies er sich als Straßenfeger ganz anderer Art: Einmal eingesprungen, leitete er für den erkrankten Vater das Strauß-Orchester so glänzend, dass ihn die Wiener schlicht nicht mehr vom Podium ließen. Unverhofft und ungeplant begann seine Karriere als „Walzerprinz“ im Schatten des ungekrönten Bruders. Wie gerne hätte Josef Strauß weiter Brücken und Straßen gebaut. In manchem Walzer träumte er seinen Traum weiter, wie etwa in den „Dynamiden“. Noch in einem anderen Punkt unterschied sich Josef Strauß von allen anderen männlichen Wesen seiner Sippe: Er war


ein treuer Ehemann und übrigens auch Sohn. Unverbrüchlich hielt er zu seiner Ehefrau und zu seiner Mutter, neben der er seine letzte Ruhestätte fand. Vielleicht ist seine Polka-Mazur „Frauenherz“ deshalb so rührend ausgefallen: Weil er aus nächster Nähe erlebt hat, wie ein untreuer Gatte seine Frau und die Kinder zutiefst verletzen kann. Wie mag Josef geschmunzelt haben, als sein Bruder Johann mit einer Polka-Masur unter dem Titel „Lob der Frauen“ nachzog. Zwei Werke desselben Genres mit ähnlichem Titel und völlig unterschiedlicher Bedeutung!

Geheime Anziehungskräfte „Ich habe gereifte Männer kennengelernt, die mit Begeisterung sich jener Tage erinnern, wo sie an Professor Redtenbachers Lippen hingen; unter seinem klaren lebhaften Vortrage empfingen die Maschinen wahrhaft dramatisches Leben.“ So ließ sich der Reichstagsabgeordnete Franz Wickhoff vernehmen, als er im Juli 1879 zu Steyr in Oberösterreich einem großen Sohn der Stadt posthum zum 70. Geburtstag gratulierte: Ferdinand Jacob Redtenbacher, dem Begründer des Studienfachs Maschinenbau. Der Sohn eines Eisenhändlers aus Steyr hatte in Wien studiert, lehrte aber in Karlsruhe. Dennoch rissen die Verbindungen zur alten Heimat bis zu seinem frühen Tod 1863 nicht ab. Auf Redtenbachers Einfluss wird der berühmteste Walzer von Josef Strauß zurückgeführt: „Dynamiden“ oder „Geheime Anziehungskräfte“. Natürlich kannten und schätzten die beiden Ingenieure einander und werden sich mehr als einmal unterhalten haben – über physikalische Gesetze ebenso wie über Musik. Im besagten Walzer kommt beides zusammen. Uraufgeführt auf dem „Industrialistenball“ im Jänner 1865 im großen Redoutensaal der Hofburg, übte dieser Walzer auf die Zuhörer magische Anziehungskräfte aus. Denn der Komponist hatte sich vorgenommen, im Sinne Redtenbach’scher Lehren, den Maschinen


„wahrhaft dramatisches Leben“ einzuhauchen. Die langsame Einleitung zählt zu den bedeutendsten, sinfonischen Walzer-Introduktionen überhaupt: Aus einem geheimnisvollen „Urnebel“ heraus kommt es durch die Anziehungskraft der Atome zu einer Art „Urknall“. Aus dessen Nachwehen entsteht auf geheimnisvolle Weise der erste Walzer, der zunächst noch von mystischem Moll überschattet ist, bevor er sich in strahlende Höhen erhebt.

„Éljen a Magyár“ Um musikalische Grußgesten an fremde Nationen war Johann Strauß nie verlegen, wenn es aber um die Ungarn ging, schlug sein Herz höher. Schließlich stammte die Strauß-Sippe aus dem Land der weiten Puszta. Im März 1869 wusste er die Ungarn dermaßen zu euphorisieren, dass sie ihm Ovationen darbrachten: nach der Uraufführung seiner Schnell-Polka „Éljen a Magyár!“, „Es lebe der Magyar!“. Alle drei Strauß-Brüder waren zusammen nach Budapest gereist, um den neu eröffneten Redoutensaal mit zwei Sonderkonzerten gebührend zu würdigen. Am ersten Abend erklang die Polka zum ersten Mal, verstärkt durch den Männergesangsverein der ungarischen Metropole, versehen mit einer ausdrücklichen Widmung „an die ungarische Nation“. Als Strauß in der Coda auch noch den „Rákóczi Marsch“ zitierte, das Symbol für den Nationalismus der Ungarn, war es um die Ruhe im Saal geschehen.

Schatzwalzer alla Webern Genia Schwarzwald, die progressive Pädagogin aus Galizien, die später mit ihrem Mann in einer Villa am Grundlsee wohnte, leitete in Wien das Mädchenrealgymnasium in der Wallnerstraße, die erste Schule Österreichs, an der Mädchen maturieren konnten (seit 1911!). Bei derselben Adresse, Wall-


nerstraße 9 bzw. Herrengasse 10, war aber nicht nur die Schule zu finden, sondern auch das Literatencafé Herrenhof, wo sich alle künstlerischen Größen der Donaumetropole einfanden, die bald auch in der „Schwarzwaldschule“ unterrichteten: Schönberg, Kokoschka, Loos und andere. Der Festsaal der Schule war deshalb kein zufällig gewählter Ort für einen „Außerordentlichen Abend“, den der „Verein für musikalische Privataufführungen“ im Mai 1921 veranstaltete. Auf dem Programm standen vier Walzer von Johann Strauß Sohn in Bearbeitungen der Vereinsmitglieder. Arnold Schönberg als programmatischer Kopf des Unternehmens steuerte „Rosen aus dem Süden“ und den „Lagunenwalzer“ bei, Alban Berg versuchte sich an „Wein, Weib und Gesang“, Anton von Webern suchte sich den „Schatzwalzer“ aus dem „Zigeunerbaron“ heraus. Auch dieses Arrangement ist in unserer SOAP zu hören. Die Arrangeure waren zugleich die Interpreten des Abends: Schönberg wechselte sich mit dem nachmaligen Quartett-Primarius Rudolf Kolisch an der ersten Geige ab, Webern spielte Cello, Berg das Harmonium, Eduard Steuermann den Klavierpart. Nach dem frenetisch gefeierten Konzert versteigerten die Arrangeure respektive Interpreten die Originalmanuskripte ihrer Bearbeitungen, um dem notleidenden Verein Geld zuzuführen. Damals wie heute fanden diese Strauß-Walzer reißenden Absatz. Noch heute ist den Walzer-Arrangements der Trias Schönberg-Berg-Webern die Freude anzumerken, mit denen sie geschrieben und gespielt wurden. Den Puls der Moderne ganz nah an das sentimentale Herz der Musikstadt Wien heranzuführen, war der Sinn dieser Arrangements.

Wo die Citronen blühn Nur wenige Wochen nach der Uraufführung der „Fledermaus“ brach Johann Strauß zu einer Tournee nach Italien auf. Sein


eigenes Orchester stand nicht zur Verfügung, da es vom Bruder Eduard in Anspruch genommen wurde. Deshalb hatte er das Orchester seines deutschen Kollegen Julius Langenbach engagiert, das er 1868 in Baden-Baden zum ersten Mal dirigiert und 1873 nach Wien geholt hatte. Am 1. Mai 1874 brachen Langenbach und Strauß zu 21 Konzerten nach Italien auf. Acht Tage später gastierten sie im Teatro Regio in Turin, wofür Strauß eigens einen neuen, besonders lieblichen Walzer komponiert hatte, den er „Bella Italia“ nannte. Die Italiener – getragen vom Aufwind der endlich vollendeten italienischen Einigung – waren entzückt. In Wien freilich hätte ein solcher Titel eher Wunden aus den vergangenen Kriegen des „Risorgimento“ aufgerissen, also griff Strauß zu Goethes berühmtem Lied der Mignon aus dem Wilhelm Meister: „Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn?“ Fortan hieß sein bezaubernder Walzer Opus 364 „Wo die Citronen blühn“.

Künstlerleben Als Johann Strauß noch mit seiner ersten Frau Jetty glücklich verheiratet war, unternahmen die beiden im Juni 1867 eine Konzertfahrt nach Paris, die für Strauß und sein Orchester zum Triumph werden sollte. Insbesondere die beiden neuen Walzer des letzten Faschings versetzten die Franzosen in einen wahren Taumel der Begeisterung: „An der schönen blauen Donau“ und „Künstlerleben“. Beide waren vom Meister im Herbst 1866 besonders gründlich vorbereitet worden, hatte sich Strauß doch vorgenommen, die allgemeine Depression der Monarchie nach der Niederlage gegen Preußen bei Königgrätz massiv zu bekämpfen. Dafür wurde sozusagen leichtes Geschütz aufgefahren: Die berühmte Introduktion des Donauwalzers schmeichelt sich in die Herzen der Zuhörer ein, gefolgt von der nachmals berühmtesten aller Walzermelodien. Im „Künstlerleben“ beginnt die langsame Einleitung gar


in Moll. Die Oboe lässt den Hauptwalzer in zartesten Tönen anklingen, während die Streicher eine Art „Waldweben“ vor dem Hörer ausbreiten. Unversehens stiehlt sich der Walzerrhythmus ins Naturbild, erst schüchtern, dann kräftiger. Schließlich erhält der erste Walzer seinen triumphalen Auftritt. Natürlich beschließt er auch die gesamte Walzerfolge in Form einer zarten romantischen Reminiszenz. Momente „sinfonischer Arbeit“ wie diese finden sich in dem gesamten Walzer immer wieder. Als die Wiener der Uraufführung dieses Walzers lauschten, wurde nicht getanzt: Es war üblich geworden, den jeweils neuesten Strauß-Walzer in der Pause des Tanzabends schweigend anzuhören – als reines Konzertstück. Erst danach warfen sich die Tänzer wieder mit Schwung in den Dreivierteltakt, bis im Laufe des Abends auch auf den neuen Walzer zum ersten Mal getanzt werden durfte. Ganz so erging es auch dem „Künstlerleben“, das seinen Titel nicht zufällig erhielt: Am 18. Februar 1867 lud die Wiener Künstlervereinigung „Hesperus“ zu ihrem jährlichen Faschingsball in den Saal des Diana­ bades ein. Strauß verneigte sich vor dieser ehrenwerten Ansammlung der bedeutendsten Künstler in den diversen Sparten durch diesen Walzer, der anfänglich bedeutungsvoll, nachher immer ironischer die „Bohemiens“ von Wien por­ trätiert.

Wein, Weib und Gesang Es verwundert nicht, dass sich Richard Wagner unter allen Walzern von Johann Strauß Sohn ausgerechnet „Wein, Weib und Gesang“ zum Lieblingswalzer erkor. Leere Quinten und eine archaische Melodie im mixolydischen Kirchenton eröffnen das Werk auf eine geradezu mittelalterliche Weise. Dieses „Andante quasi religioso“ in Es-Dur ist eine Einleitung von sinfonischen Ausmaßen und würde in ihrer weihevollen


Stimmung einer Wagner-Oper alle Ehre machen. Die Anklänge an lutherische Choräle gipfeln in einem Beinahe-Zitat aus dem Adventslied „Macht hoch die Tür“. An dieser Stelle setzt in der Originalfassung des Walzers der Männerchor ein. Wie auch der „Donauwalzer“ war „Wein, Weib und Gesang“ ursprünglich ein gesungener Walzer auf einen Text von Josef Weyl. Die Textvorlage erklärt die weihevolle Stimmung der Einleitung, die am Ende in einen Triumphmarsch umschlägt: „Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein Narr sein Leben lang.“ Im 19. Jahrhundert wurde dieser Satz noch Martin Luther zugeschrieben und mit der Wartburg in Eisenach in Verbindung gebracht. Also schmettert der Männerchor in der Einleitung des Strauß-Walzers triumphale Töne, die Wagners „Sängerkrieg auf der Wartburg“ nicht zu fürchten bräuchten. Der Wiener Männergesangsverein durfte im Brustton der Überzeugung agieren, als der Walzer zu Lichtmess 1869 beim „Narrenabend“ im Dianabad-Saal aus der Taufe gehoben wurde. Strauß stand ausnahmsweise nicht am Pult, sondern hörte zu – als Mönch Luther verkleidet! Erst am ­Ostermontag desselben Jahres dirigierte er bei einem Promenaden-Konzert die reine Orchesterfassung. Unsere Interpreten spielen „Wein, Weib und Gesang“ in der Bearbeitung von Alban Berg, die sich der linearen Stimmführung der Einleitung besonders akribisch annimmt. Dieses Arrangement verweist auf ein besonders rührendes Kapitel der Strauß-Rezeption in Wien, das im Mai 1921 geschrieben wurde. Josef Beheimb


Die Interpreten Maria Bader-Kubizek, Violine Maria Bader-Kubizek lebt derzeit in Niederösterreich. Sie hat drei wunderbare Kinder. Sie liebt Schubert, weil sie in seiner Musik auch in der tiefsten Traurigkeit immer das Licht spüren kann. Bach empfindet sie als Heilkraft für die Welt. Dvoˇrák begeistert sie durch seine Urwüchsigkeit und musikantische Freude. An Mozart fasziniert sie sehr, dass er mit seiner Musik jedes Kind erreicht und doch erscheint es ihr in all den Jahren des Vertrautwerdens mit seinen Werken immer unmöglicher, jemals an die Grenzen seiner Genialität zu gelangen. Maria verehrt Martha Argerich für ihre ungeheure musikalische Phantasie. Florian Boesch für seinen seelenvollen Gesang. Aus einer höheren Dimension erzählt auf der Violine ihrer Meinung nach Joshua Bell. Besonders gern spielt Maria Kammermusik mit inspirierenden Kollegen, frühere Literatur am liebsten auf Originalinstrumenten. Ihre Zusammenarbeit mit dem grandiosen Schweizer Steinbildhauer Piero Maspoli bedeutet für sie pure Inspiration. Ebenso liebt sie es, gemeinsame Projekte mit dem genialen Adrian Schvarzstein zu realisieren, der klassische Musik aus ihren verstaubten Winkeln zu holen versteht und Brücken der Menschlichkeit schlägt, die unsere Welt so dringend braucht. Sie bewundert Künstler, die mit ihren Ideen lebendiges Neuland erschließen und liebt Menschen, mit denen sie herzlich


lachen kann. In neuerer Zeit erforscht sie auch mit Hingabe und Faszination die Verbindung von Kunst und Heilkunst. Der Ryoanji-Steingarten in Kyoto, das Kamptal im niederösterreichischen Waldviertel und die Atlantikküste in Portugal im Frühling gehören zu ihren Lieblingsplätzen. Alle, die sich mit ganzem Herzen für eine schlichtere, ehrlichere, liebendere und naturverbundenere Welt einsetzen, sind ihr Vorbild.

Florian Hasenburger, Violine Florian Hasenburger lebt als freiberuflicher Musiker in Wien. Er hat umso mehr Freude an der Musik, je abwechslungsreicher und bunter sein Betätigungsfeld ist. Also spielt er sowohl Geige als auch Bratsche, Solo, Kammermusik und Orchester, Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart auf historischen und modernen Instrumenten, gibt Erwachsenen- wie auch Kinderkonzerte und unterrichtet im Zentrum für Musikvermittlung Wien. Es ist ihm wichtig, dass Musik die Menschen möglichst spontan anspricht, berührt und ihnen Freude und auch Spaß macht. Besonders am Herzen liegt es ihm, mit originellen und lebendigen Konzerten Menschen zu erreichen, die sich sonst nicht mit klassischer Musik beschäftigen würden.

Thomas Selditz, Viola Thomas Selditz studierte an der Hanns Eisler Hochschule Berlin. Mit 21 Jahren gewann er die Stelle des Solo-Bratschers


im Berliner Sinfonie Orchester, fünf Jahre später engagierte ihn Daniel Barenboim an die Staatskapelle Berlin. Seine schon damals ausgeprägte Leidenschaft für Kammermusik bewog ihn, das renommierte Orchester zu verlassen und 1999 eine Professur in Hannover anzunehmen. Nach einer Berufung an die Hamburger Hochschule im Jahr 2004 wechselte Thomas Selditz 2010 als Professor für Viola an die Musikuniversität Wien. Seit Beginn der 90er Jahre konzertierte er als Gründer des Ensembles Gaede Trio in Europa, Asien und in den USA. Im Sommer 2013 gab er diese Arbeit auf und ist seitdem Bratschist des Hugo Wolf Quartetts. Eine stattliche Zahl von CD-Einspielungen dokumentiert die vielseitige kammermusikalische Tätigkeit von Thomas Selditz, einige davon erhielten die höchsten Auszeichnungen der Fachpresse.

Ursula Kortschak, Viola Ursula Kortschak stammt aus einer Grazer Musikerfamilie und lebt seit 1982 in Wien. Sie studierte zunächst Violine bei Walter Klasinc in Graz und absolvierte danach ihr Studium der Instrumentalmusikpädagogik bei Erich Schagerl in Wien.Ihre weitere Ausbildung setzte sie im Fach Viola bei Thomas Riebl in Salzburg und Barockvioline bei Chiara Banchini in Basel fort.


Von Nikolaus Harnoncourt, in dessen Concentus Musicus sie ab 1992 spielte, bekam sie zündende Anregungen und Prägung in der musikalischen Kommunikation. Sie ist Bratschistin in Rudolf Leopolds Il Concerto Viennese und im Clemencic Consort. Als Geigerin ist sie langjähriges Mitglied des Balthasar-Neumann-Ensembles unter Thomas Hengelbrock. Großes Interesse der Musikerin gilt auch der Neuen Musik, sie trat wiederholt mit dem Klangforum Wien und dem Ensemble „die reihe“ auf. Sie ist Widmungsträgerin einiger Kompositionen, die sie zur Uraufführung gebracht hat.

Endre Stankowsky, Violoncello 2010 hat Endre Stankowsky die Musikhochschule Franz Liszt in Budapest abgeschlossen und studiert jetzt an der Kunstuniversität in Graz bei Rudolf Leopold und Andrea Molnar. Er hat bereits mehrfach Meisterklassen besucht, und zwar bei Ádám Károly, Josef Pothoransky, Róbert Nagy oder Tamás Mérei. Endre Stankowsky nahm 2016 den dritten Preis von der internationalen Cellokonkurrenz S. Knushevitsky mit nach Hause. Man zeichnete ihn 2014 mit dem ersten Preis einer internationalen Cellokonkurrenz aus und er bekam 2014 ein Stipendium des Forum Hungaricum.

Anna Magdalena Kokits, Klavier Die Wienerin Anna Magdalena Kokits fand in Alejandro Geberovich (*1948 Buenos Aires) rasch ihren idealen Lehrer und Mentor,


bei dem sie 2013 ihre Studien an der Konservatorium Wien Privatuniversität mit Auszeichnung abschloss. Als Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe zog sie bald Aufmerksamkeit auf sich und konzertierte schon in jungen Jahren als Solistin mit Orchestern wie dem Tonkünstler Orchester Niederösterreich und den Moskauer Virtuosen. Neben der Verfolgung ihrer Solokarriere, die sie rasch zu einem gern gehörten Gast bei Festivals in vielen Ländern Europas machte, entdeckte sie schon früh ihre Liebe zur Kammermusik: von 2007 bis 2014 war der Cellist Alexander Gebert ihr Duopartner, mit dem sie regelmäßig Konzerte im Wiener Musikverein gab – diese erfolgreiche Zusammenarbeit ist auch auf einer 2015 erscheinenden CD dokumentiert. Daneben konzertiert sie mit renommierten Musikerkollegen wie Dimitri Ashkenazy, Eduard Brunner, Chen Halevi, Lars Wouters van den Oudenweijer, Herbert Kefer, dem Bennewitz Quartett u. a. Die Pianistin engagiert sich konsequent für zeitgenössische Musik, arbeitet eng mit den Komponisten Richard Dünser, Tomasz Skweres, Helmut Schmidinger, Thomas Larcher, Christoph Renhart und Lukas Haselböck zusammen und hat mehrere Werke in Auftrag gegeben. Außerdem arbeitet sie derzeit an der Ersteinspielung sämtlicher Klavierwerke des jüdisch-österreichischen Komponisten Ernst Toch sowie an einer zur Gänze Mieczysław Weinberg gewidmeten CD.

Magdalena Hasibeder, Harmonium Magdalena Hasibeder wurde in Linz geboren, wo sie am Musikgymnasium und an der Bruckneruniversität ihre erste musika-


lische Ausbildung erhielt. Weitere Studien in Orgel und Cembalo, Alter Musik und Instrumentalpädagogik führten sie an die Wiener Musikuniversität und an die Schola Cantorum Basiliensis. Zu ihren Lehrern gehören Wolfgang Glüxam, Andrea Marcon, Michael Radulescu, Augusta Campagne und Rudolf Lutz. Seit 1997 tritt Magdalena Hasibeder in Orgel- und Cembalokonzerten bei Festivals und Konzertreihen in ganz Europa auf. Sie ist Preisträgerin bei mehreren internationalen Orgelwettbewerben. Eine rege Ensembletätigkeit begleitet ihre Laufbahn von Beginn an und als gefragte Continuo-Spielerin und Solistin wirkt sie in zahlreichen namhaften Klangkörpern mit. Seit 2010 war sie wiederholt Assistentin von Andrea Marcon am Theater Basel und debütierte dort 2012 am Pult von La Cetra bei Purcells „The Fairy Queen“. Ebenfalls 2012 gründete sie die Konzertreihe „Diapsalma – Geistliche Konzerte St. Arbogast“ in Basel, die sie seither als Künstlerische Leiterin betreut. Neben ihrem Hauptinteresse an der Alten Musik arbeitete Magdalena Hasibeder auch immer wieder mit österreichischen Komponisten wie Rudolf Jungwirth, Balduin Sulzer und Michael Radulescu zusammen. Magdalena Hasibeder arbeitete als Korrepetitorin an der Schola Cantorum Basiliensis und unterrichtet seit 2012 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Ihr neuestes Doppelalbum „Frobergers Reisen“ erhielt kürzlich den Vierteljahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik.

Rudolf Leopold, Violoncello & Leitung Rudolf Leopold gilt als einer der vielseitigsten Musiker Österreichs. Geboren und aufgewachsen in Wien, studierte er


an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Cello, daneben Klavier und Komposition. Bald nach seinem Studienabschluss begann er dort Kammermusik zu unterrichten, seit 1990 ist er Professor für Violoncello an der Kunstuniversität Graz. Bekannt wurde Rudolf Leopold als Mitglied des Franz Schubert Quartetts, 1979 gründete er das Wiener Streichsextett. Mit diesem Ensemble nahm er zahlreiche CDs für EMI und Pan Classics auf und schrieb auch eine Menge Arrangements, die zum Teil eingespielt und verlegt wurden. Mit der Aufführungspraxis barocker Musik hat sich Rudolf Leopold seit seiner Jugend beschäftigt; er wirkt bis heute in dem von Nikolaus Harnoncourt gegründeten Concentus Musicus Wien als Solocellist mit. Ihm verdankt er wichtige Anregungen. 2006 gründete er sein eigenes Ensemble „Il Concerto Viennese“. Rudolf Leopold spielt auf einem italienischen Cello aus dem Jahre 1679, dessen Boden von Andrea Guarneri stammt.

Ursula Strauss, Lesung Ursula Strauss wuchs in Pöchlarn im Bezirk Melk auf. Nach ihrer Matura an der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Amstetten zog sie nach Wien und besuchte dort von 1993 bis 1996 die Schauspielschule am Volkstheater. Anschließend war sie in verschiedenen Rollen am Volkstheater engagiert. Danach spielte sie im Hoftheater Gossam, in der St. Pöltener Bühne im Hof, an den Melker Sommerspielen, am Ensemble Theater Wien, Theater Drachengasse, Theater in der Josefstadt, Theater Kiel, Stadttheater Klagenfurt und am TEATA Köln.


Im Jahr 1999 begann ihre Filmkarriere. Ihre erste Hauptrolle spielte sie in „Böse Zellen“ (2003). Für ihre Hauptrolle in „Revanche“ (2008) wurde sie beim Grazer Filmfestival Diagonale, das üblicherweise keine Schauspielpreise vergibt, mit einem Spezialpreis ausgezeichnet. Nach Gastauftritten in diversen Fernsehserien übernahm sie in der ab 2009 ausgestrahlten Krimiserie „Schnell ermittelt“ die Hauptrolle der Kommissarin Angelika Schnell, für die sie 2010 eine Romy erhielt. Für ihre Darstellung in Elisabeth Scharangs Spielfilm „Vielleicht in einem anderen Leben“ gewann sie 2012 den Österreichischen Filmpreis. Ebenfalls im Jahr 2012 war Ursula Strauss erstmals Kuratorin eines Kulturfestivals, und zwar des Herbst/Winter-Festivals „Wachau in Echtzeit“. Im Oktober 2013 übernahm sie gemeinsam mit Stefan Ruzowitzky die Präsidentschaft der Akademie des Österreichischen Films. Es folgten zahlreiche Filme für Kino und TV, sie ist ja aus dem österreichischen Film nicht wegzudenken und feiert Erfolg um Erfolg. So etwa als Darstellerin der Anna Sacher in der Hotel-Sacher-Saga von Robert Dornhelm, als eine Hauptdarstellerin in „Pregau – kein Weg zurück“, als Teil der David-Schalko-Serie „Altes Geld“ und vielem mehr. Als „Beliebteste Schauspielerin“ trug sie bereits vier Romys mit nach Hause. Mit dem Film „Michael“ von Nikolaus Geyerhalter war sie im offiziellen Wettbewerb von Cannes 2011 vertreten, mit ihrer Mitwirkung bei „Revanche“ von Götz Spielmann auch beim Auslands-Oscar 2009 mitnominiert.


Aviso Mittwoch, 5. Juli – Helmut List Halle, 20 Uhr Donnerstag, 6. Juli – Helmut List Halle, 20 Uhr

Le Sacre du Printemps Jimmy Lopez: América Salvaje Gabriela Lena Frank: Escaramuza Silvestre Revueltas: Sensemaya Alberto Ginastera: Suite aus dem Ballett „Estancia“, op. 8 Igor Strawinski: Le Sacre du Printemps Colombian Youth Philharmonic Orchestra Dirigent: Andrés Orozco-Estrada

Entfesselt – so wirkt Andrés Orozco-Estrada, wenn er Musik aus Lateinamerika dirigiert. Der Kolumbianer, der in Wien studierte, in Graz debütierte und in Frankfurt reüssierte, ist Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters. Zum glühenden Südamerikaner wird er wieder, wenn er die begeisterten 100 Jugendlichen des „Colombian Youth Philharmonic“ leitet. Mit ihnen gelingen ihm Wunder, wie sie im Nachbarland Venezuela mit „El Sistema“ begannen. Nach Graz bringen die jungen Musiker Ballettsuiten mit, mythische, mitreißende, indianische Tänze von urwüchsiger Kraft. Zum „Frühlingsopfer“ von Strawinski haben sie sich eine eigene, starke „Orchesterchoreographie“ ausgedacht.


WERNER BERG Mensch und Landschaft

17. Juni bis 27. August 2017 Steirisches Feuerwehrmuseum Kunst & Kultur Marktstraße 1, 8522 Groß St. Florian www.feuerwehrmuseum.at


Aviso Sonntag, 9. Juli – Helmut List Halle, 19 Uhr

Telemann.SOAP Georg Philipp Telemann: Flötenquartett in G, TWV 43:G12 / Flötenkonzert in D, TWV 51:D2 „Gullivers Reisen“ und Introduzzione in A aus „Der getreue Music-Meister“ / Pariser Quartett in a Lesung aus: Die Autobiographie des Georg Philipp Telemann in: Johann Mattheson, Grundlage einer Ehren-Pforte, Hamburg 1740 Musica ad Rhenum Leitung: Jed Wentz, Flöte Michael Dangl, Lesung

Er war der freundliche, brillante, humorvolle Geist unter den Komponisten der galanten Zeit, stets darauf bedacht, sein Publikum zu unterhalten und den Musikern keine schweißtreibenden Partituren zu offerieren. Dabei fielen dem Magdeburger Telemann die Melodien nur so in den Schoß. Wie es dazu kam, hat er in seiner wundervollen Autobiographie von 1740 erzählt. Gegen alle Widerstände in der Familie folgte er seiner Berufung zum Musiker und bescherte den Zeitgenossen 60 Jahre lang ungetrübtes Glück, wie es auch Jed Wentz und sein Ensemble Musica ad Rhenum in der Helmut List Halle tun. Jedes Telemann-Stück dieser SOAP ist ein Ohrwurm!


Flotte Bienen, tolle Hechte

Feldhase (Lepus europaeus), Paarung, Foto: Eliane Huber, Naturmuseum Thurgau

SEXperten

Universalmuseum Joanneum

Naturkundemuseum 05. 05. 2017— 07. 01. 2018 Joanneumsviertel, 8010 Graz Di – So 10 – 17 Uhr www.naturkunde.at

Eine Ausstellung des Amtes für Umwelt Liechtensteins und des Liechtensteinischen Landesmuseums


Klassik, Jazz, Rock, Pop oder Alternative. Leidenschaftliche Musikberichterstattung erÜffnet Perspektiven. Täglich im STANDARD und auf derStandard.at.


HAUS

DER

KUNST

Galerie · Andreas Lendl A-8010 GRAZ · JOANNEUMRING 12

Tel +43 /(0)316 / 82 56 96 Fax 82 56 96 - 26 www.kunst-alendl.at office@kunst-alendl.at

Ölgemälde · Aquarelle · Zeichnungen Druckgraphik · Skulpturen Reproduktionen · Kunstpostkarten · Künstlerkataloge Exklusive Rahmungen


Wir verschlafen ein Drittel unseres Lebens.

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Programmheft - Stauss.SOAP  

2. Juli, Helmut List Halle

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