Page 7

heute sind die Telemannbestände in Darmstadt die umfangreichsten und wertvollsten überhaupt. Hätten nicht die dortigen Musiker mit so großem Fleiß Telemann’sche Ouvertüren, Concerti und Kammermusik abgeschrieben, wären wir um viele wundervolle Stücke ärmer. Eines davon ist das Concerto D-Dur für zwei Soloviolinen, Solofagott und Streicher, das in einer Darmstädter Abschrift erhalten ist. „Concerto a 2 Violini Concertanti, Violino all’unisono, 2 Viole, Fagotto obligato e Basso del Signore Telemann“ steht in Italienisch auf der ersten Seite. Dabei hielt sich Telemann selbst zugute, dass seine Concerti immer ein wenig „nach Frankreich rochen“, da er die Virtuosenkonzerte italienischer Machart nicht leiden konnte. Im Gegensatz zu Pisendel, Quantz und vielen anderen hatte er Venedig nie bereist, war also nicht vom „Vivaldi-Virus“ infiziert. Tele­ mann-Konzerte sind nur ganz selten nach dem üblichen dreisätzigen Vivaldi-Schema entworfen, auch nicht das Darmstädter Tripelkonzert in D-Dur.

Zur Musik Dieses Concerto in D beginnt nicht mit einem Allegro, sondern mit einem Andante. Das liebliche Thema der Streicher wird sofort von Klangspielen des Fagotts untermalt, die ein paar Takte später von der ersten Solovioline übernommen werden. Telemann hatte ein unendlichen Vergnügen an solchen Klangspielereien: Mal wird ein Duett der beiden Sologeigen von Glockenklängen der Tutti­ geigen untermalt, dann wieder begleiten die Sologeigen das Solo-Fagott usw. Die Allegro-Fuge des zweiten Satzes wird von virtuosen Bariolagen der beiden Geigen unterbrochen, aber auch von Duetten mit dem Fagott oder kleinen Fagottsoli. Im dritten Satz ist es wieder das Fagott, das durch gebrochene Oktaven ein pathetisches Adagio-Thema klanglich auflockert, bevor die Soloviolinen ihre weiten Melodiebögen ausspinnen. Am ehesten nach Venedig klingt das Finale mit seinem rauschenden Thema und der klaren Ritornell-Struktur: Die Trios der drei Soloinstrumente werden immer wieder durch Orchesterzwischenspiele mit dem kraftvollen Thema unterbrochen.

Venedig in Anhalt-Zerbst Obwohl das Dresden Augusts des Starken und seines Sohnes unbestritten das Mekka des italienisch gefärbten Orchesterklangs in Deutschland war, gab es auch andere Zentren, in denen Concerti im 7

Profile for Aus dem Hause styriarte

Programmheft  

Ein Traum von Venedig recreationBAROCK 6./7. Mai, Minoritensaal

Programmheft  

Ein Traum von Venedig recreationBAROCK 6./7. Mai, Minoritensaal

Profile for styriarte
Advertisement