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Zur Musik Ein prachtvolleres „Unisono“ als den Beginn von RV 576 kann man sich schwerlich vorstellen: Das gesamte Orchester außer den Flöten spielt gebrochene g-Moll-Dreiklänge und absteigende Skalen – wie der Auftritt des Kurprinzen von Sachsen mit seinem Gefolge anno 1716 in Venedig. Die Flöten setzen danach ein und konzertieren über den lang ausgehaltenen Tönen des „Grande Bassone“ mit zwei weiteren Soloinstrumenten, der Violine und der Oboe. Dahinter verbergen sich die berühmten Solisten der damaligen Dresdner Hofkapelle: die Flötisten Buffardin und Quantz, der Konzertmeister Pisendel und der erste Oboist Richter. Ihr Konzertieren wird aufs Prachtvollste mit den übrigen Oboen, den Fagotten und Streichern vermischt – ein venezianisches Klanggemäl­ de an der Elbe, so prächtig wie die Dresdner Stadtansichten des jüngeren „Canaletto“, Bernardo Bellotto. Im d-Moll-Larghetto wird das Violinsolo von Flöten, Streichern und Fagott untermalt und von pathetischen Einwürfen des Tutti unterbrochen. Alternativ könnte auch der erste Oboist das Solo übernehmen („Violino o Oboè solo“). Im Allegro-Finale hat Vivaldi auf seine übliche Manier Tonrepetitionen mit gebrochenen Drei­ klängen zu einer immer lauter werdenden Klangfläche aufgetürmt. Dieses Ritornell im furiosen Dreiertakt wird untermischt mit rasanten „Tirate“ der Geigen und bereitet den Boden für ein veri­ tables Violinkonzert. Erst später tritt wieder der Solooboist dem Sologeiger an die Seite.

Venedig in Südhessen

Für manchen deutschen Fürsten blieb der Traum von Venedig im heimischen Territorium ein Luft­ schloss. Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt scheiterte schon 1711 am Widerspruch der Landstän­ de, als er in der südhessischen Kleinstadt ein Opernhaus nach venezianischem Vorbild errichten wollte. Man scheute nicht nur die Bau-, sondern auch die Folgekosten. Das Ersatztheater musste 1718 wegen der prekären finanziellen Lage geschlossen werden. Auch der gewaltige Neubau des Schlosses wurde nie vollendet, wie man heute noch sehen kann. In den Mauern der vollendeten Trakte beschränkte sich der machtbewusste Landgraf fortan auf lutherische Kirchenmusik und auf Konzerte, für die seine Hofmusiker ständig neues Repertoire anschaffen mussten. Da kam es ihnen höchst gelegen, dass im nahen Frankfurt Georg Philipp Telemann als Musikdirektor fungierte. Bis 6

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Programmheft  

Ein Traum von Venedig recreationBAROCK 6./7. Mai, Minoritensaal

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