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Tourismus

19. April 2012 Nr. 16

Das Umsetzungsprogramm zur Wachstumsstrategie für den Schweizer Tourismus

CHECK IN

Papiertiger und Wildbahn

Asiatische Gäste

Schweizer machen Dumping und klagen

P. GRUNDER

Der Moment der Wahrheit: Von der Wertschöpfung bis zur Abgeltung widerspiegelt kaum eine Branche die Wirklichkeit so lebensnah wie das Gastgewerbe.

Zur bundesrätlichen Wachstumsstrategie des Tourismus liegt das Umsetzungsprogramm vor. Es ist ein Grundlagenpapier.

Peter Grunder

«Wir haben währungsbedingt gravierende Kosten- und Preisnachteile gegenüber Konkurrenten», sagte letzten Sommer Richard Kämpf zu GastroJournal (GJ33/2011). Kämpf, als Nachfolger von Peter Keller seit 2008 oberster Tourismusbeamter der Schweiz, erläuterte damals die bundesrätliche «Wachstumsstrategie für den Schweizer Tourismus». Unter Wachstumsstrategie ist dabei

nicht zu verstehen, dass sich die öffentliche Hand öffnet und Gelder in den Schweizer Tourismus pumpt. Laut fordert das vorerst nur das touristische Wallis, das für seinen Teil rund zwei Milliarden Franken beansprucht. Auch nicht unter Wachstumsstrategie zu verstehen ist, dass die Rahmenbedingungen entscheidend besser werden: Auf eine sachgerechte, geschweige denn tourismuspolitisch wirksame Anwendung der Mehrwertsteuer warten Hotellerie und Gastronomie seit Einführung der Steuer 1995 vergeblich. Was Wachstumsstrategie wirklich heisst, zeigt das Umsetzungspro-

gramm, das jüngst veröffentlicht worden ist und im Internet komplett eingesehen und heruntergeladen werden kann. Wachstum und Strategie sind verwaltungspolitisch gemeint: Wir haben es mit einem Papiertiger zu tun, dessen Tauglichkeit in freier Wildbahn ungewiss ist.

den. Das Resultat kann nichts anderes sein als der kleinste gemeinsame Nenner. Was der Bund gegen gravierende Kosten- und Preisnachteile tun will, die das Gegenteil von Wachstum nach sich ziehen, steht im Umsetzungsprogramm nicht – das war aber zu erwarten.

Richard Kämpf ist in Sachen Verwal-

Für Unternehmer und für Strategen ist das Papier zwar peinlich. Ob Stärkung der Achse Landwirtschaft und Tourismus oder Neupositionierung des Sommers, ob Einführung der Parahotelleriestatistik oder Optimierung der Zusammenarbeit zwischen Tourismus- und Neuer Regionalpolitik: Das Umsetzungsprogramm listet weitgehend einerseits Selbstverständlichkeiten auf, andererseits uralte Forderungen.

Zu befürchten ist jedoch in eidgenössischer Tradition, dass die umfassend eingebundenen interessierten Kreise ihre Partikularinteressen durchsetzen und die gut gedachten strategischen Handlungsansätze zerstören werden: Jüngere Beispiele dafür sind im Strategischen die mehrfach gescheiterten Bemühungen zur Professionalisierung der Landeskommunikation oder die ebenso grandios verkündete wie verstummte Qualitätswerkstatt, die den Moloch Agrarbürokratie näher an die Wirtschaft heranführen wollte. Unerfreuliche Praxisbeispiele wiederum sind zu viele teils unprofessionell, teils praxisfern angegangene Projekte. Zu nennen wären hier etwa verschiedene regionale Naturpärke oder die triste Toggenburger Hotelkooperation (GJ12), die Richard Kämpf gegenüber GastroJournal noch als Vorzeigebeispiel genannt hatte.

Die Peinlichkeit hat aber Methode: Kämpf war Profi genug, um alle direkt und indirekt beteiligten Kreise frühzeitig und umfassend einzubin-

«Das Umsetzungsprogramm ist keine Angelegenheit der Kantone oder der Branche», hatte Kämpf damals auch klargestellt. Es sei eine

tung und Tourismus ein ausgewiesener Profi. Die Instrumente, die er seinerzeit beim BAK Basel gebaut hat, sind so gut, dass manch unprofessioneller Touristiker immer noch lieber die Finger davon lässt. Dies könnte aber auch dem Umsetzungsprogramm drohen, das 30 schwammig formulierte Bereiche auflistet, die im besten Fall geistiges Wachstum nach sich ziehen.

Sache des Bundes, «der aufgrund der erarbeiteten Strategie und in Absprache mit allen Beteiligten gezielt Schwerpunkte setzen und Kernthemen anpacken will». Der Bezug zur Praxis sind dabei In-

notour und die Neue Regionalpolitik. Diese beiden Instrumente schütten samt der Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) Millionen aus – das weckt Begehrlichkeiten und lockt nicht nur korporative Einzelkämpfer, sondern auch mandatsorientierte Berater. «Die Wege müssen so abgesteckt sein, dass es nicht Berater braucht, um sie zu beschreiten», hatte Kämpf GastroJournal zugesichert. Wenn der Papiertiger bestehen soll,

braucht es einerseits vor den Geldhähnen konkrete Leistungsvereinbarungen. Andererseits sind mit Blick aufs Umsetzungsprogramm politisch Allianzen und Abmachungen zu treffen, um das Selbstverständliche gegen Partikularinteressen durchzusetzen. Vielleicht wird eines Tages in den Unternehmen sogar Wachstum daraus.

En bref

Doch noch möglichst viele Sommergäste in die Schweiz zu bringen, ist ST 48,5 Millionen Franken wert. Dies inklusive 9,7 Millionen aus dem Impulsprogramm des Bundes und 8,6 Millionen, die für die Städtekampagne eingesetzt werden. Damit will ST 16,7 Prozent aller Logiernächte beeinflussen. An der Medienkonferenz letzten Dienstag in Zürich war von 18 Milliarden Umsatz die Rede.

sein kann, zeigt eine neue Hotelgruppierung, die GastroSuisse gemeinsam mit Schweiz Tourismus auf den Markt bringt: Preiswerte Hotels.

Die Hotels müssten eigentlich ein Eigentlich ist die «neue» Gruppie-

rung ein Zusammenzug aus der Promotion Preiswert und SchweizDirekt. «Gleichzeitig haben wir die Qualitätsanforderungen erhöht», meint Corinne Huber, bei GastroSuisse verantwortlich für die Grup-

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Dass die Schweiz nicht einfach teuer

sein muss, sondern ihren Preis wert

pierung. Deswegen seien es auch etwas weniger Betriebe als vormals in beiden Programmen zusammen.

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starkes Interesse haben, bei der neuen Gruppierung mitzumachen: Sie zahlen 0 Prozent Kommission bei Buchungen via myswitzerland.com/ preiswert. «GastroSuisse übernimmt die Kommission für die Betriebe als Beitrag an die gesamte

Tourismusgesetz Graubünden

Meinungen im Grossen Rat stark kontrovers Das angedachte Tourismusgesetz für Graubünden wirft nach wie vor hohe Wellen. Die Meinungen im Grossen Rat Graubündens gehen offenbar weit auseinander – bis hin zur SVP, die mit einem Referendum droht. Gaudenz Thoma, Direktor von Graubünden Ferien, meint gegenüber GastroJournal, es bestehe die Gefahr, dass das Gesetz so zerpflückt werde, dass von einem Rahmengesetz gesprochen werden müsse, «das wäre keine optimale Ausgangslage». Er sei jedoch «guten Mutes, es braucht aber ein Bekenntnis aller Parteien, dass den Tourismus bei uns als das Standbein der Wirtschaft einstuft».

Qualitätsgütesiegel

Auszeichnungen im März 2012

Branche», erläutert Huber. Eine Mitgliedschaft im Verband ist dabei keineswegs gefordert. Es gehe darum, ausgezeichnete Preis-Leistungs-Angebote in die Welt zu tragen. In erster Linie allerdings in den Schweizer und den Deutschen Markt. Ausserdem nach Frankreich, Italien und in die Niederlande. Schade einzig, dass die Broschüre nicht im ST-Look daherkommt. mn www.myswitzerland.com/preiswert

www.swisstourfed.ch

Neue Hotelgruppe zeigt eine preiswerte Schweiz Sommer angekündigt – und erwartet ein Minus von 1,4 Prozent der Logiernächte. «Nach dem Sommer dürfte der Schweizer Tourismus wieder Boden gefunden haben», meinte Jürg Schmid gegenüber den Medien.

Mehr als preiswert ist die Schweiz für Asiaten, allen voran Chinesen. Ihr Hotelbett kostet teilweise nur rund 40 Franken je Person und Nacht – und das im 4-Sterne-Bereich. Weil insbesondere Chinesen, einmal im Land angekommen, sehr viel Geld für Einkäufe ausgeben, ist nun aus Hotellerie-Kreisen die Idee laut geworden, dass insbesondere Schmuckgeschäfte Abgaben an die gebeutelte Hotellerie leisten könnten. Vergessen geht dabei allerdings, dass dies zu türkischen Verhältnissen führen würde: All-Inclusive-Angebote mit Ausflug ins staatlich geförderte Schmuckparadies, das dann wiederum Geld abgeben muss an Veranstalter und Hotellerie, wobei die Betriebe verlottern, weil das Geld für Investitionen fehlt. Sinnführender ist da die Ansicht von Schweiz-Tourismus-Direktor Jürg Schmid: Wer sich so tief herunterhandeln lässt, ist selber Schuld.

Der Schweizer Tourismus-Verband konnte im März über 50 Unternehmen neu oder erneut mit dem Qualitätsgütesiegel auszeichnen, die Hälfte davon gastgewerbliche Betriebe, überwiegend der Hotellerie. Neu dabei auf Stufe I sind das Hotel zur Post in Bad Zurzach, das Krafft in Basel, der Hirschen im bernischen Langnau, die Wirtschaft Borisried in Oberbalm und das Restaurant Cheyenne in Zürich. Auf Stufe II, die hohe Ansprüche ans Qualitätsmanagement stellt, hat das Hotel Alex in Zermatt erstmals die Zertifizierung erhalten. Auf der Stufe III schliesslich, die einer ISO-Zertifizierung gleichkommt, sind mit dem Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz sowie dem Swissôtel in Zürich zwei grössere Betriebe neu ausgezeichnet worden.

Le programme de mise en œuvre de la stratégie de croissance touristique énumère, largement compté, une trentaine de mesures qui vont de soi. La croissance n’apporte pas cela, on doit être heureux, si les mesures sont réalisées.

Schweiz Tourismus stellt die Aktivitäten zum kommenden Sommer vor

Schweiz Tourismus (ST) hat den

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/19042012_Auszeichnungen%20im%20M%C3%A4r  

http://www.swisstourfed.ch/files/infothek/medienspiegel/2012/19042012_Auszeichnungen%20im%20M%C3%A4rz%202012_%20GastroJournal.pdf

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