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ConAction! ConAction! ConAction! ConAction! ConAction! In dieser Ausgabe: Vorwort

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Faschingsparty 2009

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Juli 2009

Spielewoche 7 Summerfeeling

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E-Team „Betriebsausflug“

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Hausbandabend

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Firmlingstag 13 Fotostory

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Baustelle

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Plädoyer für 17 Widerstand

Gesten

Tugendliche? Lebensarten und Widerstände

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Seite 3-5


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Aus der Redaktion Liebe Leserin, lieber Leser! Das Wetter zur Abfassungszeit des Spezialtoasts ruft Widerstände hervor: Widerstand, mit kurzen Hosen ins Freie zu gehen, Widerstand, morgens aufzustehen, Widerstand, hinzunehmen, dass der Sommer im April stattgefunden hat … Vielleicht ruft auch der Titel des „Spezialtoasts“, „Tugendliche“, Widerstände hervor: Reimt sich „jugendlich“ auf „tugendlich“ oder wird Jugendlichkeit nicht vielmehr mit Unangepasstheit, Widerständigkeit und nicht „Tugendhaftigkeit“ assoziiert? Nun hat ja der Tugendbegriff in seiner ursprünglichen Variante nichts mit „Bravheit“ zu tun, wie das Wort „tugendhaft“ suggeriert: Fasst man Tugenden als jene Fähigkeiten und Grundhaltungen auf, mit denen wir unser Leben führen und gestalten, dann ist klar, dass man sich gar nicht früh genug darauf einen „Reim“ machen sollte: Welche Fähigkeiten helfen mir, mein Leben zu meistern? Welche Haltungen braucht unsere Gesellschaft? Welche Haltungen machen mich widerstandsfähig in Krisenzeiten? In der Fastenzeit haben wir versucht, ein paar Evergreen-Tugenden wieder salonfähig zu machen, darüber auf den nächsten Seiten. Von „Widerstand“ ist auch in einem höchst lesenswerten Beitrag von Anna Sourdille (STUWE-Jugendliche und ETeam Mitglied) die Rede. Der Hinter-

grund: „Wandert die Jugend nach rechts?“ Solche und ähnliche Fragen wurden in den vergangenen Wochen in diversen Medien gestellt, die entsprechenden Anlassfälle sind bekannt. Natürlich berührte uns dieses Thema – haben wir doch im STUWE gelegentlich mit Jugendlichen zu tun :-) – es darf einen eigentlich nicht unberührt lassen. Anna Sourdille setzt sich in ihrem Artikel mit dem Themenkreis „Nationalsozialismus-Rechtsradikalismus-Widerstand“ auseinander. Desweiteren ist in diesem „Spezialtoast“ noch von diversen, die Widerstandskraft der Jugendlichen stärkenden Aktivitäten zu berichten: Vom Faschingsfest, der Spielewoche, vom STUWE-Summerfeeling, vom E-Team“Betriebsausflug“, vom Hausbandabend. Mit widerstandskraftstärkendem Geist ausgestattet besuchten uns im April Firmlinge am Firmlingstag der Diözese Linz. Auch darüber wird berichtet. Jessica Gabriel führt in ihrer Fotostory vor Augen, welchen Dingen man im STUWE auf keinen Fall widerstehen kann. Widerständig haben wir uns auch gezeigt, was die Baustellenzufahrt über den STUWE-Grund anlangt, leider nicht ganz erfolgreich. Herzlich bedanken möchte ich mich bei den Helferinnen im red-Team, Anna und Jessica. In der Hoffnung, dass Sie auch diesem „Spezialtoast“ nicht widerstehen können ... Mag. Josef Putz


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Tugendliche Lebensarten

Was ist Tapferkeit (= fortitudo)? Flexibilität, Risikofreude, Leistungsorientiertheit, Spontaneität … Die Reihe „moderner“, gesellschaftlich relevanter Tugenden/Haltungen/Fähigkeiten ließe sich wohl problemlos weiterführen. In der diesjährigen Fastenzeit starteten wir im STUWE jedoch den Versuch, einige „Klassiker“ wieder salonfähig zu machen: Die vier sogenannten

„Kardinaltugenden“* Gerechtigkeit (iustitia) – Tapferkeit (fortitudo) – Maßhalten (temperantia) – (sittliche) Klugheit (prudentia) sollten vom Staub der Geschichte befreit werden. Nicht jedoch in erster Linie nach Art eines philosophischen Diskurses, sondern vielmehr im Modus der Tat. Zu Beginn gab´s ein Rätsel, das uns auf die Spur der vier

*Bereits Plato kannte vier Grundtugenden, der Begriff „Kardinaltugenden“ (virtutes cardinales) taucht erstmals bei Ambrosius von Mailand auf. „Kardinal“ hat hier nichts mit der Tugend eines „Kardinals“ zu tun, sondern leitet sich ab vom Wort „cardo“ (Türangel, Dreh- und Angelpunkt).


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2 Tugenden führte. Um unsere Jugendlichen nicht gleich mit zuviel Tugendhaftigkeit zu überfordern – und nicht sofort gegen Tugend Nr. 3 (Maßhalten) zu verstoßen –, stand wöchentlich jeweils eine Tugend auf dem Programm. Gleich blieb jede Woche allerdings der Prüfstein für jede/n, der/die sich anschickt, tugendhaft zu werden: Der Mammon. 2x wöchentlich wurden die Jugendlichen zur „Geldausgabe“ gerufen. Just in der Finanzkrise verteilte das STUWE Geldbeträge!! So galt es etwa in der „Gerechtigkeitswoche“, den Geldbetrag gerecht zu verteilen. Die Jugendlichen hatten 30 Minuten Zeit, zu überlegen, wer das Geld erhalten soll. Nur ein einstimmiger Beschluss wurde akzeptiert. Der/die Auserkorene durfte mit dem Geld machen, was er/ sie wollte, einzige Bedingung war, eine Woche später Rechenschaft abzulegen, was mit dem Geld passiert war. Wie wurde entschieden? Nach langwierigem Abwägen und Diskutieren ließen die Jugendlichen das Los entscheiden. Eine „gerechte“ Entscheidung? Die Entscheidungsfindung bot Anlass zur Reflexion: Was empfinde ich als gerecht? Was ist Verteilungsgerechtigkeit? Ist es „gerecht“, wenn ein Richter per Losentscheid ein Urteil fällt? Wäre es gerecht, wenn jede/r gleichviel bekäme oder geht es nach Kriterien der Bedürftigkeit? Das kleine Spielchen verdeutlichte uns sehr schnell „reale“ Verteilungsprobleme und bot Anlass für so manche Diskussionen. Neben den Geldsessions gab es noch andere Aktionen, die unsere Tugendhaftigkeit prüften: Bei einer „Gerechtigkeitswaage“ konnte man Je-

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tons einwerfen, je nachdem, ob man am jeweiligen Tag mehr gerecht gehandelt hatte, als man Unrecht erfahren hatte. In der „Mäßigungswoche“ stellten wir uns Fragen nach dem „Zuviel“ bzw. „Zuwenig“ unseres Lebens. In der dritten Woche waren die Tapferen gefragt: Mutige/couragierte Projekte mussten geplant werden und den anderen vorgestellt werden. Die „Gewinner“ durften schließlich das Projekt durchführen. Moralische Dilemmata beschäftigten uns in der „Klugheitswoche“: Verschiedene Geschichten mit ethischen Problemsituationen mussten von den Jugendlichen kommentiert und „gelöst“ werden. Wie im „echten Leben“, so wurde auch in unserem kleinen Spielchen der „Mammon“ zum wirklichen Prüfstein: So hatte sich nämlich eine kleine Gruppe gebildet, die versuchte, möglichst viel „Kohle“ zu scheffeln (z.B. indem die Mitglieder das wöchentlich erhaltene


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2 Geld jeweils der eigenen Gruppe abgaben). Dies war durchaus legitim und durch die vorgegebenen „Spielregeln“ nicht unterbunden. Einziges Problem: Um sich einen Vorteil zu verschaffen, sagten sie den anderen davon nichts, und verstießen so gegen die Vereinbarung, den anderen ehrlich Rechenschaft abzulegen, was mit dem Geld passiert sei. Wir hatten gar nicht ge-

red glaubt, dass das Ganze so real werden würde … Einhellig das Resümee vieler Jugendlicher, einiges dabei gelernt zu haben. Im Übrigen: Auch wenn die vier Tugenden schon etwas verstaubt zu sein scheinen: Vielleicht sollte man sich nach der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder ein wenig auf sie besinnen. ???????

Losentscheid oder Ausdiskutieren? Was ist eine gerechte Entscheidung? Was würde wohl „iustitia“ zu all dem sagen?


Fasching

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Ich lebe! Lasst uns feiern! Faschingsparty 2009 Fasching – die Zeit der Ausgelassenheit und der Freude, die Zeit des Feierns und des lustigen Treibens, die Zeit des Essens und Trinkens, die Zeit der Scherze und Verkleidungen, die Zeit des Singens und Spielens, die Zeit des Lachens und der Lebenslust, die Zeit, die den Alltag unterbricht ... So auch im STUWE am 11. Februar 2009: der Eintritt wurde nur verkleideten oder bunt geschminkten Personen

gewährt, die Lebenslust fand ihren Ausdruck in Tanz und Gesang, wobei „Ich lebe“ von Christl Stürmer sich als absoluter Singstar-Hit entpuppte. Beim Krapfenbüffet und bei der Sektbar wurde auch den leiblichen Genüssen gefrönt und zu guter Letzt gipfelte die Ausgelassenheit im heiteren Gemeinschaftsspiel, bei dem wir lernten, einen Esel zu besteigen.


Spiele

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Spiel, Satz und Mahlzeit! Spielewoche im STUWE In der Woche von 26. – 30. Jänner 2009 konnte man im STUWE den Spieltrieb so richtig ausleben. Alle waren eingeladen, das STUWE in eine richtige Spielhölle zu verwandeln. Dafür wurde täglich jeweils ein anderes Brett- oder Kartenspiel angeboten. Für die Teilnahme bei einem Spiel bekam der/die SpielerIn nicht nur den Spaß am Mitspielen, sondern auch einen Stempel. Wer am Ende der Woche den vom ETeam entworfenen Spielepass vollständig abgestempelt hatte, der konnte sich

letztendlich an einem STUWE-Menü – bestehend aus einem Toast, einem Getränk, einer Schokolade und einer halben Stunde Billard – stärken. So wurde nun gezockt, gekartelt, getüftelt und gelacht. Aber nicht auf das „Uno“-sagen vergessen, wenn man die vorletzte Karte ausspielt, oder wer hat beim Activity die beste Erklärung dafür, was eine „Mansube“ ist? Halten die Karten das, was das Pokerface verspricht?


Sommer

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Summerfeeling Der Sommer lässt sich in diesem Jahr zwar ein wenig bitten, dennoch haben wir ein abwechslungsreiches „summerfeeling“-Programm zusammengestellt. Dieses kann großteils – wenn der Garten etwas zu regenwasserreich und zudem durch die angrenzende Baustelle etwas getrübt wird – auch „indoor“ stattfinden. Die wenigen sonnenreichen Tage wurden jedenfalls umso intensiver genutzt. An jedem Wochentag gibt es ein Spezialangebot: Für Sportliche eignet sich am besten der Montag, der Volleyballtag. Am

Wasserschlacht

Dienstag kann sich jede/r ein STUWEMenü angeln, wobei die Geschicklichkeit zählt und nicht das beste Anglerlatein. Der Mittwoch ist der BBQ-Tag, an dem es heiß hergeht, wenn zu Mittag gegrillt wird. Am Donnerstag heißt es „shaken“ – zuerst den Hula-HoopReifen, dann den Milchshake. Wer lieber eine gemütliche Partie „Boccia“ spielt, der ist am Freitag herzlich willkommen. Und damit der STUWESommer nicht nahtlos in die Ferien übergeht, findet am 9. Juli 2009 noch ein rauschendes Sommerabschlussfest statt.


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Sommer

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E-Team

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„Betriebsausflug“ des E-Teams Am 21. Mai 2009 waren wir, das ETeam, erstmals auf Betriebsausflug. Unser Ziel war der Hochseilgarten in Kirchschlag. Um ca. halb zehn ging es los, Treffpunkt war am Linzer Busterminal. Im Bus bekam jeder der mitfuhr – Katharina, Jessica, Christoph, Anna, Paul und Aurelius – eine kleine Stärkung von Joe, nämlich eine Packung Pez. In Kirchschlag angekommen beklagten sich schon die ersten, weil wir einen Hügel hochgehen mussten, damit wir unser Ziel erreichen. Ein paar kamen sogar vor Joe ins Schwitzen! Im Hochseilgarten angekommen bekamen wir eine kleine Einweisung von unserem Tourguide, Christoph. Danach ging es auch gleich los. Paul sicherte uns am Anfang alle, damit wir unbeschadet hochkamen. Insgesamt hatten wir drei Gruppen: Paul und Anna, Jessica und Christoph und Katharina und zu guter Letzt Joe und Aurelius. Wir konnten wählen zwischen der blauen und der roten Route, oder beide nehmen. Alle außer Joe machten beide Routen, der machte in der Zwischenzeit Fotos von uns, wie wir in der Luft hingen. Wir brauchten ungefähr zwei Stunden im Hochseilgarten. Nach ca. 4 Stunden waren wir wieder am Linzer Busterminal. Jessica Gabriel


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Hausbandabend Eindrücke vom grandiosen Hausbandabend am 29.5. mit „resonance“ und „flashback experience“


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Firmlingstag

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Wenn die Begeisterten das STUWE erfüllen Diözesaner Firmlingstag im Jugendzentrum Nach dem festlichen Gottesdienst im Dom mit Rockmusik und Bischofspredigt wanderten drei Jugendgruppen – hungrig, aber guten Mutes – Richtung STUWE: Zwei Firmgruppen aus der Pfarre Wels St. Josef und eine aus Zell an der Pram. Zusammen 35 aufgeweckte Jugendliche mit ihren GruppenleiterInnen hatten vor, den diözesanen Firmlingstag am 26. April in einem der traditionsreichsten Jugendzentren zu genießen: dem altehrwürdigen STUWE. Also wurde das für gewöhnlich sonntags geschlossene Jugendzentrum geöffnet und mit Leben und Begeisterung gefüllt: Kennenlernen des STUWEs bei der STUWE-Rallye, Gesellschaftsspiele, Musizieren im Bandraum, Jonglieren, Billard und „Wuzzeln“ und nicht vergessen, miteinander Essen und Trinken – das alles stand auf dem Programm. Und da sich bei so vielen Spielen letztendlich auch Petrus nicht mehr heraushalten konnte, spielte auch er mit, und so kamen auch die Freunde des Ballsports im Garten nicht zu kurz.


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Fotostory

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Ein ganz normaler Tag im STUWE ... Fotoroman von Jessica Gabriel Ein ziemlich normaler STUWE–BÜRGER

Bei uns ist es immer lustig. Schmeckt es auch allen?

Jaaaaaa!

Nicht?


Fotostory

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Hahahahahaha

Er hat wohl nichts Besseres zu tun ...

… und wiederum andere lachen über diese Geschehnisse im STUWE.

Natürlich wird im STUWE auch geteilt.

Aber wo sind die „STUWEbehüter“ ??? … Hier sind sie! Also so einen Job möchte ich auch haben, wenn ich „groß“ bin. Alte Volksweisheit: Wen Langeweile plagt, der sollte öfters ins STUWE gehen ... Einen fröhlichen Tag noch wünscht Jessica!


Baustelle

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Baustellenzufahrt statt STUWEGartenbetrieb Bauordnung schlägt Eigentümer Nur wenige Jugendliche verirren sich diesen Frühling und Sommer in den STUWE-Garten: Statt dessen rattert Lastwagen um Lastwagen durch unsere ehemalige grüne Oase in das benachbarte Grundstück und wieder heraus. Wo vorher unsere Gartenlaube stand, wo der alte Zwetschkenbaum und der Kirschbaum blühten und Früchte trugen, führt nun eine Baustellenzufahrt und so wird es bis in den späten Herbst sein. Trotz intensiver Bemühungen des STUWE-Teams, des Vereinsvorstandes und der Diözese Linz konnte diese Baustellendurchfahrt nicht verhindert werden. Der Paragraf 15 der Oberösterreichischen Bauordnung ermöglicht es einem Nachbarn, große Bauvorhaben, die über dessen eigene kleinere Zufahrt nicht kostengünstig möglich sind, durch Benützung der angrenzenden Grundstücke durchzusetzen. Immerhin konnten wir erreichen, dass der Zugang für RollstuhlfahrerInnen durch unsere Einfahrt trotzdem möglich ist, sodass wenigstens der i-treff STUWE ohne gröbere Einschränkungen weitergeführt werden kann.

Vorher ...

… Nachher


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Plädoyer für Widerstand Anna Sourdille Durch die Beschäftigung mit unserer nationalsozialistischen Vergangenheit und der Problematik des Gehorsams im Zuge einer schulischen Vertiefungsarbeit, wurden mir viele Parallelen zur heutigen gesellschaftspolitischen Situation bzw. auch die allgemeine Weiterführung problematischer Vorgangsweisen bewusst. Tradierte Manipulationsmechanismen wie das Schaffen von Feindbildern zur Steuerung der Machthabe sollten uns an die tragischen Konsequenzen der Massenhetze Hitlers erinnern und uns helfen, klar gegen jene Politiker Stellung zu beziehen und vorzugehen, die mit derartigen Methoden arbeiten und dadurch einen großen Anteil der Wähler auf ihre Seite ziehen. In Anbetracht unserer Vergangenheit, sollte man eine besondere Sensibilität oder ein spezielles Bewusstsein für rechtsextreme Argumentationen und rassistische Denkmuster erwarten können, der Rechtsruck dieser Jahre in Österreich zeugt jedoch von einer gegenteiligen, besorgniserregenden Tendenz. Immer wieder stelle ich mir die Frage, wieso rechtsextreme Gruppierungen und Parteien gerade unter jungen Menschen so großen Zulauf finden können. Den Jugendlichen wird dort anscheinend etwas gegeben, was sie in dieser Entwicklungsstufe dringend benötigen: Bestätigung, das Gefühl wichtig zu sein,

etwas bewirken zu können, aber auch einer Gruppe anzugehören und hinter sich einen „starken Mann“ zu haben. Gerade unsichere Menschen – und in Phasen der Veränderung, wie die Pubertät eine ist, neigt man zu Unsicherheit – streben zu Konformität, um nicht alleine mit diesen Problemen fertig werden zu müssen. Erich Fromm schrieb dazu in seinem Werk „Die Kunst des Liebens“: „Wenn ich so bin wie alle anderen, wenn ich keine Gefühle oder Gedanken habe, die mich von ihnen unterscheiden, wenn ich mich der Gruppe mit meinen Gewohnheiten, meiner Kleidung und meinen Ideen anpasse, dann bin ich gerettet – gerettet vor der angsterregenden Erfahrung des Alleinseins.“ Die Tatsache, dass es selbst zur Zeit des Dritten Reiches, also während einer totalitären Schreckensherrschaft, vereinzelt junge Widerstandskämpfer gab, die den Mut hatten sich einem mörderischen Regime zu widersetzen, gibt mir allerdings Kraft und Zuversicht. Denn die Taten von beispielsweise den Geschwistern Scholl waren ein Fanal und zeugen von der raren Fähigkeit, selbst in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht zu resignieren, sich nicht unterzuordnen und zu gehorchen, sondern stets der Stimme seines Gewissens zu folgen. Sie geben mir Mut zur Nonkonformität und zu Widerstand. Und den


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brauchen wir auch, denn wenn wir erkennen, dass Gehorsam auch oft der psychologische Mechanismus ist, durch den individuelles Handeln an politische Zwecke gebunden wird, so müssen wir einsehen, wie wichtig gelegentlicher Ungehorsam und Unangepasstheit sind.

Leben in einer Demokratie, die von der aktiven Beteiligung ihrer Bevölkerung lebt.

Hans Scholl

Sophie Scholl Durch meine Beschäftigung mit dem Thema kristallisierte sich für mich die Wichtigkeit der kritischen Betrachtung meines Umfelds heraus und ich gewann die Erkenntnis, wie gefährlich die unhinterfragte Unterwerfung gegenüber einer fremden Instanz sein kann. Da Autoritäten erst durch unsere Anerkennung geschaffen werden, müssen wir uns immer wieder bewusst vor Augen halten, welche Systeme oder Disziplinen wir unhinterfragt als „naturgegeben“ höherstehend ansehen. Selbständiges, kritisches Denken ist außerdem eine Voraussetzung für das

Franz Jägerstätter


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Gesten


Steingasse 5 4020 Linz Telefon: 0732/779139 Fax: 0732/7791392 E-Mail: stuwe@dioezese-linz.at VKB-Konto: 10 621 118; BLZ 18600

Wir öffnen nach den Ferien wieder am 7. September 2009

… die Seele baumeln lassen ... Schöne Ferien!

www.stuwe.at

ConAction! Nr. 102 / 2009 Verlegt, gedruckt und herausgegeben in der EU Impressum: Medieninhaberin und Herausgeberin: Diözese Linz, Katholische Jugend OÖ; Redaktion: Jugendzentrum STUWE, Steingasse 5, 4020 Linz Fotos: STUWE (außer namentlich gekennzeichnet) Layout: Josef Putz Grundlegende Richtung: Kommunikationsorgan der Katholischen Jugend Verlags- und Herstellungsort: Linz Erscheinungsort und Verlagspostamt: 4020 Linz, P.b.b. Zeitungsnummer: GZ02Z033134M Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion übereinstimmen!


Spezialtoast 2009 Juli  

Die Zeitschrift des Jugendzentrums STUWE

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