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STUDIERENDENZEITSCHRIFT DER UNIVERSITÄT POTSDAM, JAHRGANG 4, AUSGABE 9, KOSTENLOS.

Der Neue

Uni-Präsident Günther im Interview

Bis zum letzten HEmd Skurrile Studierendenjobs: Christoph macht sich nackig

Bachelor: Drehkreuz oder Endstation? Master, Job oder Praktikum – Wege nach dem ersten „Abschluss“


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Werte Fahrgäste

in wenigen Wochen erreichen wir den Endbahnhof „Bachelor“. Viele von uns werden im kommenden Sommersemester den Bachelor abschlieSSen und dann…? Ja, dieses DANN ist die groSSe Frage. Erst mal ein Praktikum oder lieber Arbeit, oder doch gleich in den Master? Doch wie komme ich da überhaupt rein? Wir haben diese wundervolle Frühjahrsausgabe der genau diesen Themen gewidmet und versucht, euch die wichtigsten Fragen zu beantworten und der Endstation Bachelor mit Humor zu begegnen. Während ihr das hier lest, sitzen wir schon wieder an der nächsten Ausgabe. Die wird etwas ganz besonderes, denn es ist die zehnte. Jubiläum also. Lasst euch überraschen!

INhaltsverzeichnis Seite 18 Master-Desaster Seite 3 Fetzenseite

Seite 4 Uni-Wahlen 2012: Wann, wo, was, wählen? Seite 6 „Wir brauchen den langen Atem.“

Seite 21 Mit dem Wissen kommt die Verantwortung Seite 24 Kein Bock auf Master? Seite 26 Nackt Geld verdienen

Seite 28 „Spielt einfach drauf los!“ Seite 31 „Mir fällt das einfach leicht“

Seite 11 Eine Zugfahrt die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön Seite 15 Die Masterbewerbung in Berlin und Brandenburg

Seite 34 aktuelle Termine Seite 38 Impressum


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Neuer Uni-P räsi dent Pünktlich zum neuen Jahr wurde Oliver Günther zum Präsidenten unserer Universität ernannt. Der studierte Wirtschaftsingenieur und Mathematiker wechselte nach 18jähriger Tätigkeit als Professor für Wirtschaftsinformatik von der Humboldt-Universität nach Potsdam. Über seine neue Aufgabe, seine Erwartungen und die besonderen Herausforderungen vor Ort sprach die Redaktion mit ihm. der w findet ihr Intervie te komplet Das auf den folgenden Seiten.

Lange N acht der W issenschaften mit der speakU P

Am 2. Juni 2012 wird in Berlin und Potsdam die mittle rweile 12. Lange Nacht der Wisse nschaften stattfinden. Dieses Jahr bastelt auch die -Redaktion schon an Ideen und Ko nzepten für einen eigenen Beitrag. Obwohl das vollständige Programm noch nicht feststeht, dürfte sich eue r Besuch zweifelsfrei lohnen. Nä here Informationen erhaltet ihr unter www.langenachtderwissen schaften.de.

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speakUP No. 10 Zugegebenermaßen empfinden wir als Redaktion die manchmal schon noch als „unser kleines Baby“. In Wirklichkeit ist sie jedoch längst ein etablierter und (wie wir hoffen) beliebter Bestandteil des Uni-Alltags in Potsdam. Die kommende Ausgabe wird dementsprechend bereits ein kleines Jubiläum feiern: Zum Ende des Sommersemesters soll bereits die 10. Ausgabe der erscheinen. Wer daran mitarbeiten will, ist herzlich eingeladen: redaktion@speakup.to. Und alle anderen dürfen schon gespannt sein auf die besondere Nummer 10.

Hochschulen fordern mehr Geld Am 7. März nahm die Brandenburgische Hochschulkonferenz mit einer Sitzung von Studierenden, Lehrenden und Mitarbeiter_innen ihre Arbeit auf. Gemeinsam möchte man dafür eintreten, dass die Bildungseinrichtungen des Landes finanziell besser ausgestattet werden. Um die jetzt über 50.000 Studierenden-Plätze mittelfristig halten zu können, brauche man schlichtweg mehr Geld. Einen Bericht und einen Kommentar zur Konferenz findet ihr auf www.speakup.to.


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Uni-Wahlen 2012: Wann, Wo, was Wählen? Jedes Jahr erscheinen zu dieser Jahreszeit wie aus dem Nichts Unmengen an Flyern, Plakaten und aus dem Boden sprießende Stände mit jungen Leuten, die euch von ihren politischen Ideen begeistern wollen. Es signalisiert euch: Bald sind Wahlen an der Uni. An dieser Stelle möchauf die im Sommersemester anstehenden Wahte euch die len des Studierendenparlaments (StuPa) hinweisen und zeigen, was ihr mit eurem Kreuz alles bewirken könnt. Von Mandy Joachim. Das StuPa ist das höchste beschlussfassende Gremium der Studierendenschaft. Es wird einmal im Jahr von allen Studis gewählt. Seine Aufgaben sind unter anderem die Wahl des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) und der Beschluss des Haushalts der Studis. StuPa-Sitzungen sind öffentlich und finden in der Regel alle drei Wochen statt, ihr als Studierende unserer Uni könnt an den Sitzungen des StuPas teilnehmen. Die Wahl zum StuPa findet traditionsgemäß immer kurz vor Ende des Sommersemesters an drei aufeinander folgenden Tagen statt, in diesem Jahr vom 3. bis zum 5. Juli. Dann könnt ihr an allen Campus der Universität in extra eingerichteten Wahllokalen gehen und eure hochschulpolitischen Favoriten wählen. Zur Wahl stehen die Mitglieder der verschiedenen politischen Hochschulgruppen unserer Uni. Diese sind in ihrer Vielfalt mit den politischen Parteien in Deutschland vergleichbar. Mit der letzten Wahl, die laut Angaben des StuPas eine

Wahlbeteiligung von 20,6 Prozent hatte, wurden acht verschiedene Hochschulgruppen entsprechend ihres Stimmanteils mit einer unterschiedlichen Anzahl von Mitgliedern in das StuPa gewählt. Wer die verschiedenen politischen Hochschulgruppen sind und wofür ihre Mitglieder stehen, könnt ihr euch auf der Website des StuPa ansehen (http://www.stupa.unipotsdam.de). Detaillierte Infos zu den politischen Inhalten der einzelnen Gruppen findet ihr dann auf deren eigenen Internetauftritten. Mit der Wahl des StuPas könnt ihr direkt an der politischen Gestaltung unserer Uni mitwirken und nehmt somit indirekt auch Einfluss auf die Zusammensetzung des AStAs, der die Interessen der Studis unmittelbar vertritt. Wichtige Themen, die ihr mit eurer Wahl beeinflussen könnt – und solltet! –, sind zum Beispiel das kulturelle Angebot an unserer Uni, entsprechende Verhandlungen mit der Bahn zum Semesterticket, die Zusammenarbeit mit der Landespolitik und landes- sowie


Nr. 9 bundesweiten studienrelevanten Vereinigungen und ganz lebensnahe Themen, wie zum Beispiel das Essensangebot in der Mensa – Stichwort vegetarische und vegane Ernährung. Neben dem Studierendenparlament werden auch zwei studentische Mitglieder für den Senat, das höchste beschlussfassende Gremium der akademischen Selbstverwaltungen, gewählt. Die entsprechenden Vertreter_innen treten dann im Senat neben Professor_innen und Mitarbeiter_innen der Uni für die studentische Belange ein. All diese Themen betreffen direkt unser aller Leben an der Uni. Insofern ist jede_r Studierende dazu aufgefordert, sich einzubringen und wählen zu gehen. Die Wahlbeteiligung der letzten Jahre

AnzEIGE

5 stand bei Weitem nicht im Verhältnis zur Bedeutung der Wahl. Wer etwas an unserer Uni verbessern oder ändern möchte, kann hier direkt Einfluss nehmen auf die Hochschulpolitik des nächsten Jahres. Achtet also in den nächsten Wochen auf die Wahlkampagnen der einzelnen Hochschulgruppen, um die zu finden, in der ihr eure politischen Interessen wahrgenommen seht. Und geht dann gut informiert zur Wahl. Die Wahlen an der Universität Potsdam finden dieses Jahr vom 3. bis zum 5. Juli statt. Jede_r Studierende hat drei Stimmen fürs Stupa und zwei für den Senat. Außerdem werden die Fakultätsräte neu gewählt.


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„Wir brauchen den langen Atem“ Im ersten Interview mit den -Redakteur_innen Mandy Joachim und Paul Köppen spricht der neugewählte Uni-Präsident Prof. Oliver Günther, Ph.D. über seine Entscheidung für Potsdam, die aktuelle Situation unserer Universität und die besonderen Herausforderungen seiner Amtszeit – für die er sich viel vorgenommen hat. : Herr Günther, wie man hört, gab es für Sie durchaus auch andere berufliche Perspektiven und Möglichkeiten. Warum haben Sie sich dennoch für Potsdam entschieden? Günther: Ich hatte in der Tat in der Vergangenheit als Professor der HumboldtUniversität immer wieder Optionen, auch woanders hinzugehen, bin aber stets in Berlin geblieben. Dass ich jetzt nach 18 Jahren nach Potsdam gewechselt bin, hat mehrere Gründe. Natürlich hat mich die Aufgabe, eine so junge und dynamische Universität zu leiten, sehr gereizt. Die Uni ist gut aufgestellt und hat sich seit ihrer Gründung sehr positiv entwickelt. Gleichwohl gibt es hier einige sehr spezielle Herausforderungen, insbesondere finanzieller Art, wenn wir uns zur Aufgabe machen wollen, die Universität nicht nur im guten Mittelfeld zu halten, sondern weiter nach oben zu entwickeln. : In der Politik bilanziert man ja gerne nach den ersten 100 Tagen. Auch Sie sind jetzt beinahe drei Monate im Amt. Wie sieht dementsprechend Ihre erste Bilanz aus? Wie war Ihr Start in Potsdam?

Die ersten Eindrücke haben eigentlich meine Erwartungen bestätigt. Ich hatte mich vor meinem Wechsel sehr detailliert informiert – deshalb gab es jetzt auch keine wirklichen Überraschungen. Die Frage der Ausfinanzierung nicht nur der Universität Potsdam, sondern der brandenburgischen Hochschulen insgesamt ist natürlich heikel; das war mir aber klar. Folglich habe ich bereits sehr intensive Gespräche in den entsprechenden Ministerien geführt. Diese sind bisher konstruktiv verlaufen, auch wenn es Meinungsverschiedenheiten gibt. Uni-intern wurde ich sehr herzlich aufgenommen, es gab viele anregende Diskussionen mit den Studierenden und den Kolleginnen und Kollegen. Ich lege großen Wert auf solche persönlichen Gespräche. : Wo sehen Sie in den nächsten Monaten den größten Handlungsbedarf? Günther: Die zentrale Herausforderung ist momentan die Verhandlung mit der Landesregierung über die mittelfristige Finanzplanung. Wir sind der Ansicht, dass es für ein Land wie Brandenburg nicht klug ist, im bundesweiten Ver-


Nr. 9 gleich den geringsten Haushalts-Anteil für Bildung aufzuwenden. Natürlich hat Brandenburg nicht viel Geld, aber muss ich dann auch mit dem Prozentsatz ganz unten liegen? Das ist sehr problematisch. Mir ist zudem daran gelegen, das Image der Uni Potsdam in der Öffentlichkeit zu stärken. An dieser Stelle haben wir einen gewissen Nachholbedarf, viele in Deutschland wissen nicht, was wir hier machen. Das muss sich ändern. Deshalb muss es unser Ziel sein, mit noch mehr Qualität auf uns aufmerksam zu machen. : Wie ist es denn zurzeit bestellt um die Qualität von Forschung und Lehre? Wo sehen sie Probleme? Günther: Für den Bereich der Forschung werden wir versuchen, noch mehr DFG-Strukturprogramme zu realisieren: Sonderforschungsbereiche, Graduiertenkollegs und so weiter. Wir wollen auch Professoren gezielt bei den Antragsstellungen dafür unterstützen. Im Bereich der Lehre versuchen wir momentan vor allem die Problematik der Rückmeldungen von Alt-Studierenden zu lösen. Wir führen hier weiterhin Gespräche mit dem AStA und sind, so denke ich, auf einem guten Weg. Es wird darauf ankommen, in persönlichen Beratungen herauszufinden, inwieweit es im Einzelfall Sinn macht, den Magister- oder Diplomstudiengang zu Ende zu bringen, oder ob es vielleicht besser wäre, in ein Bachelorstudium zu wechseln. Mitunter muss man wohl auch eruieren, ob nicht ein Studienabbruch sinnvoller wäre, weil das ganze Studienprojekt bereits obsolet geworden ist. Es ist ja kein Geheimnis, dass es Studierende gibt in Potsdam, die zwar eingeschrieben sind, aber de facto nicht studieren. Das muss einfach geklärt werden.

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: Wollen Sie in Ihrer Amtszeit denn etwas konkret anders machen als Ihre Vorgänger? Günther: Zunächst ist festzustellen, dass von meinen Vorgänger_innen gute Arbeit geleistet worden ist. Ein etwas anderer Akzent wird sein, dass wir uns bezüglich der Ausfinanzierung der Studienplätze höhere Ziele setzen werden. Brandenburg gibt etwa 5000 Euro pro Jahr pro Student_in aus. Das ist viel zu wenig. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 7000 oder 8000. In der Vergangenheit gab es ja eine Tendenz, möglichst viele Studierende zuzulassen, allerdings ohne auf die Gegenfinanzierung zu achten. Das werden wir nicht mehr tun. Hier muss es eine Verschiebung geben: Wenn sich die Finanzierung nicht verbessert, werden wir mittelfristig sogar Studienplätze abbauen. Ich will keine Discount-Studienplätze etablieren in Potsdam. : „Discount-Studienplätze“ könnte aber vielleicht schon jetzt ein guter Begriff sein für die Studiensituation vieler Studierender: Überfüllte Seminare, Klausuren auf dem Fußboden schreiben, Lehrkräfte-Mangel – gerade in den Geisteswissenschaften ist das ja bereits Realität. Wie wollen Sie hier Abhilfe schaffen?


8 Günther: Als Präsident möchte ich mich natürlich um alle Fachdisziplinen bemühen. Was Sie jetzt gerade beschrieben haben, ist letztlich eine Folge der Tatsache, dass Brandenburg sich im Wesentlichen in das Marktsegment Discount-Studienplätze begeben hat. Die Konsequenz ist das, was Sie sehen. Wenn wir 7000 Euro pro Student_in pro Jahr zur Verfügung hätten – wie zum Beispiel in Berlin –, könnten wir ganz anders verfahren. Wir könnten die Lehraufträge angemessen vergüten, was überfällig ist; wir könnten überhaupt mehr und bessere Lehre anbieten. Dass sich die Unterfinanzierung nun unterschiedlich auf die Fachrichtungen verteilt, liegt nicht an unserer Steuerung, sondern an der generellen Nachfrage. Die ist in den Geisteswissenschaften nun mal sehr hoch, in manchen anderen Fächern hingegen gibt es weniger Bewerber_innen als Studienplätze. Das setzt sich direkt um in die Studiensituation. Wir werden hier wohl mit numeri clausi reagieren müssen, weil wir künftig nicht mehr so viele Studierende aufnehmen können, sollte es

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keine entsprechende Gegenfinanzierung geben. : Der Fokus bei einer solchen Studienplatz-Reduzierung läge dann also auf den geisteswissenschaftlichen Disziplinen oder gebe es eine allgemeine Verteilung über Fakultätsgrenzen hinweg? Günther: Was das angeht, bin ich vielleicht doch auch Wirtschaftswissenschaftler. Wenn ich sehe, dass Nachfrage nach einem Studiengang besteht und Nachfrage nach Absolventen, dann gibt es keinen Grund, Zulassungszahlen herunterzufahren. Der Arbeitsmarkt ist jedoch ein wichtiger Indikator. Ein glückliche_r Absolvent_in ist, wer einen Arbeitsplatz findet und einen Beitrag für das Wohl der Gesellschaft leisten kann. Das Leben in prekären Arbeitsverhältnissen zu fristen, kann nicht das Ziel sein. Wer nach fünf Jahren zu dem Schluss kommt, er oder sie hätte lieber etwas anderes studieren sollen, um einen Job zu finden, kann nicht zufrieden sein. Arbeitslosigkeit ist eines der größten Unglücke heutzutage. Und


Nr. 9 wenn es einen Bereich gibt, wo Tausende von Absolvent_innen produziert werden, die von Gelegenheitsjobs leben müssen, dann ist das keine gute Allokation von Steuergeldern. Generell will ich die Studierendenzahl aber auf dem Niveau der letzten Jahre halten. Ich teile jedoch nicht die Meinung der Landesregierung, dass diese Plätze bereits ausfinanziert sind. Im Gegenteil. Die Entwicklungen der letzten Jahre, in denen immer mehr Studierende nach Brandenburg kamen, aber die Finanzmittel im Wesentlichen konstant geblieben sind, waren dramatisch. : Solche Überlegungen haben ja auch zur Gründung der Brandenburgischen Hochschulkonferenz geführt. Welche Ziele und Erwartungen haben Sie an dieses Projekt? Günther: Wichtigster Zweck der Hochschulkonferenz ist Kommunikation. Wir wollen zeigen, warum Hochschulen wichtig sind für ein Land wie Brandenburg und warum die bisherige Unterfinanzierung allen Beteiligten schadet. Wir müssen auf breiter Basis nach außen kommunizieren, dass es uns hier nicht um goldene Wasserhähne geht, sondern um ein Ende der Discount-Studienplätze. Damit wollen wir die zuständigen Ministerien genauso erreichen wie alle anderen. Auch der Agrar-Politiker und letztlich jede_r Steuerzahler_in soll verstehen, warum Brandenburg langfristig gute Hochschulen braucht und warum das Geld kostet – und zwar pro Bewerberplatz genauso viel Geld wie zum Beispiel in Niedersachsen oder Mecklenburg-Vorpommern. Das muss die breite Öffentlichkeit erfahren. Für alle wollen wir ein Gesprächspartner sein.

9 : In den Ministerien erklären, wofür Universitäten gut sein könnten – macht ein Gespräch hier überhaupt Sinn, wenn das erst erklärt werden muss? Das ist eher ein Kampf um Aufmerksamkeit wie in jeder Lobby-Arbeit. Wir müssen unsere Prioritäten erklären und damit in die Köpfe der Leute kommen. Brandenburg wird ohne gute Hochschulen absteigen, das müssen wir argumentieren. Auch die demographische Entwicklung kann kein Argument gegen eine höhere Bildungs-Finanzierung sein, sondern dafür. Wir müssen attraktiver werden, um dann junge Leute von außen nach Brandenburg zu locken. : Es gibt landesweit nicht wenige, die glauben, kooperative Kommunikation sei längst unmöglich geworden zwischen Politik und Bildungsinstitutionen. Sie sind da optimistischer? Günther: Für die Hochschulkonferenz haben wir uns bewusst auf die Betonung unserer Gesprächsbereitschaft festgelegt. Das war Programm, weil wir glauben, dass dies der produktivste Weg ist. Ich persönlich bin bezüglich der Mittel, die wir einsetzen, völlig pragmatisch, solange sie legal sind. Wenn ich der Ansicht wäre – was ich aber nicht bin –, gemeinsame Demonstrationszüge seien sinnvoller als die Hochschulkonferenz, hätte ich das auch gemacht. Wir brauchen jedoch eher einen langen Atem. Um langfristig vom letzten Platz wegzukommen und Entwicklungsperspektiven zu schaffen, setze ich auf Dialog. Das hat nichts mit Konfrontation-Scheu zu tun. Die Partnerschaft zur Landesregierung ist einfach eine Conditio sine qua non. Wir müssen


10 hier Schritt für Schritt die Entscheidungsträger_innen überzeugen, dass Investitionen in die Hochschulen sich lohnen. : … Das klingt nach Sisyphusarbeit… Günther: Natürlich wäre es mir lieber, ein solcher Überzeugungsprozess ginge schneller. Aber wir brauchen den langen Atem. Auch meine sechsjährige Amtszeit ist eigentlich keine hinreichend langfristige Perspektive, wir müssen uns für 10 bis 15 Jahre überlegen, was passieren soll. Um hinsichtlich der Ausfinanzierung von Studienplätzen ins Mittelfeld zu kommen, bräuchten wir 50 Millionen Euro mehr pro Jahr. Das entspräche einer Steigerung von 20 Prozent. Jedes Jahr ein Prozent – und dann könnten wir es in knapp 20 Jahren schaffen. Wie gesagt, wir brauchen den langen Atem. Das ist der beste Weg zum Ziel.

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: Ein langer Weg. Wie wird die Uni nach Ihrer Amtszeit aussehen? Günther: Wäre ich nicht optimistisch, hätte ich den Job gar nicht erst angetreten. Ich bin zuversichtlich, dass es uns gelingen wird, den Bürger_innen Brandenburgs die Zukunftsbedeutung der Hochschulen klarzumachen. Gleiches gilt für die Umsetzung unseres Zieles hinsichtlich der Normalfinanzierung der Studienplätze. Und ich glaube auch, dass wir die gute Qualität von Lehre und Forschung in Potsdam halten und in bestimmten Bereichen sogar verbessern können. Die Bedingungen dafür müssen geschaffen werden. Dafür arbeiten wir. Das bedeutet nicht status quo, das bedeutet mehr, als uns momentan von der Politik ermöglicht wird. spräch.

: Vielen Dank für das Ge-


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EINE ZUGFAHRT DIE IST LUSTIG, EINE ZUGFAHRT DIE IST SCHÖN ... Seit drei Monaten werden die Gleise zwischen Berlin-Wannsee und Grunewald fleißig modernisiert. Die Kombination aus Umbaumaßnahmen und Winter ließ viele Studierende um eine sorgenfreie An- und Abreise zur Universität Potsdam bangen. Mittlerweile sind die Wintermonate vorüber und ein erstes Zwischenfazit ist möglich. Von Fabian Lamster. Noch acht Monate. Dann stehen nicht nur wieder der Winter und die Weihnachtszeit unmittelbar vor der Tür, sondern auch deutlich mehr Regionalzüge am Potsdamer Hauptbahnhof. Am 08.12.2012 sollen die Umbaumaßnahmen seitens der Deutschen Bahn beendet sein. Damit einher geht auch das Ziel, dass Regionalzüge im Viertelstundentakt zwischen Bundes- und Landeshauptstadt verkehren. Doch bis dahin ist bekanntermaßen noch ein wenig Zeit. Pendelnde zwischen Berlin und Potsdam müssen bis dahin mit der S7, dem RE1 sowie dem RB21 ihr Glück versuchen. Die Mehrheit der Pendelnden hat sich dabei bereits an das seit Dezember 2011 an den Start gegangene Alternativkonzept gewöhnt. Doch hat dieses Konzept auch den sonst problematischen Wintermonaten trotzen können? Rückblick: 11. Dezember 2011, Hauptbahnhof Potsdam. Die Sonne strahlt, einige Passagier_innen warten an den Bahnsteigen auf ihre Züge, alles wirkt normal. Doch der Blick auf Bahntafeln und Plakate am Bahnhof verdeutlicht, dass an diesem Sonntag nichts normal ist. ,,Sperrung der Fernbahngleise“ steht auf einem der vielen Plakate. Was war geschehen?

Damit die Regionalzüge ab Dezember 2012 im Viertelstundentakt zwischen Berlin und Potsdam verkehren können, sind Umbau- und Sanierungsarbeiten zwischen Berlin-Wannsee und Grunewald notwendig gewesen. Dies bedeutete, dass für jegliche Regionalzüge der Deutschen Bahn in Richtung Berlin in Wannsee Endstation war. Umleitungen der Linie RE1, des RB21 sowie eine mit Vollzügen ausgestattete S7 sollten die Kapazitäten der Regionalzüge auffangen und ein sorgenfreies Pendeln ermöglichen. Viele Studierende waren schockiert, als sie die Nachricht von der Vollsperrung ereilte. Was, wenn Schnee und Eis erneut den Kampf gegen die öffentlichen Verkehrsmittel gewinnen? Und warum soll gerade die im Winter 2010 so anfällig gewesene S-Bahn dazu in der Lage sein, die Fahrgastströme aus den Regionalzügen aufzufangen? Schnell war im Vorfeld in Studierendenkreisen von der „Weltreise Uni-Anund Abfahrt“ die Rede. Einige Studis spielten sogar mit dem Gedanken eines den Umbaumaßnahmen geschuldeten Urlaubssemesters. Und es schien zunächst so, als würden sie Recht behalten: Am 15. Dezember 2012, vier Tage nach dem Beginn der Vollsperrung, war die


12 Landeshauptstadt Potsdam für Stunden vom Zugnetz abgeschnitten. Ein durch Bauarbeiten verursachter Stromausfall in der Betriebszentrale der Berliner S-Bahn sorgte dafür, dass der komplette S-Bahn Verkehr in Berlin und Brandenburg zum Erliegen kam. Unzählige Potsdamer Studierende hatten an diesem sonnigen Donnerstag wohl eine dermaßen zeitintensive An- und Abreise zur Universität Potsdam, dass ihnen dieser Tag wohl auch noch gegenwärtig in Erinnerung sein dürfte. Schätzungen zu Folge waren Hunderttausende Fahrgäst_innen betroffen, die in S-Bahn Zügen oder an Bahnhöfen festsaßen, möglicherweise auch in maßlos überfüllten Bussen ihr Glück auf die Probe stellten. Viele waren zutiefst empört über die Vorfälle. ,,Wie wird das erst, wenn die ersten Schneeflocken fallen?“, fragten sich nicht wenige Reisende und Studierende. Der befürchtete Worst Case war für viele insgeheim bereits zu diesem Zeitpunkt eingetreten. Doch die kommenden Monate sollten sie eines Besseren belehren.

Der lange und intensive Winter blieb im Großen und Ganzen aus, auch wenn von Mitte Januar bis Mitte Februar ein arktisches Tief für akute Festfriergefahr in ganz Berlin und Brandenburg sorgte. Tendenziell war es dennoch ein kurzer und verhältnismäßig milder Winter, sodass die in der Vergangenheit krisengebeutelte S-Bahn trotz Fahrpersonal-Mangel zumeist in ungewohnter Souveränität zwischen Berlin und Potsdam fuhr. Davon profitierten auch die in Berlin lebenden Studierenden aller Campi der Universität Potsdam. Durch eine fünfminütige Lehrveranstaltungsverzögerung war es den Student_innen am Neuen Palais des Weiteren möglich, auf den ebenfalls seit 11. Dezember verkehrenden RB21 zurückzugreifen. Grundsätzlich sorgte dies für eine Entlastung der S7. Zwar war diese bezüglich der Fahrgastkapazitäten häufig gut gefüllt, allerdings ist zumeist ein angenehmes Fahren möglich gewesen. Das Szenario der maßlos überfüllten S7 bestätigte sich zum Wohl aller Fahrgäst_innen im Wesentlichen nicht. Zwar mussten sich die Reisenden zu Beginn der Baumaßnahmen an den Alternativfahrplan gewöhnen, was aber zu keinen größeren Problemen geführt haben dürfte. So gab und gibt es nach wie vor mit RE1, RB21 und S7 gleich drei Möglichkeiten, um von Berlin zum Potsdamer Hauptbahnhof zu gelangen, sodass jede_r Pendler_in sich seinen individuellen Plan zusammenstellen kann. Viele Wege führen bekanntlich eben nicht nur nach Rom, sondern seit dem 11. De-


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14 zember auch nach Potsdam. Trotzdem die Züge meist pünktlich waren, kam es ab und an doch zu Verspätungen. Das ist so weit keine besondere Neuheit seitens der Deutschen Bahn und S-Bahn. Belastend wurde es für Studierende nur dann, wenn durch die Verspätung eines Zuges die Folgeverbindungen kurzerhand verpasst wurden und so ärgerliche Fahrzeitverlängerungen von bis zu einer Stunde aufgrund einer fünf- oder zehnminütigen Verspätung entstehen konnten. Nicht gänzlich unerwähnt bleiben soll auch die Leistung der Busse des ViP, des Potsdamer Verkehrsbetriebs. Auch ihnen war durch den sanften Winter ein größtenteils problemloses Verkehren möglich. So waren vom Potsdam Hauptbahnhof mit den Linien 605, 606, 695 und X5 gleich vier verschiedene Buslinien im Einsatz. Sie sorgten dafür, dass im ZehnMinuten-Takt immer ein Bus in Richtung

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der Campi Neues Palais oder Golm unterwegs gewesen ist. In diesem Sinne bleibt die Hoffnung bestehen, dass das Alternativkonzept der Deutschen Bahn und die Verstärkung der Buslinien auch die ausstehenden acht Monate so ordentlich funktionieren. Die Wintermonate und damit die für Fahrgäste vermeintlich nervenaufreibendsten Monate sind zwar schon vorüber, das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht doch auch in Frühlings- und Sommermonaten zu Problemen kommen könnte. Schließlich ist es in den vergangenen Jahren, speziell in den heißen Sommermonaten, dazu gekommen, dass hitzebedingt die Technik kapitulierte und Züge ausfielen. Wenn allerdings der Sommer in diesem Jahr von ähnlich kurzer Intensität wie der Winter ist, dürfte auch dann ein Worst Case in den öffentlichen Verkehrsmitteln ausbleiben.


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DIE MASTERBEWERBUNG IN BERLIN UND BRANDENBURG Für die Bewerbung zum Bachelorstudium gibt es fast überall einheitliche Bewerbungsfristen für die staatlichen Universitäten. Hunderte Beratungsbücher und Hefte helfen bei der Auswahl der Studienrichtung und geben Tipps rund um den Campus. Doch mit der Masterbewerbung geht der ganze Spaß von vorne los – und der Aufwand dafür ist nicht gerade gering. Von Laura Krause. ,,Abweichende Termine‘‘ heißt es bei der Suche nach den Bewerbungsfristen auf der Homepage der Europa-Universität Viadrina. Und Hinweise wie ,,Achtung! Bei den genannten Fristen handelt es sich um eine Ausschlussfrist! Unterlagen, die nach Ablauf der Frist eingehen werden nicht berücksichtigt!‘‘ lassen den Ernst der Lage erkennen. Die Einfachheit des Bachelors ist vorbei und nur wer hartnäckig ist und sich früh genug informiert, hat die Chance auf einen der begehrten Masterplätze. Eine andere Art des Survival of the Fittest. Wie ihr euch besser im Masterchaos zurechtfindet und euch für Fristen und Formalien fit macht, erfahrt ihr hier.

1. Schritt: Auswahl des Studiengangs Die Auswahl ist groß und muss von jeder oder jedem Studierenden ganz individuell und nach persönlichen Interessen getroffen werden. Die wohl interessanteste Neuerung des BachelorMaster-Systems ist die Auswahl zwischen I) konsekutiven Mastern, die dem Bachelorstudienfach so ähnlich wie möglich sein sollen. II) Nicht-konsekutive Master

hingegen bieten eine Möglichkeit zur Neuorientierung nach dem Bachelorstudium, das inhaltlich nicht zum Master passen muss. Außerdem gibt es die Option, zwischen Bachelor und Master eine Zeit lang berufliche Erfahrungen zu sammeln und danach einen sogenannten III) weiterbildenden Master zu beginnen, der meist eine Berufstätigkeit von mindestens einem Jahr voraussetzt. Die Freie Universität Berlin bietet hier z.B. einen Master in Gender- und Diversity-Kompetenz oder in Angewandter Literaturwissenschaft an, der explizit auf die Arbeit im Verlagswesen vorbereiten soll. Bei den Lehrämtler_innen ist die Studienrichtung schon genau vorgegeben, denn die Masterstudiengänge setzen die Fächerkombination des Bachelors fort. Die Universitäten bieten für jeden lehramtsbezogenen Bachelorstudiengang einen aufbauenden Master an derselben Uni an.

2. Schritt: Die Frist Die Auflistung der Bewerbungsfristen für alle Masterstudiengänge der staatlichen Universitäten in Berlin und Brandenburg wäre wahrscheinlich eine Arbeit


16 von Wochen. Die folgenden Beispiele sollen euch jedoch einen Überblick verschaffen. Allgemein gilt: Es gibt keine einheitlichen Bewerbungsfristen! Und vor der Bewerbung sollte man sich für jedes Fach individuell erkundigen, auch wenn z.B. die Humboldt-Universität eine allgemeine Frist auf ihrer Homepage veröffentlicht hat. Tendenzen lassen sich trotz der vielen Unterschiede erkennen: Freie Universität Berlin (FU): Hier variiert das Ende der Bewerbungsfrist für das WS 2012/13 u.a. zwischen dem 30.06.2012 (weiterbildende Master) und dem 31.05. (zulassungsbeschränkte Master). Humboldt-Universität zu Berlin (HU): WS 2012/13: 01.06. – 15.07.2012; SS 2013: 01.12. – 15.01.2013. Universität der Künste Berlin (UdK): Hier enden die Bewerbungsfristen aufgrund der besonderen Anforderungen oft früher als bei anderen Unis, z.B.: Architektur: 15.05. – 31.05.2012; Bildende Kunst: 15.03. – 31.03.2012; Design: 15.03. – 14.04.2012. Technische Universität Berlin (TU): SS 2012: bis zum 16.01.2012 (zulassungsbeschränkte Master) und bis zum 02.04.2012 (zulassungsfreie Master); WS 2012/13: bis zum 15.07.2012 (zulassungsbeschränkte Master) und bis zum 01.10.2012 (zulassungsfreie Master). Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU): WS 2012/13: 16.05. – 15.07.2012 (zulassungsfreie Master) und bis zum 30.08.2012 (weiterbildende Master). Universität Potsdam (UP): WS 2012/13: bis zum 01.06.2012; SS 2013: bis zum 15.01.2013 (Hier wird jedoch

darauf hingewiesen, dass die Uni plant, die Fristen abzuändern). 3. Schritt: Bewerbungsunterlagen zusammensuchen Auch hier überrascht es nicht, dass die Anforderungen von Universität zu Universität variieren. Doch anders als die spezifischen Eignungsprüfungen für Sporthochschulen, Musik oder Schauspielkunst werden einige Wegbegleiter auf uns alle zukommen: — Die Online-Bewerbung: Die meisten Universitäten haben auch für die Masterbewerbungen Online-Formulare, bei denen die fehlenden Unterlagen noch ergänzt werden müssen. Das jeweilige Onlineportal ist je nach Bewerbungsfrist geöffnet (Lehramt ist hier oft ausgenommen). — Ausnahmen bilden außerdem Masterstudiengänge, die gemeinsam mit anderen Hochschulen angeboten werden sowie weiterbildende Master, für die man sich oft direkt beim Fach bewirbt. — Der tabellarische Lebenslauf ist bei jeder Bewerbung obligatorisch. — Eventuell beizulegen ist eine Kopie der Exmatrikulationsbescheinigung (je nach Universität). — Die amtlich beglaubigte Kopie des Hochschulabschlusses bzw. eine vorläufige Bescheinigung des Prüfungsamtes über den bevorstehenden Abschluss sind immer notwendig. — Bei weiterbildenden Masterstudiengängen muss man einen Nachweis über eine (meist einjährige) berufliche Tätigkeit erbringen. — Ein meist ein- bis dreiseitiges Motivationsschreiben, auf das manche Uni-


Nr. 9 versitäten besonders viel Wert legen und es höher in der Gesamtbewertung des Bewerbers/ der Bewerberin gewichten als andere, ist wie der Lebenslauf Grundbestandteil. — Der Bewerbung beizulegen ist außerdem eine Liste der belegten Lehrveranstaltungen mit Semesterwochenstundenumfang und Leistungspunkten sowie der Leistungsbewertung (auch Transcript of Records genannt). — Ggf. ist eine amtlich beglaubigte Kopie der Sprachnachweise notwendig. Meist wird z.B. ein Englischniveau C1 erwartet, was u.a. dem abgeschlossenen UNIcert III-Kurs entspricht oder über den TOEFL-Test sowie das CAE (Cambridge ,,Certificate in Advanced English‘‘) nachgewiesen werden kann. Hier gilt es, sich sehr rechtzeitig zu informieren, was die einzelnen Universitäten verlangen, um noch genug Zeit zu haben, um beispielsweise einen mehrsemestrigen UNIcert-Kurs oder einen Intensivkurs in den Semesterferien zu machen, denn ein zweiwöchiger Vorbereitungskurs für den TOEFL-Test kann bis zu 420 Euro zusätzlich der Kosten für den eigentlichen Test betragen. — Für manche Studienrichtungen wie z.B. den Master Betriebswirtschaftslehre muss zusätzlich zu den anderen Unterlagen eine Kopie der Abschlussarbeit des vorausgehenden Studiums eingereicht werden, aber auch dies muss individuell recherchiert werden.

17 4. Schritt: Abwarten und Alternativen in Betracht ziehen Wenn einmal alle Bewerbungsunterlagen abgeschickt sind und wieder Zeit zum Durchatmen bleibt, ist zu überlegen, was passiert, wenn man seinen Wunschstudienplatz nicht erhält. Alternativen können ein mehrmonatiges Praktikum sein, einem lebenslauferweiternden Job nachzugehen oder sich vielleicht für eine Tätigkeit im Ausland zu bewerben. All dies kann nützlich sein, um weitere Kompetenzen zu erwerben, die bei der nächsten Bewerbungsrunde attraktiver machen und ganz im Sinne des Survival of the Fittest im Konkurrenzkampf stärken. Vielleicht kann diese Zeit aber auch hilfreich sein, um in sich zu gehen, sich von praktischen Erfahrungen oder interessanten Tätigkeiten inspirieren zu lassen und schließlich doch nicht dem traditionellen Weg des konsekutiven Masters zu folgen und so sein ganz persönliches Ziel anzuvisieren und zu erreichen.


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Master-Desaster Irgendwann ist es soweit: Das Bachelorstudium nähert sich dem Finale. Ob Master oder nicht, das muss nun entschieden werden. Doch Vorsicht! Eine Bewerbung zum Master, auch an der gleichen Uni, ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellen mag. Von den Höhen und Tiefen ihrer Masterbewerbung in Potsdam erzählt, zugegebenermaßen immer noch ganz schön sauer, Mandy Joachim. Es war also im letzten Herbst soweit. Mein letztes Bachelorsemester stand kurz bevor. Nur noch wenige Wochen und eine kleine Bachelorarbeit trennten mich vom Masterstudium. Dachte ich zumindest… Was ich mir nicht mal im Traum vorstellen konnte, war, dass es ein nervenzerreißender Kleinkrieg werden sollte, bis ich endlich meine Masterzulassung in der Hand halten würde. Und was ich dann erst später herausfinden sollte: Diese Zulassung war ohnehin nichts wert ohne eine Masse an anderen Formularen, um die ich noch kämpfen musste. Aber der Reihe nach. Mit der Anmeldung der Bachelorarbeit ging alles los. Konnte so schwer ja nicht sein, dachte ich. Nachdem ich einen Prüfer gesucht und gefunden hatte, mit ihm mein Thema besprochen und dieses dann beim Prüfungsausschuss abgegeben hatte, fühlte ich schon mal super. Nur noch auf den Bescheid vom Ausschuss warten und dann ab zum Prüfungsamt, welches mir dann final erlauben würde, meine Arbeit so zu schreiben, wie ich mir das mit dem Prof überlegt hatte. (Ja, ihr lest richtig! Es sind schon mal drei Instanzen nötig, um überhaupt ein Thema bewilligt zu bekommen…)

Ich hatte meine Rechnung aber ohne meinen Zweitprüfer gemacht. Der war nämlich mit dem Konzept meiner Arbeit, welches ich wohlgemerkt mit meinem Erstprüfer so besprochen hatte, überhaupt nicht einverstanden. Meine Weihnachtsferien waren dahin. Mich beherrschte nun die Angst, es keinem von beiden recht machen zu können. Ganz zu schweigen von den Ansprüchen, die ich an meine eigene Arbeit hatte. Nerventee und gutes Zureden vom Freund halfen ein wenig, sodass ich mich dann doch noch auf das Schreiben konzentrieren wollte… aber nicht konnte. Ich musste mich ja nun auch noch um den Masterplatz bewerben. Also wollte ich mich auf der Homepage meines Instituts informieren. Habe ich auch geschafft, doch am Ende hatte ich drei verschiedene Termine, an denen die Bewerbungsfrist endete, und fünf verschiedene Sammlungen von Formularen, die ich einreichen sollte, die ich vorher aber noch von zwei verschiedenen Institutionen der Uni beglaubigen lassen musste. Zu der Verwirrung um die Frage, wann ich welche Formulare abgeben sollte, kam der Umstand, dass ich das nicht an der Uni machen konnte, sondern bei einem Unternehmen


Nr. 9 in Berlin: uniassist. Aha! Na gut, habe ich da also angerufen, um noch einmal völlig andere Infos zu erhalten, als ich sie mir vorher aus den unterschiedlichen Angaben im Internet zusammengereimt hatte. Ich wollte nur noch abhauen! Bin aber da geblieben und dachte, es wäre doch eine gute Idee, den Beauftragten meines Prüfungsausschusses zu fragen. Der sollte doch wissen, wie das alles geht und wann ich welche Formulare wo hinschicken, wo beglaubigen lassen und wo dann abgeben soll. Er jedoch verwies mich zurück auf die Homepage… Nachdem ich mich davon erholt, einfach alle möglichen Formulare von allen Büros beglaubigt, zu allen Stellen hingeschickt und darüber meinen eigenen Geburtstag vergessen hatte, fiel mir etwas Wichtiges wieder ein: meine Bachelorarbeit. Der Abgabetermin rückte näher. Mittlerweile hatte ich aber von mehreren Seiten gehört, dass meine angestrebte Seitenzahl die falsche wäre. Zu viel Text hieß es. Naja… mit dem Recherchieren von Formalien hatte ich ja nun schon Erfahrung und machte auf die Suche nach meiner Studienordnung. Die gab es aber nicht mehr. Nur eine, die vorher aktuell war, und die ganz neue. Ich habe mich für die geforderte Seitenzahl entscheiden, die zwischen den beiden Angaben lag – die goldene Mitte also. Die Arbeit habe ich dann abgegeben, irgendwie sogar pünktlich. Dann bin ich den weiteren Noten

19 meines Studiums hinterhergelaufen, die nämlich noch rechtzeitig verbucht werden mussten. Schließlich war die Zulassung zum Master, die ich mittlerweile erhalten hatte, solange nichts wert, bis innerhalb einer knappen Deadline alle meine Noten aus den Vorsemestern auch richtig bei PULS vermerkt waren. Auf mir heute völlig unverständliche Weise habe ich das aber alles geschafft: Ich hatte meine Arbeit abgegeben, alle anderen Noten zusammen, eine erneut beglaubigte Notenübersicht vom Prüfungsamt erhalten und es dabei sogar vermieden, durchzudrehen. Vor vier Wochen war es dann soweit. Ich konnte zum Studierendensekretariat gehen – ja, das ist etwas anderes als das Prüfungsamt – und wurde endlich in den Master immatrikuliert. Von den Schwierigkeiten, die mir die fehlende Master-Immatrikulationsbescheinigung bis dahin mit dem Bafög-Antrag gemacht hatte, will ich hier aus Platzgründen nicht auch noch erzählen. Wie es am Ende überhaupt möglich war, wirklich Masterstudentin zu werden, und das ohne bescheuert zu werden, ist mir nicht ganz klar. Geholfen haben sicherlich… Ach was soll‘s. Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie ich das geschafft habe. Ich drücke euch jedenfalls für eure Bewerbung alle Daumen und rate euch, euch schon mal mit Baldrian anzufreunden.


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Mit dem Wissen kommt die Verantwortung In jeder Ausgabe stellen wir euch Leute vor, die es auf verschiedensten Wegen an die Uni Potsdam gezogen hat. Manche mussten tausende Kilometer im Flieger zurücklegen, andere kommen aus den verstecktesten Dörfern, wieder andere nehmen seit jeher morgens die S-Bahn. Doch sie alle wollen verstehen, wie die Welt so tickt. Souher aus Berlin studiert Politik und Philosophie ‒ und glaubt. Von Denis Newiak. Etwa eine Million Menschen flohen aus dem Libanon, als dort der mörderische Bürgerkrieg tobte. Als die Eltern auf der Flucht nach Deutschland waren, saß Souher schon im Bauch ihrer Mutter – und kam kurz darauf in Berlin zur Welt. Zwanzig Jahre später hat sie fünf Geschwister, die kleine Drei-Zimmer-Wohnung platzt aus allen Nähten. Nach dem Abitur – mit ihrer Durchschnittsnote 1,6 gehöre sie in ihrer Familie „mit zu den Schlechtesten“, wie Souher selbst von sich sagt – zog sie mit ihrem Bruder zusammen, um zu studieren. „Ich wusste bis zum letzten Moment

nicht, was ich studieren sollte. Naturwissenschaften waren nicht so meine Sache, aber die Geistes- und Sozialwissenschaften boten so viel, wofür ich mich schon immer interessierte, da fiel die Wahl sehr schwer“, erinnert sich die Berlinerin. Auch wenn manche es lieber gesehen hätten, wenn sie etwas „Handfestes“, Medizin oder Jura, studiert hätte, entschied sie sich letztlich für Politik und Verwaltung, erst mit Anglistik, nun stattdessen mit Philosophie im Nebenfach. „Ich wollte die Welt mit ihren Strukturen und Mechanismen verstehen.“ Zur Philosophie wechseln wollte Souher nach einem Seminar bei Frau Zamirirad, fasziniert von der „anderen Perspektive“ auf das Leben schauen zu können. „Was kann ich wissen, was soll ich tun, was darf ich hoffen, was ist der Mensch? Das sind spannende Fragen, denen ich nur schwer widerstehen konnte.“ Manchmal überfordert einen die Welt mit ihren Widersprüchen und ihrer Komplexität. „Dem Ohnmachtsgefühl kannst du nur mit Wissen begegnen“, ist Souher überzeugt. „Und wer Wissen hat, hat die Verantwortung, daraus Konsequenzen zu ziehen.“


22 Souher trägt ein Kopftuch. Als sie im vergangenen November bei der „speakUP Schreibwerkstatt“ mitgemacht hatte, waren die Haare noch unverhüllt. „Dass es einen Gott gibt, hatte ich immer in mir. Daran habe ich nie gezweifelt“ – Fitra wird das genannt, wenn ein Mensch glaubt, mit dem Glauben auf die Welt gekommen zu sein. Nach einem schier unerklärlichen Erlebnis stand für Souher fest, dass sie das Tuch tragen möchte. „Es hat eine innere und äußere Komponente. Einerseits soll das Kopftuch die Frau und ihre Scham schützen, mit ihr redet ein Mann ganz anders. Andererseits gehe ich damit eine Verpflichtung ein, mich selbst anders zu verhalten“, sagt die Gläubige. Manche Artikel schreiben sich fast wie von allein, bei anderen ziehen Autor_innen unzählige Wikipedia-Artikel, Reclam-Einführungen und Gespräche mit Bekannten heran. Egal, wie es läuft: Vieles bleibt trotzdem immer unklar. Zum Beispiel, warum Frauen ein Kopftuch tragen möchten. Dass es nämlich im Islam nach dem Koran – dem Heiligsten der Muslim_innen – eine Pflicht dazu gebe, ist sehr umstritten. „Eine Frau sollte ihre Scham schützen. Die Reize könnten in einem Mann Triebe ansprechen, die er nicht mehr zurückhalten kann.“ – Menschen, die keine Frauen sind und auch nicht gläubig, können das sehr merkwürdig finden – und gleichzeitig irgendwie sehr gut nachvollziehen. Auf die wichtigen Lebensfragen scheint es mehrere Antworten zu geben. Manche glauben eben an den Koran, andere an die heilige Marktwirtschaft, wieder andere den uns rettenden technologischen Fortschritt. Manche glauben sogar an Apple.

Wer nicht daran glaubt, dass ein Mensch mit seiner Religion geboren wird, fragt nach den Gründen – und sucht sie in der Familie. Bei Souher sind sie nicht unmittelbar zu finden. „Meinen Vater habe ich noch nie über Religion sprechen hören“, sagt die Studentin. Ihre Mutter wisse zwar wenig über den Islam, doch sie bete. Aber wer tut das nicht? Das Leben in einer neuen Kultur, mit wenig Geld unter teils sehr schwierigen Lebensbedingungen war nicht immer einfach. „Man könnte sagen, wir haben eine Stütze gesucht“, im Glauben haben die Geschwister sie anscheinend gefunden. Neben dem Studium ist Souher im Verein der „Muslime aller Herkunft deutscher Identität“ organisiert. Als Onlineredakteurin will sie den interreligiösen und interkulturellen Dialog fördern. Früher hat sie noch Basketball gespielt, außerdem zeichnet sie gern, „vor allem den menschlichen Körper. Das ist etwas sehr Ästhetisches.“ Zwar zeichne sie nie nach lebendigen Modellen, aber falls sie es sich mal anders überlegen sollte, braucht sie nur auf Seite 26 zu schauen (Christophs Artikel Aktmodell). Ob das ein Widerspruch zum Glauben wäre? „Nein, das ist natürlich nicht verboten“ – warum sollte es das auch sein, gibt es denn nichts Schlimmeres, als gern Menschen zu zeichnen? Wer auf Souhers „Facebook“-Profil schaut, wird sehen, dass sie kürzlich beim Shisha-Rauchen eine kleine Wesenskrise durchmachen musste. „Beim Rauchen komme ich mal auf den Boden und kann die Welt aus einem anderen Blickwinkel betrachten“, erklärt die Philosophiestudentin. „Im Libanon ist das schon ein


Nr. 9 gesellschaftliches Problem. Morgens sieht man überall die Achtjährigen Shisha frühstücken.“ Bei Souher ist es nicht ganz so schlimm: sie raucht jeden zweiten Monat. „Shisha-Rauchen ist eine kleine Schwäche von mir“ – doch gibt es nicht Schlimmeres, als ab und zu mal abzuschalten? „Der erste Schritt im Islam ist das aufrichtige Hinterfragen“, mit dem Anspruch, für sich die Wahrheit zu suchen. Auf seinem persönlichen Weg des Glaubens auf der Suche nach Erklärungen befinden sich Muslime im sogenannten Dschihad – einem oft „völlig missverstandenen Begriff“. Statt sich in die Luft zu jagen, ist es doch für den Erkenntnisgewinn wesentlich nützlicher, miteinander zu diskutieren, Neues kennenzulernen. Manche sehen das anders – und verursachen damit viel Leid. „Religion gibt dir viel Halt und Stärke, aber hat auch das Potential zu viel Schlechtem. Doch das ist immer, was die Menschen daraus machen“, sagt die junge Frau. Auch wegen solcher Missverständnisse „fühlst du dich nicht gewollt in Deutschland“. Doch um sich in Deutschland nicht gewollt zu fühlen, muss der Mensch nicht an Allah

23 glauben – oft reicht es schon, öffentlich von der Möglichkeit einer gerechten und lebenswerten Gesellschaft zu träumen. Es gibt Schlimmeres, als zu glauben und zu träumen. „Der Koran ist das letzte Wunder, das Gott den Menschen gelassen hat“, der Prophet Muhammed hat es der Menschheit überbracht. Aber warum bleiben uns in der Welt, die Gott geschaffen hat, nur so wenig Wunder – und stattdessen so viel Leid und Ungerechtigkeit? „Das möchte ich auf intellektueller Ebene verstehen, indem ich die Dinge hinterfrage.“ Für Souher ist der Weg dorthin ein Auslandspraktikum in London an einem islamischen Institut und vielleicht ein entsprechendes Studium. „Vieles habe ich noch nicht verstanden. Aber eine Sache weiß ich mit Sicherheit: Der Glaube macht mich wirklich zu einem besseren Menschen.“ Zum Weiterlesen: Annemarie Schim„Die Religion des Islam“, Reclam Sachbuch, 158 Seiten. 4,60 Euro.

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Der Zukunft entgegen... von ist schon zu alt und Bäume in Form Du findest, dass die Welt für Papier alle als in der Altpapiertonne? Für Wäldern eine bessere Figur machen E-Paper: Fortschritts gibt‘s uns jetzt auch als Freund_innen des technologischen

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Kein Bock auf Master? Will ich nach dem Bachelor weiterstudieren? Für viele Studierende der Uni Potsdam stellt sich diese Frage nicht: Lehramtsstudent_innen sind auf ihr Masterstudium angewiesen. Auch wer später einmal wissenschaftlich Arbeiten will, kommt am Master nicht vorbei. Der Rest hat nach dem Bachelor die Chance, einen Moment innezuhalten und sich zu überlegen, wie es weitergehen soll. Vier Angebote, wie und wo man als Bachelorabsolvent_in unterkommen kann. Von Paul Dalg. 1. Praktika absolvieren Ein abgeschlossenes Hochschulstudium schützt nicht in jedem Fall davor, trotzdem auf der untersten Karrierestufe anzufangen. Auch wer wie die meisten Studierenden bereits während des Studiums Praktika absolviert und einschlägige Erfahrungen gesammelt hat, ist nicht völlig vom Risiko befreit, die eigene Arbeitskraft für Apfel und Ei anzubieten. Öffentlicher Dienst, soziale Einrichtungen, Vereine oder Initiativen zahlen in der Regel bei Praktikant_innen gar nichts, bei kulturellem Engagement kann es zumindest zu einer Aufwandsentschädigung kommen, auch wenn die mehr eine symbolische Belohnung ist als ein tatsächlicher Gegenwert für die investierte Lebenszeit. Allein bei großen Wirtschaftsunternehmen finden sich tatsächlich Praktikumsstellen, die mit bis zu 600 Euro vergütet werden. Was bringt‘s? Karrierestudierende nutzen die Zeit zum Netzwerken, unentschlossene Studierende können unverbindlich in eine Branche schnuppern. Sechs verschiedene Praktika in sieben verschiedenen Bereichen überzeugen den Personalchef_innen aber nicht unbedingt davon, dass man einen Plan vom Leben hat.

Glamour-Faktor: Zwischen armem Studierendem und Obdachlosem mit „Tausche Arbeitskraft gegen Erfahrung“Pappschild. Risiko: Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor.

2. Volontär_in werden Bei Zeitungsredaktionen, Rund- und Hörfunk sowie in einigen kaufmännischen Bereichen gibt es die Möglichkeit, nach dem Bachelorstudium eine (meist) zweijährige Ausbildung zu absolvieren. Dabei durchwandern Auszubildende die verschiedenen Redaktionen einer Zeitung oder die jeweiligen Programmabteilungen bei Radio und TV. Mit ein wenig Glück wird man in seiner Sparte nach Tarifvertrag bezahlt und bekommt je nach Art des Volontariats und des Ausbildungsjahrs zwischen 1.300 und 2.000 Euro Lohn. Was bringt‘s? Neben den Journalismusschulen (z.B. Henri-Nannen-Schule in Hamburg) ist das Volontariat der klassische Einstieg in den Journalismus und ein Grundstein für die spätere Karriere als Redakteur_in, Reporter_in oder Moderator_in. Die Fachrichtung des Bachelorstudiums ist dabei weniger wichtig als die Fähigkeit, sich gut auszudrücken.


Nr. 9 Glamour-Faktor: Das Geld reicht, um hip genug auszusehen, damit auch alle anderen glauben, man mache „irgendwas mit Medien“. Risiko: Die Ausbildungsstellen setzten meist ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraus, was dazu führt, dass sich die Bachelorabsolvent_innen in der Regel auch gegen Konkurrenz mit abgeschlossenem Masterstudium durchsetzten müssen. In jedem Fall Arbeitsproben (Artikel, Video, Radiobeitrag) mitbringen.

3. Selbstständig werden Auch wenn das Klischee der erfolgreichen Firmengründer_innen eigentlich voraussetzt, dass das Studium vorzeitig abgebrochen wird, können mit einer guten Idee auch Bachelorabsolvent_innen zu Existenzgründer_innen werden. Mal eben Millionär_in zu werden, ist eben auch für Studierte und nicht erst seit Mark Zuckerberg (Facebook) oder Larry Page (Google) eine Überlegung wert. Vor dem Verlust der Bodenhaftung lohnt es sich, die eigenen Möglichkeiten zu prüfen: Ohne gute Idee können die betriebswirtschaftlichen Talente höchstens in einem Franchise-Unternehmen gezeigt werden. Ohne Eigenkapital wird’s noch schwieriger: Zwar gibt es durch die kfw (Kreditanstalt für Wiederaufbau) eine staatliche Institution für Existenzgründerkredite, aber auch an diese Darlehen muss man erst einmal über die eigene Hausbank herankommen. Was bringt‘s? Als Studierender ohne Umweg direkt auf den Chefsessel, dafür allerdings auch ohne dicken Manager-Bonus. Glamour-Faktor: Aussehen wie „am Morgen danach“, ohne dass tatsächlich gefeiert wurde: Schließlich gibt’s bei der

25 Selbstständigkeit kein Feierabend. Risiko: Eine wirtschaftliche Bauchlandung und die schmerzliche Einsicht, dass man kein Selfmade-Guru ist. Noch schlimmer allerdings ist es, wenn man Erfolg hat, und diesen dann mit Plattitüden und Phrasen als Ratgeber zwischen zwei Buchdeckel presst.

4. Ein Orientierungsjahr Die Orientierungsphase nach dem Studium nennen die Amerikaner_innen gap year, schließlich klingt das auch professioneller. Dahinter steht die Überlegung, ein Jahr zu verplempern, ohne dass es so aussieht. Alles was den eigenen Horizont erweitert, ist erlaubt: Sprachkurse, Praktika, ehrenamtliches Engagement bei Vereinen oder Non-Governmental Organizations (NGOs). Besonders gut organisierte und motivierte Studierende kombinieren die aufgezählten Möglichkeiten gleich mit einem Auslandsaufenthalt: Sowohl die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb.de) als auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (daad.de) bieten da zahlreiche Möglichkeiten. Auch die Uni Potsdam hat mit dem Career Service eine gute Anlaufstelle für Informationen und regionale sowie internationale Beschäftigungsmöglichkeiten. Was bringt‘s? Mehr für die eigene Persönlichkeit als für den Lebenslauf und den Geldbeutel – Die Miete und Versorgung muss mit einem Nebenjob oder durch reiche Eltern abgeglichen werden. Glamour-Faktor: Zwischen Backpacker-Romantik und normalem Studierendenlook. Risiko: Aus dem gap year wird ein gapJahrzehnt.


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Nackt Geld verdienen Wer von uns kennt nicht das Problem: Die Kasse ist leer am Ende des Monats, es muss Geld her. Wenn dann das BaFöG oder der Zuschuss der Eltern nicht reichen, heißt es für viele Studierende nebenbei arbeiten gehen. Kellnern gehen und an der Kasse sitzen macht ja fast jeder. Wir zeigen Euch in dieser Serie außergewöhnliche Student_innenjobs, die man nicht alle Tage macht. Dieses Mal: Christoph Freytag. Der Weg zu diesem Job begann vor einigen Jahren an der Potsdamer Volkshochschule „Albert Einstein“ im Jahr 2007. Ich nahm an einem Kurs namens „Akt und Portraitzeichnen“ mit dem Potsdamer Maler Heinz Mentel teil. Der Kurs fand immer samstags statt von 9 bis 12 Uhr.

In dem Kurs konnte man unter der fachkundigen Anleitung lernen, wie man mit Bleistift, Kohle oder Feder die Muse aufs Papier bringt. Während gezeichnet wurde, lief im Hintergrund meist klassische Musik von einem altmodischen Tonbandgerät. Eines Tages kam ich spontan auf die Idee, mich als Aktmodell anzubieten. Warum? Ich war arm und brauchte das Geld. Der gestandene Maler stutzte bei dem Gedanken zunächst. Höflich wies er mich darauf hin, dass die meisten seiner Modelle in der Regel Frauen seien. Einige Zeit nach Kursende bekam ich einen Anruf. Herr Mentel wollte tatsächlich, dass ich bei ihm Aktmodel stehe. Es war ein kühler Wintermorgen im Februar. Rund acht Teilnehmer_innen waren gekommen, der Raum war gut geheizt. Witzigerweise waren besonders einige männliche Teilnehmer regelrechte Stammgäste. So traf ich an diesem Morgen auch den Hobbymaler mit den großen, gierigen Augen wieder. Beim Malen riss er seine Sehorgane immer weit auf, um dann die jewei-


Nr. 9 lige Muse zu verschlingen, indem er sie zu Papier brachte. Dann ging es los. Ich zog mich aus und setzte mich in Denkerpose auf einen Stuhl. Eine gewisse Hemmschwelle war anfangs da. Aber ich gewöhnte mich schnell daran. Zudem blieb ein gewisses Körperteil an seinem Platz. Sehr gut. Alle zwanzig Minuten sollte die Pose gewechselt werden. Manchmal saß oder stand ich auch 30 Minuten in der gleichen Einstellung da. Einige Teilnehmer_innen kamen mit dem Zeichnen oft nicht hinterher. In den gut drei Stunden verdiente ich 24 Euro. Während der Malsession machte Herr Mentel auch Fotos. Ich rief ihn im Zuge der Recherche an, ob er noch

27 Zeichnungen von mir habe. Leider nicht, so beteuerte er, diese seien in der Masse der Bilder untergegangen. Schade, so kann ich Euch, liebe Leser_innen, zum Beweis nur ein Foto zeigen. Herr Mentel hat mir jedoch bei dem Telefonat spontan wieder einen neuen Einsatz angeboten. Das werde ich sehr gern annehmen, diese Art von Studijob macht mir persönlich jedenfalls viel Spaß. Fazit: Eine annehmbare Arbeit für das kleine Geld zwischendurch, dafür dass man „nur“ rumsitzt oder steht. Allerdings sollte man seinen Körper gut im Griff haben, um die verschiedenen Posen eine gewisse Zeit zu halten. Denn am Ende ist das anstrengender, als ihr vielleicht denkt.

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„Spielt einfach drauf los!“ Dass das Showbusiness ein hartes Geschäft sein soll, wissen wir nicht erst seit Bohlens wöchentlichen „Weisheiten“ bei DSDS. Während sich die Profis vom Fach vor den Kulissen bemühen, das Publikum in eine andere – mal glitzernde, mal eingestaubte – Welt zu entführen, fliegen hinter der Bühne die Fetzen: Intrigen, Geiz und Neid machen den Künstler_innen zu schaffen. Das Potsdamer Hans-Otto-Theater lässt die Hüllen fallen und zeigt, wie es hinter der Bühne zugehen kann. Denis Newiak hat für euch den „Nackten Wahnsinn“ miterlebt. „Stell dir einfach vor, du wärst Schauspieler!“, ruft der Regisseur aus sicherer Entfernung Richtung Bühne. Die Darsteller_innen wollen auch während der Hauptprobe nicht so, wie es der in schwarz gekleidete, struppig-grauhaarige Mann mit Sonnenbrille, wahlweise im Rollkragenpullover oder klischeebelastetem Schal, gern haben würde; stattdessen mühen sie sich damit ab, während dieser nicht enden wollenden nächtlichen Probe

zwei nicht zu verwechseln, wann und wo zu welcher Textzeile Requisiten herumgerückt oder unzählige Türen geöffnet oder geschlossen werden müssen. Wenige Stunden vor der Premiere zittert die weinerliche Regieassistentin wie an einen Hochspannungsgenerator angeschlossen, die Schauspieler_innen rennen der Reihe nach heulend oder mit Nasenbluten von der Bühne, während der überarbeitete Bühnentechniker sich schon darauf vorbereitet, spontan die eine oder andere Rolle zu übernehmen. Im zweiten Akt wechselt die Perspektive des Publikums vom Blickwinkel des Regisseurs zur versteckten Kamera hinter der Bühne während einer Aufführung. Nun rücken die Beziehungen im Stab in den Mittelpunkt: Die Regieassistenz erwartet ein Kind vom Regisseur, irgendwie ist jede_r


Nr. 9 auf jede_n eifersüchtig und so manche_r Darsteller_in stellt den eigenen Stolz oder gezwungenermaßen den Suff vor das Gelingen des Stücks. Keine Überraschung, dass es nun drunter und drüber geht. Allmählich greift das „echte Leben“ mit allen Sorgen und Schwächen der Darsteler_innen auf den autarken Schutzraum des Künstlichen, das Theater, über und zersetzt es mit seiner Natürlichkeit. Doch auch wenn das Ensemble unvollständig ist, hinter der Bühne eine Schlägerei losgeht oder sich die Besetzung gegenseitig die Ärmel verknotet, gilt nur eine Devise: The show must go on. Wer in „Der Nackte Wahnsinn“ im Publikum sitzt, könnte fast glauben, dass der Theaterbetrieb wie ein wahr gewordenes „Haus, das Verrückte macht“ funktioniert, oder eben auch nicht funktioniert. Eigentlich müssten die Zuschauer_innen in Tränen ausbrechen, so wie es sonst bei den nicht gerade zimperlichen Inszenierungen am „HOT“ üblich ist. Doch wenn hier im Publikumsrang die Tränen kullern, dann nicht aus Traurigkeit, sondern aus kreischendem Lachen heraus. Vielleicht schicken auch deswegen so viele Lehrer_innen ihre Klassen in das Stück von Michael Frayn: in der Hoffnung, den Schüler_innen das „wahre Leben“ am Theater zu zeigen und ihnen das Bühnenschauspiel gleichzeitig schmackhaft machen zu können. Auf jeden Fall müssen sich Studierende beim „Nackten Wahnsinn“ ausnahmsweise nicht wie ein Quotenstudi vorkommen, der den Altersdurchschnitt des Publikums drücken soll. Anscheinend wollen junge Menschen auch mal lachen dürfen. Das ist hier ausdrücklich erlaubt. Doch was ist hier noch ‚echt‘, was die Parodie?

29 „Das Stück ist schon sehr lustig, aber in echt ist es noch viel lustiger, komplizierter, böser, krasser“, sagt Franziska Melzer, die im „Nackten Wahnsinn“ als Belinda Blair mütterlich versucht, den kurz vor dem Zusammenbruch stehenden Laden irgendwie zusammenzuhalten. Zwar gäbe es im Potsdamer Hans-Otto-Theater weniger Beziehungsintrigen als in jedem Großraumbüro, aber dass der Regisseur während der Proben mal lauter und bestimmter wird, das sei schon zutreffend. Da merken die Darsteller_innen, wo sie stehen: „Theater ist ein hierarchischer Betrieb. Der Regisseur ist der Chef,“ meint die 30jährige. Doch egal, wie hoch es in der Probe hergeht, wie viel gezankt wird oder Meinungsdifferenzen zum Werk bestehen: „Das Stück wird durchgezogen. Am nächsten Morgen sieht man sich ja wieder.“ Im dritten Akt, zu welchem das Publikum nach einer nötigen Verschnaufpause wieder zum Publikum wird, hat das Chaos seine Beschreibbarkeit verloren, die Absurdität ist kaum noch zu steigern. Die verzweifelte fragende Forderung „Abbrechen?“ schallt über die Bühne, die Vorführung steht kurz vor dem GAU. Doch das kommt gar nicht in Frage. Einfach aussteigen geht nicht – auf der Bühne genauso wenig wie hinter der Bühne. Im Zweifelsfall wird improvisiert, bis es kracht. Eigentlich wie im wahren Leben.

„Der Nackte Wahnsinn“ am 7., 15. und 29. April sowie am 20. und 26. Mai im Neuen Theater des Hans-Otto-Theaters Potsdam. www.hansottotheater.de


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Programm April / Mai 2012 www.einsteinforum.de Donnerstag, 19. April, 19 Uhr Jörg Baberowski Humboldt-Universität zu Berlin Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt Gesprächsleitung: Dr. Stefan Creuzberger Montag, 23. April, 19 Uhr Dr. David O‘Donoghue Historiker und Journalist, Bray, Irland States of ConflictThe IRA‘s Secret Links to the Nazi Regime, 1938–1945 Gesprächsleitung: Dr. Markus Pöhlmann

EINSTEIN FORUM Am Neuen Markt 7, 14467 Potsdam

Dienstag, 15. Mai, 19 Uhr Josef H. Reichholf Zoologischen Staatssammlung, München Zu schön fürs Leben. Die Bedeutung der Schönheit für Menschen und Natur Gesprächsleitung: Dr. Ferdinand Damaschun Ort: Museum für Naturkunde, Berlin

Mittwoch, 23. Mai, 13 Uhr Woody (Guthrie) und Albert (Einstein). Wer hätte Mittwoch, 25. April, 19 Uhr das gedacht? Eric Allina Teilnehmer: Martin Butler, Oldenburg; ChrisAssociate Professor of History, Ottawa toph Dieckmann, Berlin; Nora Guthrie, New Tracing African History in the Shadow of the York; Lutz Kirchenwitz, Berlin; Michael Kleff, Berlin Wall. Mozambican Workers in East Germany Bonn; Musik: Wenzel, Berlin Gesprächsleitung: Pasquale Virginie Rotter Mittwoch, 30. Mai, 19 Uhr Donnerstag, 26. April, 19 Uhr Inga Markovits Lisa Randall Professor of Comparative Law, Austin, Texas Professor of Physics, Harvard University Wie ist es eigentlich gewesen? Knockin’ on Heaven’s Door Schwierigkeiten mit der Rechtsgeschichte der DDR How Physics Illuminates the Universe Gesprächsleitung: Prof. Dr. Martin Sabrow Gesprächsleitung: Dr. Axel Kleinschmidt Donnerstag, 3. Mai, 10 Uhr Die fünf Sinne Follow your Nose! On Smell Teilnehmer: Molly Birnbaum, Cambridge, Mass.; Mark Buxton, Paris; Patrick Hehn, Göttingen; Tim Jacob, Cardiff; Chantal Jaquet, Paris; Sissel Tolaas, Berlin; Luca Turin, Vari, Griechenland; Konzeption: Dominic Bonfiglio Montag, 7. Mai, 19 Uhr Adriana Lettrari Hagen Pietzcker Dritte Generation Ostdeutschland Versuch einer Selbstverortung Gesprächsleitung: Prof. Dr. Anna Schwarz Donnerstag, 10. Mai, 19 Uhr Barton Gellman, TIME Magazine Corey Robin, City University of New York Polarized Politics Prospects for the American Elections Gesprächsleitung: Prof. Dr. Susan Neiman

The Einstein Forum and the Daimler and Benz Foundation are pleased to announce the

Einstein Fellowship to reward creative, interdisciplinary thinking by supporting outstanding young thinkers who wish to work on a project in a different field from that of their previous research. The fellow will receive a stipend of EUR 10 000 and reimbursement of travel expenses and will live and work in Einstein‘s own summerhouse in Caputh, near Berlin, for five to six months in 2013. Applications should be received by May 14, 2012 For more information: www.einsteinforum.de

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Internationale Tagung Donnerstag, 7. – Samstag, 9. Juni


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„Mir fällt das einfach leicht“ Franziska Melzer ist fest engagierte Schauspielerin am Potsdamer HansOtto-Theater. Denis Newiak hat sich mit ihr unterhalten über Glück und Fleiß hinter den Theaterkulissen, den Glanz des Schauspielberufs und das Rätsel leerer Zuschauersäle. : Wenn sich ein Mensch für BWL oder Physik an der Uni einschreibt, zählt in der Regel der NC. An einer Kunsthochschule läuft das ein bisschen anders, oder? Melzer: Ja, absolut. Es fängt schonmal damit an, dass du dich nicht einschreibst – sondern bewerben musst. Eineinhalb Jahre bin ich getourt und habe mich an so gut wie allen deutschsprachigen Schauspielschulen beworben. Als es dann immer wieder nicht geklappt hat, kam langsam die Verzweiflung: Die „Ernst Busch“ zum Beispiel hat mich drei Mal eingeladen – und dann doch nicht genommen, das ist nervenaufreibend. Bis es an der UdK in Berlin geklappt hat, dauerte es eben, also habe ich solange nebenher Germanistik und Theaterwissenschaft studiert. : Wie läuft im Groben so ein Vorsprechen an der Schauspielschule ab? Melzer: Es sind meistens drei Rollen, zum Beispiel Ausschnitte von Monologen, Gedichten und vielleicht ein Lied, aus verschiedenen Epochen oder etwas nach freier Wahl. Manchmal wird auch gefordert, selbst eine eigene Szene auszuarbeiten. Danach heißt es dann entweder, „Kommen Sie wieder!“ – oder eben nicht. An der UdK beispielsweise ging die letz-

te von insgesamt drei Runden über zwei Tage von morgens bis abends. Leichtgemacht hat es sich die Jury auf keinen jeden Fall. : Du wusstest schon mit vier Jahren, dass du Schauspielerin werden willst – und hast damit einen schweren Weg gewählt. Hattest du manchmal Angst, das eigene Ziel nicht erreichen zu können? Melzer: Als es mit den ganzen Bewerbungen nicht geklappt hat, war das schon ziemlich schrecklich. Und nach dem Studium hatte ich total Angst, dass ich kein Engagement bekomme. Von einigen meiner ehemaligen Kommiliton_innen weiß ich, dass sie es irgendwie geschafft haben, andere aber machen nach dem Studium noch eine Yoga-Ausbildung oder sowas, um sich über Wasser halten zu können. Es gibt eben einfach zu viele Schauspieler_innen, da ist die Zukunft unsicher. : Das klingt auch so, als wäre in der Branche viel von der Gunst anderer Leute und vom Glück abhängig. Melzer: Das mag sein, ein_e Schauspieler_in ist wirklich sehr abhängig davon, zu gefallen, etwa der Regie oder dem Publikum. Aber ich versuche mich davon frei zu machen und suche mir meine Gestal-


32 tungsräume. Wenn ich ständig mit dem Bewusstsein meiner Abhängigkeit leben und arbeiten müsste, würde ich verrückt werden. Aber natürlich ist das nicht alles, zum erfolgreichen Schauspiel gehört viel mehr als Glück. Zum Beispiel bin ich auch sehr fleißig, da hängt viel von ab. : Ist es auch nur Fleiß, wenn du es schaffst, endlose Texte auswendig zu lernen und auf der Bühne noch gleichzeitig zu tanzen, zu singen und zu spielen? Melzer: Ich muss es sagen, wie es ist: Mir fällt das einfach leicht. Das ist aber völlig unterschiedlich: Ich kenne Kolleg_innen, für die das harte Arbeit ist, die das aufsprechen und jeden Abend abhören müssen. Doch auch wenn ich keine großen Textprobleme habe, bereite ich mich trotzdem auf jede Vorstellung sehr ausgiebig vor. Es ist also beides – ein bisschen Begabung und viel Disziplin. : Du hast einst in einem Interview gesagt, du seist Schauspielerin geworden, um „Prinzessin“ zu sein. Melzer: (lacht) Das stimmt, aber was in dem Artikel nicht stand: Es bezog sich auf „My Fair Lady“, wo ich im Glitzerkleid als Ballkönigin über die Bühne tanzen darf. Und nur darauf.

Aber klar: Der Beruf hat einen gewissen Glanz. : Deine Rollen haben aber oft wenig Glanz, in der Regel spielst du vom Leben gebeutelte und geschrammte Frauen mit zu viel Lebenserfahrung. Fällt es da abends schwer, einfach wieder Franziska zu sein? Melzer: Während meiner ersten Spielzeit bin ich jeden zweiten Abend gestorben, hatte üble Krankheiten und mir wurde mehrfach pro Abend das Herz gebrochen. Das ist natürlich nicht einfach, wenn du so viel Lebenszeit in traurigen Situationen verbringt. Depressiv bin ich abends deswegen aber nicht, denn ich nehme mir auch die Zeit, wieder „runterzukommen“. : In einem anderen Interview meintest du, du stündest für die Phantasie auf der Bühne, nicht für den Beifall. Im HOT musst du manchmal vor vierzig Leuten spielen. Fällt einem der leere Zuschauersaal von der Bühne aus auf oder könntest du auch ohne Publikum Schau spielen? Melzer: (lacht) Ohne Publikum... Nein, natürlich fällt einem das auf! Bei einer Komödie zum Beispiel ist das total bescheuert. Die macht nur Sinn, wenn Menschen da sind, die lachen und sich freuen. Wenn aber in der Reithalle bei einem ernsteren Stück vierzig Leute sitzen und du an den Gesichtern erkennen kannst, dass es den Leuten etwas bedeutet, dann spüre ich das auch. Ohne Publikum geht es natürlich nicht, dann ist Theater sinnlos. : Als 23jähriger ziehe ich in der Regel den Altersschnitt des Publikums im HOT um gefühlte 20 Jahre runter, vor allem bei den „ernsteren“ Stücken. Beim


Nr. 9 „Nackten Wahnsinn“ hingegen gehörte ich schon fast zum alten Kaliber… Melzer: Ja, das ist das große Rätsel! Wir wundern uns und wundern uns! „Der Nackte Wahnsinn“ ist ja für ein älteres Publikum gemacht – doch stattdessen rennen uns die Schulklassen die Türen ein. Auch mit den Musicals wollen wir eigentlich mehr diejenigen abdecken, die sonst von „zu viel Blut“ auf der Bühne verschreckt werden, stattdessen kommen die jungen Leute. Bei Schiller hingegen zeigt sich schon jetzt im Vorkauf, dass die Schulen da viel weniger Interesse haben, obwohl „Don Carlos“ auf dem Lehrplan steht. An anderen Theatern ist es wieder völlig anders… : Ihr scheint euch da eine Menge Gedanken zu machen. Melzer: Na klar. Zum Glück ist es ja im Vergleich zum ersten Jahr viel besser geworden. Unser Intendant muss sich ja ständig rechtfertigen, wenn die Zahlen nicht stimmen. Es geht uns darum, Kunst zu machen, die Diskussionen anregt und

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33 die Lebensumstände von heute reflektiert, und die Menschen zu unterhalten. Es geht nur beides in Kombination. Wenn ich da aber an Sprüche im Gästebuch wie „My Fair Lady, das war klasse – mehr davon, dann stimmt die Kasse!“ denke, stößt es mir ganz übel auf. Diese Frage nach dem Nutzen und der Nützlichkeit von Kunst ist einfach so kurzgegriffen, so kapitalistisch durchdrungen! Oh weh! Derjenige, der das so flott ins Buch geschrieben hat, ist sich wahrscheinlich gar nicht im Klaren darüber, wie tief das ist – was das über ihn aussagt. : Was würdest du selbst gern mal auf die Bühne bringen? Melzer: „Orlando“ von Virgina Woolf, das wäre die ultimative Rolle für mich! Es ist einfach das schönste Buch, sehr poetisch, voller Geheimnisse und – Herausforderungen. Das würde mich sehr reizen. : Uns auch. Danke für das interessante Gespräch!


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es ist wieder soweit! Das Potsdamer Seit Jahren sind viele Seminare zu Hochschulensommerfest steht vor der Beginn des Semesters hoffnungslos Tür! Druck raus - Leben rein! überfüllt, was zum Rauswurf von Studierenden führt. Seminare mit bis zu Am 1. und 2. Juni 2012 wollen wir 80 Teilnehmenden funktionieren einmit euch eine Pause von Bibliothe- fach nicht. An dieser Situation hat ken, Lehrveranstaltungen und Prüfun- eigentlich niemand ein Interesse: wir gen nehmen. In diesem Jahr erstmals Studierende wollen qualitativ gute mit drei Bühnen, auf denen 27 Acts Seminare unter vernünftigen Bedinuns den Sommer versüßen werden. gungen besuchen und die DozierenWir haben ein möglichst breites Pro- den lieber ein arbeitsfähiges Seminar gramm auf die Beine gestellt. Gute statt einer Vorlesung organisieren. Bands aus Hip-Hop, Metal, Electro, Leider gehen Dozierende mit dieser Pop, Punk, Rock, Singer-Song-Writer, Situation nicht immer so um wie es Ska und mehr - da wird für alle was angemessen wäre. dabei sein. Die Gründe hierfür liegen nicht in der Aber die Bühnen sind nicht alles. Bösartigkeit der Dozierenden, sondern Auch Sport, Jonglage, Politik und vie- in der verfehlten Wissenschaftspolitik les mehr wird es geben. Ein betreuter in Brandenburg. Kurz und Knapp: es Kinderspace wird auch Eltern den Be- gibt zu wenig Geld und damit zu wesuch ermöglichen. nig Lehrende für zu viele Studierende, Das alles wie jedes Jahr: umsonst und was seit Jahren zur systematischen draußen für alle Potsdamer Studis und Überfüllung der Universität Potsdam ihre Freundinnen und Freunde. führt. In Zahlen gibt es an der UP Also schreibt den Termin in eure Ka- räumliche Kapazitäten für 12.000 lender! Und wer noch mit anpacken Studierende, personelle Kapazitäten mag, schreibt an: kultur@asta.uni- für 8.000. Real sind wir aktuell aber potsdam.de 21.000 Studierende. Was tun bei einem Seminarrauswurf? Mehr zum Sommerfest unter: asta.uni-potsdam.de/ www.hochschulensommerfest.de seminarrauswurf


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Friedrich der Große, die Musik und Europa

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Samstag, 16. Juni | ab 20.30 Uhr | Neuer Garten Tastenspieler grenzüberschreitend zwischen Improvisation, Jazz und Crossover SPARK – Barock, Minimal & Jazz | Francesco Turrisi mit SARABANDA Christoph Reuter, Jazzpiano | Oliver Maas, Jazz-Cembalo | TOEAC, Akkordeons

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>> SANSSOUCI PROM CONCERT: Abschlusskonzert mit Feuerwerk

Sonntag, 24. Juni | 21.00 Uhr | Gartenseite Neues Palais Musikalische Schlachtengemälde: Händel. Dettinger Te Deum | Haydn. Militärsinfonie Beethoven. Wellingtons Sieg u.a. || Vocalconsort Berlin | Kammerakademie Potsdam Antonello Manacorda (Ltg.) Weitere Informationen & Tickets: Tel. (0331) 28 888 28 www.musikfestspiele-potsdam.de *solange der Vorrat reicht


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speakUP Ausgabe 9