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STUDI VERSUM NUMMER 17 | 2007.10

GAMEFORSCHUNG 11 NEUER STUDIENGANG DANK ATOMLOBBY 27 VOM JAZZSTUDIUM ZUR NOISE-MUSIK 28

Glauben


pìÅÜÉå=páÉ=ÉáåÉ=eÉê~ìëÑçêÇÉêìåÖ\ Kommen Sie zu uns! Deloitte ist eines der führenden Prüfungs- und Beratungsunternehmen in der Schweiz und bietet Dienstleistungen in den Bereichen Wirtschaftsprüfung, Steuerberatung, Consulting und Corporate Finance an. Im Jahr 2006 bündelten unsere Gesellschaften in Grossbritannien und der Schweiz ihre Kräfte – damit steht Deloitte ihren Kunden als ganzheitliches Unternehmen zur Verfügung. Die Integration führt das Know-how von 11’000 Fachkräften zusammen und widerspiegelt die Bedeutung der Schweiz als wichtiges Wirtschafts- und Finanzzentrum. Mehr als 700 Fachleute sind in fünf Schweizer Städten tätig: Zürich (Hauptsitz), Basel, Genf, Lausanne und Lugano. Wir schaffen Wert für Kunden verschiedener Branchen und unterschiedlicher Grösse – von grossen multinationalen Unternehmen und öffentlichen Gesellschaften bis hin zu zahlreichen kleineren und mittleren privaten Unternehmen. Auf globaler Ebene ist Deloitte mit 150’000 Mitarbeitenden in mehr als 140 Ländern eines der grössten Prüfungs- und Beratungsunternehmen. Senden Sie Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen an: Deloitte AG, Chantal Gasche General Guisan-Quai 38, 8022 Zürich Tel. +41 (0)44 421 65 96, cgasche@deloitte.ch www.deloitte.ch

táêíëÅÜ~ÑíëéêΩÑìåÖKpíÉìÉêÄÉê~íìåÖK`çåëìäíáåÖK`çêéçê~íÉ=cáå~åÅÉK Deloitte AG, General Guisan-Quai 38, Postfach 2232, 8022 Zürich Tel. +41 (0)44 421 60 00, Fax +41 (0)44 421 66 00 office.zurich@deloitte.ch © Deloitte AG 2007. Alle Rechte vorbehalten.

AG ist ein Arbeitgeber, der Chancengleichheit praktiziert. 2Deloitte  STUDIVERSUM | 10.2007


EDITORIAL | INHALT

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Liebe Leser, Studieren und glauben? Wie langweilig! Doch halt: Glauben kann man nicht nur an den lieben Gott, sondern an alles Mögliche. Wir haben uns gefragt, was Studierende alles glauben – und was nicht. Wer’s glaubt: Ist die Chinesische Mauer vom Mond aus mit blossem Auge zu erkennen? Fördert Schnaps die Verdauung? Hat Charles Lindbergh als erster Mensch den Atlantik überflogen? Ja, sagt der Volksmund. Nein, sagt Chris Buchmann und verrät in seinem Artikel über Irrglauben und Scheinwahrheiten auch warum. Ob man’s glaubt oder nicht: Esoterische Grenzwissenschaften boomen. Doch was steckt dahinter? Clio Girard besuchte eine Handleserin, eine Astrologin sowie eine Kartenleserin und wollte wissen, was das Leben für sie bereithält. Was sie bei ihrem Selbstversuch erlebt hat und was es bringen soll, an die Esoterik zu glauben, schildert sie in ihrem Bericht. Kaum zu glauben: In den USA wird an gewissen Schulen im Biologieunterricht die Schöpfungslehre unterrichtet. Ein amerikanischer Student hat als Antwort auf diese Entwicklung eine Spass-Religion gegründet, die auf dem Glauben an ein Fliegendes Spaghettimonster basiert. Die «Gläubigen», die Pastafari, wollen damit ein Zeichen gegen die Vermischung von Religion und Wissenschaft setzen. Das Thema ist brisant und auch in der Schweiz aktuell – wie Barbara Ritter eindrücklich zeigt. Eine Glaubensfrage? Das Verhältnis zwischen Wissenschaft und Glauben beschäftigt auch Christoph Egeler, Leiter der Bibelgruppe an der Uni Zürich. Im Interview mit Mauro Landolt verrät er überdies, wie man trotz wilder Studentenpartys ein guter Christ sein kann und vor allem, was das bringt. Was man alles glauben kann, wer warum genau was glaubt und warum gewisse Dinge nicht zu glauben sind – StudiVersum wendet sich für einmal dem Studentenleben ausserhalb der Hörsäle zu, wo jeder selbst entscheidet, was er glauben will. Und ihr könnt mir glauben: Langweilig ist das auf keinen Fall!

Euer Mario Fuchs

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04 LIEBLINGSDING Warum ich meinen Kletterschuh liebe 05 INTERNET Online-Übersetzungen 06 AUS DEM LEBEN Serien, Sport, Studentenfutter 09 UMFRAGE Was machst du nie wieder? 10 ZAHLEN BITTE! Heavy Metal 11 WISSENSCHAFT Game Goes Uni 12

Esoterik im Experiment 16

Es werde Teig! 20

«Tiefglauben,weitdenken!» 24

Ich glaube, also irre ich 27 UNIPOLITIK strahltag? 28 INTERVIEW So richtig laut

31 KURZGESCHICHTE

Endlich der Richtige für Rebekka

33 UNTERHALTUNG Sudoku, Kreuzworträtsel 34 WIE ANNO DAZUMAL Das Harry-Potter-Bier


LIEBLINGSDING

WARUM ICH MEINEN KLETTERSCHUH LIEBE

Tabea Schwab, 24, Psychologie-Studentin und Kletterfreak «Mit meinem Kletterschuh verbindet mich eine Hassliebe. Einerseits schmerzte er am Anfang gewaltig. Andererseits klebt er fast am Fels. Mit ihm fühle ich mich sicher auf den kleinsten Tritten. Zum Glück überwiegt mittlerweile die Liebe zu diesem perfekt eingetragenen und eingetretenen Zauberstück.»

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INTERNET

ONLINE-ÜBERSETZUNGEN Text Jonas Bürgi

DIE AUSWAHL AN ÜBERSETZUNGSTOOLS IM INTERNET IST GROSS – ANGEBOT UND QUALITÄT DER SEITEN VARIIEREN JEDOCH. DREI ADRESSEN, DIE EINEN BESUCH WERT SIND.

WWW.LEO.ORG Diese Seite bietet Übersetzungen vom Deutschen ins Englische, Französische und Spanische sowie in die jeweils andere Richtung an; bald soll Italienisch als vierte Sprache hinzukommen. Benutzer können auf «Leo» einzelne Wörter und Wortkombinationen übersetzen lassen, ausserdem bietet das Tool teils Redewendungen

an, so dass manchmal bis zu 100 Treffer angezeigt werden. Über die jeweiligen Foren können die Benutzer an der Seite inhaltlich mitwirken. «Leo» kann zudem in Betriebssysteme und Browser integriert werden, so dass zum Beispiel bei der Textverarbeitung direkt auf das Wörterbuch zugegriffen werden kann.

Fazit: Mit über 460 000 Einträgen im englischen Wörterbuch sehr umfangreich, dazu praktisch in der Handhabung.

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WWW.BEOLINGUS.ORG Eine Alternative zu «Leo» ist das OnlineWörterbuch «Beolingus», das von der TU Chemnitz betrieben wird. Es bietet Übersetzungen Deutsch-Englisch und DeutschSpanisch in beiden Richtungen an. Daneben enthält es Definitionen englischer Wörter, Beispielsätze, Aphorismen und Zi-

tate. Besonders nützlich ist die Sammlung von Begriffen aus wissenschaftlichen Fachgebieten oder anderen Themengruppen. Ebenso wie bei «Leo» können die Benutzer auch bei «Beolingus» Wortvorschläge machen und bereits vorhandene Einträge kommentieren.

Fazit: Nützliche Zusatzfunktionen, aber leider eine etwas unübersichtliche Navigation.

http:// babelfish.altavista.com «Babelfish» übersetzt im Unterschied zu «Leo» und «Beolingus» ganze Texte, zeigt dabei aber auch deutlich die Grenzen maschineller Textübersetzungen auf. Angeboten werden Übersetzungen vom Deutschen ins Englische sowie ins Französische und umgekehrt. Aus dem Englischen

werden neben den geläufigsten (west-)europäischen Sprachen auch Übertragungen in andere wichtige Sprachen wie das Griechische, Russische sowie Japanische, Koreanische und Chinesische angeboten. Zudem kann «Babelfish» komplette Homepages übersetzen.

Fazit: Gut geeignet als erster Zugang zu einem fremdsprachigen Text, liefert aber keine sprachlich korrekten Übersetzungen.

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AUS DEM LEBEN

Sportlich ins neue Semester, alle Jahre wieder

Sportlich war ich nie – aber das wunderbar kleine Büchlein «Unisport», in dem unzählige Sportarten übersichtlich dargestellt werden, überzeugt mich. Fast jedenfalls. Text Regula Wegmann

In der Broschüre motivieren neben ausführlichen Beschreibungen Illustrationen von gespannten Bizeps und fitten Waden. Ich stelle fest, mein Bizeps hat sich versteckt und meine Waden würden sich gerne verstecken, sind aber zu faul dazu. Für mich steht nach dieser Diagnose fest: Ich will Teil der sportlichen Elite werden. Die Ära der endlosen, rauchigen Kaffeepausen ist vorbei. Nicht mehr «eins gogä ziehä» – jetzt ziehe ich, und zwar an Geräten, auf welche sich nur die grossen Brocken wagen und meine Freundinnen, mit denen ich von nun an Sport treibe, anstatt Beizenkultur zu pflegen. Die wissen zwar noch nichts von ihrem Glück, aber auch denen wird’s gefallen. Stolz betrachte ich meinen Plan: Über Mittag wird an der Kondition gefeilt, das soziale Superkondi und das brutale Body Combat werden meinen Kreislauf in Schwung bringen. Am Abend wird minutiös an den kritischen Stellen gearbeitet: Den Bauchfalten werde ich gemeinsam mit Tina zu Leibe rücken, die Beine zusammen mit Sonia trimmen, den Hintern mit allen beiden. Für einen gesunden Ausgleich habe ich mir unbekannte Sportarten ausgesucht, die allesamt extrem hip sind. Husch, noch den schwarzen Gürtel im Yoga-ThaiKwandoo-Karate absolvieren, am nächsten Tag mit Flamenco-Tanzeinlagen brillieren. Mein Pioniergeist ist unermüdlich bei diesem riesigen Angebot. Nachdem ich mich nun auch noch für den Tiefseetauchkurs im Zürichsee und das winterliche Rudertraining angemeldet habe, fühle ich mich richtig ausgelastet und zufrieden. Zwei Wochen später: Es ist hart, jedes Mal kommen weniger Leute – sind die alle zu schwach oder bin ich etwa so stark? Ich überlege mir, in welchem Spital meine verlorenen Schäfchen ihren Kollaps kurieren. Wahrscheinlich bereiten sie sich für morgen vor: Early-Kondi um 6 Uhr früh. Dort werde ich sie wiedersehen. Fehlanzeige, alleine und sportlich stehe ich in der dunklen Kälte, nicht mal mein fancy Trainer

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hebt meine triste Stimmung. Doch dann sehe ich sie: Tina, Sonia & Co. – überaus unsportlich gekleidet. Auf mein schiefes Gesicht reagieren sie mit beschwipstem Lachen (Auslachen?): «Komm Regi, zieh mit uns weiter, Zeit für eine Kaffeepause!» Wissen die nicht, dass bei mir nur noch Grüntee fliesst? Nun, ich füge mich, latsche hinterher und drehe der Turnrunde gar plötzlich den Rücken zu, worauf ich mir sogleich die Wirbelsäule breche – autsch!

My Life sucks!

Warum ich Zug fahren manchmal grausam anstrengend finde, oder: Die vielen Fernsehserien vergraulen mir mein Leben!

Text Chris Buchmann

Was ich mir selbst lange nicht einzugestehen vermochte: Ich kann keine Fernsehserie schauen, ohne das Leben der Protagonisten mit meinem eigenen Leben zu vergleichen. Ein harter Schlag. Seit es diese Serienabende am Montag, Mittwoch und Donnerstag gibt, finde ich mein Leben eher öde denn nett, eher grau als gelb. Was mich zum Beispiel stört: In meinem Leben verschwinden Personen, die einst eine gewisse Rolle spielten, nicht einfach, wenn dies nicht mehr der Fall ist. Sie setzen sich weder in den nächsten Greyhound-Bus und verlassen die Kulisse meines Alltags noch kehren sie erst dann wieder zurück, wenn der Himmel weint und ich so richtig in der Patsche sitze. Nein, in meinem Leben hockt solch eine Person eines Tages unverhofft im Zug zwischen Zürich und Bern im selben Abteil wie ich. Sie sitzt einfach so da, und ich sitze auch einfach so da, und man müsste jetzt einfach noch ein Gespräch führen, denn schliesslich hat diese Person ja einmal eine Rolle gespielt in meinem Leben. Ich bin mir sicher, wenn eine solche Situation in einer Serie

vorkäme, gäbe es bestimmt einen Halt zwischen Zürich und Bern, vielleicht so nach kurzen 15 Minuten, und nachdem ich mit der Person über das Wetter, die vielen Leute im Zug und ihren neuen Wohnort gesprochen hätte, würde ich aufstehen, meine Jacke anziehen, nett lächeln und sagen: «See you around, hopefully soon!» Noch während ich meine Tasche nähme, würden erste Gitarrenklänge im Hintergrund ertönen, mein Gegenüber würde sagen: «It was nice to see you again», ich würde sehr nett nicken und denken: «Nur wegen dir werde ich eine halbe Stunde zu spät in Bern sein.» Danach würde ich ziemlich cool zur Türe schlendern, und dann wäre die Musik bereits im Vordergrund und Johnossi würde singen: «Well you don’t build a city in a day, but in twenty years you should have something.» Was natürlich vollkommen auf mein Gegenüber zutrifft. Der Rest jedoch ist mein Leben, keine Serie. Die Zugfahrt zwischen Zürich und Bern dauert 58 Minuten, ohne Halt. Nach dem Wetter, den Leuten und dem neuen Wohnort wird es bald mal anstrengend, später nur noch blöd.


AUS DEM LEBEN

1 Kilo Lasagne

Trotz unseres hohen Lebensstandards ernähren wir uns schlechter als früher. Gegen einen Teller FertigLasagne für 3 Franken kann aber niemand etwas einwenden.

Text Marco Andreu

Rein materiell betrachtet ging es uns noch nie so gut wie heute. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens «Mercer» ist Zürich sogar die Stadt mit der höchsten Lebensqualität weltweit. Diesen «Lebensstandard» mussten wir uns jedoch teuer erkaufen: Das Leben ist stressiger geworden, viele Menschen klagen über hohen Leistungsdruck. Das hat Auswirkungen auf unser Essverhalten: Verpflegung zwischendurch, Döner, Schnellgerichte, was auch immer. Aber schlechte Ernährung ist ungesund: Sie fördert Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen und Krebs. Schlimmer gar als Rauchen. Und Rauchen ist ja ziemlich schlimm, man lese bloss die PäckliAufschriften. Neulich in der Migros jedoch habe ich die 1-Kilo-Lasagne für 6 Franken entdeckt! Mein Mitbewohner schlug sich bei diesem Anblick entsetzt die Hände vors Gesicht: «Da ist doch absolut minderwertiges Fleisch drin!» Mag sein, aber: Ist Hackfleisch nicht sowieso minderwertig? Die schmeissen da doch all das Zeug rein, das nicht für Steaks geeignet ist, inklusive Augen und Innereien. «Schweizer Rindfleisch» steht also drauf. So schlecht schmeckt es gar nicht. Und schliesslich: Eine Mahlzeit von etwa 500 Gramm kostet gerade mal 3 Franken. Ist doch fair! Nicht, dass ich nicht kochen könnte, aber weshalb sollte ich kochen für mich alleine? Da ist es mir schon wichtiger, die Simpsons nicht zu verpassen. Irgendwie will mir aber nicht aus dem Kopf, dass das Zeug ungesund sein könnte. Wieso eigentlich? All die kalorienarmen Linien und Bio-Labels sind ja mitnichten gesünder. Oder ist das etwa zweifelsfrei erwiesen? Wer die Zeitschriften der Grossisten liest, bekommt den Eindruck, er rette gleichsam die Wale und sichere sich ewiges Leben, nur weil er «Naturaplan» und «Engagement» kauft. Ich persönlich habe aber geschmacklich noch nie einen wirklichen Unterschied zwischen normalem Grossisten-Food und Label-Grossisten-Food feststellen können. Deshalb: 1-Kilo-Lasagne und Himbeersirup, das ist richtiges Studentenfutter! Gelegentlich sollte man es mit nicht-biologi-

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schem Lager-Bier ergänzen. Ich gebe gerne Geld für Lebensmittel aus, die noch «echt minderwertig» sind und sich nicht hinter «gesunden» biologischen Labels verstecken. Das ist vielleicht nicht die höchste lukullische Lebensqualität – aber die Simpsons rocken trotzdem!

Links singen – rechts sprechen Text Mario Fuchs

Er wollte lange Haare tragen, War gegen das Establishment. Und liess von niemand sich was sagen. Jetzt ist er Jus-Student. Er liest statt Marx nun Paragraphen, Beim Tutor macht er artig mit, Denn er gehört jetzt zu den Braven Mit Hemd und Schal und Bürstenschnitt. Er meidet Demonstrationen Und bleibt daheim am 1. Mai, Betreibt statt Revolutionen Mit Eifer die Juristerei. Indes verstehen die Genossen Seinen Wandel jedoch nicht Und schimpfen wütend und entschlossen Auf seine neue Weltansicht. Sie pochen auf die Ideale: «Der Lump! Verraten hat er sie! Und statt mit uns die Internationale Singt er nun mit der Bourgeoisie.» Er schweigt – und lächelt, denn das ist Alles nur klug inszeniert. Er ist und bleibt ein Sozialist, Der als Student die Uni infiltriert. Denn ein rechter Anwalt, Nur ein solcher kann halt Die Linken endlich rächen, Und aus Gelinkten nun Gerächte Machen und versprechen: «Ich linke so die Rechte!»


Gefunden habe ich

Startkapital. Eine Initiative privater Geldgeber:

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ERNST GÖHNER STIFTUNG


UMFRAGE

Was machst du nie wieder ? Die innere Stimme sagt einem manchmal ganz genau, von welchen Dingen man besser die Finger lassen sollte – aber wie heisst es so schön? Erst aus Schaden wird man klug. Studi­Versum hat Studierende an der Uni Basel gefragt, was sie nie wieder machen würden. r Text und Bild Anouk N’Guyen Livia Mangold, 20, Pharmazie «Ich ziehe nie wieder in den vierten Stock, wenn das Haus keinen Lift hat. Ich musste all meine Möbel durchs Treppenhaus herauf schleppen – wie ich die jemals wieder hinunter bringen soll, ist mir ein Rätsel.»

Nathalie Schneitter, 21, Wirtschaft «Ich werde nie wieder an einem einsamen Plätzchen in der Karibik einen Autostopper mitnehmen, denn es könnte sein, dass er sich im Auto entblösst!»

Christina Müller, 19, Kunstgeschichte und Deutsch «Ich esse nie wieder Zweifel Provençale Chips – ausser ich habe vor, Vampire zu vertreiben.»

Samuel Allemann, 19, Pharmazie «Ich ging eines Abends in Australien in ein Ein­kaufszentrum, ohne die Adresse oder Telefonnummer meiner Gastfamilie zu kennen. Ich verirrte mich total und fand den Heim­weg erst nach Stunden. Das mache ich nie wieder!»

Marc Liniger, 22, Chemie «Es gibt in meinem Leben nichts, das ich nicht wieder tun würde. Denn jede Erfahrung, sei sie positiv oder negativ, ist wertvoll.»

Fabienne Rosenthal, 24, Sport «Ich ziehe nie wieder Schuhe mit zu hohen Absätzen an! Von Stöckelschuhen kriege ich nämlich überall an den Füssen Blasen. In Zukunft werde ich nur noch sportlich unterwegs sein.»

Selina Fontana, 21, Jura «Ich werde nie wieder nach der Einnahme von Medikamenten Bier trinken – was dann passiert, kann sich wohl jeder vorstellen…»

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ZAHLEN BITTE !

Heavy Metal Air Guitars, Head-Banging UND Stage-Div­ing: Für einmal widmet sich diese Rubrik der lautesten und härtesten aller Musikrichtungen. Zahlenmaterial zum Heavy Metal.

1.316 Sekunden dauert der kürzeste

Song der Welt. «You Suffer» stammt von der Band «Napalm Death». Die Lyrics «You suffer – but why?» hören sich bei diesem 1.316-Sekunden-Gegrunze aber eher an wie: «Uggrhuwoaha!» Ozzy Osbourne, heute harmloser Altrocker, schockte zu den besten «BlackSabbath»-Zeiten sein Publikum: Er hat auf der Bühne lebendigen Tauben den Kopf abgebissen und Katzen erschossen. Nach eigenen Angaben hat er 17 seiner Tiere zur Strecke gebracht.

60 Sekunden Auftrittszeit erhält jeder

Teilnehmer der «Air Guitar World Championships» in Oulu (Finnland) – es gewinnt, wer beim imaginären E-GitarrenSpiel am meisten überzeugt. Die E-Gitarre wurde übrigens 1936 erfunden. Damals brachte die Firma Gibson die ES-150 auf den Markt. Sie kostete 150 Dollar. «Die Zahl des Tieres» wird sie in der Bibel genannt: 666 . Gemeint ist damit «die Zahl des Antichristen». Viele Metal-Bands haben deshalb Songs oder sogar Alben dieser Zahl gewidmet. Die bekanntesten: «The Number Of The Beast» von Iron Maiden oder «666 Ways To Love» von HIM.

1802 Gitarristen haben im Sommer 2007 in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart den Deep-Purple-Hit «Smoke On The Water» angestimmt. Weltrekord!

Mehr als 3000 Gitarren soll Pete Towns­ hend, Gitarrist von «The Who», in seiner Karriere zerschmettert haben. Der neuseeländische Student Dave Snell untersucht in den nächsten drei Jahren das Thema «Persönlichkeit und Gemeinschaft unter Heavy-Metal-Fans». Bei seiner Arbeit wird er sogar vom Staat unterstützt: Die neuseeländische Regierung gewährt ihm ein Stipendium im Umfang von über 50 000 Euro. Wacken ist ein verschlafenes Kaff im Norden Deutschlands mit 1800 Einwohnern. Doch einmal im Jahr wird es zur Pilgerstätte für langhaarige Rocker. In diesem Jahr kamen am ersten Augustwochenende über 72 000 Heavy-Metal-Fans ans «Wacken-Open-Air», tranken insgesamt über 120 000 Liter Bier und schüttelten zu den Klängen der rund 70 Metal-Bands ihre Haare. r Text Philipp Arnold

BEOBACHTER

HIER FINDEST DU RAT Als Beobachter-Mitglied kannst du dich in unse­rer umfangreichen Wissens­ datenbank online unter www.helponline.ch zu Rechts­fragen des Alltags in Bereichen wie Konsum, Wohnen, Arbeit, Fami­lie, Strassenverkehr et cetera beraten lassen. Das Exper­tenteam unseres Beratungs­zentrums erteilt unseren AbonnentInnen auch tele­fonisch und per E-Mail wertvolle Auskünfte und Ratschläge. Bestelle jetzt ein Abonnement mit 26 Heftausgaben pro Jahr für 76 Franken − StudentInnen bezahlen nur Fr. 45.60 − unter www.beobachter.ch.

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Darf ich nachts duschen?

Muss ich Kabelgebühren weiter bezahlen?

Frage: Ich komme oft sehr spät in der Nacht nach Hause. Jetzt hat sich der Nachbar unter mir beim Vermieter be­s chwert, weil ich dann noch dusche. Darf man mir das verbieten?

Frage: Ich empfange meine Fernsehprogramme derzeit über Cablecom, möchte aber Bluewin-TV abonnieren. Muss ich weiter den CablecomAnschluss mit dem Mietzins bezahlen?

Wer eine Wohnung mietet, muss Rücksicht auf die anderen Mieter nehmen. Doch Geräusche, die zu einem normalen Leben gehören, darf der Vermieter nicht verbieten; weder in einer Hausordnung noch im Mietvertrag. Die Lebensgewohnheiten haben sich gewandelt: Wer zum Beispiel mitten in der Nacht verschwitzt von der Arbeit nach Hause kommt, hat ein berechtigtes Bedürfnis nach einer kurzen Dusche. Anders verhält es sich jedoch beim Baden: Das Ein- und Ablaufen des Wassers erzeugt einen länger andauernden, erheblichen Lärm und darf den anderen Mietern zu später Stunde nicht zugemutet werden. Gerade bei ringhörigen Häusern entstehen schnell Konflikte, die meist jedoch nicht auf bösen Willen zurückzuführen sind. Gegenseitige Toleranz und freundliche Gespräche mit den Nachbarn sind deshalb gefragt.

Nein. Auch Mieter können den Anschluss kündigen. Teile der Cablecom einen Monat im Voraus schriftlich mit, ab welchem Monatsende Du den Anschluss nicht mehr wünschst. Dieser wird dann kostenlos plombiert. Vergiss dabei nicht, Deinen Vermieter zu informieren. Am besten schickst Du ihm eine Kopie der Kündigung. Wenn Du die Gebühren akonto zusammen mit dem Mietzins bezahlt hast, entfallen sie nach der Plombierung. Dein künftiger Mietzins reduziert sich dann um diesen Betrag. Bezahlst Du die Kabelgebühren aber mit dem Mietzins, musst Du vom Vermieter schriftlich verlangen, dass er die Miete auf den nächsten Kündigungstermin hin um diesen Betrag reduziert. Wenn Du die Gebühren direkt bei der Cablecom bezahlst, kannst Du den Vertrag unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist auflösen.


nur im Hinblick darauf, ob sie nun Gewalt fördern oder nicht, hat sich noch nicht so ganz durchgesetzt».

WISSENSCHAFT

Einzigartiger Studiengang

Game goes Uni

Aus der Unterhaltungsindustrie sind sie kaum mehr wegzudenken und für die Wissenschaft werden sie zum Forschungsobjekt: Computerspiele. Das ENTSPRECHENDE Studienangebot hierzulande ist klein, aber vielversprechend.

Mit einem «Gefühl der potenziellen Weite» streift Doris Rusch bisweilen durch verödeten Cyberspace, Stunde für Stunde. «Ein wirklich altes Online-Spiel zu spielen,

das vom Medienhype völlig vergessen nur noch als Legende existiert», das sei etwas ganz Eigenes, schwärmt sie. Sie spricht von Multiplayer-Games wie «Everquest», die noch vor wenigen Jahren von einer Vielzahl menschlich gesteuerter Figuren bevölkert wurden und heute nurmehr aus Geisterstädten und kahlen Pixel-Wüsten bestehen. Tausende Spieler sind längst zu neuen Gefilden weitergezogen, zu «World of Warcraft» oder «Final Fantasy».

Spezialgebiet «Games» Allerdings promeniert Doris Rusch nicht zum reinen Vergnügen durch den virtuellen Raum. Sie ist Doktorin der TU Wien und ihr offizielles Spezialgebiet heisst, knapp und klar: «Games». Doris Rusch gehört zu den wenigen Wissenschaftlern im deutschsprachigen Raum, die sich hauptsächlich mit Computerspielen beschäftigen. Durch ihre Arbeit für den ORF hat sich die Gestaltungs- und Wirkungsforscherin eine gewisse Bekanntheit erworben. Sie bedauert das geringe Renommee ihrer Disziplin: «Die Erkenntnis, dass Computerspiele untersuchungswürdig sind, und zwar nicht

Auch hierzulande ist eine wissenschaftliche Beschäftigung mit Computerspielen nur bedingt möglich. Einzigartig in der Deutschschweiz ist der Bachelor-Studiengang «Game Design» an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK), der seit Oktober 2004 belegt werden kann. Dieser Studiengang ist sehr praktisch angelegt: So lernen die Studierenden unter anderem, 3D-Technologien zu verwenden, animierte Spielfiguren zu erstellen oder Sound-Elemente zur Geltung zu bringen. Hinzu kommen theoretische Veranstaltungen, die sich beispielsweise mit der Ästhetik oder der Levelplanung bestehender Computerspiele beschäftigen. Mit dem Abschluss der dreijährigen Ausbildung sollen die Studierenden über ausreichende Kompetenzen verfügen, um in die Software-Industrie einzusteigen.

Gameforschung hat Zukunft Auch an der ETH Zürich können sich Studierende mit Computerspielen auseinandersetzen, und zwar im Rahmen des Seminars «Game Programming Laboratory». Kleine Teams von Informatikstudierenden konzipieren hier Computerspiele, die am Ende des Semesters öffentlich vorgeführt und von einer Fachjury prämiert werden. Beim «Laboratory» stehen technische Problemstellungen im Zentrum wie die Implementierung künstlicher Intelligenz oder die Einhaltung von physikalischen Gesetzen. Die Veranstaltung wurde im letzten Sommersemester erstmals durchgeführt und soll 2008 wiederholt werden. Noch beschränkt sich die hiesige Computerspielforschung also auf zwei Zürcher Hochschulen. Das Interesse an derartigen Angeboten dürfte allerdings steigen, denn im Cyberspace wird wohl auch in Zukunft viel Raum bleiben für innovative künstlerische, technische und wirtschaftliche Projekte. r Text Linus Schöpfer, Illustra­tion Anna Unterrassner

Links zur Computerspielforschung http://iad.hgkz.ch «Game Design» an der ZHdK http://graphics.ethz.ch/teaching/game07/Results Vorstellung der diesjährigen ETH-Games www.gamestudies.at Plattform österreichischer Computerspielforscher

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Esoterik im experiment Wann kommt die Liebe, wann das Glück? Eine ganze Maschinerie von LebenSberatern verdient an den ewig gleichen bangen Fragen der Menschheit. Ob Hexe oder Vorstadt-Indianer, Vertreter der Esoterik sind in TV und Inter­net allgegenwärtig. Und wir glauben ihnen. Oder lieber doch nicht? Was ist dran an den so genannten Grenzwissenschaften? Ein Selbstversuch.

«Hier ist der Lebenskern, hier ist Ihr Ort.» Die Astrologin zeigt auf einen kleinen Kreis im Zentrum eines grösseren Kreises, dem Tierkreis. Dieser gleicht einem Rad, das in der Mitte hohl ist und auf dem die zwölf Sternzeichen in ebenso vielen Fel­ dern angeordnet sind. In diesen Fel­dern befinden sich verschiedene Symbole für die Himmelskörper unseres Sonnensystems, die miteinander in Verbindung stehen und sich gegenseitig beeinflussen. Und im Zentrum dieses kosmischen Wirrwarrs steht der Mensch.

Zurück in die Vorgeburt Jaqueline Schmutz, die Astrologin, ist sehr schlank und hat eine rauchige Stimme. Wir sitzen zusammen in einer hellen Wohnung in der Berner Altstadt. Vor Jaqueline Schmutz auf dem Tisch liegt mein Horoskop. Das Wort Horoskop kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie «Stundenabbild». Tatsächlich ist ein Horoskop eine Momentaufnahme des Himmels und nicht bloss eine «20minuten»Rubrik. Die Linien und die Positionen der

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Himmelskörper im Horoskop gäben dem, der sie zu lesen versteht, Auskunft über die Persönlichkeit des Horoskopeigners. «In der Astrologie schauen wir die Persönlichkeit auf drei Ebenen an», erklärt Jaqueline Schmutz. «Da ist die Ebene des Körpers, dann das Mentale und schliesslich das Gefühl.» Die Ebene des Körpers werde durch den Planeten Saturn ausgedrückt, die mentale Ebene durch die Sonne und die Gefühlsebene durch den Mond. Für die individuelle Deutung komme es darauf an, wie die anderen Planeten mit diesen Himmelskörpern in Verbindung stehen. Laut Jaqueline Schmutz wird an einem Horoskop aus­ serdem deutlich, wie jemand als Kind seine Eltern und deren Beziehung erlebt hat – und für welche Verhaltensmuster diese Person deshalb in ihren späteren Beziehungen besonders anfällig ist. Ihre Aufgabe als Astrologin sieht Jaqueline Schmutz darin, ihren Klienten solche Muster bewusst zu machen und mit ihnen ihre «Kernfragen» zu finden. Vorhersagen macht sie keine: «Muster sehen ist viel interessanter. Was passiert, ist schliesslich auch Ihre eigene Entscheidung.» Einen Blick in die Vergangenheit wirft die Astrologin jedoch immer – und zwar weiter zurück als erwartet. Ob einer jedoch an Re­ inkarnation glaubt oder seine vorgeburtliche Vergangenheit lieber als die Geschichte der Menschheit sieht, spielt dabei keine Rolle. «Der Mensch trägt Formen aus der Vergangenheit in sich.» Im jetzigen Leben gehe es darum, die Verbindungslinien zu finden und zu erkennen, wie der neue Lebens-Auftrag aussieht. In einem früheren Leben habe ich, so die Astrologin, zwar zu Kreisen gehört, die etwas zu sagen hatten, die Kommunikation sei aber nach strengen Regeln abgelaufen. Jetzt hätte ich die Aufgabe, auf kreative Weise zu kommunizieren. Ein kreativer Beruf, vielleicht auch


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Die Welt basiert auf Polarität. Wer eine Frage stellt, trägt auch die Antwort in sich. SANDRA ARIAS

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ein Kunstgeschichtsstudium wären nach Jaqueline Schmutz ein guter Weg. «Ich habe bei Ihnen auch das Recherchieren drin» – das wird den Chefredaktor freuen!

ne Einstellung zu Kreativität und Liebe betrifft. Zu letzterem Thema würde ich gerne etwas mehr erfahren. Was wohl dabei herauskommt?

Die Persönlichkeit deuten

Falsches Räucherstäbchen-Klischee

Szenenwechsel: Meine Handflächen sind pechschwarz. Eine nach der anderen werden sie auf weisses Papier gedrückt. Als die Farbe wieder abgewaschen ist, betrachtet Christine Bernegger zuerst meine Fingerabdrücke mit der Lupe. Dann widmet sie sich der ganzen Hand. «Sie sind ein Luftmensch.» Bei der Handanalyse werden vier verschiedene Handformen unterschieden, die den vier Elementen entsprechen und denen bestimmte Eigenschaften zugeordnet sind. Mein Handabdruck ist lang und gerade, wie der von Christine Bernegger. Sie ist ebenfalls ein Luftmensch. Luftmenschen seien neugierig, beweglich, kommunizierten gerne und hätten einen regen Geist. Neben der Handform seien die Handlinien und bestimmte Abschnitte in der Hand Mittel, um die Persönlichkeit eines Menschen zu deuten. Die Fingerabdrücke symbolisierten dagegen die Seele. Sie entstünden bereits Monate vor der Geburt und zeigten, was der jeweilige Mensch ins Leben mitbringe und wo er sich am wohlsten fühle. Bei mir seien dies die Themen Weisheit und Liebe. Diese Prinzipien müsse ich leben, um glücklich zu sein. Während die Fingerabdrücke ein Leben lang gleich bleiben, können sich laut der 64-Jährigen andere Bereiche der Hand im Laufe eines Lebens verändern. So fehle beim Handabdruck älterer Menschen oft jener Bereich in der Hand, der für Vitalität steht. Mittels des Handabdrucks werden bei der Handanalyse auch die wichtigen Handlinien untersucht. Das sind die Kopflinie, die für das Denken stehe, die Herzlinie, die zeige, wie wir mit Emotionen umgehen und die Lebenslinie, die die Lebenskraft eines Menschen symbolisiere. Aber keine Angst: Mit der Lebensdauer hat die Lebenslinie laut Christine Bernegger nichts zu tun. Neben den Linien gäben die einzelnen Finger zusätzliche Auskünfte über die Persönlichkeit. Ein starker Daumen mit einem gros­ sen Winkel zum Beispiel, «der kann viel umsetzen.» Die Astrologin hatte mir nicht so viel Tatkraft zugesprochen. Dafür stimmt sie mit der Handanalystin überein, was mei-

Christine Bernegger macht entgegen allen Klischees keine Aussagen über Krankheiten oder die Zukunft. Diese Art des Handlesens sei mittelalterlich, ihre Handanalyse habe eher einen psychologischen Bezug, erklärt sie. Die Handlinien stünden in Zusammenhang mit neuronalen Verknüpfungen im Gehirn und gäben deshalb Auskunft über die Persönlichkeit. Aus diesem Grund möchten auch nicht all ihre Bekannten, dass Christine Bernegger ihnen in die Hände schaut: «Handlesen ist eine intime Angelegenheit.» Im Nichtraucher-Bereich eines Cafés im Zürcher Hauptbahnhof: Ich habe mich für das klassischere der beiden Kartendecks entschieden, die Sandra Arias in indisch aus­s ehenden Holzkästchen mitgebracht hat. «Die Beine nicht überkreuzen.» Das ist alles – weder Räucherstäbchen noch meditative Musik sind nötig, um Karten zu legen. Die Karten werden von mir gemischt, um – wie Sandra Arias sagt – meine Energie aufzunehmen. Dann wird mit der linken Hand aus den fächerförmig ausgebreiteten Karten eine bestimmte Anzahl gezogen. Sandra Arias nimmt meine Karten in die Hand und legt sie in einer bestimmten Reihenfolge auf dem Bistrotisch aus. «Das ist das, was alle wissen», sagt sie und deutet auf eine der vier Karten vor uns auf dem Tisch. Sie zeigt eine Königin, die auf einem Thron am Wasser sitzt und in einen Kelch blickt. Diese Karte stehe für mich, wie die Welt mich sieht und wie ich mich selbst sehe. Hier komme eindeutig meine sensib­le Seite zum Vorschein, weiss Sandra Arias, denn das Wasser symbolisiere Emotionen. Dann wendet die zierliche 30-Jährige sich der Reihe nach den anderen Karten zu. «Das ist das, was nur Sie von sich wissen. Das wissen die anderen, Sie aber nicht. Und das weiss noch niemand.» Diese Legweise wird «Der blinde Fleck» genannt und soll allgemeine Auskunft über den Fragenden geben. In meinem Fall wird die Aussage des Kartenbildes von meiner momentanen Gefühlslage bestimmt. Die Deutung, die Sandra Arias im Folgenden macht, ist übrigens durchaus zutreffend.


Bodenhaftung und Ausbildung Aber wie kann Kartenlegen funktionieren? «Die Welt basiert auf Polarität. Oben – unten, innen – aussen, männlich – weiblich. Wer eine Frage stellt, trägt auch die Antwort in sich», erklärt Sandra Arias. Das Unterbewusstsein wähle stets die richtige Karte, hier gäbe es keinen Zufall. Es «denke» in Bildern – «Träume sind ja auch Bilder.» Deshalb zeigten die Karten verschiedene, archetypische Landschaften, Personen und Situationen. Diese würden intuitiv verstanden und brächten auf den Tisch, was einem mit dem Verstand nicht klar ist. Das könnten auch Ängste sein, und diese aufzufangen sei eine wichtige Aufgabe der Kartenlegerin. Sandra Arias betont gegenüber den Klienten stets, dass die Karten lediglich Tendenzen und Richtungen anzeigten. Wem sein Kartenbild nicht gefalle, der solle etwas unternehmen, um es zu ändern. Sie nennt das: «Den Hamster aus dem Laufrad holen.» Wie der Astrologin Jaqueline Schmutz geht es auch ihr darum, Muster zu reflektieren. «Ich bin Geh-Hilfe, aber nicht Gehilfe.» Sie helfe ihren Klienten, sich Vorgänge bewusst zu machen, ihre Entscheidungen müssten sie aber selber treffen. Kartenlegen sei ein Werkzeug für Bewusstmachung, keine Magie. Auch wenn Sandra Arias sich mit spirituellen Lebensfragen be-

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schäftigt, laufe sie, wie sie sagt, «nicht mit entrücktem Blick durch die Gegend.» Diese Bodenhaftung hat Sandra Arias mit den anderen aufgesuchten Beraterinnen gemeinsam. Alle drei benutzen Begriffe wie Seele und Reinkarnation und wirken doch nicht abgehoben. Alle drei haben eine entsprechende Ausbildung hinter sich und sind in den jeweiligen Verbänden ihrer Zunft. Nicht jede Aussage der Beraterinnen traf ins Schwarze, aber alle gingen in die richtige und – unabhängig voneinander – in dieselbe Richtung. Empfiehlt es sich also, an Esoterik zu glauben? Sandra Arias sagt, sie sei überzeugt von ihrem Weltbild. «Aber es ist auch nicht schlimm, wenn’s anders wäre. Ich lebe gut damit.» r Text Clio Girard, Bild Barbara Graf

Jeder kann eine Lebensberatungspraxis eröffnen. Wer eine solche Beratung einmal ausprobieren möchte, fragt deshalb am besten bei den entsprechenden Verbänden nach. Dazu gehören beispielsweise der Schweizerische Astrologen-Bund SAB, das Internationale Institut für Handanalyse Schweiz und der Deutsche Tarotverband Landesgruppe Schweiz. Weitere Informationen unter www.astrologenbund.ch, www.handanalysis.ch und www.tarotverband.de im Internet.


Es werde Teig!

Beim Anblick gekochter Spaghetti denkt wohl kaum jemand an Jesus Christus. Warum auch? Schlies­s­lich hat es nichts miteinander zu tun. Falsch! Jesus hat Konkurrenz be­ kommen und zwar von einer Gottheit, die nicht nur appetitlicher, son­dern auch origineller daherkommt: Dem Fliegenden Spaghettimonster. Was nach Parodie auf das Christentum klingt, hat einen ernsten Kern. Eine Handvoll gekochter Spaghetti, zwei Stielaugen und zwei Fleischbällchen – voilà, fertig ist das Abbild des Fliegenden Spaghettimonsters. Die alternative Gottheit, deren Anhänger sich als «Pastafari» bezeichnen, hat der amerikanische Physiker Bobby Henderson im Juni 2005 erschaffen. Die Entstehungsgeschichte des Pastamonsters hängt aber keineswegs mit einem Blödelabend unter betrunkenen Kollegen zusammen, im Gegenteil: Das Spaghettimonster trat seine göttliche Karriere aufgrund eines Streites an, der in Kansas, USA, zwischen Neokreationisten und Evolutionstheoretikern entbrannte. Im Frühling 2005 beschloss die Schulbehörde von Kansas, das so genannte «Intelligent Design» neben der Darwinschen Evolutionstheorie in den Biologielehrplan aufzunehmen. Damit wurde die Trennung von Wissenschaft und Religion im Unterricht aufgehoben. Die «Intelligent Design»Theorie basiert auf dem neokreationistischen Glauben, dass die Erde und alle Le-

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bewesen durch das Wirken eines oder mehrerer intelligenter Akteure entstanden sind. Das Leben auf der Erde sei zu komplex und einzigartig, als dass es sich durch puren Zufall entwickelt haben könnte. Erklärungsmechanismen wie die natürliche Selektion werden ausgeklammert. Obwohl nicht direkt auf Gott als Schöpfer Bezug genommen wird, steht die Idee einer höheren Macht als Ursprung allen Lebens im Vordergrund. Die Glaubensrichtung behauptet von sich selbst, wissenschaftlich zu sein, und stellt sich auf die gleiche Stufe wie die Evolutionstheorie.

Biervulkan und Stripperfabrik Was die Kreationisten in Kansas freute, ärgerte manch einen Wissenschaftler. So auch den damals 25-jährigen Physiker Bobby Henderson. Als Reaktion auf die intendierte Lehrplanänderung rief er um vier Uhr in der Nacht die Glaubenslehre des Fliegenden Spaghettimonsters ins Leben. In einem offenen Brief an die Schulbehörde forderte er, dass die Lehre des Pasta-Monsters neben der Evolutionstheorie und dem «Intelligent Design» ebenfalls an der Schule unterrichtet werden müsse. Immerhin sei seine Religion ebenfalls wissenschaftlich fundiert und habe in etwa dieselbe Überzeugungskraft wie die «Intelligent Design»-Theorie. Die Fleischbällchen-Religion hat nämlich wie jede andere religiöse Gemeinschaft ihre strikten Glaubensgrundsätze. So sind die «Pastafari» der Meinung, dass die Welt von einem nicht beweisbaren Fliegenden Spaghettimonster erschaffen wurde. Dieses hält für die Gläubigen im Jenseits einen Biervulkan und eine Stripperfabrik bereit. Gebete werden mit dem Wort «Ramen» beendet, das ist die Bezeichnung für eine asiatische Nudelsuppe. Auch liefert die SpassReligion eine Erklärung für die globale Erwärmung: Daran sei einzig und alleine die


Laut der Schweizer Vereinigung «ProGenesis» wollen vier von fünf Befragten die Schöpfung als gleichberechtigteTheorieimBiologieunterricht haben.

sinkende Anzahl Piraten schuld. Denn der Anstieg der Durchschnittstemperatur gehe rechnerisch korrekt mit dem Verschwinden der Piraterie einher – eine nahezu perfekte empirische Korrelation. Der berechnete Zusammenhang ist zwar statistisch korrekt und hätte somit wissenschaftlichen Anspruch, dennoch ist die Verknüpfung von Weltklima und Piraterie natürlich eine zufällige mathematische Übereinstimmung und somit reine Parodie auf die scheinbar wissenschaftlich fundierte «Intelligent Design»-Theorie.

Religion im Biologieunterricht? Dank des Internets hat sich die Pastafari-Bewegung innerhalb eines Jahres auf der ganzen Welt verbreitet. Bei Google lassen sich über 51 000 Webseiten mit Links zu dieser Spass-Religion finden. Sogar Fan­artikel wie T-Shirts und Tassen gibt es mittlerweile zu kaufen. Die parodistischen Züge der «Pastafari» sind nicht zu verkennen. Dennoch hat die Spaghetti-Religion einen ernsten Kern: die Forderung nämlich, dass religiöse Lehren nichts im Biologieunterricht verloren haben. Zentral am Spaghettimonster ist nicht die Veräppelung des Christentums, sondern der Wunsch nach einer Trennung von Wissenschaft und Religion. Auch in der Schweiz sind die Kreationisten aktiv. Der Verein «ProGenesis» setzt sich dafür ein, neben der Evolutionstheorie auch die Schöpfungslehre in den Biologieunterricht aufzunehmen. Mit einer Umfrage, an der 1100 Schweizerinnen und Schweizer zwischen 15 und 74 Jahren teilnahmen, will die Vereinigung herausgefunden haben, dass vier von fünf Befragten die Schöpfung als gleichberechtigte Theorie im Biologieunterricht haben wollen. Nur 20 Prozent der Stichprobe stimmten für die Evolution als alleinige Ursprungserklärung. In einem offenen Brief an den Bun-

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Müsste ein allmächtiger Gott nicht in der Lage sein, die Konstruktions-Fehler des Menschen zu bemerken und zu korrigieren?

desrat Pascal Couchepin schreibt Gian Luca Carigiet von «ProGenesis»: «Für viele junge Menschen ist die Evolutionslehre Anlass, Gott aus ihrem Lebenskonzept zu streichen. (…) Dieses Umfrageergebnis zeigt klar auf, dass die Menschen, die an eine Evolution ohne das Eingreifen Gottes glauben, klar in der Minderheit sind.» Die Aufnahme der Schöpfungslehre in den Biolehrplan soll die Schüler zu kritischem Denken anleiten und den Unterricht dank der kontroversen Auseinandersetzung spannender machen.

Keine schlaue Konstruktion Nicht natürliche Selektion, sondern die Hand Gottes könnte den Menschen geformt haben. So jedenfalls soll es im Biologieunterricht künftig heissen. Schliesslich sind der Mensch und alles Leben auf der Erde fantastische Schöpfungen: vielfältig, ausgeklügelt, wunderschön – und welche zufälligen Ereignisse könnten schon solche Kunstwerke hervorgebracht haben? Lars-Hendrik Schilling, Chemie-Student an der Universität Kiel, setzt sich in seinem Buch «Mensch sein», an dem er gerade arbeitet, mit existentiellen Fragen der menschlichen Natur sowie der Religion und der Willensfreiheit auseinander. Er meint: «Die grossen Kritiker der Evolutionstheorie verweisen immer auf die genialen Konstrukte der Natur, um zu behaupten, diese müssten doch klar von einer höheren Macht erdacht worden sein. Dabei übersehen diese Leute vollkommen die Mängel und Fehlentwicklungen in der Natur.» Beispielsweise liegen unsere Luft- und Speiseröhre direkt nebeneinander. Diese Entwicklung war sinnvoll und einfach, denn so musste sich die eine Röhre nur in zwei Teilstücke aufteilen. Doch es ist keine sonderlich schlaue Konstruktion. Sie führt zu einem Hustenreflex, wenn wir uns verschlucken. Bei einer allergischen Schwellung

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in der Speiseröhre können wir ersticken. Müsste ein allmächtiger Gott nicht in der Lage sein, diesen Fehler zu bemerken und zu korrigieren bzw. nicht schon von Anfang an ein sinnvolleres Konstrukt in unseren Körper einzubauen? Nicht, wenn die Evolution als Entstehungstheorie der Menschheit angenommen wird, meint Lars-Hendrik Schilling. «Die Evolution begeht Fehler. (…) So wie in der Marktwirtschaft ein Monopolist zu verhindern versucht, dass andere in den Markt eintreten, auch wenn sie bessere Produkte liefern, genauso kann in der Evolution eine bereits verbreitete Eigenschaft die Entwicklung einer neuen verhindern, auch wenn die neue sinnvoller wäre.» Ein anderes Beispiel: Es gibt Plazentasäugetiere und Beutelsäugetiere. Wir sind ersteres, während Koalabären der zweiten Kategorie angehören. Lars-Hendrik Schilling sagt: «Bei Plazentasäugetieren ist die Gehirngrösse durch den Durchmesser des Geburtskanals begrenzt. Wir Menschen bil­­den quasi die Obergrenze. Bei Beuteltieren kann das Gehirn jedoch nahezu beliebig gross werden. Hätte sich also zeitgleich zu uns eine Art Beutelmensch entwickelt (oder hätte Gott uns als Beutelsäugetiere geschaffen), wären diese uns deutlich überlegen gewesen und hätten uns verdrängt.» Unserem Schöpfer aber derartige Inkompetenz vorzuhalten, wäre zweifellos eine Frechheit. An allen Mängeln und Fehlentwicklungen wäre ja dann er schuld.

Eine Bauchentscheidung Die Frage bleibt: Was gehört in den Biologieunterricht? Schöpfung? Evolution? Oder beides? Während sich die Anhänger der Schöpfungslehre auf die Umfrageer­ geb­nisse von «ProGenesis» berufen, argumentieren die Evolutionstheoretiker, dass die Schöpfungslehre wohl kaum wissenschaftlich sei, da sie auf dem Glauben und nicht auf empirischen Experimenten beruhe – weshalb sie in den Religionsunterricht gehöre. Denn: Ist dieser nicht genau dazu da, die Entstehung des Lebens zu diskutieren und den Schülern Gott näher zu bringen? Weshalb sollte es nicht möglich sein, an Gott zu glauben und sich im Biounterricht dennoch mit den Theorien Darwins zu befassen? Nach Ansicht des Nudelsuppen-Propheten Bobby Henderson gehört nur die Evolution in den Biounterricht – oder alles inklusive des Fliegenden Spaghettimonsters. Hätten die Schüler die Wahl zwischen Evolution, Schöpfung und einer Spaghetti-Gottheit, dann dürfte dies sprich­w örtlich eine Bauchentscheidung wer­den. Es wäre sogar förderlich für die geistige Entwicklung der Schüler, im Biounterricht auf das Spaghettimonster zu sprechen zu kommen: Es lädt zu kritischem Denken ein und macht den Unterricht dank kontroverser Thesen spannender, so wie es sich Gian Luca Carigiet von «ProGenesis» wünscht. In diesem Sinne: Ramen! r      Text Barbara Ritter, Bild Barbara Graf

Der offene Brief von ProGenesis an Bundesrat Pascal Couchepin findet sich unter www.progenesis.ch im Internet. Ebenfalls im Internet gibt es ausführliche Informationen zum Fliegenden Spaghettimonster unter www.venganza.org. Das Buch von Lars-Hendrik Schilling ist zurzeit noch nicht im Handel erhältlich.


www.schminke.ch

«Die Frage ist nicht Karriere ja oder nein, sondern welche Karriere.» Aude Joly, dipl. Wirtschaftsprüferin, Senior Manager, PricewaterhouseCoopers, Neuenburg*

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Aude Joly geb. 1971 I 1996 lic. oec. HSG und Eintritt bei Pricewaterhouse-Coopers als Assistentin Wirtschaftsprüfung I 2000 Abschluss an der Kammerschule Basel als dipl. Wirtschaftsprüferin I 2001 Manager Wirtschafts-prüfung I 2001–2003 Aufenthalt in São Paulo als Betreuerin von Mandaten schweizerischer, europäischer und amerikanischer Unternehmungen I 2004 Senior Manager Wirtschaftsprüfung I 2005 Mitglied des Kammervorstandes I spricht fliessend Französisch, Deutsch, Englisch und Portugiesisch I in ihrer Freizeit als Tauchinstruktorin aktiv I

Wirtschaftsprüfung: Wo Karrieren geboren werden. Ein guter Hochschul- oder Fachhochschulabschluss und der unbedingte Wille zum Weiterkommen sind eine gute Basis für die anspruchsvolle und karriereträchtige Aufgabe des Wirtschaftsprüfers. Die Eckpfeiler unserer Branche sind Kompetenz, Verantwortungsbewusstsein, Unabhängigkeit, Teamfähigkeit und Zivilcourage. Der Beruf stellt höchste Anforderungen an die ihn Ausübenden. Sie müssen die jeweilige Unternehmenskonstellation profund kennen, den aktuellen Markt analysieren können und zukunftsorientiert prüfen. Relevanz und Wirtschaftlichkeit sind dabei wichtige Stichworte. Denn Wirtschaftsprüfer sind nicht nur den Unternehmen und Investoren verpflichtet, sondern auch der Öffentlichkeit und dem Staat. Deshalb starten bestausgebildete, kompetente Männer und Frauen ihre Karriere immer öfter in unserer Branche. Und zwar mit einem herausfordernden dreijährigen Ausbildungsweg. Wo er hinführen kann, zeigt das Beispiel von Aude Joly. www.treuhand-kammer.ch

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Die Treuhand-Kammer ist die Spitzenorganisation der Branche und zählt 920 Unternehmen mit 13 000 Mitarbeitenden sowie 5000 natürliche Personen zu ihren Mitgliedern.


«Tief glauben, weit denken! »

Wem die Bibel wichtiger ist als Partys und der Glaube wichtiger als ein Kühlschrank voller Bier, der ist in der christlichen «Bibelgruppe für Stu­dierende Zürich» gut aufgehoben. Nachdiplomstudent Christoph Egeler ist Leiter dieser Gruppe und über­ zeugter Christ – das Thema Glauben hinterfragt er aber durchaus.

Christoph Egeler, du bist Leiter der «Bibelgruppe für Studierende Zürich». Was tut man in einer Bibelgruppe überhaupt? Das Wort «Bibelgruppe» ruft oft eine falsche Vorstellung hervor von dem, was wir sind. Die Leute denken, wir seien ein kleines Grüppchen, in dem man sich gegenseitig Bibeltexte vorliest. Aber eigentlich sind unsere Treffen eher wie Gottesdienste, in denen ein Austausch stattfindet. Man singt gemeinsam und hört einem Gastredner oder einer Predigt zu. Wir sind aber ganz klar keine Kirche, sondern wir versuchen, den Link zwischen Studium und Glauben zu schaffen. Der zweite zentrale Aspekt ist das Interkonfessionelle, das wir pflegen. Das heisst, dass sich bei uns katholische, reformierte und verschiedenste freikirchlich orientierte Studierende treffen und einen Austausch pflegen. Kann man überhaupt gläubig sein? Zunächst eine Gegenfrage: Gibt es einen Menschen, der nicht gläubig ist? Ich denke, dass jeder Mensch an irgendetwas glaubt. Ein Atheist «glaubt» ja beispielsweise, dass es Gott eben nicht gibt. Den Glauben ver-

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stehe ich als nicht sicheres Wissen und als etwas, das jeder in sich trägt. Die Frage ist nicht, ob man überhaupt an etwas glaubt, sondern woran man glaubt. Und auch als Student kann man durchaus in einem biblisch-christlichen Sinne gläubig sein.

Aber ist es als Student nicht schwierig, ein wirklich gläubiges Leben zu führen? Man denke an all die Partys und sonstigen sündigen Aspekte des Studentenlebens… Ich denke, dass ein gläubiger Student sehr wahrscheinlich nicht den ausgelassensten Lebensstil pflegt, wobei ich auch hoffe, dass es sich nicht bei allen gläubigen Studierenden um graue Mäuse handelt. Klar geht man auch an Partys und klar trinkt man auch mal Alkohol, aber ich denke, dass ein Lifestyle, bei dem es sich nur noch um Spass, Unterhaltung und Partys dreht, mit der christlichen Lebensführung eher unvereinbar wäre. Als Aspekt eines erfüllten Lebens, wo sicherlich auch das Feiern dazu gehört, liegt es schon drin, auch mal auf den Putz zu hauen. Aber gerade weil sich in unserer heutigen Gesellschaft alles nur noch um Unterhaltung dreht, hat ein gläubiger Lebensstil viel zu bieten. Aus meiner Sicht gibt es im Leben noch mehr als nur Unterhaltung, und dieses Etwas gibt mir mein Glaube. Wie geht man als gläubiger Student mit All­tagsproblemen wie Prüfungsstress, Leis­tungsdruck oder finanziellen Nöten um? Kann einem der Glaube dabei helfen? Natürlich lebt der Durchschnittsstudent auf einem bescheidenen Niveau, aber bei einem gläubigen Studenten haben Geld und Materielles wohl keinen allzu grossen Stellenwert. Was Stress und Leistungsdruck betrifft, habe ich selbst den Glauben als beruhigenden Faktor erlebt. Ich sehe mich nicht als frei im Universum herumfliegendes Zu-


fallsprodukt, sondern eher als kleiner Teil eines grossen Ganzen. Das kann mir in einer Stresssituation helfen, weil nur schon still sein, innehalten und sich auf das Wesentliche besinnen dabei helfen kann, einen Teil der Last des Alltags abzulegen. Das heisst, du würdest die Aussage, dass der Glaube dein Leben einfacher macht, unterstreichen? Nein, auf keinen Fall, denn das ist genau das, was vielerorts gesagt wird, aber in meinen Augen problematisch ist und entweder zu einem oberflächlichen Glauben oder früher oder später zu Enttäuschung und Frustration führt. Der Glaube ist nicht dazu da, mir ein einfacheres Leben zu bescheren, sondern mir in einem tieferen Sinne mehr Erfüllung zu bringen. Was sagst du Leuten, denen Glauben und Religion nichts bedeuten? Zunächst komme ich wieder auf das zurück, was ich am Anfang gesagt habe, nämlich zu fragen, was der andere denn glaubt. Mit solchen Leuten diskutiere ich gerne, weil ich dann sagen kann: «Aha, du ‹glaubst› also, dass es keinen Gott gibt.» Die zweite Frage, die ich meinem Gegenüber dann stellen würde, wäre: «Weshalb glaubst du nicht an Gott?» Mich interessiert es, wie das Gottesbild aussieht, an das diese Leute eben nicht glauben. Allerdings muss ich leider sagen, dass ich äusserst selten solche Diskussionen führe. Du findest es demnach wichtig, sich auch über das, was man glaubt, Gedanken zu machen? Unbedingt, denn seit ich praktizierender Christ bin, hat mich der Zusammenhang zwischen Glauben und Denken fasziniert. Ich war schon immer eher der Denkertyp. Ein Slogan der Vereinigten Bibelgruppen,

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Jeder Mensch glaubt an irgendetwas. unseres Dachverbandes, ist: «Tief glauben, weit denken.» Ich finde, dieser Satz fasst meinen Glauben sehr gut zusammen. Mir ist es immer wichtig, dass beides zusammengehört, denn es ist nicht das Ziel, das Denken auszuschalten, um Christ sein zu können. Das wäre ja sektiererisch. Fragt man sich als gläubiger Student manchmal, ob die Realität das ist, woran man glaubt oder das, was der Professor doziert? Ich habe als Student erlebt, dass, wenn man sich mit der Natur beschäftigt, man vor lau-

ter Faszination noch eher in seinem Glauben bestärkt wird. Gerade weil die Natur so komplex und genial ist, muss es eine Schöpfermacht geben. Allerdings verstehe ich die biblische Version der Entstehung der Welt in einem weiteren Sinne. Ich kann nicht glauben, dass aus Materie Geist entstanden sein soll, sondern eher, dass aus Geist Materie entstand. Viele Leute sagen, dass sie nur an die Evolutionstheorie glauben, wobei sie die Sache aber meist nicht zu Ende denken. Die Wissenschaft gibt zwar Antworten auf die Frage, wie etwas funktioniert, aber der Glaube die Antworten auf die


Fragen nach dem Woher und dem Warum. Aber ich finde es auch schade, dass es Leute gibt, die nicht anders mit der Bibel umgehen können, als jedes Wort darin wörtlich zu nehmen. Das finde ich genauso verbohrt und fundamentalistisch wie auch die vollkommen materialistische, atheistische Auffassung einer Welt ohne schöpferische Macht. Du denkst also nicht, dass sich Wissenschaft und Glauben gegenseitig ausschlies­ sen? Ich denke, dass es durchaus Wege gibt, Wis­­senschaft oder Glauben zu praktizieren, die das jeweils andere ausschliessen. Aus christlicher Sicht halte ich die Grundmethodik der extrem reduktionistischen Vorgehensweisen der Naturwissenschaft für fragwürdig, denn nur weil man etwas nicht messen kann, heisst das noch nicht, dass es das nicht gibt. Aber dort, wo die Wissenschaft diesen erhöhten Anspruch nicht hat, halte ich ein gemeinsames Bestehen von Wissenschaft und Glauben für möglich und sogar für komplementär.

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Schon zu Galileos Zeiten stritt man über dieses Thema. Wirst du damit oft konfrontiert? Ich muss sagen, dass ich teilweise schockiert bin, wie stark sich das streng aufklärerische Weltbild noch bei den Leuten erhalten hat. Die Auffassung, dass man Gott quasi überwunden habe und nun zur Vernunft gekommen sei, finde ich heuchlerisch, denn man braucht sich nur die Welt anzuschauen, um daran zu zweifeln. Aber um auf die Frage zurück zu kommen: Ich höre sehr häufig, Glaube und Wissenschaft würden sich gegenseitig ausschliessen, doch ich sage dann immer, dass ich es halt anders erlebe. Es scheint, als ob es immer weniger Studierende gibt, die wirklich gläubig sind. Ist das tatsächlich so? Das ist für mich schwierig zu beurteilen, weil mir ganz einfach die Zahlen dazu nicht bekannt sind. Zudem dürfte meine Sicht in diesem Punkt etwas verzerrt sein, da ich durch meine Tätigkeit als Leiter der Bibelgruppe fast nur mit gläubigen Studie-

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Weil sich in unserer heutigen Gesellschaft alles nur noch um Unterhaltung dreht, hat ein gläubiger Lebensstil viel zu bieten.

renden zu tun habe. Aber trotzdem glaube ich, dass diese Aussage nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, denn die 60erund 70er-Jahre waren wohl die Höhepunkte der atheistischen Welle – heute scheint die Tendenz wieder in die andere Richtung zu gehen. Abschliessend: Welche Zukunft siehst du für den Glauben und die Religion in Anbetracht der heutigen Probleme in der Welt? Ich kann mir gut vorstellen, dass der Glaube eine Art Renaissance erfahren könnte, weil sich die Menschen wieder nach etwas Greifbarem und Bekanntem sehnen. Sie könnten sich sagen, dass etwas wie das Christentum – trotz all der negativen Aspekte seiner Geschichte – irgendwie seine Berechtigung haben muss. Was mir jedoch manchmal Sorgen bereitet sind der Terrorismus und die damit verbundenen Glaubenskämpfe. Denn dies könnte den Glauben unter eine Art Generalverdacht bringen, was wiederum die Menschen vom Glauben abhalten könnte. r Text

Christoph Egeler, 32, ist Leiter der «Bibelgruppe für Studierende Zürich», die Mitglied der Vereinigten Bibelgruppen VBG ist. Er hat Psychologie und Soziologie studiert und strebt derzeit das höhere Lehramt im Nach­ diplomstudium an.

Mauro Landolt, Bild Barbara Graf

Ins_Studentenmagazin.qxd:Inserat

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ich glaube, also irre ich Im Mittelalter glaubte man, die Welt sei eine flache Scheibe. Heute weiss jedes Kind, dass dem nicht so ist. Andere Unwahrheiten halten sich weit hartnäckiger und ver­ breiten sich auch noch in der heuti­gen Wissens­gesellschaft munter weiter. Ein Streif­zug durch die kollektiven Irrtümer unserer Zeit – für mehr Wissen und weniger Irrglauben.

Die Chinesische Mauer ist vom Mond aus mit blossem Auge zu sehen. Wird ein Stück Fleisch über Nacht in Coca-Cola eingelegt, dann löst es sich auf. Hollywood ist die grösste Filmindustrie der Welt, Marilyn Monroe war eine natürliche Blondine und Mozart ein Österreicher. Alles falsch! Die Chinesische Mauer misst an der breitesten Stelle zehn Meter und ist somit vom Mond aus – immerhin in 300 000 Kilometern Entfernung – nur mit einem starken Fernrohr zu erkennen. Coca-Cola setzt einem Stück Fleisch über Nacht zwar arg zu, löst es aber nicht auf. Die Filmindustrie Indiens produziert 900 Filme im Jahr, mehr als doppelt so viele wie Hollywood. Marilyn Monroe bleichte ihr von Natur aus braunes Haar und als Mozart lebte, gehörte seine Geburtsstadt Salzburg nicht zu Österreich. Populäre Irrtümer haben sich in alle Bereiche des Lebens eingeschlichen. Es sind Dinge, die wir zu wissen glauben, die weit herum als anerkannte Fakten gelten – und dennoch nicht den Tatsachen entsprechen. Während einige kollektive Irrtümer

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noch als Halbwahrheiten bezeichnet werden können, fehlt anderen jegliche wahrheitsgetreue Grundlage – zum Teil wurden sie sogar bewusst als Falschinformationen in die Welt gesetzt. Die deutschen Autobahnen zum Beispiel sind nicht auf Anweisung von Adolf Hitler gebaut worden, vielmehr wurde die weltweit erste Autobahn bereits 1921 in Berlin eingeweiht. Als Hitler Reichskanzler wurde, waren Autobahnen quer durch Deutschland längst geplant oder schon im Bau. Die Eröffnung der meisten Autobahnen in Deutschland fiel dann mehr per Zufall in die Zeit der Herrschaft Hitlers, was die Nazi-Propaganda auszunutzen verstand. Das deutsche Autobahnnetz wurde als grosse Vision und Errungenschaft Hitlers dargestellt. Propaganda, die bis heute nachwirkt.

Geschichte neu schreiben Im Bereich der Geschichte lassen sich unzählige weitere Irrtümer der Gesellschaft aufspüren: So ist Tschernobyl keineswegs der bisher grösste Nuklearunfall der Geschichte: Ein Mehrfaches der in Tschernobyl freigesetzten Radioaktivität gelangte bereits 1957 im südlichen Ural in die Atmosphäre, als ein Tank mit 80 Tonnen radioaktiven Abfällen explodierte. Charles Lindbergh hat nicht als erster Mensch den Atlantik überflogen. In Tat und Wahrheit war er der 67. Mann, der diese Leistung vollbrachte. Da er aber als erster Mensch von Amerika kommend und ohne vorherigen Zwischenhalt in der grossen Stadt Paris landete, war ihm ein Platz in den Medien und somit in den Geschichtsbüchern gesichert. Ebenso wenig dürften wir eigentlich Gutenberg für die Erfindung der Buchdruckkunst rühmen. Schon mehr als tausend Jahre vor Gutenberg wurde in China das erste Mal maschinell gedruckt. Spä-


ter perfektionierte Gutenberg lediglich die Technik des Buchdrucks, indem er anstelle von Holz Metall für die Schriftzeichen benutzte und eine wasserunlösliche Druckfarbe entwickelte. Noch mehr Lust auf Ansatzpunkte für den Rotstift in den Geschichtsbüchern? Das Fernrohr ist keine Erfindung von Galileo Galilei, Piraten hatten nie einen Totenkopf auf ihren Flaggen, Jesus wurde sehr wahrscheinlich in Nazareth geboren und die Französische Revolution 1789 stand zwar unter dem Motto der Freiheit und der Gleichheit, nicht aber der Brüderlichkeit.

Schwimmen, Schnaps und Haare Doch nicht nur das kollektive Geschichtswissen ist voll von populären Irrtümern, auch im Alltag stützen wir uns oft auf

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scheinbare Weisheiten, die einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Sollte dieser Text beispielsweise bei Dämmerlicht gelesen werden, schadet dies den Augen keineswegs, auch wenn unsere Eltern immer wieder das Gegenteil erzählt haben. Ebenso überflüssig ist die Ermahnung, nicht mit vollem Magen schwimmen zu gehen. Sie wurde erstmals – und fälschlicherweise – in den 1950er Jahren durch das Amerikanische Rote Kreuz verbreitet. Empirische Studien konnten das befürchtete Risiko für Magenkrämpfe und Ertrinken nie nachweisen. Es bleiben weitere wichtige Fragen des Alltags ungeklärt: Fördert häufiges Haarschneiden den Haarwuchs? Entstehen Karies und somit Löcher in den Zähnen tatsächlich durch Zucker? Und fördert ein Schnaps nach dem Essen wirklich die Verdauung?

Der nun bereits etwas sensibilisierte Leser liegt natürlich richtig: Drei Mal nein! Den weiblichen Leserinnen zuliebe sei hier zumindest die Sache mit dem Haarwuchs im Detail erklärt: Es stimmt, dass kurzes Haar schneller wächst als langes. Zudem hängt das Haarwachstum auch von der Hautpartie, dem Geschlecht und dem Alter ab. Völlig falsch ist allerdings, dass die Zahl der Haare durch das Schneiden zunimmt. Die Anzahl der Haare ist nämlich genetisch vorprogrammiert.

Gähnen ist nicht langweilig Aus wissenschaftlicher Sicht richtig spannend wird es dort, wo populäre Irrtümer zwar als falsch aufgedeckt werden können, aber niemand weiss, was richtig ist. Hier begegnen sich Unwissen und Irrglauben –​


Das kollektive Geschichtswissen ist voll von populären Irrtümern. eine interessante Kombination. Weit verbreitet ist zum Beispiel der Glaube, dass Gähnen durch Sauerstoffmangel verursacht wird. Stimmt nicht. Sogar Babys im Mutterleib gähnen, obwohl sie durch die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt werden. Wieso Menschen und Tiere gähnen, kann bis zum heutigen Tag jedoch nicht schlüssig erklärt werden. Verschiedene Theorien stehen im Raum: Gähnen sei ein Akt des Mitgefühls; Gähnen erfolge bei Veränderung des Wachheitszustandes; Gähnen erhöhe die Aufmerksamkeit; Gähnen synchronisiere das Gruppenverhalten; Gähnen sei eine notwendige Dehnübung für die Gesichtsmuskeln. Ähnlich unbekannt wie die Ursache des Gähnens sind der Wissenschaft übrigens die Gründe dafür, weshalb Menschen schlafen, Katzen schnurren und Lebewesen Sex haben. Doch kehren wir zum Schluss noch einmal zurück zu Dingen, die wir für richtig halten, die jedoch erwiesenermassen falsch sind. Wer würde nicht behaupten, Poker sei ein amerikanisches Kartenspiel?

Und wer bestreitet, dass der kecke Ausspruch «Ich glaube keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe» von Winston Churchill stammt?

Flach wie eine Scheibe? Das Pokerspiel entstand vor 3000 Jahren im alten Persien. Es hiess «As» und verbreitete sich durch die Kreuzfahrer nach Europa und von dort später nach Amerika. Die viel zitierte Aussage von Churchill wurde dem Britischen Premier von Joseph Goebbels in verschiedenen «Anweisungen an die deutsche Presse» regelrecht in den Mund gelegt. In England konnte bis anhin kein Nachweis erbracht werden, dass Churchill diese Worte jemals gesagt hat. Übrigens: Dass die Menschen im Mittelalter geglaubt ha-

ben, die Welt sei eine flache Scheibe, ist ein weit verbreiteter Irrtum. Seit Aristoteles hielt kein seriöser Gelehrter die Welt für eine Scheibe, auch nicht die Mönche des Mittelalters. Dieser Irrtum ist eine Schöpfung des späten 19. Jahrhunderts, als Wissenschaft und Religion zunehmend in einen Zweikampf gerieten. Um zu zeigen, wie retardierend die Kirche sei, verbreiteten einige Wissenschaftler den Mythos der ewiggestrigen Geistlichen, welche die kugelförmige Gestalt der Erde nicht erkennen konnten oder wollten. Mit grossem Erfolg: Um 1870 war noch in keinem einzigen englischen Schulbuch von der im Mittelalter flachen Welt die Rede – zehn Jahre später in fast allen. r Text Chris Buchmann, Bild Patrick Hari

Literatur zum Thema Walter Krämer / Götz Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer, Piper 2006. Erhältlich für 18.60 CHF. Christa Pöppelmann: Die neuen Irrtümer der Allgemeinbildung, Compact Verlag 2006. Erhältlich für 14.90 CHF.

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UNIPOLITIK

strahl tag­? Darf die Atomindus­trie den Studiengang «Nu­ clear Science and Tech­ no­logy» mitfinanziE­­ren? Ja, findet ETH-Professor Horst-Michael Prasser. Die Sorge vor einem InteressenskoNflikt kann er nicht ver­­­­­ste­­hen. Und auch die Vorbehalte gegen Kern­ energie nicht.

«Normalerweise wird gefeiert, wenn es einer Universität gelingt, einen Sponsor zu

finden. Ich verstehe nicht, warum es in diesem Fall zu einem Problem gemacht wird», so Horst-Michael Prasser, 52, Professor für Kernenergiesysteme an der ETH Zürich. Der auf das Herbstsemester 2008 geplante Master-Studiengang seines Instituts wurde vom Schweizer Fernsehen in der Nachrichtensendung «10 vor 10» scharf kritisiert, weil ein Teil der Ausbildung von der Industrie finanziert wird, namentlich von «swiss­ nuclear», der Fachgruppe für Kernenergie der «swisselectric». Die Fachgruppe setzt sich zusammen aus Vertretern von mehreren schweizerischen Stromverbundunternehmen. Der Vertrag zwischen der ETH und «swissnuclear» über die Finanzierung der Professur wurde 2003 abgeschlossen. Ausgewählt wurde Horst-Michael Prasser von einer Berufungskommission der Universität. «Hierbei spielte ‹swissnuclear› nicht die Hauptrolle», betont der neue Professor. Und weiter: «Es werden auch weitere Kollegen von der ETH und der EPFL sowie Wissenschaftler aus dem Paul-Scherrer-Institut unterrichten.»

Interesse an Absolventen Horst-Michael Prasser ist überzeugt: «Absolventen dieses Studienganges werden keine Schwierigkeiten haben, eine gute Stelle zu finden. Eine ganze Reihe von Führungspositionen ist mit Mitarbeitern besetzt, die bald in den Ruhestand gehen werden.» Sogar im unwahrscheinlichen Fall, dass alle Atomkraftwerke in der Schweiz heruntergefahren werden, brauche es für den verbleibenden Betrieb und die Still­ legung weiterhin entsprechend ausgebildete Fachleute. Was der Professor nicht sagt: Auch für einen möglichen Ausbau der Werke ist die Industrie auf Spezialisten angewiesen. Dass sie die finanzielle Last dieser anspruchsvollen Ausbildung mitträgt, findet der Professor gut. Er fügt hinzu: «Die Atomkraftwerke kriegen ihre Spezialisten

sowieso.» Und wie steht es mit der Neutralität und der Unabhängigkeit der Forschung? «Das Interesse der Industrie liegt hier nicht vorrangig bei der Forschung – die Schweiz verfügt bereits seit langem über eine breite Forschung auf dem Gebiet der Kerntechnik am Paul-Scherrer-Institut. Das Hauptanliegen der Finanzierung der Professur besteht in gut ausgebildeten Absolventen», wiederholt Horst-Michael Prasser.

Sichere Atomenergie? Die Angst vieler Menschen vor einer Gefahr durch Kernkraftwerke kann der Wissenschaftler nicht nachvollziehen: «Der Fall einer Kernschmelze beispielsweise ist sehr selten. Zudem bieten die heute laufenden Reaktoren den Operatoren viele Möglichkeiten, die Auswirkungen des Störfalls auf die Anlage selbst zu begrenzen.» Auch für die Endlagerungsproblematik, ein viel diskutiertes politisches Thema, hat er kein Verständnis: «Der nukleare Abfall ist nicht in der Lage, eine Gegend unbewohnbar zu machen.» Die jüngeren Unfälle in Kernkraftwerken seien Störfälle gewesen, die in der «International Nuclear Event Scale» (INES), die sieben Kategorien umfasst, der Stufe null zugeordnet wurden. Es seien dies «Ereignisse ohne oder mit geringer sicherheitstechnischer Bedeutung». In den vergangenen vier Jahren gab es jedoch in Kernkraftwerken in Ungarn und Grossbritannien auch «ernste Störfälle», das heisst Zwischenfälle, die mindestens der Stufe drei entsprechen. Solche Vorfälle werden von der Atomlobby gerne verharmlost. Doch die Bevölkerung ist sensibilisiert – Vorbehalte und Ängste werden trotz beschwichtigender Worte bestehen bleiben. Die Atomlobby und die Forschung müssen sich kritische Fragen wohl gefallen lassen. Dazu gehört auch die Problematisierung eines gesponserten Studienganges. r Text Anouk N’Guyen, Illustra­tion Rita Peter

Die Schweiz verfügt über vier Kernkraftwerke mit fünf Reaktorblöcken: Beznau 1 und 2, Gösgen, Leibstadt und Mühleberg. Mit fast 26 Milliarden Kilowattstunden produzieren sie 40 Prozent des Strombedarfs der Schweiz.

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gangenheit mit der Musik bewältigen, sondern einfach gewisse Dinge ansprechen. Nicht anklagend, mehr dokumentierend – kontemplativ. Mein nächstes Projekt wird wohl wieder etwas harmonischer und ruhiger werden. Denn oftmals kriege ich zu hören: «Stark, dass du dich als Frau so etwas traust». Meine Musik ist zuweilen laut, heftig und unbequem. Das fällt auf, denn Noise-Musik ist immer noch eine Männerdomäne. Diese Auffassung verzerrt aber meinen eigentlichen Fokus und lässt die Inhalte in den Hintergrund rücken. Das möchte ich nicht.

So richtig laut

Die Zürcherin Joana Aderi studiert an der Jazz­schule Trondheim in Norwegen. Vor kurzem ver­ öffentlichte sie unter dem Pseudonym EIKO die CD «I Feel Pregnant Today». Im Gespräch mit StudiVersum spricht sie über Musik, Computer und Afrika.

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Joana Aderi, fühlst du dich heute schwanger? Ja, jetzt kommt es langsam wieder – dabei habe ich doch gerade erst geboren (lacht und zeigt auf die CD). Der Titel meines Albums «I Feel Pregnant Today» bezieht sich auf den unglaublichen Drang, mich auszudrücken. Manchmal muss einfach etwas raus, weil man so voll von Eindrücken ist. Das kommt auch auf der Bühne vor, wenn man plötzlich merkt: Ich habe etwas zu sagen – jetzt muss es einfach raus. Und was hast du zu sagen? Hast du eine bestimmte Message? Im aktuellen Programm geht es hauptsächlich um Identitätsfindung und Isolation in der Welt. Sexueller Missbrauch ist ebenfalls ein zentrales Thema. Obwohl ich zu letzterem einen autobiographischen Bezug habe, will ich nicht primär meine Ver-

Bei einigen deiner Tracks wird einem angst und bange. Ist die Welt wirklich so schrecklich? Manchmal, ja. Ich finde die Welt unglaublich schön und gleichzeitig extrem schrecklich. Diese Gegensätze interessieren mich. Aber in unserer Gesellschaft wird der Ausdruck des Schreckens sanktioniert. Gerade ältere Menschen sind oft schockiert von «Humpty Dumpty», einem Stück, in dem ich schreie – so richtig schreie. Bei Erwachsenen ist das hierzulande ja eher unüblich. Aber auf einer Beerdigung in Kenia beispielsweise ist es normal, dass man schreit. Was den Zuhörern «Angst» macht, ist wahrscheinlich weniger das Schreien als vielmehr das Gefühl, das ausgedrückt wird. Hast du einen speziellen Bezug zu Kenia? Mein Vater war Kenianer. Als Erstgeborener seiner Sippe wurde er Medizinmann in seinem Dorf. Im Rahmen der Missionierung aber reiste er nach Europa. Hier hat er dann meine Mutter kennen gelernt, die ihrerseits Pfarrerin ist. So richtig hat sich mein Vater aber nie angepasst und blieb in gewissem Sinne immer «Medizinmann». Als Kinder hatten wir es manchmal schwer, weil wir bei uns die ersten «Neger» waren –


das war damals noch nicht so selbstverständlich. Ständig wollten die Leute uns in die Haare fassen. Unsere «Andersartigkeit» wurde uns ständig bewusst gemacht. Ich habe das gehasst und deshalb voll auf Assimilation gesetzt. Von Kenia wollte ich damals nichts wissen. Seit dem Tod meines Vaters ist der Bezug zu Afrika noch geringer. Aber für mich stimmt das eigentlich so. Ich fühle mich als Schweizerin, bin ich doch hier geboren und aufgewachsen. Was steht bei dir am Anfang, die Musik oder die Texte? Ganz klar die Sprache. Lesen und Sprache waren mir immer wichtig. Auch in meinem Elternhaus hatte die Sprache einen grossen Stellenwert. Ich schreibe ständig irgendetwas auf, das dann manchmal für lange Zeit in einer Schublade verschwindet, bevor ich es wieder hervorkrame. Oft ergeben sich die Rhythmen meiner Stücke aus den Texten. Und woher holst du die Inspiration für deine Musik und Texte? Im anonymen Getümmel einer Grossstadt – unterwegs. Da kann ich sehr gut schreiben. Die Begegnungen mit Städten, Landschaften und Menschen regen mich zum Nachdenken an. Ich gehe auch viel klettern in den Bergen, was ebenfalls inspirierend ist. Auf deiner Homepage ist ein Foto, auf dem du kletternd an einer Felswand zu sehen bist. Viele Musiker leben sehr ungesund. Das ist ein Klischee, das nur allzu oft zutrifft. Für mich als Sängerin ist das aber ein Widerspruch. Ich kann nicht Musik machen mit meiner Stimme und gleichzeitig meinem Körper schaden. Ich gehe deshalb mindestens jeden zweiten Tag klettern, um fit zu bleiben – inzwischen ist das Klettern für mich zu einer Art Sucht geworden. Ein

ganzheitliches Körpergefühl ist für mich sehr wichtig, auch im Hinblick auf das Singen. Wie kamst du vom Singen zur elektronischen Musik? In den Neunzigern habe ich angefangen, Trip-Hop zu hören, vor allem Tricky und Björk, die mich stark beeinflusst haben. So habe ich elektronische Klänge kennen und schätzen gelernt. Als Solo-Performerin habe ich dank des Computers die Möglichkeit, mein eigenes Zeug zu machen. Auf der Bühne soll dann so viel wie möglich live und aus dem Moment entstehen. Deshalb arbeite ich nicht mit Time-Lines, wo ich quasi nur noch die Play-Taste am Laptop drücken muss, sondern bearbeite die Klänge live. Dabei verwende ich vorwiegend die eigene Stimme als Klangmaterial. Was hat dich gereizt, in Norwegen zu studieren? In Jazzschulen in der Schweiz bin ich mir ehrlich gesagt etwas missverstanden und «gefangen» vorgekommen. Die Ausbildung war dort sehr akademisch und nicht so sehr auf Kreativität ausgelegt. In Norwegen war das dann eine Kehrtwende um 180 Grad. Man hat nur sehr wenig Unterricht, dafür viel mehr Zeit, an seinen eigenen Projekten zu arbeiten oder wirklich sein «Instrument» zu üben. Ausserdem sind die Leute experimentierfreudiger. Die Szene ist bedeutend kreativer als in der Schweiz. Was unterscheidet denn die norwegische Musikszene von der schweizerischen? Gerade in Sachen Gesang gibt es in Norwegen eine grosse experimentelle Szene, während mir in der Schweiz ausser Bruno Amstad eigentlich niemand in den Sinn kommt, der wirklich experimentell singt. Ausserdem habe ich den Eindruck, dass es in der Schweiz verpönt ist, als Musiker

erfolgreich sein zu wollen. Man guckt immer mit grossen Augen, was in New York oder Berlin abläuft und glaubt, dass «es» dort passiert. In Norwegen und ganz allgemein in Skandinavien ist die Musikszene weniger Amerika-orientiert und die Musiker sind viel selbstbewusster, manchmal fast schon penetrant selbstbewusst (lacht). Vielleicht ist ihre Musik deshalb so erfolgreich, denn eigentlich ist die Szene dort gar nicht so gross. Du unterrichtest auch in Norwegen. In welchem Rahmen findet das statt? An der Jazzschule wird im dritten Jahr der Bachelor-Ausbildung das Fach «Elektronik für Musiker» bzw. «Electronics on Stage» angeboten. Ich mache die Musiker dort mit dem Einmaleins der elektronischen Musik vertraut und versuche, ihnen die Basics der Software «Live» zu vermitteln, mit der man schnell, intuitiv und ohne weitreichende Computerkenntnisse arbeiten kann. Diese Software dient Musikern bei der Ergänzung und Erweiterung ihres Klangspektrums, indem sie lernen, den Computer musikalisch zu nutzen. Kannst du zum Schluss noch etwas über das Label erzählen, auf dem deine CD erschienen ist? Aus der Taufe gehoben wurde «Trepok» von drei verrückten Zürcher Jungs, die sich zum Ziel gesetzt haben, Solo-Performern, die elektronische Musik «lebendig» aufführen, eine Plattform zu bieten. Von den Stilrichtungen her spannt das einen recht weiten Bogen: von Techno bis zu experimenteller Musik. Diesen Ansatz finde ich sehr spannend, denn bei einem Konzert möchte man doch einen Musiker schwitzen und nicht nur apathisch in einen Laptop starren sehen. r Text Marco Andreu, Bild Barbara Graf

Joana Aderi entdeckte ihre Liebe zur Musik schon sehr früh. Nach dem Bachelor an der Jazzschule Basel begann sie ihr Master-Studium in Komposition und Performance an der Jazzschule Trondheim, Norwegen. Vergangenen Mai veröffentlichte sie unter ihrem Künstlernamen EIKO die CD «I Feel Pregnant Today» beim Zürcher Label Trepok. In der Schweiz spielt sie das nächste Mal am Elektro-Lux-Festival in Luzern. Die CD «I Feel Pregnant Today» ist erschienen bei Trepok Records und für 25 Franken erhältlich. Das Elektro-LuxFestival findet am 27. Oktober im «Sedel» in Luzern statt. Weitere Informationen unter www.trepok.com und www.elektro-lux.net im Internet.

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Die Schweiz, Ihr Unternehmen.

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Schweizerische Eidgenossenschaft Confédération suisse Confederazione Svizzera Confederaziun svizra


KURZGESCHICHTE

ENDLICH DER RICHTIGE FÜR REBEKKA Text: André Bähler

Rebekkas Männerverschleiss ist beträchtlich. Nicht, weil sie mit jedem x-beliebigen Kerl anbändelt. Nein, sie ist jedes Mal überzeugt, endlich den Richtigen gefunden zu haben. Was sich früher oder später als Irrtum erweist. Meistens früher. John hat Rebekkas Suche nach Mr. Right treffend beschrieben: «Der Neue ist der Richtige, solange er neu ist.» Beat und John haben sich längst an die wechselnden Männerbesuche in der WG gewöhnt. Wer sich nicht länger als drei Wochen halten kann, wird von den beiden schlicht ignoriert. Die erste Weihe wird in der Regel durch Johns «Hallo Bakar, wie geht’s?» vollzogen. Bakar war Rebekkas letzte Sommeraffäre und unterschied sich durch seinen Namen in wohltuender Weise von all den Stefans, Michaels, Danis und Andys, die sie sonst anschleppte. Auf alle Fälle war es der einzige Name, den sich John merken konnte, und so nennt er seither jeden, der mehr als drei Wochen schafft, Bakar. Beat begnügt sich mit einem einfachen «Hallo», seit er einen Robert mit «Hoi Stefan, im ersten Augenblick ha­be ich dich für David gehalten» begrüsst hat. Rebekkas Männerkarussell drehte sich munter, bis Gregor der Neue war. Er führte sich an Silvester ein und unterschied sich nicht wesentlich von seinen Vorgängern. Als er Ostern überlebte, schenkte man ihm grössere Aufmerksamkeit. Beat merkte sich seinen Namen und John teilte kürzlich einen Joint mit ihm («Nimmst du auch einen Zug, Bakar?»). Auffallend war zudem, dass es keine Wochenend-Richtigen mehr gab. Vertreter dieser besonderen Spezies assen einem den Sonntagszopf weg und grinsten dämlich, als hätten sie

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in der letzten Nacht ihr erstes Mal gehabt. Was auf einige wahrscheinlich auch zutraf, aber so genau wollten es John und Beat jeweils nicht wissen. Die Aufmerksamkeit für Gregor verwandelte sich in Respekt, als Rebekka gemeinsame Ferienpläne bekannt gab: Drei Wochen Veloferien in Schweden, Zug und Fähre seien gebucht. Dann stellte Rebekka Gregor sogar ihren Eltern vor. Das hatte es noch nie gegeben. Hatte Rebekka diesmal wirklich Mr. Right gefunden? Der Sommer kam. Heiss und wolkenlos – wie die Beziehung zwischen Rebekka und Gregor. John fuhr die beiden samt ihrer Tourenvelos an den Bahnhof. Der Nachtzug nach Hamburg wartete bereits. Zwei Wochen später: Das WG-Telefon klingelt. Beat eilt zum Apparat, weil John sich wieder einmal nicht aus der Hängematte erheben will. «Beat Gerber.» «Hallo! Ich bin’s, Rebekka!» Beat befürchtet das Schlimmste. Immer schön vorsichtig bleiben, nicht alle Trennungen sind für Rebekka schmerzlos gewesen. «Hallo Rebekka, wie sind deine Ferien?» «Super! Ich bin so glücklich, endlich den Richtigen gefunden zu haben.» Beat atmet auf. Gregor hat offenbar die Hürde genommen, an der bisher auch die Zähesten gescheitert waren: Ferien mit Rebekka. «Das freut mich wirklich für dich! Sag Gregor einen lieben Gruss von mir.» «Ach Gregor! Der war schon okay, aber Björn-Lars ist definitiv der Richtige für mich.»

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IMPRESSUM | 2007.10 HERAUSGEBERIN:

StudiMedia GmbH, Bern CHEFREDAKTOR:

Mario Fuchs REDAKTOREN DIESER AUSGABE:

Marco Andreu, Philipp Arnold André Bähler, Chris Buchmann Jonas Bürgi, Mario Fuchs, Clio Girard Mauro Landolt, Anouk N‘Guyen Barbara Ritter, Linus Schöpfer, Regula Wegmann LAYOUT:

Céline Beyeler , Maike Hamacher BILDREDAKTION:

Barbara Graf

Schwierigkeitsgrad der Sudokus: Mittel. Mehr Sudokus auf http://www.studisurf.ch/studiversum/sudoku

ILLUSTRATION:

Rita Peter, Anna Unterrassner FOTOGRAFIE:

Barbara Graf, Patrick Hari LEKTORAT:

Antje Kramer DRUCK:

Benteli-Hallwag, Bern KONTAKT:

StudiMedia GmbH Weissenbühlweg 40 3007 Bern. Tel: +41 31 371 65 45 Fax: +41 31 371 65 44 www.studimedia.ch info@studimedia.ch LESERBRIEFE:

leserbriefe@studiversum.ch StudiVersum erscheint sechs Mal jährlich in einer Auflage von 30 000 Exemplaren an allen Universitäten und Fachhochschulen der Deutschschweiz. Alle Rechte vorbehalten; Nachdruck, Aufnahme in OnlineDienste und Internet und Vervielfältigung auf Datenträgern wie CD-Roms etc. nur nachvorherigerschriftlicherGenehmigung der Herausgeberin.

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WIE ANNO DAZUMAL

KOCHTIPP Das Harry-Potter-Bier Die vielen jungen Menschen an den Universitäten beschäftigen sich mit gar wichtigen und ernsten Sachen, mit der Juristerei etwa, der Philosophie oder der Literatur. Doch allenthalben entdecke ich Studenten im Gang, auf der Treppe oder gar in der Vorlesung, vertieft in die Lektüre eines HarryPotter-Buches. Wie freut mich das jeweils! Denn auch ich habe meinen Gefallen gefunden an derlei magischen Sperenzchen! Als ich nun unlängst auf meinem Dachboden kramte, fiel mir ein alter, vergilbter Zettel in die Hände, den ich seinerzeit im Jahre 1957 von meinem englischen Vetter George erhalten hatte. Ich staunte nicht schlecht. Es handelte sich um das Rezept des geheimnisvollen Harry-Potter-Bieres. So will ich hier kurz erläutern, wie es gebraut wird: Man nehme einen halben Liter Pilsener und einen halben Liter Milch, dazu 100 Gramm Zucker und fünf Eigelbe. Man schütte den Zucker ins Pilsener und koche das Ganze auf – vielleicht muss man dabei nach einiger Zeit etwas Schaum abschöpfen. Auch die Milch bringt man zum Kochen. Unsere Eigelbe rührt man ordentlich um. Jetzt lässt man Milch und Pilsener etwas abkühlen und schüttet das Pilsener zum Eigelb. Wichtig ist, das Ganze gut zu rühren. Zum Schluss kommt die Milch dazu, ebenfalls unter zünftigem Rühren – und fertig ist das Potter-Bier! Ich habe einmal gehört, dass das Potter-Bier mit dem schweisstreibenden mittelalterlichen Butterbier verwandt sei – für letzteres allerdings braucht es kein Eigelb und statt Zucker wird Zimt, statt Pilsener mildes Bier verwendet. Aber Vorsicht! Mein Vetter George, er verfiel dem feinen Weizen und kam darob ins Unglück. Daher ein kleiner Zusatztipp: Haltet Mass, junge Freunde, ein Harry-Potter-Bier pro Abend reicht zur Genüge. Aber dann schmeckt’s, dass es eine wahre Freude ist. Gesundheit!

Horst

Horst, 72, ist allzeit bereit: Ob im Haushalt oder in der Garage, beim Einkaufen oder an der Uni, Horst hilft! Als Hörer besucht er regelmässig Vorlesungen und weiss daher bestens Bescheid, was den Jungen von heute unter den Nägeln brennt. Seine Tipps sind längst schon keine Geheimtipps mehr. Deshalb: Horst ausschneiden, an den Kühlschrank oder die Pinnwand heften, dann kann nichts mehr schief gehen!

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Der PwC-Studenten-Club FastTrax bietet dir viele Vorteile für dein Studium und deine Karriere: Zugriff auf das umfangreiche Research Center von FastTrax Unterstützung für Bachelor-, Master- und Doktorarbeiten Interessante Praktikumsmöglichkeiten Zugang zum Netzwerk des weltweit grössten Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Einladungen zu exklusiven PwC-Events Bist du mindestens im 4. Semester, schliesst an einer Schweizer Universität oder Fachhochschule dein Studium ab und bist interessiert am Wirtschaftsgeschehen? Dann melde dich heute noch an bei FastTrax unter www.fasttrax.ch Wir freuen uns auf deine Anmeldung!

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Annette Graber, Associate, Wirtschaftsberatung

Was ist der PwCStudentenClub FastTrax?

StudiVersum 17  

Kurzübersicht: - Esoterik im Experiment - Es werde Teig! - Ich glaube, also irre ich

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