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schutzgemeinschaft alt bamberg e. v.

Jahresbericht Ausgabe 2006

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Liebe Mitglieder, haben Sie Ihren Mitgliedbeitrag für das Jahr 2007 bereits beglichen? Sind Sie umgezogen oder haben dies in der nächsten Zeit vor? Hat sich Ihre Kontonummer oder Bankverbindung geändert oder wird sich demnächst ändern? Dann geben Sie uns das doch bitte baldmöglichst bekannt, denn für jede Rückbuchung werden wir von der Bank mit 3 Euro belastet. Herzlichen Dank, Ihre Rosi Egger

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Herausgeber: Vereinsleitung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V. Schillerplatz 9 96047 Bamberg Tel. 0951 – 202521 Email: schutzgemeinschaft@altbamberg.de www.altbamberg.de

Redaktion und Beiträge: Sylvia Buckel, Marion Dubler, Dr. Jörg Händler, Dr. Christa Harth, Dr. Horst Miekisch, Ingo Schmitt Fotos: Peter Berns, Sylvia Buckel, Marion Dubler, Bernhard Metzner Layout: Studio Linear, Graphische Arbeiten Renate Herderich www.studio-linear.de V.i.S.d.P.: Dr. Jörg Händler, 1. Vorsitzender

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Editorial

Liebe Mitglieder, es hat wieder einige Zeit gedauert, bis das neue „Jahresheft“ erschienen ist. Eigentlich ist es kein Jahresheft, sondern ein „Wahlperiodenheft“. Denn in den vergangenen Jahren erschien das Mitteilungsblatt der Schutzgemeinschaft nicht mehr einmal im Jahr, sondern in mehrjährigen Abständen. Auch wenn es länger als ein Jahr gedauert hat, sind wir stolz, das neue Heft in etwa der Mitte der Amtsperiode des jetzigen Vorstandes vorlegen zu können. In der Jahreshauptversammlung 2005 wurden Vorstand und Beirat neu gewählt. An die Vereinsspitze wurden mit Ingo Schmitt und mir Männer im hoffentlich - besten Alter gestellt. Auch die Arbeit im Beirat und in den Vorstandssitzungen erfährt mit Matthias Prell und Alexander Hornung tatkräftige Unterstützung durch Jüngere. Das Gewinnen von jüngeren Menschen und deren Arbeiten im Vorstand und Beirat ist aus meiner Sicht dringend notwendig, um den Bestand der Schutzgemeinschaft, deren Zukunftsfähigkeit und ihren Erfolg in der kommenden Zeit zu sichern. Die Aufgaben- und Tätigkeitsbereiche der Schutzgemeinschaft haben sich in den letzten Jahren geändert und werden dies auch noch in den nächsten Jahren tun. Dies liegt auch darin begründet, dass die öffentliche Verwaltung zahlreiche Aufgaben im Denkmalschutz an sich gezogen und Einrichtungen geschaffen hat, die sich hiermit beschäftigen. Auch haben sich zahlreiche „neue“ Vereine und Interessengruppen gegründet, die sich des Themas und Randbereichen des Denkmalschutzes angenommen haben. Die Verjüngung des Vorstandes und des Beirates birgt aber natürlich auch Nachteile: Ingo Schmitt und ich sind beide selbständig tätig, so dass die ehrenamtliche Tätigkeit hinter dem Beruf zurück bleibt. Für das Ehrenamt ist manchmal zu wenig Zeit. Dennoch haben wir uns einiges auf die Agenda geschrieben und werden versuchen, das Vorgenommene in den nächsten Jahren abzuarbeiten und auch umzusetzen. Dazu gehört auch die Steigerung der Effizienz in der Vorstandsarbeit sowie das Herausarbeiten neuer Kernpunkte des Engagements der Schutzgemeinschaft. Bereits in den vergangenen Jahren haben wir viel erreicht: Durch Pressegespräche und Presseberichte wird über die Arbeit der Schutzgemeinschaft zumindest auf lokaler Ebene wieder mehr berichtet. Wir unterstützen den Fotokünstler Gerhard Schlötzer, der mit seinem Projekt „Der öffentliche Raum“ großformatige Schwarz-Weiß Fotografien fertigt und ausstellt. Zur Unterstützung seines Werkes haben wir einige seine Arbeiten angekauft. 2005 haben wir den Dr.-Ingo-Fessmann-Preis ins Leben gerufen, mit dem wir denkmalschützerisches Engagement der Bamberger Bürger würdigen. Im Jahre 2005 wurde der Preis an Hauseigentümer verliehen, die historische Fensterläden an ihren Anwesen restauriert und wieder angebracht haben. Im Jahre 2006 wurde der Preis zum zweiten Mal verliehen und an Hauseigentümer vergeben, welche historische Fenster restauriert und in

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Editorial ihre Anwesen eingebaut haben. Als größtes Förderprojekt konnte die Restaurierung der Sphinx-Skulpturen in der Musikmuschel im Hain realisiert werden. Durch das Engagement von Marion Dubler sowie dem Bildhauer Adelbert Heil sowie der großzügigen Spende der Sparkassenstiftung war es möglich, die völlig zerstörten und verwitterten Gesichter der Sphinxen wieder in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Am Tag des offenen Denkmals 2006 hatten wir unseren Pavillon im Michaelsberger Terrassengarten geöffnet, eine Fotoausstellung und zahlreiche Führungen durch die Stiftskirche sowie den Terrassengarten angeboten. Das Besucherinteresse war riesig, die Resonanz ausschließlich positiv. Auch im Jahre 2007 werden wir am Tag des offenen Denkmals teilnehmen und die Bamberger Bürger auf die Denkmäler in ihrer Heimatstadt aufmerksam machen. Erstmals werden wir im September 2007 ein eigens von der Schutzgemeinschaft ausgerichtetes Fest präsentieren; dieses wird am Pavillon im Michaelsberger Garten stattfinden und sich mit der „Kornelkirsche“ aus den heimischen Gärten beschäftigen. Intensive Arbeit erforderte in den vergangenen Monaten unser Engagement in der Bürgerinitiative „Rettet den Michaelsberg“. Dieses Engagement wird auch noch in den nächsten Monaten erhebliche Arbeit nötig machen, um zu verhindern, dass die Stadt Bamberg und die Sozialstiftung Bamberg, ihre Pläne verwirklichen, das Kloster Michaelsberg als Standort eines Altenheims aufzugeben, einer neuen Nutzung zuzuführen und in der Nähe des Klinikums am Michaelsberg (St. Getreu) ein neues, riesiges Altenheim zu errichten. Derzeit ist kaum bzw. nicht abzusehen, welche Folgen die Pläne der Stadt Bamberg und der Sozialstiftung Bamberg für das Kultur- und Gartendenkmal Michaelsberg sowie das gesamte Weltkulturerbe der Stadt Bamberg haben. Es steht zu erwarten, dass dann, wenn das Kloster Michaelsberg tatsächlich einer Nutzung als Hotel zugeführt werden sollte, dieses völlig entkernt und in seiner Denkmal-Substanz völlig zerstört werden würde. Dies gilt es zu verhindern. Schließlich wurde in der Jahreshauptversammlung 2006 von den Mitgliedern die Erstellung und Umsetzung eines Jugendkonzeptes beschlossen. Dieses Jugendkonzept soll dazu dienen, die Arbeit der Schutzgemeinschaft auch bei Schülern, Studenten und jüngeren Bürgern der Stadt Bamberg bekannt zu machen und ihr Interesse für diese Arbeit sowie ein Engagement in der aktiven Arbeit der Schutzgemeinschaft zu wecken. Um dieses Jugendkonzept zu erstellen und schließlich umzusetzen, wurde ein Arbeitskreis eingesetzt. Dieser hat zwischenzeitlich seine Arbeit aufgenommen und berichtet regelmäßig in Vorstandssitzungen über den Stand der Dinge. Gerade auch durch die Erstellung dieses Jugendkonzeptes sollte es möglich sein, neue und jüngere, auch aktive Mitglieder für die Schutzgemeinschaft zu gewinnen. Dies ist auch notwendig, da die Arbeit für Vorstand und Beirat in den nächsten Jahren sicherlich nicht weniger werden wird. Es ist jedoch aus meiner Sicht notwendig, diese auf mehrere Schultern zu verteilen, um die Arbeit der Schutzgemeinschaft im bisherigen Umfang auch in der Zukunft aufrechterhalten zu können. Ich darf deshalb abschließend alle Mitglieder auffordern, sich aktiv an unserer Arbeit zu beteiligen und auch darum, neue Mitglieder zu werben. Ihr

Dr. Jörg Händler 1. Vorsitzender

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Inhalt Impressum 4 Editorial 5 Inhalt 7 Rückblick auf das Jahr 2005/2006 8 Jahreshauptversammlung 2005 8 Vorträge 9 Bamberg - eine Stadt im rechten Licht 10 Förderprojekt - Sphingen an der Musikmuschel im Hain 11 Tag des offenen Denkmals 2006 Die Geschichte des Klosters St. Michael Zur Geschichte des Obstanbaus Die Obstbäume am Michaelsberger Garten Ausblick: Tag des offenen Denkmals 2007

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Pressespiegel Schutzgemeinschaft Alt Bamberg kündigt neue Projekte an

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Jahreshauptversammlung 2006 Verleihung des Dr.-Ingo-Fessmann-Preis 2006

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Pilzballade von Dr. Jörg Händler

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Fotoprojekt “Der öffentliche Raum” in Bamberg von Gerhard Schlötzer 25 ie Schutzgemeinde trauert um ihr Ehren- und Gründungsmitglied D Nina Gräfin Schenk von Stauffenberg

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Stellungnahmen 30 Baukörper Augustenstraße 30 Baukörper Küchelstraße 30 Vorbereitenden Untersuchungen zum Sandgebiet 30 Untere Mühlen, veröffentlicht im Fränkischen Tag 31 Bauleitplanung ERBA 33 Spaziergänge 34 Unterwegs mit dem Künstlerhaus 34 Kapelle in Not 35 Eisgrube 3 - Haus des Engels 36 Vorschau 2007 36 Pavillon im Terrassengarten

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Kloster St. Michael “Ein Kloster im Sonderangebot” 40 Kornelkirschenfest Die Kornelkirsche - ein Methusalem unter den Bamberger Gewächsen

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Programm 2007

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Schlusswort 46 Jahresbericht 2006

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Rückblick auf das Jahr 2005

Die scheidende Vorsitzende Gabriele Pfeff-Schmidt bei ihren letzten „Amtshandlungen“. Im Hintergrund unser langjähriger Schatzmeister Werner Hottelmann

Jahreshauptversammlung 2005 Im Mittelpunkt der Jahreshauptversammlung stand die Wahl des neuen Vorstandes und des Beirates. Die bisherige Vorsitzende Gabriele Pfeff-Schmidt berichtete zunächst über die Aktivitäten des Vorstandes im letzten Jahr. Dabei ging sie vor allem auf die Themen ein, welche in den Vorstandssitzungen behandelt wurden, so insbesondere die Neugestaltung des Maxplatzes, die Sanierung des Sandgebietes und den Abriss bzw. die Umnutzung des Hallenbades. Sie berichtete außerdem über die von der Schutzgemeinschaft als Träger öffentlicher Belange abgegebenen Stellungnahmen in Bauleitverfahren, insbesondere zur City-Passage. Sie reflektierte auch die Vorträge von Herrn Prof. Dr. Manfred Fischer am 20.10.2005 über die Denkmalpflege und die Endlichkeit der Dinge unter der Überschrift „Er liebte seine Ruine“ und von Christian Wendel über einen möglichen Lichtmasterplan für Bamberg unter dem Titel „Bamberg - eine Stadt im rechten Licht“. Schließlich zog Gabriele Pfeff-Schmidt eine Bilanz der Arbeit der Schutzgemeinschaft unter ihrem Vorsitz und begründete, warum sie ebenso wie die zweite Vorsitzende Dr. Christa Harth nicht weiter zur Verfügung stehe.

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Gespräche im Anschluss an die Jahreshauptversammlung

An diesen Vortrag schlossen sich die Wahlen des Vorstandes und des Beirates an. Dr. Jörg Händler wurde zum neuen ersten Vorsitzenden, Ingo Schmitt zu seinem Stellvertreter gewählt. Neu in den Beirat wurden neben Werner Hottelmann, Marion Dubler, Rosi Egger, Dr. Horst Miekisch, Gisela Miekisch, Peter Berns und Bernhard Metzner jetzt Gabriele Pfeff-Schmidt und Matthias Prell gewählt.


Die Jahreshauptversammlung endete mit einer Feierstunde, in der erstmals der von Dr. Ingo Fessmann gestiftete Preis für denkmalschützerisches Engagement verliehen wurde. Dr. Fessmann stellt zunächst für insgesamt vier Jahre je € 500 zur Verfügung, das Bamberger Bürgern, die sich besondere Mühe bei der Gestaltung von Fassadendetails gegeben haben, zukommen. In diesem Jahr wurden zwei Hauseigentümer für gelungene Fensterlädenrestaurierung geehrt: die Familie Dr. Nieber im Hinteren Graben 16 und das Ehepaar Christina und Jochen Neumerkel in der Kleberstraße 29.

Sylvia Buckel mit dem „SGAB-Kuchen“ vor dem Anschnitt

Dr. Händler stellte abschließend das Fotoprojekt des Bamberger Fotographen Gerhard Schlötzer mit dem Titel „Der öffentliche Raum in Bamberg“ vor. Die Schutzgemeinschaft fördert dieses Projekt und erwirbt einige Fotographien zum Subskriptionspreis. Der Abend endete traditionell mit dem Verzehr der „AltBamberg-Torte“

Vorträge Im Oktober 2005 konnte die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg gleich zwei interessante Abendveranstaltungen anbieten. Prof. Manfred Fischer referierte zum Thema „Er liebte seine Ruine“ - Denkmalpflege und die Endlichkeit der Dinge. Prof. Fischer lebt seit 1998 in Bamberg als freier Autor. Seine Vita ist die eines „Bildungsnomaden“: Nach der Promotion im Jahr 1962, er studierte Kunstgeschichte, Geschichte und Germanistik, arbeitete er am Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München, später in Rom an der Bibliotheca Hertziana des Max-Planck-Instituts. Als Konservator an der Bayerischen Verwaltung der Schlösser, Gärten und Seen, als Leiter des Denkmalschutzamtes in Hamburg, Vorsitzender der Vereinigung der Landesdenkmalpfleger und Professor an der Universität Hamburg, verfügt er über einen umfangreichen Schatz an Erfahrung und Wissen, den er in seinem Vortrag in unseren Räumen wie gewohnt kompetent, unterhaltsam und aus seiner ganz persönliche Sicht der Dinge präsentierte. Wir freuten uns über ein volles Haus! Jahresbericht 2006

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Rückblick auf das Jahr 2005 Unser zweiter Abend stand unter dem Titel:

„Bamberg - eine Stadt im rechten Licht“ Dazu der Fränkische Tag am 5. November 2005: Auf Einladung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg fand am 28.10.2005 ein Vortrag über einen Lichtmasterplan für Bamberg statt. Die 1. Vorsitzende Gabriele Pfeff-Schmidt freute sich über ein volles Haus. Sie betonte, dass die Schutzgemeinschaft mit dieser Veranstaltung keineswegs den von der Stadt in Auftrag gegebenen Planungen für ein Beleuchtungskonzept der Innenstadt vorgreifen wolle. Vielmehr solle für ein solches Konzept geworben und den Bürgern die Möglichkeit der Information gegeben werden. Das Interesse der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg liege ja vor allem im Erhalt des Stadtbildes und gleichzeitig in der Förderung der Lebendigkeit der Innenstadt. Deshalb zeigte sie sich erfreut, dass der in London ansässige Lichtplaner Christian Wendel für den Vortrag „Ein Lichtmasterplan für Bamberg“ gewonnen werden konnte. Christian Wendel hat sich im Rahmen seiner Abschlussarbeit im internationalen Studiengang „architectural lighting design“ mit diesem Thema befasst. Der Referent ging zunächst auf die Grundlagen von Licht und Beleuchtung, Lichtverschmutzung und die Ziele eines Lichtmasterplanes ein. In einer Bildschirmpräsentation analysierte er die Grundstruktur Bambergs sowie historische Zusammenhänge in der Stadt. Anschließend behandelte er die Beleuchtungssituation mit heute ungefähr 10.000 Lichtpunkten anhand vieler Beispiele in Bamberg, um auf dieser Grundlage einen Plan für die zukünftige Stadtbeleuchtung zu erarbeiten. Der von ihm entwickelte Lichtmasterplan basiert dabei auf drei wesentlichen Leitmotiven: den Belangen der Bevölkerung, der flexiblen Ausgestaltung des Lichtmasterplanes wegen seiner Laufzeit von bis zu 20 Jahren und Betonung der Attraktivität der Innenstadt mit ihren herausragenden Bauwerken. Konkret machte Wendel entlang der sogenannten barocken Achse zwischen Kettenbrücke und Dom insgesamt fünf sogenannte Blickpunkte mit unterschiedlicher Gewichtung aus. Diese gelte es auch nachts ihrer Bedeutung gemäß zu beleuchten. Generell schlägt der junge Lichtdesigner vor, für die wich-

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tigen innerstädtischen Abschnitte wie die Fußgängerzone oder den Bereich um das Alte Rathaus im Rahmen eines Lichtmasterplanes übergeordnete Leitlinien auszuarbeiten. Diese machten grundsätzliche Aussagen zur Erscheinung der Leuchten bei Tag und Nacht. Beleuchtungsintensität und Lichtfarbe spielten genauso eine Rolle wie die Absicht der Beleuchtung. Als Beispiel hob Wendel hier die sehr differenzierte Illumination der Martinskirche hervor. Die gesamte Gebäudefront erscheine in einem warmen orangen Licht während Details wie die zurückliegenden Nischen durch kaltes weißes Licht betont würden. „Weitere Leitlinien müssten für die feinfühlige Beleuchtung der Fußgänger- und Autobrücken, die herausragenden Denkmäler Bambergs, die Flussufer und Plätze aufgestellt werden“ so der Lichtplaner, der den übergeordneten Charakter eines Masterplanes betonte. Wendel schloss seinen Vortrag mit zwei visualisierten Beleuchtungsbeispielen für Bamberg und ging dabei zum einen auf die Kirchen im Berggebiet, deren jeweilige Bedeutung für das Stadtbild durch unterschiedlich intensive Beleuchtung herausgestellt werde, abschließend dann auf die Kettenbrücke mit den dortigen Uferbereichen ein.

Abbildung aus dem Lichtmasterplan von Christian Wendel als Beispiel für die Uferbeleuchtung


Förderprojekt „Sphingen an der Musikmuschel im Hain“ Michael Eccard übergab dieses Foto der Schutzgemeinschaft und gab damit Anstoß für das Förderprojekt Im Jahre 2005 erhielt unser Beiratsmitglied Marion Dubler von Michael Eccard, einem Studenten der Universität Bamberg Bilder, welche das unversehrte Gesicht der rechten Sphinx-Skulptur in der Musikmuschel im Hain zeigen. Den damaligen Zustand der Skulpturen mit völlig verwitterten und zerstörten Gesichtern nahm Marion Dubler zum Anlass, in einer Vorstandssitzung zu berichten und sich für eine Restauration einzusetzen. Vorstand und Beirat beschlossen daraufhin, sich der Wiederherstellung der Skulpturen anzunehmen und ein „Förderprojekt“ ins Leben zu rufen. Der erste Schritt führte sodann zum Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Bamberg, Konrad Gottschall, dem das Projekt vorgetragen wurde. Dieser sicherte spontan zu, dass seitens der Sparkasse Bamberg bzw. der Kulturstiftung der Sparkasse Bamberg Gelder zur Verfügung gestellt würden. Vorstand und Beirat sprachen auch mit der Stadt Bamberg als Eigentümerin Der kleine Andreas Laufer wurde in der Wohnung über der Musikschule der Skulpturen. Unter Beteiligung des Lan- geboren. Nach dem Krieg diente sie als Notunterkunft. desamts für Denkmalpflege wurden eine Bestandsaufnahme und ein Maßnahmenkatalog aufgestellt. Die Stadt Bamberg gab die Erstellung eines Gutachtens hinsichtlich des derzeitigen Umfanges der Beschädigungen der Skulpturen sowie der notwendigen Maßnah-

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Rückblick auf das Jahr 2005/2006

FT-Artikel men in Auftrag. Nach Vorliegen des Gutachtens stand ein Restaurierungsaufwand von ca. 16.000,00 € im Raum, so dass Vorstand und Beirat kurz davor standen, dieses Projekt nicht weiter zu verfolgen. Mit der Stadt Bamberg wurde jedoch Einigkeit dahingehend erzielt, dass Angebote von Steinrestauratoren eingeholt werden und auf Grundlage dieser Angebote dann entschieden wird, ob bzw. wem der Auftrag der Restaurierung der Skulpturen erteilt wird. Der Bamberger Bildhauer Adelbert Heil schließlich erstellte ein Angebot über 4.000,00 €, so dass ihm der Zuschlag

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erteilt wurde. Zwischenzeitlich hatte die Kulturstiftung der Sparkasse Bamberg Mittel für die Restaurierung der Skulpturen in Höhe von 3.000,00 € zur Verfügung gestellt. Vorstand und Beirat der Schutzgemeinschaft beschlossen, den restlichen Betrag aus eigener Tasche zu finanzieren. In kürzester Zeit nahm Adelbert Heil die Restaurierung der Skulpturen in Angriff und konnte diese schnell fertig stellen. Im Herbst 2006 war es schließlich so weit: Im Beisein von Sparkassendirektor Konrad Gottschall wurden die restaurierten Skulpturen an die Eigentümerin,


Zur feierlichen Enthüllung kamen Bürgermeister Werner Hipelius, der Vorsitzende der Sparkassenstiftung, Konrad Gottschall und Vertreter der Denkmalschutzbehörden. „Cleopatra“ Sarah Böttcher überreichte stilecht den Herren Hipelius und Gottschall zwei kleine Sphingen, die Adelbert Heil, der ausführende Restaurator, nachmodelliert und gegossen hatte. Sie sind übrigens über die Schutzgemeinschaft zu beziehen, sowohl als Gipsfiguren (Euro 49,00 pro Stück) als auch aus Metall (Euro 150,00 pro Stück).

die Stadt Bamberg, vertreten durch den Bürgermeister Werner Hipelius, übergeben. Dieser zeigte sich sehr erfreut darüber, dass ein Kleinod im Bamberger Hain im neuen Glanz erstrahlt und dankte für das Engagement der Schutzgemeinschaft. Es bleibt zu hoffen, dass die restaurierten Sphinxen zukünftig von weiterem Vandalismus und weiterer Zerstörung verschont bleiben.

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Tag des offenen Denkmals 2006

Ein großer Erfolg war der Tag des offenen Denkmals am 9. September 2006. Den ganzen Tag über führten Dr. Horst Miekisch und Bernhard Metzner (sie waren für die Kirche St. Michael zuständig) und Marion Dubler (ihr Thema: die Gärten am Klosterberg) zahlreiche interessierte Besucher. Bei bestem Spätsommerwetter wurden am Pavillon die Gäste mit Bratwürsten und Kaffee und Kuchen verköstigt (unser Dank gilt unserem Vereinsmitglied Alexander Hornung), musikalisch umrahmt von Uwe Gaasch und Waldi Bauer. Schautafeln informierten über die Geschichte der Gärten am Michaelsberg sowie historische Obstsorten. Ein rundum gelungener Tag, dem im September 2007 das „Kornelkirschenfest“ im Terrassengarten folgen soll.

In Bayern fand wegen des Papstbesuchs der „Tag des Offenen Denkmals“ bereits am Samstag, den 9. September statt.

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Dr. Horst Miekisch versammelt die nächste Gruppe um sich

Fleißige Helfer: Sylvia Buckel, Stefanie Utz (unsere Mitgliederwerbung war bei ihr von Erfolg), 2. Vorsitzender Ingo Schmitt, Alexander Hornung und Jörg Händler

Essen, Trinken, gute Musik und wunderbarer Blick auf die Stadt – was braucht‘s mehr ...

Im Pavillon stellte Gerhard Schlötzer Fotos seines Projekts „Der öffentliche Raum in Bamberg“ vor.

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Tag des offenen Denkmals 2006

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Die Obstb채ume im Michaelsberger Garten

Quelle: Parkpflegewerk, Bamberg 1998, Helmut Wiegel: Isometrische Darstellung Entwicklungskonzept

In den Obstb채umen des Terrassengartens und des Reuthersberggartens hingen Info-Tafeln 체ber die historischen Obstsorten, die anl채sslich der Umsetzung des Parkpflegewerks gepflanzt worden waren.

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Fränkischer Tag vom 11.09.2006

Ausblick: Tag des offenen Denkmals 2007 Wie im vergangenen Jahr wird sich die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg auch in diesem Jahr am „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, den 9. September 2007 mit Führungen beteiligen. Passend zum Schwerpunktthema „Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten“ wird Dr. Horst Miekisch Kapellen in Bamberger Domherrenhöfen aus der Zeit der Gotik und des Barock besuchen. Die Führungen beginnen um 14 Uhr und um 16 Uhr. Treffpunkt : Domkranz.

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Ausblick: Tag des offenen Denkmals 2007

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Pressespiegel Artikel im „Fränkischen Tag“ vom 9. Mai 2006

Schutzgemeinschaft Alt Bamberg kündigt neue Projekte an In der letzten Vorstandssitzung kündigte der erste Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, Dr. Jörg Händler, an, dass der Verein noch in diesem Jahr zwei größere Projekte durchführen werde. Genauere Einzelheiten wollte Dr. Händler noch nicht mitteilen, nannte aber zum einen die Sanierung eines Einzeldenkmals im Bamberger Hain und zum anderen eine Veranstaltung am „Tag des offenen Denkmals“ am 09.09.2006. Vorstand und Beirat arbeiteten anschließend die umfangreiche Tagesordnung ab. Dabei ging es zum einen um die Oberbürgermeisterwahl und die Ankündigung des neuen Oberbürgermeisters Andreas Starke, während seiner Amtszeit das Ehrenamt und die Bamberger Vereine zu unterstützen. Dr. Händler erklärte, er nehme hier den neuen Oberbürgermeister beim Wort und bot diesem gleichzeitig die Zusammenarbeit mit der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg an. Im weiteren Verlauf des Abends beschäftigten sich Vorstand und Beirat auch mit der Initiative der Architekten Bauernschmitt zur Neugestaltung des Maxplatzes. Dr. Händler verwies hier auf das umfangreiche Engagement der Schutzgemeinschaft für die Gestaltung des Maxplatzes und darauf, dass es die Schutzgemeinschaft war, die bereits vor Jahren mit ihrer Initiative „Ein Platz für Max“ die historische Bedeutung des Maxplatzes, dessen ursprüngliches Aussehen und die Möglichkeiten bei der Neugestaltung in die Öffentlichkeit brachte. Die Mitglieder des Vorstandes und des Beirates waren sich einig, dass eine Unterstützung durch die Architekten Bauernschmitt zum damaligen Zeitpunkt wünschenswert und sicherlich auch hilfreich gewesen wäre. Die jetzige Initiative komme aber zu spät, um die bereits fertigen Planungen der Stadt Bamberg und die weit fortgeschrittenen Arbeiten noch verhindern zu können. Im Anschluss daran nahmen Vorstand und Beirat in einer Gedenkminute Abschied von der kürzlich verstorbenen Nina Gräfin von Stauffenberg, die 1968 Mitbegründerin der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg war und 2003 die Ehrenmitgliedschaft verliehen erhielt.

Maxplatzbaustelle, von Gerhard Schlötzer

Der Maxplatz aus der Vogelperspektive, Quelle: google earth Jahresbericht 2006

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Jahreshauptversammlung 2006

Eine gut gelungene Sanierung von Fenstern in Bamberg

Jahreshauptversammlung 2006 Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung konnte der 1. Vorsitzende Dr. Jörg Händler den Abschluss des Projektes vermelden: Die beiden Sphinx-Skulpturen der Musikmuschel im Bamberger Hain sind restauriert. In den weiteren Fokus seines Berichtes rückte der 1. Vorsitzende das Engagement des Vereins am Tag des offenen Denkmals im September. Alt Bamberg stellte im nördlichen Pavillon des Michaelsberger Terrassengartens Anschauungsmaterial über historische Obstsorten aus und präsentierte außerdem die Bilder des Fotografen Gerhard Schlötzer über den öffentlichen Raum. Außerdem habe es mehrere Führungen durch die Michaelsberger Stiftskirche sowie den Terrassengarten gegeben. Dr. Händler gab aber auch einen Ausblick auf die kommenden Jahre. Er verwies darauf, dass sich der Verein auch 2007 wieder mindestens eines Förderprojektes annehmen werde. Man habe auch vor, im September 2007 rund um den nördlichen Pavillon im Michaelsberger Terrassengarten ein Vereinsfest zu veranstalten. Außerdem werde der Vorstand versuchen, die Kontakte zu anderen ehrenamtlich tätigen Vereinen zu intensivieren und die Zusammenarbeit mit diesen zu verbessern. Im Jahre 2008 stehe dann das 40-jährige Vereinsjubiläum im Mittelpunkt. Frau Dr. Christa Harth, Gründungsmitglied und 2. Vorsitzende von 1996 bis 2005, wurde wegen ihres außergewöhnlichen Einsatzes über viele Jahre hinweg zur Ehrenvorsitzenden gewählt. Dr. Händler überreichte ihr einen Blumenstrauß und die Urkunde. Zum Ende der Veranstaltung verlieh Alt Bamberg nunmehr zum zweiten Mal den Dr.-Ingo-Fessmann-Preis für besonderes Engagement bei der Gestaltung von Fassadenelementen. In diesem Jahr wurde das besondere Engagement zweier Hauseigentümer bei der Erhaltung bzw. Restaurierung historischer Fenster gewürdigt. Der mit insgesamt € 500 dotierte Preis konnte von dem persönlich anwesenden Stifter und Namensgeber Dr. Ingo Fessmann persönlich überreicht werden.

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Der 1. Vorsitzende Dr. Jörg Händler und der Stifter des Preises, Dr. Ingo Fessmann, überreichen dem Architekten Heinz Rosenberg die Urkunde, die er in Vertretung der Eigentümer des Anwesens Oberer Stephansberg 3 entgegennimmt. Auf dem rechten Foto das Ehepaar Fessmann.

Frau Dr. Christa Harth erhält die Urkunde, die sie zur Ehrenvorsitzenden der Schutzgemeinschaft ernennt.

Dr. Jörg Händler trägt seinen Jahresbericht vor, Schatzmeister Werner Hottelmann legt Rechenschaft über die Finanzen ab, unsere Schriftführerin Gisela Miekisch übt wie immer fleißig ihr Amt aus, und auf den offiziellen Teil folgen die ebenso wichtigen Gespräche bei Kuchen und Wein (im Bildvordergrund von li nach re: Dr. Händler, Alexander Hornung und Ursula Sowa).

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Pilzballade

Dr. Händlers launiger Beitrag zur Jahreshauptversammlung 2006

Pilzballade Im allerdunkelsten Fichtenwalde, auf moosüberwucherter, feuchter Halde, im winkelig-heimlichen Waldverstecke, wächst vornehm und kühl, steif bis in die Knochen, der Stolz ihrer Sippe ganz ungebrochen, Familie Steinpilz, von und zu. Mit keinem Andern auf Du und Du; voll Hochmut gegen das arme Gelichter, der Pfifferling-, Täubling- und Rehpilzgesichter, furchtbar gelangweilt, doch rassig und edel. Vom ältesten Ahn mit dem moosgrünen Schädel bis zu den Jüngsten, den weißblonden Kleinen, steh´n sie auf adligen festen Beinen. Alle verachtungsvoll eingestellt gegenüber der andern, gewöhnlichen Welt. Ob Erdteile änderten ihr Angesicht Familie Steinpilz ändert sich nicht. Doch sieh! Eines Tages, welch freches Beginnen: Da siedelt wahrhaftig, nur drei Schuh von hinnen, ein Fliegenpilzvölkchen am Waldesrande, ein unverschämt dreistes - es ist eine Schande! Recht spöttisch-behaglich die weißen Leiber, brandrote Schirme entfalten die Weiber. Dieweilen mit helleren Kappen und Mützen Pilzburschen und -mädel zusammen sitzen. Leichtsinnig schwatzen, singen und spielen, bedeutungsvoll wohl auch nach hinten schielen, wo Steinpilzens, auf und von und zu, bedenklich gestört in der vornehmen Ruh, und höchst indigniert von dem Johlen und Lachen, abweisende, strenge Gesichter machen.

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Ach Gott! Es kam ja auch alles so plötzlich! Nun diese Nachbarschaft! Wie entsetzlich!! Ein Steinpilzjüngferlein nur, ein zartes, ein noch ganz helles, schlankes, apartes, hat Feuer gefangen in einer Sekunde. Der Bursche dort mit dem lachenden Munde, wie steht er da drüben, blutjung und schlank, verwegen und lustig, aufrecht und rank! Und sie - ob der Ahn und die Alten flehen sie muss doch verstohlen noch einmal spähen. Und nun - wahrhaftig! - er lacht, er winkt! Wie feuerrot seine Kappe blinkt! Sie kennt sich nicht wieder, sie ist wie verwandelt, und wenn sie die ganze Sippe verschandelt, sie schleicht ganz heimlich - nächtlicherweise, hoch klopfenden Herzens aus ihrem Kreise. Am Morgen, da kann man die beiden nicht sehn. Bewahre! Nur hören. Manchmal auch versteh´n: Ihr Kichern, ihr Schäkern, ihr flüsternd Geraune, das heiße Getuschel verliebter Laune. Sie stecken tief hinter der Reisighürde. Familie Steinpilz trägt es mit Würde. Zeigt keine Enttäuschung, und schmerzt es auch tief. Die Fliegenpilze lachen sich schief. Da kommt durch den Wald - ist‘s ein Spuk? Ist‘s ein Traum? Ein seltsames Wesen, so lang wie ein Baum. Zwei Stämme nützt es zu rüstigem Schreiten, es späht voller Raubgier nach allen Seiten. „Hilf Himmel! Ein Mensch“ schreit der Ahn voller Entsetzen. Die Fliegenpilze zerstößt er zu Fetzen. Ein einziger Hieb seiner Stiefelspitzen, da rollen die Hüte, die Schirme, die Mützen, Der Stiefel trampelt den Rest zu Kot, das Fliegenpilzvölkchen ist mausetot. Nun stürzt sich der Räuber, ein Messer gezückt, zur Stelle, wo Steinpilz an Steinpilz sich drückt, und nimmt ohne Mitleid die Großen, die Kleinen, den würdigen Ahnherrn - er lässt auch nicht einen beriecht sie, befühlt sie und schneidet - oh Graus! aus den Därmen des Ahnherrn die Maden heraus. Von Steinpilzesstolz und vom Fliegenpilzglück bleiben nichts sonst als Trümmer und Würmer zurück. Im Reisigwinkel mit Zittern und Zagen, sahen die Zwei, was sich zugetragen. Wie durch ein Wunder dem Tode entgangen lauschen sie dennoch in ängstlichem Bangen, widmen ein Tränchen, auch zweie, den Toten, den stolzen Braunen, den frechen Roten, und fangen vergnüglich und leichtlebig dann ein lustiges Waldwinkelleben an. Und was sie gesehen an jenem Tage erzählen sie weiter als Heldensage.


Fotoprojekt

Fotoprojekt:

Der öffentliche Raum in Bamberg

Der Bamberger Fotograf Gerhard Schlötzer hat ein Projekt zur Dokumentation des öffentlichen Raums in Bamberg begonnen. Mit einer aufwändigen Technik sowohl bei der Herstellung der Fotografien (schwarz-weiß Negativfilm 20x25 cm) als auch bei der Vergrößerung (50x60 cm, Barytpapier, archivfest verarbeitet) soll so an ausgewählten Stellen der Stadt deren Besonderheit und ihre Verknüpfung zur umgebenden Landschaft festgehalten werden. Jahresbericht 2006

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Fotoprojekt

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Gerhard Schlötzer: „Der öffentliche Raum ist Abbild der Gegenwart, und in einer Stadt wie Bamberg sind gleichzeitig Relikte und Strukturen vergangener Zeiten zu erkennen, die komplexe Informationen enthalten.“ Dabei soll „der fotografische Ansatz so gewählt werden, dass neben den Dingen, die mich als Fotograf am Motiv interessiert haben noch eine Fülle anderer Bildelemente erkennbar sind, die dem Betrachter Informationen vermitteln können, an die ich nie gedacht habe. Gleichzeitig sollen die Bilder im nötigen Maße gestaltet sein, eben so viel, dass sie zwischen Kunst und Dokument schweben.“ Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg begrüßt dieses Projekt inhaltlich und unterstützt Herrn Schlötzer durch Subskription, indem sie einige Bilder als Ankauf finanziert.

Nähere Informationen dazu: Fotografie Gerhard Schlötzer Nürnberger Straße 203 96050 Bamberg Tel. 0951 - 16744 E-Mail: gschl@gmx.de

Beispiele des Projekts

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Nina Gräfin Schenk von Stauffenberg †

Die Schutzgemeinschaft trauert um ihr Gründungs- und Ehrenmitglied

Nina Gräfin Schenk von Stauffenberg † Die Witwe von Claus Graf Schenk von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 das gescheiterte Attentat auf Adolf Hitler verübte, war Mitbegründerin unseres Vereins am 27. September 1968 und bis zu ihrem Tod aktives Mitglied. Seit dem Jahr 2003 war Nina Gräfin Schenk von Stauffenberg Ehrenmitglied in unserem Verein. Wir nehmen Abschied von einer für die Sache unseres Vereins immer engagierten Mitstreiterin.

Elisabeth Magdalena (Nina) Schenk Gräfin von Stauffenberg […] Nina Freiin von Lerchenfeld kam als Tochter des fränkischen Generalkonsuls Gustav Freiherr von Lerchenfeld (1871–1944) (königlich bayerischer Kämmererer und kaiserlicher Generalkonsul) und der baltischen Adeligen Anna Freiin von Stackelberg (1879–1945) zur Welt. Sie besuchte in Bamberg das Lyzeumund lernt bereits mit 16 Jahren als Schülerin auf einem Mädcheninternat im Heidelberger Stadtteil Wieblingen Claus Philipp Maria Schenk Graf von Stauffenberg kennen. 1930 folgte die Verlobung und am 26. September 1933 in Bamberg die Heirat. Die Kinder wurden nach der Tradition des Hauses Stauffenberg katholisch getauft und erzogen, obwohl Nina, wie auch die Mutter von Claus von Stauffenberg, evangelisch waren. Der Ehe entstammen insgesamt fünf Kinder. […] Auszug aus Wikipedia, die Freie Enzyklopädie (www. wikipedia.org)

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Vorstandsmitglied Dr. Christa Harth erinnert sich: In den Anfangszeiten der Schutzgemeinschaft erlebte ich Gräfin Stauffenberg als disziplinierte, energische und zupackende Dame. Bei den Aktivitäten der SGAB war sie eine glänzende Verkäuferin, nicht nur von Weihnachtskarten und Punsch, sondern auch auf Flohmärkten, wo sie scheinbar Unverkäufliches an den Mann brachte. Hinterher war sie sich nicht zu gut, den Besen in die Hand zu nehmen und auf der „Oberen Brücke“ die Abfälle des Verkaufs zusammen zu kehren. Die Idee mit der Herstellung von Weihnachtskarten und deren Verkauf zugunsten der Schutzgemeinschaft kam von ihr, die sie tatkräftig umsetzte. Schon Anfang des Jahres ging sie auf Motivsuche und klebte die fertigen Bilder größtenteils selbst ein. Sie ging auch zu Sitzungen des Stadtrates, wenn etwas für die Schutzgemeinschaft Relevantes anstand und wurde entsprechend ihres Bekanntheitsgrades und ihrer Persönlichkeit durchaus als Repräsentantin der SGAB bemerkt und respektiert. Ihre Idee waren Leserbriefe, die sie nach Rücksprache mit der Vorstandschaft, unter Pseudonym an den FT schickte, wenn es um „Volkesstimme“ bei Anliegen der Schutzgemeinschaft ging. Ich weiß, dass sie sich Herta ( ihr 2. Vorname ) Schenk nannte. Auch im hohen Alter interessierte sie sich noch für die Aktivitäten der SGAB und ließ sich von mir berichten.


Im Hintergrund: Die erste Seite des handgeschriebenen Briefs von Nina Gräfin Schenk von Stauffenberg an die Schutzgemeinschaft

Wenige Jahre vor ihrem Tod hat Gräfin Stauffenberg auf Wunsch der Schutzgemeinschaft in einem handgeschriebenen Brief über ihre Weihnachtskartenaktion selbst berichtet: Die Weihnachtskarten für die Schutzgemeinschaft „Alt Bamberg“ Schon seit Jahren hatte ich für mich Weihnachtskarten gemacht, da ich das Angebot an Karten mit Bamberger Motiven für ungenügend hielt. Ich fotografierte Dinge aus eigenem Besitz. Dies brachte mich auf den Gedanken, Weihnachtskarten der Schutzgemeinschaft herauszubringen, als kleine Geldquelle und Werbung. Die erste Karte, 1968, hatte als Motiv eine eigene Tuschzeichnung des Portals des Böttingerhauses. Soviel ich mich erinnere, waren es etwa 300 Stück, die ich an SGAB - Mitglieder verkaufte. Zunächst fotografierte ich die Motive selbst - Druidentempel im Rauhreif, Putten vom Leisthaus. Die Auflagen stiegen. Dann versagten meine Fotokünste! Ich war auf verschiedene Andere angewiesen. Ab 1973 fotografierte Dr. Harth die jeweiligen Motive. Ich begann in meinem Bekanntenkreis für die Karten zu werben, auch beim Punschverkauf lagen sie vor. 1972 verkaufte ich bereits 847 Stück! Dies konnte ich natürlich nicht mehr allein bewältigen und musste Helfer zum Einkleben der Bilder organisieren. Eine große Hilfe wurde das Architektenbüro Keidel, das jährlich 600 Karten übernahm. Auch die Praxis Dr. Harth und andere Helfer klebten eifrig! Für Aufträge schrieb und telefonierte ich auswärtigen Bekannten und warb in mir gut bekannten Geschäften. Die fertigen Karten verschickte ich, bzw. trug sie hier aus, nachdem ich vorher meine „Kunden“ abgeklappert hatte, um ihnen die neuesten Karten zu zeigen. Porto und Telefonkosten rechnete ich nicht an. In die Konzerte vom Musikverein und der Symphoniker nahm ich fertige Karten und verkaufte sie in den Pausen. Es gab dort schließlich Leute, die jährlich darauf warteten. 1973 - Motiv : „Vier Bamberger Bürgerinnen um 1820, vor dem Böttingerhaus“. Es wurden 905 Karten verkauft. Reingewinn DM 265,78, nach Abzug der Kosten für Karten Druck und Fotos. 1974 waren es bereits über 1000 Karten. Reingewinn DM 450,60. Von da an steigerten sich die Auflagen und der Verkauf der Karten, die schließlich DM 2,- kosteten. !988 - nach 20 Jahren - verkaufte ich 1200 Karten ( etwas weniger als in den vorhergehenden Jahren ), mit einem Reingewinn von DM 1754,62 . Motiv: Engel an der St. Stephansorgel. Nach diesen 20 Jahren fiel mir nichts Neues mehr ein. Dagegen fielen Klebehelfer aus und auch größere und kleinere Aufträge. Das allgemeine Interesse an Weihnachtskarten ging zurück. Es war ja auch eine große Vor - Weihnachtsbelastung und wurde mir zu strapaziös. In all den Jahren hatte ich meine Vorschläge der Schutzgemeinschaft vorgelegt und wir stritten gelegentlich! Manche wollten Schockmotive. So verfocht ich, mit Erfolg, lieblichere Bilder, im Interesse der Verkäuflichkeit. Es waren Fotografien quer durch Bamberg: Hausmadonnen, Kneippen, winterliche Gebäude, Museumsobjekte, und so weiter. Noch lange bedauerten ehemalige „Kunden“ das Ende der Weihnachtskarten. Im Laufe der Jahre konnte ich der Schutzgemeinschaft als Spende rund DM 25.000 zuführen, die sie damals dringend brauchte. N. St. Jahresbericht 2006

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Stellungnahmen

Zu folgenden Projekten nahm die Schutzgemeinschaft als Träger öffentlicher Belange Stellung:

Flächennutzungsplanänderung und vorhabenbezogener Bebauungsplan mit integriertem Grünordnungsplan für das Gebiet Augustenstraße / Ecke Küchelstraße Grundsätzlich bestehen gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes Nr. 123 A mit integriertem Grünordnungsplan keine Bedenken. Im Hinblick auf das vorhabenbezogene Verfahren nimmt die Schutzgemeinschaft konkret Stellung und weist auf folgendes hin: Baukörper Augustenstraße: Begrüßt wird die durch einen Rücksprung in der Gebäudelinie entstehende Freifläche im Anschlussbereich an das Gebäude Augustenstraße 4. Hierdurch wird ein guter Übergang zu der beabsichtigten Bebauung geschaffen. Auch die Zurücksetzung des Baukörpers entlang der Amalienstraße wird begrüßt, da dadurch ein homogener Übergang zu der Bebauung in der Amalienstraße nach der Einmündung der Küchelstraße entsteht. Eine insgesamt ruhigere Gliederung der Fassade, vor allem ohne eine zu große Betonung der Horizontalen im Erdgeschoss - würde sich in Fortsetzung der ausgewogenen Fassadenaufteilungen an den Altbauten Augustenstraße 2-4 sowie des gegenüberliegenden alten Postgebäudes anbieten. Städtebaulich gesehen entstünde dadurch eine größere Homogenität im Gesamteindruck des Straßenbildes. Baukörper Küchelstraße: Nach der bisherigen Planung erfolgt die Aufnahme der Trauf- und Firsthöhen von der bestehenden Gebäudereihe östlich der Küchelstraße nur bis zum Gebäude Küchelstraße 14. Gegenüber den Häusern Nr. 16 und 18 soll der geplante Neubau drei bzw. vier Geschosse aufweisen. Hier sollte im Rahmen der Bauleitplanung das Maß der zulässigen Bebauung - in Anpassung an die kleinteilige Bebauung an der östlichen Küchelstraße und unter Rücksichtnahme auf die Lichtverhältnisse in diesen Häusern - auf eine zwei- bzw. dreigeschossige Bebauung bis zur Grenze des Gebäudes Küchelstraße Nr. 22 festgesetzt werden, da erst hier der Geschosswohnungsbau in der Küchelstraße beginnt. Vorbereitenden Untersuchungen zum Sandgebiet Das Büro „transform“ hat nach Meinung der Schutzgemeinschaft durch die Genauigkeit der Ausarbeitung in vorbildlicher Weise die Mängel und Missstände, die im

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Gebiet bestehenden Nutzungskonflikte aber auch die Qualitäten und Potentiale deutlich aufgezeigt. Die Ausarbeitung und das darin enthaltene Leitbild mit den vorgeschlagenen Maßnahmen finden deshalb, wenn auch nicht in allen Punkten, so doch grundsätzlich die Zustimmung der SGAB. Nachfolgende Punkte sind uns aber besonders wichtig und bedürfen unserer Meinung nach besonderer Feststellung bzw. Zustimmung: 1. Gesamterscheinungsbild / durchgehende Pflasterung an Plätzen Einen Großteil des Charmes im Untersuchungsgebiet macht das „Unfertige“ oder auch „Nicht-Perfekte“ aus. Deshalb sollte beim angestrebten Zustand darauf geachtet werden, dass weder bei den Fassaden noch beim Öffentlichen Raum ein allzu gleichmäßiges, glattes und homogenes Erscheinungsbild entsteht. Vorschläge, wie z. B. auf den „gesonderten Bereichen mit einer höheren Aufenthaltsfunktion wie beim Platz um die Elisabethenkirche durchgehend Natursteinpflaster“ zu verwenden, sind unserer Meinung nach deshalb kritisch zu überprüfen. Nicht jede Kante oder jeder Belagwechsel muss störend sein. 2. Einschränkung der Gastronomie Die bisherige „Einschränkung städtebaulich bedenklicher Nutzungen“ in Ausnahmefällen über vorhabenbezogene Bebauungspläne aufzuheben, ist nach Meinung der SchG sinnvoll. Wichtig ist in dieser Hinsicht vor allem die Qualität neu zugelassener Gastronomie 3. Dominikaner-Kreuzgang und Hof In der Ausarbeitung findet sich zwar der Hinweis darauf, dass der Kreuzgang des ehemaligen Dominikanerklosters uneingeschränkter zugänglich gemacht werden soll. Nach Meinung der SGAB sollte aber auch das Potential des Innenhofs am Bauamt mehr genutzt werden. Ein Ort der Ruhe würde sich hier anbieten, auch für die Bewohner des Sandgebiets selbst. 4. Erweiterung des Untersuchungsgebiets Die Erweiterung des Untersuchungsgebiets, um eine Verbindung zwischen Michaelsberger Garten zum Griesgarten zu ermöglichen, sollte auch die Verbindungsgasse entlang des Grundstücks Ottoplatz 1 einschließen. Dieser Weg bedarf dringend einer Aufwertung und dauerhaften Pflege.


5. Griesgarten Dieses Gartengrundstück mit seinem Barockpavillon ist, das zeigt auch der jetzt vorliegende Plan des Sandgebiets sehr deutlich, das letzte verbliebene Zeugnis der großen Gartenzone, die ab dem ausgehenden Mittelalter vor den Toren der Stadt entstanden war. Der Vorschlag, hier einen Kinderspielplatz anlegen zu lassen, scheint nicht ganz passend, da noch Reste der ursprünglichen Gartengestaltung vorhanden sind. Eine halböffentliche Ruhezone mit Bänken scheint eher geeignet. Dass der Pavillon im Griesgarten bereits als „abgegangen“ bezeichnet werden muss, wird vonseiten der SGAB äußerst bedauert, zumal dieses Gebäude bereits im September 2002 Gegenstand unserer FT-Serie „Gefährdete Denkmäler“ war. Das im Denkmalschutzgesetz verankerte Instrument der „Ersatzvornahme“ wäre unserer Meinung nach hier angebracht gewesen. 6. Leinritt Der Vorschlag, dem Ufer des Leinritts mit Stufen und einem Steg eine höhere Aufenthaltsqualität zu verleihen, wird von der SGAB begrüßt. Es sind durchaus auch größere Holzpaneele als Liegefläche denkbar, die zum Verweilen am Flussufer auffordern.

Ausschnitt aus dem Rahmenplan

Sofern diese Uferregion zum Bestandteil der zu planenden Verbindungen anlässlich der Landesgartenschau wird, sollte nach Meinung der SGAB darauf geachtet werden, dass temporäre Möblierungen so gewählt werden, dass sie sich in das Gesamtbild des Quartiers einfügen und nicht nach dem Jahr der Gartenschau unnütz oder verunklärend werden.

Leinritt Untere Mühlen”, veröffentlicht im Fränkischen Tag

Mut zur Lücke - Alt Bamberg äußert sich zu den Unteren Mühlen Jetzt liegt sie vor, die Stellungnahme der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg zu dem Hotelneubau an den Unteren Mühlen und dem Siegerentwurf des Architektenwettbewerbes. „Viele haben darauf gewartet und viele haben die Schutzgemeinschaft gedrängt, endlich zu dem Vorgang Stellung zu nehmen“, so deren erster Vorsitzender Dr. Jörg Händler gegenüber dem FT. Er erklärte weiter, dass man sich aber hier nicht zu vorschnellen und überstürzten Äußerungen habe hinreißen lassen wollen; vielmehr sei

es dem Vorstand immer darum gegangen, eine fundierte Stellungnahme abzugeben, zumal die Schutzgemeinschaft das Projekt „Untere Mühlen“ seit 1993 begleite und dementsprechend zahlreiche Unterlagen im Archiv des Vereins vorhanden seien, die gesichtet und ausgewertet werden mussten. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ist zunächst einmal froh, dass sich an dieser exponierten Stelle der Altstadt endlich etwas tue und abzusehen sei, dass der Dornröschenschlaf der Unteren Mühlen bald ein Ende findet. Allerdings gibt es seitens der Schutzgemeinschaft auch Kritik an dem Neubauvorhaben und dem Entwurf der ArJahresbericht 2006

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Stellungnahmen chitekten für den Hotelneubau. Die Schutzgemeinschaft lehnt aber nicht wie andere den Architekten-Entwurf einfach ab, sondern legt Wert darauf, durch konstruktive Kritik und Anregungen ihren Beitrag zu einer gestalterisch wertvollen und zu Bamberg passenden Architektur zu leisten. „Der Siegerentwurf des Wettbewerbes steht offensichtlich unter dem Diktat der Wirtschaftlichkeit des Hotelprojektes - durch das Ausnutzen jeden Quadrat- und Kubikzentimeters Raum sollen möglichst viele Hotelzimmer untergebracht werden“, führt Dr. Händler aus Die Schutzgemeinschaft ist darüber hinaus der Ansicht, dass der Siegerentwurf der Architekten nicht den Festsetzungen des Bebauungsplanes entspreche: die zwingend vorgegebene Traufhöhe von 8,85 Metern werde ebenso deutlich überschritten wie die vorgegebene Firsthöhe, ein Dachgeschoss sei nicht vorhanden, sondern insgesamt drei Vollgeschosse und die zum Geyerswörthsteg hin vorgesehene Sandbank (mit der ehemals vorhandenden Pappel) sei komplett überbaut, so dass auch Baulinien und Baugrenzen überschritten würden. Gerade deshalb wirke der Entwurf auch so massig, erdrückend und füge sich nicht in die Umgebung ein. Um das Vorhaben in der Gestalt des Architektenentwurfes zu realisieren, müsste daher der Bebauungsplan geändert oder aber Befreiung hiervon erteilt werden - dies sei aber sicherlich nicht der Sinn des Ganzen, da die Stadt Bamberg bei Aufstellung des Bebauungsplans gerade das Ziel gehabt habe, eine ausufernde Bebauung mit einem massiven Bau zu verhindern. Seitens der Schutzgemeinschaft wird auch die Frage gestellt, warum in dem bisherigen Verfahren der Stadtplanungsbeirat in keiner Weise befasst wurde, obwohl die Aufgabenstellung doch geradezu prädestiniert dafür sei. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg kritisiert auch, dass die bestehende Ruine der Sterzermühle keinen Eingang in den Entwurf der Architekten gefunden habe und hier offensichtlich kein Interesse an der Erhaltung bestehe. Dies ist nach Ansicht von Dr. Händler nicht nachvollziehbar, zumal es jahrelang Bemühungen um den Erhalt der Ruine gegeben hat und diese sogar mit einem Schutzdach versehen wurde. „Und das alles für nichts?“ fragt Dr. Händler. Außerdem wundere sich die Schutzgemeinschaft, warum keiner der Entwürfe der Architekten, auch nicht der Siegerentwurf, die ursprüngliche Dreiteilung der Mühlengebäude in Sterzer-, Kaufmanns- und Leibelsmühle aufgreife. Schließlich sei dem Bausenat bei der damaligen Abstimmung über den Entwurf des Bebauungsplanes im März 2000 ein entsprechend gestaltetes Modell vorgestellt worden. Dieses und die ursprüngliche Bebauung der Örtlichkeit sind offensichtlich völlig in Vergessenheit geraten. Insgesamt schlägt die Schutzgemeinschaft eine Überarbeitung des Architektenentwurfes vor, um ein besseres Einfügen des Objektes in die umgebende Bebauung zu erreichen: „Die Ruine der Sterzermühle muss integriert sowie die Dachgestaltung geändert und an die umgebenden Gebäude angepasst werden. Ganz wichtig ist die Einhaltung der im Bebauungsplan vorgegebenen Traufhöhen und Baugrenzen mit der Sandbank, um die Wucht

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des Baukörpers zurückzunehmen und diesen filigraner wirken zu lassen. Deshalb sollte der Baukörper auch so gegliedert werden, dass die ursprüngliche Trennung der einzelnen Mühlengebäude erkennbar wird. Dies wird natürlich dazu führen, dass sich die Zimmer des Hotels reduzieren werden“. Ob das Vorhaben für den Investor dann noch rentabel sei, könne die Schutzgemeinschaft nicht beurteilen. Allerdings habe die Schutzgemeinschaft auch keine Bedenken, wenn der Investor sein Vorhaben mangels Wirtschaftlichkeit aufgeben sollte. Ihrer Ansicht nach ließe sich die Ruine der Sterzermühle restaurieren und baulich ergänzen, so dass auf der vorhandenen Insel im Wasser ein Cafe mit Freischankfläche und Sitzgelegenheiten betrieben werden könne. Schließlich habe man sich nach jahrzehntelanger Brache an den Unteren Mühlen an die Lücke in der Bebauung längst gewöhnt.

Quelle: Pressestelle Stadt Bamberg

Fotomontage Siegerentwurf (Quelle: Pressestelle Stadt Bamberg)


Bauleitplanung ERBA

I. Änderung Flächennutzungsplan Gegen die Änderungen des Flächennutzungsplan bestehen keine Einwände.   II. Aufstellung Bebauungsplan 1. Seitens der SGAB wird zunächst darauf hingewiesen, dass der Entwurf des Bebauungsplanes über die Grenzen des Flächennutzungsplanes hinausgeht, so dass hier Bedenken bestehen, ob dieser dem Entwicklungsgebot entspricht. Denn der Flächennutzungsplan betrifft nur das reine „Inselgelände“, während sich der Entwurf des Bebauungsplanes auch auf einen Teil der Wasserfläche Regnitz erstreckt.  2. Ansonsten befürwortet die SGAB grundsätzlich das städtebauliche Grundkonzept. Dabei sollte jedoch unbedingt den Bamberger Gegebenheiten Rechnung getragen werden. Aus Sicht der SGAB erscheint die beabsichtigte Bebauung deutlich überdimensioniert, zum einen hinsichtlich der beabsichtigten Dichte der Bebauung, zum anderen hinsichtlich der Art und Weise bzw. des Maßes der Bebauung. Gerade in Anbetracht des ursprünglich angedachten „Nordparks“ sowie der in unmittelbarer Nähe stattfindenden Landesgartenschau ist es aus Sicht der SGAB notwendig, die beabsichtigte Bebauung zurückzunehmen. Insbesondere eine Bebauung mit sechs Vollgeschossen in Richtung zur vorhandenen Bebauung entlang des Regnitzufers sowie der Gaustadter Hauptstraße entspricht nicht der umliegenden Bebauung, fügt sich nicht ein. In unmittelbarer Nähe ist nur drei- bis viergeschossige Bebauung vorhanden und historisch gewachsen. Die beabsichtigte Bebauung auf dem ERBA-Gelände sollte daher nicht über dieses Maß hinaus zugelassen werden. Der bisherige Charakter des Geländes bzw. Quartiers benötigt auch keine Bebauung in dem beabsichtigten Maße; eine solche widerspräche gerade dem Charakter der bisherigen und teilweise erhalten bleibenden Industriebebauung. In keiner Weise kommt daher auch eine zwölfgeschossige Bebauung als städtebaulicher Akzent in Betracht.

Bauleitplan, Quelle: Stadtplanungsamt

Quelle: Stadtplanungsamt  3. Im übrigen sollte darauf geachtet werden, dass möglichst viel von der vorhandenen denkmalgeschützten Bebauung erhalten bleibt, um den bisherigen Charakter des Quartiers auch in die Zukunft transportieren zu können. Vorhandene denkmalgeschützte Industriearchitektur und moderne Wohnarchitektur im bescheidenen Maße könnten sich im vorliegenden Gebiet interessant ergänzen. Jahresbericht 2006

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Spaziergänge

Unterwegs mit dem „Künstlerhaus“ Im Sommer 2006 löste die Schutzgemeinschaft ein Versprechen ein, das sie dem Leiter des Künstlerhauses Concordia gegeben hatte: eine Führung von Beiratsmitglied Marion Dubler durch Bamberger Gärten. Treffpunkt war der Rosengarten, dessen 400-jährige Geschichte vorgestellt wurde. Für Erheiterung sorgte die Bemerkung, dass wir heute im Rosengarten an der Residenz der Fürstbischöfe das Werk einer Frau bestaunen und genießen. So barock, wie uns nämlich die Gestaltung anmutet, ist sie gar nicht - der Rosengarten hatte als Vorbild den berühmten Garten von Malmaison in Frankreich, in dem Kaiserin Josephine aufwändige Rosenzucht betrieb. Die bayerische Herzogin Maria Anna folgte 1819 dieser Mode und ließ den fürstbischöflichen Garten an der Residenz nach ihrem Geschmack zu einem duftenden Kunstwerk aus Lavendel und Rosen umgestalten. Auch die zweite Station auf dem Domberg, der versteckte Gartensaal hinter dem Gebäude Obere Karolinenstraße 6, erstaunte die Gäste. In einem mittelalterlichen Domherrenhof vermutet man kaum ein solches Kleinod des Rokoko. Hier lässt sich noch gut der Gestaltungswille des 18. Jahrhunderts nachfühlen, der immer die Einheit der Künste zum Ziel hatte. Garten und Gartensaal waren ein absolutes Muss für den Adel. Nach dem Rundgang durch die Michaelsberger Gärten klang der Abend mit netten Gesprächen bei einem kleinen Imbiss im von Sylvia Buckel liebevoll dekorierten Pavillon aus.

Start im Rosengarten

Garten und Gartensaal Obere Karolinenstraße 6, ein verstecktes Kleinod

Ausklang in unserem Pavillon

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Kapelle in Not Im Oktober 2006 erreichte uns ein Fax von Frau Ursula Sowa, die sich für die Marienkapelle am Pfahlplätzchen engagiert. Die bisher dort ansässige Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde zieht in einen Neubau an der Peripherie, und somit „sucht“ die alte Kapelle einen neuen Nutzer. Frau Sowa ist nun auf der Suche nach potentiellen Mietern, um den Schutz des Kirchenbaus auch in Zukunft zu sichern. Keine leichte Aufgabe, wie man sich vorstellen kann. Da die Schutzgemeinschaft in der glücklichen Lage ist, ein eigenes Haus zu besitzen und somit nicht als Mieter in Frage kommt, blieb zumindest die Möglichkeit, dort einen Spaziergang zu organisieren und somit auf das Problem aufmerksam zu machen. Im Februar war es dann soweit: überaus gastfreundlich empfing Herr Wilfried Peter von der Ev.-Freikirchlichen Gemeinde Bamberg die Besucher. Nach einer kurzen Einführung konnte man sämtliche Räume besichtigen und anschließend bei Kuchen, Häppchen und Getränken über Lösungsmöglichkeiten diskutieren. Die Schutzgemeinschaft hofft, dass der Kirchenbau mit seinem überaus wertvollen Netzgewölbe einer nachhaltigen Nutzung zugeführt werden kann.

Zur Geschichte der Kapelle Erstmals erwähnt wird die „Unserer Lieben Frau Kapellen“ am 27. März 1428. Im Jahr 1470 ist eine Neuweihe verbürgt, der vermutlich umfangreiche Baumaßnahmen vorausgegangen waren. Die Marienkapelle hatte das Erbe einer Synagoge angetreten, die zuvor an dieser Stelle stand. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren umfangreiche Instandsetzungsarbeiten notwendig, u. a. versah Johann Joseph Vogel die Decke mit Stuckdekorationen. Nach der Säkularisation diente das Gebäude als Lager, ausgerechnet einem Antiquar, der dort ersteigertes Kirchengut unterbrachte. Möbellager, Getreideschranne, Wohnung im Dachgeschoss, Turnhalle - das alles war die Kirche bis zum Jahr 1946, als die US-Army endlich wieder sakralen Nutzen in das Gebäude brachte. 1951 erwarb die EvangelischFreikirchliche Gemeinde die Kapelle, die nun den Bau aufgeben und verkaufen möchte.

Quelle: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bamberg, Bürgerliche Bergstadt Jahresbericht 2006

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Spaziergänge

Eisgrube 3 - „Haus zum Engel“ Am Samstag, 13.5. 2006 nahm die Schutzgemeinschaft die Einladung der neuen Eigentümer der Eisgrube 3 zu einer Besichtigung des renovierten Anwesens an. Das in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von Moritz Ramstock erbaute Haus bildet den Kern des heutigen Gebäudes. Um 1590 trug es die Bezeichnung „Alte Münz“. In Bauakten erst 1872 wieder erwähnt, gehen daraus keine größeren baulichen Veränderungen hervor. Das Dachgeschoß wurde nachträglich (zeitlich unbekannt) zur Straße hin angehoben und als Vollgeschoß ausgebaut. Im Jahre 1931 erfolgten nochmals Renovierungen. Die heutigen Besitzer, von denen wir sehr herzlich aufgenommen wurden, erwarben das Anwesen im Juni 2004 von der Erbengemeinschaft des Pfarrers Bäuerlein, ehemaliger Geistlicher in der Obern Pfarre, der bis ins hohe Alter dort wohnte. Mit viel Liebe und Engagement begannen Andreas Schneider und Christine Hertrich ab September 2004 mit umfangreichen Sanierungsarbeiten. Nicht nur der Charme eines historischen Gebäudes, auch die schöne Lage mit dem Blick auf den Garten der Oberen Pfarre und die kurzen Wege in die Stadt bewogen das Paar zum Erwerb. Der Einzug erfolgte im Mai 2005. Dies ist ein gutes Beispiel für den Trend „zurück in die Stadt“ und zum Altbau, der bei geglückter denkmalpflegerischer Renovierung ganz im Sinne der Schutzgemeinschaft liegt.

Vorschau Samstag, 28. Juli 2007 Weiher am Fuß des Michaelsberges auf dem Weg zum Ottobrunnen; Zeit: 10 Uhr: Treffpunkt: Am Weiher. Samstag, 6. Oktober 2007 Treppenhäuser und Innenhöfe von Bamberger Häusern am Dombergfuß; Zeit: 10 Uhr; Treffpunkt: Karolinenstraße, vor dem Bibra- Haus.

Quelle: Die Kunstdenkmäler von Bayern, Bamberg, Bürgerliche Bergstadt

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Pavillon im Terrassengarten

“Unser” Pavillon im Terrassengarten Wer sein Denkmal liebt, der schützt es! Vieles ist so selbstverständlich ...

Wenn wir den Nördlichen Pavillon im Michaelsberger Terrassengarten, ein Glanzstück des fränkischen Rokoko aus der Zeit um 1750, heute sehen, so möchte man denken, die Zeit wäre stehen geblieben. Aber man vergisst zu schnell, dass noch im Jahr 1994 dieses Kleinod vom Zerfall bedroht war. Mit einem großen Kraftakt der Schutzgemeinschaft und Mithilfe von allen Seiten ist es gelungen, diesen „Nördlichen Pavillon“ des Michaelsberger Terrassengartens zu sanieren, und somit zu schützen. Die Schatzmeisterin Frau Dr. Harth überreicht am 20.12.1994, zusammen mit Mitgliedern der Vereinsleitung der Schutzgemeinschaft “Alt Bamberg” eine erste Rate von DM 15.000,- für die Sanierung des nördlichen Michaelsberger Pavillons an Stadtkämmerer Heinz Faust. Foto: FT

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Pavillon im Terrassengarten

Blicken wir zurück..... Anlässlich einer Sitzung am 18.01.1994 wurde, angeregt von Herr Dr. Horst Miekisch, der erste Schritt veranlasst, etwas für den Pavillon zu tun. Angefangen von Lokalterminen noch im Januar vergingen nur sechs Monate, in denen zahlreiche Diskussionen über die Art und Weise der Finanzierung, sowie die endgültige Entscheidung getroffen wurden. Am 13.07.1994 machte die Schutzgemeinschaft der Stadt Bamberg das Angebot, sich an der Instandsetzung des Pavillons finanziell zu beteiligen. Die Finanzierung wurde zum einen durch ein hohes Spendenaufkommen vor allem seitens unserer Mitglieder, sowie zum anderen durch den Verkauf der Radierungen des Bamberger Künstlers Michael Knobel ermöglicht. Natürlich haben auch verschiedene Veröffentlichungen im Fränkischen Tag mit dem Motto „Rettung für den Pavillon“, sowie umfangreiche Werbemaßnahmen zum Erfolg dieses Projektes beigetragen. Aus diesem Grund konnte schon im Dezember des gleichen Jahres die damaligen Schatzmeisterin Frau Dr. Christa Harth ein Scheck über DM 15.000,00 an Stadtkämmerer Herrn Heinz Faust zur Anschubfinanzierung überreichen. Bei der 30-Jahrfeier der Schutzgemeinschaft im Dezember 1998 übergibt der Initiator Dr. Horst Miekisch einen weiteren Scheck über DM 15.000,00 an Herrn Oberbürgermeister Herbert Lauer. Somit zeigt sich, dass der Verein sich nicht nur ideell, sondern auch finanziell am Erhalt bedeutsamer Denkmäler beteiligt.

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Fotos auf diesen Seiten: Sylvia Buckel, die unseren Pavillon so traumhaft in Szene gesetzt hat!

Und heute... ...hat die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ihre Ideale noch lange nicht aufgegeben und aus diesem Grund für den Nördlichen Pavillon seit dieser Zeit die Verantwortung in Form einer Patenschaft übernommen. Durch die Vermietung des Pavillons kann gewährleistet werden, weiterhin die finanziellen Mittel für immer wieder anfallende Sanierungen bereit zustellen. Es ist aber nicht nur Mitgliedern der Schutzgemeinschaft vorbehalten, den Pavillon für private Anlässe zu nutzen. Hochzeit oder Taufe, Empfang oder Geburtstag - der Nördliche Pavillon bietet, zu welchem Anlass auch immer, mit seiner historischen Kulisse einen eindrucksvollen Rahmen. Für weitere Fragen und selbstverständlich auch Anregungen steht Ihnen ein erfahrenes Team zur Seite. Wünschen Sie nähere Informationen oder eine Besichtigung des Pavillons, dann wenden Sie sich bitte an Frau Sylvia Buckel unter Tel. 0951/ 43 4 00 oder info@sivory.de.

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Kloster St. Michael

Ein Kloster im Sonderangebot Ein Objekt, für das es sich zu kämpfen lohnt…

Seit Dezember 2006 ist es bekannt: Die Stadt Bamberg sucht für das Kloster Michaelsberg einen Investor bzw. Pächter. Der Fränkische Tag berichtete über eine von der Stadt Bamberg eingerichtete Homepage im Internet, auf welcher das Kloster Michaelsberg unter anderem auch zum Kauf an einen privaten Investor angeboten wurde. Angedacht werden könne eine Nutzung als Tagungshotel, Kongresszentrum, Wellnesshotel oder ähnliches. Auf diese Homepage wurde auch die Schutzgemeinschaft von Herrn Otto Kippes, eines im Denkmalschutz äußert engagierten Bürgers der Stadt Bamberg, aufmerksam gemacht. Nach den Weihnachtsfeiertagen kamen deshalb die Vertreter der Vorstände der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg sowie des Bürgervereins Bewahrt die Bergstadt überein, man solle versuchen sich mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen eine Veräußerung des Klosters Michaelsberg an einen privaten Investor mit den sich daraus ergebenden Konsequenzen für die Denkmaleigenschaft des Objekts zu wehren. Dieser Initiative der beiden Vereine schlossen sich auch der Historische Verein, der Bürgerverein Freunde des Weltkulturerbes, der Bürgerverein 4. Distrikt, Prof. Dr. Hubel, als Vertreter von Icomos, die beiden Stadtheimatpfleger Dr. Karin Dengler-Schreiber und Hanns Steinhorst sowie Dr. Gerhard Förch von der Dompfarrei an. Gegründet wurde die „Bürgerinitiative rettet den Michalesberg“. In mehreren Terminen und Besprechungen legten die

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Vertreter der Vereine gemeinsame Ziele und Maßnahmen fest. Diese in Thesen formulierten Ziele wurden auf einer öffentlichen Pressekonferenz am 01.03.2007 in den Räumen der Schutzgemeinschaft bekannt gegeben. Das Presseecho war groß; sogar die Stadt Bamberg hielt es für notwendig, ihre Pressesprecherin zu der Veranstaltung zu schicken. Neben dem Fränkischen Tag berichteten auch weitere regionale Zeitungen und auch die Süddeutsche Zeitung sowie TV Oberfranken über die Pressekonferenz und die Thesen der Bürgerinitiative. Dieser Gang an die Öffentlichkeit führte dazu, dass seitens des Oberbürgermeisters Andreas Starke öffentlich erklärt wurde, für die Stadt Bamberg käme ein Verkauf des Klosters Michaelsberg nicht in Frage. Durch die in die Öffentlichkeit getragenen Bedenken der Bamberger Bürgerschaft gegen einen Verkauf oder eine Umnutzung des Klosters Michaelsberg wurde auch erreicht, dass den Interessen der Bürgerinitiative von den Vertretern der Stadt Bamberg sowie der Sozialstiftung mehr Beachtung geschenkt wurde.


FT-Artikel vom 2. M채rz 2007

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Kloster St. Michael Auf die Tagesordnung der Sitzung des Bauausschusses im März 2007 wurde die Ortsbegehung des Klosters Michaelsberg genommen. Oberbürgermeister Starke lud die Vertreter der Bürgerinitiative zu einem persönlichen Gespräch ins Rathaus. In diesem Gespräch erfolgte ein Gedanken- und Interessenaustausch. Im Anschluss an dieses Gespräch erfolgte eine Einladung des Vorstandes der Sozialstiftung Xaver Frauenknecht. Im Anschluss daran erfolgte eine Einladung des Vorstandes der Sozialstiftung Xaver Frauenknecht zu einem Austausch, der am 04.05.2007 stattfand. Auch er informierte die Vertreter der Bürgerinitiative über die Hintergründe und Beweggründe für die Entscheidung der Sozialstiftung, den Standort Michaelsberg als Altenheim aufzugeben und ein neues Altenheim errichten zu lassen. Parallel dazu wurden von der Bürgerinitiative sämtliche Stadträte und Fraktionen angeschrieben und auf die möglichen Konsequenzen einer Umnutzung des Klosters Michaelsberg hingewiesen. Eine Reaktion der Stadträte oder Fraktionen auf dieses Anschreiben erfolgte leider nicht. Das Thema der Umnutzung des Klosters Michaelsberg wird uns weiter beschäftigen. Es ist zu erwarten, dass die Sozialstiftung Bamberg mit allen Mitteln versucht, ihr Ziel, den Standort des Klosters Michaelsberg für ein Altersheim aufzugeben und ein neues Altenheim zu errichten bzw. errichten zu lassen, weiter verfolgt. Es ist auch zu erwarten, dass entgegen der Ankündigung einer „offenen Politik“ weiter verschiedene und weitreichende Entscheidungen in der Stadtverwaltung und auch der Sozialstiftung Bamberg hinter verschlossenen Türen getroffen werden, über welche die Öffentlichkeit erst zu einem Zeitpunkt informiert werden soll, an dem bereits alles zu spät ist. Es wird deshalb weiter Ziel der Bürgerinitiative sein, die Öffentlichkeit aufzurütteln, zu informieren und zu mobilisieren, damit die Pläne der Sozialstiftung Bamberg, das Kloster Michaelsberg als Standort eines Altenheims aufzugeben und das Kloster einer neuen Nutzung zuzuführen, nicht verwirklicht werden können. Am 27.06.2007 wird deshalb die Bürgerinitiative „Rettet den Michaelsberg“ eine Podiumsdiskussion veranstalten. Auf dem Podium werden neben Oberbürgermeister Andreas Starke, dem Vorstand der Sozialstiftung Bamberg Xaver Frauenknecht, dem derzeitigen kommissarischen Heimleiter Dr. Franz Wittmann auch Prof. Dr. Wilfried Krings, Prof. Dr. Achim Hubel und Dr. Jörg Händler diskutieren. Wir sind zuversichtlich, dass durch den Zusammenschluss verschiedener Bürgervereine und der Information der Öffentlichkeit erreicht werden kann, das Kulturdenkmal Kloster Michaelsberg in seinem jetzigen Zustand zu erhalten.

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Interviews und teilweise kontroverse Gespräche nach der Pressekonferenz


Kornelkirschenfest

Kornelkirschenfest

Die Schutzgemeinschaft wird in diesem Jahr ihr 1. Kornelkirschenfest im Terrassengarten des Klosters St. Michael feiern. Zentraler Ort ist der nördliche Pavillon. Wir werden auf die bewährten Teams vom „Tag des offenen Denkmals“ im letzten Jahr zurückgreifen und Brotzeiten, Getränke und Kaffee und Kuchen anbieten; Dr. Horst Miekisch und Marion Dubler teilen sich wieder die Gruppenführungen durch die Michaelskirche und die Gartenanlagen. Im Mittelpunkt wird aber die Pflanze stehen, die unserem Fest ihren Namen geliehen hat: die Kornelkirsche, botanisch Cornus mas. Dieser Strauch wurde zur Gliederung der barocken Terrassenanlage verwendet, da seine Wurzeln sich reich verzweigen und so den Hang festigten. Obwohl die Kornelkirschen vielseitig verwendbar sind, ist ihre Nutzung fast ganz in Vergessenheit geraten. Passend zum Motto können daher Produkte verkostet bzw. erworben werden. Den krönenden Abschluss unseres Tages am Michaelsberg bildet ein Vortrag von Prof. Werner Dressendörfer zum und im „Himmelsgarten der Klosterkirche“. Wir sind sehr froh, dass sich Prof. Dressendörfer spontan bereit erklärt hat, uns und unseren Gästen sein Wissen über dieses einmalige und äußerst spannende Deckenfresko in einer Bildpräsentation zu vermitteln und danken ihm schon jetzt sehr herzlich dafür. Seien Sie also gespannt, notieren Sie sich den Termin, es ist der

Samstag, 15. September 2007 verabreden Sie sich mit Ihrer Familie oder Ihren Freunden und hoffen Sie zusammen mit uns auf so gutes Wetter wie im vergangenen September…

Blüte und Frucht der Kornelkirsche. Fotos Dressendörfer Jahresbericht 2006

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Historische HochstammKornelkirsche im Terrassengarten, ein Methusalem unter den Bamberger Gew채chsen.

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Programm 2007

Samstag, 28. Juli 2007 10 Uhr Spaziergang, geführt von Dr. Horst Miekisch Weiher am Fuß des Michaelsberges auf dem Weg zum Ottobrunnen Treffpunkt: Am Weiher zwischen Ottobrunnen und Ezzostraße

Sonntag, 9. Sept. 2007 14 und 16 Uhr „Tag des offenen Denkmals: Orte der Einkehr und des Gebets - Historische Sakralbauten“ geführt von Dr. Horst Miekisch, er zeigt Kapellen in Bamberger Domherrenhöfen aus der Zeit der Gotik und des Barock Treffpunkt: Domkranz

Samstag, 15. Sept. 2007 Uhrzeit:

Kornelkirschenfest am Nördlichen Pavillon siehe Tagespresse im Terrassengarten von St. Michael oder Abends in der Kirche: Festvortrag zum Himmelsgarten www.altbamberg.de von Professor Werner Dressendörfer

Samstag, 6. Okt. 2007 10 Uhr

Treppenhäuser und Innenhöfe von Bamberger Häusern am Dombergfuß geführt von Dr. Horst Miekisch Treffpunkt: Karolinenstraße, vor dem Bibra-Haus

Donnerstag, 22. Nov. 2007 19 Uhr

Jahreshauptversammlung

Jahresbericht 2006

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Schlusswort

Blick von der Altenburgstraße auf St. Getreu, die Alte Chirurgie und St. Michael

“Wir werden zunehmend von grauen, farblosen Betriebswirten regiert und ferngesteuert, wir haben das zugelassen oder so gewollt, wir nehmen es jedenfalls hin, dass wichtigste Entscheidungen nur noch in den Kategorien Zuwachsraten, Arbeitsproduktivität, Wirtschaftlichkeit und Sozialprodukt gefällt werden. Dann rechnen sich nicht das Bewahren von Schönheit, das hartnäckige Bestehen auf Qualität oder gar auf Individualität. Auf Traditionen. Dann rechnet sich nicht ein Denken, das auf Langfristigkeit angelegt ist und auf das Leben der nächsten Generationen. Die Welt sieht immer so aus, wie wir sind. Architektur und Landschaft und Städtebau, der Zustand der Natur sind nur ein Spiegel von uns selbst…” Dieter Wieland, 1993 Wieland, geb. 1937 in Berlin, aufgewachsen in Landshut, ist Journalist und Autor. Berühmt wurde er durch die Dokumentarfilmreihe “Topographie” im Bayerischen Fernsehen. Mit stets aufs Detail gerichtetem Blick verfasste er in wunderbar anschaulicher und dennoch poetischer Sprache Lob und ungnädigsten Tadel, messerscharf beobachtet und mit melancholischer Stimme auf den Punkt gebracht. Ein Vordenker und Streiter in Sachen Denkmalschutz.

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SCHUTZGEMEINSCHAFT ALT BAMBERG E. V.

Schillerplatz 9 96047 Bamberg Telefon: 0951 - 20 25 21 schutzgemeindschaft@altbamberg.de www.altbamberg.de

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