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s c h u t z g e m e i n s c h a f t a lt b a m b e r g e . v .

40 Jahre

f端r den

Denkmalschutz f e s t s c h r i f ta u s g a b e 2008

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Fotos Titelseite: links oben links Mitte links unten

Haus der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, Schillerplatz 9 Treppenhaus Karolinenstraße 1 Nördlicher Pavillon im Michaelsberger Garten

rechts oben Obere Mühlen, ehemalige Eckertsmühle, vor dem Abbruch rechts Mitte ehemaliges Schleusenwärterhaus ERBA-Gelände rechts unten ehemaliger Chirurgischer Pavillon (heute Stadtarchiv), Unt. Sandstr. 30a, Ausschnitt

Foto Rückseite: Osttürme des Doms, Blick von Domstraße 3 aus

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Prolog

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“Sehr stattlich und schön ist Bambergs Anblick von weitem. Seine Altenburg, sein hochgelegener vierthurmiger Dom, der Michelsberg mit seiner Stadtansicht Bambergs um 1800 (gedruckt im Meisenbach Verlag, Künstler unbeprächtigen Kirche und noch nannt). Mit dieser Ansicht war der Hausbesitzerbrief, den die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg an alle Denkmaleigentümer versandt hatte, geschmückt. mehrere Thürme und ansehnliche Gebäude, vor Allem aber die herrliche Residenz, geben der Stadt ein reiches, vornehmes Ansehen und erwecken in dem ankommenden Fremden einen sehr günstigen Vorbegriff. Nichts stört diesen auch beim Eintritt und weiterem Vordringen in das Innere. Gutgepflasterte, ansehnliche Strassen, die prächtige Kettenbrücke, welche über die Regnitz führt und die östliche Vorstadt verbindet, mehrere schöne Plätze, Paläste, Kirchen, zahlreiche gut ausgeschmückte Kaufmannsgewölbe und ein reges Leben lassen mit Wohlbehagen empfinden, dass man in eine grössere Stadt eingetreten sei, in den Mittelpunkt freundlichen Wohllebens, des Ueberflusses, der Civilisation, der Künste”. Gustav von Heeringen (1800-1851) Wanderungen durch Franken, Leipzig 1839/40, S. 88.

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Sandra Schlicht

40

Jahre

f端r den

Denkmalschutz Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V.

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Impressum

Herausgeber: Vereinsleitung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V. Schillerplatz 9 96047 Bamberg Tel. 0951 – 202521 Email: schutzgemeinschaft@altbamberg.de www.altbamberg.de

Redaktion: Sandra Schlicht Fotos: Peter Berns, Sylvia Buckel, Marion Dubler, Bernhard Metzner, Sandra Schlicht Layout: Studio Linear, Graphische Arbeiten www.studio-linear.de V.i.S.d.P.: Dr. Jörg Händler, 1. Vorsitzender

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Inhalt Prolog

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

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Editorial

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Vorwort der Verfasserin

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I.

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Die Vorgeschichte Der Kunigundensockel und das Haus zum Marienbild Die Namensfindung Die Gründungsveranstaltung am 27. September 1968 Das Haus am Schillerplatz

II. Vorstände und Vereinsstruktur 1968-1986 1987-1993 und 1993-1996 1996-1999 1999-2005 seit 2005

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III. Aktivitäten/Öffentlichkeitsarbeit Die ersten Jahre Vortragsabende Der Hausbesitzerbrief Gemeindeverordnung Die BAMBERGER GESPRÄCHE Altstadt-Jugendfestivals Die achtziger Jahre Die Sanierung der Oberen Mühlen Erlweinbauten Die neunziger Jahre bis heute Bauleitplanverfahren Förderung öffentlicher Projekte Pavillon am Michaelsberg Sphingen im Hain Dr.-Ingo-Fessmann-Preis Bamberger Spaziergänge

32 32 33 34 34 35 36 37 40 41 41 41 42 42 46 47 48

Ehrenmitglieder und -vorstände Dr. Victor Harth Gudila Freifrau von Pölnitz Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg Dr. Christa Harth

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Ausblick

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Filme

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Literaturverzeichnis und Quellen

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Epilog

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Editorial

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Liebe Freunde der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg!

Am 27.09.1968 trafen sich im Grünen Saal der Harmonie am Schillerplatz 50 engagierte Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bamberg, um aus Protest gegen den Abbruch des das Stadtbild prägenden Hauses „Zum Marienbild“ am Kaulbergfuß zu Gunsten einer Verbreiterung der Straße einen Verein zum Schutze der Altstadt Bamberg zu gründen. Ziel war es, Umdenkprozesse bei Bürgern und Verantwortlichen der Stadt Bamberg in Gang zu setzen. Am Abend der Gründungsversammlung treten 43 Bürgerinnen und Bürger in den Verein ein. Seit diesem Tag setzen sich der Verein und seine Mitglieder für Denkmalpflege und Denkmalschutz ein. Pressekonferenzen werden abgehalten, „Bamberger Gespräche“ zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch geführt, Vorträge und Ausstellungen organisiert und Führungen durch die Stadt mit dem Titel „Bamberger Spaziergänge“ durchgeführt. Auch den Protesten, Aktionen und Beiträgen der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ist es zu verdanken, dass das Bewusstsein für den Schutz und den Erhalt der historischen Baussubstanz und der historischen Strukturen in der Bevölkerung fest verankert ist. Nicht zuletzt dem Engagement unseres Vereins ist es zu verdanken, dass die Altstadt Bamberg in den Status eines Weltkulturerbes der UNESCO erhoben wurde.

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Tätigkeiten und Engagement unseres Vereins haben sich in den Jahren seit der Gründung aber auch verändert. Dies hat vor allem damit zu tun, dass auch Bund, Länder und Kommunen die Bedeutung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege erkannt und entsprechende Einrichtungen und Organisationen geschaffen haben, auch damit, dass sich immer mehr Bürger in neuen Vereinen und Organisationen engagieren und einzelnen Themen wie Verkehr und Verkehrsplanung, Stadtplanung und Stadtentwicklung sowie Naturschutz und Ökologie den Schwerpunkt geben. Bestimmte Aufgaben und Aufgabenbereiche wurden daher der Schutzgemeinschaft abgenommen. Dem gegenüber werden aber in Zukunft neue Aufgaben auf die Schutzgemeinschaft zukommen: Im Zuge steigender Ölpreise und ausufernder Energiekosten, neuer ökologischer Gesichtspunkte und moderner Techniken

achten sein. Hier sind neue Konflikte, neue Auseinandersetzungen, aber auch neue Chancen und Tätigkeitsfelder für unseren Verein absehbar. Ihre Daseinsberechtigung hat die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg nicht verloren und wird Sie in Zukunft auch nicht verlieren. Diese rechtfertigt sich auch anhand folgenden Beispiels: Der diesjährige Tag des offenen Denkmals steht unter dem Thema „Vergangenheit aufgedeckt - Archäologie und Bauforschung“. Die Stadt Bamberg beteiligt sich wieder an diesem Ereignis mit vielfältigen Aktionen. Als im Zuge von Baumaßnahmen in der oberen Sandstraße und der Kleberstraße Reste historischer Bauten bzw. Brunnen gefunden wurden, hatte sich die Schutzgemeinschaft dafür engagiert, diese Zeugnisse sichtbar und erlebbar zu machen. Seitens der Stadt Bamberg wurde dies aber abgelehnt, eine Umsetzung für nicht möglich erachtet bzw. für nicht notwendig befunden. Wann, wenn nicht bei solchen „Zufallsfunden“ sollte die Stadt Bamberg das oben zitierte Motto ernst nehmen? Zumindest in der Sandstraße wird, dank des Einsatzes von “IG interesSAND”, in Erwägung gezogen, die aufgefundenen baulichen Reste des Sandtores auch oberirdisch wieder erlebbar zu gestalten. Für die Schutzgemeinschaft wird es also auch in Zukunft noch viel zu tun geben, um den Verantwortlichen in der Stadtverwaltung die Bedeutung von Denkmälern begreifbarer zu machen. Wir sind dafür bereit - wir denken weiter. Ihr Dr. Jörg Händler 1. Vorsitzender

werden zukünftig ganz neue Umstände beim Erhalt, der Renovierung oder Restaurierung von Denkmälern von Eigentümern, Kommunen, Stadtplanern und uns zu be-

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Vorwort

Vorwort der Verfasserin

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Den Auftrag, eine Festschrift für die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg anlässlich ihres 40-jährigen Vereinsjubiläums zu verfassen, nahm ich ohne zu zögern an. Nach Bamberg war ich aufgrund des hiesigen Studienangebots an der Otto-Friedrich-Universität gekommen, wo ich das Aufbaustudium Denkmalpflege und meine Promotion absolvierte. Daraufhin habe ich mich schließlich hier niedergelassen, bin eine Wahlbambergerin geworden. Der Erhalt der Altstadt lag mir mit meiner Ausbildung zur Denkmalpflegerin schon immer am Herzen, so dass mir das Verfassen der Festschrift auch persönlich viel Freude bereitet hat.

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Die Geschichte der Schutzgemeinschaft ist zugleich eine Geschichte der Denkmalpflege in Bamberg und war dies stellenweise sogar weit über Bambergs Grenzen hinaus. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, 1968 gegründet, hat noch vor Inkrafttreten der Denkmalschutzgesetze die so genannten Bamberger Gespräche ins Leben gerufen, die sich zu einer bundesweit geschätzten Denkmal-pflege- Tagung entwickelten. So war beispielsweise Erich Schosser, einer der Väter des 1973 in Kraft getretenen Denkmalschutzgesetzes in Bayern, als Redner auf Initiative der Schutzgemeinschaft in Bamberg ebenso zu Gast wie Hans-Jochen Vogel, Politiker und damals Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau.

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Bürgerschaftliches Engagement, verbunden mit ehrenamtlicher Tätigkeit, ist in unserer heutigen Zeit sicher keine Selbstverständlichkeit mehr. Viele Menschen sind allzu schnell der Meinung, dass sie nichts bewegen könnten, aber die Erfolge der Schutzgemeinschaft beweisen, dass mit Engagement, Aufklärungsarbeit und Diplomatie auch eine Bürgerinitiative durchaus Ziele erreicht.

Die vielfältigen, einfallsreichen Aktivitäten der Schutzgemeinschaft haben einen erheblichen Anteil daran, dass die Bamberger Bürger selbst die Qualitäten und Einmaligkeit ihrer Altstadt als Werte erkannt haben und weiterhin erkennen, um sich auch für den Erhalt einzusetzen. Wer weiß, ob ohne das Engagement der Schutzgemeinschaft Bamberg überhaupt zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt worden wäre.

Für die intensiven Gespräche, die ich mit einigen Gründungs- und Vorstandsmitgliedern führen konnte, möchte ich mich herzlich bedanken. Zum einen haben sie mir die Arbeit erleichtert und zum anderen wurde die Geschichte dadurch greifbar und persönlich. Mein besonderer Dank gilt den Gründungsmitgliedern Werner Hottelmann und Dr. Christa Harth sowie den Vorstandsmitgliedern Marion Dubler, Dr. Horst und Gisela Miekisch, Gabriele Pfeff-Schmidt und Rosemarie Egger. Rainer Hartmann, ehemaliger 1. Vorsitzender, möchte ich herzlich für die Gesprächsbereitschaft und die Korrekturlektüre danken. Dr. Jörg Händler und Ingo Schmitt, die 1. und 2. Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft, danke ich für die Unterstützung und das Vertrauen. Der Schutzgemeinschaft wünsche ich, dass es ihr auch weiterhin gelingt, die Bamberger für ihre Stadt zu begeistern und dass sie vor allem auch die Jugend, die diese Stadt in Zukunft schützen soll, als Fürsprecher und Mitglieder gewinnt.

Sandra Schlicht im August 2008

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg

I. Die Entstehung der

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Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Bamberg ist eine Stadt mit einer über tausendjährigen Geschichte. Die noch in den sechziger Jahren

erhaltene Bausubstanz und Stadtstruktur legten nahezu lückenlos Zeugnis ab von der Bau- und Siedlungsgeschichte der Stadt. Nach den Entbehrungen der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsjahre brachte der lang ersehnte Aufschwung einen ungeheuren Bauboom mit sich. Altes wurde oftmals unüberlegt abgebrochen, neue Wohnhäuser, zahlreiche neue Kaufhäuser, aber vor allem neue Straßen entstanden in den Innenstädten Deutschlands. Vielerorts mussten Kriegsschäden beseitigt werden, und unterschiedliche Wiederaufbaulösungen wurden umgesetzt. Bamberg aber hatte das Glück - rein architektonisch betrachtet - nur geringe Kriegsschäden erlitten zu haben. Die Altstadt als besonders wertvoll und schützenswert zu erachten, dies war dennoch keine selbstverständliche Einstellung. Zwar gab es bereits Denkmalämter, so feiert das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege dieses Jahr sein 100-jähriges Bestehen, aber ein Denkmalschutzgesetz, das historische Gebäude vor dem Abbruch hätte effektiv schützen können, war noch nicht in Kraft. Vor dem Hintergrund der stellenweise radikalen Vorgehensweise im Umgang mit der Altstadt haben sich Bamberger Bürger dazu entschlossen, eine Bürgerinitiative zum Schutz ihrer Altstadt zu gründen. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, die nunmehr ihr 40-jähriges Bestehen feiert, wurde am 27. September 1968 gegründet.

Die Vorgeschichte

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Der offiziellen Vereinsgründung am 27. September 1968 gingen einige Ereignisse voraus, die schließlich in der Konstituierung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg mündeten. Zunächst einmal soll hier geschildert werden, aus welcher Situation heraus die Schutzgemeinschaft entstand. Was waren das für Leute, die eine Bürgerinitiative ins Leben riefen, um den Altbaubestand Bambergs zu schützen - zu einer Zeit, in der politische Strukturen aufbrachen und zahlreiche Demonstrationen stattfanden, so auch in Bamberg 1968 beispielsweise gegen den Vietnamkrieg oder aber die Notstandsgesetze1?! Die Studen-

tenbewegungen jener Jahre, deren Mitglieder „schon vom äußeren Habitus anders“ waren, denn „Allein durch unser Aussehen waren wir eine Provokation für die Bürger“, so Gerhard Prückner2, sind nicht gleich zu setzen mit den Gründungsmitgliedern der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Für diese engagierten sich Bamberger Bürger, Denkmaleigentümer und Liebhaber ihrer Stadt, die eben nicht die Konfrontation, sondern den Konsens suchten, um ihr Anliegen, nämlich den Erhalt der Baudenkmale, durchzusetzen. Die Verkehrsplanung für die Stadt Bamberg war in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein wichtiges

1 So fand beispielsweise am 29. Juni 1968 auf dem Bamberger Schönleinsplatz anlässlich der dritten Lesung der Notstandsgesetze ein Sit-in statt. Siehe hierzu auch: KOHN Werner, 1988, S. 10 ff. 2 Prückner war in Bamberg aktiv bei der Vietnam-Demonstration beteiligt und beschreibt seine Erfahrungen als junger Demonstrant in einem 1988 erschienen „Foto-Taschenbuch“. „Also, wenn wir durch die Straße gegangen sind, besonders mein Freund – riesengroß und

langhaarig -, der ja schon lange in Bamberg lebte und der stadtbekannte Bürgerschreck war, und ich – klein und langhaarig -, wir waren ein Paar, das sehr aufgefallen ist.“ Alle Zitate aus: PRÜCKNER Gerhard, in: KOHN Werner, 1988, S. 85. 3 Fränkischer Tag, Ausgabe vom 24.12.1965, Nr. 299, S. 18. 4 Fränkischer Tag, Ausgabe vom 5.11.1965, Nr. 257, S. 24. 5 Der Bürgerverein Bamberg Mitte, der auf eine über 100-Jährige

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Thema, das einschneidende Veränderungen auch für das Stadtbild bedeutete. Neben dem Ausbau der Einfallstraßen sollten auch im innerstädtischen Bereich neue Straßen entstehen, für deren Realisierung wiederum Häuserabbrüche notwendig waren, und schließlich stand der Neubau der Unteren Brücke an.

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In Bamberg herrschte eine rege Bautätigkeit, die sich nicht nur auf den umfangreichen Straßen- und Brückenneubau beschränkte. Es entstanden sowohl in der Innenstadt als auch in den Stadtrandbereichen zahlreiche öffentliche Gebäude, vor allem Schulneubauten, der Neubau des Landratsamtes oder aber das Hallenbad am Margaretendamm. „Eins steht hingegen fest:“, so berichtet der Fränkische Tag im Dezember 1965 rückblickend, „So viel wie in den letzten Jahren in Bamberg gebaut worden ist, speziell von der öffentlichen Hand, wird im kommenden und in dem ihm folgenden Jahren in Bamberg mit größter Wahrscheinlichkeit nicht gebaut werden können.“3

die Baudirektion für notwendig erachtet.“4 Hierbei spielte allerdings mehr die Kostenentwicklung eine tragende Rolle als der sensible Umgang mit der Stadt, denn schließlich war der Durchbruch nur finanzierbar, wenn sich die Abbrüche im Rahmen hielten. Auch Bamberg wollte eine moderne Stadt sein, und der Individualverkehr nahm unaufhaltsam zu. Schließlich galt der eigene PKW als Zeichen des Aufschwungs, und neue Straßen waren notwendig, um den Verkehrsfluss zu gewährleisten. Der Ausbau des Straßennetzes hatte zusätzlich das Ziel, den Durchfahrtsverkehr umzuleiten, um ein unnötiges Durchqueren der Stadt vor allem mit Schwerlastern zu vermeiden.

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So wünschenswert auch die Bauaktivitäten an sich waren, da sie grundsätzlich die Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt verfolgten, so kritisch ist der Umgang mit den gegebenen Voraussetzungen zu sehen. Die von einer gewissen Modernisierungseuphorie geprägte Einstellung einiger Handelnder beziehungsweise Planer erschwerte sicherlich den Umgang mit einer historischen Stadtstruktur in einer Zeit, in der architektonisch und infrastrukturell gern frei geplant wurde. Vielleicht lag es auch daran, dass stellenweise Trassenplanungen zur Verkehrsentlastung und zur Schaffung so genannter leistungsstarker Straßen an auswärtige Ingenieurbüros vergeben wurden. Diesen fehlte offensichtlich die nötige Vorsicht beim Planen im Bestand, denn allem Straßenbauwillen zum Trotz erschien dem damaligen Vertreter des Bausenats, Oberbaurat Gibbisch, beispielsweise der geplante Durchbruch zwischen Siechenkreuzung und Zollnerunterführung zu umfangreich. Er gab in einer Sitzung des Bausenats im November 1965 an, „Fest stehe lediglich, daß die bisherigen Untersuchungen durch das Ingenieurbüro größere Abbrüche vorsehen als

Als im Jahr 1965 der Bau einer Südtangente geplant war, deren Trasse durch den Hain führen sollte, um in erster Linie eine Entlastung für den Kaulberg zu schaffen, meldete sich bereits ein Bamberger Bürgerverein zu Wort, um diese Planung zu verhindern. Der Bürgerverein Bamberg Mitte5 gab zu Bedenken, „daß die Kaulberg-Entlastungsstraße in Form einer vierspurigen Autobahn den Hain zerschneide und ihn zudem durch eine riesige Baustelle für Jahre hinaus wenigstens teilweise unpassierbar mache“6 und zweifelte grundsätzlich an der „Glaubwürdigkeit“ des Projektes. Der Bürgerverein Bamberg Mitte versuchte vergeblich zu argumentieren, dass der Theresienhain 1870 vom Bayernkönig Ludwig II. der Stadt mit der Auflage geschenkt worden sei, diesen in seiner Eigenschaft als Park zu erhalten. 1973, anlässlich der 1000-Jahr-Feier Bambergs, würdigte der Fränkische Tag in einer Sonderbeilage die den Hain zerschneidende Hainbrücke wie folgt: „Lange umstritten, letztlich aber überzeugend: die Hainbrücke unter dem linken Regnitzarm. Die Teichlandschaft unter der Brücke bindet die beiden Hainteile“. 7 Ganz anfreunden aber konnten sich nicht alle Bamberger mit den Veränderungen im Hain, wie ein Leserbrief beweist: „Man mag über den Wert der Hainbrücke für den Verkehr streiten; daß sie den Erholungswert des Hains entscheidend geschmälert hat, wird der eifrigste Brückenbauer und Bergdurchbohrer nicht bestreiten.“8

Geschichte zurückblicken kann, war wiederholte Male auch für die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ein wichtiger Austauschpartner. Er entstand im Jahr 1905 als sich Bürger des I. Distrikts (Inselgebiet) zur Gründung eines Bürgervereins zusammenschlossen. Siehe hierzu auch DUBLER Marion, 2005, S.27 ff. 6 Siehe Artikel „Bürgerverein attackiert Südtangente“ im Fränkischen Tag, Ausgabe vom 12.11.1965, Nr. 263, S. 14.

Sonderbeilage „1000-Jahre-Bamberg“ des Fränkischen Tags vom 19.06.1973, S. 79. Die so genannte Teichlandschaft hatte der Starnberger Architekt Bernhard Winkler gestaltet, dem auch der Auftrag erteilt worden war, Vorschläge über die Gestaltung der Bamberger Fußgängerzone vorzulegen. 8 Leserbrief von P. v. Meißner im Fränkischen Tag, Ausgabe vom 20.01.1973, Nr. 16, S. 23.

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg

Der Kunigundensockel

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und das Haus zum Marienbild Zwei Ereignisse waren unmittelbare Auslöser für die Gründung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Zum einen war es die geplante Zerstörung des Kunigundensockels auf der Unteren Brücke, und zum anderen der Abbruch des Hauses zum Marienbild am Kaulbergfuß. Zunächst sollen nun der Neubau der Unteren Brücke und die Restaurierung des Kunigundensockels geschildert werden. Die erste steinerne Untere Brücke in Bamberg, deren Grundstein am 23. Juni 1739 gelegt worden war und die bereits im November desselben Jahres, unter Leitung von Balthasar Neumann, fertig gestellt werden konnte, erhielt bereits wenige Jahre darauf ihren Skulpturenschmuck, zu dem auch eine Kunigundenfigur zählte. Die Untere Brücke wurde jedoch mehrfach durch Hochwasser zerstört, und so waren nicht nur Instandsetzungsarbeiten erforderlich, sondern wiederholte Male vollständige Neubauten der Brücke. Diese wurde zwischenzeitlich mehrfach durch den Bau provisorischer Holzstege ersetzt. Am 12. April 1945 wurde, um die heranrückende US-Armee aufzuhalten, das mittlere Joch der aus drei weiten Korbbögen bestehenden Unteren Brücke von 1912/13 gesprengt. Nach der Besetzung durch amerikanische Truppen erhielt die Untere Brücke einen Notübergang für Fußgänger. Dieser Notübergang blieb bis in die Mitte der sechziger Jahre erhalten. 1965 kam es zur Ausschreibung eines Wettbewerbs für einen Neubau der Unteren Brücke, die schließlich 1967 fertig gestellt wurde. Bei den Abbrucharbeiten der noch teilweise bestehenden Brücke von 1912/13 wurde auch der Sockel der Kunigundenfigur aus dem 18. Jahrhundert stark zerstört. Geplant war ein Abbruch des originalen Sockels, der durch einen modernen Sockel ersetzt werden sollte. Diese Planung aber führte zu massiven Protesten in der Bamberger Bürger-

9 Der Bürgerverein des IV. Distrikts entstand bereits 1891 und umfasste das Sandgebiet bis zur Altenburg. Die Distrikte in Bamberg waren in Folge der Säkularisation gebildet worden aufgrund der Auflösung der Immunitäten. Bereits 1806 wurde das Stadtgebiet Bamberg in vier Distrikte unterteilt, die sich im Wesentlichen an den jeweiligen Pfarreien orientierten. DUBLER Marion, 2005, S. 33.

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Barocker Sockel der Kunigundenfigur auf der Unteren Brücke in Bamberg. Zustand 2008.

schaft, zu denen auch einige spätere Gründungsmitglieder der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg zählten. Sie nahmen, so Werner Hottelmann, Kontakt mit dem Vorsitzenden des Bürgervereins IV. Distrikt9 auf, der unmittelbar betroffen war von den Abbrucharbeiten an der Unteren Brücke. Die Protestaktion war erfolgreich, die Bürger verschafften sich 10

Die Meinung der Bamberger kommt auch in Leserbriefen des Fränkischen Tags zum Ausdruck: „Warum man den Sockel gleich zerstören mußte, ist das größte Rätsel.“ …“Der Stein war so hart, daß er noch Jahrhunderte überdauert hätte! Und wenn der Sockel zehnmal eine „Kopie“ gewesen sein sollte, der neue Sockel wäre dann nur noch eine Kopie der Kopie.“, Leserbrief von H. G., im Fränkischen Tag, Ausgabe vom 23.03.1968, Nr. 70, S. 17.


Gesamtansicht der Kunigunde, eine Replik, mit ihrem barocken Sockel. Die Originalfigur befindet sich in der Jakobskirche.

der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, wertete der 1. Vorsitzende, Dr. Victor Harth, den Brückenneubau wie folgt: „Wir befinden uns auf der Unteren Brücke, die im Laufe der Stadtgeschichte viel Sorgen bereitet hat. Diese Untere Brücke ist die vierzehnte oder fünfzehnte Untere Brücke, im Volksmund mit allen möglichen Bezeichnungen bereits belastet, von denen eine der harmlosesten noch „Unteres Brett“ heißt. Denn die Bamberger sind bei allem ihnen zugefügten Unglück noch humorvoll.“12

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Gehör10 und so blieb der Sockel, der restauriert wieder zur Aufstellung kam, erhalten. Die Ausführung aber des Brückenneubaus der Unteren Brücke als einfache Betonkonstruktion war und ist gestalterisch in dieser städtebaulich herausragenden und zugleich höchst sensiblen Situation, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Alten Brückenrathaus, als unbefriedigend zu beurteilen. Denn nicht nur der geplante Abbruch des Sockels, sondern auch der Neubau der Unteren Brücke führte zu Un-stimmigkeiten und ließ die Idee einer Vereinsgründung zum Schutz der Altstadt heranreifen. Dies bezeugt auch ein Leserbrief von Werner Hottelmann, der am 23. März 1968 im Fränkischen Tag erschien: „Die mißlungene Untere Brücke sollte uns allen zu denken geben und die verantwortlichen Behörden abhalten in diesem Stil weiterzuplanen. Es wird höchste Zeit, daß sich die Vereine, die der Kunst, der Historie und der Verschönerung unserer Stadt dienen, mit allen klar denkenden Bürgern zu einem Verein zusammenschließen, der der Erhaltung unserer Stadt (Altstadt) dienen soll.“11 1970, im Rahmen eines Bamberger Spaziergangs 11

Leserbrief von Werner Hottelmann „Bamberg, die schöne Stadt…?“, im Fränkischen Tag, Ausgabe vom 23.03.1968, Nr. 70, S. 17. 12

Schriftliche Vorbereitung vom 27.06.1970 von Dr. Victor Harth für den Bamberger Spaziergang, Archiv der SGAB, Bamberger Spaziergänge.

Das zweite Ereignis, das schließlich zur Gründung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg führte, war der Abbruch des Stadtbildprägenden Hauses zum Marienbild am Kaulbergfuß. Tatsächlich handelte es sich um zwei mittelalterliche Gebäudekomplexe, die im Jahr 1968 abgebrochen wurden: Pfahlplätzchen 5, das Haus zum Marienbild, und Unterer Kaulberg 1, das Haus mit dem romanischen Turm. Das Haus zum Marienbild verdankt seinen Namen einer Mariendarstellung auf der dem Pfahlplätzchen zugewandten Front, die spätestens seit der Mitte des 17. Jahrhunderts nachgewiesen ist. Wolf Heinrich Zennefaß, Organist der Benediktinerklosterkirche St. Michael, ließ 1653 auf der Höhe des zweiten Obergeschosses ein Marienbild an der Fassade anbringen, hierbei wurde vermutlich ein bereits bestehendes Marienbild erneuert. 1933 gestaltete Hans Bayerlein im Zuge von Instandsetzungsarbeiten an dem Anwesen die Fassadenmalerei zum Pfahlplätzchen hin neu, indem er eine Darstellung der Maria mit dem Kind sowie eine Stadtansicht Bambergs aufbrachte. 1939 verkaufte der Besitzer des Hauses, der bis zu diesem Zeitpunkt selbst darin wohnte, das Anwesen an die Stadt Bamberg beziehungsweise an das Bürgerspital. Über die bauhistorische Bedeutung lagen bereits Erkenntnisse vor, so dass nicht erst beim Abbruch der Häuser die romanische Bausubstanz entdeckt wurde. In der „Liste der schutzwürdigen Profan-

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg bauten der Stadt Bamberg (Häuserliste)“, die 1962 August Gebeßler im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege erstellte, ist sowohl das Haus zum Marienbild als auch das Haus mit dem romanischen Turm aufgeführt. Da es zum Zeitpunkt der Listenerstellung noch kein DenkmalpflegeGesetz gab, teilte Gebeßler die Schutzwürdigkeit der Bamberger Baudenkmale in drei Qualitätskategorien ein, wobei die Klasse I für „Bauten von hervorragender künstlerischer Qualität, von städtebaulich hoher Bedeutung und besonderem historischem Interesse“ stand. „Sie verkörpern“, so Gebeßler weiter, „das Zentrum denkmalpflegerischer Anliegen und Aufsicht in Bamberg.“13 Gebeßler ordnete sowohl das Haus Pfahlplätzchen 5 als auch das Haus Unterer Kaulberg 1 der Kategorie I zu. Für beide Anwesen resümierte er knapp aber zutreffend deren Bedeutung und Entstehungszeit, verwies auf die wichtigsten und wertvollsten Merkmale, so dass über beide Anwesen grundlegende

bauhistorische Kenntnisse vorlagen und diese demnach als ausgesprochen schutzwürdig galten.

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Wie es dennoch zum Abbruch kommen konnte, bleibt fragwürdig. Da das Haus zum Marienbild aufgrund eines Unfalls beschädigt worden war, wurde der Abbruch vor allem durch statische Probleme und eine angeblich generelle Baufälligkeit gerechtfertigt. Im März 1966 wurden die Bewohner unvermittelt, aufgrund der drohenden Einsturzgefahr des Hauses, evakuiert. Der Fränkische Tag schilderte die Räumung des Hauses im Zusammenhang mit dem geplanten Abbruch des Leisthauses im April 1966 wie folgt: „Wie unseren Lesern sicher noch in Erinnerung sein wird, mußte dieses mächtige Anwesen am Fuße des Kaulberges am Freitagabend, 11. März, um 19 Uhr quasi binnen einer halben Stunde wegen akuter Einsturzgefahr geräumt werden.“14 Tatsächlich aber stand das Haus vor

Leserbrief von Werner Hottelmann, in dem er die Gründung eines Vereins zur Erhaltung der Altstadt anregt. Erschienen am 23. März 1968 im Fränkischen Tag.

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GEBEßLER August, 1962, Vorwort. F rä nki s c h e r T a g , A u s g a be v o m 28.04.1966, Nr. , o. S. 14

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Das Haus zum Marienbild mit dem Unterstand für den Verkehrspolizisten.

Der Kaulbergfuß mit dem Haus zum Marienbild, Pfahlplätzchen 5, und das Haus mit dem romanischen Turm, Unterer Kaulberg 1 vor dem Abbruch.

Abbruch des Hauses zum Marienbild.

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Abbruch der Anwesen Pfahlplätzchen 5 und Unterer Kaulberg 1, hier Blick zum Kaulbergfuß.

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Der Abbruch des Hauses zum Marienbild führte zu einer gänzlichen Veränderung des Stadtraumes am Pfahlplätzchen. Der Platz hatte die städteräumliche Platzsituation eingebüßt und war als solcher nicht mehr erlebbar, da das Haus Pfahlplätzchen 5 den Platz nach Südosten geschlossen hatte. Im Fränkischen Tag erschien am 3. April 1968 ein Foto der Abbruchbaustelle mit der treffenden Bildunterschrift: „Bamberger Durchblick 1968 am »Kahlplätzchen«“16.

Die Baustelle wuchert langsam zu. Die Bebauung des Kaulbergfußes zog sich lange hin.

allem dem Verkehr im Weg. Trotz einer aufwändigen Verkehrsregelung durch einen Verkehrspolizisten, der vor dem Haus zum Marienbild einen Unterstand besaß, war der Untere Kaulberg ein Nadelöhr, durch das der Verkehr nur langsam abfließen konnte. Das größte Problem stellten außerdem Lastkraftwagen und Schwertransporte dar, die sich durch die Engstellen am Pfahlplätzchen drängelten, wobei es wiederholt zu Unfällen kam. Durch den Abbruch der Häuser Pfahlplätzchen 5 und Unterer Kaulberg 1 verlor Bamberg zwei bedeutende mittelalterliche Bürgerhäuser. Den Verlust des Hauses zum Marienbild bezifferte Tilmann Breuer, der noch 1966 das Haus besichtigte und daraufhin eine Baubeschreibung für das Bamberger Inventar verfasste, wie folgt „Wie die Beschreibung des Zustandes vor dem Abbruch zeigt, war einer der eindrucksvollsten, über hochmittelalterlicher Wurzel errichteten und im 17./18. Jahrhundert überformten Wohnkomplexe des Spätmittelalters aufgegeben worden.“15

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BREUER Tilmann, 1997, S. 1313. Bildunterschrift zu einem Foto von Emil Bauer, Fränkischer Tag, Ausgabe vom 03.04.1968, Nr. 79, S. 29. 16

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Der Kahlschlag am Pfahlplätzchen im Jahr 1968 gab den Gründungsmitgliedern der Schutzgemeinschaft den entscheidenden Anstoß, ihr Vorhaben, eine Bürgerinitiative zu gründen, um die Altstadt Bambergs zu schützen, nunmehr in die Tat umzusetzen. Sicher ist es hierbei nicht ganz unwichtig, dass einige von ihnen, wie das Ehepaar Hottelmann oder Freifrau von Pölnitz, in unmittelbarer Nachbarschaft des Pfahlplätzchens wohnten und sie somit auch von der Zerstörung der Häuser am Kaulbergfuß direkt betroffen waren. Eine Neubebauung am Kaulbergfuß erfolgte erst in den achtziger Jahren. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg hat zum Thema der Neugestaltung des Kaulbergfußes Informationsabende veranstaltet, um die Bevölkerung über die Planungen zu informieren. Obwohl seitens der Stadt immer betont wurde, dass der Abbruch des Hauses lediglich aufgrund der Einsturzgefahr erfolgt sei, war doch schnell klar, dass nun endlich der Weg frei war für eine neue Verkehrsführung. Pläne für die schließlich 19851986 durchgeführte Aufweitung des Balthasargäßchens bestanden bereits seit dem späten 19. Jahrhundert. Zur Verbreiterung der Gasse wurde nun noch ein weiteres Gebäude, das Gasthaus zum Balthasar, abgebrochen. Auf schmalerem Grundriss entstand an der Südseite der so erweiterten Gasse ein Studentenwohnheim. Die Baulücke am Pfahlplätzchen 5 und Unterer Kaulberg 1 wurde ebenfalls durch den Bau eines Studentenwohnheims geschlossen. Es wird auch als das Studentenwohnheim zum romanischen Turm bezeichnet.

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Im April 1979 veranstaltete die Schutzgemeinschaft einen Informationsabend zur Gestaltung des KaulbergfuĂ&#x;es. Das Haus zum Marienbild war zu diesem Zeitpunkt bereits seit Ăźber 10 Jahren abgebrochen.

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg

Die Namensfindung

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Der Name des Vereins sollte dessen Ziele unmittelbar zum Ausdruck bringen. Der bewusst gewählte Ausdruck „Gemeinschaft“ sollte deutlich machen, dass sich der Verein von Beginn an als überparteilich und überkonfessionell definierte und seine Mitglieder keiner starren Hierarchie untergeordnet sein sollten. Es war den Gründungsmitgliedern von Anfang an ein wichtiges Anliegen, mit diesem Verein alle interessierten Bamberger Bürger oder Liebhaber der Stadt anzusprechen, unabhängig von ihrem Alter oder ihrer politischen Einstellung. Mit dem Ausdruck „Alt Bamberg“ war und ist die historische Altstadt gemeint, die sowohl Bauwerke als auch das historische Straßen- und Wegenetz umfasst. Interessant ist der weit reichende Denkmalbegriff, der für die Gründungsmitglieder ganz spontan oder intuitiv mit dem Ausdruck Alt Bamberg

verbunden war. Es wurde kein Klassifizierungssystem zur Denkmalwürdigkeit aufgestellt, um die Schutzwürdigkeit eines Gebäudes zu definieren, sondern es ging um den Erhalt der Altstadt als Ganzes. Da es zum Zeitpunkt der Vereinsgründung noch kein Denkmalschutzgesetz gab, war es also nicht von Belang, ob ein Bauwerk, für dessen Erhalt sich die Schutzgemeinschaft einsetzte, Denkmaleigenschaften, wie sie im Gesetzestext formuliert sind, besaß. Obwohl also der Name „Schutzgemeinschaft Alt Bamberg heutzutage etwas wortgewaltig oder sogar archaisch klingen mag, bringt er dennoch Sinn und Zweck des Vereins unmissverständlich zum Ausdruck, nämlich gemeinschaftlich das Alte Bamberg schützen zu wollen.

Das Schild der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, das anlässlich des Festumzugs zur 1000-Jahr-Feier Bambergs angefertigt wurde.

Die Gründungsveranstaltung am 27. September 1968

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Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, als Bürgerinitiative zum Erhalt der historischen Altstadt Bambergs gegründet, hat sich bei ihrer Entstehung an einer bereits bestehenden Bürgerinitiative orientieren und Rat einholen können. Dank persönlicher Kontakte war den Gründungsmitgliedern Dr. Ludwig Wegele bekannt, der in Augsburg eine ähnliche Bürgerinitiative ins Leben gerufen hatte. Es handelt sich um die „Alt-Augsburg-Gesellschaft“, die Dr. Wegele 1959 mitbegründete. Die Augsburger Bürgerinitiative dürfte wohl eine der ersten ihrer Art in Deutschland sein. In diesem Zusammenhang sei kurz erwähnt, dass die Alt-Augsburg-Gesellschaft bis heute besteht und sich noch immer aktiv für den „Erhalt und die Wiederherstellung gefährdeter Bau- und Kulturdenkmale“17 einsetzt. Eine kleine Gruppe von Gründungsmitgliedern der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, die sich vor der eigentlichen Konstituierung der Bürgerinitiative mehrfach

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getroffen hatte, um sowohl über den Namen des Vereins zu diskutieren als auch einen Satzungsentwurf zu erarbeiten, hatte auch die Gründungsveranstaltung vorbereitet und insgesamt 55 Personen, von denen 50 erschienen, in den Grünen Saal der Harmonie geladen. Die Moderation des Abends übernahm Franz Albinger, der als Vorsitzender des Bürgervereins IV. Distrikt zumindest den Bamberger Innenstadtbewohnern bekannt war. Im Laufe des Gründungsabends wurde die Satzung vorgestellt, eine elfköpfige Vorstandschaft per Akklamation gewählt. Außerdem wurden Dr. Victor Harth zum ersten Vorsitzenden und Werner Hottelmann zum zweiten Vorsitzenden, auf Vorschlag von Franz Albinger wiederum per Akklamation, einstimmig bestimmt. Die Vorstandschaft, die sich unter anderem aus 17

Siehe hierzu die Eigendarstellung auf der Homepage der Alt Augsburg Gesellschaft: http://www.altaugsburggesellschaft.de/org/wir-ueber-uns. htm,, Seite aufgerufen am 14.05.2008.


Artikel über die Gründungsveranstaltung erschienen am 30.09.1968 im Fränkischen Tag.

folgenden Personen zusammensetzte, entsprach zugleich dem Personenkreis, der sich bereits im Vorfeld um die Entstehung der Schutzgemeinschaft bemüht hatte: Irene Hottelmann-Schmidt, Werner Hottelmann, Dr. Victor Harth, Gudila Freifrau von Pölnitz, Nina Gräfin Stauffenberg, Franz Albinger, Bodo Schmidt-Hammer, Peter Reiser und Udo Strauß. Von den 50 geladenen Gästen trugen sich 43 Personen ins Vereinsregister ein. Außerdem wurden an dem

Abend die Mitgliedsbeiträge festgelegt und schließlich ein Kassierer (Schmidt-Hammer) und ein Schriftführer (Ingeborg Loewe) gewählt. Mit dem Eintrag ins Vereinsregister beim Amtsgericht Bamberg am 23. Oktober 1968 wurde die Gründung der „Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V.“ als gemeinnütziger Verein offiziell anerkannt.

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg

Das Haus am Schillerplatz

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Noch bevor die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ihr eigenes Vereinshaus am Schillerplatz bezog, hatte der Erhalt des Platzes an sich die Bürgerinitiative bereits beschäftigt.

Gesamtansicht des Schillerplatzes 1891.

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Um der radikal geplanten Trassenführung durch die Altstadt vom Kaulbergfuß bis zum Schönleinsplatz über die Bischofsmühlbrücke, durch den Rosengarten Geyerswörth und den Zinkenwörth entgegenzuwirken, erwarb die Schutzgemeinschaft kurzerhand zwei Häuser am Schillerplatz. Die Häuser Schillerplatz 1 und 3 sollten abgebrochen werden, um die Straße, leicht verschoben und verbreitert, direkt mit dem Schönleinsplatz zu verbinden. Für die voll-ständige Umsetzung dieses Straßenneubaus hätten nicht nur weitere Häuser abgebrochen werden müssen, sondern es wäre zu einer rigorosen Störung der Altstadtstruktur gekommen. Erfreulicherweise hat die Stadt von einer solchen Schneise durch die Altstadt Abstand genom-

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men und wollte nun die beiden Häuser am Schillerplatz 1 und 3 abbrechen oder veräußern. Inwiefern der Kauf der beiden Häuser durch die Schutzgemeinschaft dazu beigetragen hat, zumindest einen Straßendurchbruch und somit eine Beeinträchtigung des Schillerplatzes zu verhindern, lässt sich nicht mehr klären. Unbestritten bleibt jedoch, dass die Schutzgemeinschaft durch den Erwerb ein deutliches Signal gesetzt hatte: diese Bürgerinitiative handelt! Die Schutzgemeinschaft wollte die beiden Häuser, die in einem relativ schlechten Zustand waren, vorbildlich instand setzen. Dieses Projekt fand aber keine Umsetzung, da sich bereits 1976, also ein Jahr später, eine ganz neue


Das E.T.A.-Hoffmann-Theater und die H채user Schillerplatz 1 und 3. Aufnahme von Alois Erhardt, 1891.

Historische Aufnahme der H채user Schillerplatz 1 und 3. Foto von Alois Erhardt, 1893.

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Die Entstehung der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Beitrag des Kunstmalers Hans Liska, durch deren Mithilfe und Spendenbereitschaft war der Erwerb der Häuser Schillerplatz 1 und 3 überhaupt zustande gekommen. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg verfügte nach rund 16 Jahren ihres Bestehens über ein eigenes Vereinshaus. Großer Dank sei ausgesprochen an Freifrau von Pölnitz, die die ganzen Jahre zuvor der Schutzgemeinschaft Räumlichkeiten im Böttingerhaus zur Verfügung gestellt hatte.

Das Vereinshaus der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg am Schillerplatz 9.

Werner Hottelmann betreut seitdem das Vereinshaus, und Rosemarie Egger kümmert sich bereits seit vielen Jahren um die Pflege des Vorgartens.

Situation und neue Lösungen ergaben. Ein auf das große Verhandlungsgeschick zurückzuführender Vorschlag von Irene Hottelmann-Schmidt, die als Stadträtin, Mitglied des Bausenats und des Aufsichtsrats der Stadtbau über das nötige Wissen und Informationen verfügte, stieß auf Interesse. Die Stadtbau GmbH, die einen größeren und repräsentativen neuen Verwaltungssitz suchte, übernahm die „Armenbeschäftigungsanstalt“, Zinkenwörth 22. Die Theaterwerkstätten sollten Raum finden in den direkt ans E.T.A.-Hofmann-Theater angrenzenden Häusern Schillerplatz 1 und 3, und die Schutzgemeinschaft erhielt im Gegenzug das Haus am Schillerplatz 9. So gelang es nicht nur, für alle Beteiligten eine zufrieden stellende Lösung herbeizuführen, sondern auch für die Häuser Zinkenwörth 22 und für die Häuser am Schillerplatz eine Nutzung zu finden, die den Erhalt des Schillerplatzes langfristig sicherte. 1977 ging das Haus am Schillerplatz 9 in den Besitz der Schutzgemeinschaft über, und am 1. Dezember 1984 konnte das „Zentrum der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e.V. für Denkmalschutz und Denkmalpflege“ feierlich eröffnet werden. Dieses Ziel war erreicht worden dank zahlreicher Unterstützer und Spenden. Die betreffenden Firmen und Privatpersonen werden auf einer Tafel im Eingangsbereich des Hauses aufgeführt. Ihnen gilt ein großes Dankeschön. Besonders erwähnt werden sollen an dieser Stelle der Juniorenkreis der Industrie- und Handelskammer sowie der

Tafel im Eingang des Hauses Schillerplatz 9 als Danksagung an alle Firmen und Personen, die am Umbau beteiligt waren.

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Artikel erschienen im Fr채nkischen Tag 체ber die feierliche Einweihung des Vereinshauses am Schillerplatz 9.

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Vorstände und Vereinsstruktur

II. Vorstände und Vereinsstruktur Die Vorstandschaft der Schutzgemeinschaft setzt sich aus einem ersten und einem zweiten Vorsitzenden zusammen. Ihnen steht ein höchstens neunköpfiger Ausschuss zur Seite, dem bereits der Schriftführer und der Schatzmeister angehören.

Vorstand der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Erste Reihe von links nach rechts: Dr. Jörg Händler, 1. Vorsitzender, Dr. Horst Miekisch, Gisela Miekisch, Werner Hottelmann, Gabriele Pfeff-Schmidt und Marion Dubler. In der zweiten Reihe von links nach rechts: Ingo Schmitt, 2. Vorsitzender, Matthias Prell und Peter Berns.

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Der Ausschuss bildet gleichzeitig den Beirat. Laut Satzung handelt es sich bei den beratenden Mitgliedern um „Personen, die wissenschaftlich, künstlerisch oder fachlich anerkannt sind, und die sich bereiterklären, die Schutzgemeinschaft in ihren Zielen zu unterstützen.“18 Die Vereinsleitung wird für die Dauer von drei Jahren gewählt. Neuwahlen finden im Rahmen der entsprechenden Mitgliederversammlung statt. Der Vorstand der Schutzgemeinschaft kommt regelmäßig - derzeit jeden dritten Mittwochabend im Monat - zusammen. Die Sitzungen des Vorstands sind öffentlich und werden im Vereinshaus am Schillerplatz abgehalten. Der Schriftführer, seit vielen Jahren ein Amt, das Gisela Miekisch ausübt, erstellt bei den Vorstandssitzungen ein Protokoll.

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Einmal im Jahr findet die große Jahreshauptversammlung statt, zu der alle Mitglieder der Schutzgemeinschaft eingeladen sind. Bei diesen Versammlungen berichtet die Vereinsleitung über die Aktivitäten des vergangenen Jahres und stellt die Projekte und Ziele des kommenden Jahres vor. Im Rahmen dieser großen Versammlung werden auch alle drei Jahre die neuen Vorstände gewählt. Die Jahreshauptversammlungen sind zugleich ein Festakt, bei dem unter anderem seit 2005 die Preisverleihung des Dr.Ingo-Fessmann-Preises vorgenommen wird oder Ehrenmitglieder beziehungsweise -vorstände ernannt werden.

18

Zitat aus der aktuellen Vereinssatzung.


Seit der Jahreshauptversammlung vom 24.11.2005 setzt sich der Vorstand und Beirat der Schutzgemeinschaft wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender. Dr. Jörg Händler 2. Vorsitzender: Ingo Schmitt Schatzmeister: Werner Hottelmann Dem Beirat gehören, neben der bereits erwähnten Schriftführerin Gisela Miekisch, folgende Personen an: Peter Berns (Filme) Marion Dubler (Denkmalpflege, Gartendenkmalpflege) Bernhard Metzner (Stadtgeschichte, EDV, Mitglieder) Dr. Horst Miekisch (Bamberger Spaziergänge, Geschichte, historische Forschungen) Gabriele Pfeff-Schmidt (Denkmalpflege, Architektur, Archiv) Matthias Prell (Denkmalpflege, Architektur)

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Die Mitgliederbetreuung stellt seit vielen Jahren Rosemarie Egger sicher. Sie kontrolliert den Eingang der Mitgliedsbeiträge, führt die Mitgliederliste und übermittelt, bei runden Geburtstagen von Vereinsmitgliedern, Geburtstagsglückwünsche im Namen der Schutzgemeinschaft. Die Mitgliederzahl liegt seit einigen Jahren konstant bei etwa 300. Die große Mehrzahl der Mitglieder beweist dem Verein über viele Jahre die Treue.

1987-1993 und 1993-1996

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Außerdem ist Sylvia Buckel aktives Mitglied der Schutzgemeinschaft und zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und den Pavillon am Michaelsberg. Alexander Hornung ist ebenfalls ein aktives Mitglied. Er steht für Fragen zur Organisation und Catering für die Feste im Pavillon zur Verfügung.

1968-1986

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gelungen, aufgrund seiner Kontakte, seiner mit diplomatischem Geschick geführten Verhandlungen mit der Stadt und wegen des Ansehens, das die Schutzgemeinschaft vor dem Hintergrund der fachlich beeindruckenden Tagungen und Veranstaltungen erringen konnte, den Verein auf ein festes Fundament zu stellen. Die Schutzgemeinschaft war sowohl in Bamberg als auch überregional eine feste Größe, eine Institution. Bürgernähe, Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit hat die Schutzgemeinschaft in Bamberg selbst durch Basare, Punschverkauf, Stärkantrinken, die Bamberger Spaziergänge und die Ausspracheabende aufgebaut. 1. Vorsitzender: Dr. Victor Harth 2. Vorsitzender: Werner Hottelmann

Bei der Vereinsgründung in der Harmonie im September 1968 wurde Dr. Victor Harth zum 1. Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft ernannt. Ihm zur Seite stand Werner Hottelmann als 2. Vorsitzender. Beide hatten ihre Ämter über viele Jahre inne. Die Zeit der Vereinsgründung und die Aktivitäten der ersten Jahre waren ereignisreich und zeugen von großer Kreativität und Einsatzbereitschaft für die Ziele der noch jungen Bürgerinitiative. Die Ära Harth kann zweifelsohne als Phase der Institutionalisierung der Schutzgemeinschaft bezeichnet werden. Es war Dr. Harth

Nachdem Dr. Victor Harth nach einer 18-jährigen Amtsperiode als 1. Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg zurücktrat, übernahm zunächst Werner Hottelmann, der bisher das Amt des 2. Vorsitzenden bekleidete, den 1. Vorsitz. Somit blieb eine gewisse Kontinuität in der Vorstandschaft vor allem für die Mitglieder gewahrt. Im Zusammenhang mit der Einladung zur Jahreshauptversammlung im Juni 1981 hatte Dr. Victor Harth bereits in Erwägung gezogen, nicht mehr für das Amt des 1. Vorsitzenden zu kandidieren. Nachdem er aber einstimmig wiedergewählt worden war, hatte er das Amt, das er eigentlich an einen jüngeren Vorsitzenden übergeben wollte, nochmals für insgesamt sogar zwei Amtsperioden übernommen. 1993 wurde Rainer Hartmann zum 1. Vorsitzenden gewählt. Das Amt bekleidete er für eine volle Amtsperiode. Bereits in den achtziger Jahren hatte Rainer Hartmann als aktives Vorstandsmitglied die Schutzgemeinschaft tatkräftig unterstützt, beispielsweise bei den erfolgreichen Bemühungen der Schutzgemeinschaft, die Erlweinbauten (Chirurgie und altes E-Werk) zu erhalten. Werner Hottelmann übernahm 1993 das Amt des 2. Vorsitzenden und mit dem Ende der Amtsperiode im Jahr 1996 beendete Werner Hottelmann seine aktive Amtszeit als Vorsitzender, blieb aber weiterhin als Schatzmeister im Vorstand.

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Vorstände und Vereinsstruktur

1999-2005

1987-1993 1. Vorsitzender: Werner Hottelmann 2. Vorsitzender: Rainer Hartmann

1993-1996 1. Vorsitzender: Rainer Hartmann 2. Vorsitzender: Werner Hottelmann

1. Vorsitzende: Gabriele Pfeff-Schmidt 2. Vorsitzende: Dr. Christa Harth

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Mit der Architektin Gabriele Pfeff-Schmidt als 1. Vorsitzende stand in der Zeit von 1999-2005 erstmals eine ausgesprochene Fachkraft an der Vereinsspitze. Ihre Ernennung zur Kreisbaumeisterin des Landkreises Bamberg ließ jedoch keinen ausreichenden Raum mehr für das ehrenamtliche Engagement als Vorsitzende der Schutzgemeinschaft, so dass sie das Amt mit dem Auslaufen der Amtsperiode an ihren Nachfolger, Dr. Jörg Händler, übergab. Gabriele Pfeff-Schmidt ist weiterhin im Beirat der Schutzgemeinschaft aktiv.

1996-1999 1. Vorsitzender Dr. Horst Miekisch 2. Vorsitzender Dr. Christa Harth

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Dr. Horst Miekisch, der seit 1986 Mitglied der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ist und seit vielen Jahren die Bamberger Spaziergänge vorbereitet und organisiert, übernahm in der Zeit von 1996-1999 den Vorsitz des Vereins. Während seiner Amtszeit konnte das von ihm initiierte Förderprojekt zur Instandsetzung des nördlichen Pavillons im Michaelsberger Terrassengarten abgeschlossen werden. Den zweiten Vorsitz übernahm Dr. Christa Harth.

Der sanierte nördliche Pavillon im Michaelsberger Terrassengarten, für den die Schutzgemeinschaft eine Patenschaft übernommen hat.

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seit 2005 1. Vorsitzender Dr. Jörg Händler 2. Vorsitzender Ingo Schmitt

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Dr. Jörg Händler ist seit 2002 Mitglied der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg und hat das Amt des 1. Vorsitzenden seit der Jahreshauptversammlung 2005 inne. Mit ihm steht nun ein Jurist an der Vereinsspitze. Ingo Schmitt übernahm 2002 das Amt des 2. Vorsitzenden. Obwohl die beiden Vorsitzenden beruflich selbständig tätig sind, gelingt es ihnen dennoch, engagiert ihr Ehrenamt wahrzunehmen. Beiden war und ist es ein Anliegen, die Effizienz der Vorstandsarbeit zu steigern und den Bekanntheitsgrad der Schutzgemeinschaft in der Öffentlichkeit zu verankern. Dies wird durch öffentliche Auftritte der Schutzgemeinschaft, Festivitäten, wie beispielsweise das Kornelkirschenfest im Jahr 2007, auch stellenweise schon erreicht. Für die Zukunft der Schutzgemeinschaft und damit zugleich für die Zukunft der Altstadt Bambergs ist es beiden wichtig, die Jugend anzusprechen und für eine aktive Vereinsmitarbeit zu gewinnen. Foto rechts: Ziel eines Spaziergangs durch Treppenhäuser am Dombergfuß: Das Marschalk-von-Ostheimsche Haus, Karolinenstr. 18, um 1730.


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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die ersten Jahre

III. Aktivitäten/Öffentlichkeitsarbeit

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Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg leistete in den ersten Jahren ihres Bestehens vor allem Aufklärungsarbeit bei den Bürgern ebenso wie bei der Stadtverwaltung. Sie hat sich immer als „Vermittler zwischen Bürger und Behörde sowie zwischen Behörde und Bürger verstanden“, so Dr. Victor Harth in einem Beitrag über die Vereinsgeschichte . 19

Vortragsabende Bereits im Gründungsjahr 1968 lud die Schutzgemeinschaft alle Interessierten zu einer ersten Großveranstaltung mit dem Thema „Denkmalpflege und Bürgerinitiative“. Der Vortragende, Dr. Ludwig Wegele, war Kulturreferent der Stadt Augsburg und Mitbegründer der 1959 entstandenen Bürgerinitiative „Alt-Augsburg-Gesellschaft“, die, wie bereits erwähnt, der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg als Vorbild diente. Im Januar 1971 sprachen Dr. Erich Schosser MdL und Regierungsbaumeister Dipl.-Ing. Dr. E. Schleich, beide aus München, im Spiegelsaal der Harmonie zum Thema: „Die Zerstörung alter Städte“. Im Oktober desselben Jahres fand erneut ein Vortrags- und Diskussionsabend statt. Zu dem Thema „Rettung historischer Stadtkerne. Historischer Stadtkern als Ganzheit - = lebendige Stadtmitte von morgen“ war der Münsteraner Landesbaudirektor, Dr. Ing. D. Wildeman, geladen. In einem Lichtbildervortrag zeigte Wildeman sowohl positive als auch negative Beispiele von Denkmalpflege aus verschiedenen europäischen Großstädten. Die Schutzgemeinschaft resümierte den Vortragsabend, laut Jahresbericht von 1971, als sehr anregend für die eigene Arbeit. Für den Vortragsabend über „Die Sanierung alter Städte“ im Juni 1973 konnte Dr. Hans-Jochen Vogel, Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, als Redner gewonnen werden. Der Vortragabend war zugleich ein Beitrag der Schutzgemeinschaft im Rahmen der 1000-Jahr-Feier Bambergs.

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Einladungsplakat zum ersten Vortragsabend der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg im Dezember 1968. Es sprach Dr. Ludwig Wegele, Begründer der Alt Augsburg Gesellschaft, zum Thema „Denkmalpflege-Bürgerinitiative“.

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HARTH Victor, „25 Jahre Schutzgemeinschaft Alt Bamberg e. V. Ein Rückblick auf die siebziger und achtziger Jahre“, in: Informationsheft Schutzgemeinschaft „Alt-Bamberg“ e.V., Februar 1994, S. 24.


Der Hausbesitzerbrief

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Für die historische Altstadt Bambergs lag seit 1962 eine so genannte Häuserliste vor, die, wie bereits erwähnt, August Gebeßler im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege erstellt hatte. Diese diente, nach Inkrafttreten des Bayerischen Denkmalschutzgesetzes am 1.10.1973, als Grundlage zur Erstellung einer Denkmalliste für Bamberg.

zer nunmehr darüber auf, dass ihr Anwesen in der offiziellen Denkmalschutzliste verzeichnet sei, und sie erhielten damit zugleich den entsprechenden Wortlaut des amtlichen Textes. Für besonders gelungene Instandsetzungsarbeiten verlieh die Schutzgemeinschaft Plaketten an engagierte Hauseigentümer.

Die Schutzgemeinschaft nutzte bereits 1970 im Einvernehmen mit der Stadtverwaltung die Häuserliste, um einen Brief an alle Bamberger Denkmaleigentümer zu senden: den Hausbesitzerbrief. Besitzer von Baudenkmalen sollten über den besonderen Wert ihrer Häuser informiert werden. In vielen Fällen konnten so Restaurierungen und Instandsetzungsarbeiten angeregt werden. Nach Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes versandte die Schutzgemeinschaft im Jahr 1974 weitere Hausbesitzerbriefe an Eigentümer von Häusern, die Teile eines schutzwürdigen Ensembles bildeten oder aber besonders charakteristisch für ihre Zeit waren, denn diese waren zuvor in der Häuserliste mit ihren Denkmalklassen nicht berücksichtigt worden. Die Briefe klärten die Hausbesit-

Hausbesitzerbrief der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit

Gemeindeverordnung

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Im Jahr 1972 arbeitete die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg an einem Entwurf für eine „Gemeindeverordnung zum Schutze und Erhalt des historischen Stadtgebietes von Bamberg“. Anregungen für diesen Entwurf kamen aus verschiedenen Städten Bayerns, für die bereits Ortssatzungen und Gemeindeverordnungen zum Schutz der Altstädte vorlagen, wie beispielsweise für Duderstadt seit 1961 oder aber für die Stadt Dinkelsbühl, für die seit 1967 eine „Baugestaltungsverordnung“ zum Schutz des historischen Stadtbilds und der Kunst- und Kulturdenkmäler bestand. Interessant ist der Wortlaut des Briefes, den die Schutzgemeinschaft an die unterschied-lichen Stadtverwaltungen verschickte, um über deren Ortssatzungen Informationen einzuholen: „Wie Sie wissen, haben wir in Bamberg eine unverhältnismäßig große Zahl denkmalgeschützter Häuser. Auch ein zukünftiges Denkmalpflegegesetz wird nicht ausreichend Schutz für diese Häuser bieten.“20. Die Schutzgemeinschaft befürchtete also bereits

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vor Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes, dass dieses die Altstadt von Bamberg nicht wirklich in befriedigendem Maße schützen würde.

Die BAMBERGER GESPRÄCHE

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Die BAMBERGER GESPRÄCHE sind aus heutiger Sicht eine äußerst bemerkenswerte Veranstaltungsreihe gewesen. Als Bürgerinitiative, die sich für den Erhalt der eigenen Stadt einsetzte, agierte die Schutzgemeinschaft doch weit über die eigenen Stadtgrenzen hinaus. Durch die BAMBERGER GESPRÄCHE wurde Bamberg zum Forum und zur Diskussionsplattform der bundesweiten Denkmalpflege, und dies sowohl in Fachkreisen als auch für interessierte Laien, die sich über Bürgerinitiativen informieren oder austauschen wollten. Im Rahmen der 1000-Jahr-Feier Bambergs fand am 29. und 30 September 1973 das erste Bamberger Gespräch „Denkmalschutz – Stadtsanierung - Fragen der Urbanität“ auf der Altenburg statt. Die Schutzgemeinschaft hatte hier20

So beispielsweise der Wortlaut eines Rundbriefes der Schutzgemeinschaft an die Stadtverwaltungen in Königsberg/Bayern, Füssen/Allgäu, Neuburg/Donau und Berching vom 12.07.1972. Archiv der Schutzgemeinschaft, Akte Ortssatzung.

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zu alle ihr bekannten Bürgerinitiativen für Denkmalpflege der Bundesrepublik, Landesämter für Denkmalpflege und Vertreter der entsprechenden Bundesministerien und Landesvertreter aus München geladen. Die I. BAMBERGER GESPRÄCHE waren zugleich das erste Treffen dieser Art in der Bundesrepublik überhaupt. Die Teilnehmer regten die Schaffung einer Zentralkartei aller Bürgerinitiativen für Denkmalschutz und Denkmalpflege in der Bundesrepublik an. Diese wurde von der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg erstellt. Sie enthielt Mitteilungsblätter und Informationsmaterial der unterschiedlichen Initiativen, die sich dem Denkmalschutz widmeten. Die Schutzgemeinschaft hatte damit zugleich die Aufgabe übernommen, Anfragen aus dem gesamten Bundesgebiet zum Thema Bürgerinitiative und Denkmalschutz zu beantworten, da sie eben als zentrale Anlaufstelle für diese Fragen galt. Die alphabetisch geordnete Zentralkartei, die zumindest teilweise noch erhalten geblieben ist, ist ein Zeitdokument der frühen siebziger Jahre und bezeugt die Aktualität der Denkmalschutzfragen zu dieser Zeit. Aus heutiger Sicht beeindruckt die beachtliche Anzahl an Bürgerinitiativen, die sich mit dem Denkmalschutzgedanken befasst haben. Bei dem so genannten „Round-table-Gespräch“, das Dr. Victor Harth moderierte, kamen bedeutende Fachleute aus der Denkmalpflege zum Erfahrungs- und Meinungsaustausch zusammen. Teilnehmer des Round-table-Gesprächs waren unter anderen der Architekt A. von Branca (München), Professor F. Mielke (Berlin), Regierungsbaumeister Dr. E. Schleich (München) und Stadtbaumeister K. Rahn (Rothenburg o. d. T.). Themen der weiteren BAMBERGER GESPRÄCHE mit hochrangigen Vertretern der Denkmalpflege und des Städtebaus: 1975 II.

“Alltägliche Sorgen im Denkmalschutz”

1977 III. “Wo stehen wir heute im Denkmalschutz? Erfahrungsaustausch - Was machen Sie?” 1979 IV. “Stadtbild und Stadtgestaltung, Restaurierung und Neugestaltung in Altstadtbereichen”


Altstadt-Jugendfestivals

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Die Altstadt-Jugendfestivals der Schutzgemeinschaft waren als Beitrag für die Jugend geplant. Die Jugendlichen sollten für ihre Stadt sensibilisiert werden mit einem für sie ansprechenden Angebot an Musik und Veranstaltungen. Während die zahlreichen Aktivitäten, Vorträge und Feierlichkeiten im Rahmen der 1000-Jahr-Feier Bambergs kaum für junge Menschen konzipiert waren, wollte die Schutzgemeinschaft nunmehr ein spezielles Jugendfest veranstalten, das den Jugendlichen auch die Problematik des Denkmalschutzes und die Schutzwürdigkeit ihrer Stadt näher bringen sollte. „Wir stellten uns zur Aufgabe“, so Victor Harth zum Entschluss, Jugendfestivals zu veranstalten, „der Jugend ein Stadterlebnis zu vermitteln, den täglichen Lebenswert einer pulsierenden, harmonischen, alten, gewachsenen Stadt: unverwechselbar und menschenprägend.“21 Vom 4. bis 9. Juni 1974 fand unter der Leitung von Alexander Ochs das erste Altstadt-Jugendfestival in Bamberg statt, das die Schutzgemeinschaft organisiert hatte. Das Festival wurde von über 7000 Jugendlichen aus dem In- und Ausland besucht. Die Alte Hofhaltung war ganz bewusst als Hauptveranstaltungsort gewählt worden, um die jungen Menschen für die Altstadt zu begeistern. Großes Verhandlungsgeschick war nötig, für diesen illustren Veranstaltungsort eine Genehmigung zu erhalten, denn eine mögliche Brandgefahr im Zuge einer Großveranstaltung mit ausgelassenen jungen Menschen war als Hauptproblem erachtet worden. Nach dem Erfolg des ersten Altstadtfestes veranstalteten die Schutzgemeinschaft und Alexander Ochs, vom 31. Juli bis 1. August 1976 erneut ein Altstadt-Festival. Veranstaltungsort war nun nicht mehr der Innenhof der Alten Hofhaltung, sondern das Sandgebiet zwischen Elisabethenplatz und Katzenberg. Zu den Altstadtfestivals erschien ein lustig illustriertes Altstadtblatt, das das Programm und die Veranstaltungsorte der verschiedenen Darbietungen beinhaltete. Diese Feste, die maßgeblich von Irene HottelmannSchmidt initiiert worden waren, fanden großen Anklang, waren sehr gut besucht und verliefen friedlich. Die Organisation und Ausführung dieser Großveranstaltungen aber waren mit einem enormen Arbeitsaufwand für die aktiven Mitglieder der Schutzgemeinschaft verbunden, so

dass weitere Altstadtfeste nicht mehr durchführbar waren, denn die Kräfte wurden für die eigentliche Vereinsarbeit dringend benötigt.

N 21

Cartoons von Gerd Bauer, aus

dem Altstadtblatt des Altstadtjugendfestivals der Schutzgemeinschaft.

HARTH Victor, 1994, S. 27.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die achtziger Jahre

Die achtziger Jahre

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In den achtziger Jahren stand die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg vor einer Vielzahl neuer Aufgaben und Herausforderungen. Hatte sie sich bisher in erster Linie für den Erhalt von einzelnen Bauwerken eingesetzt, wurde sie nun mit ganzen Sanierungsgebieten (Obere Mühlen, Kaulbergfuß-Schranne, Bamberg-Mitte, Theatergassen) konfrontiert. Nicht mehr ein einzelner Bauherr oder Investor war Ansprechpartner, sondern ein Sanierungsträger wurde zum Bauherren für ein ganzes Altstadtviertel.

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Die Anwendung des Städtebauförderungsgesetzes, das 1971 verabschiedet worden war, veränderte den Umgang mit der Altstadt. Das Gesetz offenbarte der Stadt neue finanzielle Möglichkeiten bei der Aufwertung von sanierungsbedürftigen Stadtteilen, es erforderte aber auch eine intensive Vorbereitung, um jedem einzelnen Gebäude im jeweiligen Sanierungsgebiet gerecht zu werden. Mittlerweile ist das Gesetz für die Anwendung in historischen Innenstädten modifiziert worden und kam bei der Altstadtsanierung vor allem in den neuen Bundesländern zur Anwendung. Hierbei fanden denkmalpflegerische Zielsetzungen eine bessere Umsetzung und so konnten auch bei der Sanierung größerer Innenstadtbereiche durchaus Erfolge erzielt werden. Die achtziger Jahre waren zudem geprägt von einer großen Anzahl an Bauvorhaben, die das Stadtbild nachhaltig und einschneidend veränderten. So entstanden in dieser Zeit die so genannten Theatergassen, eine groß angelegte Geschäfts- und

22

Die große Synagoge, erbaut von Johannes Kronfuß, an der Herzog-Max-Straße war in der Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Brand gesteckt worden.

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Beispiel für die Aktivitäten der Schutzgemeinschaft: Um den Verkehrsfluß in der Karolinenstr. zu fördern, war ein Abbruch beziehungsweise ein Teilabbruch einiger Anwesen vorgesehen. Die Schutzgemeinschaft setzte sich erfolgreich für deren Erhalt ein.


Wohnhausanlage mit Tiefgarage mitten im Zentrum Bambergs, zwischen der Langen Straße, Zinkenwörth und dem Schillerplatz gelegen. In diesem Quartier befand sich die einzig erhaltene Bamberger Synagoge. Diese war in den zwanziger Jahren, nachdem die jüdische Gemeinde über eine neue Synagoge22 verfügte, von der Kultusgemeinde verkauft und durch Verlängerung und das Einziehen einer Zwischendecke als Druckerei nutzbar gemacht worden. Obwohl die Synagoge in der Generalsgasse das letzte architektonische und damit anschauliche Zeugnis für die reiche Vergangenheit jüdischen Lebens in Bamberg war, wurde sie abgebrochen. Die Schutzgemeinschaft, die sich stets für den größtmöglichen Erhalt an historischer Bausubstanz einsetzte, geriet in dieser Zeit zunehmend in Konflikt mit der Stadtverwaltung und auch mit der Presse, die eine recht

einseitige Berichterstattung verfolgte, was vor allem bei der Sanierung der Oberen Mühlen deutlich wurde. Einen professionellen Schub bekam die Schutzgemeinschaft mit der Anstellung von Volkmar Eidloth Mitte der achtziger Jahre. Er unterstützte den Vorstand und konzipierte die Ausstellung „Bamberg Stadt Denkmal“, die im Vereinshaus am Schillerplatz 9 von Januar bis Juli 1988 anlässlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Schutzgemeinschaft gezeigt wurde. 1990 erschien im Bamberger Collibri-Verlag die entsprechende Publikation, als Dokumentation zur Ausstellung. Es handelt sich um ein Buch, das „die Aussagen der Denkmalliste zu den städtebaulichen Eigenschaften Bambergs - im wahrsten Sinne des Wortes - anschaulich zu machen“ versuchte, so Eidloth in der Einführung, was auch tatsächlich gelang, so dass das Werk bis heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat.

Die Sanierung der Oberen Mühlen

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Die Oberen Mühlen haben in einer einzigartigen Weise die Bedeutung der Regnitz für die Stadt Bamberg belegt. Als technische Denkmäler legte der Mühlenkomplex Zeugnis ab von der Wirtschaftsgeschichte der Stadt. Die Mühlen veranschaulichten, wie die Bamberger über Jahrhunderte von und mit dem Fluss lebten.

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Das im Mühlenviertel dominierende Gebäude, die Eckertsmühle, stand, wie das Alte Rathaus, im Fluss. Es handelte sich um einen Fachwerkbau, der sich im vorderen Teil über ein Erdgeschoss aus Sandstein erhob. Die Schutzgemeinschaft bezeichnete diesen Baukörper als „technisch imponierenden Fachwerkingenieurbau“ und formulierte in einer ausführlichen Stellungnahme Leitlinien bei der Anwendung des Städtebauförderungsgesetzes, um eine radikale Flächensanierung auch in Zukunft in Bamberg zu vermeiden.23 23

Stellungnahme der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg vom 12.08.1980. Archiv der SBAG, Ordner Obere Mühlen.

Das Bauensemble Obere Mühlbrücke 8-14 bestand aus insgesamt 8 Gebäuden, von denen 6 vollständig abgebrochen und 2 saniert wurden. Der Bauträger, die St. Joseph-Stiftung, war zugleich Eigentümer der Gebäude, was die Umsetzung einer wenig sensiblen Flächensanierung erleichterte. Im statischen Gutachten der Firma Strunz vom 23. August 1979 wurde die Eckertsmühle, Obere Mühlbrücke 9, als baufällig eingestuft und die empfohlene Sanierung lautete „Abbruch und Ersatz durch Neubau.“24 Die gleiche Sanierungsempfehlung sprach das

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die achtziger Jahre

Die Oberen Mühlen vor der Sanierung. Links im Bild die Schwalbenmühe und rechts im Bild die Eckertsmühle.

Die Eckertsmühle vor dem Abbruch. Im Hintergrund sind die Turmhaube von Schloss Geyerswörth und die Brudermühle zu erkennen.

Abbrucharbeiten an den Oberen Mühlen, hier mit Blick zum Alten Rathaus.

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Die Eckertsmühle wurde fast vollständig abgebrochen. Lediglich die sandsteinerne Fassade im Erdgeschoss blieb teilweise erhalten.

Das sandsteinerne Erdgeschoss der abgebrochenen Eckertsmühle.

Gutachten für die Gebäude Obere Mühlbrücke 8 und 10 aus. Die Gebäude 11, 12 und 12a sollten vollständig entkernt werden. Lediglich für die Gebäude 14 und 14 a wurden ein Umbau und eine Nutzung „in normaler Weise“ in Betracht gezogen. Mit dem hastigen Abbruch der Eckertsmühle wurden sodann rasch vollendete Tatsachen geschaffen. Die Schutzgemeinschaft bemühte sich leider vergeblich um eine behutsamere Sanierung des Mühlenviertels, lud die Bevölkerung zu Informationsabenden ein, versuchte

Artikel in der Presse zu veröffentlichen, nahm immer wieder Kontakt mit dem Stadtrat und dem Bürgermeister auf, konnte aber kein gutes Gesprächsklima mehr herbeiführen und blieb im Prinzip ungehört. Die Sanierung der Oberen Mühlen wurde damit beinahe zu einer Zerreißprobe für die Schutzgemeinschaft und bedeutete einen großen Rückschlag für die Denkmalpflege in Bamberg. Anstelle der dominanten Eckertsmühle entstand an den Oberen Mühlen das Hotel und Restaurant Nepomuk, eine Stahlbetonkonstruktion mit Fachwerkapplikation, die sich in keiner Weise am historischen Vorbild orientiert. Außerdem entstand ein auf mehrere Baukörper verteiltes Studentenwohnheim mit annährend 100 Appartements. Die Sanierung des Mühlenviertels feierte im Sommer dieses Jahres ihr 25-jähriges Jubiläum. In der Presse wurde das Sanierungsjubiläum als vorbildlich für das Weltkulturerbe gewürdigt. Warum selbst ein Vierteljahrhundert nach Umsetzung einer radikalen Flächensanierung noch keine Kritik, sondern sogar Lob geäußert wird, ist aus denkmalpflegerischer Sicht überhaupt nicht nachvollziehbar und lässt uns heute erahnen, wie schwer der Kampf um den Substanzerhalt im Mühlenviertel tatsächlich war.

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Statisches Gutachten der Firma Strunz, Archiv der SGAB, Ordner: Obere Mühlen.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die achtziger Jahre

Erlweinbauten

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Besonders große Erfolge konnte die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg bei dem Kampf um den Erhalt der Bamberger Erlweinbauten erzielen. Eigentlich war der Abbriß des Erlweinbaus, wie das alte chirurgische Krankenhaus in der Unteren Sandstraße entsprechend ihrem Erbauer benannt wurde, bereits 1982 beschlossen. Die Parksituation sollte sich in diesem Gebiet sowohl für die Innenstadtbewohner als auch für Gäste durch die Schaffung von PKW-und Busparkplätzen deutlich verbessern. Aus diesem Grund stufte die Stadtverwaltung das Gebäude des Architekten Hans Jakob Erlwein (1872-1914) als Frühwerk, welches unter Zeit- und Geldmangel entstanden war, für nicht erhaltenswert ein. Die Schutzgemeinschaft und das Landesamt für Denk-

Einladungsplakat der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg zu einem Informationsabend bezüglich des geplanten Abbruchs der Chirurgie von Erlwein.

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Der “Erlweinbau” (auch: Chirurgischer Pavillon) des Krankenhauses in der Unteren Sandstraße.

malpflege aber setzten sich für den Erhalt des Gebäudes ein, für das bereits der Nutzungsvorschlag als Stadtarchiv diskutiert wurde. Die Schutzgemeinschaft lud daraufhin im Juli 1982 zu einem Ausspracheabend in den Grünen Saal der Harmonie ein. Der damalige Oberbürgermeister Paul Röhner, Bürgermeiser Grafberger, Vertreter von Universität und Bürgervereinen und zahlreiche Bamberger Bürger waren der Einladung gefolgt. Rainer Hartmann, damals Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft, äußerte sich zum drohenden Abbruch der Erlweinschen Chirurgie, und Dr. Victor Harth, 1. Vorsitzender, verteidigte den Erhalt des ehemaligen Elektrizitätswerkes in der Tränkgasse. Das ebenfalls von Erlwein stammende technische Gebäude war 1901 in Betrieb genommen worden und integriere sich, so Dr. Victor Harth, hervorragend in das architektonische Umfeld. Beide Redner hoben zudem hervor, dass die Bausubstanz an sich in einem einwandfreien Zustand und ein Kosten verursachender Abbruch keineswegs zu rechtfertigen sei. Der sich über einige Jahre hinziehende Kampf um den Erhalt des alten Elektrizitätswerkes wie der Chirurgie hat sich gelohnt. Für beide Gebäude konnte eine gute Nutzung gefunden werden, und heute rühmt die Stadt Bamberg sich mit dem ehemaligen E-Werk, die schönste Volkshochschule Bayerns zu haben. Im November 1991 konnte das Stadtarchiv feierlich seinen Tag der offenen Tür im ehemaligen chirurgischen Krankenhaus begehen. Beide Gebäude gelten als Vorzeigeobjekte der Stadt sowohl für den Erhalt technischer Denkmäler als auch für deren gelungene Umnutzungskonzepte.


Die neunziger Jahre bis heute

Die neunziger Jahre bis heute

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In den frühen neunziger Jahren beschäftigten Verkehrs- und Parkprobleme in der Innenstadt die Schutzgemeinschaft: die geplante Bergverbindungsstraße und der Bau der Tiefgarage am Georgendamm. Gegen die Realisierung einer Bergverbindungsstraße setzte sich die Schutzgemeinschaft äußerst intensiv ein und bildete eine Verkehrsgruppe, die sich fast ausschließlich mit dem Thema befasste. Die Landschaft des Berggebietes, als gewachsene Denkmal- und Kulturlandschaft, sei integraler Bestandteil der Altstadt Bambergs, argumentierte die Schutzgemeinschaft. Außerdem sah sie im Bau der Bergverbindungsstraße einen Verstoß gegen die Richtlinien für das Welterbe. Auf diese Problematik machte die Schutzgemeinschaft wirkungsvoll mit einer Fotomontage der geplanten Trasse in einer ganzseitigen Anzeige im Fränkischen Das Tal am Ottobrunnen, vom Michaelsberg aus gesehen Tag, erschienen am 2.3.1996, aufmerksam. In einem Bürgerentscheid vom Dezember 1998 ge zu demonstrieren. Hier konnte die Schutzgemeinschaft votierten die Bamberger Bürger schließlich gegen den Bau zumindest einen Teilerfolg erzielen, da das ursprüngliche einer Bergverbindungsstraße. Bauvorhaben die gesamte Ufersituation zerstört hätte. Im Juni 1991 veranstaltete die Schutzgemeinschaft das 1993 feierte die Schutzgemeinschaft ihr 25-jähriges Georgendammfest, um zusammen mit anderen Bürgerver- Bestehen. Zum Jubiläum in der Harmonie hielt Professor einen und den betroffenen Anwohnern gegen die Tiefgara- Dr. Tilmann Breuer den Festvortrag.

Bauleitplanverfahren

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Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit der Schutzgemeinschaft sind bereits seit längerer Zeit die Stellungnahmen zu Bauleitplänen der Stadt, zu denen der Verein als Träger öffentlicher Belange im Rahmen der Bürgerbeteiligung Stellung bezieht. In der Zeit der Vorstandschaft von Gabriele Pfeff-Schmidt (2002-2005) beispielsweise wurden

jährlich 6 bis 8 Stellungnahmen ausgearbeitet. Diese Arbeit war und ist stellenweise äußerst zeitaufwändig, erfordert häufig ein Aktenstudium und die Teilnahme an Bausenatssitzungen. Die Bauleitplanverfahren sind außerdem jeweils Gegenstand der Vorstandssitzungen, in denen sie vorgestellt und besprochen werden.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die neunziger Jahre bis heute

Förderung öffentlicher Projekte

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Ein besonderer Themenschwerpunkt der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg in den vergangenen Jahren war die Unterstützung von Förderprojekten. Die Schutzgemeinschaft wählt auf Vorschlag von Vereinsmitgliedern historische Objekte aus, deren Restaurierung oder Instandsetzung sie finanziell durch Spenden und Sonderaktionen unterstützt. So konnte der nördliche Pavillon im Michaelsberger Terrassengarten durch eine Anschubfinanzierung wieder instand gesetzt und der dortige Delphinbrunnen restauriert werden. Die Restaurierung der Sphingen im Hain ist als weiteres Förderprojekt der Schutzgemeinschaft zu nennen.

Pavillon am Michaelsberg

Der nördliche Pavillon, vom Reuthersberg aus gesehen, Radierung von Michael Knobel.

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Der südliche Pavillon mit Delphinbrunnen, Originalradierung von Michael Knobel, limitierte Auflage, zum Preis von Euro 45,00 bei der Schutzgemeinschaft zu erwerben.

Auf Vorschlag von Dr. Horst Miekisch hat die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg ab 1994 die Instandsetzung des damals sanierungsbedürftigen nördlichen Pavillons im Michaelsberger Terrassengarten angeregt. Dieser stieß in den eigenen Reihen nicht gleich auf große Zustimmung. Erwähnenswert ist, dass der Pavillon von der Schutzgemeinschaft schon vor dem Anlauf des Förderprojektes in besonderer Weise gewürdigt wurde: der schneebedeckte Pavillon war 1981 als Motiv für die Weihnachtskarten des Vereins ausgewählt worden. Der nördliche sowie der südliche Pavillon, symmetrisch angeordnet an den Eckpunkten des Terrassengartens, stellen nicht nur prägnante Elemente dar, sondern sind auch architekturhistorisch als Beispiele barocker Gartenarchitektur wertvoll. Der südliche Pavillon wurde bereits unter der Leitung des Architekten Wolfgang Frickert ab 1983 instand gesetzt. Dies war auch eine Voraussetzung, um die Gartenanlagen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen, was seit 1987 möglich ist. In diesem Zusammenhang gab die Stadt außerdem ein Parkpflegewerk in Auftrag, das seit 1996 durch das Garten- und Friedhofsamt der Stadt Bamberg mit Unterstützung der Denkmalpflegeund Umweltschutzbehörden umgesetzt wird.


Artikel über die feierliche Eröffnung des restaurierten Pavillons erschienen am 16.10.1999 im Fränkischen Tag.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die neunziger Jahre bis heute

Der Pavillon kann für private Feiern gemietet werden und wird zu diesem Zweck individuell hergerichtet. (Dekoration und Gestaltung: Sylvia Buckel)

samt 200 Abzüge entstanden, sind auf handgeschöpftem Büttenpapier gedruckt und wurden zu einem Preis von 80,00 DM angeboten. Bereits im Dezember 1994 konnte die damalige Schatzmeisterin der Schutzgemeinschaft, Dr. Christa Harth, dem Stadtkämmerer Heinz Faust einen Scheck über 15 000 DM als Anschubfinanzierung für die Instandsetzung des Pavillons überreichen. Schließlich waren im Oktober 1999 die Arbeiten am Pavillon abgeschlossen, und das Bauwerk konnte feierlich der Öffentlichkeit präsentiert werden. Bei seiner Rede würdigte OB Herbert Lauer den Einsatz der Schutzgemeinschaft, wie das Rathausjournal berichtet: „Lauers Dank galt vor allem der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, die mit 30 000 DM zur Restaurierung beigetragen hatte: „Ich sehe diese Spendenbereitschaft der Bamberger Bürgerinitiativen und Vereine als Mitverantwortung am Erhalt unserer wunderschönen Heimatstadt“. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg hat für „ihren“ nördlichen Pavillon eine Patenschaft übernommen, um den Erhalt des Gebäudes langfristig zu sichern. Die Finanzierung für den notwendigen Bauunterhalt wird nunmehr durch die Vermietung des Pavillons für Feierlichkeiten wie Geburtstage oder Taufen gesichert.

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Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg brachte insgesamt 30 000 DM Spendengelder für das Förderprojekt auf. Diese Gelder kamen unter anderen durch den Verkauf von Radierungen mit dem Motiv der Pavillons, die der Künstler Michael Knobel geschaffen hatte, zusammen. Die zwei Kupferradierungen des Baudenkmals, von denen insge-

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Der nรถrdliche Pavillon des Michaelsberger Terrassengartens. Foto 2007.

Der gut besuchte Pavillon beim Tag des offenen Denkmals 2006.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die neunziger Jahre bis heute

Sphingen im Hain

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Die beiden Skulpturen an der Musikmuschel im Hain, die 1814 entstanden waren, konnten durch den Einsatz der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg im Jahr 2006 restauriert werden. Dr. Jörg Händler und der Restaurator Adelbert Heil.

Feierliche Enthüllung der restaurierten Sphingen. Von li. nach re.: Bürgermeister Werner Hipelius, 2. Vorsitzender Ingo Schmitt, 1. Vorsitzender Dr. Jörg Händler, “Cleopatra” Sarah Böttcher, Konrad Gottschall, Vorsitzender der Sparkassenstiftung.

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Beide Figuren waren durch Witterungseinflüsse und Vandalismus stark in Mitleidenschaft gezogen. Beiratsmitglied Marion Dubler regte 2005 das Förderprojekt „Sphingen an der Musikmuschel im Hain“ an, nachdem sie von dem Bamberger Studenten Michael Eccard ein Foto der linken Sphinx mit ihrem noch unversehrten Gesicht erhalten hatte. Der Bildhauer Adelbert Heil restaurierte innerhalb von drei Monaten die beiden Sphingen, die im Herbst 2006 im Beisein des Bürgermeisters Werner Hipelius, des Sparkassendirektors Konrad Gottschall, von

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Vertretern der Denkmalschutzbehörden und natürlich in Gegenwart von Vorstands- und Beiratsmitgliedern der Schutzgemeinschaft feierlich enthüllt wurden. Die Finanzierung der Restaurierungsarbeiten in Höhe von 4000 € konnte durch eine Spende der Kulturstiftung der Sparkasse Bamberg (3000 €) sichergestellt werden; den restlichen Betrag brachte die Schutzgemeinschaft selbst auf. Zwar konnten die Musikmuschel und ihr Skulpturenschmuck wieder restauriert werden, dem Vandalismus aber sind sie leider weiterhin ausgesetzt.


Dr.-Ingo-Fessmann-Preis

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Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg verleiht seit 2005 an Hauseigentümer, die bei der Restaurierung ihrer Anwesen ein besonderes Engagement bei der Gestaltung von Fassadenelementen zeigten, den Dr.-Ingo-Fessmann-Preis.

Dr. Ingo Fessmann und Dr. Jörg Händler bei der Verleihung des Preises im Rahmen der Jahreshauptversammlung 2006.

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Der mit 500 € dotierte Preis wird im Rahmen der Jahreshauptversammlung feierlich überreicht. In den Jahren 2006 und 2007 hat Dr. Ingo Fessmann, Namensgeber und Stifter des Preises, die Verleihung persönlich vorgenommen. Dr. Ingo Fessmann und seine Frau Angelika sind seit 1975 Mitglieder der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Die Ehrung der Hauseigentümer durch die Preisverleihung des Dr.-Ingo-Fessmann-Preises für besonders gelungene Instandsetzungsarbeiten ist für die Bauherren eine wichtige Anerkennung ihrer Leistung. Im Jahr 2005 wurden Hauseigentümer geehrt, die die historischen Fensterläden ihrer Anwesen restauriert und wieder angebracht haben. Im darauf folgenden Jahr ist durch den Preis die Restaurierung und das Wiedereinsetzen historischer Fenster gewürdigt worden. 2007 wurde der Preis für die Instandsetzung und Wiederverwendung von historischen Türen verliehen. Die Verleihung von Preisen für denkmalpflegerisch vorbildliche Instandsetzungsarbeiten hat bereits Tradition

Die Eheleute Fessmann bei der Jahreshauptversammlung 2006.

Preisverleihung durch Dr. Ingo Fessmann und Dr. Jörg Händler bei der Jahreshauptversammlung 2007.

in der Schutzgemeinschaft. Schon in den Anfangsjahren verlieh die Schutzgemeinschaft für vorbildliche Restaurierungen eine Plakette für Verdienste um „Alt-Bamberg“.

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Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit - Die neunziger Jahre bis heute

Bamberger Spaziergänge

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Die Bamberger Spaziergänge sind eine feste Einrichtung der Schutzgemeinschaft, die seit den Anfängen des Vereins den Bamberger Bürgern die Möglichkeit bieten sollen, ihnen bekannte oder auch unbekannte Denkmäler ihrer Stadt näher zu bringen.

Innenhof Karolinenstraße 22 sog. Schlotfegerhäuschen

Bamberger Spaziergang zum Thema Treppenhäuser und Innenhöfe von Bamberger Häusern am Dombergfuß vom Oktober 2007.

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Im Rahmen der Spaziergänge gelang es dem Verein immer wieder, häufig auch unzugängliche Kulturschätze und Baudenkmale zu präsentieren. Die Schutzgemeinschaft machte auf die frühen Bamberger Spaziergänge der siebziger Jahre durch Plakate aufmerksam, die nach einem festen Plakatierungsplan in der Stadt angebracht oder aber in Geschäften ausgelegt wurden. Zusätzlich erhielt die Presse eine Kurzmitteilung. Die Spaziergänge waren je nach Thema und Aktualität unterschiedlich stark besucht, aber insgesamt waren und sind sie immer auf großes Interesse bei den Bamberger Bürgern und Gästen gestoßen. Laut Zeitungsberichten der siebziger Jahre beispielsweise fanden sich zwischen 150 und 300 Teilnehmer ein. Im August 1971 hatten Dr. Victor

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Innenhof Lugbank 6

Harth und das Ehepaar Hottelmann einen Spaziergang durch das Sandgebiet angeboten, dazu waren rund 300 Interessenten erschienen. Vor dem Hintergrund, dass erst in den letzten Jahren die Sanierung der Sandstraße umgesetzt werden konnte, ist es doch bemerkenswert, dass bereits vor über 35 Jahren die Bamberger ein nachweisliches Interesse für dieses Gebiet gezeigt haben.


Dr. Horst Miekisch begrüßt die Teilnehmer

Der geplante Abbruch der Schleusenwärterhäuschen auf dem ErbaGelände war der aktuelle Anlass für den Bamberger Spaziergang.

Die zahlreichen Besucher folgten aufmerksam den Ausführungen von Prof. Wilfried Krings.

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Die Auswahl der Objekte trifft seit einigen Jahren mit viel Engagement Dr. Horst Miekisch, der die Spaziergänge nicht nur thematisch vorbereitet, sondern sich auch darum bemüht, Verantwortliche, Besitzer und Bauherren oder auch Bewohner zu Wort kommen zu lassen. Beim jüngsten Spaziergang auf dem Gelände der ERBA hat Prof. Wilfried Krings die große Besucherschar mit einem Vortrag über die Geschichte der Industriestätte fachkundig informiert. Heutzutage wird auf die Spaziergänge vornehmlich durch die Lokalpresse aufmerksam gemacht. Außerdem ist das Programm über die Homepage der Schutzgemeinschaft im Internet abrufbar.

Auch Harald Lang, Geschäftsführer der GmbH, die 2012 auf dem ERBA-Gelände die Landesgartenschau durchführen wird, war der Einladung gefolgt. Aktueller Anlass war der geplante Abbruch der Schleusenwärterhäuser, über den die Lokalpresse berichtet hatte.

Bamberger Spaziergang zum Weiher am Fuß des Michaelsberges auf dem Weg zum Ottobrunnen vom Juli 2007.

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Ehrenmitglieder und -vorstände

Ehrenmitglieder und -vorstände

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Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg hat vier ihrer Mitglieder zu Ehrenmitgliedern beziehungsweise zu Ehrenvorständen ernannt. Allen vieren ist eines gemeinsam: Sie waren zugleich Gründungsmitglieder und zählen bis heute in der Erinnerung zu den bedeutenden Mitgestaltern und Unterstützern der Schutzgemeinschaft. Es handelt sich um Dr. Victor Harth, Gründungsmitglied und langjähriger I. Vorsitzender, Freifrau Gudila von Pölnitz, Gründungsmitglied, unterstützte den Verein vor allem dadurch, dass sie über viele Jahre der Schutzgemeinschaft für ihre Sitzungen und Zusammenkünfte Räumlichkeiten im Böttingerhaus zur Verfügung stellte. Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg, ebenfalls Gründungsmitglied, engagierte sich aktiv für die Schutzgemeinschaft. So war es eine Idee der Gräfin, die Vereinskasse durch die Herstellung und den Verkauf von Weihnachtskarten mit Bamberger Motiven aufzubessern. Das vierte Ehrenmitglied, Frau Dr. Christa Harth, Gattin des ersten Vorsitzenden Dr. Victor Harth und aktive Unterstützerin der Schutzgemeinschaft, war ebenfalls von Beginn an mit dem Verein verbunden und hat einige Jahre den 2. Vorsitz des Vereins übernommen.

Dr. Victor Harth so wie ihn viele in Erinnerung haben, stets mit seiner Kamera unterwegs.

Dr. Victor Harth

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Dr. Victor Harth hat die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg als erster Vorsitzender des Vereins aktiv mitgestaltet. Als angesehener Mediziner war er es gewohnt, Ärztekongresse zu organisieren und er machte sich seine Liebe zu Bambergs Altstadt ebenso zu nutze wie seine beruflichen Erfahrungen, um nunmehr Denkmalpflegekongresse in Bamberg vorzubereiten und durchzuführen. Es gelang ihm für die Bamberger Gespräche, die in regelmäßigen Abständen zwischen 1973 und 1979 in Bamberg auf der Altenburg stattfanden, hochrangige Vertreter der Denkmalpflege und des Bauwesens als Redner zu gewinnen. Neben dieser bedeutenden Lobbyarbeit wollte Dr. Harth aber vor allem auch die Bamberger Bürger selbst für ihre Stadt begeistern, indem er beispielsweise bei den Bamberger Spaziergängen immer wieder die Bedeutung der Altstadt hervorhob: „In den meisten deutschen Städten sind die Stadtkerne und die wertvollsten Altstadtteile

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im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Bamberg hat das große Glück, daß es nur eine geringe Beschädigung durch die Kriege erfahren hat. Unsere Stärke ist, daß wir noch geschlossene bauhistorische Einheiten haben.“25 Durch seinen großen persönlichen Freundes- und Bekanntenkreis war es ihm außerdem gelungen, zahlreiche Mitglieder für den Verein anzuwerben. Dr. Victor Harth war Mitglied des Landesdenkmalrates und des Nationalkomitees für Denkmalschutz. Die Ehrenvorstandschaft der Schutzgemeinschaft wurde Dr. Victor Harth 1987 verliehen. Werner Hottelmann hatte für diesen Anlass eine Laudatio für Dr. Harth vorbereitet und vorgetragen. 25

Dr. Victor Harth, Schriftliche Vorbereitung für den Bamberger Spaziergang zur Unteren Brücke und zum Leisthaus, Juni 1970, SGAB, Ordner: Bamberger Spaziergänge.


Gudila Freifrau von Pölnitz

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Während ihrer Zeit in Bamberg wohnte Gudila Freifrau von Pölnitz im Böttingerhaus. Durch ihre Bekanntschaft mit Familie Hottelmann und aufgrund ihres Interesses für historische Gebäude war Freifrau von Pölnitz bereits bei der Entstehung des Vereins aktiv beteiligt. Sie hatte den Kontakt zu Dr. Ludwig Wegele, dem Gründer und Vorsitzenden der Augsburger Bürgerinitiative Alt Augsburg Gesellschaft, hergestellt. Die Schutzgemeinschaft konnte Räumlichkeiten im Böttingerhaus über viele Jahre nutzen, um dort unter anderem Vorstandssitzungen abzuhalten oder Vortragsabende zu veranstalten. Das Böttingerhaus war offizieller Sitz der Schutzgemeinschaft, und die prominente Adresse diente für Korrespondenz auch als Postanschrift. Freifrau von Pölnitz öffnete die Tore zu ihrem Domizil im Rahmen der Bamberger Spaziergänge auch für die Öffentlichkeit und übernahm persönlich die Führung durch ihr Anwesen.

Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg

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Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg hat die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg als Gründungs- und langjähriges Vorstandsmitglied aktiv unterstützt. Von ihr stammte die Idee, sowohl zur Aufbesserung der Vereinskasse als auch zu Werbezwecken, Weihnachtskarten mit Bamberger Motiven zum Verkauf anzubieten. Bereits im Gründungsjahr der Schutzgemeinschaft bot sie Interessierten die erste Weihnachtskarte an. „Die erste Karte, 1968, hatte als Motiv eine eigene Tuschezeichnung des Portals des Böttingerhauses.“, so Gräfin Stauffenberg in einem handgeschriebenen Brief an die Schutzgemeinschaft26. Diese Tuschezeichnung wurde lange von der Schutzgemeinschaft als Logo verwendet und erschien auf Plakaten der Schutzgemeinschaft ebenso wie auch als Briefkopf. 26

Der Brief der Gräfin Stauffenberg ist im Jahresbericht 2006 der Schutzgemeinschaft vollständig abgedruckt. Siehe hierzu Schutzgemeinschaft „Alt-Bamberg“ e. V. Jahresbericht Ausgabe 2006, S. 29.

Die Tuschezeichnung des Böttingerportals der Gräfin Stauffenberg. Diese Zeichnung diente als Weihnachtsmotiv und wurde anschließend zum Erkennungsbild der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg, fand Verwendung als Briefkopf und auf Plakaten. In Erinnerung daran erscheint die Zeichnung auf dem Umschlagbild der aktuellen Festschrift.

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Ehrenmitglieder und -vorstände

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Die Weihnachtskarten der Gräfin Stauffenberg, die mit einer Auflage von etwa 300 Exemplaren starteten, erreichten in den Folgejahren eine Auflage von etwa 1500. Die Karten wurden allesamt mit Originalfotos bestückt und in Handarbeit geklebt. In den ersten Jahren fotografierte die Gräfin die Motive selbst, so dass auch das Detailfoto der Putten vom Leisthaus noch von ihr ausgewählt und aufgenommen wurde. Die Leisthausputten zierten die Weihnachtskarte des Jahres 1969. Das Motiv und die dazugehörige Bildunterschrift „Bald Vergangenheit: Vom Leisthaus“ zeugen vom Protest gegen den geplanten Abbruch des Hauses, den die Schutzgemeinschaft leider nicht verhindern konnte. 1970, bei einem Bamberger Spaziergang der Schutzgemeinschaft, ist auch über den geplanten Abbruch des Leisthauses berichtet worden. Dr. Victor Harth hatte das Haus als „Schlußstein von unserem Klein-Venedig“ bezeichnet. Die Schutzgemeinschaft hatte sich zu dem Zeitpunkt stark für den Erhalt des Stadtquartiers am Obstmarkt eingesetzt, da sie eine „Generalbereinigung des gesamten Quartiers“27 befürchtete. Trotz dieser nachhaltigen Bemühungen wurde das Leisthaus schließlich 1972 abgebrochen. „Vor 432 Jahren wurde das Haus am Obstmarkt 7, das Leisthaus, gebaut, am Samstag mußte es wegen Baufälligkeit eingerissen werden.“, so kommentierte der Fränkische Tag den Abbruch. Weiter ist zu lesen: „Was vom Leisthaus noch zu verwerten war, wie Hauswappen, gotische Erker, Türbögen 27

Zitate von Dr. Victor Harth, schriftliche Ausarbeitung für Bamberger Spaziergänge vom 27.06.1971, SGAB, Ordner: Bamberger Spaziergänge. 28 Fränkischer Tag, Ausgabe vom 28.02.1972, Nr. 48, S. 9. 29 Zitat und Informationen aus dem Beitrag „Obstmarkt 7“ von GUTBIER Rainer im Bamberg-Inventar. S. 1087-1089.

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Die Leisthausputten als Weihnachtskartenmotiv der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg. Diese Aufnahme fertigte die Gräfin noch selbst an.

und original Konsole wurden sichergestellt, da sie wieder verwendet bzw. ins Museum gebracht werden sollen. Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg war dabei besonders rührig und bekam das, was sie wollte, unter anderem das Empire-Treppenhausgeländer.“28 Hätte die Schutzgemeinschaft wirklich bekommen, was sie wollte, wäre das Haus nie abgebrochen, sondern instand gesetzt worden.

Das Leisthaus, auch Haus zum schwarzen Rad; Obstmarkt 7 „Die Gesamterscheinung des Hauses, wie sie bis 1972 erhalten blieb, dürfte auf diesen Neubau (von 1551 für den Kartenmaler Barthel Schrag errichtet) zurückgegangen sein: ein viergeschossiger Bau mit Satteldach und je vier Achsen an den Traufseiten zum Obstmarkt und zur Unteren Brücke, das Erdgeschoss und das Obergeschoss massiv, das zweite und dritte Obergeschoss aus verputzem Fachwerk; tonnengewölbte Keller; Dachgerüst mit dreireihig stehendem Stuhl, die Holzverbindungen teils verblattet, teils verzapft.“ Im 18. Jahrhundert wurde das Anwesen im Äußeren und im Inneren barockisiert: Einbau von korbbögigen Türen, Gesimse, dekorative Gauben, Stuck in einigen Zimmern mit u.a. Bandelwerk, Vögeln und Vasen. Die Hausfigur, um 1720 entstanden, ist von Leonhard Gollwitzer oder seiner Werkstatt. Sie befindet sich im Historischen Museum Bamberg.29 Nach 20 Jahren hat die Gräfin die Weihnachtskartenaktion aufgegeben. In dieser Zeit konnte sie durch den Verkauf der Karten für die Schutzgemeinschaft Spenden von rund 25.000 DM erzielen. Sie blieb aber weiterhin ein aktives Mitglied der Vorstandschaft.


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In der jüngst erschienen Biographie über die Gräfin von Stauffenberg, die ihre Tochter Konstanze von Schulthess anhand von zahlreichen Aufzeichnungen der Gräfin verfasste, findet auch der Einsatz der Gräfin für die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Erwähnung. In dem Kapitel über das Leben der Gräfin nach dem Krieg heißt es wie folgt: „Das größte Engagement meiner Mutter aber galt dem Denkmalschutz, in den sechziger Jahren fast noch ein Fremdwort. … Zusammen mit Herrn Hottelmann und Herrn und Frau Dr. Hardt [sic], um nur einige Mitstreiter zu nennen, begann sie, die Hausbesitzer anzuschreiben, deren Eigentum sichtbar verfiel.“30 Die Ehrenmitgliedschaft in der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg wurde Gräfin Stauffenberg im Jahr 2003 verliehen.

Protest gegen den Abbruch des Leisthauses. Diese Fotomontage, die den historischen Zustand des Leithauses, den Abbruch und den geplanten Neubau dokumentiert, entstand im Namen der Schutzgemeinschaft mit Bamberger Sprüchla von Gerhard Krischker. Das neue „Leisthaus“. Aufnahme von 2008.

Dr. Christa Harth

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Frau Dr. Christa Harth ist Gründungsmitglied der Schutzgemeinschaft und war von Beginn an ein aktives Vereinsmitglied. In den Jahren 1996 bis 2005 bekleidete sie das Amt des 2. Vorsitzenden der Schutzgemeinschaft „Alt-Bamberg“. In den Anfangsjahren unterstütze sie ihren Gatten, Dr. Victor Harth, der mit der Vereinsgründung 1. Vorsitzender wurde, tatkräftig. Da ihr Mann viel Zeit für das Ehrenamt aufbringen musste, um die Schutzgemeinschaft zu gestalten und ihr zu einem gewissen Ansehen zu verhelfen, übernahm Frau Dr. Harth den Löwenanteil der eigentlichen Arbeit in der gemeinsamen Arztpraxis. Frau Dr. Christa Harth wurde im Rahmen der Jahreshauptversammlung 2006 zur Ehrenvorsitzenden der Schutzgemeinschaft gewählt. 30

SCHULTHESS VON Konstanze, 2008, S. 204-205

Frau Dr. Christa Harth bei der Jahreshauptversammlung 2006: Ernennung zum Ehrenvorstand der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg.

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Ausblick

D Ausblick

Den Erhalt der Stadt Bamberg sichern heutzutage bestimmte Institutionen, die es zur Zeit der Vereinsgründung der Schutzgemeinschaft teilweise noch nicht gab, beziehungsweise in dieser Form nicht existierten. Zum einen ist der Schutz von Baudenkmalen erst seit 1973 gesetzlich festgeschrieben. Außerdem sind die offiziellen Strukturen, wie die städtische Denkmalpflege oder aber das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, das mit seiner Außenstelle in Seehof Bamberg besonders nah ist, dem Schutz der Baudenkmale verpflichtet. Zum anderen ist die Altstadt Bambergs seit 1993 Weltkulturerbe der UNESCO. Der Erhalt der Altstadt Bambergs ist also keine rein lokale oder regionale Aufgabe mehr, sondern ein Auftrag für das Erbe der Menschheit.

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Vor diesem Hintergrund erscheint die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg unbedeutend und beinahe überflüssig. Wie wichtig aber die Arbeit der Schutzgemeinschaft ist, zeigt sich immer wieder. Aufklärungsarbeit zu leisten, um die Bamberger selbst für ihre Stadt zu begeistern ist der Schutzgemeinschaft seit ihrem Bestehen ein ganz besonderes Anliegen. Die Themenschwerpunkte der vergangenen Jahre machen deutlich, wie unabdingbar das bürgerschaftliche und ehrenamtliche Engagement der Schutzgemeinschaft ist. Der drohende Verkauf des Klosters St. Michael hat im vergangenen Jahr viel Einsatz von der Schutzgemeinschaft erfordert und die Notwendigkeit und Bedeutung der Zusammenarbeit mit anderen Gruppierungen und Vereinen, um die sich die Schutzgemeinschaft bemüht hat, wieder aufgezeigt. Außerdem befasst sich der Verein schon seit einigen Jahren mit den Planungen zur City-Passage, die

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nach einer gewissen Ruhephase erneut aufgerollt werden sollen. Die Schutzgemeinschaft macht auf ihre Ziele auch in der Öffentlichkeit immer wieder aufmerksam und beteiligt sich beispielsweise regelmäßig am Tag des offenen Denkmals oder aber beim Tag des Weltkulturerbes. Diese öffentlichen Auftritte sollen dazu dienen, den Bekanntheitsgrad der Schutzgemeinschaft in der Bevölkerung zu steigern und möglichst neue und vor allem auch jüngere Mitglieder zu gewinnen. Damit auch junge Menschen den Wert erkennen, den eine historische Altstadt inne hat und sie sich somit auch für den Erhalt ihrer Stadt einsetzen, wird seit geraumer Zeit ein Jugendkonzept erarbeitet. 1. Vorsitzender Dr. Jörg Händler: “40 Jahre für den Denkmalschutz – Zeit für einen Blick nach vorn: Wir engagieren und rüsten uns für die Zukunft, wir denken weiter!”


D Filme

Die Schutzgemeinschaft Alt Bamberg verfügt über ein Filmarchiv. Die Filme von Peter Berns (Mitglied der Schutzgemeinschaft seit 1991 und Beiratsmitglied seit 2005) dokumentieren einige Bauwerke, Ensembles und auch die Geschichte der Schutzgemeinschaft selbst. Außerdem befindet sich noch ein Film von Dr. Victor Harth im Besitz der Schutzgemeinschaft, der über die Medaille berichtet, die anlässlich der 1000-Jahr-Feier Bambergs im Jahr 1973 auf Initiative der Schutzgemeinschaft geprägt worden war.

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Die ERBA und ihr altes E-Werk - ein Stück

Industriegeschichte 12.04.1997 - 8 min.

—

Die ehemalige Mang’sche Wachsbleiche - oder

was von ihr noch übrig ist 14.06.1997 - 8 min.

—

Tocklergasse 8 - Wie die Stadt mit ihren geschütz-

ten Kulturdenkmälern umgeht 14.06.1997 - 5 min.

— Im ehemaligen Bahnbetriebswerk Bamberg 18.10.1997 - 22 min.

—

Die Ulanenkasernen - bzw. was von ihnen noch

übrig blieb 24.04.1999 - 25 min.

—

Die alte Hofhaltung - Die Vorbereitung der Kai-

ser-Heinrich-Ausstellung 23.10.1999 - 36 min.

—

Das Schiefe Haus Obere Brücke 2 - ein 800

Jahre altes Brückenfundament als Stütze 25.03.2000 - 17 min.

—

Kapuzinerstr. 1 - geht Klein Venedig baden?

25.03.2000 - 8 min.

—

Königstraße (früher Steinweg) Nr. 1, 8, 10 - an

einer alten Handelsstraße 27.01.2001 - 27 min.

—

Eisgrube 14 - Das Haus zum Apfelweibla 04.05.2001 - 18 min.

—

Schillerplatz 22 und 24, Am Kanal 17 a - wo

künftig keine Möbel mehr knarren 29.06.2001 - 17 min.

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Fischerei - aus Gold wird Fisch

16.05.2003 - 12 min.

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Der Delphin soll wieder sprudeln

27.06.2003 - 25 min.

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Eine Medaille entsteht. Ein Dr. Harth-Film

1973 - 9 min.

— Den jüngsten Bamberger Spaziergang zum Erba-Gelände vom 12.04.2008 hat Josef Russ in einem 15-minütigen Film festgehalten.

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Literaturverzeichnis und Quellen

Literaturverzeichnis und Quellen DUBLER Marion, Mittendrin. 100 Jahre Bürgerverein Bamberg-Mitte e. V., Bamberg, 2005. EIDLOTH Volkmar, Bamberg Stadt Denkmal, Dokumentation einer Ausstellung der Schutzgemeinschaft AltBamberg e.V., Collibri-Verlagsbuchhandlung, Bamberg, 1990. FRANKENBUND (Hrsg.), „Bamberg – Geschenk eines Jahrtausends“, in: Frankenland. Zeitschrift für Fränkische Landeskunde und Kulturpflege, Heft 2, Februar 1973, 25. Jahrgang, Würzburg, S. 27-30. FRICKERT Wolfgang, „Restaurierung eines barocken Gartenpavillons“, in: das bauzentrum, Fachzeitschrift für Architekten und Bauingenieure, Denkmalpflege-Renovierung-Sanierung, Ausgabe Oktober, 7/91, S. 64-75. GEBEßLER August, Liste der schutzwürdigen Profanbauten der Stadt Bamberg (Häuserliste), Aufgestellt im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege, 1962.

PRÜCKNER Gerhard, „Es hat schon Tradition hier, Dinge so zu lassen, wie sie sind“, in: KOHN Werner, In der Provinz, 1968. Das Foto-Taschenbuch 12, Berlin, 1988, S. 80-90. „Schlusswort zum 1. Bändchen, in: Alt-Bamberg. Rückblicke auf Bambergs Vergangenheit, Beilage zum „Bamberger Tagblatt“, 1. Jahrgang 1897/98, Bamberg, SCHULTHESS VON Konstanze, Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Ein Porträt, Pendo Verlag, München/ Zürich, 2008.

Zeitung Konsultation der Tageszeitung Fränkischer Tag

Stadtarchiv

KOHN Werner, In der Provinz, 1968. Das Foto-Taschenbuch 12, Berlin, 1988. PETZET Michael (Hrsg.), Die Kunstdenkmäler von Bayern, Die Kunstdenkmäler von Oberfranken, Stadt Bamberg 5, Innere Inselstadt, 2. Halbband, R. Oldenbourg Verlag, München, 1990. PETZET Michael/BREUER Tilmann (Hrsg.), Die Kunstdenkmäler von Bayern, Die Kunstdenkmäler von Oberfranken, Stadt Bamberg 4, Bürgerliche Bergstadt, 1. Halbband, Bayerische Verlagsanstalt, Deutscher Kunstverlag, München, Berlin, 1997. PETZET Michael/BREUER Tilmann (Hrsg.), Die Kunstdenkmäler von Bayern, Die Kunstdenkmäler von Oberfranken, Stadt Bamberg 4, Bürgerliche Bergstadt, 2. Halbband, Bayerische Verlagsanstalt, Deutscher Kunstverlag, München, Berlin, 1997. PFEIFFER Gerhard, „Die Bamberg-Urkunde Ottos II. für den Herzog von Bayern“, In: Historischer Verein Bamberg, 109. Bericht, 1973, S. 15-32.

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Abbildungen zum Haus zum Marienbild, Pfahlplätzchen 5, aus dem Stadtarchiv Bamberg mit folgenden Signaturen: BS Nr. 333 Pfahlplätzchen 5 - H2 B3 mit Unterstand für Verkehrspolizisten BS Nr. 333 Pfahlplätzchen 5 -H3 B1 Blick zum Kaulbergfuß BS Nr. 333 Pfahlplätzchen 5 -H4 B1 Abbruch in Farbe BS Nr. 333 Pfahlplätzchen 5 -H4 B2 Abbruch in Farbe BS Nr. 333 Pfahlplätzchen 5 -H7 B3 romanischer Turmstumpf sichtbar BS Nr. 333 Pfahlplätzchen 5 -H8 B2 romanischer Turmstumpf sichtbar, Baustelle wuchert zu BS Nr. 333 Untere Sandstraße 30a, Chirurgischer Pavillon

Archiv der Schutzgemeinschaft Alt Bamberg


Epilog

Diese Stadtansicht (nach Merian) hat die Schutzgemeinschaft bei Einladungen anlässlich der 1000-Jahr-Feier zur Dekoration der Post verwendet.

“Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger” Perikles, griechischer Staatsmann, ca. 480 v. Chr. – 429 v. Chr.

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s c h u t z g e m e i n s c h a f t a lt b a m b e r g e . v .

SCHUTZGEMEINSCHAFT ALT BAMBERG E. V. Schillerplatz 9 96047 Bamberg Telefon: 0951 - 20 25 21 E-Mail: schutzgemeinschaft@altbamberg.de www.altbamberg.de

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Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Festschrift 2008  

Schutzgemeinschaft Alt Bamberg Festschrift 40 Jahre für den Denkmalschutz

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