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Kommunikationsguerilla


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black|book Kommunikationsguerilla

Daniel Unger FH Mainz Diplomarbeit Design betreut von Prof. Ulysses Voelker


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In diesem Kapitel wird beschrieben was „Kommunikationsguerilla“ ist, wie sie zustande kommt und welche Faktoren erfüllt sein müssen, damit sie funktioniert. Der Text zählt Grundgedanken auf, stellt die Arbeit der subversiven Kommunikation in einen gesellschaftlichen Kontext, definiert Fachbegriffe und wirft politische und moralische Fragen auf. Die Praktiker finden auf den linken Seiten einen kürzeren Text als Schnelleinstieg in Definition und Motivation der Kommunikationsguerilla. >Verweise führen zu Schlagwörtern im Kapitel „Who“. /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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: Einf체hrung ........................................... 11 : Prinzipien ............................................. 13 : Grunds채tze ........................................... 17 : Orte und R채ume .................................. 19 : Virtuelle Ans채tze ................................. 25 : Subkultureller Diskurs ........................ 27 : Dekonstruktion ................................... 29 : Digirilla ................................................ 31 : Wirkung ............................................... 35 : Subversives Handeln ........................... 37 : Kulturelle Grammatik ......................... 41 : Subversion ........................................... 45 : Kollektive Mythen ................................ 51 : Quellen ................................................. 55

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:Einführung Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993.

Radikale linke Politik und Gesellschaftskritik stehen im Ruf, ihren Anspruch einer emanzipatorischen Politik in erster Linie durch rationale Aufklärung und Verkündigung einer einzigen Wahrheit verwirklichen zu wollen. Mit dem Konzept >Kommunikationsguerilla soll man zu anderen Formen der politischen Auseinandersetzung angeregt werden, die zwar schon lange zur Praxis linker Gruppierungen gehören, aber allzuoft als nicht ernstzunehmende Späßchen am Rande der eigentlichen politischen Arbeit unterschätzt wurden. Dieses Buch stellt solche Formen subversiver politischer Praxis vor, ihre Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen. Wenn man sich auf den Zwischenbereich zwischen aufklärerischer Politik und symbolisch-kultureller Intervention konzentriert, und die oft geradezu protestantisch ernsthafte Form linker Politik angreift, sollte man dies als solidarische und durchaus an einen selbst gerichtete Kritik verstehen. Zusehends besteht die Gefahr, daß die Utopie einer anderen Gesellschaft nicht nur als illusorisch verworfen wird, sondern gar nicht mehr gedacht werden kann. Kommunikationsguerilla liefert weder ein wasserdichtes Theoriekonzept noch genau festgelegte Regeln für die konkrete Ausgestaltung einer emanzipatorischen politischen Praxis. Das Konzept entstand aus dem Anspruch, die eigenen, durchaus unterschiedlichen politischen Praxen und theoriegeleitete Gesellschaftskritik zusammenzudenken, sie aufeinander zu beziehen und beide Herangehensweisen sich gegenseitig stimulieren zu lassen, statt sie gegeneinander auszuspielen. Das Konzept Kommunikationsguerilla ist Teil eines Prozesses, in dem gesellschaftliche Herrschaftsverhältnisse kritisiert und angegriffen werden – neuer und alter Nationalismus, Sexismus, Rassismus und die kapitalistische Produktionsweise. Es betrachtet die Normalisierung solcher Herrschaftsverhältnisse auf der Ebene der gesellschaftlichen Diskurse und der Formen der Kulturellen Grammatik und formuliert Ansatzpunkte dafür, wie sie in Frage gestellt werden können.

Kommunikationsguerilla will die Selbstverständlichkeit und vermeintliche Natürlichkeit der herrschenden Ordnung untergraben. Ihre mögliche Subversivität besteht zunächst darin, die Legitimität der Macht in Frage zu stellen und damit den Raum für >Utopien überhaupt wieder zu öffnen. Ihr Projekt ist die Kritik an der Unhinterfragbarkeit des Bestehenden, sie will geschlossene Diskurse in offene Situationen verwandeln, in denen durch ein Moment der Verwirrung das Selbstverständliche plötzlich in Frage steht. Jede Aktion ist dabei für sich genommen nur ein momentaner oder lokaler Modus der Grenzüberschreitung. Aber je öfter politische Gruppen Räume öffnen, anstatt sie zu schließen und zu fixieren, desto mehr Möglichkeiten für Visionen und kleine Vorgriffe auf Alternativen zur bestehenden Gesellschaft kann es geben. In solchen Momenten ist es auf einmal möglich, daß Subjekte anders agieren als sonst, daß sie Praxen entwickeln, bei deren Ausübung sie sich ändern können, nicht nur in dem, was sie sagen, sondern auch in dem, was sie tun. Bei der Suche nach solchen Interventionsformen ließ sich der Autor von Personen, Gruppen und Bewegungen anregen, die sich Gedanken über das Verhältnis von Macht, Sprache und Subversion, von Kunst, Technik, Kultur und Politik gemacht haben. In der imaginären Ahnengalerie dessen, was in diesem Buch Kommunikationsguerilla genannt wird, finden sich so unterschiedliche Vorgänger wie die >Situationistische Internationale, die 77er Bewegung in Italien um die >Indiani Metropolitani, die >Yippies, die >Culture Jammers, die >Billboard Liberation in den USA, die Bewegung >Reclaim the Streets aus England oder >Guerilla Hacks neueren Datums. Die Auseinandersetzung mit solchen Gruppen, ihren Aktionsformen und ihrem politischen Standort hat nicht nur die Praxis des Verfasser beeinflußt und in vielfacher Weise erweitert, sie führte auch zu theoretischen Überlegungen. Das Ergebnis davon ist die Theoretisierung von Prinzipien, Methoden und Techniken von Kommunikationsguerilla in diesem Handbuch, das nicht die korrekte ""

[fig. 01] Der traditionelle Weg der Meinungsäusserung. „The End Of The World Is Nigh/NOW!“ Mr. Gregg, Utah, 2000 /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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[fig. 02 – 05 ] Demokratische Partizipation. >Chalkboard Liberation Unknown, USA 2001

Agentur Bilwet: Medien-Archiv. Bensheim/Düsseldorf, 1993.

Form einer bestimmten Praxis kanonisieren soll, sondern ein Plädoyer darstellt für Kommunikationsguerilla als Form politischer Auseinandersetzung. Das Konzept Kommunikationsguerilla ersetzt keine inhaltliche und organisatorische Arbeit, keine >AntifaAktionen, kein theoretisches Programm und auch keine eigenen Medien; es steht auch nicht im Widerspruch zu einer Politik der Gegenöffentlichkeit. Es geht jedoch davon aus, daß politische Inhalte nicht nur wegen ihrer Richtigkeit oder Wahrheit akzeptiert werden, sondern daß linksradikale Politik immer auch die Bedingungen politischer Rezeption berücksichtigen muß. Wo Aufklärung nicht ankommt, kann Kommunikationsguerilla die wirksamere Taktik sein, wo es eine aufnahmebereite Zielgruppe oder gesellschaftlichen Druck gibt, ist Aufklärung und Information angesagt, und oft greift beides ineinander.

:Prinzipien Boyd, Andrew: Culture Jamming 101. Pranks with a purpose. San Francisco, 2003.

Kollektiv A/traverso: Alice ist der Teufel. Praxis einer subversiven Kommunikation. Berlin, 1977.

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Kommunikationsguerilla ist in dem Sinne demokratisch, daß sie die Bürger nicht nur mit irgendwelchen Aussagen konfrontiert, sondern die Widersprüche und Erfahrungen in deren eigenem Leben aufgreift und von da aus zum Weiterdenken und -handeln anregt. Konkrete Aktionen können den hegemonialen Konsens für Augenblicke ins Wanken bringen und die bürgerliche Öffentlichkeit in wechselnde, nicht immer vorhersehbare Konstellationen von Angegriffenen, Mitwirkenden und Zuschauern spalten. Während die Angegriffenen mit Widerstandsformen konfrontiert werden, die sie in unerwartete und kaum kontrollierbare Situationen bringen, wird im Idealfall für die unfreiwillig Mitwirkenden, die Zuschauer wie die Indifferenten eine soziale Praxis sichtbar, die nicht als Frontalangriff auf die eigene Identität gelesen werden muß, sondern als genußversprechendes Angebot, sich auf gedankliches Neuland einzulassen. Dabei kann durchaus offen bleiben, wer hier überhaupt agiert und welche Aussagen und Konzepte hinter den

jeweiligen Aktionen genau stehen – die Kritik ergibt sich aus der Situation. Der Autor hat sich für den Begriff Kommunikationsguerilla entschieden, weil alle hier zusammengefaßten Konzepte und Aktionsformen auf gesellschaftliche Kommunikationsprozesse Bezug nehmen. Auf die Kommunikation zwischen Medien und Medienkonsumenten, die Kommunikation im öffentlichen oder sozialen Raum, die Kommunikation zwischen gesellschaftlichen Institutionen und Individuen. Kommunikation umfaßt mehr, als eine verbreitete technizistische Sichtweise nahelegt: Sie beschränkt sich nicht auf die Massenmedien oder auf technische Kommunikationsmittel wie Fax, Handy, PC und Modem. Mindestens ebenso relevant wie technische Kommunikationsmittel sind die alltäglichen Formen der Kommunikation von Angesicht zu Angesicht und die gesellschaftlichen Strukturen von Kommunikation, in denen Machtverhältnisse immer wieder produziert und reproduziert werden. Innerhalb dieser Machtstruktur der gesellschaftlichen Kommunikation anders zu agieren als vorgesehen, sich bestimmten Formen der Kommunikation und des Dialogs zu entziehen, kann eine deutliche und wirksame Kritik an scheinbar selbstverständlichen Machtstrukturen sein. In manchen Situationen kann der scheinbar vernünftige Austausch von sachlichen Argumenten Akzeptanz ausdrücken: Indem eine Kritik im Rahmen vorgegebener Kommunikationsstrukturen artikuliert wird, stabilisiert und legitimiert sie eben die Strukturen, die eigentliche kritisiert werden sollen. Wichtig ist also nicht nur das, was kritisiert wird, sondern auch das „Wie“ der Kritik. Bei der Entscheidung für den Begriff „Kommunikationsguerilla“ hat sicher auch eine ungern eingestandene Revolutionsromantik Pate gestanden. Aber tatsächlich bietet sich die >Guerilla-Metapher für dieses Projekt an: Guerilla agiert nicht aus der sichtbaren Position eines offiziellen Heeres heraus, sondern aus den zerklüfteten Abwegen abseits befahrener Routen. Guerilla besteht ""

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nicht aus vielen, auch wenn sie auf das Einverständnis der Bevölkerung angewiesen ist oder zumindest von ihr geduldet wird. Ihre Taktik beruht auf Kenntnis des Terrains, sie agiert lokal und punktuell. Guerilleras handeln aus dem Verborgenen, und bevor sie erwischt werden, wechseln s ie den Standort. Sie stellen sich nicht dem offenen Kampf, denn sie hätten gegen die Übermacht der „ordentlichen“ Verbände wenig Chancen. Übertragen auf den Kommunikationsprozeß heißt das: Sie entwischen dem vorgegebenen Rahmen von Argumentationsstrukturen und haben ihre eigenen Vorstellungen darüber, was sich gehört und was nicht. Wenn die Guerilla siegt, dann hört sie auf, eine zu sein. An dieser Stelle endet aber auch die Übertragbarkeit der Metapher. Denn das Konzept Kommunikationsguerilla taugt nicht dazu, in irgendeinem militärischen Sinne zu siegen, um damit einer klaren, eindeutigen Gesellschaftsutopie im Sinne des perfekten Staates oder NichtStaates den Weg zu bereiten. Bereits Umberto Eco hat Versuche, die herrschenden Diskurse anders als durch Argumentation und Agitation zu kritisieren, mit der Metapher „Guerilla“ bezeichnet. Wie bei seiner „semiologischen Guerilla“ geht es bei Kommunikationsguerilla um abweichende, dissidente Verwendung und Interpretation von Zeichen. Dagegen führt der Begriff „Medienguerilla“ von dem hier vertretenen Anliegen weg. Denn entgegen dem allgemeinen Medienhype geht es im Konzept nicht nur um mediale Kommunikation, sondern auch um „Faceto-Face“-Kommunikation oder -interaktion in unterschiedlichsten Kommunikationsforen. In politischen und künstlerischen, in Mainstreamund in Subkulturen finden sich immer wieder Leute, die ähnliches, aber doch nicht immer das gleiche wie die Kommunikationsguerilla im Sinn haben oder hatten. Man kann sich von der >Spaßguerilla inspirieren lassen, ohne jedoch den Namen zu übernehmen, denn „Spaßguerilla“ ist untrennbar mit einer bestimmten historischen Konstellation und bestimmten Personen ver-

knüpft. Spaß klingt auch an bei den >Pranks der haupt- Guevara, Ernesto Che: Guerillakampf sächlich im US-amerikanischen Kunstkontext agierenden und Befreiungsbewegung. >Pranksters und bei der britischen Anarchic Buffoonery. Dortmund, 1986. Bezeichungen wie „Cultural Terrorism“ oder „Artistic Terrorism“ (Kono Matsu) arbeiten mit dem Paradox, das sich aus der Kombination eines Aktionsfeldes wie „Kunst“ oder „Kultur“ mit dem Begriff des Terrorismus ergibt. Während die italienischen Medien die Vorstellung eines allgegenwärtigen „terrorista culturale >Luther Blissett“ begierig aufgriffen, ohne ihn paranoid mit Bomben und Maschinengewehren in Verbindung zu bringen, würde dieser Begriff in der BRD wohl immer noch die Assoziationen der 70er Jahre hervorrufen, ganz zu Schweigen von den Reaktionen im Post-9-11-Amerika. In den USA und in Kanada macht der Begriff >Culture Dery, Mark: Culture Jamming. Jammer die Runde, der mit „Kultur-Besetzung“ ziemlich Culture Jamming, Hacking, Slashing, holprig übersetzt wäre ( Das häufige Fehlen adäquater and Sniping in the Empire of Signs. Pendants im Deutschen ist auch der Grund, weswegen der Westfield (USA), 1993. >Index im Teil „Who“ englisch ist ). Im Ausdruck „Jam their lines“ ( „Macht ihre Leitungen dicht!“ ) wird deutlich, was Eco, Umberto: Einführung in die gemeint ist. Mitunter laufen Culture Jamming-Aktionen Semiotik. München, 1972. auch unter dem Begriff „Monkey Wrenching“. Diese Bezeichnung geht auf den gleichnamigen Ökosabotage- Foreman, Dave und Haywood, Bill: Roman von Edward Abbey zurück (vgl. auch den Kinofilm Ecodefense, A field guide to „12 Monkeys“ ) und zielt auf handfeste Sabotageakte, die monkeywreching. New York, 1987. sich manchmal auch mit Kommunikationsguerilla-Interventionen verbinden, aber nicht eigentlicher Gegenstand der folgenden Überlegungen sind. Während militärische Militanz und Sabotage auf eine Unterbrechung des Kommunikationskanals zielen, begreift Kommunikationsguerilla die Formen der Kommunikation selbst als Herrschaftspraxen. Sie macht sich die Strukturen der Macht zunutze, indem sie ihre Zeichen und Codes entwendet und verfremdet. Wenn Kommunikationsguerilla hier auch von Sabo- Sykes, Jane (Hrsg.): Designing against tageakten (Sachbeschädigungen) abgegrenzt oder von Vandalism. London, 1971. aufklärerischer Gegenöffentlichkeitspolitik unterschieden wird, spielt beides bei vielen der hier dargestellten Aktionen doch in der einen oder anderen Weise eine Rolle. ""

[fig. 06] Adbusting Marlboro Man Adbusters.org, USA 1994 /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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[fig. 07 ] Neue Abfahrtenregelung: Embarassing Body Flaws / Peinliche Schwächen des Köpers Low Self-esteem/ Schwaches Selbstbewusstsein or Addicted to Self-help Books / Abhängig von Selbsthilfebüchern >Fake Road Sign USA 1991

Es kommt oft auf die konkrete Situation an, welche Aktionsformen den Aktivistinnen sinnvoll erscheinen. Und darüber bestimmen sie in der Regel selbst.

:Grundsätze Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964.

Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993.

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Kommunikationsguerilla ist politische Militanz. Sie unterscheidet sich insofern von der herkömmlichen Militanz, daß sie die Codes von Macht und Herrschaft nicht einfach zerstört, sondern zu entstellen versucht und ihnen damit ihre Wirksamkeit nehmen soll. Ziel der Kommunikationsguerilla ist also nicht die Unterbrechung eines Kommunikationskanals, sondern die Entwendung und Entstellung der in ihm transportierten Botschaften. Kommunikationsguerilla ist eine bestimmte Form der politischen Kommunikation, die Aussagen nicht in erster Linie im Klartext zu transportieren versucht, wie etwa Flugblätter, Demo-Parolen, Transparente das in der Regel tun. Dies ist zugleich eine inhaltliche Festlegung. Denn unser Ansatz geht davon aus, daß es nicht nur darauf ankommt, welche Inhalte transportiert werden, sondern daß eben diese Form, in der kommuniziert wird, selbst auch inhaltliche Aussagen trifft. Kommunikationsguerilla setzt in der politischen Auseinandersetzung bei den Subjekten an. Sie versteht die herrschenden Verhältnisse nicht nur als eine quasi von oben oder von außen auferlegte Form der Kontrolle, sondern beschäftigt sich damit, wie Machtstrukturen in die Subjekte selbst eingeschrieben sind.  Das Ziel von Kommunikationsguerilla ist es, Machtverhältnisse und Herrschaft zu delegitimieren, die als

normal und unabänderlich erscheinen. Dazu gehört auch, sie überhaupt erst wahrzunehmen in der Vielfältigkeit ihrer Strukturen und Erscheinungsformen. Kommunikationsguerilla ist darauf ausgerichtet, sowohl normalisierte Machtstrukturen in den gesellschaftlichen Kommunikationsformen als auch internalisierte Machtstrukturen auf der Ebene der Subjekte anzugehen. Dies soll durch das Herstellen von Situationen erreicht werden, in denen wenigstens für kurze Momente erfahrbar wird, daß alles auch ganz anders sein könnte. Es geht dabei um eine das Bestehende und Normale zersetzende Intervention, die zunächst einmal die Räume dafür öffnen soll, daß Alternativen zu herrschenden Normen und Werten wieder denkbar werden. Ungeachtet der marginalen Rolle, die das Internet im >black|book spielt, hat die Idee der Kommunikationsguerilla offensichtlich gerade in der Netzszene eine recht große Resonanz erfahren. Das überrascht nur auf den ersten Blick. Denn wir entwickeln unser Verständnis von Kommunikation nicht anhand eines technischen Apparat, sprich Mediums. Kommunikationsguerilla ist vielmehr eine Form politischer Kommunikation, die einerseits eine subversive Haltung und Energie voraussetzt. Andererseits bedarf es eines Gespürs für den Inhalt der Formen von Kommunikationsakten, also der Inszenierung der symbolischen Ordnung (in diesem Zusammenhang wird wiederum die jeweilig spezifische Form verschiedener Medien interessant). Kommunikationsguerilla ist somit eine Methode der politischen Aktion, die entweder mittels direkter (face-to-face) oder mittels indirekter Kommunikation (Medien) durchgeführt werden kann und soll.

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:Orte und Räume Baudrillard, Jean: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Berlin, 1978.

McLuhan, Marshall: Understanding Media, The Extensions of Man. New York, 1964.

Ansatzpunkte für Kommunikationsguerilla finden sich in öffentlichen Räumen, in denen auf der symbolischen und kulturellen Ebene Macht verhandelt und reproduziert wird. Zum einen meint das den konkreten öffentlichen Raum, der Stadt- und Straßenraum. Zum anderen ist dies der mediale Raum, der sich durch eine EinbahnstraßenKommunikation (one-to-many) auszeichnet. Hier sind die Machtverhältnisse klar sichtbar, die einen haben die Möglichkeit, mediale Themen und die Art und Weise ihrer Behandlung zu bestimmen. Die anderen können ihre Meinung höchstens durch Abstimmung mit den Füßen, oder besser gesagt, mit der Fernbedienung kundtun, d.h. indem sie ihren Fernseher oder ihr Radio ausschalten. Ein hiervon abgeleiteter, aber teilweise prinzipiell anders strukturierter dritter Raum, ist der virtuelle Raum. Mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien ergeben sich gegenwärtig qualitativ neue interaktive Kommunikationsmöglichkeiten. Gleichzeitig befördert diese Situation eine Auseinandersetzung darüber, was Kommunikation eigentlich ist, wie sie funktioniert und wie ihre Form und ihr Inhalt zusammenhängen. Beide Aspekte erklären das Interesse in Netzkreisen an der Kommunikationsguerilla. Im Prinzip finden sich in allen gesellschaftlichen Räumen mögliche Orte für Kommunikationsguerilla. Dabei gehen wir davon aus, daß physische Räume immer zugleich soziale Räume sind; in jeder räumlichen Gestaltung nehmen soziale Verhältnisse Form an, und ebenso sind Bedeutungszuweisungen an Räume immer auch von sozialen und gesellschaftlichen Gegebenheiten strukturiert. Angriffspunkte für Aktionen der Kommunikationsguerilla ergeben sich daraus, daß Gebäude und Ein-

richtungen nicht nur eine konkrete Bedeutung gemäß ihrer Nutzung haben, sondern auch eine symbolische Funktion im Rahmen der Kulturellen Grammatik. Dies läßt sich beispielsweise am öffentlichen Stadtraum, am Straßenbild der Städte verdeutlichen: Das Stadtbild wird dominiert durch Repräsentationsbauten, die, wie z.B. Rathäuser die politische Macht repräsentieren oder wie Museen und Galerien die Aufgabe haben, als steingewordene Sinnbilder für kulturelle und gesellschaftliche Werte zu wirken. Noch stärker als durch diese öffentlichen Gebäude wird das Aussehen der Stadt jedoch von den Bauwerken und Werbetafeln von großen Firmen, Läden, Banken und Versicherungen bestimmt. Die architektonische Beschaffenheit repräsentativer Gebäude beruht auf dem Prinzip der Ästhetisierung von politischer Macht. Die moderne Architektur aus Beton, Stahl und Glas verbreitet in ihrer Funktionalität ausstrahlenden Kälte eine elitäre Ästhetik der Einschüchterung. Daß Repräsentationsgebäude symbolische Besetzungen des öffentlichen Raums sind und auch so wahrgenommen werden, zeigt sich beispielsweise an der Regelmäßigkeit, mit der manche Demos ihre Spuren in den Schaufenstern großer Banken hinterließen: Die als sichtbare Platzhalter ökonomischer und politischer Macht symbolisch aufgeladenen Gebäude wurden zu den bevorzugten Zielen der Pflastersteine. Kommunikationsguerilla will die Ästhetisierung öffentlicher Orte durchbrechen und soziale und kulturelle Räume repolitisieren, indem sie diese Ästhetisierung auf der Ebene der äußeren Form sichtbar macht und angreift. Die Strategie der Macht ist darauf bedacht, Politisches ""

[ fig. 08 ] Schriftzeichen in der Landschaft Photografie, Shirana Shahbazi /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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[fig. 09] „No War“-Sydney Opera House Busting Dr. Will Saunders und David Burgess Sydney, Australien, 17. März 2003 [fig. 10 – 11] „Put him where he belongs!“ Stencils in public toilets, Anonym, USA 2003

zu ästhetisieren und dadurch Machtverhältnisse zu naturalisieren und unsichtbar zu machen. Dagegen will Kommunikationsguerilla dazu beitragen, gerade diese Strategien der Machterhaltung sichtbar und reflektierbar zu machen. Beispielsweise lassen sich >Graffiti aus diesem Blickwinkel betrachten: Das Politische an diesem Akt, der als Sachbeschädigung unter Strafe steht, ist die „Zerstörung“ der einschüchternden oder durch Ästhetisierung versöhnlichen (modernen und postmodernen) Wirkung von Architektur. Jean Baudrillard geht so weit, Graffiti als einen Fortschritt in Theorie und Praxis zu interpretieren, gerade wenn es sich „nur“ um >Tags handelt, die keine explizit politischen Inhalte transportieren. „Denn dieser Angriff geht aus von einer Art revolutionärer Intuition – nämlich daß die grundlegende Ideologie nicht mehr auf der Ebene politischer Signifikate, sondern auf der Ebene der Signifikanten funktioniert – und daß hier das System verwundbar ist und bloßgelegt werden muß.“ Die Markierung einer Mauer oder Wand mit einem Namen, einem Kürzel oder einem Gemälde stellt eine Aneignung dieser Fläche dar, durch die der Anspruch der Macht, den Raum auch optisch zu kontrollieren und zu bestimmen, ignoriert und in Frage gestellt wird bzw. eigene Machtansprüche formuliert werden ( >Reclaim the Streets ).

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Es ist allerdings zu fragen, ob Baudrillards Zuspitzung der Idee der Kulturellen Grammatik zutrifft, „daß der totale Angriff auf die Form von einem Zurückweichen der Inhalte begleitet ist“. Es ist eben nicht gleichgültig, ob ein Tag nur „Ich war da“ sagt, oder ob damit Gangs ihre Besitzansprüche auf ein Territorium zum Ausdruck bringen. Zutreffend ist aber, daß auch „unpolitische“ Graffiti tatsächlich als Angriffe auf das System verstanden werden ( Das zeigt zum Beispiel der Fall des >Sprayers von Zürich, Harald Nägeli). Nur so läßt sich auch erklären, warum Sprayer mit unter Umständen drastischer Verfolgung zu rechnen haben. Nicht nur die Gebäude selbst sind Bedeutungsträger; sie strukturieren den Raum auch dadurch, daß ihre Anordnung die Größe, Form und Wertigkeit von Freiflächen bestimmt. Außerdem ist der Stellenwert von Straßen und Plätzen auch durch die Ausstattung der Flächen bestimmt, dadurch, ob sie mit prachtvollen und teuren Belägen versehen wurden, einfach zubetoniert sind, ob Gras, Büsche und Bäume darauf angepflanzt sind oder wild wachsen. Die durch all diese Elemente bestimmende Bedeutung eines öffentlichen Raumes hat konkrete Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Menschen, sich darin zu bewegen: Wo können sich Obdachlose oder Junkies aufhalten? Wo patrouillieren schwarze Sheriffs? Wo kann ich mich auf den Boden setzen und ""

Ferrell, Jeff: Crimes of Style. Urban Graffiti and the Politics of Criminality. New York & London, 1993.

Müller, Michael (Hrsg.): Der Sprayer von Zürich. Solidarität mit Harald Naegeli. Hamburg, 1984.

Baudrillard, Jean: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Berlin, 1978.

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Situationistische Internationale 1958 – 1969. Band 1+2. Gesammelte Ausgaben des Organs der >SI. Hamburg, 1976.

De Certeau, Michel: Kunst des Handelns. Berlin, 1988.

Davis, Mike: City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles. Berlin, 1994.

einfach eine halbe Stunde nichts tun? Die >Situationistische Internationale verstand es als politisches Handeln, sich vorgegebenen Bewegungsmustern zu entziehen. Durch die Praxis des „Umherschweifens“ versuchten sie, sich den Stadtraum neu anzueignen und ihn dadurch mit neuen Assoziationen und Bedeutungen zu verbinden. Michel de Certeau sieht das Gehen als unsichtbare Schrift, die je nach Weg und Gehweise momenthafte Texte der Subjekte im Raum produziert. Städtebauliche Maßnahmen, d. h. die Anordnung und Gestaltung von Gebäuden, Plätzen und Straßen, können auch ganz gezielt eingesetzt werden, um die Bewegungsmöglichkeiten der Menschen zu kontrollieren. Mike Davis untersucht dies am Beispiel von L. A. Dort ist es nach einem Prozeß der „Militarisierung der Stadt“ für unterprivilegierte Stadtbewohner weitgehend unmöglich geworden, die Innenstadt überhaupt aufzusuchen. Gleichzeitig spiegelt das architektonische Design das politische Programm wider: Während administrative Gebäude wie Gefängisse oder Festungen aussehen und auch ebenso bewacht werden, nimmt die Bauweise des „Jails“ Elemente repräsentativer Prachtbauten auf und verherrlicht zum Stolz der Stadt die Praxis der Einsperrung, die in Los Angeles ein Ausmaß ereicht hat, das unter den führenden Industriestaaten einmalig ist. In jeder Gesellschaft existieren auch Orte, die explizit formulierte Aussagen vermitteln. Augenfälligstes Beispiel sind Denk-

mäler: Sie verkörpern Machtverhältnisse nicht nur durch ihre materielle und optische Dominanz im Raum, sondern treffen darüber hinaus durch Aufschriften und Gestaltung konkrete Aussagen, formulieren Aufforderungen oder geben sich als Platzhalter für eine Institution oder ein gesellschaftlich propagiertes Ideal zu verstehen; ein Beispiel dafür ist die Kriegsverherrlichung durch Kriegerdenkmäler. Solche Orte sind im weitesten Sinne rituell besetzt. Sie sind mit Sinnsprüchen geschmückt, und häufig gibt es alljährliche Kranzniederlegungen und ähnliche Rituale, die die Aufladung des Ortes mit Bedeutung immer wieder bekräftigen. Für Aktionen der Kommunikationsguerilla ist das Wissen um den symbolischen wie realen Machtaspekt von räumlichen Strukturen wichtig, da ihre Wirkung oft stark von den Orten abhängt, an denen sie stattfinden. Schließlich geht es nicht nur darum, durch Aktivitäten im öffentlichen Raum Aussagen zu treffen, es ist auch wichtig, den „bespielten“ Raum zu verändern und mit neuen Assoziationen zu besetzen. Wenn es gelingt, einen durch polizeiliche Absperrung unzugänglich gemachten öffentlichen Raum umzuwerten, indem die frei gewordene Fläche als Bühne dient, findet eine Aufwertung des Raumes statt. Andererseits können Aktionen wie z.B. die „NOlympics“ auch darauf ausgerichtet sein, öffentliche Repräsentationsräume zu „beschmutzen“ und damit die Selbstdarstellung der Macht anzugreifen.

[fig. 12] „NOlympics“-Sticker gegen die Bewerbung von Berlin für die Olympiade 2000. Autonome Szene Berlin, ca. 1991

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[fig. 13] Deutsche Designer-Homepage „gekidnapt“ von Islamisten. rufusreport.de, 2003

:Virtuelle Ansätze Brecht, Berthold: Stücke 1935 – 45. Frankfurt, 1964.

Burroughs. William S.: Die elektronische Revolution. Bonn, 1994.

De:Bug. Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte. Ausgabe 73, 07/08 2003. Berlin, 2003.

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Die von Bert Brecht erträumte und mit dem Internet jetzt realisierbare Kommunikationsform many-to-many (weltweit und sofort) ist eine grundlegend neue Möglichkeit der Vernetzung und des Austauschs. Das ist unbestritten und das macht auch einen Teil dessen aus, was uns am Internet interessiert. Eine ganz andere Frage aber ist, welche Rolle diese technischen Neuerungen von Kommunikation und die Formen der Nutzung in den aktuellen Diskursen über das Netz spielen. Daher unterscheiden wir zwischen den Netzdiskursen und den konkreten Nutzungsweisen. Für die derzeitigen Diskurse über das Internet lassen sich zwei Bereiche unterscheiden, die wir verkürzend den hegemonialen und den subkulturellen Diskurs nennen wollen. Verkürzend ist dies deshalb, weil der subkulturelle Diskurs von Anfang an nicht als losgelöster Gegendiskurs funktionierte, wie dies Theoretiker der 70er Jahre als Prämisse für die Definition von Subkultur beschrieben haben. Vielmehr diente gerade in bezug auf das Internet der subkulturelle Diskurs von Anfang an der Aufwertung des hegemonialen Diskurses und orientierte sich zugleich an den neoliberalen Ideologien wie der „kalifornischen Ideologie“. Sie zeichnet sich dadurch aus, daß subkulturelle Weltbilder der Hippiezeit mit liberalen Konzepten verschmolzen wurden.

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:Subkultureller Diskurs Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning of style. Detroit, 1988.

Marcus, Greil: Lipstick Traces. Von Dada bis Punk – kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert. München, 1992.

Maser, Siegfried: Grundlagen der allgemeinen Kommunikationslehre. Stuttgart, 1971.

Für den subkulturellen Diskurs unterscheiden wir in einen im herkömmlichen Sinne politisch am Ziel der herrschaftsfreien Gesellschaft orientierten und einen vergleichsweise spielerischen, auf Identitätsverschiebungen rekurrierenden „avantgardistischen“ Diskurs, wobei hier ebenfalls Überschneidungen und Verknüpfungen bestehen. Für die (klassische) Linke ist ein eher kulturpessimistisches Verhältnis zum Internet charakteristisch (sie wenden den auf Identitätsverschiebungen positiv rekurrierenden Diskurs ins Negative). Diejenigen unter ihnen, die sich positiv auf das Kommunikationsmedium Netz beziehen, legen dann häufig einen auf das Stichwort „Information“ verkürzten Kommunikationsbegriff zugrunde. Ihre Vorstellungen von Kommunikation weisen bislang kaum über diejenigen Konzepte hinaus, die auch jenen linken Vorstellungen von politischer Massenkommunikation zugrundeliegen, die für die alten Medien entwickelt wurden. Traditionell linke Politik verläßt sich häufig vor allem auf die Überzeugungskraft rationaler Aufklärung. Das Vertrauen darauf, daß die bloße Vermittlung solcher Inhalte eine wirksame Form politischen Handelns darstellt, ist schwer zu erschüttern. Kritische Inhalte sollten und sollen das Netz manipulierender Botschaften zerreißen, mit dem die Medien das Bewußtsein der Massen beeinflußen. Das Hauptproblem ist die Annahme, wer die Sender besitze, der könne das Denken der Menschen kontrollieren. Die Manipulationsthese entspricht einem sehr einfachen Kommunikationsmodell, das nur den – im Falle der Massenkommunikation zentral und industriell organisierten – „Sender“, den „Kanal“, auf dem die Information transportiert wird, und deren „Empfänger“ betrachtet, sprich eine lineare Kommunikationskette (Sender/Quelle > Kanal > Empfänger ) annimmt. Andere Faktoren des Kommunikationsprozesses spielen in einem solchen

Modell allenfalls eine untergeordnete Rolle. Während sich der Kommunikationsbegriff des hegemonialen wie auch der politisch-subkulturelle Diskurs unter dem Stichwort „Information und Bildung“ zusammenfassen lassen, geht es bei den subkulturellen AvantgardeDiskursen vor allen Dingen um Kommunikation als identitätsstiftendes Moment. Zentrale Begriffe sind Verflüssigung, Auflösung und Vervielfältigung von Identitäten (>Multiple Names ). Ebenso wichtig ist jedoch die Bildung virtueller Gemeinschaften von „Netizens“, die sich letztlich auf eine aus dem Netz erwachsende soziale Praxis bezieht. Allerdings sind die Bezugsgrößen für die Identitätsbilder der Netzkulturen zumeist nicht die sozialen Bedingungen im „Real Life“, sondern >Utopien, die vor allen Dingen aus dem Kontext der Science Fiction und Rückbezügen auf pagane und vorchristliche Mythen stammen. Interessant erscheint uns in diesem Zusammenhang die Frage, worin der Reiz der Vorstellung liegt, sich vom materiellen Körper loszulösen und nur noch als virtuelle Identität zu existieren. Die Frage, wie der Zugang zu virtuellen Welten die Vorstellung von Mensch-Sein verändert, ist nicht nebensächlich. Wesentliche Stichworte lauten hier Entkörperlichung und Virtualisierung von Identitäten. Dieser Diskurs ist bereits im vollen Gange, doch ist zu hinterfragen, ob hier nicht eine (falsche) Virtualisierung des Sozialen stattfindet. Zum ersten ist der Vorstellung von der Virtualisierung von Subjekten eine vergleichsweise junge Form von politischem Aktivismus entgegenzusetzen, die der Identity Politics. Offensichtlich erfolgt parallel zu der vielbeschworenen Auflösung von Identitäten im Netz eine neuartige Selbstdarstellung gerade über die Selbstverortung in Gruppen, die eben nicht durch ihre Vielgesichtigkeit gekennzeichnet sind, sondern mit einem Bekenntnis zu einer Identität zugespitzt werden. 

[fig. 14] „Smooth reaper“ Joe Camel Billboard Liberation USA, ca. 1998

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[fig. 15] Lufthansa-Adbusting gegen die Beteiligung an Abschiebungen. Twoday.net, 2002

:Dekonstruktion Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning of style. Detroit, 1988.

Marcus, Greil: Lipstick Traces. Von Dada bis Punk – kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert. München, 1992.

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Das Ziel von Kommunikationsguerilla ist es, Macht zu dekonstruieren, Macht sichtbar zu machen. Der in den „alten“ Medien als auch in den neuen Medien vorherrschende Diskurs ist eins ums andere Mal so gepolt, daß er Freiheit allein mit Abwesenheit von staatlicher Regulierung gleichsetzt. Die ökonomisch vermittelten Machtstrukturen werden auf diese Weise geleugnet und für irrelevant erklärt. Das Anliegen sollte sein, daran zu erinnern, daß Demokratisierung nicht eine Frage der Technologie, sondern allenfalls einer der sozialen Organisation dieser Technologie sein kann. Für die derzeitige Situation läßt sich so viel sagen: Die Art, in der sich solche unterschiedlichen Zugangsmöglichkeiten im Netz äußern, ist gleichzeitig anachronistisch und modern: Anachronistisch insofern, als es ebenso wie im 19. Jahrhundert kulturell und ökonomisch vermittelte Ausschlußkriterien gibt. Einen harten Ausschluß von der Wissensvermittlung ergab sich zumeist

über fehlende ökonomische Ressourcen. Dazu kommt eine weitere Form des Ausschlusses, die wir als weichen Ausschluß bezeichnen. Wer die Kulturtechnik des Lesens nicht beherrschte und darüber hinaus keinen Zugang zu Büchern oder Bibliotheken hatte, blieb vom Wissen ausgeschlossen. Auch heute gibt es noch diese Form von Zugangsbeschränkungen (Medienkompetenz). Ein harter Ausschluß besteht insofern, als nicht allen der Zugang zu Computern und zu dem notwendigen Know-How offensteht. Das Wissen, das nötig ist, um im Netz zu kommunizieren, geht aber über die reine Zugänglichkeit zu Geräten und über die Technikbeherrschung hinaus. Zusätzlich sind Codes, Sprachen, Kommunikationsformen zu erlernen, ohne die man aus vielen Netzcommunities ausgeschlossen bleibt. Das ist keineswegs eine neue Form des Ausschlusses, sondern gilt ebenso für klassische Face-toFace-Gruppen.

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:Digirilla

Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993.

Law, Larry: Buffo! Amazing Tales of Political Pranks and Anarchic Buffoonery. London, 1988.

Die Phantasien über Widerstand, die im Internet vorherrschen, gelten nicht der Kommunikationsguerilla, sondern dem >Hacken. Bislang herrschen im Netz Sabotageakte vor, die auf die Unterbrechung des Kommunikationskanals ausgerichtet sind, seien es Viren oder das Jammen und „Zumüllen“ von Accounts in Form von Mailbomben oder gar das Abschießen ganzer Server. Es interessieren jedoch weniger Aktionen, die auf den „Communication Breakdown“ zielen, sondern jene Möglichkeiten der Subversion, die entstehen, wenn die Codes von Macht und Herrschaft nicht zerstört, sondern entstellt werden, wie bereits besprochen. Doch man ist mehr auf der Suche nach Aktionsformen, an denen potentiell viele teilhaben können. Ein möglicher Grund für diese Selbstbeschränkung liegt in dem anhaltenden technizistischen Verständnis des Mediums durch seine Nutzer. Es gibt darüber hinaus kaum eine Hackerkultur, der es um etwas mehr geht, als um das Aufdecken von Sicherheitslücken (so etwa der Chaos Computer Club, zumindest in seinem öffentlichen Auftreten), sprich wir haben kaum wirklich dissidente oder im herrschenden Sinne kriminelle Energie vorgefunden.  Wer sich aber das Politikverständnis der Kommunikationsguerilla zu eigen gemacht hat und wer die Kulturelle Grammatik analysiert, kann in jedem öffentlichen Raum Aktionen durchführen und wird in unterschiedlichen gesellschaftlichen Kontexten feststellen, wie sie Macht und Herrschaft legitimiert. Das passiert auf dem Wiener Opernball genauso wie im Internet. All das, was schon für die „alten“ Medien und den physischen Raum formuliert wurde, gilt in den Grundzügen auch für das Internet. Allerdings gibt es jeweils spezifische Bedingungen der verschiedenen Orte und Räume, die wiederum differenzierte Vorgehensweisen nahelegen. Hier kommt es darauf an, auf vielen Ebenen und differenziert ein- und anzugreifen. Das Problem, das wir

sehen, ist vor allem das des technischen Know How, das für Kommunikationsguerilla-Aktionen im Internet nötig ist. Für das Fake eines amtlichen Schreiben im „Real Life“ reicht es gewöhnlich aus, sich den Orginalbriefkopf zu besorgen und dann einen guten Kopierer zu benutzen. Der Vertriebsweg ist zumeist ein manueller über die Briefkästen eines Stadtviertels. Für eine ähnliche Aktion im Internet muß man wissen, wie der Absender zu verbergen ist, oder wie das Kidnappen oder Faken einer Internetseite funktioniert. Hierfür bilden fast schon wieder Hackerfähigkeiten die Voraussetzung. Aber immerhin: Im Internet erscheint es ohnehin beinahe unmöglich, die wahre Urheberschaft eines Textes oder Bildes herauszufinden.In gewisser Hinsicht bietet das Internet für bestimmte Sorten von Fakes derzeit sehr gute Ausgangsbedingungen, weil es bestimmte Rückversicherungsmöglichkeiten der face-to-face-Kommunikation nicht gibt, bzw. andere Formen noch nicht entwickelt wurden. Im Netz selbst ist derzeit eine ausgesprochen bewegliche Guerillataktik notwendig, da sich die Verhältnisse durch die fortschreitende technische Entwicklung, wie auch durch die laufende Verrechtlichung laufend ändern. Bis vor kurzem wäre der Kauf einer Homepageadresse des politischen Gegners noch ein probates Mittel gewesen. Man stelle sich vor, Greenpeace hätte über die Adresse von Shell verfügt, und dort einige Seiten mit Bohrtürmen und öligen Ufern (>Subvertising), sprich (Anti-) Werbung für Shell gemacht. Das wohl bekannteste Beispiel einer gefakten Website war wohl Windows95.com, unter der sich nicht etwa fröhlich aufbereitetes Werbematerial von Microsoft befand, sondern eine Nonsens-Seite, die alles zu bieten hatte, nur eines nicht: Infos über Windows95. Allerdings würden Kommunikationsguerillas hier nicht Nonsense präsentieren, sondern entweder Aufklärung über Microsoft, „die Wahrheit“ über das Betriebssystem Windows95 ""

[fig. 16] „Suddenly Everything Sucks!“ Abusters.org, Microsoft Billboard, USA /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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[fig. 17] Fake Website www.gwbush.com >RTMark, USA

oder eine Liste der Fehler des Programm, vielleicht auch falsche technische Hinweise geben. Ebenso der Fall der gefakten Wahlkampfwebsite von George Bush, die von >RTMark unter www.GWbush.com für Unruhe sorgte. Die netzspezifische Variante der >Camouflage dürfte das Kidnappen von Homepages sein. So gelang es einem Konkurrenten der Firma InterNic, die die Namen der Domainadressen im Internet vergibt, deren Homepage zu kidnappen. Das heißt, alle Besucher der InterNic-Seite gelangten automatisch auf die Seite der von AlterNic, die als alternative Vergabestelle für sogenannte Top Level Domains firmiert. In den Zusammenhang mit der Camouflage gehört die Veränderung der Absenderadresse, das >Spoofing, das ursprünglich ein alter Hackertrick war, und zumeist dazu benützt wird, mit Spam die Leute zu belästigen. Inzwischen gibt es aber ein Programm, das Laien ermöglicht, die Absenderadresse zu verändern. Eine besondere Variante erscheint die Möglichkeit, bestimmte Begriffe in seine eigene Homepage aufzunehmen, die von anderen gesucht werden. Daher gibt es bereits Prozesse darüber, daß Firmen den Namen des direkten Konkurrenten in ihrer Homepage haben, so daß wenn ein User genau diese Firma sucht, auch die Homepage des Konkurrenten auftaucht. Eine solche Praxis ist politisierbar. Wer immer Informationen über den politischen Gegner loswerden will, kann dessen Bezeichnung in seiner Homepage entsprechend massiv aufführen. So läßt sich tatsächlich die Möglich/SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

keit von Gegenöffentlichkeit herstellen. Schließlich garantieren die heutigen Suchmaschinen keineswegs, daß derjenige, der sucht, auch immer das Gewollte findet. Andere Möglichkeiten sind die sogenannten „wandernden“ Webpages, die helfen Zensur und nationalstaatliche Repression zu umgehen. Das ist aber klassische >Guerillataktik: Sich bei übermächtigem Druck zurückzuziehen und da zurückzuschlagen, wo man stark ist. Einen weiteren Anknüpfungspunkt für Kommunikationsguerilla besteht darin, nicht oder nicht hauptsächlich im Netz zu agieren, sondern den Nachrichtenwert auszunutzen, den der Internethype in den „alten“ Medien besitzt. Die Tatsache, daß für Chaostage im Internet ein Aufruf oder eine Homepage auftaucht, vermittelt offenbar den Eindruck ganz besonderer Gefährlichkeit. Ein Verweis auf das Internet garantiert gegenwärtig Verruchtheit, Bedeutung und Wichtigkeit. (Das black|book wäre ohne das Internet anders ausgefallen. Auf viele Themen wäre der Autor ohne das Netz nicht gestoßen. Auch wenn das Handbuch niemals vollständig sein kann und zahlreiche im Netz agierende Gruppen darin nicht vorkommen, wurden viele Themen des Buchs erst über das Netz zugänglich. Eine klassische Recherche in Bibliotheken ergab meist das Ergebnis: „Subversive Kommunikation – (0) Treffer“. Weiterhin ermöglicht das Internet eine intensivere und aktuellere Außeinandersetzung mit speziellen Themen und Gruppen, die in diesem Buch durch Weblinks zugänglich gemacht werden, speziell im Indexteil.)

Foreman, Dave und Haywood, Bill: Ecodefense, A field guide to monkeywreching. New York, 1987.

Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993.

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[fig. 18] „Child labour“ Adbusting Nike Subvertise.org, USA

:Wirkung Boyd, Andrew: Culture Jamming 101. Pranks with a purpose. San Francisco, 2003.

Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993.

Bieber, Alain (Hrsg.): Rebel:Art. How to provoke today? Issue 01. Tübingen, 2004.

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Die Frage nach der aktuellen Wirkung dieser Politikformen lässt sich nur beantworten, wenn man den Wandel berücksichtigt, der in den letzten Jahren zu einer grundlegenden Änderung der Bedingungen von Arbeit und Produktion geführt hat. Die für den Fordismus typische Arbeitsorganisation wurde im Post-Fordismus von einer neuen Form, wenn nicht gar einer Neubestimmung von Arbeit selbst abgelöst. Dabei nahm die Bedeutung von „immaterieller“ bzw. „mentaler“ Arbeit immens zu. Dadurch wird nicht nur die Produktion von Gütern in den Ländern der dritten industriellen Revolution immer mehr durch Kommunikation bestimmt, sondern die menschliche Kommunikation selbst zu einem Produkt. Die Produkte sind in der Regel selbst schon Symbole und Bilder, oder ihr Tauschwert wird durch den Symbolgehalt wesentlich mitbestimmt. Die Firma XY verkauft nicht nur Flüge, sondern auch das dazu gehörende Lebensgefühl: Modernität, Mobilität, Weltoffenheit, Freiheit. Lifestyle-Marken wie Nike funktionieren so. Die wachsende Bedeutung von Zeichen und Symbolen geht mit einer technischen Entwicklung einher, die Kommunikationsguerilla begünstigt : Nicht zuletzt auf

Grund der besseren digitalen Produktions- und Kopiertechniken sind Fälschen, Faken und Imitieren vielfältiger und einfacher geworden. Für Kommunikationsguerilleras ist es nicht nur einfacher geworden, Symbole der Macht zu entwenden und umzunutzen, zugleich bekommt die Praxis der Imagebeschmutzung auch eine neue Durchschlagskraft. Wenn diese symbolische Ebene für den ökonomischen Erfolg eines Konzerns immer wichtiger wird, kann umgekehrt auch eine subversive Politik genau dort angreifen und durch das Beschädigen von Images den ökonomischen Erfolg bis in ruinöse Dimensionen beeinträchtigen. Das konstituiert eine neue Ebene von Verletzlichkeit. Vor diesem Hintergrund nimmt die Diskussion um die mitunter belächelte „symbolische Politik“ der Kommunikationsguerilla eine fast paradoxe Wendung. Gerade weil sie auf der symbolischen Ebene vorgeht, erzielt sie Wirkungen auf der ökonomischen Ebene. Hier bekommt das Konzept „Imagebeschmutzung“ Durchschlagskraft, da es den Kampf um die Deutung der Bilder aufnimmt und nicht ominösen guten alten Zeiten vor den Werkstoren nachtrauert.

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:Subversives Handeln Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt, 1977.

Wie kommt es, daß Menschen in unserer Gesellschaft die vielfältigen Macht- und Herrschaftsverhältnisse, denen sie unterworfen sind, so selbstverständlich akzeptieren? Wieso werden diese Verhältnisse als normal angesehen und in der Regel gar nicht erst hinterfragt? Und wie läßt sich dieser gesellschaftliche Konsens, der hinsichtlich der Ausübung von Macht und Herrschaft besteht, stören und durcheinanderbringen? Verschiedenste gesellschaftliche Institutionen sorgen dafür, daß das Sich-Einfügen in und die Unterwerfung unter Macht- und Herrschaftsverhältnisse von klein auf gelernt werden. In der Schule beispielsweise, einer der wichtigsten Orte gesellschaftlicher Sozialisation, sind Elemente der herrschenden Ideologie von Anfang an Teil des Unterrichtsstoffes – gelehrt werden etwa das herrschende Geschichtsverständnis, das nötige Allgemeinwissen, das gesellschaftliche Werte- und Normensystem sowie die „staatskirchlichen“ Werte im Religionsunterricht. Über solche offen ausgesprochenen Inhalte hinaus jedoch werden die Schüler in einem viel umfassenderen Sinne darüber unterrichtet, daß und wie sie sich in die Normalität von Herrschafts- und Machtbeziehungen einfügen sollen. Auch wenn sich die Sitzordnung immer wieder verändern kann, ist die Einhaltung der jeweils gültigen Form zwingend vorgeschrieben. Selbst wenn die Tische im Kreis aufgestellt werden, zeigt sich die Autorität des Lehrers darin, daß er jederzeit aufstehen,

umhergehen und Schüler ansprechen darf. Eine frontale und einseitige Kommunikationsordnung legt fest, wer über die Art des Lernens entscheidet – die Lehrer/-in, und wer sich einfügt – die Schüler. In diesem Rahmen ist es ein normaler Vorgang, wenn der Lehrer vor den Schüler steht und ihnen zu von ihm festgelegten Zeitpunkten und Themen das Wort erteilt. Denn es scheint, daß nur diese Vorgehensweise einen geregelten Ablauf des Unterrichts ermöglicht. Damit wird nicht nur immer von neuem die Autorität dessen, der vorne steht, festgeschrieben, sondern auch, daß das System von Autorität und Unterordnung der einzig mögliche Weg ist, soziale Beziehungen zu organisieren. Im Rahmen der geschriebenen und ungeschriebenen Regeln und Konventionen der Schule praktizieren Lernende und Lehrende tagtäglich Verhaltensweisen, die auch in zahlreichen anderen gesellschaftlichen Bereichen dazu dienen, eine auf Machtverhältnissen beruhende Ordnung aufrechtzuerhalten. Die Gesamtheit solcher Regeln bezeichnet man als „Kulturelle Grammatik“. Kulturelle Grammatik wird nicht nur unter Zwang, sondern auch bewußt und im eigenen Interesse eingehalten. Bei Vereinssitzungen ist der Vorsitzende dazu berechtigt und verpflichtet, den Ablauf der Veranstaltung zu lenken, was ihre herausragende Position den anderen gegenüber immer wieder manifestiert. Damit werden hierarchische gesellschaftliche Strukturen akzeptabel – schließlich organisiert man sich selbst in gleicher Weise. ""

[ fig. 19 ] „a, b, c, d, u“ Plastiktafel und Filzmarker edwing.prod, UK 2002 /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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[fig. 20 – 22] Kohl-Motive Titanic Magazin, 1995 – 2004

Bei Vorträgen ist allen Beteiligten klar, daß der Referent eine Autoritätsperson ist, die die diskutierten Themen bestimmt und der zumindest in der ersten Hälfte der Veranstaltung, das alleinige Recht zu reden gebührt. Die Zuhörer sind zwar freiwillig anwesend, sie verhalten sich aber nur dann „richtig“ und unproblematisch, wenn sie schweigend und aufmerksam auf den in Richtung des Redepults ausgerichteten Stühlen sitzen. Nach demselben formalen Muster wie Vorträge laufen – um ein Beispiel aus einem explizit politischen Kontext zu betrachten – Wahlveranstaltungen mit Parteipolitikern ab. Solche Veranstaltungen illustrieren auf eindrücklichste Weise ein zentrales Element bürgerlichdemokratischer Herrschaft : Sie beruht nicht in erster Linie auf offener Gewalt des Staatsapparates, sondern auf der Produktion von Konsens. Mit zahllosen Praktiken wird die Fiktion aufrechterhalten, daß dieser Konsens durch gleichberechtigte Kommunikation „Dialog mit dem Bürger“ zwischen Herrschenden und Beherrschten über die Formen und Praxen der Herrschaft hergestellt werde. Gleichzeitig wird das reibungslose Funktionieren der Herrschaft aber durch die Art und Weise sichergestellt, in der diese scheinbare Kommunikation erfolgt. So bedient sich eine Wahlveranstaltung der kulturellen Form des Vertrags, ohne daß bei der daran anschließenden Fragerunde tatsächlich eine inhaltliche Diskussion stattfindet. Der Inhalt des Vortrags selbst ist für die Aufrechterhaltung der Fiktion gleichberechtigter Konsensproduktion relativ unwichtig; die Aussage der ganzen Veranstaltung ist vor allem: Wir leben in einer parlamentarischen Demokratie, in der alle das Recht haben, ihre Meinung zu äußern – solange sie dies in einer /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

Weise tun, die den Regeln dieser Art von Veranstaltung entspricht, solange sie sich in Thema und Wortwahl an die gesellschaftlich akzeptierten Konventionen halten. Daß dieses Recht auf Meinungsäußerung letztlich folgenlos bleibt, weil die möglichen Themen ebenso wie die Art, in der sie diskutiert werden, schon durch den formalen Rahmen vorgegeben und eingeschränkt sind, fällt niemandem auf – denn dieser Rahmen und seine Regeln sind verinnerlicht und werden als normal und natürlich empfunden. Wenn der Bundeskanzler inmitten einer Hundertschaft der Bereitschaftspolizei und umringt von Ordnern und Leibwächtern einen Marktplatz mit ohrenbetäubenden Phonzahlen beschallt, demonstriert er damit Bürgernähe – und bis zu einem gewissen Grad funktioniert diese Fiktion. Dabei ist es geradezu lächerlich, eine solche Vorführung von Macht als Möglichkeit der Kommunikation, d.h. des reziproken und gleichberechtigten Austauschs zu deuten. Das Ganze läßt sich viel schlüssiger als Inszenierung zur Darstellung und Selbstvergewisserung von Macht interpretieren. Trotzdem werden solche Veranstaltungen von den Zuhörern nicht unbedingt in diesem Sinne empfunden, denn die in die Formen der Kulturellen Grammatik eingeschriebene Inszenierung und Ausübung von Herrschaft wird in der Regel nicht als solche wahrgenommen. Nicht immer sind bei solchen Ritualen die Anwesenden nur Staffage für die Repräsentation der Macht. Die Teilnahme an dem durch die Kulturelle Grammatik geregelten Ritual ermöglicht dem Publikum nicht nur Selbstvergewisserung, sondern bis zu einem gewissen Grade auch Partizipation an den Machtverhältnissen.

Kollektiv A/traverso: Alice ist der Teufel. Praxis einer subversiven Kommunikation. Berlin, 1977.

Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt, 1977.

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[ fig. 23 – 24 ] SPD - / CDU-Wahlplakatbustings Anonym, Offenbach 2004

:Kulturelle Grammatik Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt, 1977.

Hund, Wulf D.: Kommunikation in der Gesellschaft. Frankfurt a. M., 1974.

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Die Metapher „Kulturelle Grammatik“ bezieht sich auf die Sprachwissenschaft. Grammatik ist das der Sprache zugrunde liegende Regelsystem, das wir erlernen, ohne uns dessen bewußt zu sein; sie ist die Struktur, die die Verwendung und den Zusammenhang der einzelnen Elemente sprachlicher Aussagen bestimmt. Ohne Grammatik lassen sich komplexe Zusammenhänge nicht ausdrücken, obwohl die wenigsten Menschen beim Sprechen in ihrer eigenen Sprache über Satzteile und Konjugationen nachdenken. Grammatikalische Regeln einzuhalten ist weitgehend normal und wird selten hinterfragt. Mit „Kultureller Grammatik“ bezeichnet man das Regelsystem, das gesellschaftliche Beziehungen und Interaktionen strukturiert. Es enthält die Gesamtheit der ästhetischen Codes und der Verhaltensregeln, die das gesellschaftlich als angemessen empfundene Erscheinungsbild von Objekten und den normalen Ablauf von Situationen bestimmen. Die Kulturelle Grammatik ordnet die zahllosen, auf allen Ebenen einer Gesellschaft sich alltäglich wiederholenden Rituale. Auch gesellschaftliche Raum- und Zeiteinteilungen, die Bewegungsformen und Kommunikationsmöglichkeiten vorgeben, sind darin enthalten. Trotz ihrer strengen Kodifizierung ist Grammatik niemals endgültig festgelegt – umgangssprachliche Übereinkünfte gehen in die Schriftsprache ein, Subkultur-Slangs werden salonfähig, die spezielle Grammatik von Dialekten paßt sich der Hochsprache an. Entsprechend verändert sich auch die Kulturelle Grammatik – neben dem Knigge des guten Benehmens im Privatleben wie im öffentlichen Raum existieren subkulturelle und klassenspezifische Formen der Selbstdarstellung, des Sich-in-Szene-Setzens,

und sie bleiben nicht ohne Einfluß aufeinander. Doch trotz dieser Flexibilität von Grammatik im sprachlichen wie im kulturellen Sinn ist ihr Regelwerk keineswegs neutral, für alle veränderbar, zugänglich, erlernbar und nutzbar. Kulturelle Grammatik ist im Gegenteil Ausdruck gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsbeziehungen, und ihre Regeln spielen eine wichtige Rolle bei deren Produktion und Reproduktion. Als innere Struktur durchdringt sie den gesamten sozialen und kulturellen, öffentlichen wie nicht-öffentlichen, kurz den gesellschaftlichen Raum. An unterschiedlichen Orten, in Schulen,Vereinen, auf Tagungen, am Arbeitsplatz wie auch in den nicht institutionalisierten Bereichen der Gesellschaft, in Kneipen, Familien und Alltagswelten, bringt sie oft ähnliche Formen des gesellschaftlichen Umgangs hervor, regelt aber zugleich Abstufungen und Differenzierungen. Sie ermöglicht den Menschen, sich im gesellschaftlichen Raum zu orientieren. Sie liefert Handlungsanweisungen, vor allem aber legt sie bestimmte Interpretationen von Situationen, Orten, Texten und Gegenständen nahe. Deren Bedeutungen sind nämlich nicht fest, sondern je nach Kontext unterschiedlich: Das Bier auf einer Hochzeitsfeier ist ein anderes als das im Fußballstadion, der etwas aus der Mode gekommene Bruderkuß zweier Politiker hat wenig mit Annäherungsversuchen in einer Kneipe zu tun, und ein Mann im Minirock löst andere Assoziationen aus als eine ebenso gekleidete Frau. Wer sich „normal" verhalten will, muß also die Kontexte auseinanderhalten und kulturelle Ausdrucksformen entsprechend interpretieren. Dinge und Verhaltensweisen, Interaktionen und Rituale sind Zeichen, sie bedeuten etwas. Mit dem Prozeß der ""

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Bedeutungsproduktion zugunsten der bürgerlichen Gesellschaft hat sich der Semiologe Roland Barthes beschäftigt. Bezugnehmend auf seine theoretischen Überlegungen, weil sie Anhaltspunkte dafür geben, wie Kulturelle Grammatik als etwas historisch Gewordenes zu einer scheinbar natürlichen Gegebenheit wird und wie Macht hinter dieser Natürlichkeit unsichtbar wird. Gemäß Barthes setzt sich ein Zeichen aus zwei Elementen zusammen: Dem Bedeutungsträger oder Signifikanten und der damit ausgedrückten Bedeutung, dem Signifikat. Wichtig für die Funktionsweise von Kultureller Grammatik ist, daß sich oft zwei Zeichensysteme unterscheiden lassen: Im ersten System haben die Signifikanten eine offensichtliche, sprachlich ausgedrückte Bedeutung, also ein Signifikat. Aus dem Verhältnis zwischen Signifikant und Signifikat ergibt sich ein Sinn. In diesem ersten Zeichensystem hat etwa eine Vereinssitzung mit ihren festgelegten Strukturen den Sinn, die Belange des Vereins rationell und wirksam zu regeln. Im zweiten Zeichensystem wird die Sitzung zur bloßen Form, zum Signifikanten. Es ist nicht mehr wichtig, ob Herr A oder Frau B in den Vorstand gewählt wird, ob der Verein seinen Jahresausflug in den Schwarzwald oder an den Bodensee macht. Vielmehr kommt es darauf an, daß die Sitzung ordentlich entsprechend der Kulturellen Grammatik durchgeführt wird – daß die Mitglieder pas-

send gekleidet sind, daß die Hierarchie von Vorstand und gewöhnlichen Mitgliedern eingehalten wird, daß sich alle entsprechend ihrem Status verhalten. In diesem zweiten Zeichensystem, das Barthes als das „System des Mythos“ bezeichnet, bedeutet die Vereinssitzung nichts anderes, als daß Macht akzeptiert und gesellschaftliche Prozesse hierarchisch geregelt werden müssen. Und diese Bedeutung wird in unzähligen alltäglichen Situationen und gewöhnlichen Verhaltensmustern transportiert. Als Signifikanten im mythischen System bringen sie die Normalität der herrschenden Verhältnisse und damit die Legitimität von Macht und Herrschaft zum Ausdruck. In diesem Sinne ist die Kulturelle Grammatik Teil einer Mythologie des Alltags, in der Macht und Herrschaft als natürliche Gegebenheiten erscheinen. Diese Mythologie ist so selbstverständlich Teil des Lebens der Menschen, daß sie kaum jemals thematisiert wird: Die Kulturelle Grammatik ist kein Gegenstand von Diskussionen. Es ist schwierig, eine Alternative zu den bereits in den Formen des alltäglichen Umgangs enthaltenen Hierarchien und Machtverhältnissen zu denken. Denn die Kulturelle Grammatik unterwirft die Menschen nicht nur den herrschenden Verhältnissen, sondern bietet ihnen ebenso Identifikationsangebote; sie zu akzeptieren eröffnet Möglichkeiten, zumindest in einigen Momenten selbst Macht auszuüben.

Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964.

[fig. 25] „Amerika 2004“ Virusfonts, USA 2004 /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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:Subversion

Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning of style. Detroit, 1988.

Kollektiv A/traverso: Alice ist der Teufel. Praxis einer subversiven Kommunikation. Berlin, 1977.

Home, Stewart: The Assault on Culture. Utopian currents from Lettrisme to Class War. London, 1988.

Wenn von Kultureller Grammatik die Rede ist, dann umfaßt der Begriff „Kultur“ mehr als den bürgerlichen Kanon von Bildender Kunst, Musik und Literatur einschließlich des darauf beruhenden Kunstbetriebs, und auch mehr als dessen Erweiterung um Formen von Subkultur. Die Vorstellung, Kultur finde in abgegrenzten gesellschaftlichen Segmenten statt, ist (bürgerliche) Ideologie. In weiterem Sinne umfaßt Kultur alle menschlichen Ausdrucksformen, Bedeutungszuschreibungen, Handlungen und Produkte des Alltags. In dieser Definition beschreibt der Begriff eine bestimmte Sicht auf die Art und Weise, wie Menschen die Setzungen, Anforderungen und Möglichkeiten innerhalb des gesellschaftlichen Rahmens umsetzen, nutzen und interpretieren. Sie tun dies nicht als beliebige, vereinzelte Individuen, sondern ihr Verhältnis zu gesellschaftlichen Gegebenheiten ist außer von ihrem Selbstbild auch von den Anforderungen geprägt, die die Gesellschaft stellt. Wenn Kultur die gesamte Gesellschaft durchdringt, können Kultur und Politik nicht als getrennte Bereiche gesehen werden. Eine Veränderung kultureller Formen hat auch politische Implikationen. Andererseits artikuliert sich jedes politische Handeln in kulturellen Formen. Politik ist daher mehr als nur die „Kunst der Staatsverwaltung“. Sie findet überall dort statt, wo über Reproduktion und Stabilisierung von Herrschaftsverhältnissen verhandelt wird. Wer in der Kommunikation die Regeln der Kulturellen Grammatik nicht nur unbewußt praktiziert, sondern kreativ mit ihnen umgeht, kann sie für seine eigenen Zwecke benutzen, instrumentalisieren oder umdrehen, indem er sie mit abweichenden Inhalten füllt, in die ritualisierten Gewänder schlüpft, sich fremde Rollen anmaßt und dabei unter Umständen im Tonfall der Macht spricht. Aber – hat irgendjemand eine Chance, die politischen Aussagen von derartigen Aktionen zu begreifen, wenn kein Klartext, keine eindeutige Erklärung mitgeliefert wird? Wer wird in einem spaßigen Spektakel der Kommunikationsguerilla, das die Lacher auf seiner Seite

hat, eine Kritik an den herrschenden Verhältnissen erkennen wollen? Dies ist im Grunde die Frage nach der Vermittlung kritischer Inhalte, die sich auch bei klassischer Agitation oder Aufklärung durch Texte und Reden stellt. Weder bei einer Aktion der Kommunikationsguerilla noch bei einer Aufklärungskampagne ist davon auszugehen, daß das Publikum sich in irgendeiner Weise überzeugen oder auch nur informieren lassen will. Jede Aktion braucht Anknüpfungspunkte bei den Adressatinnen – sei es ein gemeinsamer politischer Standpunkt (der oft nicht gegeben ist), sei es ein Alltagswissen in Gramscis Sinn, das sich aus den täglichen Erfahrungen der Einzelnen speist, ein feines Gespür für Macht und Unterdrückung. Dieses Alltagswissen äußert sich manchmal weniger im Diskutieren, Analysieren, Theoretisieren und Dozieren, als in einem spontanen Lachen. Das heißt allerdings nicht, daß Kommunikationsguerilleras keine theoretische Gesellschaftskritik brauchen. Um die politische Dimension der Kulturellen Grammatik der Herrschenden zu kritisieren bzw. anzugreifen, muß sie zuerst einmal entschlüsselt werden. Auch Aktionen der Kommunikationsguerilla funktionieren nur, wenn ihnen ein Verständnis für Machtstrukturen vorausgeht. Erst mit einer kritischen Sicht läßt sich beispielsweise die Funktion von Regierungsdemos gegen „Ausländerfeindlichkeit“ als Demonstration eines Konsenses zwischen „Volk“ und „Herrschaft“ entziffern, und erst mit dem begrifflichen Instrumentarium der Kulturellen Grammatik wird es möglich, an dieser verborgenen Bedeutung anzusetzen. Wir setzen auf Aktionen, die ästhetische Momente von Herrschaft dekonstruieren und die Regeln der Kulturellen Grammatik durcheinanderwerfen – manchmal auch die Regel, daß Interventionen nur dann politisch subversiv seien, wenn sie Klartext reden. Solche Aktionen können zum bloßen Spektakel verkommen. Wenn man jedoch davon ausgeht, daß gute Kenntnisse in Kultureller Grammatik davor schützen, in die Falle der Beliebigkeit zu geraten. Zumeist werden ""

[fig. 26] McDonalds Adbusting Unknown, USA 2001 /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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Interventionen der Kommunikationsguerilla im Zusammenhang mit gesellschaftlich relevanten Themen oder Ereignissen stattfinden. Der öffentliche Raum, in dem sie sich abspielen, ist bereits mit bestimmten Assoziationen, Vorstellungen und Erwartungen verknüpft. Dieses Gerüst von Normalitäten kann durch eine unerwartete Aktion durcheinandergebracht, enttäuscht oder weit übertroffen werden. Jedes öffentliche Ereignis ist zugleich ein Ritual aus Formen und Konventionen, die selbst wieder Aussagen über Verfaßtheit und Selbstverständnis der Gesellschaft machen, in der sie stattfinden. Eine Intervention, die sich darauf bezieht, kann auch ohne Klartext Inhalte transportieren, die als solche wahrgenommen und verstanden werden. Politische Praxis heißt für uns nicht das Verbindlichmachen einer „besseren“ Ideologie. Wenn wir fragen, warum Leute Machtstrukturen in unserer Gesellschaft so weitgehend akzeptieren, müssen wir diese Frage auch auf der Ebene der Kulturellen Grammatik stellen. Wenn wir unsere Überlegungen zum Ausgangspunkt politisch-kultureller Aktionen machen, bedeutet das den Versuch, die Kulturelle Grammatik der Herrschenden in konkreten Situationen zu durchbrechen und zu überschreiten. Wenn die Kulturelle Grammatik als Ordnungssystem alle gesellschaft-

lichen Bereiche und den gesamten Alltag durchzieht, ist zu fragen, welche Möglichkeiten des Handelns innerhalb eines solchen Systems von Normalisierungen bestehen und wie es möglich ist, sich nicht vollständig durch die gesetzten Normen bestimmen zu lassen. Die folgenden Überlegungen gehen davon aus, daß es nicht ausreicht, die Strukturen gesellschaftlicher Machtausübung zu benennen und anzuprangern, um gesellschaftsveränderndes Handeln anzuregen. Mit der Bereitschaft zur Veränderung allein ist noch nicht viel gewonnen. Vielmehr geht es darum zu erfassen, diese in aktives Handeln umzusetzen. Den Überlegungen zur Kommunikationsguerilla liegt ein Politikkonzept zugrunde, das nicht von einer politischen Avantgarde ausgeht, welche die Massen anleitet und führt, sondern davon, daß gesellschaftliche Veränderung aus dem Handeln aller Individuen (zumindest großer Teile) entsteht. Ansatzpunkte für ein in diesem Sinne politisches Handeln müssen in der Alltagspraxis der Menschen gesucht werden: Welche populären (und auch „verschwindend kleinen“ alltäglichen) Praktiken spielen mit den Mechanismen der Disziplinierung und passen sich ihnen nur an, um sie gegen sich selber zu wenden; und welche „Handlungsweisen“ bilden schließlich auf seiten der Konsumenten ""

Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Hamburg, 1978.

De Certeau, Michel: Kunst des Handelns. Berlin, 1988.

[ fig. 27] >Streetparty >Reclaim the Streets, UK 1999

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[ fig. 27 ] „Eigenwerbung“ im Pepsi-Look >BLF, USA 1994

ein Gegengewicht zu den stummen Prozeduren, die die Bildung der soziopolitischen Ordnung organisieren? Es ist also notwendig, außer den gesellschaftlichen Normen und Institutionen ( dabei sind unter Institutionen Parteien, Vereine, Unternehmen und staatliche Einrichtungen, aber auch Familienkonzepte usw. zu verstehen) auch die Frage zu untersuchen, wie die Subjekte mit diesen gesellschaftlichen Setzungen individuell umgehen. Dieses Verhältnis zwischen Gesellschaft und Individuum hat der französische Philosoph Michel de Certeau bei seiner Analyse gesellschaftlicher Machtverhältnisse in die Begriffe von „Strategie“ und „Taktik“ gefaßt. De Certeau bedient sich einer „kriegswissenschaftlichen Analyse der Kultur“, die er als ein oft gewaltsames Spannungsfeld versteht, in welchem das Recht des Stärkeren legitimiert, verschoben oder kontrolliert wird. Neben den Strategien der Macht untersucht er vor allem die gesellschaftlichen Spielräume für jene Praktiken und Listen der Individuen, die ein „Netz einer Antidisziplin“ bilden, das sich diesen Strategien entzieht. Strategie der Macht heißt, gesellschaftliche Kräfteverhältnisse steuern und gesellschaftliche Räume bestimmen und besetzen zu können. Sie setzt einen gesellschaftlichen Ort, eine mit Macht versehene Institution voraus. Dieser „eigene“ Ort bildet die Basis, von der aus strategisches Handeln seine gesellschaftlichen Beziehungen organisiert und sichert. Als Taktik läßt sich hingegen ein Kalkül bezeichnen, das von keiner festen Basis, keinem eigenen Ort ausgehen kann, sondern nur das Terrain des Anderen hat. Während das Eigene, das Fundament strategischen Handelns, einen Sieg des Ortes über die Zeit markiert, hat die Taktik keinen Ort und bleibt von der Zeit abhängig. Sie muß mit dem Terrain, das ihr so von einer fremden /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

Gewalt vorgegeben wird, fertigwerden und in den vorgegebenen Strukturen „günstige Gelegenheiten“ auffinden. Taktik ist darauf angewiesen, mit den Kräften der Macht zu spielen; de Certeau spricht von gelungenen Streichen, schönen Kunstgriffen, Jagdlisten, vielfältigen Simulationen, Funden, glücklichen Einfällen sowohl poetischer wie kriegerischer Natur. Diese Entwendung/Umdeutung der strategischen Vorgaben durch alltäglichen Taktiken ist ein Grundprinzip der Kommunikationsguerilla. Es läßt sich einwenden, daß gerade diese taktischen Umnutzungen, die kleinen, individuellen, temporären Aneignungen sind, die das System zwar verändern, aber gerade dadurch seine Stabilität reproduzieren. Zwar werden Orte kurzfristig entwendet und Strategien der Macht für einen minimalen Zeitraum außer Kraft gesetzt, doch trägt das auch dazu bei, die fortbestehenden Machtverhältnisse aushaltbar und den Alltag erträglicher zu machen. Die alltäglichen Taktiken sind also zwar subversiv, weil sie die Setzungen der Macht verändern, umdeuten und umnutzen, sie müssen aber nicht automatisch gesellschaftsveränderndes Handeln nach sich ziehen. In diesem Sinne wirken die Taktiken erst, wenn sie sich nicht mehr als vereinzelte, individualisierte und weitgehend unbewußte Handlungen in den Netzen der Strategien einrichten, sondern sich zu einer bewußten und kollektiven Vorgehensweise verbinden. Und an dieser Stelle liegt das Potential, an dem eine subversive Strategie der Taktiken möglicherweise ansetzen könnte: Es geht darum, in konkreten Situationen die taktische Alltagsbewältigung der Individuen aufzugreifen, sie bewußt zu machen und politisch wirksam zu artikulieren.

Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Hamburg, 1978.

De Certeau, Michel: Kunst des Handelns. Berlin, 1988.

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[ fig. 28 ] „Why not?“ Postkarte, >Luther Blisset, 2002

:Kollektive Mythen Home, Stewart: Neoismus, Plagiarismus & Praxis. Edinburgh &San Francisco, 1995.

Home, Stewart: Neoist Manifestos. Stirling, 1991.

Sale, Kirkpatrick: Rebels against the Future. Readings (Mass.), 1995.

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Ein >Multipler Name ist „ein Name, den jeder benutzen kann“. Diejenigen, die ihn in die Welt gesetzt haben, seien sie bekannt oder unbekannt, Personen oder Gruppen, beanspruchen ausdrücklich weder ein Monopol für seine Verwendung noch irgendein >Copyright. Doch können solche Namen mehr sein als der schlichte Ausdruck der Tatsache, daß ihre Verwender anonym bleiben wollen. Ist der multiple Name auch als Ausdruck von Anonymität nur eine Leerstelle, ein Zeichen ohne eigene Bedeutung, so kann er doch zu einem kraftvollen Signifikanten werden, wenn er sich mit einer bestimmten, erkennbaren und abgrenzbaren Praxis verknüpft. Er bezeichnet dann nicht nur diese ( künstlerische, politische, religiöse) Praxis, sondern bindet sie zugleich an die Gestalt einer imaginären Person. Indem die Praxis erkennbar wird und sich mit Leben erfüllt, erwacht auch diese Person zum Leben. Ihre Gestalt gewinnt Konturen, bekommt eine Geschichte, einen Mythos. Treten Menschen in diese Geschichte ein und nehmen sie an den Praktiken teil, die mit dem multiplen Namen verknüpft sind, so werden sie tatsächlich Teil der imaginären und kollektiven Person: Die Praxis der Einzelnen wird durch den kollektiven Mythos mit Kraft ausgestattet und reproduziert diesen zugleich. Und umgekehrt : Verliert diese Praxis ihre Konturen und ihre signifikative Kraft, so stirbt auch die kollektive Person, in der sie sich verkörpert. Der multiple Name hebt die Trennung von Individuum und Kollektiv auf. Er verleiht den einzelnen in magischer Weise Anteil an der kollektiven Gestalt der imaginären Person, in der sich die Bewegung und die Kraft einer unsichtbaren Masse verkörpern. Die Masse gewinnt Gestalt, sie wird in der Form der imaginären Person zum handelnden Subjekt. Die „Namenlosen Unterdrückten haben dieses Prinzip immer wieder verwendet. So tauchte es beispielsweise bei den Bauernaufständen auf: 1514 zogen süddeutsche Bauern im Namen des „armen Konrad“ ins Feld. Doch es war kein Anführer, der so die revoltierende Masse verkörperte: Jeder einzelne von ihnen war „der arme Konrad“, der nun

gegen seine Unterdrückung aufstand. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts verkörperte in England der multiple Name des „General Ludd“ die Unterdrückten. Als imaginärer Anführer der Angriffe gegen die neuen Maschinen richtete er seine selten folgenlosen Drohungen gegen die kapitalistischen Betreiber der modernen Formen der Ausbeutung. Obwohl (oder gerade weil) die Bewegung des „General Ludd“ keinerlei feste organisatorische Form besaß, war sie jahrelang in der Lage, den Ausbeutern Angst und Schrecken einzujagen. Während „General Ludd“ weder eine reale Person war noch für eine feste Organisation stand, folgen spätere Organisationsformen der Arbeiter der bürgerlichen Trennung zwischen Individuum und kollektiver Praxis. Das Kollektiv (das Proletariat etc.) wird zu einer abstrakten und hierarchisch verwalteten Angelegenheit. Seine symbolische Kraft manifestiert sich nicht mehr unmittelbar in der Praxis jedes einzelnen. Träger dieser Kraft sind allenfalls einige wenige „herausragende“ Individuen, die als Anführer, Helden, Vorbilder fungieren. In der Gegenwart tritt der Gedanke der multiplen Namen nicht zufällig dort in Erscheinung, wo der bürgerliche Kult des herausragenden Individuums am ausgeprägtesten ist, im Bereich der Kunst. Wenn ein multipler Name als Künstlername verwendet wird, schließt das Zuordnung eines Werks zu einem individuellen Autor aus. Die >Neoisten haben dieses Prinzip konsequent verwendet. Dabei verwandelten sich Künstlernamen wie „Harry Kipper“ in multiple Namen, während andere solcher Namen wie „Monty Cantsin“ mitsamt den zugehörigen Mythen als bewußte Produkte der neoistischen Kunstpraxis anzusehen sind. Schließlich ist als bedeutendstes postsituationistisches Kunstwerk die Schaffung des kollektiven Mythos von >Luther Blissett zu nennen, bei dem, wie schon bei >Karen Eliot, auf den Namen einer existenten Person zurückgegriffen wurde. Ein besonders hinterhältiger Angriff auf bürgerliche Subjektkonzepte ist es, reale Individuen un""

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versehens oder sogar gegen ihren Willen in kollektive Personen zu transformieren. Ein Beispiel ist der Versuch, bei der Züricher Bürgermeisterwahl den Kandidaten des bürgerlichen Lagers, Andreas Müller, kurzerhand in eine kollektive Person zu verwandeln – um Teil dieser Person zu werden, genügte es, Müller zu heißen und unter diesem Namen auf einem Stimmzettel zu erscheinen. Eine der genialen medienstrategischen Leistungen der zapatistischen >Guerilla von Chiapas war es, den Namen ihres Sprechers Subcomandante Marcos zu einem kollektiven Namen zu machen („Wir alle sind Marcos“). Damit setzten sie nicht nur die bereits in dem Titel „Subcomandante“ angelegte Dekonstruktion des Prinzips des Revolutions- oder Guerillaführers fort, sondern sie schufen zugleich eine neue Form des kollektiven Mythos: Die Person des realen Guerilleros bleibt ohne eine fixierbare, festgeschriebene Geschichte. Die erkennbaren Attribute wie >Skimask und Uniform verstecken seine wahre Rolle als leeres Zeichen nicht, sondern unterstreichen sie sogar noch. Gerade weil die reale Person unscharf bleibt, kann diese Leerstelle durch zahllose Erzählungen und Legenden gefüllt werden. In diesem Prozeß wurde der „kollektive Mythos Marcos“ zum allgegenwärtigen Träger verschiedenster Bedeutungen, zum Ausdruck und Identifikationspunkt subversiver wie sexueller Phantasien (diese bringen die symbolische Potenz der kollektiven Person vielleicht am deutlichsten zum Ausdruck: Obwohl weder sein Gesicht noch sein Körper je zu sehen waren, wurde Marcos zum „attraktivsten Mann“ Mexikos gewählt). Schließlich konnten Zehntausende mit dem Ruf „Auch wir sind Marcos“ durch die Straßen von Mexico City ziehen und sich damit in machtvoller Weise politisch artikulieren. Der Mythos von „El Sub“ unterscheidet sich dabei deutlich von dem eines individuellen Helden wie Che Guevara : eine Aussage wie „Ich bin Che Guevara!“

wäre einfach unsinnig. Die Herrschenden in Mexiko haben übrigens die Funktionsweise des kollektiven Mythos und der damit verbundenen magischen Praxen sehr genau verstanden. Das zeigen ihre verzweifelten (und erfolglosen) Bemühungen, das hinter dem Namen Marcus in Wirklichkeit stehende Individuum ausfindig zu machen, sein Gesicht zu zeigen und ihn so vom kollektiven Mythos zum bürgerlichen Individuum zu reduzieren. Der Ursprung der multiplen Namen verliert sich im Dunkel der Geschichte, sie verweisen auf uralte religiöse und magische Praktiken. Bereits der älteste noch lebendige dieser Namen zeigt das Prinzip in voller Klarheit : Alle sind schon immer und von Natur aus Buddha. Zugleich aber ist die Teilhabe an der kollektiven Person durch eine Praxis vermittelt : „Indem ihr die Praxis des Buddha verwirklicht, seid ihr dem Buddha gleich. Ihr seht mit denselben Augen, hört mit denselben Ohren und sprecht mit demselben Mund. Es gibt da nicht den geringsten Unterschied.“ Durch die Verwendung multipler Namen werden also in gleichsam naturwüchsiger Weise archaische Formen aufgegriffen, die die Trennung von Individuum und Kollektiv in Frage stellen: Multiple Namen sind nicht in erster Linie Formen der Anonymität (als solche sind sie nicht besser als gar kein Name), sondern die denkbar schärfsten Angriffe auf moderne Konzepte bürgerlicher Subjektivität und Identität. Sie demonstrieren anschaulich, daß diese Konzepte nur der Natur des Menschen fremde Illusionen sind. Damit manifestieren sie die zeitlose Wahrheit der Vorstellungen, daß die menschliche Identität nichts ist als Artikulation und Schnittpunkt kollektiver Praxen, daß eine menschliche Natur jenseits dessen nicht existiert. Diese eigentlich subversive Kraft des multiplen Namens zeigt sich freilich nur in der konkreten Praxis. 

Sale, Kirkpatrick: Rebels against the Future. Readings (Mass.), 1995.

Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

[fig. 29] „LSD – The Beginning of Something Wonderful“ Lightboard Liberation, >BLF, 2001 /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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;,%8 59)00 )20-8)6%89 6%&&-0(92+ )2 Agentur Bilwet: Medien-Archiv. Bensheim/Düsseldorf, 1993. Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001. Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964. Baudrillard, Jean: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Berlin, 1978. Bieber, Alain (Hrsg.): Rebel:Art. How to provoke today? Issue 01. Tübingen, 2004. Boyd, Andrew: Culture Jamming 101. Pranks with a purpose. San Francisco, 2003. Bruni, Dimitri und Krebs, Manuel: Norm - The Things. Zürich, 2002. Davis, Mike: City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles. Berlin, 1994. De Certeau, Michel: Kunst des Handelns. Berlin, 1988. Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Hamburg, 1978. Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993. Eco, Umberto: Einführung in die Semiotik. München, 1972. Eco, Umberto: Über Gott und die Welt. Essays und Glossen. München, 1985. Ferrell, Jeff: Crimes of Style. Urban Graffiti and the Politics of Criminality. New York & London, 1993. Foreman, Dave und Haywood, Bill: Ecodefense, A field guide to monkeywreching. New York, 1987. Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt, 1977. Gruber, Klemens: Die zerstreute Avantgarde. Strategische Kommunikation im Italien der 70er Jahre. Wien/Köln, 1989. Guevara, Ernesto Che: Guerillakampf und Befreiungsbewegung. Dortmund, 1986. Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning of style. Detroit, 1988. Home, Stewart: Neoismus, Plagiarismus & Praxis. Edinburgh &San Francisco, 1995. Home, Stewart: Neoist Manifestos. Stirling, 1991. Home, Stewart: The Assault on Culture. Utopian currents from Lettrisme to Class War. London, 1988. Hund, Wulf D.: Kommunikation in der Gesellschaft. Frankfurt a. M., 1974. Kollektiv A/traverso: Alice ist der Teufel. Praxis einer subversiven Kommunikation. Berlin, 1977. Law, Larry: Buffo! Amazing Tales of Political Pranks and Anarchic Buffoonery. London, 1988. Leach, Edmund: Kultur und Kommunikation. Frankfurt a. M., 1978 Marcus, Greil: Lipstick Traces. Von Dada bis Punk – kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert. München, 1992. Maser, Siegfried: Grundlagen der allgemeinen Kommunikationslehre. Stuttgart, 1971. McLuhan, Marshall: Understanding Media, The Extensions of Man. New York, 1964. Müller, Michael (Hrsg.): Der Sprayer von Zürich. Solidarität mit Harald Naegeli. Hamburg, 1984. Ohrt, Roberto: Phantom Avantgarde. Die Geschichte der Situationistischen Internationale und der modernen Kunst. Hamburg, 1990. Pfeiffer, Günter: Kunst und Kommunikation. Köln, 1972. Sale, Kirkpatrick: Rebels against the Future. Readings (Mass.), 1995. Situationistische Internationale 1958-1969. Band 1+2. Gesammelte Ausgaben des Organs der SI. Hamburg, 1976. SpassGuerilla. Münster, 1994. Stahl, Johannes (Hrsg.): Graffiti: zwischen Alltag und Ästhetik. München, 1990 Stahl, Johannes: Graffiti zwischen Anarchie und Galerie. Köln, 1989. Stankowski, Anton und Duschek, Karl: Visuelle Kommunikation. Berlin, 1989. Sykes, Jane (Hrsg.): Designing against Vandalism. London, 1971. Teufel, Fritz und Jarowoy, Robert: Märchen aus der Spaßguerilla. Hamburg/Bremen, 1980. Watzlawick, Paul, Beavin, Janet H. und Jackson, Don D.: Menschliche Kommunikation. Bern, 1990. Watzlawick, Paul, Weakland, H. John und Fisch, Richard: Die sanfte Kunst des Umdeutens. Bern/Stuttgart/Wien, 1979. Desweiteren einige Quellen des Internets, besonders sniggle.net und subvertise.org.

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In diesem Kapitel werden Künstler, Gruppen, Methoden und Aktionen aufgeführt. Im Folgenden werden Einführungen in Taktiken gegeben, danach schließt der Index an. Die exemplarisch aufgeführten Möglichkeiten und Ansätze können nur einen kleinen Teil der Realität repräsentieren, jedoch geben die Verweise innerhalb des Buches und ins Internet dem Leser alle Möglichkeiten tiefer in ein Untergebiet der Thematik einzusteigen. >Links verweisen auf Stichwörter im Index. /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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: Einführung .................. 62 : Verfremdungsprinzip ......... 63 : Überidentifizierung ......... 67 : Techniken ................... 69 : Fälschung ................... 70 : Camouflage .................. 72 : Faken ....................... 73 : Funktionsweise .............. 75 : Culture Jamming ............. 77 : Kommunikatives Chaos ........ 79 : Subversive Affirmation ...... 80 : Collage und Montage ......... 82 : Entwendung / Umdeutung ....... 84 : Subkultur / Subversion ....... 86 : Quellen ..................... 89 : Index ....................... 91

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:Einführung Autonome A.f.r.i.k.a.-

Gruppe, Blisset, Luther

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und Brünzels, Sonja:

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Kommunikationsguerilla.

Handbuch der

Berlin 2001.

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Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming,

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Empire of Signs.

Sniping in the

Westfield (USA), 1993.

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Kommunikationsguerilla ist der Versuch, durch Eingriffe in den Kommunikationsprozeß subversive Wirkungen hervorzubringen. Die vielfältigen Methoden und Techniken, die dabei genutzt werden, funktionieren nach zwei grundsätzlichen Prinzipien: den Prinzipien der Verfremdung und der Überidentifizierung. Verfremdungen beruhen auf subtilen Veränderungen der Darstellung des Gewohnten, die neue Aspekte eines Sachverhalts sichtbar machen, Raum für ungewohnte Lesarten gewöhnlicher Geschehnisse schaffen oder über Verschiebungen Bedeutungen herstellen, die nicht vorgesehen oder erwartbar sind. Überidentifizierung dagegen bedeutet, solche Aspekte des Gewohnten offen auszusprechen, die zwar allgemein bekannt, zugleich aber auch tabuisiert sind. Sie nimmt die Logik der herrschenden Denkmuster, Werte und Normen in all ihren Konsequenzen und Implikationen gerade dort ernst, wo diese Konsequenzen nicht ausgesprochen werden (dürfen) und unter den Tisch gekehrt werden. Wo Verfremdung Distanz zum Bestehenden schafft, will Überidentifizierung in den herrschenden Diskurs eingebaute Selbstdistanzierungen auflösen.

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[fig. 30 – 33] Apple iPod Subvertising gegen den Irakkrieg. USA, 2004.

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:Verfremdung Mit Verfremdung in einen Kommunikationsprozeß einzugreifen bedeutet, bestehende Formen, Ereignisse, Bilder und Vorstellungen aufzugreifen und ihren normalen Verlauf oder ihr gewöhnliches Erscheinungsbild zu verändern. Solche Veränderungen können zunächst ein Gefühl der Verwirrung hervorrufen, und zwar, weil jede aufgrund ihrer Sozialisation innerhalb dieser Gesellschaft ein Grundwissen über Kulturelle Grammatik hat, das ihre Wahrnehmungen vorstrukturiert. Das heißt, es gibt meist relativ klare Erwartungen, wie ein bestimmtes Ereignis oder eine bestimmte Sitation „normalerweise“ aussehen oder ablaufen müsste. Sobald nun unerwartete oder unvorhergesehene Elemente im Kommunikationsprozess auftauchen, wird die Selbstverständlichkeit gestört, mit der die Wahrnehmungen sich normalerweise in die Raster der kulturellen Grammatik einfügen. Die Störung ist besonders wirksam, wenn einige Augenblicke lang unklar bleibt, was (oder wer) denn eigentlich „nicht stimmt“. Die daraus entstehende Verwirrung soll es dem Publikum ermöglichen, zumindest momentan auf Distanz zu der Situation zu gehen: Sie kann einen kritischen Blick auf die üblichen Wahrnehmungsmuster von Sachverhalten oder Ereignissen ermöglichen. Die Veränderung muß zwar deutlich genug sein, daß sie die übliche Wahrnehmung durcheinanderbringt. Sie verfehlt allerdings ihr Ziel zumindest tendenziell, wenn sie ihrerseits vorhersehbar ist oder sich in einfache, eindeutige Interpretationsmuster

einordnen läßt. Verfremdung baut darauf, daß auch in ganz „normalen“, alltäglichen Situationen innere Widersprüche, unausgesprochene Brüche und mögliche Paradoxien verborgen sind. Das ist selbst dann so, wenn die Anwesenden die Situation zunächst nicht grundlegend in Frage stellen, sondern das ganze Geschehen aufgrund seiner Normalität für selbstverständlich halten. Die anwesenden Personen sind auch in sich selbst nicht ungebrochen, nicht homogen; sie sind wie alle Menschen fragmentierte Subjekte, die mit äusseren und inneren Widersprüchen zu kämpfen haben. Sie beziehen nicht nur unterschiedliche Positionen innerhalb der herrschenden Diskurse, sondern haben auch Anteile, die aus diesen Strukturen herausfallen und ihnen widersprechen. Wenn nun plötzlich und unerwartet etwas passiert, das die vorgegebenen Regeln auf den Kopf stellt, lächerlich macht oder absurd erscheinen läßt, kann eine solche Verfremdung wie ein Angebot wirken: Sie zeigt, dass das Unmögliche möglich ist, dass es eine Entscheidung und nicht ausschließlich eine unumgängliche Notwendigkeit ist, sich in die gesellschaftliche Normalität einzufügen. Das als selbstverständlich Empfundene ist es in Wirklichkeit nicht; das, was in der alltäglichen Wahrnehmung ignoriert wird, bleibt gleichwohl präsent. Es ist durchaus möglich, dass die Verfremdung des Normalen in den involvierten Zuschauern Anteile anspricht, die sonst unterdrückt bleiben oder aufgrund rationaler

Autonome A.f.r.i.k.a.Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

Pfeiffer, Günter: Kunst und Kommunikation. Köln, 1972.

""

[ fig. 34 ] „Pain, Exploitation, Racism.“ Billboard Busting der US Marines. USA, 2001.

[ fig. 35 ] „Taco Hell“ Taco Bell-Verfremdung. USA, 2002. /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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[fig. 36] „MacDonalds – better live

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through chemistry“. Artfux English.

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USA, 1994.

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Böckelmann, Frank und

0

Subversive Aktion.

1 2 3 4 5 6 7 8 9 : ; < = >

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Nagel, Herbert:

Frankfurt, 1976.

Entscheidungen bewußt „vergessen“ werden. So ist es möglich, daß eine Verfremdung nicht nur als destruktive Methode, sondern darüber hinaus als (kleiner) Wegweiser für gesellschaftsverändernde >Utopien und Handlungsweisen wirken kann. Kommunikationsguerilleros betreiben Verfremdung nicht als beliebiges Spiel ohne Ziel; sie bekommt politischen Charakter, indem sie versucht, in der verfremdeten Situation unausgesprochene oder naturalisierte Machtbeziehungen, verdrängte oder normalisierte Aspekte gesellschaftlicher Verhältnisse sichtbar und bewußt zu machen. >Kommunikationsguerilla-Aktionen beruhen darauf, daß es gerade diese Aspekte alltäglicher Situationen und Kommunikationsprozesse sind, an denen kritische und letztlich subversive Denkprozesse ansetzen können. Allerdings bleibt das Ende offen: Wie das „Publikum“ reagiert, ob es den Angriff auf Erwartungen und Vorstellungen als interessante Erfahrung auffaßt oder empört zurückweist, darauf ist letztlich kein Einfluß zu nehmen. Die Möglichkeit der Verfremdung ergibt sich daraus, daß Aussagen erst durch die Rahmenbedingungen, durch die Situationen, in denen sie erscheinen, ihre volle Bedeutung entfalten. So ist es normal und selbstverständlich, wenn ein Redner sein Publikum mit „sehr geehrte Damen und Herren“ begrüßt, und zwar unabhängig davon, ob er sein Publikum tatsächlich verehrt oder nicht. Benutzt jedoch ein Lehrer diese Anrede vor einer Schulklasse, so ist sie vermutlich ironisch gemeint und wird in diesem Kontext kaum als freundliche Zuwendung verstanden werden.

Dieses Beispiel zeigt, daß die Verfremdung einer Situation, bei der in diesem Fall sprachliche Elemente in einen anderen Zusammenhang überführt werden, eine ganz alltägliche Sache ist. Sie steht auch nicht automatisch im Dienst der Subversion: Im Beispiel ist es der Lehrer, der sich sowieso in der überlegenen Position befindet und seine Macht gegenüber den Schülerinnen dadurch zusätzlich betont, daß er mit den verschiedenen Sprachebenen spielt. Viele Methoden und Techniken der Kommunikationsguerilla beruhen auf dem Prinzip der Verfremdung. Offensichtlich liegt es nahe, dort verfremdend einzugreifen, wo für alle erkennbar etwas mitgeteilt werden soll. Besonders beliebte Objekte von Verfremdungsaktionen sind daher politische Plakate und Werbeposter sowie Denkmäler. Aber auch ganze Situationen lassen sich verfremden. Dabei werden dabei oft bedeutungsgeladene Anlässe und öffentliche Rituale (Wahlfeiern, Gedenkveranstaltungen, Versammlungen) aufgegriffen. Allerdings kommen Machtverhältnisse nicht nur dort zum Ausdruck, wo sie offen zelebriert werden, sondern ebenso in ganz alltäglichen Situationen. Und auch in solchen Situationen kann Verfremdung diese Machtverhältnisse offenlegen und ihr reibungsloses Funktionieren durcheinanderbringen. Bei der Verfremdung läßt sich die Tatsache, daß zwischen (textlichen und verbalen) Aussagen und den Situationen, in denen diese Aussagen getroffen werden, ein Bedeutungszusammenhang existiert, in verschiedener Weise kreativ umsetzen: Zum Beispiel besteht die Möglichkeit, eine Aussage zu verändern, um dadurch die Situation "" FPEGO`FSSO


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zu kommentieren, in welcher sie präsentiert wird. Die Grundlage einer solchen Verfremdung ist, daß Informationen nie allein als sachliche Mitteilungen gemeint sind. Auch oder gerade wenn sie sich als solche präsentieren, transportieren sie dennoch stets Elemente von Ideologie, die durch verfremdende Hinzufügungen oder Veränderungen zum Vorschein gebracht werden können. Wenn verbale oder schriftliche mit bildlichen Aussagen verbunden sind, wie es für Werbungsvorlagen typisch ist, können dazu entweder die Worte oder das Bild verändert werden. Es kann auch versucht werden, beide Ebenen gleichzeitig zu verfremden, wobei die Eingriffe relativ subtil sein müssen, damit das Original noch dahinter erkennbar bleibt (Ohne diesen Bezug geht der Verfremdungseffekt verloren, und etwas ganz Neues entsteht.) . Ein gutes Beispiel ist eine Verfremdung der amerikanische Parfümwerbung von Calvin Klein für „Obsession for men“. Unter dem neuen Text „Recession for men“ ist anstelle des glattgebügelten Schönlings ein Obdachloser abgebildet, der ebenso ernst und sinnend in die Ferne blickt wie das Modelmänner gewöhnlich tun. Die Verschiebungen der (bildlichen wie textlichen) Aussage kritisieren die in der Werbung idealisierte Scheinwelt. Dabei muß der Betrachter nicht einmal unbedingt den ursprünglichen Text oder das Ausgangsbild der verfremdeten Werbung kennen. Denn vor dem Hintergrund eingeübter Seh- und Lesegewohnheiten wird die Kritik für alle diejenigen offensichtlich, die die Verschiebungen registrieren. Zum anderen kann eine Aussage dadurch in einem neuen Licht er-

scheinen, daß sie in einer veränderten Situation präsentiert wird. Solche Verfremdungen nehmen auf eine gegebene Aussage Bezug und rücken durch eine neue Kontextualisierurig Aspekte ins Blickfeld, die normalerweise nicht wahrgenommen werden. Die Folge davon ist, daß ein- und dieselbe Aussage neue Bedeutungen annehmen kann, daß Bedeutungsschichten bewußt werden, die nicht auf der Ebene des Aussagetextes liegen, sondern erst durch den situativen Kontext entstehen. In dem Band „Spaßguerilla“ wird zähneknirschend festgestellt, daß auch die Werbung Methoden der Verfremdung einsetzt. Um dem Dilemma zu entkommen, daß die eigenen Methoden große Ähnlichkeit mit kapitalistischen Nutzungsweisen desselben Prinzips aufweisen, unternimmt der anonyme Autor des Buches den Versuch, „beruhigende“ und „beunruhigende Verfremdung“ zu unterscheiden. Dabei wird die in der massenmedialen Werbung verwendete Methode als beruhigende Verfremdung eingeschätzt und ihr ein manipulativer Charakter unterstellt. Es ist allerdings die Frage, ob diese Unterscheidung wirklich zutrifft und es tatsächlich erlaubt, sich außerhalb der Schußlinie zu wähnen. Inzwischen bedienen sich nämlich auch Werbeleute der „beunruhigenden“ Verfremdung; ein gutes Beispiel hierfür sind – neben Nike´s Kampagne zur WM 2002 im Look von Stencils mit Illustrationen der besten Weltfussballer – die Werbekampagnen von Benetton. Die Plakate dieser Kleidermarke mit blutigen Neugeborenen, Aidskranken und zerschossenen Soldaten-T-Shirts zeigen,daß unter Umständen auch beunruhigende Provo""

SpassGuerilla. Münster, 1994.

Law, Larry: Buffo! Amazing Tales of Political Pranks and Anarchic Buffoonery. London, 1988.

[ fig. 37 ] Nike Football. Campaign 2002. Wieden & Kennedy, Amsterdam, 1994.

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Autonome A.f.r.i.k.a.Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

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Der „Smiley“ steht seit den 80er Jahren für die „Acid“-Welle und das Aufkommen von XTC als Partyund Clubdroge.

1 2 3

kationen einen „Werbeeffekt“ haben. Dieses Beispiel demonstriert,dass das Prinzip der Verfremdung nicht an ein politisches Konzept gebunden ist. Der Versuch, es per Definition vor dem Zugriff der kapitalistischen Verwertung zu retten, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Verfremdung ist nicht an und für sich subversiv. Es sind erst Kontext und Art und Weise der Umsetzung, die ihre Wirkung bestimmen. Ebenso wie in allen anderen Bereichen können Praktiken der Verfremdung auch in der Politik von der Macht für ihre Zwecke genutzt werden. Ein Beispiel dafür ist ein Wahlplakat der CDU zu den Landtagswahlen 1996 in Baden-Württemberg. Auf einer weißen Fläche war nichts weiter abgebildet als ein Smiley, dessen Gesicht aus den Buchstaben C, D und U bestand. Noch vor einigen Jahren hätte es als Sachbeschädigung gegolten, dieses Motiv mittels Edding auf Plakaten anzubringen. Nun wurde es vereinnahmt und sollte signalisieren, wie hip, trendy und jugendnah diese Partei ist. Hier wurde die Vorstellung, Politik müsse durch Argumente überzeugen, bereits zugunsten eines werbetechnischen Überraschungseffekts aufgegeben. Es ist aber offensichtlich absurd, daraus den Schluß zu ziehen, daß auf Verfremdung basierende politische Interventionen nun nicht mehr subversiv sein können, weil sie auch Anregungen für die Weiterentwicklung und Verfeinerung wahlpolitischer Kampagnen

liefern. In der Annahme, daß Kommunikationsguerilla eine „sichere“ Praxis sei, die einen eindeutig „links“ codierten gesellschaftlichen Ort begründet, liegt ein grundsätzlicher Denkfehler. Denn mit der Besetzung eines Ortes beginnt gleichzeitig seine Angreifbarkeit und seine Rekuperation, seine Wiedervereinnahmung durch die Macht. Kommunikationsguerilla ist aber nicht Strategie, sondern Taktik. Ihr Ziel kann es nicht sein, Positionen um jeden Preis zu behaupten. Vielmehr liegt ihre Stärke darin, beweglich zu sein und immer neue Überlegungen anzustellen, wie Vereinnahmungsversuche wieder durch weitere Aktionen ad absurdum geführt werden können. Der Vorsprung der Kommunikationsguerilleras liegt dabei genau darin, daß derjenige, der von der Seite der Macht aus spricht, stets eine strategische Position zu verteidigen hat. Konkret heißt das: so hip die CDU sich auch darzustellen versucht, für diese Hipness gibt es auf jeden Fall ziemlich enge Schmerzgrenzen. Es ist daher recht einfach, beispielsweise den Smiley wieder vom „Kopf auf die Füße“ zu stellen. Anstatt besagte CDU- Plakate wutschnaubend herunterzureißen, würden manche Vertreterinnen der Kommunikationsguerilla sie zum Beispiel mit Werbung für Drogen verschiedenster Art ergänzen, um den Smiley so seiner vorherigen Bedeutung wieder näherzubringen.

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[fig. 38 – 39] Benetton Anzeigen. Oliviero Toscani/ La fabrica, Italien.

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:IVJVIQHYRK  hFIVMHIRXMJM^MIVYRK [ fig. 40 ] „McSwear“. Subvertising der Adbusters. USA, 1994.

:Überidentifizierung Verfremdung versucht, bei Akteuren und Zuschauern Distanz zu den herrschenden Verhältnissen zu schaffen und so deren scheinbare N atürlichkeit in Frage zu stellen. Demgegenüber bedeutet Überidentifizierung, sich ganz konsequent innerhalb der Logik der herrschenden Ordnung zu positionieren und sie an dem Punkt anzugreifen, an dem sie am verwundbarsten ist: mitten im Zentrum. Dahinter steht die Vorstellung, daß offen kritisierende oder moralisierende Diskurse gegenüber dem Staat und seiner Ideologie wirkungslos bleiben, während ironische Distanzierung möglicherweise sogar eher stabilisierend als subversiv wirkt. Heutige ideologische Diskurse zeichnen sich oft durch eine internalisierte, in sich schon vorweggenommene Kritik ihrer selbst aus. Eine ironische Bezugnahme auf diese Widersprüchlichkeit bleibt innerhalb ihrer Logik und spielt so letztlich „in die Hände der Mächtigen“. Überidentifizierung entscheidet sich für den entgegengesetzten Weg. Sie durchbricht die Ideologie des Zynismus, indem sie die darin angelegte Distanz vollkommen aufgibt, indem sie sich weiter mit der Logik des herrschenden Systems identifiziert, sie ungebrochener ernst nimmt als das System selbst es tut (tun kann). Was bedeutet dies nun genau? Zizek geht davon aus, daß eine Ideologie immer aus zwei Teilen besteht aus den von einem politischen System öffen-

tlich verkündeten und propagierten „expliziten“ Werten und aus der „verdeckten Kehrseite“. Damit sind Implikationen gemeint, die innerhalb einer Ideologie mittransportiert werden und ihr zugleich scheinbar widersprechen. Solche Implikationen werden dadurch integriert, daß sie zwar allgemein bewußt sind, aber dennoch unausgesprochen und tabuisiert bleiben. Als Beispiel nennt er den US-amerikanischen Rassismus, der für das Funktionieren der amerikanischen Gesellschaft wesentlich ist und doch ihren „offiziellen“ Werten tendenziell widerspricht: Er bekam seinen Ort in der Gesellschaft lange durch das Bestehen des geheimen und illegalen >KuKlux-Klans zugewiesen. Der herrschende Diskurs steht solchen „Verborgenen Wahrheiten“ distanziert gegenüber, die gleichzeitig wesentliche Bestandteile des Systems und mögliche Bruchstellen sind. Sie dürfen, wenn überhaupt, nur im Ton der Ironie, des Zynismus oder auch der kritischen Distanzierung angesprochen werden. Angesichts dieser Situation kann es eine wirksame Form von Subversion sein, solche unausgesprochenen Aspekte affirmativ in einer Weise auszusprechen, die die Logik des Systems so getreu wie möglich nachzeichnet und den damit Konfrontierten möglichst wenig Möglichkeiten läßt, auf Distanz zu gehen. Für die mit einer solchen Affirmation konfrontierten Subjekte bedeutet

Autonome A.f.r.i.k.a.Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

Arns, Inge: Neue Slowenische Kunst ( NSK ) – ihre künstlerischen Strategien im Jugoslawien der 80er Jahre. Berlin, 1992.

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8<8  % & ' ( ) * Ohrt, Roberto: Phantom

+

Avantgarde. Die

,

Situationistischen

-

modernen Kunst. Hamburg,

Geschichte der

Internationale und der

1990.

. / 0 1 2

dies nicht, wie im Fall der Verfremdung, daß ihre subversiven, ungelebten, aber dennoch immer wieder empfundenen Anteile angesprochen werden. Vielmehr geht es im Fall der Überaffirmation darum, sichere, mit der herrschenden Ideologie übereinstimmende Haltungen dadurch anzugreifen, daß die in ihnen verborgene Kehrseite zum Vorschein gebracht wird: Wenn ein die in einer Ideologie enthaltenen Werte immer zugleich ihr Gegenteil in sich tragen, bleibt als Zentrum nur noch ein leerer Fleck. In fast lehrbuchartiger Weise läßt sich die Funktionsweise von Überidentifizierung anhand der Aktion des >Situationisten Sanguinetti illustrieren, mit der er 1975 in Italien einen Skandal hervorrief. Ein solcher Angriff ist nur dann wirksam, wenn sich der „Sprecher“ scheinbar eindeutig innerhalb der Logik des Systems positioniert. Daher ist das Prinzip der Überidentifizierung in der praktischen Umsetzung ungleich problematischer als das der Verfremdung. Zudem wirkt Überidentifizierung nur dann subversiv, wenn sie tatsächlich „den Nerv“ trifft, sprich verborgene Bruchstellen der symbolischen Ordnung angreift. Während eine missglückte Verfremdung schlimmstenfalls belanglos, als folgenloses postmodernes Spielchen wirkt, kann eine mißglückte Überidentifizierung das Gegenteil des Beabsich-

tigten bewirken. In der Praxis ist es schwer einzuschätzen, ob man tatsächlich wesentliche Bruchstellen der herrschenden Diskurse aufgespürt hat. Eine Aktion kann schneller von der Realität überholt werden, als sie ausgeheckt wurde. So sind z.B. in Deutschland rassistische Diskurse so normal geworden, daß eine Überidentifizierung hier keinerlei Sprengkraft mehr besitzt. Eine weitere Form der Überidentifizierung wurde von der Gruppierung >NSK / Neue Slowenische Kunst gegründet. Sie greifen die Rituale nationalstaatlicher Selbstinszenierung auf und stellen sie in den Dienst einer artifiziellen, dysfunktionalen Ideologie. Obwohl die Bezüge zwischen den einzelnen ästhetischen Elementen stimmig erscheinen, bleibt in dieser kohärent erscheinenden Ideologie die Stelle des bedeutungsgeladenen Kerns ( die eigene Nation) unbesetzt. Diese Leerstelle ist aber kaum sichtbar : Der einzige Unterschied zur ideologischen Inszenierung einer „realen“ Nation besteht darin, daß NSK einen solchen Bezugspunkt für ihr Projekt gar nicht beanspruchen. Gerade die Tatsache, daß die Inszenierung trotzdem funktioniert, legt die Mechanismen der Konstruktion von Nation deutlicher offen, als dies jede argumentative Kritik vermag.

3 4 [fig. 41]

5

Nikeplatz.

6

>0100101110101101.org

Fake der

Wien, 2003.

7 8 9 : ; < = >

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[ fig. 42 ] „Joe Chemo.“ Verfremdung der Joe Camel-Anzeigen. Unbekannt.

[ fig. 43 ] „Ariel Sharon“ Demo-Plakat eines Palästinensers. New York, 2004.

:Technik Die Prinzipien der Verfremdung und Überidentifizierung, die den meisten Aktionen der Kommunikationsguerilla zugrundeliegen, lassen sich mit einer ganzen Reihe unterschiedlicher Methoden und Techniken umsetzen. Sie können entweder einzeln oder miteinander kombiniert eingesetzt werden; so sind beispielsweise im >Fake eine ganze Reihe von Methoden und Techniken verknüpft. Unter „Methoden“ werden an dieser Stelle unterschiedliche Vorgehensweisen und Ansatzpunkte zusammengefasst, mit und an welchen sich verfremdende und überidentifizierende Wirkungen erreichen lassen, während „Techniken“ konkrete Formen der Umsetzung sind. Letztlich läßt sich aber nicht immer eine genaue Unterscheidung treffen, ohne daß daraus ein haarspalterisches Regelwerk entsteht, weswegen weitere Klassifizierungen an dieser Stelle nicht vorangetrieben werden sollen. /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

Debord, Guy-Ernest und Wolman Gil J.: Gebrauchsanweisung für die Zweckentfremdung. Hamburg, 1995.

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:Fälschung Debord, Guy-Ernest und Wolman Gil J.:

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Gebrauchsanweisung für die Zweckentfremdung.

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Hamburg, 1995.

( ) * + , -

Rubin, Jerry: Do it! Scenarios für die Revolution. München, 1977.

. / 0 1 2 3 Boyd, Andrew:

4

Culture Jamming 101. Pranks with a purpose.

5

San Francisco, 2003.

6 7 8 9 :

[fig. 44]

Die Erfindung falscher Tatsachen zur Schaffung wahrer Ereignisse ist eine Methode, die Mechanismen offenzulegen und zu kritisieren, die die hegemoniale Produktion medialer und politischer Bilder von Wirklichkeit bestimmen. Diese Methode geht über analytisch-aufklärerische Formen von Information und Gegeninformation weit hinaus: Sie greift nicht die konkrete Darstellung bestimmter Themen an, sondern treibt ihr Spiel mit den Mechanismen, durch die Politik und Medien gesellschaftlich relevante Ereignisse produzieren. Ein Beispiel hierzu: Der vergleichsweise starke Anstieg von „Kriminalität“ war in den 80er Jahren kaum ein relevantes Thema, während die relativ geringe Zunahme der 90er Jahre zu einem der zentralen Medienereignisse geriet. Auch militärische Konflikte können oft Jahre andauern, bevor sie in einer bestimmten Situation mediale Aktualität gewinnen. Durch die Erfindung von Ereignissen wird versucht, die Mechanismen, die den medialen Takt bestimmen, gegen die herrschende Macht zu wenden. Den Gedanken, mit falschen Informationen wahre Ereignisse zu schaffen („Segni falsi, informazioni false che producano eventi veri“) formulierte 1977 das Bologneser Zeitschriftenkollektiv „A/traverso – il Male“. Aber bereits die >Yippies bedienten sich dieser Methode. 1967 inszenierten sie in New York ein Freudenfest auf der Fifth Avenue,indem sie in einer spontanen Straßenaktion mit 2.000 Teenagern verbreiteten, daß der Vietnamkrieg nun aus sei: „Allen Ginsberg lief in Automatenrestaurants, riß die Arme hoch, sprang in die Luft und schrie aus vollem Hals: „Der Krieg ist aus! Der Krieg ist aus!“ Selbst die Polizei, die versuchten, die ungenehmigte Freudenfeier auseinanderzutreiben waren nun „plötzlich

Teil der Feier“. Dabei gelang es nicht nur, die Regierung zu einem Dementi zu zwingen, sondern auch, viele Menschen aus ihren gewohnten Rollen herauszureissen: „Leute, die für den Krieg waren, fragten sich vergeblich, wie sie auf diese psychologische Herausforderung ihres Denkens reagieren sollten. Sie konnten sie nicht ignorieren wie sie Schilder mit der Aufforderung ,Macht Schluß mit dem Krieg!‘ hätten ignorieren können.“ Um ein erfundenes Ereignis wirksam zu verbreiten, braucht es in der Regel eine Glaubwürdigkeit und Autorität beanspruchende Instanz,die als (unfreiwilliger) Bürger für die „Wahrheit“ der Erfindung dient: Der Name des Autors oder eines Mediums muß benutzt oder ebenfalls erfunden werden. Gut erfundene Ereignisse greifen Themen auf, die in einer bestimmten politischen oder gesellschaftlichen Situation stark emotional besetzt sind, mit denen sich Befürchtungen oder Begehren verbinden. Das gelang 1978 in Rom, als „il Male“ unter dem Titel des „Corriere dello Sport“ die Annulierung der Fußball-Weltmeisterschaft und die Wiederholung des Endspiels mit Italien bekanntgab. Die Stadt verwandelte sich aufgrund dieser Erfindung für einen Tag in ein großes Verkehrschaos, und ein solches >Fake machte die Wünsche und Ängste der Leser deutlich sichtbarer als jede Analyse. Dabei besteht die Chance, daß auch unwahrscheinliche Ereignisse geglaubt werden, wenn sie direkt an den Hoffnungen und Ängsten der Menschen anknüpfen. Wenn dementsprechende Informationen erfunden und über ein geeignetes Medium vermittelt sind, ergibt sich die Schaffung wahrer Ereignisse daraus ganz von selbst; im Falle der YippieAktion sah sich sogar die US-Regierung ""

„Think Disillusioned“.

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Billboard Liberation der Apple-Anzeige „Dalai Lama“. BLF, USA 2000.

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*lPWGLYRK [ fig. 45 ] „Think Different – Apple DDR“. Gravis, D 2000.

[ fig. 46 ] „Wiedervereinigung ungültig – Kohl war gedopt.“ Titanic, D 1994.

[ fig. 47 ] „(S)ein (H)an(d)schlag Zählt – F P Ö“ Unbekannt, Wien 2003.

zu einem Dementi gezwungen. Dadurch gelang es, die Handlungsweise der Herrschenden in einen offensichtlichen Gegensatz zum Begehren ihrer Untertanen zu setzen. Es geht bei der Erfindung also nicht in erster Linie um den Streich, den „Eulenspiegel-Effekt“, die Diffamierung unbedarfter Bürger. Vielmehr sollen Erfindungen die Instanzen der Wahrheitsverkündung diskreditieren und in ihrer Autorität angreifen: Zwischen Konsens und Dissens aber öffnet sich ein weites Feld für das, was man Momente ausgesprochenen Mißtrauens nennen könnte. Dies ist ein ideales Gelände für die Fälschung. „Die Falschmeldungen erlauben weder Zustimmung noch Ablehnung. Sie höhlen das Vertrauensverhältnis aus, welches die Politik – und dasselbe gilt von den Massenmedien – zu installieren versucht.“ Es gibt Erfindungen, die erst subversiv wirken, wenn sie aufgedeckt werden. Denn erst in diesem Moment kann die Frage thematisiert werden, warum alle die erfundene Tatsache glauben wollten. Dabei wird nicht nur gezeigt, wie diese konkrete Erfindung glaubhaft werden konnte. Darüber hinaus wird das Regelwerk der Produktion von Ereignissen insgesamt zum Thema, mögen sie nun erfunden sein oder nicht. Umgekehrt ist es bei manchen Erfindungen besser, wenn sie nicht oder nie aufgedeckt werden. Ein Beispiel ist die Erfindung von „Chaostagen“, die vor einiger Zeit in vielen bundesdeutschen Städten wie Pilze aus dem Boden schossen. Dabei waren die fiktiven Initiatoren wohl vor allem daran interessiert, einen schönen Polizeiauflauf zu verursachen und so die irrationale Gewaltbereitschaft des staatlichen Apparates anschaulich zu demon/SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

strieren. Wer ein solches Spielchen öfter wiederholen möchte, dürfte wenig Interesse daran haben, öffentlich zu machen, daß die „Gefahr für die öffentliche Ordnung“ in Wirklichkeit nur aus ein paar Flugblättern und im Internet lancierten Aufrufen besteht. Noch verwirrender wird es, wenn plötzlich erfundene Verlautbarungen auftauchen, die nicht nur im Duktus, sondern auch inhaltlich stimmig sind, tatsächlich aber nicht von den angeblichen Absendern verfaßt wurden. Dies ist zum einen ein gutes Mittel, wenn ein politischer Gegner aus leicht durchschaubaren Gründen gerade mit bestimmten Aussagen hinterm Berg halten will. Zum zweiten vermag diese Methode aber auch, Kontroversen wieder oder überhaupt erst in Gang zu bringen, die einfach nicht so recht funktionieren wollen. Ziel ist es dann, nicht die eigene Position darzustellen, sondern unter Umständen die des Gegners zu umreißen. Ein Beispiel: Wenn über Burschenschaften in einer Universitätsstadt diskutiert wird, kann es durchaus Sinn machen, einen Leserbrief "" an die Lokalzeitung zu verfassen, in dem sich ein Burschenschafter darüber beschwert, daß aufgrund der Intervention der alliierten Streitkräfte nach 1945 das Farbentragen auf dem Uni-Campus immer noch verboten ist. Wir nennen ein solches Vorgehen das „Doppelpaß-Spiel“. Denn radikale Positionen benötigen häufig konkrete Vorlagen, auf die sie sich beziehen können. Wenn der Gegner diese nicht selbst ausspricht, sondern sich der Diskussion zu entziehen versucht, muß eben mitunter ein „Advocatus diaboli“ nachhelfen und die Diskussion in Schwung bringen.

Rubin, Jerry: Do it! Scenarios für die Revolution. München, 1977.

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:Camouflage Rubin, Jerry: Do it! Scenarios für die

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Revolution. München, 1977.

' ( Autonome A.f.r.i.k.a.-

)

Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja:

*

Handbuch der Kommunikationsguerilla.

+

Berlin 2001.

, .

„Give the anarchist the cigarette. Every fire needs a little bit of help...“

/ 0 Im Herbst 2004 gaben

1

Unbekannte eine „Letzte Ausgabe der FR“ raus,

2

die in annähernd identischen Layout quasi

3

selbstkritisch den latenten Rassismus des

4 5

Blattes anprangerte.

Bei vielen Praktiken der Kommunikationsguerilla ist es notwendig, die eigenen Ziele in einer Verkleidung zu verfolgen, die sich herrschender Formen, ästhetischer Ausdrucksmittel oder Sprechweisen bedient. Diese Formen werden imitiert, um dissidente Inhalte zu transportieren. Solche Verkleidungen sind nicht nur bei >Happenings und Unsichtbarem Theater selbstverständlicher Teil von Aktionen. Als Camouflage bezeichen wir sie, wenn versucht wird, durch die Verkleidung Kommunikationsbarrieren zu überwinden und dann Menschen mit einem Klartext oder Handeln zu konfrontieren, dem sie sich sonst von vorneherein entziehen würden. Eine Form der Camouflage ist es etwa, wenn die Anarchoband >Chumbawamba MainstreamPop und eingängige Melodien mit anarchistischem Klartext verknüpft. Beim ersten Hören wird nur die harmlose und eingängige musikalische Form registriert; sie wirkt als Verkleidung für den gar nicht so harmlosen Inhalt. Ähnlich ist es, wenn linke Gruppen das „formale Outfit“ bürgerlicher Medien oder anderer Institutionen imitieren, um in dieser Verkleidung ihren eigenen Klartext zu kommunzieren. Die „ Letzte Ausgabe “ der Frankfurter Rundschau war ein Beispiel für einen solchen Ansatz. Häufig besteht allerdings die Gefahr, daß solche Camouflagen

im Sinne einer Mogelpackung eingesetzt werden. Dahinter steht die Hoffnung, daß eine hübsche Verpackung die Leser vielleicht dazu bringen könnte, unpopuläre Inhalte zur Kenntnis zu nehmen. Das führt dann dazu, daß diese beispielsweise in Comicform präsentiert werden, der Duktus aber genau derselbe ist wie auf den üblichen Flugblättern. Aber dieser Versuch, die Leser zu überlisten und sie dazu zu bringen, die Zettel überhaupt in die Hand zu nehmen, funktioniert in der Regel nicht: Selbst wenn die Adressaten nicht gleich merken, was Sache ist, beginnt das Problem spätestens, wenn sie zu lesen beginnen. Diese „Verpackungsmogelei“ nützt die Möglichkeiten nicht, die in der Imitation und Entwendung herrschender Formen liegen und die sich beispielsweise in den paradoxen und ironischen Text-Bild-Kombinationen zeigen, die für die Comics der >Situationistischen Internationale typisch sind. Dennoch kann Camouflage eine wirksame Kommunikationstechnik sein. Wird die Spannung zwischen Form und Inhalt bewußt eingesetzt, dann kann eine gekonnte und witzige Camouflage durchaus ihr Ziel erreichen: Nämlich Kommunikationsbarrieren zu überwinden und trotz allgemeiner Informationsübersättigung angehört zu werden.

[fig. 48] „Nokia – Cancering

6

People“. Adbust der

7

USA, 2001.

Subvertise.org.

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'EQSYJPEKI  *EOIR [ fig. 49 ] „Climate Change.“ Fake einer CocaColaAnzeige. USA, 2002.

:Faken Das Herstellen von Fakes ist eines der beliebtesten Betätigungsfelder von Kommunikationsguerilleras. Ein gutes Fake verdankt seine Wirkung dem Zusammenwirken von Imitation, Erfindung, Verfremdung und Übertreibung herrschender Sprachformen. Es ahmt die Stimme der Macht möglichst perfekt nach, um für einen begrenzten Zeitraum unentdeckt in ihrem Namen und mit ihrer Autorität zu sprechen ( z.B. durch Fälschung amtlicher Schreiben). Der Faker will allerdings nicht in erster Linie eine unmittelbare materielle Wirkung erreichen oder sich selbst Vorteile verschaffen. Ziel ist vielmehr, einen Kommunikationsprozeß auszulösen, bei dem – oft gerade durch die (beabsichtigte) Aufdeckung der Fälschung – die Struktur der gefaketen Kommunikationssituation selbst zum Thema wird. Das Fake entfaltet seine Wirksamkeit im Verlauf des Prozesses, der der Aufdeckung folgt, in der Kette von echten und vielleicht auch falschen Dementis, womöglich ergänzt durch weitere Fakes oder Fälschungen. Die Produktion von Fakes bewegt sich oft am Rande der Legalität oder jenseits davon. Auch wenn die Rechtslage nicht so eindeutig ist wie bei Fälschungen (Betrug etc.), werden sie regelmäßig juristisch verfolgt. In den heutigen bürgerlichen Gesellschaften wird Macht sehr stark auf diskursivem Wege ausgeübt und legitimiert. Fakes sind ein Versuch, dieses Funktionsprinzip der Macht zu stören und ihre Legitimation zu beschädigen, indem in ihrem Namen falsche, gezielt modifizierte oder auch schlicht sinnlose Informationen verbreitet werden. Dadurch soll die Selbstverständlichkeit der diskursiven Prozesse aufgebrochen werden, in denen sich Macht konstituiert und

reproduziert. Das Fake ist ein taktisches Mittel, das in der Regel keine Gegenentwürfe zeigt und keine Gegendiskurse formuliert. Dennoch wirkt es in einem gewissen Sinne aufklärerisch: Es zeigt, daß alles auch ganz anders sein könnte, daß die Strukturen des Sprechens und der Macht so, wie sie den Menschen gegenübertreten, weder zwingend noch selbstverständlich sind. Das Fake läßt in den Kommunikationsprozessen jenes beunruhigende und potentiell widerständige „Andere“ des Bestehenden aufscheinen zu lassen, welches durch die dominanten Diskurse auf allen Ebenen zum Schweigen verurteilt ist, niemals aber zum Verschwinden gebracht werden kann. Das Fake beruht also auf der Störung bzw. momentanen Umstürzung dessen, was Foucault als „Ordnung des Diskurses“ bezeichnet und als wesentliches Element von Machtausübung identifiziert. Diese Ordnung bestimmt sowohl die in der gesellschaftlichen Kommunikation zulässigen Aussagen als auch die zulässigen Sprecher. Wenn man heimlich den Sprecher austauscht, stört man die Regeln, die festlegen, wer wann was sagt und sagen darf und wer nicht. Besonders effektiv ist das in Situationen, die durch starke Macht"" gefälle strukturiert sind, in denen Name oder Etikett der Sprechenden und nicht die Kraft ihrer Argumente den Stellenwert von Aussagen bestimmen. Durch das Fake werden die verdeckten diskursiven Machtstrukturen plötzlich sichtbar. Denn die Störung scheint gerade von jener Seite aus zu erfolgen, die in der Ordnung des Diskurses die Legitimation hat, zu sprechen und gehört zu werden. Die Legitimation, im Namen der Macht zu sprechen, wird durch die Verwendung von Zeichen konstituiert, die für die Macht reserviert

Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses. Frankfurt, 1977.

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Foucault, Michel. Mikrophysik der Macht,

,

Berlin 1976

. / 0 1 2

Deleuze, Gilles und Guattari, Felix: Tausend Plateaus, Berlin 1992

3 4 5 6 7 8

sind. Das können Signets wie der Briefkopf eines Amtes sein, Titel, Namen oder auch das verwendete Medium selbst. Solche Zeichen sollen die Einheit von Autor und Text garantieren, die für diskursive Machtausübung wesentlich und dementsprechend durch Gesetzesparagraphen und Strafandrohungen abgesichert ist: Nur die legitimierten Institutionen der Macht dürfen die Autorität haben, bestimmte Aussagen zu treffen. Das Fake bricht diese Einheit auf. Daß dies als massiver Angriff empfunden wird, läßt sich daran ablesen, daß selbst auf den ersten Blick erkennbare Fakes fast unweigerlich ein Dementi nach sich ziehen. Ein gelungenes Fake spielt mit der Zuordnung von Autor und Text. Seine Wirkung entfaltet es genau dann, wenn sich keine eindeutige Beziehung zwischen beiden mehr herstellen läßt: In diesem Moment beginnen auch die Bedeutungen der getroffenen Aussagen zu oszillieren, werden neue Interpretationen sichtbar und zugänglich. Das Prinzips der Interpretationsvariabilität, das in konventionellen Kommunikationsprozessen als unvermeidlicher Störfaktor wirkt, wird bei Fakes zum Fundament, das die Kommunikationsweise des Fakes überhaupt ermöglicht – das Fake will nicht wörtlich genommen werden, sondern Reflexionen über den Urheber und den Inhalt der Botschaft auslösen. Seine Offenheit bedeutet aber auch, daß seine Resultate niemals mit Sicherheit vorhersagbar sind. Das Fake will subversive Lesarten in die Texte und Sprechweisen der Macht einschleusen. Jedes überzeugende Fake ist eine spielerische Negation des strukturalistischen Prinzips „der Text schreibt den Autor“. Doch es ist auch nicht der Faker, der den Text des Fakes schreibt: Der vorhandene Text der Macht ist existent, er ist dem Zugriff der Faker zugänglich, ein Teil unserer Sprache. Das Prinzip der Sprache selbst erlaubt es, daß die Position

derjenigen, die eine bestimmte Aussage ausspricht (zumindest potentiell) von jeder eingenommen werden kann: Auch von denen, die die in der Ordnung des Diskurses vorgesehene Legitimation nicht besitzen, kann der Tonfall der Macht imitiert werden. In diesem Sinne ist Sprache vieldeutig und anarchisch. Dieselbe Entwicklung, die die Wirkungen der Macht in die Sprache der Individuen verlagert hat und die Praktiken des Sprechens selbst zu Instrumenten der Machtausübung werden ließ, eröffnet den Fakern Möglichkeiten der Subversion. Alle kennen nun die Sprache der Macht: So kann das Fake zur subversiven Alltagspraxis werden. Da die Ausübung der Macht überall in der Gesellschaft stattfindet, also nicht mehr nur Sache einer kleinen Elite ist, wird auch die entsprechende Sprache (anders als z.B. Latein im Mittelalter) von vielen gesprochen. Besonders gut beherrschen den Tonfall der Macht diejenigen, die sich im Umfeld der Kommunikation und Werbung bewegen (Viele >Pranksters sind hauptberuflich Universitätsdozenten oder in der Werbung als Designer oder Texter tätig.). In diesem Sinne ist das Fake eher eine Praxisform von Mittelklassedissidenten als von denjenigen, die, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, der Unterdrückung am meisten ausgesetzt sind. Das Fake funktioniert vielleicht dann am besten, wenn sich die Identitäten der Faker und der Gefakten berühren. Gerade die Tatsache, daß diese Nähe bei vielen Linken besteht, mag auch eine Ursache für ihre Schwierigkeiten mit einer solchen Praxis sein. Beim Faken ist es wichtig, sich der Vielfältigkeit der eigenen Identitäten und Zugehörigkeiten bewußt zu sein und damit spielerisch umzugehen. Nur dann können die Identitäten und Identitätsfragmente der Schreibenden in ihren Sprachmöglichkeiten auch ausgeschöpft werden.

9 [fig. 50]

:

„The Birth of Feminism.“ >Guerilla Girls.

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USA, 1998.

[fig. 51] „What´s next – Living Wages?“ Billboard Liberation. USA, 2002. FPEGO`FSSO


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:Funktionsweise Die Taktik des Fakens beruht auf einem Paradox: Das Fake sollte einerseits möglichst wenig als solches erkennbar sein (die Fälschung muß gut sein), es soll aber zugleich einen Kommunikationsprozeß auslösen, in dem klar wird, daß die Information falsch war: Das Fake muß aufgedeckt werden. Kurzgefaßt lautet die Formel: Fake = Fälschung + Aufdeckung/Dementi/Bekenntnis. Dabei liegen auf beiden Seiten Stolpersteine für die Faker. Ein Fake, das sofort erkannt wird, weil die Fälschung schlecht ist, wird im besten Fall als gute Satire gelesen, im schlechtesten Fall als schlechtes Flugblatt. Heute ist es kein Problem mehr, optisch überzeugende Fälschungen zu produzieren. Viel schwieriger ist es, den Tonfall und die Rhetorik der Macht überzeugend zu imitieren. Linke Jargonausdrücke beispielsweise führen dazu, daß die Leser den Fakern spätestens nach zwei Sätzen auf die Schliche kommen. Andererseits ist ein Fake, das überhaupt nicht erkannt wird, im Sinne der Urheber für den Eimer. Im schlimmsten Falle verdoppelt und bekräftigt es den imitierten Machtdiskurs. Entscheidend für die Wirkung des Fakes ist, daß Irritationen über eine zunächst scheinbar eindeutige Kommunikationssituation entstehen. Ziel ist es, einen Kommunikationsprozeß über Fragen auszulösen wie: Kann es sein, daß diese Aussage von jenem Sprecher kommt? Wenn ja: Was ist davon zu halten? Wenn nein: Warum nicht, und von wem dann? Die Aussage ist zwar plausibel, aber irgendetwas stimmt nicht, nur was? Ein Beispiel: eine Autorität fordert ein Verhalten, das antiautoritär ist. Die Leute stehen vor der Wahl: entweder sie gehorchen der Autorität, indem sie sich antiautoritär verhalten, oder sie verhalten sich autoritär, indem sie der Autorität nicht gehorchen. Solche Paradoxa oder auch Double-Binds führen häufig zu Rückfragen beim (scheinbaren) Urheber. Unter Umständen kommt ein Fake aber auch erst durch das Bekenntnis der Faker in die Diskussion. Das gilt insbesondere dann, wenn die Medien einem Fake

aufgesessen sind, da diese wenig Interesse haben, ihre Pannen an die große Glocke zu hängen. Meist ist aber ein explizites Bekenntnis unnötig, da es einen sonderbaren Brauch gibt, der den Fakern diese Mühe fast zuverlässig erspart: das Dementi. Mit dem Dementi versucht die Macht, die gestörte Ordnung des Diskurses wiederherzustellen: Der Gefakte meldet sich höchstpersönlich zu Wort und erklärt allen oder möglichst vielen, wie es wirklich ist. Wer tatsächlich im Namen der Macht spricht, traut den Leuten wohl nicht zu, ein Fake selbst zu erkennen. Die Faker wissen es zu schätzen. Denn durch das Dementi erhält das Fake ein quasi amtliches Gütesiegel. Da dies in der Regel über die Massenmedien verbreitet wird, verleiht es ihm außerdem eine Publizität, die oft über seine eigentliche Reichweite weit hinausgeht. Gerade weil Dementis nahezu automatisch erfolgen, wurden sie von manchen Fakern auch schon bewußt benutzt. Sie bieten eine Spielwiese für ganz spezielle Fakes. Diese Fakes höherer Ordnung treiben mit der literarischen Form des Dementi ihr Unwesen. Im einfachsten Fall wirken sie durch das Kopfschütteln, das ausgelöst wird, wenn ein Dementi erfolgt, obwohl alles in Ordnung zu sein scheint. Ein solches Dementi kann durch ein bewußt harmloses Fake provoziert werden, das eigentlich niemandem auffällt. Besonders elegant und arbeitssparend ist es, wenn Faker die Vertreter der Macht die ganze Arbeit tun lassen. Es "" genügt, sie von der Existenz eines fiktiven Fakes zu überzeugen – wenn es klappt, dementieren sie etwas, von dem nie jemand gehört hat. Auch ein gefälschtes Dementi ohne vorhergehendes Fake wurde schon ausprobiert, wobei die Faker davon ausgingen, daß das Dementi eines Dementi halsbrecherische diskursive Verrenkungen verlangt. Auch als Medienstrategie läßt sich das Dementi einsetzen: Die Faker selbst haben in der Regel wenig Möglichkeiten, ein Thema in die bürgerlichen Massenmedien zu bringen, für Behörden und andere Institutionen ist

SpassGuerilla. Münster 1994.

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Autonome A.f.r.i.k.a.Gruppe, Blisset, Luther

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und Brünzels, Sonja:

(

Kommunikationsguerilla.

Handbuch der

Berlin 2001.

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das aber kein Problem. Was liegt näher, als sie durch ein Fake dazu zu veranlassen, ein Dementi in den Medien zu verbreiten und so den Faker die Medienarbeit abzunehmen? Dabei verlassen sich die Fakerinnen auf die Interpretationsvariabilität, also darauf, daß die mediale Thematisierung die von ihnen gewünschten Lesarten zumindest möglich macht. Ein Beispiel: Wenn in den Medien erklärt wird, daß im Atomkraftwerk XY kein Störfall stattgefunden habe, löst diese Meldung viel eher Zweifel an seiner Sicherheit aus, als wenn über das AKW gar nicht berichtet worden wäre.

Werbefachleute kennen ein ähnliches Prinzip – mit umgekehrtem Vorzeichen: Jede Presse ist eine gute Presse, solange das Produkt nur in den Medien präsent ist. Und so erstaunt es nicht, daß auch sie das Fake für sich entdeckt haben: Der Sender VOX warb für seine Serie „Space“, indem er im Namen einer „Initiative: Boykottiert Space!“ eine gefakete Anzeige gegen seine eigene Serie schaltete. Eine Typologie des Fakes läßt sich entlang verschiedener Linien formulieren: Danach, wer gefaket wird, oder danach, an wen sich die Fakes richten.

. [fig. 52]

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„It´s not GM (genetically

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Subvertise.org.

modified)“

USA, 2001.

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[ fig. 53 ] „Bigbucks (grosse Kohle)“ Starbucks-Fake-Logo. USA, 2002.

:Culture Jamming Culture Jamming ist die künstlerische Strategie des zivilen Ungehorsams: >Fakes, >Adbusting, und Semiotic >Sniping sind die neuen Subversionsstrategien im Reich der Zeichen und im Kampf um die Rückeroberung des öffentlichen Raumes. Der öffentliche Raum, den die >Situationisten ebenso wie die >Punks als soziopolitisches Aktionsfeld und als Lebensraum zur Rückeroberung der Subjektivität verstehen, entwickelte sich im letzten Jahrzehnt zu einer gigantischen Shopping Mall. Es gibt praktisch keine Logo-freie Fläche mehr im Stadtraum. Die Warenwelt ist Naturzustand geworden. Und das, was wir gemeinhin unter Natur verstehen – grüne Bäume, saubere Flüsse oder Baggerseen – wurde zu einem Erzeugnis der Freizeit- und Dienstleistungsindustrie. Unsere visuelle Kultur ist bis ins kleinste Detail und bis in die letzte Ecke Privatleben kolonialisiert, von Kommerz und falschen Versprechen durchdrungen, vollgestopft mit Infotainment, Botschaften, Slogans und Symbolen, die kein Sterblicher zu einem Gesamtbild mehr zusammenfügen kann. Der Kapitalismus hat sich zu einem System entwickelt, das die Produktion von Zeichen und Bedeutungen extrem beschleunigt. Mit Zeichen sind Bedeutungsträger gemeint, die kulturell-ökonomischen Wert annehmen können. Angesichts einer exorbitanten Produktion von Zeichen und Bedeutungen, hinter der die Unterscheidung zwischen politischen, ökonomischen und kulturellen Sphären verschwindet, scheint die Frage wichtig, nach welcher Logik diese Produktion funktioniert. Unsere Erfahrungswirklichkeit besteht in zunehmendem Maße aus Zeichen, die in Folge der kapitalistischen

Logik mit Bedeutungen und Werten versehen werden. Mit Erfahrungswirklichkeit ist die Realität gemeint, mit der sich ein Subjekt auseinandersetzt, an der es sich reibt und in der es handelt, aus der heraus sich seine Projektionen, Ängste und Erwartungen ableiten und anhand welcher sich Subjekte spiegeln, selbst erkennen oder entwerfen. Der in einer kapitalistischen Produktionslogik geschaffene „hyperreale“ Zeichenkosmos steht nicht mehr kausal mit der konkreten Realität in Verbindung. Der Verlust der „irdischen“ Referenz der Zeichen ist ein zentraler Punkt in der Kritik des Kapitalismus als Zeichenmaschine und des Wandels der Herrschaftsausübung über das Symbolische. Mit der zunehmenden Zeichenhaftigkeit, Immaterialität und Virtualität der Waren im fortgeschrittenen Kapitalismus hat sich die Vorstellung von einer „hausbackenen Naturalform“ der Waren endgültig erledigt. Das Resultat dieser Entwicklung ist die Emanzipation der Zeichen gegenüber dem Realen, wie beispielsweise die Rezeption der Bilder von Andy Warhol zeigt. Zeichen müs"" sen nicht mehr repräsentieren, wie dies im Zeitalter der Imitation der Fall war, und sie gehorchen auch nicht mehr einer Logik der seriellen Produktion oder der „technischen Reproduzierbarkeit“ im Sinne Walter Benjamins. Im Zeitalter der Simulation bewegen sich Wert und Sinn außerhalb der konkret erfahrbaren Realität in einer „Hyperrealität“, einer Art Paralleluniversum, einem Reich der Zeichen, das nicht mehr denselben Gesetzmäßigkeiten folgt wie jenen der Dinge, die sie einmal bezeichneten.

Dery, Mark: Culture Jamming. Culture Jamming, Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993.

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Gesellschaft des

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Hamburg, 1978.

Spektakels.

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Die einzige Möglichkeit autonomer Sinnerzeugung innerhalb der gesellschaftlichen Produktionsmaschine von Zeichen ist die Produktion eigener Zeichen. Diese Schlussfolgerung liegt den Subversionsstrategien zugrunde, die unter Begriffen wie Culture Jamming in Formen der Aneignung, der Entwendung, der Parodie und der Verfremdung von Medienereignissen und -kampagnen zur Anwendung kommen. Die künstlerischen Strategie dieser neuen Form des zivilen Ungehorsams besteht darin, den Konflikt als Form gesellschaftlicher Auseinandersetzung wieder zu legitimieren und eine neue Grammatik des Politischen zu etablieren. Dabei wird auf Baudrillards Überlegung gesetzt, dass es dem System nicht mehr möglich ist, Kritik als illegitim zu entwerten, also auf Kritik in der Form einer Gabe zu antworten, welche die Bürger zufrieden stellt. Das Stadtbild und unser Innenleben sind vollgepflastert mit den Kauf- und Lebensgestaltungsappellen der Werbeindustrie, welcher wir kaum etwas entgegen setzen können. Insbesondere die Gesetze zum Schutz der Marken machen es unmöglich, eine Marke öffentlich zu kritisieren. Die Gemeinsamkeit aller sozialen Bewegungen liegt im Kampf gegen Autoritäten, in der Bereitschaft, Risiken einzugehen und in der Hingabe, Momente der Wahr-

heit freizusetzen. Die Notwendigkeit, die geltenden Normen und Gesetze in Theorie und Praxis zu durchbrechen, hatten bereits die >Situationisten formuliert. Die Situationistische Internationale (SI) hatte sich 1957 als Zusammenschluß radikaler Künstler- und Intellektuellenzirkel gegründet. Der Begriff des Spektakels ist zentral für ihre Gesellschaftsanalyse. Er orientiert sich an der Analyse des Warenfetischismus von Marx, der gesellschaftliche Beziehungen als Beziehungen zwischen Dingen fasst, was in der „Gesellschaft des Spektakels“ noch verstärkt wird durch einen massenmedialen Totalitarismus. Die Bilder vom eigentlichen Leben ersetzen das eigentliche Leben. Das Spektakel hält die Menschen in einer unmündigen Massentrance und ist ein Mechanismus der sozialen Kontrolle, in der diese als freie Wahl erscheint. Die Situationisten entwickelten eine Methode der permanenten Entfremdung von gesellschaftlichen Konventionen. Sie zielten mit dieser Subversionsstrategie darauf, erstarrte Elemente in Theorie und Praxis neu zu beleben. Die Situationisten suchten nach Rissen innerhalb der Gesellschaft, die sie mit Satire, Bluffs, Provokationen vergrößern wollten. Ihre Schriften und Aktionen enthielten einen Vollstreckungsbefehl an die Wirklichkeit.

[fig. 54] „Enjoy Capitalism“

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>Stencil-Entwendung. USA, 2001.

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'YPXYVI.EQQMRK  /SQQYRMOEXMZIW'LESW [ fig. 55 ] „Disney War“-Stencil. Unbekannt. USA, 2002.

:Kommunikatives Chaos Kommunikatives Chaos entsteht in einer Situation, in der die Zuordnung von Sprechern und Aussagen endgültig unmöglich ist. Mit Fakes höherer Ordnung wurden solche Situationen wenigstens ansatzweise realisiert. In beiden Golfkriegen zum Beispiel wurden Formen der medialen und außermedialen Desinformation umfassend eingesetzt. Doch sind die Überschneidungen zum Fake geringer als es zunächst scheint, denn die Fälschungen der Geheimdienste zielen in der Regel auf die Information selbst. Die falsche Information soll Handlungen des Gegners beeinflußen, auslösen oder verhindern oder auch dazu beitragen, die eigenen Reihen zu schließen. Die geheimdienstliche Fälschung benutzt die Kommunikationskanäle in durchaus linearer Weise, und tauscht lediglich den Sender der Botschaft heimlich aus. Sie arbeitet nicht mit der Vieldeutigkeit von Information. Anders als die geheimdienstliche Fälschung

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ist das Fake eine Sprechweise von ohnmächtigen Stimmen, die durch die diskursiven Ordnungsstrukturen zum Schweigen verurteilt sind. Als Instrument zur Delegitimation des Rederechts der Macht zielt es auf die Struktur des Kommunikationsprozesses selbst. In Auseinandersetzungen um den Besitz der Macht wäre diese Form grundsätzlicher Kritik das letzte, was Sinn machen würde. Es ist kein Zufall, daß die Techniken des Fakes in kriegerischen Auseinandersetzungen keine wesentliche Rolle spielen. Weil das Fake nicht darauf abzielt, „strategische“ Positionen zu erringen und im Kampf um die Macht mitzumischen, kann es seine eigene Aufdeckung einkalkulieren und zu einer Waffe der kommunikativen Subversion machen. Indem sie sich dem Spiel um die Macht zumindest in Augenblicken verweigern, gewinnen die Faker neue Möglichkeiten des Angriffs, der Subversion und der praktischen Kritik.

McLaren, Carrie: Culture Jamming (TM) brought to you by Adbusters. San Francisco, 1990.

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:Subversive Affirmation

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Debord, Guy-Ernest und

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Gebrauchsanweisung für

Wolman Gil J.:

die Zweckentfremdung.

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Hamburg, 1995.

Eine wirkungsvolle Vorgehensweise zur Verfremdung gegebener Formen, Aussagen oder Regeln ist es, sie in einer übertriebenen und daher in einer gegebenen Situation unpassend wirkenden Weise einzusetzen. Ein Paradebeispiel für übertriebene Zustimmung ist der Auftritt von Herrn und Frau Müller, die bei einer Diskussion im Schweizer Fernsehen anläßlich der Züricher Jugendunruhen 1981 nicht die Meinung der Bewegung vertraten, als deren Vertreter sie eigentlich geladen waren, sondern stattdessen die Position ihrer Gegner grotesk zuspitzten und stärkere Tränengasgranaten forderten. Eine solche „Subversive Affirmation“ schafft Distanz zu den verwendeten Formen oder Aussagen, indem sie sie übertreibt. Damit verwandelt sich die vordergründige Bestätigung in ihr Gegenteil. Ein praktischer Vorteil der subversiven Affirmation liegt darin, daß sie sich der äußeren Form der Zustimmung bedient. Die so geäußerte Kritik ist zwar deutlich erkennbar, läßt sich aber nicht einfach einordnen und kann kaum unterbunden werden. Insbesondere in Situationen, in denen Gegenveranstaltungen erwartet werden, die unter Umständen sogar in das Kalkül der herrschenden Politik passen würden, kann subversive Affirmation eine praktikable Methode sein, sich mit wenig Aufwand und viel Wirkung an den Sicherheitsvorkehrungen vorbeizumanövrieren. Mannigfaltige Gelegenheiten für die Erprobung der subversiven Affirmation bieten sich bei Wahlveranstaltungen: Übertriebener Applaus wirkt nicht als störende Kritik, solange er tatsächlich als frenetisches Abfeiern der beklatschten Person verstanden wird. Sobald aber deutlich ist, daß die

falschen Personen klatschen und daß die gewählten Momente für den Beifall irgendwie daneben sind, applaudieren aus Sicht der Veranstalter bald nur noch die Falschen. Dabei kommt es auf die Situation und ihre Möglichkeiten an. Während bei Großkundgebungen in großen Hallen oder auf Marktplätzen durch geschickt eingesetztes Klatschen immerhin die Redezeit verkürzt werden kann, läßt sich bei kleineren und mittleren Versammlungen schon mal der ganze Verlauf einer Wahlveranstaltung umdrehen. Am 1. Juni 1994 unternahm es das Komitee „Mit Spaß gegen den Extremismus der Mitte“, mit „der pfiffigsten und lustigsten Massenaktion, die es seit Jahren gab“, Helmut Kohl während eines Wahlkampfauftrittes auszujubeln. Am wirkungsvollsten ist die Methode der Verfremdung durch Affirmation aber, wenn sie eine oszillierende Wahrnehmung bewirkt, d.h. wenn die Übertreibung offensichtlich genug ist, daß sie irritiert und verunsichert, aber doch so versteckt bleibt, daß sie nicht eindeutig zuordenbar und identifizierbar ist. Eine solche Vorgehensweise kann allerdings leicht in ihr Gegenteil umschlagen: Wenn das Element der Verfremdung nicht transportiert wird, wirkt das Ganze einfach als Bestätigung der herrschenden Verhältnisse. Die Verfremdung wird deutlicher, wenn zugleich die falsche Person handelt oder wenn sich die Handlung auf das falsche Objekt bezieht. Polizisten, die vor dem New Yorker Rathaus für Lohnerhöungen demonstrierten, mußten erleben, daß sich Jugendliche aus dem Umfeld der >Yippies über die Demonstration künstlich aufregten und sie lautstark mit den sonst üblichen Kommentaren ""

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7YFZIVWMZI%JJMVQEXMSR [ fig. 56 ] Flugblatt der Yippies. Youth International Party (>Yippies), USA, 1971.

bedachten: „Go back to Russia, you hippiecommieanarchists!“, „Get a job!“ oder „Take a bath!“. Die Meinung, daß Demonstranten ungepflegte Gammler seien und lieber anständig arbeiten sollten, ist weit verbreitet. In diesem Falle ging die Beschimpfung allerdings von denen aus, die sonst beschimpft werden, und die demonstrierenden Ordnungshüter waren offensichtlich die „falschen“ Opfer. Wir haben es hier mit einer Umkehrung, einer „symbolischen Inversion“ zu tun. Die Verfremdung durch subversive Affirmation basiert also darauf, daß die falschen Leute das „Richtige“ tun, oder daß das „Richtige“, d. h. das Normale, Erwartbare, im falschen Moment oder am falschen, unangemessenen Ort geschieht. Während der Kruzifix-Kundgebung des gesamtbayrischen /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

Zentralkomitees verteilte ein „Islamistenpärchen“ Al Dschihad-Flugblätter. Ihr Text appellierte an die gemeinsame fundamentalistische Basis aller Gläubigen. Sie solidarisierten sich mit der „gerechten Sache des bayrischen Volkes“ und wandten sich gegen die Trennung von Religion und Staat. Das Ergebnis war eine schöne Verwirrung. Während die einen den Auftritt als islamistisch-missionarische Provokation begriffen und entsprechend krachledernd ahnden wollten, nahmen andere die beiden in Schutz: „Wieso, die sind doch für uns!“. Das Ergebnis war eine wesentlich intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik der allgemeinen Toleranz als mit den urbayerischen Mythologien wie Lederhosen oder Kreuzifix.

Gruber, Klemens: Die zerstreute Avantgarde. Wien/Köln, 1989.

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[fig. 57] „Give us back the stars!“ Adbusters, USA, 2003.

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:Collage und Montage Spies, Werner: Max Ernst und die Collage. Köln,

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1988.

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Debord, Guy: Die

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Spektakels. Hamburg,

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Gesellschaft des

1978.

Die >Collage ist ein formales Mittel, das im Kunstbereich entwickelt wurde und ursprünglich das Ziel verfolgte, selbstverständliche Wahrnehmungsmuster von Realität durcheinanderzubringen. Gemaltes und eingeklebte Fundstücke sind nicht mehr auf den ersten Blick unterscheidbar. Gegenstände und Materialien werden in einen neuen Kontext gestellt und durch Uminterpretation und sinnentstellende Verwendung ihrem ursprünglichen Sinn entzogen. Zugleich werden dabei Bedeutungen und Assoziationen von „außen“ in das Kunstwerk übertragen. Die Collage zerstörte traditionelle Konventionen des Malens und Zeichnens. Sie arbeitet in der Bildenden Kunst mit der Koppelung von Verstreutem und Zufälligem, der Aufnahme von Realitätspartikeln in Bilder (z. B. Papierfetzen mit Wortfragmenten, Stoff oder Holzstückchen). Auch in der Literatur sollen Collagetechniken eine Poetisierung des Ungleichen oder Unzusammenhängenden, des eigentlich nicht Zusammenpassenden bewirken. Wichtig ist daß die verwendeten Elemente zu einem semantisch (inhaltlich) mehrdeutigen Gebilde zusammengesetzt werden. Insbesondere im Zusammenhang mit dem Dadaismus, der „Belle Epoque der Verneinung“, läßt sich die Verwendung dieser Verfremdungs-Technik als Versuch eines „Kulturputsches“ beschreib-

en. Für die >Dadaisten demonstrierte die Herstellung von Collagen ihre Ablehnung der etablierten Kunst. Sie setzten der vorherrschenden Vorstellung von Künstlergenialität das Konzept einer Poesie des Zufälligen entgegen, die keine Genies mehr braucht, sondern quasi aus sich selbst heraus entsteht. Die Surrealisten experimentierten damit, durch das Zusammensetzen von intuitiv zusammengesammelten Versatzstücken neue und unerwartete Bedeutungszusammenhänge entstehen zu lassen. Sie gingen davon aus, dass sich durch Collagetechniken das kreative Potential des Unbewußten zum Vorschein bringen lässt. Die Collagetechnik wurde im Kunstbetrieb im Gegensatz zur (Photo-) Montage zumeist nicht als explizit politisches Mittel angesehen. Heutzutage ist nur noch schwer nachvollziehbar, daß im April 1920 in Köln eine Dada-Ausstellung unter Beteiligung von Hans Arp, Max Ernst u.a. von der Polizei vorübergehend geschlossen wurde. In der Methode, Fragmente aus unterschiedlichen Kontexten herauszunehmen und durch ihre Kombination neue Bedeutungszusammenhänge herzustellen, liegt ein subversives Potential. Durch Collagen ist es beispielsweise möglich, den gedruckten Verlautbarungen von Politikern oder Institutionen Texte und Bilder gegenüberzustellen, die deren "" FPEGO`FSSO


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Selbstdarstellungen ins Gegenteil verkehren, aufbrechen und delegitimieren. Während die Collage mit der Ästhetik des Zufälligen arbeitet, sind Montagetechniken zielgerichtete und bewußte Formen politischer Agitation. Einer ihrer wichtigsten Vertreter war John Heartfield, der aus dem Berliner Dada kam. Seine explizit politischen, vor allem gegen den Faschismus gerichteten Arbeiten beruhen auf dem Zusammensetzen von Fotografien, Texten und grafischen Elementen. Die Photomontage diente den Berliner Dadaisten als künstlerische Ausdrucksform ihrer politischen Kritik, wobei sie Photos aus politischen Reportagen in den Illustrierten als Rohstoff verwendeten. Montagen beschrän-

ken sich aber nicht auf graphische Arbeiten, sondern wurden seit den 20er Jahren auch im politischen Theater und im Film (Eisenstein, Brecht, Piscator) eingesetzt. In den letzten dreißig Jahren ist insbesondere der Heidelberger Grafiker >Klaus Staeck mit dieser Technik bekannt geworden. Aber auch nicht wenige Kommunikationsguerilleras greifen auf diese Technik zurück. Allerdings erlauben die technischen Möglichkeiten heutzutage viel exaktere und kaum noch erkennbare Montagen. Insbesondere beim >Subvertising, wie es zum Beispiel von der Zeitschrift >Adbusters Magazine betrieben wird, finden solche Montagen Verwendung. Auch bei Erfindungen und >Fakes sind oft ähnliche Techniken von Bedeutung.

Gruber, Klemens: Die zerstreute Avantgarde. Strategische Kommunikation im Italien der 70er Jahre. Wien/Köln, 1989.

[ fig. 58 ] Crattage an Grosswerbeplakat von Héphaistos. Paris, F, 2003.

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:Entwendung / Umdeutung Debord, Guy-Ernest/ Wolman Gil J.:

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Gebrauchsanweisung für die Entwendung. In:

(

Ducasse, Isidor (Lautréamont): Poesie.

)

Hamburg 1979.

* + , . /

Debord Guy: Rapport zur Konstruktion von Situationen. Hamburg 1980.

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Unter Entwendung bzw. Umdeutung wird eine Methode der Verfremdung verstanden, die den Blick auf allgemein bekannte Gegenstände oder Bilder verändert, indem sie sie aus ihrem gewohnten Kontext herausreißt und in einen neuen, ungewohnten Zusammenhang stellt. Diese Methode wird in der Popkultur „ Sampling“ genannt, erfolgt im visuellen Bereich zumeist über Collagen oder Montagen, inzwischen auch per Computer. Allerdings können ebenso Begriffe oder Sätze entwendet werden. Eine verbreitete Form der Entwendung ist die Parodie, bei der entweder die Ästhetik oder der Inhalt eines Textes aus dem ursprünglichen Zusammenhang gerissen und in einen anderen, zumeist die bisherige Aussage kritisierenden, Kontext überführt und damit umgedeutet werden. Erstmals wird die Entwendung 1956 von den Situationisten theoretisch definiert: „Die kulturelle Kreation, die man situatio-

nistisch nennen kann, beginnt mit den Projekten des unitären Urbanismus oder der Konstruktion von Situationen im Leben, so daß ihre Realisationen von der Geschichte der Realisierungsbewegung der gesamten, in der gegenwärtigen Gesellschaft enthaltenen revolutionären Möglichkeiten nicht zu trennen sind. Doch kann in der unmittelbaren Aktion, die in dem Rahmen durchgeführt werden muß, den wir zerstören wollen, eine kritische Kunst heute schon mit den den Mitteln des vorhandenen Ausdrucks – vom Film bis zu Bildern – gemacht werden. Das haben die Situationisten durch die Theorie der Entwendung zusammengefaßt.“ Kunstkritische Einzelpersonen oder Künstlergruppen bedienten sich der Verfremdungsmethode der Entwendung. Bekannt geworden sind die „Ready Mades“ von Marcel Duchamp; auch Joseph Beuys ging oft ähnlich vor. Hier muß auch der Plagiarismus genannt ""

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[fig. 59 – 60]

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Zwei typische Shell-

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Subvertising.

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Verfremdungen des

Unbekannt, USA, ca.1992.

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)RX[IRHYRK  9QHIYXYRK [ fig. 61 ] Bumper-Sticker für spritfressende Geländewagen. > Slumber Inc., USA, 2003.

werden, bei dem nicht nur Ideen und Texte anderer als eigene ausgegeben werden, sondern auch aus dem ursprünglichen Kontext gerissene Bilder oder Photos. Während Entwendungen und Umdeutungen im künstlerischen Bereich durch Musealisierung banaler und alltäglicher Gegenstände die Fragwürdigkeit des hochkulturellen Kunstverständnisses zeigen sollen, nahmen die Situationisten umgekehrt Formen der Popularkultur, der Alltagsgraphik und der Werbung und verknüpften sie mit politischen Analysen. Sie sahen etwa in Comics eine adäquate Ausdrucksform der Gesellschaft und gingen daran, sie aus ihrem gewohnten Kontext, der Groschen-Unterhaltungsliteratur, zu entwenden und mit neuen Inhalten zu versehen. Durch Entwendung von Bildern, Begriffen und Texten aus der hegemonialen Ästhetik oder aus den Diskursen der Macht kann deren zumeist verschleierte ideologische Funktion augenfälliger vorgeführt und dekonstruiert werden, als es durch analytischen Klartext möglich wäre. Ein wichtiges Mittel subversiver Kommunikation ist der radikale Gebrauch dessen, was allen scheinbar zu Verfügung steht: Sprache. Dabei ist Sprache nicht mehr nur Mittel zum Transport der jeweiligen Wahrheit, sondern ihre Strukturen werden selbst zum Ziel des Angriffes. Denn Sprache beschreibt nicht nur andere Dinge, sondern ist ebenfalls ein Ding für sich, ein Regelwerk, das es zu verletzen, zu entwenden und umzudeuten gilt. Sie ist ein Ordnungssystem, „dessen Macht nicht zuletzt darauf gegründet ist, als fraglos hingenommen zu werden“. Es geht also darum, die friedliche Ordnung der Zeichen zu stören, um überhaupt

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auf dieses Ordnungssystem und seine stabilisierenden Funktionen aufmerksam machen zu können. Im besten Falle heißt das, sich der Leerstellen zu bemächtigen, das Ungesagte auszusprechen und gleichzeitig aufzudecken, wie das Entleeren und Schweigen in der Sprache selbst verborgen wirkt. Eine solche Entwendung und Umdeutung greift die symbolischen Fundamente der sozialen Ordnung an. Eine subversive Sprache hat das Ziel, die offizielle Darstellung der Realität zu widerlegen, das Bild der Welt zu verrücken und die Koordinatentafel der Wahrheiten in Unordnung bringen, indem sie die institutionellen Codes unterläuft. Barthes hat dieses Konzept von Subversion in Form einer Frage formuliert: „Ist die beste Subversion nicht die, Codes zu entstellen statt sie zu zerstören?“ Eine weitere Technik der Entwendung ist die Parodie. Sie zwingt die Zuhörer auf wunderbare Weise genau, wenn nicht sogar mit zwei Ohren hinzuhören. Das eine Ohr für das Original in seinem ursprünglichen Kontext und das andere Ohr für die entstellte oder umgedeutete Version der Parodie. Zwischen den beiden Seiten liegt die Konfrontation zweier Sprachstile, welche auf das Unausgesprochene im ursprünglichen Text aufmerksam macht. Parodie macht lächerlich, ist aber keine Geste der Überlegenheit sondern ein Mittel des Kampfes im Hinterfragen von scheinbar natürlichen Formen wer über was wie nachzudenken und zu sprechen hat. Oder mit wem aufgrund der angeblich allen einsichtigen Hierarchien in dieser Gesellschaft das Sprechen nicht möglich ist.

Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964.

Autonome A.f.r.i.k.a.Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

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:Subkultur / Subversion

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Debord, Guy-Ernest und

(

Gebrauchsanweisung für

Wolman Gil J.:

die Zweckentfremdung.

)

Hamburg, 1995.

* + , .

Marcus, Greil: Lipstick Traces. Von Dada bis Punk – kulturelle Avantgarden und ihre Wege aus dem 20. Jahrhundert. München, 1992.

/ 0 Debord Guy:

1

Rapport zur Konstruktion von Situationen.

2

Hamburg, 1980.

3 4 5

[fig. 62]

Das Problem mit der Subkultur fängt aber schon weit vorher an, nämlich bei der Frage, was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Während sich der früher geläufige Begriff der „Gegenkultur“ auf jene kulturellen Praxen konzentrierte, die Gegenmacht, Dissidenz, Verweigerung und Aussteigen und eine an diesen Begriffen orientierte Lebensweise in den Mittelpunkt ihres Selbstverständnisses stellen, war der Subkulturbegriff zu Anfang verpönt, weil er aus der Affirmativen Soziologie stammte und mit Devianz, Anpassungsproblemen und Anomalie negativ besetzt war. Nachdem er zum positiv konnotierten Bezugspunkt avancierte, umfaßt er heute schon das schlichte Bekenntnis zu einer Musikszene wie Techno oder HipHop, Reggae oder Punk – sprich zu einem Stil. Interessanterweise dreht sich der Diskurs um Subkultur hauptsächlich um medial vermittelte Phänomene aus der Musikszene. Es geht um Codes und Styles, die von der Medienwelt auf- und alsbald vom Mainstream abgegriffen werden (können). Ein Beispiel sind die „Riot Grrrls“, die, noch bevor sie in Europa überhaupt bekannt waren, zum domestizierten, frech-unkomplizierten, antifeministischen Mädelskult unter dem Stichwort „ Girlie“ verramscht wurden. Die Subkulturkritik reagiert auf diese Entwicklung oft mit Rundumschlägen. Liedtexte aus dem HipHop und Gangsta-Rap werden

auf politische Korrektheit überprüft, die CDs im Gegenzug mit Street-Credibility liebäugelnden Stickern versehen: „Expilicit Lyrics!“ – Videos werden analysiert, und am Ende steht zumeist die Note „ungenügend“. Die Hoffnung auf Subversion hing aber nie von einem Musikstil ab, sondern immer von einer Praxis, für die Musikstile Bezugspunkt und Erkennungsmerkmal sein können, nicht mehr und nicht weniger. Jeder Vorwurf eines Verrats oder eines Ausverkaufs, komme er von den Protagonisten eines Stils oder seinen Kritikern, zielt daher ins Leere. Eine solche Verkürzung von Subkultur auf Stil geht an ihren eigentlichen Funktionen für soziale Gruppen vollkommen vorbei. Eine Subkulturkritik knüpft an einen reduzierten Politikbegriff an, wenn sie Bereiche, in denen es um die Ausbildung von Gruppenstilen (Mode, Musik etc.) geht, unter Hinweis auf die Kommerzialisierungstendenzen für korrumpierbar oder unpolitisch, ergo für systemkonform und damit politisch irrelevant erklärt. Hinter der lauten Kritik an der kapitalistischen Verwertung von Subkulturen scheint die abstruse Vorstellung auf, es es gebe einen gesellschaftlichen Bereich im Kapitalismus, der dessen Spielregeln entgehen könne. Sie beinhaltet – trotz gegenteiliger Lippenbekenntnisse – die unterschwellige Forderung nach einer kultur""

>Blackbook-Seite

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von Giant. USA, 2002.

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7YFOYPXYV  7YFZIVWMSR [ fig. 63 ] >Mural „Paris gegen den Krieg“ am Pariser Rathaus im Auftrag des Bürgermeisters von Paris. Oedipe, Bears, Ioye/ VMD, Lazoo and Kongo / M AC. F, 2002.

ellen Form, die den Mechanismen der Warengesellschaft enthoben ist. Aber es stellt sich die Frage, warum die Verwertungsmechanismen der kapitalistischen Gesellschaft ausgerechnet vor der Subkultur haltmachen sollten. Die Beständigkeit und Macht des Kapitalismus liegt ja eben darin, daß er alle gesellschaftlichen Bereiche seiner Logik unterordnet und sich selbst die innovatorische Potenz von Dissidenz zunutze macht: Wer glaubt, er könne unter den kapitalistischen Bedingungen einen strategischen Ort behaupten, der hat schon verloren. Letztlich ist die Frage danach, ob Subkultur politisch sei oder nicht, von vornherein falsch gestellt. Politik hat in einer solchen Lesart stets den Charakter strategischen Handelns, der Inbesitznahme, Behauptung und Verteidigung eigener sicherer Orte: „Stellungskrieg“, Machtausübung. Subkultur wird im Rahmen eines solchen Politikbegriffs nur dann als „politisch“ gedacht, wenn sie zum Ausgangspunkt von Praxen wird, die für sich selbst eine strategische Orientierung behaupten oder denen eine solche Orientierung von den Herrschenden unterstellt wird. Ob selbstgewählt oder von außen zugeschrieben, der Preis dafür ist hoch, denn wenn subkulturelle Praxen in einen solchen Diskurs eingebunden werden, müssen sie notwendigerweise kanonisiert und abgesichert werden. Und das heißt konkret: Sie werden mumifiziert, und es wird ungeheuer schwer, sie zu verändern oder ihre Veränderungen zu akzeptieren. Der Preis besteht darin, daß die Subkultur tendenziell ihr wichtigstes und attraktivstes Moment verliert, nämlich ihre Dynamik. Und damit ist tragischerweise nicht einmal etwas gewonnen, denn das Ziel, innerhalb der herrschenden Verhältnisse zumindest in gesellschaftlichen Nischen eine Vormachtstellung zu erlangen und gegen andere Nischenbewohner zu behaupten, schlägt letztlich allen Utopien von

Gesellschaftsveränderung ins Gesicht. Wenn es kein richtiges Leben im falschen gibt, kann es auch keine richtige Macht unter falschen Verhältnissen geben. Grundlegende Veränderung ist nur möglich, wenn auch die Alltagspraxis aller einzelnen von dem Bestreben geprägt ist, neue Lebensweisen zu entwickeln. Hier können Subkulturen wesentliche Ausgangspunkte darstellen. Subkulturelle Räume sind keine Freigehege, die von linken Agitatoren mit dem Blick des Zoologen betreten und vereinnahmt werden können. Sie lassen sich nicht unter linken politstrategischen Gesichtspunkten instrumentalisieren. Und dennoch erwächst das politische Potential der linken Subkulturfans wie auch das ihrer linken Kritiker nicht aus genau diesem umkämpften Terrain. Denn es bietet einen sozialen Rahmen für diejenigen, die sich nicht an bürgerlichen Lebenskonzepten orientieren können oder wollen. Im Umfeld subkultureller Lebensweisen eröffnen sich soziale Räume, in denen linke Zusammenhänge einen Platz finden, doch sie sind nicht identisch mit ihnen und dürfen es auch nicht werden. Die gegenwärtige Subkulturkritik verkennt, daß soziale Bewegungen nicht im Ringen um die richtige Ideologie entstehen. Das Bestreben nach gesellschaftlicher Veränderung entsteht aus Formen der sozialen Praxis. Wer solche Formen von außen kritisiert, weil sie sich nicht in ein vorgegebenes strategisches Konzept einfügen, verwechselt Subversion mit Supervision. Wie könnte eine Politk aussehen, die ohne die Gewißheit strategischer Positionen auskommt? Eines steht fest: Sie läßt sich nicht kodifizieren, festschreiben, in wortreiche Konzepte fassen. Sie ist gezwungen,ihre Utopien eher in kurzen Augenblicken der Überschreitung des Bestehenden zu artikulieren, als sie in großspurigen Erklärungen früherer Tage zu verkünden. Sie ist temporär und immer revisionsbedürftig.

Autonome A.f.r.i.k.a.Gruppe, Blisset, Luther und Brünzels, Sonja: Handbuch der Kommunikationsguerilla. Berlin 2001.

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Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning

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of style. Detroit, 1988.

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Kann eine solche Politik überhaupt ohne klar artikulierte, strategische Konzepte, Momente der Störung oder gar der Subversion der bestehenden Ordnungen befördern? Vielleicht ist auch diese Frage falsch gestellt. Denn für den Begriff der Subversion gilt dasselbe, was für den Begriff des Politischen gilt: Wenn soziale und kulturelle Praxen in bestimmten Augenblicken subversive Kraft entfalten, dann jedenfalls nicht, weil sie durch irgendeinen Diskurs über Pop- oder sonstige Stragegien ein entsprechendes Gütesiegel erhalten haben. Und auch die Grenze, an der Subversion in Innovation umschlägt und somit „systemstabilisierend“ wirkt, ist analytisch kaum in den Griff zu bekommen, weil jede Revolte und jedes Aufbegehren, immer von den Strukturen des zu Überwindenden geprägt sein wird. Jeder Versuch, an (sub)kulturelle Praxen eine Subversionsskala anzulegen, würde bedeuten, genau jenen unkontrollierbaren „Sumpf“ trockenzulegen, jenes Gewirr unterschiedlicher und widersprüchlicher Aktivitäten ordnen zu wollen, aus dem Subversion überhaupt erst entsteht. 

[fig. 64]

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>Blackbook-Seite. Spie, New York.

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;,3 59)00 )20-8)6%89 6%&&-0(92+ )2 Agentur Bilwet: Medien-Archiv. Bensheim/Düsseldorf, 1993. Anonym: Tat ohne Reue. Mannheim, ca. 1990. Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe / Blisset, Luther / Brünzels, Sonja: Handbuch der KG. Berlin 2001. Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964. Baudrillard, Jean: Die fatalen Strategien. München 1991. Baudrillard, Jean: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Berlin, 1978. Bieber, Alain (Hrsg.): Rebel:Art. How to provoke today? Issue 01. Tübingen, 2004. Billboard Liberation Front & Friends. The Art & Science of Billboard Improvement. San Francisco, 1990. Blissett, Luther: Guy Debord is Really Dead. London, 1995. Böckelmann, Frank und Nagel, Herbert: Subversive Aktion. Frankfurt, 1976. Boyd, Andrew: Culture Jamming 101. Pranks with a purpose. San Francisco, 2003. Boyd, Andrew: The Activist Cookbook. Boston, 1997. Conal, Robbie: Art Attack: The midnight politics of a guerilla artist. New York, 1992. Davis, Mike: City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles. Berlin, 1994. De Certeau, Michel: Kunst des Handelns. Berlin, 1988. De:Bug. Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte. Ausgabe 73, 07/08 2003. Berlin, 2003. Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Hamburg, 1978. Debord, Guy-Ernest und Wolman Gil J.: Gebrauchsanweisung für die Zweckentfremdung. Hamburg, 1995. Dery, Mark: Culture Jamming. Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993. Ferrell, Jeff: Crimes of Style. Urban Graffiti and the Politics of Criminality. New York & London, 1993. Foreman, Dave und Haywood, Bill: Ecodefense, A field guide to monkeywreching. New York, 1987. Gruber, Klemens: Die zerstreute Avantgarde. Strategische Kommunikation im Italien der 70er Jahre. Wien, 1989. Haller, Michael (Hrsg.): Aussteigen oder rebellieren. Jugendliche gegen Staat & Gesellschaft. Hamburg, 1981. Hauser, Arnold: Soziologie der Kunst. München, 1988. Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning of style. Detroit, 1988. Home, Stewart: Neoismus, Plagiarismus & Praxis. Edinburgh &San Francisco, 1995. Huth, Peter/Volland, Ernst (Hrsg.): Dies Buch ist pure Fälschung. Frankfurt a. M., 1989. Law, Larry: Buffo! Amazing Tales of Political Pranks and Anarchic Buffoonery. London, 1988. Marcus, Greil: Lipstick Traces. Von Dada bis Punk – kulturelle Avantgarden. München, 1992. McLaren, Carrie: Culture Jamming (TM) brought to you by Adbusters. San Francisco, 1990. Müller, Michael (Hrsg.): Der Sprayer von Zürich. Solidarität mit Harald Naegeli. Hamburg, 1984. Neumann, Renate: Das wilde Schreiben. Graffiti. Sprüche und Zeichen am Rand der Straße. Essen, 1986. Ohrt, Roberto: Phantom Avantgarde. Die Geschichte der SI und der modernen Kunst. Hamburg, 1990. Pfeiffer, Günter: Kunst und Kommunikation. Köln, 1972. Spies, Werner: Max Ernst und die Collage. Köln, 1988. Stahl, Johannes (Hrsg.): Graffiti: zwischen Alltag und Ästhetik. München, 1990 Stahl, Johannes: Graffiti zwischen Anarchie und Galerie. Köln, 1989. UHC Collective: NVDA toolbox, a guide to non-violent direct action. Manchster, 2002. Zürcher Sprayer: Mein Revoltieren, mein Sprayen. Bern 1979. Desweiteren einige Quellen des Internets, besonders sniggle.net und subvertise.org.

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0100101110101101.org – a band of mediaa not-for-profit, reader-supported, artists who use non conventional communi120.000-circulation magazine concerned cation tactics to obtain the largest about the erosion of our physical and visibility with the minimal effort. Past cultural environments by commercial works include staging a >hoax involving forces. “Our work has been embraced by a completely artist, ripping off the organizations like ‘Friends of the Earth’ ‘Holy See’, the ‘Nike-Place’ scam and and ‘Greenpeace’, has been featured in spreading a computer virus as a work of hundreds of alternative and mainstream art. http://0100101110101101.org, Nikenewspapers, magazines, television and groundproject: http://0100101110101101. radio shows around the world.” While org/home/nikeground/intro.html, and two-thirds of Adbusters’ readers reside http://www.nikeground.com/ in the US, the magazine has subscribers in 60 other countries. The readers are Activism – political activism, in contrast professors and students; >activists and to political theories politicians; environmentalists and media ActivistNetwork.org.uk – is a non-profit professionals; corporate watch dogs and making organisation that seeks to proindustry insiders; kids who love their mote the values of peace, equality and slick ad parodies and parents who worry social justice.The aim of the website about their children logging too many is to create an online space that is hours a day in the electronic environunique in its open and transparent nature ment. Adbusters offers incisive philowhere all people who share these prosophical articles as well as activist gressive values are free to share ideas, commentary from around the world addresopinions and information. Though it can sing issues ranging from genetically boast of many fine websites, most of modified foods to media concentration. these are tightly focused on a particular In addition, their annual social markeissue or party. Its aim to make accesting campaigns like ‘Buy Nothing Day’, sing these easier by providing a portal ‘TV Turnoff Week’ and ‘Black Spot Sneaker’ where they are brought together on one have made them an important activist site; by acting as a form of radical networking group. http://adbusters.org/ search engine. The website is intended magazine and powershift@adbusters.org as a practical resource for all radical individuals, groups and organisations. Adbusting – see >subvertising, >Adbusters AHA – means >Activism, >Hacking, >Artivism. http://www.ActivistNetwork.org.uk Adbusters – Media critics and >Subvertiser. A Project on >hacktivism and net.art in >Parodies of billboard ads with subversive Italy. The concept of AHA was created intention. The Masters of >Culture Jamas a consequence to the demonstrations ming, founded in 1977. http://adbusters. of July against the G8 Summit of Genua in 2001, which did not only consist of org/, http://www.blackspotsneaker.org/ hard clashes, repression and violence, and http://adbusters.org/magazine/ as most of mass-media have reported, but Adbusters Magazine – Based in Vancouver, were also an important experience for British Columbia, Canada, >Adbusters is

 % & ' ( ) * + , . / 0 1 2 3 4 5 6 7 8 [fig. 65]

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Wien.

[fig. 66] AHA -Website.

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put it, anarchism is the philosophy that those who want to create bottom-up infor“all the affairs of men should be managed mation, with amateur cameras, movement by individuals or voluntary associations, websites, independent radio networks. and that the state should be abolished”. But AHA is also a project on artistic http://www.ainfos.ca/, http://www. experimentation that uses digital technoanarchie.de/, http://www.anarchismus.at/, logy in its most vital manifestations, http://anarchogeek.com/, http:// necessarily including the critical and www.anarcotico.net/ self-managed use of mass-media. No more art-works but processes, no more origi- Anarchy – New Latin ‘anarchia’, from Greek nality but reproducibility, no more ‘anarkhi’, from ‘anarkhos’, without a representation of a unique genius but ruler; an-, without; it can refer to a collective action. http://www.ecn.org/aha/ theoretical or actual society based on the principles of one or more strains All-city – when a >Writer or >Crew >bombs of the political theory >anarchism. all major subway lines. Anarchism – is a generic term describing Anti-Copyright – The opposition to >Copyright various political philosophies and social law per se is not strictly limited to movements that advocate the elimination >anarchists. The term ‘infoanarchism’ of the state. These philosophies use was coined in recent years to describe anarchy to mean a society based on volunspecific opposition to intellectual tary co-operation of free individuals. property, often including patents. The Philosophical anarchist thought does not classic argument for intellectual property intend to advocate chaos or anomie – it is that protection of author and creator's intends ‘Anarchy’ to refer to a manner rights encourages further creative work of human relations that is intentionally by giving the creator a source of income. established and maintained. While indiSee also >Open Source, >CopyLeft. vidual freedom and opposition to the Antifa – The word ‘Antifa’ is derived from state are primary tenets of anarchism, ‘Antifaschismus’, German for ‘antimost anarchists insist that anarchism fascism’. It is used to refer to groups is much more than that. There is also or organizations, especially in Germany considerable variation between the but increasingly in other European anarchist political philosophies (e.g. countries and elsewhere, that dedicate >Bakunin, Mikhail), to the point that themselves to fight what they call groups with radically different views ‘fascism’, which they take to include may consider themselves anarchist, at all racist, racialist or nationalist the same time denying that other points tendencies and view as a serious and of view should be called anarchist. Two pervasive threat. These groups often areas where opinions vary widely are the include the term ‘Antifa’ in their names. role of violence in society, and the While there is a network of such groups, role of property and/or economics. they do not constitute a homogeneous ‘Egalitarianism’ is a present, but lesser movement. Opposition to fascism, racism subject of debate. As Benjamin Tucker and nationalism is often only the lowest [ fig. 67 ] SchablonenGraffiti für Antifa-Demo.

[ fig. 68 ] „Logo“ der Antifa.

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common denominator on which the various recapture the democratic space that has groups and even members of particular been lost to the financial world. Attac groups can unite. The struggle against combines activism with intellectual fascism, racism and nationalism is usually creativity. It promotes practical econoassociated with some broader view that mic reforms meant to tame the devastating holds current society or aspects of it power of the financial markets, and to responsible for them and therefore seeks favour democratic, transparent economic radical social change. Depending on the structures that serve the needs of ordiparticular view the ultimate goals may nary people. It looks for alternatives be quite different. Nontheless, antifa to the dogmatic ideology of neoliberalism. groups most often treat capitalism as Attac is independent from all political the cause of fascism, sexism, heterosexism parties, academics and citizens from all and so on as further forms of oppression, walks of life, in self-education and and communism or >Anarchy as desirable peaceful action. It is part of a diverse forms of society. http://www1.antifa.de/ global movement that promotes democratic index.php, http://www.antifa.net/, http:// self-determination for local and regional www.antifa.org economies. http://www.attac.org, http:// Arm the Homeless – >New Trolls at their attac.org.uk, http://www.attac.de/ best. http://www.sniggle.net/ath.php and Back to Back – A wall that is >pieced from http://www.museumofhoaxes.com/pranks/ end to end all the way across. Also can homeless.html refer to >throwups that are one after another. Artivism – stands for ‘artistic activism’. Artistic >activism means any kind of Bakunin, Mikhail – (1814 – 1876) Russian free >non-copyright creativity, to promote >Anarchist philosopher, and has been the idea of horizontal use of media, to called one of the ‘fathers of anarchism’. stimulate real experimentation on expresHe was also a freemason. “A tacit consive language without any censorship or tract! That is to say, a wordless, and hierarchy. consequently a thoughtless and will-less Attac – is the ‘Association for the Taxation contract: a revolting nonsense! An absurd of financial Transactions for the Aid fiction, and what is more, a wicked of Citizens’, founded in France in 1998, fiction! An unworthy >hoax! For it assumes and now has over 80.000 members worldwide. that while I was in a state of not It is an international network of indebeing able to will, to think, to speak, pendent national and local groups in 33 I bound myself and all my descendents countries. It promotes the idea of an only by virtue of having let myself be international tax on currency speculation victimized without raising any protest (the Tobin Tax) and campaigns to outlaw – into perpetual slavery. tax havens, replace pension funds with Balaclava helmet – A ‘balaclava’, ‘balaclava helmet’, ‘ski mask’ or ‘Hate Cap’ is a state pensions, cancel Third World debt, form of headgear covering the whole head, reform or abolish the ‘World Trade Orgaexposing only the face (and often only nisation ( W T O )’ and, more generally,

 % & ' ( ) * + , . / 0 1 2 3 4 5 6 7 8 [fig. 69]

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Attac-Poster.

[fig. 70] Mikhail Bakunin.

[fig. 71] Balaclava helmet.

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the eyes). The name ‘balaclava’ comes from Balaklava in the Crimea. During the Crimean War, knitted balaclavas were sent over to the British troops to help protect them from the bitter cold weather. They are traditionally knitted from wool, and can be rolled up into a hat to cover just the crown of the head. Modern balaclavas can be made from a number of materials. They are often associated with special forces units, with the IRA, >Guerillas or with muggers where they act as a form of disguise. Banana Sprayer – Born in 1960 in Rheinberg/ Niederrhein, Germany, Thomas Baumgärtel studied from 1985 until 1990 Liberal Arts at the FH Köln. At the same time, until 1995, he studied psychology at the University of Cologne. In 1986, he began leaving his mark in places of art in European cities as well as in New York and Moscow, under the pseudonym ‘Banana Sprayer’. As of 1995, he developed ‘Banana Pointillism’– a painting style using small stencils to spray bananas onto canvas. http://www.bananensprayer.de Banksy – probably the most famous of the >stencil artists, based in Bristol UK. Wicked Works. http://www.banksy.co.uk/ Barbie Liberation Organization – In 1989 the Barbie Liberation Organization (BLO) was formed. They act like this example: Taking advantage of similarities in the voice hardware of ‘Teen Talk Barbie’ (a very popular speacking doll to that time) and the ‘Talking Duke G.I. Joe’ doll, ie action figure, they absconded with several hundred of each and performed a stereotype-change operation on the lot. The BLO returned the altered dolls to the toy store shelves, who then resold

them to children who had to invent scenarios for Barbies who yelled “Vengeance is mine!” and G.I. Joes who daydreamed “Let's plan our dream wedding!”. Cleverly placed ‘call your local TV News’ stickers on the back ensured that the media would have genuine recipients to interview as soon as the news broke. http://www.sniggle.net/barbie.php Battle – This is done when two >Writers or two >Crews have some sort of disagreement or >Beef. The battle can take two forms: skills battle or getting up – essentially quality vs. quantity. A ‘skills battle’ is when two writers piece a wall within a certain time period and whoever does the best piece is the winner. A ‘getting-up battle’ is when the writers take a certain area of a city and whichever crew can get up the most in that area within a certain amount of time, wins. Beef – disagreement or conflict. Bench – (n) subway station where writers congregate and watch trains. ‘Benching’ (v) the act of watching trains. Biafra, Jello – lyricist and singer of the >Punk Band ‘Dead Kennedys’, spoken word artist (like Henry Rollins) and >Prankster. His manifesto in his prank as mayoral candidate: “I don't want to see San Francisco's spirit muzzled in the name of law and order and tourist dollars. I will ban automobiles, legalize squatting in unoccupied buildings, auction off all high city government positions, clean up market street by requiring downtown businessmen to wear clown suits and tear down Pier 39. http://www.sniggle.net/ Jello/index.php Billboard – or ‘hoarding’ is a large outdoor [ fig. 72 ] Banane in Köln.

[ fig. 73 ] Banksy-Stencil.

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climb up onto the board and physically signboard, usually wooden, found in change the original copy and graphics places with high traffic such as cities, or not, each time you improve the message, roads, motorways and highways. Billboards you enter in to the High Priesthood of show large advertisements aimed at passing Advertisers.” pedestrians and drivers. The vast majority http://www.billboardliberation.com/ of billboards are rented to advertisers rather than owned by them. Typically Bite – (N) plagiarism, (v) To copy another showing large, witty slogans splashed >writer's style. This is considered a with distinctive color pictures, billboards no-no and is looked down upon, even line the highways and are placed on the though writers often borrow imagery from sides of buildings, peddling products cartoons and comics. and getting out messages. Billboards Black book – (a) or >piece book. A >writer’s originally existed alongside and later sketchbook for prastising or collecting largely replaced advertisements painted other writers work. (b) The name of this directly onto the sides of buildings or book about >Communcation Guerilla. designed into roofs in shingle patterns. (c) an index book or an encyclopedia. (d) Also known by its Russian language Billboard Banditry – Synonymous with the name, Chornaya Kniga was a result of the term >Billboard Liberation. collaborative effort by the Jewish AntiBillboard Liberation Front (BLF) – They Fascist Committee (JAC) and American speak of the >Billboard. Along with its Jewish community to document the antilesser cousins, advertising posters and Jewish crimes of the Holocaust and the outdoor graphics, the Billboard is ubiJewish participation in the fighting and quitous and inescapable to anyone who in the resistance movement against the moves through our world. The Billboard Nazis during the World War II. is in everyones mind. For these reasons the BLF states emphatically and for all Blek la Rat – In the summer of 1984 other time herein that ‘To Advertise is to >stencil >graffiti appeared in Paris. Exist. To Exist is to Advertise’. “Our The first ones came from Marie Rouffet ultimate goal is nothing short of a perand Surface Active. But then Blek la Rat sonal and singular Billboard for each hit the Streets and took over. “But, citizen. Until that glorious day for since the end of 1984, the fear of being global communications when every man, arrested has never left me. I began to woman and child can scream at or sing study the cops’ attitudes, I learned to to the world in 100pt. type from their anticipate their rounds, I learned to very own rooftop; until that day we will find out about their holidays and patrols continue to do all in our power to enand to adapt my work to all these paracourage the masses to use any means posmeters. I learned to hide my material sible to commandeer the existing media under cars, I taught my friends how to and to alter it to their own design. watch the streets I wanted to investigate. Each time you change the Advertising Well, I had to take a lot of precautions message in your own mind, whether you for my work, which became more and more

 % & ' ( ) * + , . / 0 1 2 3 4 5 6 7 8 [fig. 74]

9 : ;

BLF Improvement.

[fig. 75] Blek la RatStencil.

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difficult to do. This wasn’t much fun, but my desire to express myself and to paint was so strong that the tension produced by this endless hide-and-seek turned into a shower of creativity at just the right moment. There’s nothing more exciting than working with frozen hands in the middle of a winter’s night, when your heart is beating hard with fear.” http://bleklerat.free.fr, http:// blekmyvibe.free.fr Block buster – wide lettered piece stretching from end to end done below window level on subway car. Bomb – prolific writing Buff – removal of writing/art work Burn – 1. To beat the competition with your style. Also refers to a really good >piece, as in one that ‘burns’ 2. To ware out. Burner – a technically and stylistically well-executed >wild style piece. Generally done in bright colors. Camouflage – is the method which allows an otherwise visible object to remain indiscernable from the surrounding environment. Examples include a tiger’s stripes and the fatigues of a modern soldier. Camouflage is a form of deception. Campus Pranks – A >prank performed on Campus. Good for practising and always a good laugh. Can – a spraypaint filles can with highpressure. See also >Caps, >Writing. Caps – (fat, skinny, soft, german thin/ outline) interchangeable spray-can Nozzles fitted to paint can to vary flow and width of spray. Chalkboard Liberation – Special form of >Billboard Liberation in wich a special

paint converts the surface in a chalkboard and every passer-by can fill the bubble. It suggests that our eyeballs and our neighborhoods can be reclaimed and that a billboard can be transformed from being yet another ad into an explicit critique of advertising and consumerism, or even into art. The idea is to transform a billboard from being a medium for a single message – either one purchased by an advertiser or government, or one injected by a billboard liberator – to being a medium for multiple, changing messages from anyone in the community. Character – A cartoon figure (usually, but not necessarily) taken from comic books, TV or popular culture to add humor or emphasis to a >piece. In some pieces, the character takes the place of a letter in the word. China Marker – A type of grease pencil (e.g. Edding 950) used by artists to mark up contact sheets of photos or the photos themselves for cropping. They come in red and blue, and were adopted by writers for tagging because of the grease base. China markers are not very big, only as big as a crayon, but will write on almost anything. Chumabwamba – British Pop-Punk-Band tricking the world with nice-looking melodies and radical lyrics. http://www.chumba.com/ Collage – is the assemblage of different forms creating a new whole. For example, an artistic collage work may include newspaper clippings, ribbons, bits of colored or hand-made papers, photographs, etc., glued to a solid support or canvas. Collage is sometimes distinguished from photomontage, a collage made from photographs or parts of photographs. [ fig. 76 ] Chalkboard Liberation in progress.

[ fig. 77 ] Collage der Dadaisten Grosz und Heartfield.

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>Surrealism and >Dada has made extensive use of the collage. Commerce Jamming – related to >Culture Jamming, but mainly targeting Adverts of big, wealthy companies and banking. Communication Guerilla – Topic of this book you´re holding in hands. If you still don´t know what CG is after reading this book – can´t be helped. CopyDown – Synonymous with the term >AntiCopyright, >CopyLeft, see also >Copyright. Copyleft – In copyleft, a >copyright holder grants an irrevocable license to the recipient of a copy, generally permitting the free unlimited use, modification and redistribution of copies, often including sale of media or auxiliary materials which may carry a different copyright license (e.g. documentation). The distinctive condition to that license is that any modifications to the work, if redistributed, must carry the same permissions (i.e. license terms) and be made available in a form which facilitates modification. For software, this means in source code. Copyleft applies copyright law to force derivative works to also be released with a copyleft license. So long as all of those wanting to modify the work accept the terms, the net effect is to facilitate successive improvement by a wide range of contributors. Those who are unwilling or unable to accept the terms are prohibited from creating derivative works. No restrictions apply to works in the public domain. They may be freely modified, and the creator of the derivative work may license any new portions of the derivative work, but not the public domain portion, under any terms, or none. The resulting derivative

 % & ' ( ) * + , . / 0 1 2 3 4 5 6 7

work may not be available to the creators of the original or may compete with them. http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html Copyright – A copyright provides its holder the right to restrict unauthorized copying and reproduction of an original expression (i.e. literary work, movie, music, painting, software, mask work, etc.). Copyright stands in contrast to other forms of intellectual property, such as patents, which grant a monopoly right to the use of an invention, because it is not a monopoly right to do something, merely a right to prevent others doing it. Copyright-free – is a conventional expression extensively used in Japan that the author say their works can be used freely regardless of >copyright. It is distinguished from >public domain. See also >Anti-Copyright, >CopyLeft. Crew – A loosely organized group of >writers who also >tag the crew initials (e.g. BNK, TFD, HWB:) along with their name. Crew names are usually three letters, many times ending with ‘K’, which stands for ‘kings’ or ‘kills’ in most cases. Some crew names are just two letters, some are four, it all depends. See also >Ego Crew. Crop Circles – are areas of a grain or similar crop that have been systematically flattened to form various geometric patterns that began (re-)appearing in England in the late 1970s. They are, however, not an entirely unique phenomenon. In Scandinavia the phenomenon of mushrooms or puffballs forming circles around a patch of land was referred to in folklore as ‘älvringar’, pixie circles or elf circles, and was attributed to mystical forces. This phenomenon is both

8 [fig. 78]

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Copyleft-/ Copyright-free-

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Icons.

[fig. 79] Crew-Initials.

[fig. 80] Crop Circles.

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commonplace and much smaller in scale, It will change the way information flows, however, and is recognized as the natural the way institutions wield power, the growth of fungus colonies. One modern way TV stations are run, the way the popular belief among a certain segment food, fashion, automobile, sports, music of the public is that crop circles are and culture industries set their agendas. created by flying saucers landing in a Above all, it will change the way meaning farmer's field and flattening a neat is produced in our society.” circle of the crop – however the increa- Culture Jamming – or >sniggling, is the sing complexity of formations makes this act of using existing mass media to theory seem unlikely. Others hypothesise comment on those very media themselves, that these formations are >sniggles or using the original medium's communication >hoaxes engineered by humans. While some method. It is based on the idea that farmers view them as >vandalism others advertising is little more than propagain revenue from charging viewers. ganda for established interests, and People who study crop circle phenomenon that there is little escape from this sometimes humorously call themselves propaganda in industrialized nations. ‘cerealogists’. Many crop circles have Culture jamming differs from artistic fine intricate detail, regular symmetry appropriation (which is done for art's and careful composition. For this reason, sake), and from >vandalism where destrucskeptics prefer the explanation there tion or defacement is the primary goal. are simply different hoaxers employing The word ‘culture jamming’ comes from different techniques and note that some the idea of radio jamming: that public crop circles photographs were simply frequencies can be pirated and subverted created with photo-editing software. for independent communication, or to Crossing out – To scribble or write on disrupt dominant frequencies. The >Situasomeone else’s name or >tag. It is tionist International first made the considered highly disrespectful. See comparison to radio jamming in 1968, also >Beef, >Going Over. when it proposed the use of >guerrilla Culture Jammers Network, The – They are a communication within mass media to global network of artists, >activists, disseminate confusion within hegemonic >writers, >pranksters, students, educators cultural discourse. Culture jamming is and entrepreneurs who want to advance a form of >activism and a resistance the new social activist movement of the movement to the hegemony of popular information age. Their aim is to topple culture, based on the ideas of ‘guerrilla existing power structures and forge a communication’ and the ‘detournement’ major shift in the way we will live of popular icons and ideas. It has roots in the 21st century. They believe >culture in the German concept of >spass guerilla, jamming can be to our era what civil and the Situationist International. Forms rights was to the ‘60s and what environof culture jamming include >adbusting, mental >activism was to the ‘80s. “It >performance art, >graffiti art and will alter the way we live and think. >hacktivism, >Pranksters and subversive [ fig. 81 ] Visa crossing out Eko.

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some believe that it is a nonsensical artists are causing a bit of brand damage word, chose a name at random by stabbing to corporate mindshare: Jammers, cultural a French-German dictionary, and picking commentators, the jamming in action with the name that the point landed upon. Batman-inspired Jack Napier of the >Bill‘Dada’ in French is a child's word for board Liberation Front, Disney arch‘hobby-horse’. The artists of the Dada enemy Reverend Billy from the ‘Church movement had become disillusioned by of Stop Shopping’ and Media Tigress art, art history and history in general. >Carly Stasko. Many of them were veterans of World Cutting Tips – A way to cut standard >tips, War I and had grown cynical of humanity thus modifying them into fat >caps or after seeing what men were capable of flare tips. doing to each other on the battlefields Dada – Dadaism or Dada is a post-World of Europe. Thus they became attracted War I cultural movement in visual art as to a nihilistic view of the world and well as literature (mainly poetry), created art in which chance and randomness theatre and graphic design. Dada probably formed the basis of creation. The basis began in the Cabaret Voltaire in Zurich of Dada is nonsense. With the order of in 1916, and there were active dadaists the world destroyed by World War I, Dada in New York such as Marcel Duchamp and was a way to express the confusion that the Liberian art student, Beatrice Wood, was felt by many people as their world who had left France at the onset of World was turned upside down. Through this War I. At around the same time there had rejection of traditional culture and been a dadist movement in Berlin. Slightly aesthetics they hoped to reach a personal later there were also ‘dadaist un-communiunderstanding of the true nature of the ties’ in Hannover (Kurt Schwitters), world around them. Cologne, and Paris. In 1920 Max Ernst, Hans Arp and social activist Alfred de.indymedia.org – German section of the Grunwald set up the Cologne Dada group. ‘Indy Media Center (IMC)’ >Indymedia.org The French avant-garde kept abreast of http://www.de.indymedia.org/ Dada activities in Zurich due to the re- Dick Tuck – is a legend based on the antics gular communications from Tristan Tzara, of a man named Dick Tuck who worked who exchanged letters, poems, and magazines for Democratic Party election campaigns with Guillaume Apollinaire, André Breton, in the United States. The other ‘Tricky Max Jacob, and other French writers, Dick’, Richard Nixon, was up to his own critics and artists.By the dawn of World mischief, but more noteworthy here are War II, many of the European Dadaists the stunts that Dick Tuck pulled to had fled or been forced into exile in derail Nixon's campaigns for senator, the United States. The movement became governor and president. It is said that less active as the founders died off Dick Tuck is a legend because the stories and post-World War II optimism led to of many of Dick Tuck's tricks have been new movements in art and literature. The exaggerated and embellished over the origins of the name ‘Dada’ are unclear: years (often with Tuck's help), and some

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Dada-Collage by Raoul Hausmann.

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[fig. 83]

;

Dadaists Weimar.

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[fig. 84]

=

Indymedia Newspaper.

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that never happened or that were perpetrated by others have been attributed to him. Among the Dick Tuck performances: During one of Nixon’s ‘whistle-stop’ train tours, at a stop in San Luis Obispo, California, Tuck dressed up in a brakeman's uniform and signalled the engineer to start moving the train in the middle of Nixon’s speech. See also >Multiple Names, >Luther Blisset. Direct Action (DA) – Direct action is a method and a theory of stopping objectionable practices or creating more favorable conditions using immediately available means, such as strikes, boycotts, workplace occupations, sit-ins or >sabotage. Those employing direct action aim to either obstruct another agent or organization from performing some objectionable practice act with whatever resources and methods are within their power, either on their own or as part of a group, in order to solve problems. This method and theory is direct in that it seeks immediate remedy for perceived ills, as opposed to indirect tactics such as electing representatives who promise to provide remedy at some later date. The theory of direct action developed primarily in the context of labor struggles. In his 1920 book, ‘Direct Action’, William Mellor placed direct action firmly in the struggle between worker and employer for control over the economic life of society. Mellor defined direct action “ as the use of some form of economic power for securing of ends desired by those who possess that power.” See also >Non-violent action. Dis – To insult. Comes from ‘disrespect’. Originally it was just a hip-hop/rap-

term but has found its way into the culture at large. See >front, >beef, >Crossing Out. Dope – excellent, of the highest order. Down – part of a group or action, or part of your connection, if ‘you are down with someone’. Drip – Stylized drips drawn onto letters to add effect. Although inept paint application causing unintentional drips is considered the mark of a >toy and is >wack, stylized drips drawn on letters are acceptable. This style originated early on in New York subway >graffiti. Ego Crew – >Crew consisting of just one member autonomously writing. End to End (e to e, E2E) – a >piece which extends from one end to the other end of a subway car. Can be used for ‘>Window Down E2E’ or as >Whole Car. Extreme Costume Ball – To some it's all just kids cutting up in the street. To others this brand of theatrical DIY street politics represents a new kind of anticorporate movement distinguished by creativity, self-organization, coalition building, and the will to take on global capitalism. Fade – graduation/tints of colors. Fairy, Shepard – see >Obey Giant http://www.obeygiant.com/main.html Fake Roadsigns – Street signs, particularly ‘official’ traffic signs, are splendid foci for enigmatic artwork or for protest. They also work for political art, e.g. in San Francisco, 65 volunteers changed the street signs all along Bush street to read Puppet Street. Another more artistic flick is an outdoor exhibition in Lyon where 40 artists designed new street signs. http://www.bopano.net/ [ fig. 85 ] Skate-Tag with drips by Mr.Gregg.

[ fig. 86 ] Fake road signs, Lyon.

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Fame – What a >writer gets when he/she is constantly and consistently >getting up. One of the goals of writers is to have fame within the subculture of writers, and some aim to have fame (or at least be recognized) outside of the subculture. Families – Rows of >throw ups of the same name. Fat – Can refer to something being thick, as a ‘fat line’, or can be a general term of ‘good’, often spelled ‘phat’. Fill-in – the base colors of a >piece, falling within the >outline. Final Outline – After fill-in and designs have been applied the outline is reexecuted to define the letters. See >Outline. Flicks – Prints of photos of >graffiti. Also ‘flick’(singular) and ‘flix’ (plural). Floaters – >Throw ups done on subway car panels at window level. Fly – Cool, same as ‘fresh’. Early hiphop term. Forgery – is the process of making or adapting objects or documents, with the intention to deceive. Copies, studio replicas, and reproductions are not considered forgeries, though they may later become forgeries through knowing and willful mis-attributions. In the 20th century the art market made forgeries highly profitable. There are widespread forgeries of especially valued artists, such as drawings meant to be by Picasso, Klee, and Matisse. Forgery is one of the techniques of >fraud, including identity theft (>Yes Men). A forgery is essentially concerned with a produced or altered object. Where the prime concern of a forgery is less focused on the object itself – what it is worth or what it

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‘proves’ – than on a tacit statement of criticism that is revealed by the reactions the object provokes in others, then the larger process is a >hoax. In a hoax, a cultural >meme, such as a rumor, or a genuine object ‘planted’ in a concocted situation, may substitute for a forged physical object. Fresh – New, cool, good. An early hip-hop term. Front – (v) To hassle someone, to want to fight. For example, ‘You frontin' on me?’ Also a hip-hop/rap term. Probably comes from ‘confront’. Getting up – when proliferation of name has led to high visibility. Originally, getting up meant to sucessfully hit a train. Now it means to >hit up anything, anywhere, with any form of >graffiti, from a >tag all the way up to a >wildstyle >burner – although the term implies the process of tagging repeatedly to spread your name. Tagging something once would be getting up, but would not make you an ‘up’ writer. Global rich list – Webproject where you can find out how wealthy you western fatass are. In the meantime the number one hit if you search google for ‘rich’! http://globalrichlist.com/ Going over – One writer covering another >writer’s name with his/her own. Also known as ‘X-ing out’ or ‘>Crossing out’. Crossing out is usually just that, painting an X over another writers >tag or >piece. In the early days of New York >graffiti, ‘Cap’ was the master of doing black and white >throw-ups to go over people. There was even a >crew called ‘TCO (the cross outs)’, whose main goal was to cross everyone out. It is the

8 [fig. 87]

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Global Rich List-Homepage.

: ;

[fig. 88] Seen going over Comet.

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ultimate act of >dis. See >Beef, >Crossing Out, >Blockbuster letters. Graffiti – (singular: Graffito); etymologically, the term derives from Greek ‘graphein’. Italian ‘sgraffiare’ (to scratch, something that has been scratched) developed both into sgraffiti and graffiti. The term Graffiti, which originally used to denote only ‘scratched’ messages, has thus been extended in that it is now also used to refer to ‘applied’ messages, i.e. to a method in which something is added rather than taken away. Graffiti of this nature can be found far more often, but they do not last as long as ‘scratched’ Graffiti. Graffiti today constitutes an umbrella term for a variety of thematically and formally very different manifestations, mostly based in >HipHopand >Punk-Movements. What ties them together is that they are all visually perceptible, projected onto surfaces of private or public property by groups or individuals – and significantly unasked for and often done anonymously or under an artistic alter ego. http://www. artcrimes.com/, http://graffiti.netbase. org/, http://www.ukgraffiti.com/, http: //www.fingerliebe.de/, http://www. urbanize.org/, http://www.etncrew. com/, http://www.farbsucht.de/ Grassroots democracy – is the political processes which are driven by groups of ordinary citizens, as opposed to larger organisations or wealthy individuals with concentrated vested interests in particular policies. Grassroots democracy is a guiding principle of green parties worldwide (it was one of the Four Pillars of the Green Party first formulated in Europe which eventually

spread to the worldwide ‘big G’ Green parties). It replaced the term ‘consensus democracy’ in those parties largely to avoid perceived ‘left bias’. Grocery Store Ink – A kind of purple ink used by grocery stores in their marking guns. >Writers took this ink to put in their >homemades and refillable >markers. Writers from back in the day swear by it because of its permanence. Guerilla – (also called a partisan) is a term borrowed from Spanish (from ‘guerra’ meaning ‘war’, the ending ‘-illa’ is the miniaturisation of the word, so it means ‘little war’) used to describe small combat groups. >Guerrilla warfare operates with small, mobile and flexible combat groups called cells, without a front line. Guerrilla warfare is one of the oldest forms of asymmetric warfare. Primary contributors to modern theories of guerrilla war include Mao Zedong and Che Guevara. While ‘asymmetric warfare’ is the military term for guerrilla tactics, it is often referred to in the pejorative as ‘terrorism’. The term was invented in Spain to describe the tactics used to resist the French regime instituted by Napoleon Bonaparte (one should however remember, that the tactics themselves were known and used even centuries earlier). The Spanish word for ‘guerrilla fighter’ is ‘guerrillero’. In most languages the word still denotes the style of warfare. However this is changing under the influence of the English usage. Guerilla Communication – see >Communication Guerilla Guerilla Hacks – Mainly politically motivated >Hacker sniping Homepages or Servers with subversive intentions. Generally [ fig. 89 ] „Destroy 2000 years of Culture.“ Graffiti by Hole.

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speaking any kind of action, scam etc. See also >Hacktivism. Guerilla Warfare – an introduction to the art of Revolution. The included informations are intended as a history and study of past guerrilla groups. http://www.insurgentdesire.org.uk/ warfare.htm Guerrilla Girls – Established 1985. The Guerrilla Girls have been reinventing the “F” word — feminism. They're a bunch of anonymous females who take the names of dead women artists as pseudonyms (e.g. Käthe Kollwitz) and appear in public wearing gorilla masks. In 19 years they have produced over 100 posters, stickers, books, printed projects, and actions that expose sexism and racism in politics, the art world, film and the culture at large. They use humor to convey information, provoke discussion, and show that feminists can be funny. They wear gorilla masks to focus on the issues rather than their personalities. They declare themselves feminist counterparts to the mostly male tradition of anonymous do-gooders like Robin Hood, Batman, and the Lone Ranger. Their work has been passed around the world by kindred spirits who we are proud to have as supporters. It has also appeared in hundreds of newspapers and magazines, including The New Yorker, The New York Times, Vogue, The Nation, Bitch and Bust; on TV and radio, including NPR, CNN, the BBC and CBC; and in countless art and feminist texts. The mystery surrounding their identities has attracted attention. “They could be anyone; they are everywhere.” http://www.guerillagirls.com/index.shtml and http://www.sniggle.net/perfart.php

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Hacker – Hacker is a term used to describe different types of computer experts. It is also sometimes extended to mean any kind of expert, especially with the connotation of having particularly detailed knowledge or of cleverly circumventing limits. ‘Hacker’ is used in two main ways, one positive and and one pejorative. It can be used in the computing community to describe a particularly brilliant programmer or technical expert. This is said by some to be the ‘correct’ usage of the word. In popular usage and in the media, however, it generally describes computer intruders or criminals. ‘Hacker’ can be seen as a shibboleth, identifying those who use it in its positive sense as members of the computing community. See also >Hacker’s Encyclopedia. Hacker’s Encyclopedia – all you got to know about or as an hacker. Online or orderable from http://spezialreporte.de/ blackbook/ and http://www.irational.org/ APD/home/ Hacktivism – technological activism, for example the German ‘Choas Computer Club’, see also >Hacker http://www.ccc.de/ Hand style – handwriting or >tagging style. Happening – is a performance, event or situation meant to be considered as art. Happenings lack a narrative, are often multi-disciplinary, and frequently seek to involve the audience in the performance in some way. Elements of them may be planned while retaining room for improvisation. They can take place anywhere. The term originated with Allan Kaprow’s piece ‘18 Happenings in 6 Parts’ (1959), although the first happening is sometimes considered to be a 1952 performance of Theater ‘Piece No. 1’ by John Cage.

8 [fig. 90]

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Guerilla Girls Poster.

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[fig. 91] Happening by Beuys in New York, 1971.

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Haring, Keith – (May 4, 1958 - February 16, 1990) was a pre-eminent >graffiti artist and social activist whose work responded to the New York street culture of the 1980s. Born in Pennsylvania, he began as a pop artist. He set out to reach the widest possible audience with his early drawings in the subways and quickly gained recognition in the art world. Despite his early death of AIDS in 1990 at the age of 31, Haring’s imagery has become a universally recognized visual language of the 20th century. The Keith Haring Foundation, established in 1989, continues Keith’s legacy of giving to children’s organizations. http://www.haring.com/ Henry shots – photographic technique developed by Henry Chalfant. The camera remains in one spot with automatic film advance while the subject (train) moves. The end result is a straight forward single image built from several frames providing more detail. Though the term is used infrequently the technique has become one of the standards for photo documentation of trains. Hip-Hop – The culture in the late 70’s and early 80’s that spawned the >graffiti culture as we know it now, breakdancing, and hip-hop music (DJing, MCing), which has since turned into modern rap music. http://www.b-boys.com/hiphopculture.html Hit – (n) a >tag, >throw-up or >piece, (v) the act of >writing. Hoax – is an attempt to trick an audience into believing that something false is real. Generally there is some material object involved, which is actually a >forgery. Unlike a fraud or con (which usually has an audience of one or a few),

which are made for illicit financial or material gain, or a pious fraud, which is perpetrated to support the revelations of a religion, a hoax is often perpetrated as a practical joke with a humorous intent, to cause embarrassment, for personal aggrandizement or to serve political purposes. Still, many confidence tricks and the like have also been labeled as hoaxes. Many hoaxes are also motivated by a desire to satirize or educate by exposing the credulity of the public or the absurdity of the target: literary and artistic hoaxes are often of this sort, although political hoaxes are sometimes motivated in part or whole by the desire to ridicule or expose politicians or political institutions. Homemade (Markers) – A type of homemade marker made out of old deodorant containers stuffed with socks or felt chalkboard erasers and filled with ink. Homemades have been made out of many things, including (most commonly) various deodorant containers all the way up to VHS videotapes. Hot 110 – Synonymous with the term >Toy. Impostors – Why not, just for a lark, be somebody else for a while? Thinking of folks like Joice Heth, who made a career (under the direction of P.T. Barnum) out of impersonating George Washington's childhood nurse. Or George Dupre, who got his amazing story of being an intrepid World War II spy published by Readers Digest and by Random House books before he was discovered to be a phony. http://www.sniggle.net/impostors.php Indiani Metropolitani – Movement founded in the 70’s in Italy. They fight for freedom and self-determination. The name [ fig. 92 ] Keith Haring at subway-work.

[ fig. 93 ] Henry Shot of a Noise E-to-E.

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means ‘city indians’. One typical action was to spoil shops and call it ‘spesa proletaria’ which means ‘proletarian shopping’. http://www.cronologia.it/ storia/a1977a2.htm, http://ateneovirtual. alasbarricadas.org/historia/index.php? page=Indiani+Metropolitani, http://avproduktionen.ch/80/chrono/italien.html Indymedia.org – The Independent Media Center is a network of collectively run media outlets for the creation of radical, accurate, and passionate tellings of the truth. “We work out of a love and inspiration for people who continue to work for a better world, despite corporate media’s distortions and unwillingness to cover the efforts to free humanity. It was established by various independent and alternative media organizations and >activists in 1999 for the purpose of providing >grassroots coverage of the World Trade Organization (WTO) protests in Seattle. The center acted as a clearinghouse of information for journalists, and provided up-to-the-minute reports, photos, audio and video footage through its website. Using the collected footage, the Seattle Independent Media Center produced a series of five documentaries, uplinked every day to satellite and distributed throughout the United States to public access stations. The center also produced its own newspaper, distributed throughout Seattle and to other cities via the internet, as well as hundreds of audio segments, transmitted through the web and Studio X, a 24-hour micro and internet radio station based in Seattle. The site, which uses a democratic open-publishing system, logged more than 2 million hits, and was featured

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on America Online, Yahoo, CNN, BBC Online, and numerous other sites. Through a decentralized and autonomous network, hundreds of media activists setup independent media centers in London, Canada, Mexico City, Prague, Belgium, France, Germany and Italy over the next year. IMCs have since been established on every continent, with more to come. http://www.indymedia.org/de/index.shtml Info-Anarchism – see >Anti-Copyright, >Open Source Insides – Subway car interiors. In the sense of >Writing, >tags inside the car. Invent – Shoplifting or stealing of >writer’s tools like >cans or >markers. This term was used prior to 1974. The contemporary term is >rack. Irational.org – is an international system for deploying ‘irational’ information, services and products for the displaced and roaming. Irational.org supports independent artists and organisations that need to maintain mission critical information systems. These ‘Irationalists’ create work that pushes the boundaries between the corporate realms of business, art and engineering. See also >Open Source and >Hacker’s Encyclopedia. http://www.irational.org/cgi-bin/cv/ cv.pl?member=irational Karen Eliot – s/he’s a cultural terrorist who supports the religious programme of the >Neoist Alliance. >Sabotages, >hoaxes, urban legends, >performances, magazines, bulletin boards and TV or radio broadcasts are spreading the name all over the world. A multiple name like >Luther Blisset. Kill – To >bomb excessively. King – The most accomplished >writer in

8 [fig. 94]

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Indymedia logo.

[fig. 95] Irational logo.

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a given category. KKK – The Ku Klux Klan (KKK) is one of several white-supremacist organizations in the Southern United States, which are dedicated to opposing civil rights for blacks, Jews, and other ethnic, racial, social or religious groups. They also oppose the Roman Catholic Church and its adherents and hierarchy, and leftist groups such as the IWW, and the gay rights movement. The KKK was also prominent in the Canadian province of Saskatchewan in the 1920’s and 1930’s as an anti-Catholic, anti-French-Canadian, anti-immigrant, organization. In recent years a spin-off organization came into existence in the United Kingdom. Königreich Atlantis – find your paradise in the New Atlantis. Apply today! http://www.koenigreichatlantis.com/ Lay-Up – A single or double track where trains are parked during off-peak hours. Both tunnel and elevated lay-ups exist. Luther Blisset – is both the story-teller and the Mac Guffin of a board-game played on the stage of the world. Luther Blissett is not a ‘teamwork identity’ as reported by the journalists; rather, it is a ‘Multiple Single’: ‘the’ Luther Blissetts don't exist, only Luther Blissett exist. Today we can infuse ourselves with vitality by exploring any possibility of escaping the conventional identities. In the depths of the informal ‘network of events’ which these teams of mind invaders are setting up, one of the most interesting practices of merry >prank is the so-called Multiple Name, a technique particularly improved by the >Neoists. >Karen Eliot was an important multiple name. The Luther Blissett Project

has been launched in the Summer ‘94 by an international gang of revolutionaries, mail artists, poets, performers, underground Zines, cybernauts and squatters. Especially in Italy, this merry prank is reaching new heights of subversion and mythopoiesis. Anyone can be Luther Blissett simply by adopting the name. http://www.lutherblissett.net/ and http://www.contrast.org/KG/ Magnum – A type of fat >marker used by >writers, mostly not refillable. Make Trade Fair – Project initiated by Oxfam and supported for example by Coldplay singer Chris Martin for a fair world trade and against exploitation of labours. http://www.maketradefair.com Marker – Execution-Tool for all sorts of >tagging. Can be >Homemades, >China/Grease Marker or bought ones from the stationary store. Most of the Markers have wide >tips and covers-all-paint, also referred as ‘Marking Guns’. McLuhan, Marshall – Herbert Marshall McLuhan (July 21, 1911 – December 31, 1980) was a Canadian futurist, academic, philosopher, and one of the founders of modern media studies. He was raised in a Baptist Scottish-Irish family. He later converted to Roman Catholicism. McLuhan would remain a strong Catholic throughout his career. Some argue that his religion played a heavy role in his philosophical studies. McLuhan became a pop culture figure in the 1960s with the publication of ‘Understanding Media: The Extensions of Man’ and ‘The Medium is the Message: An Inventory of Effects’ (with designer Quentin Fiore). Famous for coining the phrases ‘The medium is the message!’ http://www.marshallmcluhan.com/ and [ fig. 96 ] Königreich Atlantis´ flag.

[ fig. 97 ] Marshall McLuhan.

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http://www.ubu.com/sound/mcluhan.html Media Carta, The – Campaign against media monopolism, initialised by the >Adbusters: “Tinkering with reforms and policy-shifts won’t cut it anymore; our media system needs a radical rethink. The Media Carta lays out some of the biggest problems we face, how we can solve them, and what a brighter future might look like. Thousands of people are signing on – to pledge their support and to join the >grassroots movement for media democracy. http://www.mediacarta.org/ Media Foundation, The – They are a global network of artists, >activists, >writers, >pranksters, students, educators and entrepreneurs who want to advance the new social activist movement of the information age. Their aim is to topple existing power structures and forge a major shift in the way we will live in the 21st century. To this end, the >Adbusters Media Foundation publishes >Adbusters magazine, operates the website Adbusters.org and offers its creative services through >PowerShift, their advocacy advertising agency. http://www.adbusters.org/information/ foundation and powershift@adbusters.org Meme – A meme is a unit of information that replicates from brains or retention systems, such as books, to other brains or retention systems. In more specific terms, a meme is a self-propagating unit of cultural evolution, analogous to the gene (the unit of genetics). The term was coined by Richard Dawkins in his controversial book ‘The Selfish Gene’. Memes can represent parts of ideas, languages, tunes, designs, skills, moral and esthetic values and anything else

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that is commonly learned and passed on to others as a unit. The study of evolutionary models of information transfer is called memetics. Memefest.org – Hungover from radical doses of branding and commercial information, the organizers of Memefest have decided to help global youth fight the power while celebrating their strengths and talents. As a ‘festival of radical communication’, Memefest sets out to explore the power that our disseminated ideas – >memes – have to spin the social fabric. Last year, memefest saw writers confronting Thomas Frank’s text on the cooption of dissent while visual artists were rethinking their roles according to the principles of the ‘First Things First’ Manifesto. Over 250 entries from 26 countries rose to the challenge. http://www.memefest.org/ Michael Moore – Popstar of media effective US-criticism. Quite Sell-out, but for good reasons. http://www.michaelmoore.com/ Montage – In motion picture terminology, a montage (literally ‘putting together’) is a form of movie >collage consisting of a series of short shots which are edited into a coherent sequence. Motion tagging – >writing on subway cars while they are in service. Also referred to as ‘motioning’. MoveOn.org – is working to bring ordinary people back into politics. MoveOn is a catalyst for a new kind of >grassroots involvement, supporting busy but concerned citizens in finding their political voice. An US-wide network of more than 2.000.000 online activists is one of the most effective and responsive outlets for democratic participation available

8 [fig. 98]

9 :

Memefest Poster.

[fig. 99] MoveOn Campaign.

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today. MoveOn was started by Joan Blades and Wes Boyd, two Silicon Valley entrepreneurs. Although neither had experience in politics, they shared deep frustration with the warfare in Washington D.C. On September 18th 1998, they launched an online petition to ‘Censure President Clinton and Move.On to Pressing Issues Facing the Nation’. Within days they had hundreds of thousands of individuals signed up, and began looking for ways these voices could be heard. And this was just the beginning. http://www.moveon.org/ Multiple Name –is a device that’s been used successfully for several years now, particularly by the >neoists. The idea is that multiple people publish and/or act under the same name, creating a (multiple) personality. Good examples include prolific graffiti artist Kilroy, >Karen Eliot, mathematician Nicholas Bourbaki, filmmaker Allen Smithee and >Luther Blissett. Mural – A large-scale type of >piecing, done >top to bottom on a wall; usually a large >production involving one or two pieces and usually some form of >characters. Naegeli, Harald – (born 04.12.1939/Zurich) became famous as the ‘Sprayer von Zürich / Sprayer from Zurich"" in the late 70’s. Inspired by Gérard Zlotykamien, whose art he recongnized in Paris, he got into illegal artistic activities. His stickmen were at that time provocative, although their artistic aspect was respected. His identity was long time incognito. http://de.wikipedia.org/ wiki/Harald_Naegeli Neo-Dada – see >Dada

Neoism/Neoists – is characterized by its countless contradicting definitions through which it defies categorization and historization. The existence of paradox in Neoism is normal because to define Neoism is to define anti-Neoism. This paradox is similar to the waveparticle duality experiment as the observer becomes an integral part of the experiment himself. To not define Neoism is to be a Neoist. The aim of Neoism is to create a situation in which there is total freedom and perpetual change – thus also including categorical negations of the concepts of freedom and change. http://www.neoism.net/ Netstrike – the art of connecting all together to collapse a site for political expression. In 1995 Italian >activists invented a new form of network protest: ‘netstrike’. In spite of the name, it is the networked version of a peaceful sit-in. The metaphor that best represents it is that of a number of people that walk on pedestrian crossings with signs and banners, if their number is really big they can stop traffic for a noticeable period of time. The first target for a netstrike were the sites of french government that in that period was conducting nuclear tests on Mururoa atoll. Since that time an infinite series of netstrikes were launched. http://www.netstrike.it/ New School – Contemporary >writing culture (post 1984). This date can vary greatly (up to the 90’s) depending upon who you ask. See also >Old School. New Trolls – In the sense here: a journalist writing newspaper >hoaxes knowingly. Two different kinds: inside jobs, i.d. mis[ fig. 100 ] Stickman by Naegeli.

[ fig. 101 ] Mural by Golum.

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chief-minded reporters and April Fooling news rooms printing all the news that gives you fits, secondly outside jobs: How >pranksters like >Arm the Homeless fool the media into reporting fake news: Clone >hoaxes, Falun Gong satellite hacking, the Monkey Man, government disinformation campaigns, >Joey Skaggs, Alan Abel and Heywood Jablome and one of the biggest: The >‘War of the Worlds’ hoax by Orson Welles. http://www.sniggle. net/news.php, http://www.sniggle.net/ nto.php, http://www.sniggle.net/ath.php No Copyright – Synonymous with the term >Anti-Copyright, >CopyLeft, see also >Copyright. NoLogo.org – Website and Community to Naomi Klein’s most-read book ‘No Logo’. http://www.nologo.org/ Non-Violent Direct Action (NVDA) – does not mean passive or necessarily peaceful. It accepts that violence exists and occurs within many confrontational situations that arise from >direct action. Much of the ‘toolbox’ by >UHC Collective relates to mass protest/demonstration tactics which frequently turn violent for many reasons. In dealing with this, the toolbox expects you will be attending such events without the specific intention to be violent, but it respects your choice to defend yourself. Call it ‘confrontational situation management. Neue Slowenische Kunst (NSK) – from the German for ‘New Slovenian Art’ is a controversial political arts collective originating from Trbovlje, Slovenia. NSK’s best-known member is the industrial music group Laibach. They create the first global state of the universe, the State of NSK. http://www.nskstate.com/

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and http://www.ljudmila.org/nsk/ Obey Giant – Shepard Fairey’s tricks since 1990 and one of the heroes of early >Streetart. Though today it’s sellout business and totally unknown people spread his Visuals worldwide. The Obey sticker attempts to stimulate curiosity and bring people to question both the sticker and their relationship with their surroundings. http://www.obeygiant.com/main.html Old School – The >writing culture prior to 1984. This date can vary greatly (up to the 90’s) depending upon who you ask. Also referred to as the ‘good old time of Graffiti’. Open Source – is a work methodology that fits the ‘Open Source Definition’, and generally is any computer software whose source code is either in the >public domain or, more commonly, is >copyrighted by one or more persons/entities and distributed under an open-source license such as the GNU General Public License (GPL). See also >Copyright-free, >CopyDown. http://www.opensource.org/docs/ definition.php, http://en.wikipedia.org/ wiki/Open_Source_Definition Outline – The skeleton or frame work of a >piece. See also >Final outline. Panel Piece – A >piece below the windows and between the doors of a subway car. Parody – In contemporary usage, parody is a form of satire that imitates another work of art in order to ridicule it. Parodies exists in all art media, including literature, music and cinema. In ancient Greek literature, a parody was a type of poem that imitated another poem’s style. Indeed, the Greek roots of the word ‘parody’ can be recognized elsewhere:

8 [fig. 102]

9

Paste-Ups by Obey Giant.

: [fig. 103]

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Old School sketch by Bil Rock, 1980.

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‘para-’ in, for example, ‘parapsychology’ and ‘-ody’ in ‘ode’. The original Greek meant, roughly, ‘mock poem’. Paste-Up – a piece of paper to which text and pictures have been fixed while designing a magazine or book. In the context of >Streetart a >character or generally a design is fixed with wallpaper paste or the like on a public spot. Performance Art – is art where the actions of an individual or a group at a particular place and in a particular time in front of an audience constitute the work. It can happen anywhere, at any time, or for any length of time. Another way of understanding this is to say that performance art can be any situation that involves four basic elements: time, space, the performer’s body and a relationship between performer and audience. It is opposed to painting or sculpture, for example, where an object constitutes the work. Performance art is a term usually reserved to refer to a kind of usually avant garde or conceptual art which grew out of the visual arts. As the term is usually understood, began to be identified in the 1960s with the work of artists such as Allan Kaprow, who coined the term happenings, Vito Acconci, Hermann Nitsch and Joseph Beuys. Western cultural theorists often trace performance art activity back to the beginning of the 20th century. >Dada for example, provided a significant progenitor with the unconventional performances of poetry, often at the Cabaret Voltaire. http://www.sniggle.net/perfart.php Piece – A >writer’s painting, short for masterpiece. Piece book or >black book. A writer’s

sketch book. Used for personal art development and or the collection of other artists work. Piecing – The execution of a >piece. Pochoir – french: >Stencil, see also >Blek la Rat. Postgraf/Postgraffiti – see >Street Art and >Graffiti. Powershift – The Advocacy advertising agency from >adbusters offers its creative services through PowerShift. http://www.adbusters.org/information/ foundation and powershift@adbusters.org Prank – a prank is a trick, a mildly mischievous act, a practical joke, a ludicrous act. The best pranks invoke the imagination, poetic imagery, the unexpected and a deep level of irony or social criticism. Great pranks create synaesthetic experiences which are unmistakably exciting, original, and reverberating, as well as creative, metaphoric, poetic and artistic. If these criteria be deemed sufficient, then pranks can be considered as constituting an art form and genre in themselves. Production – Large scale >murals with detailed >pieces and illustrations. Projektwerkstatt – Lots of informations for brain and >direct actions from several german Organisation. Ugly Site, but usefull. http://www.projektwerkstatt.de/ Props – Respect, comes from ‘proper respect’. To respect one other’s style. Pseudo Science – sometimes called ‘Crackpot science’, or ‘Cargo Cult science’, has a long and colorful history. A special digression is in order here for crackpot city planning. The brilliant hack of the early 1800s perpetrated by a fellow named Lozier, who managed to convince a sizable [ fig. 104 ] Paste-Up Cut-out.

[ fig. 105 ] Pochoir by Blek la Rat.

[ fig. 106 ] Post-Graffiti in Melbourne.

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crowd of New Yorkers that Manhattan was in imminent danger of tipping over under the weight of sprawling construction. After a few days, Lozier came up with the plan of cutting the island loose, towing it out into the Atlantic, turning it around and reattaching it to the mainland. He enlisted hundreds of people in this wacky scheme. http://pseudosciences.org/, http://www.sniggle.net/ science.php Public Domain – Internationally, the public domain is the body of creative works and other knowledge – writing, artwork, music, science, inventions, and others – in which no person or organization has any proprietary interest. Such works and inventions are considered part of the public’s cultural heritage, and anyone can use and build upon them without restriction. While >copyright was designed to give a (financial) incentive to the creator, works in the public domain just exist as such. The public have the right to use and reuse works in the public domain without financial or social burden. http://www.public-domain.org/, http:// www.pdinfo.com/, http://www.centerforthe publicdomain.org/ Rack – A store where shoplifting can be done. See also >racking. Racking/Racking Up – Shoplifting or stealing. In the past, most >writers stole all materials used for painting. See also >invent. Rebel:Art Magazine – English/German magazine, which is settled between art, culture and >activism. With CD as addition, introducing artists, groups and projects from the whole world are presented. http://www.rebelart.net

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Reclaim the Streets (RTS) – Established 1991 in London, UK. Movement that fights for the re-occupation of public space by the people by celebrating >Street Parties e.g. on Piccadilly Circus at Rush hour. “Ultimately it is in the streets that power must be dissolved: for the streets where daily life is endured, suffered and eroded, and where power is confronted and fought, must be turned into the domain where daily life is enjoyed, created and nourished.” http://rts.gn.apc.org/ and http:// www.reclaimthestreets.net/ Roller Letters – Names rendered with bucket paint and rollers. RTMark – correct diction is ®™ark, has taken on a number of >guerrilla hacking tasks, including making impressive parody web sites of Rudy Giuliani’s and George W. Bush’s election campaigns. One of ®™ark’s parody sites, World Trade Organization/GATT, so smoothly >parodied the real WTO site that the organizers of the Conference on International Services in Salzburg, Austria mistakenly invited a hacktivist from the site to speak at the session on international trade. ‘Dr.Bichlbaum’ appeared as invited and held a speech of his own kind. http://www.rtmark.com/, Fake Bush-Site http://www.www.gwbush04.com Sabotage – is a deliberate action aimed at weakening an enemy through subversion, obstruction, disruption, and/or destruction. In war, the word is used to describe the activity of an individual or group not associated with the military, in particular when actions result in the destruction or damaging of a productive or vital facility, such as equipment,

8 [fig. 107]

9 : ;

Rebel:Art Issue 01.

[fig. 108] Gwbush04.com banners by ®™ark.

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factories, dams, public services, or Situationniste/Situationist International supply storage. Unlike acts of terrorism, (SI)’ defined situationist as ‘having acts of sabotage do not have a primary to do with the theory or practical objective of inflicting casualties. activity of constructing situations’. The same journal defined situationism Scam – A confidence trick, confidence game, as ‘a meaningless term improperly derived or ‘con for short’ is an attempt to from the above’. There is no such thing intentionally mislead a person or persons as ‘situationism’, which would mean a usually with the goal of financial or doctrine of interpretation of existing other gain. The confidence trickster, facts. The notion of situationism is con man, scam artist or con artist often obviously devised by antisituationists. works with an accomplice called the shill, who tries to encourage the mark Situationist International (SI) – an international political and artistic by pretending to believe the trickster. movement, originated in the Italian Scratch tag – see >Scriber, >Scratchiti village of Cosio d'Arroscia on 28 July and >tag. 1957 with the fusion of several extremely Scratchiti – A media coined term for the small artistic tendencies: the Lettrist scratchings rendered on to the windows International, the International Movement of subway cars with scratch rings. Severe for an Imaginist Bauhaus, and the London damage of the subway windows and hard Psychogeographical Association. This to >buff, so it causes serious trouble fusion traced further influences from when caught. Also referred to as >Scratch Cobra, >Dada, >Surrealism, and Fluxus. tag. See >Scriber. The most prominent member of the group, Scriber – A >tagging instrument, usually Guy Debord, has tended to polarise made out of a diamond drillbit, used to opinion. Some describe him as having physically engrave one’s name on buses provided the theoretical clarity within and mass transit vehicles. Considered the group; others say that he excercised by some >writers to be more destructive dictatorial control over its development than is needed. Sandpaper is sometimes and membership. Other members included used to tag buses in the same manner – the Scottish writer Alexander Trocchi, it too is considered mass destruction. the English artist Ralph Rumney (sole See also >Scratchiti. member of the London psycho-geographical Scrub – A certain type of >throwup – usually society), and the French writer Michele two colors – that is filled very quickly Bernstein. From the Situationist viewwith back-and-forth lines, rather than point, art is revolutionary or it is filled in solid. nothing. In this way, the Situationists Shoe Dye – shoe dye kits are used sometimes saw their efforts as completing the work for >tagging, especially those that of both Dada and Surrealism while aboliconsist of a bottle with a brush/sponge shing both. device attached. They usually come in black and white. See >Homemades. Skaggs, Joey – is the world’s most notorious hoaxer. The creator of such international Situationism – The journal ‘Internationale [ fig. 109 ] Scrachiti on subway window in New York.

[ fig. 110 ] Guy Debord.

[ fig. 111 ] Joey Skaggs.

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pranks as ‘The Cathouse for Dogs’, ‘The Celebrity Sperm Bank’ etc. he and his performances have appeared on CNN, The Wall Street Journal, The Washington Post, The New Yorker, Newsweek, Life, Wired and The New York Times. He’s a visionary artist whose work is unorthodox, provocative and iconoclastic. Using >guerrilla tactics to make social commentary, Skaggs holds a mirror up to society. He illustrates how hype, hypocrisy, propaganda and disinformation that is fed to the media is consequently fed by the media to the public. And he shows, by example, how vulnerable the public is to abuses of an irresponsible news media. http://www.joeyskaggs.com/ Ski mask – see >Balaclava helmet Slumber.Inc – is meant to be a contradiction. It utilizes the very elements it is meant to oppose. The entity itself is merely a fabrication. Whatever Slumber Inc. says, the opposite is what is truly being asserted. Slumber Inc. is supposed to come off as the corporation that has finally crossed all lines and taken everything to the utmost extreme. It’s a metaphor for not only corporations and their advertisements, but of pop culture and/or anything that is constantly and consistently trying to reshape one’s perception of life and one’s self. http://www.slumberinc.com/ Sniggle – (a) A fishing technique for eels. (b) A >prankish act of social commentary, art, disruption, or protest; a politically subversive breaching experiment, see also >Culture Jamming. Sniggle.net – the Culture-Jammer’s Encyclopedia, is a labor of love that was created and is maintained by Dave Gross.

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http://www.sniggle.net/index.php Sniping/Sniper – The traditional definition of a sniper (n) is an infantry soldier especially skilled in field craft and marksmanship who stalks and kills selected enemy with a single aimed rifle shot. The word originates from the ‘snipe’, a game bird difficult for hunters to sneak up on. In the last few decades the term sniper has been used rather loosely, especially by the media in association with police, war and even verbal conflicts. This has rather expanded the general understanding of the meaning of the term. It has also given distinctly pejorative connotations. Sonik 3000 – aka Caleb Neelon is a StreetArtist. See >Paste Ups, >Graffiti and >Fake Roadsign. Spassguerilla – German for, ‘guerrilla fun’. It associated with >pranks, >hoaxes, >sniggling and buffoonery. See >guerrilla communication and >culture jamming. Spoof – spoof is a humorous take on an established idea, cultural movement, television program, movie, play, or book. Spoofs almost always make satirical humour of the movie or play, poking fun at various aspects while retaining the general plot or idea. They are a form of >parody. Staeck, Klaus – is the ‘elder statesman’ of post-war European political >montage. If anyone has taken up the mantle of John Heartfield and single-mindedly devoted himself to the cause, it is Staeck. He is a man of many parts: lawyer, politician, organiser, publisher, author, and television contributor, but most of all, he is a political artist. For over 30 years he has made posters. In the

8 [fig. 112]

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112

Slumber Inc.

[fig. 113] Sonik 3000 Sign.

[fig. 114] Sonik 3000 totem.

[fig. 115] „Niemand ist vollkommen“ by Staeck.

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tradition of early agitprop, he has taken and >Paste-Ups. http://www.stickerwar.net/ his art onto the streets with postcards, Street Art – In the 80’s and early 90’s >stickers and flyers. the writers Cost and Revs were the first http://www.staeck.com/ to get up with their name with the new Steel – Any type of train. >New school techniques that would be a new form of term used to distinguish train and wall >graffiti, ie >Post-Graffiti or also work. known as Street Art. The participants Stencil – is a letter, number, cartoon, use >stencils, >posters, >stickers, typographical symbol, illustration, >paste-ups and installations to spread or any other shape or image in cut-out their art illegally in the streets. Since form (it can be cut out of paper, cardthe 90’s >Shepard Fairey influenced many board, metal or other material). Stencils of today’s street artists with his >Obey are used to create sharp-edged paintings Giant campaign. Other important Street of the desired image, by applying paint Artists are C6.org who incorporate new on the surface with the cut-out, leaving technologies into street graffiti art, a painting of that shape on the underlying >Banksy probably the most famous of the surface. Silk-screen printing also uses stencil artists, D*Face (UK), Stak, HNT, a stencil process, as does mimeography. Alexone, André (France), Swoon famous A related >surrealist technique is for the Cut-out Poster technique, Faile aerography, in which spray-painting is (USA), Os Gemeos, Herbert (Brazil), done around a 3-d object. See also >Blek Gomes, Graffitilovesyou, Flying Fortress la Rat and >Banksy. http://stencilarchive. (Germany), Influenza, Erosie (Holland) org/, http://stencilrevolution.com/ and many more. These developments of Sticker – A form of tagging, most commonly graffiti art which took place in art saying ‘Hello, my name is’. Can be anygalleries, colleges as well as ‘on the thing from computer-generated, clear, street’ or ‘underground’, contributed generic blank stickers that have the to the resurfacing in the 1990’s of a writer’s name on them to elaborate far more overtly politicized form in the stickers with little >pieces and >charac>subvertising, >culture jamming or ters. Some >writers consider stickers ‘tactical media’ movements. Graffiti is to be for people who are ‘afraid’ to use sometimes seen as part of a subculture >markers or >cans, while other writers that rebels against extant societal use a combination of stickers with markers authorities, or against authority as and paint. Some just mix all techniques. such. However these considerations are Definitly boomed since the >Post-Graf often divergent and relating to a wide and >Streeart. range of practices. For some, graffiti stickernation.net – Woldwide Community for is not only an art but also a lifestyle. >streetart esp. >stickers with 1000s of For others it is a matter of political pictures http://www.stickernation.net/ practice and forms just one tool in an stickerwar.net – Website from the Netherarray of methodologies and technologies lands dealing with >Streetart, >Stickers of resistance. [ fig. 116 ] Stencilwork by Dirt.

[ fig. 117] Several Street Art Stickers by BB.

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http://www. stencilrevolution.com/, Surrealism – is a movement for the liberation http://www.stickernation.net/, http:// of the mind that emphasizes the critical www.woostercollective.com/, http://www. and imaginative powers of the unconscious. graffiti.org/index.html, http://www.txmx. Often misinterpreted as an artistic de/graffindex.html, http://www. movement, it has transformed visual art, stencilarchive.org/, http://www.bomit. writing, film, and political thought, com/, http://www.streetstickers.co.uk/, not to mention everyday life. Surrealism http://www.razhia.ch/streetart-page/ was initially started by Andre Breton and gained further momentum with the Street Party – Blocking targets with Music, inclusion of Salvador Dali. While related Dance, >Performance Art and other creative to >Dada, from which many of its initial ways. See >Reclaim the Streets. members came, surrealism is significantly Style Wars – (a) Competition between artists broader in scope. As Dada was a negative to determine superior creative ability. response to the First World War, surrealism (b) Documentary film on >Hip-Hop by possesses a more positive view that the >Henry Chalfant and Tony Silver. world can be changed and transformed Proved to be an extremely inspirational into a fertile crescent of freedom, love, element for the >New School. and poetry. André Breton’s Surrealist Subvertise.org – is a project created by Manifesto of 1924 and the publication ‘Gaffers radical arts collective’ and of the magazine ‘La Révolution Surréaliste’ ‘i-Contact video Network’. Subvertise.org (’The Surrealist Revolution’) marked the is a shared web-gallery of radical arts beginning of the movement as a public that exists to document, develop and agitation. In the manifesto Breton defines promote the artform of the post-millennium surrealism as ‘pure psychic automatism’ corporate >subvertising. Over 500 pictures with automatism being spontaneous creative of adbusted Media and related stuff. production without conscious moral or http://subvertise.org/index.php aesthetic self-censorship. Subvertising – The word subvertising comes from a sythesis of the words ‘subvert’ Sydney Opera House, The – Two protesters and ‘advertising’. Thus, the primary climbed to the top of one of the Sidney goal of subvertisements, more commonly Opera House and painted ‘No War’ before referred to as subverts, is often to being arrested. After being led down >sabotage political candidates and from the sails by Police Rescue, British campaigns, corporations, and other targets. astronomer Dr Will Saunders, 42, and Subvertising is the Art of Cultural Australian David Burgess, a 33-year-old resistance. It is the writing on the environmental campaigner from Bucketty, wall, the sticker on the lamppost, the NSW, were charged with malicious damage corrected rewording of Billboards, the and ‘climbing a structure and painting spoof T-shirt. The key process involves it’. Now they are committed to pay redefining or even reclaiming our en151.000 AUS$. http://www.sydneyoperahouse vironment from the corporate beast. See nowarcleanupfund.org/ also >Adbusters, >Culture Jammer. tag – (n) A writer’s name and signature.

 % & ' ( ) * + , . / 0 1 2 3 4 5 6 7 8 [fig. 118]

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Streetparty by RTS.

[fig. 119] Tron´s tag.

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(v) The execution of a signature. The most basic form of >graffiti, with >marker or spray paint. It is the writer’s logo, his/her stylized personal signature. If a tag is long it is sometimes abbreviated to the first two letters or the first and last letter of the tag. Also may be ended with the suffixes ‘one’, ‘ski’, ‘rock’, ‘em’ and ‘er’ or the >Crew Initials. Tagger – As opposed to >writer; this term is usually used to refer to those who only do >tags and >throwups and who never piece. Some taggers seem to like more destructive methods such as >scribers and sandpaper in addition to >markers and paint. Some taggers do get interested in >piecing, some don't. Taggers who never piece are sometimes called ‘scribblers by more experienced, piecing writers. Tagging Up – The execution of a signature. The Art of Urban Warfare – is a game that is played in the streets of our cities. The Art of Urban Warfare (AUOW) as a game is made visible by sprayed silhouette >Stencil on the walls. The stencils used in the game have the shape of toysoldiers in action. Download stencils and join the battle. http://aouw.org/ and http:// influenza.animen.com/guidelines.html The Yes Men – A person becomes a Yes Man by exposing, perhaps deviously, the nastiness of powerful evildoers. Dealing with terms like ‘Identity Correction’ and ‘Identity theft’, the Yes Men have impersonated some of the world’s most powerful criminals at conferences, on the web, and on television, in order to ‘correct’ their identities. http://www.theyesmen.org/

Throw Up – A quickly executed >piece consisting of an >outline with or without thin layer of spray paint for >fill-in. Throwie – Contemporary term for >ThrowUp. Tips – The soft fabric tip of a >Marker or the Spray >Cap of a >Can. Top-to-bottom (t to b, t2b) – A >piece which extends from the top of the subway car to the bottom. Toy – (a) Inexperienced or incompetent writer who’s style is >wak. One old definition of ‘Toys’ is that it stands for ‘trouble on your system‘. (b) A small felt tip marker. Trickster – In the study of mythology and religion, a trickster is a god, goddess, spirit or human who breaks the rules of the gods or nature, sometimes maliciously (for example, Loki) but usually with ultimately positive effects. Often, the rule-breaking takes the form of tricks (eg. Eris) or thievery. Tricksters can be cunning or foolish or both; they are often very funny even when they are considered sacred and are performing important cultural tasks. Animals associated with tricksters include coyotes and ravens. In many cultures, particularly American Indian, the trickster and the culture hero are combined. The coyote spirit stole fire from the gods (or stars or sun) and is more of a trickster than a culture hero. This is primarily because of other stories involving the coyote spirit; Prometheus was an intellectual Titan, whereas a coyote is usually seen as a jokester and >prankster. UHC Collective – based in Manchester, UK, exists to produce and promote quality art and graphics concerned with the funda[ fig. 120 ] The Yes Men in Finnland.

[ fig. 121] Throw-Up by Cloak.

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mental social phenomena of power relations, economics and the environment. They instigate their own projects and work with others on group shows and events. The collective also initiates communitybased training and educational projects. Alongside this we also operate as UHC Design - working with progressive groups, projects and businesses to produce design solutions in a socially responsible and ethical manner. You won’t find UHC working for Nike, MTV or Diesel. Got massive media coverage for their Guantanamo BayInstallation ‘Camp X-Ray. Available on their Homepage is the >NVDA Toolbox. Very nice toy. http://www.uhc-collective. org.uk/, downloadable Toolbox http:// www.uhc-collective.org.uk/knowledge/ toolbox/toolbox.htm Ultra-Wide – A type of >marker that is extra wide (about an inch and a half), intended for making posters, etc. It too is easily refillable. See also >magnum, >Homemades. Urban-art – oline gallery of Urban Art, >Street Art and >Postgraf; could be better. http://www.Urban-art.info Utopia – is the title of a Latin book by Thomas More (circa 1516). The word ‘utopia’ is intended by More to suggest two Greek neologisms simultaneously: outopia (no place) and eutopia (good place). The word utopia has taken on a more general meaning, to describe any imaginary but good image of society. Further, it has been used to describe actual communities founded in attempts to put such theories into practice. Finally, utopian is often used to refer to good but (physically, socially, economically or politically) impossible pro-

 % & ' ( ) * + , . / 0 1 2 3 4 5 6 7

posals, or at least very difficult ones. The utopia can be idealistic or practical, but the term has acquired a strong connotation of optimistic, idealistic, impossible perfection. The utopia may be usefully contrasted with the undesirable dystopia (anti-utopia, pseudo-utopia) and the satirical utopia. Also >streetart project about ‘rethinking utopia’ by Mr.Gregg. Vandalism – is hostility to the arts and literature, or willful destruction or defacement of their monuments, said to be in the spirit of the Vandals in their attacks on the Roman Empire. The first time the term was used was probably January 10, 1794 during the French Revolution, by Henri Grégoire, constitutional bishop of Blois, in his report directed to the Republican Convention, where he used word ‘Vandalisme’ to describe some aspects of the behaviour of the republican army. However, the term ‘Vandal’ (English) or ‘Vandale’ (French) with pejorative meaning was in use in English at least since the 17th century. More generally, vandalism (uncapitalised) is willful wanton and malicious destruction of the property of others or the commons. The term is usually generalized to include non-destructive but unauthorized modification of property, that is, defacement; for example, >graffiti. Victore, James – the senior of political graphic design, anti-corporate and antipop artist. http://www.jamesvictore.com/ Wak – Substandard or incorrect (derived from ‘out of whack’). War of the Worlds, The – was a radio drama first broadcast by CBS on October 30,

8 [fig. 122]

9

Poster by UHC Collective.

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[fig. 123] Utopia-Sticker on Police Car by Mr.Gregg.

[fig. 124] „This is Vandalism“-Stencil.

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1938. A creation of Orson Welles, the dramatic radio adaptation of the science fiction novel ‘The War of the Worlds’ was so convincing that hundreds of thousands of Americans were deceived by it. Announcements before, during and after the broadcast failed to shatter the illusion created by the drama, and both CBS and Welles issued apologies for hoaxing the public. The drama was a retelling of the events of the novel and a part of CBS's Mercury Theater on the air series. Approximately two thirds of the 50-minute play was a contemporary retelling of the events of the novel, presented as a series of news bulletins in documentary style cunningly made in great resemblance to real broadcasts. A study discovered that most of the people who panicked did not think that it was an invasion by Martians, but by the Germans. Other studies have suggested that the panic was exaggerated by the media, but it remains clear that many people were fooled. Whole Car – A >piece which extends from >T2B and >E2E from a subway car, see >Whole Train. Whole Train – A >piece which extends from >T2B and >E2E from a whole subway train, mostly done by >crews, due to the massive work. See >Whole Car. Wikipedia.org – is an encyclopedia written collaboratively by its readers. The site is a ‘Wiki’, meaning that anyone, including you, can also edit any article right now by clicking on the edit this page link that appears at the top of every Wikipedia article. See also >Open Source, >Public Domain. http://wikipedia.org Wild Style – (a) Bronx crew from the 1970’s

led by Tracy 168. (b) A complicated construction of interlocking letters. (c) Classic film on >Hip Hop culture directed by Charlie Ahearn. Window Down – A >piece done below the windows of a subway car. Writer – Practitioner of the art of >writing. Writer’s vocabulary – Need some definitions of graffiti terms? This site clears it up. http://graffiti.netbase.org/ lexikon.htm Writing – Execution of >Graffiti. Yippies – ‘The Youth International Party’ ( whose adherents were known as ‘Yippies’, a variant on ‘Hippies’) was a highly theatrical political party established in the United States in 1967. An offshoot of the free speech and anti-war movements of the 1960s, Yippies presented a youth-oriented countercultural alternative to the straightlaced earnestness often associated with representatives of those movements. They employed mediasavvy gestures – such as advancing a pig (‘Pigasus the Immortal’) as candidate for President in 1968 – to mock the social status quo. Abbie Hoffman, Anita Hoffman, and Paul Krassner are among the founders of the Yippies (most likely Krassner coined the name). Other activists associated with the Yippies include Jerry Rubin, Stewart Alpert, Dick Gregory, and Ed Sanders. Abbie Hoffman and Jerry Rubin became the most famous Yippies – and bestselling authors – in part due to publicity surrounding the ‘Chicago Seven Conspiracy’ trial of 1969. They were accused of criminal conspiracy and showed up in court attired in judicial robes. http://free.freespeech.org/yippie/, http://www.yuppietakeover.com/ [ fig. 126 ] Three Whole Cars by legendary Dondi between 1978 – 80.

[ fig. 127] Yuppie-Poster from the Yippies successors.

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Eigene Ergänzungen:

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;,3-2()< 59)00)20-8 )6%896%&&0(92+)2 Agentur Bilwet: Medien-Archiv. Bensheim/Düsseldorf, 1993. Anonym: Tat ohne Reue. Mannheim, ca. 1990. Autonome A.f.r.i.k.a.-Gruppe / Blisset, Luther / Brünzels, Sonja: Handbuch der KG. Berlin 2001. Barthes, Roland: Mythen des Alltags. Frankfurt a. M., 1964. Baudrillard, Jean: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen. Berlin, 1978. Bieber, Alain (Hrsg.): Rebel:Art. How to provoke today? Issue 01. Tübingen, 2004. Billboard Liberation Front & Friends. The Art & Science of Billboard Improvement. San Francisco, 1990. Böckelmann, Frank und Nagel, Herbert: Subversive Aktion. Frankfurt, 1976. Boyd, Andrew: Culture Jamming 101. Pranks with a purpose. San Francisco, 2003. Boyd, Andrew: The Activist Cookbook. Boston, 1997. Conal, Robbie: Art Attack: The midnight politics of a guerilla artist. New York, 1992. Davis, Mike: City of Quartz. Ausgrabungen der Zukunft in Los Angeles. Berlin, 1994. De Certeau, Michel: Kunst des Handelns. Berlin, 1988. De:Bug. Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte. Ausgabe 73, 07/08 2003. Berlin, 2003. Debord, Guy: Die Gesellschaft des Spektakels. Hamburg, 1978. Debord, Guy-Ernest und Wolman Gil J.: Gebrauchsanweisung für die Zweckentfremdung. Hamburg, 1995. Dery, Mark: Culture Jamming. Hacking, Slashing, and Sniping in the Empire of Signs. Westfield (USA), 1993. Ferrell, Jeff: Crimes of Style. Urban Graffiti and the Politics of Criminality. New York & London, 1993. Foreman, Dave und Haywood, Bill: Ecodefense, A field guide to monkeywreching. New York, 1987. Gruber, Klemens: Die zerstreute Avantgarde. Strategische Kommunikation im Italien der 70er Jahre. Wien, 1989. Haller, Michael (Hrsg.): Aussteigen oder rebellieren. Jugendliche gegen Staat & Gesellschaft. Hamburg, 1981. Hebdige, Dick: Subculture, The Meaning of style. Detroit, 1988. Home, Stewart: Neoismus, Plagiarismus & Praxis. Edinburgh &San Francisco, 1995. Huth, Peter/Volland, Ernst (Hrsg.): Dies Buch ist pure Fälschung. Frankfurt a. M., 1989. Law, Larry: Buffo! Amazing Tales of Political Pranks and Anarchic Buffoonery. London, 1988. Marcus, Greil: Lipstick Traces. Von Dada bis Punk – kulturelle Avantgarden. München, 1992. McLaren, Carrie: Culture Jamming (TM) brought to you by Adbusters. San Francisco, 1990. Müller, Michael (Hrsg.): Der Sprayer von Zürich. Solidarität mit Harald Naegeli. Hamburg, 1984. Neumann, Renate: Das wilde Schreiben. Graffiti. Sprüche und Zeichen am Rand der Straße. Essen, 1986. Spies, Werner: Max Ernst und die Collage. Köln, 1988. Stahl, Johannes (Hrsg.): Graffiti: zwischen Alltag und Ästhetik. München, 1990 Zürcher Sprayer: Mein Revoltieren, mein Sprayen. Bern 1979. Desweiteren einige Quellen des Internets, besonders artcrimes.com, farbsucht.de, sniggle.net und wikipedia.org.

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In diesem Kapitel werden handwerkliche Techniken vermittelt und beispielhafte Aktionen vorgestellt. Die Umsetzungen sind untereinander auch kombinierbar und stellen einen kleinen Querschnitt der Praxis dar. Die Tutorials sind als herauskopierbares Innenmagazin angelegt und bieten dadurch eine hohe Praktibilit채t bei der Anwendung. Dieses Innenmagazin kann man an Freunde weitergeben, in die Hosentasche stecken oder bei Aktionen mitnehmen. Verwendete Fachtermini sind im Index nachzuschlagen. /SQQYRMOEXMSRWKYIVMPPE

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: Intro/Cover ................ 126 : Rookie ..................... 128 : 01.Wahlplakate korrigieren . 130 : 02.T-Shirts drucken ........ 132 : 03.Schablonenaufkleber ..... 134 : 04.Werbe- zu Kreidetafeln .. 136 : Playa ...................... 138 : 05.Selbstgemachte Marker ... 140 : 06.Wetterfeste Schilder .... 142 : 07.Grossflächenplakate ..... 144 : Crack ...................... 146 : 08.Höhensprühwerkzeug ...... 148 : 09.Brücken beschriften ..... 150 : 10.Hochleitungspost ........ 152 : 11.Leuchtpropaganda ........ 154 : Quellen .................... 157

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Diese Aktionsfibel ist zum Herauskopieren gedacht und mit Pass- und Schneidemarken versehen. Um die optimale Positionierung auf einem normalen Kopierer zu ermöglichen, sind an den Seitenrändern von aussen sichtbare Anlegemarken eingerichtet worden.

Diese Fibel steckt voller Anregungen für zukünftige Aktionen und wurde angeregt durch viele Aktionen der Vergangenheit. Sie erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

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Zusammengestellt und illustriert von Mr.Gregg. XXX Ruffnecks Unite XXX

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28 Seiten, 3 Kapitel, 11 Tutorials, bebildert, schwarz-weiss,DIN A 4, viele Ideen, keine Patentrezepte.

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Allgemeine Tipps für Guerillos leiten sich aus den Notwendigkeiten und den Gefahren ab. So sollte man zum Beispiel immer dunkle Kleidung mit Kapuzen tragen, die viele Taschen und Fächer hat. Sie sollte robust, leicht zu tragen und funktionell sein. Daneben sollte man sowohl eine Mütze als auch ein Skimaske dabei haben. Helle Schmuckelemente auf Jacken oder Schuhen sind genauso fehl am Platz wie private Telefonnummern, Skizzenbücher oder auch Wertsachen. Drogen sind vor und während der Aktionen absolutes Tabu, da man alle Sinne auf die sichere Durchführung ohne Arrest richten sollte. In einer Nacht sowohl mit Vandalismus- als auch mit Drogengesetzen in Konflikt zu geraten, ist eine sehr schlechte Ausgangslage, wenn man seine Unschuld und Ungefährlichkeit den Beamten nahebringen möchte. Ein umsichtiges und lautloses Verhalten vor Ort und vorher genau definierte Verhaltensregeln und Gefahrenzeichen bringen viel Ruhe und Sicherheit ans Set. Bei grösseren Produktionen sind Wachposten und Funkverkehr unablässig. Auch sollte man im eigenen Interesse immer darauf bedacht sein, möglichst wenig Sachschaden anzurichten. Wer keinen Stress will, sollte niemals Sachen anderer überkleben oder übermalen.

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HOW: TUTORIALS Level: Rookie Jeder fängt mal klein an. Dieses Kapitel enthält einige Aufwärmübungen und Standards der Kommunikationsguerilleros, die unaufwendig und preiswert produziert werden können und nicht allzu grosse künstlerische Begabung erfordern. Alle diese Aktionen der direkten Öffentlichkeitsarbeit sind alleine durchführbar und erreichen mit kleinen Eingriffen eine relativ grosse Wirkung.

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Rookie/ Tutorial 01: Wahlplakate korrigieren.

Dies ist ein einfacher Stunt mit dem man sich gut aufwären kann. Natürlich hat man zum Glück nicht immer die visuellen Belästigungen eines Wahlkampfes im Stadtbild, aber sie geben immer wieder Anlass sich als Deutscher auf der Strasse unwohl zu fühlen.

Immer wieder zur Wahlkampfzeit findet man unschöne Hetzparolen kleingeistiger Dogmatiker, deren Anblick durch eine kleine Hinzufügung wieder eine positive Aussage bekommen kann. Die obligatorischen Hitlerbärtchen mögen zwar ein Klassiker sein, aber manchmal geben auch die Unverschämtheiten der Plakate gute Vorlagen, die man nutzen sollte.

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Action:Primer / black|book. pages 02/03.

Material: Tapezierpinsel, Tapetenkleister, Eimer, Ton-Papier oder Computerausdruck des Einklebers, evtl. Leiter. Zeitaufwand: 30 min Vorbereitung, 15 min Durchführung.

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Eine Aussage aus dem Wahlkampf 2004 der Republikaner in Deutschland. Eine solche Peinlichkeit lesen zu müssen, schmerzt doch sehr. So platt und frech geht man auf Stimmenfang. Aber genau deswegen man kann so einfach kontern...

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Die Vorbereitungen sind minimal: einmal vorher Mass nehmen mit der Elle, um die Breite der Schrift zu messen, Tapetenkleister anrühren, in der Zwischenzeit ein gleichfarbiges Papier zurechtschneiden oder am Computer ein Einklebeschild layouten. Dann zuerst das Plakat einkleistern, das Einklebeschild an einer Seite positionieren und mit dem Tapezierpinsel noch einmal grossflächig darüberstreichen, damit die Ecken gut anliegen. Ob man nun noch den Rep-Schriftzug verbessern will oder in seinen neuen Slogan einbaut, sei jedem selbst überlassen. Mit einem hintergrundfarbigem Klebeeinsatz kann man „Europa ohne REP“ texten oder mit Einbindung des Logos „Europa ohne Deppen“. Mit einem Textschild kommt zum Beispiel „Europa ohne Scheuklappen/Kleingeister“ oder „Europa ohne Scheuklappendepp(en)“ heraus – so hat man in zwei Minuten pro Plakat eine freundliche Europavision mit einem kleinen Lächeln verbunden.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 01 von 11. Level: Rookie Stunt: Werbeplakate korrigieren. Stressfaktor: mässig. Kostenfaktor: gering. Spassfaktor: mässig bis Superlacher, je nach Textveränderung.

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Dieser Stunt ist erst effektiv, wenn man eine Hauptstrasse entlang das Motiv verschönert. Am besten alle in der Innenstadt vornehmen. Die Partei-Faschisten hängen in den letzten Jahren ihre Plakate immer höher auf, in vielen Städten – dank aktiver Guerillos – bis zu 5 Meter. Ihr könnt also Probleme haben eure Aktion ohne Leiter und Kletterei durchzuziehen. Eigentlich solltet ihr aber genug zugängliche Plakate auf dem Boden oder bis zu 3 Meter finden, denn wo viele Fussgänger laufen müssen sie auf Augenhöhe runterkommen. Bei dieser Aktion sollte man schon genau hinschauen, ob man nicht vor der Rep-Stammkneipe plakatiert, denn die Autoren dieser Fremdenfeindlichkeiten sind selten zimperlich mit ihren Gegnern und meist nahkampferfahren. Für die Polizei solltet ihr wie normale Plakatkleber auftreten, die nur Veranstaltungsplakate kleben. Ein Konzert-Plakat als Alibi und gleichzeitige Transportrolle hat sich bewährt. Eine Mütze zu tragen ist trotzdem ratsam, da Wahlplakate nur in frequentierten Gebieten aufgehängt werden und so einer grosses potentiellen Öffentlichkeit ausgesetzt. Eure Material wird in Plastiktüten ohne persönliche Utensilien aufbewahrt, damit ihr sie schnell loswerden könnt.

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Action:Primer. To be copied and spread without permission.

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Rookie/ Tutorial 02: T-Shirts drucken.

T-Shirts seiner Lieblingsband oder auch trendige Adaptionen von Szeneshirts kennt jeder, jedoch wird die körpereigene Werbefläche selten genutzt. Neben spontanen Reaktionen auf politische Ereignisse eignet sich dieses Medium gut für Kleinkampagnen und Slogans.

T-Shirts sind schon immer in Subkulturen ein besonderes Erkennungszeichen oder Medium für Inhalte gewesen. Egal, ob man für eine Demo im einheitlichen Outfit auftreten oder schnell und effizient seine Meinung kundtun will, bietet das Bedrucken von Kleidungsstücken eine gute Möglichkeit ohne unhandliche Plakate zu kommunizieren.

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Action:Primer / black|book. pages 04/05.

Material: T-Shirt, harten Karton oder laminiertes Motiv, Wellpappe, Spraycan oder Farbrolle und Textilfarbe, Stecknadeln. Zeitaufwand: 30 min Ausschneiden, 15 min Drucken.

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Für das Design sucht man sich einen stabilen Träger aus fester Pappe oder einlaminiertem Papier, damit die Farbe nicht die Schablone aufweicht. Man benutzt zum Ausschneiden des Motivs am besten ein sehr scharfes Skalpell. Das T-Shirt wird auf Styropor oder dicker Wellpappe fixiert.

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Um den zu bedruckenden Stoff richtig glatt zu bekommen, empfiehlt es sich die Druckfläche mit mehreren Stecknadeln abzuspannen. Bei kleinteiligen Designs am besten auch im Motiv selbst, da sonst die Schablone nicht direkt aufliegt und ein unschöner „Under-Spray“ das Motiv verschwimmen lässt. Dieser Gefahr kann man auch vorbeugen, wenn man statt Spraycans mit einer kleinen Rolle die Textilfarbe aufträgt. Eventuell mit weiss grundieren und mehrmals das Motiv einfärben. Beim Abziehen darauf achten, dass keine Drips auf das Shirt fallen oder die Schablone zerreisst. Wenn man spezielle Textilfarbe benutzt hat, muss man diese noch mit dem Bügeleisen fixieren. Im Normalfall erreicht man auch mit Dispersionsfarbe oder Sprühlack eine mehrere Wäschen dauernde Haltbarkeit für sein Motiv, wenn man es links herum zur Wäsche gibt. Mit Klarlack als letzte Schicht erhält man noch bessere Ergebnisse.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 02 von 11. Level: Rookie Stunt: T-Shirts drucken. Stressfaktor:100% legal. Kostenfaktor: gering. Spassfaktor: angenehme Handarbeit, beim Tragen ungehindertes Geniessen möglich.

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Man kann natürlich auch in jedem Copyshop sich schlechte Thermotransferprints machen lassen, allerdings sollte man aufpassen, dass das gleiche Motiv nicht schon als Schablonengraffiti an der Aussenwand des Ladens hängt und man statt seines T-Shirts nur eine ungemein höhere Rechnung bekommt. Auch sollte man bei den Bediensteten nicht mit revolutionären Gesinnungen rechnen und aufpassen, dass sie sich keine Kopien davon machen. Kurzum: es ist am billigsten, schnellsten und ungefährlichsten diesen Stunt in den eigenen Händen zu belassen. Gerade bei Auflagen zwischen fünf und zwanzig Exemplaren ist diese Methode unschlagbar von Zeit- und Kostenaufwand. Möglich zum Bedrucken sind natürlich alle möglichen Kleidungsstücke von Parkas bis Hosen oder Mützen. Ein wenig Übung gehört schon dazu bis die ersten sauberen Designs dabei herauskommen. Beim Schablonenherstellen muss man darauf achten, dass man die innenliegenden Felder nicht ganz vom Träger abschneidet, sondern einen kleinen Befestigungssteg stehen lässt. Für die Schrift benutzt man am besten Flightcase- oder Stencil-Schriften wenn man auf existierende Schrifttypen zurückgreifen will.

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Rookie/ Tutorial 03: Schablonen-Aufkleber produzieren.

Tags gibt es seit Jahrzehnten auch im Klebeformat. Klassischerweise auf „Hello, my name is...“-Stickern oder Paketaufklebern. Sie sind robust, kleben zuverlässig und liegen kostenlos in Mengen auf dem Postamt aus. Aber auch jede andere Quelle ist willkommen.

Aufkleber aller Art kann man mit Etiketten-Bögen und Laserdrucker oder Kopierer in grossen Mengen unaufwendig herstellen. Ein klassisches Medium sind immer schon Paketaufkleber und andere Gratisaufkleber, die mit verschiedenen Techniken bedruckt werden können und so eine grosse Variationsbreite entwickelt haben.

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Action:Primer / black|book. pages 06/07.

Material: Paket-Aufkleber der Post, Spraycans, laminiertes Motiv oder Karton. Atemschutz! Zeitaufwand: 10 – 15 min Schablonen schneiden, 30 min Sprühen.

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Eine Din A 4-Laminiermaschine ist für zwanzig bis dreissig Euro zu haben und erspart viele lästige Blicke im Copyshop. Besonders geeignet sind Geräte, die auch sehr dicke Folien verarbeiten können. Dadurch kann man sehr haltbare Plastikschablonen herstellen.

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Das Design ist schon in der richtigen Breite für die jeweiligen Aufkleber ausgedruckt worden. Oft bekommt man auf einen Bogen mehrere Motive. Wenn man mehrfarbig druckt, passen auch mehrere Farbfilme auf eine handliche Seite. Je schärfer das Teppichmesser oder Skalpell ist, desto sauberer wird die Schablone. Die einzelnen Motive werden auseinander geschnitten und an den Rändern mit Gewebeband verklebt, um die Stabilität zu erhöhen. Denken sollte man auch an den Atemschutz, Handschuhe und am besten einen Arbeitsplatz im Freien ohne störende Blicke. Man kann zum Beispiel mit Silber grundieren oder eine Textur sprühen und nach dem Trocknen das Motiv platzieren. Wer keinen Atemschutz hat, sollte mit Zahnbürsten sprühen, mit Farbrolle oder Pinsel sein Motiv anfertigen. Vor dem Stapeln die Sticker gut durchtrocknen lassen, sonst kleben sie zusammen.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 03 von 11. Level: Rookie Stunt: SchablonenAufkleber produzieren. Stressfaktor: mässig. Kostenfaktor: gering. Spassfaktor: gross bei massivem Bombing.

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Wenn man etwas Erfahrung gesammelt hat, kann man versuchen mehrere Farben und Techniken zu mischen. Wenn man sich das Material gerichtet hat, kann man innerhalb von einer Stunde um die 100 Sticker mit Schablonen herstellen, was auch für die Durchschlagskraft im öffentlichen Raum nötig ist. Man sollte als Untergrund zum Kleben möglichst glatte, trockene Flächen benutzen und Orte wählen, die keinen direkten Besitzer haben, wie zum Beispiel Hinterseiten von Strassenschildern, Ampelrückseiten oder Laternenpfähle. Damit bleiben die Aufkleber länger hängen und wenn man die Wahl hat, sollte man wettergeschütze Plätze bevorzugen. Mit Lackfarben oder abschliessendem Klarlack wird der Sticker noch wetterbeständiger. Klebefolien für den Computerdrucker kann man bis zur Grösse von Din A 4 im Handel kaufen. Die Variationen sind unendlich: Man kann auch Linolium- oder PVC-Fliessen als Träger benutzen, eigene Formen ausschneiden oder mit Nachleuchtfarbe das Motiv nachziehen. Wenn man darauf achtet die Schablone immer plan aufzulegen, Farbnasen auf der Rückseite abzuwischen und allgemein auf einen gleichmässigen und behutsamen Farbflow zu achten, bekommt man die besten Ergebnisse. Preiswerte Airbrushsysteme gehen auch.

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Rookie/ Tutorial 04: Werbe- zu Kreidetafeln umgestalten.

Diese Aktion unterscheidet sich von vielen anderen dadurch, dass man nicht Inhalte verändert und die eigene Meinung kundtut, sondern Raum schafft für soziale Interaktionen, die humorvoll, geistreich, aber natürlich auch entgegen der eigenen Meinung sein können.

Grosswerbeplakate sind überall zu finden und bieten manigfaltige Umgestaltungsmöglichkeiten. Neben dem klassischen Adbusting oder der Billboardliberation kann man den üblichen platten Werbebildern mit geringem Aufwand wieder einen Sinn geben. Diese „Chalkboard Liberation“ bindet die Passanten ein und fördert den öffentlichen Diskurs.

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Action:Primer / black|book. pages 08/09.

Material: Spraycan schwarz, Spezial-Tafelfarbe, Kreide, und evtl. Leiter, Warnweste. Zeitaufwand: 5 min Vorbereitung, 5 min Sprühen.

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Hier bietet ein Kinofilmplakat die Basis der Aktion. Zuerst werden alle Texte in einer der Hintergrundfarbe ähnlichen Farbe übersprüht. Je sauberer gearbeitet wird, desto glaubwürdiger ist nachhher der Eindruck. Im Normalfall braucht ihr für die oberen Bereiche eine Leiter.

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Nachdem man nun einen einfarbigen Hintergrund hat, kommt die Spezialfarbe für Tafeloberflächen zum Einsatz. Es gibt sie in Cans zum Sprühen oder auch im Eimer. Mit dieser Farbe malt man Denkblasen in Comicmanier – mit den typischen kleinen Blasen zum Kopf hin. Man kann natürlich auch Schablonen für die Formen benutzen, wenn man exakte Formen bevorzugt. Mit einer dritten Farbe werden die Outlines der Bubbles gezogen. Die vorbereitete Pappschachtel mit ein paar Stückchen Tafelkreide wird noch mit Doppelklebeband gut sichtbar aufgehängt und vielleicht schon die erste Vorgabe hineingeschrieben, damit die Intention offensichtlicher ist. Dieser Stunt funktioniert natürlich nur bei Plakatwänden in der Innenstadt. Man kann aber schnell feststellen, wieviele Leute gerne der Aufforderung nachkommen, sich bei diesem offenen Diskurs zu beteiligen und entdeckt immer wieder neue inhaltliche Wendungen.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 04 von 11. Level: Rookie Stunt: Werbe- zu Kreidetafeln umgestalten. Stressfaktor: mittel. Kostenfaktor: mässig. Spassfaktor: gross bei entsprechender öffentlicher Partizipation.

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Es empfiehlt sich diesen Stunt möglichst gradlinig und schnell durchzuziehen, da die Strafen teils drakonisch ausfallen können. Man sollte im Vorfeld herausfinden, wann die neuen Plakate aufgehängt werden, um zu verhindern, dass die eigene Plakatierung nur einen Tag hängt. Die Intervalle erfährt man durch Beobachtung oder direkt von dem Unternehmen, welches die Grosswerbeflächen vermietet. Gebt euch als Werber aus und nennt nicht euren richtigen Namen – logo. Für die Furchtlosen gibt es eine dreiste Variante: zieht die Aktion einfach am Tag durch und tarnt euch als Strassenarbeiter oder Plakatklebeteam, d.h. Helm, Blaumann, Warnweste oder ähnliches. Ein paar Warnhütchen oder Blinklichter aufstellen und möglichst normal und entspannt wirken. Auch erhöhen Zigaretten im Mundwinkel und laute Gespräche über Fussball die Authentizität. Wenn ihr nur ein bis zwei Minuten diese Verwirrung halten könnt, habt ihr gewonnen. Denn wenn sich dann noch ein Anwohner entscheiden sollte, die Polizei zu rufen, habt ihr schon euer Werk vollbracht und seid um die Ecke gebogen. Achtet bei der Tageslichtaktion besonders darauf, dass ihr nicht dauernd suchend umherschaut oder das Gesicht potentiellen Kameras optimal präsentiert.

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HOW: TUTORIALS Level: Playa Dieses Kapitel widmet sich dem erfahreneren visuellen Kämpfer, der etwas mehr Einsatz und Kreativität mitbringt und auch vor etwas mehr Planung oder Helfern nicht zurückschreckt. Eine grosse Flexibilität lässt ihn für jeden anvisierten Ort ein besonderes Medium finden. Er ist interessiert seinen Stil miteinzubringen und besondere Spots zu wählen.

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Playa/ Tutorial 05: Selbstgemachte Marker.

Von vielen Herstellern gibt es mittlerweile superbreite Marker, aber in den guten alten Tagen half nur eine Basteleinlage. Man bekommt aber auch heute noch eine gute B-Note, wenn man mit einer Strichbreite von 18 cm auftrumpfen kann.

Lack- und Filzstifte kann man heute in vielen Farben und Breiten bis zu 6cm kaufen. Wer allerdings eine wirkliche Schreibaxt auspacken will, kann sich aus verschiedenen Plastikformen wie zum Beispiel Schuhputzschw채mmen nachf체llbare Individual-Tagger basteln. Unschlagbar mit 18cm Filzbreite sind Homemades aus alten Videokassetten.

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Action:Primer / black|book. pages 12/13.

Material: Videokassette, grosse Markerfilze, F체llmaterial, Tinte, Kleber. Zeitaufwand: 5 min Vorbereitung, 15 min Montieren.

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Zuerst muss man alles Innenleben aus der Kassette entfernen. Dazu klappt man die Schutzklappe nach hinten, schneidet mit einem Teppichmesser die obere Seite ab und zieht die R채der, Band und Spulen heraus. Dann holt man aus zwei Eddings 850 die Filze heraus und schneidet die oberen 5mm ab.

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Da sich durch das Entfernen auf der Unterseite der Kassette kleine und grosse Löcher befinden, verklebt man die grossen mit Gaffa-Tape und die kleinen mit Kleber, Silikon oder Heissklebepistole. Das Sichtfenster auf der Oberseite sollte man auch noch an den Fugen zuschmieren. Als Füllmaterial benutzt man TeddyWatte oder Stofflappen, dabei sollte man darauf achten, dass man keine Synthetikfasern verwendet, da diese nicht die Farbe aufsaugen können, die man danach einfüllt. Die angeschnittenen Edding-Filze werden in die Spalte eingeklemmt, an den Seiten mit Klebepunkten fixiert und deren Plastikhülle an den Seiten zurückgeschnitten. So liegt das Filz beim Malen ganz an und verbessert den Farbauftrag. Mit der Schutzklappe des Bandes kann man jetzt den Filz schützen. Auch die ehemalige Aussenhülle ergibt eine praktische Transportbox.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 05 von 11. Level: Playa Stunt: Selbstgemachte Marker. Stressfaktor: gering. Kostenfaktor: mässig. Spassfaktor: unendlich bei Riesen-Tags.

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Das Verhältnis von Füllmaterial zu Tinte ist ein entscheidender Faktor. Je nachdem wie stark die Tinte an den Stoff gebunden ist, erhält man einen mehr oder weniger drippigen Marker. Man kann auch verschiedene Farbkammern einziehen und mit mehrfarigem Strich malen. Etwas Nitro-Verdünnung kann auch den Flow verbessern. Aber die Vorlieben sind verschieden und man muss etwas experimentieren, besonders bei dem Füllmaterial und wie stark das Innere gestopft ist. Wer keine Lust hat, zum Nachfüllen immer den Filz abzumontieren kann auch mit einer Spritze durch einer der kleinen Löcher Tinte einfüllen. Man muss dann nur den kleinen Heissklebepunkt ersetzen. Homemades wurden schon aus allen möglichen Plastik- und Metallbehältnissen gebaut. Den Variationen sind keine Grenzen gesetzt und jeder muss für sich seinen Lieblingsmarker finden.

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Playa/ Tutorial 06: Wetterfeste Schilder herstellen.

Paste-Ups erhielten neuen Wind durch die seit einigen Jahren erstarkende Streetart-Bewegung. Da man sich bei grossen Motiven ärgert, wenn sie einfach abgerissen werden können oder der nächste Regen sie entstellt, muss man Wege finden, haltbarere Boards herzustellen.

Poster kann man mit Tapetenkleister ankleben. Je nach Wetter ist die Haltbarkeit aber stark beschränkt. Ein Weg, sie wetterfest und langlebig zu machen, ist sie auf einen Träger zu fixieren, mit Lack zu versiegeln und nicht-wasserlöslichen Kleber zu verwenden.

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Action:Primer / black|book. pages 14/15.

Material: dünnes Holz, feste Pappe, PVC-Boden, Cutter, Sprühkleber, Lack. Zeitaufwand: 10 min Basteln, 15 min Montieren.

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Man kann zum Beispiel einen festen Karton, dünnes Sperrholz oder auch Sandwichpappe verwenden. Diese sprüht man etwas grossflächiger als das Motiv mit Sprühkleber oder ähnlichem ein. Dabei ist vorallem in den Randbereiche der Fläche ein grosszügiger Auftrag wichtig.

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Das Motiv an einer Seite sauber anlegen und mit der flachen Hand stückweise von innen zu beiden Seiten ausstreichen, um keine Blasen zu bekommen. Die Streichhand sollte kleberestfrei sein und keine Ringe haben. Kleine harte Rollen oder alte Nudelhölzer sind auch sehr praktisch. Nachdem der Kleber durchgetrocknet ist, schneidet man mit Schere oder Cutter dem Motiv entlang und säubert die Kanten. Bei einem Sperrholzträger nimmt man natürlich eine Lauboder Stichsäge. Die Haltbarkeitstechniken sind mannigfaltig, z.B. eine Veredelung mit Klarlacksprays, Gartenmöbellasuren oder Folienschweissgeräten. Zur festen Anbringung eignen sich Doppelklebeband, Silikontuben oder Fliesenkleber, die man grossflächig bis zu den Kanten aufträgt. Vor dem Anbringen am besten etwas antrocknen lassen, damit das Board nicht mehr verrutschen kann, wenn man einmal von der Leiter unten ist.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 06 von 11. Level: Playa Stunt: Wetterfeste Schilder. Stressfaktor: mässig. Kostenfaktor: gering. Spassfaktor: finde eine guten Spot und der Erfolg ist dir sicher.

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Es gibt viele Methoden, seine eigenen Pastups haltbar zu machen. Mancher empfiehlt die Zugabe von Zucker oder Mehl zum Tapetenkleister, bei kalten Bedingungen sollte man Salz dazumischen, um eine Durchtrocknung vorm Einfrieren des Kleisters zu erreichen, mancher schwört auf die Handlichkeit von Sprühkleberdosen. Für jeden Spot und für jeden Künstler gibt es eine mögliche Speziallösung, die man sich erarbeiten muss. Logischerweise sind bei Outdoorspots wasserfeste Kleber stark im Vorteil, sind allerdings auch schwerer zu entfernen und provozieren beim Buff kostenspielige Anzeigen. Silikonkartuschen findet man in jedem Baumarkt und mit der dazugehörigen Ratsche kann man prima auch mobil starken Kleber verarbeiten. Natürlich hängt das benötigte Klebematerial auch vom Board- und Untergrundmaterial ab. Glatte Flächen lassen sich mit Doppelklebeband besser bekleben, bei Beton oder ähnlichem dominiert die Silikonschmiere deutlich. Grosse Motive kann man in mehrere Schilder unterteilen und sie vor Ort rückseitig mit Tape verkleben, damit die Anlegestellen zusammengehalten werden. Auf Holzuntergründen (keine Bäume verletzen!) bieten sich auch Akkubohrer und Schrauben an, die oben glattgebohrt werden.

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Playa/ Tutorial 07: Grossflächenplakate malen.

Das Überkleben von Teilen einer Werbeanzeige ist eine alte Form der Kommunikationsguerilla. Meist bieten aktuelle Anzeigen eine Möglichkeit, Texte umzudichten oder Inhalte zu verdrehen. Die grossen Supermarken, die nur Lifestyle transportieren, sind sehr gute Ziele.

In den Innenstädten prägen Werbetafeln das Stadtbild. Die klassische BillboardLiberation hat dort gute Chancen eine echte Öffentlichkeit zu finden. So kann man den werbetypischen Flosskeln die Stirn zu bieten und sie mit ihren eigenen Waffen schlagen. Indem man nur Teile des Plakates verändert kann man den eigentlichen Absender entstellen.

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Action:Primer / black|book. pages 16/17.

Material: Tapete oder Papierrolle, Pinsel, Farbe, Cutter, Kleister. Zeitaufwand: 25 min Vorbereitung, 10 min Montieren.

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Um ein grossflächiges Poster zu erhalten, klebt man von der Rückseite Tapetenbahnen zusammen. Gut geeignet ist Paketband, da dieses wasserdurchlässig ist. Die benötigte Breite und Höhe sollte man vorher an der angepeilten Plakatwand abmessen.

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Das Motiv kann man nun aufmalen, sprßhen oder mit Schablonen auftragen, je nach dem wie man will. Die SchriftgrÜsse und -type sollte den Originalen angepasst sein. Mit Dia- oder Overheadprojektoren kann man sich die Vorlagen vergrÜssert an die Wand oder auf den Boden werfen lassen. Wenn man auf dem Boden malt, kann man Farbdrips verhindern. Nachdem das entstandene Poster gut getrocknet ist, geht man zur Applizierung ßber. Die Plakatwand gut mit Kleister einstreichen, am besten mit einem Helfer anlegen und gut darßber streichen. Hier kann man getrost mit Tapetenkleister arbeiten, da die Grosswerbeplakate meist jede Woche erneuert werden. Ob man nun Bilder, Text oder Character hinzufßgt hängt nicht nur von einem selbst ab, sondern auch von dem Originalplakat und dessen Aussage. Dass sich hier McDonalds angeblich fßr einen fairen Welthandel einsetzt, sollte jeden verwirren.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 07 von 11. Level: Playa Stunt: Grossflächenplakate malen. Stressfaktor: mässig. Kostenfaktor: gering. Spassfaktor: gross.

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Wie bereits beim Tutorial 06 beschrieben, gibt es viele Eigenrezepte beim Plakatieren. Auch kann man diesen Stunt wie Tutorial 04 am helligten Tag machen, allerdings ist dies nicht bei jedem Spot ratsam. Die Wirkung wird potentiert, wenn man mehrere Plakate einer Kampagne bustet und mĂśglichst sauber arbeitet. Je nach Hintergrund kann es auch notwendig sein, die Schrift auszuschneiden oder dem Motiv anzupassen. Computerplotts sind genauso denkbar wie Schablonen-Graffitis. Man sollte bei dieser Aktion vielleicht auch Wachposten aufstellen, wenn die Strasse nicht gut einzusehen ist und ein Hust- oder Pfeiffzeichen bei Gefahr ausmachen. Mitgebrachte Leitern mĂźssen dabei auch flach hingelegt werden, um nicht sofort aufzufliegen. Im Notfall kann man auch zur Demonstration die Sachen wieder abziehen, womit sich die meisten Polizisten zufrieden geben dĂźrften. Aufpassen muss man in den letzten Jahren besonders wegen Ă&#x153;berwachungskameras, die unsichtbar auf Laternenpfählen oder Hausdächern postiert sind. Deswegen sollte man gut versteckt den Spot beobachten, um nicht Besuch zu bekommen, noch bevor man das Material ausgepackt hat.

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HOW: TUTORIALS Level: Crack Furcht vor Verletzungen, hohen Geldstrafen oder Sachbeschädigungen kennt er nicht. Technisch wie künstlerisch auf hohem Niveau schaut er immer nach neuen Nischen, die man für die nächste Aktion nutzen kann. Gewissenhafte Planung und genau koordinierte Durchführung über Funk gehören zum Standard jeder nächtlichen Aktion.

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Playa/ Tutorial 08: Sprühwerkzeug für den Höheneinsatz.

Eine Art hochgelegene Spots zu erreichen ist nicht selbst zu dem Spot hoch zu klettern, sondern nur das Malgerät auf die richtige Höhe zu bringen. Was man mit Farbpinseln oder -Rollen machen kann, bedarf auch nur eines kleinen Umbaus für Sprühdosen.

Nicht immer kann oder will man eine Leiter mit sich herumtragen. Sie sind sperrig, laut und zu teuer zum Zurücklassen wenn man flüchten muss. Alternativen gibt es in Form von Räuberleitern, Bierkästen oder Tritthilfen, um an Plätze ausserhalb der normalen Reichweite zu kommen. Ganz ohne Klettern kommt man mit diesem Tool aus.

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Action:Primer / black|book. pages 20/21.

Material: Dachlatte oder Besenstil, Rollen, Tape, Schraube, Faden, Can. Zeitaufwand: 15 min Vorbereitung, 10 min Montieren.

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Ein solches Werkzeug zu bauen ist sehr einfach und preiswert. Man braucht eine lange Dachlatte, ein kurzes Querstück, zwei kleine PlastikRollen, drei Streifen Gaffa-Tape, einige Meter Draht oder festen Faden, eine Schraube und natürlich eine Spraycan in einer beliebigen Farbe.

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Zuerst wird das Querstück ca. 10cm unterhalb des Endes der Dachlatte angeschraubt, allerdings nicht ganz festgezogen, sodass man das Querstück noch leicht bewegen kann. Die beiden Plastikrollen befestigt man am Ende der Dachlatte und des Querstücks. Für die optimalen Proportionen braucht man einige Protomodelle. Der Faden wird nun an der Querstückrolle befestigt und über die obere Rolle geführt. Mit kleinen Haken kann man auch dem Fadenlauf eine gute Führung in die Rollen und an der Latte geben. Nun muss man die Can so platzieren, dass das kürzere Ende genau auf das Cap drückt, sobald man das hintere Querstückteil hochzieht. Sobald man die richtige Position gefunden hat, fixiert man die Dose mit Tape. Oft muss man ein Hölzchen dazwischenlegen, um den richtigen Abstand zu bekommen. Das Schreiben ist stark gewöhnungsbedürftig mit diesem langen Griffel, den man auch noch beliebig verlängern kann.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 08 von 11. Level: Crack Stunt: Sprühwerkzeug für den Höheneinsatz. Stressfaktor: mittel. Kostenfaktor: mässig. Spassfaktor: nach dem Eingewöhnen relativ gross.

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Diese Art zu Malen oder Schreiben ist wirklich etwas gewöhnungsbedürftig vom Handling her. Deswegen sollte man erst einige Sätze schreiben üben, um nicht an einem prominenten Spot nur Gekritzel zu fabrizieren. Auch das Halten eines festen Abstands von Cap zu Mauer ist bedeutend schwieriger als bei direkter Führung der Dose. Es ist auch möglich mit einem ähnlichen Werkzeug ein Schablonenmotiv an die Wand zu halten und mit der Dose nur drüber zu sprühen. Mit Teleskopstücken kann man im Prinzip jede beliebige Höhe erreichen, allerdings ist bei grosser Höhe ein überblickendes und instruierendes Auge zusätzlich vonnöten. Man sollte auch auf die korrekte Rechtschreibung achten, denn nichts ist so peinlich wie eine Parole, die nur belächelt wird. Wenn man beim Sprühen auf seine Hände schaut, kann man am besten die Dimensionen und Proportionen der Schrift einschätzen. Man kann auch mit einem Marker an der Wand vor einem die Schrift anzeichnen und diese als Hilfe beim Sprühen nachfahren. Da man für das Anbringen relativ lange braucht, gilt hier wieder erhöhte Vorsicht und Absicherung der Zufahrtsstrassen.

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Playa/ Tutorial 09: Brücken beschriften.

Diese Beschriftungsaktion ist ein etwas gefährlicherer Akt, dafür bekommt man aber bei prominenten Spots eine sichere Extra-Publicity durch die lokale Presse. Dadurch wird aber auch die Soko eher auf einen aufmerksam. Seid euch dessen bewusst und plant alles gewissenhaft.

Um wirksam zu kommunizieren benötigt man ein grosses potentielles Publikum. Deswegen lohnt es sich an Hauptverkehrsstrassen nach Überführungen oder Brücken zu suchen, die man als Leinwand missbrauchen kann. Aufgrund des grossen Aufwandes, der nötigen Koordinierung und der hohen Illegalität ist dies ein Stunt, den man definitiv nicht allein starten sollte.

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Action:Primer / black|book. pages 22/23.

Material: Malerrolle, Teleskopstab, ein Eimer Fassadenfarbe. Zeitaufwand: 40 min Vorbereitung, 20 – 30 min Malen.

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Nachdem man eine geeignete Stelle gefunden hat, muss man sich auf eine Parole und deren Grösse verständigen. Mehrere Posten vestecken sich bereits einige Minuten vorher auf allen Seiten und sind über Funk miteinander verbunden.

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Der Hauptakteur steht über das Geländer gebeugt und schreibt mit dem Blick nach unten. Da das sehr schwierig ist, hat man schon bei Tageslicht kleine Marken gesetzt, wie breit die Buchstaben sein sollen. Eine andere Möglichkeit ist die, dass ein Untenstehender den Maler mit einem Laserpointer dirigiert, was allerdings auch einiger gemeinsamer Übung bedarf. Diese Aktion ist relativ langwierig, wenn man sauber malen will. Immer wieder wird man unterbrechen oder auch mal seinen Standpunkt aufgeben müssen. Man kann sich auch bei guter Koordinierung das Malen teilen, sodass jeder nur ein Wort oder Buchstaben macht um die Produktionszeit zu verringern. Man sollte darauf achten, danach mindestens einen Tag Sonnenwetter zu haben, damit die Farbe durchtrocknen kann. Besonders morgens und abends im Berufsverkehr hat man eine gute Publikumswirksamkeit erzielen können.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 09 von 11. Level: Crack Stunt: Brücken beschriften. Stressfaktor: erhöht. Kostenfaktor: mittel. Spassfaktor: bei erfolgreichen Abschluss riesig.

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Man sollte daran denken, dass man nur kurze Botschaften im Vorbeifahren lesen kann. Also keine Romane schreiben, sondern in grossen Lettern ein oder zwei Worte. Ansonsten ist auch die Malarbeit zu langwierig und man riskiert, erwischt zu werden. Als Farbe sollte man dickflüssige Dispersionsfarbe benutzen oder wenn man die Möglichkeit hat an Strassenmarkierungsfarbe zu kommen, diese optimalerweise verwenden, da sie leicht reflektierend ist. Gerade bei Hochstrassen oder Verkehrsknotenpunkten muss man auf Kameraüberwachung achten, weil diese Aktion aufgrund der benötigten Dauer dann kaum durchführbar ist, ausser man sabotiert oder verhängt diese noch. Eine Alternative ist das Aufhängen von vorbereiteten Bannern, die z.B. mit verschraubten Stahlseilen sehr widerstandsfähig sind. Der Funkkontakt läuft nur über verschlüsselte Botschaften, denn im Amateurfunknetz treiben sich nicht nur Sympathisanten solcher Aktionen herum.

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Playa/ Tutorial 10: Hochleitungspost aufhängen.

Hochleitungsschilder gehört sicher zu den ästhetischsten Mitteln. Ein weiterer Vorteil ist, dass man nichts beschmutzt oder anmalt und deswegen wenig Stress provoziert. Besonders im Herbst sollte man seine Boards wetter-fest wie in Tutorial 06 bauen.

Eine besonders schöne Methode in der Innenstadt zu kommunizieren sind Schilder an Strassenbahnhochleitungen aufzuhängen. Mit etwas Übung braucht man dafür nicht einmal eine Leiter, sondern kann diese mit einem Gegengewicht ausgestatteten Boards nur durch Hochwerfen anbringen. Besonders eindrucksvoll ist es, wenn man grössere Plätze damit ausstattet.

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Action:Primer / black|book. pages 24/25.

Material: Boards, Schnur, Holzklöppel, Zielwasser. Zeitaufwand: 40 min Vorbereitung, 10 – 15 min Applizierung.

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Man sucht sich einen geeigneten Spot, wie man ihn oft in Städten findet. Das komplizierte Hochleitungsgewirr ist mit Stahlseilen, die auch über die angrenzende Fahrbahn reichen, abgespannt. Die Boards sollten ein einfaches, doppelseitiges Motiv haben und nicht zu leicht sein.

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An den Boards klebt man oben eine feste Schnur dran, die am anderen Ende um ein Holzstück gebunden ist. Wie man vielleicht schon mal mit alten Turnschuhen gesehen hat, ist das Prinzip, dass sich die Schnur mit dem Gegengewicht mehrmals um die Leitung dreht, wenn man die Leitung gut trifft. Man muss dabei aufpassen, dass die Schnur nicht zu lang ist und man sie noch in der Hand hält, wenn das Schild schon die Leitung berührt. Es ist aber sowieso sinnvoller, nicht die stromführenden Drähte anzupeilen, sondern nur die Halteseile, weil sonst die nächste Tram die Werke abreisst. Das Werfen sollte man üben und auch darauf achten, dass alles schwer genug ist um ausreichend Schwung zu bekommen. So kann man nun bei guter Vorbereitung in wenigen Minuten im Durchmarsch einige Schilder aufhängen. Gute Wirkung hat man z.B. mit aufgehängten Kreuzen bei einem neuen Kriegsausbruch erzielen können.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 10 von 11. Level: Crack Stunt: Hochleitungspost aufhängen. Stressfaktor: mittel. Kostenfaktor: erhöht. Spassfaktor: gross, wenn alles schön im Wind flattert.

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Als Material eignen sich besonders Balsa- und Sperrholz, da beide Materialien schwer und widerstandsfähig genug sind. Mit der Länge der Leine muss man etwas herumexperimentieren, ebenso mit dem Schleudergewicht am anderen Ende. Die Anzahl der Überschläge des Holzstückes ist entscheidend für die Langlebigkeit. Wie bereits im Text erwähnt, sollte man nur Versorgungsdrähte ohne Stromspannung dafür nutzen. Man bekommt meist als Dank eine lange Hängdauer, da Hochleitungen selten gewartet werden müssen. Der Streetartist Above hat diese Technik zu einer seiner Markenzeichen ausgebaut und unter http://www.goabove.com/ kann man sich seine schönsten Flicks anschauen. Nichtsdestotrotz ist diese Methode nicht von ihm erfunden und es absolut wert abgeändert ihre Wirkung und Ästhetik allerorts zu entfalten. Man sollte einfache Formen oder Schrift benutzen, weil diese Airboards sich ständig im Wind drehen, sobald sie einmal hängen. Und nicht den Schluck Zielwasser vergessen!

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Playa/ Tutorial 11: Leuchtpropaganda sprühen.

Eine spezielle Form der Kommunikationsguerilla sind solche Aktionen, die ihrem Opfer nicht einmal auffallen. Dadurch bekommen sie einen höheren Subversiongrad und eine grössere Langlebigkeit gegenüber den herkömmlichen Mitteln und Methoden.

Bei repräsentativen Bauten wie zum Beispiel Bank- oder Behördengebäuden kann man nur mit einer kurzen Lebensdauer bis zum Buff rechnen. Da aber solche Gebäude nachts meistens verlassen sind, hat man gute Möglichkeiten ausserhalb der Geschäftszeiten zu beraten und zu informieren, ohne dass der Eingriff tagsüber sichtbar ist.

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Action:Primer / black|book. pages 26/27.

Material: Leuchtfarbe, Pinsel oder Spraycan, evtl. Schablonen. Zeitaufwand: 15 min Vorbereitung, 10 min Durchführung.

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Ein beliebtes Ziel sind Grossbanken, die weder Scheu noch Skrupel kennen, Geld aus schmutzigen Geschäften zu verwalten. Man muss sich für diese Aktion eigentlich als Besonderheit nur Nachtleuchtfarbe aus dem Bastelhandel kaufen.

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Mit dieser Farbe lässt sich genauso einfach malen wie mit jeder anderen. Man muss jedoch entweder seine Formen anzeichnen oder sich konzentrieren, da man die Farbe fast nicht auf hellen Oberflächen sieht. Schablonen sind genauso gute Hilfen, zumal es auch seit einigen Jahren flourisziernde Farbe in Sprayans gibt. Es gibt mittlerweile auch verschiedene Farbtöne, sodass man zum Beipsiel einen Stern in einer zweiten Farbe hinzufügen kann. Die Farben brauchen einen sonnigen Tag danach, damit sie richtig leuchten. So ist man schon lange weg, bevor der Schriftzug überhaupt sichtbar wird. Da in der Nacht die vielen Farben der Stadt verblassen, wirkt diese Leuchtbotschaft besonders auffällig. Man sollte einen glatten und hellen Untergrund wählen, da die relativ teure Farbe so am sparsamsten dosiert werden kann. Da Banken immer kameraüberwacht sind, muss man auch an eine gute Vermummung denken.

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BLACK|BOOK Action:Primer Tutorial 11 von 11. Level: Crack Stunt: Leuchtpropaganda sprühen. Stressfaktor: mittel. Kostenfaktor: mittel. Spassfaktor: in der Nacht gross.

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Bei diesem Stunt ist man auch im Vorteil, wenn ein Polizeiwagen um die Ecke biegt, denn wo man nichts sehen kann, kann wohl auch keine Sachbeschädigung vorliegen. Welche Story man dann erfindet ( „Ich helfe nur Fledermäusen, Herr Inspektor!“ ), bleibt der eigenen Kreativität überlassen. Allgemein sollte man sich immer eine Ausrede einfallen lassen, die man parat hat. Man sollte nicht erwarten, dass sein Gehirn innerhalb von Sekundenbruchteilen umschalten kann, alles überspielt und auch noch ein guter Einfall zur Erklärung dabei abfällt. Bei dieser Aktion ist es auch wichtig schnell und rationell zu arbeiten, da oft Wachdienste das Gebäude patrouillieren. Am besten ist, man legt sich eine Nacht auf die Lauer, schreibt die Rundgangszeiten mit und zieht dann erst einige Nächte später die Aktion durch. Meistens bleiben solche versteckten Messages lange unbeobachtet, denn von den Securities, die sie vielleicht als Einzige doch sehen, fühlt sich keiner verantwortlich für Sachen, die ausserhalb seines Zuständig-keitsbereiches liegen. Natürlich liegt aufgrund des verringerten Publikumsverkehrs auch die Öffentlichkeitswirkung niedriger, was aber durch die Auffälligkeit etwas relativiert wird.

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,3;59)00 )20-8)6%89 6%&&-0(92+ )2 Agentur Bilwet: Medien-Archiv. Bensheim/D端sseldorf, 1993. Anonym: Antifa /Tat ohne Reue. Mannheim, ca. 1990. Bieber, Alain (Hrsg.): Rebel:Art. How to provoke today? Issue 01. T端bingen, 2004. Edelweisspiraten Berlin: Tips & Trix f端r Antifas. Berlin, ca. 1990. Ferrell, Jeff: Crimes of Style. Urban Graffiti and the Politics of Criminality. New York & London, 1993. Foreman, Dave und Haywood, Bill: Ecodefense, A field guide to monkeywreching. New York, 1987. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Graffiti Art Deutschland 1+2, Berlin 1992. Desweiteren beeinflussten dieses Kapitel verschiedene Quellen aus dem Internet, aus dem privaten und k端nstlerischen Umfeld und die eigene Erfahrung aus 13 Jahren Aktionismus in den Strassen.

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black|book Kommunikationsguerilla

Konzept, Design, Texte, Fotos und Grafik von Daniel Unger. Entstanden als Diplomprojekt im Studiengang Gestaltung, Fachrichtung Design an der FH Mainz. Betreut von Prof. Ulysses Voelker. Alle Rechte bei den Autoren und Fotografen, sofern nicht anders gekennzeichnet. Gesetzt in den Schriften SF Pixelate, Thesis TheSansMono und Thesis TheMix. edwing.prod Mainz, II â&#x20AC;&#x201C; VIII 2004. c â&#x20AC;&#x201C;o.l.

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