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Kapitel 1

Grundlagen und Phasen des Turnarounds

Das tödliche Prinzip Hoffnung Eine in Deutschland führende Druckerei erwirtschaftete seit vielen Jahren regelmäßig einen Umsatz von 120 Millionen Euro – und als Ergebnis eine schwarze Null. Die Gewinne in der Branche standen aufgrund von europaweiten Überkapazitäten unter Druck, ein seit Jahren anhaltender Preiskampf hatte die Margen ruiniert. Dennoch kaufte das Unternehmen in Tschechien und Ungarn weitere Druckereien hinzu, die es in den Konzern eingliederte. Man hoffte auf bessere Zeiten. Nur mit einem einzigen Kunden, der ein angesehenes Magazin drucken ließ, verdiente das Unternehmen wirklich gutes Geld: Rund 30 Prozent des gesamten Deckungsbeitrags wurden damit erwirtschaftet. Mit den Jahren bröckelten jedoch Auflage und Umfang des Magazins. Die Druckerei versuchte gegenzusteuern, indem sie Werbebeilagen für Zeitungen akquirierte – und geriet vom Regen in die Traufe: Zwar nahm die Zahl der Aufträge zu, doch der durchschnittliche Umsatz je Auftrag sank und die sehr unterschiedlichen Kundenwünsche trieben die Kosten in die Höhe. Die Druckerei investierte daraufhin in einen neuen Maschinenpark, um künftig schnell und flexibel auf die Kundenwünsche reagieren zu können. Doch das Gegenteil trat ein: Die Inbetriebnahme der neu zugekauften Maschinen verzögerte sich, zudem stieg mit den neuen Anlagen die Komplexität in der Produktion so stark an, dass man die Abläufe nicht mehr in den Griff bekam. Aufträge gerieten auf die technologisch falschen Maschinen, die Belegung der Maschinen war suboptimal – und der Ausschuss durch Fehl­ drucke schnellte in die Höhe. Die Folge: Das operative Ergebnis brach innerhalb weniger Monate massiv ein. Spätestens jetzt hätte die Unternehmensführung handeln müssen. Stattdessen setzte sie auf ein Weiter-wie-bisher: Der Vertrieb solle seine Anstrengungen verdoppeln, er solle noch mehr Druckaufträge im Bereich der Zeitungsbeilagen ins Haus holen. Vor den eigentlichen Problemen verschloss das Management die Augen – zum Beispiel vor den Aktivitäten der KonkurGrundlagen und Phasen des Turnarounds

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