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Brennpunkt Rechnungswesen

Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge

Keine finanziellen Sorgen! Wer wünscht sich das nicht? Die meisten Menschen würden sich gerne etwas Zusätzliches leisten, wenn sie nur ein wenig mehr Geld zur Verfügung hätten. Was in jedem Betrieb üblich ist, nämlich das Erstellen eines Budgets, wird in vielen Privathaushalten vernachlässigt. Ein Haushalt kann aber durchaus mit einem Unternehmen verglichen werden, das ein «Management» und eine «Organisation» verlangt. Um erfolgreich mit Finanzen umgehen zu können, sollten diese geplant und kontrolliert werden. Dabei ist es nicht nötig, dass über jeden Fünfer abgerechnet wird. Die meisten Privatpersonen müssen aber ihr Geld bewusst einteilen, damit es für die Befriedigung möglichst vieler Bedürfnisse reicht. Dazu ist ein Budget eine wertvolle Hilfe.

Da jedes Vorhaben Chancen und Risiken hat, ist es wichtig, dass man über die anzustrebenden Ziele sowie die Massnahmen zu deren Erreichung klare Vorstellungen hat. Mit einem Businessplan wird detailliert aufgezeigt, mit welchen Mitteln eine Geschäftsidee verwirklicht werden soll. Häufig sind dafür auch zusätzliche finanzielle Mittel notwendig. Mit einem überzeugenden Businessplan werden mögliche Kapitalgeber über die Vision und Strategie einer Unternehmung, die Marktsituation, die Organisation sowie den Finanzbedarf orientiert. Ein Businessplan ist somit bei der Gründung einer Unternehmung und bei weiteren Entwicklungsschritten notwendig und zeigt dabei konkrete Lösungen zu unternehmerischen Problemstellungen auf.

Theorie

Aufgaben

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1 2 3 4 5 6 7

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Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge in einem Privathaushalt ............................ 2 1.1 Mit einem Budget den Überblick behalten ................................................................. 2 1.2 Die finanzielle Situation mit Bilanz und Erfolgsrechnung darstellen ............................ 3 1.3 Verschuldungsfallen – die Ursachen von Verschuldung .............................................. 4 1.4 Die Finanzierung künftiger Projekte – mit regelmässigen Sparbeiträgen zum Ziel ................................................................. 5 1.5 Kann man Sparen lernen?.......................................................................................... 6 Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge in einer Unternehmung ............................... 7 2.1 Liquidität: die Frage nach der Zahlungsbereitschaft ................................................... 7 2.2 Sicherheit: Wahrung der finanziellen Unabhängigkeit ................................................ 8 2.3 Rentabilität: Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital ................................................. 8 Unternehmerisch denken und handeln ....................................................................... 10 3.1 Canvas – Beispiel eines Geschäftsmodells; wie «funktionieren» Unternehmungen? ................................................................... 11 3.2 Businessplan – Grundlage für erfolgreiche Unternehmungen ................................... 13 3.3 Einen Businessplan beurteilen .................................................................................. 15 Was sind erfolgreiche Unternehmungen? ................................................................... 17

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Familie Keller – Entscheidungen mit finanziellen Folgen .................................................... 18 Kleinkredite oder regelmässige Sparbeiträge? ................................................................... 22 Kann man Sparen lernen? Der Marshmallow-Test ............................................................. 24 Renato Keller macht sich selbstständig ............................................................................. 25 Auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee ................................................................ 32 Und Ihr persönliches Geschäftsmodell? ............................................................................. 35 Businessplan für Renato Keller .......................................................................................... 36

Brennpunkt Wirtschaft und Gesellschaft – Zusatzkapitel 3. Auflage 2017 / © STR teachware Diese Broschüre ist urheberrechtlich geschützt. Ohne Genehmigung der Autoren ist es nicht gestattet, die Broschüre oder Teile daraus in irgendeiner Form zu reproduzieren. Bestellung über: https://brennpunkt-wug.abacuscity.ch/de/home Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 1


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Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge in einem Privathaushalt

Es ist nicht immer einfach, die eigenen Ausgaben im Griff zu haben. Wir sind ständig von Werbung umgeben, die uns zum Konsum verführen will. Aktionen, Sonderangebote und Rabattsysteme suggerieren uns manchmal sogar, dass wir sparen könnten, indem wir konsumieren. Und schliesslich erleichtern uns Kredit- oder Zahlkarten Spontankäufe, weil wir zur Zahlung nicht konkret ins Portemonnaie greifen müssen. Um seine Ausgaben im Griff zu haben, braucht man Disziplin und muss Prioritäten setzen. Dazu ist es sinnvoll, ein Budget zu erstellen.

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1.1 Mit einem Budget den Überblick behalten

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n Unentbehrliches: Gewisse Ausgaben sind unumgänglich: Nahrungsmittel für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung; Kleider, die einem gefallen und in denen es einem wohl ist; Wohnen, um sich in den eigenen vier Wänden zu erholen; Körperpflege und Hygiene, Prämien für Krankenkassen und weitere Versicherungen, damit das Leben auch nach Schicksalsschlägen weitergehen kann; Steuern, damit staatliche Leistungen finanziert werden können; Freundschaft und soziale Kontakte, um sein Leben mit andern teilen zu können und sich vor Einsamkeit zu schützen.

n Notwendiges: Andere Ausgaben sind zwar nicht absolut zwingend, ergeben sich aber aus der üblichen Lebensführung: Mobilität, weil wir in vielen Lebensbereichen auf Verkehrsmittel angewiesen sind; Sport, um in Form und ausgeglichen zu bleiben; Kultur, um sich zu bilden und mit anderen Menschen spannende Momente zu erleben; Ferien, in denen wir ausspannen und zu neuen Horizonten aufbrechen können; Geschenke, weil wir anderen und uns selbst auch ab und zu eine kleine Freude bereiten wollen.

n Zusätzliches und Überflüssiges: Die Werbung zeigt uns immer wieder, was wir alles benötigen, um dabei zu sein. Wer hat nicht schon Dinge gekauft, die im Grunde unnötig waren? Viele sehen im Shoppen einen Stresskiller, nach dem Motto: «Ich hatte einen anstrengenden Tag, jetzt gönne ich mir wieder einmal etwas.» Häufig ist es «einfacher», den Wünschen und Bedürfnissen nachzugeben, als der Konsumlust zu widerstehen. Und bekanntlich fällt es uns nicht schwer, eine unüberlegte Ausgabe im Nachhinein zu rechtfertigen. Es ist keine Kunst, Geld auszugeben, wenn genügend vorhanden ist. Schwieriger ist es, mit einem begrenzten Budget vernünftig umzugehen. Aber auch das kann man lernen, wenn man dabei ein paar Grundregeln einhält.

Schritt 1: Fakten sammeln

Wer seinen Umgang mit Geld bewusst angehen will, muss sich zunächst mit den folgenden Leitfragen auseinandersetzen: Wie hoch sind die Einnahmen? Wie hoch die Ausgaben? Zu welchem Zeitpunkt fallen die verschiedenen Ausgaben an? In der Regel macht das Zusammenstellen der künftigen Ausgaben am meisten Mühe.

Schritt 2: Budget erstellen

Aufgrund der gesammelten Fakten können wir einen Plan der zukünftigen Eingaben und Ausgaben, ein sogenanntes «Budget», erstellen. Dieses kann je nach Informationsbedarf in unterschiedliche Kategorien gegliedert werden. Im Internet finden sich verschiedene Budgetvorlagen mit Richtlinien für Lehrlinge, Studierende, Familien und Alleinerziehende (www.budgetberatung.ch). Es gibt auch kostenlose Apps, mit deren Hilfe man recht einfach ein persönliches Budget erstellen kann. Wer damit seine Ein- und Ausgaben wahrheitsgemäss erfasst, sieht auf seinem Smartphone sofort, ob die eigenen Budgetvorgaben eingehalten oder überschritten werden.

n Schritt 3: Budget einhalten Ein Budget erstellen ist das eine, danach zu leben, das andere. Wie streng sollen wir uns an die Budgetvorgaben halten? Ist es wirklich wichtig, ob für den Ausgang im Monat z.B. genau CHF 160.– ausgegeben werden, oder können es nicht auch einmal CHF 180.– sein? Vielleicht sind es ja im nächsten Monat dann nur CHF 140.–. Grundsätzlich sind die Vorgaben einzuhalten, weil wir uns sonst allzu leicht daran gewöhnen, das Budget zu überziehen. Und dann bewegen wir uns unweigerlich in Richtung einer drohenden Verschuldung. Eine mögliche Hilfestellung, um ein Budget einhalten, ist die Einrichtung verschiedener Konten mit dem Zweck, laufend Rückstellungen zu bilden. Damit hat man bei Fälligkeit einer Ausgabe die notwendige Summe verfügbar.

n Tipp 1: Die im Voraus bekannten fixen Kosten (z.B. Miete, Krankenkasse, Versicherungen, Fahrkosten, Auto, Zeitungen, Schulgeld, PC, Steuern und Sparbeträge) auf einen Monat umrechnen und mit einem Dauerauftrag vom Lohnkonto auf ein Sparkonto überweisen.

n Tipp 2: Die variablen Kosten (Haushaltausgaben, Kleider, Schuhe, Ausgang, Hobby) über ein Lohnkonto bzw. ein spezielles Haushaltkonto bezahlen.


1.2 Die finanzielle Situation mit Bilanz und Erfolgsrechnung darstellen Die Bilanz Eine Gegenüberstellung von Vermögen und Schulden an einem bestimmten Tag

Die Erfolgsrechnung Eine Gegenüberstellung von Aufwänden und Erträgen während einer bestimmten Periode

AKTIVEN BILANZ Familie Keller PASSIVEN (Vermögen) 31.12.2015 (Beträge in CHF) (Schulden) Flüssige Mittel 8'000 Offene Beträge 15'000 Bargeld, Postkontoguthaben, Steuerrechnung 2014, Zahnarztrechnung, Bankkontoguthaben Kreditkartenrechnung Wertschriften 35'000 Darlehen 570'000 Aktien, Fondsanteile Hypotheken für Haus und Ferienwohnung Sparguthaben 450'000 Sparkontoguthaben, Altersguthaben Pensionskasse Mobiliar (Einrichtungen) 200'000 Möbel, Kleider, Bilder, Geschirr, Geräte Vermögensüberschuss (Küche, Fernseher, Computer), Sportgeräte, 873'000 (= «Eigenkapital») Werkstatt Till, Reitausrüstung Tabea Fahrzeuge 15'000 Toyota, Roller (Till), Velo (Tabea) Immobilien 750'000 Haus, Ferienwohnung

AUFWÄNDE ERFOLGSRECHNUNG Familie Keller ERTRÄGE (Wertverzehr) für das Jahr 2015 (Beträge in CHF) (Wertzuwachs) Wohnen 24'582 107'500 Miete inkl. Nebenkosten bzw. HypothekarLohn Vater, Lohn Mutter, zinsen, Strom, Wasser, Kinder-/Ausbildungszulagen Telefon/Internet, Radio/TV (Billag) Versicherungen 13'340 Übrige Einnahmen 1'700 Krankenkasse/Unfall, Mobiliar/Haftpflicht, Wertschriftenerträge, Lebensversicherung, Gebäudeversicherung Mieteinnahmen Ferienwohnung Steuern 12'000 Staats-/Gemeinde-/Kirchen-/Bundessteuer Mobilität 3'360 Öffentlicher Verkehr, Roller / Velo Auto 11'052 Mfzg-Steuern, Mfzg-Versicherungen (Mfzg-Haftpflicht-/-Kasko-Versicherung), Abstellplatz/Garage, Vignette, Service, Reparaturen, Benzin, Abschreibung (Wertverlust/Amortisation) Verschiedenes 4'620 Zeitungen/Zeitschriften, Mitgliedschaften, Verbände, PC (Unterhalt/Amortisation), Schulgeld/Aus- und Weiterbildung, Sport (Ausrüstung, Lager) Haushalt 22'800 Nahrungsmittel, Getränke, Nebenkosten, Geschenke/Einladungen/Geburtstage Persönliche Auslagen 9'840 Kleider/Schuhe, Taschengeld (Freizeit, Ausgang), Handy, Auswärtige Verpflegung Ertragsüberschuss (= «Gewinn») 7'606 für Unvorhergesehenes, Anschaffungen, Ferien

Total

1'458'000

Total

1'458'000

Zur Farblegende: AKTIVEN = gelb

wie Gold, von dem man gerne mehr hätte.

PASSIVEN = blau

wie Wellen, weil es bei zu vielen Verbindlichkeiten stürmisch werden könnte.

AUFWÄNDE = rot wie Feuer, welches Werte verbrennt. ERTRÄGE = grün

wie Pflanzen, die hoffentlich immer weiter wachsen.

Total © STR teachware

109'200

Total

109'200

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1.3 Verschuldungsfallen – die Ursachen von Verschuldung Gemäss der Schuldenberatung Schweiz (www.schulden.ch) lassen sich die folgenden Verschuldungsursachen unterscheiden:

n Top 5 Verschuldungsursachen von Jugendlichen 1. Fehlende Finanzkompetenz Als Zielgruppe der Werbung oder als Empfänger von Taschengeld kommen Kinder schon früh mit Geld in Berührung. In der Schweiz hat jede/r fünfte Jugendliche Schulden. Oftmals beginnt im jungen Erwachsenenalter eine Verschuldungsgeschichte, die verhindert werden könnte. 2. Konsum als Freizeitbeschäftigung Erwachsene sind Vorbilder für Kinder und Jugendliche. Gelebte Werte wie «kaufe heute, zahle morgen» prägen unsere Kinder in ihrem Verhalten. Typische Schuldenfallen sind z.B. mobile Kommunikation und Markenkult. 3. Gruppendruck Oft wirkt sich Gruppendruck in Form von «demonstrativem Konsum» aus. Dabei zielt das öffentliche Konsumieren darauf ab, zu zeigen, was man sich alles leisten kann. Hierdurch soll sozialer Status dargestellt oder erhöht werden. Beispiel: Seht mein neues Handy, bin ich nicht toll?! 4. Kompensatorischer Konsum Als kompensatorisch wird ein Konsumverhalten bezeichnet, das eine innere Leere ausfüllt, ein ständiger Frust, eine seelische Mangelerscheinung. Es wird somit nicht Geld ausgegeben für Güter oder Dienstleistungen die man benötigt, sondern es wird rein aus Gründen der Frustbewältigung konsumiert. 5. Sucht Die Kaufsucht ist eine psychische Störung, die sich als zwanghaftes, episodisches Kaufen von Waren und Dienstleistungen äussert. Sie wird, ähnlich wie die Spielsucht oder die Arbeitssucht, nicht als eigenständige Krankheit gesehen, sondern zu den Zwangsstörungen gerechnet.

n Top 5 Verschuldungsursachen von Erwachsenen 1. Fehleinschätzungen Rund die Hälfte aller Verschuldungen könnten durch entsprechendes Wissen rund um Finanzkompetenz verhindert werden. Mögliche Schuldenfallen sind: Konsumkredite, Darlehensverträge, Steuern, Krankenkasse, Versicherungen. 2. Einkommenseinbussen Vor allem Personen ohne oder mit schlechter Ausbildung sind betroffen von Wirtschaftsschwankungen im Arbeitsmarkt. Im März 2012 betrug die Arbeitslosenquote für Schweizer 2.2 %, für Ausländer 6.6 % und Jugendliche zwischen 15 – 24 Jahren 3.2 %. 3. Familie In der Schweiz lebt fast jede zweite Familie am Existenzminimum. Eine Zahnarztrechnung genügt oftmals, um die laufenden Ausgaben nicht mehr vollständig bezahlen zu können. Weitere Ursachen können Trennung, Scheidung und als Folge davon Alimente und doppelte Ausgaben für Wohnen sein. 4. Krankheit Die Arbeitgeber sind bei Krankheit der Arbeitnehmenden verpflichtet, 80 % Lohnzahlung zu erstatten. Schon nach relativ kurzer Zeit entfallen jedoch die Lohnzahlungen bis zur Weiterführung des Arbeitsverhältnisses. Im ersten Dienstjahr beträgt die Lohnfortzahlungspflicht nur vier Wochen. 5. Selbstständigkeit Neben der Arbeitslosigkeit gehört die gescheiterte Selbstständigkeit zu den Top 5 Ursachen für eine Überschuldung. Oftmals stehen hohe laufende Kosten und Verpflichtungen der Hoffnung auf bessere Zeiten im Weg. Quelle: Plusminus Budget- und Schuldenberatung, www.plusminus.ch


1.4 Die Finanzierung künftiger Projekte – mit regelmässigen Sparbeiträgen zum Ziel Wenn wir unser Budget im Griff haben, wissen wir, ob von unseren Einnahmen noch etwas übrigbleibt. Dann können wir allenfalls auch an die Finanzierung unserer Träume, unserer künftigen Projekte, denken: Geld für eine Wohnungseinrichtung für die erste Wohnung nach der Lehre, ein eigenes Auto oder einen Auslandaufenthalt nach abgeschlossener Lehre. Sinnvollerweise gehen wir dabei wie folgt vor: n

1. Liquiditätspolster einrichten

Zuerst wird auf einem Sparkonto ein Liquiditätspolster angelegt, damit auch unregelmässig anfallende Rechnungen jederzeit bezahlt werden können. Dieses Liquiditätspolster beträgt im Idealfall zwei bis vier Monatseinkommen. Nun denken Sie vielleicht: «Das ist ja wahnsinnig viel Geld; wer kann sich das schon leisten?» Viele Leute kalkulieren leider zu knapp. Es macht einfach Sinn, sich nach und nach ein solches Liquiditätspolster anzusparen, um damit unvorhersehbare Ausgaben problemlos begleichen zu können. n

n

3. Regelmässige Sparbeiträge ermöglichen Rücklagen für die Finanzierung von Projekten:

Ausgehend von den Zielbeträgen und dem jeweiligen Zeitrahmen, können für monatliche Sparbeiträge berechnet werden.

2. Übersicht über Umfang und Zeitrahmen der Träume erstellen

Oft suggeriert die Konsumkredit- oder Leasingwerbung in schönen Bildern, dass man sich alles sofort leisten könne. Statt einen Kleinkredit aufzunehmen, sollten Projekte jedoch besser durch Sparen vorfinanziert werden. Dazu müssen wir wissen, wie teuer unsere Wünsche sind. Eine solche Projektübersicht kann zum Beispiel folgendermassen aussehen: Projekt 1. Führerschein

Betrag

Bis wann

2'400.–

in 3 Jahren

16'000.–

in 4 Jahren

3. Wohnungseinrichtung, inkl. Mietzinsdepot

5'000.–

in 6 Jahren

4. Sprachaufenthalt in Australien

5'000.–

in 4 Jahren

2. Auto (ohne Leasing!)

Dabei handelt es sich um eine Momentaufnahme, die natürlich von Zeit zu Zeit aktualisiert und um neue Projekte ergänzt werden kann.

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Diese regelmässigen Sparbeiträge werden idealerweise monatlich auf ein spezielles Sparkonto einbezahlt. Auf diese Weise verfügt man dann zum gegebenen Zeitpunkt über die notwendigen Mittel, um die geplanten Projekte finanzieren zu können. In einer Bilanzdarstellung steht dieses Sparkonto auf der Aktivseite, auf der Passivseite gehören diese Sparbeiträge zum Eigenkapital und können als Rücklagen separat ausgewiesen werden. n

4. Budget oder Wünsche anpassen:

Wenn Sie über die Höhe der Beträge etwas erschrocken sind, macht das gar nichts. Besser, man erschrickt bei der Planung als später bei den Mahnungen, weil man seine finanziellen Möglichkeiten überschätzt hat. Wer sein Budget im Griff hat, gewinnt Handlungsfreiheit. Man kann das Budget z. B. jährlich überarbeiten, Projekte anpassen oder neue Prioritäten setzen. Es lohnt sich, zu planen und die Wünsche mit System anzugehen. Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 5


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1.5 Kann man Sparen lernen? Der Marshmallow-Test gehört zu den bekanntesten Experimenten der Psychologie. Walter Mischel bot in diesem Test in den Jahren 1968 bis 1974 vierjährigen Kindern Süssigkeiten an und stellte sie vor die Wahl, entweder die Süssigkeit sofort zu essen oder später eine zweite zu bekommen, wenn sie der Versuchung widerstehen können und auf den sofortigen Genuss verzichten. Dieser Belohnungsaufschub gelang einigen Kindern, anderen hingegen nicht, d.h., sie unterschieden sich hinsichtlich der Belohnungs- und Bedürfnisaufschubs Mischels Test zeigt die Bedeutung der Impulskontrolle und des Aufschieben-Könnens von Selbstbelohnungen für akademischen, emotionalen und sozialen Erfolg. Damit wird die Fähigkeit beschrieben, kurzfristig auf etwas Verlockendes für die Erreichung langfristiger Ziele zu verzichten. Ergebnisse des Experiments sagen diese Fähigkeit eines Menschen recht gut voraus. Die Theorie des Belohnungsaufschubs erklärt also im Detail, unter welchen Bedingungen Menschen in der Lage sind, eine unmittelbare Belohnung zugunsten eines in fernerer Zukunft liegenden Ertrages aufzugeben. Die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub im Sinne der Fähigkeit zur Selbstkontrolle wird in diesem Modell als stabile Persönlichkeitseigenschaft angesehen. Als man die Kinder dreizehn Jahre nach dem Versuch später nochmals einlud, gab es erstaunliche Ergebnisse, denn jene, die schon im Vorschulalter hatten warten können, waren als junge Erwachsene zielstrebiger und erfolgreicher in Schule und Ausbildung. Ausserdem konnten sie besser mit Rückschlägen umgehen, wurden als sozial kompetenter beurteilt und waren seltener drogenabhängig als jene, die dem Marshmallow damals nicht hatten widerstehen können. Die Ungeduldigen dagegen waren emotional instabiler und schnitten in der Schule schlechter ab, obwohl sie nicht weniger intelligent waren.

Mischel hatte damals mehr als nur die pure Willenskraft der Kinder gemessen, sondern Geduld, also eine Mischung aus Selbstkontrolle, Frustrationstoleranz und Ausdauer. Studien belegen übrigens, dass Alkoholiker deutlich ungeduldiger sind als Menschen, die keinen oder nur wenig Alkohol konsumieren, was auch für andere Süchte, etwa die Spielsucht gilt. In Untersuchungen fand sich auch ein Zusammenhang zwischen der Unfähigkeit, lange auf etwas zu warten, und einem ungesunden Lebensstil, denn jene Menschen, die Belohnungen schnell zu ihrer Verfügung haben wollten, waren häufiger sportlich untätig und hatten einen bedeutsam höheren Body-Mass-Index als die geduldigen Menschen. Heute vermutet man, dass Geduld zumindest teilweise genetisch bedingt ist, denn ein hohes Mass an Selbstkontrolle lässt sich auch aus der Gehirnaktivität ablesen, indem Menschen mit guter Selbstkontrolle ihre neuronalen Netzwerke effizienter nutzen als jene mit geringerer Selbstkontrolle, wobei das ein stabiles Merkmal darstellt. Es hat sich auch gezeigt, dass Kinder mit weniger Geduld bis ins Erwachsenenalter mehr Zeit benötigen, um irrelevante Informationen beiseite zu schieben, und dabei auch mehr Fehler machen, vermutlich auch eine Folge mangelnder Selbstkontrolle. (Quelle: http://lexikon.stangl.eu/3697/marshmallow-test/ © Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik)


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Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge in einer Unternehmung

Unternehmungen benötigen finanzielle Mittel, um wirtschaften zu können. Es ist deshalb eine wichtige Aufgabe jeder Unternehmungsleitung, die nötigen finanziellen Mittel zum richtigen Zeitpunkt und möglichst günstig zu beschaffen. Diese Mittel sollen zudem optimal eingesetzt werden, damit sie einen möglichst grossen Nutzen bringen. Um dies zu gewährleisten, muss eine Unternehmung in der Lage sein, ihre finanzielle Situation laufend zu überprüfen. Die fristgerechte Bereitstellung finanzieller Mittel bezeichnen wir als Finanzierung; die so zugeflossenen Mittel als Kapital. Das bereitgestellte Kapital dient dazu, betrieblich notwendiges Vermögen zu beschaffen (= Investierung). Vermögen kann in Sachgütern (z.B. IT-Infrastruktur, Maschinen, Gebäude) oder immaterielle Güter (z.B. Lizenzen) investiert werden (= Anlagevermögen in der Bilanz). Das Umlaufvermögen enthält die für die tägliche Leistungserstellung nötigen liquiden Mittel (zur laufende Zahlungen von Lieferantenrechnungen sowie der Löhne) sowie allfällige Vorräte an Handelswaren, Roh- oder Fertigprodukten. n

Übersicht Finanzierungsprozesse

Während bei Finanzierungsvorgängen der Unternehmung zwecks Investierung Kapital zugeführt wird, geschieht bei Definanzierungsvorgängen das Gegenteil. Der Finanzierungsprozess beinhaltet aber nicht nur die einmalige Bereitstellung von Kapital. Vielmehr handelt es sich um einen kontinuierlichen Prozess zur Abstimmung der Mittelzuflüsse und der Mittelab- oder -rückflüsse. Im Zentrum der Finanzplanung steht insbesondere die Überwachung der Liquidität der Unternehmung.

2.1 Liquidität: die Frage nach der Zahlungsbereitschaft Eine Unternehmung muss ihre fälligen Rechnungen fristgerecht bezahlen können. Bei längeren Zahlungsrückständen droht sonst eine Betreibung, die unter Umständen in kurzer Zeit zur Auflösung der Unternehmung führen kann. Die massgebende Grösse für die Liquiditätskontrolle ist das kurzfristige Fremdkapital, darunter verstehen wir Schulden (Verbindlichkeiten) der Unternehmung, die innerhalb eines Jahres zurückbezahlt werden müssen. Die Hauptposition beim kurzfristigen Fremdkapital sind die offenen Lieferantenrechnungen (= Verbindlichkeiten aus Lieferungen oder Leistungen; Kreditoren). Es ist nun aber nicht notwendig, dass für alle offenen Lieferantenrechnungen genau der entsprechende Betrag an flüssigen (liquiden) Mitteln (Bargeld in der Kasse sowie Post- und Bankguthaben) zur Verfügung steht. Weil in der Regel laufend Zahlungen von Kunden (= Forderungen aus Lieferungen und Leistungen; Debitoren) eingehen, können für Beurteilung der Zahlungsbereitschaft auch die Kundenguthaben miteinbezogen werden. Die wichtigste Kennziffer: Liquiditätsgrad 2 (Quick Ratio)

Das Ergebnis der Finanzierungsvorgänge zeigt sich auf der Passivseite der Bilanz (Mittelherkunft, Schulden und Eigenkapital); die Investitionsvorgänge auf der Aktivseite (Mittelverwendung, Vermögen).

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Für den Liquiditätsgrad 2 setzen wir die flüssigen Mittel plus die Kundenguthaben ins Verhältnis zum kurzfristigen Fremdkapital. Der Liquiditätsgrad 2 sollte mindestens 100 % betragen. Zweifel an der Liquidität können für eine Unternehmung schwerwiegende Konsequenzen haben. Mögliche Kapitalgeber und Geschäftspartner begegnen einer solchen Unternehmung mit einer gewissen Skepsis. Sie nehmen Geschäftskontakte unter Umständen nur noch sehr zurückhaltend wahr, bestehen allenfalls auf sofortiger Bezahlung oder verlangen zusätzliche Sicherheiten.

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2.2 Sicherheit: Wahrung der finanziellen Unabhängigkeit Unter dem Aspekt der Sicherheit sollte sich eine Unternehmung mit möglichst viel Eigenkapitel finanzieren. Eine Unternehmung, die viel Fremdkapital aufgenommen hat, wird von ihren Fremdkapitalgebern abhängig: Einerseits müssen laufend Fremdkapitalzinsen bezahlt werden, andererseits Kredite am Ende ihrer Laufzeit zurückbezahlt werden. Im Gegensatz dazu kann bei den Eigenkapitalgebern bei schlechtem Geschäftsgang auf eine Auszahlung eines Gewinnanteils (Dividende bei einer Aktiengesellschaft) verzichtet werden. Das Eigenkapital steht im Übrigen der Unternehmung bis zur allfälligen Auflösung zur Verfügung; es muss höchstens bei Schliessung der Geschäftstätigkeit zurückbezahlt werden. Schliesslich sind Unternehmungen mit einem hohen Fremdkapitalanteil weniger kreditfähig, weil das Eigenkapital den Kreditgebern als Sicherheit dient. Allfällige Verluste werden immer zuerst durch das Eigenkapital gedeckt.

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Goldene Bilanzregel

Kennziffer zur Überprüfung der goldenen Bilanzregel ist der Anlagedeckungsgrad 2.

Die wichtigsten Kennzahlen zur Überprüfung der finanziellen Unabhängigkeit sind:

Falls der Anlagedeckungsgrad 2 nicht über 100 % liegt (je nach Branche bis 200 %), besteht die Gefahr, dass zur Rückzahlung von langfristigen Schulden einzelne Teile des notwendigen Anlagevermögens verkauft werden müssen. Der Richtwert für den Eigenfinanzierungsgrad ist weitgehend branchenabhängig; oft gelten 30 bis 50 % als minimale Richtgrösse. Wie bei der Beurteilung des Verschuldungsfaktors ist aber auch hier vor allem ein Vergleich mit früheren Jahren aussagekräftig. Die Kennziffer zeigt an, wie viele Jahre eine Unternehmung brauche würden, um die gesamten Schulden aus dem Geldzufluss aus der Betriebstätigkeit zurückzahlen zu können (vgl. die Ausführungen zum Cashflow auf Seite 9). Bei Unternehmungen mit schlechterem Geschäftsgang steigt der Verschuldungsfaktor rasch an, und der Eigenfinanzierungsgrad geht zurück, weil Unternehmungen in dieser Situation mehr Kredite aufnehmen und gleichzeitig einen kleineren Cashflow erzielen. Die Zielsetzungen der genügenden Liquidität und der finanziellen Unabhängigkeit stehen auch bei der Goldenen Bilanzregel im Mittelpunkt. Diese besagt, dass langfristig gebundenes Vermögen mit langfristig zur Verfügung stehendem Kapital finanziert werden soll. Langfristiges Fremdkapital (Hypotheken, Obligationenanleihen) ist aus Sicht der Finanzierungsdauer mit Eigenkapital vergleichbar. Zur Überprüfung der goldenen Bilanzregel kann deshalb neben dem Eigenkapital auch das langfristige Fremdkapital berücksichtigt werden.

2.3 Rentabilität: Gewinn im Verhältnis zum Eigenkapital Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist unbestritten, dass Unternehmungen Gewinne erzielen müssen. Nicht nur das Fremdkapital muss verzinst werden, auch die Eigentümer oder Teilhaber (Aktionäre) erwarten eine Rendite für das zur Verfügung gestellte Kapital. Die Rendite für das Eigenkapital sollte einige Prozentpunkte über jener für vergleichsweise sicherere Anlagen liegen, wie z.B. Hypotheken oder Staatsanleihen. Wenn diese Entschädigung ausbleibt, werden die Kapitalgeber ihr Geld anderswo anlegen wollen, und zukünftige Finanzierungen dürften für die Unternehmung schwieriger werden. Gewinne sind aber auch notwendig, damit eine Unternehmung weitere Vorhaben wie technische Anpassungen, Verbesserungen der Produktionsprozesse und Entwicklung neuer Produkte aus eigener Kraft finanzieren kann. Dies ist insbesondere bei risikoreichen Vorhaben nötig, weil Fremdkapitalgeber für solche Projekte den Unternehmungen nicht ohne Weiteres Kredite gewähren. Wir sprechen bei solchen Projekten auch davon, dass der Gewinn eine Risikoprämie, d.h. eine Entschädigung für die Risikobereitschaft der Kapitalgeber, darstellt.


Gewinne bringen jedoch nicht nur Vorteile. Die Ausschüttung der Gewinne an die Eigentümer (z.B. in Form von Dividenden) bedeutet aus Sicht der Unternehmung einen Mittelabfluss. Dies wird dann problematisch, wenn daraus Liquiditätsprobleme entstehen. Damit Gewinne besser beurteilt werden können, werden sie in Relation zum Eigenkapital gesetzt. Dies führt uns zum Begriff der Eigenkapitalrendite. Diese Verhältniszahl, (englisch ROE = Return On Equity), sagt aus, wie viel Prozent Reingewinn mit dem investierten Eigenkapital erwirtschaftet wird. Eigenkapitalrendite grosser Unternehmungen Eigenkapitalrendite =

Reingewinn x 100 Eigenkapital

Zahlen (in Mio.)

Swatch Group 2015 =

Reingewinn

Eigenkapital

1'119 x 100 11'242

= 10.0 %

Eigenkapitalrendite

Swatch Group

2015

1'119

11'242

10.0 %

Credit-Suisse

2014

2'324

45'001

5.2 %

Novartis (in USD)

2015

15'985

70'884

22.6 %

Migros

2014

870

16 092

5.4 %

Zwar sind Unternehmungen ohne Gewinne langfristig nicht überlebensfähig. Ebenso unbestritten ist aber auch, dass eine Unternehmung in ihrer Unternehmungsstrategie die Erzielung eines grösstmöglichen Gewinnes nicht als einziges Ziel postulieren soll. Das Gewinnziel muss eingebettet sein in einem Gesamtsystem unternehmerischer Ziele, welche auch leistungswirtschaftliche und soziale Aspekte umfasst. Als Normgrösse für die Eigenkapitalrendite gilt ein «Mindestwert» von etwa 8%, je nach unternehmerischem Risiko sollte der Wert im Bereich von 8 bis 12 % liegen.

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Cashflow als Schlüsselzahl Zur Beurteilung der Finanz- und Ertragskraft einer Unternehmung gibt es neben Gewinn und Rendite eine weitere Kennziffer: den Cashflow. Vereinfacht ausgedrückt ergibt sich der Cashflow aus Reingewinn plus Abschreibungen. Für die exakte Berechnung müssen noch weitere, nicht liquiditätswirksame Geschäftsfälle wie z.B. die Bildung von Rückstellungen berücksichtigt werden. Der Cashflow zeigt den Zufluss an flüssigen Mitteln aus der Betriebstätigkeit der Unternehmung. Weil die Unternehmungsleitung z.B. bei der Festlegung von Abschreibungen oder bei der Bildung von Rückstellungen für zukünftige Verpflichtungen (z.B. aus Garantieleistungen) einen gewissen Ermessensspielraum hat, ermöglicht der Cashflow der Öffentlichkeit eine im Vergleich zum Reingewinn bessere Beurteilung der Ertragskraft einer Unternehmung. Damit die Substanz einer Unternehmung erhalten bleibt, muss der Cashflow mindestens die notwendigen Abschreibungen abdecken; er sollte so hoch sein, dass auch künftige Investitionen damit getätigt werden können. Als Faustregel kann gesagt werden, dass der Cashflow von drei Jahren ausreichen sollte, um (theoretisch) das ganze Fremdkapital zurückzahlen zu können.

n

Das Spannungsfeld zwischen Liquidität, Sicherheit und Rendite

Die drei finanziellen Zielsetzungen Sicherheit, Liquidität und Rendite befinden sich in einem Spannungsfeld. Die Unternehmungsleitung sollte laufend die Kennzahlen für alle drei Kriterien überprüfen und bestrebt sein, eine optimale Abstimmung zu finden. Zwischen Liquidität und Rentabilität besteht insofern ein Zielkonflikt, indem eine hohe Liquidität die Rentabilität mindert, weil die flüssigen Mittel nicht in der Unternehmung «arbeiten». Wegen der existenzbedrohenden Konsequenzen einer unzureichenden Liquidität ist im Zweifelsfall allerdings primär eine ausreichende Liquidität anzustreben. Eine hohe Verschuldung, d.h. ein hoher Fremdkapitalanteil erhöht das Risiko und schmälert damit die Sicherheit; aber auch die Rentabilität wird negativ beeinflusst werden, falls hohe Fremdkapitalzinsen zu leisten sind. Auf der andern Seite ist bei einer hohen Verschuldung der Eigenkapitalanteil geringer, was zu einer höheren Eigenkapitalrendite führen kann.

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Unternehmerisch denken und handeln

«Es gibt Leute, die halten Unternehmer für einen räudigen Wolf, den man totschlagen müsse; andere meinen, der Unternehmer sei eine Kuh, die man ununterbrochen melken könne; nur wenige sehen in ihm ein Pferd, das den Karren zieht.» (Winston Churchill) n

Unternehmerischer Alltag: voll von Zielkonflikten

Der Unternehmungsalltag ist von Zielkonflikten geprägt: Die Mitarbeiter fordern mehr Lohn, die Kapitalgeber eine höhere Rendite. Die Kunden wollen preisgünstige Produkte; Massnahmen zum Schutz der Natur und zu einem besseren Zusammenleben in der Gesellschaft bedingen jedoch höhere Verkaufspreise. Der Staat erwartet bei zusätzlichem Wachstum die Schaffung von weiteren Arbeitsplätzen und höhere Steuereinnahmen, Umweltschutzorganisationen befürchten durch weiteres Wachstum eine Zunahme der Umweltbelastungen. n

Übergeordnete Aufgabe der Unternehmungen

Wie soll sich eine Unternehmung gegenüber den unterschiedlichen Erwartungen der verschiedenen Anspruchsgruppen verhalten? Jede Anspruchsgruppe wird wohl ihre Ansprüche als die wichtigsten betrachten. Arbeitnehmer bringen vor, dass die Erhaltung ihrer Arbeitsplätze die wichtigste Aufgabe sei; die Kapitalgeber betrachten die Gewinnerzielung als vordringlichste Aufgabe. Umweltschutzorganisationen begründen ihre Forderung mit der Erhaltung der natürlichen Grundlagen des Wirtschaftens. Betrachtet man die Unternehmungen aus der Vogelperspektive, besteht die wichtigste Aufgabe der Unternehmungen darin, die Bedürfnisse der Menschen nach Gütern und Dienstleistungen zu befriedigen. Das übergeordnete Ziel der Unternehmung muss sein, eine den Menschen dienende Funktion zu übernehmen. Dies geschieht am besten mit innovativen Produkten und Dienstleistungen, die verantwortungsbewusst hergestellt und entsorgt werden können.

Mit ihren Gütern und Dienstleistungen befriedigen die Unternehmungen die Bedürfnisse ihrer Kunden. Dies ist die übergeordnete Aufgabe der Unternehmungen.

n

Unternehmerisch denken

n Unternehmerisch denken heisst gemäss unserem Unternehmungsmodell, in einem ersten Schritt alle verschiedenen Ansprüche zu analysieren. Aus dieser Analyse lassen sich Stärken und Schwächen der Unternehmung ableiten. n In einem zweiten Schritt werden die Ent- Ähnlich wie bei einem Hausbau die unterschiedwicklungen in den verschiedenen Um- lichsten Aktivitäten sorgfältig geplant und koordiweltspähren der Unternehmung sorgfältig niert werden müssen, sind unternehmerische Aktivitäten ganzheitlich zu planen und umzusetzen. beobachtet und mögliche Trends abgeschätzt. Daraus lassen sich Chancen und Risiken für die Unternehmung ableiten. n In einem dritten Schritt geht es darum, mit der Unternehmungsstrategie die langfristig ausgerichteten Entscheidungen über die zukünftige Entwicklung der Unternehmung festzulegen. Wenn diese Entscheidungen über Ziele, Mittel und Verfahren in den Bereichen Leistung, Finanzen und Soziales in einem Unternehmungskonzept zusammengefasst werden, sind Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen einzelnen Entscheidungen ersichtlich. n Schliesslich gilt es, in einem vierten Schritt die Führungs-, Geschäfts- und Supportprozesse zu planen, umzusetzen, zu überprüfen und laufend zu verbessern. n

Unternehmerisch handeln - etwas unternehmen heisst auch immer etwas wagen

Unternehmungsentscheidungen beinhalten immer Chancen und Risiken. Nicht jeder, der etwas wagt, gewinnt auch immer. Wer jedoch nie etwas wagt, wird nie etwas gewinnen. Unsere Gesellschaft ist aber auch in Zukunft auf innovative Produkte und Dienstleistungen angewiesen. Deshalb brauchen wir Leute, welche die Chancen und Risiken sorgfältig abschätzen können und dann ein Wagnis eingehen. In erster Linie denkt man dabei zuerst an die Unternehmer. Ganzheitlich betrachtet zählen aber alle an der Unternehmung beteiligten Personen dazu: so zum Beispiel auch die Kunden, die bereit sind, für innovative Produkte entsprechende Preise zu zahlen; die Kapitalgeber, die nicht nur an Anlagen mit kurzfristig maximalen Gewinnen interessiert sind, sondern auch langfristig ausgerichtete Projekte finanzieren; aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, welche die Führungs-, Geschäfts- und Supportprozesse in ihrer Unternehmung laufend hinterfragen und Verbesserungsvorschläge einbringen. Insofern sind wir alle als «Unternehmerinnen und Unternehmer» gefordert.


3.1 Canvas – Beispiel eines Geschäftsmodells; wie «funktionieren» Unternehmungen? Ein Dokument, in dem aufgezeigt wird, nach welchen Grundprinzipien jemand mit einem Projekt oder einem Unternehmen Geld verdienen will, bezeichnen wir als Geschäftsmodell. Es gibt unterschiedliche «Vorlagen», um ein Geschäftsmodell zu erklären. Nach dem Canvas Business Model (Canvas engl. = Leinwand) wird das Grundprinzip eines Unternehmens auf einer Seite mit den neun wichtigsten Faktoren (Schlüsselfaktoren) dargestellt, die für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sind.

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Beispiele erfolgreicher Geschäftsideen, dargestellt mit dem Business Model Canvas (Quelle: Osterwalder, A: Business Model Generation, Campus. 2011) Geschäftsidee «Apple»

Geschäftsidee «Rasierklingen Gillette»

Geschäftsidee «Nespresso»

Geschäftsidee « Kostenlose Handys»


3.2 Businessplan – Grundlage für erfolgreiche Unternehmungen Ein Businessplan gibt in knapper Form Auskunft über die Machbarkeit und die Leistungsziele der Unternehmung, enthält eine Chancen- und Gefahrenanalyse in Bezug auf Produkte und Märkte und umreisst die finanzielle Dimension des Unterfangens. Zudem liefert der Businessplan auch Informationen über den persönlichen Hintergrund der entscheidenden Personen. Für die Erstellung eines Businessplans gibt es viele verschiedene Anlässe. n

Gründung einer Unternehmung

n

Elemente eines Businessplans

Ein Businessplan umfasst typischerweise zwei Bereiche: Einen Konzeptteil und einen Finanzteil. Der Konzeptteil beinhaltet die Vision und die Strategie, eine Analyse des Marktes und das Marketingkonzept sowie die Organisation und das Management der Unternehmung. Dagegen widmet sich der Finanzteil der Darstellung der finanziellen Aufwände und Erträge des Vorhabens.

Die Gründung einer Unternehmung, engl. auch als «Startup» bezeichnet, ist ein Vorhaben, welches mit vielen Risiken verbunden ist. Die Geschäftsidee ist häufig eine Vision, zu deren Umsetzung viele Annahmen getroffen werden müssen. Es lohnt sich dabei, Vision und die Strategie genau zu beschreiben, die Marktdaten sorgfältig zu analysieren, die Organisation der Unternehmung sowie die notwendigen Finanzen detailliert zu planen, um sämtliche Risiken realistisch beurteilen zu können. In einem Businessplan werden solche Informationen für Investoren, Kreditgeber oder allfällige Geschäftspartner systematisch zusammengestellt. n

Kapitalsuche für Ausweitung der Geschäftstätigkeit

Viele Unternehmungen erschliessen im Laufe der Zeit neue Geschäftsfelder, indem sie neue Produkte lancieren oder andere Firmen übernehmen. Diese Ausweitung der Geschäftstätigkeit erfordert in der Regel grosse Investitionen, die häufig mit Fremdkapital finanziert werden müssen. Für erfolgreiche Verhandlungen mit möglichen Kapitalgebern müssen alle relevanten Informationen systematisch und verständlich dargestellt werden – auch dazu dient ein Businessplan. Mit einem Businessplan werden hauptsächlich zwei Ziele verfolgt:

n Erstens soll der Businessplan unternehmensintern die Machbarkeit eines Vorhabens aufzeigen. Wer einen Businessplan aufstellt, ist bereits bei der Planung von Vorhaben gezwungen, das ganze Projekt systematisch durchzudenken und die notwendigen Annahmen zu treffen.

n Zweitens dient der Businessplan auch als Dokument für Verhandlungen mit möglichen externen Kreditgebern (Investoren) und Geschäftspartnern. Diese wollen zur Beurteilung ihrer Entscheide die Chancen und Risiken umfassend dokumentiert haben.

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n

Finanzplanung

Die im Konzeptteil des Businessplans gefassten Entscheide kosten Geld und sollen in der Zukunft Erträge für die Unternehmung bringen. Das für Investitionen benötigte Kapital sowie die mit der Geschäftstätigkeit zusammenhängenden Finanzströme gilt es sorgfältig zu planen. Ein junges Unternehmen, das zur Verwirklichung einer innovativen Geschäftsidee mit geringem Startkapital gegründet wird, nennt man auch Startup-Unternehmen. Finanzplanung am Beispiel EcoStartup1 Finanzplanung ist das Resultat einer umfassenden Unternehmungsplanung. Sie zeigt auf der Grundlage weiterer Planungsrechnungen (z.B. der Umsatz- und Investitionsplanung) auf, ob eine Geschäftsidee bzw. ein Geschäftskonzept finanzierbar und rentabel ist. Sie gibt Auskunft darüber, wie viel Gewinn das Unternehmen voraussichtlich über die Zeit erzielen wird (PlanErfolgsrechnung bzw. Budget), wie sich die Vermögens- und Finanzierungssituation entwickelt (Plan-Bilanz) und ob die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens jederzeit gewährleistet ist (Liquiditätsplan).

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 14

n

Plan-Erfolgsrechnung (Budget)

Mit der Plan-Erfolgsrechnung (oft auch als Budget bezeichnet) als Kernstück der Finanzplanung schätzt die Unternehmensführung auf Grundlage verschiedener Annahmen den zukünftigen Erfolg (Gewinn bzw. Verlust) innerhalb eines definierten Zeitraums (z.B. ein Jahr). Die PlanErfolgsrechnung besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: Erstens der Schätzung der für den Betrachtungszeitraum erwarteten Erträge mithilfe der Umsatzplanung und zweitens der Berechnung der mutmasslichen Aufwände für die Realisierung des prognostizierten Umsatzes (Einkaufs-, Produktionsaufwand, Löhne, Verwaltungsaufwand, Abschreibungen aus Investitionstätigkeiten etc.). n

Plan-Bilanz

Im Gegensatz zur Plan-Erfolgsrechnung ist die Plan-Bilanz eine zeitpunktbezogene Darstellung (Erfassung der Bestandesgrössen, vergleichbar mit einer Moment- bzw. Fotoaufnahme). Die Plan-Bilanz im Sinne einer Eröffnungsbilanz steht am Ende der Gründungsphase und zeigt die substanzielle Struktur des Unternehmens als Ergebnis der Gründungsaktivitäten. In der PlanBilanz wird, bezogen auf einen bestimmten Stichtag, das Vermögenden Schulden bei Fremdund Eigenkapitalgebern gegenübergestellt. Die Plan-Bilanz zeigt damit auf, auf welche Art das Unternehmen finanziert ist (Passivseite) und wie diese finanziellen Mittel investiert sind (Aktivseite). n

Liquiditätsplan

Eine weitere wichtige Teilrechnung im Rahmen der Finanzplanung ist der Liquiditätsplan. Für die Planung und Überwachung der flüssigen Mittel werden alle Zahlungsein- und -ausgänge in einem definierten Zeitraum erfasst. Damit wird primär die jederzeitige Zahlungsbereitschaft sichergestellt. Zeigt nämlich der Finanzplan eine zu starke Verminderung der liquiden Mittel, so muss der zusätzlichen Finanzbedarf definiert und daraus entsprechende Massnahmen wie z.B. Verhandlungen mit der Bank, abgeleitet werden.

1

Quelle: Käppeli, M.: Lehrmittel EcoStartup, Ernst Schmidheiny Stiftung, 2012, S. 36f.


3.3 Einen Businessplan beurteilen Es gibt unterschiedliche Modelle und Vorlagen, um einen Businessplan zu erstellen. Die verschiedenen Banken, Beratungs- und Treuhandunternehmungen arbeiten zwar mit individuellen Vorlagen und Checklisten. Die jeweiligen Vorgaben und Strukturen liegen allerdings in der Regel sehr nahe beieinander. Bei der Ausarbeitung eines Businessplanes sind die folgenden Kriterien zu beachten:

n Einmal sollte das Dossier sauber und formal einwandfrei dargestellt sein. Eine Anforderung, die mit entsprechenden Tools einigermassen einfach erfüllt werden kann.

n Weiters ist darauf zu achten, dass das Dokument empfängerorientiert verfasst wird und die Adressaten zu überzeugen vermag. Nicht in jedem Fall dient ein Businessplan der Beschaffung von Eigen- und Fremdkapitel und richtet sich entsprechend an Investoren und/oder Banken. Genauso gut kann das Dokument als Grundlage für den Verkauf bzw. Kauf einer Unternehmung, als Hilfsmittel zur Rekrutierung von Führungskräften, oder Standortbestimmung und eine Neuausrichtung der Unternehmungsstrategie erstellt werden.

n Ferner müssen Argumente und Aussagen in einem Businessplan verständlich, nachvollziehbar und begründet sein.

n Und nicht zuletzt muss das Dossier logisch aufgebaut sein und die zwingenden Inhaltselemente eines Businessplanes enthalten. Dies könnten z.B. die folgenden 10 Punkte sein:

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.

Unternehmerpersönlichkeit (wer bin ich als Unternehmerperson?) Geschäftsidee (was für ein «Geschäft/Projekt» will ich starten?) Geschäftsmodell (wie will ich Geld verdienen?) Vision (wo möchte ich in 3 bis 5 Jahren stehe?) Analysen (Stärken und Schwächen? – Gefahren und Chancen?) Wettbewerbsvorteile (weshalb werden Kunden meine Produkte kaufen?) Strategie (was will ich tun?) Organisation (wie will ich es erreichen?) Ressourcen (womit will ich das erreichen?) Umsetzungsplan (wer macht was bis wann?)

Wie können wir nun einen vorliegenden Businessplan beurteilen und entscheiden, ob er «gut» oder «mangelhaft» ist? Auf einer ganz grundsätzlichen, obersten Ebene sollte die Grundidee eines Businessplans (eine Idee, ein Produkt oder ein Geschäftsmodell) gemäss dem Konzept der Thurgauer Kantonalbank mit vier «W-Fragen» untersucht werden. © STR teachware

«Wer will was, wie und womit» erreichen? Dabei ist ein besonderes Augenmerk auf das «Wer», die Unternehmerpersönlichkeit, zu legen. Während das Wollen, d.h. die Motivation, kaum hinterfragt werden muss (dies ist ja der eigentliche Antrieb für die Initiative zu einer Geschäftsidee), sollte das Können und Dürfen zwingend näher untersucht werden. Der Begriff «Können» umfasst sowohl die notwendige Fach-, Sozial-, Methoden als auch Persönlichkeitskompetenz. Es ist zu fragen, ob die hinter der Geschäftsidee stehende Person tatsächlich über die notwenigen Kompetenzen verfügt. Des Weiteren müssen auch die persönlichen Rahmenbedingungen (das «Dürfen») der Unternehmerin bzw. des Unternehmers überprüft werden. Ist die Person – aufgrund ihres persönlichen Umfeldes (Partnerin oder Partner, Kinder) in der Lage, in der kommenden Aufbauphase der Unternehmung, einen ausserordentlich hohen Arbeitseinsatz zu leisten? Kann bzw. darf die hinter dem Projekt stehende Person aufgrund ihrer derzeitigen Familiensituation ein derartiges (auch finanzielles) Risiko wie z.B. den Schritt in die Selbstständigkeit eingehen? Sind diese Fragen zur Unternehmerpersönlichkeit positiv beantwortet, kann ein vorliegender Businessplan z.B. mithilfe einer Checkliste auf seine Vollständigkeit analysiert werden.

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Beispiel einer Checkliste für einen Businessplan (IFJ Institut für Jungunternehmen):

Thema

+

-

Prüfen

Wir wissen genau, welche Empfänger wir mit unserem Business-plan ansprechen und was wir bei diesen erreichen wollen. Unsere Anträge an die Empfänger sind klar formuliert.

£

£

£

Der Businessplan ist vollumfänglich auf die Informationsbedürfnisse der Empfänger abgestimmt. Wir haben abgeklärt, welche detaillierten Beilagen verlangt werden.

£

£

£

Unser Businessplan wirkt auf den ersten Blick attraktiv und sauber. Er macht einen professionellen und seriösen Eindruck und zieht dank seiner persönlichen Note die Aufmerksamkeit des Lesers auf sich.

£

Die Zusammenfassung bringt unser Projekt und unser Anliegen für den Leser sofort auf den Punkt. Er weiss nach wenigen Minuten exakt, um was es geht und was wir von ihm wollen. Es gelingt uns, seine Neugier zu wecken.

£

Gemäss einem Raster der Thurgauer Kantonalbank kann die Plausibilität eines Businessplanes anhand der folgenden zwölf Kriterien überprüft werden. Nr. 1

2

Thema

Kriterium

Unternehmer-

Wollen x Können x Dürfen

persönlichkeit

(alle drei Kriterien müssen erfüllt sein)

Geschäftsmodell

Einfachheit

Beurteilung

Begründung

Nachhaltigkeit Skalierbarkeit

£

£

3

Strategie

eindeutige Positionierung Nachvollziehbarkeit

£

£

4

Organisations- und

Kernleistungsprozess:

Ressourcenebene

end-2-end Ressourcenplanung

Der Businessplan überzeugt durch seine logische Gliederung und Systematik. Er beschränkt sich auf die aus Sicht des Empfängers relevanten Informationen in knapper und präziser Form (max. 30 Seiten).

£

Unser Businessplan ist in einer einfachen und klaren Sprache geschrieben, die sich am Empfänger orientiert (z.B. Laien auf technisch-naturwissenschaftlichem Gebiet).

£

Der Businessplan enthält keine Widersprüche und ist durchgängig konsistent. Sämtliche geplanten Umsetzungsaktivitäten und Geschäftsvorgänge spiegeln sich vollumfänglich in der Finanzplanung wider.

£

Wir haben die Finanzpläne mit einem Fachmann auf Sinnhaftigkeit und sachliche Richtigkeit geprüft.

£

£

£

Zu erwartende Fragen und Vorbehalte des Empfängers haben wir in die Risikobetrachtung integriert und geschickt entkräftet.

£

£

£

Die Beilagen zum Businessplan sind geschickt gewählt und dokumentieren den «Reifegrad» des Projektes optimal. Sie leisten einen wesentlichen Beitrag zum Vertrauensaufbau.

£

£

£

Der Businessplan ist durchgängig nummeriert und enthält ein Inhaltsverzeichnis.

£

£

£

£

(Maschinen, Personal etc.)

£ 5

£

Finanzplanung

Vollständigkeit Nachvollziehbarkeit

£

Mach-/Erreichbarkeit

£

£

6

Massnahmenplan

konkret, zielführend, mit Kosten hinterlegt Vorlage «Plausibilisierungsbericht», Beispiel TKB

Unser Businessplan wird in Bezug auf Gestaltung, Layout, £ £ £ Schreibstil und Rechtschreibung höchsten Ansprüchen gerecht. (© Copyright by IFJ Institut für Jungunternehmen (www.ifj.ch) / WEKA Verlag AG, Zürich)

Fazit: Zusammenfassend halten wir fest, dass ein «guter Businessplan» klar und verständlich formuliert sein sollte, das Informationsbedürfnis des Empfängers abdecken sowie nachvollziehbar und widerspruchsfrei sein muss.


4

Was sind erfolgreiche Unternehmungen?

Welche Unternehmen kommen Ihnen in den Sinn, wenn Sie an erfolgreiche Schweizer Unternehmen denken? Häufig werden grosse Unternehmungen wie Néstle, Novartis, Swatch Group oder die UBS genannt. Wann ist eine Unternehmung erfolgreich? Diese Frage kann man anhand verschiedener Kriterien beantworten. Mit dem Gewinn? Oder mit dem Umsatz? Oder mit den Arbeitsplätzen? Je nach Kriterium führen andere Unternehmungen die Rangliste an. n

Erfolgskriterium 1: Gewinn

Aus Sicht der Kapitalgeber ist der Gewinn eine wichtige Beurteilungsgrösse. Die fünf Unternehmen mit dem höchsten Gewinn 2012 in Europa sind allesamt Energiekonzerne: Gazprom (Russland), Royal Dutch Shell (Niederlande), Statoil (Norwegen), Total (Frankreich) und Eni (Italien). Anstelle der absoluten Gewinnzahlen ist die Rendite als Verhältniszahl zum eingesetzten Kapital jedoch aussagekräftiger.

n

n

Aus Sicht der Mitarbeiter sind die durch die Unternehmungen geschaffenen Arbeitsplätze ein wichtiges Kriterium. Die grössten Arbeitgeber Europas waren 2012 die Sicherheitsunternehmung G4S (England), der Personalvermittler Randstad (Niederlande), der Autobauer Volkswagen (Deutschland), die Supermarktkette Tesco (England) und das Catering-Unternehmen Compass Group (England).

n Der russische Staatskonzern Gazprom ist mit einem Gewinn von 31,12 Milliarden Euro die deutliche Nummer eins in Europa.

Erfolgskriterium 2: Umsatz

Aus Sicht der Kunden und der Lieferanten ist der Umsatz eine zentrale Beurteilungsgrösse. Die höchsten Umsätze erzielen vor allem Rohstoffkonzerne sowie Öl- und Energiegiganten: Royal Dutch Shell (Niederlande), British Petrol (England), VW (Deutschland), Total (Frankreich) und Glencore (Schweiz).

Erfolgskriterium 3: Arbeitsplätze

Mit seinen Sicherheitslösungen beschäftigte 2012 das britische Unternehmen Group 4 Securicor, kurz G4S, 2012 fast 650 000 Mitarbeiter.

Die Bedeutung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU)

In den Medien wird fast nur über Grossunternehmen berichtet. Meldungen über kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten findet man praktisch nicht. Von den 300'000 privatrechtlichen Unternehmen in der Schweiz (mit knapp drei Millionen Beschäftigen) sind 99,7 % KMU. Die knapp 1'000 Schweizer Grossunternehmen beschäftigen einen Viertel aller Mitarbeiter, drei Viertel aller Beschäftigten arbeiten in KMU. Zwei von drei Schweizern arbeiten in einem Dienstleistungsunternehmen; von diesen beschäftigen sieben von zehn weniger als 10 Personen. Jeder vierte Schweizer arbeitet somit in einem Dienstleistungsunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten. Auch KMU müssen erfolgreich wirtschaften. Zu Beginn einer erfolgreichen Geschäftstätigkeit steht auch bei den KMU ein sorgfältig ausgearbeiteter Businessplan.

Das umsatzstärkste Unternehmen der Welt, Royal Dutch Shell, steigerte 2012 seinen Umsatz auf gut 360 Milliarden Euro.

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þ Das haben Sie gelernt o o o o o o

o o o o

Ausgaben einer Familie nach Prioritäten in drei Gruppen einteilen Drei Schritte zu einem bewussten Umgang mit Geld beschreiben Eine Hilfestellung für das Einhalten eines Budgets beschreiben Beispiele von fixen und variablen Kosten nennen Die finanzielle Situation einer vierköpfigen Familie mit Hilfe einer Bilanz und einer Erfolgsrechnung darstellen Die wichtigsten Aktiven und Passiven und die wichtigsten Aufwände und Erträge in einer Kuchengrafik darstellen Die TOP 5 Verschuldungsursachen von Jugendlichen erläutern und geeignete Gegenmassnahmen vorschlagen Die TOP 5 Verschuldungsursachen von Erwachsenen erläutern und geeignete Gegenmassnahmen vorstellen Die finanzwirtschaftlichen Zusammenhänge in einer Familie erläutern Die finanzielle Lage einer Familie beurteilen und geeignete Massnahmen vorschlagen und begründen

o o o

Die Notwendigkeit einer Finanzplanung begründen Die 4 verschiedenen Finanzierungsprozesse erläutern Die finanzielle Lage einer Unternehmung in Bezug auf Liquidität, Sicherheit und Rendite beurteilen und geeignete Massnahmen vorschlagen und begründen

o o o o

Die übergeordnete Aufgabe von Unternehmungen beschreiben «Unternehmerisch denken und handeln» beschreiben Das «Canvas Business Model» erläutern und an konkreten Beispielen ausformulieren Die Elemente eines Businessplans nennen

o

Kriterien für erfolgreiche Unternehmungen beschreiben und beurteilen

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Offene Fragen


þ o o o o

o o o o o o o o o o o

Diese Begriffe können Sie erklären Budget Fixe Kosten Variable Kosten Bilanz o Aktiven o Flüssige Mittel o Wertschriften o Wertpapiere o Aktien o Fondsanteile o Mobiliar o Fahrzeuge o Immobilien o Passiven o Verbindlichkeiten o Darlehen o Kredit o Hypothek o Eigenkapital o Erfolgsrechnung o Aufwände o Erträge o Gewinn Finanzierung Kapital Investierung Finanzierungsprozesse Finanzplanung Anlagevermögen Umlaufvermögen Mittelherkunft Mittelverwendung Definanzierung Desinvestierung

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o

Liquidität o Liquiditätsgrad 2 (Quick Ratio) o Kurzfristiges Fremdkapital o Langfristiges Fremdkapital

o

Sicherheit o Eigenfinanzierungsgrad o Verschuldungsfaktor o Goldene Bilanzregel o Anlagedeckungsgrad 2

o

Rentabilität o Eigenkapitalrendite (Return on Equity)

o

Cashflow

o o

Unternehmerisch denken Unternehmerisch handeln

o o o

Geschäftsmodell Canvas Canvas Business Model o Kundennutzen o Zielgruppe o Kundenbeziehungen o Vertriebskanäle o Schlüsselaktivitäten o Schlüsselressourcen o Schlüsselpartnerschaften o Kostenstruktur o Einnahmequellen

o

Businessplan o Elemente eines Businessplans o Ziele eines Businessplans

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Aufgabe 1

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 20

Familie Keller – Entscheidungen mit finanziellen Folgen

Die Familie Keller wohnt in einem kleinen Dorf im Schweizer Mittelland. Renato Keller (48 Jahre), arbeitet seit über 10 Jahren als Lastwagenfahrer bei einer Speditionsfirma, seine Frau Cornelia (45 Jahre) ist vor ein paar Jahren wieder als Sachbearbeiterin mit einem Teilpensum von 50 % in einer Beratungsfirma eingestiegen. Till (17 Jahre) absolviert eine Kaufmännische Berufslehre mit Berufsmaturität im 3. Lehrjahr. Tabea (15 Jahre) wird im Sommer in die erste Klasse des Gymnasiums eintreten. Renato Keller verdient als Lastwagenfahrer CHF 5'500.‒ pro Monat. Vor einigen Jahren konnte sich die Familie dank einer Erbschaft ein kleines Haus leisten, geerbt hat sie auch eine Ferienwohnung in Grindelwald. Das Haus wurde zu 80 %, die Ferienwohnung zu 60 % mit Bankkrediten (Hypotheken) finanziert. Renato Keller macht sich Sorgen wegen des schleppenden Geschäftsganges in seiner Firma und überlegt sich ernsthaft, ob er sich selbstständig machen soll. Cornelia Keller träumt schon seit Jahren von einer Ferienreise mit der ganzen Familie nach Asien. Till möchte sich mit 18 Jahren endlich ein Auto kaufen. Nachdem er seinen Roller auch als Occasion gekauft und in seiner Werkstatt, welche er im Keller eingerichtet hat, in unzähligen Stunden auf Vordermann gebracht, träumt er schon lange davon, ein Occasionsauto zu «tunen». Und auch Tabea hat ihren grossen Traum: Seit drei Monaten hilft sie in ihrer Freizeit in der nahe gelegenen Tierpension mit. Dabei ist ihr «Chicolino» ans Herz gewachsen, ein Pferd, welches infolge einer Scheidung vorübergehend in der Tierpension lebt. Im Rahmen der Scheidung muss «Chicolino» nun verkauft werden, Tabea würde «Chicolino» am liebsten kaufen, der Verkaufspreis beträgt CHF 10'000.‒. Tabea möchte sich einen Überblick über die finanzielle Lage der Familie verschaffen. Sie erinnert sich, dass sie in der Sekundarschule rund um die Diskussionen mit dem neuen Lehrplan 21 eine Darstellung mit den Begriffen Budget, Bilanz und Erfolgsrechnungen behandelt hat. In einem alten Schulheft findet Tabea das Arbeitsblatt und erstellt die folgende Übersicht einer Bilanz und einer Erfolgsrechnung. Zu einigen Positionen kennt Tabea die konkreten Beträge aus Gesprächen am Familientisch, bei den meisten Positionen muss Tabea die Beträge schätzen. a) b)

Welche Beträge würden Sie für die noch offenen Positionen schätzen? Tragen Sie in die grau schattierten Felder Ihre Schätzungen ein (auf CHF 1'000.– gerundet). Welche weiteren Aktiven, Passiven, Aufwände oder Erträge fehlen aus Ihrer Sicht in dieser Übersicht? Notieren Sie diese Positionen mit Ihrem geschätzten Betrag auf die freien Schreiblinien.

AKTIVEN (Vermögen) Flüssige Mittel Bargeld Postkontoguthaben Bankkontoguthaben Wertschriften Aktien Fondsanteile Sparguthaben Sparkontoguthaben Altersguthaben Pensionskasse Mobiliar (Einrichtungen) Möbel, Kleider, Bilder, Geschirr Geräte (Küche, Fernseher, Computer) Werkstatt Till Reitausrüstung Tabea Fahrzeuge Toyota Roller (Till), Velo (Tabea) Weitere Aktiven

Total

BILANZ Familie Keller 31.12.2015 (Beträge in CHF) 8'000 1'500 2'000 4'500 35'000 25'000 10'000 450'000 50'000 400'000

Offene Beträge Steuerrechnung 2014 Zahnarztrechnung Kreditkartenrechnung Weitere Verbindlichkeiten

15'000 13'000 2'000

Total

PASSIVEN (Schulden) 15'000 7'500 5'000 2'500


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AUFWÄNDE (Wertverzehr) Wohnen Miete inkl. Nebenkosten / Hyp.-ZInsen Strom, Wasser Telefon/Internet Radio/TV (Billag) Versicherungen Krankenkasse/Unfall Mobiliar/Haftpflicht Lebens– /Gebäudeversicherung Steuern Staats-/Gemeinde-/Kirchensteuern Bundessteuer Mobilität Öffentlicher Verkehr Roller / Velo Auto Motorfahrzeugsteuern Haftpflicht-/Kasko-Versicherung Abstellplatz/Garage Vignette/Service/Reparaturen Benzin Abschreibung (Wertverlust/Amortisation) Verschiedenes Zeitungen/Zeitschriften Mitgliedschaften/Verbände PC (Unterhalt/Amortisation) Schulgeld/Aus- und Weiterbildung Sport (Ausrüstung, Lager) Haushalt Nahrungsmittel, Getränke Nebenkosten Geschenke/Einladungen/Geburtstage Persönliche Auslagen Eltern (Renato / Cornelia) Kleider/Schuhe Taschengeld (Freizeit, Ausgang, Handy) Auswärtige Verpflegung Kinder (Till / Tabea) Kleider/Schuhe Taschengeld (Freizeit, Ausgang, Handy) Auswärtige Verpflegung Übrige Aufwände

Total

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 21

ERFOLGSRECHNUNG Familie Keller für das Jahr 2015 (Beträge in CHF) Lohneinnahmen Lohn Vater Lohn Mutter Kinder-/Ausbildungszulagen Übrige Einnahmen 13'340 11'340 500 1'500 12'000 10'000 2'000 3'360 3'000 360

Total

ERTRÄGE (Wertzuwachs) 107'500 71'500 30'000 6'000


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Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 22

Tabea zeigt ihre Zusammenstellung mit den geschätzten Beträgen ihren Eltern. Die Eltern ergänzen die von Tabea geschätzten Beträge in der Übersicht mit einem blauen Kugelschreiber. c)

Vergleichen Sie die Zahlen in der folgenden Übersicht mit Ihren Schätzungen. Bei welchen Positionen haben Sie richtig geschätzt? Welche Beträge sind für Sie nicht nachvollziehbar?

d)

Tabea ist angenehm überrascht über den grossen Vermögensüberschuss in der Bilanz und sagt: «Wir sind ja fast Millionäre! Mit über CHF 800'000.– Vermögensüberschuss sind wir doch finanziell sorglos. Da können wir doch problemlos CHF 10'000.‒ für den Kauf meines Pferdes «Chicolino» investieren! » Ist diese Aussage von Tabea richtig oder falsch? Begründen Sie Ihre Antwort anhand der Bilanz und der Erfolgsrechnung der Familie Keller.

AKTIVEN (Vermögen) Flüssige Mittel Bargeld Postkontoguthaben Bankkontoguthaben Wertschriften Aktien Fondsanteile Sparguthaben Sparkontoguthaben Altersguthaben Pensionskasse Mobiliar (Einrichtungen) Möbel, Kleider, Bilder, Geschirr Geräte (Küche, Fernseher, Computer) Sportgeräte Werkstatt Till Fahrzeuge Toyota Roller (Till), Velo (Tabea) Weitere Aktiven Immobilien: Haus Ferienwohnung (Grindelwald) Total

BILANZ Familie Keller 31.12.2015 (Beträge in CHF) 8'000 1'500 2'000 4'500 35'000 25'000 10'000 450'000 50'000 400'000 200'000 170'000 24'000 4'000 2'000 15'000 13'000 2'000 750'000

Offene Beträge Steuerrechnung 2014 Zahnarztrechnung Kreditkartenrechnung Weitere Verbindlichkeiten Hypotheken Haus Ferienwohnung (Grindelwald)

Vermögensüberschuss (= «Eigenkapital»)

PASSIVEN (Schulden) 15'000 7'500 5'000 2'500 570'000

480'000 90'000

873’000

600'000 150'000 1'458'000

Total

1'458'000


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AUFWÄNDE (Wertverzehr) Wohnen Miete inkl. Nebenkosten / Hyp.-Zinsen Strom, Wasser Telefon/Internet Radio/TV (Billag) Versicherungen Krankenkasse/Unfall Mobiliar/Haftpflicht Lebensversicherung/Gebäudeversicherung Steuern Staats-/Gemeinde-/Kirchensteuern Bundessteuer Mobilität Öffentlicher Verkehr Roller / Velo Auto Motorfahrzeugsteuern Haftpflicht-/Kasko-Versicherung Abstellplatz/Garage Vignette/Service/Reparaturen Benzin Abschreibung (Wertverlust/Amortisation) Verschiedenes Zeitungen/Zeitschriften Mitgliedschaften/Verbände PC (Unterhalt/Amortisation) Schulgeld/Aus- und Weiterbildung Sport (Ausrüstung, Lager) Haushalt Nahrungsmittel, Getränke Nebenkosten Geschenke/Einladungen/Geburtstage Persönliche Auslagen Eltern (Renato / Cornelia) Kleider/Schuhe Taschengeld (Freizeit, Ausgang, Handy) Auswärtige Verpflegung Kinder (Till und Tabea) Kleider/Schuhe Taschengeld (Freizeit, Ausgang, Handy) Auswärtige Verpflegung Übrige Aufwände Krankenkasse (Franchise/Selbstbehalt) Zahnarzt/Optiker Geschenke (Weihnachten) Schule/Lager Ertragsüberschuss (= «Gewinn») für Unvorhergesehenes, Anschaffungen, Ferien

Total

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 23

ERFOLGSRECHNUNG Familie Keller für das Jahr 2015 25'662 22'800 1'200 1'200 462 13'340 11'340 500 1'500 12'000 10'000 2'000 3'360 3'000 360 11'052 292 800 600 1'200 2'160 6'000 4'620 400 900 720 1'800 800 22'800 19'200 2'400 1'200 9'840

Lohneinnahmen Lohn Vater Lohn Mutter Kinder-/Ausbildungszulagen Übrige Einnahmen Wertschriftenerträge (2%) Mieteinnahmen Ferienwohnung

ERTRÄGE (Wertzuwachs) 107'500 71'500 30'000 6'000 1'700 700 1'000

6'000 200 720 2'000 120 800 4’240 2'800 840 360 240

2’286

109'200

Total

109'200


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Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 24

Aufgabe 2

Kleinkredite oder regelmässige Sparbeiträge?

Grundsätzlich gibt es verschiedene Möglichkeiten, seine Träume zu finanzieren:

n Variante A: Mit einem Kleinkredit

(Quelle: www.cashgate.ch / Zugriff 14.03.16)

a)

Welche Botschaft vermittelt das Bild auf dieser Webseite? Interpretieren Sie dazu die Bildelemente «Tiger» und «grüne Wiese».

n Variante B: Mit regelmässigen Sparbeiträgen zu den notwendigen Rücklagen für Projekte Grundsätzlich lassen sich Projekte auch finanzieren, indem man zuerst die dafür notwendigen finanziellen Mittel anspart und sich dafür die entsprechenden Rücklagen bildet. Tabea hat sich für diese Berechnung die folgende Excel-Tabelle erstellt (Beträge in CHF): A 1 2 3 4 5

Notwendiger Betrag für die Finanzierung der Projekte Vorhandene Ersparnisse Saldo Sparkonto/Rücklage

6

Möglicher Sparbeitrag/Monat

7

Anzahl Monate

8

Datum, an welchem die Finanzierung gesichert ist

B Projekt 1 Vater Renato Eigenes Geschäft

C Projekt 2 Mutter Cornelia Ferienreise

D Projekt 3 Sohn Till Auto

E Projekt 4 Tochter Tabea Pferd «Chicolino»

50'000

12'000

17'500

10'000

38'000

5'000

4'000

3'000

250

250

150

150


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Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 25

b)

Nennen Sie die Formel für die Berechnung im Feld B7:

c)

Nennen Sie die Formel für die Berechnung im Feld B8:

d)

Berechnen Sie für die vier Projekte die Anzahl Monate bis die notwendigen Rücklagen zur vollständigen Finanzierung angespart sind und tragen Sie diese in die Zellen B7, C7, D7 und E7 ein.

e)

Vergleichen Sie die Vor- und Nachteile dieser beiden Finanzierungsvarianten.

Kleinkredit

Regelmässige Sparbeiträge zur Bildung von Rücklagen

Kosten

Vorteile

f)

Welche Finanzierungsvariante würden Sie Tabea für ihr Projekt «Chicolino» vorschlagen?


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Aufgabe 3

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 26

Kann man Sparen lernen? Der Marshmallow-Test

Der Psychologe Walter Mischel hat 1970 ein spezielles Experiment mit 4- bis 6-jährigen Kindern durchgeführt: Die Kinder erhielten eine Süssigkeit vorgesetzt (im Experiment war dies ein so genanntes Marshmallow). Die Kinder konnten nun wählen: Entweder dieses Marshmallow sofort zu essen, oder 15 Minuten lang darauf zu verzichten, um dann ein zweites Marshmallow zu erhalten. Wie hätten Sie reagiert? a)

Betrachten Sie im folgenden Video, wie Kinder mit dieser Versuchung umgehen. Welche erfolgreichen Strategien werden angewandt?

(https://www.youtube.com/watch?v=Y7kjsb7iyms / Zugriff 14.03.16)

b)

Dieses Experiment wurde mit über 600 Kindern durchgeführt. Für die Auswertung dieses Marshmallow-Tests wurden die Kinder in zwei Gruppen eingeteilt: die «Low Delayer», welche schlechter auf die in Aussicht gestellte Belohnung (zweite Süssigkeit) verzichten konnten, und die «High Delayer», welche ihr Bedürfnis nach der Süssigkeit besser aufschieben konnten. In den folgenden Jahren (10, 20, 30 Jahre später) wurden bei diesen Gruppen die folgenden Aspekte erhoben. Kreuzen Sie in der folgenden Tabelle an, welche Ergebnisse Sie bei der Messung der einzelnen Aspekte erwarten: + = bessere Ergebnisse - = schlechtere Ergebnisse 0 = keine Unterschiede Gruppe 1 «Low Delayer» (Ungeduldige) Sportliche Aktivität Erfolg in der Schule Umgang mit Rückschlägen Alkohol-/Drogen-/Spielsucht Emotionale Stabilität Ergebnis Intelligenztest Weitere Informationen zu Thema «Warten macht erfolgreich» finden Sie unter https://www.iconomix.ch/de/blog/1231-warten-macht-erfolgreich/

Gruppe 2 «High Delayer» (Geduldige)


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Aufgabe 4

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 27

Renato Keller macht sich selbstständig

Nachdem sich die Gerüchte über den schleichenden Geschäftsgang seiner Transportunternehmung und mögliche Kündigungen gehäuft haben, hat Renato Keller das Gespräch mit seinem Arbeitgeber gesucht. Der Inhaber hat ihm dabei mitgeteilt, dass er aus Altersgründen, aber auch aufgrund rückläufiger Transportaufträge einen Verkauf seiner Transportunternehmung in den nächsten 6 bis 18 Monaten in Betracht ziehe. Am Familientisch werden die unangenehmen Aussichten diskutiert: Renato Keller ist überzeugt, dass er für viele Kunden, zu denen er in den letzten Jahren ein persönliches Verhältnis aufgebaut hat, auch selbstständig mit Transportdienstleistungen bedienen kann. Die Aufträge könnte er per Telefon organisieren, bei den Rechnungen könnte ihn seine Frau unterstützen. Nach einem zweiten Gespräch mit seinem Arbeitgeber kündigt Renato Keller zur Überraschung seiner Chauffeur-Kollegen auf Ende Jahr seine Arbeitsstelle, kauft «seinen Lastwagen» von seinem Arbeitgeber und macht sich selbstständig.

Renato Kellers Fahrzeug: Ein 40-Tonner LKW, komplett zu CHF 80'000.‒. Die Sattelzugmaschine (EURO 5 Norm) mit 200'000 km kostet CHF 60'000.‒; der 3-Achs-Auflieger CHF 20'000.‒.

Dieser Entscheid hat zur Folge, dass verschiedene finanzielle Überlegungen angestellt werden müssen. Auf den nächsten Seiten begleiten und beraten Sie Renato Keller bei den folgenden Schritten: a)

Aufzeichnung der Vorfälle in der Unternehmung

b)

Erstellung eines Liquiditätsplanes bzw. einer Geldflussrechnung für die ersten drei Monate

c)

Beurteilung der finanziellen Lage aufgrund der Geldflussrechnung am Ende des 1. Quartals

d)

Erstellung einer Bilanz und einer Erfolgsrechnung

e)

Beurteilung der finanziellen Lage aufgrund der Bilanz und Erfolgsrechnung

f)

Ermittlung von Kalkulationsgrundlagen

g)

Kalkulation der Selbstkosten eines Transportauftrages

h)

Beurteilung der finanziellen Aussichten für das Geschäft von Renato Keller


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a)

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 28

Renato Keller kauft seinem bisherigen Arbeitgeber «sein» Fahrzeug zu einem Preis von CHF 80'000 ab. Zu den Konsequenzen seines Entschlusses gehört auch die Tatsache, dass er nun gründlich über alle Einnahmen und Ausgaben Buch führen muss. Weil er für einen Buchhaltungskurs im Moment keine Zeit hat, entschliesst er sich, vorerst einfach Tag für Tag alles, was ihm in diesem Zusammenhang wichtig scheint, in einer Tabelle zu notieren. Unten finden Sie seine Einträge für die ersten drei Monate. Um den Überblick besser zu behalten, lässt er alle Einzahlungen und Auszahlungen über das Bankkonto laufen, welches er für sein Geschäft eingerichtet hat. Daneben führt er sein persönliches Postkonto, auf das er sich jeweils Ende Monat CHF 6'000.‒ als Lohn überweisen will. Lesen Sie diese Geschäftsfälle durch und kreuzen Sie jene Geschäftsfälle an, welche sich auf das Bankkonto auswirken.

Datum

Geschäftsfälle (Vorgänge in der Unternehmung)

Auswirkungen auf Bankkonto (X)

03.01.

Einzahlung Ersparnisse auf Bankkonto Geschäft: CHF 50'000.–.

£

05.01.

Aufnahme Bankkredit (für LKW und laufende Ausgaben), Einzahlung des Betrages auf das Bankkonto Geschäft CHF 50'000.–.

£ £

12.01.

Banküberweisung für den übernommenen LKW, Sattelzugmaschine plus 3-Achs Auflieger, insgesamt CHF 80'000.–. Bezahlung der Quartalsrechnung für die Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung für den gesamten Lastenzug: CHF 1'800.–.

14.01.

Die Schwerverkehrssteuer (LSVA) beträgt für eine voraussichtliche Jahresleistung von 50 000 km CHF 44'000.–/Jahr. Überweisung des Teilbetrages für das 1. Quartal.

£

16.01.

Zahlung der Rechnung für die übrigen, notwendigen Versicherungen (Frachtführerhaftpflicht- und Transportversicherung), Prämie für die ersten 3 Monate CHF 500.–.

£

25.01.

Überweisung Lohn Januar CHF 6'000.– auf das private Postkonto.

£

30.01.

Versand Rechnungen für erbrachte Transportleistungen im Januar: CHF 13'500.–, Zahlungsfrist 30 Tage:

£

31.01.

Eingang Rechnung für Treibstoffbezüge im Januar: CHF 1'800.–, Zahlungsfrist 30 Tage.

£

15.02.

Kurzfristige Erhöhung des Kredites um CHF 10'000.–, Einzahlung des Betrages auf das Bankkonto. Dieser Überbrückungskredit muss innert drei Monaten zurückbezahlt werden.

£

18.02.

Bezahlung der kantonalen Motorfahrzeugsteuern (Jahresrechnung) für die Sattelzugmaschine inklusive Auflieger: CHF 2'000.–.

£

25.02.

Überweisung Lohn Februar CHF 6'000.– auf das private Postkonto.

25.02.

Eingang Rechnung für Treibstoffbezüge im Februar: CHF 1'940.–, Zahlungsfrist 30 Tage.

£ £

28.02.

Versand Rechnungen für erbrachte Transportleistungen im Februar: CHF 13'600.–, Zahlungsfrist 30 Tage.

£

27.02.

Bezahlung der Rechnung Treibstoffbezüge vom 31.01.: CHF 1'800.–.

05.03.

Unvorhergesehene Reparatur am Fahrzeug mit der Maestro-Karte bezahlt: CHF 1'000.–.

12.03.

Zahlungseingang der versandten Rechnungen vom 30.01.: CHF 13'500.–.

14.03.

Teilrückzahlung des Überbrückungskredits vom 15.02.; CHF 5'000.–.

£ £ £ £

15.03.

Voranzeige der Zinsbelastung von CHF'900.– für den Bankkredit vom 5.1.; Belastung per 31.03.:

£

25.03.

Überweisung Lohn März CHF 6'000.– auf das private Postkonto.

30.03.

Bezahlung der Rechnungen Treibstoffbezüge vom 25.02.: CHF 1'940.–.

£ £

31.03.

Versand Rechnungen für erbrachte Transportleistungen im März: CHF 14'100.–, Zahlungsfrist 30 Tage.

£

31.03.

Eingang Rechnung für Treibstoffbezüge im März: CHF 2'000.–, Zahlungsfrist 30 Tage

31.03.

Zinsbelastung gemäss Voranzeige vom 15.03.: CHF 900.–.

£ £

10.01.

£


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b)

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 29

Die Aufnahme des zusätzlichen Bankkredites am 15.02. war Renato Keller etwas peinlich. Damit er seine finanzielle Situation besser überwachen kann, führt er das folgende Schema. Damit kann er überprüfen, ob auf seinem Bankkonto Ende Monat genügend Geld ist, um seine Rechnungen bezahlen zu können. Analysieren Sie den Aufbau des unten stehenden Liquiditätsplanes (auch Geldflussrechnung genannt) und tragen Sie für die Monate Februar und März die Ein- und Auszahlungen nach.

Liquiditätsplan / Geldflussrechnung für die Monate Januar – März Januar Datum Flüssige Mittel am Monatsanfang

Februar Ist

Datum

März Ist

0

+ Einzahlungen von Kunden

30.01.

0

- Auszahlungen für Energie (Treibstoff)

31.01.

0

- Auszahlungen für Lohn

25.01.

-6'000

12.01.

-1'800

14.01.

-11'000

16.01.

-500

- Auszahlungen für Reparaturen - Auszahlungen für Fahrzeugversicherungen (Haftpflicht-/Vollkaskoversicherung) - Auszahlungen für Fahrzeugsteuern (Schwerverkehr-/Motorfahrzeugsteuern) - Auszahlungen für übrige Versicherungen (Frachtführerhaftpflicht- und Transportvers.) - Auszahlungen für Büromaterial - Auszahlungen für Werbung Geldfluss aus Geschäftstätigkeit (Cash Flow) - Auszahlungen für Kauf von Sachanlagen (Investitionen) + Einzahlungen für Verkauf von Sachanlagen (Desinvestition)

-19'300 10.01.

Geldfluss aus Investitionstätigkeit + Einzahlungen aus Finanzierung durch Fremdkapital + Einzahlungen aus Finanzierung durch Eigenkapital

-80'000

-80'000 05.01.

50'000

03.01.

50'000

- Auszahlung für Zinsbelastungen - Auszahlungen für Rückzahlung von Fremd-/Eigenkapital (Definanzierung) Geldfluss aus Finanzierungstätigkeit Flüssige Mittel am Monatsende c)

100'000 700

Wie beurteilen Sie die finanzielle Lage des Geschäfts von Renato Keller am Ende des ersten Quartals?

Datum

Ist


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d)

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 30

Am Ende des 1. Quartals als Einzelunternehmer analysiert Renato Keller seine finanzielle Situation mithilfe einer Bilanz per 31.03. und einer Erfolgsrechnung für die ersten drei Monate seiner Geschäftstätigkeit. Ergänzen Sie die folgende Darstellung und tragen Sie den Erfolg (Gewinn oder Verlust) für das 1. Quartal ein.

AKTIVEN (Vermögen)

BILANZ 31.03. Transportunternehmung Renato Keller

Flüssige Mittel

Offene Beträge

Guthaben Bankkonto

Offene Rechnungen

Forderungen

Schulden Bankkonto

Guthaben bei Kunden

Darlehen

Fahrzeuge

Bankkredit

Lastwagen

Eigenkapital

PASSIVEN (Schulden)

Eigenkapital (am 01.01.)

Total

AUFWÄNDE (Wertverzehr)

Total

Erfolgsrechnung 1. Quartal (01.01. – 31.03.) Transportunternehmung Renato Keller

Energieaufwand (Treibstoff)

Transportertrag

Januar

1'800

Januar

Februar

1'940

Februar

März

2'000

März

Personalaufwand Januar

6'000

Februar

6'000

März

6'000

Unterhalt, Reparaturen Ausserord. Reparatur LKW

1'000

Fahrzeugaufwand Schwerverkehrsabgabe (LSVA) Haftpflicht-/Vollkaskoversicherung

11'000 1'800

Übrige Versicherungen

500

Motorfahrzeug-Steuer

2'000

Zinsaufwand Zins für Bankkredit

Total

ERTRÄGE (Wertzuwachs)

900

Total

13'500


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e)

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 31

Wie beurteilen Sie die finanzielle Lage nach dem 1. Quartal? Beantworten Sie die folgenden drei Fragen mithilfe der in der Theorie auf den Seiten 7 bis 9 beschriebenen Kennzahlen:

Ist die Unternehmung finanziell unabhängig?

Erzielt die Unternehmung genügend Gewinn?

Kann die Unternehmung ihre fälligen Rechnungen fristgerecht bezahlen?


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f)

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 32

Renato Keller überlegt sich, ob er möglicherweise seine Transportleistung zu günstig anbietet. Er hat für die Kalkulation der Kosten noch zusätzliche Angaben ermittelt. Ergänzen Sie in der folgenden Übersicht die grau unterlegten Felder mit den fehlenden Zahlen, berücksichtigen Sie dabei die zusätzlichen Angaben in den Fussnoten. Kalkulationsgrundlagen Fixe Kosten pro Jahr (Annahme: 2'000 Einsatzstunden/Jahr; 50'000 km Jahresleistung), Beträge in CHF Lohnkosten

72'000

Sozialversicherungen, 20% der Lohnkosten

14'400

Motorfahrzeugsteuern (Sattelzugmaschine und Auflieger)

2'000

Versicherungen (Haftpflicht, Vollkasko, Übrige)

8'000

Garage, Abstellplatz

4'500

Abschreibungen2 Kalkulatorischer Zins3 auf dem Fahrzeugkapital Total fixe Kosten pro Jahr Total fixe Kosten pro Einsatzstunde Variable Kosten pro Kilometer (Annahme: 50'000 km/Jahr Jahr; 50'000 km Jahresleistung), Beträge in CHF Treibstoff (Jahresleistung 50'000 km)

0.50

Bereifung (Kosten pro Jahr CHF 7'150.–)

0.14

Reparaturen, Unterhalt (pro Jahr CHF 12'000.–)

0.24

Leistungsabhängige Schwerverkehrsabgabe, LSVA / pro km

0.91

Abschreibungen (Anteil variabel) Total variable Kosten pro Kilometer Total variable Kosten pro Jahr Gesamtkosten pro Jahr

2

Renato Keller geht davon aus, dass er sein Fahrzeug innerhalb von 5 Jahren abgeschrieben haben muss.

Die Hälfte der jährlichen Abschreibung rechnet er bei den festen Kosten ein. Die andere Hälfte der jährlichen Abschreibungen rechnet er auf die jährliche Kilometerleistung um. Berechnung:

3

Das ins Fahrzeug durchschnittlich investierte Kapital wird zu 7% verzinst.

Berechnung:


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g)

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 33

Renato Keller hat den untenstehenden Auftrag (Nr. 37) bisher jeweils pauschal zu CHF 800.– ausgeführt. Berechnen Sie aufgrund der unter f) berechneten Kalkulationsgrundlagen und der folgenden Eckdaten die Selbstkosten für diesen Auftrag Nr. 37. Eckdaten für Auftrag Nr. 37: Anfahrtsweg Transportstrecke Rückfahrweg Aufladen: Abladen:

15 km, 30 Minuten 120 km, 2 Stunden 130 km, 2 Stunden 1 Stunde 1 ½ Stunden (alle Zeiten inkl. Pausen)

Domizil Kunde Aufladeort

Standort Renato Keller Abladeort

alle Kostenwerte in CHF Nachkalkulation

Vorkalkulation

Abweichung absolut

in %

km-abhängige Kosten pro Kilometer (K02) Feste Kosten pro Einsatzstunde (K05) 1) Km-abhängige Kosten Anfahrtsweg

km

km

0 km

Transportstrecke

km

km

0 km

Rückfahrweg

km

km

0 km

Total Fahrstrecke

km

km

0 km

Total km-abhängige Kosten

0.00

Fahrstrecke x km-abhängige Kosten pro km (Pos. K02) 2) Feste Kosten Anfahrtszeit

Std.

Min.

Std.

Min.

0 Std.

0 Min.

Auflad inkl. Wartezeit

Std.

Min.

Std.

Min.

0 Std.

0 Min.

Fahrzeit

Std.

Min.

Std.

Min.

0 Std.

0 Min.

Ablad inkl. Wartezeit

Std.

Min.

Std.

Min.

0 Std.

0 Min.

Rückfahrzeit

Std.

Min.

Std.

Min.

0 Std.

0 Min.

Zwischentotal Zeit (hh:mm) Zusatzzeit in Minuten Total Zeitaufwand (hh:mm) Total Feste Kosten

00:00 0 00:00 0.00

Zeitaufwand x feste Kosten pro Einsatzstunde (Pos. K05) 3) Total Total km-abhängige Kosten

0.00

Total Feste Kosten

0.00 0.00

Total I: Selbstkosten

Ausschnitt Kalkulationsblatt: © ASTAG Schweizerischer Nutzfahrzeugverband 20144

h)

4

Wie beurteilen Sie aufgrund der bisherigen Berechnungen die finanziellen Aussichten für das Geschäft von Renato Keller? Gut – geht so – düster? Begründen Sie Ihre Antwort.

Das vollständige Kalkulationsblatt ist als Excel-Vorlage im e-desk verfügbar (Band 2 > Kapitel Unternehmungsfinanzierung > Zusatzmaterial)


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Aufgabe 5

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 34

Auf der Suche nach einer neuen Geschäftsidee

Nachdem Renato Keller für einen wiederkehrenden Transportauftrag mit allen Kosten, auch den Abschreibungen, sorgfältig durchgerechnet hat, muss er sich eingestehen: Er müsste die Verkaufspreise um 30% erhöhen! Dies scheint auch dem sonst sehr optimistischen Renato Keller dann doch nicht wirklich zu funktionieren. In den letzten Monaten haben ihn einige Kunden denn auch schon auf mögliche Preisreduktionen angesprochen. So muss sich Renato Keller eingestehen: mit seiner eigenen Speditionsfirma und seinem eigenen Lastwagen kann er das notwendige Familieneinkommen nicht sicherstellen. Aus diesem Grund hat sich Renato Keller auf den verschiedenen Job-Börsen umgesehen und geeignete Stellenangebote gesucht. In keinem Stelleninserat steht: Gesucht Chauffeur ab 50 Jahren, ganz im Gegenteil. Trotzdem verschickt er flächendeckend Bewerbungen auf die ausgeschriebenen Stellen. Auf seine bisher 30 verschickten Bewerbungen hat er 20 Absagen erhalten, für 10 Anfragen stehen die Antworten noch aus. Beim Surfen im Internet stösst er auf die folgende Seite: http://www.businessmodelgeneration.com/canvas/bmc

a)

Schauen Sie sich dieses Einführungsvideo (https://www.youtube.com/watch?v=QoAOzMTLP5s) an und notieren Sie die Struktur des Canvas Modells mit den zutreffenden (englischen) Begriffen.


b)

Entwerfen Sie für Renato Keller zwei verschiedene Geschäftsideen mit Hilfe des folgenden Modells. Tragen Sie Ihre Ideen auf Post-it Zettel in einer Gruppe zusammen und erstellen Sie ein Canvas-Plakat, welches Sie der Klasse vorstellen können.

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Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 35


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Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 36


Aufgabe 6

Und Ihr persönliches Geschäftsmodell?

Was für eine Geschäftsidee wollen Sie in Ihrem späteren Berufsleben verfolgen?

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Wenn Sie keine eigene Unternehmung gründen wollen, formulieren Sie Ihre Überlegungen im Hinblick auf die Zielgruppen «Mein gewünschter zukünftiger Arbeitgeber».

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 37


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Aufgabe 7

Brennpunkt Rechnungswesen – Finanzwirtschaftliche Zusammenhänge 38

Businessplan für Renato Keller

Renato Keller will es nochmals versuchen. Für sein neues Geschäftsmodell benötigt er jedoch einen Bankkredit von CHF 200'000.–. Er weiss, dass dafür ein Business Model Canvas nicht genügt, sondern dass er für einen Kreditantrag bei der Bank einen Businessplan erstellen muss. a)

Im Internet finden Sie viele Vorlagen von Businessplänen. Suchen Sie ein Beispiel und notieren Sie sich die entsprechende Quelle: Welche Punkte (im Sinne eines Inhaltsverzeichnisses) sollte der Businessplan von Renato Keller enthalten?

b)

Vergleichen Sie Ihr Inhaltsverzeichnis mit anderen Lösungen in der Klasse. Formulieren Sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

Wie sieht der Businessplan ganz konkret aus? Mit EcoStartup, einem computergestützten Planspiel, gründen und führen Sie einen eigenen Kleinbetrieb. Ausgangspunkt dazu ist ein selbst erarbeiteter Businessplan. Anschliessend wird dieser Betrieb während drei bis fünf Geschäftsjahren geführt. Dank der handlungsorientierten Unternehmenssimulation können die Auswirkungen ihrer Entscheide sofort analysiert werden.

Weitere Informationen zum Planspiel EcoStartup finden Sie in der Broschüre «Brennpunkt Wirtschaft und Gesellschaft – Unternehmerisch denken und handeln mit einem Businessplan» Bestellung über: https://brennpunkt-wug.abacuscity.ch/de/home

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