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Arbeitslosigkeit

Es gibt etwas, das alle Menschen rund um den Globus verbindet. Egal, zu welcher Religion sie sich bekennen oder welcher Nation sie angehören: Jeder Mensch möchte durch ein gesichertes Einkommen seine Existenz und das bisher Erreichte sichern. Dafür sind die allermeisten bereit, einer geregelten Tätigkeit nachzugehen. Menschen ohne Arbeit sind nicht nur in ihrer Existenz gefährdet; sie sind oft auch unglücklich und werden krank.

Eine hohe Arbeitslosigkeit führt nicht nur häufig zum sozialen Abstieg der direkt Betroffenen, sondern manchmal auch zu tiefen gesellschaftlichen Konflikten oder zu grossen Wanderbewegungen Arbeit suchender Menschen in Richtung der Län­ der mit guten Verdienstmöglichkeiten. Wo liegen die Ursachen von Arbeitslosigkeit? Welche Formen von Arbeitslosig­ keit gibt es? Und vor allem: Wie kann man Arbeitslosigkeit vermeiden?

Theorie 17.1 17.2 17.3 17.4 17.5 17.6 17.7 17.8

Übungen

Die Arbeitslosigkeit im Laufe der letzten 100 Jahre ............................................. Konjunkturelle und saisonale Arbeitslosigkeit ..................................................... Friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit ........................................................ Arbeitslose und offene Stellen – Sockelarbeitslosigkeit ....................................... Offizielle Arbeitsmarktdaten .............................................................................. Verdeckte und latente Arbeitslosigkeit ............................................................... Wie kann man Arbeitslosigkeit vermeiden? ........................................................ Arbeitslos – was tun? ........................................................................................ Das haben Sie gelernt ........................................................................................ Diese Begriffe können Sie erklären .....................................................................

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Konjunkturelle und saisonale Arbeitslosigkeit ........................................................ Friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit .......................................................... Sockelarbeitslosigkeit ........................................................................................... Arbeitsmarktstatistiken ......................................................................................... Formen der Arbeitslosigkeit ..................................................................................

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Aufgaben 1 2 3 4 5

Arbeitslosigkeit im Wandel ................................................................................... Lage auf dem Arbeitsmarkt .................................................................................. Arena Arbeitslosigkeit ........................................................................................... Erfolgreicher Abbau der Sockelarbeitslosigkeit ...................................................... Welches ist die bessere Arbeitsmarktstatistik? .......................................................

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Brennpunkt Wirtschaft und Gesellschaft 2.. Auflage 2017 / © Verlag SKV AG, Zürich Diese Broschüre ist urheberrechtlich geschützt. Ohne Genehmigung des Verlages ist es nicht gestattet, die Broschüre oder Teile daraus in irgendeiner Form zu reproduzieren. Bestellung über: http://brennpunkt-wug.verlagskv.ch Arbeitslosigkeit 1

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17.1

Arbeitslosigkeit im Laufe der letzten 100 Jahre

Arbeitslosigkeit taucht im Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung immer wieder auf. Ein Blick in die Geschichte vermittelt uns zudem einen Einblick in die vielfältigen Ursachen dieses Phänomens. Dazu schauen wir uns an, wie sich die Arbeitslosigkeit in der Schweiz in den letzten 100 Jahren entwickelt hat:

■ Arbeitslosigkeit in der Schweiz (1914–2009) 5%

Immobilienkrise

Grosse Depression

4.5 % Arbeitslose / (Arbeitslose + Erwerbstätige)

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Starke Deflation

3.5 %

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Erdölpreis-Schocks Platzen der Dotcom-Blase

0.5 % 0% 1914 1920 1925 1930 1935 1940 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010

Quelle: «Die Volkswirtschaft» 1/ 2 – 2010 (Für die amtlichen Arbeitslosenquoten wird die Zahl der Erwerbsbevölkerung alle zehn Jahre erhoben; weil die Zahl der Erwerbstätigen jährlich gestiegen ist, sind die Zahlen in dieser Grafik im Vergleich leicht tiefer.)

Die Abbildung zeigt den Verlauf der Arbeitslosenquote (Prozentanteil der Arbeitslosen an der arbeitsfähigen und arbeitswilligen Bevölkerung) mit besonders markanten Spitzenwerten über die letzten 100 Jahre. ■ 1920: Nach Beginn der Industrialisierung 1850 und mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes herrschte in der Schweiz knapp 70 Jahre lang ein ununterbrochenes Wirtschaftswachstum. Die erste Krise begann mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914. Die Staaten finanzierten ihre Rüstungsausgaben mit einer Ausweitung der Geldmenge, was zu einer hohen Teuerung (Inflation) führte. Als die Schweizerische Nationalbank (SNB) gegen die andauernden Preiserhöhungen entschieden eingriff, sank die Jahresinflationsrate von rund +25 % im Jahre 1918bis 1922 auf das Niveau von – 20 %, was einer heute

kaum vorstellbaren Deflation entspricht. In einer Deflation sinken die Preise für Güter und Dienstleistungen, und die Unternehmer sind in der Folge gezwungen, Arbeiter zu entlassen. Die Arbeitslosenquote stieg aus diesem Grund bis 1922 auf 3,4 %. 1935: Nach dem Ersten Weltkrieg folgten die goldenen 20er-Jahre: Durch Produktivitätsfortschritte und die Einführung der Massenproduktion nahmen die Umsätze in der Konsumgüter- und Investitionsgüterindustrie massiv zu. Die Banken boten sehr günstige Kredite an, was zu einer Überproduktion führte. Zudem waren Investitionen häufig mit kurzfristigen Krediten finanziert, und als im Jahr 1929 aufgrund von spekulativen Wertpapier- und Warengeschäften viele Banken Konkurs gingen, brach die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen ein. Weil bereits damals die Volkswirtschaften stark miteinander verzahnt waren, führte dies zu einer weltweiten Depression. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten wiederum Jahre des starken Wachstums, in denen die Arbeitslosigkeit fast verschwand. In der Schweiz war die bestehende allgemeine Arbeitskräfteknappheit nur durch den Zuzug ausländischer Arbeitskräfte zu überwinden. In der Folge stieg der Ausländeranteil 1970 auf 17,2 % an. 1978/ 1986: Nach den Boomjahren kam es zu wiederholten Beschäftigungsein­ brüchen, welche die Arbeitslosigkeit jedes Mal deutlich ansteigen liessen. Der erste Einbruch ereignete sich im Anschluss an die erste Erdölpreiskrise 1973 / 74 und der zweite in der Folge des zweiten Erdölpreisschocks 1982. Die erste Erdölpreiskrise wurde im Herbst 1973 durch den Jom-Kippur-Krieg ausgelöst, in welchem Ägypten und Syrien Israel angriffen. Die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) drosselte bewusst die Fördermengen um ca. fünf Prozent, um die westlichen Länder bezüglich ihrer Unterstützung Israels unter Druck zu setzen. Die zweite Erdölkrise wurde durch die islamische Revolution im Iran und den Angriff des Iraks auf den Iran (Erster Golfkrieg) ausgelöst. 1995: Anfang der 1990er-Jahre resultierte ein Anstieg der Arbeitslosenquote aus der restriktiven Geldmengenpolitik der Nationalbank. Aufgrund eines spekulativen Immo­ bilienbooms und einer Inflation von über 6 % verringerte die SNB die Geldmenge bei den Geschäftsbanken, was zu einem Anstieg des Zinsniveaus führte. Durch die gestiegenen Kapitalkosten gingen Unternehmungen Konkurs und entsprechend Arbeitsplätze verloren. 2005: Die nächsten Einbrüche rührten von Entwicklungen auf den Finanzmärkten her: Im Jahre 2000 kamen Unternehmen auf, die im Zusammenhang mit dem Internet Dienstleistungen anboten. Man nannte diese Unternehmungen aufgrund ihrer InternetDomain-Endung «.com» (engl. für commercial) auch Dotcom-Unternehmungen. Übertriebene Gewinnerwartungen und die Spekulation auf steigende Aktienkurse führten zu einer Überbewertung dieser Unternehmungen, was man allgemein als Dotcom­Blase bezeichnete. Als die hochbewerteten Unternehmen die Gewinnerwartungen nicht erfüllen konnten, gingen viele dieser Unternehmungen Konkurs, da ihr Börsenwert «nur» durch die geistigen Leistungen der Mitarbeiter und nicht durch materielle Gegenwerte

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gedeckt war. Viele Kleinanleger verpassten den richtigen Ausstiegszeitpunkt und verloren so ihr Vermögen, was schliesslich zu einem gesamtwirtschaftlichen Nachfrageeinbruch führte. ■ 2008: Die Finanzkrise 2008 wurde durch die stark gefallenen Immobilienpreise in den USA ausgelöst, die sich nach einer langen, spekulativen Preissteigerungsphase (Immobilienblase) entwickelt hatte. Immer mehr Kreditnehmer konnten ihre Kreditraten aufgrund der gestiegenen Zinsen und infolge sinkender Einkommen nicht mehr bezahlen. Weil dadurch auch die Nachfrage nach Konsumgütern zurückging, kam es zu Produktionssenkungen und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. ■ 2010: In der Euro­Krise konnten einige Mitgliedsländer der Europäischen Union (EU), wie z. B. Griechenland, Irland, Portugal und Spanien, ihren Schuldenverpflichtungen nicht mehr nachkommen. In der Folge kam es in diesen Ländern zu einschneidenden Sparprogrammen und Entlassungen in der staatlichen Verwaltung. Die Euro-Krise und die damit verbundene Aufwertung des Schweizer Frankens beeinflussten auch die Beschäftigungslage in der Schweiz, wenngleich unsere Arbeitslosenwerte nicht die Rekordwerte von Spanien oder Griechenland von über 20 % erreichten. Dieser Rückblick über die letzten 100 Jahre macht vor allem deutlich, dass die Arbeitslosigkeit durch viele verschiedene Faktoren ausgelöst und beeinflusst wird.

■ Arbeitslosendaten einiger ausgewählter Länder

Aufgabe 1

Jahr: 2016 (Februar)

Schweiz

USA

Frankreich

Italien

Deutschland

England

Euro­Zone

Japan

Anzahl Arbeitslose (in 1000)

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2 993 000

2 980 000

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1638 000

16634 000

2 160000

Arbeitslosenquote

3,7 %

4,9 %

10,2 %

11,7 %

4,3 %

5,0 %

10,3 %

3,3 %

Aktuelle Zahlen: Quelle: amstat.ch/data.oecd.org/de.statista.com

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17.2 Konjunkturelle und saisonale Arbeitslosigkeit ■ Konjunktur und Wachstum Die wirtschaftliche Gesamtlage eines Landes bezeichnen wir als Konjunktur. Sie wird bestimmt durch den Auslastungsgrad der Produktionsfaktoren Arbeit, Wissen, Kapital und Boden. Die Konjunkturentwicklung, d. h. der Verlauf der gesamtwirtschaftlichen Aktivitäten, durchläuft immer wieder Phasen des Aufschwungs, in denen die Produktionsfaktoren zunehmend ausgelastet werden, und Phasen des Abschwungs, in denen nicht alle Faktoren vollständig ausgelastet sind. In einem Konjunkturaufschwung investieren die Unternehmungen in ihre Produktionskapazitäten und schaffen Arbeitsplätze. Dagegen werden in einem Konjunkturabschwung Produktionskapazitäten abgebaut und gegebenenfalls Mitarbeiter entlassen. Betrachten wir die Wirtschaftsentwicklung langfristig, d. h. über die kurzfristigen, konjunkturellen Wellenbewegungen hinaus, stellen wir fest, dass die Wirtschaftsleistung eines Landes, gemessen am realen Bruttoinlandprodukt (BIP), stetig wächst. Wäre die Auslastung der Produktionsfaktoren Arbeit, Wissen, Kapital und Boden also immer ideal, würde das BIP stetig ansteigen. Wir bezeichnen dies als Produktionspotenzial oder Trend-Wachstum. Weil die Produktionsfaktoren Boden und Kapital kaum mehr ausgeweitet werden können, kann das BIP nur wachsen, indem die Produktionsfaktoren Arbeit und Wissen mehr dazu beitragen. Das bedeutet konkret, dass das Trend-Wachstum in der Schweiz durch mehr arbeitende Menschen, eine Erhöhung der Arbeitsstunden oder eine Verbesserung der Produktivität (Leistung pro Arbeitsstunde) erreicht werden kann. Dieses langfristige Trend-Wachstum wird in der Schweiz auf etwa 2 % pro Jahr geschätzt.

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird wesentlich durch die Konjunkturentwicklung bestimmt. In einer Hochkonjunktur ist der Arbeitsmarkt ausgetrocknet, und es gibt praktisch keine Arbeitslosigkeit, weil die Unternehmungen zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Bei einem Konjunkturabschwung steigt die Arbeitslosigkeit dagegen an, weil Produktionskapazitäten heruntergefahren werden und die Unternehmungen weniger Arbeitskräfte einstellen oder gar zu Entlassungen gezwungen sind. Diese Form der Arbeitslosigkeit nennen wir deshalb konjunkturelle Arbeitslosigkeit. ■ Zusammenhang zwischen Konjunktur und Arbeitslosigkeit Wachstum bei optimaler Auslastung der Produktionsfaktoren, Produktionspotenzial oder Trend-Wachstum

BIP in Mia. CHF

520

300

Auftreten von konjunktureller Arbeitslosigkeit

Rezession, Depression

Konjunkturaufschwung, Erholung

Hochkonjunktur, Boom

Rezession, Depression

Konjunkturentwicklung (mit Aufschwung- und Abschwungphase)

Vollständiger Konjunkturzyklus

Arbeitslosenquote 10%

■ Konjunkturelle Arbeitslosigkeit Wenn die Unternehmungen aufgrund der rückläufigen Gesamtnachfrage (z. B. der Haushalte oder des Staates) weniger verkaufen können und deshalb sinkende Umsätze verzeichnen, werden sie als Reaktion darauf weniger investieren und eventuell Produktionskapazitäten abbauen sowie Personal entlassen. Ein Konjunkturabschwung, d. h. ein Rückgang des BIP, führt somit tendenziell zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Wenn der Abschwung des BIP länger anhält, sprechen wir von einer Rezession, in welcher die Arbeitslosigkeit weiter ansteigen dürfte. Auch Kursstürze an der Wertpapierbörse oder ein massiver Preisrückgang auf dem Immobilienmarkt können Signale für eine beginnende Rezession sein. Weil die Volkswirtschaften heute durch den internationalen Handel eng miteinander verbunden sind, führen auch Ereignisse im Ausland zu Veränderungen der Gesamtnachfrage im Inland. Deshalb kann ein Konjunkturabschwung in Deutschland oder den USA in der Schweiz zu einem Rückgang der Exporte führen und damit eine Rezession auslösen. Wenn der Abschwung besonders stark ausfällt und es zu einer hohen Arbeitslosigkeit kommt, bezeichnen wir dies als «Depression».

Konjunkturabschwung, Abschwung

2% Zeit

■ Saisonale Arbeitslosigkeit Die saisonale Arbeitslosigkeit entsteht durch jahreszeitlich bedingte Produktions- und Nachfrageschwankungen, von denen nur bestimmte Branchen betroffen sind. So werden beispielsweise im Baugewerbe im Frühling in der Regel mehr Leute eingestellt. Aus diesem Grund kann ein Rückgang der Arbeitslosigkeit in einer bestimmten Branche auch nur saisonal bedingt sein. Übung 1


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17.3

Friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit gibt es allerdings nicht nur in Phasen des wirtschaftlichen Abschwungs. Auch in Zeiten des Aufschwungs oder Booms gibt es Menschen, die keine Arbeit haben, obwohl sie arbeiten möchten. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang zwischen friktioneller und struktureller Arbeitslosigkeit. ■ Friktionelle Arbeitslosigkeit (Sucharbeitslosigkeit) Unter der friktionellen Arbeitslosigkeit verstehen wir jene Form der Arbeitslosigkeit, die auf einen freiwilligen Arbeitswechsel zurückzuführen ist. In der Regel sollte in solchen Fällen die Arbeitslosigkeit nicht mehr als drei Monate dauern. Wenn jemand arbeitslos geworden ist, kann es irgendwo in der Wirtschaft durchaus eine offene Stelle geben, die dem Profil der arbeitslosen Person vollständig entspricht. Diese Stelle muss der oder die Arbeitslose aber zuerst finden. Wir sprechen deshalb von Sucharbeitslosigkeit. In der gleichen Situation befinden sich auch Frauen, die einen Wiedereinstieg in eine Berufstätigkeit suchen, nachdem ihre Kinder grösser geworden sind und weniger Betreuung erfordern. ■ Strukturelle Arbeitslosigkeit Unsere Wirtschaftsstruktur verändert sich dauernd: Neue Technologien und Innovationen führen zu veränderten Produktionsprozessen und neuen Produkten; die Nachfrage der Haushalte ändert sich ebenso wie die Rahmenbedingungen für die UnterVon der Industrie­ zur Dienstleistungsgesellschaft nehmungen. All dies wirkt sich auf die verschiedenen WirtschaftsErwerbstätige, in 1000… … und in % zweige und Branchen aus. Es gibt 3500 39,0 73,8 neue Berufe, andere sterben aus. 90 Tertiärsektor 3000 Diese Veränderung in der Zusam2500 mensetzung der Branchen be60 zeichnen wir als Strukturwandel. 46,5 2000 Der Strukturwandel zeigt sich un1500 40 Sekundärsektor ter anderem in der Veränderung 1000 der Anteile der Beschäftigten in 22,8 500 den drei Wirtschaftssektoren. 10 Primärsektor 14,5 3,4 Der Strukturwandel kann aus 0 1960 1970 1980 1990 2000 2010 1960 2010 Sicht der Konsumenten durchaus positiv sein, weil dadurch besteQuelle: BFS hende Güter und Dienstleistun-

gen effizienter und billiger hergestellt oder neue, verbesserte Güter und Dienstleistungen angeboten werden. Der damit verbundene Abbau von bestehenden Branchen führt aber zwangsläufig auch zu Veränderungen in der Beschäftigungsstruktur. So verlieren die vom Strukturwandel betroffenen Personen ihren Arbeitsplatz, was für sie zweifellos schmerzlicher ist als die Vorteile eines erweiterten Güter- und Dienstleistungsangebotes. Arbeitslosigkeit, die in erster Linie auf einen solchen Strukturwandel zurückzuführen ist, bezeichnen wir als strukturelle Arbeitslosigkeit. In einer dynamischen Wirtschaft scheint diese Form der Arbeitslosigkeit bis zu einem bestimmten Grad unvermeidlich, weil die Veränderungen beim Arbeitsangebot und bei der Arbeitsnachfrage nur selten im Gleichschritt erfolgen. Die strukturelle Arbeitslosigkeit kann unterschiedliche Ursachen haben: ■ Die sektorale Arbeitslosigkeit betrifft einzelne Branchen, deren Güter billiger importiert werden können, überhaupt nicht mehr nachgefragt werden oder die von technologischer Entwicklung betroffen sind. Von diesen Veränderungen sind zumeist auch ganze Berufszweige betroffen (z. B. Schiffbau, Bergbau, Textilindustrie). ■ Die regionale Arbeitslosigkeit entsteht in Gebieten mit einer dauerhaft schwachen Wirtschaftsstruktur, in Gebieten, die sich wirtschaftlich im Umbruch befinden, oder in Gebieten, die überwiegend von einem grossen Arbeitgeber abhängig sind, der in Konkurs geht. ■ Auch der technologische Wandel kann zu einer Freisetzung von Arbeitskräften in bestimmten Branchen führen. Wenn die Produktivitätsfortschritte nicht mit einer entsprechenden Ausweitung des Umsatzes einhergehen, werden schliesslich weniger Arbeitskräfte benötigt, sodass es zu technologischer Arbeitslosigkeit kommt. ■ Demografische Arbeitslosigkeit entsteht durch Zuwanderung (von Ausländern) oder durch Veränderungen im Erwerbsverhalten (z. B. vermehrte Erwerbsarbeit von Frauen). Diesem steigenden Arbeitskräfteangebot steht keine entsprechende Erhöhung des Arbeitsplatzangebots (Arbeitsnachfrage) gegenüber. Die folgenden Ursachen liegen in veränderten Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt, wobei viele dieser Rahmenbedingungen in Gesamtarbeitsverträgen (GAV) festgelegt sind. ■ Mindestlöhne: Mit einem Mindestlohn wird den Arbeitnehmern ein bestimmtes Einkommen garantiert. Wenn die erzielte Leistung eines Arbeitsplatzes allerdings unter dem Mindestlohn liegt, wird ein Arbeitgeber jedoch nicht bereit sein, Mitarbeiter einzustellen, weil er dann mit jeder Arbeitsstunde einen Verlust erleiden würde. ■ Kündigungsschutz: Lange Kündigungsfristen erhöhen die Sicherheit des Arbeitsplatzes für die Mitarbeitenden. Wenn ein Unternehmer aber weiss, dass er bei einer Verschlechterung des Geschäftsganges die Mitarbeiter nicht entlassen kann, wird er auch bei gutem Geschäftsgang zurückhaltend mit Neuanstellungen sein. Übung 2


■ Arbeitslosenunterstützung: Mit einer guten Arbeitslosenunterstützung ist ein Arbeitsloser zwar materiell abgesichert. Als Folge davon müssen sich die Arbeitslosen aber weniger intensiv um eine neue Stelle bemühen. ■ Arbeitszeitverkürzung: Bei tieferen Wochenarbeitszeiten kann die gesamte Arbeit auf mehr Arbeitnehmer verteilt werden. Häufig werden Arbeitszeitverkürzungen bei gleichem Lohn gefordert. Dies wirkt ähnlich wie ein Mindestlohn. Bei der Ausgestaltung dieser gesamtarbeitsvertraglichen Rechtsvorschriften besteht die grosse Kunst darin, ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Arbeitnehmer und der Anpassungsfähigkeit des Arbeitsmarktes zu finden. ■ Ein Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit verschiedener Länder zeigt, dass die Ausgestal­ tung des Bildungssystems einen grossen Einfluss auf die Zahl der Arbeitslosen hat. So haben Deutschland, Österreich und die Schweiz, die alle die sogenannte duale Berufsbildung kennen, deutlich weniger Arbeitslose unter 25 Jahre als andere Länder. Die duale Berufsbildung zeichnet sich dadurch aus, dass Berufsschulen und Lehrbetriebe in der Ausbildung junger Menschen eng miteinander zusammenarbeiten. Es scheint, dass diese stark auf die Bedürfnisse der Wirtschaft ausgerichtete Ausbildung junge Menschen besser auf den Arbeitsmarkt vorbereitet als Ausbildungssysteme, die in erster Linie auf eine umfassende schulische Ausbildung setzen. ■ Weiterbildung: Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist das Weiterbildungs- und Umschulungsangebot ein entscheidender Faktor für den Erwerb von neuen Qualifikationen. Personen mit einem guten Ausbildungsniveau finden leichter wieder eine Stelle. Und wenn eine Person gewohnt ist zu lernen, dann wird es ihr auch leichter fallen, die notwendigen Qualifikationen für die Anforderungen einer neuen Stelle zu erwerben.

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17.4

Arbeitslose und offene Stellen – Sockelarbeitslosigkeit

Wie die Ausführungen im vorhergehenden Kapitel zeigen, kann es aufgrund der friktionellen und strukturellen Arbeitslosigkeit selbst dann Arbeitslose geben, wenn sich die Konjunktur in einem Land vollständig erholt hat. Der Grund dafür liegt darin, dass in einer dynamischen Wirtschaft mit einem raschen Strukturwandel die entsprechenden Anpassungsprozesse Zeit benötigen. In den aufstrebenden Branchen werden die neuen Arbeitsplätze erst allmählich geschaffen, und die Stellensuchenden müssen sich unter Umständen in Umschulungsund Weiterbildungskursen die notwendigen Qualifikationen aneignen. Zudem werden die neuen Arbeitsplätze häufig in anderen Regionen angeboten, was eine gewisse Mobilität der Stellensuchenden erfordert. Das Verhältnis von Arbeitslosen und offenen Stellen lässt sich grafisch mit der BeveridgeKurve darstellen: Im Punkt 1 ist die Anzahl der ofOffene Stellen fenen Stellen (A) gleich gross wie die Anzahl der Arbeitslosen (B), während im Punkt 2 mehr Menschen einen Arbeitsplatz suchen (D), als es offene Stellen (C) gibt. Selbst wenn alle offe3 nen Stellen besetzt werden könnten, E würde also immer noch eine Gruppe von Menschen arbeitslos sein. Punkt 2 1 A 2 beschreibt damit eine Situation konC junktureller Arbeitslosigkeit. In Punkt 3 gibt es hingegen mehr offene Stel45° len (E) als arbeitslose Personen (F). Die Wirtschaft boomt, und in diesem Fall F B D Arbeitslose hat somit die Arbeitslosigkeit friktionelle oder strukturelle Ursachen. Seit der ersten Erdölkrise von 1973hat die Arbeitslosigkeit – im Unterschied zu den früheren Epochen – trendmässig zugenommen. Am Ende jeder konjunkturellen Erholung kam die Arbeitslosigkeit auf einem höheren Niveau zum Stehen als vor dem vorherigen Beschäftigungseinbruch. Weil die Arbeitslosigkeit und die offenen Stellen von 1974 bis 2011immer mehr zugenommen haben, bezeichnen wir die friktionelle und die strukturelle Arbeitslosigkeit auch als Sockelarbeitslosigkeit. Sie ist allerdings nicht ein fester, unverrückbarer Sockel, weil sowohl die friktionelle als auch die strukturelle Arbeitslosigkeit beeinflusst werden können. Der Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit kann viele Gründe haben. In der Schweiz werden der immer schnellere technologische Wandel und der sukzessive Ausbau der Arbeitslosenversicherung als Hauptursachen vermutet.

17.5

Offizielle Arbeitsmarktdaten

Um statistische Zahlen zum Arbeitsmarkt zu erfassen, gilt es zuerst einmal festzulegen, welcher Teil der Bevölkerung grundsätzlich arbeitsfähig und arbeitswillig ist. Ab welchem Alter treten junge Menschen in den Arbeitsmarkt ein? Wann geht man in Pension? In internationalen Statistiken besteht das Arbeitspotenzial eines Landes aus der gesamten Bevölkerung zwischen 15und 64 Jahren. Nicht alle dieser Personen wollen oder können aber tatsächlich arbeiten. In vielen Familien übernimmt ein Partner (zumindest für einige Jahre) die Betreuung der Kinder und ist damit nicht erwerbstätig, andere studieren oder widmen sich einer unbezahlten Tätigkeit. Solche und andere Gründe führen zur Unterscheidung in die Erwerbs- und Nichterwerbsbevölkerung. Wenn wir nun die Erwerbsbevölkerung noch in Beschäftigte und Arbeitslose unterteilen, erhalten wir die Grundlagen für Arbeitsmarktdaten wie die Arbeitslosen- oder die Erwerbsquote. ■ Kenngrössen der Arbeitsmarktstatistik Bevölkerung Kinder

15 – 64­ Jährige

Rentner

Arbeitsfähig und arbeitswillig? «Ja»

«Nein»

Erwerbsbevölkerung

Beschäftigte

Arbeitslose

Nichterwerbs­ bevölkerung

Arbeitslosenquote

=

Arbeitslose × 100 Erwerbsbevölkerung

Erwerbsquote

=

Erwerbsbevölkerung × 100 15- bis 64-Jährige

Erwerbstätigenquote =

Beschäftigte 15- bis 64-Jährige

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Arbeitslosigkeit In der Schweiz werden zwei unterschiedliche Arbeitsmarktstatistiken veröffentlicht. ■ Die Arbeitslosenstatistik des seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) basiert auf einer Vollerhebung der Personen, welche in einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) erfasst sind. Die Gesamtheit dieser Personen bildet die registrierten Stellensuchenden, deren Bestand das seco jeden Monat gesondert ausweist. Damit registrierte Stellensuchende als arbeitslos klassifiziert werden, müssen im Wesentlichen zwei Kriterien erfüllt sein: Die betreffende Person muss erstens ohne Arbeit und zweitens innerhalb von vier Wochen für eine neue Stelle verfügbar sein. Unwesentlich ist dabei, ob ein Anspruch auf Arbeitslosenentschädigung besteht oder nicht. Ausgesteuerte Arbeitslose bleiben in der Statistik erfasst, wenn sie sich weiterhin regelmässig beim Arbeitsamt melden. Nicht zu den eingeschriebenen Arbeitslosen gezählt werden Personen mit einem Zwischenverdienst und Personen in Beschäftigungs- und Weiterbildungsprogrammen. ■ Bei der Erwerbslosenstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) wird im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) die Zahl der Erwerbslosen gemäss den Empfehlungen des Internationen Arbeitsamtes und der OECD erhoben. Dabei handelt es sich um eine Stichprobenerhebung bei rund 17000 repräsentativ ausgewählten Haushalten. Die hochgerechnete Erwerbslosenzahl des BFS ist deshalb mit einem Stichprobenfehler behaftet. Der grösste Unterschied zur Arbeitslosenstatistik des seco liegt darin, dass die Registrierung bei einem RAV keine Bedingung ist, um in der SAKE als erwerbslos erfasst zu werden. In der SAKE gilt eine Person als erwerbslos, sofern sie ohne Arbeit und innert vier Wochen für eine neue Stelle verfügbar ist und in den vier Wochen vor der Befragung mindestens eine Suchaktivität unternommen hat. Nach dieser Definition, welche internationalen Normen entspricht, umfasst die Erwerbslosenzahl auch Langzeitarbeitslose, die kein Arbeitslosengeld mehr beziehen («Ausgesteuerte»), aber weiterhin aktiv eine Stelle suchen; ebenso Hausfrauen, die wieder ins Erwerbsleben einsteigen möchten, oder Studenten, die eine Beschäftigung für die Semesterferien suchen. Warum ermittelt man die Arbeitslosigkeit auf zwei verschiedene Arten? Beide Statistiken weisen ihre spezifischen Vor- und Nachteile auf. Für die kurzfristige Arbeitsmarkt- und Konjunkturanalyse kommt aufgrund der raschen Verfügbarkeit praktisch nur die seco-Arbeitslosenstatistik infrage. Ein zweiter Vorteil der seco-Arbeitslosenstatistik ist, dass es sich um eine Vollerhebung der registrierten Arbeitslosen handelt. Dadurch weist sie einen sehr hohen regionalen Detaillierungsgrad auf: Sie ist eine der wenigen Arbeitsmarktstatistiken, welche Zahlen sogar auf Gemeindestufe liefern kann. Weniger geeignet ist die seco-Statistik für die Analyse längerfristiger Entwicklungen, weil Gesetzesänderungen im Bereich der Arbeitslosenversicherung zu Brüchen in der Reihe führen können. Die Daten gemäss der Erwerbslosenstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS) weisen ihrerseits ebenfalls gewichtige Vorteile auf. Sie erfüllen bezüglich der Definition von Erwerbslosigkeit konsequent die internationalen Standards, die von der nationalen Gesetzgebung

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unbeeinflusst bleiben. Für internationale Vergleiche und die Analyse langer Zeitreihen sind daher grundsätzlich die Daten des BFS heranzuziehen. Die Erwerbslosen gemäss BFS lassen sich zudem nach einer Vielzahl von Kriterien (familiäres Umfeld, Merkmale der Erwerbsbiografie, Bildungsstand etc.) auswerten. Ein weiterer gewichtiger Vorteil besteht darin, dass die Schweizerische Arbeitskräfteerhebung das ungenutzte Arbeitsangebot insofern besser abbildet, als sie auch nicht registrierte Erwerbslose erfasst.

17.6

Verdeckte und latente Arbeitslosigkeit

■ Verdeckte Arbeitslosigkeit Als verdeckte Arbeitslosigkeit bezeichnen wir jene Formen von Arbeitslosigkeit, die nicht in der Statistik des seco erfasst sind. Dazu zählen: – Studenten, Schüler und Rentner, die eine Nebenbeschäftigung suchen; – Hausfrauen, die gerne eine Arbeit aufnehmen würden, aber keine Stelle finden und sich nicht als arbeitslos melden; – Ausgesteuerte: Wenn jemand die Stelle verliert und sich bei einer regionalen Arbeitsvermittlung (RAV) anmeldet, besteht je nach Alter und Beitragszeit ein Anspruch auf Taggelder der Arbeitslosenversicherung (maximal 520 Tage). Wer danach immer noch ohne Stelle ist, wird in der Arbeitslosenversicherung «ausgesteuert», d. h., er muss sein eigenes Vermögen für den Lebensunterhalt einsetzen. Anspruch auf Sozialhilfe hat, wer nach der Aussteuerung weniger als 10000 Franken Vermögen besitzt. ■ Latente Arbeitslosigkeit In vielen Ländern und Unternehmungen könnte der Produktionsfaktor Arbeit effizienter eingesetzt werden. Insofern müssten Arbeitnehmer, die in ihrer jetzigen Position nicht ausgelastet sind, eigentlich auch als Arbeitslose gerechnet werden. Diese latenten (verborgenen, nicht augenfälligen) Arbeitslosen würden die Arbeitslosenquote in diesen Ländern noch zusätzlich erhöhen. Wenn in staatlichen Beschäftigungsprogrammen oder in nicht wettbewerbsfähigen Unternehmungen Arbeitnehmer ineffizient eingesetzt werden, sprechen wir von latenter Arbeitslosigkeit.


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17.7

Wie kann man Arbeitslosigkeit vermeiden?

Wenn man Arbeitslosigkeit vermeiden will, ist zuerst zu analysieren, welche Form von Arbeitslosigkeit überhaupt vorliegt. Dies ist deshalb wichtig, weil jede Form von Arbeitslosigkeit andere Gegenmassnahmen benötigt. ■ Konjunkturelle Arbeitslosigkeit wird oft mit staatlichen, wirtschaftspolitischen Massnahmen bekämpft, wie z. B. mit Staatsaufträgen, Entschädigung bei der Einführung von Kurzarbeit. ■ Saisonaler Arbeitslosigkeit kann mit einer effizienten Arbeitsvermittlung und mit Schlechtwetterentschädigung begegnet werden. ■ Friktionelle Arbeitslosigkeit kann durch eine Verbesserung der Arbeitsvermittlung und negative Anreize, wie der Verkürzung der Arbeitslosenentschädigung, verringert werden. ■ Strukturelle Arbeitslosigkeit kann mit Umschulungen, Weiterbildung oder Umzugsbeihilfen bei Wohnungswechseln aus beruflichen Gründen verringert werden. Mit einer effizienten Arbeitsvermittlung kann die Sockelarbeitslosigkeit (friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit) vermindert werden. Von den Kantonen werden regionale Arbeitsvermittlungszentren (RAV) betrieben, die auf die Bereiche Arbeitsmarkt, Stellenvermittlung und Arbeitslosigkeit spezialisiert sind. Ziel dieser Institutionen ist es, den Arbeitslosen Möglichkeiten zu einer aktiven Wiedereingliederung aufzuzeigen. ■ Verdeckter Arbeitslosigkeit kann mit einer Förderung von Teilzeitstellen begegnet werden. Würden zum Beispiel mehr Männer Teilzeitstellen besetzen, wäre es einfacher möglich, dass auch Mütter wieder in den Beruf einsteigen könnten. ■ Latente Arbeitslosigkeit kann durch einen effizienten Einsatz der Arbeitnehmer verringert werden. Falls aber für die freigestellten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter keine Arbeitsstellen geschaffen werden, wird sich die strukturelle Arbeitslosigkeit entsprechend erhöhen.

17.8

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Arbeitslos – was tun?

Arbeitslosigkeit kann grundsätzlich jeden und jede treffen. Trotzdem verdrängen viele Menschen diese Möglichkeit, bis sie die Kündigung in Händen halten. Man geht häufig allzu lange davon aus, dass Arbeitslosigkeit vor allem die anderen treffen werde. Daher wissen viele bei Eintritt der Arbeitslosigkeit nicht, was nun auf sie zukommt. Eine betroffene Person muss sich möglichst frühzeitig, spätestens aber am ersten Tag, für den sie Leistungen der Arbeitslosenversicherung (ALV) beansprucht, bei der Wohngemeinde oder beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) als arbeitslos melden. Damit erwirbt sie sich das Recht auf finanzielle Unterstützung in Form von Taggeldern. Die Höhe der Taggelder richtet sich nach der Höhe des letzten versicherten Lohnes sowie der familiären Situation der Betroffenen. Das RAV führt mit den Arbeitslosen Beratungs- und Vermittlungsgespräche durch und leistet Bewerbungshilfe. Die Versicherten haben sich in der Regel zweimal monatlich zu einem Beratungs- bzw. Kontrollgespräch beim RAV zu melden. Bestandteil dieser Gespräche ist die Kontrolle der persönlichen Arbeitsbemühungen und die Überprüfung der Vermittlungsfähigkeit. Bei diesen Gesprächen werden denkbare arbeitsmarktliche Massnahmen (z. B. Weiterbildungskurse, Betriebspraktika) besprochen und gleichzeitig überprüft, ob auch tatsächlich Anstrengungen unternommen werden, um eine neue Stelle zu finden. In der Schweiz gibt es etwa 130 solcher regionaler Arbeitsvermittlungszentren (RAV). Arbeitslose sind im Rahmen der RAV-Programme verpflichtet, sich aktiv um eine neue Stelle zu bemühen und dies durch entsprechende Bewerbungen zu belegen. Sie sind auch angehalten, eine zumutbare Hauptziel des RAV ist eine rasche und dauerhafte Arbeitsstelle anzunehmen, was im Einzelfall Wiedereingliederung der Stellensuchenden allerdings durchaus Anlass zu AuseinanderAufgabe 3 sowie die effiziente Besetzung von offenen Stellen. setzungen geben kann. Aufgabe 4


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 Das haben Sie gelernt Verschiedene Faktoren für die Entstehung von Arbeitslosigkeit in den letzten 100 Jahren nennen Die Phasen eines Konjunkturzyklus erläutern Den Zusammenhang zwischen Konjunktur und Arbeitslosigkeit beschreiben Friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit beschreiben Strukturwandel beschreiben und beurteilen Ursachen der strukturellen Arbeitslosigkeit erläutern Sockelarbeitslosigkeit beschreiben Beveridge-Kurve beschreiben und grafisch darstellen Kerngrössen der Arbeitsmarktstatistik erläutern Die Vorteile der Erwerbslosenstatistik des Bundesamtes für Statistik und der Arbeitslosenstatistik des seco beschreiben Verdeckte und latente Arbeitslosigkeit beschreiben Gegenmassnahmen für die verschiedenen Formen von Arbeitslosigkeit beschreiben Vorgehensweisen für Arbeitslose beschreiben

Offene Fragen

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 Diese Begriffe können Sie erklären Arbeitslosigkeit

Erwerbsquote

Deflation

Erwerbstätigenquote

Depression

Arbeitslosenstatistik des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco)

Erdölpreiskrise

Erwerbslosenstatistik des Bundesamtes für Statistik (BFS)

Immobilienboom

Regionales Arbeitsvermittlungszentrum (RAV)

Dotcom-Blase

Verdeckte Arbeitslosigkeit

Finanzkrise 2008

Latente Arbeitslosigkeit

Euro-Krise Konjunktur Konjunkturzyklus Konjunkturaufschwung Konjunkturabschwung Produktionspotenzial / Trend-Wachstum Rezession Hochkonjunktur Konjunkturelle Arbeitslosigkeit Saisonale Arbeitslosigkeit Friktionelle Arbeitslosigkeit / Sucharbeitslosigkeit Strukturwandel Strukturelle Arbeitslosigkeit Sektorale Arbeitslosigkeit Regionale Arbeitslosigkeit Technologische Arbeitslosigkeit Demografische Arbeitslosigkeit Duale Berufsbildung Sockelarbeitslosigkeit Beveridge-Kurve Erwerbsbevölkerung Nichterwerbsbevölkerung Arbeitslosenquote Arbeitslosigkeit

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Übung 1 Konjunkturelle und saisonale Arbeitslosigkeit Welche Aussagen sind richtig (R), welche falsch (F)? Setzen Sie das zutreffende Symbol in das Kästchen und korrigieren Sie die Fehler auf den leeren Linien. a ) Unter dem Begriff «Konjunktur» verstehen wir die langfristige Auslastung der Produktionsfaktoren Arbeit, Wissen, Kapital und Boden.

b ) Wenn die Produktionsfaktoren immer ideal ausgelastet wären, würde die Wirtschaft stetig wachsen.

d ) Wenn in der Baubranche jahreszeitlich bedingt weniger Aufträge eingehen und deshalb Produktionskapazitäten abgebaut und Leute entlassen werden, sprechen wir von konjunktureller Arbeitslosigkeit.

e ) Im Frühling führt der Rückgang der saisonalen Arbeitslosigkeit im Baugewerbe in der Regel zu einer tieferen Arbeitslosenquote.

f ) Die Kurve der Arbeitslosigkeit verläuft parallel zur Kurve der Konjunkturentwicklung, einfach spiegelverkehrt (wenn der Konjunkturabschwung den Tiefpunkt erreicht, ist die Arbeitslosigkeit am grössten und umgekehrt).

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Übung 2 Friktionelle und strukturelle Arbeitslosigkeit Die folgenden Auswahlaufgaben enthalten immer zwei Aussagen, die miteinander verknüpft sind. Entscheiden Sie sich jeweils für eine der folgenden Antwortmöglichkeiten: A +weil+

B +/+

C +/–

D –/+

E –/–

Beide Aussagen richtig, Verknüpfung trifft zu

Beide Aussagen richtig, Verknüpfung trifft nicht zu

Erste Aussage richtig, zweite Aussage falsch

Erste Aussage falsch, zweite Aussage richtig

Beide Aussagen falsch

Begründen Sie falsche Verknüpfungen oder die falsche Teilaussage in wenigen Worten. c ) Wenn ein Konjunkturabschwung besonders stark ausfällt und hohe Arbeitslosigkeit herrscht, sprechen wir von einer Rezession.

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a) Die friktionelle Arbeitslosigkeit sollte in der Regel nicht mehr als drei Monate dauern, weil sie auf einen freiwilligen Arbeitswechsel zurückzuführen ist.

b) Die konjunkturelle Arbeitslosigkeit umfasst auch die friktionelle Arbeitslosigkeit, weil die friktionelle Arbeitslosigkeit vor allem bei einem Strukturwandel entsteht.

c) Ein Strukturwandel ist aus Sicht der Arbeitnehmer positiv zu bewerten, weil dadurch Güter und Dienstleistungen günstiger hergestellt oder neue Produkte angeboten werden.

d) In einer dynamischen Wirtschaft ist strukturelle Arbeitslosigkeit unvermeidlich, weil in einem Wirtschaftsabschwung mit einem Anstieg der konjunkturellen Arbeitslosigkeit zu rechnen ist.


Übung 3 Sockelarbeitslosigkeit c) Welche Aussagen sind richtig (R), welche falsch (F)? Setzen Sie das zutreffende Symbol in das Kästchen und korrigieren Sie die Fehler auf den leeren Linien.

■ 1) 2)

c 1) Die Arbeitslosigkeit in Punkt 1 ist ein fester, unverrückbarer Sockel.

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c 2 ) Der immer schneller werdende technologische Wandel ist eine Hauptursache für den Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit.

1990er-Jahre

c3 ) Der Ausbau der Arbeitslosenversicherung vermindert den Anstieg der Sockelarbeitslosigkeit.

1980er-Jahre

3)

45°

a ) Ergänzen Sie die Abbildung mit der zutreffenden Überschrift 1) und den korrekten Achsenbeschriftungen 2) und 3). b ) Ordnen Sie die folgenden Aussagen den Punkten 1 , 2 oder 3 zu: Punkt b 1) Es herrscht Hochkonjunktur, die Wirtschaft boomt. b2 ) Die Arbeitslosigkeit hat auch konjunkturelle Ursachen.

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Übung 4 Arbeitsmarktstatistiken Welche Aussagen sind richtig (R), welche falsch (F)? Setzen Sie das zutreffende Symbol in das Kästchen und korrigieren Sie die Fehler auf den leeren Linien.

Wie heissen die fehlenden Formen der Arbeitslosigkeit in den rot umrahmten Kästchen? Ordnen Sie den Ziffern 1 bis 7 die korrekten Begriffe zu. Formen der Arbeitslosigkeit

Statistisch nicht erfasste Arbeitslosigkeit

Statistisch erfasste Arbeitslosigkeit

b ) Durch bessere Tagestrukturen in den Schulen (z. B. Mittagstische) wird die Erwerbsquote erhöht. 1

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in der Regel einige Monate arbeitslos

in der Regel bis 1½ Jahre arbeitslos

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c ) Mit der Erwerbslosenstatistik des Bundesamtes für Statistik lassen sich auch Aussagen über die regionale Verteilung der Arbeitslosigkeit machen.

d ) Mit der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) werden auch nicht registrierte Erwerbslose erfasst.

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in der Regel mehrere Jahre arbeitslos («ausgesteuert»)

(nicht gemeldet)

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7 (unproduktiv eingesetzt)

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e ) Mit der Arbeitslosenstatistik des seco werden auch das familiäre Umfeld und Merkmale der Erwerbsbiografie erfasst. 1 2 3 4 g ) Eine Zunahme der ausgesteuerten Personen vermindert die Arbeitslosenquote des seco (Staatssekretariat für Wirtschaft).

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Übung 5 Formen der Arbeitslosigkeit

a ) Die Arbeitslosenquote in Prozenten bezieht sich auf das Arbeitspotenzial der gesamten Bevölkerung mit Ausnahme der Kinder und Rentner.

f ) Mit staatlichen Beschäftigungsprogrammen wird die latente Arbeitslosigkeit vermindert.

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Aufgabe 1 Arbeitslosigkeit im Wandel Eine Ausstellung im Landesmuseum hatte Mitte der 1990er-Jahre die Arbeitslosigkeit von 1930 mit der damals aktuellen Arbeitslosigkeit verglichen.

Die Arbeitslosenquote, d. h. der Prozentanteil der Arbeitslosen an der arbeitsfähigen und arbeitswilligen Bevölkerung, ist in der Schweiz vergleichsweise tief. Im Verlauf der letzten 100 Jahre erreichte die Arbeitslosigkeit aber einige markante Spitzenwerte.

a ) In einem Beitrag des Schweizer Fernsehens (www.srf.ch) vom 27. 03. 1996 wird diese Ausstellung kurz vorgestellt. Schauen Sie sich den Beitrag an und notieren Sie die Unterschiede zwischen der Arbeitslosigkeit von 1930 und jener in den 90er-Jahren.

■ Arbeitslosigkeit in der Schweiz (1914–2009) 5%

Arbeitslose / (Arbeitslose + Erwerbstätige)

4.5 % 4% 3.5 % 3% 2.5 % 2% 1.5 % 1% 0.5 % 0% 1914 1920 1925 1930 1935 1940 1945 1950 1955 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010

b) Welches waren die Hintergründe für die beiden ersten Spitzenwerte in dieser Abbildung?

c) Wie kann die Wirtschaftssituation in der Zeit von 1960 bis 1975 charakterisiert werden? Wie reagierten wohl Unternehmungen auf diese Situation?

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Aufgabe 2 Lage auf dem Arbeitsmarkt Das Staatssekretariat für Wirtschaft seco publiziert jeden Monat eine Medienmitteilung zur Lage auf dem Arbeitsmarkt (www.seco.admin.ch).

Die Lage auf dem Arbeitsmarkt Beschaffen Sie sich die neuste Publikation und notieren Sie sich stichwortartig in der rechten Spalte die aktuelle Situation auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt. Mit Ihren Notizen sollten Sie die folgenden Fragen beantworten können: ■ Stand der Arbeitslosigkeit (absolut und in Prozenten) ■ Veränderung zum Vormonat und zum Vorjahr ■ Welche drei Berufsgruppen weisen zahlenmässig den höchsten Anteil an Arbeitslosen auf? ■ Welcher Wirtschaftszweig weist die höchste Arbeitslosenquote (ALQ) auf? ■ Beschreiben Sie die Arbeitslosigkeit bei den folgenden Merkmalen: Regionen (Deutschschweiz, Westschweiz, Tessin), Geschlecht (Männer, Frauen), Nationalität (Schweizer, Ausländer) und Alter (15– 24-Jährige, 25 – 49-Jährige, 50-Jährige und älter)

Die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt:

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Aufgabe 3 Arena Arbeitslosigkeit Was fällt Ihnen bei den verschiedenen Lösungsansätzen auf? Wer hat Sie am meisten überzeugt? Weshalb?

«Arena» ist eine Diskussionssendung zu aktuellen wirtschaftlichen, innen- und gesellschaftspolitischen Themen. Sie will die entsprechenden Tendenzen und Entwicklungen in der Schweiz abbilden und so zur Meinungsbildung beitragen. Als Mittel dazu verwendet sie die kontroverse Diskussion in einem schweizerischdemokratischen Verständnis.

In einer Arena zum Thema Arbeitslosigkeit sollen die verschiedenen Ursachen für das Entstehen von Arbeitslosigkeit und mögliche Lösungsansätze dargestellt werden. Für die Diskussionsrunde sind die folgenden Personen eingeladen: ■ Arnold Arnegger (55 Jahre), gelernter Textilfärber, ausgesteuerter Arbeitsloser. ■ Gertrud Germann (40 Jahre), kaufmännische Angestellte, Mitglied bei der Gewerkschaft Unia. ■ Urs Uhlmann (50 Jahre), Unternehmer, er ist mit seiner Unternehmung Mitglied der Aargauischen Industrie- und Handelskammer. ■ Franz Friedmann (26 Jahre), Lehre als Hochbauzeichner, Student an der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW). a ) Auf den Seiten 22 bis 25 finden Sie unter den Teilaufgaben a 1) bis a 4 ) die vorbereiteten Diskussionsbeiträge der verschiedenen Teilnehmer. Lesen Sie diese Texte sorgfältig durch und notieren Sie sich auf den Seiten 26 und 27 stichwortartig die von den einzelnen Diskussionsteilnehmern vorgebrachten Ursachen und angesprochenen Formen der Arbeitslosigkeit sowie die jeweils vorgeschlagenen Lösungsansätze. b ) Lösen Sie abschliessend die nebenstehende Teilaufgabe.

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a 1) Manuskript von Arnold Arnegger (55 Jahre), Textilfärber, ausgesteuerter Arbeitsloser

Mein Name ist Arnold Arnegger, und für mich gehört die Arbeitslosigkeit leider seit Jahren zum Alltag. Meine Kennt­ nisse und Fähigkeiten als Textilfärber konnte ich schon bald nach Lehrabschluss nicht mehr anwenden. Ein Textilbetrieb nach dem andern hat in den letzten Jahren seinen Betrieb im Inland geschlossen und die Produktion ins Ausland verlagert. Heute werden Textilien in sogenannten Billiglohnländern eingefärbt, das ist billiger als hier in der Schweiz. In den ver­ wandten Textilberufen fand ich auch kaum mehr Arbeit, weil eben die gesamte Textilbranche betroffen war. Immer mehr wird aus dem Ausland importiert, gerade im Textilsektor. Die Kleider aus Bangladesch, China oder anderen asiatischen Ländern sind ja in den grossen Textilketten spottbillig zu haben. Ganz generell kann die Schweizer Industrie in dieser Branche einfach nicht mehr mithalten! Ich meine, dass wir Schweizer auch Schweizer Produkte kaufen sollten. Man sollte deshalb die Zölle auf Importen erhöhen. Aber das ist in Zeiten der Globalisierung natürlich nicht mehr durchzu­ setzen. Wenn man schon keine Arbeit mehr im bisherigen Beruf findet, sollte man wenigstens vom Staat Umschulungs­ beihilfen erhalten. (sektorale Arbeitslosigkeit) Ich habe in den letzten Jahren bei vier verschiedenen Indus­ trieunternehmungen gearbeitet. Nach der Einstellung wurde ich immer in einer Art «Schnellbleiche» mit der neuen Arbeit vertraut gemacht, damit ich möglichst schnell in der Pro­ duktion eingesetzt werden konnte. Aber auch diese Industrie­ unternehmungen mussten infolge des Strukturwandels jeweils Personal abbauen, und als Angelernter war ich immer einer der ersten, der die Kündigung erhielt. Die Personalchefs ha­ ben zwar gesagt, es täte ihnen leid, aber sie könnten gegen den Strukturwandel auch nichts unternehmen. Für mich war es die Zeit des «hire and fire» – schnell angestellt, und sobald es nicht mehr so gut gelaufen ist: gefeuert. Ich begreife schon, dass sich die Betriebe an neue Gegebenheiten und Strukturen

anpassen müssen. Aber wenn wir schon mit diesem Struk­ turwandel leben müssen, hätte man wenigstens den Kündi­ gungsschutz verbessern können. Ich war jeweils innerhalb von drei Monaten wieder auf der Strasse. Wenn man am eigenen Leib (und am Portemonnaie) erfährt, wie man als Arbeitsloser über die Runden kommen muss, dann ist man dankbar für jeden Ausbau der Arbeitslosenversicherung. Wenn man die Stelle verliert und sich bei einer regionalen Arbeitsvermittlungsstelle, beim RAV, anmeldet, hat man je nach Alter und Beitragszeit einen Anspruch auf maximal 400 Taggelder der Arbeitslosenversicherung, danach ist aber in der Regel Schluss. Immerhin hatte ich wegen meines Alters noch Anspruch auf 520 Tage. Wenn man danach immer noch ohne Stelle ist, wird man in der Arbeitslosenversicherung «ausgesteuert», d. h., man muss sein eigenes Vermögen für den Lebensunterhalt einsetzen. Ich habe heute weniger als CHF 10 000.– Vermögen und erhalte deshalb Sozialhilfe. Aber als Sozialhilfeempfänger fühlt man sich ja auch nicht wirklich gut. (strukturelle Arbeitslosigkeit) Meines Erachtens ist die Arbeit ungerecht verteilt. Durch die Zuwanderung wird die Situation noch verschlimmert. In der Schweiz kennen wir ja bei der Zulassung ausländischer Ar­ beitskräfte eine spezielle Regelung: Erwerbstätige aus den EU­ / EFTA­Staaten können vom Personen­Freizügigkeits­ abkommen profitieren und frei zuziehen; aus allen anderen Staaten werden lediglich eine beschränkte Zahl von Füh­ rungskräften, Spezialistinnen und Spezialisten sowie quali­ fizierte Arbeitskräfte zugelassen. Die Zuwanderung von Aus­ ländern kann dann zur Arbeitslosigkeit führen. Wir müssen einfach diese Einwanderung stoppen, schliesslich sollten wir Schweizer bei den Jobs zuerst drankommen, oder? Man könnte auch das Rentenalter senken, sodass Arbeitsplätze für jüngere Personen frei werden (auch wenn ich selbst davon kaum mehr profitieren könnte). Auch mit einer generellen

Senkung der wöchentlichen Arbeitszeit könnte man dazu beitragen, dass die Arbeit gerechter verteilt wird. (demografische Arbeitslosigkeit) Es gibt für mich einfach zu viel Wettbewerb auf dem Arbeits­ markt: Auch der Druck auf die Löhne wird durch die Ein­ wanderung grösser. Deshalb gibt es in der Schweiz immer mehr Working Poor: Damit sind Menschen gemeint, die trotz einer vollen Arbeitsstelle nicht genug verdienen, um davon leben zu können. Diese Situation trifft heute bereits auf einen von neun Erwerbstätigen zu. Das kann es doch nicht sein! Deshalb sollten in den Gesamtarbeitsverträgen Mindestlöhne garantiert werden, von denen man auch ordentlich leben kann. Wenn deswegen Leute entlassen werden sollten, muss halt der Staat eingreifen (z. B. mit Beschäftigungsprogram­ men)! Im Arbeitsmarkt darf es keinen ruinösen Wettbewerb auf Kosten der Arbeitnehmer geben. Wer – wie ich – lange arbeitslos ist, kann schnell auch psychische Probleme bekom­ men: Ich werde ja nicht mehr gebraucht. (strukturelle Arbeitslosigkeit)

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a2 ) Manuskript von Gertrud Germann (40 Jahre), kaufmännische Angestellte, Mitglied bei der Gewerkschaft Unia Mein Name ist Getrud Germann, und ich habe als Kaufmän­ nische Angestellte nach einer Babypause wieder einen Job gefunden. Aber es gibt immer wieder Phasen, in denen ich Angst habe, arbeitslos zu werden. Aus diesem Grund bin ich auch schon seit zehn Jahren Mitglied bei der Gewerkschaft Unia – einer Teilgewerkschaft des Schweizerischen Gewerk­ schaftsbundes. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund SGB ist die grösste Arbeitnehmerorganisation der Schweiz. In ihm sind 16 Einzelgewerkschaften zusammengeschlossen, die ins­ gesamt rund 380 000 Mitglieder vertreten. Ich lebe in einer Gegend der Schweiz, in der die Arbeits­ losigkeit höher ist als in anderen Teilen des Landes. Diese regionale Arbeitslosigkeit sollte man meines Erachtens mit aktiver Wirtschaftsförderung, steuerlichen Anreizen für Un­ ternehmungen oder mit staatlichen Investitionen bekämpfen. Auch den Finanzausgleich zwischen den Kantonen sollte man verbessern: Kantone, die finanziell besser dastehen als an­ dere, sollten ärmere Kantone unterstützen. So könnten bei­ spielsweise auch ländlich geprägte Kantone vom Erfolg des Bankenplatzes Zürich profitieren. In Regionen mit höherer Arbeitslosigkeit könnten auch Umzugsbeihilfen bezahlt wer­ den, um Arbeitslose zu ermuntern, an anderen Orten eine neue Stelle anzutreten. Unsere Familie hat nicht zuletzt aus finanziellen Gründen bisher auf einen Umzug verzichtet. (regionale Arbeitslosigkeit) Die Lage auf dem Arbeitsmarkt wird ja wesentlich durch die Konjunkturentwicklung bestimmt. In einer Hochkonjunktur ist der Arbeitsmarkt ausgetrocknet, und es gibt weniger Ar­ beitslose, weil die Unternehmungen zusätzliche Arbeitskräfte einstellen. Bei einem Konjunkturabschwung steigt die Ar­ beitslosigkeit dagegen an, weil Produktionskapazitäten her­ untergefahren werden und die Unternehmungen weniger Arbeitskräfte einstellen oder gar zu Entlassungen gezwungen sind. Man könnte versuchen, diese konjunkturelle Arbeits­ losigkeit mit einer angepassten Finanzpolitik zu bekämpfen:

In einer Rezession müssten Steuern und Abgaben gesenkt oder die Ausgaben für Subventionen (z. B. Investitions­ zuschüsse) oder staatliche Käufe erhöht werden. Damit könnte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage gestärkt werden. Umgekehrt müssten in einer Boomphase die Steuern erhöht und Ausgaben gesenkt werden, um Überschüsse zu erzielen. Auch Lohnerhöhungen können einen Aufschwung unterstüt­ zen. Schliesslich könnte auch die Einführung von Kurzarbeit bei konjunkturell bedingten Beschäftigungseinbrüchen hilf­ reich sein. Dabei wird die Arbeitszeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorübergehend reduziert und ein Teil des Lohnausfalls aus der Arbeitslosenversicherung bezahlt. Der Arbeitgeber läuft so weniger Gefahr, wichtiges Know­how zu verlieren, das er bei einer späteren Erholung im Aufschwung dringend braucht. Er muss dann auch nicht mühsam neues Personal suchen und einarbeiten. Aber auch die Arbeitneh­ menden können von Kurzarbeit profitieren: Sie werden nicht arbeitslos und können sich so die sozialen, wirtschaftlichen und rechtlichen Vorteile, die mit einer Arbeitsstelle verbun­ den sind, bewahren. Beispielsweise bleiben sie weiterhin bei einer Pensionskasse versichert. (konjunkturelle Arbeitslosigkeit) In einer dynamischen Wirtschaft kann auch der Struktur­ wandel zu Arbeitslosigkeit führen. Um dies möglichst zu ver­ hindern, müssen die Rahmenbedingungen auf dem Arbeits­ markt verbessert werden. Der Arbeitsmarkt ist ein ganz spezieller Markt und kann nicht mit Gütermärkten gleichge­ setzt werden. Wenn jemand auf dem Arbeitsmarkt keine Ar­ beit findet, so ist dies dramatischer, als wenn jemand auf dem Gütermarkt etwas nicht kaufen kann. Aus diesem Grund ist in den meisten Industrieländern der Arbeitsmarkt viel stärker durch Gesetze und Verordnungen reguliert als die Güter­ märkte. Die Schweiz hat im internationalen Vergleich einen flexiblen, wenig regulierten Arbeitsmarkt. Das kann für un­ sere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Nachteil

sein, weil wir weniger Schutz geniessen als in anderen Län­ dern. Deshalb sollten meines Erachtens ein gesetzlich festge­ legtes Lohnminimum für die ganze Schweiz gelten und grundsätzlich kürzere Wochenarbeitszeiten angestrebt wer­ den. Auch sollten die Vorschriften für die Unternehmungen bei der Entlassung von Arbeitskräften verschärft werden. Un­ ternehmungen, die Gewinne erwirtschaften, sollten grund­ sätzlich keine Entlassungen vornehmen dürfen. Ich bin auch überzeugt, dass ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich irgendwann aus der Arbeitswelt zurückziehen und ihre Stelle den Jungen überlassen sollten. Deshalb trete ich bei allem Verständnis für flexible Lösungen dafür ein, dass das durch­ schnittliche Rentenalter grundsätzlich gesenkt werden sollte. (strukturelle Arbeitslosigkeit) Viele Arbeitslose haben Mühe, eine neue Stelle zu finden. Dies liegt auch daran, dass die Unternehmungen bei der Aus­ und Weiterbildung sparen. Wer einen zu kleinen Bildungsruck­ sack hat, ist auf dem Arbeitsmarkt am stärksten von Arbeits­ losigkeit bedroht. Seit Langem fordern die Gewerkschaften deshalb ein Recht auf Weiterbildung. Es wird insbesondere die Lage jener markant verbessern, die seit der Volksschule schlechtere Bildungschancen haben und von den Arbeitge­ bern kaum gefördert werden. Mit einem neuen Weiterbil­ dungsgesetz sollte dieses Recht auf Weiterbildung für alle im Schweizer Recht verankert werden. Selbstverständlich macht Weiterbildung nur auf einem guten Fundament Sinn; deshalb lehnen wir Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter auch alle politischen Versuche ab, unser bewährtes Volksschulsys­ tem mit übertriebenen Sparanträgen zu schwächen. Wir plä­ dieren eher für einen Ausbau in den ersten Schuljahren, um die Startchancen jener zu verbessern, die mit Integrationspro­ blemen oder anderen Nachteilen zu kämpfen haben. (friktionelle Arbeitslosigkeit)

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a 3 ) Manuskript von Urs Uhlmann (50 Jahre), Unternehmer, Mitglied der Aargauischen Industrie- und Handelskammer Mein Name ist Urs Uhlmann. Als Unternehmer muss ich mich ständig über neue technologische Entwicklungen in­ formieren. Nur so kann ich bessere Produkte entwickeln oder die bisherigen Produkte günstiger herstellen. Unternehmun­ gen, die wichtige technologische Entwicklungen verpassen, laufen Gefahr, unterzugehen. Dabei gehen unweigerlich auch Arbeitsplätze verloren. Aber dieser Strukturwandel ist nicht nur negativ. Die Neue Aargauer Bank beschreibt in einer Stu­ die die positiven Aspekte: «Strukturwandel ist ein Prozess schöpferischer Zerstörung und kann kurzfristig schmerz­ hafte Anpassungen in Form von Betriebsschliessungen oder Entlassungen zur Folge haben. Er fordert von den betroffenen Unternehmern und Angestellten eine hohe Anpassungs­ fähigkeit und kann zu Einkommens­ und Vermögenseinbussen oder gar zu Arbeitslosigkeit führen. Gleichzeitig schafft er Raum für neue, im Optimalfall produktivere Geschäftsfelder. Ein erfolgreicher Strukturwandel ist kein Nullsummenspiel, das einzig Verlagerungseffekte mit sich bringt, sondern er­ höht die Wettbewerbsfähigkeit einer Region.» Aus meiner Sicht muss alles getan werden, damit Arbeitslose möglichst schnell wieder eine neue Stelle finden. Besonders wichtig ist dabei die Unterstützung durch die rund 130 Regionalen Ar­ beitsvermittlungszentren (RAV). Die Leistungen der Arbeits­ losenversicherung sollten hingegen keinesfalls erhöht wer­ den, weil eine zu grosszügige Arbeitslosenunterstützung zu viel kostet und den Anreiz für die Arbeitslosen, sich intensiv um eine neue Stelle zu bemühen, reduziert. (strukturelle Arbeitslosigkeit)

Ich musste auch schon Personal abbauen, weil die gesamte Volkswirtschaft und damit auch meine Unternehmung schwierige Zeiten durchlebten. In einer solchen konjunk­ turellen Abschwungphase oder einer Rezession sollte die Nationalbank mit einer expansiven Geldpolitik für tiefere Zinsen sorgen, um Investitionen zu erleichtern. Manchmal konnte ich Entlassungen vermeiden, indem ich vorüberge­ hend Kurzarbeit einführte. Ohne die Kurzarbeitsentschädi­ gung hätte ich dies nicht gemacht. Man darf nicht vergessen, dass wir als Unternehmungen bei der Kurzarbeit auch einen Teil der Kosten tragen. Insofern würde ein Ausbau der Ent­ schädigung bei Kurzarbeit mithelfen, dass die Unterneh­ mungen in Zeiten der Rezession weniger Leute entlassen müssten. (konjunkturelle Arbeitslosigkeit)

Auch in meiner Unternehmung wurden schon Mitarbeite­ rinnen und Mitarbeiter durch Maschinen ersetzt. Die Inves­ titionen für die Anschaffung der Maschinen machen sich in der Regel durch eine höhere Produktivität schnell bezahlt. Wenn die Produktivitätsfortschritte jedoch nicht zur erhoff­ ten Zunahme des Umsatzes führen, kann dies durchaus zu­ sätzliche Entlassungen zur Folge haben. Es fällt mir nicht

Ich habe im Prinzip durchaus Verständnis für die Anliegen der Arbeitnehmer für mehr Arbeitnehmerschutz, gerade bei lang andauernder Arbeitslosigkeit. Für Forderungen nach Mindestlöhnen habe ich als Unternehmer jedoch kein Ver­ ständnis: Wenn mich ein Mitarbeiter mehr kostet, als mir seine Leistung einbringt, sind Verluste unvermeidlich. Wa­ rum sollte ich ihn da einstellen? Die Vorstellung, dass Ar­

leicht, Entlassungen auszusprechen, weil ich weiss, dass dies für die Betroffenen sehr hart sein kann. Deshalb bin ich froh, wenn entlassene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom Staat bei der Suche nach einer neuen Stelle unterstützt werden. Andere Staaten kennen auch direkte Förderbeiträge für den Ausbau von Produktionsstätten. In der Schweiz existieren nur verhältnismässig wenig solche direkte Finanzhilfen an Unternehmen. Bund und Kantone konzentrieren ihre An­ strengungen vielmehr auf die Schaffung von investitions­ freundlichen Rahmenbedingungen und unterstützen nur subsidiär die Finanzierung von Unternehmungen. (technologische Arbeitslosigkeit)

beitsplätze durch den Staat auf alle Zeiten gesichert werden könnten, ist meines Erachtens ohnehin unrealistisch. Auch zusätzliche Regulierungen des Arbeitsmarktes sind schädlich für die Unternehmungen und damit letztlich auch für Arbeit­ nehmerinnen und Arbeitnehmer. Es braucht primär günsti­ gere Rahmenbedingungen für Unternehmer, und erst in zweiter Linie staatliche Massnahmen. Die staatlichen Mittel sollten in die Förderung einer diversifizierten Wirtschafts­ struktur fliessen statt in weitere Sozialversicherungsleistun­ gen, da diese ja letztlich wieder mit zusätzlichen Lohnpro­ zenten finanziert werden müssen. (strukturelle Arbeitslosigkeit)

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a 4 ) Manuskript von Franz Friedmann (26 Jahre), Lehre als Hochbauzeichner, Student an der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) Mein Name ist Franz Friedmann. Ich bin zwar erst 26 Jahre alt, aber ich habe die Arbeitslosigkeit schon zweimal am eigenen Leib erfahren. Deshalb habe ich mich für eine Weiter­ bildung entschieden und absolviere zurzeit das 6. Semester im Lehrgang «Wirtschaft und Management» an der ZHAW. Ein Studium an der ZHAW bietet beste Voraussetzungen für eine anspruchsvolle Anstellung in Verwaltung, Industrie oder Forschung. Mit diesem Abschluss hoffe ich, nicht mehr arbeitslos zu werden. Das erste Mal erlebte ich Arbeitslosig­ keit nach Abschluss meiner Hochbauzeichnerlehre im Thur­ gau: Mein Lehrbetrieb bildete jedes Jahr neue Lehrlinge aus, und deshalb konnte ich nach dem Abschluss nicht dort wei­ ter arbeiten. Aber ich wollte ohnehin die Stelle wechseln und einen neuen Betrieb suchen, um Neues zu lernen. Mir war es auch durchaus bewusst, dass das zwei, drei Monate dauern könnte. Dass es dann aber ein halbes Jahr dauerte, hat mich schon sehr überrascht. Ich wünschte mir, dass die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren (RAV) ausgebaut würden und nicht nur eine Auswahl von Job­Suchmaschinen auf der Website aufschalten, sondern konkrete Stellenangebote für bestimmte Arbeitslose suchen und abklären. Bei meinen Be­ werbungen erhielt ich immer Absagen mit der Begründung, man suche jemanden mit Berufserfahrung, die ich direkt nach der Lehre natürlich nicht vorweisen konnte. So hatte ich nach sechs Monaten immer noch keine Stelle, aber im­ merhin erhielt ich ja Geld von der Arbeitslosenversicherung – ohne diese Beiträge hätte ich wohl schon etwas früher irgendeine Stelle antreten müssen. (friktionelle Arbeitslosigkeit) Das RAV hat mich schliesslich dazu gedrängt, auch an weiter entfernten Orten nach einer Arbeit zu suchen. So bin ich im Frühling – nachdem ich neun Monate arbeitslos gewesen war – schliesslich in eine Bauunternehmung im Kanton Zürich eingetreten. Ich hätte dabei nicht gedacht, dass ich sieben Monate später schon wieder entlassen würde. Die Aufträge

gingen wetterbedingt im Herbst so stark zurück, dass mein Arbeitgeber mehrere Mitarbeiter entlassen musste. Weil ich neu war im Betrieb, gehörte ich zu den ersten, die gehen mussten. Ähnliche Geschichten höre ich auch von Kollegin­ nen und Kollegen, die im Gastgewerbe tätig sind. Ich bin überzeugt, dass sich diese saisonale Arbeitslosigkeit mit bes­ seren Schlechtwetter­ und Kurzarbeitsentschädigungen ver­ hindern liesse. (saisonale Arbeitslosigkeit) Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die offiziellen Statisti­ ken nicht das wahre Ausmass der Arbeitslosigkeit zeigen. Ich sehe das zum Beispiel bei meiner zehn Jahre älteren Schwes­ ter. Sie hat in den letzten Jahren nicht gearbeitet, weil sie drei Kinder bekommen hat und deshalb zu Hause bei ihren Kin­ dern bleiben wollte. Nun, da alle zur Schule gehen, würde sie eigentlich gerne wieder einsteigen, findet aber einfach keine Stelle. Sie bewirbt sich zwar immer wieder, bekommt aber andauernd Absagen. Wenn sie bei den Unternehmungen nach den Gründen fragt, wird zwar offiziell immer gesagt, es hätten sich bessere Bewerberinnen oder Bewerber gemeldet. Inoffiziell wird dann aber schnell deutlich, dass ihr nach zehn Jahren einfach niemand zutraut, den Einstieg ohne grössere Probleme zu schaffen. Die Unternehmungen scheuen sich, eine längere Einarbeitungszeit mit ihr durchzustehen. Zudem wollen sich die Unternehmungen allfällige Probleme vom Hals halten, wenn die Kinder einmal krank sein sollten. Sie befürchten, dass meine Schwester in solchen Momenten im­ mer kurzfristig ausfallen würde. Meine Schwester hat aber keine Lust, sich beim RAV zu melden. Sie sieht für sich keine Vorteile bei einer offiziellen Registrierung und befürchtet, dadurch eher noch Nachteile bei der Suche zu haben. Solange nicht auch mehr Männer Teilzeit arbeiten und dabei von den Unternehmungen und eventuell vom Staat unterstützt wer­ den, werden die Probleme beim Wiedereinstieg wohl andau­ ern. Aber auch Tagesstrukturen für die Betreuung von Kin­

dern, deren Eltern berufstätig sind, könnten in diesem Zusammenhang eine Hilfe sein. (verdeckte Arbeitslosigkeit) Vielleicht sollte man insbesondere für junge Arbeitslose auch spezielle Beschäftigungsprogramme lancieren, damit sie wei­ tere Erfahrungen sammeln und Fertigkeiten und Fähigkeiten für Jungunternehmer erwerben können. Ich bin mir sicher, dass sich etliche auch die Gründung einer eigenen Unterneh­ mung überlegen würden, wenn sie nur wüssten, wie man das angehen muss. Zur Stärkung des Unternehmertums könnte der Staat einiges beitragen, wenn er die rechtlichen Rahmen­ bedingungen so ausgestalten würde, dass vor allem junge Leute ohne grössere Probleme eine eigene Firma gründen könnten. Am Ende würden wohl alle davon profitieren, weil unsere Wirtschaft dadurch Wachstumsimpulse erhalten würde. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass Men­ schen die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verlieren und allmählich resignieren. Wenn ich die Generation meiner Eltern sehe, bin ich mir gar nicht so sicher, ob das nicht sogar manchmal für Menschen gilt, die im Moment noch eine Stelle haben. Da gibt es ja viele, die offiziell tagtäglich ihrer Arbeit in einem Büro oder einer Fabrik nachgehen, in Tat und Wahr­ heit aber nur noch die Zeit bis zu ihrer Pensionierung mög­ lichst unbeschadet überstehen möchten. Da soll mir doch keiner erzählen, dass die wirklich noch produktiv sind. Ich glaube einfach nicht, dass die offiziellen Arbeitsmarktdaten den tatsächlichen Zustand des Arbeitsmarktes beschreiben. Mit mehr Wettbewerb müssten Unternehmungen unproduk­ tive Arbeitsplätze verschwinden lassen. (latente Arbeitslosigkeit)

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Arbeitslosigkeit a 1) Die Sichtweise von Arnold Arnegger (55 Jahre), Textilfärber, ausgesteuerter Arbeitsloser Ursachen / Formen der Arbeitslosigkeit

Lösungsansätze

a 2 ) Die Sichtweise von Gertrud Germann (40 Jahre), kaufmännische Angestellte, Mitglied der Gewerkschaft Unia Ursachen / Formen der Arbeitslosigkeit

Lösungsansätze

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a 3 ) Die Sichtweise von Urs Uhlmann (50 Jahre), Unternehmer, Mitglied der Aargauischen Industrie- und Handelskammer Ursachen / Formen der Arbeitslosigkeit

a 4 ) Die Sichtweise von Franz Friedmann (26 Jahre), Lehre als Hochbauzeichner, Student an der Zürcher Fachhochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW)

Lösungsansätze

Ursachen / Formen der Arbeitslosigkeit

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Aufgabe 4 Erfolgreicher Abbau der Sockelarbeitslosigkeit a ) Lesen Sie den Textausschnitt in der rechten Spalte (Bundesagentur für Arbeit: Sockelund Langzeitarbeitslosigkeit, Broschüre Arbeitsmarktberichterstattung, Nürnberg 2011) mit der dazugehörigen Grafik. Erläutern Sie anschliessend den Begriff «Sockelarbeitslosigkeit» mit konkreten Zahlen.

b ) Lesen Sie den Text auf der folgenden Seite. Welche Gründe werden für die Probleme auf dem deutschen Arbeitsmarkt angeführt?

Die Zahl der Arbeitslosen liegt in Deutschland aktuell unter drei Millionen. Zugleich sind so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie seit Beginn der 2000er­Jahre nicht mehr: Die Lage am deutschen Arbeitsmarkt ist insgesamt gesehen gut. […]Eine sich immer weiter aufbauende Sockelarbeitslosigkeit, die selbst in konjunkturellen Aufschwungphasen nicht abgebaut werden konnte, galt bis zum Ende der 1990er­Jahre als eine Krankheit des deutschen Arbeitsmarkts. Erst nach den Reformen zur Modernisierung der Dienstleistungen am Arbeits­ markt («Hartz­Reformen») gelang es, die Arbeitslosigkeit in den Aufschwungphasen unter den Sockel der vorangegangenen Perioden zu senken. […] Die Entwicklung des Arbeitsmarkts war jahrzehntelang von einem grösser werdenden Sockel von Arbeitslosigkeit geprägt, der in konjunkturellen Wachstumsphasen nicht wieder abgebaut werden konnte. Seit den Ölpreiskrisen der siebziger Jahre hatte die Arbeitslosigkeit in Deutschland mit jeder Rezession zugenommen. In der folgenden Aufschwungphase konnte die Arbeitslosigkeit dann nicht wieder auf das Vorkrisenniveau gesenkt werden: Es blieb ein wach­ sender Sockel an Arbeitslosen (vgl. Abbildung). Nach der Wiedervereinigung ist die Arbeitslosigkeit deutlich gestiegen. Auch in der Auf­ schwungphase Ende der 1990er­Jahre konnte sie nicht nachhaltig abgebaut werden. Deutsch­ landweit hatte sich die Sockelarbeitslosigkeit erstmals im Zuge der positiven Arbeitsmarktent­ wicklung der Jahre 2006 bis 2008 abgebaut. Ein wichtiger Grund für diesen Erfolg waren die Reformen am Arbeitsmarkt. Nach einem geringfügigen Anstieg der Arbeitslosigkeit in der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 lag die Arbeitslosigkeit bereits im Jahresdurchschnitt 2010 wieder unter dem Niveau vor Beginn der Wirtschaftskrise Ende 2008. Die gesamtwirtschaftliche Sockelarbeitslosigkeit baut sich also weiter ab. ■ Arbeitslosenquoten (bezogen auf alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen) Deutschland, West­ und Ostdeutschland, 1950 bis 2010 Hartz lV-Effekt

11,0

Abbau der Nachkriegsarbeitslosigkeit

Rezession durch Ölpreiskrise 9,3

Vollbeschäftigung, zwischenzeitlich milde Rezession

9,1

10,3

8,6

Wiedervereinigung

3,8

0,7

Datenquelle: Statistik der BA

1955

Wirtschaftskrise

7,2

4,7

2,1

1950

13,0

12,7

8,7

Rezession durch Ölpreiskrise

c) Welche Massnahmen werden im Text empfohlen?

Anpassungsprobleme der ostdeutschen Wirtschaft

1960

1965

1970

1975

1980

1985

1990

1995

2000

2005

2010

Quelle: Arbeitsmarktberichterstattung@arbeitsmarktagentur.de

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Deutschland kämpft wieder stärker mit der Arbeitslosigkeit Matthias Benz, Berlin Der deutsche Arbeitsmarkt präsentiert sich im internationalen Vergleich weiterhin robust. In den letzten Monaten ist die Arbeitslosigkeit aber leicht gestiegen. Erfolge sind zunehmend schwieriger zu erzielen. In den meisten europäischen Hauptstädten würde man sich die Finger lecken, wenn man ähnliche Arbeitsmarktzahlen wie in Deutsch­ land vorweisen könnte. Auch im abgelaufe­ nen Jahr hat sich der deutsche Arbeitsmarkt weitgehend robust entwickelt, während an­ dernorts in Europa starke Beschäftigungsver­ luste zu verzeichnen waren. Die Entwicklung spiegelt sich in den Zahlen für das Gesamtjahr 2012, welche die staatliche Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag veröffentlicht hat. Demnach stieg die Erwerbstätigkeit in Deutschland auch 2012. Insgesamt gingen 41,94 Mio. Menschen einer Arbeit nach (Stand November), was einer Steigerung im Jahresvergleich um 0,6 % gleichkam und ei­ nen neuen Rekordwert bedeutete. Allerdings wiesen die Zahlen auch eine weniger erfreu­ liche Entwicklung in den vergangenen Mo­ naten aus. So ist mit der deutlichen Abküh­

terhin gesucht werden, scheint ein Sockel von gut 3 Mio. Arbeitslosen immer schwerer ver­ mittelbar zu sein. Diesen Menschen fehlen häufig die notwendigen Qualifikationen sowie die Anreize, um eine Arbeit aufzunehmen. Bemerkenswert ist weiterhin die regio­ nale Verteilung der Arbeitslosigkeit in Deutschland (vgl. Grafik). Zwar hat sich die Lage in den vergangenen Jahren überall stark verbessert. Doch Erwerbslosigkeit ist immer noch hauptsächlich ein Problem in Ost­ deutschland sowie in gewissen Teilen des Nor­ dens und Westens (etwa in Bremen und Nord­ rhein­Westfalen). Demgegenüber sind in den wirtschaftsstarken südlichen Bundesländern Baden­Württemberg und Bayern weniger als 4 % der Erwerbsbevölkerung arbeitslos, was in der deutschen Diskussion üblicherweise mit «Vollbeschäftigung» gleichgesetzt wird. Die Probleme vorab in Ostdeutschland spiegeln die Strukturschwächen in den «neuen» Bundesländern; diese sind auch mehr als 20 Jahre nach der Wiedervereinigung nicht beseitigt. Aber auch die Anreize zur Ar­ beitsaufnahme stellen sich im Osten beson­ ders schlecht dar. Die Hartz­IV­Sätze für Langzeitarbeitslose liegen deutschlandweit gleich hoch; im einkommensschwachen Osten lässt sich von den Hilfsgeldern jedoch ver­ gleichsweise auskömmlich leben. Vor allem für Familien mit Kindern lohnt es sich häufig kaum, eine Arbeit aufzunehmen. Vor diesem

lung der Konjunktur die saisonbereinigte Zahl der Erwerbstätigen seit dem Sommer nicht mehr gestiegen, sondern gar gering­ fügig gesunken. Ein ähnliches Bild präsentiert sich bei den Arbeitslosenzahlen. Im Jahresdurch­ schnitt wurde mit 2,9 Mio. arbeitslos gemel­ deten Menschen und einer Arbeitslosenquote von 6,8 % zwar der niedrigste Wert seit der Wiedervereinigung erreicht. Zu Zeiten der Massenarbeitslosigkeit in der ersten Hälfte der 2000er­Jahre hatte die Arbeitslosenquote bis zu 13 % betragen. Doch auch hier stag­ nierte die Entwicklung in den vergangenen Monaten. Seit dem Frühjahr erhöhte sich die bereinigte Arbeitslosenzahl zwar nur lang­ sam, aber stetig. Damit sind die Jahre des deutschen «Jobwunders» offensichtlich vor­ über; man hat wieder stärker mit dem Prob­ lem der Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Als Grund gab die Arbeitsagentur an, dass es für Arbeitslose zunehmend schwierig werde, eine Stelle zu finden. Das liegt einer­ seits an der schwachen Konjunktur der letzten Monate, die den Aufbau neuer Arbeitsplätze gebremst hat. Anderseits verbergen sich da­ hinter strukturelle Probleme. Während Fach­ kräfte auf dem deutschen Arbeitsmarkt wei­

Hintergrund steht die Politik bei der Bekämp­ fung der Arbeitslosigkeit vor schwierigen Auf­ gaben. So ist dafür zu sorgen, dass die Arbeits­ losen zu den «richtigen» Qualifikationen kommen. Verbessert werden müssen aber auch die Arbeitsanreize mit einer (unpopulä­ ren) Reform des Hartz­IV­Systems. Quelle: «Neue Zürcher Zeitung», 4. Januar 2013

Arbeitslosigkeit in Deutschland Regionale Arbeitslosenquote in % (Vorjahreswerte in Klammern)

Deutschland Westdeutschland Ostdeutschland

6,7 (6,6) 5,8 (5,6)

Schleswig-Holstein 6,8 (6,9)

10,3 (10,6)

Mecklenburg-Vorpommern 12,0 (12,2) Hamburg 7,1 (7,3) Bremen 10,8 (11,0)

Berlin 11,6 (12,3)

Niedersachsen 6,4 (6,4)

Sachsen-Anhalt 11,2 (11,3)

Nordrhein-Westfalen 7,9 (7,6)

Thüringen 8,2 (8,2)

Brandenburg 9,9 (10,2)

Sachsen 9,4 (9,8)

Hessen 5,5 (5,4) Rheinland-Pfalz 5,1 (5,0)

≤ 4,1 ≤ 7,1 ≤ 10,0 ≤ 13,0 ≤ 15,9

Saarland 6,8 (6,3) Bayern 3,6 (3,4) Baden-Württemberg 3,9 (3,7)

NZZ-INFOGRAFIK / cke.

QUELLE: BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT

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Aufgabe 5 Welches ist die bessere Arbeitsmarktstatistik? Heute liefern zwei Bundesämter Zahlen zur Arbeitslosigkeit. Das seco publiziert monatlich die Statistik der registrierten Arbeitslosen, das Bundesamt für Statistik veröffentlicht jährlich im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) die Zahl der Erwerbslosen gemäss internationalen Normen. Statistik

Statistik der Erwerbslosen gemäss SAKE (BFS)

Statistik der eingeschriebenen Arbeitslosen (seco)

Definition:

Erwerbslos bzw. arbeitslos gemäss den internationalen Standards sind Personen, die …

Arbeitslos sind Personen, die …

– Grundbedingung:

in der Woche vor der Befragung keiner Erwerbstätigkeit (von 1 Stunde) nachgegangen sind

nicht erwerbstätig sind (d.h. weniger als 6 Stunden pro Woche arbeiten)

– Verfügbarkeit:

innerhalb von 4 Wochen mit einer Tätigkeit beginnen könnten

innerhalb von 4 Wochen mit einer Tätigkeit beginnen könnten

– Arbeitssuche:

in den letzten 4 Wochen aktiv Arbeit gesucht haben (verschiedene Suchaktivitäten zugelassen)

Arbeit suchen und sich bei einem Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum zur Arbeitsvermittlung anmelden

Altersgrenze:

15 Jahre und älter

15 Jahre und älter

Erhebungsmethode:

Stichprobenerhebung bei 17000 repräsentativ ausgewählten Haushalten (auch nicht registrierte Erwerbslose)

Vollerhebung bei den kantonalen Arbeitsämtern

Erhebungsperiodizität:

Jährlich

Monatlich

Referenzperiode:

2. Quartal des Jahres

Letzter Arbeitstag im Monat

Verfügbarkeitsdatum:

4 – 5 Monate nach Quartalsende

5 Tage nach Monatsende

Regionalisierungsniveau:

Gesamtschweizerisch, Landesteile

Gesamtschweizerisch, kantonal und auf Gemeindestufe

Informationsgehalt:

international vergleichbar für Analysen von langfristigen Zeitreihen

rasch verfügbar für kurzfristige Arbeits- und Konjunkturanalysen

Bevölkerungskonzept:

Ständige Wohnbevölkerung: Schweizer, Niedergelassene und Jahresaufenthalter

Wohnbevölkerung: Schweizer, sämtliche Ausländerkategorien (inkl. Kurzaufenthalter, Saisonniers und Asylbewerber) Quelle: www.amstat.ch

Vergleichen Sie die beiden Konzepte des seco und des BFS anhand der nebenstehenden Tabelle. Begründen Sie, welche Statistik die bessere ist.

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Profile for STR teachware

1 2201 1101 arbeitskosigkeit  

1 2201 1101 arbeitskosigkeit