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oekom-Autorenlesung in der stratum® lounge . 22.09.2010

Querdenken im Taschenformat

„Geld oder Leben“ Autorenlesung | 22.09.10 | stratum® lounge

Eine „kleine Reihe für die großen Themen der Zukunft“ nennt der Münchner oekom verlag die stets 96 Seiten umfassenden und mit circa 10 mal 15 Zentimetern absolut jackentaschentauglichen Büchlein seiner neuen Rubrik „quergedacht“, von denen bisher drei Bände erschienen sind. Dabei passt erstaunlich viel Text hinein – auf jeden Fall genug für einen ausführlichen Essay zu dem jeweiligen Thema. Neben dem „Mythos der Atomkraft“ und einem „Lob der Pause“ gilt der dritte Band der Reihe der Frage „Was uns wirklich reich macht“. Jeder Band kostet schmale 8,95 Euro, so dass uns die Lektüre auf jeden Fall nicht arm macht.

„Geld oder Leben“ hat Veronika Bennholdt-Thomsen ihren Essay genannt, den sie in der stratum® lounge am 22. September um 18:00 Uhr zur Diskussion stellen wird. Der Titel ist nicht nur ein schnell gegriffenes geflügeltes Wort, sondern er trifft genau die Absicht, die die Autorin verfolgt. Sie will uns nämlich davon überzeugen, dass uns die kapitalistische Geldwirtschaft auf jedem Fall ärmer macht und Lebensqualität raubt. In der von Veronika Bennholdt-Thomsen so genannten „Entkommerzialisierung“ liege der Schlüssel zu wahrer Nachhaltigkeit. Wobei sie mit Entkommerzialisierung allerdings kein politisches Programm meint, sondern „zuerst und vor allem eine Geisteshaltung“. Die Autorin rät uns, „uns dem Zugriff des maximierungswirtschaftlichen Zwangs zu entziehen, indem wir nicht mehr mitmachen“. Kein Aufruf zur gesellschaftspolitischen Revolution also, sondern ein Appell zur individuellen Verweigerung, die jederzeit und von jedem sofort umsetzbar ist. Man muss nur aufhören, weiterhin der Warengesellschaft zu dienen. Die Entkommerzialisierung ist der direkte, individuelle Weg in die Subsistenzwirtschaft. Ist dies nach ökosozialer Marktwirtschaft und Green Economy die nächste Phase der Nachhaltigkeit?

Die 5 Treiber der aktuellen Krise Was haben wir falsch gemacht, dass es überhaupt zu solchen übergreifende Krisen kommen kann, wie wir sie derzeit auf den weltweiten Finanzmärkten erleben? Von Veronika BennholdtThomsen bekommen wir andere als die üblichen volks- und börsenwirtschaftlichen Antworten. Als Völkerkundlerin und Soziologin hat sie Erklärungen, die aus dem Bereich der Kulturpsychologie kommen. Es seien fünf Treiber, die uns in die Krise geführt haben: Die Geringschätzung der Frauenarbeit in der modernen Arbeitswelt – wobei unter Frauenarbeit nicht die weibliche Erwerbstätigkeit verstanden wird, sondern die von Frauen verrichtete Versor-

gungs- und Familienarbeit Die Geringschätzung des bäuerlichen Wirtschaftens – wobei wiederum nicht die Agrarindustrie gemeint ist, sondern Formen der kleinbäuerlichen Landwirtschaft mit ihrer „Bindung an den Boden und an die Gemeinschaft“ und der daraus entstehenden „relativen Genügsamkeit“ Die Missachtung der Natur, die mit dem Verschwinden der Allmende einhergeht Die kolonialistische Ausbeutung, die heutzutage in der Entwicklungspolitik ihre Fortsetzung findet Die kollektive neurotische Angst vor der Knappheit, die uns alle antreibt. stratum® GmbH www.stratum-consult.de


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Frau zwischen den Kulturen Veronika Bennholdt-Thomsen ist in mehreren Kulturen zu Hause. Die 66-jährige Ethnologin und Soziologin ist in Österreich geboren, hat in Deutschland studiert und wurde habilitiert. Seit 1966 hat sie sozusagen ihren zweiten Wohnsitz in Mexiko. Neben ihren ethnologischen Studien, denen sie auch ihre enge Verbindung mit Mexiko verdankt, war sie in der Frauenbewegung engagiert und wurde Mitbegründerin der Frauenforschung in Deutschland. Die Autorin lehrt heute als Professorin an der Universität für Bodenkultur Wien und leitet das außeruniversitäre Institut für Theorie und Praxis der Subsistenz in Bielefeld. Ihre Affinität zur Landwirtschaft und dem bäuerlichen stammt aus ihrer Kindheit, wie sie einmal in einem Interview erklärte: „Ich bin auf dem Land aufgewachsen. Zwar als Tochter des Dorfschullehrers, aber ich war immer auf den Höfen unterwegs, in den Ställen, auf den Feldern, bei den Bäuerinnen in der Küche.“ Foto: SANDRA SANCHEZ

Anti-Utilitarismus Das Gegenmodell zur ökonomischen Rationalität Als Wissenschaftlerin hat Veronika Bennholdt-Thomsen natürlich auch ein theoretisches Konstrukt, auf dem sie ihre Weltinterpretation aufbaut. In „Geld oder Leben“ geht sie kurz darauf ein, ohne jedoch in dieser Kürze die Zusammenhänge näher erläutern zu können. Die Autorin identifiziert sich mit dem Denken des Anti-Utilitarismus und bezieht sich dabei auf den französischen Soziologen Marcel Mauss (1872-1950). Tatsächlich geht das antiutilitaristische Denken noch viel weiter zurück und definiert sozusagen die Anfänge der Soziologie. Schon bei Émile Durkheim (1858-1917) stehen die sozialen Beziehungen im Vordergrund des menschlichen Denkens und Handelns und prägen alle Lebensbereiche. Dieser Primat der Gesellschaft bestimmt auch wirtschaftliche Prozesse: Im Gegensatz zum ökonomischen rational choice-Ansatz vertritt Durkheim die These, dass

nicht das ökonomische Eigeninteresse unser Handeln bestimmt, sondern dass Menschen kooperieren und ihre individuellen Interessen jenen der Gruppe unterordnen. Nicht der Warentausch hält die Gesellschaft zusammen, sondern der Wunsch nach wechselseitiger Anerkennung, stellt Veronika Bennholdt-Thomsen in der Tradition dieser Soziologen fest. Und deshalb müssen wir zurück zur Subsistenzwirtschaft und zur „Verlandwirtschaftlichung“ (Reruralisierung) der Gesellschaft. Denn, so ist die Autorin überzeugt, Geld trennt die Menschen voneinander und Empathie kann nicht durch Konsum ersetzt werden. Aus diesem Grund lehnt sie übrigens auch das viel gepriesene Mikrokreditsystem eine Muhammad Yunus kategorisch ab: „Mit den Mikrokrediten dringt die Kommerzialisierung in die letzten Winkel der Köpfe, der Herzen und der Gemeinschaften.“ stratum® GmbH www.stratum-consult.de


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Die Partner der oekom-Autorenlesung Wein & Vinos: Hier zählt nur die Qualität Dass Bio-Wein nicht teurer als konventionell erzeugter Wein sein muss, beweist Wein & Vinos. Die Formel ist einfach:

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Protagonist einer neuen Önologen-Generation + Qualitätswein in Bio-Qualität + umweltfreundliche Bag-in-Box = Köstlicher Wein zu bestem Preis

Als Gast der Autorenlesung haben Sie Gelegenheit, den Wein zu testen, dem wohl auch durch seine Aufmachung besondere Aufmerksamkeit gebührt: „Krisenbewältigung ohne Neuverschuldung“ - besser kann diese Botschaft wohl kaum mit der Intention der Autorin von „Geld oder Leben“ verknüpft sein.

BUCHBOX: Die persönliche Kiezbuchhandlung

www.buchboxberlin.de

„Das Buch und der Mensch“ so oder ähnlich könnte man die BUCHBOX beschreiben, die noch, oder besser wieder den Charme einer Kiezbuchhandlung versprüht. Liebvoll ausgewählte Bücher, Buchlesungen, die die Menschen hinter den Werken vorstellen, Aufgreifen von Themen, die die Menschen im Kiez bewegen.

Damit Sie „Geld oder Leben“ direkt nach der Lesung gleich mit nach Hause nehmen können, stellt die BUCHBOX Exemplare zum Preis von 8,95 Euro bereit. Natürlich ist dies auch die beste Gelegenheit für eine Widmung der Autorin. stratum® GmbH www.stratum-consult.de


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oekom-Autorenlesung in der stratum® lounge . 22.09.2010

„Geld oder Leben“ Autorenlesung | 22.09.10 | stratum® lounge Zeit Einlass: ab 17:30 Uhr Beginn: 18:00 Uhr

Eintritt Voranmeldung: Euro 3,00 Abendkasse: Euro 5,00

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Veranstaltungsort

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stratum® lounge Boxhagener Str. 16 . Alte Pianofabrik 10245 Berlin-Friedrichshain

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: 030

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Geld oder Leben  

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