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stratum® : Rezension

Kauf keine Kiwis – Nützen gute Ratschläge? Jetzt gibt es sie gleich im 500er Pack für die Jugend Shary Reeves/Jan Hofer/Dieter Kronzucker (Hg.): 500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern, Reinbek bei Hamburg 2011, 300 S., EUR 7,99 Das Vorgängerbuch hat uns gar nicht gefallen – Jan Hofers „1000 Ideen, täglich die Welt zu verbessern“ ist in unserer Rezension seinerzeit durchgefallen. Jetzt ist die Version für die Jugend erschienen, handlicher, bunter und auf 500 Ideen reduziert. Der Zweifel bleibt, ob die 300 Seiten bedruckten Papiers ihren ökologischen Preis wert sind. Wer zwischen 10 und 25 Jahren hört sich schon gern kluge Ratschläge von Erwachsenen an? Immerhin fällt diesmal auf, dass auch der Skeptizismus Platz bekommen hat. „Sei kein selbsterklärter Weltverbesserer!“, ruft uns z.B. Fernsehmoderator Andreas Klinner entgegen. Denn die machten die Welt meist nur schlechter. Auch die stratum®-Geschäftsführer haben sich breitschlagen lassen zu einem Ratschlag – Nr. 448 hat die Überschrift „Glaub nichts, was sie dir raten wollen“ und beansprucht eine ganze Seite. Aber selbstkritisch müssen wir anmerken: Das Buch ist weder geistreich noch unterhaltsam. Sondern Einbahnkommunikation. Da reden die Erwachsenen an imaginierte junge Leute hin, anstatt mit ihnen zu reden. Nichts Junges, Neues, Frisches Auch gute Ratschläge brauchen System. Das Buch „500 junge Ideen, täglich die Welt zu verbessern“ teilt die Welt in zehn Rubriken ein: „Natur & Umwelt“, „Schule“, „Spenden & Gutes tun“ und so weiter bis „Reisen & Verkehr“ sowie „Zukunft“. Ist das die Weltordnung junger Menschen? Schon beim Titel kann man sich fragen, ob er stimmig ist. „Junge“ Ideen werden versprochen. Aber sowohl das Alter der meisten, die hier ihre Ratschläge hinterlassen, als auch der Inhalt sprechen dagegen, dass hier etwas jung, neu oder frisch ist. „Kauf keine Kiwis“ (wegen der hohen Transportaufwandes), „Kosmetik ohne Tierversuche“, „Lachen hilft“, „Denke global, handle lokal“, „Vorsorge ist besser als Nachsorge“ und so weiter und so fort – das ist das Niveau dieses Ratgebers. In die Dusche pinkeln Der Jugendbuchautor Daniel Westland hat ein Nachwort zu den „500 junge Ideen“ beigesteuert, in dem er hohe Erwartungen weckt: „Wir wollten nicht nur ein Buch schreiben, wir wollten etwas bewirken.“ Freilich bleibt es dann im Dunkeln, was bewirkt werden soll. Über „die Welt verbessern“, „täglich etwas Gutes tun“ gehen die Bekenntnisse nicht hinaus. Jeder soll sich eben einfach aus den „Millionen von Möglichkeiten, tagtäglich die Welt zu verbessern“, das heraussuchen, was ihm am besten gefällt. Für Westland ist es


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übrigens Vorschlag Nr. 7 in dem Buch: „Pinkel in die Dusche!“ Natürlich nur morgens gleich nach dem Aufstehen und danach sofort duschen. Spart ein paar Liter Wasser für die Toilettenspülung. Dass hierzulande weder Wassermangel droht noch unser Wassersparen der Sahara hilft, wird nicht reflektiert. Es geht den Herausgebern von „500 junge Ideen“ nicht darum, sich Gedanken zu machen, wo Engagement wirklich nötig und effektiv sein könnte. Stattdessen soll jeder sein persönliches Glückserlebnis beim schmerzlosen Weltverbessern finden. Lächerlich aufgesetzt klingt deshalb Westlands Schlussappell: „Wenn alle mitmachen, dann schaffen wir’s!“ Was denn, bitte schön? Leider gehört also „500 junge Ideen“ – ich hatte es befürchtet – doch in die Ramschkiste der überflüssigen Ratgeberliteratur. Dummerweise liegt mein eigener Beitrag auf S. 257 jetzt auch mit dabei. War ja auch irgendwie naiv, den Ratschlag zu geben, nicht auf Ratschläge zu hören. Selber schuld ;-) Richard Häusler Copyright © stratum® GmbH

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