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TYPISCH STUTTGART

Der Besen ist ein echtes Stuttgarter Kulturgut – er weist den Weg zur nächsten “Besenwirtschaft“. Wo ein Besen hängt, da wird’s gemütlich, da rücken Schwaben und auch ortsfremde Besucher eng zusammen. Es fließt der Wein, den der Weingärtner höchstpersönlich aus den Trauben seiner Rebberge gekeltert hat.

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o ein Besen hängt, wird erzählt, gelacht, gesungen und natürlich gut gegessen und getrunken. Die “Besenwirtschaft“ ist im Schwabenland äußerst beliebt.

Als historisches Vorbild der Besenwirtschaft wird gern ein Erlass von Karl dem Großen herangezogen, der ein Förderer des Weinbaus in seinem Reich war. Um das Jahr 800 soll damit den

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STORIES №18

Bauern der Ausschank ihres Weines erlaubt worden sein, was durch einen Kranz aus Reben, Efeu, Reisig oder Stroh angezeigt wurde. Diese Tradition ist bis heute geblieben, allerdings wurde aus dem Kranz oder Strauß der Besen. Heute sind die Besenwirtschaften ein fester Bestandteil der Region Stuttgart, besonders viele gibt es in Unter- und Obertürkheim nahe der Stadt. Besenwirte brauchen keine Konzession, doch sie müssen gewisse Regeln einhalten: Höchstens vier Monate im Jahr in höchstens zwei Zeitabschnitten darf der Ausschank betrieben werden. Die Anzahl der Sitzplätze ist auf 40 begrenzt und neben hauseigenen Weinen dürfen nur kalte oder einfache warme Speisen angeboten werden. Serviert wird gern Deftiges wie Schlachtplatte, Sauerkraut, Zwiebelkuchen oder auch Maultaschen. Nicht selten sitzen die Gäste in der “guten Stube“ der Wirtsleute, in einer umgebauten Scheune oder einem urigen Gewölbekeller, wo sie

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STORiES by ARCOTEL Herbst/Winter 2016/17  

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