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GRAUBÜNDEN GEHT AUS!

104 Rueras

Surselva, Valsertal

Posta

Mulania, Laax-Murschetg (Seite 102)

Tisch kommt, ist regional verwurzelt, die Küche aber gleichwohl offen für allerlei neue Experimente. Die reichhaltige Karte lässt das Gourmetherz gleich höher schlagen. Muscheln scheinen die Vorliebe des Kochs zu sein, daneben gibt es bei den Fischgerichten die ganze gebratene Seezunge sowie eine heimische Forelle. Und beim Fleisch vom Rinds­ gulasch übers Cordon bleu vom Kalb bis zum Rindsbraten so ziemlich alles – und das immer aus lokaler Produktion. Das Amuse-Bouche kommt ebenfalls aus dem Meer, eine kross gebratene Crevette mit einem sehr schön aromatisierten Chiligelee. Wir entscheiden uns bei den Vorspeisen für das Tagesangebot, die tranchierte Blutwurst mit Sauerkraut und kleiner Rösti, die etwas knuspriger hätte sein dürfen, aber wunderbar mit dem Rest harmoniert. Und als Hauptgang für die geschmorte Lammhaxe aus heimischer Zucht an einem herrlichen Rotweinjus mit Gemüse und perfekter Rahm­ polenta. Die mit Provenienzen der Bündner Herrschaft reich bestückte Weinkarte glänzt zusätzlich mit italienischen, österreichischen und französischen Weinen. Die können auch «über die

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Hunde  erlaubt

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Mittags menü

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Raum für  Raucher

Gasse» erworben werden (Zapfengeld im Restaurant: plus Fr. 32.– pro Flasche). Wir geniessen zur Haxe einen Malanser Passion von Martin und Thomas Donatsch. Als Dessert bekommen wir ein HonigOrangen-Gratin mit Sauerrahmglace, im Geschmack hervorragend, dem Gratin hätte etwas mehr Oberhitze aber gut getan. Zum lauen Espresso wird etwas von der ausgezeichneten, hausgemachten Nusstorte serviert. Überzeugend wirkt auf uns auch das SpirituosenAngebot. Das «Central» gilt zu Recht als die führende Adresse in Obersaxen (mit all seinen Fraktionen). Was die Kulinarik anbelangt, aber auch die generationenübergreifende Freundlichkeit im Service. Das «Central» ist aber auch ein innovativer Betrieb, was die eben eröffnete Vinothek (anstelle der ehemaligen Raiffeisen-Bank) veranschaulicht. cd 7134 Obersaxen-Meierhof Fon 081 933 13 23 www.central-obersaxen.ch mo–so 8-24 Uhr (Küche 11.30–14 & 18–21 Uhr)
 geschlossen vom 11. April bis 27. Mai und 2. November bis Mitte Dezember HG Fr. 24–54

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Trouvaillen für Weinnasen: Rang 10

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Sonntag  offen

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Terrasse/ Garten

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Vor dem Oberalppass Eigentlich fühlt man sich wie in einem falschen Film – da fahren wir Richtung Oberalppass, durch Disentis mit seinem wunderschönen Kloster, und haben kaum die Idee, dass sich hier ein kulinarischer Traum erfüllen lässt. Es gibt natürlich Usterias und Pensiuns, doch plötzlich, in der Fraktion Rueras von Sedrun, steht man vor der «Posta». Kurz vor der Passhöhe des Oberalps haben sich Manuela Steffen und Corsin Cavegn ein kleines Bijou geschaffen. Stilvoll die Küche, stilvoll die Übernachtungsmöglichkeiten. Die Besitzer, die das Haus seit 2003 führen, nennen es «eine kulinarische Verführung», und dem ist nur beizupflichten. In diesem kleinen Dörfchen auf so hohem Niveau zu kochen, verdient Lob. Die Karte ist umfassend, aber nicht überladen. Es gibt ein Carpaccio vom Hochlandrind aus der Region, eine Bouillabaisse oder einen lauwarmen Ziegenkäse garniert mit süssen Datteln, sodann als Hauptgang entweder etwas aus der «vegetarischen Ecke», oder ein «Millefeuille vom Reh» oder ein «grilliertes Rindsfilet auf zartem Gemüsecapuns-Stern». Als Vorspeise wird uns ein Duett von zwei Suppen gereicht, eine Sauerkraut-Schaumsuppe mit Prosecco und Hirsch­andutgel­rondellen sowie ein Schwarzwurzel-CappuccinoTraum mit Trüffelöl – beide werden in den seinerzeit üblichen kleinen «Pfiff»-Gläsern serviert und sind einfach ein Traum. Auf der Karte wird das als «Shoot-Duett» aufgeführt – Corsin Cavegn hats getroffen. Für die Weinauswahl ist Manuela Steffen zuständig, und sie ist sehr aufgeschlossen: Da die kleine Flasche des Blauburgunders von Georg Fromm gerade fehlt, öffnet sie eine grosse und schenkt den Wein offen aus. Als Hauptgang stand auf dem Tagesmenü ein Rindsschmorbraten von Tieren aus dem Nachbarhof, der feiner nicht hätte sein können, begleitet von einem sämigen Kartoffelpüree und kleinen frischen Gemüsen. Das ist nicht nur währschaft, sondern grosse Klasse. Anstelle eines Desserts ein Kaffee – und erstaunlich für die Region, dieser Espresso verdient den Namen, das ist

zwar nicht ganz Italien, aber schon fast. cd Oberalpstrasse 217, 7189 Rueras-Sedrun
 Fon 081 949 11 26 www.posta-rueras.ch mo & di 17–24, mi–so 8.30–24 Uhr (Küche 12–14 & 18.30–21.30 Uhr, dazwischen kleine Karte), mo & di in Nebensaison und Sommer geschlossen sowie Mitte Mai bis Mitte Juni und November HG Fr. 24–49.50

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Genuss pur in den Dörfern: Rang 17

Schnaus Stiva Veglia Unter Giacomettis Augen Die Zwetschgen sind geerntet, die Aprikosen auch (10 Kilo), bei den Quitten ist es bald so weit (100 Kilo). Kirschen hätte es eigentlich auch, gab es aber in diesem Jahr nicht. Dafür duften die jetzt reifen Americano-Trauben, die für den Hausgebrauch täglich geerntet werden. Das heisst: für Saft und Sorbets. Die Americano-Trauben werden selbstverständlich auch mal zu Rehgeschnetzeltem (hiesige Jagd) und Quark-Pizokels gegeben. Aber begeistert hat uns das Trauben-Sorbet (besser als die besten im Tessin), ebenfalls das Sorbet von eigenen Aprikosen. Doch beginnen wir von vorn. Die «Stiva Veglia» in Schnaus wirkt ziemlich aufgefrischt an diesem spätsommerlichen Sonnentag. Draussen ist aufgetischt, drinnen in den Stuben ist der Boden frisch geschliffen worden, an den Wänden hängen gerahmte Fotos aus der Welt des Alberto Giacometti (Portfolio by Ernst Scheidegger), und in der Küche, die ebenfalls ein kleines Facelifting erlebt hat, wirkt neu Tino Zimmermann. Ein Koch, der nach einem Abstecher ins Unterland («Ambassador» in Zürich) in die Berge zurückgekehrt ist (früher: «Fidazerhof» in Flims). Jetzt wohnt er im gleichen Haus in Schnaus, über der «Stiva Veglia». Ein schönes Plätzchen. Abgelegen, in der Natur. Ein 200 Jahre altes Haus mit gemütlichen Stuben. Viel Holz, weisse, gestärkte Tischtücher, elegante Weingläser. Für 36 Franken wird mittags ein Dreigänger empfohlen, zu dem zwischen Vor- und Nachspeise beispielsweise ein gebratenes Saiblingfsilet an einer Sauce mit frischen Kräutern, Salzkartoffeln und Gemüsen serviert wird. Abends kommen Zimmermanns Gäste in den Genuss eines «Geniesser»-Menüs in drei oder fünf

vegetarische Gerichte

10.1.2011 18:40:52 Uhr

PaulU


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