Stadtbesetzung

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"Drifter" (2012), Wermke/Leinkauf, vertreten durch VG Bild/Kunst.


Das Gesamtprojekt STADTBESETZUNG - Urban Art wird gefรถrdert von:

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“STADTBESETZUNG” Urban Art

BETEILIGTE KÜNSTLER

“UrbanArt” ist zeitgenössische Kunst im öffentlichen städtischen Raum, die sich überwiegend unauthorisiert in vielfältigen Ausdrucksformen insbesondere mit dem Stadtraum und dem urbanen Leben auseinandersetzt. Sie hinterfragt die Bedingungen, unter denen das städtische Leben stattfindet und regt im besten Fall Diskurse darüber an, indem sie verschönert, unterhält, stört, überrascht oder irritiert. Mit dem Verbundprojekt zu diesem Thema knüpft das Kultursekretariat NRW Gütersloh an seine langjährige Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten der Kunst im öffentlichen Raum an und erweitert sie um eine aktuelle Perspektive. National und international diskutierte Künstler und Teams wurden eingeladen, in den Mitgliedstädten tätig zu werden, wobei vor allem darauf geachtet wurde, möglichst vielfältige Möglichkeiten der urbanen Interventionen vorzustellen. Dies reicht von der mittlerweile schon klassischen “Street Art” mit Graffiits und Wandbildern über experimentelle Formen der Aneignung des Stadtraumes bis hin zu eher performativen und temporären Formaten. Der für diese Kunstrichtungen wesentliche Aspekt des situativen Agierens, des spontanen, subversiven und teiweise auch unauthorisierten Handelns soll in diesem Projekt so weit wie möglich erhalten bleiben. Daher kann hier nur ein erster Überblick über mögliche Ansätze gegeben werden, das tatsächliche Geschehen soll für alle Beteiligten auch Überraschungen bereit halten. Die teilnehmenden Städte sind Ahlen, Bergkamen, Gütersloh, Lemgo, Minden, Rheine, Schmallenberg, Schöppingen und Viersen. Diese Zusammenstellung stellt lediglich eine erste Übersicht der Projektideen dar, die sich im weiteren Verlauf konkretisieren und auch verändern wird.

Benjamin Abele (SWEZA)

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Daniel Carlos Medeiros Almeida

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Stefan Brand (Brandstifter)

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Thomas Bratzke

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Markus Buttkereit

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Nikola Dicke

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Garvin Dickhof

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Andreas Gehlen/Evamaria Schaller

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Antoanetta Marinov

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Edgar Müller

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Katia Vasquez Pacheco/Mark Straeck (VELOTRAMP)

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Käthe Wenzel

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Matthias Wermke/Mischa Leinkauf

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Lars Zimmermann

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Übersicht Städte/Projekte

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Benjamin Abele (SWEZA) Die vorgestellten Ideen reflektieren den Stadtraum bzw. verbinden die teilnehmenden Städte zu einem Netz. Gemeinsam bilden die Vorschläge ein Cluster an Interventionen, das als Gesamtkonzept angesehen werden sollte. 1. Luftblasen In der Form einer städtischen Überwachungskamera befindet sich anstelle einer Kamera eine Seifenblasen-Maschine. Die formale Ähnlichkeit beider Apperaturen wird so spielerisch aufgegriffen. Anstatt möglichst versteckt zu sein, wird der Blick auf die Kameras gelenkt und die allumfassende Überwachung verdeutlicht. 2. QRadio QRadio ist eine Illustration bzw. ein Modell eines Kassettenrecorders, bei dem anstelle des Kassettenfachs ein QR Code platziert wird. Dieser führt zu zu einem Video, auf dem eine laufende Kasette Musik abspielt. Hält man nun das Smartphone vor die Illustration entsteht den Eindruck eines funktionierenden Kasettenspielers. 3. Rückspiegel Es gibt in Ahlen, Lemgo, Gütersloh und Minden an zentralen Plätzen Webcams. An diesen Plätzen werden QR-Codes anebracht, die auf die jeweiligen Webcams verlinken. Scannt nun ein rezipient diese QR Codes, wird er sich selbst auf seinem Smarthone Bildschirm betrachten können. 4. Klangreflektion An versteckten Orten im Stadtraum werden Töne aufgenommen mit denen ein Musikstück komponiert wird. Diese Musikstücke werden danach wieder in den Stadtraum gebracht. Dies passiert über kleine Lautsprecher die vorort installiert werden. Es ist geplant, die Lautstärke gering zu halten damit die Töne "entdeckt" werden können. Zum Beispiel könnte man so eine Klanginstallation unter einer Parkbank anbringen. Diese wird dann erst wahrgenommen, wenn man zur "Ruhe" kommt.

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About: Sweza ist einvor allem in Berlin und Bologna bekannter Street-Art Künstler, der seit Jahren analoge Graffitis mit digitaler Technik kombiniert. http://sweza.com


CCTVan Ein modifizierter Kompaktvan mit drei CCTV-Kameras auf jeder Seite des Lagerbehälters (links, rechts und hinten) fuhr durch London, wobei er seine Umgebung auf riesigen Flatscreen-TV-Geräten auf jeder Seite des Wagens reflektierte. Das Ziel war eine Art von Street View Fahrzeug, ähnlich wie sie Google Maps verwendet, um Bilder von urbanen Räumen auf der ganzen Welt zu sammeln. Die “Stadt-Reflexionen" versetzen die Stadt in Bewegung.

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Daniel Carlos Medeiros Almeida (Künstlerischer Berater Stephan Geisler) Das Projekt des Tänzers und Choreografen Daniel Medeiros möchte UrbanArt als Erfahrung, als Moment begreifbar machen, als Mischung aus Installation und Bewegung. Nach der Durchführung ist die für Passanden physisch nicht mehr sichtbar, gegebenenfalls nur duch Videoaufnahmen später nochmals installierbar. Das Urban-Art rojekt Bergkamen soll mit den Mitteln arbeiten, die in der Stadt vorhanden sind in Form von Orten, Historie, Fragmenten des städtischen Lebens und der Menschen und gesellschaftlichen Gefüge. Kernideen: 1. Drei Orte Nach der Gründung der Stadt Bergkamenm durch die Eingemeindung verschiedener kleinerer Orte sollte zur auch menalen Vereinigung der beteiligten Dörfer ein gemeinsamer Stadtkern entstehen (geografische Mitte). Bergkamen hatte nach demBau der sogenannten “City” 500 m neben dem eigentlichen Stadtkern “Nordberg” immer das Problem zweier Zentren, die nicht zusammenwachsen wollten. Die drei Austragungsorte sollen sich genau auf diese Kluft beziehen: 1. Busbahnhof (City), 2. Teilstück der verbindenden Straße, 3. Marktlatz (Nordberg) 2. Requisiten a) zur Zeit der Bilderbasare in Bergkamen gab es eine Aktion “Tausche Schinken gegen Kunst”. Hier hatten die Bürger die Möglichkeit, ihre sogenannten “Alten Schinken” (röhrende Hirsche etc. gegen Druckgrafiken zeitgenössischer Künstler einzutauschen. Rund 400 Bergkamener nutzten diese Chance. Die in den Kellern des Stadtmuseums gelagerten “Schinken” sollen hier in neuer Form zum Einsatz kommen. b)30-40 gebrauchte Sofas sollen bei den Performances zumEinsatz kommen. 6

3. Die Akteure: Die akteure sollen sich aus Tänzern, aus Semiprofis und aus tänzerisch nicht aktiven Menschen zusammensetzen. Für die drei Orte gibt es bisher folgrnde grobe Arbeitskonzepte: 1. Tag - Busbahnhof - nachmittags Drei Tänzer installieren die sogenannten Schinken auf dem Boden, anschließend bieten sie in der selbst aufgebauten Installation eine Tanzperformance. 2. Tag - Verbindungsstraße - abends - Dunkelheit Installation aus 1-15 Sofas im Straßenbereich und 50 - 80 “alten Schinken”. Drei Tänzer und 15-20 Semiprofis aus der Stadt führen eine Tanzperformance auf unter Hinzunahme von Licht. 3. Tag - Marktplatz - tagsüber Installation aus 200 -300 “Alten Schinken” auf dem Boden des Marktplatzes mit Gängen dazwischen als tanzbare Bereiche. Zum Einsatz kommen alle Tänzer des Vortages plus 10-20 Bürger der Stadt. die Sofas sollen erneut plaziert werden, möglichst mehr, um den offenen Raum des Marktplatzes visuell zu füllen.

Das Projekt findet statt in Bergkamen.


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Thomas Bratzke Projektvorschlag I: Superstadt Hier wird die Vision einer Superstadt aus allen am Urban-Art-Projekt teilnehmenden Städten entwickielt. Die ökonomische, politische und kulturelle Stärke aller beiteiligten Städte addiert sich in einer neu zu schaffenden visionären Stadt. Die bisherigen Staädte entwickeln sich zu Stadtteilen mit eigenem Profil, es wird ein Konzept für die Verbindung und das Zusammenwachsen der Superstadt entwickelt. Die Umsetzung geschicht vor allem in Form von Werbemaßnahmen wie Großplakaten und eines Werbeheftes im Magazinformat. Projektvorschlag II: Skulpturpolis Eine Gruppe von Kindern oder Jugendlichen entwirft, baut und präsentiert Skulpturen im Stadtraum ihrer Stadt unter Anleitung und Begleitung des Künstlers. Im Vordergung steht die Arbeit mit Fundmaterial, Katrografie und Archivierung sowie die gemeinsame Erörterung der Begriffe Polis, Öffentlichkeit und Ästhetik. “Als Künstler ist es mir wichtig, die Stadt als Raum auch ohne eine zeitliche oder geographische Ankündigung - und somit nur begrenzt vorhersehbar für den Betrachter - künstelrisch zu transformieren. Ich kann Ort und Zeit eines Werks selbst bestimmen und einen Ort ohne Aufforerung , ähnlich eines unvermittelt einsetzenden Regens, versuchen zu transformieren. Das verstehe ich als Teil der positiven Kraft von Kunst: Sie ist immer da, auch in anderen “Aggregatzuständen” als denen, die wir in Museen und Galerieen erleben. Aus dieser Position heraus, also Kunst als einen selbstverständlichen Faktor des Lebens zu erkennen, der uns genauso umgibt, wie Luft und Wasser, entwikkelte ich auch die Überzeugung, dass meine Kunst von anderen Personen entfernt und verändert werden darf oder einfach vergeht.... Die Wahrnehmung von Kunst und ihre gegenwärtigen Regeln zu hinterfragen, die Wahrnehmung der Stadt und ihre gegenwärtigen Regeln zu hinterfragen, das erzeugt aus meiner Sicht Energie.” (Thomas Bratzke) 8

Vita Thomas Bratzke: geb. 1977 1999-2005 Studium der Bildhauerei und freien Kunstan der Kunsthochsschule Berlin Weissensee. 2006 Meisterschüler von Berndt Wilde. Arbeitsaufenthalt in New York. 2007 Förderpreis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung: Stipendium Villa Vigoni, HAP-Grieshaber-Stipendium Reutlingen. 2009 Kunststudium an der UDK Berlin mit Schwerpunkt Kunst im öffentlichen Raum und Partizipation. 2013 Stipendium Kunst und Energie Künstlerdorf Schöppingen. seit 2014 lehrt Thomas Bratzke an der Kunsthoschschule Halle-Burg Giebichenstein im Fachgebiet Kunstpädagogik “Praxis künstlerischer Kunstvermittlung”. http://www.thomasbratzke.com/ http://ritschezast.com/


Thomas Bratzke und Richard Koch: „Ritsche & Zast“, Performance, 2005.

Thomas Bratzke: The City of Names, 205 in Berlin-Kreuzberg.

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Stefan Brand (Brandstifter) Asphaltbibliotheque- Ein Interdisziplinäres Projekt mit Fundzetteln "Wer findet, der sucht" Leben und Arbeiten gehen für Brandstifter eine enge Symbiose ein, so dass zum Beispiel der Gang zum Bäcker durch das Auflesen eines fremden Einkaufszettels schon in Kunst ausartet. “Asphaltbibliotheque” ist nicht nur die Bezeichnung seiner Sammlung von Fundzetteln, sondern nach § 1 der "Benutzungsordnung" auch alle öffentlichen Straßen und Plätze, auf denen die Exponate gesucht und gefunden werden. Das bewusste Aufheben, Aneignen, Archivieren und Ausstellen der herrenlosen Zettel durch den Asphaltbibliothekar stellt nicht nur einen künstlerischen Schöpfungsakt dar, sondern ist gleichzeitig öffentliche Performance, die sowohl als Anknüpfungspunkt für spontane Kommunikation mit neugierigen Passanten als auch mit Besuchern einer Ausstellung dienen kann. Die Asphaltbibliotheque 1998 - 2008 Ist es 1998 in der Mainzer Galerie Walpodenstraße 21 noch ein Laubbläser, mit dem Aktionskünstler Brandstifter dem Publikum großkopierte CopyArt- Fundzettelrepliken um die Ohren bläst, entwickelt er 2001 für eine Ausstellung in Münster ein interaktives "Austauschbüro für Fundzettel", in dem mittels Fotokopierer, Stempeln und Zertifikaten in einer bürokratischen Aktionsperformance Fundstücke mit interessierten Besuchern ausgetauscht werden. In Eckernförde, Frankfurt, Hannover und Offenbach entstehen für Einzel- und Gruppenausstellungen enorme Zettelwände, an denen Originalexponate durch spielerische Kombination untereinander jeweils neue Verknüpfungen und Interpretationen erfahren. Landartinstallationen in Ludwigshafen, "Fundzetteldepots" in den Straßen von Berlin- Gropiusstadt 2004 und ein fließender "Fundzettelbach" für die Blickachse 2006 in Worms bringen die A.B. 10

schließlich immer wieder in den öffentlichen Raum zurück. 2007 Beteiligung an den Gruppenausstellungen für Anonyme Zeichner in Berlin. 2008 ein Stipendium im Künstlerdorf Schöppingen mit Vorträgen und Filmvorführungen zum zehnjährigen Jubiläum des interdisziplinären Konzepts und 2009 eine Ausstellung mit gefundenen Zetteln in und aus New York, während eines Balmoral Stipendiums als Artist in Residence. Vita Stefan Brand: Geboren in Bad Kreuznach. Interdisziplinäres Amalgam. Der erste Vorsitzende des Mainzer Kunstvereins Walpodenstraße 21 e.V. ist Bildender-, Buch-, und Aktionskünstler. Desweiteren ist er Autor und Mitglied verschiedener Musik- und Performancegruppen in Deutschland und New York tätig. Brandstifter lebt und arbeitet in Mainz. Preise und Stipendien 2012 Sandarbh International Residency Partapur, Rajasthan, Indien 2009 Aufenthaltstipendium des Landes Rheinland-Pfalz für New York 2008 Aufenthaltsstipendium Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, NRW 2005-8Existenzgründungszuschuss, Bundesagentur für Arbeit 2001 Otzenrath-Stipendium, Hausmuseum Otzenrath 1981 Jugendschützenkönig, Langenlonsheim


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Markus Butkereit Rainmural Part 1 Abstractes Wandgemälde

Vita Markus Butkereit: 1976 geboren in Berlin, tätig als freier Künstler in Ausstellungen und im öffentlichen Raum.

Intention: Es soll ein abstraktes Wandgemälde erschaffen werden, welches nur http://markusbutkereit.de/ durch weniges hinzutun meinerseits entsteht. Es werden nur wenige Handgriffe getan und ich gebe nur den Impuls. Von mir werden die Rahmenbedingungen geschaffen. Die eigentliche Arbeit wird von dem Regen übernommen. In diesem Fall geht die menschliche Arbeit eine Synthese mit dem Naturphänomen des Regens ein und entwickelt in Abhängigkeit voneinander eine neue Einheit, hier ein abstraktes Wandgemälde. Es wird hierbei das menschliche Verhalten, die menschliche Arbeit, in den Hintergrund gestellt, und die eigentliche Arbeit dem Regen überlassen. Umsetzung: Es werden die Regenrinnenabflüsse (Fallrohre) mit Bauschaum oder ähnlichen Material verstopft. Es wird keine bauliche Veränderung vorgenommen. Alle Materialen können nach Beeindigung der Arbeit ohne Ruckstände entfernt werden. In die Regenrinne wird flüssiges Pigment (Mixol) gefüllt. Die Regenrinne wird mit Frischhaltefolie abgedeckt und fixiert, um das austrocknen des flüssigen Pigments zu verhindern. In die Frischhaltefolie werden kleine Löcker gestochen, so dass, wenn es zu regnen anfängt, sich die Regenrinne trotzdem mit Wasser füllt und sich das Wasser mit dem Pigment vermischt. Wenn die Regenrinne vollständig mit Wasser gefüllt ist, läuft das Regenwasserpigmentgemisch über, weil durch das Verstopfen der Fallrohre das Abfließen verhindert ist. Das überfließende, eingefärbte Wasser wird die Fassade hinabfließen, sich verteilen und auf ihr Spuren hinterlassen. Es kann nicht genau vorher gesagt werden welche Muster sich auf der Fassade ergeben, abzeichen werden. Markus Butkereit: Poste Italiane; rechts: Two Shots. 12


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NIKOLA DICKE “GRAFFITI-MOBIL” Das Graffiti-Mobil ist sowohl bewegte Licht-Installation als auch fahrendes Atelier. Nikola Dicke reist in ihrem Graffiti-Mobil, das mit diversen Projektoren ausgestattet ist, durch Europa und verwandelt Fassaden, Mauern und Orte in ephemere Kunstwerke. Dazu zeichnet sie vor Ort auf geschwärzte Glasscheiben, durch die dann das Licht fällt und die gezeichneten Linien auf den Projektionsflächen sichtbar macht. Die Besucher können die Entstehung der Zeichnung auf der Fassade verfolgen und am künstlerischen Prozess teilhaben. Meist erzählen die Zeichnungen eine Geschichte zum Ort, dessen Bewohnern und Historie. Mithilfe der Zeichnung spürt Nikola Dicke die Besonderheiten eines Ortes auf, oder wie ein Besucher einer ihrer Licht-Zeichnungen es formuliert: "Sie lauscht den Steinen."

VITA: Geboren 1971 in Witten a. d. Ruhr, lebt in Osnabrück. 1990 - 2000 Lehramtsstudium an der Kunstakademie Münster 2000 - 2004 Studium der Freien Kunst an der Kunstakademie Münster bei Ludmilla von Arseniew und Michael van Ofen 2004 Meisterschülerin, Akademiebrief seit 2006 freischaffende Künstlerin seit 2011 Lehrauftrag für Zeichnung an der Hochschule Osnabrück

Mehr dazu: www.graffiti-mobil.de www.nikoladicke.de 14


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Garvin Dickhof In der Arbeit "Die Kugel" setzte sich Dickhof mit der Waldhausenerstraße in Mönchengladbach auseinander. Die Reihe der Wohnhäuser, Restaurants und Bars verwandelte sich in eine Rille, in welche etwas fallen gelassen wurde, nämlich eine Kugel aus Malervlies mit einem Durchmesser von 8 Metern. Im Rahmen der "Stadtbesetzung" wird er "Gewächssteine" in der Innenstadt anbringen: Ein Pflasterstein wird aus dem Verbund entnommen und gegen eine Glasplatte ausgetauscht. Unter dieser wird in einem Hohlraum eine Pflanze eingesetzt. Diese erzeugt in diesem Raum ihr eigenes Klima und bringt Grün in das Grau des Bodenbelags.

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Vita Garvin Dickhof Der in Viersen lebende Künstler Garvin Dickhof (*1981) realisierte bereits mehrere temporäre Arbeiten im öffentlichen Raum. Neben seinem Studium (Design Projects) ist er seit 2006 als freier Künstler tätig. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen schlichte Materialien wie Gliedermaßstäbe, Mundspatel, Malerabdeckvlies oder Holzklötze, die er aus dem Alltag herausreißt und häufig in einer sorgfältig arrangierten Akkumulation zusammenbringt. Auch der Betrachter wird damit dem Gewöhnlichen entrissen und mit einer neuen überraschenden Realität konfrontiert und zum Perspektivwechsel aufgefordert.


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Andreas Gehlen/Evamaria Schaller _|__ ist ein auf Modularität und Mobilität ausgelegtes Projekt, das in jede Stadt und an jeden Ort transferierbar und in kürzester Zeit aufund abbaubar sein wird. Vom sontanen objekthaften Flashmob bis zur längerfristigen Installation und einer skulpturalen Einschreibung in den städtischen bzw. ländlichen Um/Raum. MATERIAL Eine zusammensteckbare, auf Modularität ausgelegte Konstrukiton aus Edelstahl generiert eine Art Rahmenträger. der durch simple Rollen Mobilität erhält. In diese Konstruktion, ähnlich eines teleskopartigen Antennen-Schienensystems, werden dünne, mit Tafellack gestrichene Holz-bzw. Papp-Platten eingeschoben - oder können durch angedockte Greiferarme mit am Ende befindlichen Krokodilsklammern zum Halten gebracht werden. Die Konstruktion kann in jeglicher Form vergrößert, verkleinert, verschoben oder ziehharmonikagleich - ausfahrbar/ausziehbar behandelt werden.

Flächen kann eine neue narrative Form um die besonderen architektonischen oder menschlichen Komponenten einer Stadt entstehen lassen. Es ist eine Art Schattentheater, eine Kulisse einer Stadt, die jederzeit erweiter- oder rückführbar und auf Rollen durch die Stadt bewegbar ist. Somit entstehen automatisch neue Zusammenhänge, wenn bekannte Elemente an andere Orte angedockt werden. Die Installation tritt in Interaktion mit den Menschen, wenn diese selbst ihre Stadt auf Rollen mit uns gemeinsam bewegen und somit umstrukturieren. VITA EVAMARIA SCHALLER 1980 geboren in Graz, AT 2001 - 2002 Academy of Photography, Graz, AT 2002 - 2006 MultiMediaArts Diplom an der University of Applied Sciences Salzburg, AT 2004 - 2005 FAMU, Prag, CZ 2007 - 2011 Postgraduate studies, Kunsthochschule für Medien, Köln Evamaria Schaller arbeitet als Performance-, Video/Film-Installation Künstlerin in Deutschland und Österreich. http://www.efeumaria.com/

UMSETZUNG In der jeweiligen Stadt wird ein Ort, ein besonderes architektonisches Merkmal, Wahrzeichen oder auch eine Person des Ortes/der Ortsgeschichte recherchiert oder behandelt. Von diesen Objekten/Menschen werden durch schnelle Handgriffe simple Scherenschnitte lorcker abgenommen, wie eine Art Schattenriss. Die Kontur, der Schattenwurf oder andere signifikante Merkmale sind ebenfalls von Interesse. Der Auf- und Abbau ist gleichzeitig eine performative Handlung, mit der die Einschreibung in den Ort und damit eine Erweiterung der Ortsgeschichte, Architektur etc. vorgenommen wird. Zwei Bildabnehmer/Performer installieren bzw. begleiten die Aktion und animieren gegebenenfalls die zuschauer zu einem aktiven Beitrag. Wir interagieren mit den Schablonen durch Kreidezeichnungen oder Einschreibungen. diese zeichnerische Komponente auf den Tafellack18

VITA ANDREAS GEHLEN 1969 geboren in Bonn 1970-1983 aufgewachsen in Chile, Jugoslavien, Rumänien und Spanien 1996-2003 Studium der Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig bei Mara Mattuschka, Thomas Virnich, Raimund Kummer und Tomas Schmit 2003 Meisterschüler bei Prof. Walter Dahn, freischaffender Künstler 2004 Stipendiat der Kunststiftung NRW auf Schloss Ringenberg 2006-2008 Kuratorische Arbeit im Team der Simultanhalle Köln 2009 Gaststipendium der Stadt Hamburg. http://www.andreasgehlen.com


Evamaria Schaller: Eine Fledermaus legt Eier, ortsspezifische Videoperformance, Yppenplatz, Wien, 2014.

Evamaria Schaller: Wannenauto, ortsspezifische Videoperformance, Yppenplatz, Wien, 2014.

Andreas Gehlen: Sunburned & Snowblind, 2003. Spanngurte, Spanplatte, Rubinienholz, Spray, Lackfarbe, anlässlich der Ausstellung Sunburned & Snowblind in der Simultanhalle, Köln mit Kalin Lindena, 10 x 10 m.

Andreas Gehlen: Golukego IV 1/2, 2004. Holzlatten in zwei verschiedenen Stärken, Neonleuchten, Schwarzlicht, bunte Folie, Spiegelfolie, anlässlich einer Gruppenausstellung in der Galeria Cesare Manzo, Pescara, Italien unter dem Kuratorium von Luigi Fassi.

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Antoanetta Marinov “Give and Take” Give and Take ist ein Objekt in Schrankform, das an mehreren Orten im öffentlichen Raum zu finden ist. Seine Form und die Beschriftung "Give and Take" machen aus ihm ein erkennbares bzw. wieder erkennbares Objekt: mann kann Dinge zu Weitergabe hineinlegen oder welche mitnehmen. Give and Take verfügt über eine stabile archaische Ausstrahlung mit seiner reduzierten, minimalistischen Form. Es ist aus dunkel lackierten holz gebaut. Durch die offene und reduzierte Form des Schrankes stehen die Objekte nicht nur zu Verfügung, sondern auch zur Schau. Ein Begeleittext soll dafür sorgen, das Give and Take der Ort für Geschenke, Gaben und Tauschobjekte wird.

Vita: Antoanetta Marinov Lebt und arbeitet in Berlin. 1990-1998 Studium Anglistik und Germanistik in Rom und Freiburg. 2001-2006 Studium der Bildenden Kunst bei Ernst Caramelle, Leni Hoffmann und Silvia Bächli an der Akademie der Bildenden Kunst Karlsruhe. 2007 Meisterschülerin von Silvia Bächli. http://www.antomarinov.de

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Antoanetta Marinov: Give and Take, Bocholt. 21


Edgar Müller Seit einigen Jahren steht die Kunstform der 3D-Straßenmalerei im Mittelpunkt der Arbeit von Edgar Müller. Müller nutzt eine reduzierte Bildsprache. Ziel seiner Bemalung öffentlicher Plätze ist es, diesen ein neues Erscheinungsbild zu geben und die Wahrnehmung der Passanten zu hinterfragen und herauszufordern. Diese werden mitten im Alltag selbst zum Teil des Bildes und der erzeugten Illusion. (Weitere Informationen und Beispiele: www.metanamorph.com) In Viersen wird Edgar Müller einen öffentlichen Platz durch ein großformatiges 3D-Gemälde verändern. Das Projekt wird begleitet durch einen Workshop zur Straßenmalerei für Jugendliche. Die beteiligten Künstlerinnen und Künstler werden zudem vom 29.08.11.10.2015 im Rahmen einer Ausstellung in der Städtischen Galerie im Park Einblicke in ihre Arbeit im Bereich der Urban Art geben, hier kommen noch mehrere Graffiti-Künstler hinzu, u.a. Michel "Cren" Pietsch aus Berlin, die im letzten Jahr ebenfalls im Rahmen eines Projektes in Viersen tätig waren.

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Vita Edgar Müller: Der namhafte Straßenmaler Edgar Müller wurde 1968 in Mülheim an der Ruhr geboren und wuchs in Straelen am Niederrhein auf. In der Nachbarstadt Geldern findet seit 1979 jährlich das "Internationale Festival der Straßenmaler" statt, verbunden mit einem Wettbewerb, an dem Edgar Müller sich 1984 erstmals beteiligte und den er drei Jahre später bereits gewann. Seit der Mitte der 1990er Jahre widmet sich Edgar Müller ausschließlich der Straßenmalerei und ist international tätig. Er ist Mitorganisator verschiedener Straßenmalerfestivals und eröffnete das erste Internetforum für Straßenmaler.


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KATIA VÁSQUEZ PACHECO UND MARK STRAECK: VELO TRAMP VELO TRAMP ist ein Projekt von Katia Vásquez Pacheco und Mark Straeck. Es handelt es sich bei VELO TRAMP um einen zur mobilen Galerie umgebauten Fahrradanhänger, mit dem die Künstler zu unterschiedlichen Themen im öffentlichen Raum unterwegs sind. Dabei übernimmt der Anhänger sowohl die Funktion einer Fläche zur Kunstvermittlung, als auch einer wandelbaren Rauminstallation. Mit dem Projekt VELO TRAMP unternimmt das Künstleruo den Versuch, Kunst und Urbanität spielerisch miteinander zu verknüpfen. Formal können Ausstellungen einen dokumentarischen, als auch abstrakten und prozesshaften Charakter haben. Das VELO TRAMP PROJEKT befindet sich auf der Suche nach einem gesellschaftlichen Dialog und möchten jeden einladen, sich kreativ mit den Fragen unserer Zeit zu befassen und einzubringen. Gemeinsam sollen alternative Lebenskonzepte durchdacht, der urbane Raum erobert und ein aktives Verhältnis zu den uns umgebenen Dingen ermöglicht werden.

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VITA: Mark Straeck und Katia Vásquez Pacheco leben in Berlin. Mehr dazu: http://velotramp.com


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KÄTHE WENZEL Projektvorschläge: Lemgo: Zeichen-Internet- und Wanderweg zur Beziehung von Schloss Brake und Stadt Lemgo. Schmallenberg: “Tag und Nacht-Zeichnen” gemeinsam mit Nikola Dicke In Zusammenarbeit mit der Bevölkerung von Schmallenberg entstehen temporäre Zeichnungen, wobei Käthe Wenzels Zeichnungen tagsüber zu sehen sind und die von Nikola Dicke nachts. Minden und Gütersloh (evtl.) : Umwidmungs-Schilder-Projekt “Parallelgeschellschaft Utopia” Hier werden von der Künstlerin oder auch in Workshops, z.B. mit Jugendlichen, Schilder zur Anbringung im öffentlichen Raum entwickelt, die die bestehenden Beschilderungen umwidmen und um neue Aspekte erweiteren.

VITA: Käthe Wenzel wurde in Aachen geboren, sie lebt in Berlin. Studium in Marburg, Florenz und Berlin. Vertretungsprofessur Art and Art History an der Jacobs University Bremen 2012, Visiting Professor an der School of Visual Arts in New York 2009/10 sowie Lehraufträge an der Universität für Angewandte Kunst in Wien, Universität Flensburg, HTW Berlin, International Jacobs University Bremen. Mehr dazu: http://www.kaethewenzel.de www.cartoonorama.de

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Käthe Wenzel: Cartoonorama. Eine ausgeschilderte Route bindet die Zeichnungen zurück an den Stadtraum: Am Schild lassen sich Realität und Möglichkeit abgleichen analog oder per QRZugang ins Netz.

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WERMKE/LEINKAUF "Ich war elf Jahre alt, als die Mauer fiel. (...) Im Osten war die Mauer grau. Eine rot-weiße Absperrung mit einem ‚Betreten verboten!'-Schild stand davor. Die Westseite der Mauer war im Gegensatz dazu bunt bemalt. Das war einer der ersten Unterschiede, die ich wahrnahm. (...) Ich erinnere mich an Bilder der Flucht vor dem Mauerfall. (...) Alle diese Menschen haben eine Grenze überschritten. Auch wenn ihre Fluchtversuche gescheitert sind, waren sie im Moment der Flucht wirklich frei. Ich interessiere mich in meiner Arbeit für diesen Moment." Matthias Wermke In den letzten Jahren haben Matthias Wermke und Mischa Leinkauf zusammen an einem romantischen, bisweilen - im doppelten Sinn untergründigen Werk gearbeitet, das den oben beschriebenen Moment der Freiheit für sich reklamiert, thematisiert und zelebriert. Ihre Arbeitsweise ist zu einem großen Teil illegal: Durch temporäre Aktionen und Interventionen nehmen sie unseren öffentlichen Raum in Besitz und ignorieren geflissentlich die Vorschriften, die unseren Umgang mit ihm regeln. Man kann die Aktivitäten des Duos ‚PostGraffiti' nennen, insofern sie auf die Prinzipien des Graffiti zurückgreifen, diese aber gleichzeitig durch methodische Modifizierung sowie die Nutzung anderer Medien diversifizieren und so den Dogmatismus eines auf Style-Writing fokussierten Formalismus weit hinter sich lassen. Bei ihren Aktionen handelt es sich um subversive Possen in der widerspenstigen und verspielten Debord'schen Tradition der dérive, doch bildet in ihrem Fall das Rahmenkonzept präziser Planung und Ausführung das Gegengewicht zur Unmittelbarkeit und Spontaneität des nächtlichen Sich-treiben-Lassens. (Auszug aus Xander Karskens: Romantische Subversion: Prozesse des Dazwischen-Seins.)

Wemke/Leinkauf: Drifter, 2012.

Vita Matthias Wermke: Geboren 1978 in Berlin, lebt in Berlin. Studium der Freien Kunst an der Kunsthochschule Berlin Weißensee, Diplom 2011. Vita Mischa Leinkauf: Geboren 1977 in Berlin, lebt in Berlin. Regisseur, Kameramann, Cutter, 2012 Diplom an der Kunsthochschule für Medien, Köln. Weitere Informationen unter: http://www.wermke-leinkauf.com

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Lars Zimmermann Projektvorschlag: Urban Hacking zur Nachhaltigkeit Urban Hacks können in mehreren Städten installiert werden. Es sollten individuelle Hacks für die Städte entstehen, die auf das reagieren, was bereits da ist. “Vor einigen Tagen habe ich dieses Projekt diskutiert mit meinem Open-It-Agency-Kollegen, dem Erfinder, Hardware-Hacker & HumanNerd-Interactor Alex Shure. Uns ist schnell klar geworden, dass es relativ leicht ist, eine große Anzahl Ideen für urbane Interventionen, Installationen oder Hacks zu machen. Aber das ist nicht, was uns wirklich interessiert. Stattdessen gibt es eine Frage, die uns viel mehr interessiert: Wie wäre die Stadt, wenn sie selbst und alles darin vollständig Open Source wäre? (Von den physischen Dingen wie Verkehrsinfrastruktur, Gebäuden und Produkten bis hin allen Datenströmen, die fließen.) Und plötzlich kam unser Fluss von Ideen ins Stocken, wurde sehr viel zähflüssiger. Dann das ist eine wirklich komplexe und schwierige Frage, – und darum eine großartige! Ich werden diesen Sommer dazu arbeiten, versuchen, diese Frage zu explorieren, voranzutreiben, zu illustrieren und stark zu machen mit urban Hacking.” (Lars Zimmermann) http://bloglz.de/what-would-the-city-look-like-be-like-if-everything-wereopen-source/

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Vita Lars Zimmermann: Lars Zimmermann arbeitet als Künstler, Projektemacher und Wissenschaffer in Berlin darüber, wie das Internet unsere Wirtschaft neu gestaltet. Aktuell beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten von Open Source für die Entwicklung einer ökologischen Wirtschaft, ökologischer Unternehmen und regenerativer Produkte im Projekt OWi Offene Ökologische Umwelt.


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Ahlen Bergkamen Daniel Medeiros, 21./22./23.08.2015 Stefan Brand 13.07.2015 Stadtbegehung (1-2Tage) (Brandstifter) August: Ausstellung Asphaltbibliothque Gütersloh Nicola Dicke Käthe Wenzel

18.09.2015 / 01. oder 02.10.2015 14.-18.09.2015

Lemgo Käthe Wenzel: 1 Woche in der Zeit 06.-17.07.2015 Eröffnung des Weges zum Schloss Brake am 26.09.2015, 15.30 Uhr Minden derzeit noch in der Planung, vorgesehen sind: Dicke, Wenzel, Zimmermann, Marinov Rheine Schmallenberg Schöppingen ist Residenz für die Künstler im August und September, will bisher nicht gebuchten Künstlern Möglichkeit in Schöppingen oder in anderen Projekt- oder Kultursekretariatsstädten schaffen. Viersen Edgar Müller, Käthe Wenzel, Wermke/Leinkauf 06.-12.09.2015 Ausstellung Stadtbesetzung 29.08. - 11.10.2015

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