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HEUKELBACH KLASSIKER DIE BIBEL VERSTEHEN – GOTT ERFAHREN – DAS LEBEN MEISTERN

Bevorstehende Ereignisse


Das Missionswerk Heukelbach arbeitet 체berkonfessionell, distanziert sich von allen Sekten und hat als Grundlage allein Gottes Wort, die Bibel. Wir werben keine Mitglieder. Allein die gute Nachricht von Jesus Christus soll verbreitet werden. Diese Brosch체re ist unverk채uflich und darf nur kostenlos weitergegeben werden! Bei Postwurfsendungen bitte Hinweise auf den Briefk채sten beachten!

IMPRESSUM Herausgeber und Copyright: Stiftung Missionswerk Werner Heukelbach, 51700 Bergneustadt, Deutschland Text: Josef Kausemann Druck: BasseDruck, 58135Hagen Auflage-Nr.: SK10 5 1206 4


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Bevorstehende Ereignisse


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Vorwort Über die biblische Prophetie gibt es ausreichend Literatur. Für viele sind dennoch die prophetischen Bücher der Bibel oft sehr schwer zu verstehen. Kurz: Man braucht verständliche Anleitung, damit man die Grundzüge göttlicher Wahrheiten richtig einordnen kann. Unsere Leser sollen vor Verwirrung und Irrtum bewahrt bleiben. Schließlich sind uns das Buch der Offenbarung und andere prophetische Bücher zum segensreichen Gebrauch von Gott geschenkt. Der Verfasser dieser Broschüre, Josef Kausemann, ein langjähriger Mitarbeiter in unserer Radiomission, hat einen kurzen Überblick über die Prophetie der Bibel erarbeitet. Diese Broschüre spricht jeden Leser an, den Gleichgültigen und den, der sich über die lebendige Hoffnung in Christus freut. Tatsächlich, man wird beim Lesen zu großer Treue und verbindlicher Nachfolge ermutigt. Vielen Radiohörern und Freunden der Schriftenmission geben wir diese Broschüre in die Hand und verbinden damit reiche Segenswünsche. Missionswerk Werner Heukelbach


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Wächter, wie weit ist‘s in der Nacht? Unser Leben ist in die Endzeit gefallen. Große Umwälzungen, die auf allen Gebieten stattfinden, lassen uns erkennen, dass wir in das Zeitalter des Übermenschen eingetreten sind. Technisierung und Automatisierung schreiten fort. Was heute hochmodern ist, ist morgen schon wieder veraltet. Raumschiffe durchrasen das Weltall, und Menschen schreiten auf dem Mond. Das Sicherheitsauto wird entworfen, und die Weltmeere werden durchforscht. Auf allen Gebieten arbeitet die Wissenschaft auf Hochtouren. Auf dem Boden der Medizin wird Erstaunliches geleistet. Organe werden verpflanzt, Seuchen werden durch Wunderdrogen gebannt; Vitamine werden gespritzt, und fieberhaft sucht man das Geheimnis des Lebens zu entdecken. Der Traum des Menschen, das verlorene Paradies wiederzufinden, scheint in Erfüllung zu gehen. Doch es ist ein großer Trugschluss, dem die Menschen zum Opfer fallen. Die Wirklichkeit ist ganz anders. Hinter allem Geschehen steht der Ränkespieler Satan, der sie täuscht und in seiner Taktik die Dinge benutzt, um die Menschen noch fester an das Irdische zu binden. Die Errungenschaften benutzt er als Blendwerk, damit sie nur nicht den Ernst der Zeit erkennen, in der sie leben. Noch immer gaukelt er ihnen das alte Märchen vor: Ihr werdet sein wie Gott! Dieses Trugbild stand ja schon immer als ersehntes Ziel vor den Blicken einer gottlosen Menschheit. In unseren Tagen der Endzeit erfüllt diese Wahnidee das Hirn von vielen. Die Gottlosigkeit steigert sich immer mehr, bis die Vermessenheit des Menschen in dem Worte der Bibel gipfelt: „…der Mensch der

Sünde …, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt“ (2. Thessalonicher 2,4). Diesem Höhepunkt der Gotteslästerung strebt alles zu, und somit eilt die Welt dem furchtbaren Gottesgericht entgegen. Die Bibel nennt diese Zeit der wachsenden Gottentfremdung „die letzten Tage“. „Das aber sollst du wissen, dass in den letzten Tagen schlimme Zeiten eintreten werden. Denn die Menschen werden sich selbst lieben, geldgierig sein, prahlerisch, überheblich, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, unheilig, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, gewalttätig, dem Guten Feind, Verräter, leichtsinnig, aufgeblasen; sie lieben das Vergnügen mehr als Gott; dabei haben sie den äußeren Schein von Gottesfurcht, deren Kraft aber verleugnen sie“ (2. Timotheus 3,1-5). Erfüllt sich dieses Gotteswort nicht in unseren Tagen? Hat Gott nicht in diesem Wort ein schauriges Gemälde von dem Zustand des Menschen von heute entworfen? Er will frei sein von jeder Bevormundung vonseiten Gottes. Alles, was Gott für die menschlichen Lebensbeziehungen an Ordnungen gegeben hat, ist über den Haufen geworfen worden. Die biblische Orientierung ist als veraltet abgeschafft. Nur das Diesseits wird bejaht. Da Gott abgeschafft ist, ist der Mensch selbst seines Glückes Schmied. In den armseligen Freuden der Welt sucht er aber vergebens nach diesem Glück. Was die Welt bietet, führt eines Tages zum Überdruss. Wir sind zu Höherem bestimmt, und an den wirklichen, ewigen Werten, die nur in Gott liegen, lebt der törichte Mensch vorbei. Was ihn wirklich


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beglücken könnte, sagt der Dichter in folgenden Versen: Ach, könnt‘ ich doch von dir einmal erfüllt, o Ew‘ger, werden. O diese lange, tiefe Qual, wie dauert sie auf Erden. Ach, ich bin des Treibens müde, was soll all der Schmerz, die Lust? Süßer Friede, komm, ach komm in meine Brust! Mancher Mensch hat ja einen Schein von Gottseligkeit – so sagt die Bibel – also eine religiöse Form, aber sein Tun und Lassen erbringt den Beweis, dass er kein Leben aus Gott kennt und besitzt. Furchtbar sind die 18 Merkmale, die das Wort Gottes als Zeichen der Endzeit angibt. Wie aktuell und zeitnah ist doch die Bibel! In diesen „letzten Tagen“ werden sich viele von der Wahrheit abwenden; sie wollen das Wort Gottes nicht mehr als einzige Richtschnur ihres Lebens anerkennen. Sie öffnen sich den Irrlehren und fallen ihnen zum Opfer: „Denn es wird eine Zeit kommen, da werden sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern sich selbst nach ihren eigenen Lüsten Lehrer beschaffen, weil sie empfindliche Ohren haben; und sie werden ihre Ohren von der Wahrheit abwenden und sich den Legenden zuwenden“ (2. Timotheus 4,3-4). Tausende, ja Abertausende sind schon diesen Irrlehren verfallen. Am grauenvollsten ist der Wahn des Aberglaubens. Die Bibel, die ewige Wahrheit, ist dem modernen Menschen zu rückständig. Man will doch fortschrittlich sein, darum glaubt man den Horoskopen. Man fragt den Hellseher. Andere lassen sich die Karten legen oder die Handlinien lesen. Und

das im christlichen Abendland! Kann es noch etwas Lächerlicheres geben? Der sich für so klug haltende Mensch glaubt solchem Unsinn. In diesen „letzten Tagen“ lacht und spottet der Mensch über die Verheißungen Gottes in Bezug auf die Wiederkunft Jesu Christi: „Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, dass am Ende der Tage Spötter kommen werden, die nach ihren eigenen Lüsten wandeln und sagen: Wo ist die Verheißung seiner Wiederkunft?“ (2. Petrus 3,34). Der schwarzen Kunst glaubt man, aber über Gottes zuverlässige Zusagen spottet man. Wie ernst aber heißt es in der Bibel: „Irrt euch nicht: Gott lässt sich nicht spotten! Denn was der Mensch sät, das wird er auch ernten“ (Galater 6, 7). Alarmierend ist die Erfüllung der Zeichen der Endzeit in unseren Tagen. Täglich dürfen wir auf das größte bevorstehende Ereignis, die Wiederkunft des Herrn Jesus, warten! In Matthäus 24,3739 macht er uns selbst auf sehr wichtige Zeichen der Endzeit aufmerksam: „Wie es aber in den Tagen Noahs war, so wird es auch bei der Wiederkunft des Menschensohnes sein. Denn wie sie in den Tagen vor der Sintflut aßen und tranken, heirateten und verheirateten bis zu dem Tag, als Noah in die Arche ging, und nichts merkten, bis die Sintflut kam und sie alle dahinraffte.“ Essen, Trinken und Heiraten sind an und für sich keine Sünden, doch der Herr will auf die Gefahr aufmerksam machen, dass diese äußeren Dinge den Menschen völlig gefangen nehmen. So war es auch in den Tagen Noahs. Man hatte an nichts anderem mehr Interesse als nur am irdischen Dasein, und das Schlimmste war, man überhörte die warnende Stimme des Mannes, der auf das bevorstehende Gericht aufmerksam machte.


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Wenn auch diese Zeichen zunächst für Israel gelten, so dürfen wir doch auch dieselben der heutigen sorglosen Welt zurufen. Wer aber lässt sich noch warnen? Das Gros lebt im Sinnenrausch und Freudentaumel dahin. Es ist fast Mitternacht, und keiner ahnt es. So wie damals die Flut die Menschen ganz plötzlich überraschte, so wird auch das kommende Gottesgericht die Sorglosen ganz unerwartet erfassen. Weiter sagt der Herr Jesus, dass vor seiner Ankunft die Kriegsgefahr die Menschen ängstigen wird: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; …denn ein Heidenvolk wird sich gegen das andere erheben und ein Königreich gegen das andere“ (Matthäus 24,6-7). Sind wir nicht ständig von dieser Kriegsgefahr umgeben? Noch nie ist das Kriegsgrauen so Welt umfassend gewesen wie in unseren Tagen. Wie von einem kalten Reptil, so wird der Mensch von der Atomangst angesprungen. Bis an die Zähne gerüstet, so stehen sich die gewaltigen Weltblöcke gegenüber. Wehe, wenn sie ihre Kräfte messen! Auch die ständig zunehmenden Naturkatastrophen sind Zeichen der Endzeit: „…und es wird hier und dort große Erdbeben geben, Hungersnöte und Seuchen; und Schrecknisse und große Zeichen vom Himmel werden sich einstellen“ (Lukas 21,11). Fast täglich berichten die Zeitungen von diesen furchtbaren Ereignissen: Von Erdbeben, Flutkatastrophen, Wirbelstürmen und so weiter. Doch wer erkennt die ernste Sprache der Endzeit? Wer sieht darin die Erfüllung der Prophetie? Ein sehr wichtiges Zeichen, dass die Endzeit da ist, ist auch das Volk Israel. In der Bibel wird dieses Volk oft mit einem Feigenbaum verglichen. In Lukas 13 heißt es, weil er keine Frucht brachte: Hau ihn

ab! In Markus 11 wird berichtet, dass er verdorrte. Nun aber sagt der Herr: „Von dem Feigenbaum aber lernt das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon saftig wird und Blätter treibt, so erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles seht, so erkennt, dass er nahe vor der Türe ist“ (Matthäus 24,32-33). Dieses Volk, das einst seinen Messias mit den Worten von sich stieß: Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche! Hinweg mit ihm, kreuzige ihn! Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder, brachte als Feigenbaum keine Frucht und verdorrte. Es wurde zerstreut unter alle Nationen, hatte fast 2000 Jahre keine Heimat mehr und lebte im Exil. Doch in der Nacht vom 14. zum 15. Mai des Jahres 1948 wurde der neue Staat Israel proklamiert! In dieser denkwürdigen Stunde sagte Ben Gurion, der Ministerpräsident: „2000 Jahre haben wir auf diese Stunde gewartet, und nun ist es geschehen. Wenn die Zeit erfüllt ist, kann nichts Gott widerstehen!“ So ist es, der Staat Israel ist ein reichsgottes-geschichtliches Zeichen der Endzeit ersten Ranges. Dieser neu erstandene Staat ist in den Brennpunkt der Weltgeschichte gerückt. Jerusalem, das nach dem Wort des Herrn von den Nationen zertreten werden sollte, bis die Zeiten der Nationen voll seien, ist wieder frei (Lukas 21,24). Dieses ist ein Wunder vor unseren Augen, aber auch ein Warnsignal, aus dem Schlaf aufzuwachen, da die Errettung, die Wiederkunft des Herrn Jesus, ganz nahe bevorsteht. Alles deutet darauf hin, dass die Gnadenzeit fast abgelaufen ist, die Zeit, in der aus allen Völkern und Sprachen Menschen mit ihren Sünden zu dem Herrn Jesus als ihrem persönlichen Heiland kommen konnten, um Gnade und Erbarmen zu finden. Mehr denn je gilt heute der Warnruf


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des Herrn: „Darum seid auch ihr bereit! Denn der Sohn des Menschen kommt zu einer Stunde, da ihr es nicht meint“ (Matthäus 24,44). Bereit sein heißt: fertig sein, um ihm, dem Herrn Jesus, begegnen zu können, wenn er kommt!

Die Tage in der Bibel Mit der Menschwerdung des Herrn Jesus, als er diese Erde, diesen Schauplatz der Sünde und des Todes betrat, begann die Endzeit oder auch „die letzten Tage“. Mit seinem ersten Kommen wurde die Vollendung eingeleitet. „Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn“ (Hebräer 1,1-2). Die Bibel spricht von mehreren Tagen. Es sind natürlich keine Tage von 24 Stunden. Wir lesen: „Dieses eine aber sollt ihr nicht übersehen, Geliebte, dass {ein}Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie {ein} Tag!“ (2. Petrus 3,8). Unsere Zeit, in der wir augenblicklich noch leben, nennt die Bibel den Tag des Heils: „Denn es heißt: »Zur angenehmen Zeit habe ich dich erhört und am Tag des Heils dir geholfen«. Siehe, jetzt ist die angenehme Zeit; siehe, jetzt ist der Tag des Heils!“ (2. Korinther 6,2). Dieser Tag des Heils oder der Gnade währt auch schon fast 2000 Jahre. In dieser Gnadenzeit wird das kostbare Evangelium der Herrlichkeit verkündigt. Gott sammelt aus allen Völkern durch das Evangelium ein Volk für den Himmel, eine Brautgemeinde für seinen Sohn, Jesus Christus. Alle, die in Buße und Glauben an den Gekreuzigten und Auferstandenen Vergebung ihrer

Sünden erlangt haben, gehören zu dieser glückseligen Schar. Diese Tage werden auch „das Heute“ der suchenden Liebe und Gnade Gottes genannt. Darum lesen wir: „Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht“ (Hebräer 3,15). An anderen Stellen wird dieser Tag sogar als eine Stunde bezeichnet: „… es kommt aber die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern euch offen vom Vater Kunde geben werde“ (Johannes 16,25). Das ist die wunderbare Stunde, in der wir heute leben. Durch den Heiligen Geist und das Wort Gottes haben die Erlösten Einblick in die Gedanken und in den ganzen Heilsratschluss des Vaters. Sie kennen das „Geheimnis seines Willens“ von Ewigkeit bis in alle Ewigkeit. Ob es sich nun um seinen Plan mit dem himmlischen Volk handelt oder um den mit Israel, seinem irdischen Volk, an Hand seines Wortes haben sie Einblick in den Ablauf der Weltgeschichte. Diese Zeit wird von dem Herrn Jesus die „Stunde der Anbetung des Vaters“ genannt: „Aber die Stunde kommt und ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden“ (Johannes 4,23). Dieses Wort sagte der Herr Jesus zu einer Frau, die in großer Sündenschuld lebte und im Glauben das Heil, die Rettung und Vergebung ihrer Sünden fand. Die Anbetung ist ja nur das große Vorrecht der begnadigten Sünder. Sie huldigen dem großen Gott, der ihr Vater in Christus Jesus geworden ist. Er hat ja den wunderbaren Heilsplan erdacht. Er gab das Liebste, das er hatte, für uns in den bitteren Kreuzestod, um uns durch das kostbare Blut Jesu, seines Sohnes, zu erlösen und uns seine ganze Herrlichkeit schenken zu können. Wahrlich, das ist Grund und Ursache genug, ihm, dem gro-


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ßen Gott, und ihm, dem Lamm Gottes, Dank und Anbetung zu bringen. Das große Ziel Gottes, das er sich gesteckt hat, ist der Tag Gottes oder auch der Tag der Ewigkeit. Dieser große Tag wird eingeleitet durch den Weltuntergang und die Neuschöpfung von Himmel und Erde. „…indem ihr das Kommen des Tages Gottes erwartet und ihm entgegeneilt, an welchem die Himmel sich in Glut auflösen und die Elemente vor Hitze zerschmelzen werden! Ihm sei die Ehre, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit!“ (2. Petrus 3,12 +18). Zwischen dem Tag des Heils und dem Tag der Ewigkeit liegt der letzte Tag oder auch der jüngste Tag. Auch dieser Tag hat eine Periode über 1000 Jahre. Er beginnt mit der Auferstehung der Gerechten und endet mit dem Gericht über die Verlorenen. Zum Beweis hier einige Stellen aus dem Mund des Herrn Jesus: „Und das ist der Wille des Vaters, der mich gesandt hat, dass ich nichts verliere von allem, was er mir gegeben hat, sondern dass ich es auferwecke am letzten Tag. Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn der Vater zieht, der mich gesandt hat; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag“ (Johannes 6,39-40;44;54). Nun noch ein Beweis, dass der letzte Tag mit dem Gericht über die Verlorenen endet: „Wer mich verwirft und meine Worte nicht annimmt, der hat schon seinen Richter: Das Wort, das ich geredet habe, das wird ihn richten am letzten Tag“ (Johannes 12,48). Zwischen der Auferweckung der Gerechten und der Auferwe-

ckung der Verlorenen zum Gericht liegt das Friedensreich Jesu Christi oder auch das Tausendjährige Reich: „Die übrigen der Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis die 1000 Jahre vollendet waren“ (Offenbarung 20,5). Dieser letzte Tag hat also verschiedene Perioden. Er beginnt mit der Entrückung der Erlösten, die in der Frühe des Tages geschieht; denn der Herr kommt für die Seinen als der glänzende Morgenstern. Diese Entrückung – verbunden mit dem Offenbarwerden vor dem Preisrichterstuhl Christi – geschieht am Tage Jesu Christi. Hier einige Stellen: „…der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es auch vollenden wird bis auf den Tag Jesu Christi, … damit ihr prüfen könnt, worauf es ankommt, sodass ihr lauter und ohne Anstoß seid bis auf den Tag des Christus, … damit ihr unsträflich und lauter seid, untadelige Kinder Gottes inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr leuchtet als Lichter in der Welt, … mir zum Ruhm am Tag des Christus …“ (Philipper 1,6+10) (Philipper 2,15+16). Dann folgt die große Drangsalszeit, der Tag des Herrn: „Lasst euch nicht so schnell in eurem Verständnis erschüttern oder gar in Schrecken jagen, weder durch einen Geist, noch durch ein Wort, noch durch einen angeblich von uns stammenden Brief, als wäre der Tag des Christus schon da. Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens“ (2. Thessalonicher 2,2-3). Von diesem Tag haben die Propheten des Alten Bundes schon geredet: „Stoßt in das Schopharhorn in Zion und blast Lärm auf meinem heiligen Berg, dass alle Bewohner des Landes erzittern; denn der Tag des HERRN kommt, ja, er ist nahe - ein Tag der Finsternis und


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des Dunkels, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels. Legt die Sichel an, denn die Ernte ist reif; kommt und tretet, denn die Kelter ist voll; die Kufen fließen über, denn ihre Bosheit ist groß! Scharen um Scharen [treffen ein] im Tal der Entscheidung; denn nahe ist der Tag des HERRN im Tal der Entscheidung“ (Joel 2,1+2, Joel 4,13+14). Der letzte Tag setzt sich dann fort in „jenen Tag“ des Königreiches Jesus Christi, des Tausendjährigen Friedensreiches: „Und zu jener Zeit wird es geschehen, dass die Berge von Most triefen und die Hügel von Milch überfließen werden; alle Bäche Judas werden voll Wasser sein, und aus dem Haus des HERRN wird eine Quelle hervorbrechen und das Tal Sittim bewässern“ (Joel 4,18). Und dieser letzte Tag endet mit dem Tag des Gerichts, der großen Abrechnung vor dem weißen Thron: „Ich sage euch aber, dass die Menschen am Tag des Gerichts Rechenschaft geben müssen von jedem unnützen Wort, das sie geredet haben“ (Matthäus 12,36). Somit ist dieser letzte Tag ein Tag mit dem Morgenstern in der Frühe, mit Sturm und Donner am Vormittag, am Nachmittag ist glänzender Sonnenschein und Frühlingspracht, aber mit Blitzen und Hagel endet er am Abend. Dann bricht der Tag der Ewigkeit an. Aus dem Weltuntergang geht die Weltverklärung, der neue Himmel und die neue Erde hervor zum ewigen Ruhm und zur Ehre Gottes, aber auch zur Freude und zur Verherrlichung aller Erlösten. Jesus spricht: Ich komme bald! Das Volk Gottes singt Heimat- und Sehnsuchtslieder; sie wissen, dass der Herr Jesus sie bald heimholt in das Vaterhaus. Er löst sein Wort ein. Hier auf Erden hat das Volk Gottes keine Heimstatt, es sucht die Stadt, deren Schöpfer und Baumeister Gott ist. Der Herr hat sich ja in

seinem Wort verpflichtet, seine Gemeinde bald zu sich zu nehmen. In Johannes 14,2+3 heißt es: „Ich gehe hin, um euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, damit auch ihr seid, wo ich bin“. Zum Vater betete er: „Vater, ich will, dass, wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast; denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt“ (Johannes 17,24). Darum sind die Blicke der Erlösten himmelwärts gewandt, und die lebendige Hoffnung, die sie besitzen, die sich gründet auf den Tod und auf die Auferstehung Jesu, stärkt sie in ihrem Glaubenskampf. Sie wissen: Ein wenig Leiden noch, ein wenig Tränen noch, dann kommt die Ruhe am kristallnen Meer! Der ermutigende Zuruf des Herrn: Ich komme bald! erweckt das freudige Echo in ihren Herzen, sodass sie dankbar rufen: „Amen, komm, Herr Jesus, komme bald!“ Vielleicht beschleicht dich ein gewisses Unbehagen bei diesem Gedanken, dass die Wiederkunft des Herrn Jesus so nahe ist. Das aber wäre ein Beweis, dass du noch nicht bereit bist, ihm zu begegnen. Nämlich nur seine erlöste Schar wird zur Entrückung gelangen, nur solche, die wissen: Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck, mein Ehrenkleid. Damit kann ich vor Gott besteh‘n, wenn ich zum Himmel werd‘ eingeh‘n. Tausende, Abertausende so genannte Namenchristen werden plötzlich erkennen, dass es zu spät ist. Der Herr hat sein Volk heimgeholt und nun stehen sie draußen in der Verzweiflung. Sie mögen schreien: Herr, tue uns auf, aber von in-


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nen kommt der Ruf: „Ich kenne euch nicht, wer seid ihr? Weichet von mir, ihr Übeltäter!“ Darum: Bring dich in Sicherheit! Du hast nicht mehr viel Zeit dazu! Eile zu Jesu, lass dich reinigen in seinem Blut, damit du das Hochzeitskleid anhast, wenn er kommt, und du den seligen Triumphzug miterlebst, bei dem du diese Welt vertauschen wirst mit der Herrlichkeit der himmlischen Heimat.

Wann kommt der Herr Jesus wieder? Viele haben versucht, die Wiederkunft des Herrn Jesus zu berechnen oder vorauszusagen. Sie sind aber alle kläglich gescheitert: „Um jenen Tag aber und die Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, sondern allein mein Vater“ (Matthäus 24,36). „Es ist nicht eure Sache, die Zeiten oder Zeitpunkte zu kennen, die der Vater in seiner eigenen Vollmacht festgesetzt hat“ (Apostelgeschichte 1,7). Für das gläubige Herz genügt die Zusicherung des Herrn: „Ich komme bald! Halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone raube!“ Weil Tag und Stunde verborgen sind, soll das Verhalten und der Wandel des Kindes Gottes so sein, dass der Herr jeden Augenblick kommen kann; denn: Wer diese Hoffnung auf ihn hat, der reinigt sich selbst, gleichwie er rein ist.

Wozu kommt der Herr Jesus wieder? Hierzu ist zu sagen, dass wir unterscheiden müssen zwischen dem Kommen des

Herrn für die Seinen und seinem Erscheinen mit den Seinen. Leider wird dies oft verwechselt und durcheinander geworfen, und dadurch entstehen allerlei Irrtümer in der Auslegung des Wortes. Wie wir schon mehrfach betont haben, kommt der Herr wieder, um die Erlösten vom Glauben zum Schauen zu führen. Das ist sein Kommen für die Seinen. Sie sollen bei ihm sein und seine Herrlichkeit schauen und mit ihm teilen. Als Söhne Gottes (Kinder Gottes) sind sie ja Mithineingenommene ins göttliche Wesen. Sie sind durch göttliche Zeugung und Wiedergeburt göttlicher Natur teilhaftig geworden. Sie sind mit Christus verwachsen zu einer Lebens- und Wesenseinheit. Die Brautgemeinde gehört zu ihm und muss deshalb bei ihm sein in seiner Herrlichkeit. Dann wird sie ihm gleich sein (1. Johannes 3,2). Dann wird der Herr mit seiner Brautgemeinde auf diese Erde kommen, um die Welt zu richten und mit ihr sein Königreich aufrichten. An vielen Stellen weist die Bibel auf sein Kommen mit den Seinen hin: „ …an jenem Tag, wenn er kommen wird, um verherrlicht zu werden in seinen Heiligen und bewundert in denen, die glauben“ (2. Thessalonicher 110). „Euch aber lasse der Herr wachsen und überströmend werden in der Liebe zueinander und zu allen, gleichwie auch wir sie zu euch haben, damit eure Herzen gestärkt und untadelig erfunden werden in Heiligkeit vor unserem Gott und Vater bei der Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus mit allen seinen Heiligen“ (1. Thessalonicher 3,12-13). „Siehe, der Herr ist gekommen mit seinen heiligen Zehntausenden, um Gericht zu halten …“ (Judas 1,14-15). Die Entrückung ist also das Kommen des Herrn für seine Heiligen. Die Erscheinung in Herrlichkeit ist sein Kommen mit seinen Heiligen.


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Wie kommt der Herr Jesus wieder? Wie dankbar müssen wir sein, dass uns die Bibel, das wunderbare Wort Gottes, über alles Aufschluss gibt. In 1. Thessalonicher 4,13-18 wird uns die Entrückung genau geschildert. Dort heißt es, dass der Herr selbst kommt. Wie kostbar, er holt die Seinen persönlich ab! Kein Engel, kein Erzengel, keiner der himmlischen Mächte und Gewalten ist ihm gut genug, die Seinen abzuholen. Er kommt mit gebietendem Zuruf! Er ruft mit Macht die in Christo Entschlafenen aus den Gräbern. Der Tod und der, der die Macht des Todes hat, sind besiegt worden am Kreuz auf Golgatha. Er hat keine Gewalt mehr über die Leiber der Erlösten. Sie werden unverweslich mit dem Herrlichkeitsleib auferstehen: „Denn dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen, und dieses Sterbliche muss Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dieses Verwesliche Unverweslichkeit anziehen und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, das geschrieben steht: »Der Tod ist verschlungen in Sieg! Verweslichkeit und auferweckt in Unverweslichkeit; es wird gesät in Unehre und wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit und wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib, und es wird auferweckt ein geistlicher Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, und es gibt einen geistlichen Leib. Aber nicht das Geistliche ist das erste, sondern das Natürliche, danach [kommt] das Geistliche. Der erste Mensch ist von der Erde, irdisch; der zweite Mensch ist der Herr aus dem Himmel. Wie der Irdische beschaffen ist, so sind auch die Irdischen; und wie der Himmlische beschaffen ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild des

Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen“ (1. Korinther 15). Nach dem Wort aus 1. Korinther 15,23-24 wird uns gezeigt, dass die Auferstehung in verschiedenen Etappen vor sich geht. Es heißt dort: 1) der Erstling, Christus, 2) die, welche des Christus sind bei seiner Ankunft, 3) das Ende, wenn er das Reich dem Gott und Vater übergibt. Diese letzte Auferstehung ist die Auferstehung der Verlorenen zum Gericht. Sie werden vor dem großen weißen Thron ihr Urteil empfangen.

Die erste Auferstehung oder die Herausaufer­ stehung Alle, die im Glauben an den Herrn Jesus entschlafen sind, werden bei seiner Wiederkunft eine Herausauferstehung erleben, d. h. sie werden aus der Mitte der übrigen Toten heraus auferstehen. Es gehört mit zur Verherrlichung des Herrn, dass die Seinen eine Auferstehung erfahren gleich der Seinigen. Diese zu erleben, war der Wunsch des Apostels Paulus. Er schrieb an die Philipper im Kapitel 3,11 (Unrevidierte Elberfelder 1905/ Anmerkungen): „ …ob ich auf irgend eine Weise hingelangen möge zur Auferstehung aus den Toten.“ Diese Auferstehung wird auch die erste Auferstehung genannt. Der Schlüssel zum besseren Verständnis liegt in Offenbarung 20,5-6. Dort heißt es: „Dies ist die erste Auferstehung. Glückselig und heilig ist, wer Anteil hat an der ersten Auferstehung! Über diese hat der zweite Tod keine Macht ...“ (Der zweite Tod ist


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nach Offenbarung 20,14 der Feuersee, die ewige Verdammnis) sondern sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm herrschen tausend Jahre. Die erste Auferstehung und die letzte Auferstehung liegen also tausend Jahre auseinander. Es heißt: „Die übrigen der Toten aber wurden nicht wieder lebendig, bis die 1000 Jahre vollendet waren“ (Offenbarung 20,5). Alle Erlösten aus allen Haushaltungen Gottes gehören zu dieser ersten Auferstehung. Es ist auch die Auferstehung der Gerechten (Lukas 14,14), auch wird sie die Auferstehung des Lebens genannt (Johannes 5,29). Diese leibliche Auferstehung gehört zur Vollkommenheit der Erlösung Jesu: Denn Geist, Seele und Leib fallen unter dieselbe. Der gesäte Leib im Grab ist das Samenkorn, welches in die Erde gelegt wird. In dem Samenkorn ist der Lebenskeim. Schau dir doch das winzige Samenkörnchen einer Blume an; siehst du darin die Blume mit ihrem Duft und ihrer Farbenpracht? Nein! Lege das Samenkorn aber in die Erde, dass es stirbt und verwest, und du wirst sehen, wie aus dem Keim das neue Leben, die schöne Blume, aufsprießt. Nimm eine Eichel in deine Hand! Siehst du darin den mächtigen Eichenbaum mit seinem Geäst und dem Blattwerk? Nein! Lege die Eichel aber in die Erde, dass sie stirbt und verwest, und du wirst sehen, wie aus der gesäten Eichel der Baum herauswächst. In dem Samenkörnchen ist die wunderbare Blume, in der Eichel der mächtige Eichenbaum. Auch aus dem der Erde anvertrauten Leib wird der Herrlichkeitsleib hervorgehen. In Römer 8,11 lesen wir: „Wenn aber der Geist dessen, der Jesus aus den Toten auferweckt hat, in euch wohnt, so wird derselbe, der Christus aus den Toten auferweckt hat, auch eure sterblichen

Leiber lebendig machen durch seinen Geist, der in euch wohnt.“

Beseitigung der Folgen der Sünde Gott hat den Menschen in einer wunderbaren Einheit von Geist, Seele und Leib geschaffen. Durch die Sünde des ersten Menschen wurden er und seine Nachkommen von den Folgen erfasst. Der Geist wurde verfinstert, die Seele geriet in Furcht und Schrecken, und der Leib verfiel der Vergänglichkeit und dem Tod. Durch diese Trennung von Gott, der Lebensquelle, trat der geistliche Tod ein. Wie aber sollten diese furchtbaren Folgen der Sünde beseitigt werden? Weil ein Mensch gesündigt hatte, konnte auch nur ein heiliger, sündloser Mensch diese Sünde und ihre Folgen beseitigen. Auf Erden war keiner zu finden, darum kam der Herr Jesus in Knechtsgestalt zu uns, um die Sünde an seinem Leib zu sühnen und den Glaubenden von diesen Folgen zu befreien. So wie Gott den Menschen als Ganzes erschaffen hat, so musste er auch als Ganzes erlöst werden; denn der Herr will ihn als ganzen Menschen mit Geist, Seele und Leib bei sich haben in seiner Herrlichkeit. Er, der die Auferstehung und das Leben in Person ist, ist auch selbst der große Garant unserer leiblichen Auferstehung. Darum ruft der Herr bei seinem Kommen mit der Stimme eines Erzengels ins Paradies, in den Ort, wo sich die Geist-Seele der in Christo Entschlafenen befindet. In demselben Augenblick werden der Geist und die Seele mit dem Auferstehungsleib vereint. Mit der Posaune Gottes wird er die lebenden Gläubigen rufen, die dann in


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demselben Augenblick verwandelt werden; diesen Leib der Niedrigkeit werden sie ablegen und den Leib der Herrlichkeit anziehen. Das ist der große Augenblick, wo die ganze erlöste Gemeinde fertig ist zum Abmarsch, zur Entrückung. „Unser Bürgerrecht aber ist im Himmel, von woher wir auch den Herrn Jesus Christus erwarten als den Retter, der unseren Leib der Niedrigkeit umgestalten wird, sodass er gleichförmig wird seinem Leib der Herrlichkeit, vermöge der Kraft, durch die er sich selbst auch alles unterwerfen kann“ (Philipper 3,20-21). Dieser Herrlichkeitsleib ist nicht mehr zeit- und raumgebunden, auch nicht mehr abhängig vom Stofflichen, vom Essen und Trinken, sondern er ist ein Leib vollendeter Schönheit und ewiger Jugend, ein Leib, wie ihn der Herr Jesus nach seiner Auferstehung hatte und mit dem er gen Himmel fuhr. Welch eine Tatsache! Nie würden wir dies zu denken wagen, geschweige es aussprechen, wenn nicht das Wort Gottes uns das berichten würde. Wir lesen sogar in 1. Johannes 3,2: „…dass wir ihm gleich gestaltet sein werden“. Sind wir uns alle dieses Vorrechtes bewusst? Wissen wir, dass wir dabei sind, wenn Jesus kommt? Es ist die wichtigste Frage, die wir uns alle beantworten sollten. Nur Wiedergeborene des lebendigen Gottes gelangen zur Entrückung; nur der, der in der Lebensverbindung mit dem Herrn Jesus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, steht, nur der, der bezeugen kann: Alle, alle meine Sünden hat sein Blut hinweggetan, kann – erfüllt vom himmlischen Heimweh – mitsingen: Komm, Herr Jesu, hör das Flehen, führ‘ die Braut zur Hochzeit ein, heut‘ noch möcht ich zu dir gehen, ewig, ewig bei dir sein!

Wie geschieht die Entrückung? Auch darüber gibt uns die Bibel in 1. Thessalonicher 4 ganz klaren Aufschluss. Die mit dem Herrlichkeitsleib Auferweckten und die Lebenden, die ebenfalls umgestaltet wurden nach seinem Leib der Herrlichkeit, erleben jetzt den seligen Augenblick, wie sie in einem Nu, in einem Augenblick, dem Herrn in Wolken entgegengerückt werden in die Luft, und dann werden sie allezeit bei dem Herrn sein. Es ist die herrliche Stunde, wo die Erlösten vom Glauben zum Schauen gelangen, in der sie die Wüste vertauschen mit ewiger Freude. Die wartende, harrende, hoffende Stellung wird abgelöst durch das Schauen seiner Pracht und Schönheit. Dann werden sie sich sättigen an seinem Anblick. Im Bruchteil eines Augenblicks ist die Entrückung geschehen. Wir werden weggerückt von dieser armen Erde, von diesem Schauplatz der Sünde und des Todes. Alle Not hat ein Ende. Die letzte Träne ist geflossen, der letzte Seufzer der Brust entflohen. Keinen Tod, keinen Schmerz, kein Geschrei wird es mehr geben. Diese arme Erde, die getränkt ist mit Blut und Tränen, ist auf ewig hinter uns; weggerückt sind wir aus dem Elendstal, wo die Sünde herrschte und solch ein grauenvolles Verderben angerichtet hat. Weggerückt sind wir aus dem irdischen Kampf, in die Ruhe des Volkes Gottes, in die Ruhe mit allen Heiligen. Es hat sich bewahrheitet, was wir lesen in 1. Petrus 1,13: „ … setzt eure Hoffnung ganz auf die Gnade, die euch zuteil wird in der Offenbarung Jesu Christi.“ Das Weggerücktwerden ist ein Akt der Gnade unseres Gottes. Es ist aber auch eine Tat göttlicher Barmherzigkeit, wie wir es lesen in Judas 21: „ … und hofft auf


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die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus zum ewigen Leben.“ Alles aber ist weiter ein Akt der göttlichen Allmacht in Christo Jesu, die uns verklärt hat zur Gleichförmigkeit mit dem Erlöser selbst. Das Wort „entrücken“ heißt nämlich auch so viel wie „mit Gewalt wegreißen“, denn durch die Entrückung werden wir durch den Herrn gerettet von dem kommenden Zorn. Die Wegrückung bedeutet zugleich ein Hingerücktwerden. Die Glieder gehören zum Haupt. Darum werden wir bei ihm sein allezeit. Das Haupt und die Glieder gehören zusammen. Schon hier auf Erden sind die Erlösten als Glieder am Leib Christi organisch mit ihm verbunden. Diese Tatsache, die wir auf Erden im Glauben bewunderten, ist dann beglückende Wirklichkeit geworden. Christus stellt nun die Gemeinde sich selbst verherrlicht dar: „ …dass sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas ähnliches habe, sondern dass sie heilig und tadellos sei“ (Epheser 5, 27). Das traurige Bild der Trennung der Kinder Gottes hier auf der Erde ist beseitigt. Dort werden sie alle ein Herz und eine Seele sein. Aus Nord und Süd, aus Ost und West werden sie alle dort sein, und zum ersten Mal wird die gesamte Gemeinde aus allen Zeiten und allen Ländern dort in der Luft vereint sein. Sie werden den größten Triumph der ganzen Weltgeschichte erleben. Der Herr selbst wird ihnen in der Luft begegnen, dort, wo der Fürst der Finsternis seine Residenz hat, dort werden sie sich mit ihrem Führer, mit dem Bahnbrecher ihrer Seligkeit, vereinen. Der gewaltige Gegenspieler Satan wird die Millionen schauen müssen, die ihm durch den Sieg von Golgatha entrissen wurden. Die mutigen Kämpfer werden sich um ihren Siegesfürsten formieren. Dann wird der Held von Golgatha an

ihre Spitze treten und sie einführen in das festlich geschmückte Vaterhaus. Dort hat er ihnen ja die Stätte bereitet. Im seligen Halleluja ist alle Not, alle Pein vergessen. Doch alles gipfelt in dem großen Höhepunkt, den der Dichter in den Vers kleidet, und den sie in ihrem Glaubenskampf so oft gesungen haben: Das wird allein Herrlichkeit sein, wenn – frei von Weh – ich sein Angesicht seh‘! Das ist die große Stunde, von der der Herr schon auf Erden zu den Seinen redete in Johannes 16,22: „So habt auch ihr nun Traurigkeit; ich werde euch aber wiedersehen, und dann wird euer Herz sich freuen, und niemand soll eure Freude von euch nehmen.“ Oh, selige Stunde, voll Wonne und Entzücken, wenn deine Braut dir wird entgegenrücken! Er ist‘s, frohlockt dann jeder Mund. Lieber Leser, bist du dabei? Erlebst du diese Herrlichkeit mit? Nur solche, die das neue Lied singen können, werden dabei sein. Weißt du, wie das Lied der Erlösung heißt? Ich möchte es dir sagen. Du kannst es lesen in Offenbarung 1,5-6: „Ihm, der uns geliebt hat und uns von unseren Sünden gewaschen hat durch sein Blut, und uns zu Königen und Priestern gemacht hat für seinen Gott und Vater - Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.“ Ergreife die Hand deines Retters! Nimm im Glauben die Vergebung deiner Sünden an, und stelle dich im kindlichen Vertrauen unter die Deckung seines Blutes. Dann bist du für immer geborgen. Du bist dabei, wenn das Volk Gottes ihn sehen darf wie er ist, den Mann mit den Wundmalen, der sie


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geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Welch eine Freude wird es auch für den Herrn Jesus sein, wenn er seine teuer erkaufte Schar um sich hat. Dann wird er sich sättigen an der Mühsal seiner Seele. Als Heilige und Geliebte, angetan mit weißen Gewändern, stehen sie vor ihm und bringen ihm ihre Huldigung. Das gewaltige Hosianna ertönt, und die Himmelsräume hallen wider von dem Jubelgesang derer, die er sich mit seinem Herzblut erkauft hat.

Ein feierlicher, aber ernster Augenblick Nach der Entrückung folgt das Offenbarwerden der Erlösten vor dem Richterstuhl: „Denn wir alle müssen vor dem Richterstuhl des Christus offenbar werden, damit jeder das empfängt, was er durch den Leib gewirkt hat, es sei gut oder böse“ (2. Korinther 5,10). Leider gibt es viele, die dieses Offenbarwerden vor dem Richterstuhl Christi verwechseln mit dem Endgericht vor dem großen weißen Thron! Wie man dazu kommt, ist unerklärlich. Die beiden Ereignisse liegen über tausend Jahre auseinander. Schon die Bezeichnung der beiden Gerichte ist in der Ursprache ganz verschieden. Das griechische Wort für Richterstuhl heißt „Bäma“ und bedeutet so viel wie Tribunal (erhöhter Sitz). Wogegen für den weißen Thron in der Ursprache das Wort „thronos“ verwandt wird. Der Richterstuhl Christi hat den Charakter des Preisrichterstuhles. Der Preisrichter befindet sich auf dem erhöhten Sitz und will den Lohn austeilen, die Kronen reichen für die Treue, die die Einzelnen in

der Nachfolge bewiesen und wie sie sich in dieser Welt im Kampf bewährt und einsetzten. Paulus freut sich auf diese Stunde: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, den Glauben bewahrt. Von nun an liegt für mich die Krone der Gerechtigkeit bereit, die mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag zuerkennen wird, nicht aber mir allein, sondern auch allen, die seine Erscheinung lieb gewonnen haben“ (2. Timotheus 4,7-8). Der Richterstuhl des Christus hat nichts mit Gericht zu tun; denn die Bibel widerspricht sich nie. Wir wissen, dass der Herr Jesus uns gesagt hat: Wer an mich glaubt, kommt nicht ins Gericht. Das Gericht über die Sünde hat er getragen und beseitigt. Vor dem Richterstuhl geht es um Gewinn oder Verlust. Es geht um den Lohn, den der Herr geben wird. Und dieser Gedanke ist sehr ernst. Wir sollten uns alle deshalb prüfen: Wie wollen wir vor dem Herrn stehen? Tragen wir einst reiche Garben? Haben wir uns im Kampf bewährt? Haben wir ihm die Treue gehalten? Oder stehen wir mit leeren Händen dann beschämt vor ihm? Alles, was wir getan haben aus Liebe zu ihm, alles, worauf wir verzichtet haben aus Liebe zu ihm, findet Anerkennung und Lohn! Jedes Zeugnis, das wir vor ihm abgelegt haben, findet Anerkennung, und jede Seele, die wir zum Herrn geführt haben, wird eine Krone einbringen. Alles wird dort geprüft auf Echtheit und aus welchen Motiven wir gehandelt haben. Alles, was aus Ehrsucht und Ruhmsucht getan wurde, wird dort verbrennen. In 1. Korinther 3,8-15 schreibt der Apostel über dieses Offenbarwerden: „Der aber, welcher pflanzt und der, welcher begießt, sind eins; jeder aber wird seinen eigenen Lohn empfangen entsprechend seiner eigenen Arbeit. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr


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aber seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau. Gemäß der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein anderer aber baut darauf. Jeder aber gebe acht, wie er darauf aufbaut. Denn einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber jemand auf diesen Grund Gold, Silber, kostbare Steine, Holz, Heu, Stroh baut, so wird das Werk eines jeden offenbar werden; der Tag wird es zeigen, weil es durchs Feuer geoffenbart wird. Und welcher Art das Werk eines jeden ist, wird das Feuer erproben. Wenn jemandes Werk, das er darauf gebaut hat, bleibt, so wird er Lohn empfangen; wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden erleiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“ Also, wie jemand, der aus einem brennenden Haus sein nacktes Leben rettet! Möchtest du so vor dem Richterstuhl stehen? Darum das ernste Wort: „Darum, meine geliebten Brüder, seid fest, unerschütterlich, nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, weil ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist im Herrn!“ (1. Korinther 15,58). Oh, es gibt Lohn, es lohnt sich, alles um Jesu Willen einzusetzen! Dort wird auch alles geklärt werden, was hier auf Erden verborgen geblieben ist. Manche Brüder haben sich hier auf Erden auf ihre Meinungen festgelegt. Jeder wollte Recht haben. Man ist in Bitterkeit auseinander gegangen. Jeder glaubte im Recht zu sein. Man hat sich auf Erden nicht mehr ausgesprochen. Dort vor dem Herrn, in seinem Licht, wird alles ins rechte Licht gerückt, und alle Dinge werden geklärt werden. Wir lesen in 1. Korinther 4,5: „Darum richtet nichts vor der Zeit, bis der Herr kommt, der auch das im Finstern Verborgene ans Licht bringen und die Absichten der Herzen offenbar machen

wird; und dann wird jedem das Lob von Gott zuteil werden.“ Hierhin gehört auch das Wort aus 1. Johannes 2,28: „Und nun, Kinder, bleibt in ihm, damit wir Freimütigkeit haben, wenn er erscheint, und uns nicht schämen müssen vor ihm bei seiner Wiederkunft.“ Wir sehen, dass es hier nicht um eine Verurteilung geht, sondern es handelt sich um ein Preisgericht. In Römer 8,1 steht ganz klar: „So gibt es jetzt keine Verdammnis mehr für die, welche in Christus Jesus sind.“ Es geht hier um die Frage der Treue. Es geht um die Festsetzung des Lohnes. Es geht um die Festsetzung des Verlustes. Wer nicht in Treue seinen Weg ging, geht leer aus. Er wird beschämt. Darum, bewirke deine eigene Seligkeit, nicht die Seligkeit, die der Herr dir erworben hat. Die Rettung am Stamm des Kreuzes, sondern dein eigenes Glück, die Erreichung des Lohnes. Bewirke deine eigene Seligkeit mit Furcht und Zittern, damit dein Lohn groß ist in den Himmeln. Was wir auf Erden gerichtet, verurteilt haben, unser Zukurzkommen, unsere Trägheit, unser Gehen-lassen, alle Menschenfurcht und alle Rechthaberei, alles, was wir aufgedeckt haben, was wir dem Herrn bekannt haben, das ist vergeben, zugedeckt, daran wird er nie mehr denken. Darum wollen wir mit aller Welt in Frieden leben und da, wo etwas vorliegt, um Vergebung bitten, es wegtun, damit wir mit frohem Herzen jener wunderbaren Stunde des Offenbarwerdens entgegensehen können.

Der Lohn ist groß Jeder empfängt, was ihm zusteht, wie er auf Erden gehandelt hat. Ohne Ansehen der Person wird der Herr unser Leben


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aufdecken und alles, was nicht verurteilt ist, wird er ins Licht stellen. Als Erlöste, als Söhne Gottes, als Vielgeliebte empfangen wir im Glauben sein Leben, das ewige Leben. Das hat er uns am Kreuz erworben, das ist seine Liebestat. Aber als seine Knechte bekommen wir Belohnung. So ruft er uns ja zu in Offenbarung 22,12: „Und siehe, ich komme bald und mein Lohn mit mir, um einem jeden so zu vergelten, wie sein Werk sein wird.“ Man hat mit Recht gesagt, es gibt kleine und große Gefäße, aber alle werden sie überlaufend gefüllt sein. Der Lohn ist ganz verschieden. Die Bibel spricht von fünferlei Kronen oder Siegeskränzen. Die angeführte Stelle aus 2. Timotheus 4,8 zeigt uns, dass die, die sich im Kampf bewähren, die für Gottes Sache streiten, die mit ganzer Entschiedenheit ihren Weg gehen und im Glauben überwinden, die Krone der Gerechtigkeit empfangen. Ein anderes Bild benutzt der Apostel Paulus in 1. Korinther 9,24-27. Dort wird das Kind Gottes mit einem Wettläufer verglichen, der in der Rennbahn läuft und nur einen Gedanken hat, als Erster durchs Ziel zu gehen und die Siegeskrone dann in Empfang zu nehmen. Er schreibt, indem er zeigt, wie er es macht: „Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar alle laufen, aber nur {einer} den Preis erlangt? Lauft so, dass ihr ihn erlangt! Jeder aber, der sich am Wettkampf beteiligt, ist enthaltsam in allem - jene, um einen vergänglichen Siegeskranz zu empfangen, wir aber einen unvergänglichen. So laufe ich nun nicht wie aufs Ungewisse; ich führe meinen Faustkampf nicht mit bloßen Luftstreichen, sondern ich bezwinge meinen Leib und beherrsche ihn, damit ich nicht anderen verkündige und selbst verwerflich werde.“

Wir sehen, wie dieser treue Knecht alles einsetzte. Natürlich hatte er keine Angst, dass er verloren gehen könnte. Wie oft wird auch dieses Wort „damit ich nicht… selbst verwerflich werde“ angeführt, um zu zeigen, dass der Wiedergeborene auch noch verloren gehen kann. Oh, wie unsicher wäre dann das Werk von Golgatha. Wir sind überzeugt, wenn es auf uns ankäme, würde keiner das Ziel erreichen. Hier geht es um den Siegeskranz. Aus Dank für Jesu Liebestat wollte Paulus treu bleiben, um nicht als Diener am Evangelium, als Arbeiter im Reich Gottes verwerflich zu werden durch Untreue. Darum wollen auch wir laufen. Wir werden beobachtet. Der Preisrichter sitzt auf dem erhöhten Tribunal. Er sieht mich und dich. Er beobachtet uns, ob wir wirklich alles einsetzen und dem herrlichen Kampfziel entgegeneilen. Hier werden auch die Helden im Reich Gottes sichtbar. Wie groß ist die Schar der Märtyrer, die um des Glaubens und Zeugnisses willen ihr Leben lassen mussten. Es heißt, dass die, die getreu sind bis in den Tod, die Krone des Lebens empfangen. Wie werden diese Helden und Heldinnen leuchten, wenn sie die Herrlichkeitskrone tragen zum Ruhm ihres Herrn und Meisters, der ihnen die Kraft gab zum Überwinden. In 1. Thessalonicher 2,19-20 schreibt der Apostel von der Krone des Ruhmes. Er freut sich, dass die Thessalonicher standhaft im Glauben waren: „Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Krone des Ruhms? Seid nicht auch ihr es vor unserem Herrn Jesus Christus bei seiner Wiederkunft? Ja, ihr seid unsere Ehre und Freude!“ Lasst uns Hand ans Werk legen, die Krone winkt. Lasst uns ihm in selbstloser Liebe dienen, aus Dank für Golgatha! Lasst uns noch alles einsetzen, um Seelen für das Lamm zu gewin-


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nen. Es lohnt sich! Einst ruft – oh wolle Gott es geben – auch dir vielleicht ein Sel‘ger zu: Heil dir, denn du hast mir zum Leben den Weg gezeigt, zur sel’gen Ruh! Oh Gott, wie muss das Glück erfreu’n, der Retter einer Seel‘ zu sein. Die Krone des Ruhmes wird der Herr dir aufs Haupt setzen. Die Aufgaben im Reich Gottes sind verschieden. Wie gut, dass es treue Hirten gibt, die sich um die Herde kümmern, die besorgt sind, dass die Gläubigen die rechte Nahrung bekommen, die zur rechten Zeit die rechte Speise geben, und die aus dem teuren Gotteswort das Brot des Lebens darreichen. Auch diese Hirten bekommen von dem Erzhirten einst großen Lohn. Der Apostel Petrus schreibt in seinem 1. Brief Kapitel 5,2-4: „Hütet die Herde Gottes bei euch,… indem ihr Vorbilder der Herde seid! Dann werdet ihr auch, wenn der oberste Hirte offenbar wird, den unverwelklichen Ehrenkranz empfangen.“ Hirte wird man nicht durch Besuch der Universität, auch nicht durch die Aneignung von großem Wissen, sondern ein Hirte nach dem Herzen Gottes kann man nur zu den Füßen Jesu werden. Von ihm, dem Erzhirten, allein kann man diese rechte Art und Liebe lernen, die zu der schweren Aufgabe erforderlich ist. Wo sind die Hirten, die ein Auge für die Not der Kinder Gottes haben? Die dem Einzelnen nachgehen, und die die nötige Liebe aufbringen, ihm zu helfen, dass er wieder Anschluss findet an die Herde und die rechte Pflege, die notwendig ist zu seinem geistlichen Wachstum. Dieser verleugnungsreiche Dienst findet große Beachtung und reichen Lohn bei dem Herrn.

Die Hochzeit des Lammes Die Bibel führt eine reichhaltige Bildersprache, um uns die innige Gemeinschaft mit Jesus Christus vorstellen zu können. Sie benutzt das Bild des Liebenden zu der Geliebten seiner Wahl, das Bild des Brautstandes, der Hochzeit, sowie der Ehe, um uns in etwa das innige Verhältnis des Herrn zu uns, seinen Geliebten, veranschaulichen zu können. In Epheser 5,25-27 lesen wir, dass Christus die Versammlung geliebt hat. (Das ist seine Liebeswahl) Und sich selbst für sie hingegeben hat (das ist seine Liebestat), auf dass er sie heiligte und reinigte (das ist seine liebende Pflege), auf dass er die Gemeinde tadellos vor sich hinstellte. (Das ist die Liebe in höchster Vollendung). Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat. (Es ist die Antwort auf das Liebeswerben des Herrn Jesu). Liebe kann nie erzwungen werden, sondern sie wird geweckt, und dadurch stehen wir in diesem seligen, beglückenden Liebesverhältnis mit unserem teuren, geliebten Herrn. Wohl uns, wenn wir noch in dieser ersten Liebe leben. Wir wollen uns prüfen, ob dies der Fall ist. Oder haben wir diese erste reine Zuneigung zu unserem geliebten Herrn, diese „erste Liebe“ verlassen? Das wäre tragisch. Dann wollen wir Buße tun und uns zurückbesinnen auf jenen beglückenden Anfang, als der Herr Jesus unser ganzes Herz ausfüllte, als wir es freudig bekannten: Ich hab‘ genug, weil dich ich habe, mein Herz frohlocket inniglich! Untreue ist Lieblosigkeit und betrübt das Herz des Liebenden. Es ist aber auch schnöder Undank für die große Liebe, die er uns gegenüber unter Beweis gestellt hat, als er am Schandholz für uns verblutete und starb. Daran wollen wir uns doch


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stets erinnern und aus Dankbarkeit ihm die Treue halten.

Die Treue gehört zur Vorbe­ reitung Was würdest du von einer Braut sagen, die in der Abwesenheit des Bräutigams noch einen anderen lieben würde? Diese Untreue müsste doch zum Zerbruch des Liebesverhältnisses führen. Wie traurig muss der Herr Jesus auch über viele Erlöste sein, die gleichgültig dahin leben und mit der Welt und der Sünde liebäugeln. Das Wort aus 2. Korinther 11,2-3 zeigt uns ganz deutlich unser großes Vorrecht, aber auch die Gefahr, die uns umgibt. Dort lesen wir: „Denn ich eifere um euch mit göttlichem Eifer; denn ich habe euch {einem} Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau Christus zuzuführen. Ich fürchte aber, es könnte womöglich, so wie die Schlange Eva verführte mit ihrer List, auch eure Gesinnung verdorben [und abgewandt] werden von der Einfalt gegenüber Christus.“ Die in der Lebensverbindung mit Christus Stehenden werden hier „Verlobte“ genannt. Brautzeit aber ist Vorbereitungszeit. Als eine keusche und reine Jungfrau gehört ihre ganze Zuneigung nur dem einen, der sie liebt. Täglich ist sie mit der Vorbereitung zur Hochzeit beschäftigt. Sie will am Hochzeitstag den Bräutigam erfreuen. In Offenbarung 19,7-8 wird uns gezeigt, dass die Braut sich mit feiner Leinwand schmückt, welche ein Bild ist von ihren gerechten Taten. Dann wird sichtbar, was sie hier gewesen ist für ihren Geliebten, ihren Herrn. Es heißt dort: „Lasst uns fröhlich sein und jubeln und ihm die Ehre geben! Denn die Hochzeit des Lammes ist gekommen, und seine Frau hat sich

bereit gemacht. Und es wurde ihr gegeben, sich in feine Leinwand zu kleiden, rein und glänzend; denn die feine Leinwand ist die Gerechtigkeit der Heiligen“ (Offenbarung 19, 7-8). Als Gemeinde ist sie erkauft durch Jesu Blut und trägt das Kleid göttlicher Gerechtigkeit. Das schmutzige Lumpenkleid der Sünde wurde ihr ausgezogen, und in dem Kleid des Heils steht sie tadellos vor ihrem Erlöser. Alles ist unverdiente Gnade, doch bei der Hochzeit darf sie sich auch noch schmücken mit dem, was sie als Zeugnis hier auf Erden gewesen ist. Wie sollte deshalb doch jeder, der bekennt, ein Eigentum Jesu zu sein, in ganzer Treue ihm folgen und dienen. Wie beschämend ist doch jede Halbheit und Lauheit.

Unvorstellbar groß ist die Freude Auch in dieser lieblichen Bildersprache kommt Gott uns zur Hilfe. Wir würden uns ja keine Vorstellung machen können von der kommenden Seligkeit, wenn Gott nicht solche Bilder benutzen würde. Was Hochzeit bedeutet, wissen wir; es ist der große, lang ersehnte Augenblick, wo zwei sich liebende Menschen sich vereinen. Die Bibel sagt: „Die zwei werden ein Fleisch sein“. Dasselbe Wort benutzt die Bibel für diese innige Gemeinschaft zwischen dem Herrn und seiner Gemeinde: „Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebein“, heißt es in Epheser 5,30. Diese Hochzeit des Lammes beginnt mit einem dreifachen Halleluja. Die Himmelsräume hallen wider von dem Jubel der himmlischen Heerscharen, die diese große Stunde einleiten. Was wird das sein, wenn wir so aus der harren-


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den, wartenden Stellung in den innigsten Genuss seiner Liebe gelangen! In Christi Schmuck und in seiner Schönheit stehen wir dann vor ihm und sättigen uns an seiner lieblichen Person. Das Ziel unserer Hoffnung ist dann erreicht. Die innigste Liebes- und Lebensgemeinschaft wird genossen, und die Braut jubelt vor Freude und Seligkeit. Der Bräutigam mit seiner glücklichen Braut ist umgeben von den geladenen Hochzeitsgästen, denn in Offenbarung 19,9 steht geschrieben: „Glückselig sind die, welche zum Hochzeitsmahl des Lammes berufen sind!“ Damit sind wohl die Gläubigen des Alten Bundes gemeint. Johannes der Täufer, der auch noch zu dieser Haushaltung gehört, sagt in Johannes 3,29: „Wer die Braut hat, der ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist nun erfüllt.“ Dort stehen sie alle, jene großen Helden des Glaubens, in unvorstellbarer Freude und Seligkeit. Sie freuen sich an dem Glück des Bräutigams und der Braut. Das Glück aller, ob nun Braut oder Hochzeitsgäste, ist nicht mehr zu steigern. Alle Herzen sind mit höchster Wonne und Glückseligkeit erfüllt. Nie wird dieser Jubel mehr durch Disharmonie unterbrochen, noch die Freude und das Glück je überschattet werden. Heute schon dürfen wir – erfüllt mit der glückseligen Hoffnung – singen: Doch du kommst, welch frohe Kunde, unser Auge wird dich seh‘n, ja, du kommst‘ oh sel’ge Stunde, wo wir nie getrennt mehr steh‘n. Wo der Heil’gen Harfenklänge, Lob- und Preis- und Dankgesänge ewig deinen Ruhm erhöh‘n.

Die bevorzugte Stellung der Gemeinde In allen Haushaltungen Gottes nimmt die Gemeinde Jesu Christi – oder die Braut des Lammes – eine Sonderstellung ein. Nach Epheser 1 ist sie schon auserwählt vor Grundlegung der Welt und zuvor bestimmt zur Sohnschaft. Dazu gehören alle, die in der Gnadenzeit, die von Pfingsten bis zur Entrückung währt, zum lebendigen Glauben an Jesus Christus, ihren Heiland, Retter und Erlöser gekommen sind. Von ihnen schreibt der Apostel Petrus in dem ersten Kapitel seines 1. Briefes, 8-9: „Ihn liebt ihr, obgleich ihr ihn nicht gesehen habt; an ihn glaubt ihr, obgleich ihr ihn jetzt nicht seht, und über ihn werdet ihr euch jubelnd freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, wenn ihr das Endziel eures Glaubens davontragt, die Errettung der Seelen!“ Die Zeit, in der die Gemeinde Jesu gesammelt wird, ist eine Einschaltungszeit. Nach ihrer Entrückung führt Gott seine Pläne mit Israel, seinem irdischen Volk, und mit dieser Erde durch. Paulus nennt in Epheser 3 die Verbindung der Erlösten mit Christo das Geheimnis des Christus. Er schreibt: „ …dass er mich das Geheimnis durch Offenbarung wissen ließ, wie ich zuvor kurz geschrieben habe. Daran könnt ihr, wenn ihr es lest, meine Einsicht in das Geheimnis des Christus erkennen, … dass nämlich die Heiden Miterben und mit zum Leib Gehörige und Mitteilhaber seiner Verheißung sind in Christus durch das Evangelium.“ Diese seine Botschaft ist nicht mehr das Evangelium des Reiches, wie es die Jünger vor Pfingsten verkündigten, sondern Paulus nennt es das Evangelium der Herrlichkeit; denn durch dasselbe werden Menschen aus Sünde und Tod errettet für die Herrlichkeit Gottes.


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An anderer Stelle nennt Paulus diese Botschaft das Geheimnis des Evangeliums. Alles aber, was die Gemeinde betrifft, steht unter der Benennung „das Geheimnis“, darum nennt er auch die Annahme des Evangeliums das Geheimnis des Glaubens. Diese Glaubensverbindung, diesen Genuss ihrer innigen Gemeinschaft mit Christus, nennt der Apostel in Epheser 5 das große Geheimnis. Wunderbar ist die Kraftquelle, aus der die Gemeinde lebt und handelt. In Kolosser 1,26-27 heißt es: „[nämlich] das Geheimnis, das verborgen war, seitdem es Weltzeiten und Geschlechter gibt, das jetzt aber seinen Heiligen offenbar gemacht worden ist. Ihnen wollte Gott bekannt machen, was der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Heiden ist, nämlich: Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit.“ Auch das herrliche Ziel, das vor ihnen steht, die lebendige Hoffnung, in der die Gemeinde lebt, ist das Geheimnis der Entrückung. In 1. Korinther 15,51-52 heißt es: „Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden zwar nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, plötzlich, in einem Augenblick.“ Gott hat in den fernsten Ewigkeiten diesen Ratschluss gefasst, die Gemeinde zu erwählen, sie im Sohn zu erlösen, sie im Heiligen Geist zu sammeln, zu heiligen, um sie dann dem Sohn als Brautgemeinde zu schenken. Alles aber dient zu Gottes ewigem Ruhm und seiner eigenen Herrlichkeit. Er ist der Ursprung dieses Vorsatzes. Darum wird dieser Vorsatz auch das Geheimnis Gottes genannt. Das herrliche Ziel, auf das alles hinausläuft, ist das Geheimnis seines Willens. Jesus Christus, der wahre Gottes- und Menschensohn, ist der Inhalt seiner Ratschlüsse, und seine Verherrlichung ist das große Ziel Gottes. In Epheser 1,9-10 heißt es in Bezug auf das Geheimnis seines Willens: „Er hat uns das

Geheimnis seines Willens bekannt gemacht, entsprechend dem [Ratschluss], den er nach seinem Wohlgefallen gefasst hat in ihm, zur Ausführung in der Fülle der Zeiten: alles unter {einem} Haupt zusammenzufassen in dem Christus.“ Die Gemeinde steht mit Christus in einer innigen Wesens- und Lebensgemeinschaft. Er ist das Haupt, und die Gemeinde wird sein Leib genannt. Er, das Haupt, und die Gemeinde, sein Leib, werden in 1. Korinther 12,12 als der Christus bezeichnet: „Denn gleichwie der Leib {einer} ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des {einen} Leibes aber, obwohl es viele sind, als Leib eins sind, so auch der Christus.“ Alle Kreatur und alle Dinge im Himmel und auf Erden werden ihm, dem heute noch Verworfenen, dann unterworfen sein. Der Inhalt der wunderbaren Botschaft, die Gott durch seine Gemeinde heute noch verkünden lässt, lautet: „Und anerkannt groß ist das Geheimnis der Gottesfurcht: Gott ist geoffenbart worden im Fleisch, gerechtfertigt im Geist, gesehen von den Engeln, verkündigt unter den Heiden, geglaubt in der Welt, aufgenommen in die Herrlichkeit“ (1. Timotheus 3,16). Dieser eine Vers enthält den ganzen Ratschluss Gottes. Noch macht Gott in unseren Tagen jedem Menschen das große Angebot. Umsonst, ohne Leistung von guten Werken, schenkt Gott dem bußfertigen Sünder das ewige Leben. Wohl jedem, der bereit ist, die Schuld zu bekennen und mit der Sünde zu brechen! Der Glaube an den Sohn Gottes, an den Heiland der Sünder, führt zur Rechtfertigung und zur Gotteskindschaft. Als Kind aber ist er rechtmäßiger Erbe, Erbe Gottes und Miterbe Jesu Christi. Welch ein Angebot! Wie kann nur jemand so töricht sein und dasselbe zurückweisen? Ja, wer will solch ein großes Heil verachten? Dieser verliert nicht nur


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den ganzen Reichtum der Herrlichkeit Gottes, sondern er fällt auch als Rebell in die Hände des lebendigen Gottes, dieses gerechten Richters, und endet in der ewigen Verdammnis.

Ereignisse auf Erden nach der Entrückung Sobald die Erlösten entrückt sind, bricht zunächst hier auf der Erde eine Panik aus. In vielen Häusern fehlt plötzlich jemand. Hier fehlt die Mutter, dort ist der Vater nicht mehr da! In einem anderen Haus fehlen beide und sind nicht mehr aufzufinden. In anderen Familien vermisst man Kinder. Ganze Häuser stehen leer, und große Angst bemächtigt sich derer, die um die Entrückung der Gläubigen gewusst haben. Sie haben aber die Erlösung in Christo Jesu immer aufgeschoben, und nun ist es zu spät, ewig zu spät! Besonders die Kinder der Gläubigen werden verzweifelt die Hände ringen, können aber ihr furchtbares Los nicht mehr ändern. Welch ein grauenvolles Erwachen! Warnend hat der Herr Jesus über die törichten Jungfrauen gesagt: „Während sie aber hingingen, um zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit; und die Tür wurde verschlossen. Danach kommen auch die übrigen Jungfrauen und sagen: Herr, Herr, tue uns auf! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht! Darum wacht! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde, in welcher der Sohn des Menschen kommen wird“ (Matthäus 25,10-13). Oh diese Säumigen und Gleichgültigen! Nun müssen sie die volle Bedeutung des Wortes erleben: „Darum, weil ich rufe und

ihr mich abweist, weil ich meine Hand ausstrecke und niemand darauf achtet, weil ihr vielmehr allen meinen Rat verwerft und meine Zurechtweisung nicht begehrt, so werde auch ich über euer Unglück lachen und über euch spotten, wenn das kommt, was ihr fürchtet, wenn das, was ihr fürchtet, als Verwüstung über euch kommt und euer Unheil euch überraschen wird wie ein Sturm, wenn euch Angst und Not überfällt! Dann werden sie mich anrufen, aber ich werde nicht antworten; sie werden mich eifrig suchen und nicht finden, weil sie die Erkenntnis gehasst und die Furcht des HERRN nicht erwählt haben, weil sie meinen Rat nicht begehrt und alle meine Zurechtweisung verschmäht haben. Darum sollen sie von der Frucht ihres eigenen Weges essen und von ihren eigenen Ratschlägen genug bekommen!“ (Sprüche 1,24-31). Das Gros der Gottlosen aber wird sich freuen, dass diese lästigen Mahner endlich verschwunden sind. Sie lachen und spotten ja über das Evangelium. Sie sind mit allem fertig! Für sie ist Gott tot. Es gibt ja keinen Gott, keine Ewigkeit und somit auch kein Gericht. Wie werden diese Frevler doch schon bald eines anderen belehrt werden; denn mit der Entrückung der Heiligen beginnen die Katastrophen auf der Erde. Ein Unglück löst das andere ab. Hier wird ein gläubiger Lokomotivführer entrückt …, der Zug rast ins Verderben! Dort wird ein Flugzeugführer hinweggenommen …, die Maschine zerschellt mit allen Insassen! Hier saust ein Auto führerlos auf der Autobahn dahin …, dort ein Lastwagen …, alles überschlägt sich – Katastrophe über Katastrophe! Überall werden Menschen vom Tod hinweggerafft und stehen unversöhnt vor den Toren der Ewigkeit. Überall Not, Tränen, Hilfegeschrei und Verzweiflung. Zu spät verstehen sie das Wort des Herrn


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Jesu: „Wenn doch auch du erkannt hättest, wenigstens noch an diesem deinem Tag, was zu deinem Frieden dient! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen“ (Lukas 19,42). Sie wussten um die Zusage Gottes: „Wer an den Sohn glaubt, der hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht glaubt, der wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm“ (Johannes 3,36). Noch währt die wunderbare Gnadenzeit, noch gibt es eine Möglichkeit, dem kommenden Verderben zu entfliehen! Doch wie lange noch? Wie bald schon können die Gnadentore sich schließen! Und dann? Ja, dann erfüllt sich das Wort des Propheten: „So will denn auch ich in meinem grimmigen Zorn handeln; mein Auge soll sie nicht verschonen, und ich will mich nicht über sie erbarmen; und wenn sie mir auch mit lauter Stimme in die Ohren schreien, so werde ich sie doch nicht erhören!“ (Hesekiel 8,18). Besonders ernst wird das Erwachen der so genannten Namenchristen sein, die wohl die äußere Form besitzen, aber keine Lebensverbindung mit Jesus Christus haben. Sie glaubten, Gott mit ein paar frommen Phrasen abspeisen zu können; sie konnten beides: Auf der einen Seite ihre religiösen Feste feiern und auf der anderen Seite alle Freuden der Welt genießen. Wie furchtbar, wenn sie zu der Erkenntnis geführt werden, dass die Halben das Ziel nie erreichen, und dass alle Lauen ausgespieen werden aus seinem Mund: „Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an

den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben. Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert“ (Römer 1,18-21). Schrecklich ist solche Selbsttäuschung! Als wenn Gott sich mit frommem Theater zufrieden gäbe. Er fordert eine ganz klare Entscheidung: Entweder ganz auf der Seite Jesu stehen, oder die Welt wählen und mit ihr zugrunde gehen. Gott teilt sich mit keinem das Herz des Menschen. In seiner Forderung „gib mir, o Sohn, dein Herz“ meldet er seinen Anspruch an. Wer aber auf beiden Seiten hinken will, wer heute fromm ist und morgen Fastnacht feiern kann, morgens die Kirche besucht und nachmittags den zweifelhaften Freuden der Welt huldigt, ist ihm ein Gräuel. Solche Halben, die nur eine Form der Gottseligkeit haben, leben ja in Wirklichkeit im Unglauben. An solchen wird sich das Gotteswort erfüllen: „ … weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, sodass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit“ (2. Thessalonicher 2,10-12).

Gottes ernste Sprache Sobald die Gemeinde Jesu in Sicherheit ist, redet Gott ernst mit den Menschen, besonders mit dem christlichen Abendland; denn es steht ja vor allen Dingen


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unter schwerer Verantwortung, weil hier die Menschen so oft das Evangelium gehört haben. Nicht nur Katastrophen und Unglücke häufen sich, sondern auch das Wort des Herrn Jesus aus Matthäus 24,6 erfüllt sich: „Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören.“ Wohl hat es zu allen Zeiten Kriege gegeben, und wer hätte das schreckliche Morden der beiden letzten Weltkriege vergessen, doch alles Dagewesene wird von der kommenden Weltkatastrophe weit in den Schatten gestellt. Wir lesen in Offenbarung 6, dass die vier apokalyptischen Reiter ausziehen werden; in Vers 3 und 4 heißt es: „Und als es [das Lamm] das zweite Siegel öffnete, hörte ich das zweite lebendige Wesen sagen: Komm und sieh! Und es zog ein anderes Pferd aus, das war feuerrot, und dem, der darauf saß, ihm wurde gegeben, den Frieden von der Erde zu nehmen, damit sie einander hinschlachten sollten; und es wurde ihm ein großes Schwert gegeben.“ In allen Kriegen, die gewesen sind, haben immer noch Völker in Frieden gelebt, hier aber heißt es: Der Friede wird weggenommen von der Erde. Wie furchtbar muss diese Zeit sein, wenn zwei Menschen nicht mehr miteinander auskommen können. Doch wer ein Auge für die Entwicklung hat, in der wir leben, wenn wir nur die Kriegstechnik anschauen, dann wird uns klar, wie furchtbar die kommende Auseinandersetzung der beiden Weltblöcke sein wird, wenn die schrecklichen Atombomben, Wasserstoffbomben, Kobaltbomben zum Einsatz gelangen werden. Welch ein grausiges Blutbad wird das geben! Aber nicht nur werden die Menschen zu Millionen ermordet, sondern auch die ganze Erde wird verwüstet. Es wird kein Säen und Ernten mehr sein, und das nächste Gottesgericht ist die furcht-

bare Hungersnot. Im 6. Kapitel der Offenbarung heißt es weiter in Vers 5 u. 6: „Und als es das dritte Siegel öffnete, hörte ich das dritte lebendige Wesen sagen: Komm und sieh! Und ich sah, und siehe, ein schwarzes Pferd, und der darauf saß, hatte eine Waage in seiner Hand. Und ich hörte eine Stimme inmitten der vier lebendigen Wesen, die sprach: Ein Maß Weizen für einen Denar, und drei Maß Gerste für einen Denar; doch das Öl und den Wein schädige nicht!“ Ein Chönix Weizen und zwei Chönix Gerste haben soviel Nährwert wie ein Mensch haben muss, um sein Leben so eben fristen zu können. Aber der Preis, um in den Besitz dieser wertvollen Nahrungsmittel zu kommen, beträgt den ganzen Tagesverdienst eines Arbeiters. Der Denar ist der Tagesverdienst eines Arbeiters, wie uns die Bibel das mitteilt, bei den Arbeitern, die der Herr in den Weinberg sandte. Die Nahrungsmittel sind rationiert und sehr teuer. Wenn der Einzelne für seinen Tagesverdienst nur sein Leben erhalten kann, wo bleiben Frau und Kinder? Eine furchtbare Hungersnot ist dann angebrochen, und was in dem Bombenhagel am Leben blieb, muss hier verhungern. Der Reiter reitet auf schwarzem Ross. Ein Bild der Trauer, in der die Menschheit lebt. In den weiteren Versen wird uns die schreckliche Auswirkung dieser Katastrophen gezeigt. Dort heißt es: „Und als es [das Lamm] das vierte Siegel öffnete, hörte ich die Stimme des vierten lebendigen Wesens sagen: Komm und sieh! Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd, und der darauf saß, dessen Name ist »der Tod«; und das Totenreich folgt ihm nach. Und ihnen wurde Vollmacht gegeben über den vierten Teil der Erde, zu töten mit dem Schwert und mit Hunger und mit Pest und durch die wilden Tiere der Erde.“ Wahrlich, die schaurigste


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Ernte der ganzen Weltgeschichte hält hier der Tod. Doch dieses Öffnen der Siegel durch das Lamm ist erst der Anfang dieser furchtbaren Wehen und Schrecken, die über diese Erde kommen werden.

Es gibt noch einen Ausweg! Noch kannst du der Katastrophe entfliehen. Noch stehen die Pforten der Gnade offen! Noch ruft der Herr Jesus die Einzelnen heraus! Es geht noch um die Letzten! Willst du nicht dabei sein? Er reicht dir die rettende, helfende Hand. Du kannst es doch nicht schaffen. Die Erlösung des Menschen ist kostbar. Der Mensch selbst kann Gott das Lösegeld nicht geben. Darum das große Angebot deines Heilandes: Alles tat ich für dich! Nicht mit Silber oder Gold, sondern nur mit dem kostbaren Blut Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken, kann die Erlösung erfolgen. Darum greife zu, denn was würde es dir nützen, wenn du die ganze Welt gewönnest, aber deine Seele einbüßtest und du verloren gehst? Leben und Tod – beides steht vor dir! Was willst du wählen? Die Wahl ist sehr wichtig! Darum eile aus der Gefahrenzone und bringe dich in Sicherheit! Nimm Zuflucht zu Jesus, der den Preis für deine Seele zahlte. Nimm den Freispruch, den Freibrief entgegen, und du bist einer, den die Gnade fand. Du kannst es dann jubelnd bekennen: alle meine Sünden hat er hinter seinen Rücken geworfen. In Johannes 10 will er dir das Wort zurufen: „Ich bin gekommen, damit du das Leben hast und es im Überfluss hast!“ Das ist ein Angebot, welches nicht zu überbieten ist. Darum versäume nicht die Gnadenzeit.

Sie ist bald vorbei. Schließen sich die Tore der Gnade, dann gibt es keinen Ausweg mehr, dann musst du ernten, was du gesät hast; aber ich möchte dich noch einmal warnen: Es ist furchtbar, unversöhnt in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Für solche sind die Zorngerichte bereitet, und heute oder morgen werden die Gefäße des Zornes Gottes ausgegossen über die sorglose Menschheit, die Gott in seiner suchenden Liebe die kalte Schulter zeigte. Aber: Irre dich nicht, Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein. Er lässt sich nicht spotten, und die Verächter seiner Gnade werden ein furchtbares Erwachen haben, aber sie werden nie mehr entfliehen können.

Die große Panik Die Ängste der Menschen steigern sich noch. Schreckliches haben sie schon erlebt durch Krieg, Seuchen und Hungersnot, doch nun folgen auch noch gewaltige Naturkatastrophen. Ein Erdbeben kommt von einer noch nie da gewesenen Stärke. Berge und Inseln werden aus ihrer Stellung gerückt, dazu kommen die in Matthäus 24 angekündigten Zeichen an Sonne, Mond und Sternen: „Und ich sah, als es [das Lamm] das sechste Siegel öffnete, und siehe, ein großes Erdbeben entstand, und die Sonne wurde schwarz wie ein härener Sack, und der Mond wurde wie Blut; und die Sterne des Himmels fielen auf die Erde, … und alle Berge und Inseln wurden von ihrem Ort weggerückt. Und die Könige der Erde und die Großen und die Reichen und die Heerführer und die Mächtigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und in den Felsen der Berge,


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und sie sprachen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! Denn der große Tag seines Zorns ist gekommen, und wer kann bestehen?“ (Offenbarung 6,12-17). Wie verständlich ist diese Angst, diese Panik, von der die Menschen dann ergriffen werden! Als der Herr Jesus am Kreuz hing und stellvertretend das Gericht Gottes über die Sünde trug, kam auch eine große Finsternis über das ganze Land. Drei Stunden lang hing der Reine unter dem Fluch der Sünde. In namenlosem Schmerz musste er für uns den Zorn Gottes tragen. Ja, in seiner tiefen Not rief er: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Dann neigte er sein Haupt und starb. Er, der Fürst des Lebens, schmeckte den Lohn der Sünde, den bitteren Tod. Als Folge dieser furchtbarsten Stunde der ganzen Weltgeschichte lesen wir: „Und siehe, der Vorhang im Tempel riss von oben bis unten entzwei, und die Erde erbebte, und die Felsen spalteten sich“ (Matthäus 27,51). Wer sich unter die segnenden Hände Jesu flüchtet, ist in ewiger Sicherheit und Geborgenheit. Ihn kann kein Gericht mehr ergreifen. Hier aber stehen die Verächter des Evangeliums; sie verkriechen sich bei diesem furchtbaren Erdbeben und der Finsternis in die Höhlen und Klüfte der Erde. Aller Spott ist verstummt. Die großen Reden sind vorbei, die Lästerungen haben der Angst Platz gemacht. Die erste richtige Volksgemeinschaft wird hier sichtbar. Der Klassendünkel hat aufgehört, alle, ob groß oder klein, reich oder arm, sind Schicksalsgenossen geworden. Sieben Klassen Menschen werden uns aufgezählt, die sich in die Höhlen verkrie-

chen! Der Bettler sitzt neben dem König, der Straßenkehrer hat seinen Platz neben der hochnäsigen Weltdame. Es ist eine eigenartige, sehr verschieden gemischte Versammlung. Was hat sie zusammengeschweißt? Oh, es ist die furchtbare Angst vor der Begegnung mit dem Weltenrichter. Was tun sie eigentlich? Ach, sie beten! Ja, Not lehrt beten. Was ihnen früher zu kindisch und naiv war, das tun sie jetzt. Zu dem Herrn Jesus hätten sie beten können am Tag des Heils, und er hätte sie gerettet vor dem kommenden Zorn! Nun aber ist es zu spät. Sie wenden sich in den Höhlen, wo ihr Betsaal ist, zu den kahlen Felsen. Sie schämen sich nicht, ihre Angst auszusprechen; wie ein schauriges Echo schallt ihr Rufen von den kahlen Felsen zurück. Ein eigenartiges Gebet sprechen sie aus: „Ihr Berge fallet auf uns, ihr Hügel bedecket uns!“ Die Angst vor dem Richter und seinem gerechten Urteil veranlasst sie zu diesem Rufen. Aber keine Erhörung erfolgt. Die Felsen und Berge bleiben ungerührt. Ach, wenn sie doch das Wort der Bibel verstanden hätten: „Rufe mich an am Tag der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich ehren!“ (Psalm 50,15). Doch die Tage der Gnade haben sie achtlos verstreichen lassen, und nun gibt es keine Gnade, kein Erbarmen mehr. Der Zorn des Lammes ist es, so heißt es an dieser Stelle, den sie fürchten. Das Lamm, das für sie am Kreuz hing, hat um sie geworben, doch sie haben nicht gewollt. Nun trifft sie der ganze Zorn. Das sind die Tage, von denen der Herr Jesus sprach, als er auf dem Weg zum Kreuz war: „Glückselig sind die Unfruchtbaren, und die Leiber, die nicht geboren, …Dann wird man anfangen, zu den Bergen zu sagen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! Denn wenn man dies mit dem grünen Holz


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tut, was wird mit dem dürren geschehen?“ (Lukas 23,29-31). Diese Worte Jesu zeigen uns den Grund und die Ursache dieses unerbittlichen Gerichts, welches die Ungläubigen trifft. Wenn er, das grüne Holz, der Fürst des Lebens, so leiden musste, um stellvertretend die Schuld der Menschheit zu sühnen, um für sie zu sterben; wenn ihn, den Stellvertreter, so der Zorn Gottes traf, was wird dann erst mit dem dürren Holz geschehen, mit diesem Menschen ohne Leben aus Gott? Nicht nur hat er Sünde auf Sünde gehäuft, sondern er hat auch das kostbare Blut Jesu, das am Kreuz zur Vergebung der Sünden floss, mit Füßen getreten und den Geist der Gnade geschmäht. Wie furchtbar muss deshalb ihre Verzweiflung sein! Darum ist Golgatha das rote Haltsignal für die ganze Welt. Wer es überfährt, fährt in Nacht und Grauen, ins ewige Verderben. Darum wohl dem, der sich fallen lässt in Jesu Retterarme. Er ist der Felsengrund des Heils und des Glaubens. Wohl dem, der aus tiefster Überzeugung sagen kann: „Jesus starb für mich! Sein Tod ist mein Tod! Sein Gericht ist mein Gericht! Sein Leben ist mein Leben! Darum auch seine Gerechtigkeit ist meine Gerechtigkeit, aber auch: Seine Herrlichkeit ist meine Herrlichkeit!“ Jeder muss wählen, die Würfel legt Gott jedem persönlich in die Hand. An Jesus Christus kommt auch keiner vorbei. Entweder wird er mein Retter oder er wird mein Richter. Denn nur dem zugut floss Jesu Blut, nur der hat teil an Gottes Heil, der Heil begehrt, sich zu ihm kehrt, der schuldbewusst schlägt an die Brust, die Schuld ihm nennt, mit Schmerz bekennt; sich ihm vertraut, auf ihn nur baut.

Von dem ist‘s wahr, und Gott sagt‘s klar, dass ins Gericht er komme nicht! Die Offenbarung berichtet uns von drei Gerichtsperioden. Zuerst lesen wir vom Öffnen der sieben Siegel durch das Lamm. Dann folgt die Gerichtsperiode durch das Blasen der sieben Gerichtsposaunen. Und in Kapitel 16 wird uns das Ausgießen der sieben Zornesschalen gezeigt. In allen drei Gerichtsabschnitten wird der Mensch, seine Umgebung und auch seine Verhältnisse vom Zorn Gottes betroffen werden. Besonders groß wird die Not auf Erden sein, wenn die drei letzten Gerichtsposaunen, welche man auch Weheposaunen nennt, geblasen werden. In Kapitel 9 und 10 der Offenbarung wird uns dies berichtet. In Kapitel 9 wird der Schlund des Abgrundes geöffnet. Und diesem Abgrund entsteigen furchtbare Wesen, die die Aufgabe haben, die Menschen nicht zu töten, sondern sie fünf Monate lang zu quälen. Das ist die furchtbare Zeit, von der wir lesen, dass die Menschen den Tod suchen, ihn aber nicht finden – er flieht vor ihnen. Wie groß muss die Pein sein, dass der Mensch, der doch alles für sein Leben tut, es hier mit Freuden von sich werfen würde, wenn er es könnte. Der König, der diese schrecklichen Wesen anführt, ist Satan, der hier den Namen „Verderber“ trägt. Beim Blasen der 6. Posaune bekommen diese furchtbaren Gestalten den Auftrag, den dritten Teil der Menschen zu töten durch Feuer, Rauch und Schwefel. Beim Blasen der 7. Posaune wird das Reich der Welt unseres Herrn und seines Christus angekündigt. Und er wird herrschen bis in die Zeitalter der Zeitalter. Doch bevor dies in Erscheinung treten kann, muss die


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Vermessenheit und Gottlosigkeit ihren Höhepunkt erreichen. Deshalb wird uns berichtet: „Und es entstand ein Kampf im Himmel: Michael und seine Engel kämpften gegen den Drachen; und der Drache und seine Engel kämpften; aber sie siegten nicht, und ihre Stätte wurde nicht mehr im Himmel gefunden. Und so wurde der große Drache niedergeworfen, die alte Schlange, genannt der Teufel und der Satan, der den ganzen Erdkreis verführt; er wurde auf die Erde hinabgeworfen, und seine Engel wurden mit ihm hinabgeworfen. … Wehe denen, die auf der Erde wohnen und auf dem Meer! Denn der Teufel ist zu euch herabgekommen und hat einen großen Zorn, da er weiß, dass er nur wenig Zeit hat“ (Offenbarung 12,7-9+12). Wehe der Erde und dem Meer! Nun beginnt eine schreckliche Zeitepoche. Satan verkörpert sich in einem Menschen, in einem Übermenschen, dem Anti- oder Gegenchristus: „Und ich sah ein anderes Tier aus der Erde aufsteigen, und es hatte zwei Hörner gleich einem Lamm und redete wie ein Drache. Und es übt alle Vollmacht des ersten Tieres aus vor dessen Augen und bringt die Erde und die auf ihr wohnen dazu, dass sie das erste Tier anbeten, dessen Todeswunde geheilt wurde. Und es tut große Zeichen, sodass es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde herabfallen lässt vor den Menschen. Und es verführt die, welche auf der Erde wohnen, durch die Zeichen, die vor dem Tier zu tun ihm gegeben sind, und es sagt denen, die auf der Erde wohnen, dass sie dem Tier, das die Wunde von dem Schwert hat und am Leben geblieben ist, ein Bild machen sollen. Und es wurde ihm gegeben, dem Bild des Tieres einen Geist zu verleihen, so dass das Bild des Tieres sogar redete und bewirkte, dass alle getötet wurden, die das Bild des Tieres nicht anbe-

teten.“ (Offenbarung 13,11-15). Also, durch große Verführungskünste, durch Zeichen und Wunder führt der Antichrist einen grauenhaften Kult und Götzendienst ein, der zur Anbetung der politischen und der religiösen Macht führt. In diesem Kapitel wird uns nämlich von zwei Tieren berichtet. Das erste steigt aus dem Meer (Völkermeere), und das andere gleich dem Lamm (Gegenbild vom Lamm Gottes) steigt aus der Erde auf. Dieses zweite bewirkt auch die Wunder. Es versucht nämlich, alles nachzuäffen, was der Herr Jesus – als er auf Erden war – getan hat. Dieser Antichrist, auch Sohn des Verderbens genannt, verbindet sich mit dem ersten Tier der politischen Macht. In diesem Tier sehen glaubhafte Bibelausleger das neu erstandene ehemalige Römische Weltreich, die vereinigten Staaten Europas. Es ist ein Zehn-Staaten-Bund. Es heißt nämlich in Offenbarung 17,8: „Das Tier, das du gesehen hast, war und ist nicht mehr, und es wird aus dem Abgrund heraufkommen und ins Verderben laufen; und die auf der Erde wohnen, deren Namen nicht geschrieben stehen im Buch des Lebens von Grundlegung der Welt an, werden sich verwundern, wenn sie das Tier sehen, das war und nicht ist und doch ist.“. Die Empörung gegen Gott wird sich so weit steigern, dass der Antichrist sich als der Messias ausgibt und sich in den neu erstandenen Tempel in Jerusalem setzt; dort wird er sich als Gott anbeten lassen. Die Namenchristenheit, die so viel auf die so genannten heiligen Stätten im heiligen Land baut, wird mit den Juden diesem Scheinmessias huldigen: „Lasst euch von niemand in irgendeiner Weise verführen! Denn es muss unbedingt zuerst der Abfall kommen und der Mensch der Sünde geoffenbart werden, der Sohn des Verderbens, der sich widersetzt und sich über alles


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erhebt, was Gott oder Gegenstand der Verehrung heißt, sodass er sich in den Tempel Gottes setzt als ein Gott und sich selbst für Gott ausgibt“ (2. Thessalonicher 2,3-4). Wer nicht mitmacht, wer sich nicht an der Anbetung beteiligt, wird als Volksschädling ausgerottet werden. Es heißt: „Wer das Malzeichen des Tieres nicht annimmt, es nicht trägt, entweder in der Hand oder an der Stirn, der wird getötet werden.“ Diese Wunder des Antichristen werden durch Fernsehen übertragen, und dadurch wird die Verführung so umfassend sein. Der Traum der Menschheit scheint sich erfüllt zu haben. Der Mensch hat es geschafft! Weltwirtschaft sichert den Wohlstand. Weltpolitik sichert den Frieden! In der Weltreligion sind sich alle einig in der Anbetung des Übermenschen, des Antichristen. Es hat sich das Wort des Teufels scheinbar erfüllt: Ihr werdet sein wie Gott! Der größte Betrug Satans ist gelungen. Die Führung besteht in einer furchtbaren Drei-Einheit, nämlich 3 Personen bilden die Spitze dieses teuflischen Systems. Der Drache, Satan, ist die dämonische Macht. Das Tier aus dem Völkermeer ist die politische Macht, und der Antichrist ist die religiöse Macht. Also: Anti-Gott, Anti-Sohn und Anti-Geist verkörpern sich in diesen 3 Gestalten. Dieser Anti-Sohn oder Antichrist muss aus dem Volk der Juden kommen. Der Herr Jesus hatte schon einst auf Erden zu der Volksmenge gesagt: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr nehmt mich nicht an. Wenn ein anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr annehmen“ (Johannes 5,43).

Die Vernichtung des Antichristen und seines Anhangs Dieses Wahngebilde der Menschheit und die große Revolution gegen Gott hat nur eine ganz kurze Lebensdauer. Kaum glauben die Führer des anti-göttlichen Weltsystems, auf der Höhe ihrer Macht zu stehen, da kommt auch schon der große Endschlag. Unbeschreiblich ist dieses Getümmel im Tal der Entscheidung: „Und der sechste Engel goss seine Schale aus auf den großen Strom Euphrat; und sein Wasser vertrocknete, damit den Königen vom Aufgang der Sonne der Weg bereitet würde. Und ich sah aus dem Maul des Drachen und aus dem Maul des Tieres und aus dem Maul des falschen Propheten drei unreine Geister herauskommen, gleich Fröschen. Es sind nämlich dämonische Geister, die Zeichen tun und ausgehen zu den Königen der Erde und des ganzen Erdkreises, um sie zum Kampf zu versammeln an jenem großen Tag Gottes, des Allmächtigen. Siehe, ich komme wie ein Dieb! Glückselig ist, wer wacht und seine Kleider bewahrt, damit er nicht entblößt einhergeht und man seine Schande sieht! Und er versammelte sie an den Ort, der auf hebräisch Harmageddon heißt“ (Offenbarung 16,12-16). Der Herr erscheint in Herrlichkeit und zerschmettert und vernichtet die antichristlichen Heere. In Offenbarung 19,11-21 wird geschildert, wie er auf weißem Pferd, begleitet von den Kriegsheeren des Himmels, kommt, um die Feinde zu vernichten. Aus seinem Mund geht das scharfe, zweischneidige Schwert hervor, und er selbst tritt die Kelter des Weines, des Zorngrimmes Gottes, des Allmächtigen. Viel und mannigfaltig sind die Darstellungen, wie er erscheint. Er kommt mit eiserner Rute, mit einem in


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Blut getauchten Gewand, wie einer, der die Tenne drischt und die scharfe Sichel des Zorngerichtes schwingt. Er kommt in der Glut seines Zornes. Den Antichristen vernichtet er durch den Hauch seines Mundes, und sein ganzer Anhang wird von seinem Zorngericht hinweggefegt: „Und ich sah das Tier und die Könige der Erde und ihre Heere versammelt, um Krieg zu führen mit dem, der auf dem Pferd sitzt, und mit seinem Heer. Und das Tier wurde ergriffen und mit diesem der falsche Prophet, der die Zeichen vor ihm tat, durch welche er die verführte, die das Malzeichen des Tieres annahmen, und die sein Bild anbeteten; die beiden wurden lebendig in den Feuersee geworfen, der mit Schwefel brennt. Und die übrigen wurden getötet mit dem Schwert dessen, der auf dem Pferd sitzt, das aus seinem Mund hervorgeht, und alle Vögel sättigten sich von ihrem Fleisch“ (Offenbarung 19,19-21). Ungeheuer ist die Vermessenheit des gottlosen Menschen, der sich erdreistet, die Waffe gegen den Sohn Gottes mit den himmlischen Heerscharen zu richten. Aber schonungslos wird auch das Gericht sein über diese wahnwitzigen Menschen. Dort im Tal Armagedon werden sie restlos vernichtet werden. Viele Propheten haben davon geschrieben. Unmöglich können wir all die Stellen angeben. Einige wollen wir zur Unterstreichung des vorhin Gesagten noch folgen lassen: „Denn siehe, der HERR wird im Feuer kommen und seine Streitwagen wie der Sturmwind, um seinen Zorn in Glut zu verwandeln und seine Drohungen in Feuerflammen. Denn mit Feuer und mit seinem Schwert wird der HERR alles Fleisch richten; und die vom HERRN Erschlagenen werden eine große Menge sein“ (Jesaja 66,15-16). Eine weitere Stelle aus Joel Kapitel 2,1-2: „…denn der Tag des HERRN kommt, ja,

er ist nahe - ein Tag der Finsternis und des Dunkels, ein Tag des Gewölks und des Wolkendunkels.“ Bitte, lies auch Kapitel 38 und 39 in dem Propheten Hesekiel.

Ergebnis des Kampfes In diesem furchtbaren Ringen ist der gläubige Überrest aus Israel – die Juden, die auf ihren Messias warten – in große Bedrängnis gekommen. Ihnen kommt der Herr Jesus plötzlich zur Hilfe. Er wird seinen Fuß auf den Ölberg setzen. Dann wird jedes Auge ihn sehen. Von diesem Augenblick lesen wir in Sacharja 14,4-5: „Und seine Füße werden an jenem Tag auf dem Ölberg stehen, der vor Jerusalem nach Osten zu liegt; und der Ölberg wird sich in der Mitte spalten nach Osten und nach Westen hin zu einem sehr großen Tal, und die eine Hälfte des Berges wird nach Norden zurückweichen, die andere nach Süden. Da werdet ihr in das Tal meiner Berge fliehen; denn das Tal zwischen den Bergen wird bis nach Azel reichen; und ihr werdet fliehen, wie ihr geflohen seid vor dem Erdbeben in den Tagen Ussijas, des Königs von Juda.“ In diesem Tal werden die gläubigen Juden bewahrt werden bis zur völligen Niederwerfung und Beseitigung dieses furchtbaren Weltsystems. Die satanische Dreiheit wird vernichtet. Wir lasen schon, dass das Tier und der falsche Prophet ergriffen und lebendig in den Feuersee geworfen wurden. Dann wird der Drache, die alte Schlange, gebunden und 1000 Jahre im Abgrund eingeschlossen bleiben. Satan ist unschädlich gemacht, und die beiden anderen satanischen Gestalten sind endgültig gerichtet. Der große Triumph des Siegers von Golgatha, des Lammes Got-


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tes, wird sichtbar, über diesen Drachen und Gegenspieler Gottes mit seinem ganzen Anhang. Alle seine Feinde sind gelegt zum Schemel seiner Füße! Der König der Könige, der Herr aller Herren, schickt sich nun an, sein Reich auf dieser Erde aufzurichten. Über dem schrecklichen Trümmerfeld von Armagedon kann nun Heil bringend die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen. Alle Errungenschaften des selbstherrlichen Menschen, all seine Werke, in denen er sich verewigen wollte, liegen zu einem Scherbenhaufen zerschlagen da. In dem totalen Zusammenbruch aller menschlichen Fehlschläge wird nun offenbar, was der Herr kann. Er hat den Weg freigelegt zur Errichtung des Friedensreiches.

Das Gericht über die Lebendigen Nach der Niederwerfung des feindlichen Heeres setzt sich der König, Jesus Christus, auf den Thron seiner Herrlichkeit, um die Völker, die in den Gerichten übrig geblieben sind, für den Eingang ins Friedensreich zu sichten. (Lies bitte Matthäus 25,31-46) Dieses Völkergericht dürfen wir nicht mit dem Endgericht verwechseln, welches vor dem großen weißen Thron geschieht. Diese beiden Gerichte liegen 1000 Jahre auseinander. Dieses Gericht über die Lebendigen findet im Tal Josaphat statt und zwar, wie wir schon sahen, zu Anfang des Herrlichkeitsreiches Christi hier auf der Erde. „Die Heidenvölker sollen sich aufmachen und in das Tal Josaphat hinaufziehen! Dort will ich zu Gericht sitzen über alle Heidenvölker ringsum“ (Joel 4,12). „Wenn aber der Sohn des Menschen

in seiner Herrlichkeit kommen wird und alle heiligen Engel mit ihm, dann wird er auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen, und vor ihm werden alle Heidenvölker versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und er wird die Schafe zu seiner Rechten stellen, die Böcke aber zu seiner Linken“ (Matthäus 25,31-33).

Was ist das Motiv dieses Gerichts? Wer den ganzen Abschnitt liest, bekommt klaren Aufschluss, warum und wozu das Gericht dient und sein muss. Die Völker werden verantwortlich gemacht gegenüber ihrem Verhalten dem in so schwerer Bedrängnis gewesenen gläubigen Überrest aus Israel. Diese werden hier nämlich von ihm als seine Brüder bezeichnet. Die Werke der Barmherzigkeit sind maßgebend, um ins Reich eingehen zu können. Wer sich dieser Zeugen des Reiches in Liebe angenommen hat, wird dafür sehr belohnt. Er darf aus dem Mund des Königs hören: „Was du dem geringsten meiner Brüder getan hast, das hast du mir getan. Kommet her, Gesegnete meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an“. Die Mitmenschlichkeit, von der heute so viel geredet wird, und die Werke der Liebe werden ausschlaggebend sein, wer in die Segnungen des Reiches eingeht. Wer diese Boten abweist, schmäht oder gar verfolgt, wird zur Linken gestellt und geht in die Verdammnis. Dass diese Begebenheit in einer ganz anderen Haushaltung liegt, ist doch wirklich nicht schwer zu erkennen. Heute kann


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jemand sein ganzes Hab und Gut den Armen geben, er kann sich noch so weit für das soziale Evangelium öffnen und alles tun, was in seinen Kräften steht und trotzdem kann er dadurch keine Notlüge sühnen und dem Himmel keinen Millimeter näher kommen. Die Erlösung unserer Seele ist sehr kostbar. Dafür musste der Herr Jesus sterben und am Kreuz die Sünde mit seinem heiligen Blut sühnen. Die Mitmenschlichkeit ist erst die Frucht der Verbindung mit dem Auferstandenen. Dann aber, wenn der Herr auf Erden sein Reich aufrichtet, entscheiden die Werke der Liebe über das Schicksal derer, die vor dem König auf seinem Thron der Herrlichkeit stehen. Hier fällt die Entscheidung: „Kommet her, Gesegnete, oder weichet von mir, Verfluchte!“

Die Botschaft vom Reich Christi Das Gros der ungläubigen Juden hatte sich ja unter die Führung des Antichristen gestellt, und sie sind in der großen Endschlacht umgekommen. Furchtbar ist die Heimsuchung dieses Volkes, das einst seinen Messias gekreuzigt hat. In den Propheten heißt es: „Und es soll geschehen, spricht der HERR, dass im ganzen Land zwei Drittel ausgerottet werden und umkommen, ein Drittel aber soll darin übrig bleiben. Aber dieses [letzte] Drittel will ich ins Feuer bringen und es läutern, wie man Silber läutert, und ich will es prüfen, wie man Gold prüft. Es wird meinen Namen anrufen, und ich will ihm antworten; ich will sagen: »Das ist mein Volk!« und es wird sagen: »Der HERR ist mein Gott!«“ (Sacharja 13,8-9).

So schreibt auch Paulus: „Wenn die Zahl der Kinder Israels wäre wie der Sand am Meer, so wird doch nur der Überrest gerettet werden“ (Römer 9,27). Diesem Überrest wird der Herr Jesus sich zu erkennen geben. Sie werden den anschauen, den sie durchstochen haben. Dieses Volk kommt durch Schauen zum Glauben. Sie sind die Missionare des Reiches, die hinausgehen, um den Nationen das Evangelium des regierenden Messias zu überbringen. Jetzt erfüllt sich eigentlich der ganze Umfang des Auftrages Jesu: Gehet nun hin und machet alle Nationen zu Jüngern. Heute wird nur eine Vollzahl aus den Nationen gerettet. Es ist ein kleines Häuflein, die kleine Herde, aber dann wird die Botschaft bis an die Enden der Erde getragen, und alle Völker werden das Evangelium des Reiches hören. Dann erst wird sich auch die Verheißung aus Joel 3,1-2 voll erfüllen: „Und nach diesem wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgieße über alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, eure Ältesten werden Träume haben, eure jungen Männer werden Gesichte sehen; und auch über die Knechte und über die Mägde will ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen.“ Auch Hesekiel 37 berichtet von dem Zusammenrücken der Totengebeine – ein Bild von Israel. In Vers 5-6 heißt es: „So spricht GOTT, der Herr, zu diesen Gebeinen: Seht, ich will Odem in euch kommen lassen, dass ihr lebendig werdet! Ich will euch Sehnen geben und Fleisch über euch wachsen lassen und euch mit Haut überziehen und Odem in euch geben, dass ihr lebendig werdet!“ Diese und viele, viele andere Stellen in den Propheten weisen auf das große bevorstehende Ereignis hin, wo das geistlich erwachte Volk Israel in tiefer Buße den Herrn Jesus als seinen Messias erkennt und dann hinausgeht


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und die Welt missioniert. Das geschieht dann in einem Feuereifer, wie es die Welt noch nie erlebt hat. Die Kräfte des Heiligen Geistes werden sich so auswirken, dass sich keiner der Botschaft entziehen kann. Alle werden kommen und dem König der Könige die Ehre geben.

Das Tausendjährige Friedensreich Christi Der Herr hat die Erde gereinigt von allen Ärgernissen. Seine Feinde sind gelegt zum Schemel seiner Füße; das Volk Israel ist zur Nationalbuße gekommen und hat Jesus Christus, den einst von ihnen verworfenen Messias, erkannt. Die Völker der Erde werden missioniert, und Jesus Christus sitzt als König der Könige auf dem Thron seines Vaters Davids. Nun bricht das wunderbare verheißene Friedensreich an. An vielen Stellen haben die Propheten von dieser herrlichen Zeit geweissagt: „Frohlockt, ihr Himmel; denn der HERR hat es vollbracht! Jauchzt, ihr Tiefen der Erde! Brecht in Jubel aus, ihr Berge und Wälder samt allen Bäumen, die darin sind! Denn der HERR hat Jakob erlöst, und an Israel verherrlicht er sich“ (Jesaja 44,23). Israel, der fruchtlose Weinstock, und der Feigenbaum, der keine Frucht brachte, hat unter den mächtigen Lebenswirkungen des Heiligen Geistes nach schweren Straf- und Reinigungsgerichten nun auf dem Boden der freien, wunderbaren Gnade kostbare Frucht gebracht, Gott zum Ruhm und der ganzen Erde dann zum Segen. Dieses arme, gehetzte und oft so gejagte Volk wird dann endlich in Sicherheit wohnen in seinem Land. Die Bedrückung hat aufgehört: „Und das Recht wird sich in

der Wüste niederlassen, und die Gerechtigkeit im Fruchtgarten wohnen; und das Werk der Gerechtigkeit wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit auf ewig. Und mein Volk wird in Wohnorten des Friedens wohnen, in sicheren Wohnungen und an sorglosen Ruheorten“ (Jesaja 32,16-18). Der Höhepunkt von allem, der alles, was dieses Volk an Freude, Glück und an Wohlfahrt genießt, weit in den Schatten stellt, ist die Tatsache, dass ihr Messias, ihr König, in ihrer Mitte weilt, denn: „Deine Augen werden den König in seiner Schönheit schauen; du wirst das Land erweitert sehen. Deine Augen werden Jerusalem sehen als eine sichere Wohnstätte, als ein Zelt, das nicht mehr wandert, dessen Pflöcke nie mehr herausgezogen werden und von dessen Seilen keines je losgerissen wird. Denn der HERR ist unser Richter, der HERR ist unser Gesetzgeber, der HERR ist unser König; {er} wird uns retten!“ (Jesaja 33,17,20+22). Durch das Zeugnis dieses Volkes wird ein starkes Sehnen aufbrechen unter den Nationen. Sie werden sich aufmachen, den König, Jesus Christus, zu suchen, um ihn zu ehren und von ihm Belehrung zu empfangen: „Ja, es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses des HERRN fest gegründet stehen an der Spitze der Berge, und er wird erhaben sein über alle Höhen, und alle Heiden werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: ‚Kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berg des HERRN, zum Haus des Gottes Jakobs, damit er uns belehre über seine Wege und wir auf seinen Pfaden wandeln!‘ Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des HERRN von Jerusalem“ (Jesaja 2,2-3). Gleichsam wie in den Tagen der Völkerwanderungen, so werden die Menschen in Scharen eilen, um die Gunst


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des Königs zu suchen. Arm und Reich, Jung und Alt wird sich aufmachen; und das meistgehasste Volk der Juden wird gleichsam zu einem anziehenden Magneten. Man wird zu ihnen flehen: Nehmt uns doch mit nach Jerusalem: „Es werden noch Völker und die Bewohner vieler Städte kommen; und die Bewohner einer Stadt werden zu denen einer anderen kommen und sagen: ‚Lasst uns hingehen, um den HERRN anzuflehen und den HERRN der Heerscharen zu suchen! Auch ich will gehen!’ So werden große Völker und mächtige Nationen kommen, um den HERRN der Heerscharen in Jerusalem zu suchen und den HERRN anzuflehen. So spricht der HERR der Heerscharen: In jenen Tagen wird es geschehen, dass zehn Männer aus allen Sprachen der Heidenvölker einen Juden beim Rockzipfel festhalten und zu ihm sagen werden: ‚Wir wollen mit euch gehen, denn wir haben gehört, dass Gott mit euch ist!’“ (Sacharja 8,20-23).

Kennzeichen des Friedensreiches Weil Satan gebunden ist und sein scheußlicher Einfluss, seine Verführungskünste ausgeschaltet sind, kann die Sünde sich nicht mehr entfalten. Der Geist Gottes ist ausgegossen über alles Fleisch, und die Gotteserkenntnis erfüllt die Erde. „Sie werden nichts Böses tun noch verderbt handeln auf dem ganzen Berg meines Heiligtums; denn die Erde wird erfüllt sein von der Erkenntnis des HERRN, wie die Wasser den Meeresgrund bedecken. Und es wird geschehen an jenem Tag, da werden die Heidenvölker fragen nach dem Wurzelspross Isais, der als Banner für die Völker dasteht; und seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein“

(Jesaja 11,9-10). „Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein; und es wird keiner mehr seinen Nächsten und keiner mehr seinen Bruder lehren und sagen: »Erkenne den HERRN!« Denn sie werden mich alle kennen, vom Kleinsten bis zum Größten unter ihnen, spricht der HERR“ (Jeremia 31,33-34). Wer trotzdem sündigt, tut es im direkten Hass und in der Auflehnung gegen den Herrn. Er wird auf der Stelle vom Gericht erfasst werden. Darum lesen wir in Jesaja 65,20: „… und wer nur hundert Jahre alt wird, soll als ein vom Fluch getroffener Sünder gelten.“ Hier erfüllt sich das Gotteswort: „Der Sünder wird nicht bleiben in der Gemeinde der Gerechten.“

Friede auf Erden Die Ankündigung der Engel bei der Geburt Jesu: „Friede auf Erden und an den Menschen ein Wohlgefallen“ findet hier ihre Erfüllung. Wie werden die Völker aufatmen unter dem Friedenszepter des Friedefürsten. Er spricht ihnen Recht bis in die weiteste Ferne, und den Krieg werden sie nicht mehr lernen. Wie viel Blut und wie viele Tränen sind geflossen hier auf dieser Erde unter den Verführungskünsten Satans? Wie haben die Menschen in glühendem Hass sich gegenübergestanden und sich immer wieder gegenseitig bekämpft und ausgerottet? Nun aber wird Frieden sein auf der ganzen weiten Erde. „Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden, und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben, und sie werden den Krieg nicht mehr lernen“ (Jesaja


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2,4). Friede und Eintracht, selige Harmonie herrscht im Lande: „Und mit Wonne werdet ihr Wasser schöpfen aus den Quellen des Heils, und werdet sprechen an jenem Tage: Preiset Jehova, rufet seinen Namen aus, machet unter den Völkern kund seine Taten, verkündet, dass sein Name hoch erhaben ist! Besinget Jehova, denn Herrliches hat er getan; solches werde kund auf der ganzen Erde! Jauchze und jubele, Bewohnerin von Zion! denn groß ist in deiner Mitte der Heilige Israels“ (Jesaja 12,3-6).

Friede unter der Kreatur Nicht nur die Menschheit lebt in Frieden untereinander, sondern auch die Kreatur. Die Furcht voreinander und vor dem Menschen ist gewichen. „Da wird der Wolf bei dem Lämmlein wohnen und der Leopard sich bei dem Böcklein niederlegen. Das Kalb, der junge Löwe und das Mastvieh werden beieinander sein, und ein kleiner Knabe wird sie treiben. Die Kuh und die Bärin werden miteinander weiden und ihre Jungen zusammen lagern, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind. Der Säugling wird spielen am Schlupfloch der Natter, und der Entwöhnte seine Hand nach der Höhle der Otter ausstrecken. Sie werden nichts Böses tun noch verderbt handeln auf dem ganzen Berg meines Heiligtums“ (Jesaja 11,6-9).

Den Fluch nimmt er von der Schöpfung weg Nicht nur die Kreatur atmet auf im Friedensreich Christi, sondern auch die ganze Schöpfung wird freigemacht von der

Knechtschaft des Verderbens. Den Fluch nimmt der Herr von der Erde weg, und die Erde sprosst wieder wie ein Garten Eden. Die Erde gibt den vollen Ertrag. „Fürchte dich nicht, o Land, sondern frohlocke und freue dich; denn der HERR hat Großes getan! Fürchtet euch nicht, ihr Tiere des Feldes; denn die Auen der Steppe sollen grünen, und die Bäume sollen ihre Früchte tragen, der Weinstock und der Feigenbaum, so viel sie nur können. Und ihr Kinder Zions, frohlockt und freut euch über den HERRN, euren Gott; denn er gibt euch den Frühregen in rechtem Maß, und er lässt euch am ersten [Tag] Regengüsse herabkommen, Frühregen und Spätregen. Und die Tennen sollen voll Korn werden und die Keltern von Most und Öl überfließen. … und ihr sollt genug zu essen haben und satt werden und den Namen des HERRN, eures Gottes, loben, der wunderbar an euch gehandelt hat; und mein Volk soll nie mehr zuschanden werden! Und ihr sollt erkennen, dass ich in Israels Mitte bin und dass ich, der HERR, euer Gott bin und keiner sonst“ (Joel 2,21-27). „Der Weinstock soll seine Frucht bringen und das Land seinen Ertrag abwerfen und der Himmel seinen Tau spenden, und dem Überrest dieses Volkes will ich dies alles zum Erbteil geben“ (Sacharja 8,12). „Die Wüste und Einöde wird sich freuen, und die Steppe wird frohlocken und blühen wie ein Narzissenfeld. Sie wird lieblich blühen und frohlocken, ja, es wird Frohlocken und Jubel geben; denn die Herrlichkeit des Libanon wird ihr gegeben, die Pracht des Karmel und der Saron[-Ebene]. Sie werden die Herrlichkeit des HERRN sehen, die Pracht unseres Gottes. Stärkt die schlaff gewordenen Hände und macht fest die strauchelnden Knie; sagt zu denen, die ein verzagtes Herz haben: Seid tapfer und fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Die Rache kommt, die Vergeltung Gottes; er


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selbst kommt und wird euch retten! Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch und die Zunge des Stummen lobsingen; denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme in der Einöde. Der glutheiße Boden wird zum Teich und das dürre Land zu Wasserquellen“ (Jesaja 35,1-7). „Denn ihr werdet mit Freuden ausziehen und in Frieden geleitet werden; die Berge und Hügel sollen vor euch in Jubel ausbrechen und alle Bäume des Feldes in die Hände klatschen. Statt der Dornen werden Zypressen wachsen und statt der Hecken Myrten; und das wird dem HERRN zum Ruhm gereichen, zu einem ewigen Zeichen, das nicht vergehen wird“ (Jesaja 55,12- 13). Welch eine Zeit voller Freude – ja, welch eine Segenszeit wird das sein. Volle Vegetation wird auf Erden sein, denn wir lesen: „Und das Licht des Mondes wird dem Licht der Sonne gleichen, das Licht der Sonne aber wird siebenmal stärker sein, wie das Licht von sieben Tagen“ (Jesaja 30,26).

Wohlfahrt und Freude Wie muss diese wunderbare Harmonie des Menschen mit seinem Gott und der Kreatur untereinander sich doch auswirken in Freude und Glückseligkeit! Wie werden die Menschen frohlocken und jubeln, ja, wie werden sie jauchzen und singen! Der Prophet hat Recht, wenn er im Auftrag Gottes schreibt: „Ihr sollt euch allezeit freuen und frohlocken über das, was ich erschaffe; denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zum Jubel und sein Volk zur Freude. Und ich selbst werde frohlocken über Jerusalem und mich freuen über mein Volk, und es soll kein Klagelaut und kein Wehgeschrei

mehr darin vernommen werden. Es soll dann nicht mehr Kinder geben, die nur ein paar Tage leben, noch Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen … Sie werden Häuser bauen und sie auch bewohnen, Weinberge pflanzen und auch deren Früchte genießen. Sie werden nicht bauen, damit es ein anderer bewohnt, und nicht pflanzen, damit es ein anderer isst; denn gleich dem Alter der Bäume wird das Alter meines Volkes sein, und was ihre Hände erarbeitet haben, werden meine Auserwählten auch verbrauchen. Sie werden sich nicht vergeblich mühen und nicht Kinder für einen jähen Tod zeugen; denn sie sind der Same der Gesegneten des HERRN, und ihre Sprösslinge mit ihnen. Und es wird geschehen: Ehe sie rufen, will ich antworten; während sie noch reden, will ich [sie] erhören! Wolf und Lamm werden einträchtig weiden, und der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, und die Schlange wird sich von Staub nähren. Sie werden nicht Schaden noch Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berg! spricht der HERR“ (Jesaja 65, 18-25).

Friede und Sicherheit „Und mein Volk wird in Wohnorten des Friedens wohnen, in sicheren Wohnungen und an sorglosen Ruheorten“ (Jesaja 32,18). Auch die mit Israel gesegneten Völker werden den König schauen in seiner Schönheit, und Jerusalem, die Stadt des Königs, in ihrer Herrlichkeit, ja sie dürfen Teil haben an der Glückseligkeit Israels, seines Volkes. Sie werden sich sättigen an Fülle von Wohlfahrt. Gerechtigkeit und Friede umgibt sie; Ruhe und Sicherheit erhöht ihre Freude und ihren Genuss. Wonach die Menschen und die Völker


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sich so lange sehnten – nach Frieden, Ruhe, Sicherheit, Gerechtigkeit, Glück und Wohlfahrt –, das werden sie dann in reichlicher Fülle genießen. Wie nahe mag das Kommen des Herrn schon sein! Wie gut ist es möglich, dass er in einigen Jahren die Zügel der Weltregierung hier auf Erden schon in seine Hand genommen hat. Dann wird er herrschen in Gerechtigkeit von Meer zu Meer, und seine Herrlichkeit wird den ganzen Erdkreis erfüllen. Alle Freuden der Menschen im Reich Christi und alle ihre Seligkeit beruhen auf dem Boden irdischer Segnungen. Den Lesern sind weit höhere Möglichkeiten geboten. Alle, die im Glauben an Jesus Christus Vergebung ihrer Sünden erlangen, empfangen himmlische Segnungen. Sie empfangen ihr Teil mit Jesus Christus, ihrem Erlöser. Dies ist nichts weniger als die Herrlichkeit Gottes selbst.

Unser Teil mit Christus! Wir haben bereits daran erinnert, dass der Herr Jesus sich mit den Erlösten der Gegenwart aufs innigste verbunden hat. Darum tut er auch nichts ohne seine Geliebten. Mit ihnen kommt er auf diese Erde, und mit ihnen offenbart er sich in seiner Herrlichkeit. Die Erlösten befinden sich auch in seinem Gefolge bei der großen Endschlacht. Dann werden sie mit ihm die Welt richten: „Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun durch euch die Welt gerichtet werden soll, seid ihr dann unwürdig, über die allergeringsten Dinge zu entscheiden? Wisst ihr nicht, dass wir Engel richten werden? Wie viel mehr die Angelegenheiten dieses Lebens?“ (1. Korinther 6,2-3).

Sie umgeben ihn, wenn er das Friedensreich gründet und aufrichtet. Sie werden miterleben, wenn der Sieger von Golgatha den Fluch von der Erde wegnimmt und die ganze Schöpfung aufatmet. Paulus schreibt darüber: „Denn ich bin überzeugt, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der Herrlichkeit, die an uns geoffenbart werden soll. Denn die gespannte Erwartung der Schöpfung sehnt die Offenbarung der Söhne Gottes herbei. Die Schöpfung ist nämlich der Vergänglichkeit unterworfen, nicht freiwillig, sondern durch den, der sie unterworfen hat, auf Hoffnung hin, dass auch die Schöpfung selbst befreit werden soll von der Knechtschaft der Sterblichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung mitseufzt und mit in Wehen liegt bis jetzt“ (Römer 8,18-22). Das Offenbarwerden der Söhne Gottes – so werden hier die Erlösten genannt – ist ihr Erscheinen mit dem Herrn Jesus in Herrlichkeit auf Erden. Das ist die große Stunde, wo die ganze Schöpfung aufatmen wird. Der Fluch, der durch die Sünde auf derselben liegt, wird, wie wir bereits gesehen haben, weggenommen, und die Kreatur wird von ihrer Angst und Furcht befreit. Sie verliert das Stöhnen und die Angst. Kein Tier wird mehr das andere verzehren. Die Schöpfung wird frei gemacht. Kein Raureif darf mehr die Frühlingspracht vernichten. Kein Tier darf das andere mehr in Todesangst versetzen oder sich an dessen Qualen weiden. Auch kein Mensch wird mehr von der Krebsgeschwulst zu Tode gequält. Die Disharmonie in der Schöpfung, die durch die Sünde entstand, ist nun selige Harmonie. Vor allem werden die Menschen sich nicht mehr in den furchtbaren Kriegen morden und verstümmeln.


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Jesus Christus teilt seine Herrschaft mit den Seinen Wie wir schon vorhin sahen, gehören Christus als das Haupt und die Gemeinde als sein Leib untrennbar zusammen. Darum sind auch seine Erlösten an allem, was er tut, beteiligt. Somit haben sie auch teil an seiner Königsherrschaft und Herrlichkeit: „Sie werden Priester Gottes und des Christus sein und mit ihm regieren 1000 Jahre“ (Offenbarung 20,6). An seinem Triumph, an seiner Macht und Herrlichkeit haben sie Anteil. Die Funktionen der Regierungsgewalt wird der König der Könige ihnen übertragen. Den Jüngern sagte der Herr Jesus einst auf die Frage: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil? Wahrlich, ich sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet in der Wiedergeburt, wenn der Sohn des Menschen auf dem Thron seiner Herrlichkeit sitzen wird, auch auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten“ (Matthäus 19,27-28). Diese Wiedergeburt – auch die Herstellung aller Dinge genannt – ist das Herrlichkeitsreich Jesu Christi. Mit Kronen gekrönt sitzen sie um seinen Thron und erfreuen sich seiner Herrlichkeit, Schönheit und Macht. Seine Gegenwart zu genießen, ist ihr höchstes Glück. Alles, was er besitzt, teilt er mit ihnen. Er ist der König, sie sind Könige; er ist der Hohepriester, sie sind die Priester, er ist der Sohn, sie sind die Söhne, er ist der Erbe aller Dinge, sie sind die Miterben! An seinen Geliebten hat der Herr sein volles Genüge. Er hat sie sich erkauft und bestimmt, ewig mit ihm zu leben und mit ihm zu herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Da singt der Dichter mit Recht:

Kron‘ und Zepter wirst du teilen dort mit deiner sel’gen Braut. Ewig wird sie bei dir weilen, die hier glaubend dir vertraut. Schauend ihre Füll‘ und Habe preist sie dich ohn‘ Unterlass, doch, dass du bist ihre Gabe, bleibt der Freude höchstes Maß. Manche Bibelleser wollen in der Dreiteilung, die in der Stiftshütte und im Tempel bestand – das Allerheiligste, das Heilige und den Vorhof – einen Hinweis auf die Rangordnung sehen, die im Reich sowie auch im ewigen Zustand bestehen würde. Das Allerheiligste, Gott und das Lamm auf dem Thron, umgeben von den Wiedergeborenen aus der Gnadenzeit, die ja auch Söhne Gottes und Erben Gottes sowie Miterben Jesu Christi genannt werden. Der zweite Kreis, das Heilige, würde aus erlösten Juden bestehen, die durch Schauen zum Glauben gekommen sind und ihm als seine Knechte dienen. Der Vorhof würde dann aus den Nationen bestehen, die durch das Evangelium des Reiches mit dem Messias Israels in Verbindung kamen. Alle aber haben ihr volles Maß an Freude, Glück und Seligkeit. Ob es so sein wird, müssen wir abwarten. Die Bibel geht auf dieses Bild nicht näher ein. Eins jedoch ist sicher und geht aus unzähligen Bibelstellen hervor, dass die Gemeinde der Gegenwart einen bevorzugten Platz einnimmt. Diese Erlösten, von denen der Herr Jesus sagte: „Glückselig, die nicht sehen und doch glauben“, sind ja durch die Wiedergeburt, durch die göttliche Zeugung, Söhne des lebendigen Gottes geworden. Sie sind mit dem Sohn Gottes organisch, lebensmäßig verbunden, verwachsen zu einer Wesenseinheit. Untrennbar sind sie mit dem Haupt ver-


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bunden und deshalb bei der Ausübung aller Funktionen des Herrn Jesus dabei.

Wo sind die alttestament­ lich Gläubigen? Die Gläubigen des Alten Bundes gehören nicht zur Haushaltung der Gnade. Sie können deshalb auch nicht zum Leib Christi gehören. Doch deshalb kommen sie in ihrem Glück und in ihrer Freude nicht zu kurz. Sie werden ebenfalls die erste Auferstehung erleben und sich mit Christus im Reich freuen: „Ich sage euch aber: Viele werden kommen vom Osten und vom Westen und werden im Reich der Himmel mit Abraham, Isaak und Jakob zu Tisch sitzen“ (Matthäus 8,11). Weiter lesen wir von ihnen: „Diese alle sind im Glauben gestorben, ohne das Verheißene empfangen zu haben, sondern sie haben es nur von ferne gesehen und waren davon überzeugt, und haben es willkommen geheißen und bekannt, dass sie Gäste ohne Bürgerrecht und Fremdlinge sind auf Erden; denn die solches sagen, geben damit zu erkennen, dass sie ein Vaterland suchen. Und hätten sie dabei jenes im Sinn gehabt, von dem sie ausgegangen waren, so hätten sie ja Gelegenheit gehabt, zurückzukehren; nun aber trachten sie nach einem besseren, nämlich einem himmlischen. Darum schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott genannt zu werden; denn er hat ihnen eine Stadt bereitet“ (Hebräer 11,13-16). Dass diese Glaubensmänner und -frauen sich mit uns in der Herrlichkeit freuen werden, geht auch aus Hebräer 11,39+40 hervor. Dort heißt es: „Und diese alle, obgleich sie durch den Glauben ein gutes Zeugnis empfingen, haben das Verheißene nicht erlangt, weil Gott für uns

etwas Besseres vorgesehen hat, damit sie nicht ohne uns vollendet würden.“ Es ist schon so, wie wir vorhin sagten, dass das Maß der Freude und des Glückes voll sein wird für alle. Alle dürfen sie ihn, den großen König, schauen in seiner Gerechtigkeit, und alle dürfen sich sättigen an seinem Anblick. Sie sind dabei, wenn sich das Prophetenwort erfüllt aus Jesaja 35,10: „Und die Erlösten des HERRN werden zurückkehren und nach Zion kommen mit Jauchzen. Ewige Freude wird über ihrem Haupt sein; Wonne und Freude werden sie erlangen, aber Kummer und Seufzen werden entfliehen!“ Da sind sie nun alle, jene mutigen Helden. Da ist Abraham, der Freund Gottes, Mose, der treu war im Haus Gottes, ein Jeremia und ein Elias, ein Noah, ein Jakob, Johannes der Täufer und eine Debora, eine Sara, Rebekka und viele, viele andere. Alles jauchzt und jubelt dem König der Könige zu.

Die letzte große Versuchung Am Ende des Tausendjährigen Reiches wird Satan, der im Abgrund gebunden war, für eine kleine Zeit wieder losgelassen. Noch einmal kommt eine letzte Probe für die Menschen auf Erden. Satan ist derselbe in seiner Feindschaft und Bosheit. Noch einmal wird also der große Verführer, der Verderber, die Erde durchziehen, wie er es von jeher in grenzenloser Frechheit getan hat. Er wagt es hier zum letzten Mal, angesichts der Herrlichkeitsregierung Christi auf Erden, auszugehen, um die Völker zu verführen: „Und wenn die 1000 Jahre vollendet sind,


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wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden, und er wird ausgehen, um die Heidenvölker zu verführen, die an den vier Enden der Erde leben, den Gog und den Magog, um sie zum Kampf zu versammeln, deren Zahl wie der Sand am Meer ist. Und sie zogen herauf auf die Fläche des Landes und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer von Gott aus dem Himmel herab und verzehrte sie“ (Offenbarung 20,7-9). Welche Verblendung! Wie böse ist doch das natürliche Herz des Menschen! Hier geht es um Millionen, die in der Zeit des messianischen Reiches geboren wurden und noch keine persönliche Entscheidung für oder wider Christus treffen konnten. Gottes Gerechtigkeit lässt es aber nicht zu, dass die Ungerechtigkeit ausgerottet wird, bevor sie nicht völlig ausgereift ist. Es muss also auch hier auf das Reich der Segnungen die Probe des Erfolgs gemacht werden. Die vielen Nationen müssen die Gelegenheit bekommen, sich frei für oder wider Jesus Christus zu entscheiden! Es wird niemandem verwehrt sein, sich freiwillig unter die Fahne des großen Verführers zu scharen, niemand soll gezwungen werden, dem Herrn der Ewigkeit zu dienen. Auch diese wunderbare Glanzzeit, die schönste der Menschheitsgeschichte, muss sich als unfähig erweisen, das angeborene böse Herz des Menschen zu bessern oder zu ändern und seinen Starrsinn zu brechen. Das Ergebnis jener wunderbaren Herrlichkeit und Segnungen des Reiches ist Völkerempörung im weitesten Sinne. Von den Ecken der Erde ziehen die Verführten gen Jerusalem hinauf, Völkermassen wie der Sand am Ufer des Meeres unter dem Oberkommando von Gog und Magog. Es ist ein Religionskrieg, aber der letzte, die letzte Rebellion in der Geschichte der Völ-

kerwelt. Mit diesem frevelhaften Unternehmen hat aber die Sünde das Vollmaß erreicht. Wie in allen Haushaltungen Gottes sich der Mensch gegen Gott empörte, und alle mit Gericht endeten, so auch diese letzte Haushaltung des Reiches. Die sichtbare Herrschaft Gottes auf der Erde wird von der Menschheit verworfen. Die allergrößten Segnungen werden von dem Menschen mit schnödestem Undank beantwortet. Seine persönliche Herrlichkeit wird von ihm mit Füßen getreten. Der himmlische Christus wird vertauscht mit dem Todfeind, dem Teufel. Hierauf kann ja nur diese eine Antwort Gottes kommen: Vernichtung und Untergang. Noch ehe es zum Kampf kommt, fällt Feuer vom Himmel herab und verzehrt sie. Satan, der große Verführer, wird nun ergriffen und in den Feuer- und Schwefelsee geworfen, wo schon das Tier und der falsche Prophet sich befinden (Offenbarung 20,10). Welch trauriger Abschluss! Ach, arglistig und böse ist das Herz des Menschen, mehr als alles, wer mag es kennen? Hier wird es erneut wieder deutlich: Man kann nach außen mittun, man kann eine gewisse Form bejahen, ohne eine innerliche persönliche Überzeugung zu haben. Hier wird sichtbar, wie viele nur in einem gelockerten Verhältnis zum König Jesus Christus standen. Die erste Versuchung genügt, und sie fallen der Intrige Satans zum Opfer. Wie sollte diese ernste Tatsache uns allen zu denken geben, die wir heute in der Gnadenzeit leben. Wie sollte jeder sein persönliches Verhältnis zu dem Herrn Jesus überprüfen! Ist die Lebensverbindung vorhanden? Ist die Gemeinschaft mit dem erhöhten Herrn echt? Oder leben wir in einer gewissen Form, in einem Schein von Gottseligkeit? Alles Halbe führt nicht zum Ziel, und die Lauen


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sind dem Herrn ein Gräuel. Wohl allen, die sich der Vergebung ihrer Schuld und Sünden bewusst sind, die unter der Deckung des Blutes Jesu jauchzen: Drum gehört dir unser Leben, unser Lob nur dir allein, selig ist‘s, sich dir ergeben, deinem Dienste sich zu weih‘n und – gehorsam deinem Wort – dir zu folgen, treuer Hort.

Der große weiße Thron! Mit der letzten großen Menschheitsrevolte gegen den Höchsten ist die Sünde der Menschen auf das Vollmaß gekommen. Mit dem Feuer aus dem Himmel bricht das jüngste Gericht los. Die ganze sichtbare Welt geht in Flammen auf. Die Stunde des Weltuntergangs ist da. Von den vielen Aussprüchen der Bibel über dieses schaurige Ereignis wollen wir einige folgen lassen: „Denn so spricht der HERR der Heerscharen: Noch einmal, eine kurze Weile, werde ich den Himmel und die Erde erschüttern, das Meer und das trockene Land“ (Haggai 2,6). „Noch einmal werde ich nicht allein die Erde bewegen, sondern auch den Himmel! Aber das ,noch einmal’ deutet die Verwandlung der Dinge an, die erschüttert werden als solche, die gemacht sind, auf dass die, welche nicht erschüttert werden, bleiben“ (Hebräer 12,26-27). „Erhebt eure Augen zum Himmel und schaut auf die Erde drunten; denn die Himmel werden vergehen wie ein Rauch, und die Erde wird wie ein Kleid zerfallen, und ihre Einwohner werden auf dieselbe Weise umkommen; aber mein Heil wird ewig bleiben und meine Gerechtigkeit nicht zugrunde gehen“ (Jesaja 51,6). „Denn siehe, der Tag

kommt, brennend wie ein Ofen! Da werden alle Übermütigen und alle, die gesetzlos handeln, wie Stoppeln sein, und der kommende Tag wird sie verbrennen, spricht der HERR der Heerscharen“ (Maleachi 3,19). „Grauen, Grube und Garn kommen über dich, du Bewohner der Erde! Und es wird geschehen, wer vor der grauenerregenden Stimme flieht, der wird in die Grube fallen, wer aber aus der Grube heraufsteigt, wird im Garn gefangen werden; denn die Fenster der Höhe werden sich öffnen und die Grundfesten der Erde erbeben. Die Erde wird krachend zerbersten, die Erde wird reißen und bersten, die Erde wird hin- und herschwanken. Die Erde wird hin- und hertaumeln wie ein Betrunkener und schaukeln wie eine Hängematte; ihre Missetat lastet schwer auf ihr; sie fällt und steht nicht wieder auf“ (Jesaja 24,17-20). „Das gesamte Heer des Himmels wird vergehen, und die Himmel werden zusammengerollt wie eine Buchrolle, und all ihr Heer wird herabfallen, wie das Laub am Weinstock herabfällt und wie die verdorrte [Frucht] des Feigenbaums“ (Jesaja 34,4). „Es wird aber der Tag des Herrn kommen wie ein Dieb in der Nacht; dann werden die Himmel mit Krachen vergehen, die Elemente aber vor Hitze sich auflösen und die Erde und die Werke darauf verbrennen“ (2. Petrus 3,10). So antwortet Gott auf diese gemeine Rebellion seiner Geschöpfe; dieser höllische Aufruhr wird von seinem gerechten Zorn vernichtet. Aber nicht nur über die Menschheit ergießt sich das Zorngericht Gottes, sondern auch Himmel und Erde – diese Schauplätze der Sünde – werden im Feuer vernichtet. Diese vielen Bibelstellen weisen alle auf das Weltgericht hin: „Und ich sah einen großen weißen Thron und den, der darauf saß; vor seinem Angesicht flohen


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die Erde und der Himmel, und es wurde kein Platz für sie gefunden. Und ich sah die Toten, Kleine und Große, vor Gott stehen, und es wurden Bücher geöffnet, und ein anderes Buch wurde geöffnet, das ist das Buch des Lebens; und die Toten wurden gerichtet gemäß ihren Werken, entsprechend dem, was in den Büchern geschrieben stand. Und das Meer gab die Toten heraus, die in ihm waren, und der Tod und das Totenreich gaben die Toten heraus, die in ihnen waren; und sie wurden gerichtet, ein jeder nach seinen Werken. Und der Tod und das Totenreich wurden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod. Und wenn jemand nicht im Buch des Lebens eingeschrieben gefunden wurde, so wurde er in den Feuersee geworfen“ (Offenbarung 20,11-15). Jetzt erfolgt die zweite Auferstehung oder die Auferstehung des Gerichts, die Auferstehung der Toten, nicht nur der leiblich, sondern auch der geistlich Toten. Alle Menschen aus allen Haushaltungen Gottes, die im Unglauben gestorben sind, müssen hier vor dem Weltenrichter erscheinen, um ihr Urteil entgegenzunehmen; es gibt nirgends mehr ein Versteck. Die Erde, auf der die Gräuel der Sünde geschehen sind, die so viel Blut und Tränen in sich aufgenommen hat, ja, selbst das Blut des Sohnes Gottes, ist entflohen oder nach der anderen Schriftstelle „im Brande aufgelöst worden“. Ebenfalls ist der Himmel befleckt und muss entfliehen wegen der Bosheit Satans und der dämonischen Geister, die in den himmlischen Örtern ihren Wohnsitz hatten. Somit wird jeder Schauplatz der Sünde aufgelöst. Die Bibel spricht von „den Himmeln“ – immer in der Mehrzahl. Paulus spricht vom „dritten Himmel“: „Ich wurde entrückt bis in den dritten Himmel“. Das ist wohl die Wohnstatt des großen, allmächtigen Got-

tes, wohin nie etwas Unreines hat vordringen können. Hier stehen sie nun alle, die Großen und die Kleinen, die Armen und die Reichen. Der Tod und das Totenreich und das Meer haben ihre Toten hergeben müssen. Hier stehen auch die ganz Klugen, die glaubten, Gott ein Schnippchen schlagen zu können und sich einäschern ließen, um so der Auferstehung zu entgehen. Der allmächtige Gott, der den Menschen aus einem Nichts geschaffen hat, sollte der nicht auch den Menschen wieder aus einem Nichts hervorrufen können in der Auferstehung? Wie der Einzelne ums Leben kam, spielt hier keine Rolle. Ja, der Dichter hat schon Recht, wenn er schrieb: Auch die Wasser geben ihre Toten wieder, wenn der Fürst des Lebens ruft. All, die ohne Glockenschall und Lieder sanken in die nasse Gruft. Die vergebens mit dem Tod gerungen, eh‘ der grause Abgrund sie verschlungen. Alle, die seit Noahs Flut bergetief im Meer geruht.

Der unbestechliche Richter Der Richter, der auf dem weißen Thron sitzt, vor dem alle Platz haben, ist Jesus Christus. Denn das ganze Gericht hat der Vater dem Sohn übergeben. Wir lesen: „Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen, dass er der von Gott bestimmte Richter der Lebendigen und der Toten ist“ (Apostelgeschichte 10,42). Weiter heißt es: „…weil er einen Tag festgesetzt hat, an dem er den Erdkreis in Gerechtigkeit richten wird durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat und den er für


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alle beglaubigte, indem er ihn aus den Toten auferweckt hat“ (Apostelgeschichte 17,31). In dem Licht dieses unbestechlichen Richters wird jeder seine Lebensgeschichte sehen. Bücher werden aufgetan; sie enthalten alle Werke der Menschen. Furchtbar ist es, wenn dieser Lebensfilm abläuft, und jeder seine Taten sehen muss, auch was in der stillen Nacht geschah, alles, was das Licht nicht ertragen konnte, die ganzen bösen Taten und selbst die Gedanken und Begierden werden hier offenbar. Dann kommt für jeden der entscheidende Moment: Das andere Buch, das Buch des Lebens wird aufgetan! Und wenn der Einzelne nicht in diesem Buch steht, so ist sein Teil im Feuersee, in der ewigen Verdammnis und Verzweiflung. Es gibt für keinen eine Entschuldigung. Der Richter wird mit seinem flammenden Blick das ganze Innerste des Einzelnen blitzartig durchschauen. Der Spötter ist verstummt! Der eitle Schwätzer kann auf tausend Fragen nicht eine einzige Antwort geben! Der hochmütige Prahler findet keine Worte mehr! Die Tyrannen dieser Erde stehen in ihrer ganzen jämmerlichen Erbärmlichkeit da und schlottern mit den Knien! Jene Geistesgrößen und die Helden der Menschengeschichte nehmen heulend und winselnd ihr Urteil entgegen! Die menschlichen Krücken fallen, und alle Religionen haben ihre Wertlosigkeit erklärt. Da stehen sie, die „Tue recht und scheue niemand“ – Leute und erkennen, dass das Kleid ihrer eigenen Gerechtigkeit ein Kleid voller Schmutz ist. „So wahr ich lebe, spricht der Herr: Mir soll sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen“ (Römer 14,11). Nun sehen alle, die nur um das Irdische besorgt waren, ihre große Torheit ein: Wo sind die Errungenschaften der Technik?

Wo sind die gewaltigen Bauwerke, in denen der Mensch sich verewigen wollte? Alle Schlösser und Burgen, alle Denkmäler und Kunstwerke, alle Bücher, Maschinen und Werkzeuge, alle Bauten der Kleinen und der Reichen, alles, worauf man so stolz war, und woran das Herz hing, ist zerronnen wie ein Nebelbild, es ist im Feuer vergangen. Der Richter ist absolut gerecht. Nicht alle werden die gleiche Schwere des Urteils empfangen, ein jeder empfängt sein Teil, das ihm zusteht und seinen Taten entspricht! Sehr ernst sprach der Herr Jesus in Bezug auf die, welche das Evangelium des Reiches ablehnten: „Ich sage euch aber: Es wird Sodom an jenem Tag erträglicher gehen als dieser Stadt. Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Zidon die Wundertaten geschehen wären, die bei euch geschehen sind, so hätten sie längst in Sack und Asche sitzend Buße getan. Doch es wird Tyrus und Zidon erträglicher gehen im Gericht als euch. Und du, Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht worden bist, du wirst bis zum Totenreich hinabgeworfen werden!“ (Lukas 10,12-15). Ja, wehe, dreimal wehe allen, die das Evangelium ablehnen und die Gnade Gottes schmähen und das Blut Jesu mit Füßen treten! In Bezug auf die Ablehnung seiner Person sagte Jesus: „Die Männer von Ninive werden im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und werden es verurteilen, denn sie taten Buße auf die Verkündigung des Jona hin; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Jona! Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und wird es verurteilen, denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Salomo!“ (Matthäus 12,41-42).


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Wie furchtbar wird erst der gerechte Richter die verdammen, die das herrliche Evangelium so verwässert haben und ihm jegliche Kraft entzogen. Dort werden sie geradestehen müssen für ihre vermessene Lehre, und alle Seelen werden von ihnen gefordert werden, die sie ins Verderben geführt haben. Wie wird ihnen die Sprache verschlagen, wenn sie erfahren müssen: „Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen“ (Offenbarung 22,18-19). Neben ihnen stehen dann die „Gott-ist-tot“-Leute. Wie schrecklich wird ihr Erwachen sein, wenn sie in sein Auge schauen müssen, wenn sie ihre Knie vor ihm beugen müssen, und wenn sie dann die Gerechtigkeit Gottes bekennen und anerkennen müssen. Wie furchtbar, wenn sie dann alle das Wort hören müssen aus dem Mund des Richters: „Geht hinweg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist!“ (Matthäus 25,41).

Werden alle verdammt, die vor dem weißen Thron stehen? Dass keiner gerettet wird von denen, die vor dem weißen Thron stehen, kennt die Bibel nicht. Wenn von vornherein feststände, dass niemand von denen, die dort erscheinen müssen, im Buch des Lebens stände, so wäre es ja unnütz, dass die-

ses Buch geöffnet würde. Auch heißt es nicht, dass niemand geschrieben gefunden wurde im Buch des Lebens, sondern, wenn jemand nicht geschrieben gefunden wurde, so wurde er in den Feuersee geworfen. Wir müssen annehmen, dass die Menschen aus den Nationen, die sich im Reich bekehrt haben und die ja auch noch nicht gerichtet sind und vor dem weißen Thron stehen, im Buch des Lebens stehen und hinübergehen auf die neue Erde. Auch gibt die Bibel keinen Aufschluss über die Frage, wie Gott mit den Heiden verfahren wird aus der Zeit vor dem Tausendjährigen Reich, die das Evangelium nie gehört haben. Hier genügt es uns zu wissen, dass der Richter der ganzen Erde Recht üben wird. Alles, worüber die Bibel keine nähere Auskunft gibt, müssen wir Gott überlassen. Er macht keinen Fehler! Als einmal die Jünger den Herrn fragten: „Herr, sind es wenige, die errettet werden? Er aber sprach zu ihnen: Ringt danach, durch die enge Pforte hineinzugehen!“ (Lukas 13, 23-24)!

Wo sind die Kleinen, die als Kind sterben? Vielleicht ist es gut, an dieser Stelle auch kurz die Frage zu beantworten, die so oft gestellt wird: Wie ist es mit den vielen, die als Kinder, vielleicht als Säuglinge sterben? Wo sind sie denn? Sie konnten sich ja noch nicht bekehren. Ihr Los ist nach der Heiligen Schrift ein sehr glückliches. Hat der Herr Jesus es nicht selbst gesagt, als er auf dieser Erde war: „Lasst die Kinder und wehrt ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solcher ist das Reich der Himmel!“ (Matthäus 19,14). Das Erlö-


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sungswerk des Herrn Jesus kommt bedingungslos allen Kindern, die sterben, ehe sie sich für den Herrn Jesus entscheiden können und allen Schwachsinnigen zugute. „Und Jesus rief ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen! Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel. Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf. Seht zu, dass ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten“ (Matthäus 18,2-5 und 10-11). Die Kleinen haben ja die Sünde geerbt und konnten nur deshalb vom Tod hinweggerafft werden. Da aber der Herr Jesus sich selbst geopfert hat, um die Verlorenen zu erretten, ist die Gefahr des Verlorengehens für sie aufgehoben. Diese Erlösungstat Jesu kommt den Kleinen zugute, welche sterben. Sie sind bei dem Herrn Jesus. Sobald das Kind sich aber für das Heil in Christo Jesu entscheiden kann, steht es unter der vollen Verantwortung. Darum sollten die Kleinen so früh wie möglich ihr Herz dem Heiland schenken, damit sie in der wunderbaren Geborgenheit in ihm diese gefahrvolle Welt durchschreiten können.

Der neue Himmel und die neue Erde Johannes, der begnadigte Seher, durfte schauen, wie aus dem Weltuntergang die Welterneuerung hervorbrach. Mit gewal-

tigem Krachen ist die alte Erde im Brand aufgelöst worden. Die Himmel wurden zusammengewickelt wie ein Gewand, und nun bricht die neue, bleibende Neuschöpfung hervor: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr“ (Offenbarung 21,1). Es ist nicht eine andere Erde oder ein anderer Himmel, sondern eine neue Erde und ein neuer Himmel. Was Gott geschaffen hat, ist sehr gut. Es wurde nur durch die Sünde verdorben, aber das Neue übertrifft das Alte, da gewesene bis ins Tausendfache. Alles wird eingehüllt sein in die Lichtherrlichkeit Gottes. Diese Neuschöpfung – verbunden mit der Herrlichkeit Gottes – ist das selige Endziel des Glaubens: „Wir erwarten aber nach seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in denen Gerechtigkeit wohnt“ (2. Petrus 3,13). Diese neue Welt Gottes ist vollkommen, sie ist durchdrungen vom Geist Gottes, vom Wesen, vom Licht und von der Liebe Gottes. Die Gerechtigkeit Gottes erfüllt die ganze neue Schöpfung. Wenn auch der Mensch der Mittelpunkt ist, auf den sich zunächst die Erlösung bezieht, so sind doch auch Himmel und Erde in dieselbe mit einbezogen. Von alledem, was durch Satan und Sünde befleckt wurde, bleibt nicht das Geringste bestehen. Auf Grund des Opfers auf Golgatha wird alles wunderbar und neu entstehen. Paulus schreibt in Hebräer 9,23: „…dass die Abbilder der im Himmel befindlichen Dinge hierdurch gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Opfer als diese“. Das Wort hat wohl Bezug auf die Neuentstehung des Himmels, der durch Satans Fall und Aufenthalt verunreinigt wurde.


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Aber auch das Meer – ein Bild der Unruhe und des aufgewühlten Völkermeeres – ist nicht mehr. Somit ist auch jede Trennung, die durch das Meer zwischen den Völkern bestand, beseitigt. Zerrissenheit, Unbeständigkeit, Trennung, Angst und Streit haben auf der herrlichen neuen Erde keinen Raum mehr. Im Gegenteil, alles atmet und genießt die Sabbatruhe Gottes. Das Alte ist vergangen, und in unvorstellbaren Darstellungen wird uns in gesteigerter Weise die Herrlichkeit geschildert: „Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen“ (Offenbarung 21,2-4). Wer kann das Glück ermessen, wenn diese heilige Stadt, das neue Jerusalem, diese himmlische Wohnstätte Gottes und die Heimat der Gemeinde Gottes hernieder kommt aus dem Himmel auf diese Erde? Mit dieser herrlichen Gottesstadt befindet sich das eigentliche Allerheiligste, das verklärte Paradies auf dieser Erde. Heute wird den Gläubigen der Gnadenzeit in Hebräer 12 zugerufen: „ … sondern ihr seid gekommen zu dem Berg Zion und zu der Stadt des lebendigen Gottes, dem himmlischen Jerusalem, … zu der Gemeinde der Erstgeborenen, die im Himmel angeschrieben sind“. Wie kostbar, in dieser Stadt Heimat-

recht zu haben! Dies ist jetzt schon der Besitz, das glückselige Teil aller wahren Gotteskinder. „Ihr seid gekommen heißt es, ihr seid die Besitzenden, euch gehört dies alles!“ Oh, wie sollte es uns anspornen, im Vorgeschmack dieser Herrlichkeit täglich zu leben. Im Tausendjährigen Reich wird schon über dem irdischen Jerusalem der Himmel geöffnet sein, und die himmlische Wohnstadt Gottes wird über der irdischen Welt geschaut. Dort wohnt und thront die erhöhte Gemeinde mit Christus, ihrem Herrn und Bräutigam. Aber hier kommt das himmlische Jerusalem als das neue Jerusalem, die Gesamtheit der verklärten Gemeinde, mit Christus aus der Höhe herab auf die neue Erde. Als aus Gott Geborene kommt die Brautgemeinde herab von Gott, bereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Ihr Bräutigam ist Christus, und nur ihm will sie gefallen, nur ihn will sie ehren und erfreuen.

Wer ist die Hütte Gottes? Der Ausdruck „die Hütte Gottes“ erinnert uns an die Stiftshütte. Sie wurde in der Wüste gebaut und begleitete Israel auf seiner Wüstenwanderung. In ihr wohnte Gott inmitten seines irdischen Volkes Israel. Aufgrund der Erlösung durch das Blut des Passahlammes und der immer wiederkehrenden Opfer konnte Gott unter dem Volk Israel in der Wüste – und später im Lande Kanaan – wohnen. Nachdem nun das wahre Passahlamm, unser Herr Jesus, am Kreuz auf Golgatha sein Erlösungswerk vollbracht hat, und nach seiner Auferstehung sich gesetzt hat zur Rechten Gottes in der Höhe, wohnt nun


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Gott durch den Heiligen Geist in der Gemeinde der Erlösten: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt? … denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr“ (1. Korinther 3,16-17). „Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: ‚Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein’“ (2. Korinther 6,16). Dieser Tempel wird aus lebendigen Steinen gebaut. Jeder Wiedergeborene ist ein Stein, der in dieses wunderbare Bauwerk eingefügt wird: „… sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen, auferbaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus selbst der Eckstein ist, in dem der ganze Bau, zusammengefügt, wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, in dem auch ihr miterbaut werdet zu einer Wohnung Gottes im Geist“ (Epheser 2,19-22). Als die dem Herrn angetraute Brautgemeinde nimmt sie in alle Ewigkeit ihren besonderen Platz ein. In der innigsten Gemeinschaft erstrahlt sie in der Herrlichkeit dessen, der sie geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat. Gott ist in ihr verherrlicht, und sein Herrlichkeitsglanz strahlt von ihr aus. Darum wird sie auch hier „die Hütte Gottes“ genannt, die bei den Menschen ist. Dieses geistliche Haus, das bei der Entrückung hinaufgenommen wird in den Himmel, kommt mit Christus als die Hütte oder Wohnung Gottes aus dem Himmel herab auf die neue Erde. Es sind wohl zwei Darstellungen: Einmal ist die Gemeinde der Erlösten das neue Jerusalem, und das andere Mal wird sie als im neuen Jerusalem wohnend gezeigt. Ihr besonderer Platz ist stets in der seligen Nähe ihres Herrn. Wo er ist, da ist auch die Brautgemeinde. In innigster Gemeinschaft erstrahlt sie stets in

seiner Herrlichkeit. Gott ist in ihr verherrlicht, und sein Glanz strahlt von ihr aus. Weil er nun in ihrer Mitte wohnt, ist sie „die Hütte Gottes“ bei den Menschen.

Bei welchen Menschen ist die Hütte Gottes? Christus und seine Gemeinde, hier „die Hütte Gottes“ genannt, kommt vom Himmel hernieder in die Mitte von erlösten Menschen. Sie werden hier sein Volk genannt und Gott selbst wird bei ihnen ihr Gott sein. Diese Menschen, welche das Volk Gottes auf der neuen Erde bilden, bestehen aus Israeliten und all den anderen Völkern, welche im Tausendjährigen Reich unter dem Zepter Jesu Christi gesegnet wurden und ihm anhingen. Alle, die ihm treu geblieben sind, als die letzte große Versuchung durch den Satan geschah, sind wohl vor der Vernichtung der alten Erde entrückt und auf die neue Erde versetzt worden. Es sind gewaltige, große Völkerscharen, die durch eine wirkliche Erneuerung gegangen sind. Sie zählen nicht zu der Brautgemeinde, die in der Gnadenzeit erlöst wurde, aber sie bilden doch in der neuen Welt ewiglich sein Volk. Darum der Ausspruch: „[ich] will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein“. Sie werden glückselig sein und im innigen, vertrauten Umgang mit Gott stehen. Wie eine liebende, tröstende Mutter ihr Kind an ihr Herz drückt, um den Schmerz und seinen Kummer zu stillen, so wird der ewige Gott sie trösten und jede Träne abwischen von ihren Augen, und hinter ihnen liegt vergessen das Leid dieser Erde. Es ist schon so, wie ein Psalmist sagt: „ Als der


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HERR die Gefangenen Zions zurückbrachte, da waren wir wie Träumende. Da war unser Mund voll Lachen und unsere Zunge voll Jubel; da sagte man unter den Heiden: »Der HERR hat Großes an ihnen getan!“ (Psalm 126,1-2). Diese Glückseligkeit wird nie mehr enden. Kein Schmerz, keine Trauer, kein Tod wird mehr sein. Das Erste, was der alten Schöpfung angehörte, ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. In dieser neuen, ewigen Welt sind alle Folgen der Sünde aufgehoben: „Fülle von Freuden ist vor deinem Angesicht, Lieblichkeiten in deiner Rechten auf immerdar“. Gott selbst übernimmt für alles die Garantie! Er ruft: „Siehe, ich mache alles neu!“ Und sein Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss! Darum spricht auch diese göttliche Stimme das große Wort: Es ist geschehen! Alles ist nun erfüllt und vollendet, was von Anbeginn der Welt verheißen war, denn so viele der Verheißungen Gottes sind, in Christo Jesu ist das Ja, und in ihm ist das Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns. Wie erinnert uns doch dieses Wort „es ist geschehen“ an den Ruf unseres teuren Herrn und Heilandes, Jesus Christus. Als er in namenloser Angst im Gericht Gottes am Kreuz hing, und seine reine Seele das Grauenvolle durchkosten musste, zur Sünde gemacht zu werden, da rief er, als das Urteil vollstreckt war: „Es ist vollbracht!“ In dem Augenblick war Gott in seinen Forderungen zufriedengestellt. Auf dem Boden dieser vollkommenen Erlösung konnten die Pläne Gottes in Erfüllung gehen und aus dem Mund des gekrönten, hocherhobenen und siegreichen Herrn der Ruf: Es ist geschehen! ertönen. Der einst Gekreuzigte ist nun der Gekrönte, auf den in alle Ewigkeit alle Blicke gerichtet sind,

und der durch seine Dahingabe der Mittelpunkt ewiger Huldigung sein wird. Nur durch seine Liebestat konnte der ewige Zustand in dieser vollendeten Schönheit erstehen und Gott inmitten einer erlösten Menschheit wohnen. Nicht nur die Menschen auf der neuen Erde, sondern auch die Gemeinde, die als „Hütte Gottes“ bei den Menschen ist, werden in ewiger Huldigung und Anbetung bleiben. Immer wieder wird die ganze Schöpfung dem Lamm Gottes zujauchzen. Im höheren Chor wird die bluterkaufte Schar ihm Ehre, Ruhm und Danksagung bringen. Die Himmelsräume werden dann widerhallen, wenn die Scharen von Erlösten das neue Lied singen: Dem, der uns liebt und uns von unsern Sünden gewaschen hat in seinem Blut, und uns gemacht hat zu einem Königtum, zu Priestern, seinem Gott und Vater. Ihm sei die Herrlichkeit und die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Wer singt das neue Lied? Bist du dann dabei, lieber Leser? Nur Bluterkaufte können dieses Lied singen; Menschen, die unter dem Kreuz kapitulierten, die dem Herrn Jesus ihre ganze Sündenschuld brachten, sind imstande, dieses Lied der Erlösung zu singen. Jeder Einzelne kann es bezeugen: Er hat mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben in den bitteren Tod. Er hat mich gewaschen von allen meinen Sünden, er hat mich zur höchsten Höhe geführt, er hat mich zu einem Priester Gottes gemacht,


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zu einem König, der in alle Ewigkeit mit ihm herrschen soll. Oh, ihm sei die Ehre, ihm sei der Ruhm, ihm sei die Anbetung, die Huldigung dargebracht von Ewigkeit zu Ewigkeit. Ja, das sind die Erfahrungen, die ein armer Sünder mit dem Sünderheiland macht. Jeder darf es erfahren: „Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten. … so fern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt“(Psalm 103,10-12). Jedem hat er zurufen können: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst! Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“ (Jesaja 43,1)! In Offenbarung 21,6 unterbricht Gott gleichsam die Beschreibung der Herrlichkeit; hier, wo uns schon die Ewigkeit nach der Zeit dargestellt wird, da bietet der Herr Jesus, dieser herrliche Heiland, sich noch einmal dem Menschen an als die wahre Lebensquelle. Er ruft: „Ich will dem Dürstenden geben aus dem Quell des Wassers des Lebens umsonst!“ Noch einmal wiederholt er gleichsam das wunderbare Wort, das er so oft den Menschen hat zurufen lassen: „Wohlan, ihr Durstigen alle, kommt her zum Wasser; und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst Wein und Milch!“ (Jesaja 55,1). Dürstet deine Seele? Hast du ein Sehnen nach Frieden mit Gott? Dann fasse doch die Gnade, die er dir anbietet; nimm dieses kostbare Angebot im Glauben an. Das Evangelium der Liebe Jesu ist für dich! Nimm die Erlösung an, und dein Sehnen wird völlig gestillt. Du findest Frieden und Freude in dem Erlöser, und er schenkt dir die Kraft zu einem völlig neuen Leben, ja, einem Leben, das er selbst ist. Er will es auch dir erneut zurufen: „Ich bin gekom-

men, damit sie das Leben haben und es im Überfluss haben“ (Johannes 10,10). Ja, er, der Herr Jesus allein, er selbst ist die Quelle des Heils, die Quelle alles Lebens, die Quelle des Friedens und der Freude, nach der du dich so sehr sehnst. Umsonst – aus Gnaden schenkt dir der Herr Jesus alles. Er erquickt dein dürstendes Herz, und umsonst empfängst du von ihm die Gnade der Vergebung und damit alle himmlischen Güter: Nimm, er steht da mit geöffneten Händen, nimm aus der Fülle, die Jesus dir gibt. Gnade um Gnade, er will sie dir spenden, nicht, weil du‘s wert bist, nein, weil er dich liebt! Lass es dir schenken, und lass es dir geben, nichts ist zu groß ihm und nichts ist zu klein. Wer ihm begegnet, empfängt auch sein Leben. Nimm nur im Glauben, und alles ist dein!

Die Überwinder Wer aus dieser Quelle des Lebenswassers getrunken hat und täglich daraus schöpft, der wird in der Kraft des Herrn auch ein Überwinder. Hier in dieser Welt ist Kampf, und alles, was dir begegnet, will dir die Verbindung mit der Lebensquelle rauben, aber der Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet. Die Überwinder aber werden hoch geehrt und belohnt: „Wer überwindet, der wird alles erben“. So lautet das Wort in Offenbarung


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21,7. Der Überwinder hält seinen Blick auf ihn gerichtet, den Anfänger und Vollender des Glaubens. An seiner starken Hand lässt sich‘s sicher wandern. Die Welt mit ihren Verlockungen wird immer mehr an Anziehungskraft verlieren, da der Blick des Überwinders das himmlische Kanaan schaut, wo ihm das ewige Erbe winkt und die Herrlichkeit auf ihn wartet. In Dankbarkeit singt er: Ich seh‘ den Kampfpreis winken bei mühevollem Tritt. Ich werde nie versinken, eh‘ sänkst du selber mit.

Die goldene Stadt Nun darf der Seher die Braut, das Weib des Lammes, schauen im Bild einer goldenen Stadt. Gott will uns durch diese farbenprächtige Beschreibung einen Einblick schenken in die kommende Herrlichkeit. Da wir das Unendliche niemals in unserem Leib der Schwachheit erfassen können, kommt er uns zur Hilfe und benutzt das Kostbarste, was wir auf Erden kennen, damit wir uns eine Vorstellung machen können von der ungeahnten Herrlichkeit. Er redet von Gold, Edelsteinen und kostbaren Perlen. Die Stadt hat Straßen aus reinem Gold; die Grundmauern der Stadt sind verziert mit allen Edelsteinen. Die Tore, die zu der Stadt führen, sind aus Perlen, die in mildem Glanz leuchten. Um diese Stadt ist eine hohe Mauer aus reinem Jaspisstein, und durch die Stadt fließt der Strom des Lebens, leuchtend wie Kristall. Alles erstrahlt in der Lichtherrlichkeit Gottes, denn auch von Gott lesen wir: „Und der darauf saß, war in seinem Aussehen einem Jaspis- und einem Sardisstein

gleich; und ein Regenbogen war rings um den Thron, der glich in seinem Aussehen einem Smaragd“ (Offenbarung 4,3). Darum auch hier der Ausruf: „Und sie hatte die Herrlichkeit Gottes“. Wie unvorstellbar groß ist doch seine Gnade gegenüber uns Menschenkindern. In Römer 3,23 lesen wir das Urteil Gottes: „… denn alle haben gesündigt und verfehlen die Herrlichkeit, die sie vor Gott haben sollten“. Würde hier mit dieser Feststellung Gottes Wort schließen, müssten wir verzweifeln, dann gäbe es keinen Lichtblick. Gott sei Dank, dass er den Ausweg ersonnen hat. Aufgrund des Erlösungswerkes durch das Lamm Gottes kann der Glaubende mit dem Apostel in Römer 5,2 bekennen: „ … auch Zugang erlangt haben zu der Gnade, in der wir stehen, und wir rühmen uns der Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes“. Hier ist es selige Wirklichkeit geworden. Darum der Ruf: Sie hat die Herrlichkeit Gottes! Wer will diese Gnade fassen und Gottes Tun verstehen? Doch der Augenblick ist nahe: dann wird doch jeder in uns sehen, Herr, nur deine Herrlichkeit. Aber nicht nur wird seine Herrlichkeit an uns geschaut werden, sondern auch seine göttliche Gerechtigkeit. Darum erglänzt diese Stadt in reinem Gold gleich durchsichtigem Glas. Dieses Gold ist ein Bild der Gerechtigkeit Gottes, die uns am Kreuzesstamm erworben wurde. Dort ging der Reine und Heilige, unser Heiland und Retter, durch den Glutofen des Zorngerichts Gottes an unserer Statt, doch alles an ihm war lauteres Gold, im Feuer erprobt, welches er dem Glaubenden schenkt. Der aber jauchzt in tiefer Dankbarkeit dem Überwinder zu: Herr, unsere Gerechtigkeit. Wie hoch wird dessen Geist erfreut, der dich im Glauben kennet.


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Darum auch der Mahnruf an die Sorglosen: „Ich rate dir, von mir Gold zu kaufen, das im Feuer geläutert ist, damit du reich wirst, und weiße Kleider, damit du dich bekleidest …!“ (Offenbarung 3,18). Weiter lesen wir, dass diese wunderbare Gottesstadt zwölf Grundlagen hat. Und auf denselben stehen 12 Namen, die Namen der 12 Apostel des Lammes. Das Lamm ist das Felsenfundament, der Eckstein, auf welchem die mit Edelsteinen gezierten Grundlagen der 12 Apostel des Lammes gelegt sind. Die Namen dieser Herolde, die die Botschaft von dem Gekreuzigten und Auferstandenen ins Land hinausgetragen haben, sind zum ewigen Ruhm in diese Grundlagen eingraviert. Wie ehrt doch der Herr seine treuen Mitarbeiter, und wie lohnt es sich, Hand ans Werk zu legen; denn wir wissen, dass unsere Mühe nie vergebens ist in dem Herrn.

Das Lamm als Mittelpunkt Siebenmal finden wir in der Beschreibung der goldenen Stadt das Lamm. Der einst in Jerusalem Gekreuzigte ist im neuen Jerusalem der Gekrönte. Nicht nur die Apostel des Lammes werden erwähnt, sondern es heißt weiter, dass die Kontrolle ausgeführt wird anhand des Buches des Lebens des Lammes. Dann heißt es, dass der Strom vom Wasser des Lebens glänzend wie Kristall hervorging aus dem Thron Gottes und des Lammes. Ebenfalls ist es die Braut, das Weib des Lammes. Auch heißt es, dass kein Tempel in der goldenen Stadt ist, denn der Herr, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel und das Lamm. Dann weiter: Diese wunder-

bare Gottesstadt bedarf nicht der Sonne und des Mondes, dass sie sie erleuchten, denn ihre Lampe ist das Lamm. Die ganze Herrschaft hat er übernommen, denn in der goldenen Stadt steht der Thron Gottes und des Lammes. Wie wunderbar, der Allerverachtetste, der für die menschliche Gesellschaft untragbar war, den man mit Hohn und Spott übergoss und schließlich an das Kreuz brachte, ist hier der Mittelpunkt, auf den alle Blicke gerichtet sind, und dem alle Ehre zukommt und gebührt. Das Lamm wie geschlachtet wird der Inhalt aller Lobgesänge der Erlösten sein.

Die Jaspismauer mit den Perlentoren Um diese Stadt ist eine Mauer aus reinem Jaspis, 75 m hoch nach unseren heutigen Maßen und über 9000 km im Viereck. Welche Kostbarkeiten und Reichtümer! Wie verblassen doch da alle irdischen Werte. Die Lichtherrlichkeit Gottes, die diese Gottesstadt in einen Lichtpalast verwandelt, durchbricht die Jaspismauern und hüllt die ganze neue Erde ins göttliche Licht. Wie versucht der Prophet diese Herrlichkeit schon anzudeuten, wenn er spricht: „Du Elende, Sturmbewegte, Ungetröstete! Siehe, ich will deine Steine in Bleiglanz legen und deine Grundfesten mit Saphiren bauen. Ich will deine Zinnen aus Rubinen machen und deine Pforten aus Karfunkeln und alle deine Grenzmauern aus köstlichen Steinen“ (Jesaja 54,11-12). In dieser gewaltigen Mauer aus reinem Jaspis befinden sich zwölf Tore, jedes Tor aus einer Perle. Und auf die Tore sind 12 Namen geschrieben, die Namen der 12 Stämme der Söhne Israels: Nach Osten


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3 Tore, nach Norden 3 Tore, nach Süden 3 Tore und nach Westen 3 Tore (Offenbarung 21,12-13). Nach allen 4 Himmelsrichtungen stehen 3 Tore weit geöffnet. Es sind Tore der Gnade. Davon redet schon der Prophet: „Öffnet die Tore, damit ein gerechtes Volk einzieht, das Treue bewahrt! Einem festen Herzen bewahrst du den Frieden, den Frieden, weil es auf dich vertraut. Vertraut auf den HERRN allezeit, denn Jah, der HERR, ist ein Fels der Ewigkeiten!“ (Jesaja 26,2-4). Der Gekreuzigte und Auferstandene hat sie erschlossen, und wohl allen, deren Schuldbrief zerrissen, und die aus der durchgrabenen Hand des Heilandes den Freibrief empfangen haben, sodass sie diese Tore mit Frohlocken passieren können. Gott sei Dank, dass die Einladung noch an alle ergeht. Das Heil ist für die ganze Welt. Noch gilt das Wort des Propheten: „Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde!“ (Jesaja 45,22). Diese Tore der Gnade werden uns in alle Ewigkeit an diese große Tatsache erinnern, dass die Gnade Gottes Heil bringend erschienen ist für alle Menschen, und dass wir durch Gnade errettet worden sind mittels des Glaubens: „Denn ihr kennt ja die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, dass er, obwohl er reich war, um euretwillen arm wurde, damit ihr durch seine Armut reich würdet“ (2. Korinther 8,9).

Über den Toren zwölf Namen Auf jedem Tor steht der Name eines der 12 Stämme Israels. Nicht nur, dass Israel Teil hat an der zukünftigen Herrlichkeit, sondern es wird auch in alle Ewigkeit ge-

schaut und bewundert werden, dass das Heil aus den Juden ist. Der Herr Jesus, der ewige Sohn des Vaters, wurde Mensch, und als Mensch leitet er seine Herkunft aus dem Geschlecht Abrahams und aus dem Stamm Juda her. Dieses Wunder der Menschwerdung wird in alle Ewigkeit Gegenstand der Bewunderung und Anbetung sein und bleiben. Jeder Name hat aber auch eine tiefe, geistliche Bedeutung und will uns die Notwendigkeit, aber auch die Ergebnisse der vollkommenen Erlösung vorstellen. Über dem 1. Tor steht: Ruben! Ruben heißt: Seht, ein Sohn. Wer in die goldene Stadt einziehen will durch die Perlentore, der muss ein Sohn Gottes sein. Die Bibel sagt eindeutig, dass dies nur durch eine Wiedergeburt geschehen kann. Durch Gottes Geist muss der Einzelne von Neuem geboren werden. „Allen aber, die ihn aufnahmen, denen gab er das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben; die nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind“ (Johannes 1,12-13). „Seht, welch eine Liebe hat uns der Vater erwiesen, dass wir Kinder Gottes heißen sollen! … Geliebte, wir sind jetzt Kinder Gottes, und noch ist nicht offenbar geworden, was wir sein werden; wir wissen aber, dass wir ihm gleich gestaltet sein werden, wenn er offenbar werden wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist“ (1. Johannes 3,1-2). Simeon heißt: Erhörung. Er weist auf die hin, die in ihrer Not zu dem Retter riefen und Erhörung fanden. „Rufe mich an am Tag der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich ehren!“


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(Psalm 50,15). Welch eine Gnade, rufen und beten zu dürfen. „Und alles, was ihr bitten werdet in meinem Namen, das will ich tun“ (Johannes 14,13). Levi heißt: Anhänglichkeit. Dem Herrn anhangen – wem hängst du an? Der Welt? Der Sünde? Den Freuden des Lebens? Oder kannst du auch bekennen: Ich hab‘ genug, weil dich ich habe, mein Herz frohlocket inniglich. Wo findet eine solche Gabe auf Erden und im Himmel sich? Ihm folgen und dienen ist Glückseligkeit. Sebulon heißt: Wohnung. Er wohnt bei mir. „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort befolgen, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen“ (Johannes 14, 23). Wohl uns, wenn auch wir mit dem Psalmisten bekennen dürfen: „Herr, ich habe geliebt die Wohnung deines Hauses und den Wohnort deiner Herrlichkeit. Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR der Heerscharen! Es sehnt sich, ja, es schmachtet meine Seele nach den Vorhöfen des HERRN, mein Herz und mein Leib, sie jauchzen dem lebendigen Gott [entgegen]. Glückseligkeit, die da wohnen in deinem Hause; stets werden sie dich loben“. Ja, diese traute Gemeinschaft mit dem Herrn ist Freude und wahrer Genuss. Naphthali heißt: Mein Kampf, mein Er­ kämpfter. Wie weist doch dieser Name auf den schweren Kampf hin, den der Herr Jesus im Garten Gethsemane, in Gabbatha und auf Golgatha hat durchführen müssen. Er hat um dich und mich dort am Kreuz den

schwersten Kampf durchgefochten, als er Satan den Kopf zermalmte und die feindlichen Mächte entwaffnete, um uns aus dieser Gewalt der Finsternis zu erretten. Deshalb dürfen wir jauchzen: Der Himmel steht offen, Herz, weißt du, warum? Weil Jesus gekämpft und geblutet, darum! Führst du aus Dankbarkeit auch den Glaubenskampf? Kannst du mit dem Apostel sprechen: „Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Glauben bewahrt, ich habe den Lauf vollendet“, wenn du am Ende deiner Laufbahn zurückblickst? Josef weist auf den Reichtum hin, den der Einzelne in Jesus Christus, seinem Herrn und Heiland, besitzt. Sein Name bedeutet: Gott füge hinzu. Es geht von Herrlichkeit zu Herrlichkeit. Gesegnet mit jeder geistlichen Segnung in himmlischen Örtern, so zieht der Pilger seine Straße, bis er vom Glauben zum Schauen gelangt. Dort wird er bis in alle Ewigkeit immer neue Offenbarungen seiner unvorstellbaren Liebe und Gnade genießen. Gad und Aser bedeuten: Glück und Glückseligkeit. Werden wir da nicht sofort schon an das Bibelwort aus Psalm 32,1-2 erinnert? „Glückselig der, dessen Übertretung vergeben, dessen Sünde zugedeckt ist! Glückselig der Mensch, dem der HERR die Ungerechtigkeit nicht zurechnet und in dessen Geist kein Trug ist!“ Auch der Vers: „Glückselig der, den du erwählst und herzunahen lässest, dass er wohne in deinen Vorhöfen! Wir werden gesättigt werden von dem Guten deines Hauses und


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von dem Heiligen deines Tempels!“ (Beides Unrevidierte Elberfelder 1905-Übersetzung). Psalm 65,4 spricht von unserer Glückseligkeit. Doch wir sind nicht nur glückselig, weil unsere Sünden vergeben sind, und wir nun innige Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn haben, sondern wir haben schon vorhin darauf aufmerksam gemacht, dass die glückselig sind, die Teil haben an der ersten Auferstehung, denn über sie hat der zweite Tod keine Gewalt, aber auch glückselig, weil sie geladen sind zum Hochzeitsmahl des Lammes. Isaschar heißt: Er ist mein Lohn! Der Herr Jesus hat für die vor ihm liegende Freude das Kreuz erduldet. Du solltest die Frucht der Mühsal seiner Seele werden. Du bist der Lohn für sein schweres Ringen, für seinen Opfertod am Kreuz auf Golgatha. Wie wertvoll und kostbar bist du für ihn! Dürstend rang er dort um deine Seele, dass auch du zu seinem Lohn nicht fehlest. Ja, er hat an dich gedacht, als er rief: Es ist vollbracht. Welch ein herrlicher Heiland! Der Name Manasse bedeutet: Er macht vergessen. Weist dieser Name über dem Perlentor nicht erneut auf jenen Augenblick hin, wo wir das Tränental verlassen werden, um allezeit droben bei dem Herrn in seiner Herrlichkeit zu sein? Ja, dann ist vergessen, was je uns hier beschwert hat. Das Tränental mit allen Übungen ist dann hinter uns, und wir werden alle Anfechtungen, alles Leid und alle Trübsal vergessen. Der Dichter singt mit Recht: Ja, dann ist fern, was je mich hier be-

schweret, ich hab‘ genug, hab‘, was mein Herz begehret, hab‘ dich, o Jesu, meinen Herrn. Dann bricht auch das ewige Halleluja an, denn Juda, der Name, der auf einem anderen Perlentor steht, bedeutet so viel wie Lobpreis. Die Lobpreisenden ziehen durch die Perlentore, um auf den goldenen Gassen zu wandeln, um am kristallnen Meer mit den goldenen Harfen das ewige Halleluja zu singen. Sie singen das neue Lied, diesen Lobgesang unserem Gott und dem Lamm. Ja, im höheren Chor wird der Jubelgesang der Lobpreisenden erschallen vor seinem Thron der Herrlichkeit. Auf dieses Glück weist auch der letzte Name hin: Benjamin. Er bedeutet so viel wie: „Sohn meines Glückes“ oder auch: „Sohn meiner Rechten“. Diesen Söhnen des Glücks gehört die ganze Herrlichkeit. Sie werden zu seiner Rechten stehen und seine heilige Nähe genießen. Was wir auf Erden so oft gesungen haben, ist dann herrliche Wirklichkeit: An deiner Rechten trifft uns kein Leid, nahen keine Schmerzen in Ewigkeit.

Selige Harmonie Da sind sie nun alle, die Scharen von Erlösten, die großen Glaubenszeugen und Helden, die Märtyrer und die Zeugen der frohen Botschaft, die bluterkaufte, glückselige Schar, die Fernen und die Nahen, alle, die sich rufen ließen durch das herrliche Evangelium. Mit den Siegespalmen in den Händen stehen sie als die Priester


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Gottes gekrönt mit goldenen Kronen und geschmückt mit weißen Kleidern. Mit goldenen Harfen stehen sie am kristallnen Meer; zur Freude des Bräutigams tragen sie das hochzeitliche Kleid der Gerechtigkeit. Jubelnd umringen sie den Thron des Lammes, huldigend werfen sie ihre Kronen nieder und beten den an, der sie mit seinem Herzblut erkauft hat. Da stehen sie als Heilige und Geliebte und dürfen ihn schauen in seiner Schönheit und dürfen sich sonnen in der Sonne aller Herrlichkeit. Arm in Arm werden sie wandeln auf den goldenen Gassen, und unter den Lebensbäumen werden sie jauchzen und jubeln. Ja, da stehen sie alle, die ihre Kleider gewaschen haben in dem Blut des Lammes. Das große Ziel der Erlösung, das Sehnsuchtsziel der Menschheit ist dann erreicht. Es ist das unbefleckte, unverwelkliche, unverwesliche Erbteil, das für die Heiligen aufbewahrt ist in den Himmeln. In seliger Eintracht wird die wunderbare Einheit der Kinder Gottes ihre vollendete Darstellung finden. Dann wird deiner Heil‘gen Menge ein Herz, eine Seele sein. Preis und Dank und Lobgesänge werden sie dir ewig weih‘n. Welch frohes Begrüßen wird es sein; denn dort treffen wir sie alle wieder, alle, die wir kannten, und die uns liebten, und die wir liebten, alle, deren Namen in den Himmeln angeschrieben sind. Da stehen sie zusammen, und zum ersten Mal erkennen wir uns bis in die tiefsten Tiefen unseres Seins. Dort gibt es keine Heuchelei, dort gibt es keine Vortäuschung falscher Tatsachen; jedes Versteckspiel ist zu Ende, keine Undurchsichtigkeit kann es mehr geben, sondern alles ist klar und aufgedeckt. „Und sie werden sein

Angesicht sehen, und sein Name wird auf ihren Stirnen sein. Und es wird dort keine Nacht mehr geben, und sie bedürfen nicht eines Leuchters, noch des Lichtes der Sonne, denn Gott, der Herr, erleuchtet sie; und sie werden herrschen von Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Offenbarung 22,4-5). Nun ist das Wort erfüllt: Siehe, ich mache alles neu! Man hat mit Recht gesagt: Dann ist über uns ein neuer Himmel, unter uns eine neue Erde, um uns das neue Jerusalem, an unseren Stirnen ein neuer Name, in unseren Herzen ein neues Lied, und vor uns immer neue Offenbarungen seiner unvorstellbaren Herrlichkeit. Doch alles muss zurücktreten vor dem, was unsere Freude auf das Höchstmaß bringt: Wir dürfen ihn sehen, wie er ist. Wir dürfen uns sättigen an seinem Anblick, an seiner Schönheit. Da singt der Dichter mit Recht: Nicht zur Stadt mit ihren goldnen Gassen, geht des Herzens tiefste Sehnsucht hin, ewig möchte ihn ich nur umfassen, dessen teures Eigentum ich bin.

Die letzte Warnung Es ist wohl nicht von ungefähr, dass der Herr bei der Beschreibung der Herrlichkeit der goldenen Stadt wiederholt unterbrechen lässt, um eine Warnung einzufügen für die Sorglosen und Gleichgültigen, die glauben, immer wieder das Heil ihrer Seele aufschieben zu dürfen. Erkenne doch, in welch einer Gefahr du dich befindest, lieber Leser, wenn du dich zu diesen zählen musst. Gewaltig sind die Gegensätze, die der Geist Gottes herausstellen lässt: „Wer überwindet, der wird alles erben, und


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ich werde sein Gott sein, und er wird mein Sohn sein. Die Feiglinge aber und die Ungläubigen und mit Gräueln Befleckten und Mörder und Unzüchtigen und Zauberer und Götzendiener und alle Lügner - ihr Teil wird in dem See sein, der von Feuer und Schwefel brennt; das ist der zweite Tod“ (Offenbarung 21,7-8). Es gibt also keinen goldenen Mittelweg. Entweder erbe ich die Herrlichkeit oder ich versinke in Nacht und Grauen und ewige Verzweiflung. Es ist wohl nicht von ungefähr, dass hier die Feigen zuerst genannt werden vor all den anderen Benennungen. Wie viele werden sich dort verwünschen und verfluchen, weil sie zu feige waren, in die Nachfolge Jesu zu treten. Wie furchtbar wird ihre Anklage sein. Im See, der mit Feuer und Schwefel brennt, also in der Hölle, sind nicht nur die Hurer, die Mörder und die Ehebrecher, sondern auch die Feiglinge und die Lügner. Der Herr nimmt es genau. Jede Sünde führt in die Verdammnis. Deshalb ist die Erlösung durch das Blut Jesu so wichtig. Noch einmal heißt es: „Glückselig sind, die seine Gebote tun, damit sie Anrecht haben an dem Baum des Lebens und durch die Tore in die Stadt eingehen können. Draußen aber sind die Hunde und die Zauberer und die Unzüchtigen und die Mörder und die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut“ (Offenbarung 22,14-15). Also noch einmal wirst du vor die große Wahl gestellt. Sagst du nun „ja“ zu dem großen Angebot Gottes an dich, oder sagst du „nein“ zu dem, der in großer Langmut

bis jetzt auf dich gewartet hat? Die Würfel sind in deiner Hand; sie müssen fallen. Was wählst du? Beides stellt Gott dir vor: Den Segen – und den Fluch! Das Leben – und den Tod! So wähle! Wähle aber recht! Wasche deine Kleider, das heißt: Komm mit deinem Sündenkleid zu deinem Retter. Er wäscht dich weißer als Schnee. Nimm doch im Glauben das große Heil, das er am Kreuz für dich erworben hat, an. Lass dich beschenken mit dem ewigen Leben! Höre, was auf dem letzten Blatt der Bibel steht: „Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen da dürstet, der komme; und wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst!“ Hörst du, umsonst! Aber du musst kommen, du musst wollen, du musst nehmen – und alles ist dein. Du hast dann Vergebung deiner Sünden und besitzt die Gotteskindschaft. Knie doch jetzt vor dem Herrn Jesus nieder und mache ganze Sache. Bekenne ihm die ganze Schuld deines Lebens. Decke auf, er deckt zu! Nenne ihm die Sünden mit Namen, und rufe laut um Vergebung, Gnade und Erbarmen, und in demselben Augenblick erfährst du das Wunder: „Das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde“ (1. Johannes 1,7). Und du bist aus dem geistlichen Tod in das ewige Leben übergegangen. In deinem Herzen trägst du dann diese glückselige Hoffnung auf die Erscheinung unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus, und frohen Herzens stimmst du mit ein in diesen Ruf: Amen, komm, Herr Jesus, komme bald!


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Bevorstehende Ereignisse Für viele Menschen sind die prophetischen Bücher der Bibel oft sehr schwer zu verstehen. Kurz: Man braucht verständliche Anleitung, damit man die Grundzüge göttlicher Wahrheiten richtig einordnen kann. Mit diesem Heft wollen wir vor Verwirrung und Irrtum bewahren. Schließlich sind uns das Buch der Offenbarung und andere prophetische Bücher zum segensreichen Gebrauch von Gott geschenkt. Der Verfasser dieser Broschüre, Josef Kausemann, hat in diesem Heft einen kurzen Überblick über die Prophetie der Bibel erarbeitet. Diese Broschüre spricht jeden Leser an, sowohl den Gleichgültigen als auch den, der sich über die lebendige Hoffnung in Christus freut.

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