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Notizen aus dem Anthropozän


Cover: Edward Burtynsky, Ă–lfusĂĄ River #1, Iceland, 2012, C-Print, ed. 1/9, 100 x 130 cm, courtesy Galerie Springer,Berlin / Nicholas Metivier Gallery, Toronto


Notizen aus dem Anthropozän Eine Publikation der Stiftung Nantesbuch anlässlich der Anthropozän-Thementage im Langen Haus im November 2019

Kunst und Natur


Inhaltsverzeichnis

06 Vorwort Börries von Notz 08 Drei Tage im Anthropozän Annette Kinitz 13 300 kg geballte Natur Jörg Garbrecht 16 Zeitalter der Verantwortung Christian Schwägerl 22 Ein waberndes Konzept Petra Ahne 29 Fünf AnthropozänNarrative 34 Wir sollten die Erde wie eine Stiftung behandeln Reinhold Leinfelder im Gespräch mit Stephanie Schwaderer


39 Prime Cut im Anthropozän Jörg Garbrecht 46 Mit Haut und Haar Stephanie Schwaderer 58 Kunst mischt sich ein – The Anthropocene Project Anke Michaelis 70 Mit voller Wucht – The Human Epoch Reinhold Leinfelder 78 Klimakrise in den Medien Petra Pinzler 84 Klimawandel in den Köpfen Irene Neverla

88 „Ein schreckliches Dasein und doch sind wir alle recht glücklich ...“ Auszug aus dem Buch „Hütten“ von Petra Ahne 100 Zukunftspfade in die Menschenzeit Reinhold Leinfelder 106 Autorenverzeichnis 108 Zur Stiftung Nantesbuch – Kunst und Natur 128 Bildnachweis Impressum Als Beilage Comic „Mahlzeit“ – Ein kulinarischer Streifzug durch die Menschheitsgeschichte in sechs Kapiteln Thomas Gilke


Vorwort

Monumente der Industriekultur wie zum Beispiel die gigantischen Stahlöfen der Völklinger Hütte, das „blaue Wunder“ in Dresden oder die kolossalen Staudämme unserer Zeit ringen Respekt ab. Ja, man kommt auch heutzutage nicht umhin, diese großen technischen Leistungen des eigentlich so schwachen und empfindlichen Menschen, seine Tatkraft und seinen Einfallsreichtum zu bewundern. Diese technischen Monumente, zum Teil UNESCO-Weltkulturerbe und damit in die Liste des ewig Schützenswerten aufgenommen, sind jedoch gleichsam frühe Zeugnisse des unumkehrbaren Eingriffs des Menschen in seine Umwelt und seine natürlichen Lebensgrundlagen. Mittlerweile ist die schiere Bewunderung einem Zweifel gewichen. Die Bewunderung bleibt einem im Halse stecken. Die Monumente haben sich als Denkmale in ihr Gegenteil verkehrt: Sie sind nicht mehr Symbol des Fortschritts, sondern Symbol eines Umbruchs, einer mitunter unumkehrbaren Zerstörung geworden.

Kunst und Natur und das Anthropozän

Die Technisierung und die Eingriffe des Menschen haben ohne Frage nicht nur wenigen sehr viel Wohlstand und Gesundheit gebracht. Haben mitunter freiheitlich orientierte Gesellschaftsordnungen ermöglicht und zumindest in den letzten Jahrzehnten in Europa auch zu einem stabilen Frieden beigetragen. Doch die Umwälzungen der vergangenen Jahrhunderte, die untrennbar verbunden sind mit den Eingriffen des Menschen in die Natur, sind, wie alles menschliche Handeln, ambivalent. Der moderne Mensch lebt von seiner Umwelt zumeist entfremdet. Er hat den sinnlichen Kontakt zu seinen natür-

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lichen Lebensgrundlagen, zu denen auch die kulturellen Wurzeln und Beziehungen zählen, stark eingebüßt. So lebt der Mensch in einem Spannungsverhältnis zwischen permanentem Fortschritt und zunehmender Entfremdung. Klimawandel und Artensterben, Digitalisierung und Automatisierung, Bevölkerungswachstum und Migration – die großen Themen unserer Zeit fordern aber gerade vom Menschen eine enge Verbundenheit mit seinen natürlichen und kulturellen Grundlagen.

vom Menschen geprägten Zeit liegt naturgemäß noch nicht vor. Die Stiftung Nantesbuch bietet mit ihren Angeboten zu Kunst und Natur Orte der Reflexion und der Aktivierung gleichermaßen. Ausgehend von den Phänomenen unserer Zeit entwickelt sie Programme, die einen intellektuellen oder sinnlichen Zugang zu den vielfältigen Themen ermöglichen. Zugänge, die jedem offenstehen, der Anregungen sucht und in eine Welt eintauchen möchte, die Phantasie und Inspiration hervorbringt.

Im November 2019 haben wir uns in Nantesbuch drei Tage mit dem Thema Anthropozän beschäftigt. Ein großes Thema und ein dehnbarer Begriff, wie Sie dem Gummiband unserer Publikation assoziativ entnehmen können.

Und da wir als Stiftung Nantesbuch Kunst und Natur als Resonanzkörper verstehen, bieten wir Ihnen mit dieser Publikation einen kleinen Einblick darin, wie wir Themen aufgreifen und bearbeiten. Wir halten keine Lösungen bereit, aber nicht zuletzt mit diesem Büchlein einen möglichen sinnlichen Zugang.

Wir werden uns noch lange mit dem Anthropozän beschäftigen (müssen). Denn dieser Begriff beschreibt mehr als ein geologisches Phänomen: Die Schäden, die der Mensch dem Planeten zugefügt hat, führen unweigerlich auch zu kulturellen, sozialen und politischen Veränderungen. Deswegen wird ein gesellschaftliches Umdenken unumgänglich sein und eine Neudefinition unseres Natur-Kultur-Verständnisses nach sich ziehen.

Börries von Notz Sprecher der Geschäftsführung der Stiftung Nantesbuch

Die Phase, in der wir uns gerade befinden, 20 Jahre nach Prägung des Begriffs durch Paul Crutzen, kann man als Annäherung an ein Verständnis an das Anthropozän und den Versuch einer Strukturierung und Konzeptionalisierung begreifen. Wir sind erst am Anfang. Ein umfassendes Verständnis vor allem auch über die Konsequenzen dieser

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Drei Tage im Anthropozän Annette Kinitz


Nach der Wiesenmahd in Nantesbuch

Woran denken Sie beim Anblick eines Heuballens? An Natur? An Kunst?

Drei Tage im Anthropozän

Oder genießen Sie einfach nur den ästhetisch schönen Anblick der perfekten Rolle auf einem gemähten Feld? Auch die Luftbilder von systematisch geordneten, farblich abgegrenzten Feldern empfinden wir als schön. Diese Schönheit aber entsteht nicht von allein – sie ist Zeugnis menschlicher Eingriffe in die Natur, die, beginnend mit Sesshaftigkeit und ackerbaulicher Wirtschaftsweise, Naturlandschaften zu Kulturlandschaften geformt haben. Wie wichtig dem Menschen Landschaften sind und welche Vorstellungen sie damit verbinden, lassen sich in vielen Spielarten der Kunst finden. Ein kurzer Schwenk in die Geschichte der Bildenden Kunst beispielsweise zeigt, dass vor allem Vertreter der Romantik wie Philipp Otto Runge (1777-1810), Caspar David Friedrich (1774-1840) oder William Turner (17751851) in ihren Werken die immanente Bedeutung der Natur und das Aufgehen des Menschen in ihr versinnbildlichten: Die Natur als Spiegel menschlicher Empfindungen, wie sie Friedrich unter anderem in Gemälden wie „Wanderer über dem Nebelmeer“ oder „Kreidefelsen auf Rügen“ malerisch betrachtete. Auch in der Literatur ist die Vergegenwärtigung von Natur ein vorherrschendes Thema. Wie der Literaturwissenschaftler Ludwig Fischer in seinem aktuellen Buch „Natur im Sinn“ (2019, Matthes&Seitz) schreibt, hat es seit Ende des 18. Jahrhunderts eine starke naturphilosophische Traditionslinie gegeben. Immanuel Kants (1724-1804) Theorie des ästhetischen Urteilsvermögens beispielsweise hat die Vorstellung von schöner Natur und dem Erhabenen maßgeblich geprägt. Auch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Alexander von Humboldt (1749-1859) sind prominente Vertreter literarischer Naturerkundungen in der Romantik. Mittlerweile hat das Nature-Writing Hochkonjunktur, das sich mit unseren veränderten Lebensgrundlagen beschäftigt, und das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt beschreibt. In der Musik findet man in den verschiedensten Epochen kompositorische Auseinandersetzungen mit der Natur. Wer kennt nicht Vivaldis (1678-1741) „Vier

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Annette Kinitz

Jahreszeiten“ oder die 6. Sinfonie Beethovens (1770-1824)? Die Pastorale ist sogar mehr als eine reine Naturbeschreibung, denn darin geht es vor allem um die Beziehung zwischen Mensch und Natur: um die Natur als Rückzugsort und den Eingriff in die Natur durch den Menschen als gestalterische Kraft. Nicht zuletzt deswegen ist diese Komposition derzeit Ausgangspunkt einer weltweiten musikalischen Aktion gegen Klimaveränderung. Das Anthropozän, der Klimawandel und alle damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen haben ein Nachdenken über das Verhältnis von Natur und Kultur erforderlich gemacht. Denn unser Blick auf dieses Verhältnis ist grundlegend für die Selbstbeschreibungen des Menschen und die Entwürfe seiner Zukunft.

Das Anthropozän, der Klimawandel und alle damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen haben ein Nachdenken über das Verhältnis von Natur und Kultur erforderlich gemacht.

Ansatzpunkte dafür vermag der Soziologe und Philosoph Hartmut Rosa zu geben, der in seiner Resonanztheorie fordert, dass anstatt einer Steigerungslogik eine neue Qualität in unsere Weltbeziehungen treten müsse – also der Beziehungen zu uns, zu anderen, und auch zu Kultur und Natur. Dieses Beziehungsgeflecht verdeutlicht er am Beispiel zweier Stimmgabeln: Fängt die eine an zu schwingen, beginnt die andere in der Nähe mitzuschwingen. Auch Natur und Kunst stehen in einer solchen wechselseitigen Resonanzbeziehung, indem sie den Resonanzraum für das jeweils Andere bieten: von beiden Seiten kann man in die Beziehung zur Welt treten, aber sie verstärken sich auch gegenseitig. Die Stiftung Nantesbuch trägt Kunst und Natur in ihrem Namen und widmet sich seit ihrer Gründung im Jahre 2012 diesen beiden Themen. Dabei untersucht sie programmatisch dieses sich immerwährend „anziehende

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Drei Tage im Anthropozän

und gleichwohl fliehende Bündnis“ (Goethe) oder das von Rosa geprägte Phänomen der Resonanzräume. Der Ort Nantesbuch mit seinen rund 320 Hektar Moor-, Wiesen- und Waldflächen bietet einerseits den Raum für das unmittelbare Erleben von Natur als ästhetische und sinnliche Erfahrung. In gleichem Maße ermöglicht sie die Beschäftigung mit Natur, aber auch mit dem Menschen oder dem Anthropozän mithilfe aller Ausdrucksformen der Kunst. Der Kunst nicht nur als das Schöne, sondern auch als Imaginator und Irritator. Und immer mehr auch als Experimentierraum und Weg zur Veranschaulichung der Dramatik unserer historischen Notlage. Denn Wissen allein führt nicht dazu, dass sich das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt ändert. Der Mensch benötigt Bilder, Reflexionsebenen und Reibungspunkte, um zu verstehen und zum Handeln zu gelangen. Auch für die Anthropozän-Thementage hat die Stiftung Nantesbuch die Kraft und Spielräume von Kunst und Natur genutzt. Der Heuballen im Giebelsaal, der auffällig duftend zunächst einmal die Natur verkörperte, stand auch sinnbildlich für ihre Veränderungen durch den Menschen. Gleichzeitig lud er als ästhetisch-schönes Objekt, einer Skulptur gleich, zum Nachdenken über die Grenzen unserer Verfügungsgewalt über die Natur ein. Der Eröffnungsabend, der in einer eloquenten Runde verschiedene Konzepte des Anthropozäns vorstellte, ermöglichte auch Raum für Diskussionen und Fragen des Publikums zu Verhaltensweisen und möglichen Auswegen aus dem Dilemma. Der zweite Tag diente der Begegnung mit der Natur rund um Nantesbuch, den Ansätzen der Stiftung für einen möglichst schonenden und nachhaltigen Umgang mit den ihr anvertrauten Flächen und dem Kennenlernen der halbwild lebenden Heckrinder, die nicht wie andere ihrer Art alle zehn Tage einen Heuballen verspeisen. Auch die widersprüchlichen Aspekte des Fleischkonsums wurden aus dem Blickwinkel des Anthropozäns diskutiert. Ein für diesen Tag eigens angefertigtes Gemälde bildete einen weiteren Höhepunkt der Konfrontation, ebenjenen Störfaktor, der unmittelbare emotionale Reaktionen

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Annette Kinitz

Edward Burtynsky, Nickel Tailings #35, Sudbury, Ontario 1996 (Detail) courtesy Galerie Springer, Berlin / Nicholas Metivier Gallery, Toronto

hervorzurufen in der Lage ist. Zuspitzung fand diese Reibung wiederum im abendlich präsentierten Film „Anthropocene – The Human Epoch“ des kanadischen Künstlers Edward Burtynsky, der sich im Anschluss der Diskussion stellte. Obwohl Wissen allein nicht ausreicht, um Menschen zum Handeln zu aktivieren, so ist Vermittlung doch eine unverzichtbare Grundlage dafür. Neben der Wissenschaft kommt dem Journalismus diese bedeutende Aufgabe zu, um die sich alles am letzten der drei Anthropozäntage drehte: Berichterstattung und Wandel im Kopf. Zum Abschluss kam noch einmal die Kunst in Form einer Autorenlesung zu Wort. Petra Ahne las aus ihrem Buch „Hütten“, diesem Sehnsuchtsort und versinnbildlichten Traum vom Leben in und mit der Natur. Einem authentischen Leben, von Respekt und Achtung vor der Natur gezeugt. Ein schöner Abschluss – und ein hoffnungsvoller Ausblick. ■

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Zeit vor heute in tausend Jahren

Zeitstrahl

Anthropozän Holozän

0 ? 11,7

Jungpleistozän Epoche: Pleistozän

Periode: Quartär

Ära: Känozoikum

126 Mittelpleistozän 781 Altpleistozän 1806 Gelasium 2588 Pliozän


Anthropocene Capitalocene Plantationocene Chthulucene Eurocene Technocene

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Wir sollten die Erde wie eine Stiftung behandeln Reinhold Leinfelder im Gespräch mit Stephanie Schwaderer

Reinhold Leinfelder, Paläontologe und Geologe, ist Professor an der Freien Universität Berlin und Mitglied der Anthropocene Working Group, einer Arbeitsgruppe der Internationalen Geologischen Gesellschaft (IUGS). Ihr gehören derzeit 34 Geowissenschaftler und Erdsystemforscher an, aber auch Archäologen und Umwelthistoriker, ein Umweltjurist und andere Experten. Die Forschungsgruppe ist zu dem Ergebnis gekommen, dass das jüngste geltende Zeitalter, das Holozän, beendet und ein neues geologisches Zeitalter angebrochen ist: das Anthropozän.

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Im Gespräch mit Reinhold Leinfelder

haben sich über Tausende von Jahren hingestreckt. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte eine große Beschleunigung der Wirtschaftsprozesse ein. Schlagartig gab es neue Geosignale und Technofossilien, die zeitgleich in den Sedimenten auftauchten. Sie sind für uns die Definitionsmerkmale des Anthropozäns. Was genau hat sich bei den Sedimenten verändert? Plötzlich waren Plastik da und Aluminium, zudem „Gewürzmetalle“, wie wir sie nennen: Metalle, seltene Erden, die es eigentlich nur an wenigen Punkten der Erde gibt, die aber nun wie mit dem Pfefferstreuer verteilt überall auftauchten, weil wir sie nicht sachgemäß entsorgen oder recyceln. Warum ist es sinnvoll, den Begriff Anthropozän einzuführen? Wenn wir in der Geologie feststellen, dass das Erdsystem und die Sedimente anders sind, als sie früher waren, sollte man dies neu benennen. Es sind ja nicht nur neue Materialien dazugekommen, auch die Prozesse laufen anders ab. Viel Sediment gelangt zum Beispiel gar nicht mehr in die Flussdeltas, weil wir Zehntausende Stauseen gebaut haben. Wir greifen in den Wasserhaushalt ein, in den Phosphorkreislauf, in das Klimageschehen. Das alles entspricht nicht mehr den Bedingungen des Holozäns, deshalb ist es sinnvoll, eine Grenze zu ziehen. Auch andere Wissenschaften profitieren davon. Sedimente sind

Stephanie Schwaderer: Herr Professor Leinfelder, angenommen der Mensch würde heute von der Erde verschwinden. Was wäre in 5000 Jahren noch von ihm zu sehen? Reinhold Leinfelder: Sehr vieles. Der Mensch hat der Erde 30 Billionen Tonnen Material entnommen und dieses neu verarbeitet – zu Häusern, zu Maschinen. Auf jeden Quadratmeter Erdoberfläche kommen heute im Schnitt 50 Kilogramm Technofossilien, also Materialien, die dem Naturkreislauf entzogen wurden und zu neuen Produkten zusammengefügt wurden, darunter ein Kilo Beton. In 5000 Jahren würde man gewiss noch Plastik in den neuen Sedimenten finden und elementares Aluminium, radioaktiven Fallout und viele chemische Substanzen, die lange haltbar sind, Industrieasche – die Liste ließe fortsetzen. Überhaupt wühlen wir gerne in der Erde herum. Mit Sicherheit würde man noch auf Relikte von Tunnelbauten stoßen. Und in den Eiskernen, sofern es noch Eis geben sollte, ließen sich über chemische Isotope der Klimawandel und eine veränderte Nährstoffsituation nachweisen. Sie sagen, das Anthropozän habe in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts begonnen. Woran machen Sie das fest? Der Mensch hat die Natur verändert, seit er sich niedergelassen hat. Mit dem Aufkommen der Landwirtschaft gab es immer wieder gewaltige Eingriffe, aber sie waren regional beschränkt und

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Stephanie Schwaderer

Wir müssen ganzheitlicher denken, größer, weiter.

Archive, die auch Historikern und Archäologen offenstehen. Wir bekommen eine gemeinsame Datenbasis und können unsere Arbeit besser korrelieren. Welche Bedeutung hat der Begriff Anthropozän für die Gesellschaftswissenschaften? Er verdeutlicht, dass wir alle Teil eines Systems sind. Eine Einsicht, die uns erkennen lässt: So kann es nicht weitergehen. Ich verwende gerne das Bild der Stiftung. Wir sollten die Erde wie eine Stiftung betrachten. Von einer gut geführten Stiftung kann man gut leben, sie wirft dauerhaft Erträge ab, aber wehe man geht ans Eingemachte! Und das machen wir gerade. Ich hoffe, dass das Anthropozän auf der Verantwortungsebene ein Umdenken bewirkt. Weil es ein alarmierender Begriff ist? Manche sehen ihn als Beschreibung alles Bösen, was der Mensch der Erde angetan hat. Aber da darf man nicht stehenbleiben. Das wäre ein bisschen so, als würde mein Arzt zu mir sagen: Sie sind extrem krank, gehen Sie nach Hause, auf Nimmerwiedersehen. Aus der Analyse müssen Konsequenzen hervorgehen – in der Wissenschaft, in der Politik, in der Bildung. Wir müssen weg vom westlich-dualistischen Denken: Natur hier, Mensch und Kultur da. Das hat sich faktisch überlebt und verhindert viele Lösungsansätze. Wir brauchen mehr als engstirnige Regelungen oder planetare Grenzen wie das Zwei-Grad-Ziel.

Könnte man nicht sagen: Der Mensch braucht die Natur, aber die Natur braucht den Menschen nicht? Natürlich brauchen wir die Natur, von ihr leben wir, etwas anderes haben wir nicht. Umgekehrt funktioniert aber auch die Natur, wie wir sie kennen, nicht mehr ohne uns. Dreiviertel der festen, eisfreien Erde haben wir so umgekrempelt, dass wir nicht mehr von Urnatur sprechen können. Das ist Neonatur oder Kulturlandschaft. Um sie in ihrer Vielfalt zu erhalten, braucht es Schutzmaßnahmen und Umweltmanagement. Der Mensch ist nicht besonders stark und nicht besonders schnell, er kann nicht gut riechen oder sehen, muss viele Stunden schlafen. Wie hat solch ein mittelmäßiges Geschöpf es geschafft, sich zum Herrscher der Erde aufzuschwingen? Wir sind soziale Wesen, fähig zur Arbeitsteilung, und wir können Geschichten erzählen. Damit können wir Wissen weitergeben, ohne dass dieses in den Genen verankert werden muss. Man könnte sagen: Die kulturelle Evolution ist der verlängerte Arm der biologischen Evolution. Sonst hätten wir es nie geschafft, über den Winter zu kommen. Aber die kulturelle Evolution muss noch mehr leisten. Wir müssen uns noch ein Stück weiter von unserem biologischen Erbe emanzipieren, das tief in uns sagt: Das ist meines, und das esse ich gleich auf. 36


Im Gespräch mit Reinhold Leinfelder

Der Bogen spannt sich vom Raubbau über Flächenfraß bis hin zum Artensterben. Welches Themenfeld ist in Ihren Augen das dringlichste? Die größte Herausforderung ist der Klimawandel. Abgesehen davon sind alle Probleme gleich dringlich – das ist das Problem des Anthropozäns. Nehmen wir die Korallenriffe. Es reicht nicht, den Klimawandel zu deckeln, wir müssen an die Überfischung ran, an die Überdüngung, an die Meeresverschmutzung. Und so ist es bei vielen anderen Problemen. Wir suchen immer nach dem einen großen Knopf, den man drücken könnte, und dann wäre alles gut, aber den gibt es leider nicht. Andererseits macht das die Sache auch kreativer. Jeder kann sich in seinem Feld einbringen. Beispiel Korallen: Denken Sie, es gibt noch eine Chance, sie zu retten? Selbst unter den besten Annahmen würde es sehr lange dauern, bis die Korallenriffe wieder so prächtig würden, wie wir sie noch kennen. Was uns überrascht hat: Vor der Mündung des Amazonas wurden vor einigen Jahren Korallen entdeckt, die viel nährstoffreicheres Wasser vertragen als die empfindlichen Riffe auf Hochsee. Wir kannten solche Korallen bislang vor allem aus grauer Vorzeit, als sie noch im Schlamm gelebt haben; wir wussten lange nicht, dass es sie noch gibt. Wenn es uns gelänge, die Klimaerwärmung auf eineinhalb Grad zu begrenzen und die Überdüngung

Wie ließe sich Nachhaltigkeit in unserem politischen und gesellschaftlichen System verankern? Der Vierjahreszyklus in der Politik kommt langfristigen Strategien nicht entgegen. Deshalb brauchen wir mehr Monitoring-Systeme, damit wir wissen: Wo ist etwas besser, wo etwas schlechter geworden? Das funktioniert über die Wissenschaft, aber auch viel über Partizipation. Ich würde mir wünschen, dass vor den Abendnachrichten nicht nur der Börsenbericht gesendet würde, sondern ein Anthropozänbericht. Auch um zu zeigen: Wo passiert etwas? Wo setzen sich Menschen ein? Wo ist man weitergekommen? Das hätte gewiss auch politische Konsequenzen. Edward Burtynsky hat sich bei der Konzeption seines Films „Anthropocene – The Human Epoch“ an den Ergebnissen Ihrer Arbeitsgruppe orientiert. Was lösen die Bilder in Ihnen aus? Sie wirken noch einmal ganz anders als Zahlen oder Grafen. Der Film nimmt eine beobachtende Perspektive ein, dokumentiert auf künstlerische Art, was sich gerade im Großen und Kleinen abspielt auf der Welt. Er zeigt, wie wir in die Geologie eingreifen, aber auch in die belebte Welt. Das nimmt einen schon mit. Im ersten Moment lässt er einen etwas ratlos zurück. Aber er wirkt nach und gibt den Anstoß dazu, sich mit dem Befund auseinanderzusetzen.

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Stephanie Schwaderer

Wie sieht das in Ihrem Leben aus? Für Dienstreisen unter 1000 Kilometer steige ich nicht mehr ins Flugzeug. Ich fahre so gut wie nie Auto, versuche wenig Fleisch zu essen und lebe in einer kleineren Wohnung. Außerdem lade ich gerne Leute zur Insektenverkostung ein.

in den Küstengebieten zu reduzieren, könnten sie dazu beitragen, dass das Tal der Tränen, was die Korallen betrifft, etwas weniger tief und weniger breit wird. Ersetzen können sie die Hochseeriffe nicht. Nach drei Thementagen „Anthropozän“ in Nantesbuch, was ist Ihr persönliches Fazit? Es ist wichtig, dass Leute aus vielen Bereichen zusammenkommen. Kein Fach allein kann diese Problematik bewältigen. Auch im Hinblick auf Landschaftspflege ist Nantesbuch ein Vorbild. Der Mensch ist zu einer solch starken Kraft geworden, es müsste doch funktionieren, dass wir diese Kraft ins Positive wenden und eine große Beschleunigung bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Welt erreichen. Welche Rolle spielt dabei der persönliche Verzicht? Man kann nicht allein die Welt retten, aber es ist sinnvoll und kann sogar Spaß machen, neue Dinge auszuprobieren.

Ihre Lebensqualität hat nicht gelitten? Mit dem Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich schon an Plätze gekommen, die ich sonst nie gesehen hätte. Und seit ich weniger Fleisch esse, freue ich mich richtig auf den Sonntagsbraten. Das ist jetzt ein ganz anderer Genuss.

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Prime Cut aus dem Anthropozän Jörg Garbrecht


Jörg Garbrecht

Kein „alter Schinken“, sondern ein frisches Stück Malerei der Gegenwart

Das rohe Steak schimmert in saftigem Dunkelrot. Sorgfältig trägt Matthias Mross die Farbe mit senkrecht gestelltem Pinsel auf. Mit den kompakten Tupfern bildet er die Enden der sauber gekappten Muskelfasern nach. Man möchte es anfassen, dieses kühle, frische Stück Fleisch, und seine weiche Elastizität fühlen. Für die Marmorierung zieht Mross feine Weißäderchen ein. Das Fettgewebe spachtelt er mit verschiedenen Weißtönen dick übereinander, bis es schmelzig glänzt. Die markanten Fettkerne klassifizieren das Steak als prächtiges Rib-Eye. Stattliche dreieinhalb Quadratmeter misst die Auftragsarbeit. Farbsatt hängt sie im Speiseraum des Langen Hauses. Mross scheint die gewaltige, vornehm neutral riechende Fleischscheibe direkt aus unserer Alltagswelt geschnitten zu haben. Schon die Dimension bekundet den Fleischhunger unserer Gesellschaft. Statt „Menschenzeit“ könnte auch der Begriff „Rinderzeit“ das aktuelle Erdzeitalter beschreiben. Denn unsere Lust auf Rindfleisch ist gewaltig. Von den 60 Kilogramm Fleisch, die wir statistisch im Jahr essen, sind rund zehn Kilogramm Rind. Unser Appetit auf Steak & Co. überformt die Erde massiv. Enorme Flächen für Weidehaltung und Futteranbau werden ge- und verbraucht. Schon heute bearbeiten wir Dreiviertel der gesamten Agrarfläche unseres Planeten für Tierhaltung. Und die Weltbevölkerung wächst: Bis zum Jahr 2050 wird sie nochmals um 30 Prozent zunehmen und mit ihr auch das Verlangen nach Fleisch. Allein die Vorstellung eines solch immensen Fleischbedarfs wirkt beklemmend. Ein ganz ähnliches Unbehagen beschleicht uns, je länger wir vor Mross‘ monumentalem Fleischstück ausharren. Überwältigt schwanken wir zwischen Faszination und einem sich langsam ausbreitendem Ekel. Wir sind begeistert von der genussversprechenden Fleischqualität und vom großen malerischen Können, mit dem Mross uns einen solchen Prime Cut in radikaler Nahsicht präsentiert. Zunehmendes Unbehagen bereitet uns neben der erdrückenden Größe des Fleischstücks die Masse des ein-

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Prime Cut aus dem Anthropozän

Menschenzeit – Rinderzeit

geschlossenen Fettgewebes. Schwellend und glibbernd schiebt es sich zu großen Klumpen zusammen. Sie bilden bei längerem Hinschauen ein großes Prozent-Zeichen. Um den prozentualen Fettanteil im edlen Stück, den Feinschmecker mit dem berühmten „Beef Marbling Grade“ angeben, geht es hier aber kaum. Vielmehr wirft Mross die allgemeine Frage nach der Verhältnismäßigkeit auf, nach Wechselbeziehungen in Relation zu einem größeren Ganzen. Während seiner Arbeit an zarten Fleischfasern und feinen Fettmarmorierungen hört Mross tagelang Podcasts zu unserem Fleischkonsum und industrieller Fleischproduktion. „Massentierhaltung ist für bis zu 51% der von Menschen erzeugten Treibhausgase verantwortlich“ tönt es durch das Studio des Künstlers. „95% des weltweit angebauten Sojas ist als Futtermittel für die Nutztierhaltung bestimmt“ ist ein Fakt, der ebenso nachklingt wie die Aufrechnung, dass „nur 50% eines Nutztieres für Fleischproduktion verwendet wird. Lediglich ein Drittel machen die „edlen Teile“ des Muskelfleisches aus...“ Aber für ein Gourmetstück sind die von Mross großzügig aufgespachtelten intermuskulären Fettkerne viel zu dominant. Sie offenbaren einen zu hohen und zu schnellen Ausmästungsgrad und verweisen auf die Schattenseiten großindustrieller Fleischproduktion. Das unappetitlich fette Prozent-Zeichen hat einen kräftigen kommerziellen Beigeschmack. Denn heutzutage verweist das jahrhundertealte Kaufmannssymbol in den Kühltheken der Supermärkte auf Sparangebote, Rabattaktionen und Tiefpreisknüller: Hier gibt es viel Fleisch für wenig Geld. Billiges Fleisch beruht auf einem Raubbau von ökologischen und personellen Ressourcen. Mit der Makro-Ansicht der Fleischscheibe und dem radikalen Anschnitt des riesigen Prozent-Zeichens vermittelt Mross eine hohe Dringlichkeit, eine unangenehme, weil zu große Nähe. Das Werk rückt uns gehörig auf die Pelle – die Kunst geht im sprichwörtlichen Sinne unter die Haut. Der dabei immer wieder aufkeimende Ekel ist ein vom Künstler wohlkalkulierter Thrill: Ins Unappetitliche oszillierende Szenarien stillen im wohlstandssicheren, erregungsarmen Anthropozän-Alltag unseren Hunger nach Affekten. Eine

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Jörg Garbrecht

Vorherige Seite: Matthias Mross, %, 2019, 220 x 150 cm, Acryl und Sprühdose auf Leinwand Eine Auftragsarbeit der Stiftung Nantesbuch zu den Anthropozän-Thementagen 2019 in Kooperation mit dem MUCA München

latent eklige, monströse und mit zu viel Fett durchschwabbelte Fleischscheibe fesselt da sofort unsere Aufmerksamkeit. Bewusst hinschauen, lautet der Appell. Matthias Mross‘ monumentale Arbeit „%“ ist eine virtuos gemalte Ermunterung, uns die Bedeutung zeitgemäßen Fleischgenusses nachdrücklich ins eigene Fleisch und Blut übergehen zu lassen. Und Ausdruck einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Anthropozän. ■

Neben großflächigen Murals auf Häuserfassaden fertigt der 1986 in Freising geborene Künstler Matthias Mross figurative Leinwandarbeiten in der für den Münchner Maler bezeichnenden MixedMedia-Technik, einem Zusammenspiel aus pastosem Farbauftrag und akribischer Detailverliebtheit. Auf ihnen spielen sich Szenen ab, die er im Zuge seines Schaffens über die Jahre auf den Straßen diverser, internationaler Metropolen erlebt hat. Bei den Protagonisten dieser Szenen handelt es sich zum Beispiel um Obdachlose aus L.A., Straßenkids aus Sapa oder Suppenhühner aus Saigon. Denn um seine Arbeiten auf Hauswände zu bannen, wurde er jüngst u.a. nach Spanien, Georgien, Vietnam, Bulgarien, Österreich, in die USA und natürlich einige deutsche Städte geladen. „%“ ist eine Auftragsarbeit von Matthias Mross. Sie entstand in enger Kooperation der Stiftung Nantesbuch mit dem „Museum für Urban und Contemporary Art“ in München.

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Prime Cut aus dem Anthropozän

Die Kaufmannsligatur % stammt aus Italien des 15. Jahrhunderts: Damals kürzten die Händler „per cento“ mit „cto“ ab. Im Laufe der Zeit wurden aus den schnell geschriebenen Buchstaben „c“ und „o“ zwei Kreise, die ein kursives „t“ ohne Schrägstrich separiert..


Heckrinder, Steinschafe, Exmoor-Ponys

Tiere als Landschaftspfleger in Nantesbuch

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Autorenverzeichnis Petra Ahne studierte Komparatistik, Kunstgeschichte und Publizistik in Berlin und London. Sie ist Redakteurin der Berliner Zeitung und mit ihrer Familie Besitzerin einer Hütte mit Blick auf einen Brandenburger See. Zuletzt erschienen von ihr im Verlag Matthes&Seitz Berlin die Bücher „Wölfe. Ein Portrait“ (2016) und „Hütten. Obdach und Sehnsucht“ (2019). Der Kunsthistoriker Jörg Garbrecht studierte an der University of St. Andrews und wurde an der Oxford University promoviert. Arbeitsstationen waren das Philadelphia Museum of Art, die Tate Modern, die Staatlichen Museen zu Berlin, die Nolde Stiftung in Seebüll und Berlin und die Kunsthalle Mannheim. Er kuratiert Ausstellungen vom Jugendstil bis zur zeitgenössischen Kunst, ist Gastredner und Autor zahlreicher Kataloge und kunstwissenschaftlicher Beiträge. Seit 2017 ist er leitender Programmkurator bei der Stiftung Nantesbuch Kunst und Natur. Thomas Gilke ist seit seinem Studienabschluss als Kommunikationsdesigner an der FH München im Jahr 2000 freiberuflicher Grafiker, Illustrator und Comiczeichner. Als Schwerpunkt seiner Tätigkeit als Grafiker hat sich die Arbeit für Verlage (unter anderem Aufbau-Verlag, avant-verlag, Carlsen Comics oder

Reprodukt) und kulturelle Einrichtungen und Projekte (wie Museum Villa Stuck, OPEAN oder Pori Art Museum) herauskristallisiert. Als zeichnender Autor wurde er bereits mehrfach ausgezeichnet und veröffentlichte neben eigenen Büchern in diversen Anthologien, Magazinen und Zeitungen. Annette Kinitz ist seit 2016 leitende Programmkuratorin bei der Stiftung Nantesbuch Kunst und Natur. Sie studierte Ökonomie und Kulturmanagement in Göttingen und Berlin und war u.a. bei der Weimar 1999 – Kulturhauptstadt Europas gGmbH, dem Internationalen Kunsthaus Tacheles e.V. und dem Berliner Museum für Naturkunde tätig. Zuletzt arbeitete sie acht Jahre bei der Weltbank in Washington D.C. Gemeinsam mit M. Glaubrecht und U. Moldrzyk publizierte sie das Buch „Als das Leben laufen lernte. Evolution in Aktion“, 2007 im Prestel Verlag. Prof. Dr. Reinhold Leinfelder ist Paläontologe und Geobiologe. Er forscht zu Korallenriffen, zum Anthropozän sowie zu neuen Methoden der Wissenskommunikation. Derzeit ist er Professor und Leiter der AG Geobiologie und Anthropozän-Forschung an der Freien Universität Berlin. Außerdem ist er Mitglied der „Anthropocene Working Group“, einer Gruppe von 40 internationalen Wissenschaftlern, die seit einigen Jahren diskutieren, ob Anthropozän die Bezeichnung für die aktuelle Erdepoche werden soll.

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Anke Michaelis ist studierte Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin und widmet ihre Arbeit seit vielen Jahren der Kommunikation großer Kulturprojekte und -institutionen. So leitete sie unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit für die erste Schau der wissenschaftlichen Sammlungen der Humboldt-Universität „Theatrum Naturae et Artis“ im Berliner MartinGropius-Bau, für das Berliner Museum für Naturkunde oder für das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz. Heute verantwortet sie den Außenauftritt und die Kommunikation der Stiftung Nantesbuch. Prof. Dr. Irene Neverla ist Kommunikationswissenschaftlerin, Emerita der Universität Hamburg und Honorarprofessorin an der FU Berlin. Sie hat sich am Hamburger Exzellenzcluster für Klimaforschung intensiv mit Klimakommunikation beschäftigt. Sie war Mitglied im Beirat von „K3“, dem „Kongress zum Klimawandel, Kommunikation und Gesellschaft“, der im September 2019 in Karlsruhe stattfand, und vom Deutschen Klimakonsortium gemeinsam mit Partnerinstitutionen in Schweiz und Österreich veranstaltet wurde. Petra Pinzler arbeitet als Hauptstadtkorrespondentin der Wochenzeitung DIE ZEIT in Berlin. Sie schreibt zudem Bücher über Umwelt und Klimaschutz und die Frage, was eine Gesellschaft gut und glücklich macht. Sie studierte Wirtschafts- und Politikwissenschaften in Köln und besuchte die Kölner Journalistenschule. 1994 begann sie in der Wirtschaftsredaktion

der ZEIT. Von 1998 bis 2001 war sie für die ZEIT Korrespondentin in den USA und bis 2007 Europakorrespondentin in Brüssel. Seither ist sie Hauptstadtkorrespondentin in Berlin. Zuletzt erschienen von ihr: „Vier fürs Klima – Wie unsere Familie versuchte CO2 neutral zu leben“ (2016) und „Wie geht es der Erde“ (2019). Stephanie Schwaderer hat Politikwissenschaft und Philosophie in München studiert. Während ihres Volontariats bei der Süddeutschen Zeitung streifte sie mit Kamera und Notizblock durchs Oberland – und wollte nicht mehr zurück in die Stadt. Als Journalistin und SZ-Redakteurin schreibt sie vor allem über kulturelle Themen, die ihr vor der Haustür begegnen. Christian Schwägerl ist mehrfach ausgezeichneter Wissenschaftsjournalist, Autor und Biologe. Im Jahr 2010 erschien sein Buch „Menschenzeit“, lange bevor der Begriff Anthropozän in aller Munde war. Schwägerl leitet seit 2014 die „Masterclass Wissenschaftsjournalismus“ der Robert Bosch Stiftung. Bei RiffReporter gehört er zum Team der Projekte „AnthropoScene“ über das Anthropozän und „Flugbegleiter“ über Vogelwelt und Biodiversität.

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Die Stiftung Nantesbuch Kunst und Natur

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Die Stiftung Nantesbuch bietet Räume und interdisziplinäre Programme für die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur sowie Natur und Landschaft. Sie möchte Menschen die sinnliche Auseinandersetzung mit Kunst und Natur ermöglichen und sie damit inspirieren und aktivieren – Menschen, die sie stets als initiative und selbstverantwortliche Individuen versteht. Kunst und Natur geben entscheidende Impulse für die Gestaltung einer Gesellschaft, die im Einvernehmen mit ihren natürlichen und kulturellen Grundlagen lebt, und die, basierend auf Erkenntnis, mit Verantwortungsbewusstsein und Respekt handelt. Die 2012 von der Unternehmerin Susanne Klatten gegründete Kultureinrichtung handelt an zwei Orten:

Das im Süden des Gebiets gelegene Lange Haus ist als Veranstaltungsort Ausgangspunkt für ein vielfältiges Kultur- und Vermittlungsprogramm mit regionalem und überregionalem Fokus. In der weiteren Entwicklung wird im Zentrum des Geländes ein ganzer Campus der vertieften Begegnung und Auseinandersetzung mit Kunst, Natur und Landschaft entstehen. Im hessischen Bad Homburg bietet die Stiftung Nantesbuch mit dem Museum Sinclair-Haus einen Ausstellungsort für zeitgenössische internationale Kunst. Wechselnde Einzel- und Themenausstellungen werden begleitet von einem umfassenden interdisziplinären Veranstaltungsprogramm. Das hauseigene Atelier und der angrenzende Schlosspark bieten weitere Räume für künstlerische Auseinandersetzungen.

Nantesbuch liegt im bayerischen Voralpenland inmitten einer weitläufigen Wald-, Wiesen- und Moor-Landschaft. Die Stiftung Nantesbuch entwickelt hier in einem langfristigen Prozess ein ca. 320 ha großes Gelände mit umfassenden Maßnahmen in Renaturierung, Landschaftspflege, Waldumbau sowie extensiver Land- und Forstwirtschaft.

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Impressum Herausgeber:

Bildnachweise:

Stiftung Nantesbuch gGmbH Jahi Chikwendiu/The Washington Karpfsee 12, 83670 Bad Heilbrunn

Post via Getty Images,

www.stiftung-nantesbuch.de

S. 83 Thomas Dashuber

Lektorat:

S. 4, 6, 10, 13, 20, 22, 26, 33, 34, 39, 42/43,

Annette Kinitz, Dr. Jörg Garbrecht

44, 45, 51, 55, 69, 74, 78, 84, 95 Elias Hassos

Redaktion:

S. 30, 31, 50, 54, 88/89

Börries von Notz, Annette Kinitz,

Franz Kimmel

Dr. Jörg Garbrecht, Anke Michaelis,

S. 16/17, 32

Ursula Wöst

Klaus Leidorf S. 8, 21, 105

Schlusskorrektur:

Anke Michaelis

Antonia Meiners

S. 46/47, 49, 67 (2) Stefan Müller-Naumann

Bildredaktion:

S. 108

Anke Michaelis,

Annett von Selzam

atelier freilinger&feldmann

S. 56/57

Umschlaggestaltung, Layout und Satz:

Artworks:

atelier freilinger&feldmann „Anthropocene“ (Filmstills) – Photo courtesy Druck:

of Anthropocene Films Inc. © 2018

Kriechbaumer Druck GmbH & Co. KG,

S. 61, 62, 63, 64

München

Edward Burtynsky – courtesy Galerie Springer, Berlin / Nicholas Metivier Gallery, Toronto Umschlag, S. 28, 70/71, 72, 76/77, 98/99,

Alle Rechte vorbehalten.

Aus dem Bestand der Kunstsammlung

Printed in Germany

der Stiftung Nantesbuch Hans Huber

ISBN 978-3-945674-14-7

S. 15 Matthias Mross S. 39, 42/43

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Kunst und Natur

ISBN 978-3-945674-14-7

Profile for stiftung-kunst-und-natur

Notizen aus dem Anthropozän (Auszug)  

Eine Publikation der Stiftung Nantesbuch anlässlich der Anthropozän-Thementage im November 2019 Eine Publikation der Stiftung Nantesbuch anl...

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