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8. Ausgabe

Magazin der United Supporters Luzern

gratis

Ein Zeichen setzen! Zusammenhalt, Engagement sowie der bedingungslose Wille, niemals aufzugeben und bis zum Schluss für den Erfolg zu kämpfen – all die Tugenden, die unsere Mannschaft in dieser Saison so schmerzlich vermissen lässt, sind heute bei uns Fans ganz besonders gefragt. Zum einen gilt es unsere total verunsicherte Mannschaft mit bedingungslosem Support wieder aufzurichten.

Denn eines ist klar: Heute muss gegen die AC Bellinzona ein Sieg her! Lasst uns also den Spielern auf dem Feld so lautstark wie möglich zeigen, was es heisst, ein Luzerner zu sein. Zum andern gilt es heute für grundlegende Fanrechte einzustehen. Denn nicht nur der FCL hat sich mit planlosem Aktionismus bös ins Abseits manövriert, sondern auch Politik und Polizei. Wenn Ihr nicht wollt, dass das re-

chtstaatlich höchst bedenkliche «Hooligangesetz» in Zukunft in verschärfter Fassung als Konkordat in den Kantonen weitergeführt wird, dass polizeiliche Willkür gesetzlich verankert wird und elementare Grundrechte für uns Fussballfans systematisch auf der Strecke bleiben, dann unterstützt unser Referendum. 3000 Unterschriften sind gefragt – zusammen schaffen wir es!


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Impressum / Choreo-Bilder

Impressum

Stimmung auf der Allmend

Herausgeber Das vorliegende Magazin ist eine Publikation der United Supporters Luzern, 6000 Luzern. Online: www.us-luzern.ch Redaktion Daniel Britschgi, Diego Stocker, Emanuel Thaler, Jonas von Flüe, Orlando Willi, Daniel Erni. Choreo-Bilder werden mit freundlicher Genehmigung von footballislife.ch.vu, amade.ch und fan-fotos.ch abgedruckt.

Luzern - Xamax: Da durfte man noch träumen: «Volle Kraft voraus! Kurs Richtung Europa!»

Kontakt Wir freuen uns über jedes Feedback! Mit einem E-Mail an unsere Adresse stelzbock@us-luzern.ch, oder an einem Heimspiel des FC Luzerns am USLStand beim Eingang zur Zone 2 kannst du mit uns Kontakt aufnehmen. Spenden Das Magazin wird in ehrenamtlicher Arbeit produziert und kostenlos verteilt. Beiträge zur Deckung unserer Aufwendungen sind jederzeit herzlich willkommen. Spenden nehmen wir gerne am USL-Stand beim Eingang zur Zone 2 oder per Überweisung an United Supporters 6000 Luzern, Raiffeisenbank Region Stans, Kontonummer 94453.59, Clearing 81223, Postkonto 60-7178-4, IBAN CH61 8122 3000 0094 4535 9 entgegen. Herzlichen Dank!

Luzern - Sion: Heisse Stimmung trotz höchstens lauwarmem Gekicke auf dem Rasen.

Luzern - YB: «Luzern - sonst nichts!»


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Inhaltsverzeichnis

Editorial

Der Fall Biel Seit anfangs Saison fehlen in der Kurve mehrere Exponenten. Die Hintergründe der Geschichte und was diese mit dem ergriffenen Referendum zu tun hat, findest du ab Seite 4.

Liebe FCL-Fans Lange musstet ihr warten, nun ist er endlich wieder da: der Stelzbock!

Das neue Fanlokal Die USL eröffnen am Bundesplatz ein eigenes Fanlokal. Die Fakten zur «Zone 5» findest du ab Seite 10, das Monatsprogramm für den November zum Heraustrennen in der Heftmitte.

Mike Hauser im grossen Interview Wir haben das Verwaltungsratsmitglied der FC Luzern-Innerschweiz AG besucht und ihm zu brennenden Fragen im Sicherheitsbereich auf den Zahn gefühlt. Fragen und Antworten gibts ab Seite 14. Ticino ti amo Den Besuch unserer Gäste aus Bellinzona nehmen wir zum Anlass, in den Erinnerungen an vergangene Auswärtsfahrten in die Sonnenstube der Schweiz zu schwelgen. Auf Seite 20 gehts los.

Weitere Themen: Referendum unterschreiben: So gehts! Ausgesperrt! Ein Leben mit Stadionverbot Fan-Kurven: Die Allmend, mein zweites Zuhause Im Block: Scheissegal Club 97 Shopinfos / USL am Barstreet

S. 8 S. 9 S. 11 S. 22 S. 24

Sei der letzten Ausgabe hat sich in der Fussballstadt Luzern einiges getan. Der Kurve fehlen zwei Dutzend Verbannte, unserer Mannschaft die Punkte und unserm neuen Trainer die Deutschkenntnisse. Da unsere Spieler sich anscheinend bereits im Winterschlaf befinden, heisst es für uns Fans doppelt Gas geben. Einerseits mit Support in der Kurve, andererseits mit Unterschriften für das Referendum gegen Polizeiwillkür. Denn auch die aktuelle Misere wird unsere Leidenschaft nicht bremsen können: Lozärn e Droge! Der Fall Biel und das Referendum stehen darum auch im Zentrum der vorliegenden Ausgabe. Ausserdem blicken wir anlässlich des heutigen Gegners zurück auf einige kultige Tessinfahrten. Den 7. November sollten sich alle FCL Fans schon mal in der Agenda anstreichen. Dann eröffnet die USL Bar «Zone 5» nämlich zum ersten Mal ihre Tore. Jetzt wünschen wir euch viel Spass mit der ersten Ausgabe des Stelzbocks der Saison 08/09.

René Schwarzentruber Präsident USL


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Der «Fall Biel»

FCZ-Fans füllen die Gästekurve: Das war nicht immer so. Die Luzerner Fankurve macht mit schwarzen Transparenten auf das Fehlen von 33 Leuten aufmerksam.

Die ganze Wahrheit von Biel 33 FCL-Fans haben den Besuch eines U21-Auswärtsspiels teuer bezahlt. Ihr Souvenir an Biel: Stadion- und Rayonverbote. Während 11 mittlerweile wieder rein dürfen, warten 22 noch immer. Der Stelzbock sucht nach Spuren und rekonstruiert den brisanten Fall.

und der U21 des FC Luzern abgepfiffen. 1:1 gings aus im Gurzelen, einer baufälligen aber dennoch höchst sehenswerten Stadionruine. Beachtliche 70 bis 80 Blau-Weisse feierten den Punktgewinn gegen den späteren Aufsteiger – Einzelne taten dies mit den verbreiteten, aber auch in Erstliga-Stadien nicht erlaubten Leuchtfackeln.

Biel, 12. April, ca. 19.30 Uhr: Vor einigen Minuten hat der Schiedsrichter die Partie zwischen dem FC Biel

«Tolle Stimmung» Walter Iselin, der damalige Cheftrainer des Luzerner

Nachwuchses, bedankte sich nach Spielschluss bei einigen etwas länger im Stadion verbliebenen Fans für die tolle Stimmung und fragte, ob man auch der nächsten Partie gegen Lyss wieder beiwohnen würde. Etwa gleichzeitig wurden 32 andere FCL-Fans rund einen Kilometer entfernt im und um den Bieler Stadtpark von Polizeibeamten eingekesselt, mit Reizgas eingenebelt und in Polizeitransporter verfrachtet. Was war passiert?


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Der «Fall Biel» Schon in der Halbzeitpause hatte der FC-Biel-Sicherheitschef Verstärkung angefordert. Zwei Einsatzbusse der Stadtpolizei fuhren darauf zum Gurzelen, die Beamten postierten sich im Bereich des Haupteingangs (Seite Haupttribüne). Ein FCLFan, der sich anfangs der zweiten Halbzeit mit Getränken versorgen wollte, wurde – unbemerkt von fast allen übrigen Blauweissen – in Eingangsnähe aufgefordert, zwecks Personenkontrolle die Polizei aus dem Stadion zu begleiten. Dort angekommen wurde er festgenommen und auf die Polizeiwache gebracht. Weshalb, weiss er bis heute nicht. Nach Spielschluss verlies-

sen die per Zug angereisten Luzerner Fans (knapp 50) das Stadion durch den für sie nächstgelegenen Ausgang in Richtung Bushaltestelle «Omega». Die Polizeikräfte – offenbar überrascht davon, dass die Blau-Weissen nicht den Umweg via Haupteingang wählten – setzten sich eiligst in ihre Fahrzeuge und nahmen die Verfolgung auf. Bei der Bushaltestelle, wo die Fans friedlich am warten waren, formierten sich die Beamten in einer Reihe in Richtung Fans gewandt. Wenig später beginnen sie, die verdutzten Fans vor sich hin zu treiben. «Eigentlich unglaublich», schildert einer der Betroffenen, «die haben uns rein gar nie mitgeteilt, was sie von uns wollen

oder wie wir uns verhalten sollten.» Zu keinem Zeitpunkt hätte er nachvollziehen können, weshalb die Polizisten so agierten. «Nur um an unsere Personalien zu kommen, hätten sie auch einfach fragen können», versichert er heute. Die Treibjagd endete schliesslich mit der von Augenzeugen als «widerstandslos» bezeichneten Festnahme beim Stadtpark. «Schutzbehauptung» Nur vier Tage später folgt eingeschriebene Post: «Androhung eines Rayonverbots», lässt Beat Hensler, Kommandant der Kantonspolizei Luzern, mitteilen und fordert die Adressaten auf, innert fünf Tagen schriftlich Stellung

Vielen Fangruppen ergeht es gleich wie den Nord Boyz - seit Beginn der aktuellen Saison können sie im Stadion nur unvollständig auftreten.


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Der «Fall Biel»

zu nehmen. Die mehrseitigen Antworten, in denen die Fans beteuern, keinerlei Gewalt angewendet zu haben, bleiben unberücksichtigt: «Reine Schutzbehauptungen», entgegnet Hensler und verfügt am 27. Mai 33 Rayonverbote von einjähriger Dauer – dem maximal zulässigen. Die Kantonspolizei Bern legt mit einem Rayonverbot für das Stadion Biel nach und auch der FC Biel meldet sich: Mit einem zweijährigen Stadionverbot. Vorwürfe haltlos Die ersten, die im Strafverfahren Post erhalten, sind die Minderjährigen (11 der 33 Festgenommenen sind zwischen 15 und 17 Jahre alt). Die Jugendanwaltschaft des Kantons Luzern bietet sie zu Arbeitseinsätzen auf. Als besorgte Eltern nachbohren, gewährt die Jugendanwaltschaft Einsicht in den Polizeirap-

port der Stadtpolizei Biel. Erstmals sehen die Betroffenen die detailierten Vorwürfe: «Die Mitglieder der Fangruppe bewaffneten sich […] mit Steinen und Holzstücken, welche sie in den Beeten des Parks aufsammelten. Die Fans warfen die Steine alsdann gegen die anwesenden Beamten.» Zugetragen haben soll sich diese Schlacht bei der Festnahme beim Stadtpark. Die Jugendlichen trauen ihren Augen nicht. Steine geworfen? Polizisten angegriffen? Davon hören sie zum ersten Mal, erlebt haben sie dies gemäss eigenen Angaben nie. Sie machen Einsprachen gegen die Verurteilungen und werden darauf vom Jugendanwalt angehört. Am 3. Juli folgt für die 11 Jugendlichen erstmals erfreuliche Post. Die Jugendanwaltschaft Luzern teilt mit: «Strafverfahren eingestellt». Die Stadtpolizei Biel war nicht in der

Die Chronologie der Ereignisse

Lage, ihre massiven Beschuldigungen zu belegen. Obwohl der Polizeirapport allen 33 Personen genau dasselbe vorwirft («Landfriedensbruch», «Gewalt und Drohung gegen Beamte» und «Unanständiges Benehmen») und die Luzerner Jugendanwaltschaft diese Vorwürfe für unbegründet gehalten hat, nützt die Verfahrenseinstellung den 22 älteren Betroffenen wenig. Die Luzerner Justiz- und Sicherheitsdirektion hält an den Rayonverboten fest und versteckt sich hinter dem bei den 22 Erwachsenen noch laufenden Strafverfahren. Denn dafür sind Bieler Behörden zuständig. Und die lassen sich Zeit. 18 Spiele verpasst – zu unrecht? Im September meldet sich das zuständige Berner Untersuchungsrichteramt


Der «Fall Biel»

erstmals schriftlich. Die (teuren) Strafmandate werden ausgestellt, ohne dass die 22 erwachsene Fans je zum Fall befragt worden wären. Alle 22 erheben deshalb Einsprache. Behandelt werden diese voraussichtlich im Winter. Selbst wenn die Rayonund Stadionverbote in der Winterpause aufgehoben werden (müssen): Die 18 gezwungenermassen verpassten Spiele ihres FC Luzern gibt den Betroffenen niemand zurück. Für die möglicherweise ungerechtfertigten Einschränkungen – bei jedem Heimspiel ist das Luzerner

Stadtzentrum für 7 Stunden Sperrgebiet – werden sie nicht entschädigt. Und das Hauptproblem bleibt bestehen: Solange diese Willkür-Massnahmen in Kraft bleiben, drohen Spieltag für Spieltag neue Fälle wie in Biel. Zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein reicht bereits, um ins Visier von Polizei und Justiz zu geraten. Was in anderen Fällen unproblematisch ist, weil ein Verdacht genauer abgeklärt wird und für sich allein keine negativen Konsequenzen für den Betroffenen verursacht, stimmt

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für die Rayonverbote leider nicht: Sie gelten sofort und so lange, bis der Verdächtigte seine Unschuld beweist. Mit ganz bösen Nebenwirkungen, wie die im Fall «Biel» Betroffenen aus eigener Erfahrung berichten können. Obwohl die ursprünglich happigen Vorwürfe an ihre Adresse sich nach und nach in Luft auflösten, waren sie während der ganzen Verfahrensdauer weggesperrt von ihrem Lieblingsclub. Und als ob das noch nicht genug wäre, durften sie vor, während und nach den Heimspielen nicht einmal ins Luzerner Stadtzentrum.


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Der «Fall Biel»

Auch die Spieler bekommen das Fehlen zahlreicher Fans zu spüren - der zwölfte Mann im Rücken ist spürbar geschwächt. Zumindest im Fall der 11 Minderjährigen waren die Einschränkungen völlig ungerechtfertigt, wie sich im Nachhineinherausgestellthat. Primär deshalb haben die

United Supporters Luzern das Referendum «Nein zu Polizeiwillkür» lanciert: Es soll verhindern, dass diese Willkür-Massnahmen im Kanton Luzern weiter in Kraft bleiben und Fussball-

fans auch in Zukunft nicht grundlos ihrer Leidenschaft beraubt werden können. Der Unterschriftenbogen ist in der Heftmitte beigelegt.

Referendum unterschreiben: So gehts! In der Mitte des Stelzbocks befindet sich der Unterschriftenbogen für das Referendum. Wichtig zu beachten: Unterschreiben dürfen im Kanton Luzern wohnhafte Schweizerinnen und Schweizer, 18 Jahre oder älter sind. - Auf demselben Bogen

unterschreiben dürfen nur Personen, die auch in der selben politischen Gemeinde wohnen. - Ganz oder teilweise ausgefüllte Bögen bitte sofort (bis spätestens 3. November 2008) einschicken an: Referendum «Nein zu Polizeiwillkür» Postfach 333 6102 Malters.

Weitere Bögen und Informationen zum Referendum und der Trägerschaft sind im Internet unter www.nein-zu-polizeiwillkuer.ch erhältlich. Herzlichen deine

Dank für Unterschrift!


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Ausgesperrt!

Ein Leben mit Stadionverbot Die Stelzbock-Redaktion traf sich mit einem ehemaligen Ausgesperrten, der über die 3 Jahre mit Stadionverbot berichtet. Juli 2005, das erste Spiel der Saison steht an. Wie es der Spielplan will, trifft der FCL auswärts auf den Erzfeind Sion. Mehr als 100 Luzerner machen sich auf den Weg ins Wallis. Da das Busunternehmen den Anfahrtsweg falsch einkalkuliert, erreichen die meisten Luzerner Sion erst nach dem Anpfiff. Kurz entschlossen wird der Block gestürmt (Wie sich später herausstellte, war es nicht der Gästeblock), so gelangen viele Luzerner ohne Ticket ins Stadion. Luzern verliert 0:1. Nach dem Spiel kommt es vor dem Stadion zu Auseinandersetzungen zwischen Luzerner, Walliser und Polizisten. Mit einer gehörigen Portion Tränengas im Gesicht macht sich der Befragte auf den Weg nach Hause. Ein paar Tage später kriegt er einen Anruf, dass er in Sion gesehen worden sei und dass er sich darauf gefasst machen müsse, Stadionverbot zu kriegen. Kontakt nie verloren Dem Luzerner standen 2 Jahre schweizweites Stadionverbot bevor. Zuerst sah man ihn noch vor den Spielen und an den Aus-

wärtsfahrten. Nachdem er aber an einem Cup-Spiel in Winterthur im Heimsektor erkannt wurde, Hausfriedensbruch kassierte und 1100.- Busse zahlen musste, verschwand der Luzerner an den Spielen. Einzig im Roadhouse oder in anderen Pubs sah man ihn vor den Spielen, wie er mit seinen Freunden ein Bier trank. Der Ausgesperrte war vor seinem Stadionverbot an jedem Spiel des FCL. Er richtete seinen Terminkalender nach dem Spielplan und reiste seiner Mannschaft überall nach. Da der Luzerner nicht wollte, dass sein Umfeld von seinem Stadionverbot erfährt, entwickelte er eine spezielle Methode: «An jedem Spieltag verliess ich das Haus und sagte meinen Eltern, dass ich an das Spiel gehe. Ich ging dann jeweils in die Stadt und traf mich mit Kollegen. Je nach dem wo der FCL spielte, musste ich den ganzen Tag weg bleiben und konnte erst am Abend nach Hause zurückkehren.» Bedenkt man, dass der FCL in der NLB gegen Meyrin, Sion oder Baulmes spielte, wird einem klar, was der Ausgesperrte auf sich nahm um seine Geheimnis zu wahren. Da er noch aktiv Sport machte, hatte er am Wochenende trotz des Stadionverbots weiterhin ein Hobby. Das Hobby war ihm allerdings nie so wich-

tig wie der FCL. Der Luzerner blieb während der Zeit mit seinen FCL-Freunden in Kontakt, er sah sie häufig und war so immer auf dem Laufenden, was in der Kurve passierte. Mit der Zeit bekamen auch andere Leute Stadionverbot, so dass der Befragte während den Spielen oft mit den neuen Ausgesperrten in einem Pub sass und sich das Spiel anschaute. Fanatismus ist geblieben Wegen einem Missverständnis 2006 in Bern kassierte der Luzerner ein weiteres Jahr Stadionverbot. Vor ein paar Monaten war es dann soweit, der Ausgesperrte durfte wieder ins Stadion. Zuerst war er skeptisch, ob seine fanatische, explosive Art nach wie vor ankam, oder ob er negativ auffallen würde. Nachdem er allerdings die jüngeren Personen kennen lernte und merkte, dass sie eine ähnliche Mentalität pflegen, legte er die Skepsis nieder und begann seinen Fanatismus wieder voll auszuleben. Der Luzerner hat aus seiner Situation gelernt und hat die möglichen Konsequenzen stets im Hinterkopf. «Ich weiss genau, dass ein weiteres Vergehen nicht geduldet würde.»


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Fanlokal

Zone 5 - es geht los!

Der Lokal-Name «Zone 5» - eine Reverenz an die Sektoren-Bezeichnung im geliebten Stadion Allmend, das womöglich schon bald der Vergangenheit angehört.

Die United Supporters Luzern machen den nächsten Schritt. Am 7. November wird ein eigenes Fanlokal eröffnet! Schon vor einigen Jahren wuchs in einigen USL-Köpfen die Idee einer eigenen Fan-Bar. Voller Tatendrang und Elan wurde die Suche nach einer geeigneten Lokalität gestartet. Diese gestaltete sich jedoch dermassen schwierig, dass die Idee schon bald wieder begraben werden musste. Die Objekte waren entweder nicht finanzierbar, zu abgelegen oder für unsere Zwecke schlicht ungeeignet. Mit dem Roadhouse fanden wir zumindest für Apéros vor den Spielen ein attrak-

tives und zentral gelegenes zu Hause, welches insbesondere anfangs auch stark frequentiert wurde. Allerdings hatten wir in Sachen Programmgestaltung und Events (verständlicherweise) nicht die volle Freiheit. Das Verlangen nach etwas «Eigenem» wurde immer wie stärker und man beschloss entsprechend, sich abermals auf die Suche zu machen. Da Chregu und Stefan vom Fanprojekt gleichzeitig nach zentraleren, einladenderen Büroräumen suchten, kam schnell die Idee auf, für die Suche zusammenzuspannen. Nach stundenlangen Sitzungen, intensiven Verhandlungen und einer geballten Ladung Über-

zeugungskraft sind wir nun endlich soweit: Am 7. November 2008 eröffnen wir unsere neue Fanbeiz, die «Zone 5» am Bundesplatz 9 in Luzern! Dank unzähligen ehrenamtlichen Chrampfern entstand dort aus dem altehrwürdigen «Le Manoir» nun innert wenigen Wochen das neue Fanlokal. Chregu und Stefan werden in den Nebenräumen ihre Büros beziehen und sind nun künftig noch näher an den Fans dran. So abgegriffen der Ausdruck sein mag, hier scheint er wirklich angebracht: Eine Win-Win Situation. Nach der grossen Eröffnungsparty mit Friedli & Fränz vom 7. November 2008, gehts am Tag darauf gleich mit dem ersten


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Fanlokal / Fan-Kurven Warm-Up-Apero anlässlich des Spiels gegen Aarau los. Wir werden ab diesem Datum die Warm-Up-Aperos im Roadhouse ablösen, gleichzeitig aber selbstverständlich die Spezialkonditionen für unsere Mitglieder weiterführen. Diese werden mit Bezug der Zone 5 sogar nochmals attraktiver. Also nix wie los und Mitgliedschaft beantragen! Neben den üblichen Aperos werden wir künftig neben Live-Konzerten, Partys mit speziellen DJ’s, Kinovorführungen, Lesungen und vielen weiteren Events ein abgerundetes Programm für die gesamte Fanszene bieten können. Auch Spiele der Champions League oder der Schweizer Nati

werden in Zukunft in der Zone 5 auf Grossleinwand übertragen. Und wenn der Live-Match mal wieder zum Gähnen ist, bestehen mit Töggeli- und Dartkasten oder während des Sommer s im lauschigen Gärtchen geeignete Alternativen um etwas abzuschalten. Letzendlich bleibt zu erwähnen, dass selbstverständlich jeder in der Zone 5 verdiente Franken wieder vollumfänglich in die Luzerner Fanszene zurückfliesst.

Alle wichtigen Informationen zum neuen Luzerner Fanlokal «Zone 5» findest du stets aktuell im Internet unter www.zone5.ch. Das Veranstaltungsprogramm für den Monat November findest du auf der folgenden Doppelseite - heraustrennen, aufhängen, hingehen!

Alles weitere erfährst Du direkt vor Ort, in der Zone 5! Wir freuen uns Dich zu begrüssen!

Die Allmend, mein zweites Zuhause

Wie es für andere Frauen ist kann ich nicht sagen. Ich kann nur aus meiner Sicht sprechen. Da ich mit dem Fußball aufgewachsen bin, ist er ein wichtiger Teil meines Lebens geworden. Mein Vater war früher selber aktiver Fußballer. Danach

wurde er Juniorentrainer beim FC Littau. Bei den Trainings war ich immer dabei, um die Spieler anzufeuern. Damals war das für mich schon das Größte. Heute ist der FC Luzern mein Favorit. An Heimund Auswärtsspielen bin ich dabei, so oft es mein Job erlaubt. Die Stimmung in den Stadien kann man nicht beschreiben, man muss sie einfach erleben. Es haben sich auch Freundschaften entwickelt, die ich nicht mehr missen möchte. Ob wir uns vor den Spielen im Roadhouse treffen oder danach im «Stöbli», die Zeit ist unvergesslich. Im Vordergrund ist aber

immer noch das Spiel und der Gesang. Obwohl ich es schade finde, dass viele den Gesang nicht ernst nehmen, denn dieser ist ein wichtiger Teil, den man nicht vergessen darf. Damit unterstützen wir unseren Klub, den wir über alles lieben. Sprüche wie «Was wollen Frauen in der Fan-Kurve» bekam ich nie zu hören. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass solche Sprüche kommen. Klar ist: Wenn man Interesse zeigt und mitmacht, kann die Allmend zu einem zweiten Zuhause werden. Karin Lustenberger


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Mike Hauser im Gespräch

«Richtige Randale gab es auf der Allmend schon lange nicht mehr.» Mit zwölf war Mike Hauser das Maskottchen der Mannschaft, mit 31 sass er bereits im FCLVorstand. Heute ist er als Verwaltungsratsmitglied verantwortlich für die Sicherheit rund um die FCL-Spiele. Wir sprachen mit dem 37jährigen Mitbesitzer des Hotels Schweizerhof über Pyro, Panikmache und Polizeiwillkür.

Mike Hauser, wie ist Deine Liebe zum FCL entstanden? Kannst Du Dich noch an Deine erste Begegnung mit den blauweissen Farben erinnern? Mike Hauser: Das FCL-Virus hat mich schon sehr früh befallen. In der Schule war ich mit dem jüngsten Sohn von Romano Simioni sehr gut befreundet. In der Ära Rausch waren wir beide die Maskottchen

der Mannschaft. Wir waren an jedem Spiel mit dabei. An die Auswärtsspiele fuhren wir jeweils mit dem Mannschaftscar. Wie kam es zu Deinem Engagement im FCL-Vorstand? Als Mitbesitzer des Hotels Schweizerhof hatte ich regelmässig mit dem FC Luzern zu tun. Kubi Türkyilmaz wohnte beispielsweise bei uns. Als Jules

Mike Hauser (links) beim Trainingsbesuch auf der Luzerner Allmend.


Mike Hauser im Gespräch

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«Auswärts werden wir vor allem wegen Pyroeinlagen unserer Fans zur Kasse gebeten.» Mike Hauser zu Pyroeinlagen wie hier in Aarau. Häfliger das Präsidentenamt von Albert Koller übernahm, suchte der damalige Trainer Raimondo Ponte nach neuen Leuten für den Vereinsvorstand. Da entschloss ich mich, trotz meinem jungen Alter von 31 Jahren Verantwortung zu übernehmen. Damals ging es rund um den FCL sehr turbulent zu und her. Der Klub befand sich in gehöriger Schieflage... Das ist richtig. Als ich 2002 in den Vorstand gewählt wurde, hatte der FCL alle Hände voll zu tun, den gerichtlichen Nachlass hinzubekommen. Es war ein Heidenkrampf, die Geschäfte sauber übernehmen zu können. Zu allem Übel ist die Mannschaft in meinem ersten Amtsjahr dann

auch

noch

abgestiegen.

Seit 2006 sitzt Du im Verwaltungsrat der von Dir mit gegründeten FC Luzern-Innerschweiz AG. In der FCL-Geschäftsleitung bist Du verantwortlich für die Sicherheit rund um die FCL-Spiele. Was fasziniert Dich an diesem Tätigkeitsgebiet? Es ist in erster Linie der FCL, der mich fasziniert. Der Klub gehört für mich zu Luzern, genauso wie die Kapellbrücke über die Reuss. In die Sicherheit bin ich eher zufällig hineingerutscht. Zuerst war ich Assistent des damaligen Sicherheitschefs Peter Fleischli. Später habe ich dann die Verantwortung für dieses Gebiet übernommen.

Wie hat sich der Sicherheitsbereich entwickelt, seit Du dafür verantwortlich bist? Die Sicherheitsvorkehrungen sind viel komplexer geworden. Die strengeren Auflagen von Seiten der Liga haben einen deutlichen Mehraufwand an Geld und Personal zur Folge. Mittlerweile stehen an jedem Spiel bis zu 150 Leute im Einsatz. Das fängt bei den vielen freiwilligen Helfern an und hört bei den Securitas-Mitarbeitern auf. Dazu kommt dann noch das grosse Aufgebot der Polizei, die für die Sicherheit ausserhalb des Stadions besorgt ist. Der FCL wird bezüglich Sicherheit regelmässig von der Liga kontrolliert.


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Mike Hauser im Gespräch

Was macht man auf der Allmend vorbildlich? Was wird bemängelt? An jedem Match sind Inspizienten der SFL im Stadion. Einmal pro Saison wird etwas genauer hingeschaut und der gesamte Sicherheits-Ablauf wird von A bis Z kontrolliert. Diese Kontrolle haben wir heuer mit Bravour bestanden. Als vorbildlich darf die Zusammenarbeit unserer Sicherheitsleute mit der Polizei bezeichnet werden. Gewisse Mängel sind auf unser überaltertes Stadion zurückzuführen. Wie viele Busssen zahlt der FCL durchschnittlich pro Saison? In der letzten Saison mussten wir insgesamt 30’000 Franken zahlen. In der aktuellen Saison beläuft sich das Bussentotal gegenwärtig auf 4’000 Franken. Weitere geschätzte 8’000 Franken werden für die Zünderei in Basel hinzukommen. Was sind die Gründe für die Bussen? Auswärts werden wir vor allem wegen Pyroeinlagen unserer Fans zur Kasse gebeten. Zuhause sind Münz- und Bierbecherwürfe das grösste Problem. Was dem

passiert mit Bussen-Geld?

Es landet in Muri irgendwo in irgendeiner Kasse. Seit Jahren fordere ich, dass

das Bussengeld zweckgebunden für Sicherheitsund Präventionskonzepte in die Vereine zurückfliessen muss. Das ist leider bis heute – entgegen anders lautenden Beteuerungen – nicht der Fall. Kommen wir auf die laufende Saison zu sprechen, die sportlich bisher eine einzige Katastrophe war. Kannst Du wenigstens in Sachen Sicherheit ein positives Zwischenfazit ziehen? Ja, das kann ich! Mein grösster Lichtblick ist natürlich das neue Stadion, das mir sehr gut aufgegleist scheint und das hoffentlich schon bald Realität werden kann. Im neuen Stadion werden wir in Sachen Sicherheit einen gewaltigen Schritt nach vorne machen. Ein weiteres Highlight ist das Fanprojekt, dessen Arbeit mehr und mehr Früchte trägt. Das neue Fanlokal am Bundesplatz, das schon bald eröffnet wird, ist ebenfalls eine tolle Sache, die eindrücklich zeigt, was möglich ist, wenn alle am gleichen Strick ziehen. Wie sieht Stadion

es

im aus?

Mit den Heimspielen können wir sehr zufrieden sein. Der Support der Fans ist trotz der sportlichen Misère beeindruckend. Regelmässig kommen wir in den Genuss gewaltiger Choreos, die zu den schönsten in der Schweiz gehören. Negativ

war, dass in letzter Zeit zweimal während Choreos Rauch gezündet wurde. Gab es auf der Allmend Verletzte zu beklagen? Verletzte gibt es immer wieder. Diese sind jedoch nicht die Folge von Schlägereien, sondern von Unfällen, wie sie an Massenveranstaltungen halt einfach passieren. Nennenswerte Randale hatten wir auf der Allmend schon lange nicht mehr zu beklagen. Auch ausserhalb des Stadions blieb es in letzter Zeit ruhig. Die Steinwürfe gegen den FCZSonderzug bilden da die unrühmliche Ausnahme. Wie beurteilst Du die Situation an den Auswärtsspielen? Auswärts besitzen wir noch grosses Verbesserungspotential. Leider kommt es an Auswärtsspielen regelmässig zu negativen Zwischenfällen und es wird wieder vermehrt gezündet. Ein Umstand, der uns grosse Sorge bereitet. Kamen aufgrund von Pyroaktionen zuhause oder auswärts Menschen zu Schaden oder gab es nennenswerte Sachschäden? Nein, nach Wissensstand

meinem nicht.

Kam es vor, dass von Luzerner Fans gezündetes Pyromaterial aufs Spielfeld oder in


Mike Hauser im Gespräch andere Stadionsektoren geworfen wurde? Auch das war meines Wissens bisher nicht der Fall. Es ist also die blosse Tatsache, das Pyromaterial gezündet wird, die den FCL stört. Dass damit bisher nicht die geringsten Schäden verursacht wurden, scheint keine Rolle zu spielen. Wer Pyro zündet, verstösst gegen das Sprengstoffgesetz. Es handelt sich dabei um ein Offizialdelikt. Alles was gesetzlich verboten ist, können wir unmöglich dulden. Wir können uns nicht

über das Gesetz stellen. Trotz rigider Verbote brennt es in den Stadien aber munter weiter... Die ganze Pyrogeschichte kommt mir manchmal wie ein «Räuber und Poli»-Spiel vor. Ein Spiel, das die «Räuber» regelmässig gewinnen. Die Vereine scheinen gegenüber dem Phänomen Pyro machtlos zu sein. Immer mehr Leute vom Fach überlegen sich deshalb, ob totale Repression der richtige Weg ist, um Pyro in den Stadien

17 zu begegnen. Unter der Leitung von Jörg Häfeli hat die Fankommission der Liga eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, die nach alternativen Wegen sucht, wie Pyro als gelebte Begeisterung in einem bestimmten Rahmen geduldet werden könnte. Wie steht der FCL zu diesen Bemühungen? Von der Repression kommen wir erst weg, wenn es eine Gesetzesänderung gibt. Die Polizeikorps müssen sich einig werden, wie mit Pyro umgegangen werden soll. Dann muss nach Lösungen gesucht werden,

Mike Hauser teilt das Befremden der Fans über die Fribourger Polizei: «Der Polizeieinsatz in Plaffeien war ganz klar unverhältnismässig.»


18 die in der Praxis auch tatsächlich umgesetzt werden können. Das ist gar nicht so einfach. Die Fans müssen mit den Lösungen ja auch noch einverstanden sein. Hand aufs Herz: Für dreissig Sekunden am Spielfeldrand unter offizieller Aufsicht eine reglementierte Anzahl von Fackeln zu zünden – ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das für Fans noch reizvoll ist. Als Fan bekommt man mehr und mehr den Eindruck, dass die gewaltigen Sicherheitsvorkehrungen rund um Fussballspiele mit dem tatsächlichen Gefahrenpotential eines Spiels oft nichts mehr zu tun haben. Ein erschreckendes Beispiel hierfür war das Cupspiel in Plaffeien. Viele Luzerner, die sich auf ein friedliches Fussballspiel in ländlicher Idylle freuten, wurden völlig unnötigerweise mit einer geballten Ladung polizeilicher Repression konfrontiert. Es reichte bereits aus, mit einem LU-Nummernschild unterwegs zu sein, damit man sich penibelste Kontrollen gefallen lassen musste. In Plaffeien wurde in Sachen Sicherheit weit über das Ziel hinausgeschossen, das ist leider wahr. Dass auf dem Platz extra ein Untersuchungsrichter steht, nur um auf der Stelle Rayonverbote aussprechen zu können,

Mike Hauser im Gespräch habe ich persönlich in der Schweiz noch nicht erlebt. Luzerner wurden daran gehindert, ins Dorf reinzufahren. Andere wurden gezwungen, die Kantonsgrenzen unverzüglich wieder zu verlassen und mussten dann in Bern auf die Rückkehr ihrer Kollegen warten... Wie bereits gesagt: Der Polizeieinsatz in Plaffeien war ganz klar unverhältnismässig. Ich persönlich war nicht vor Ort, wurde aber schon früh per Telefon über die unbefriedigende Situation informiert. Letztlich lag die Befehlsgewalt für den Einsatz bei der Freiburger Polizei. Luzerner Beamte, die im Einsatz standen, versuchten so gut es ging schlichtend einzugreifen. Willi Eicher suchte mit vielen Fans das Gespräch und sorgte dafür, dass die Situation nicht vollends eskaliert. Fragte man Freiburger Polizisten nach dem Grund des massiven Einsatzes, bekam man zur Antwort, dass mit gegen 100 Luzerner mit Stadionverbot gerechnet wird, die das Spiel zu stören versuchten. Wie kann es zu solch krassen Fehlinformationen kommen? Keine Ahnung. Natürlich tauschen sich die Klubs im Vorfeld eines Spiels aus. Das ist unsere Pflicht. Wir teilten wahrheitsgetreu mit, dass wir mit der An-

reise von 40 Luzernern mit Stadionverbot rechnen... Wie es scheint, hatten die Verantwortlichen in Plaffeien ganz einfach Angst. Dass Luzern viele Leute an die Spiele mitbringt und dass nicht alle davon Schäfchen sind ist nun mal eine Tatsache und auch weit herum bekannt. Themawechsel: In internen Gesprächen mit Klubverantwortlichen spürt man als Fan viel Respekt und auch Vertrauen. In öffentlichen Äusserungen seitens des FCL ist von dieser Wertschätzung oft nicht mehr viel zu spüren. Da werden die Fans auf der offiziellen Homepage als Deppen bezeichnet und es wird ihnen die Schuld für Niederlagen in die Schuhe geschoben. Wie ist diese Diskrepanz erklärbar? Das war ein Ausrutscher. Als ich besagten Text zu sehen bekam, dauerte es noch genau zwanzig Minuten und dann war er vom Netz. Ich persönlich hätte von Unbelehrbaren geschrieben und nicht von Deppen. Man muss aber klar sehen, dass unsere Webseite in letzter Zeit punkto Aktualität und Informationsgehalt gewaltige Fortschritte gemacht hat. Fehler können passieren. Wo gehobelt wird, fliegen nun mal Späne... Seit gut einem Jahr ist der berüchtigte Abschnitt 5a des BWIS


Mike Hauser im Gespräch – das so genannte «Hooligangesetz» – in Kraft. Das umstrittene Gesetz hat in die Luzerner Fanszene bereits schmerzliche Lücken gerisssen. Seit dieser Saison sind eine stattliche Anzahl Luzerner wegen eines kollektiven Rayonverbots von den Spielen ausgeschlossen. Darunter ganz wichtige Leute aus der Fanszene, die das Geschehen auf der Allmend in den letzten Jahren massgeblich geprägt haben. Was bedeutet der «Fall Biel» für den FCL?

jekts trotzdem ins Stadion.

Der «Fall Biel» betrübt den FCL und er betrübt auch mich persönlich. Denn ich weiss, dass da Leute betroffen sind, die total vernarrt in unseren Klub sind.

Nach Rücksprache mit mir sprach Thomas Schönberger eine halbe Stunde lang differenziert mit dem Journalisten von «20 Minuten». Dieses Gespräch wurde dann auf vier Zeilen zusammengefasst. Selbstverständlich haben wir nichts dagegen, wenn FCLFans ihre politischen Rechte wahrnehmen. Warum sollten wir auch? Klar ist jedoch, dass der FCL auch in Zukunft alle Massnahmen unterstützt, die sich gegen Gewalt im Sport richten. Das BWIS gehört meiner Meinung nach dazu. Vor allem die Möglichkeit des Datenaustauschs zwischen Polizei und Vereinen erachte ich als sehr sinnvoll und hilfreich.

Inwieweit hat sich der FCL im «Fall Biel» für seine Fans eingesetzt? Uns sind hier weitestgehend die Hände gebunden. Der Fall betrifft den FC Biel, die Polizei und die 33 Fans. Der FC Luzern ist in diesen Fall nicht involviert. Was wir tun können, ist vermitteln. Darüber hinaus setzen wir uns nach Kräften dafür ein, dass die schweizweiten Stadionverbote möglichst rasch aufgehoben werden, sobald die Rayonverbote einzelner Betroffener zurückgezogen werden. Als das vor dem Vaduz-Heimspiel für 10 Fans nicht möglich war, liessen wir sie im Rahmen unseres «Gelbe Karte»-Pro-

Es waren nicht zuletzt die schmerzhaften Erfahrungen mit dem «Fall Biel», welche die USL dazu motivierten, das Referendum gegen den Luzerner Beitritt zum neuen «HooliganKonkordat» zu ergreifen. FCL-CEO Thomas Schönberger kommentierte dies mit den Worten: «Wir haben für diese Aktion überhaupt kein Verständnis!» Eine Aussage, die in Fankreisen für Irritationen gesorgt hat.

Die Fans kritisieren unter anderem, dass mit dem Beitritt zum Konkordat polizeiliche Willkür gesetzlich verankert wird.

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Ich sehe nicht ein, worin das Interesse der Polizei liegen sollte, willkürliche Rayonverbote auszusprechen. Auch an unserem Umgang mit Stadionverboten wird sich nichts ändern. Bis jetzt haben wir niemals auf Verdacht hin ein Stadionverbot ausgesprochen. Das wird auch in Zukunft so sein. Mal angenommen, das Referendum kommt zustande und die Luzerner Stimmbevölkerung darf über den Beitritt zum Hooligan-Konkordat entscheiden: Wie wird Mike Hauser abstimmen? (schmunzelt) Ich wohne in Nidwalden... Letzte Frage: Sollte die gute Fussball-Fee in den nächsten Tagen den Weg nach Nidwalden finden und Dir drei Wünsche freistellen – was wünscht Du Dir? Erstens: Punkte. Zweitens: Ein überzeugendes Ja der Stadtluzerner Stimmbevölkerung am 30. November für das neue Stadion. Drittens: Keine Pyro und Randale an FCL-Spielen, sowohl daheim wie auch auswärts. Mike Hauser, vielen Dank für dieses offene Gespräch!


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Hintergrund FCL-Bellinzona

FCZ-Fans füllen die Gästekurve: Das war nicht immer so. Eine grosse Anzahl Luzerner genoss im Herbst 2007 die Cup-Reise nach Biasca.

Ticino ti amo - Kultfahrten ins Tessin Fast einen Monat mussten wir auf das nächste Heimspiel warten. Zu Gast auf der Allmend ist mit der AC Bellinzona die Mannschaft, die vom stellvertretenden FCL-Pressechef, Daniel Frank, vor nicht allzu langer Zeit noch belächelt wurde. Anlässlich des letzten Aufeinandertreffens von Luzern und Bellinzona versuchte der fachlich kompetente Internetverantwortliche und stellvertretende Pressechef des FC Luzern, Daniel Frank, mit einer gewagten Aussage den Klassenunterschied zwischen den beiden

Mannschaften darzustellen. «Mit Mauro Lustrinelli, der bislang ein Totalausfall darstellt, Gürkan Sermeter und zuletzt dem Stürmer Conti, welcher von Sampdoria Genua zu der ACB wechselte und ein Jahr keine Einsätze hatte, zudem dort nie über die Reservistenrolle der Reservisten hinaus gekommen ist, hat sich der Cupfinalist scheinbar nominell verstärkt», schreibt Daniel Frank. In ähnlicher Sprache kommentiert er eine Aussage von Gürkan Sermeter: «Sicher versucht der Ex-Aarauer den FCL mit seiner Phrase unter Druck setzen zu wollen, doch auf ein solches Geplänkel lassen sich die Leuchten nicht ein.»

Daniel Frank wirkte in seiner Internet-Vorschau, die nach wenigen Tagen wieder vom Netz genommen wurde, ziemlich siegessicher. Bis zur 93. Minute war der Optimismus von Frank berechtigt, doch dann schoss der «Totalausfall» Lustrinelli seinen Ex-Verein ins Elend. Der Ausflug hatte trotz der verlorenen 2 Punkte seine positiven Seiten. Lag es an dem herrlichen Sommertag, an der Wasserdusche durch die Sicherheitsleute oder schlicht und einfach an der guten Laune, die sich südlich des Gotthardpasses verbreitet, sobald die Fans aus Luzern eintreffen? In Chiasso trug sich Denkwürdiges zu


Hintergrund FCL-Bellinzona

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Die Geburtsstunde von USL: Die erste Choreo am Cup-Viertelfinal-Spiel 2005 in Chiasso. Während den drei Jahren in der zweithöchsten Liga boten sich den FCL-Fans zahlreiche Gelegenheiten um die verschiedenen Städte des Kantons Tessin kennenzulernen. Locarno, Lugano, Bellinzona und Chiasso hiessen damals

die Destinationen. Während die einen die heranreisenden Innerschweizer nicht gerade freundlich empfingen, entpuppten sich an anderen Orten doch gegenseitige Sympathien. Wahrscheinlich haben viele schon vergessen oder gar nicht gewusst,

Ausdruck der Luzerner Begeisterung 2004 in Bellinzona.

dass an einem sonnigen Tag im Frühjahr 2005 sich etwas Denkwürdiges im Tessin zutrug. Anlässlich des Cup-Spiels zwischen Chiasso und Luzern am 13. Februar verkauften die United Supporters Luzern ihren ersten Fan-Artikel und organisierten ihre erste Choreo. Zahlreiche blaue und weisse Fahnen wurden verteilt, zudem ein Transparent an den Zaun gehängt. Was damals klein begann, ist heute etwas vom besserem, was Choreos in der Schweiz betrifft. In der Folge etablierte sich das Choreo-Team der USL immer mehr und übertraf sich am Cup-Final 2005 zum ersten Mal mit der riesigen Blockfahne, mit der man der Zürcher Choreo durchaus Paroli bot. Ein erster Erfolg, der die vielen Bastler ansporn-


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Hintergrund FCL-Bellinzona / Im Block

te und bis zum jetzigen Zeitpunkt noch immer in unseren Köpfen ist. Chiasso verbinden heute noch viele mit dem Anfang einer Ära. Der Einzug ins Halbfinale, der wunderschöne Tag, die Choreo und die sehr zahlreich mitgereisten Luzerner machen diesen Tag unvergesslich. La Torta di Carotte entzückte Die Gastfreundschaft in Chiasso liess allerdings zu wünschen übrig, ganz im Gegensatz zum Cup-Spiel vor einem Jahr in Biasca.

Wiederum war das Wetter hervorragend. Der Herbst hatte den Sommer zwar schon verdrängt, doch an diesem Sonntag zeigte sich die Sonne noch einmal von ihrer besten Seite. Die Anreise erfolgte grösstenteils mit dem Car. Im schmucken Kleinstadion angekommen, wurde man sofort auf die zahlreichen Ess- und Trinkstände aufmerksam, die das Catering-System in Luzern definitiv in den Schatten stellten. Oder kann man auf der Luzerner Allmend selbstgemachte Kuchen kaufen? La Torta di Ca-

rotte war mit Abstand der beste Kuchen, der den Gaumen von vielen an diesem Sonntag erfreute. Die stolze Spielerfrau wurde in der Folge mit einem Lobgesang belohnt, was den Gastgebern sehr imponierte. Da das Spiel ebenfalls gewonnen werden konnte, kann man auf einen herrlichen Tag zurückblicken. Abschliessend lässt sich sagen, dass Bellinzona eine dankbare Ergänzung zum eher tristen NLA-Alltag ist und wir unseren Gast herzlich willkommen auf der Allmend heissen.

Scheissegal... war uns der FCL nie.

In dieser Rubrik stellen sich Gruppen aus dem Luzerner Fanblock selbst vor. Der Ursprung « Scheissegal Clubs

des 97 liegt in den 1980er Jahren. Als Kind durfte man mit den Eltern an die FCL Spiele, mal mit der Mutter auf die Sitzplätze, mal mit dem Vater in die legendäre Horwerkurve. Um ca. 1995 herum, waren ein paar Teenagers auf den Stehrampen als FCL Freaks unterwegs, rund 2 Jahre

später glaubten wir mit der Umbenennung auf «Scheissegal 97» den richtigen Namen gefunden zu haben. Der Name stand für bedingungslosen, zu dieser Zeit auch oft sinnlosen Support. Egal ob wir in St. Gallen wieder mit 7:1 unter die Räder kamen, die Stimmung in unserem Block musste trotzdem fanatisch gut sein, das war unser Credo. Zu unseren Merkmalen gehörten Doppelhalter, Zaunfahnen und natürlich die für die damalige FCL Fanszene untypischen Schals. Wir fanden die von dem Klub kreierten Fanartikel

Der weitherum bekannte Scheissegal-Schal.

mehr als nur langweilig und so bastelte man seine Wunschschals. Zum Beispiel einen FCL Schal in den Farben Bordeaux - Gold, als Hommage an einen Berliner Fussball Club (die Guten wissen, welchen Club wir meinen!). Dafür kriegte man dann fälschlicherweise auch schon mal von Luzerner Supporter auf die Mütze, weil die dachten wir wären Servette Fans. Damals, heute fast nicht mehr zu Glauben, waren die Luzerner und die Sion Fans noch eine Einheit und der Hass auf die Genfer entsprechend heftig.


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Im Block An Mitgliedern hat es uns nie gefehlt, natürlich kamen und gingen ein paar, aber der Grossteil ist noch heute aktiv dabei. Auch in sportlich vielleicht üblen, aber sehr amüsanten Challenge League Zeiten bis zum grandiosen Aufstieg wurde der FCL oft lieber auswärts angefeuert. Es ging bei den Auswärtsfahrten ja nicht nur um den Fussball, sondern man genoss die Städte oder Dörfer, die lokalen Pubs und Beizen. Fahrten nach Bulle (dank Verkehrspolizisten konnte der Luzerner Mob im Zaum gehalten werden), Genf (wo man zu dieser Zeit noch locker 1. August Feuerwerk ins Stadion schmuggeln konnte),

Yverdon, Chiasso oder das alte Joggeli, nach einem 1:3 Rückstand gewannen wir noch 4:3, bleiben unvergessen. Heute befindet sich der Grosse Teil unserer Members auf der Lumag Tribüne, im Block J, aber auch in den Zonen 2 + 3 sind wir anzutreffen. Auswärts stehen wir aber lieber alle gemeinsam im Block. Wir lieben es nach den Heimspielen im Stöbli den Abend ausklingen zu lassen und vermissen, falls das neue Stadion tatsächlich an der Urne angenommen wird, schon jetzt die legendäre Meisterschiffi. Ein ganz grosses Anliegen ist uns, dass den aktiven Supporter genügend Stehplätze, wie auch ein eigenes

Lokal im neuen Stadion zur Verfügung gestellt werden. Dafür werden wir gemeinsam mit der USL kämpfen. Dem modernen Fussball stehen wir sehr skeptisch gegenüber, wie nur schon die altehrwürdige Allmend mit den Sektoren getrennt wurde ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Fussballfreundes. Man erinnert sich an die DDR Zeiten. Wie wird man Mitglied? Ganz einfach, wer einen SE’97 Schal besitzt ist Member, keine Statuten, nur ein Blau - Weisses Herz braucht man. Die Schals sind jeweils auf 40 - 50 Stück begrenzt. FORZA LUCERNA! NOI CONTIAMO SU DI VOI!

»

Deine Fangruppe will hier erscheinen? Melde dich per E-Mail an kontakt@us-luzern.ch!


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Shopinfos / Barstreet

Neue T-Shirts im USL-Shop T-Shirt «Lozärn e Droge» Preis: CHF 25 (CHF 5 Rabatt für Mitglieder)

T-Shirt «Una Storia d’Amore» Preis: CHF 25 (CHF 5 Rabatt für Mitglieder)

Beide Artikel sind am USL-Stand vor dem Eingang zur Zone 2 erhältlich.

Barstreet is back in town

Trotz neueröffneter Zone 5 wird die Stelzbockbar auch dieses Jahr wieder das Barstreet-Festival bereichern. Ihr findet uns am altbewährten Platz im hinteren Teil der Halle. Vergünstigte Tickets gibts voraussichtlich ab Mitte November in

der Zone 5 zu kaufen. Besonders attraktiv für alle Matchbesucher wird der erste Barstreet-Samstag vom 29. November 2008. An diesem Abend öffnen sich die Türen nämlich bereits um 20.00 Uhr und gegen Vorweis

deines Matchtickets oder Saisonkarte kostet Dich der Eintritt nur 10 anstatt den üblichen 20 Franken. Das gesamte Programm ist unter www. barstreet.ch publiziert.

Stelzbockausgabe 8  

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