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Wolfgang Platter, in Erinnerung an die Vorarbeiter Hermann Kurz und Karl Zangerle und in Wertschätzung der Arbeit aller „Brüchler“, zu Maria Geburt, 8. September 2010

Nationalpark Stilfserjoch:

Loch und Bremsberg Die Laaser Marmorschrägbahn

„Loch“ und „Bremsberg“ heißen im Laaser Volksmund die Tal- bzw. Bergstation an der Schrägseilwinde zum Abtransport der Marmorblöcke aus dem Bauch der Jennwand. Die Schrägbahn wurde im Jahre 1929 erbaut und im Oktober 1930 in Betrieb genommen. Demnach erreicht sie heuer 80 Dienstjahre. Die Laaser Schrägbahn ist ein elektrisch betriebenes, schienengestütztes und wintertaugliches Transportmittel, das zudem die Wohnumgebung des Dorfes ausspart: emissionsfrei, lärmarm, ökologisch, zukunftsorientiert. Sie ist weiter ein technisches Kulturgut Südtirols, ein Laaser Wahrzeichen mit touristischem Potential. Dies alles sind Gründe, die Schrägbahn zu erhalten.

Das Geschenk zum 80. Geburtstag

Am Sonntag, 29. August d. J. wurde der Schrägbahn vom Verein „Freunde der Schrägbahn“ zum 80. Geburtstag 32 Der Vinschger Wind 18-10

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ein Fest ausgerichtet. Im Rahmen dieses Festes wurde der neue „Schrägbahnsteig“ vom Laaser Ortspfarrer Hochw. Artur Werth gesegnet, nachdem am Morgen des gleichen Tages eine erste Begehung mit Führung stattgefunden hatte. Die Marmorschrägbahn verläuft innerhalb der Grenzen des Nationalparks Stilfserjoch. In Zusammenarbeit zwischen dem Verein der Freunde der Schrägbahn, der Eigenverwaltung für Bürgerliche Nutzungsrechte und der Betreibergesellschaft des Laaser Marmorwerkes und Weißwasserbruches hat der Südtiroler Führungsausschuss im Konsortium Nationalpark Stilfserjoch in den heurigen Sommerwochen den „Schrägbahnsteig“ anlegen lassen. Gleichsam als Geburtstagsgeschenk für die alte Dame. Der Steig wurde als Themenlehrweg zu diesem technischen Kulturgut möbliert.

Hilfestellung

Zu den institutionellen Zielen und Aufgaben der Nationalparke als Schutzgebiete gehören u.a.:

• der Landschaftsschutz, • der Erhalt der Biodiversität der Lebensräume und der pflanzlichen und tierischen Artenvielfalt, • die Sensibilisierung und Umweltbildung, • die wissenschaftliche Forschung, • die wirtschaftliche und touristische Nutzung der Ressourcen in umweltverträglichen Vorhaben und Formen, aber etwa auch • die Bewahrung naturräumlicher, kulturhistorischer, volkskundlicher und architektonischer Elemente und Werte, Traditionen und Nutzungen. Und die Marmorschrägbahn ist, wie weiter oben schon betont, ein technisches Kulturgut Südtirols. Von dieser Wertigkeit waren die verantwortlichen Entscheidungsträger im Nationalpark Stilfserjoch überzeugt, als sie das Projekt „Schrägbahnsteig“ befürwortet und die finanzielle Abdeckung der Kosten aus Mitteln des Nationalparkhaushaltes beschlossen haben.


Die Trasse des neuen Steiges

Zwischen der Talstation der Marmorschrägbahn auf 876 Metern Meereshöhe und der Bergstation am Bremsberg auf 1.355 m MH ist ein Höhenunterschied von 479 m zu bewältigen. Der Schrägbahnsteig wurde daher in Serpentinen angelegt, welche an mehreren Stellen die Geleise der Schrägbahn berühren. Im steilen Gelände sollten die weniger geübten Berggeher oder etwa die Familien mit Kindern nicht vom Erlebnis Schrägbahn ausgeschlossen werden. Wo vorhanden, wurden bestehende Steige und Wege in die Steigtrasse eingebunden und neues Graben im Gelände vermieden. An verschiedenen Stellen wurden Rastplätze mit Sitzbänken eingerichtet. Am „Wechsel“ der Ladebrücken, also auf halber Höhe der Schrägbahntrasse wurde eine Aussichtskanzel angelegt und mit Bänken und Tischen aus Lärchenholz möbliert. Dieser Punkt ist auch ein hervorragender Fotostandort und Aussichtspunkt auf Laas und den Vinschgauer Sonnenberg am Gegenhang. Vorher führt die östlichste Kehre des Steiges bis zur St. Martinskirche. Auch am Kirchlein besteht eine großartige Aussicht auf Laas, Allitz, den Gadriaschuttkegel und die Leiten. Als Gehzeit muss man ca. 1 Stunde und 30 Minuten für den Aufstieg bis zum Bremsberg einplanen. Festes Schuhwerk wird angeraten. Der Steig verläuft im Schatten des Fichten-Lärchen-Waldes.

Der Beitrag des Nationalparks

Der Beitrag der Nationalparkverwaltung bei der Anlage des neuen Schrägbahnsteiges bestand in folgenden Arbeiten: • Aufnahme des Geländes und Grobplanung der Trasse, • Projektbeschreibung und Kostenschätzung, • Beschlussmaßnahme im Führungsausschuss mit Bereitstellung der Finanzmittel, • Händische Ausführung der Grabarbeiten im Gelände. Für den Durchbruch der Steigtrasse wurden 100 Mann-Tage bei Einsatz verschiedener Mannschaften unserer Saisonsarbeiter aufgewendet, • Errichten von Aussichtsplattformen und Rastplätzen, • Herstellen von Tischen und Bänken in unserer Tischlerei und Aufstellen derselben im Gelände, • Beschilderung des Steiges mit Weghinweisschildern eigener Herstellung, • Ankauf und Montage von Trägerstrukturen in Korten-Stahl für die BildTexttafeln.

Bildernachweis: Franz Grassl und Franz Platter

Lesetipp: Wer weiterlesen und vertiefen will, sei auf das Buch „Die Laaser Marmorbahn“ von Hubert Tscholl und Wolfgang Morscher verwiesen, welches 2009 im StudienVerlag erschienen ist.

Die Informationstafeln

Entlang des Schrägbahnsteiges wurden fünf Informationstafeln aufgestellt. Die deutschen Texte wurden von Frau Sigrid Zagler im Auftrag des Vereines „Freunde der Schrägbahn“ erstellt und von Mike Frajria in die italienische Sprache übersetzt. Die historischen Bilder stammen aus dem Archiv von Oskar Federspiel, die aktuellen Fotos von verschiedenen Leihgebern. Thematisch betreffen die fünf Schautafeln: • die Talstation im Loch und die Baugeschichte der Schrägbahn ab dem Jahre 1929; • die technischen Daten zur Schrägbahn; • die St. Martinskirche aus dem 17. Jhdt. und den Marmortransport in Zeiten vor dem Bau der Schrägbahn, als die Blöcke über Bremsrutschen, Hanfseil-Flaschenzügen und Tieflader-Wagen mit Ochsenfuhrwerk mühsam zu Tal gebracht wurden; • die Bergstation am Bremsberg mit dem Maschinenhaus, dem Antriebsmotor und der Trommelseilwinde; • ein kurzes Firmenporträt des Laaser Marmorwerkes und die Aufzählung der historischen Abbaustätten.

Die Schrägbahn als Teil eines größeren Ganzen

Zwischen dem Marmorbruch „Weißwasser“ als Untertagebau an der Westflanke der Jennwand im Mittellauf des Laaser Tales und dem Marmorlager und Verarbeitungsgelände in der Talsohle am Laaser Bahnhof sind insgesamt vier Transportelemente mit einer Gesamtlänge von 4.025 Metern in Funktion: • die elektrobetriebene Seilbahn am Stolleneingang des Bruches überspannt das Laaser Tal und senkt die gebrochenen Marmorblöcke in die Örtlichkeit „Aufleig“ ab; • die obere Eisenbahn mit Diesellokomotive bringt die Blöcke über ein insgesamt 1800 m langes Geleis bis zum Bremsberg; • die Schrägbahn senkt die Blöcke von 1.355 m MH auf 876 m in die Talsohle ab; • die ebenfalls dieselbetriebene untere Eisenbahn bringt die Steine von der Talstation im „Loch“ über die „Eiserne Brücke“ an der Etsch unter die Kräne im Marmorlager.

Das Porträt der 80-Jährigen: Baujahr: 1929 Inbetriebnahme: 25. Oktober 1930 Technologie: Firma Bleichert und Co. Leipzig Länge der Geleistrasse an der Schrägbahn: 960 m Spurweite: 2,535 m Nutzlast: 18 Tonnen Maschine: 260 PS Quote Talstation: 876 m Quote Bergstation: 1.355 m MH. Höhendifferenz: 479 m

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