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unikum

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magazin der studentInnenschaft der universität bern

Die ePUB-Ära neigt sich dem Ende zu 6-7 iPhone im Hörsaal: Fluch oder Segen? 8 Homo bibliothecus – wo findet er Platz? 12-13 Musik in Alibabas Bücherhöhle 19

november 2011

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editorial

inhalt

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akzent

Oben ist Trumpf

Jassturnier, Spielabende und Filmclub. Ein kleiner Blick auf die SUBKultur

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Liebe Leserin, lieber Leser Erst vor Kurzem war ich an einer Beerdigung. Der einzige Anlass, zu dem ich mich noch in die Kirche begebe. An diesen Ort verstaubter Rituale und unreflektierter Wiederholungen. Die Kirche – für mich ein Symbol der Rückständigkeit. Doch kaum hatte ich auf einem der Holzbänke Platz genommen, fiel ich aus allen Wolken: Tatsächlich wurde die Trauermesse live in das auf dem Hügel gegenüber liegende Altersheim übertragen, damit die etwas weniger mobilen Bekannten der Verstorbenen ebenfalls am Abschied teilnehmen konnten. Ich war ehrlich überrascht. Das moderne Zeitalter hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Dabei dachte ich, das Moderne sei eine Sache der Jungen. Wir sind die Generation Internet, die «Digital Natives»; Menschen, die mit dem World Wide Web aufgewachsen sind und ganz selbstverständlich zwischen Realität und virtueller Welt hin- und herwechseln. Doch nun ist für mich klar, dass auch die oftmals als altmodisch verschriene Kirche mit der technischen Modernisierung mithalten kann. Und wie ist das bei uns im Studium? Ist auch die Uni Bern ein Modell 2.0? Um diese Frage zu beantworten, haben wir uns in dieser Ausgabe mit digitalen Themen auseinandergesetzt. Josua Romano und Damaris Burri beschäftigen sich mit Podcasts. Studieren wir bald nur noch zuhause vor dem Computer? Livia Middendorp geht dem Gerücht nach, dass bald eine neue Lernplattform ePUB, ePHI, WebES und was es sonst noch alles gibt, ablösen wird: Das sogenannte «Kernsystem Lehre». Und in der Umfrage erfahrt ihr diesmal von Studierenden der SeniorInnen-Uni, wie die Universität 2.0 sein sollte. Um wieder auf die Kirche zurückzukommen: Lasst euch wieder einmal überraschen – auch vom unikum. Jacqueline Lipp unikum-Koordinatorin PS: Und wieder begrüssen wir mit Rika Koch, Livia Middendorp und Josua Romano drei neue RedaktorInnen in unserem Team. Herzlich willkommen!

I Podcast – how about you?

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6-7

Das Benefizkonzert der Amnesty International Uni- und Jugendgruppe

Erfahrungen mit Podcasts an unserer Uni

Die Tage von ePUB & Co. sind gezählt

Bildung für alle

Anmeldungs-Wirrwar: Das «Kernsystem Lehre» soll nun Ordnung bringen 8

Wenn der Hörsaal zur digitalen Spielwiese wird

Laptops und Smartphones haben längst auch die Hörsäle erobert 9

«Eine Uni für viele wäre bestimmt nicht der richtige Weg»

Was macht eine fortschrittliche Uni aus? Antworten aus der SeniorInnen-Uni

aussicht 18

Apropos ...

eine kleine Schweizreise 18

Die Fünf

Die frischsten Werke von Max Frisch

unisphäre 11

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Geographie am Limit: Mehr Studis bei gleichbleibenden Mitteln

Alibabas Bücherhöhle: Ein Keller voller Überraschungen

Nicht in Partylaune

Entdecken

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Pinnwand 21

Reinziehn

Unsere Buch-, Film- und CD-Tipps 12-13

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Die grossen Bibliotheken sind voll. Wir bieten euch sechs Alternativen

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Wo, wenn nicht hier?

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SUB update

Vom Unifest, Studiengebühren und Stipendien

Rätsel Unter der Lupe

Bern erforscht, wie man über das Internet Einfluss auf die Politik nimmt

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Aus der Vorlesung, Impressum 16

KulturpartnerInnen

titelbild: paolo riva unikum 153

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i podcast – how about you? Gehören Podcasts zu den modernen Mitteln, welche die Lehre an den Universitäten verbessern können? Wie steht die Uni Bern zu dieser Frage – konnte sich das Podcasting bei uns bereits durchsetzen? damaris burri und josua romano Beim Podcasting handelt es sich um eine neuere Technologie, mit welcher Vorlesungen aufgezeichnet und den Studierenden über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Die Aufzeichnung kann in Form eines Videos geschehen, meistens handelt es sich aber um eine Tonaufnahme, die mit den Folien des Vortrags unterlegt wird. Podcasts werden von Universitäten vermehrt zur Vertiefung des Unterrichts sowie für Öffentlichkeitsarbeit und Weiterbildung genutzt. Podcasting von Vorlesungen hat sich an den Hochschulen in den USA etabliert; auch an der ETH und Universität Zürich haben Podcasts bereits Fuss gefasst. Pilotprojekt in Bern Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Podcasts grundsätzlich einen guten Einfluss auf das Lernen haben. An der medizinischen Fakultät der Uni Bern wurde 2007 ein Pilotprojekt zu Podcasts durchgeführt. Laut dem Bericht des Instituts für medizinische Lehre sind 85 Prozent der Studierenden der Meinung, Vorlesungen sollten unbedingt weiterhin als Podcast angeboten werden; niemand sprach sich ganz dagegen aus. Die Podcasts wurden hauptsächlich angeschaut, wenn in der Vorlesung gewisse Sachverhalte nicht verstanden worden waren oder beim Selbststudium Fragen auftauchten. «Mit den Laserpointern klappt es noch nicht so, aber wir sind grundsätzlich sehr zufrieden mit den Podcasts», berichten VertreterInnen der Fachschaft. «Es wäre schön, wenn alle Dozierenden mitmachen würden.» Für sie ist klar, dass Podcasts Vorlesungen nicht ersetzen können. Auf die Interaktion mit den Dozierenden möchte man offenbar nicht verzichten. Podcasts nur für Faule? Auch in den Psychologievorlesungen wurden bereits erste Podcasts gemacht. Hier bot sich ein ähnliches Bild, wobei die Studierenden Podcasts zusätzlich zur Prüfungsvorbereitung und zum Nachholen von verpasstem Stoff herbeizogen. «Ich war selbst etwas skeptisch, ob Podcasts sinnvoll genutzt werden», sagt Roland Studer, Assistent an der Abteilung ‹Klinische Psychologie und Psychotherapie›,der den entsprechenden Bericht verfasst hat. «Aber bald konnte ich in den Statistiken sehen, dass die Leute Podcasts nutzen.» Er fährt fort: «Das Podcasting entspricht einem echten Bedürfnis. Letztes Semester hatte ich nur einen oder zwei 4

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illustration: paolo riva

Podcasts organisiert, kurz nach Semesterbeginn wurden es durch Eigeninitiative der Studierenden vier.» Einer dieser Studierenden ist Matthias Keller. «Der Impuls kam ursprünglich von Seiten der Profs», erklärt er. Von den Studierenden gab es zuerst negative Reaktionen. Man greife damit den FaulenzerInnen unter die Arme, hiess es. Podcasts stellten eine Neuheit dar, an die man sich erst noch gewöhnen musste. Bei der Technik traten oft Komplikationen auf. «Wir wussten jeweils nicht wirklich, wer zuständig war. Wahrscheinlich muss sich das noch einspielen.» Optimale Lernbedingungen Gemäss Kellers Erfahrung sind die Podcasts für die Repetition sehr hilfreich. Er selbst habe bei den Prüfungsfächern mit Podcasts deutlich besser abgeschnitten. Faktoren wie Müdigkeit oder Lärmpegel, welche die Konzentration in der Vorlesung erschweren, können beim Hören der Podcasts ausgeschaltet werden. Studierende können die Podcasts ihrem eigenen Rhythmus anpassen, indem sie einzelne Teile zurückspulen, stoppen oder die Abspielgeschwindigkeit anpassen. «Man kann sich selbst optimale Bedingungen schaffen.» Auch seine Mitstudierenden haben die Podcasts inzwischen schätzen gelernt. Wer neben dem Studium arbeitet oder Überschneidungen im Stundenplan hat, muss nicht ein ganzes Semester nachholen. Ob die Studis Vorlesungen noch besuchen, hängt offenbar von anderen Faktoren als den Podcasts selbst ab. Man dürfe nicht vergessen, wie wichtig Vorlesungen für soziale Kontakte und den Austausch unter Studierenden seien, findet Matthias Keller. Eine qualitativ hochstehende Vorlesung wird nie um ihre HörerInnen bangen müssen. In diesem Sinn kann die Anzahl Anwesende für Dozierende auch ein Feedback sein. Vorbehalte der Dozierenden Die Universitätsleitung hat die Pilotversuche unterstützt und sieht in der Internetübertragung von Vorlesungen eine vielversprechende Möglichkeit zur Unterstützung der Lehre. «Der direkte Kontakt zwischen Studierenden und Dozierenden kann und soll dadurch aber nicht ersetzt werden», betont Bruno Moretti, Vizerektor ‹Lehre› an der Universität Bern. Es stellt sich deshalb die Frage, weshalb sich Podcasting an der Uni Bern noch immer nicht durchsetzen konnte. Anscheinend hegen viele Dozierende Vorurteile gegen die Technologie. Befürchtet wird vor allem, dass die Studierenden


den Vorlesungen fernbleiben. Dieser Einwand konnte mit dem Pilotversuch eindeutig widerlegt werden. Die Hörsäle waren trotz Podcasts gut besucht. Ein weiterer Grund, weshalb viele Dozierende skeptisch sind, liegt darin, dass sie sich nicht «überwachen» lassen wollen. Die Aufnahmen bieten jedoch ein brauchbares Instrument zum Self-Assessment und zur Qualitätskontrolle, die ohnehin durchgeführt wird. Das Herunterladen der Podcasts ist passwortgeschützt und die Weitergabe untersagt. Es bestehen also durchaus Möglichkeiten, Dozierende vor einer peniblen Überwachung ihrer Vorlesungen zu schützen. Natürlich sind Podcasts primär eine Dienstleistung für Studierende. Doch auch Dozierende können ihre Vorteile daraus ziehen: So kann etwa bei Terminkollisionen ein Podcast aufgeschaltet werden anstatt eine Stellvertretung suchen zu müssen oder die Vorlesung ausfallen zu lassen. Erfahrungsgemäss müssen auch weniger E-Mails beantworten werden, da sich viele Fragen der Studierenden bei der Aufarbeitung der Vorlesungen mittels Podcasts erübrigen. Massnahme gegen überfüllte Hörsäle Auch wenn Podcasts eine Vorlesung nicht ersetzen können, bergen sie eine Chance, chronisch überfüllte Hörsäle zu entlasten. Viele Studierende beklagen sich darüber, gewissen Veranstaltungen nur beiwohnen zu können, wenn sie Stunden vorher einen Platz reservieren oder sich mit dem Sitzen auf der Treppe begnügen. Da könnten Podcasts durchaus eine Alternative bieten. Hier

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ist beispielsweise an die juristische Fakultät zu denken: Obwohl die Infrastruktur in praktisch allen Räumen vorhanden wäre, werden kaum Podcasts angeboten. Sabine Senn-Müller, Vorsteherin des Dekanats, erklärt, man habe eine Einführung der Videoübertragung geprüft und dabei auch den Pilotversuch der medizinischen Fakultät zur Kenntnis genommen. Man sei aber zum Schluss gekommen, dass der Wert der didaktischen Interaktion, gerade in Jus-Vorlesungen, unersetzlich sei. Sie verweist zudem auf ungelöste rechtliche Probleme beim Podcasting. Aufklärungsarbeit ist nötig Momentan herrscht an der Universität Bern in Sachen Podcasts eine Diskrepanz zwischen Erkenntnisstand und gängiger Praxis. Die Vorurteile scheinen sich hartnäckig zu halten. Daher wäre es wichtig, Aufklärung zu betreiben und weitere Pilotversuche durchzuführen, um die Akzeptanz der Technologie unter allen Beteiligten zu fördern. Das Bedürfnis nach Podcasts sollte für die Dozierenden spürbar sein und nicht nur als Wunsch der Faulen wahrgenommen werden. So könnte unter den Vorlesenden unter Umständen auch eine Art «Domino-Effekt» ausgelöst werden, ähnlich wie bei den Powerpoint-Folien. Schliesslich sind die meisten ProfessorInnen um die Qualität ihrer Vorlesungen und den Lernerfolg ihrer Studierenden sehr bemüht. Zu einer modernen Uni gehört die zeitgemässe Stoffvermittlung und somit die Bereitstellung von Podcasts.

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die tage von epub & co. sind gezählt Eine Vielfalt an Plattformen begleitet die Studis heute durchs Studium: ILIAS, ePUB, eVUB und wie sie alle heissen. Nun soll ein neues IT-System dem Wirrwarr ein Ende bereiten. livia middendorp Für Studierende ein wohlbekanntes Szenario: Man möchte eine Vorlesung besuchen. «Simple Sache», denkt man und beginnt, sich anzumelden. Schritt eins: Man besucht das elektronische Vorlesungsverzeichnis eVUB, macht sich auf die Suche nach der gewünschten Veranstaltung und notiert sich Zeit und Hörraumzuteilung. Schritt zwei: Man macht dieselbe Veranstaltung auf ILIAS ausfindig und muss dabei ausserdem beachten, dass je nach Fakultät oder Institut auch gleich die Kursanmeldung darüber erfolgt. Hat die Veranstaltung eine Platzbeschränkung, sollte man sich unbedingt rechtzeitig eintragen. Studierende des Instituts für Geschichte oder desjenigen für Psychologie müssen sich in einem dritten Schritt zudem noch auf ePHI respektive WebES anmelden.

Ich

mit

handle

illustration: stéphanie winkler

Zu guter Letzt kommt Schritt vier: Die Anmeldung zur Prüfung auf ePUB. Spätestens hier stösst man nicht selten auf Probleme. So richtig glücklich mit dem System war schon zu Beginn niemand. ePUB: Unerfreulicher Auftritt Entwickelt wurde ePUB an der Universität Bamberg. Für stolze 1,73 Millionen Franken wurde das System im Herbstsemester 2006, also vor gut sechs Jahren, im Rahmen der BolognaReform an unserer Uni eingeführt. Der Hauptgrund, weshalb es keinen Segen

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brachte: Die von der Uni Bamberg angekündigte Weiterentwicklung von ePUB hat nie stattgefunden. Eine der Folgen davon ist beispielsweise, dass die philosophisch-historische Fakultät aus Unzufriedenheit mit ePUB zur Verwaltung von Noten und Anmeldungen für Kurse weiterhin das fakultätsinterne System ePHI verwendet hat. Studierende dieser Fakultät durften dadurch die Liste der Anmeldungswebseiten um ein System erweitern. Ein gewisses Verständnis für solche Aktionen ist wohl da: Was sonst kann eine Fakultät tun, wenn sie ein System verwenden muss, das der eigenen Organisation nicht dienlich ist? Ideal sind diese Alleingänge jedoch bestimmt nicht – schon gar nicht für die Studierenden: In ihren Köpfen trat wohl ohnehin schon das ein oder andere Mal die Frage auf, ob diese ganze Administration nicht einfacher gehen würde. Und die Frage ist legitim: Braucht es tatsächlich für jede einzelne Funktion jeweils ein eigenes System? «Drei-in-eins-Package» Die Diskussion ist keineswegs neu, das Thema wandelt seit längerem durch die Korridore der Uni Bern (das unikum berichtete, Ausgabe 148). Die Universitätsleitung hat sich durchaus auch Gedanken darüber gemacht und plant seit einigen Jahren ein Grossprojekt, das genau diese admini-


strativen Barrieren rund ums Studium mildern soll. «Kernsystem Lehre» (KSL) lautet der zugegebenermassen relativ unpoetische Name des neuen Systems, für das der Grosse Rat im August 2009 grünes Licht gegeben hat. Doch was genau soll im Rahmen dieses Projekts zustande kommen? Und welche Vorteile würden für die Studis dabei rausspringen? Zentral bei der Entwicklung des «Kernsystems Lehre» ist die Zusammenfassung von drei bisherigen Insellösungen zu einem einheitlichen IT-System. Betroffen sind das System der Prüfungsadministration ePUB, jenes des Vorlesungsverzeichnisses eVUB und das Hörraumverwaltungssystem (HVS), welches Lehrenden dient, passende Räume für ihre Veranstaltungen zu finden. Die jeweiligen Funktionen dieser drei Systeme, die heute noch unabhängig voneinander funktionieren, sollen also allesamt im KSL vereint werden. Den Studierenden ermöglicht dies, sich sowohl für die Veranstaltung als auch für die Prüfung auf ein und derselben Plattform anzumelden. Auch Raum- und Zeitangaben der Veranstaltung sind im KSL ersichtlich; so bleibt einem der Umweg über eVUB erspart. Ein heutzutage so viel gesehenes «Drei-in-eins-Package» also. Gestaffelte Einführung Das «Kernsystem Lehre» wird schrittweise eingeführt. Ab Herbstsemester 2012 wird das Vorlesungsverzeichnis eVUB durch das KSL ersetzt und ein Jahr später werden auch ePUB und HVS abgelöst. «Der ‹Big-Bang› ist zwar zur Diskussion gestanden», meint die Projektleiterin Bettina Marcolli, «jedoch wären zu viele Risiken damit verbunden. Es wird zwar immer viel getestet, doch letzten Endes kann man doch nie wissen, was passiert, wenn plötzlich 3 000 bis 4 000 Studierende gleichzeitig auf ein System zugreifen. Diese Aufteilung bei der Einführung macht auch insofern Sinn, als die einzelnen Systeme ja unabhängig voneinander funktionieren. Es bietet sich geradezu an, das Ganze gestaffelt ablaufen zu lassen.» Zwei Jahre dauert es also noch, bis das KSL uns mit allen vorgesehenen Hauptfunktionen zu Diensten steht. Auf die Frage, was denn in diesen zwei Jahren noch zu geschehen hat, meint die Projektleiterin: «Es folgen nun einerseits immer wieder Testphasen der einzelnen Module mit anschliessendem ‹Rollout› auf die Benutzergruppen, andererseits

kommt bald die ganze Sache mit dem Transfer der ePUB-Daten auf uns zu.» Nebst der Immatrikulation würden die Studierenden dann ab Herbstsemester 2013 ihr ganzes Studium im KSL verwalten können. Und was ist mit ILIAS? Was auffällt: ILIAS nimmt an der ganzen Umgestaltung nicht teil. Die Lernplattform dient auch weiterhin als eigenständiges System der Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien. Wieso diese Ausklammerung? Wäre es nicht möglich gewesen, im KSL die Funktionen von ILIAS gleich zu integrieren? «Vereinheitlichung macht Sinn, jedoch nur bis zu einem gewissen Grad», begründet Marcolli. «Je grösser ein System ist, desto schwieriger ist es, einen Anbieter zu finden; diese sind oft nicht spezialisiert auf derart viele verschiedene Funktionen.» Mit zunehmender Grösse eines Systems stiegen ausserdem die Risiken: Was passiert, wenn ein solches Monstersystem abstürzt? «Um Klumpenrisiken zu verhindern, ist es wohl in gewissen Fällen sinnvoller, die Kommunikation zweier Systeme zu ermöglichen, statt eines alle Bereiche abdecken zu lassen. Diese Kommunikation zwischen dem KSL und ILIAS soll mithilfe einer verbesserten

Schnittstelle gewährleistet werden.» So würden Studierende, die sich im KSL für eine bestimmte Veranstaltung angemeldet hätten, auf ILIAS direkten Zugriff zu den relevanten Materialien erhalten, führt Marcolli aus. Was für die Studis zudem Bedeutung habe: Eine Schnittstelle zu EvaSys, dem System zur Evaluation von Lehrveranstaltungen. In der Weiterentwicklung des KSL soll die Kommunikation der beiden Systeme ermöglicht werden, wobei jedoch die Evaluation selbst weiterhin im EvaSys passieren wird. Durchhalten ist angesagt An einer Universität mit sieben Fakultäten ein System zu entwickeln, das den Anforderungen aller Seiten standhält, ist sicherlich keine einfache Aufgabe. Schon jetzt werden die einzelnen Fakultäten aktiv in die Planung mit einbezogen. So soll das KSL früh genug auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ausgerichtet werden. Bis dem «Kernsystem Lehre» also endgültig die Verwaltung unseres Studiums in die Hände gegeben werden kann, bleibt den Studierenden wohl nichts weiter als die Hoffnung, dass ihnen bis dahin im Anmeldungsmarathon nicht die Luft ausgeht.


wenn der hörsaal zur digitalen spielwiese wird Im Zeitalter des Internets sind Laptops und Smartphones unsere ständigen Begleiter. Diese Entwicklung macht auch vor dem Hörsaal nicht halt und stellt Studierende vor einige Herausforderungen. rika koch

Und immer lockt das Internet Die meisten Studierenden nutzen die Multimedia-Geräte im Hörsaal primär, um bequem auf die Vorlesungsunterlagen zugreifen zu können. Das ist praktisch – das Problem ist nur, dass wir es kaum dabei belassen. Denn die Ablenkung ist immer nur ein Mausklick beziehungsweise ein Touch entfernt und so zieren auch Facebook oder Newsportale die Bildschirme im Hörsaal. Mit Laptops und Smartphones verfallen wir auch im Hörsaal dem typischen Verhaltensmuster der «Digital Natives»: dem Multitasking. Wir lauschen der Vorlesung und unterhalten uns gleichzeitig per Chat, lösen Übungen und lassen uns von Newsfeeds füttern. Wir sind überall, aber nirgends richtig, wissen von allem ein bisschen, aber von nichts viel. Wie schlimm ist diese digitale Rastlosigkeit für uns StudentInnen? Senkt die ständige Ablenkung unsere Produktivität?

Overnewsed but uninformed? Und was meint eigentlich die ProfessorInnenschaft? Dozierende, welche die Massenvorlesungen des Jus-Einführungsstudiums zu bewältigen haben, reagieren gelassen: «Die Studierenden arbeiten heute anders – nicht unkonzentrierter, sondern vielschichtiger», meint Strafrechtsprofessor Karl-Ludwig Kunz. Auch Privatrechtsprofessor Thomas Koller weist darauf hin, dass es schon immer unkonzentrierte StudentInnen gegeben habe – auch ohne Internet. Dank dem Online-Zugriff auf die Vorlesungsunterlagen seien die StudentInnen jedoch deutlich besser organisiert. Ähnlich äussert sich seine Kollegin Professorin Susan Emmenegger. Dank dem Internet fänden die Studierenden schnell Zugang zu schwierigen Themen und könnten sich so rascher in eine Sache vertiefen. Im Grundsatz sind sie sich einig: Die Internetnutzung vereinfacht im Studium vieles. Und doch färbt auch eine Prise Skepsis diesen Grundtenor des akademischen Internet-Optimismus: «Trotz Informationszugang sind die StudentInnen weder generell besser informiert noch beteiligen sie sich in Diskussionen kritischer als früher», sagt Koller. Emmenegger fügt hinzu, dass das Internet dazu verleite, sich «im stillen Kämmerchen» zu verkriechen. Und damit weist sie auf einen wichtigen Punkt hin: Im heutigen Zeitalter darf man die Vorzüge des Modernen auch für das Studium nutzen. Es ist dabei aber gefährlich, sich gänzlich von der digitalen Bequemlichkeit verführen zu lassen. Denn das Internet mag uns zwar mühselige Suchaktionen in staubigen Bibliotheken ersparen. Aber essentielle Dinge wie Diskussionen mit KommilitoInnen oder die Selbstreflexion der eigenen Meinung kann uns auch das Internet nicht abnehmen.

Surfen wirkt wie Kaffee Die Privatwirtschaft hat der Ablenkung per Mausklick längst den Kampf angesagt. Viele Schweizer Firmen sperren Seiten wie Facebook, eBay oder Youtube. Anders sieht es an den Universitäten aus. Seit 2003 geniessen wir an der Uni Bern kostenlos Wi-Fi. Den Internetzugriff an der Uni Bern einzuschränken sei keine Option, sagt Christian Heim, Leiter der Informatikdienste. Dies würde der Idee der akademischen Freiheit zuwiderlaufen, schliesslich vertraue man den Forschenden und Studierenden und wolle ihnen nicht den Zugang zu möglichen Ressourcen verwehren.

illustration: stéphanie winkler

Früher waren es in den Vorlesungen nur ich und die ProfessorInnen. Sie sprachen und ich hörte zu oder auch nicht. Heute sind es in den Vorlesungen die ProfessorInnen, ich und das Internet. Sie dozieren, ich höre zu oder auch nicht und das Internet versorgt mich mit Informationen und Unterhaltung. Heute begleiten mich Laptop und iPhone mit in den Hörsaal, die Zeiten der klar verteilten Aufmerksamkeiten sind vorbei. Damit bin ich nicht allein. Im ganzen Hörsaal klappern die Tastaturen, leuchten die Displays und signalisieren Brummgeräusche eintreffende Nachrichten. Studieren ohne digitale Unterstützung ist für die Generation Internet, die «Digital Natives», längst nicht mehr denkbar.

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Auch die Verbannung von Smartphones aus dem Unterricht, wie es an Mittelschulen und an einigen Fachhochschulen praktiziert wird, ist an den Universitäten kein Thema. Gegen ein Verbot sind auch die Studierenden. «Bevor ich ein iPhone hatte, habe ich einfach 20 Minuten gelesen wenn es langweilig wurde, heute lese ich wenigstens NZZ Online», sagt eine Studentin. Ein anderer Student meint: «Wenn ich mich langweile werde ich kribbelig. Das Internet lenkt ab und hilft, die Konzentration wieder zu bündeln.» Surfen als Therapie gegen Konzentrationsmangel? Ja, meint eine neue Studie der Universität Kopenhagen. Die nötige Ration digitaler Stimulation wirke auf «Digital Natives» wie eine Kaffeepause: entspannend und somit produktivitätssteigernd.


umfrage

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bilder: livia middendorp

«eine uni für viele wäre bestimmt nicht der richtige weg» Eine fortschrittliche Uni – was zeichnet diese aus? Und was ist ihre Aufgabe? Sechs Mitglieder der SeniorInnen-Universität verraten uns ihre Vorstellungen. livia middendorp 1

Monika Schärer

«An der Uni sollte man lernen, Lebensfragen selbständig und kreativ angehen zu können. Eine gute technische Ausrüs-tung ist für eine moderne Uni sicherlich auch wichtig, doch noch wichtiger ist genügend Personal. Die sorgfältige Betreuung der Studierenden muss gewährleistet sein. Es sollte vermehrt ermöglicht werden, dass Menschen auch ohne Maturität, aber mit andern äquivalenten Erfahrungen und Leistungen zu einem Universitätsstudium zugelassen werden. Zudem sollte mehr Praxis ins Studium eingebaut werden. Dies war zu unserer Zeit noch deutlich besser.» 2

Urs Boss

«Eine moderne Uni sollte elitärer sein als sie heute ist. Ihr kommt heute einfach zu leicht zur Matur. Ich habe manchmal das Gefühl, an gewissen Fakultäten der

Uni Bern geht es etwas locker zu und her. Wir haben zu viele mittelmässige und überflüssige Studierende; was wir brauchen, sind NaturwissenschaftlerInnen. Es wird oft gedacht, wir hätten zu wenig Leute mit akademischer Ausbildung, das stimmt so nicht, wir haben nur zu wenig Gute, mit Betonung auf Ingenieur- und Naturwissenschaften. Das Niveau an den Universitäten sinkt, Anpassung Europa lässt grüssen.» 3

Marius Grand

«An einer Universität sollte es auch heute immer noch eine breite Palette an Studiengängen geben. Natürlich muss sich eine Uni auch der Nachfrage der Schweizer Wirtschaft anpassen, doch dies sollte keinesfalls Überhand gewinnen. Ausserdem ist der Dialog zwischen ProfessorInnen und Studierenden für eine moderne Uni sehr wichtig, so wie es damals in der Universität Bologna des 13. Jahrhunderts institutionalisiert wurde. Wenn 500 Studis auf eine Lehrkraft kommen, wird dies sicherlich schwierig. Ein Zugang zur Uni sollte für alle möglich sein und bestimmt nicht, wie in den USA, nur für solche, die über genügend finanzielle Mittel verfügen.»

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Erika Brändli

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Ursula Bergundthal

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Leander Bregy

«Durchlässigkeit ist heute sehr wichtig für eine Universität. Das heisst, ein Wechsel zu anderen Fakultäten sollte den Studis ohne Probleme ermöglicht werden. Auch Weltoffenheit ist wichtig, sodass Austausche zwischen verschiedenen Ländern möglich sind. Eine Uni sollte für viele zugänglich sein. Mit dem heutigen Schulsystem gibt es viele Jugendliche, die nach der regulären Schulzeit schlicht noch nicht reif genug sind, jedoch durchaus die Voraussetzungen für ein Studium mitbringen würden. Diesen sollten vermehrt Chancen für die spätere Zulassung zu einem Studium gewährt werden; auch ohne Nachholen der Matura.» «Eine Uni für viele wäre bestimmt nicht der richtige Weg. Die Universitätsausbildung sollte jenen vorbehalten sein, die dafür das geistige Rüstzeug und die Motivation mitbringen. Unsere Unis müssen weiterhin ein Garant für eine Top-Ausbildung sein, damit unsere HochschulabgängerInnen im hart umkämpften Stellenmarkt reelle Chancen haben. Wird das Niveau der Zulassungsbedingungen gesenkt, besteht die Gefahr, dass das Ausbildungsniveau abflacht. Auf der anderen Seite müssen wir zusehen, dass wir genug AkademikerInnen ausbilden. Eine Investition der Steuergelder in die Bildung zahlt sich letzten Endes immer aus, auch für die wirtschaftliche Zukunft der Schweiz.» «Unter einer modernen Universität stelle ich mir eine Uni vor, die für alle und für fast alles offen ist. Das heisst, dass einerseits niemand aus irgendeinem Grund ausgegrenzt wird und andererseits auch, dass Themen, die heute gefragt und aktuell sind, auf keinen Fall ausgeschlossen werden. Es darf keine Tabuthemen geben; alles sollte an einer Uni ohne Weiteres unterrichtet werden können. Auch ohne technische Hilfsmittel geht es heute fast nicht mehr. So ist es auch für Mitglieder der SeniorInnen-Universität praktisch, wenn sie nach der Vorlesung im Internet oder auf dem iPhone nachsehen können, was hier gelehrt wurde.» Auf www.unikum.unibe.ch kannst auch du dich dazu äussern.

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Beratungsstelle der Berner Hochschulen Beratung / Coaching

Studiengestaltung (Studienplanung, Studienfachwechsel und Fächerkombination, Alternativen zum Studium, Koordination von Studium und Erwerbsarbeit, Studium und Familie, Studienfinanzierung), Arbeits- und Lerntechniken und Bewältigung von Prüfungen, Laufbahnplanung und Berufseinstieg, Konflikte in persönlichen und studienbezogenen Beziehungen, Schwierigkeiten, Krisen und persönliche Entwicklung Mailberatung für Studierende zu Informationsfragen und bei persönlichen Anliegen unter www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch Unsere Angebote sind unentgeltlich und vertraulich. Telefonische oder persönliche Anmeldungen nimmt das Sekretariat entgegen.

Information

Online-Angebot unter www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch: Studienführer der drei Berner Hochschulen, Beratungstexte mit didaktischen Materialien zu Schlüsselkompetenzen des Studierens, Wegweiser Studienfinanzierung, Linkportal mit rund 500 kommentierten Links zum Studium, Berufseinstieg und zu Berufsfeldern u.a. Bibliothek: Informationen über Fachrichtungen an Schweizer Hochschulen, zu Bewerbungen, Berufsfeldern und zur Laufbahnplanung; Medien zur Planung und Strukturierung des Studiums, zu Lern- und Arbeitstechniken, Stressbewältigung und Motivation; Fachliteratur zu psychologischen Themen wie persönliche Entwicklung, Beziehungen, Depression, Ängste, zur Teamentwicklung, zu Konflikten und Methoden der Erwachsenenbildung.

Workshops

Wir leiten Workshops zu Themen wie: Lern- und Arbeitstechnik, Referatskompetenz, wissenschaftliches Schreiben, Prüfungssituation, Stressbewältigung, persönliche Entwicklung und Sozialkompetenz, Berufseinstieg, Laufbahnplanung, Mentoring.

Beratungsstelle der Berner Hochschulen Erlachstrasse 17, 3012 Bern Tel. 031 631 45 51, Fax 031 631 87 16 E-Mail: bstsecre@bst.bernerhochschulen.ch Website: www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch Montag bis Freitag 8.00 - 12.00 und 13.30 - 17.00 Uhr (Freitag bis 16.30 Uhr) Die Bibliothek ist am Mittwoch Vormittag geschlossen. Die Beratungsstelle ist auch während der Semesterferien geöffnet. 20.01.2009 bst/RM

Internationales Büro

Fernweh? Da hilft ein Mobilitätsprogramm der Universität Bern

www.int.unibe.ch ! Outgoing

Arabisches Sprichwort Sprechstunden: Dienstag und Donnerstag 10 bis 13 Uhr oder nach Vereinbarung Hochschulstrasse 4, 3. OG Ost, 3012 Bern BUCHHANDLUNG UNITOBLER BUCHHANDLUNG UNI-HAUPTGEBÄUDE BUCHHANDLUNG FÜR MEDIZIN

031 631 36 11 031 631 82 37 031 631 48 10


nicht in partylaune Das Institut für Geographie feiert dieses Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Doch den Studierenden ist nicht nach Feiern zumute: Dem Institut fehlen die Mittel für die Lehre. jacqueline lipp Geographie ist ein vielseitiges Fach, das Natur- und Sozialwissenschaft verbindet. Als Studi braucht man dementsprechend viele Talente. Eines davon: Sich möglichst schnell in Kurse einschreiben können. Denn nur die Schnellsten erhalten einen Platz im Seminar, in der Exkursion oder im Feldkurs. Die Platzzahl ist aufgrund des zur Verfügung stehenden Personals und den steigenden Studierendenzahlen beschränkt und einige Veranstaltungen können nur im Zweijahres-Rhythmus angeboten werden. Wer Pech hat, nimmt, was übrig bleibt – oder wartet zwei Jahre. Geographie wächst und wächst Der gute Ruf der Forschung sowie die Vielseitigkeit des Studiums ziehen immer mehr Studierende an, doch die zur Verfügung stehenden Mittel können mit dieser Entwicklung nicht Schritt halten (das unikum berichtete, Ausgabe 151). Trotz mehrfacher Intervention der Fachschaft und Anerkennung des Problems von mehreren Seiten hat sich bisher wenig getan. Zwar haben sich die Institutsangestellten um Verbesserungen bemüht und arbeiten teilweise am Limit, dennoch bleibt das Grundproblem bestehen. Die Fachschaft Geographie hat sich deshalb zusammen mit der StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) in einem offenen Brief an den Institutsleiter, die Fakultät, die Unileitung und den bernischen Erziehungsdirektor gewandt. «Wir fordern einerseits die Erhöhung der Mittel und Stellen für Lehrbeauftragte, andererseits verbesserte und zielorientierte Zusammenarbeit», erklärt Christina Willi, Fachschaftspräsidentin. Nur dann werde es gelingen, den kantonalen Leistungsauftrag zu erfüllen. Denn dieser definiert das Betreuungsverhältnis von Dozierenden zu Hauptfachstudierenden

quelle: geographisches institut

in der Höhe von 1:20-30. Am Geographischen Institut (GIUB) liegt es derzeit jedoch bei etwa 1:40. Auf das Herbstsemester hat die Studierendenzahl zudem erneut einen Sprung gemacht (siehe Grafik). Podcasts zur Symptombekämpfung Der offene Brief der Fachschaft blieb ohne Folgen. Denn obwohl alle am selben Strick ziehen, ist unklar, wo Handlungsspielraum besteht. «Wir haben keine Kriegskasse, sondern stehen bereits jetzt finanziell am Anschlag», sagt Silvio Decurtins, Dekan der phil.-nat.-Fakultät. Und auch die Unileitung bläst ins selbe Horn: «Da gibt es nirgends mehr Speck. Gäbe es einfache Lösungen oder Mittel zum Umverteilen, hätten wir das schon längst umgesetzt», erklärt Doris WastlWalter, Vizerektorin für Qualität und selbst Professorin am GIUB. Sie weist darauf hin, dass interne Optimierungsversuche bereits am Laufen seien: So tätige etwa der Mittelbau Mehraufwand in der Lehre und die Fakultät habe zur Aufstockung des Lehrpersonals am GIUB beigetragen. Als weitere Lösung gäbe es Potential bezüglich Didaktik und Technologie. Das heisst beispielsweise, grosse Vorlesungen per Podcast anzubieten. «Doch diese Feuerwehrübungen sind nur ein Tropfen auf den heissen Stein», so die Unileitung. Und so betrachtet auch die Fachschaft Podcasts nicht als nachhaltige Zukunftslösung, sondern als Symptombekämpfung. Umverteilung möglich? Was ist mit einer Umverteilung innerhalb der Fakultät? Das kommt für Decurtins nicht in Frage. «Irgendwo anders zu streichen, verschiebt einfach die Konflikte. Das haben wir im Fall von Wirtschaftstheorie und -geschichte gesehen.» Die Fachschaft gibt sich

mit dieser Argumentation jedoch nicht zufrieden. «Das Betreuungsverhältnis im GIUB ist schlechter als dasjenige aller anderer Institute an der phil.-nat.Fakultät. Somit wäre es gerechtfertigt, innerhalb der Fakultät umzuverteilen», kritisiert Constantin Streit, Fachschaftsvorstand und fährt fort: «Und gerade die Unileitung hat mehr Spielräume, Geld zu sprechen, als sie gemeinhin zugeben möchte. Aber wenn der Wille fehlt, geht gar nichts.» Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Vielleicht kommen die Geographiestudis irgendwann doch noch in Feierlaune.

kommentar

Plädoyer für die Bildung

jl. Die Situation am GIUB ist bezeichnend für die Lage der Uni – und nicht nur derjenigen in Bern. Mehr Studierende benötigen mehr Betreuungspersonal, ansonsten sinkt die Qualität der Lehre. Muss das wissenschaftliche Personal diesen zusätzlichen Lehrauftrag übernehmen, sinkt die Qualität der Forschung. Beides liegt nicht im Interesse von Gesellschaft oder Politik. Denn diese wollen weder schlecht ausgebildete UniabgängerInnen noch ein Versinken der Schweizer Bildungslandschaft im Niemandsland. Die wichtige Frage – so Silvio Decurtins – ist demnach: «Wieviel Wachstum können wir uns bei gleichbleibenden Mitteln überhaupt leisten?» Wenn das Geld nicht Schritt hält, muss das Wachstum gestoppt werden. Aber einfach weniger Personen auszubilden, weil das nötige Geld fehlt, kann keine befriedigende Lösung sein. Also muss der Budgetposten Bildung erhöht werden: Auch oder eben gerade in Zeiten von Sparpaketen und Wirtschaftskrisen darf die Bildung nicht leiden, denn nach wie vor ist sie – insbesondere in der Schweiz – eine der wichtigsten Ressourcen. unikum 153

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wo, wenn nicht hier? Kein Platz! Volle Bibliotheken nerven. Auf der Suche nach einem Stuhl, einem Tisch, Ruhe und einer zuverlässigen Internetverbindung. Eine kleine Bibliotheken-Odyssee. marisa molinaro & carlo bischoff Wer in Bibliotheken lernt, sucht meistens Ruhe. So kann man seine Zeit am effizientesten nutzen, das ist klar. Aber Ruhe allein macht noch lange keine gute Bibliothek, dazu braucht es schon etwas mehr. So stellt sich als erstes die Frage, ob überhaupt genügend Platz vorhanden ist. Ist diese Grundlage erfüllt, wünscht man sich darüber hinaus eine nette Umgebung für inspirierende Spaziergänge und eine Cafeteria, falls sich der Magen mal meldet. Die perfekte Bibliothek für alle gibt es nicht. Bei unserer Rundschau ist aber bestimmt für jede und jeden etwas dabei.

A: Bibliothek Pflanzenwissenschaften Adresse: Altenbergrain 21 Öffnungszeiten: Mo-Fr: 7.30-17.30 Uhr Pausen sind wichtiger als man denkt und sollten, wie Lernphasen, effizient gestaltet werden. Die beste Möglichkeit dazu bietet die Bibliothek Pflanzenwissenschaften. Die eher kleinen aber feinen Räume befinden sich nämlich im botanischen Garten (BOGA). Zur Verfügung stehen gut 30 Arbeitsplätze, ungefähr 10 Computer und Internet übers Uninetz. Hier ist man definitiv ungestört und ab von der Welt. Die Ruhe ist beinahe schon gespenstisch. Bei schönem Wetter lässt es sich gut draussen arbeiten. Im Garten befinden sich diverse Bänke und Sitzgelegenheiten. Die Natur entfaltet ihre heilsamen Kräfte und das Lernen wird zum Erlebnis. Und zwischendurch gibt es dann eben eine erholsame Pause im Palmenhaus in der Mitte des Gartens. 12

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Dort schlürft man einen Kaffee und lässt für eine Viertelstunde die Seele baumeln, um dann mit frischer Energie in eine erneute Lernphase einzutauchen.

B: Bibliothek Exakte Wissenschaften Adresse: Sidlerstrasse 5 Öffnungszeiten: Mo-Fr: 7.15-19.15 Uhr Exakt eingepasst: Die Bibliothek für Exakte Wissenschaften besteht aus drei Ebenen in der Gebäudemitte, wobei die oberen beiden über dem Grund zu schweben scheinen. Beim ersten Anblick dieser Architektur brauchen BesucherInnen einen Moment, um sich zu orientieren. Grundsätzlich ist es aber ziemlich simpel. Auf der Grundfläche befinden sich die ersten Arbeitsplätze und 19 bequeme Lesesessel. Auf den folgenden zwei kongruenten Stockwerken weitere, insgesamt 54 Arbeitstische. Wer ganz nach oben will, steht vor einem harten Aufstieg, staunt dann aber nicht schlecht, wenn er/sie die Dachterrasse erblickt. Für RomantikerInnen gibt es dabei das Erlebnis: Dank den Öffnungszeiten lässt sich zu dieser Jahreszeit nach einem erfolgreichen Tag der Sonnenuntergang geniessen.

C: Schweizerische Nationalbibliothek Adresse: Hallwylstrasse 15 Öffnungszeiten: Mo-Fr: 9-18 Uhr, Mi: 9-20 Uhr, Sa: 9-16 Uhr Wer zum Lernen die totale Stille sucht, geht in den Lesesaal der Schweizerischen Nationalbibliothek. Dort ist es so ruhig,

dass man eine Fliege landen hört. Der Raum schluckt alle Geräusche von Schuhen und Stühlen. Das Licht verteilt sich gleichmässig und strömt eine Ruhe aus, als gäbe es ausser den Blättern an den Bäumen nichts auf der Welt, das sich bewegt. Alle, die lieber in turbulenter Umgebung lernen, setzen sich in den ersten Stock neben die Warenlifte. Da schaukeln dauernd gondelartige Behälter vorbei. Woher die Frachten kommen und wohin sie gehen, bleibt geheim. Einen mässigen Lärmpegel bieten die Lernplätze und Gruppenräume im zweiten und dritten Stock: Zu laut, um jeden Atemzug zu hören, aber ohne Lifte, die Lärm machen. Kleiner Wermutstropfen: Der Internetzugang ist lediglich eine Stunde gratis, danach kostets zwei Franken pro Stunde.

D: Bibliothek Betriebswirtschaftslehre Adresse: Engehaldenstrasse 4 Öffnungszeiten: Mo-Mi: 8-16.45 Uhr, Do: 12.45-16.45 Uhr, Fr: 8-15.45 Uhr Eine weitere Bibliothek befindet sich in der Engehalde, der universitären Aussenstation für Betriebswirtschaftslehre. Wer nicht gezielt danach sucht, wird nicht fündig. Im Parterre befinden sich Arbeitsplätze gleich an einer Wand mit grossen Fenstern Richtung Sonne. Zudem lassen sich die Fenster öffnen und mit dem Wind in den Haaren macht Lernen noch viel mehr Spass. Aber auch tageslichtscheue StudentInnen finden hier ihren Platz. Im UG stehen gut zwei Drittel der 40 Arbeitsplätze. Neonlicht und das leise Summen des Serverraums führen dort zu Höchstleistungen. Wer mal was zu diskutieren hat, kann sich in einem kleineren Seminarraum aussprechen und gemeinsam arbeiten. Für Computerlose gräbt der Bibliothekar sogar seine zwei alten Rechner aus. Eine Cafeteria gibt es hier natürlich auch.


illustration: stéphanie winkler

einen PC-Poolraum. Zwar gibt es Selectaund Kaffeeautomaten, eine öffentlich zugängliche Mikrowelle fehlt aber. Diese Kombination macht die FBB aus kulinarischer Sicht wenig attraktiv, dafür findet sich immer ein Plätzchen zum Lernen. Wer sich aber leicht durch das Klappern von Stöckelschuhen ablenken lässt, muss Ohropax mitbringen, der Boden ist nämlich aus Holz. E: Fachbereichsbibliothek Bühlplatz Adresse: Baltzerstrasse 4 Öffnungszeiten: Mo-Fr: 8-19 Uhr, Sa: 8-16 Uhr Von Weitem sieht es aus wie eine kleine Oase, ein Fleckchen grün in einem Tal aus verwittertem Sichtbeton. Die vielen Pflanzen und Insekten in den Biotopen vor der Bibliothek lassen keinen Zweifel, dass hier BiologInnen die Artenvielfalt der heimischen Flora und Fauna fördern. Dahinter ist die Fachbereichsbibliothek Bühlplatz (FBB), die zentrale Bibliothek für Biologie, Geologie und Medizin. Sie bietet auf zwei Stöcken etwa 140 Lernplätze, zwölf Gruppenräume sowie

einer kleinen, aber feinen Bibliothek: In der Bibliothek der TiermedizinerInnen. 30 Lernplätze stehen hier zur Verfügung. Die Arbeitshaltung, die den VeterinärInnen beigebracht werden soll, scheint mit einem Blick auf die Öffnungszeiten klar: Früh aufstehen und lange arbeiten. Wer nach harter Arbeit eine verdiente Pause einlegen möchte, ist hier genau richtig. Die Cafeteria bietet nicht nur Kaffeeautomaten, sondern auch acht Mikrowellen sowie viel Platz, um bei schönem Wetter draussen zu sitzen. Bei einem Kaffee kann man so den Schafen, die auf der Weide nebenan herumspringen, zusehen. Ab und zu kommt auch ein Pferd vorbei, und einer/m Nicht-TiermedizinerIn könnten Zweifel kommen, ob das hier wirklich noch Uni ist. bilder: carlo bischoff

F: Bibliothek Vetsuisse Adresse: Länggassstrasse 120 Öffnungszeiten: Mo-Fr: 6.30-20 Uhr Ein Haufen Pferdemist kann hier schon mal vor dem Eingang liegen. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, landet in

info

Alle Berner Bibliotheken auf einen Blick findest du unter http://www.ub.unibe.ch (rechts auf den Quick Link klicken)

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studentInnenrat

sub update

Das Semester schreitet zügig voran. Während die Tage kürzer werden und sich die Studis zum Lernen wieder in die warmen Bibliotheken zurückziehen, wird auch im SUB-Häuschen emsig gearbeitet. david streit Sommerlich mutete es noch an, als sich der StudentInnenrat (SR) Ende September das erste Mal nach den Semesterferien traf. Nun, nach seinem zweiten Treffen, ist es bedeutend kühler geworden. Was auch von den Debatten im Rat gesagt werden kann. War die Stimmung zu Beginn der ersten Session noch ferienbedingt gelöst, änderte sich dies bei den ersten grossen Debatten doch ziemlich rasch. So schienen die Fronten bei manchen Geschäften teilweise so verhärtet, dass ausufernde Diskussionen den Zeit-

plan der Sitzungen gehörig durcheinanderbrachten. Im politischen Dschungel tauchten dabei immer wieder kuriose Begriffe auf, welche für allgemeine Verwirrung sorgten. Zu erwähnen wäre hierbei der Eintretensantrag, welcher verlangt, dass darüber diskutiert werden soll, ob über ein Geschäft überhaupt diskutiert werden soll. Licht am Ende des Tunnels Trotz diesen Abwegen wurde in unregelmässigen Abständen auch der eine oder andere Entschluss gefasst. Ausserdem konnte der Vorstand erfreuliche Nachrichten vermelden. Es schien, als neige sich eine beschwerliche Zeit ihrem Ende zu. Eine Zeit, in welcher das Arbeitsumfeld in der Tat nicht zu beneiden gewesen ist: Einerseits war da die Stipendieninitiative, bei welcher immer wieder Rückschläge erfolgten. Andererseits die Studiengebührenerhöhung, bei welcher die StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) arg gefordert ist, gegen den mächtigen Politapparat

des Kantons anzutreten (siehe Box auf S. 15). Wenigstens bei der Stipendieninitiative scheint sich nun aber Licht am Ende des Tunnels abzuzeichnen. Die Anzahl Unterschriften ist erreicht, ein mühseliger Teil der Arbeit abgeschlossen. Ebenso konnte Erfreuliches über das diesjährige Unifest berichtet werden, welches mit einem Gewinn von 3 000 Schweizer Franken abschloss und für einen spontanen Applaus sorgte. Grosse Herausforderung In den letzten SR-Sitzungen wurde ausgiebig über die Jahresschwerpunkte 2012 des SUB-Vorstands diskutiert. Zu erwähnen ist hier insbesondere die drohende Ungleichbehandlung von AusländerInnen an der Universität Bern. Eine Motion von SVP-Grossrat Erich Hess verlangt beispielsweise, ausländischen Studierenden die volle Kostensumme ihrer Ausbildung abzuknöpfen. Ein Vorschlag, der in eine dramatisch gefährliche Richtung weist: Denn die Uni Bern ist, wie die anderen Schweizer Universitäten, stark abhängig von ausländischen Nachwuchskräften. Eine Abschreckung ebendieser könnte deshalb zu einer Gefährdung der wissenschaftlichen Konkurrenzfähigkeit führen. Die SUB verweist jedoch auch auf das Spannungsfeld, welches sich aus den schon jetzt schlechten Betreuungsverhältnissen ergibt. Denn die Finanzierungsproblematik der Hochschulen, verstärkt durch die stetige Zunahme an Studierenden, steht der Gleichbehandlung aller Studierenden und dem freien Zugang zur Bildung gegenüber. Der Vorstand betont in seinem Positionspapier aber klar die Verurteilung jeglicher Diskriminierung und versucht, dieser als kompetente Ansprechpartnerin entgegenzuwirken. Schleichende Ökonomisierung Zum momentanen politischen Diskurs gehört auch die schleichende Ökonomisierung, sprich der wirtschaftliche Druck auf die Hochschullandschaft. Die SUB wird diese genauer unter die Lupe nehmen, um die Studierenden gezielt informieren und sensibilisieren zu können. Des Weiteren wird die Förderung des studentischen Wohnens und die verstärkte Einbindung der Studierenden in universitäre Gremien angestrebt. Somit ist klar: Auch im neuen Jahr wird der SUB die Arbeit nicht ausgehen.

Der StudentInnenrat bei der Arbeit. bild: david streit

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studentInnenrat

sr-news StudiBar

Berns Studis sollen endlich ihr eigenes Lokal bekommen. Trotz diverser Komplikationen und wider den Unkenrufen arbeitet eine Projektgruppe intensiv daran, die StudiBar aufzugleisen. Bis Ende Jahr sollten alle Abklärungen getroffen worden sein. Da das Projekt aber einer Baubewilligung bedarf, ist eine Eröffnung vor Sommer 2012 nicht realisierbar.

Studiengebührenerhöhung: Wie weiter?

Aufgrund von Sparmassnahmen im Kantonshaushalt will der Kanton die Studiengebühren erhöhen (das unikum berichtete, Ausgabe 152). Obwohl das Thema nun aber in der Medienlandschaft zusehends weniger Beachtung findet, wird es immer aktueller: Am 21. November beginnt die Session des Grossen Rates, in welcher im Zuge der Budgetdebatte darüber abgestimmt wird. Die SUB bleibt deshalb aktiv: Noch immer läuft die Petition, welche am ersten Sessionstag dem Regierungsrat übergeben wird (bis jetzt sind über 3 000 Unterschriften zusammen – wer noch nicht unterschrieben hat: http://subnew.unibe.ch/ petition). Ausserdem hat die SUB über 200 von Studierenden unterzeichnete Briefe an den Regierungsrat Pulver geschickt, in denen sie gegen die Studiengebührenerhöhung argumentieren. Für den Beginn der Session am 21. November ruft die SUB zu einem zahlreichen Aufkreuzen vor dem Berner Rathaus auf.

Aus der Vorlesung Rücktritte im Vorstand

Seit Mai 2010 war Anja Ghetta mit der Leitung des Ressorts ‹‹Gleichstellung›› eine prägende Figur innerhalb des SUB-Vorstands. So hat sie mit Erfolg das Projekt «Womentoring» vorangetrieben, bei welchem Studentinnen in ihrer wissenschaftlichen Laufbahn gefördert werden. Nun, nach eineinhalb Jahren, hat sie den Vorstand verlassen, um sich wieder andern Projekten zuwenden zu können. Wir bedanken uns für ihren Einsatz im SUB-Vorstand und wünschen ihr für die Zukunft alles Gute! Gleiches gilt für Lorenz Solothurnmann, welcher seit Februar 2010 das Ressort Finanzen und Kultur innehatte. In der SUB hochgeschätzt für die Überarbeitung des Budgets und die arbeitsintensive Redimensionierung des Unifests, wird er den Vorstand per November verlassen.

Unifest

Nach unbefriedigenden Erfahrungen mit dem jährlich stattfindenden Unifest hat sich die SUB dazu entschlossen, dieses in Zukunft in redimensionierter Form zu organisieren. Dazu hat sie ein neues Unifestreglement erstellt, welches durch den SR in Kraft gesetzt wurde. Es sieht vor, eine Hilfskraft anzustellen, welcher die Abwicklung des Projektes obliegt. Der Vorstand der SUB wird die Aufsichtsfunktion über das Geschäft wahrnehmen und bei der Planung und Umsetzung mitarbeiten. Erstmals stattfinden wird das neue Unifest im Herbst 2012.

jr. «Verhaltet euch wie junge Akademiker, nicht wie verzogene Kindergärteler!», tadelt der Professor die Studierenden, nachdem sein Kollege eine Übung gehalten hat, die einen Grossteil der TeilnehmerInnen hoffnungslos überforderte: zu schnell, zu schwierig, zu langweilig. Der Professor sah das anders. Beschämt sei er über die «20-Minuten-Generation», die sich alles vorkauen lasse und selbst nicht mehr denke. Dabei verkennt er das Wesentliche: Die Studierenden lassen sich nichts vorkauen, sondern denken tatsächlich selber und sehen, wann etwas spannend ist und wann nicht. Die Übung war eher bei Letzterem einzuordnen.

impressum

Das unikum ist das Organ der StudentInnenschaft der Universität Bern (SUB) und erscheint sechsmal jährlich mit einer Auflage von 10 000 Stück. Redaktion: Jacqueline Lipp (jl), Flurin Jecker (fj), Marisa Molinaro (mm), Carlo Bischoff (cb), Damaris Burri (db), Josua Romano (jr), Livia Middendorp (lm), David Streit (ds), Rika Koch (rk) E-Mail: vorname.nachname@unikum.unibe.ch Layout und Satz: Paolo Riva, Stéphanie Winkler Lektorat: Nadine Zybach Werbung: Raphael Bättig Adresse: unikum, Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 E-Mail: unikum@sub.unibe.ch www.unikum.unibe.ch Belichtung und Druck: Haller & Jenzer, Burgdorf Nächste Nummer: unikum 154 Redaktionsschluss: 30.11.2011 Inputs und Ideen für Artikel bis: 9.11.2011 Inserate-Annahmeschluss: 9.11. 2011 Erscheinungsdatum: 14.12.2011 Abonnemente: Das unikum kann für Fr. 30.–/Jahr abonniert werden. E-Mail an: unikumabo@sub.unibe.ch

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kulturpartnerInnen

ono – ein keller für sich cb. Das ONO in der Kramgasse 6 ist ein spartenübergreifender Kulturbetrieb. Der kleine Altstadtkeller dient sowohl als Bar wie auch als Bühne und Galerie. Dabei versuchen die BetreiberInnen nebst bekannten Grössen vor allem neue Strömungen in der Kulturlandschaft auf der Bühne abzubilden und noch Unbekanntem einen Raum und Namen zu geben. Das Programm setzt folgende Schwerpunkte: Sounds, Jazz, Klassik, bildende Kunst, Literatur, Tanz und Theater. Das ONO will ein Ort für leise Töne und ihr lautes Echo sein.

unibox an die macht cb. Die unibox, das Radiogefäss der SUB, beschäftigt sich in der nächsten Sendung mit der Macht. Wer ist wann und weshalb mächtiger als andere und wie wird dieser Zustand erreicht? Das Thema wird auf unterschiedliche Bereiche übertragen. So wird über die Politik sowie das menschliche und tierische Paarungsverhalten diskutiert. Zu hören ist die Sendung am 11.11.2011 auf Radio Rabe (95,6 MHz). Falls es jemand verpasst: Auf http://subnew. unibe.ch/unibox sowie www.rabe.ch können alle vergangenen unibox-Sendungen nachgehört werden.

serviceverzeichnis

KulturpartnerInnen der SUB bee-flat BeJazz Bierhübeli Café Kairo Club Bonsoir Dampfzentrale Bern ISC Kino Cinématte Kino Kunstmuseum Marians Jazzroom ONO Schlachthaus Theater Stadttheater Bern StattLand Theater am Käfigturm Wasserwerk Club YB Heimspiele Berner Kammerorchester Berner Symphonieorchester

Vorgehen

Für Tickets: Besuche uns unter http:// subnew.unibe.ch/freier-eintritt, logge dich mit deinem Uni-Account ein und suche auf der Liste aller Veranstaltungen deine Favoriten. Ein Klick und schon bist du auf der Gästeliste registriert. Bitte lies jeweils den kurzen Zusatztext, bevor du auf OK klickst, denn das Vorgehen ist nicht bei allen Reservationen gleich. Einige Tage vor der Veranstaltung erhältst du die definitive Bestätigung deiner Anmeldung per Mail. Deine gültige Legi gilt dann als Veranstaltungsticket. Pro Person können nur zwei Events gleichzeitig reserviert werden. Bei Nichterscheinen am reservierten Anlass werden weitere Reservierungen storniert. Weitere Informationen findest du unter

http://subnew.unibe.ch/freier-eintritt

SUB-Dienstleistungen

Auskunft, Inserateaufgabe und Dienstleistungen für SUB-Mitglieder und DienstleistungsabonnentInnen:

StudentInnenschaft der Universität Bern Lerchenweg 32, 3000 Bern 9 Tel. 031 631 54 11, Fax 031 631 35 50 E-Mail: wost@sub.unibe.ch http://subnew.unibe.ch Öffnungszeiten SUB: Mo 14–17 Uhr, Di–Do 11–17 Uhr

Wohnausschreibungen

Online-Plattform, Wohnungsmail und Inserateaufgabe: http://subnew.unibe.ch/ wohnen E-Mail: wost@sub.unibe.ch

Studijob SUB

Online-Plattform, Stellenmail und Inserate­aufgabe: http://subnew.unibe.ch/ studijob-sub Tel. 031 631 35 76, Fax 031 631 35 50 E-Mail: studijob@sub.unibe.ch

Rechtshilfedienst der SUB (RHD)

Kostenlose Beratung von Studierenden der Uni Bern in rechtlichen Fragen. Anmeldung via E-Mail obligatorisch: E-Mail: rhd@sub.unibe.ch

Sozialfonds

Der Sozialfonds steht SUB-Mitgliedern und Mobilitätsstudierenden mit finanziellen Schwierigkeiten zur Seite.

Weitere Dienstleistungen

Freier Eintritt, kopieren, Spiralbindegerät usw.: http://subnew.unibe.ch/freier-eintritt

SUB-Gruppierungen

Liste der SUB-Gruppierungen: http://subnew.unibe.ch/ gruppierungen

Beratungsstellen

Beratungsstelle der Berner Hochschulen

Beratung bei Studiengestaltung, Berufseinstieg, Lern- und Arbeitsstörungen, Prüfungsvorbereitung, persönlichen Anliegen und Beziehungskonflikten. Anmeldung im Sekretariat. Bibliothek und Dokumentation zu Studiengängen, Tätigkeitsgebieten, Berufseinstieg, Weiterbildung, Lern- und Arbeitstechniken und vieles mehr. Ausleihe: Mo–Fr 8–12/13.30–17 Uhr (Mittwochmorgen geschlossen) Erlachstrasse 17, 3012 Bern Tel. 031 631 45 51, Fax 031 631 87 16 www.beratungsstelle.bernerhochschulen.ch

Weitere Beratungsstellen:

www.sub.unibe.ch/aktuelles/ adressverzeichnis

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oben ist trumpf bildung für alle Jassturnier, Spielabende, Unifest und Filmclub – mit dem Ziel, Leute über Studiengrenzen hinaus zusammenzubringen, bietet die SUBKultur ein vielfältiges Programm. marisa molinaro Sonntagvormittag: Die Sonne drückt schwach durch die Wolkendecke und das Fensterglas. Der Duft von Kaffee hängt in der Luft. 16 Teams haben sich in der WokerMensa zum Jassturnier der StudentInnenschaft der Uni Bern (SUB) eingefunden. Bei einem ausgiebigen Brunch werden die Abenteuer der letzten Nacht erzählt und der Schlaf weicht langsam aus den Augen der ambitionierten JasserInnen. Und dann wird gespielt: Fünf Stunden und viele Kaffeetassen später sind die neuen Jasskönige Kaspar und Ramon Stucki erkoren. Neben dem Jassturnier veranstaltet die SUBKultur jedes Jahr verschiedene Anlässe wie zum Beispiel das Kubbturnier, Filmabende oder gestaltet das Rahmenprogramm am Unifest. Ab November findet zusätzlich jeden ersten Donnerstag im Monat ein Spielabend statt. Die SUBKultur, eine Kommission der SUB, bemüht sich darum, Studierende aus den verschiedenen Fachrichtungen in einem lockeren Rahmen zusammenzubringen. Die Uni ist der Ort, an dem Menschen mit offenen Geistern zusammentreffen. Wo, wenn nicht hier sollte dabei etwas Interessantes entstehen? Wer bei der SUBKultur mitmachen möchte, muss weder Mitglied im StudentInnenrat noch sonst politisch aktiv sein. Ein paar Ideen und Freude am Organisieren reichen, um dabei zu sein. So stiess auch Daniel Burkhard zur SUBKultur. Er interessiert sich für Filme und hat auf eigene Faust den Filmclub wiederbelebt. Er zeigt regelmässig Filme wie kürzlich «Brazil» von Terry Gilliam. Interessierte sind jederzeit herzlich willkommen.

Die neuen Jasskönige Kaspar und Ramon Stucki. bild: marisa molinaro

Spielabend

Jeden ersten Donnerstag im Monat findet der SUBKultur Spielabend statt. Nächster Termin: 1. Dezember 2011, 18.30 Uhr im SUBHäuschen bei der UniTobler. Mitbringen: FreundInnen und Spiele.

Mit zarten Tönen und wilden Rhythmen für eine gerechtere Welt – die Amnesty International Uni- und Jugendgruppe Bern organisiert am 18. November ein Benefizkonzert. marisa molinaro Endlich ist es soweit, das Benefizkonzert der Amnesty International Uni- und Jugendgruppe findet wieder statt. Seit Jahren wird dieses Konzert zugunsten eines humanitären Projekts in Kolumbien organisiert. Mit dem Erlös wird Kindern und Jugendlichen, die in Konfliktregionen leben und sich aus finanziellen Gründen den Schulbesuch nicht leisten können, das Schulgeld und -material bezahlt. Zwei heisse Acts Das Singer und Songwriter-Duo «schönetöne» wird den Abend mit Pop, Folk und Softrock aufwärmen. Seit gut einem Jahr spielen der Kolumbianer David Montoya und die Schweizerin BBFrances zusammen. Bis zu ihrem Debutalbum «Pureness» aus dem Jahr 2005 zog BBFrances lange als Strassenmusikantin durch die Schweiz. Nachher folgten viele Konzerte, darunter auch Auftritte am Openair St. Gallen und als Mitspielerin von Bligg im Song «Search 4 Love». David Montoya hingegen spielt schon seit Jahrzehnten in verschiedenen Formationen. Seine erste Band hiess «La Prole» und spielte kolumbianischen Rock. Nach dem Umzug in die Schweiz im Jahr 2001 war er zuerst mit der Band «emptY» und später mit «Miss Moneypenny» als Frontmann unterwegs. Weil «Tawara Shen Kool» Herz und Rhythmus als treibende Kraft ihrer Musik sehen, haben sie ihren Namen in Anlehnung an den Tawara-Schenkel, ein Teil des Reizleitungssystems des Herzens, gewählt. Im Gegensatz zum Herzschlag, der im besten Fall regelmässig und voraussehbar ist, ist die Musik von «Tawara Shen Kool» unberechenbar und unerwartet – wie ein Herz im Kammerflimmern. Die 2007 gegründete Band um Singer und Songwriter «Flo Zilla» hat in den vier Jahren ihres Bestehens eine steile Karriere hinter sich. Die Band begeistert und überrascht mit impulsiven Liveshows, die sie national bekannt machten. Mit der EP «Doing Fine?» beweist «Tawara Shen Kool» jedoch, dass sie auch ab Band das Publikum verzaubern und in unbekannte Welten entführen kann.

Jamnesty

Benefizkonzert der Uni- und Jugendgruppe von Amnesty International. Freitag 18. November 2011 Türöffnung: 20 Uhr, Konzertbeginn: 21 Uhr DuNord, Lorrainestrasse 2, 3013 Bern Eintrittspreis: 15 Franken unikum 153

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apropos ...

... eine kleine Schweizreise. An einem Samstag im Oktober unternahm ich wieder mal eine Reise durch die Schweiz. Start: Bern. Das Ziel: Ein kleines Dorf, irgendwo im Zürcher Unterland. Mit dabei: Ein kleiner Notizblock. Dieser begann sich schon im Berner Bahnhof zu füllen. «Böse böse», notierte ich mir und betrachtete mit schräg geneigten Kopf all die schwarzen Stiefel an den Plakatwänden. Ich suchte fieberhaft nach unmittelbaren Anzeichen der Bedrohung, fand aber nichts. So machte ich mich auf den Weg zum Perron und flog schon bald darauf munter über die Neubaustrecke und sodann in den Aargau hinein. Nach einer Weile wurde die Betrachtung der Dauer-Agglo jedoch ein wenig eintönig. Der Anblick der vielen kleinen Häuschen mit schön frisierten Vorgärten stimmte mich ganz melancholisch. Ich beschloss deshalb, mir diese raumplanerische Sünde nicht weiter vor Augen zu führen und liess mir vom Magazin die Befindlichkeit der Schweiz erklären. Die Melancholie überwand ich aber auch hiermit nicht. Denn der Artikel gewährte einen Einblick in die paranoide Welt der StiefelwählerInnen und so wurde ich nur noch betrübter. Der Zug gleitete indessen unaufhaltsam Richtung Osten, wir passierten die Wohnblöcke von Spreitenbach, danach Downtown Switzerland und ehe ich michs versah, war ich schon am Zürcher Flughafen. Anstelle von LX3303 nach New York hiess es dort allerdings nur Postauto 334 nach Embrach. Die eigentlich missmutig angetretene Fahrt erwies sich dann aber als ganz schön. Die von der untergehenden Sonne warm angeschienene Landschaft, die grasenden Kühe – irgendwie schien alles so friedlich, dass ich selbst ganz meditativ wurde. Und als dann auch die Plattentaufe meiner Cousine richtig gut war, wurde mir klar: Am Boden bleiben ist manchmal auch ganz gut. david streit

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die fünf

die fünf frischsten werke von max frisch 100-jährig wär' er heuer geworden: Max Frisch. Grund genug, seine Bibliographie zu diskutieren: Von anfänglichen bis posthumen Erscheinungen. Um die Auswahl darf nicht nur, sondern muss gestritten werden. flurin jecker Antwort aus der Stille (1937) Diese für Frisch eher atypische Erzählung handelt von einem 30-jährigen Lehrer, der sich mit einer lebensgefährlichen Bergbesteigung seine Sonderheit beweisen muss. Völlig in sich gekehrt, lässt ihn nichts mehr davon abhalten, die Versprechen seiner Jugend – niemals im Durchschnitt unterzugehen – endlich einzulösen. Was bedeutet: «Die männliche Tat oder der Tod». Homo Faber (1957) Walter Faber, ein Ingenieur und dementsprechend Vertreter des modernen, technisch versierten Menschen, berichtet, was ihm rund um den Globus widerfahren ist. Durch die literarische Form des berichtenden Ich-Erzählers lässt Frisch den Protagonisten geschickt selbst über sich urteilen, was dem Leser oder der Leserin die Möglichkeit bietet, ohne Umwege zu erfahren, wie Fabers rationales Weltbild durch zufällige Ereignisse zunehmend erschüttert wird. Andorra (1961) «Andorra» ist ein Drama um Andri, ein Jude, der sich von Vorurteilen geplagt durchs Leben zu kämpfen versucht, ehe er von einem Judenschauer «als Jude erkannt» und darum erschossen wird. Hierbei wird eine bei Frisch viel gelesene Thematik aufgegriffen: Die des Gebotes, dass man sich kein Gottesbild machen soll, oder wie es Frisch allgemeiner formulierte, dass «... jedes Bildnis eine Sünde ist. […] Wenn man einen Menschen liebt, so lässt man ihm doch jede Möglichkeit offen und ist trotz allen Erinnerungen einfach bereit, zu staunen, […] wie anders er ist, wie verschiedenartig und nicht einfach so, nicht ein fertiges Bildnis.»

Dienstbüchlein (1974) Im «Dienstbüchlein» sammelte Frisch Erinnerungen an seinen Aktivdienst bei der schweizerischen Armee während des zweiten Weltkrieges – und zwar aus fast 30-jähriger Distanz. So greift Frisch dabei Geschehnisse auf, die er während dem Krieg in seinem Militärtagebuch «Blätter aus dem Brotsack» niedergeschrieben hat – und legt sie nüchtern, dafür umso ehrlicher dar. Das «Dienstbüchlein» kommt nicht ganz so armeekritisch daher, wie vielleicht zu erwarten wäre – doch gerade dies macht es so bemerkenswert. Tagebücher (1950, 1973, 2010) Bei den Tagebüchern darf man sich nicht etwa zum Glauben verleiten lassen, es warte ein voyeuristischer Lesespass. Vielmehr galt die literarische Form eines Tagebuches für Frisch als die typische, wenn nicht sogar einzige ihm entsprechende Prosaform, welche er darum genauso wenig hätte auswählen können wie die Form seiner Nase. Die Tagebücher: Nicht nur Autobiografie, sondern auch Erzählung und Gedanken von und zu geschichtlichen wie auch menschlichen Ereignissen. Auf www.unikum.unibe.ch kann über die Auswahl gestritten werden. illustration: stéphanie winkler


entdecken

Wie im eigenen Wohnzimmer: Alibabas Bücherkeller. bild: david streit

wo die stille lebt In Bern schliesst ein Club nach dem anderen die Türen und die kulturelle Klaustrophobie scheint Überhand zu nehmen. Glücklicherweise gibt es noch Orte, wo im kleinen Rahmen Kultur gedeiht. Zum Beispiel in Alibabas Bücherhöhle. david streit Bei Tageslicht betrachtet deutet nichts auf einen Veranstaltungsort hin. Im unscheinbaren Keller des Buchantiquariats «Büchereule» in der Berner Rathausgasse ist höchstens eine Handvoll Leseratten auszumachen, welche im schummrigen Licht nach secondhand-Perlen sucht. Etwa einmal in der Woche ändert sich dies gegen Abend aber in Windeseile. Die Bücherregale werden zur Seite geschoben, der frei werdende Platz wird bestuhlt und das Gewölbe mit einer kleinen Nachttischlampe in ein wohliges Licht getaucht. Einem Wohnzimmer ähnlich wirkt dann die einladende Ruhe, in welcher das Publikum folkigen Klängen in- und ausländischer Singer und Songwriter, Berner Trashtroubadouren oder unverstärkt aufspielenden Bands lauschen darf. Unverstärkt, da das alte Steingewölbe mit seiner hervorragenden Akkustik den Einsatz jeglicher Verstärkung unnötig

macht – und somit wohl glücklicherweise dem Schicksal des ebenfalls in einem Altstadtkeller gelegenen, wegen Lärmbeschwerden schliessenden «Sous Soul» entgehen dürfte. Der Verzicht auf komplizierte Technik und die familiäre Atmosphäre scheinen im Gespräch mit Mitorganisator Ian Fascendini einen besonderen Stellenwert zu geniessen. «Der Raum gibt so viel her, dass so wenig Künstliches wie möglich rein sollte», meint er im Hinblick auf die minimale Ausstattung. Und fügt an: «Durch seine Eigenschaften setzt der Raum auch automatisch Grenzen – alles, was zu gross ist, passt nicht rein. Somit ergibt sich fast zwangsläufig das Motto ‹weniger ist mehr›.» Entstanden ist die momentan noch unregelmässig stattfindende Konzertreihe im letzten März. Fascendini, selbst musikalisch tätig, war mit seiner Band auf der Suche nach einem Raum für ein Konzert. Nach einem Treffen mit Filmnarr Doktor Strangelove, welcher im Geschäft oberhalb des Kellers einen DVD-Verleih führt, landete er zum ersten Mal in der Bücherhöhle. «Die Location war so cool, dass daraufhin die Idee entstand, auch andern Singer und Songwritern die Gelegenheit für einen Auftritt in einem intimen Rahmen zu ermöglichen», erinnert er sich. Mit dem Segen des Besitzers führte Fascendini die Konzertreihe weiter und hat seither mit Erfolg immer wieder aussergewöhnliche Gäste für einen Auftritt in die Bücherhöhle locken können. So zum Beispiel «The Great Park», welcher bei meinem Besuch auftritt. Die persönliche Atmosphäre scheint sich tatsächlich auf den Künstler zu übertragen. Der englische Folksänger geniesst die stille Aufmerksamkeit, fragt ab und an nach Wünschen aus dem Publikum und erzählt immer wieder Anekdoten zu seinen Stücken. Als er dann sogar einen Song anstimmt, welchen er aufgrund eines «traumatischen» Textvergessens während eines Auftritts normalerweise nicht mehr spiele – und diesen fehlerfrei und ergreifend darbringt, verzückt er die bloss etwa zwanzig Zuhörer vollends. Dank fehlendem Backstageraum bleibt die intime Stimmung auch nach dem Konzert noch lange erhalten. Geduldig lässt er Glückwünsche über sich ergehen, beantwortet Fragen und spricht mit meinem Begleiter und mir über die Kunst des Songschreibens. «I don't like flowery poetry, you know», meint er. Und fügt an, die Kunst sei doch, einfach über die kleinen Dinge des Lebens zu schreiben. Angesichts des gelungenen Ausflugs in Alibabas kleine Bücherhöhle gibt es dazu nicht viel mehr zu sagen als ein bestätigendes «Yes ... indeed!» Wir entlassen «The Great Park» auf seinen letzten Zug Richtung Luzern und entschwinden wenig später selbst beglückt in die kühle Herbstnacht. Für weitere Informationen: www.facebook.com, Alibabas Bücherhöhle

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Mitmachen im Filmclub!

Liebst du Filme? Kennst du ein paar Perlen der Kinowelt, die du mit anderen Studis teilen möchtest? Dann melde dich jetzt beim Filmclub! Weitere Informationen findest du unter http://www.filmclub.unibe.ch

Schlachthaustheater Bern Junges Theater Basel: Punk Rock

Sieben junge Menschen bereiten sich an einer englischen Privatschule auf die Abschlussprüfungen vor. Sie kämpfen dabei nicht nur um Bestnoten, sondern auch um Anerkennung oder doch zumindest Respekt. Die Mischung aus Coolness und Karrieredenken gemischt mit einschiessenden Hormonen ist explosiv und führt zu einer fatalen und schicksalhaften Wendung. 10. November 2011, 14 Uhr und 20.30 Uhr. 11. November 2011, 10 Uhr und 20.30 Uhr. Weitere Informationen findest du unter

www.schlachthaus.ch Science Slam

Bühne frei für Wissen! Ein Science Slam ist ein wissenschaftliches Kurzvortragsturnier, bei dem die Slammerinnen und Slammer maximal zehn Minuten Zeit haben, mit ihren spannenden und unterhaltsamen Vorträgen die Gunst des Publikums zu gewinnen. 6. Dezember 2011, 20.30 Uhr Mitmachen: Anmeldung bis zum 24. November an scienceslam@gs.unibe.ch Mehr Infos: www.scienceslam.unibe.ch

Beratungsstelle der Berner Hochschulen

Ausgewählte Aki-Veranstaltungen

Ein Workshop für Studierende der Universität Bern, der Berner Fachhochschule und der PHBern, die an einer schriftlichen Arbeit sind und ihre wissenschaftliche Schreibkompetenz im Austausch mit anderen weiterentwickeln, allfällige Schreibschwierigkeiten überwinden und auf eigene Texte kollegiales Feedback erhalten möchten. Donnerstag, 19. Januar und 2. Februar 2012, 13.30 – 17 Uhr, zweiteiliger Kurs Anmelden bis am 4. Januar 2012 unter 031 631 45 51 oder Fax 031 631 87 16

Soziale und politische Gerechtigkeit ist auch in der Schweiz weder naturgegeben noch selbstverständlich. Welche Menschenrechtslücken gibt es zur Zeit in der Schweiz? Gesprächsabend und Diskussion mit Dr. Christoph Albrecht SJ Dienstag, 15. November 2011, 19.15 Uhr

Schreibkompetenz

Uni Orchester Bern

Mit Beethoven, Stanford und Tschaikowsky bietet das Uni Orchester Bern in diesem Herbst ein interessantes und ergreifendes Programm. Werke: L. v. Beethoven, Egmont-Ouvertüre, op. 84; C.V. Stanford, Klarinettenkonzert a-Moll, op. 80; P.I. Tschaikowsky, Sinfonie Nr. 5, e-Moll, op. 64. Solist: Livio Russi, Klarinette 23. November 2011, 19.30 Uhr, Kirche St. Peter Zürich 28. November 2011, 19.30 Uhr, Kultur-Casino Bern Weiter Informationen unter www.uob.ch

und www.schlachthaus.ch

Ich

mit

Energie.

überzeuge

Lücken thematisieren

Krise im Studium?!

Foto- und Leseworkshop um zurück zur Anfangsmotivation zu gelangen. Mit Abendessen. Mittwoch, 16. November 2011, 18 Uhr

Capital Slam

Poetry Slam – acht Dichterinnen und Dichter treten mit ihrer Redekunst gegeneinander an. Wer selber mitmachen will, kann sich an der Abendkasse in die offene Liste eintragen. Mittwoch, 23. November 2011 um 19 Uhr Rössli Reitschule Bern Weiter Informationen unter

www.roessli.be

Das Theater an der Effingerstrasse Gut gegen Nordwind

Eigentlich wollte Emmi nur ein Zeitschriftenabonnement per E-Mail kündigen, durch Irrtum entwickelt sich hieraus jedoch eine Internetfreundschaft zu Leo. Der immer intensiver werdende virtuelle Kontakt zwischen den beiden hinterlässt auch Spuren in der realen Welt, bis eines Tages Emmis Mann einen Stapel ausgedruckter E-Mails der letzten Monate findet. 9. November bis 1. Dezember 2011, Theater an der Effingerstrasse Vorverkauf unter 031 382 72 72

Uni Chor Bern

Wo fliesst Ihre Energie? Finden Sie’s raus – Infos zum Einstieg bei der BKW-Gruppe gibt es unter:

www.bkw-fmb.ch/karriere

Zusammen mit dem Alumni-Orchester der Uni Bern und dem Konzertchor der Singschule St. Gallen führet der Uni Chor Bern «Ein deutsches Requiem» von Johannes Brahms auf. 11. Dezember 2011, Schaan (LIE) 12. Dezember 2011, Grossmünster Zürich 14. Dezember 2011, Kultur-Casino Bern Weiter Informationen unter

www.unichorbern.ch


reinziehn

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cd 1

Brendan James

Brendan James db. Der amerikanische Singer und Songwriter Brendan James legte im September 2010 sein gleichnamiges zweites Album vor. Man spürt sofort, wie sehr diese Musik Brendan James am Herzen liegt. Er, der sich früher in die Festsäle von Hotels stahl, um dort auf dem Klavier zu üben. Das Album trage seinen Namen, erklärt er, weil es ihn als Person und Künstler von verschiedenen Seiten zeige. Seine klare, ausdrucksvolle Stimme führt das Publikum durch eine Mischung aus aufgestellten Songs wie «Stupid For Your Love» oder «Emerald Sky» und Balladen, die ebenso zum Mitsingen wie zum Nachdenken anregen. Das gelingt vor allem durch die sorgfältig geschriebenen Texte, die charmant und mal witzig, mal melancholisch das Auf und Ab des Lebens einzufangen versuchen. Im Vergleich zu seinem Vorgänger wirkt das Album ausgereifter und selbstsicherer, behält aber dabei die warme, authentische Qualität. «I have tried to write a little more abstractly, but I just can't», so der Künstler. Und genau dadurch ist ein wunderbar direktes und persönliches Werk entstanden, die mit Liedern wie «Get It Right» oder «Let It Rain» seinem selbst erklärten Ziel, die Leute zu ermutigen, alle Ehre macht.

Fantastic Mr. Fox (2009)

Wes Anderson cb. Das Leben in der Tierwelt der Familie Fox (gesprochen von George Clooney, Meryl Streep und Jason Schwartzman) unterscheidet sich grundsätzlich nicht vom Leben der Menschen. Man schaut fern, beschäftigt sich mit Sport, kauft sich Einfamilienhäuser beziehungsweise -bäume und konsultiert dabei seine FinanzberaterInnen. Alle tragen Kleider, putzen sich die Zähne und kämpfen mit den Problemen und Fragen des Lebens. Nur die selbstironischen Aussagen von Mr. Fox erinnern uns daran, dass wir auf die Welt der Tiere blicken und lassen uns darüber schmunzeln. So konstatiert er mehrmals: «We're just wild animals!» Schnell realisieren wir, dass unser Schmunzeln viel tiefer sitzt als wir denken. Fantastic Mr. Fox erlaubt uns einen anthropologischen Blick auf uns selbst und die menschliche Gesellschaft. Mit viel Herz und Gefühl erzählt uns Wes Anderson die Geschichte eines räuberischen Fuchses à la Danny Ocean, welche wohl weniger tierisch ist als die Menschheit selbst. Der Stop-Motion-Film feierte grosse Erfolge, unter anderem zwei Oskar-Nominierungen, und gehört definitiv zu den Filmen, die man gesehen haben muss. buch 3

Thomas Bernhard

Holzfällen fj. In einem Ohrensessel sitzend, beobachtet der Ich-Erzähler eine Wiener Gesellschaft, die aufgrund des Selbstmordes einer Schauspielerin ein «künstlerisches Abendessen» abhält – und

schaudert sich dabei geistig ins Nirvana ... Auch er ist Gast. Auch er ist geladen und nicht ganz zufällig dort. Denn auch er war einst Teil dieses von ihm durch und durch – ja bis aufs Blut – verhassten Teiges der Wiener Kunst- und Schauspielszene. Und zwar vor 30 Jahren. Nun fängt er an abzurechnen; den Wald zu fällen, Baum für Baum. So ist jeder Satz, der ihm entspringt, jeder Gedanke, der ihm aufkommt, getränkt mit Abscheu, Aversion, Ressentiment und Hass, und das in einem (Über-)Mass, wie es stilsicherer und differenzierter kaum noch möglich wäre. «… so ist Webern unerträglich dürftig und noch hundertmal dürftiger als der dürftige Anton von Webern, den ich […] als beinahe wortlosen Dichter, als beinahe tonlosen Komponisten bezeichnen muss.» «Holzfällen»: 300 Seiten Hass, die man sich antun muss. cd 4

Tom Waits

Bad As Me chop. Sieben Jahre ist es mittlerweile her, seit Tom Waits sein letztes Studioalbum «Real Gone» veröffentlichte. Obwohl man seinem neuen Werk «Bad As Me» schon nach wenigen Sekunden anhört, dass es sich um eine Tom Waits-Platte handelt, klingt dieses Album wieder anders als all seine Longplayer zuvor. Der treibende Hobo-Blues «Chicago» läutet das immens unterhaltsame Skurrilitäten-Kabinett ein, ehe der sich dahinraffende Polyrhythmus, der bei Tom Waits immer wieder aus der klappernden Mülltonne hervorspringt, in «Raised Right Men» manifestiert. Daneben gibt es auf dem neuen Material eine Menge balladeske Momente («Kiss Me», «Last Leaf»), rumpelnde TaktKaskaden («She Stole The Blush», «Hell Broke Luce») oder südstaatliche Ausflüge in den Rock'n'Roll («Get Lost»). Waits beweist einmal mehr seine Begabung, unterschiedlichste Einflüsse für seinen ureigenen Mix aus Bluegrass und Polka, Blues und Beats, Krach-Rock und Walzer sowie Country und Doom zu modifizieren. Der grandiose Mann geht auch hier absolut keine Kompromisse ein. Einer der ganz wenigen grossen Macher, die das geschafft haben! Gewinne eine von drei CDs! Schicke eine E-Mail mit dem Betreff «bad as me» an: verlosung@sub.unibe.ch. Einsendeschluss ist der 23. November 2011. unikum 153

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finde die acht unterschiede

illustration: paolo riva Schicke die Lรถsung stichwortartig oder als

Scan bis am 30. November an unikumraetsel@sub.unibe.ch. Dir winkt einer von zwei Bugeno-Gutscheinen im Wert von je 40 Franken.

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grosse Verbände und politische Parteien. Hier liegen die Chancen der Online-Kommunikation. «Früher hiess es, ich muss mich an einen Baum ketten oder etwas anzünden, damit ich in die Presse komme», so Tom Häussler, der als Post-Doktorand am Projekt beteiligt ist. «OnlineKommunikation eröffnet neue Möglichkeiten, wahrgenommen zu werden.»

So sieht ein Netz aus, das mit Issue Crawler analysiert wird. Die Punkte stellen die jeweiligen Webpages dar, die Verbindungen Hyperlinks zwischen ihnen. bild: zvg

unter der lupe: online-kommunikation Warum müssen wir uns nicht mehr an Bäume ketten, um in der Politik etwas zu bewirken? In der zweiten Runde unserer Forschungsrubrik stellen wir ein Projekt vor, das sich mit der Kommunikation im Internet beschäftigt. damaris burri Neue Technologien wie das Internet haben unsere Kommunikation sowohl privat als auch in der Öffentlichkeit grundlegend verändert. Professorin Silke Adam vom Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft in Bern untersucht dieses Phänomen zusammen mit Barbara Pfetsch, Professorin an der Freien Universität Berlin. Sie arbeiten an einem ganz frischen Projekt, das Teil eines Verbundes von mehreren Unis innerhalb der Forschergruppe «Politische Kommunikation in der OnlineWelt» ist. Finanziert wird der Verbund von der deutschen Forschungsgemeinschaft sowie im Fall von Bern vom Schweizerischen Nationalfonds. Die Challengers Konkret geht es um die Möglichkeiten von sogenannten Challengers, durch Onlinekommunikation die mediale und politische Agenda zu beeinflussen. Als Challenger werden zivilgesellschaftliche AkteurInnen bezeichnet, die nicht direkt an politischen Entscheidungsprozessen beteiligt sind. Sie sind weiter entfernt vom «Zentrum der Macht», was ihre politische Einflussnahme erschwert. Greenpeace ist ein Beispiel für einen grösseren Challenger. Um ihre Anliegen erfolgreich zu vertreten, müssen sie erst einmal Zugang zur Öffentlichkeit finden, sprich zu den traditionellen Medien. Denn diese sind immer noch bestimmend für die politische Debatte und ihre Selektionsmechanismen bevorzugen vor allem

Vor zwanzig Jahren unmöglich Ziel des Forschungsprojektes ist es, zu analysieren, ob die Online-Kommunikation von Challengers auch die traditionellen Massenmedien beeinflusst. Man geht davon aus, dass Challengers im Internet gemeinsam agieren und sich zu supranationalen Netzwerken zusammenschliessen. Tom Häussler erklärt: «Man weiss zum Beispiel, dass die Opposition von Stuttgart 21 mit anderen Challengers aus Deutschland, Österreich oder sogar Spanien zusammenarbeitet und mit ihnen Wissen darüber austauscht, wie man die jeweiligen Anliegen an die Öffentlichkeit und damit in die Medien bringt. Das wäre noch vor zwanzig Jahren unmöglich gewesen. Challengers sind zwar auch heute immer noch klein, aber sie sind durch die neue Technologie wendiger geworden und besser organsiert.» Sprung in die traditionellen Medien Um solche Online-Netzwerke zu untersuchen, arbeitet das Forschungsteam mit Issue Crawler, einem Programm, das Verknüpfungen zwischen Internetseiten analysiert. Anzahl und Art der Verknüpfungen bestimmen die Netzwerkstärke. Greenpeace etwa ist laut Vortest mit AkteurInnen wie dem Bundesamt für Umwelt, dem Schweizer Fernsehen oder der UNO verlinkt. Aber erst die Wechselseitigkeit der Links entscheidet, wie gut abgestützt Challengers im Internet sind. Weiter gilt es aber auch den Inhalt und die Sichtweise eines Themas zu berücksichtigen: je homogener sie innerhalb eines Netzwerkes sind, desto stärker ist es. Wenn sich Challengers auf eine gemeinsame Linie einigen können, festigen sie ihr Netzwerk und ihre Position. Online-Kommunikation kann durch Vernetzung für Challengers die Hürde senken, Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und den Sprung in die traditionellen Medien zu schaffen. So jedenfalls lautet die These, welche nun hier in Bern empirisch überprüft wird. Erste Resultate dürfen wir in der zweiten Hälfte 2012 erwarten.

Tom Häussler ist wissenschaftlicher Assistent am Institut für Kommunikations- und Medienwis-

senschaft in Bern. Der Wandel der Öffentlichkeit

durch Online-Kommunikation ist der Aspekt, der

ihn am gemeinsamen Forschungsprojekt von Bern mit Berlin und den USA reizt. bild: carlo bischoff unikum 153

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