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GroĂ&#x;es Kunstfest im Rahmen von Jan Hoets Abschiedsausstel Abschiedsausstel lung

LOSS OF CONTROL

Freitag, 21., Samstag, 22. und Sonntag, 23. Novem November 2008


Freitag, 19.30 Uhr im Marta Forum Thérèse Malengreau (Belgien), Klavierkonzert „ Loss of Control Control“ rol“ Inspiriert von der Abschiedsausstellung Jan Hoets hat die Konzertpianistin Thérése Malengreau (*1964) ein komplexes musikalisches Programm zum Thema des Kontrollverlusts zusammengestellt. Zwischen Musik und Kontrollverlust besteht eine Verbindung von alters her: Verlust von Kontrolle wird im Zustand der Trance erfahren oder als Ekstase ersehnt, welche mit Hilfe von Musik hervorgebracht werden kann; daraus entwickelten sich in der abendländischen Musik verschiedene musikalische Formen. Auf dem Programm stehen ausgewählte Werke von C. Ph. E. Bach, Schumann, Medtner, Alkan, Liszt, Skrjabin, Janacek, Schönberg, Cage, Mompou, Glass, Devreese, sowie Stücke, die aus den Begegnungen von Komponisten mit Künstlern entstanden, wie Debussy / Baudelaire, Scelsi / Michaux und Hauer / Hölderlin. Mit einem breit gefächerten Repertoire von seltenen Partituren bezeichnet die in Brüssel lebende Thérèse Malengreau in ihren Konzerten und Aufnahmen ihre Vorliebe für die Musik der Jahrhundertwende und für die unterschiedlichen Kompositionsströmungen des 20. Jahrhunderts – bis hin zu zeitgenössischen Werken. Malengreau studierte Klavier und Kammermusik sowie Romanische Sprachen u.a. am Königlichen Musikkonservatorium in Brüssel und an der Freien Universität Brüssel und erhielt verschiedene Auszeichnungen und Preise. Als Solistin und Kammermusikerin gibt sie zahlreiche Konzerte in Belgien, anderen europäischen Ländern sowie in Quebec. In Zusammenhang mit Literatur und Ausstellungen der Bildenden Kunst erstellt sie auch regelmäßig Programme, von denen einige auf CD veröffentlicht sind.

Samstag, 10 - 11 Uhr und 15 - 18 Uhr im Stadtraum Herford Tatsumi Orimoto (Japan): Performance „Bread Man“ Der japanische Künstler Tatsumi Orimoto (*1946) erlangte seit den 1990er Jahren internationale Bekanntheit mit seinen Arbeiten, in denen er Brot als Material verwendet oder auch Sujets wie das Altern thematisiert, wenn er z. B. seine eigene an Demenz erkrankte Mutter „ins Bild bringt“ – bei der Biennale in Venedig 2001 provozierte er mit Fotografien, die seine mit Autoreifen behängte Mutter zeigen. Orimotos konsequente Auseinandersetzung mit dem Thema Kommunikation geht auf seine künstlerischen Anfänge in der Fluxus-Kunst der 1970er Jahre zurück, als er Assistent des bekannten Videokünstlers Nam June Paik war. In seinen so genannten „Bread Man“-Performances, die er mit Bündeln von Weißbrot um den Kopf gebunden überall auf der Welt im öffentlichen Raum stattfinden lässt, kommuniziert er auf diese Weise mit den Menschen auf der Straße. Das Brot kann in Orimotos Arbeiten als Ausdrucksträger und „Bildelement“ des Grotesken und Skurrilen verstanden werden, wodurch das menschliche Gesicht deformiert wie auch umhüllt wird. Der Künstler nutzt das Brot als Mittel der Abgrenzung und Entfremdung, wenn er damit die gewohnte Kommunikation „stört“, und spielt zudem mit der symbolischen Bedeutung des Brotes in der westlichen Kultur – als traditionellem Grundnahrungsmittel sowie christlichem Motiv.


Orimoto vermittelt in diesen Aktionen seinen kritischen Blick auf die globalisierte, von Massenproduktion und Medienkonsum beherrschte, moderne Gesellschaft. Bei seinen zwei Aktionen zum Kunstfest des Marta Herford kann man dem jeweiligen Parcours des Künstlers durch die Herforder Innenstadt folgen.

Samstag, 14 Uhr im Museum Jakob Bartnik (Deutschland), Performance „ gege- rade” Der in Osnabrück lebende Performancekünstler Jakob Bartnik (*1974) arbeitet schwerpunktmäßig im Bereich des Objekttheaters, darüber hinaus auch in den Disziplinen der Malerei, Grafik und Installation. In seinen Objekttheater-Performances dienen dem Künstler unterschiedliche Materialien und Objekte als Basis seiner Inszenierungen, in denen er deren Qualitäten – auch in Bezug zu seinem eigenen Körper – ergründet. Für seine Arbeit „ge-rade“ entwickelte er eine Konstruktion auf der Grundlage einer einfachen geometrischen Form und in Bezug zu seinen eigenen Körpermaßen. Dieses Objekt ist weniger als Requisit, sondern als „gleichberechtigter Spielpartner“ in seiner Performance zu verstehen. Bartik inszeniert seine Arbeit nicht erzählerisch, vielmehr lässt er eine Folge von (bewegten) Bildern entstehen, die er aus dem vorgegebenen – begrenzten – Kontext seiner Auseinandersetzung mit dem Objekt hervorbringt.

Samstag, 14.30 Uhr im Marta Forum Frank Höngen (Deutschland), Klavierkonzert „Zu „Zu Ehren von Jan Hoet“ Hoet “ Der Konzertpianist Frank Höngen (*1964) präsentiert zum Abschied Jan Hoets von Marta Herford ein speziell ausgewähltes Programm: Neben dem Sujet des Lebewohls werden auch Themen wie Trost, Zuversicht, Abwesenheit, Wiedersehen und nicht zuletzt das des Helden zu Gehör gebracht – man mag darin Parallelen zur Geschichte von Marta entdecken... Dargeboten werden Kompositionen von Eric Satie, Claude-Achille Debussy, Franz Liszt, Ludwig van Beethoven und Frédéric Chopin. Die Kombination von klassischer Einfachheit und großem Klangsinn seines Klavierspiels ist den Interpretationen des in Berlin lebenden Pianisten zu eigen. Lateinamerikanische Musik wie von Heitor Villa-Lobos, Alberto Ginastera, O. L. Fernandez und Arturo Bosmans sind neben Werken der europäischen Klassik und Romantik fester Bestandteil seines Konzertrepertoires. Die Übersiedlung der Familie nach Südamerika und damit verbundene Kontakte zu lateinamerikanischen Musikern haben sein Interesse für die Musik Südamerikas in besonderem Maße geprägt. Des Weiteren beinhaltet sein Repertoire Werke von F. Liszt, S. Rachmaninoff, F. Chopin, F. Smetana und Komponisten des 20. Jahrhunderts, aber auch der klassischen Komponisten wie W. A. Mozart und L. v. Beethoven.


Samstag, 17.30 Uhr im Museum Marina Abramović (Montenegro / USA), Performance „ MARINA ABRA ABRAMOVIC for JAN HOET“ Die international bekannte Künstlerin Marina Abramović (*1946) präsentiert zum Kunstfest eine speziell Jan Hoet gewidmete Performance. Damit agiert sie bereits zum zweiten Mal im Marta Herford, nachdem sie zur Museums(vor)eröffnung ihre eindringliche Performance „Nude with Skeleton“ mit einem Skelett im Rohbau des Museums dargeboten hatte. Abramović ist eine der bedeutendsten Performance-Künstlerinnen weltweit und gilt als wegbereitend für die performative Kunst. Mitte der 1970er Jahre wurde sie bekannt mit ihren frühen, als „existenziell“ zu bezeichnenden Performances, die sie zusammen mit ihrem Partner Ulay inszenierte und in denen sie Beziehungsaspekte zum Ausdruck brachten. An die Grenzen körperlicher Erfahrung und Kraft zu gehen, war eine wichtige Basis ihrer „Relation Work“. Sie trennten sich nach ihrer dreimonatigen Performance „The Lovers – The Great Wall Walk“ im Jahr 1988 – dem Marsch auf der chinesischen Mauer –, die ursprünglich das Aufeinandertreffen zweier Liebender beenden sollte. Seitdem bilden u. a. der Bezug zu Objekten oder Tieren und deren mythologische Bedeutungen einen Schwerpunkt in Abramovićs Schaffen. Mit der herausragenden wie bezeichnenden Videoperformance-Installation „Balkan Baroque“ für den jugoslawischen Pavillon erlangte sie 1997 den Großen Preis der Biennale in Venedig. Die Künstlerin serbisch-montenegrinischer Abstammung nahm damit Bezug auf den Balkankonflikt, indem sie an vier Tagen sechs Stunden auf einem Berg blutiger Rinderknochen saß, die sie mit einer Drahtbürste vom Fleisch „reinigte“, während sie serbische Kinderlieder sang. Seit den 1990er Jahren hatte Abramović verschiedene Professuren an Kunsthochschulen inne, wie an der Académie des Beaux-Arts, Paris, der Hochschule der Künste in Berlin, der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig. Seit 2005 lebt Marina Abramović in New York, wo sie die Independent Performance Group (IPG) gründete, ein Forum für die Arbeit mit jungen Künstlern.

Samstag, 18.30 Uhr im Marta Forum Dankesreden zum Abschied von Jan Hoet Mit Bruno Wollbrink, Bürgermeister der Stadt Herford, Heiner Wemhöner, Vorsitzender MARTa Freunde und Förderer e. V. u. a. ...

Samstag, 19 Uhr im Marta Forum Anthony Braxton Falling River Quartet (USA), Jazzkonzert Mit Anthony Braxton (Alt-Saxophon, Sopran-Saxophon, Sopranino-Saxophon und KontrabassKlarinette), Katherine Young (Fagott), Erica Dicker (Violine) und Sally Norris (Klavier) Der weltbekannte Jazzmusiker Anthony Braxton (*1945) hat nicht allein als Saxophon- und


Klarinettenvirtuose und als Leader eigener Quartette ein Stück Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts geschrieben – sein musikalischer Kosmos ist grenzenlos: Er hört nicht auf, Konventionen des Jazz zu durchbrechen und ihnen eigene, originelle Alternativen entgegen zu stellen. Die ZEIT beschreibt ihn als Genie mit „schierer Eleganz eines musikalischen Denkers“, der „übers Mikrofon spricht“. Braxton begann im Alter von 17 Jahren mit dem Studium der Musik am Chicago Musical College sowie der Philosophie an der Roosevelt University. 1968 gründete er seine erste eigene Gruppe, die Creative Construction Company mit Leroy Jenkins und Wadada Leo Smith und veröffentlichte seine erste Platte. Er kam während eines längeren Europa-Aufenthalts um 1970 auch mit der europäischen Avantgarde sowohl des Jazz (Gunter Hampel, Globe Unity Orchestra, Derek Bailey) als auch der Neuen Musik (z.B. Iannis Xenakis, Edgar Varese, Karlheinz Stockhausen) in Berührung. Bereits Mitte der 1970er Jahre setzte er Computer und elektronische Instrumente in seiner Musik ein und spielt seit den 1990ern neben den Blasinstrumenten auch Klavier. Braxton war als Hochschullehrer zunächst am Mills College in Oakland tätig und hat heute eine Professur für Musik an der Wesleyan University. Braxton hat eine große Anzahl hochkomplexer Werke sowie bereits über 150 Aufnahmen hervorgebracht. Vieles in seiner Musik ist an Jazz orientiert; er improvisiert und komponiert orchestrale Musik – beeinflusst von Charles Ives, Harry Partch und John Cage – und hat zudem Opern geschrieben. Das Anthony Braxton-Quartett der 70er Jahre (zunächst mit Chick Corea, Dave Holland und Barry Altschul) gehört zu den wichtigen Gruppen des Free Jazz. In den 1980ern und 1990ern spielte er überwiegend mit Marilyn Crispell, Mark Dresser und Gerry Hemingway. Braxton ist Träger bedeutender Awards und Kritikerpreise wie dem MacArthur Genius Grant Fellowship.

anschließend in der Museumslobby Party mit Sets von den DJs Hermanos Ingleses (Belgien), DJ Herr Wolf (Deutschland) (Deutschland) und DJ Moritz (Deutsch (Deutschland)

Sonntag, 17.30 Uhr im Marta Forum Vortrag von Prof. Dr. Boris Groys (Deutschland): Über den Kurator Boris Groys (*1947) gehört seit Jahren zu den international profiliertesten Kunsttheoretikern. Seine zahlreichen Publikationen kreisen um alle relevanten Probleme der zeitgenössischen Kunst im Zeitalter der gegenwärtigen medialen Moderne; Seit einigen Jahren ist Boris Groys auch in kuratorischen und künstlerischen Kontexten aktiv. Nach langjähriger Tätigkeit an mehreren Instituten in Leningrad und Moskau sowie u. a. als Gastprofessor an der University of Pennsylvania, Philadelphia, und an der University of Southern California, Los Angeles, lehrt er seit 1994 als Professor für Kunstwissenschaft, Philosophie und Medientheorie an der Hochschule für Gestaltung Karlsruhe. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen „Über das Neue“ (1992), „Logik der Sammlung“


(1997), „Unter Verdacht“ (2000) und „Topologie der Kunst“ ( 2005) und „Die Kunst des Denkens“ (2008).

„[...] Es gibt einfach diesen göttlichen Traum: zu kreieren, ohne sich anzustrengen; wie Gott es getan hat. Vielleicht hat auch Andy Warhol davon geträumt. Das ist der ewige Traum des Menschen. Man kann dies beschreiben, doch das eigentliche Glück besteht darin, es zu tun.“ „Das moderne Museum ist eine Kirche nicht für Seelen, sondern für Körper, für Dinge. Auch für Menschen, aber nur soweit sie Dinge sind.“ Boris Groys

Sonntag, 19 Uhr im Marta Forum Oleg Kulik (Ukraine), Performance „Mudra“ Der in Moskau lebende Künstler Oleg Kulik (* 1961) präsentiert im Marta Forum seine für diesen Anlass konzipierte Performance „Mudra“. Sie ist als sein „erstes Experiment zu sehen, ein (im weitesten Sinne des Wortes) heiliges Ritual für ein Museum für zeitgenössische Kunst zu kreieren“. Mit dem Titel (Mudra: „das, was Freude bringt“) weist der Künstler auf eine im alltäglichen wie religiösen Leben zu findende symbolische Handgeste hin. Kulik bezieht sich mit „Mudra“ auf das archaische Formvokabular, welches in der damaligen Russischen Avantgarde vielfach verwendet wurde und seine Bedeutung auch in der zeitgenössischen Kunst nicht verloren hat. Er versteht den mit Hilfe differenzierter Videoprojektionen inszenierten Raum zugleich als plastisches Material sowie als eine Art „Tempel“. Die Performance umfasst „alle Möglichkeiten nicht-figurativer Ausdrucksform wie Licht, Farben und Sound (von unbekannten Instrumenten)“ – wie ein „lebendes, immer neu entstehendes Bild, ein Ornament“. Kulik arbeitet mit den Medien der Performance, Installation, Fotografie und des Films. Im Jahr 1995 erlangte er Bekanntheit mit seiner Aufsehen erregenden Aktion „Reservoir Dog“ im Kunsthaus Zürich: er hinderte – auf allen Vieren und nur mit einem Hundehalsband „bekleidet“ – die Ausstellungsbesucher am Eintreten in das Gebäude, indem er sie ansprang und ihnen in die Kleidung biss, woraufhin er schließlich von der Polizei abgeführt wurde.

„In meinem Schaffen gibt es zwei Hauptthemen: das Thema des Animalischen und das Thema der Transparenz. Das Animalische als eine Art Offenheit, Ehrlichkeit, eine vollständige emotionale und physische Nacktheit, Freiheit. Und die Transparenz als etwas Disziplinierendes, Strukturierendes, Wesentliches, das Thema des Grenzbereiches, des Übergangs von der Transgression zur Zurechnungs- und Kommunikationsfähigkeit.“ Oleg Kulik

Durchgehendes Programm: Marina Abramović (Montenegro / USA): Filme von Perfor Performances Wegbereitend für die Performancekunst waren Marina Abramovićs (*1946) „existenzielle“ Arbeiten, u.a. mit ihrem Partner Ulay seit Mitte der 1970er Jahre. Mit ihren „Relation Works“ gingen sie an die Grenzen körperlichen Erlebens und brachten Erfahrungen von Raum und


Zeit, von Bewegung und Stillstand sowie Aspekte geschlechtsspezifischer Rollen und ihrer eigenen Beziehung zum Ausdruck. Das Medium Film diente dabei überwiegend der Dokumentation ihrer Performances vor einem Publikum. Spätere Performances Abramovićs sind allein für die Filmaufnahme konzipiert, wie das „Reinigen“ eines Skeletts für „Cleaning the Mirror“ – eine ihrer Arbeiten in Auseinandersetzung mit Objekten und Tieren und deren mythologischer wie symbolischer Bedeutung.

Joseph Beuys (Deutschland): (Deutschland): Filme von Performances Wie kein anderer bildender Künstler vor ihm hat der Bildhauer, Zeichner, Aktionskünstler, Kunsttheoretiker und Pädagoge Joseph Beuys (1921-1986) sich und sein Werk im Medium Film inszeniert. Ausgangspunkt in seinen Filmen ist immer ein individueller künstlerischer Akt wie eine Aktion, eine Rede oder Installation. In einer seiner bekanntesten schamanistischen Aktionen verbrachte Beuys mehrere Tage zusammen mit einem wilden Coyoten in einem Galerieraum in New York. Aus Beuys’ Auseinandersetzung mit humanistischen, sozialphilosophischen und anthroposophischen Themen entwickelte er seine Idee des „erweiterten Kunstbegriffs“ und des „Gesamtkunstwerks“ – mit dem Ziel, die Isolation der Kunst in den Institutionen aufzubrechen. Im Wechsel wird eine Auswahl von Filmen der Aktionen von Joseph Beuys und der Performances von Marina Abramović fortlaufend gezeigt.

Stefano Cagol (Italien), „ Hoet with Three Letters”, 2008 Dem Künstler Stefano Cagol (*1969), der im italienischen Trient lebt und arbeitet, geht es um sozialpolitische Themen: um den stetigen Wertewandel, das Ungleichgewicht in der heutigen Gesellschaft und um die kollektive Identität. Aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen untersucht Cagol mit den Medien des Films, der Installation, Fotografie und mit Kunstaktionen, in denen z. B. die Verbreitung von Inhalten auf Flyern, Aufklebern oder Buttons eines seiner Mittel darstellt. Cagol formuliert in seinen Arbeiten, die oftmals auf einen bestimmten Ort ausgerichtet sind, die Idee von Bewegung, Fließen, Unbestimmtheit und ständiger Neudefinierung von Wirklichkeit und Fiktion. Er greift dabei vorherrschende Symbole und Strukturen unserer Kultur auf, die im Laufe der Zeit ihre Bedeutungen verändern – und denen er mit seinen Arbeiten neue Konnotationen verleiht. Für seine zum Kunstfest im Marta Herford konzipierte Aktion wählte er den „Button“ als Träger und „Verbreitungsorgan“ von Information. Die Arbeit stellt die Frage, welche Wirkung seine „Verwendung“ – gerade mit der möglichen Bedeutung als Kennzeichen, Marke oder Identifikationssymbol – haben könnte. Damit verweist der Künstler auf Phänomene von Idolisierung, Identifizierung oder Gleichmachung in unserer Kultur und hinterfragt diese zugleich.


Tadeusz Kantor (Polen): Die tote Klasse, 1975 (Film von A. Waj Wajda, 1977) Das Theaterstück „Die tote Klasse“ („Umarla klasa“) gilt als das bedeutendste Werk von Tadeusz Kantor (1915-1990), einem der wichtigsten Vertreter des Absurden Theaters in Polen. Der Theaterregisseur, Bühnenbildner, Künstler und Kunsttheoretiker erlangte Bekanntheit mit seinem so genannten „Theaters des Todes“, das er mit dem Stück „Die tote Klasse“ begründete. Die Protagonisten des Stückes spielen Kantors ehemalige Klassenkameraden, die – als Greise – in ihre alte Schule (in einer galizischen Kleinstadt) zurückkehren. Kantor tritt selbst als Lehrer auf und konfrontiert die von den Schauspielern verkörperten Greise mit Marionetten, die die inzwischen verstorbenen Mitschüler darstellen und die von den „Greisen“ quasi an Fäden geführt werden. Kantor entwickelte das Stück auf der Basis eigener Erinnerungen und Erlebnisse mit Szenenbildern aus Worten, Klängen und Totenritualen; er setzte damit Leben und Tod in einen Dialog. Ihm ging es in diesem wie auch anderen Werken nicht darum, eine Illusion und Fiktion zu erzeugen, sondern um die Darstellung der Wahrheit und um das, was ihm als das Wichtigste und Realste erschien, den Tod. Mit seinen Emballagen, Happenings und Performances gehörte Kantor seit den fünfziger Jahren zur künstlerischen Avantgarde. 1955 gründete er ein eigenes experimentelles Reisetheater mit dem Namen Cricot 2, mit dem er auch „Die tote Klasse“ 1975 uraufführte, was er bis 1992 über 600 Mal auf der ganzen Welt präsentierte. Der bekannte polnische Filmemacher Andrzej Wajda verfilmte 1977 das Stück mit dem Ensemble des Theaters Circot 2 und mit Kantor als Regisseur am Ort der Premiere in der Krysztofory Galerie in Krakau. Neben dem „Theater des Todes“ brachte Kantor andere Theaterformen hervor wie „Autonomes Theater“, „Informelles Theater“, „Zero-Theater“, „Theater der Ereignisse“, „Unmögliches Theater“.

Friedrich Korte mit „Herforder Marktorgel Mini“ Mit einem ausgewählten Musikprogramm begleitet der Herforder Friedrich Korte das Kunstfest mit seiner „Herforder Marktorgel Mini“.

Ausstellung mit fotografische fotografischen otografischen Dokumenten Dokumenten im Marta Forum Einblicke in die Geschichte des Museums aus den Jahren 2004 bis 2008 geben die Fotografen Thomas Mayer und Klemens Ortmeyer. Die ausgewählten fotografischen Arbeiten lassen uns besondere Momente des Marta Herford Revue passieren – vom Bau des Museums über musikalische Höhepunkte bis hin zu den Ausstellungen.

Mit freundlicher Unterstützung von: ATAG nv, Hettich International, Herbert Kannegiesser, LGA QualiTEST, Poggenpohl Möbelwerke, Rodenbach & Palm und Wemhöner Surface Technologies


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PROPAGANDIZED (Hoet with three letters) by Stefano Cagol

MARTa


Official web site http://www.stefanocagol.com © Stefano Cagol for his works © The authors for their texts All rights reserved Gallery Hoet Bekaert Gallery Rodelijvekensstraat 28 9000 Gent Belgium tel +32 0 472 944 971 fax +32 0 9 225 78 07 http://www.iets.be


MARTa Herford Major artists’ celebration as part of the farewell exhibition LOSS OF CONTROL by Jan Hoet 21 - 23 November 2008 MARTa Herford gGmbH GoebenstraĂ&#x;e 4 - 10 32052 Herford. Germany phone +49 (0) 5221.99 44 30.0 fax +49 (0) 5221.99 44 30.23 http://www.marta-herford.de On the weekend between 21 and 23 November, to mark the farewell exhibition Loss of Control, Marta Herford celebrated with a spectacular program and many internationally famous artists such as Marina Abramovic and Oleg Kulik plus jazz musician Anthony Braxton and art theoretician and philosopher Boris Groys.


PROPAGANDIZED (Hoet with three letters) by Stefano Cagol, 2008 Special project for MARTa Herford DVD, 4.30 min. looped + 1000 metal badges


I propagandized Jan Hoet. I propagandized him repeating his name on a series of badges and a video between irony, romanticism and depth, taking him as symbol, as symbol of Art. Finally I propagandized Art! In fact I finished with a slogan: ‘Art is Freedom’. In this case art is not tool of propaganda, but is itself propagandized declaring its fair aim not completely realized. Because Art has to be part of personal life, but has also to reach power and braveness to influence the actual wide social sphere. So I transformed an Art event into an ‘Art Demonstration’, an ‘Art Manifesto’! Stefano Cagol


Stefano Cagol, PROPAGANDIZED, 2008. 1000 metal badges, 10 combinations of words

MARTa Herford Major artists' celebration as part of the farewell exhibition LOSS OF CONTROL by Jan Hoet 21 - 23 November 2008 MARTa Herford gGmbH Goebenstraße 4 - 10 32052 Herford. Germany phone +49 (0) 5221.99 44 30.0 fax +49 (0) 5221.99 44 30.23 http://www.marta-herford.de On the weekend between 21 and 23 November, to mark the farewell exhibition Loss of Control, Marta Herford is celebrating with a spectacular program and many internationally famous artists such as Marina Abramovic and Oleg Kulik plus jazz musician Anthony Braxton and art theoretician and philosopher Boris Groys and many others. Everybody is cordially invited to attend! Invited artists: Marina Abramovic (Montenegro / USA) Jakob Bartnik (Germany) Anthony Braxton Falling River Quartet (USA) Stefano Cagol (Italy) Prof. Dr. Boris Groys (Germany) Frank Höngen (Germany) Oleg Kulik (Ukraine) Thérèse Malengreau (Belgium) Tatsumi Orimoto (Japan)


Detailed program: non-stop: Stefano Cagol (Italy): art project Joseph Beuys (Germany): videos of performances Tadeusz Kantor (Poland): Umarla klasa / The dead class (Film) Friday, 7.30pm Thérèse Malengreau (Belgium), piano concert Saturday, from 11am Frank Höngen (Germany), piano concert Tatsumi Orimoto (Japan), Performance Jakob Bartnik (Germany), Performance Marina Abramovic (Montenegro / USA), Performance Saturday, 4.30pm Farewell speeches to Jan Hoet Bruno Wollbrink, mayor of Herford Heiner Wemhöner, chairman MARTa Freunde and Förderer e. V. Saturday, from 7pm Anthony Braxton Falling River Quartet (USA), Jazz concert afterwards Party with Sets of DJs: Hermanos Ingleses, DJ Herr Wolf and DJ Moritz Sunday, 5.30pm Boris Groys (Germany), public speech Sunday, 7pm Oleg Kulik (Ukraine), Performance Tickets Admission: 12 EURO Concessions: 6 EURO valid from Friday till Sunday included exhibition entrance

MARTa Herford gGmbH Goebenstraße 4 - 10 32052 Herford. Germany phone +49 (0) 5221 - 99 44 30 - 0 fax +49 (0) 5221 - 99 44 30 – 23 http://www.marta-herford.de

LOSS OF CONTROL - MARTa Herford  

Großes Kunstfestim Rahmen von Jan Hoets AbschiedsausstellungLOSS OF CONTROLFreitag, 21., Samstag, 22. und Sonntag, 23. November 2008

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