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Nachlasspfleger 8 F r a g e z e i c h e n 12 D

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M a d a m e , o h n e d a s G e s i c h t z u v e r l i e r e n 22 Bestandsaufnahme 24 L i e b e M a d a m e F. 26 D i e K 채 s t e n 28

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V i e l e n D a n k M a d a m e F.

„Nach der nächsten Kurve kann man schon das Grundstück mit dem Haus darauf sehen,“ meinte Herr Kube zu mir, als ich auf dem Beifahrersitz seines Pkws saß. Aufgeregt suchten meine Augen die umliegende Nachbarschaft nach dem „Haus“ ab. Auf den ersten Blick erkenne ich ein flaches Gebäude und wildwuchernde Büsche. Nur noch ein eisernes Gartentor mit abblätternden Lack und eine auffällig schmale Eingangstür trennten mich von dem eigentlichen Zutritt. Dass die Fenster der Hausfront oder die Schornsteine des Flachdaches erst neu gemacht wurden, interessierte mich nicht mehr. Ich wollte in das „Haus“ hinein, ich wollte die Gegenstände sehen, die das Thema meiner Abschlussarbeit an der Bauhaus - Universität Weimar sein werden. Tür auf und hereinspaziert in eine privaten Welt der Dinge. Guten Tag Konsumismus. In unserer modernen Welt ist der Konsum das kulturelle Leitbild. Wir schmücken uns mit Statussymbolen, wollen immer mitten im Trend sein, oder besser noch einen Tag vorraus. Am besten wäre es, wenn jedes Ding frisch vom Fliesband käme, um den fortschrittlichen Gedanken zu unterstützen. Flachbildschirme, die sich auf die Lichtverhältnisse des Wohnzimmers einstellen, und Co. machen Werte zu persönlichen Masken. Ich kaufe, also bin ich? Einer der Young British Artists Michael Landy fragt sich, was wir ohne unsere Dinge wären, indem er in der Performance "Break Down"(2001) seinen Besitz systematisch, vor aller Augen, zerstört. Die Loslösung aus einem Prozess, der in einem Randommodus feststeckt, ist in unserer Gesellschaft fast unmöglich geworden. Ich möchte mich selbst auch gar nicht ausschließen, weil ich meinen persönlichen Dingen einen sehr hohen Wert einräume. Aber hier geht es nicht um Zerstörung, sondern um eine Zuneigung gegenüber den Dingen.

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Für meine Bachelorarbeit betrete ich einen mir unbekannten Schauplatz. Der private Lebensraum von Madame F.. Zwei Monate bevor ich das Haus betrete verstirbt sie im Alter von 70 Jahren. Was sind das für Dinge, die jahrelang aufbewahrt werden, die ihren festen Platz in unserer persönlichen Schatzkammer bekommen? Die Gegenstände sind da, nur sind sie stumm, oder haben keine wirkliche Funktion. Die kleinen Dingschaften der Glückseligkeit werden abgelöst, missachtet, oder teilweise überhaupt nicht mehr wahrgenommen. Viele Menschen beschimpfen sie als Krempel, Staubfänger oder Plunder, weil sie uns auf den ersten Eindruck nichts handfestes zurückgeben. Aber sie sind anwesend, bei jedem von uns. Ob Banal oder nicht.


Wenn Menschen sterben, werden Gegenstände oder Besitz vererbt. Meine Frau starb in Einsamkeit. Also sind ihre Dinge wertlos, weil niemand etwas damit anfangen kann? Persönlicher Besitz der Madame F. muss den Platz räumen für Neues. Ich gab mich mit dem kulturellen Status Müll nicht zufrieden, also katapultierte ich mich in eine Art archäologischen Prozess. Ich stelle mich auf die Seite ihrer Dinge und fragte mich, was die Dinge ohne ihren Besitzer seien. Auf verschiedenen Ebenen untersuchte ich die Hinterlassenschaft der Frau F.. Ich fuhr zu ihrem Haus, indem sie starb und beobachtete die Dinge in ihrem gewohnten Umfeld. Die traurige Stimmung der realen Szene, ließ mich nicht unberührt. Ich projizierte meine Gefühle auf eine fremde Frau, auf ein fremdes Gesicht. Intuitiv traf ich eine Auswahl von über 300 Dingen. Gegenstände, in denen ich meinen eigenen Gefallen fand und die mich von realen Zustand ablenkten. Ich brachte meine Auswahl nach Weimar und dokumentierte fotografisch meinen Umgang damit. Die Dinge liegen stumm auf dem Boden, hängen regungslos an der Wand. Sie schämen sich nicht, wenn sie in einem Schaufenster aufgestellt werden. Die Dinge könnten jedem gehören. Irgendwann verlor ich mich in den Dingen, versuchte etwas auf ihrer Oberfläche zu finden. Doch an dem Gegenstand an sich rührte sich nichts. Das Einzige, was sich erweiterte, war die Geschichte der Madame F. , eine Metapher für das Lebensgefühl der DDR. Je länger ich mit den Gegenständen arbeitete, desto mehr konnte ich über eine Frau erzählen, von der ich lange dachte, sie niemals kennen zu lernen. Mit meiner Bachelorarbeit möchte ich die Aufmerksamkeit auf die persönlichen Dinge lenken, die ein jeder von uns besitzt. Dafür bringe ich sie in den Kontext eines öffentlich zugänglichen Raumes "Der Laden." Bedeutungslose Alltagsgegenstände werden installiert, um ihren Besitzer zu beschreiben. Durch das Projekt "Liebe Madame F." wurde mein Bewusstsein der Gegenstandswelt sensibilisiert. Die Gegenstände, auf denen sprichwörtlich der Staub hängt, speichern unsere Persönlichkeiten. Intuitiv wählen wir Gegenstände aus einer Vielzahl der Möglichkeiten aus und lagern sie in unserer Umgebung ein. Wir entscheiden uns zu besitzen, weil wir uns selbst in dem Ding wiederfinden, uns gerne damit schmücken, an einen Moment erinnert werde, oder an eine Person. Die Dinge speichern die Zeit in der wir uns aufhalten. Wir sind die Filter, die uns zu berechtigten Zeitzeugen einer Epoche machen. Anhand unseres Besitzes ist das eigene Universum mit seinen Vorlieben und Ansichten rekonstruierbar. Also schaut euch bei euch zuhause um, und macht euch bewusst wer ihr seit und in welcher Zeit ihr euch befindet. Die kleinen Nebensächlichkeiten in euren Schubladen sind unsere letzten Andenken, wir beladen sie mit unseren eigenen Emotionen. Soll soetwas auf die Müllhalde?

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O r i g i n a l a u f n a h m e (Diktiergerät08-02-11) >Nein ich hab ja natürlich alles durchgeguckt. Das sind so Sachen, wenn du einmal fertig bist - wenn du einmal durch bist, dann geht das automatisch: Was fehlt hier in diesem Haus? Zum Beispiel war auch kein Telefon da, glaub ich und… >Ne Ne, wir gehen dann diagonal durch. Ich zeig ihnen, wie man die Fensterläden aufmacht. Sie werden sehen, da liegt die Wäsche noch im Spülwasser.

>Haben sie danach gesucht?

> Nicht, dass sie sich wundern ich hab auch ein Diktiergerät mitgebracht.

>Wie lange machen sie diesen Beruf schon?

> Nachlasspfleger? Wie lange mache ich das schon? Ich denk mal 2007-2008, so in der Drehe wird das sein. > Aber sie machen doch noch mehr, > Ja, auf meiner Webseite biete ich noch andere Leis- als nur die Nachlasspflegschaft? tungen an. Wenn jemand einen Testamentsvollstrecker brauch, oder einen Nachlassverwalter, manchmal mach ich auch etwas für das Familienengericht...naja es sind so viele Sachen... > Interessiert sie dann eher das soziale Engagement, den Leuten zu > Ne, ne, dann wäre ich ja Betreuer. Ich sag ganz ehrlich: helfen, oder...? meine Toten wiedersprechen mir nicht.

> Es geht nicht darum, ähh...Es gab einen Fall, der mich >ok. emotional berührt hat, in meinem ganzen bisherigen Dasein. Und ansonsten berührt mich das jetzt alles herzlich wenig. Der Reiz an der ganzen Sache ist, dass kein Nachlasspflegschaftsfall wie der Andere ist. > Jeder Mensch ist ja auch unterschiedlich. Aber wie sind sie an > Das kam einfach rein, zwischen Weihnachten und Neu- dieses Haus gekommen? jahr. Ich wusste es vorher schon, weil ich ja auch immer Kontakt mit der Stadt habe, mit dem Ordnungsamt, der die Bestattungen zahlt für Leute, die keine Angehörigen haben. Und hier gehts los, zur Linken. Sehen sie hier den Giebel? Da! > Ach das! Das ist das Haus! > Das ist das Grunsdtück, hier gehts los. > Aber es ist ja schon ganz Also es hat schon wieder was! Ich gebe ihnen recht. sympathisch, irgendwie. > Hatten sie eigentlich Vorinformationen zu dem Haus? > Was hatte ich für Vorinformationen… Haus, in Klammern Baracke. Ich habe ihnen auch ein paar Einweghandschuhe mitgebracht. >Das ist voll lieb. Ich hab meine in Weimar vergessen. > Ja, das Leben hat so seinen Reiz. Ich denke, da können sie ein paar Fotos schießen. Ich weiß aber nicht wozu der zweite Schlüssel gehört. Das Grundstück ist auch nicht groß. Das sind nur 300qm. Da hinten ist auch der Kompost. Da sehen sie auch den Rosenkohl liegen. Sie hat da wahrscheinlich auch noch gekocht. > Aber sie ist auch noch nicht all zu lang verstorben? Oder? Also vor Weihanchten wahrscheinlich. 8


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N a c h l a s s p f l e g e r A n d r é - R e n é K u b e HauptbahnhofSaalfeld Dienstag08-02-2011 Ich werde abgeholt und zum Haus gebracht. Ein massiver Schlüssel liegt bereits in der Mittelkonsole des PKW´s. Der Eingangsschlüssel. Ich weiß nicht was mich erwarten wird. Ich habe keine Vorstellung. Wie sieht es dort aus? Wer hat da gewohnt? Eine Frau. Ich komme, wegen ihrer Dinge. Während der Fahrt schalte ich das Diktiergerät in meiner Jackentasche ein. Es ist mir unangenehm. Aber ich weise ihn darauf hin. (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche) (Motorengeräusche)

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> Irgendwie so. Aber sie hatte einen Pflegedienst, der bei ihr vorbeischaut. Schauen sie mal die Eingangstür an. Schmaaler geht schon gar nicht. Die haben hier auch ein paar Fenster reingesetzt, irgendwann. Die Schornsteine sehen nochmal frisch aufgeklinkert aus. > Schön, dass die Sonne herauskommt. Ich geh mal hinten rum, und mache mal die Fensterläden auf.

> Was war mein erstes Gefühl? Da hatte ich keins.

> Natürlich guck ich erstmal, ob in den Objekten noch Urkunden da sind. Dokumente über die Objekte. Dann geh ich auf die Banken und schau und sichere die Konten. Sehen sie, hier hab ich meine Tüte, vom letzten Mal. Ich hab hier schon mal die Gardine zurück gemacht, damit ich überhaupt etwas sehe, hier. Wie ich sage, die Wände sind so schwarz. > Das ist die Frage. Ist es Dreck, oder ist da Schimmel dahinter. Da Streiten sich die Götter. Also, so hat sie gelebt. Da sehen sie ihr Bett noch. Und irgendwo hat sie dann gelegen, keine Ahnung wo. > Hier hat sie wahrscheinlich noch gehaust und gelebt. Jetzt gehen wir mal auf die andere Seite, ist ein bisschen sauberer. Das letzte Mal habe ich mich gar nicht herein getraut. Da hatte ich die Fensterläden nicht geöffnet. Vielleicht hat sie hier gekocht und vorne gegessen? Keine Ahnung.

>Meine Frage, ich muss nämlich gleich weiterziehen: Wollen sie mit dem Haus etwas anfangen?

> Also ich find...Also der Reiz, hier herein zu kommen, mit den schwarzen Wänden und den Rosen, ist schon sehr groß. Unter welche Frage stellen sie das, unter Kitsch?

> Also da können sie sich eigentlich hier austoben. Ich sag mal dazu, sie müssen wissen, die Frau war nicht ganz arm. Sie hatte auch noch 16 0000 Euro auf dem Konto. Sie hätte nicht gemusst, sie hätte auch ins Heim gehen können. Nur mal für den Hinterkopf. Ok, wir haben es jetzt 10, melden sie sich! Wie gesagt, toben sie sich aus. > Wenn jemand kommt und sich beschwert, rufen sie mich an. Ich bin der Herr des Hauses. 10

> Ich begleite sie einfach mal. Hier liegen auch noch Töpfe in der Wiese. Was war ihr erstes Gefühl, als sie hier hereingegangen sind? >Wie gehen sie vor, wenn ein neuer Fall reinkommt? Es gibt eben ein Haus, da ist eine alte Frau gestorben...Was sind ihre ersten Schritte?

(Wir gehen hinein)

> Es ist schon heftig, auf jeden Fall. Aber wieso? Wegen des Ofens?

> Hier riecht es sehr alt, uralt. Es ist ein rießen Chaos. Und das Licht funktioniert auch nicht. oder doch?

> Es ist alles so komisch angeordnet. Und es wirkt sehr erdrückend, obwohl gar nicht so viel da ist, an Dingen. > Ich kann das so noch nicht genau sagen. ich würd mal 2 Stunden hier allein bleiben und sie dann anrufen.

> Ja, schon unter den Kitsch, aber neutraler gesagt unter den Menschen in seinem Alltag, der Mensch und seine Dinge.

> Vielen Dank!

> Gut. Dankeschön! .


Der Kontakt mit Herrn Kube schloss ich bereits im Sommer 2010 während des Werkmoduls "Dingfeste Feldforschung" bei Anke Heelemann. Bringt euren persönlichen Lieblingsgegenstand mit zur ersten Vorlesung, schrieb Anke in der ersten Mail. Hm, welchen Gegenstand, ich habe so viele. In der Workshopreihe wurde ich aufmerksam auf die Dinge, die, nicht nur mich, sondern uns alle, jeden Tag umgeben. Herr Kube öffnete uns die Türen für den Einblick in einen unbekannten Alltag. In Dingen "lesen." Gegenstände nicht nur anhand ihrer Oberfläche erkennen, oder schön finden, auch hinterfragen. An dieser Stelle möchte ich Herrn Kube und Anke Heelemann danken, für die Inspiration und die Möglichkeit sie umzusetzen. http://www.anreku.de http://www.vergessene-fotos.de 11


O r i g i n a l a u f n a h m e (Diktiergerät08-02-11)

Fragezeichen > Ich bin jetzt glaub ich schon über eine Stunde hier in .... F.´s Haus. Und mir kommt es so vor, als ob sie gar nicht mehr am Leben gehangen hat. Einfach nur dahin gelebt hat, und gewartet hat, bis sie der Tod ereilt. Alles ist verstaubt. Die Wanddekoration hebt sich kaum von den Wänden ab und die Dinge, die ich als ansprechend betrachte sind eingelagert in den Tiefen der Schränke. Die Situation hat den Anschein, dass jahrelang nichts von seinem Platz gewichen ist, außer der Medikamente und der Fernbedienung. Oh Mann, ich befinde mich gerade in dem letzen Moment einer Frau. Das alles hier, hat sie bis zum Ende um sich herum gehabt. Die Situation, hier genauso allein zu sein, wie diese Frau, macht mich traurig. Aber was hat sie schon verloren? Sie hatte bestimmt jahrelang keinen Besuch. Ich befinde mich in einem ständigen Wühlen und Stolpern. Das reinste Chaos. Wohnen ist gar kein Ausdruck für die Situation. Hier sehe hier gerade so eine Brillensammlung und süße Eierbecher aus glänzenden weißen Keramik. Ich bin auch gerade soweit, nachdem der Akku meiner Kamera ausgegangen ist, zu sagen, dass ich ihr einen letzten Moment verschaffen will. Es gibt hier niemanden mehr, der an sie denkt, außer der ganze Kram, den sie zurückgelassen hat. Jetzt muss ich hier mal kurz ein paar Sachen aus dem Weg räumen, damit ich an den Schrank komme…(RASCHEL)

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Ich laufe weiter, in eine Art Ankleidezimmer. Es liegt alles herum. Zur linken steht ein Kleiderschrank. Ich mache den Schrank auf. Kleidung, Kleidung, Weihnachtsbaumkugeln. Gegenüber von dem Schrank ist eine aufgestellte Aluminiumwanne, sehr leicht. Sieht ein bisschen aus, wie ein Sarg. Der Raum ist sehr dunkel. In der Mitte steht ein Einzelbett, darauf liegt ein Berg voller Kleidungsstücke. Ich traue mich nicht eines davon zu berühren. Hier sind auch teilweise Männersachen dabei. Also muss ein Mann hier mit gewohnt haben. Hinter dem Bett ist ein verhangenes Fenster. Es stinkt hier. Neben dem großen Schrank befindet sich eine verriegelte Tür. Ich hab noch Scheu irgendetwas zu berühren. Dieser Raum ist wahrscheinlich der grusligste Raum, von allen. Alle Räume sind mit Spinnweben verhangen. Wieso ist das so? Was war los mit ihr? 12

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>Es ist so witzig, dass gerade vor zwei Minuten die Post angefahren kam und fragte ob denn hier Frau F. noch hier lebe. Und ich meinte, sie sei gestorben. Also habe ich mich gerade um ihre Angelegenheit gekümmert? >In diesem Moment entschied ich mich Madame F. und die Gegenstände aus dem Saalfeldhaus zum Thema meiner Bachelorarbeit zu machen.

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Auf der Heimfahrt versichert mir Herr Kube, dass es nichts mehr an höherem Wert in dem Haus gäbe. Die Entsorgunsfirma würde sich um den Rest kümmern, wenn das Grundstück verkauft werden solle. Ich fragte ihn, ob ich theorethisch alles mitnehmen könne, was ich möchte. "Je mehr sie mitnehmen, desto weniger Sorgen haben die Müllmänner." Ich war beruhigt. Was er nicht wissen konnte, ist, dass ich schon einige Dinge in meinem Rucksack versteckte. Fotos aus dem Wohnzimmerschrank. Ich habe mich gefragt welche Bedeutung in den Gesichtern steckt. Was beschreiben Gesichter? Welches Gesicht gehört der Madme F. ? Scan privater Fotos aus dem Wonzimmerschrank. 13


D a s H a u s S a a l f e l d Dienstag22-02-2011 Ich bin ein zweites Mal gekommen, um Eindrücke mit Hilfe meiner Digitalen Spiegelreflex zu sammeln. Für die Dokumentation meines Projekts musste ich den Zustand des Hauses festhalten. Die fremden Szenerien musste ich abrufbar machen. Der Lebensraum dieser Frau komprimiert auf einer Speicherkarte. Beim ersten Besuch war der Kameraakku einer geliehenen Kamera ungeladen. Also entschied ich mich meine Cannon 1000D mitzunehmen. Mein Begleiter auf allen Reisen. Ein Geschenk meines Vaters. Auf sie konnte ich mich bisher immer verlassen. Ein Ding, dem ich vertraue, das ich kenne. In diesem Moment, ein halbes Jahr später. existieren die Räume nicht mehr. Das Haus wurde teilweise abgerissen und für einen neuen Besitzer aufgewertet. Wie vergänglich alles ist!

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Das Medium der Fotographie macht es möglich Vergänglichkeit festzuhalten. Die Blende öffnet sich und das Licht beschreibt nicht nur ein Bild, eine Situation oder einen Moment, sondern Erinnerungen, die sich in unseren Köpfen abspielen. Die Fotos des Hauses, haben mir geholfen, Erinnerungen an die Stimmung darin abrufbar zu machen, die ich sonst ausgeblendet habe, weil sie mich zu sehr deprimiert hätten. Im Haus verhielt ich mich eher kühl. Ich akzeptierte den Zustand, aber war überzeugt, dass es nicht immer so gewesen sein musste. .Niemand mehr kann mir Geschichten aus dem Leben erzählen. Der Rest eines ganzen Lebens, liegt vor meinen Füßen 16


Das Fröhliche aus der Dunkelheit herausbringen, den Gegensatz zum Haus stellen und vielleicht auch einen anderen Raum aufbauen, in dem sie nochmal voll zur Blüte kommt. Ein letzter Moment. Jeder verdient so etwas. Es mag zwar erstmal kitschig klingen. Ich könnte mir vorstellen, dass das verstaubte Kaffeeservice aus dem Schrank herausgeholt wird und mit anderen Alltagsgegenständen eine Szene darstellt. Und vielleicht sollte ich ihr wirklich einen letzten Moment verschaffen. Ein Moment ohne Trauer und Einsamkeit. Eine Szene, mit kleinen Schäfchenwolken, wie ich sie in einem Abstellzimmer von Madame F. entdeckt habe. Soll das alles Müll sein, der ganze Besitz einer alten Dame, zumindest das, was noch übrig geblieben ist? Die Oberfläche schreit nach Unbrauchbarkeit und Eckel. Doch ich begebe mich bewusst unter die Oberfläche. Dreck und Schmutz sind nur Fassade. Gegenstände halten dem stand. Die Spurensuche hat begonnen.

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D i e D i n g e

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Was nehme ich mit? Wie ist es möglich zu sortieren, wenn ich nicht einmal das Ausmaß des Besitzes kenne. Mir ist nicht einmal die Besitzerin bekannt. Was hatte sie für Vorlieben, was mochte sie nicht, oder wer hat ihr den Wandteller geschenkt?

Schließlich beschrieben 5 Bananenkisten und 2 Plastiksäcke meine eigene Auswahl. Dem Haus habe ich nach 2 Räumungstagen den Rücken zugekehrt. Ich als neuer Besitzer von allerlei Krempel lagere ihn sorgfältig im Keller der Abraham - Lincoln Straße 17.

Also musste ich auf die Intuition vertrauen. Einen Plan gab es nicht. Entschieden hat der rohe Gedanke von Schönheit. Ich bin auch eine Frau und was würde mir gefallen? Ich habe mich in ihre Lage versetzt, fern von schwarzen Wänden und stinkigen Sesseln, hinein in ein Reich privater Kuriositäten aus einer blühenden Vergangenheit.

Erst kritisiere ich Madame F., dass sie alles in den Schränken verstauben und vergessen lässt. Dann passiert in meiner Hand nichts anderes. So ist das mit den Dingen. Wir sind beruhigt, dass wir sie um uns wissen, aber übersehen sie im alltäglichen Leben. Wir kaufen, lagern ein, lassen verstauben, schaffen Platz und entsorgen ohne Sorgen.


Meine neuen Gegenstände sind schmutzig, an ihnen haftet noch der Gestank des Hauses. Die Dinge sind mir fremd. Obwohl ich sie zu mir geholt habe, brauchte ich die Distanz zu ihnen. Also richtete ich mir im Keller ein Untersuchungsstation ein.

Im Haus war es eher ein abarbeiten, so wie es Herr Kube auch beschrieb. Man befindet sich an einem Ort und man möchte sich nicht lange darin aufhalten. Mein Keller ist auch nicht die Oase der Gemütlichkeit, aber das Beobachten fiel mir leichter.

Durch den Umzug von Saalfeld nach Weimar waren die Dinge sorgfältig verpackt. Das auspacken fühlte sich an wie Weihnachten. Meine gewohnte Umgebung warf ein ganz anderes Licht auf sie. Ich erfreute mich an Kleinigkeiten. Zum Beispiel, dass sechs Likörgläser auf ein kleines Tablett passen oder dass die Holzdeko handbemalt ist.

Im Keller entstand eine Fotoreihe, die den Umgang mit den Dingen auf neutralem Boden dokumentiert. Ich kann sie nach allen Mustern installieren, doch sie bleiben stumm. Hätte ich nicht eine Erinnerung an einen Raum oder ein Haus, würde ich sagen, dass die Gegenstände auch jedem anderen gehören könnten.

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Auszug aus der Fotoreihe "Keller" (M채rz 2011)

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Madame, ohne das Gesicht zu verlieren. Durch das Suchen, dem Hinterfragen nach Hintergründen habe ich immer ein Gesicht vor Augen. Ich konnte mir sogar eins aussuchen. Ein Gesicht, dass sich nicht verändert, ein Gesicht, dass sich einbrennt und immer über den Gegeständen steht. Was könnte euch dieses Gesicht erzählen, oder mir? Sollten wir Minuten auf den Ausdruck blicken und interpretieren? Könnten wir eine Person anhand einer privaten Fotographie verstehen, oder sogar kennenlernen? Sie ist tot. In meiner Bachelorarbeit werde ich zwar ein Dingleben portraitieren, möchte aber den Respekt einer Persönlichkeit bewahren, oder auch Achtung gegenüber ihrer Indentität behalten, nicht anmaßen oder verurteilen. Eine Blume.

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W채hrend der Bachelorbearbeitungszeit enstand die Scanserie "Madame, ohne das Gesicht zu verlieren." Aus rechtlichen Gr체nden darf der Name der Frau und die Adresse des Wohnorts nicht bekannt werden. Daher verwendete ich das Pseudonym Madame F. . 23


Bestandaufnahme S a a l f e l d - We i m a r Frühling2011

#01 #02 #03 #04 #05 #06 #07 #08 #09 #10 #11 #12 #13 #14 #15 #16 #17 #18 #19 #20 #21 #22 #23 #24 #25 #26 #27 #28 #29 #30 #31 #32 #33 #34 #35 #36 #37 #38 #39 #40 #41 #42 #43 #44 #45

21 Auszeichnungen 1 Anstecknadel MS 1 Anstecknadel Mitropa 1957 1 Anstecknadel Der sozialistische Sieg 1 Anstecknadel DFB 1 Anstecknadel DDR 1 Anstecknadel DDR 1 Anstecknadel FDGB 1 Anstecknadel Sozialistische Art zu leben 1 Anstecknadel Arbeiter und Bauernmacht 1 Anstecknadel Mach mit 1 Anstecknadel Zivilverteidigung 5 Ausweise FDGB 3 Ausweise Arbeit und Sozialversicherung 2 Ausweise Sozialversicherung 2 Arbeitsbücher 1 Ahnenpass Dora 1 Ausstechformset VEB Staaken 1 Armbanduhr Agnex Watch 1 Armbanduhr Rabeta 1 Armbanduhr Goldstane 1 Armbanduhr Erbstück 1Armbanduhr Luch 1 Advents - und Weihnachtsglockenspiel 3 Aufgussbeutel Pfefferminze VEB Halle

1 Bestecktasche (Inhalt 4 Stk.) 1 Besteckschachtel (Inhalt 14 Stk.) 1 Besteckkiste Teelöffel (Inhalt 6 Stk.) 1 Besteckkiste Teelöffel (Inhalt 5 Stk.) 1 Besteckkiste Esslöffel (Inhalt 6 Stk.) 1 Besteckkiste Fritz Müller (Inhalt 12 Stk.) 1 Bilderrahmen Hochzeit 1 Bilderrahmen Crystal Collection 1 Bilderrahmen Zeitungsausschnitt 1 Bilderrahmen Familie 1 Bilderrahmen Alufolie 1 Bilderrahmen Ackeridylle 1 Bilderrahmen Trockenblume 1 Bilderrahmen Soldat 1 Bilderrahmen Garten 10 Becher Doppeldecker 1 Becher Tanzendes Paar 1 Becher Bast 1 Blechbecher und Halterung 0,5l 1 Bowle - Set a 1 Kelle b 1 Behälter und Deckel c 10 Gläser #46 12 Baumkerzen VEB Wittenberg #47 12 Blumensteckkerzen VEB Wittenberg #48 1 Brettspiel Hvatem Te! #49 1 Brille mit Lederetui #50 1 Brille mit Stoffetui Schier Optik #51 1 Brille mit Stoffetui Bordeaux

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#52 #53 #54 #55

1 Brille mit Plastiketui Krone Optik 1 Brille Perlmut 1 Brille Herren 1 Brillenetui a 61 Gedenksprüche #56 1 Brillenetui Gedenkanzeigen(124 Stk.) #57 1 Bluse Trockenblume #58 1 Bluse Rose #59 1 Bademantel Tulpe 1 Bäckerausbildungsnachweis #60 #61 9 Briefe 9 Briefumschläge #62 #63 1 Broschüre Oybin #64 1 Broschüre Moritzburg #65 1 Blechdose Germany Metal #66 1 Butterbrotpapier #67

#68 #69

1 Dokumententasche 1 Fotographie Firma 1 Personalausweis 1985 1 Rentenausweis 1987 1 Mitgliedsausweis 1972 7 Monatskarten 1992 1 Monatskarte 1993 1 Wochenkarte 4,00DM 1 Verhaltensregeln 1 Arbeiterausweis 1983 66 Dokumente 1Dokumententasche Schwarz

#70 #71 #72 #73

1 Eisbehälter 1 Elekrtonikzubehör 1 Elektronikzubehör 5 Eierbecher Neon

#74 #75 #76 #77 #78 #79

102 Fotografien 10 Feinstrumpfhosen 1 Föhn Z.W.T 12 Firecracker Filou 1 Familienstammbuch 1949 1 Facharbeitszeugnis

a b c d e f g h i

1 Glas Hirsch 1 Glas Auerhahn 1 Glas Hase 1 Glas Pin up Blond 1 Glas Pin up Schwarz 1 Glas Set a 5 Glasbecher b 1 Glasflasche c 1 Tablett 4 Glas Stiefel #86 2 Gewürzhalter Perlen #87 1 Gewürzhalter Heimat #88 1 Gera Gewürze Beifuß #89 1 Garderobe #90 1 Gartenstuhl Paradies #91 1 Gedenkmünze #92 1 Glaskugel #93 19 Gedenkkarten #94 16 Grußkarten #95 #80 #81 #82 #83 #84 #85

#97 #98 #99

#100 #101 #102 #103 #104 #105 #106 #107 #108 #109 #110 #111

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1 Handtasche FK 1 Kassenzettel 4 Cent 1 Kamm 1 Toilettenpapier 1 Handtasche Mint 30 Haushaltsbeutel VEB Gera 1 Handtasche Reise 42 Kontoauszüge 5 Briefumschläge 1 FDGB Wegweiser Usedom 4 Eintrittskarten 1 Veranstaltungsangebot Unsedom 1985 1 Gästekarte Interhotel Dresden 1973 1 Toilettenpapier 1 Wundpflaster VEB Jena 1 Kalender 1982 1 Verpflegungskarte Lausitz 1982 1 Brief Liebe Grüße Mutti 1985 1 Notiz 1 Kurzinformation für Prag 1 Hinweis Verwendung des Kurchecks 1 Garderobenmarke 220 1 Gewonnen 1 Punkt O.K. 1 Haarklammer 1 Hausschuhpaar Özlap 1 Handschuh Eisblume 1 Hundehalsband Asta 1 Handwerkskarte Gera 1962 6 Handgeschriebende Briefe 1 Impfpass für Hunde und Katzen

2 Kerzenständer Weihnachtskapellen 3 Kerzenständer Traumlicht 1Kerzenständer Holz 1 Kerzenständer Glasvogel 1 Kerze 1 Kuchenset a 1 Kuchenplatte b 6 Kuchenteller #112 1 Kalender 2010 #113 1 Kalender 2010 1 Kalender 2010 #114 2 Kalender 2009 #115 1 Kalender 1992 #116 1 Kalender 1990 #117 1 Kalender 1988 #118 1 Kalender 1980 #119 1 Kuchen Set (Inhalt 5 Stk.) #120 1 Kaffeefilterhalter Sonja #121 1 Kaffeekanne Kalhla #122 1 Kerszenständer Goldene Raute #123 2 Kerzen Zwiebelmuster #124 1 Kerze Flora #125 8 Kaugummipapier Donald #126 1 Krankenakte #127 1 Kleid Dederon #128 1 Kleid Sommer #129 3 Kleiderbügel #130 1 Kette Holzkugeln #131 1 Kette Platikkugeln Rosa #132 63 Knöpfe #134


#135 #136 #137 a b c d e f #138 #139 #140 #141 #142 #143 #144 #145 #146 a b c d e f #147 #148 #149 #150 #151 #152 #153 #154 #155 #156 #157 #158 #159 #160 #161 #162 #163 #164 #165

#166 #167 #168

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#170 #171 #172 #173 #174 #175

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1 Langlebensdauerlampe Narva 1 Linealset (Inhalt 4 Stk.) 1 Lockenwickler Set 26 Lockenwickler Plastik 1 Metalllockenwickler 3 Gummis 1 Haarklammer 4 Haarnadel Plastik 13 Metallhaarnadeln 1 Lamette 1 Likörglas Set (7 Stk.) 1 Lampe Krone 1 Lampe Zapfen 1 Lampe Flur 1 Muster a 1 Muster b 1 Muster c 1 Milchkkännchen Blümchen 1 Anstecknadel 1 Anstecknadel 1 Reisverschluss 1 Anstecker Arbeiter 3 Schlüssel 2 Bahnticket 1 Milchkännchen Kirschblüte 1 Milchkännchen Kaiser 2 Manschettenknopf (2 Stk.) 1 Mietquittungsbuch 1 Mappe Roter Mohn 6 Motivkarten Set 1 Nadelmappe Rose 1 Narva 60 W 1 Teigwarenmaschine 2 Negativfilme Foto 65 1 Narva 40W 1 Nautik Handseife 2 Nachrichtenmäuse 1 Nagelfeilenset Saphir Perfekt 1 Nachthemd Nachttraum 1 Nachthemd Mint 1 Nachthemd Rüschen 3 Notizbücher 1 Notitzbuch Self Made 1 Bleistift 1 Schreibblock 1 Postkarte Rudolstadt 1 Ostereier Set (Inhalt 12 Stk) 1 Obstschale Rosenkränzchen

1 Portemonaie a 1 KKH Kalender 2010 b 1 Busticket Stadt Saalfeld 27.10.2010 c 32 Cent 1 Portemonaie 1 Portemonaie Self Made a 3 Ausweise Schier Optik b 1 Paybackkarte Linda Apotheke c 1 Servicekarte AOK d 1 Unfallkarte Allianz e 1 Kundenkarte Gertruden Apotheke f 7 Artztermine g 1 Brotkarte Meister Bäcker h 5 Adressenzettel i 1 Rentenausweis j 1 Bankdaten k 2 Notizen 1 Portmemonaie a 1 Karte Diners Club International 1 Portemonaie 60 Pfennig 1 Plastikfigur Hase 3 Plastikrosen 3 Plastikgräser

#176 #177 #178 #179 #180 #181 #182 #183 #184 #185

1 Plastikkürbis 1 Plastikvogel 1 Plastikblumengesteck Orchidee 1 Plastikblumengesteck Rose 1 Pullover Lachs 1 Pullover Weiß 1 Plakette 1 Kübel Müll 2 Personalausweis DDR 61 Postkarten 1 Postkartenset Saalfeld

#186 #187 #188 #189 #190 #191 #192 #193 #194

1 Räuchermännchen 1 Räucherkerzen Knox 1 Regenschirm 1 Ratgeber Senioren und Diabetis 1 Röntgenaufnahme 1 Rundbürste 1 Regenschirm 1 Radio 1 Reisepass

#186 #187 #188 #189 #190 #191 #192 #193 #194 #195 #196 #197 #198 #199 #200 #201 #202 #203 #204

4 Schmöker Dort, wo man zu Hause ist 1 Souvenir Barbarossahöhle 1 Souvenir Leipzig 1 Souvenir Moritzburg 1 Kerzenständer Suhl 1 Souvenir Ahlbeck 1 Souvenir Königstein 1 Souvenir Thale 1 Souvenir mit 3 Würfeln Hexentanzplatz 1 Souvenir Gruß aus Kurort Walthersdorf 1 Schornsteinfeger mit Glückscent 1 Souvenir Saaletalsperre 1 Souvenir Karl- Marx- Stadt 1 Souvenir Am Rennsteig einst und jetzt‘ 1 Souvenir Postkutsche Schwarzatal 1 Souvenir Willhelm- Pieck- Stadt Guben 1 Seifenbehälter mit Seife 1 Schale 1 Schale Glasblume 4 Kassenzettel 1 kleine Vase 1 Goldkette mit Herzanhänger 1 Telefonnummer 1 Hundemarke 1 Schlüssel Abus 1 Leben mit Hochdruck 4 Beipackzettel 2 Rechnung 1 20.12.2007 1 Rubbellos 1 Schale 1 Schale 1 Schale 1 Schale 1 Anleitung Longdrinks Ernst Engelhard 5 Rezepte 5 Zeitungsartikel Haus und Hund 3 Notizen 1 Adresse Speisekartoffeln 1 Schachtel Likörgläser Glasw. Altenfeld 1 Schachtel Likörgläser Ernst Engelhard 1 Schraubverschluss Plastik Pink 1 Spiegel 11 Streichholzschachteln 1 Service Kaffee 6 Tassen 3 Teller 1 Zuckerdose 1 Milchkännchen 1 Kaffeekanne 1 Service Sonntag Schumann Bavaria 11 Tassen 10 Teller 1 Zuckerdose 1 Zuckerdose 1 Kaffeekanne 1 Sammeltasse Kastanie (vollständig) 1 Sammeltasse Raute (vollständig)

a b c d e f g h i j k #205 #206 #207 #208 a b c d e #209 #210 #211 #212 #213 #214 a b c d e #215 a b c d e #216 #217

#218 #219 #220 #221 #222 #223 #224 #225 #226 #227 #228 #229 #230 #230 #232 #233 #234 #235 #236 #237 #238

1 Schale Floral Bavaria Schumann 1 Schale Floral Bavaria Scharzenhammer 1 Sammeltasse3 Retro (vollständig) 1 Sammeltasse4 Aquarium (vollständig) 1 Sammeltasse5 Lapis (unvollständig) 1 Sammeltasse6 Stern (unvollständig) 1 Sammeltasse7 Abstrakt (unvollständig) 1 Schale Zwiebelmuster Kahla Made in GDR 1 Schale Gelbe Blume 2 Schale Kompott 2 Stoffblumen 1 Stoffblüte 1 Spiegel 1 Schlafanzug 1 Schürze Dederon 1 Schürze Dederon 1 Sparbüchse Tresor 258 2 Sparbücher 1940 2 Sparkassenbücher 2 Schlüssel 1 Spaßkarte Lokalwitze

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#243 #244 #245 #246 #247 #248 #249 #250 #251 #252 #253 #254 #255 #256 #257 #258 #259 #260 #262 #263 #264 #265

1 Thermometer 1 Teesieb Erdbeere 1 Tassen Set Lilie 6 Tassen 6 Teller 1 Tassen Set Blaue Blume 6 Tassen 6 Teller 3 Teller Glasblume 1 Teller Glasblume 1 Tasse Ursula 1 Tasse Rose 1 Tasse Wildlilie 1 Tasse Wiesenblume 1 Tassen Set Brautpaar 1 Der Silberbraut 1 Dem Silberbräutigam 1 Tablett Brautpaar Zur Silberhochzeit 1 Teller Floral 1 Teller Transparent 2 Teller Mohn 1 Tasse Zwiebelmuster 1 Tasse 1 Untertasse 1 Tablett Grün 1 Tablett Rot 1 Tablett Kirschblüte 1 Tuch 1 Tuch 1 Taschenuhr

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1 Untersetzer 1 Untersetzer Reh 1 Untersetzer Eisblume 6 Untersetzer Regenbogen 1 Uhr 1 Uhr 3 Unterhemden

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1Vase Germany 3 Vasen Bast 1 Vase Blau 1 Vase Grün 1 Vase Grün 1 Vase Weiß 1 Vase Weiß 8 Weihnachtsdekoration Glocken 36 Weihanchtsdekoration Kugeln 1 Weihanchsdekoration Leuchtpyramide 16 Weihanchtskerzen Wachswarenfabrik Nordhausen 5 Weihnachtsdekoration Variation 1 Wandbild Eber 1 Wandbild Rerik 1 Wandbild Schuh 1 Weihnachtsdekoration Stern 10 Weihnachtsdekoration Glocken 1 Wandbild Ahlbeck 1 Wandbild Wernigerode 1 Wandteller 1 Waschmittelhalterung Soda Sand Seife 1 Wehrpass 1 Zigarrenset Tablett 1 Zuckerdose Blümchen 25 1 Zuckerdose Kirschblüte

a b #242 a b


L i e b e M a d a m e F. , Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie zum Beispiel in Ihrem Schmökerroman lesen. Eine Geschichte, die Sie noch nicht kennen, aber in die Sie sich hineinlesen können. Am Anfang bekommen Sie einen groben Einblick in die Handlung. Ihnen wird die Siutation der Hauptfigur beschrieben. Wer sie ist, wo sie her kommt, was sie macht. Dann nimmt die Geschichte ihren Lauf und Sie können das Heft einfach nicht weglegen, weil sie glauben den Protagonisten zu verstehen. Ich erzähle Ihnen von der Geschichte, in der ich mich gerade befinde. Es geht um eine Frau, die am 06. Juni 1940 in Saalfeld geboren wurde. Sie lebte zusammen mit ihrem Bruder Manfred bei ihrer Mutter Dora. Ihr Vater ist im zweiten Weltkrieg gefallen. Sie war die Jüngste dieser Familie. Sie wuchs mit den strebsamen Prinzipien der Deutschen Demokratischen Republik auf und musste sich als Frau darin behaupten. Von Ihr wurde verlangt, dass sie als Mutter und Arbeiterin den Fortschritt des Landes bestärkt. Doch sie konnte das niemals erfüllen. Sie konnte nicht beide Rollen übernehmen. Sie erfuhr niemals, wie es sich anfühlt von einem Mann geliebt zu werden. Sie sollte niemals erfahren, wie es ist eine Mutter zu sein. Die Arbeit war ihre Erfüllung. Bodenständig, aber mit Zielen fügte sie sich in die Klasse der Arbeiter ein, um anerkannt zu werden. Voller Zuwendung und Aufopferungsgabe war sie stets bereit zu helfen, auch wenn es nicht notwendig war. Unauffällig und aus der zweiten Reihe verschaffte sie sich eine Stimme. Für sich selbst. Als Bestarbeiterin im „Verdienst des sozialistischen Wettbewerbs“, war sie Vorbild und Freundin der Gesellschaft der DDR. Ein Leben gewidmet der Arbeit. Die Mauer fiel und mit ihr auch die Mutter und der Bruder. Sie war die letzte Ihrer Familie, allein in einer ganz neuen Welt, ohne Rückhalt und Beistand. Niemand, der mehr da war, als sie von der Arbeit nach Hause kam. Niemanden an den sie hätte Postkarten schreiben können. Die Welt stand ihr, in einem vereinten Deutschland offen, doch sie vergrub sich immer mehr in sich selbst und schuf eine Einsamkeit in Extase. 26

Ich kenne Madame F. nicht. Ich dringe in ihre Privatsphäre ein, verschaffe mir Eintritt zu ihrer Wohnung, obwohl es dort Dinge Eindrücke gab, die niemand hätte sehen dürfen. Meine Theoriearbeit widme ich ihr in Briefform. Ich spreche sie persönlich an und konfrontiere sie mit meinem Thema. Eine Antwort kann ich nicht erwarten. Aber ich hatte das Bedürfnis Frau F. zu erklären, was ich bei gesucht und gefunden habe. Durch mich bekommt sie einen Wert, den sie für sich selbst nicht mehr sah. Meine Abschlussarbeit ist ein Andenken an ihr gelebtes Leben. Auszug aus "Liebe Madame F." Juni 2011


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D i e K ä s t e n Meistens stehen sie ohne ihren Inhalt am Straßenrand. Die Stellflächen fpr die Dinge. Auf dem Sperrmüll fand ich vier Sammelkisten. Auch Dinge, die entsorgt werden sollten. Zufällig traf ich die Frau, die gerade ihre Möbel vor ihr Haus stellte. Sie erzählte mir, dass diese Kästen ihrem Mann gehörten. Er habe darin kleine Figuren gesammelt. Aber sie hätte keine Verwendung mehr dafür. Vier Wände für die Dinge von Madame F. . Zusammen mit den Kästen entstand die Fotoreihe "die Kästen." (April 2011) Wie wirken unterschiedlichste Dinge in einer Szene? 28


Die Familie -zeigt das Hochzeitsfoto der Eltern 1938 und die Dinge, die aus der Zeit stammen kรถnnten. #139 Likรถrglasset #279 Vase WeiรŸ #35 Bilderrahmen Familie #173 Plastikfigur Hase #65 Blechdose Geramny Metal

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Manfred -geboren 1938. Aus den Dokumenten entnahm ich einige Verweise wegen Trunkenheit. #83 Glas Pin Up Blond #84 Glas Pin Up Schwarz #86 4Glas Stiefel #54 Brille Herren #36 Bilderrahmen Alufolie #20 Armbanduhr Rabeta #235 Sparbuch Manfred #183 Personalausweis Manfred #189 Souvenir Moritzburg

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Kaffee und Kuchen -ein komplettes Kaffeeservice, mit Dekoration. Ich stellte mir eine gem端tliche Tafel, am Sonntag vor, an dem Madame F. gerne ihre Freundinnen einlud. #214 Service Sonntag Schuhmann Bavaria a 4 Tassen b 1 Teller c 1 Zuckerdose e 1 Kaffeekanne

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Die Einsamkeit Madame F. -sie zählt die Zeit, Stille, es ist kein Tisch gedeckt. Sie starrt auf Wände. #112 Holzkalender Likörglasset #287Wandbild Schuh #297 Zuckerdose Blümchen #146 Milchkännchen Blümchen #278 Vase Glas Briefpapier Roter Mohn

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Das Badezimmer -ich fand keinen Hinweis für einen Partner außer das Portrait eines fremden Mannes. Sie machte sich schön für ihn. #137 a 26 Lockenwickler Plastik #51,52,53 Brillen #108 Kerzenständer Holz #22,23 verschiedene Armbanduhren #212 Spiegel #146 a Anstecknadel #05,09,10 Anstecknadel DDR #195 Grüße aus Kurort Walthersdorf #137 b Metalllockenwickler #191 Rundbürste #202 Seifenbehälter mit Seife

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Dort wo man zu Hause ist. -da sizt sie mit ihrem Schmöker. Die Pantoffeln an den Füssen. Den Pfefferminztee neben der brennenden Kerze. #186 Schmöker, dort wo man zu Hause ist #100 Hausschuh Özlap #109 Kerzenständer Glasvogel #25 Aufgussbeutel Pfefferminze VEB Halle #257 Tasse

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Neue Ufer -zeigt Souvenirs #197 Souvenir Saaletalsperre #290 Wandbild Ahlbeck #286 Wandbild Rerik #173 Souvenir mit 3 W端rfeln Hexentanzplatz #192 Souvenir Ahlbeck (kleines Schiff) # Souvenir Moritzburg #275 Vase Blau

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Das blühende Leben -zeigt die Auffälligkeit der alltäglichen blühenden Verzierungen. Madame F. als Blume, die nie wirklich blühte. #38 Bilderrahmen Trockenblume #153 Nadelmappe Rose #229 Stoffblüte #268Zuckerdose Kirschblüte #101 Hnadschuhe Eisblume

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In der Fotosserie behandelte ich Madame F.´s Dinge wie meine Sammlung. Ich räumte sie aus dem Keller und brachte sie in einem zweiten Umzug von der Abraham-Lincoln Straße in den "Laden" der Trierer Straße. Meinen Arbeitsraum. Dort wird einer Hand voll Studenten der nötige Platz geboten, sich auszudrücken. Ich nutzte meinen Platz, um ein sporadisches Fotoset aufzubauen. Die Kästen sah ich als Metapher für das Saalfeldhaus. Die Kästenböden bespannte ich mit Originaltapeten aus dem Lebensraum der Frau F. und inzenierte experimentell mögliche Szenen aus ihrem Umfeld. Ich dekorierte die einzelnen Bilder mit Schnittblumen des Frühlings. Dargestellt wird der Kontrast von Ewigkeit und Verfall und meine vernebelte Sicht auf die Tatsachen.

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Madame F. sammelte Todesspr端che

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Madame F.  

There was no one could tell me any story of her, ecxept her private things. this catalogue explains my way with the things of madame f.

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