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KLARTEXT „DEN DIGITALEN WANDEL UNTERSTÜTZEN“ Die Digitalisierung gilt zugleich als eine der größten Chancen und eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wie ist die deutsche Industrie hier aufgestellt und wie wird sich Industrie 4.0 auf die nationalen und internationalen Wirtschaftsbeziehungen auswirken? – Darüber haben wir mit Dieter Kempf, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), gesprochen.

Die Digitalisierung hat längst die Industrie erreicht. Wie gut sehen Sie das produzierende Gewerbe und, im Besonderen die Stahlindustrie, hier aufgestellt? Deutschland hat mit Industrie 4.0 ein gutes Konzept für die digitale Transformation. Die vergangene Hannover Messe hat die Bedeutung von Industrie 4.0 gezeigt. Die Hallen waren voll mit digital vernetzten Maschinen und Anlagen, Sensoren zur Datenerfassung und Robotern. Auch die Stahlindustrie treibt den digitalen Wandel voran. Jedes siebte Unternehmen der Stahlindustrie investiert mehr als sechs Prozent seines Umsatzes in die digitale Transformation, in fünf Jahren wird es jedes dritte Unternehmen sein. Insgesamt ist auf dem Gebiet aber noch Luft nach oben. Im erstmals erhobenen Digitalisierungsindikator von BDI und acatech liegt Deutschland deutlich hinter anderen Industrienationen auf Rang 17. Es gibt zwar reihenweise digitale Vorreiter, doch gerade bei den kleinen Unternehmen und in wenig technologieinten-­ siven Branchen ist die Durchdringung mit digitalen Technologien gering. Was sollte die Politik tun, damit die deutsche Wirtschaft beim Thema Digitalisierung nicht abgehängt wird? Die Politik kann keine digitalen Weltmarktführer erschaffen, aber sie kann den digitalen Wandel unterstützen. Indem sie den Ausbau von schnellem Internet vorantreibt, bei der Bildung Weitblick zeigt, die Rahmenbedingungen für Wagniskapital verbessert und beim E-Government endlich ein gutes Beispiel gibt. Die wichtigste Aufgabe der Politik ist es aber, die Chancen der Digitalisierung in den Vordergrund zu stellen. Sie darf sich nicht dazu verleiten lassen, mögliche Risiken durch ausufernde gesetzliche Vorschriften begrenzen zu wollen. Deutschland kann

bei der Digitalisierung nur vorne mitspielen, wenn sich digitale Innovationen frei entfalten können. Welches Potenzial sehen Sie, wenn Sie an eine digital vernetzte Produktion denken? Wohin geht die Reise in den nächsten 20 Jahren? Die Möglichkeiten von Industrie 4.0 lassen die Herzen vieler Ingenieure höherschlagen. Da alles, was im und um das Unternehmen passiert, digital erfasst wird, können Prozesse viel schlanker und flexibler gestaltet werden. Zudem ermöglicht Industrie 4.0 eine engere Verbindung zum Kunden. Früher war die Beziehung zum Kunden mit dem Verkauf eines Produktes häufig abgeschlossen. Im Zeitalter der digitalen Vernetzung fängt die Beziehung zum Kunden erst nach dem Verkauf richtig an. Zukünftig kann ein Unternehmen nachvollziehen, wie und in welchem Umfang der Kunde ein Produkt nutzt – vorausgesetzt, er darf auf die Daten zugreifen. Diese Kenntnis ist wertvoll, um die eigenen Produkte noch genauer an die Kundenbedürfnisse anzupassen und neue Geschäftsmodelle anzubieten. Inwieweit wird sich dadurch die Rolle der deutschen Industrie in der Welt verändern? Ich bin zuversichtlich, dass die deutsche Industrie ihre Spitzenposition halten kann. Die Voraussetzungen sind hervorragend. Aber die Industrie muss sich auch ein Stück weit neu erfinden. Viele Unternehmen sehen sich als Anbieter von Produkten und nicht als Anbieter digitaler Dienstleistungen. Dabei ist es die Kombination aus beidem, die Industrie 4.0 so spannend macht. Zum Beispiel hat ein Pumpenhersteller eine App entwickelt, die anhand der Motorengeräusche erkennt, ob eine Pumpe sparsam läuft. Solche Dienstleistungen ergänzen die Produktpalette von Unternehmen perfekt, ihre Entwicklung setzt aber auch eine Menge IT-Know-how voraus. Das müssen sich die Unternehmen schnellstmöglich aneignen.

Stahl - DAS MAGAZIN | 1/2018  

Schwerpunktthema: Die Zukunft ist smart

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