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Europäischer Emissionsrechtehandel

Mehr Realismus notwendig Die Verringerung der Treibhausgasemissionen ist eine der wichtigsten politischen Aufgaben. Dem Schutz des Klimas stellt sich auch die Stahlindustrie und hat ihre CO2-Emissionen in den vergangenen Jahren bereits deutlich gesenkt. Eine Vorreiterrolle Deutschlands und Europas darf jedoch nicht zu Lasten der industriellen Wettbewerbsfähigkeit gehen.

ierlich fortsetzende Verringerung der Zuteilung vorgesehen. Bereits in der Handelsperiode 2013 bis 2020 kommt es daher zu einer erheblichen Unterdeckung an Zertifikaten von durchschnittlich 21 Prozent pro Jahr. Auch wenn die krisenbedingt nicht verbrauchten Zertifikate-Mengen aus den vergangenen Jahren hier zunächst dämpfend wirken, werden spätestens ab 2018 in erheblichem Umfang Emissionsrechte zugekauft werden müssen.

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Im Jahr 2030 erhalten die Stahlunternehmen nach dem Willen der Europäischen Kommission trotz kostenloser Zuteilung nur noch für 60 Prozent ihrer Emissionen kostenfreie Zertifikate. In Kombination mit dem drohenden erheblichen Anstieg des Zertifikatepreises in den kommenden Jahren könnten die Belastungen bis 2030 auf bis zu 1,4 Milliarden Euro im Jahr steigen. In diesem Szenario würde sich

ie Stahlindustrie ist eine von Produktionsverlagerungen gefährdete Branche. Sie steht in einem intensiven globalen Wettbewerb. Zugleich ist sie in hohem Maße auf Kohlenstoffträger wie Koks und Kohle angewiesen, um aus Eisenerzen Eisen und Stahl zu erzeugen. Je höher die Kosten durch klimapolitische Maßnahmen, desto größer ist das Risiko einer Verlagerung von Produktionsstandorten in andere Länder ohne entsprechende Regelungen.

die deutsche und europäische Stahlindustrie im Wettbewerb mit Konkurrenten aus Ländern ohne Emissionsrechtehandel langfristig nicht behaupten können. Die Stahlindustrie in Deutschland setzt sich daher dafür ein, dass die Reform des Emissionshandels für die Zeit 2020 bis 2030 so ausgestaltet wird, dass die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Grundstoffindustrien erhalten bleibt und zugleich wirksame Anreize für den Klimaschutz gesetzt werden: • Eine kostenfreie Zuteilung auf Basis realistischer Benchmarks und ohne Verknappung durch einen Korrekturfaktor • Eine Ableitung dieser Benchmarks aus den Emissionen der zehn Prozent emissionsärmsten Anlagen ohne Abzüge bei den Kuppelgasen • Eine Orientierung an der tatsächlichen Produktionsentwicklung Mit höheren CO2-Preisen werden auch die Strompreise stark ansteigen. Deshalb ist auch eine Fortsetzung der Strompreiskompensation erforderlich und sollte sogar – anders als bisher – vollständig erfolgen.

Nur ein weltweites Klimaabkommen bringt ein Stück mehr Wettbewerbsgleichheit zurück – und hilft auch wirklich dem Weltklima. Entscheidend ist dabei, dass die Stahlindustrie in allen wesentlichen Industrie- und Schwellenländern den gleichen Auflagen unterliegt. Europa kann dem Klimawandel nicht allein begegnen, insbesondere dann nicht, wenn Stahl zu schlechteren Umweltbedingungen woanders auf der Welt produziert wird.

Stahl hilft auch auf der Produktebene, Treibhausgase zu reduzieren – bis zu sechsmal mehr CO 2 kann durch effiziente Stahlnutzung gespart werden als bei der Erzeugung freigesetzt wird. Durch Ökobilanzen, die den Umweltbereich ganzheitlich betrachten, wird deutlich, dass z. B. Stahlrecycling neben der Emissionsminderung auch zu Energieeinsparungen und Umweltentlastungen in vielen weiteren Bereichen führt. Diese herausragenden Vorteile von Stahl gegenüber anderen Werkstoffen sollten politische Entscheider beachten.

Seit 2013 muss die Stahlindustrie mit einer Zuteilung von CO2-Zertifikaten aufgrund von Richtwerten (Benchmarks) leben, die technisch nicht erreichbar sind. Darüber hinaus ist in den kommenden Jahren und Jahrzehnten eine sich kontinu-

Perspektiven mit Stahl

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Perspektiven mit Stahl  

Fest verwurzelt. Was die Stahlindustrie für eine nachhaltige Gesellschaft leistet.

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