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Vereinbarkeit von Energie-, Effizienz- und Klimazielen

Das Ganze im Blick behalten Deutschland und Europa haben sich einiges vorgenommen: Weniger Energie soll verbraucht, Ressourcen sollen geschont, Emissionen verringert und so die Klimaerwärmung gestoppt werden. Dies ist sinnvoll. Doch alles auf einmal zu erreichen, stellt die Industrie vor gewaltige Herausforderungen.

Die Erzeugung von hochlegiertem Stahl erfordert etwa zehn Prozent mehr Energie als einfachere Sorten. Der Vorteil: Es reicht eine kleinere Menge Werkstoff aus, um die erwünschte Leistung zu erbringen. Der Ressourcenverbrauch sinkt. Insgesamt zahlt sich der energetische Mehraufwand also aus, da aus hochwertigen Stählen emissionsarme und energiesparende Produkte entstehen.

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Emissionsminderung braucht Energie Bei der Stahlherstellung sind Emissionsminderungen zum Teil nur mit höherem Energieaufwand möglich. Ein Beispiel bietet die Luftreinhaltung, die seit Jahren erfolgreich in den Stahlunternehem in Deutschland umgesetzt wird. Je größer und besser die Filtersysteme, desto mehr Energie benötigen sie für ihren Betrieb. Bisher konnte dieser Mehrbedarf durch eine massive Steigerung der Energieeffizienz in der Produktion kompensiert werden. Dieses Potenzial ist aber inzwischen für die Stahlunternehmen in Deutschland weitgehend ausgeschöpft.

leichzeitig klimabewusst, ressourcenschonend und energiesparend zu handeln, mag im Alltag funktionieren. Für eine energieintensive Industrie, wie die Stahlindustrie, ist das hochgradig komplex. Und es geht nicht in erster Linie um die Kosten, sondern vielmehr um die Frage, wie die Ziele erreicht werden und welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Zwischen der Senkung des Energieverbrauchs, der Ressourceneffizienz und der Emissionsminderung existieren in der Summe auch Konflikte, die in der Praxis schwer aufzulösen sind. Der Energiebedarf der Stahlindustrie ist, gemessen an der Tonne Produkt, deutlich zurückgegangen. Dennoch: Die Stahlindustrie bleibt auch in Zukunft energieintensiv. Stahlherstellung und -fertigung werden sogar etwas mehr Energieeinsatz erfordern, da zusätzliche Prozessschritte notwendig sind, um besonders leistungsfähige Stähle, etwa für leichte Automobile, zu erzeugen. Ein Beispiel:

Eine Senkung des CO2-Ausstoßes, um die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad zu begrenzen, kann nur mit einem technologischen Durchbruch geschafft werden. Da sind sich alle Experten einig. An der Weiterverwendung des Gases (Carbon Capture and Use (CCU)), z. B. als Kraftstoff, wird zurzeit geforscht. „Solche Projekte haben das Potenzial, den CO2-Ausstoß der Hütte auf nahezu Null zu reduzieren“, so Dr. Reinhold Achatz, Tech-

Rückgang des Energiebedarfs pro Tonne

Quelle: Stahlinstitut VDEh

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Perspektiven mit Stahl

nologiechef der Thyssen Krupp AG. Bis zur Umsetzung werden allerdings noch viele Jahre vergehen. Investitionen in derartige Pionierarbeiten lohnen sich allerdings nur dann, wenn die Politik dem Standort eine Zukunft und der Industrie die notwendige Zeit zur Erforschung neuer Technologien gibt. Eine andere Lösung wäre das Einfangen und die Speicherung des erzeugten CO2 durch die CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage). Dies reduziert zwar Emissionen, erhöht aber auch den Energieverbrauch erheblich. Große Gasmengen aufzufangen und zu verdichten ist energieintensiv. Darüber hinaus ist die Zukunft des CCS in Europa aufgrund der mangelnden gesellschaftlichen Akzeptanz äußerst unsicher.

Den ganzen Lebenszyklus betrachten Am Beispiel der Stahlindustrie wird deutlich, dass Energie-, Effizienz- und Klimaziele gar nicht so einfach in Einklang zu bringen sind. Die Zielkonflikte werden vor allem dann deutlich, wenn lediglich die Herstellung von Stahl betrachtet wird, nicht aber die gesamte Lebensdauer des Werkstoffs. Stahl wird nicht verbraucht, sondern benutzt, denn er ist zu hundert Prozent recyclingfähig. Mit jedem neuen Lebenszyklus sinken die Emissionen und der Energieverbrauch bezogen auf die Materialverwendung. Wird das berücksichtigt, ist klar, dass Stahl durchaus zur Erreichung der einzelnen Ziele beitragen kann. Um die industrielle Realität zu berücksichtigen, muss der komplette Lebenszyklus betrachtet werden. Eine starre Regulierung der Emissionen am Schornstein wird der Komplexität der Aufgabe nicht gerecht. Vor allem aber muss noch ein weiterer Zielkonflikt in den Blick genommen werden: Investitionen in Klima- und Umweltschutz sowie in Energieeffizienz sind mit Kosten verbunden. Dies gilt erst recht, je weiter die Potenziale ausgereizt werden. Durch diese zusätzlichen Kosten droht schlimmstenfalls der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit. Dann verlagert sich die Produktion des benötigten Stahls in jene Länder, in denen Umweltschutzmaßnahmen nur eine Nebenrolle spielen. Damit wäre dem Weltklima nicht geholfen.

Perspektiven mit Stahl  

Fest verwurzelt. Was die Stahlindustrie für eine nachhaltige Gesellschaft leistet.

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