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BesonderLand Entdecken Sie mit uns die Besonderheiten des Landkreises Fürth! BesonderLand Waldwiese – mit Richard und Bautz, 14 PS Vor geraumer Zeit bin ich nach einem Chorkonzert in Kirchfarrnbachs Kirche Richard aus Kreben wieder begegnet: Ein tatkräftiger Mann, der in einem Haus mit besonderer Sonnenuhr lebt – auf diesem Bauernhof aufgewachsen und in seinem Arbeitsleben rund 25 Jahre bei der MAN tätig. Seine noch berufstätige Frau Erika schickte ihn unlängst bei einer Geburtstagsfeier geschwind nachhause, um Schürze und Kopftuch zu holen, damit sie nun die Lebensgeschichte einer solchen vielfach verwendbaren Schürze vortragen konnte. Das Fasziniernde an diesen beiden: Sie sind auch für andere Lebensbereiche aufgeschlossen. Wenn wir zusammentreffen, haben sie Zeit für uns und sie denken mit: Was den NichtLandkreis’ler interessieren könnte. Ein lebendiges Hin-und-Her hat sich entwickelt: Richard ruft an, wenn er stattliche Steinpilze gefunden hat; er kennt meine Freude an versteinerten Holzstücken; in seinem weitläufigen Garten gedeihen auch Vogelbeeren; überdies steht vor seinem Haus in Kreben ein gut tragender Birnbaum aus dem Jahre 1888. Bei diesem Freund spürte ich tiefe Besorgnis, als er wahrnahm, daß seine Nahheimat bald ganz von Windstrom-Riesenstangen umstellt werden könnte. Es ist nicht Angst vor eigener Bedrohung, sondern Sorge um die über die Maßen ausgenutzte und zugestellte Heimatlandschaft. Es kann auch passieren, dass er anruft, weil er bei Iphofen von einem Heimatdichter las, den er nicht kannte: Michael Georg Conrad. Richard hat einen besonderen Blick für seine Landschaft, da er sich um ihren Fortbestand sorgt. Wir beschlossen eines Tages, seine Waldwiese näher in Augenschein zu nehmen. Wir fuhren mit seinem Cabrio – einem hochbetagten, hell-

grün glänzenden Bautz-Bulldog, der mit 14 PS auskommt – zur Kohlplatte, wo einst ein Mann Holzkohle gewann. Dieses einst, dies ihm vertraute früher nimmt er als Maßstab: Früher gab’s hier zur Pilzzeit viel „Gelberli“ – seit niemand dort mehr Streu recht, gibt’s diese Pfiffer nicht mehr. Den Bautz an seinem Waldrand stehen lassend, da fiel mir Richards Pilzblick auf: Schon von Weitem erkannte er einen Sandröhrling und Steinpilze. Wissend, daß seine Nahheimat auch eine Kiebitz-Gegend ist, sorgt er sich auch um den Fortbestand seines Waldes. Den teilweise lückigen Föhrenbestand als Laubwald neu aufzuforsten, das erschien ihm zu starr. Er hat neben Weißtannen auch amerikanische Tannen und Roteichen gepflanzt: Ein schon 30 Jahre gedeihender Baum wird halt erst nach 100 Jahren nützlich; wuchernden Brombeeren gilt es, Einhalt zu gebieten. Schwierig wird zwischendurch das Fällen eines ‚fälligen’ Baums – ohne Schaden anzurichten am UnterGepflanzten. An mancher jungen Rinde macht der Rehböcke Wetzen Schaden; zwischendurch gilt es, einen Zwiesel, einen zweistämmig hochwachsenden Baum herauszunehmen. Auch fällt Richard auf, dass wegen der Pilzsammler das Rehwild viel flüchten muss – aber früher … „Und heuer ist die ganze Natur anders“; er erinnert an den 12. Februar 1945, als sein Dorf von den Amerikanern beschossen wurde. Seine Wachsamkeit ist etwas Besonderes – mehr als nur besorgte Anzeilnahme: „Wennst in Wald nausgehst und hast Sorgen, dann sind’s da bald weg.“ Als wir mit dem inzwischen leicht bestaubten Bautz zurückfuhren, hinauf zum hier höchsten Punkt von 406 Metern, nahe dem 3-Landkreise-Treffpunkt von FÜ-NEA-AN, vorbei am Naturdenkmal einer stattlichen Eiche, da stob ein Schwarm von Graureihern auf, in deren Mitte Richard einen Silberreiher erkannte. Tags darauf rief er an: Er habe hier einen Schwarz-

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storch auf seinem Südzug gesehen. Das Land um Richards verpachtete Waldwiese teilte sich als Teil vom Besonderland mit: Ich hatte Pappeln, Lärchen und Eiben als Nachwuchs vom Freund Richard miterlebt. Text & Foto: Godehard Schramm

Kennen Sie auch besondere Orte, Menschen oder Eigenheiten unseres Landkreises, die wir unbedingt an dieser Stelle vorstellen sollten? Dann schreiben Sie uns: regionalmanagement@lra-fue.bayern.de

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Lkm 2014 18 fürs netz  

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