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SPEZ.14647

Das Magazin von Stadtwerk Winterthur

2/2010

Wind projekt «O c e a n B r e e z e »

Meeresbrise für Winterthur || Seite 8

Energieverbrauch So lässt sich im Haushalt einfach Energie sparen || Seite 10

Sonnenhunger

Die Sonne macht Menschen glücklich und liefert wertvolle Energie || Seite 12


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Aufbruch allenthalben Das Winterthurer Stimmvolk hat im März dem Vorhaben von Stadtwerk Winterthur zugestimmt, in einen Windpark in der Nordsee zu investieren. Ein wichtiger Schritt in Richtung Zugang zu Stromproduktionsstätten. Winterthur mit seiner kleinen Eigenproduktionsquote hat eine ungünstige Ausgangslage für die Zukunft. Mit dem

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Ja zum Windpark «Ocean Breeze» eröffnen sich deshalb neue Möglichkeiten für Stadtwerk Winterthur. Übrigens: Haben Sie es bemerkt? Ihr ENERGIE kommt in neuer, zeitgemässer Aufmachung daher. Aufbruch auch hier also. Wir hoffen, es gefällt. Maddalena Pellegrino, Leiterin Kommunikation

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Stadtwerk Winterthur setzt vermehrt auf Windenergie. Volle Fahrt in die Sonne.

Energiesparen: effizient und einfach.

Die Sonne als Energiequelle nutzen.

8 Windenergie

Das Projekt in der Nordsee 10 Energieverbrauch

Tipps zum Energiesparen 12 S chwer punkt

Sonnenhunger 16 I nfografik

Energiequelle Sonne 18 E nergiekrise in Südafrika

Steilpass oder Eigentor? 20 A usbildungen im Energiebereich

Im Kern gespalten 22 Sicherheit

Was ist das ENSI?

Titelbild: BARD-Gruppe

24 Selbstversuch Stadtwerk Winterthur Telefonzentrale: 052 267 61 61 Pikettdienste (ausserhalb der Bürozeiten): Strom/Telekom: 052 213 51 35 Energie-Contracting/Erdgas/Fernwärme/Wasser: Telefon 052 212 18 11

Acht Stunden in der Dunkelheit 26 L eserreise Schweiz

Grimsel: Wo die Energien fliessen 29 A uf und davon

Elektrogeräte im Reisegepäck IMO - COC - 025036


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Leuchtdioden

Winterthur unterwegs

Was leuchtet denn hier?

Ausfliegen und Klima schonen

Von blossem Auge sind die Dinger kaum zu erkennen. Schaltet man aber den Strom ein, erscheinen sie wie von Zauberhand. «LightForm» nennt der LED-Spezialist Grote Industries Europe eine neue Technik, bei der 0,3 Milli­ meter grosse Leuchtdioden zwischen zwei dünnen Folien eingebettet werden. Die Anordnung der LEDs, ihre Farbe und die Lichtintensität sind frei wählbar. Der Strom wird über hauchdünne Kupferleiter und Kabel zugeführt.

Für 38 Franken Klima schonend unterwegs – und das in der ganzen Schweiz! Die SBB-Tageskarten «Gemeinde», die Stadtwerk Winterthur im Auftrag der Stadt anbietet, erfreuen sich grosser Beliebtheit. Per 1. Februar wurde der Bestand aufgestockt. Mit der SBB-Tageskarte «Gemeinde» haben Sie freie Fahrt auf fast allen öffentlichen Verkehrsmitteln in der Schweiz. Die Karten sind jeweils für einen bestimmten Tag als Einzelkarten zweiter Klasse erhältlich und auch ohne Halbtax-Abonnement gültig. Nutzen Sie diese Möglichkeit für sommerliche Ausflüge – am besten kommen Sie unter der Woche zum Zug. www.stadtwerk.winterthur.ch\tageskarten Telefon 052 267 22 22

UV-Index

Sonnencreme obligatorisch

Alles so schön bunt hier: Autoliebhaber rücken ihre Fahrzeuge gerne mit LEDs ins rechte Licht.

UV-Strahlen sind ein Teil der Sonnenstrahlung. Wer sich ihnen ohne Schutz aussetzt, riskiert Langzeitschäden an Haut oder Immun­system. Das Bundesamt für Gesundheit und MeteoSchweiz publizieren darum im Internet täglich eine Karte, auf der die Stärke der UV-Strahlung für den nächsten Tag ersichtlich ist. Die abgebildete Karte zeigt die UV-Strahlung vom 10. Juli 2009 – einem ganz normalen Schaffhausen 6 Sommertag. In der Karte ist Basel die Bewölkung 6 bereits St. Gallen 5 Zürich 7 Delémont 6 berücksichtigt.

Neuchâtel

Jura

7

Bern

Fribourg

7 Lausanne

Luzern

5

7

Innerschweiz

Fotos: Grote Europe GmbH, zvg

Impressum: Internet: www.strom-zeitschrift.ch | 87. Jahrgang | Heft 2, Juni 2010 | Erscheint vierteljährlich | ISSN-1421-6698 | Verlag und Redaktion: Infel AG, Postfach 3080, 8021 Zürich, Telefon: 044 299 41 41, Telefax: 044 299 41 40, E-Mail: redaktion@infel.ch | Gesamtleitung: Beat Schaller | Verlagsleitung: Elmar zur Bonsen | Redaktion: Michael Frischkopf (Ltg.), Matthias Bill | Art Direction: Maya Schneeberger | Bildredaktion: Diana Ulrich | Druck und Distribution: Vogt-Schild Druck AG, Derendingen | Anzeigenmarketing: Infel AG, Telefon: 044 299 41 76 | Gesamtauflage: 780 201 Ex. (WEMF-beglaubigt).

5

8 6 6

Chur

5

Davos

6

Scoul

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7 Berner Oberland

Genève

Glarus

6

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Sion

7

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St. Moritz

Locarno

7 Bündnerland

Wallis

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11 10 9 +

Tessin

11 9 8 +

UV-Index

1 3 6 8 11

+

2 4 5 7 9 10

schwach mittel hoch sehr hoch extrem

kein Schutz erforderlich Schutz erforderlich: Hut, T-Shirt, Sonnenbrille, Sonnencreme Schutz erforderlich: Hut, T-Shirt, Sonnenbrille, Sonnencreme zusätzlicher Schutz erforderlich: Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden zusätzlicher Schutz erforderlich: Aufenthalt im Freien möglichst vermeiden

www.uv-index.ch


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90 GWh Ausgebremst

Cinéma Solaire

Sonniger Kinosommer

Das Cinéma Solaire bietet Freilichtkino in der Winterthurer Altstadt.

Das Freilichtkino gehört zum Sommer wie die Sonne. Ein Freilichtkino, das mit Sonnenenergie betrieben wird, bietet ein ganz besonderes Sommererlebnis. Genau das kann das Cinéma Solaire, das portable Solarkino, das Filme zeigt, die nur selten im Kino zu sehen sind, das an Orten eingerichtet wird, wo noch nie ein Film vorgeführt wurde, und das überrascht, weil es in zwei Veloanhänger passt. Dieses Jahr spielt das Cinéma Solaire, unterstützt von Stadtwerk Winterthur als Hauptsponsor, am 20. und 21. Juli beim Brunnen im Oberen Graben und vom 22. bis 24. Juli in der Pfarrgasse. Bei schönem Wetter erwartet Sie jeweils um 21.30 Uhr ein lauschiger Filmabend.

Wenn Lokführer unnötiges Abbremsen und Beschleunigen vermeiden können, sparen sie Energie. Entsprechend flüssig sollten ihre Fahrten sein. Eine im Jahr 2009 von den SBB durchgeführte und vom Bundesamt für Energie mitfinanzierte Studie beziffert das jährliche Sparpotenzial auf 90 Gigawattstunden. Das entspricht dem Stromverbrauch von über 22 000 Haushalten in der Schweiz. Mit dem Projekt «Adaptive Lenkung» bereiten die SBB nun die Umsetzung dieses Sparpotenzials vor. Quelle: Publikation energeia 2/2010, BFE

Das detaillierte Programm finden Sie unter www.cinema-solaire.ch

Kundenfreundlich

Erweiterter Webauftritt von Stadtwerk Winterthur Visuell überarbeitet und klar strukturiert – so präsentiert sich der neue Webauftritt von Stadtwerk Winterthur. Ab sofort stehen noch mehr Informationen und Dienstleistungen zur Verfügung. Informieren Sie sich beispielsweise in der Rubrik «Wissen» über das Thema Energie und testen Sie, welcher Energietyp Sie sind. Am Online-Schalter können Sie noch mehr Geschäftsfälle rund um die Uhr abwickeln. Zudem bietet die Webseite Möglichkeiten, die das Leben ein wenig erleichtern. So können Sie Termine und Kontakte von der Webseite direkt ins Outlook speichern, News als RSS-Feeds abonnieren, Standorte

auf Google-Maps anschauen oder das vorliegende Kundenmagazin «ENERGIE» am Bildschirm als ePaper lesen.

www.stadtwerk.winterthur.ch


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Angebot

Die tickt richtig Die Solaruhr wird mit einem schwarzen Lederband geliefert. Auf der Bodenrückseite kann eine Gravur angebracht werden.

Information und Bestellmöglichkeit: www.strom-zeitschrift.ch

Wer die exklusive Solaruhr am Handgelenk trägt, ist den Mitmenschen einen Tick voraus. Das hochwertige QuarzUhrwerk läuft dank moderner Schweizer Technik absolut zuverlässig. Das dreiteilige Gehäuse besitzt eine Lunette aus eloxiertem Aluminium, wahlweise in den Farben Grün oder Silber ge­ fertigt. Der Boden ist aus Stahl, und das gehärtete Glas ist bruch- und kratz­ resistent.

Minergie

Energie in Zahlen Der Baustandard «Minergie» existiert

1998. Seither wurden in der Schweiz rund 15 000 Gebäude seit

Stromproduktion

EU: Windenergie wächst am stärksten Von der 2009 in Europa neu installierten Kraftwerksleistung stammen rund 40 Prozent aus Windenergie. Keine andere Stromerzeugungstechnik hatte 2009 mehr Zuwachs. Windenergie deckt in der EU zurzeit 4,8 Prozent des Strombedarfs, in der Schweiz dagegen nur etwa 0,04 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden in der EU Windenergieanlagen mit rund 10 Gigawatt Leistung installiert. Das entspricht rund zehnmal dem Kernkraftwerk Leibstadt – allerdings nur von der Leistung her, nicht aber von der Stromproduktion. Der Grund für diesen wichtigen Unterschied: Ein Kernkraftwerk liefert bis auf die Revisionspause im Sommer immer Strom, während ein Windkraftwerk nur dann Strom produziert, wenn der Wind weder zu schwach noch zu stark weht.

nach Minergie, Minergie-P oder

Minergie-Eco gebaut oder modernisiert – Tendenz zunehmend: In den letzten

5 Jahren hat sich die Anzahl der Minergie-Gebäude ver3facht. 2008 war Minergie in den Städten Zürich und Winterthur beinahe Standard: respektive

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44 Prozent aller Neubau-

ten waren Minergie-Häuser. Im Tessin

oder in der Region Genfersee waren es nur

7 respektive 9 Prozent. Ein Rösti-

graben also? Generell ist die Minergie-

Dichte in städtischen Gebieten grösser als auf dem Land. Eine wichtige Rolle – mehr als die ökologische Gesinnung – spielt das Einkommen. Je reicher eine Gemeinde ist, desto mehr Minergie-

Fotos: Shigeki Fujiwara / Sebun Photo, Museo San Salvatore, Stefan Kubli

Gebäude befinden sich auf ihrem Gebiet. Klar: Minergie-Einfamilienhäuser sind im Moment im Schnitt noch

7 Pro­

zent teurer als herkömmliche Bauten. Auch Mieter sind für ökologisches Wohnen bereit, rund

5 Prozent mehr

Miete zu zahlen – sie bezahlen dafür

aber in der Regel weniger Nebenkosten. Generell hat sich der Minergie-Aufpreis in den letzten Jahren verringert – weil er eben zunehmend zum Standard wird. Deckt bald 5 Prozent des gesamten Energiebedarfs der EU: Strom aus Windkraftwerken.

Quelle: Marktanalyse ZKB, 2010: «Der Minergieboom unter der Lupe»


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Die Frage an Alexander Jacobi

Ausstellung

Dem Blitz auf der Spur

Was sind Schwall und Sunk?

Eine Ausstellung im Museo San Salvatore ob Lugano-Paradiso zeigt die geschichtliche Bedeutung der Naturerscheinung Blitz. Vorgestellt wird unter anderem eine ganz besondere Einrichtung der Blitzforschungsstation auf dem Monte San Salvatore. Gegen Vorlage des Billetts der Seilbahn ist der Eintritt in das Museum kostenlos. Öffnungszeiten von Mittwoch bis Sonntag: 10 bis 12 Uhr und 13 bis 15 Uhr. Montags und dienstags geschlossen. www.montesansalvatore.ch

Die exponierte Lage verspricht traumhafte Aussichten – die Ausstellung spannende Einsichten: der Monte San Salvatore.

Speicherkraftwerke können Strom genau dann produzieren, wenn er gebraucht wird. Deshalb kommt es vor, dass sie mehrmals täglich ein- und ausgeschaltet werden. Ergiesst sich das turbinierte Wasser in einen Fluss, steigt dessen Pegel beim Betrieb des Kraftwerks rasch stark an; das nennt man Schwall. Wird das Kraftwerk abgestellt, sinkt der Pegel fast schlagartig; das nennt man Sunk. Diese Schwankungen, welche die Gewässerökologie beeinträchtigen, lassen sich durch Ausgleichsbecken dämpfen.

Wollen Sie auch etwas wissen zu einem Energiethema? Senden Sie Ihre Frage an

jacobi@strom-zeitschrift.ch

Stromverbrauch

Der Rückgang ist keine Trendwende 2009 ist der Strom-Endverbrauch gesamtschweizerisch um  2,1  Prozent gesunken, wie das Bundesamt für Energie in der soeben publizierten Stromstatistik meldet. Allerdings: Der leichte Rückgang ist ein einmaliges Ereignis und zum grössten Teil konjunkturbedingt. Seit   1960   hat sich der Strom-End­ verbrauch nämlich fast vervierfacht: von   15 891  auf  57 449 GWh im letzten Jahr. Quelle: BFE

Entwicklung Schweizer Strom-Endverbrauch seit 1960 Gigawattstunden 70 000 60 000 50 000 40 000 30 000 20 000 10 000 0 1960

1970

1980

1990

2000

2010


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Die Windkraftanlagen in der Nordsee sehen aus wie dieses Modell.

Windenergie

Eine Brise für Winterthur

Fotos: Stefan Kubli; BARD-Gruppe

Winterthur will in Zukunft vermehrt in eigene Stromproduktion investieren. Stadtwerk Winterthur beteiligt sich an einem grösseren Windparkprojekt in der Nordsee.

Der Strombedarf wächst und wächst. Doch woher soll man den Strom nehmen? «Wir prüfen schon seit einiger Zeit verschiedene Projekte, um die Winterthurer Bevölkerung und Wirtschaft auch in ferner Zukunft sicher, ausreichend, erschwinglich und umweltverträglich beliefern zu können», erklärt Emil Bodenmann von Stadtwerk Winterthur. Heutzutage produziert Stadtwerk Winterthur lediglich 13 Prozent des Strombedarfs für Winterthur selber. Der Rest wird zugekauft. Diese Abhängigkeit ist für Winterthur ungünstig. «Ein Ausbau der Eigenproduktion im Strombereich ist uns wichtig», betont des-

halb auch Stadtrat Dr. Matthias Gfeller. «Doch wir wollen nicht in irgendein Projekt investieren, sondern bevorzugen Technologien, die genügend grosse Strommengen zu günstigen Preisen produzieren, und zwar umweltbewusst, das heisst CO2-arm.» Wind am geeignetsten Untersucht wurden diverse Projekte. Aus Gründen der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes kamen schliesslich Windprojekte in die engere Auswahl. Stadtwerk Winterthur entschied sich, auf Windenergie zu setzen, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis vor-


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Stromversorgung

Windprojekt «Ocean Breeze» Der Windpark «Ocean Breeze» entsteht in der Nordsee, 90 Kilometer nordwestlich von Borkum. Der Sandboden sowie die Wassertiefe von rund 40 Metern bieten hervorragende Standortverhältnisse. Ebenfalls ideal ist die durchschnittliche Windgeschwindigkeit von 36 Kilometern pro Stunde (zum Vergleich: 7 Kilometer pro Stunde in Winterthur). Gebaut werden 80 Turbinen zu je 5 Megawatt. Imposant ist die Grösse der einzelnen Turbinen. Die Nabenhöhe beträgt 101 Meter, der Rotor hat einen Durchmesser von 122 Metern. Jede Turbine wiegt rund 900 Tonnen.

Enorme Dimensionen: Die riesigen Rotorblätter ergeben zusammen einen Durchmesser von 122 Metern.

läufig eindeutig besser sei, erklärt Emil Bodenmann. Einziger Nachteil: In der Schweiz ist ein solches Projekt nicht realisierbar. «Wir haben nach geeigneten Standorten im Inland gesucht, aber die wenigen Landflecken, die in Frage kamen, waren schon reserviert», sagt der Projektleiter bei Stadtwerk Winterthur. Drei Länder beteiligt Fündig geworden ist Stadtwerk Winterthur deshalb im Ausland. «Ocean Breeze» nennt sich das Projekt, das die Anforderungen erfüllt. Dabei handelt es sich um einen grösseren Off-Shore-Windpark in der Nordsee, der voraussichtlich Ende 2010 den Betrieb aufnehmen wird. Geplant sind 80 Windturbinen mit einer Leistung von 400 Megawatt und einer Stromproduktion, die dem jährlichen Energieverbrauch von rund 400000 Haushalten entspricht. An diesem Grossprojekt beteiligen sich verschiedene Stadtwerke aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Stadtwerk Winterthur investiert 4,5 Millionen Franken, was einer Turbinenleistung von 2 Megawatt entspricht. Das Winterthurer Stimmvolk hat die Beteiligung an «Ocean Breeze» mit einem Ja-Stimmen-Anteil von rund 60 Prozent deutlich gutgeheissen.

Wird also demnächst Strom aus der Nordsee nach Winterthur fliessen? «Kurzfristig ist das so nicht vorgesehen. Für uns ist das Projekt vorläufig ein Beitrag zur Förderung der Produktion von Strom aus neuen erneuerbaren Energien. Zusätzlich ist es aber auch wirtschaftlich interessant und stellt für uns einen wichtigen Zugang zur Grossproduktion dar», sagt Projektleiter Emil Bodenmann und fügt hinzu: «Ich denke aber, dass wir in rund zehn bis zwanzig Jahren angesichts des drohenden Stromengpasses froh sein werden, diese Stromquelle zu besitzen.» Auch Stadtrat Dr. Matthias Gfeller betont: «Dies ist ein Beitrag, um die Stromversorgung in Winterthur langfristig zu sichern.» Weitere Projekte dieser Art sollen folgen. «Ocean Breeze» ist mit seinen 2 Megawatt erst der Anfang. Der Stadtrat betont zudem, dass dieses Off-ShoreProjekt in der Nordsee nicht zuletzt die Vier-SäulenStrategie des Bundesrates unterstütze: Energieeffizienz und Energiesparen, Förderung erneuerbarer Energien, Investitionen in Grosskraftwerke und aktive Energieaussen­politik. Gfeller betont: «Mit der Beteiligung an «Ocean Breeze» decken wir gleich die drei letzten dieser vier Säulen ab!» Daliah Kremer


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Wohnzimmer/Küche: Wohnzimmer: Achten Sie beim Kauf von Unterhaltungselektronik generell auf einen geringen Standby-Verbrauch oder verwenden Sie eine Steckdosenleiste. Küche: Küchengeräte stehen während Jahrzehnten im Einsatz. Wählen Sie daher immer die beste Effizienzklasse (siehe «Kurz erklärt»). Diese ist übrigens nicht A, sondern A++. Der Unterschied ist enorm; ein A-Gerät verbraucht 40 bis 80 Prozent mehr Strom als ein Gerät der Klasse A++. Aktuelle Geräteinformationen finden Sie beispielsweise unter www.eae-geraete.ch.

Modell Gestaltung: Stefanie Züblin; Modell: Tobias Hefti; BILDER: Sebastian Derungs; istockphoto; Electrolux AG; Möbel Pfister

Wärmedämmung: Eine gute Dämmung verhindert Wärmeverluste von Gebäuden an die Umgebung und spart beträchtlich Heizenergie. Neubauten verbrauchen gegenüber älteren Gebäuden 60–70 Prozent weniger Energie. Büro: Achten Sie beim Kauf eines neuen Computers auf eine Ausrüstung mit einem Energiesparmanagementsystem. Es versorgt nur diejenigen Komponenten mit Strom, die gerade für den Betrieb gebraucht werden. Schalten Sie Computer und Bildschirm bei längeren Arbeitspausen ganz ab oder verwenden Sie eine Steckdosenleiste, eventuell mit Maus oder USBSteuerung. Bildschirmschoner reduzieren den Stromverbrauch nicht, kleinere Bildschirme benötigen – wie auch beim TV-Gerät – grundsätzlich weniger Energie. Nutzen Sie Recyclingpapier und drucken Sie beidseitig – Papier zu produzieren, ist sehr energieintensiv. Aktuelle Geräteinformationen finden Sie beispielsweise unter www.eae-geraete.ch. Schlafzimmer: Drosseln Sie die Raumtemperatur. Während im Bad, Wohn- und Kinderzimmer 20–22 °C angebracht sind, sind im Schlafzimmer und in wenig genutzten Räumen 18 °C genug. Nachts geschlossene Roll- und Fensterläden (oder Vorhänge), die das Fenster verdecken, halten Kälte sowie Zugluft ab und verhindern ein schnelles Entweichen der Wärme. Bad: Die Trinkwasseraufbereitung benötigt Energie. Rund 35 Liter Wasser verbrauchen wir pro Kopf am Tag allein für die Toilettenspülung – bis zu neun Liter auf einmal. Das muss nicht sein. Nutzen Sie daher eine Wasserspartaste für das «kleine Geschäft». Auch Baden

verbraucht dreimal so viel Energie wie Duschen. Stellen Sie beim Einseifen das Wasser ab. Auch beim Zähneputzen, Rasieren oder Händewaschen muss das Wasser nicht ständig laufen. Ebenfalls gut: Sparbrausen, bei denen Luft in den Wasserstrahl mitgemischt wird; bei einer geringeren Wassermenge kann so der gleiche Reinigungseffekt erzielt werden. Reparieren Sie tropfende Wasserhähne sofort. Bei nur zehn Tropfen pro ­Minute fliessen monatlich 170 Liter ungenutzt in den Abfluss. Waschküche: Kaufen Sie unbedingt energieeffiziente «AAA»-Geräte (die besten Maschinen erreichen für alle drei Kriterien Energieeffizienz, Waschwirkung, Schleuderwirkung die Klasse A). Waschen Sie mit tiefen Wassertemperaturen – eine 60-°C-Wäsche beispielsweise braucht rund 60 Prozent mehr Strom als eine 40-°C-Wäsche. Eine gute Schleuderwirkung ist für das nachfolgende Trocknen enorm wichtig. Beim Schleudern wird das Wasser mit rund hundertmal weniger Energie aus der Wäsche entfernt als beim Trocknen durch Wärme (Tumbler). Vermeiden Sie wenn möglich den Einsatz des Tumblers, verwenden Sie ein energiesparendes Modell der Energieeffizienzklasse A oder trocknen Sie die Wäsche an der Leine. Aktuelle Geräteinformationen finden Sie unter www.eae-geraete.ch. Heizung: Haus- und Stockwerkeigentümer können den Energieverbrauch ihrer Liegenschaft massgeblich steuern – einerseits, indem sie in die Dämmung der Gebäudehülle investieren, und andererseits durch die Wahl der Heizung. Doch Vorsicht beim energetisch Modernisieren: Statt unkoordinierte Einzelmassnahmen vorzunehmen, lohnt sich die Gesamtbeurteilung durch eine Fachperson. Auch Mieterinnen und Mieter können mit ihrem Verhalten für mehr Energieeffizienz sorgen – gerade im Winter: Ist es im Zimmer zu warm, stellen Sie besser die Heizung zurück, als das Fenster zu öffnen. Vermeiden Sie dauerhaft geöffnete Kippfenster. Reduzieren Sie die Raumtemperatur in wenig benutzten Zimmern. Und lüften Sie alle Räume aufs Mal für wenige Minuten.

Büro

Wärmedämmung


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Energieverbrauch

Eine Frage der Einstellung Energieeffizientes Verhalten ist das Gebot der Stunde. Doch wie den Verbrauch ohne gravierende Einschränkungen reduzieren? Die Tipps von Stadtwerk Winterthur zeigen: Energie sparen muss nicht wehtun.

Schlafzimmer Bad

Heizung Waschküche Wohnzimmer/Küche

Kurz erklärt

Energieeffizienz- Graue Energie klassen Damit wird jene Energiemenge beSie dienen zur Beurteilung des Stromverbrauchs und sind auf der Energieetikette und in der Warendeklaration angegeben. Es gibt sieben verschiedene Klassen (A bis G); A steht für einen niedrigen Verbrauch, G entsprechend für einen hohen Verbrauch.

zeichnet, die für ein Produkt von der Herstellung bis zur Entsorgung aufgewendet wird (ohne Betriebsenergie). Die graue Energie für ein Haushaltgerät beträgt rund 1000 Kilowattstunden. Beim Kauf von neuen Geräten auch diesen Verbrauch berücksichtigen! Weitere Informationen unter: www.stadtwerk.winterthur\wissen


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Schwerpunkt

Sonnenhunger Sie zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht und weckt die Lebenslust: Die Sonne macht glücklich. Und hätte das 10  000 -fache Potenzial, die ganze Welt mit Energie zu versorgen. Wenn wir es denn nützen könnten.


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Auf und davon, denn das Glück liegt im Süden. Wir Schweizer verreisen mit Vorliebe nach Frankreich, Spanien und Italien (in dieser Reihenfolge).

Tut das gut! Jacke weg. Pullover weg. Sorgen weg! Und jetzt: tief durchatmen und Sonnenbrille aufsetzen. Diese Weite, diese Wärme, dieses Licht! Ich schliesse die Augen und spüre, wie die Sonne mein Herz höher schlagen lässt und mich wärmt. Nicht nur äusserlich. So richtig von innen heraus und von Kopf bis Fuss. Die Mädchen – fünf und acht Jahre – haben ihre Schuhe längst ausgezogen, die Jeans hochgekrempelt und tollen im Sand herum. Sie rennen bis zu den Knien ins warme Wasser und sind nach wenigen Minuten klitschnass. Macht nix, ist ja warm hier. Eigentlich wollten wir ein paar Tage wandern gehen im schönsten Land der Welt: bei uns in der Schweiz. Doch dann kam die Wetterprognose und wenige Tage später die traurige Realität: Es wurde wieder grau und nass und frostig. Nach einem langen, kalten Winter und einem kurzen, kühlen Frühling war dies schlicht zu viel für unsere leicht unterkühlten Gemüter, und wir haben spontan beschlossen, für ein paar Tage zu verreisen. In den Süden. Nach Italien. An die Sonne! Tut das gut!

Wächst und wächst: der weltweite Energiebedarf Mio. Tonnen Erdöläquivalent

20 000

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Illustrationen: Bruno Muff

Andere Erneuerbare

Alle wollen einen Platz an der Sonne Mit unserem Bedürfnis nach Sonne und Licht sind wir in bester Gesellschaft: Wir teilen es mit der ganzen Welt. Mit wenigen Ausnahmen benötigen nämlich alle Lebewesen auf der Erde die Strahlen der Sonne – um zu überleben. Auch wir Menschen brauchen Sonnenlicht nicht nur, um glücklich zu sein. Ohne geht es schlicht und einfach nicht. Die UV-Strahlen regen beispielsweise die Bildung von Vitamin D an, das massgeblich dazu beiträgt, dass unsere Knochen gesund bleiben. Es ist anzunehmen, dass es uns schon deshalb bei schönem Wetter instinktiv ins Freie zieht. Wahrscheinlich kommen wir darum auch auf die Idee, spontan in den Süden zu verreisen, wenn uns das Klima zwar wieder einmal die kalte Schulter zeigt, aber nicht kalt lässt. Und wir sind unglaublich erfinderisch, wenn es darum geht, uns ein Plätzchen an der Sonne zu sichern. Ein herrliches Beispiel dafür lieferten die 200 Bewohner der kleinen Berggemeinde Viganella im Piemont vor einigen Jahren: Weil es die Sonne während der Wintermonate auch bei schönstem Wetter nicht bis ins Dorf schaffte, installierten sie am Berghang einen Spiegel, der die Strahlen umlenkt. Seitdem scheint in Viganella die Sonne auch von November bis Februar, stolze sechs Stunden täglich. Das tut gut und gibt Lebensenergie. Doch während die Sonne unseren individuellen Hunger nach Wärme und Licht schnell einmal stillen kann, sind wir in Bezug auf unseren Energiebedarf im Allgemeinen deutlich unersättlicher: Wir Menschen verbrennen unter anderem jeden Tag zehn Millionen Tonnen Erdöl. Tendenz noch immer steigend, wie die Internationale Energieagentur (IEA) in ihren jüngsten

Biomasse Wasserkraft Kernkraft Erdgas Erdöl

Reduktion des Kohle Wasserverbrauchs seit 1990 Liter pro Massgedeck

1,6 1,4 1,2

Letztlich tanken alle Sonne: 1,0 wie Auch fossile Energieträger Erdöl sind vor Jahrmillionen 0,8 dank viel Sonnenpower –57% entstanden. 0,6 0,4

2010

2020

2030

Keine Anzeichen einer Trendwende: Die Internationale Energieagentur (IEA) geht davon aus, dass die globale Nachfrage nach Energie zwischen 2007 und 2030 um 40 Prozent zunehmen wird. Über 80 Prozent werden weiterhin mit Kohle, Erdöl und Erdgas gedeckt werden. Erneuerbare Energien werden noch lange kein Ersatz für fossile Energiequellen sein.


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Emotionale Energie pur: Die Sonne macht das Leben oft erst lebenswert. Aber auch biologisch gesehen geht es schlicht nicht ohne.

Foto: Tanja Demarmels

Prognosen aufzeigt (siehe Grafik Seite 9). Sie geht davon aus, dass der weltweite Energiebedarf bis 2030 nochmals um sagenhafte 40 Prozent zunehmen wird. Der absolut überwiegende Teil, nämlich mehr als vier Fünftel, wird dabei – wie heute schon – mit nicht erneuerbaren, fossilen Energieträgern gedeckt werden, Sonnenenergie «ab Konserve» gewissermassen, die vor Jahrmillionen entstanden ist. Hoffnungsträger Sonne Es ginge auch anders. Die Sonne liefert Tag für Tag den 10 000-fachen Gegenwert dessen, was wir an Energie weltweit brauchen. Entsprechend fieberhaft arbeiten Industrie und Forschung daran, dieses Potenzial zu erschliessen. Auch in der Schweiz. Sowohl auf dem Gebiet der Hochtemperatur-Solartechnik als auch in der Fotovoltaik nimmt unser Land weltweit sogar einen Spitzenplatz ein. Davon sind renommierte Wissenschaftler wie Dr. Anton Meier, stellvertretender Leiter des Labors für Solartechnik am Paul Scherrer Institut, überzeugt (siehe Interview nebenan). In der Praxis sieht es allerdings anders aus. Auch wenn sich einige Anwendungsformen wie das Erwärmen von Brauchwasser in Privathaushalten und Bürogebäuden bereits durchgesetzt haben und die Tech­ nologie der Fotovoltaik eines Tages einen wichtigen Teil unseres Strommix darstellen wird, machen die «neuen erneuerbaren» Energiequellen erst einen klei-

nen Teil unserer Versorgung aus – trotz aller Anstrengungen und ihres enormen Potenzials. Und die Sonne wird den weltweiten Energiebedarf noch lange nicht decken, obwohl sie das Zeug dazu hätte. Den individuellen Bedarf allerdings schon. Vielleicht nicht immer gleich vor der Haustür. Aber mit erfreulich hoher Wahrscheinlichkeit ein bisschen weiter im Süden – etwa im Tessin, wo die Sonne in Locarno mit durchschnittlich 2155 Stunden fast doppelt so lange scheint wie in Luzern mit 1322 Stunden. Oder bei unseren lebensfreudigen italienischen Nachbarn, wo wir unsere Batterien mit Vorliebe am Meer aufladen. Tut das gut! Michael Frischkopf/Christoph Zurfluh


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Fünf Fragen

Anton Meier, ist die Schweiz überhaupt dazu geeignet, im grossen Stil aus Sonnen­ energie Strom zu gewinnen? Das technische Potenzial der Sonnenenergie ist enorm. Es muss nur genutzt werden. Allerdings wird das erst mittelfristig der Fall sein können. Die Fotovol­ taik etwa braucht eine Anschubfinanzierung, um überhaupt wettbewerbsfähig zu werden. Strom aus solarthermischen Kraftwerken sollte vorzugsweise in Sonnenländern rund ums Mittelmeer produziert und von dort importiert werden. Dazu ein Vergleich: An geeigneten Standorten fallen in Sonnenländern pro Jahr und Quadratmeter 2000 bis 2800 kWh an. In der Schweiz sind es maximal 1400 kWh.

Weshalb ist diese Sonneneinstrahlung von so zentraler Bedeutung? Sie bestimmt den Wirkungsgrad der Anlage und damit die Kosten und Rentabilität. Für die Schweiz ist die Errichtung von solarthermischen Kraftwerken wirtschaftlich nicht attraktiv, solange die Mehrkosten wegen mangelnder solarer Direktstrahlung die Zusatzkosten für den Stromtransport aus sonnenreichen Ländern Südeuropas und Nordafrikas übersteigen. Übrigens besteht auch in sonnenreichen Ländern Bedarf nach staatlichen Fördermassnahmen, mindestens so lange, bis dank Massenpro­ duktion und technischer Innovationen die Kosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden können.

Sie erwähnen Fotovoltaik und Solar­ thermie. Wo liegt da der Unterschied? Fotovoltaik ist die direkte Umwandlung von Licht in einer Solarzelle in

elektrische Energie. Unter Solarthermie versteht man die Umwandlung der Sonnenenergie in nutzbare Wärmeenergie. In solarthermischen Kraftwerken erwärmt also die Sonne eine Träger­ flüssigkeit auf mehrere hundert Grad Celsius. Diese erwärmt dann Wasser, das als Dampf einen Stromgenerator antreibt.

Wo steht die Schweiz eigentlich in der Solarenergieforschung im interna­ tionalen Vergleich? Die Schweiz nimmt einen Spitzenplatz ein, sowohl bei der Fotovoltaik als auch bei der Hochtemperatur-Solartechnik. Gerne erwähne ich hier auch noch die Disziplin Solarchemie, die wir hier am PSI betreiben. Wir entwickeln hier mithilfe von Sonnenenergie Wasserstoff, Synthesegas und flüssige Treibstoffe.

Der Schritt von der Grundlagen­ forschung zur konkreten Anwendung ist oft weit. Das stimmt. Umso erfreulicher, dass sich immer mehr auch namhafte Schweizer Firmen in Solarprojekten engagieren. Wir pflegen beispielsweise eine intensive Zusammenarbeit mit Holcim. Zement herstellen ist energieintensiv, und wir sind dabei, mit Sonnenkraft ein Synthese­ gas aus kohlenstoffhaltigen Materialien zu entwickeln. Das würde den CO2 - Ausstoss bei der Produktion massiv senken. Gegenwärtig kommt der Bau der Pilot­ anlage in eine entscheidende Phase. Dr. Anton Meier ist Stellvertretender Leiter des Labors für Solartechnik am Paul Scherrer Institut (PSI).

www.psi.ch


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Infografik

Nr. 02 2010

Solarkraftwerk

Energiequelle Sonne

Biomasse

Windkraftwerk

Wasserkraftwerk

Online sehen und verstehen Alle Schaubilder finden Sie auch im Internet. Die Themen der letzten Ausgaben:

Infografik: Bruno Muff

Vom Eisschrank zum Kühlschrank

Weltweite Energieversorgung

Sonnenbasiert und erneuerbar 12,7 % Wasserkraft Sonneneinstrahlung Windenergie Biomasse Kernenergie 5,9 %

Die Logistik der Paketpost Hybridkühlturm www.strom-online.ch

Quelle: Key World Energy Statistics 2009

Sonnenbasiert, aber nicht erneuerbar 81,4 % Erdöl Erdgas Kohle


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Fotovoltaik Sonnenkollektoren

Passive Sonnennutzung Wärmepumpe

Energiequelle Sonne Praktisch alle nutzbaren Energiequellen verdanken wir der Sonne. Ihre Strahlung kann direkt in Strom oder Wärme umgewandelt sowie – deutlich häufiger – indirekt genutzt werden wie bei den sonnenbasierten Energien aus Biomasse, Umgebungswärme, Wind und Wasser. Ebenfalls der Sonne verdanken wir die nicht erneuerbaren, aber vor Jahrmillionen durch Sonnenenergie entstandenen Energieträger ­Erdöl, Erdgas und Kohle.

Erdöl

erneuerbar nicht erneuerbar


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Energiekrise in Südafrika

Steilpass oder Eigentor?

Illustration: Claudio Köppel; Fotos: iStockphoto.com / Aleksey Khromov/ Mark Ross

Auf dem Fussballfeld spielt Südafrika in diesen Tagen gegen Frankreich, Mexiko und Uruguay. Auf dem Strommarkt steht das Land am Kap in Zweikämpfen mit sich selbst. Deren Ausgang ist momentan genauso offen wie das Endresultat des Finalspiels. Matthias Bill

Was, wenn die Flutlichtanlage im Stadion «Soccer City» in Johannesburg während des Finalspiels der FIFA-Fussballweltmeisterschaft ausfällt? Keine Sorge, im Falle einer Stromknappheit im Laufe des sportlichen Grossanlasses haben andere Länder aus der Region ihre Unterstützung zugesichert. Aber wie sieht es nach dem 11. Juli mit der Stromversorgung Südafrikas aus? Nimmt der staatliche Stromversorger ESKOM wieder wie zuvor vorsorglich ganze Ortschaften tageweise vom Netz? Die Diskussion zur Lösung der südafrikanischen Energiekrise ist geprägt von Widersprüchen. Noch ist nicht klar, ob aus den drei nebenstehenden Duellen ein Steilpass oder einen Eigentor resultiert.


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48 Mio. Einwohner benötigen viel Energie. Auch nach der FIFA-Fussballweltmeisterschaft. Wie die Energiezukunft Südafrikas aussieht, entscheidet sich in drei Zweikämpfen.

3 Stromanschluss Innert Kürze haben über 3 Millionen südafrikanische Haushalte in den 90er-Jahren einen Stromanschluss erhalten. Neben der rapiden Industrialisierung – auch aufgrund niedriger Strompreise – hat diese Massenelektrifizierung den südafrikanischen Strom zum knappen Gut gemacht. Die Anschlussrate in städtischen Gebieten liegt zurzeit bei über 90 Prozent, in ländlichen Gebieten bei fast 50 Prozent – ein Spitzenwert auf dem Kontinent.

5 Kraftwerksbau Zwei neue Kohlekraftwerke mit je fast 5 GW Leistung will Südafrika bis 2014 fertigstellen. Südafrika kann seine Stromlücke nur durch den Zubau von solchen Grosskraftwerken schliessen. Gemäss einem vor kurzem verabschiedeten Grundsatzpapier wollen die Regierung und der nationale Stromerzeuger ESKOM auch stillgelegte Kohlekraftwerke reaktivieren und neue Kernkraftwerke bauen.

90 Kohle Noch werden 90 Prozent des südafrikanischen Strombedarfs aus kohleerzeugter Energie gedeckt. Aus diesem Grund steht Südafrika bezüglich CO2-Ausstoss weltweit an 14. Stelle. 40 Prozent aller Treibhausgase des Kontinents kommen vom Kap. Als Unterzeichner der UN-Rahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls ist Südafrika bestrebt, den Kohleanteil an der Energieproduktion bis 2025 auf 70 Prozent zu senken.

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50 Strombedarf Ein elektrischer Durchlauferhitzer macht fast 50 Prozent des Stromverbrauchs eines südafrikanischen Haushaltes aus. Johannesburg fördert jetzt den Wechsel auf Solarboiler. Andere Initiativen unterstützen die Entwicklung von energieeffizienten Holz- und Gasherden. Die südafrikanische Regierung ist bestrebt, den jährlichen Strombedarf drastisch zu drosseln: auch mit Hilfe des Strom­­preises und notfalls mit Verboten.

25 KraftwerksKosten Im Frühling konnte ESKOM für die nächsten drei Jahre Preiserhöhungen von jeweils rund 25 Prozent durchsetzen. Der Bau der Kraftwerke muss finanziert werden. Nach dem grössten Verlust der Unternehmensgeschichte ist die ESKOM-Kasse leer. Und der Staat selbst stellt keine Gelder zur Verfügung. Für den Kohlekraftwerksbau erhält Südafrika nun aber einen Kredit der Weltbank in Höhe von 3,75 Milliarden Dollar.

10 Neue Erneuerbare Energien Bis 2013 sollen in Südafrika pro Jahr etwa 10 TWh aus neuen erneuerbaren Energien stammen. Südafrika will darum auch seine 3000 Kilometer Küste und die 300 Son­nentage im Jahr besser für Wind- und Sonnenkraft nutzen. Zu diesem Zweck hat Südafrika als erstes afrikanisches Land eine Einspeisevergütung eingeführt und ist seit Anfang Jahr Mitglied der Organisation für erneuerbare Energien (IRENA).


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Ausbildungen im Energiebereich

Im Kern gespalten Sie liebt komplexe Zusammenhänge und studiert Nukleartechnologie. Er will etwas Sinnvolles leisten und beschäftigt sich mit erneuerbaren Energien. Doch die künftigen Ingenieure Céline Boulet und Marco Larcher sehen auch viele Berührungspunkte. Ein Gespräch voller Energie.

Céline Boulet, Sie studieren «Nuclear Engineering». Marco Larcher, Sie befassen sich mit «Erneuerbaren Energien». Sehen Sie Gemeinsam­keiten? Céline Boulet: Ja, ganz klar. Beides sind eher neue Technologien und produzieren kaum CO2. So bieten wir in Zeiten des Klimawandels interessante Lösungen. Marco Larcher: Es sind technische Berufe mit dem Ziel, die Gesellschaft mit Energie zu versorgen. Die Umsetzung allerdings unterscheidet sich stark. Weshalb haben Sie sich für Ihr Studium entschieden? Marco Larcher: Klimaproblematik, Energieversorgung und CO2 -Ausstoss sind Themen, die mich beschäftigen. Mit meinem Studium kann ich etwas verändern und etwas Sinnvolles leisten. Céline Boulet: Was mir an Kernenergie gefällt, ist ihre Komplexität – ich will immer wissen, wie etwas zusammenhängt. Was fasziniert Sie an Ihrem Studium? Céline Boulet: Es dreht sich letztlich alles um Sicherheit, das interessiert mich sehr. Andere spannende Schwerpunkte sind Reaktorphysik, Materialkunde und Thermodynamik. Marco Larcher: Ein Schwerpunkt an der Hochschule für Technik Rapperswil ist die Solarthermie. Das Institut für Solartechnik macht zum Beispiel Zertifizierungen für Flachkollektoren. Das interessiert mich, denn die Energie der Sonne ist eine Ressource, die für unsere Verhältnisse unendlich gross ist. Zudem faszinieren mich die anspruchsvollen Techniken, die man in diesem Zusammenhang erarbeitet hat und weiterhin erarbeiten muss. Wo sehen Sie sich zukünftig arbeiten? Marco Larcher: Ich möchte im Bereich Solarthermie tätig sein. Allerdings liegt das Potenzial für diese Art

der Stromerzeugung in Spanien und Afrika. Mich zieht es aber nicht ins Ausland. Die Alternative ist daher eine Arbeit bei einem Industriepartner, der einen Teil eines Kollektors herstellt. Céline Boulet: Bei mir ist es genau umgekehrt. Ich möchte im Ausland arbeiten und die Kerntechnik weiterentwickeln, und ich möchte die Menschen über deren Möglichkeiten informieren. Wie stehen Sie zur Kernenergie, Herr Larcher? Marco Larcher: Kernenergie ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht wegzudenken. Aber ich bin kein grosser Befürworter. Doch ich gebe zu, nicht alle Details zu kennen. Wie sieht es et­­wa mit den atomaren Abfäl- «Mit meinem Studium kann len aus, und wie sicher ist ich etwas verändern und deren Lagerung? etwas Sinnvolles leisten.» Céline Boulet: WissenMarco Larcher schaftler und Ingenieure arbeiten an einem möglichst sicheren Endlager. Ein kleines Restrisiko ist vorhanden, doch ich habe den Eindruck, dass die Entsorgungsfrage sehr sorgfältig behandelt wird. Céline Boulet, welchen Stellenwert haben für Sie die erneuerbaren Energien? Céline Boulet: Ich finde sie sinnvoll, wenn keine anderen Energiequellen zur Verfügung stehen, etwa in abgeschiedenen Zonen. Doch man muss bedenken, dass auch diese Quellen nicht komplett erneuerbar sind. Sie benötigen Silizium, Aluminium und Stahl. Zudem können sie nie nur die einzige Energiequelle sein, da sie Schwankungen unterworfen sind. Marco Larcher: Sprichst du die Grundlast an? Céline Boulet: Ja, Kernkraft oder Kohle garantieren die Produktion einer gewissen Energiemenge.

Fotos: Martin Guggisberg

Céline Boulet (21), Frankreich Studium: Master of Science in Nuclear Engineering, ETH Zürich/EPF Lausanne Dauer: 3 Semester plus Praktikum Schwerpunkte: Reaktorphysik, Reaktortechnologie, Sicherheit von Kernkraftwerken, Materialkunde Kontakt: ETH Zürich, Laboratory of Nuclear Energy Systems, Prof. Horst-Michael Prasser, Tel. 044 632 60 25 www.master-nuclear.ch


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Marco Larcher: Das stimmt. Doch auch bei solarthermischen Kraftwerken gibt es Lösungsansätze, um nachts Energie zu produzieren und die Grundlast zu decken – etwa mittels Speichern aus Salzlösungen.

Und aus welchen Quellen beziehen wir in 100 Jahren unsere Energie? Céline Boulet: Das wird Thorium sein, das wie Uran als Werkstoff in Kernkraftwerken eingesetzt werden kann. Davon gibt es grössere Vorkommen als von Uran. Marco Larcher: Und wie lange würde der Vorrat an Thorium reichen? Céline Boulet: Etwa 20 000 Jahre. Also rund hundert Mal länger als der Vorrat an Kohle. Wie siehst du denn die Zukunft der erneuerbaren Energien? Marco Larcher: Ich wünsche mir, dass man diese miteinander koppelt. Mit Geothermie etwa könnte man die Grundlast decken, dazu Wasserkraft, Wind und Solarthermie sowie Wasserstoff als Energiespeicher. Wo tanken Sie persönlich Energie für Ihr Studium? Céline Boulet: Beim Schwimmen und Kochen. Das sind meine zwei Energiequellen. Marco Larcher: Bei mir sind es Familie und Freunde sowie meine Hobbys Velo fahren und Fussball spielen. Das Gespräch führte Manuel Huber

«Ich möchte im Ausland arbeiten und die Kerntechnik weiterentwickeln.» Céline Boulet

Marco Larcher (26), Schweiz Studium: Master of Science in Engineering MSE, Vertiefung Erneuerbare Energien, HSR Hochschule für Technik Rapperswil Dauer: 3 Semester Schwerpunkte: Solarthermie, Wärmepumpen und Wasserkraft Kontakt: HSR Hochschule für Technik Rapperswil, Abteilung Erneuerbare Energien und Umwelttechnik, Prof. Dr. Benno Bucher, Tel. 055 222 43 30 www.hsr.ch, www.solarenergy.ch


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Der Faktor Mensch: alles im Griff im Kommandoraum des Kernkraftwerks Beznau.

Der Faktor Technik: die Brennstäbe im Visier.

Sicherheit

Alles unter Kontrolle

Fotos: Stefan Kubli

Tritt in einer Schweizer Kernanlage eine Störung auf, schalten sie sich garantiert ein: die Mitarbeitenden des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI. Die Skala reicht von 0 bis 7 und gibt – ähnlich wie bei einem Erdbeben – an, wie gravierend ein Vorkommnis ist. Doch gemäss INES (internationale Ereignisskala) ist die Schweiz ein wunderbar sicheres Land, was seine Kernanlagen betrifft. Ein einziges Ereignis bewertete das ENSI 2009 mit einer 2, eines mit einer 1. 24 weitere Vorkommnisse wurden mit 0 bewertet. Für die Bevölkerung bestand in keinem Fall irgendeine Gefahr. Das ENSI vergibt den Schweizer Kernanlagen nicht von ungefähr das Prädikat «Sicher». Und seinem Urteil darf man vertrauen, denn die nationale Aufsichts­ behörde mit Sitz in Brugg AG ist eine unabhängige, öffentlich-rechtliche Anstalt (ähnlich wie die Suva) und direkt dem Bundesrat unterstellt. Rund um die Uhr wacht das ENSI darüber, dass die Betreiberunternehmen Axpo, BKW und Alpiq ihre Verantwortung für den sicheren Betrieb wahrnehmen und die Anlagen in einem einwandfreien Zustand halten. Dazu führt es über 300 Inspektionen pro Jahr durch und betreibt das eigene Messnetz MADUK. Dieses misst die Dosisleistung an den Standorten der Kernkraftwerke. Das ENSI überwacht allerdings nicht bloss die bestehenden Kernanlagen, sondern spielt auch eine wichtige Rolle bei der sicherheitstechnischen Überprüfung und Beurteilung neuer Anlagen wie dem Tiefenlager der Nagra oder den geplanten ErsatzKernkraftwerken. Das Bewilligungsverfahren stützt sich wesentlich auf die Gutachten des ENSI ab. mf www.ensi.ch

Der rote Knopf: Seine Betätigung würde im Ernstfall das Herunterfahren des Kraftwerks auslösen.

Eine Frage

Ulrich Schmocker, welches Zeugnis stellen Sie den Schweizer Betreiberunternehmen von Kernkraftwerken aus? «Die Sicherheit der schweizerischen Kernkraftwerke ist im internationalen Vergleich gut. Das bestätigt das ENSI alljährlich in seinem Aufsichtsbericht. Die Zahl der Vorkommnisse ist gering. Trotzdem verlangt das ENSI von allen Betreibern ein ständiges Hinterfragen der Sicherheit der Anlage, um weitere Verbesserungen zu identifizieren und umzusetzen. Dies betrifft nicht nur die technischen Aspekte, sondern auch Fragen der Ausbildung des Betriebspersonals und der Optimierung der Organisationsstruktur. Die Sicherheit stützt sich auf drei Pfeiler: Mensch, Technik und Organisation. Diese drei Pfeiler müssen jeder für sich und alle zusammen einen hohen Stand haben und ständig verbessert werden, damit die Anlage insgesamt sicher betrieben werden kann.» Dr. Ulrich Schmocker ist Direktor des ENSI. Er tritt Ende August altershalber zurück. Seine Nachfolge tritt Dr. Hans Wanner an.


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Selbstversuch

Hallo, ist da jemand?

Fotos: Matthias Jurt, Plainpictures / Hellwig

Keine Angst vor Dunkelheit? Dann wissen Sie nicht, was das ist. Redaktor Michael Frischkopf hat freiwillig schwarz gesehen – und den Keller nach acht Stunden fluchtartig verlassen.

Es ist sechs Uhr morgens. Im Kellerzimmer steht ein Stuhl, am Boden eine Thermoskanne und drei Sand­ wiches. Der Raum ist geschätzte zehn Quadratmeter gross. Ich schliesse die Türe. Setze mich auf den Stuhl, strecke den Arm aus, mein Finger ruht auf dem Lichtschalter. Ich drücke ihn. Jetzt. Es passiert – nichts. Es ist einfach dunkel. Wobei: In meiner Iris setzt sich einen Moment lang noch das letzte Bild fest, das ich wahrgenommen habe. Ich tue erst mal gar nichts, mein Atem geht regelmässig, die Hände ruhen auf den Oberschenkeln. Nun beginnt bereits etwas Faszinierendes: Meine Sinneswahrnehmungen verändern sich. Zuerst die Augen: Ich kann meinen Augen nicht mehr trauen. Ich sehe Schatten, wo keine sein können, sehe Konturen, die nicht sichtbar sein können. Oder doch? Ich fühle, dass meine Pupillen maximal geweitet sind. Aber es gibt nichts zu sehen. Also, mein Gedanke, kann ich die Lider auch gleich schliessen. Nutzlose Augen. Ich blinzle, muss darüber lachen, und die Wand wirft meine Stimme zurück. Ab diesem Moment sind meine Augen inexistent. Die Ohren übernehmen, sind zu meinem «Leitsinnesorgan» geworden. Der Raum, der mit den Augen klare Grenzen hatte, wird plötzlich zum Interpretationsspielraum. Ich klatsche, stampfe, schnalze, in alle vier Wandrichtungen. Ich versuche zu erkennen, wie weit ich von einer Wand entfernt bin. Bewege mich näher und näher, so nah ich nur kann, ohne die Wand zu berühren, und mache dazu Zischlaute. Schliesslich bleibe ich stehen. Ich rieche den säuerlichen Beton, muss ihm also ganz nah sein. Ich neige den Kopf und berühre die Wand mit meiner Stirne. Nicht schlecht, Herr Specht. Es ist erstaunlich, wie ich mich als Fledermaus orientieren kann. Etwas weniger gut klappt dann der Rückweg, ich stolpere über den Stuhl und stürze auf den Boden. Irgendwann gibts nur noch Langeweile Zwei Stunden später. Oder drei Stunden? Oder dreissig Minuten? Die Spielchen, die mich zuerst fasziniert haben, langweilen mich längst. Mein Zeitgefühl hat sich verabschiedet. Ich liege auf dem harten, zum Glück warmen Boden, das erste Sandwich habe ich längst

gegessen. Wie auf der Schulreise damals: Kaum sitzt du im Zug, hast du Hunger und fällst über das Minipic her. Ich erinnere mich an die Fahrt in den Tierpark Goldau, erstaunlicherweise an viele Details, die längst vergessen schienen. Ich rieche sogar den Rauch des Feuers – und erwache ab irgendeinem Geräusch. Super, eingeschlafen. Jetzt habe ich definitiv keine Ahnung mehr, wie lange ich schon in diesem elenden Loch hocke. Mir ist langweilig. In Gedanken gehe ich die Agenda durch. Hier gilt es noch ein Fotoshooting zu organisieren. Dort einen Text zu schreiben. Herrgott, das ist doch Zeitverschwendung hier. Ich habe so viel zu tun im Büro. Ich bin nahe dran, aufzustehen und das Experiment abzubrechen.


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Die Ruhe kommt – vor dem Sturm Die Gedanken drehen sich im Kreis. So kann das nicht weitergehen. Schliesslich gelingt es mir, auf etwas anderes zu fokussieren: auf Familie, Freunde, den Sommer, der vor der Türe steht. Was ich wem zuliebe tun könnte. Ganz kitschig, aber ich finde tatsächlich so etwas wie Ruhe und fange an, die Dunkelheit zu genies­ sen. Vielleicht fühlt sich so meditieren an. Vielleicht melde ich mich mal beim Yoga? Ich mache Liegestütze. Rumpfbeugen. Ich singe. Doch irgendwann wird es mir zu bunt. Oder zu eng? Ich mag einfach nicht mehr. Ich stehe auf und öffne die Kellertüre. Der Wecker zeigt 14.33 Uhr. Knapp achteinhalb Stunden habe ich es in der Dunkelheit ausgehalten. Ich rede mir ein, dass das reicht. Und bin erleichtert, froh, den Raum einfach so verlassen zu können. Niemand hält mich zurück. Ich atme tief durch und steige die Treppe hoch ins Erdgeschoss. Herrlich, wie das blendet! Michael Frischkopf Dunkelheit

Licht macht lust Die Zeit, wenn die Sonne im Winter nicht mehr über dem Horizont erscheint, nennen die Finnen «Kaamos» und meinen damit nicht nur das Naturphänomen Polarnacht, sondern auch ihren Gemütszustand. Der ist nicht gleichzu­setzen mit der so genannten Winterdepression, befindet sich aber zumindest auf tiefem Level, was die Lebenslust anbelangt. Nur logisch, kennt man die Winterdepression in südlichen Ländern praktisch nicht: Licht gibt Energie. Das vollkommene Fehlen von Licht hingegen macht über kurz oder lang krank.


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Die Bildlegende soll eine Geschichte erzählen, mehr Informationen beinhalten als nur das Bild erklären. Sie darf durchaus einmal länger werden als nur zwei Zeilen.

Leserreise Schweiz

Wo die Energien fliessen

Fotos: Keystone / Martin Rütschi; Jan Ryser; KWO / Robert Bösch, P. di Renzo; Kontiki-Saga Reisen

Steigen Sie hinab in eine Unterwelt aus Tunnel, Schächten und Turbinen. Die «Strom»-Leserreise führt Sie zu den Kraftwerken des Grimselgebietes – und weiter! Die Kraftwerke in der Grimselregion sind ein Wunderwerk der Technik inmitten einer kraftvollen Natur. In diese einmalige Welt führt die «Strom»-Leserreise. Die Anreise erfolgt mit Cars von Eurobus. Nach einem Znünihalt mit Kaffee und Gipfeli in Meiringen wandern wir gemeinsam durch die Aareschlucht. Anschliessend fahren wir mit dem Car den Grimselpass hinauf bis zum Hospiz und nach einem feinen Mittagessen im Restaurant Hospiz weiter zur Gerstenegg. Von dort gehts durch einen drei Kilometer langen Stollen zum Kraftwerk Grimsel 2. Wir besichtigen die Kraftwerksanlagen und – als speziellen Höhepunkt – die einzigartige Kristallkluft. Diese haben die Mineure während des Stollenbaus entdeckt! Anmelden ab sofort möglich Neugierig geworden? Melden Sie sich noch heute mit dem nebenstehenden Talon an. Die Anmeldungen werden nach ihrem Eingang berücksichtigt. Weitere Auskünfte erhalten Sie von Catherine Raess, Tel. 044 299 41 20 oder raess@strom-zeitschrift.ch.

Tafeln in imposanter Bergwelt: Im Restaurant Hospiz auf 2000 Metern über Meer gibt es ein feines Zmittag.

Atemberaubend schön und rundum mystisch: Auf dieser Leserreise besuchen Sie auch die berühmte Aareschlucht.

Das ist inbegriffen ★ Fahrt im bequemen Eurobus-Car

★ Kaffee und Gipfeli zum Znüni ★ Eintritt und Führung durch die Aareschlucht

★ Mittagessen im «Grimsel Hospiz» inkl. Mineral

★ Besichtigung des Kraftwerks

Grimsel 2 und der Kristallkluft

Zusätzliche Informationen finden Sie auch unter

www.strom-zeitschrift.ch

★ Kleine süsse Überraschung


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Leserreise Ausland

Mythisches Schottland

Wenige Plätze der exklusiven Schottlandreise sind noch frei. Entdecken Sie die Geheimnisse der faszinierenden keltischen Kultur, und erleben Sie die Magie Schottlands! Auf unserer Reise spüren wir mittelalterlichen Gassen und wildromantischen Stränden, pittoresken Häfen und dem sagenumwobenen Hochland nach. Selbst­ verständlich fehlt der Besuch des Loch Ness ebenso wenig wie die Begegnung mit Geistern … Freie Plätze gibt es noch auf den Reisen vom 16. bis 23. Juli (Fr. 3190.– pro Person) und vom 10. bis 17. September (Fr. 2950.– pro Person). Einzelzimmerzuschlag: Fr. 390.–. Rundum faszinierend: Die Grimselwelt ist eine gelungene Symbiose zwischen Natur und Technik (oben).

Weitere Informationen sind erhältlich unter

www.strom-zeitschrift.ch oder bei Sandra Weibel, Tel. 044 299 41 41; weibel@strom-zeitschrift.ch

Atemberaubend schön: Die Kristallkluft ist als einzige der Alpen in dieser Form zugänglich (rechts).

stromreiseclub

stromreiseclub

Anmeldetalon

Ja, ich bin bei der «Strom»-Leserreise mit dabei! Reisedaten und -orte (bitte kreuzen Sie Ihr Wunschreisedatum an) Ab Zürich Ab Olten Donnerstag, 5. August Donnerstag, 12. August Dienstag, 10. August Freitag, 3. September Mittwoch, 15. September Abfahrt jeweils 7.20 Uhr Abfahrt jeweils 7.20 Uhr ab Bahnhof Olten ab Bahnhof Zürich Ab Solothurn Dienstag, 17. August Ab Aarau Freitag, 6. August Abfahrt um 7.10 Uhr Dienstag, 24. August ab Bahnhof Solothurn Abfahrt jeweils 7.10 Uhr Ab Sursee ab Bahnhof Aarau Mittwoch, 18. August Abfahrt um 7.40 Uhr Ab Liestal Mittwoch, 11. August ab Bahnhof Sursee Abfahrt um 7 Uhr ab Bahnhof Liestal

Ab Zug Mittwoch, 25. August Abfahrt um 7.35 Uhr ab Bahnhof Zug Ab Luzern Montag, 16. August Dienstag, 31. August Abfahrt jeweils um 7.55 Uhr ab Bahnhof Luzern Ab Winterthur Dienstag, 7. September Abfahrt um 7 Uhr ab Bahnhof Winterthur Ab Münchenstein Dienstag, 14. September Abfahrt um 6.50 Uhr ab Bahnhof Münchenstein

Preis pro Person: Fr. 115.– (Keine Reduktion mit Halbtax oder GA)

Ersatzdatum: Anzahl Teilnehmer: Anzahl Teilnehmer (Vegetarier): Name: Vorname: Strasse/Nr.: PLZ/Ort: Telefon: Datum: Unterschrift: Mein Energieversorger:

Die Reise wird bei jeder Witterung durchgeführt. Die Teilnehmerzahl ist beschränkt, daher erfolgt die Reservation nach der Reihenfolge der Anmeldungen. Als Bestätigung Ihrer Anmeldung erhalten Sie von uns eine Rechnung (Einzahlungsschein). Coupon einsenden an Infel AG, «Strom»-Leserreise, Postfach 3080, 8021 Zürich.


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Adrenalinschub Open Air Lumnezia

Elektrisch verstärkt

Foto: Gian Marco Castelberg

Während der zwei Festivaltage verbrauchen Sound-, Lichtanlage und Infrastruktur so viel Kilowattstunden wie zwei durchschnittliche Haushalte in einem Jahr. Nicole Rüsch

Droht Gefahr, sorgt das Stresshormon Adrenalin im Körper für einen Energieschub. Musiker erleben auf der Bühne dasselbe, denn auch Lampenfieber ist eine Form von Angst. Kuno Lauener, Sänger von «Züri West», beschrieb es einmal so: «Ich bin bei jedem Konzert elektrisiert: Eine Mischung aus Übermut und Nervo­sität sorgt dafür.»

Leuchtkraft 220 Scheinwerfer rücken die Bands auf der Bühne ins rechte Licht. Ein Scheinwerfer hat 30 bis 3000 Watt Leistung, die ganze Lichtanlage bringt 200 Kilowatt. Mit ihr werden auf der Bühne die grössten Stromspitzen erzeugt.

Stromfresser

Körperwärme

10 000 Kilowattstunden Strom verbraucht das Open Air Lumnezia in zwei Tagen. Der grösste Stromfresser ist nicht etwa die Bühne, sondern die Küche – sie ist ständig in Betrieb. Eine extra fürs Open Air gebaute Trafo­station mit 630 Kilowatt Leistung versorgt das Bergtal mit Energie. Baustromverteiler und 5000 Meter Kabel verteilen den Strom auf dem Gelände.

Dass es an Konzerten mitunter schweisstreibend werden kann, liegt nicht am Tanzen allein. Im Schnitt gibt ein Mensch 100 Watt Wärme ab – je nachdem, ob er sich bewegt oder still sitzt. Stehen 6000 Festivalbesucher dicht gedrängt vor der Bühne, entspricht das einer Wärmeleistung von etwa 600 Kilowatt.

Festivalpässe zu gewinnen «Strom» verlost 4 x 2 ZweitagesPässe (23. und 24. Juli) im Wert von 119 Franken. Schicken Sie uns eine E-Mail an verlosung@strom-zeitschrift.ch, Betreff: «Open Air Lumnezia». www.openair-lumnezia.ch


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Auf und davon

Pack den Koffer Die Ferien sind gebucht, die Route ist bestimmt, jetzt heisst es: Koffer packen. Diese reisetüchtigen Elektrogeräte müssen mit in die Sommerferien. Nicole Rüsch

Wie 007

Fotos: www.arktis.de, www.aromatao.com, www.nettoshop.ch, Matthias Jurt, www.seahorse-tauchshop.de, www.dive-in.de

Blitzschnell durchs Wasser gleiten, beim Auftauchen lässig die Haare schütteln und an der Bar einen Martini kippen: Das war bisher James Bond vorbehalten. Mit diesem Tauchscooter werden auch Sie zum Geheimagenten. Bleibt zu hoffen, dass 40 Minuten Akkulaufzeit reichen, um zurück ans Ufer zu kommen. Ansonsten heisst es halt: schwimmen.

Mit Duft Muffige Hotelzimmer ade. Was sich wie eine Computermaus tarnt, ist in Tat und Wahrheit ein elektrischer Miniventilator. Mit dem Duft Ihrer Wahl beträufeln Sie ein spezielles Vlies, legen es in die Aroma Mouse ein, und auf Knopfdruck verströmt das dufte Teil Wohlgeruch. Funktioniert übrigens auch beim muffen Nachbarn im Büro. Aroma Mouse, ca. Fr. 56.–

www.aromatao.com

Ohne Falten

SeaJet Tauchscooter Bladefish 1000, ca. Fr. 560.–

www.dive-in.de Rowenta DA 1510 Focus Travel, ca. Fr. 46.–

Unter Strom Kaum etwas länger am Telefon, schon ist der iPhone-Akku leer. Abhil­fe schafft eine multifunktionale Handyschutzhülle, die den Akku dank integrierter Solarzelle gleich wieder auflädt. Funktioniert bei normalem Sonnenlicht und erst recht am Strand. Die Daheimgebliebenen sollen schliesslich wissen, wie sehr Sie sich in den Ferien «langweilen».

www.nettoshop.ch

Für knitterfreie Kleidung nach dem Kofferauspacken ist ein Reisebügeleisen eine gute Sache. Für dieses Modell mit klappbarem Griff findet sich immer irgendwo ein Plätzchen. Und das praktische Gerät funktioniert bei 230 und 120 Volt Netzspannung – also auch weit weg von zuhause.

Auf Empfang Drahtlos-Internet gibts mittlerweile in den meisten Städten. Die Frage ist nur: wo? Wer auf dem nächsten Trip auf Nummer sicher gehen will: Der Aufdruck des Wi-Fi Detector Shirts leuchtet, sobald ein Funknetz in der Nähe ist.

iPhone Solar Akku Case, ca. Fr. 71.–

Wi-Fi Detector Shirt, ca. Fr. 21.–

www.arktis.ch

www.thinkgeek.com


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Preisrätsel

E-Bike von Thömus zu gewinnen! 1. Preis

2. Preis

3.–12. Preis

Thömus offeriert ein E-Bike «Stromer Elite» im Wert von rund 4200 Franken. Der «Stromer» sieht wie ein normales Citybike aus. Der Akku ist elegant im Rahmen versteckt. In zwei verschiedenen Varianten unterstützt der «Stromer» den Fahrer bis zu 50 km/h.

Schweiz Tourismus offeriert einen Gutschein für 3 Übernachtungen für 2 Personen inkl. Gourmet-Halbpension im Romantikhotel Chesa Salis in Bever. Wert: 1100 Franken.

Von Fachleuten empfohlen! Spirig offeriert je 10 Mal ein Pflegeset im Wert von 58 Franken. Das Set enthält je 1 Sonnencrème Daylong ultra SPF 25, 200 ml, sowie 1 Daylong Night Repair, 100 ml.

www.chesa-salis.ch

Machen Sie mit! Sie haben drei Möglichkeiten: 1. Rufen Sie an unter: Telefon 0901 908 118 (1 Franken pro Anruf) und sagen Sie nach dem Signalton das Lösungs­ wort, Namen und Adresse. 2. Senden Sie uns eine Postkarte mit dem Lösungswort an Infel AG, «Sommerrätsel», Postfach, 8099 Zürich. 3. Geben Sie das Lösungswort online ein unter www.strom-zeitschrift.ch. Teilnahmeschluss: 2. Juli 2010. Gewonnen! Das Lösungswort des letzten Preisrätsels lautete: Hornissennest. Wir gratulieren den Gewinnern:

Fotos: Thömus Veloshop AG, Spirig Pharma AG, Schweiz Tourismus

1. Preis: Den Tiefkühlschrank von Electrolux, gestiftet von der Max Wagner AG in Pratteln, hat gewonnen: Franz Landolt, 8752 Näfels. 2. Preis: Die Fahrt auf dem Solarkatamaran MobiCat hat gewonnen: Arnold Haller, 5420 Ehrendingen. 3. bis 7. Preis: Die Gewinner der Technorama-Erlebnisgutscheine wurden schriftlich benachrichtigt.

Schriftführer ein. Vereins

matt, schwach

männliches Kind drei (englisch)

Stadt in St. Gallen mässig warm

noch nicht gebraucht

Siebensachen, Plunder

dt. Autor (Siegfried) Anzug, Uniform

insgesamt

Schnellzusteller dt. Normenzeichen Abkürzung für: Rhätische Bahn

zehn (engl.) straff, knapp, eng anliegend

Quellgebiet des Rheins Fluss- und Seefisch

5 US-Bürger (Kurzwort) Freude am Tun

Abk. für: Obergeschoss Zustand der Bedrängnis selten

Reiseomnibus (Kzw.) behaarte Tierhaut

Leichtmetall (Kzw.) schlimm, übel

Einwohner (Abk.) Körperteil Ort am Zugersee schweiz. TVGesellschaft

Stock Zufluss der Aare

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zu Hause gewonnener Wettkampf (Sport)

Berninagletscher Wort für: Schluss

schweizer. SafranMotorboot- anbauort sport-Verband (Abk.) Praktikum

nord. Hirsch

Fürwort Schweizerisches Rotes Kreuz Schicksal

8 gallertartige Substanz Nachtlokal

weiblicher Naturgeist

«Mutzenstadt»

Stadt bei Bern Hülsenfrucht, Gemüse Erbfaktor

Windschattenseite des Schiffes Fortbewegung im Luftraum

verzieren, schmücken weit zurückliegend

Windstoss

3 Abkürzung für: geboren

Teil einer Radiostation Vesper, Zwischenmahlzeit am Nachmittag

Vorfahr

9 mittellos, bedürftig Meeressäugetier

widerwillig, ohne Vergnügen

Teil der sanitären Einrichtung

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Bergkammlinie Riesenschlange

kostspielig

Dichter, Lyriker

Brauch Stück Rundholz

1 im Längsschnitt dreieckiges Spaltgerät

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Schiedsrichter (Kurzwort)

4 Wort der Ablehnung

schmale Stelle, wenig Raum

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Galerie Energie

Am Ganges in Varanasi, der heiligsten Stadt der Hindus, ist die Luft durchtränkt mit Energie. Der DVD-Verkäufer betreibt den Fernseher auf seinem Boot jedoch nicht mit göttlicher Kraft, sondern mit einer Autobatterie.

Fotograf: Fabian Biasio

ENERGIE-Heft 2/2010  

Kundenmagazin ENERGIE

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