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kunst

ur kult

Keine Scheu vor Problematischem

E

s braucht keine Adresse im Zentrum. An der Ludwigstraße 58 setzt man auch nicht hauptsächlich auf Einheimische, aber immer auf Qualität. Gute Beziehungen werden zur Dresdner Szene gepflegt, den Rest besorgen die Netzwerke der Künstler und der Geschmack des Galeristen. Diesmal sind es – die Frau zuerst – Wu Zhi (aus Sichuan, China, lebt in Berlin), Stephan Popella (aus Bautzen, lebt in Dresden) und Alexej Tchernyi (aus Harkov, Ukraine,

wohnt in Berlin), die sich mit gegenständlicher Malerei vorstellen. A. Tchernyi ist außerdem Filmemacher, davon sieht man leider nichts. Im Januar ist ein Künstlergespräch geplant, der Termin steht noch nicht fest (Website checken!). Die drei Künstler kennen einander, haben schon andernorts gemeinsam ausgestellt. Ihre Arbeiten harmonieren gut, aber heben sich auch deutlich voneinander ab. Wu Zhi drückt sich in der Bildsprache asiatischer Comics aus; das Niedliche und sein Horror! Umgekehrt hat auch der Horror sein Niedliches. Ein Kafka-Porträt und das „Fruit girl“ mixen die Kulturen – und es wird nicht nur exotisch effektvoll, sondern gibt auch Stoff zum Denken. Stephan Popella zeigt unter anderem den toten Ghaddafi als „Pieta“ von Handy-Fotografen umzingelt. Realistische Malerei mit kritischem Anspruch lädt sich das Erbe der „Problembilder“ aus DDR-Zeiten auf die Schultern. Hintergründig wird in dem

Aus der Fläche hervortretend

Im fünften Stockwerk des Tietz stellen sich neun Künstler der Galerie Laterne mit neuen Arbeiten vor.

D

a oben ist die Volkshochschule untergebracht, die schon verschiedentlich mit dem Kunstverein kooperierte. Erinnert sei zum Beispiel an die jährlichen Fotowettbewerbe. – In der Galerie selbst waren kürzlich zum Teil die gleichen Künstler mit Ergebnissen von Plainairs zu sehen. Auch das eine sehenswerte Schau. Hier nun aber Nadja Bernhardt, Volker Beyer, Volkmar Förster, Raimund Friedrich, Reiner Lenk, Andreas

„Wahl“, Stephan Popella – exzellent gemalten – Bild „Wahl“ historischer Abstand mit der Ferne, aus der die abgebildeten Chinesinnen kommen, konfrontiert. Welten kommen zueinander. Alexej Tchernyis Thema ist die Monumentalität, das Pathos. Er nimmt die Leinwände vom Keilrahmen, um die Wucht ins Graue, Abgetragene, Verarmte zu wenden. „Beaten“ und „Maidan“ heißen zwei zornige Bilder. Alle drei gehen mutig mit historischen Bezügen um und scheuen Politisches nicht. Sehens- und bedenkenswert. Hans Brinkmann Galerie Merbecks: Zeitgenossen, bis 16.1.2015

Lochter, Uli Schönberg, Fritz Schönfelder und Andreas Schüller „unter Glas“, das heißt: auf Papier. Im Vergleich zu den Zeichnungen in der NSG, die im vorigen Monat hier besprochen wurden, fällt auf, dass kaum Zeichnungen – „rein aus der Linie“ – vertreten sind. Andreas Schüller ist mit seinen SchwarzweißFaserstiftzeichnungen die Ausnahme zur Bestätigung der Regel. Vielmehr gilt allen die Fläche als Herausforderung. Auch spotten sie in der Wahl der Mittel eher der Idee der „Reinheit“, auffallend sind die vielen Mischtechniken, Materialbilder usw., einmal ist Druckgrafik vertreten (Holzschnitt), einmal digitale Fotografie, Aquarelle... Hauptunterschied ist jedoch, dass die Blätter sich völlig vom Skizzenhaften und Vorläufigen, das der Zeichnung ja ihrer Herkunft nach immer noch anhaftet, gelöst haben. Was hier auf

„Fruit Girl“, Wu Zhi

dem Papier geschieht, versteht sich von Anfang an als endgültig. Man kann es in der Kunst immer so halten oder auch ganz anders. Das ist ja das schöne. Und wenn in einem Haus – es möge uns erhalten bleiben und immer gut ausgestattet – verschiedene Angebote vorliegen, lässt sich sowohl das eine sehen, als auch das andere. Vielfalt gewinnt. Der Laterne e.V. repräsentiert (nicht allein, auch mit seinem Umfeld) eine Generation von Künstlern, die aus dem regionalen Raum heraus und weit über diesen hinaus produzieren. Auch in diesem Sinne aus einer – recht fruchtbaren – Fläche kommend. Unverdrossen. Weiter so. Hans Brinkmann DAStietz (Volkshochschule): Laterne unter Glas, bis 18. Dezember

Fotos: Galerie Merbecks, Laterne

Nicht versäumt werden sollte ein Besuch der Galerie Merbecks im Stadtteil Schlosschemnitz. Sie ist ein wichtiger, ernst zu nehmender Ort für junge bildende Kunst in der Stadt.

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