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Einmal um die Welt In unserer Serie über die Mode-Trends rund um den Erdball beschreibt diesmal DIRK EIDNER, was er auf den Straßen Englands so alles zu sehen bekommt. Der gebürtige Chemnitzer studiert gerade in SOUTHAMPTON und betreibt seit mehreren Jahren den Modeblog StyleSnap.

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iermit erkläre ich den „MainstreamHipster“ offiziell für tot. Was sich schon in Deutschland angedeutet hat, wird mir hier in England täglich bestätigt: Der Versuch, Individualität durch Kleidung auszudrücken, ist auf ein Neues gescheitert. Nach und nach haben sich die „vertretbaren“ Elemente wie Ray-Ban Brillen, Undercuts und Jutebeutel durchgesetzt und den ursprünglich durch scheinbar verwahrloste Unstimmigkeit definierten Hipster zu dem gemacht, was er heute ist: hübsch! Und jetzt ist auch schon wieder Schluss damit. Neue Trends erobern den Markt und so ist es mir eine ausgesprochene Freude, wenn ich in Camden Town oder auf dem Bricklane Market in London auf die wesentlich interessantere „echte“ Hipster-Spezies treffe, wie ich sie weder in Tel Aviv, noch in Rom, Berlin oder New York gesehen habe. Doch die englische Jugend im Allgemeinen scheint Gefallen an modischer Gleichschaltung zu haben. Klar - denn uniformiert gehen sie ja auch zur Schule. Apropos uniformiert: Gemessen an der Anzahl deutscher Bundeswehrjacken, die mir hier auf der Straße begegnen, könnte man meinen, wir hätten den Krieg gewonnen. Grüne Army-Jacken und Parkas sind, obwohl dieser Trend nun schon ein paar Jahre anhält, häufiger vertreten als je zuvor und bieten einen modischen Schutz vor Nässe und Kälte. Jene wiederum scheinen dem Engländer nichts auszumachen. Besonders auf dem Weg zur Party

ist den Mädchen kein Rock zu kurz, kein Ausschnitt zu tief und auch sonst wird alles gezeigt, was der Mama und dem durchgängig frittierten Essen zu verdanken ist. Mal von der Fashion Week abgesehen, habe ich hier auch kaum Mädchen mit Hosen gesehen. Schwarze und bunt gemusterte Leggings hingegen umso häufiger. Und was tragen die Jungs? Denen ist die Tradition schon eher anzusehen. Polo-Shirts von Fred Perry als Beispiel zeitloser Mode sind ebenso allgegenwärtig wie Omis Strickpulli. Dazu schickt sich ein locker sitzender Beanie und an die Skinny Jeans schließen sich Loafers. Wenn die Omi schon den Geist aufgegeben hat oder auch sonst kein Pullover zur Hand ist, greift man zu Shirts von Topman. Was deren Aufdruck betrifft, so weicht der sparsame Gebrauch puristischer, geometrischer Formen einer tapetenhaften Bepflasterung. Aber das Beste daran ist: Das Ende der Ära des Dreiecks scheint ebenfalls eingeläutet. Wer nicht weiß, was ich damit meine, sollte auf Google mal nach Bildern für „Dreiecke Hipster“ suchen. Aber Achtung: Wenn einem das einmal aufgefallen ist, sieht man überall nur noch Dreiecke. Schönstes Beispiel ist das Cover für das Mixtape „Easy“ von Cro, auf dem neben vielen schönen Dreiecken auch das letzte englische Muss zu sehen ist, das unbedingt noch zum Abschluss genannt werden sollte: Das komplett zugeknöpfte Jeanshemd. So. Ich geh‘ jetzt wieder raus und mach‘ ein paar Fotos. Die gibt’s dann wie gewohnt auf stylesnap.de. Grüße in die Heimat!

Fotos: Dirk Eidner

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Stadtstreicher 11/12  

Stadtstreicher Ausgabe Nr. 257

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