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Viel Blech und das große Du Der KultRaum bietet Kultur Raum

„S

o“, murmelt der Reporter in seinen Stoppelbart und verschließt die Tür seiner Textschmiede. Kultur ist eine Diva. Sie sucht einen selten persönlich auf, schon gar nicht in der Redaktion der Kleinmachnower Zeitung. Da muss der Reporter sich schon selber mühen, wenn er die Kulturseiten der Lokalpostille zu füllen hat. Mit diesem „So“ im Bart stürzt er sich also in das, was er ironisch Kleinmachnower Nachtleben heißt.

Kulturleben

Dass um die Diva Kultur in Kleinmachnow viele Worte gemacht werden, das weiß man aus den zähen Debatten um die Kammerspiele oder den Zehlendorfer Damm 200. Kultur hat fast schon etwas hetärenhaftes. Zumeist nämlich will sie bezahlt werden. Und wer nicht zahlt, der darf sich selten nur an ihrem Busen laben. Es sei denn, man wird zum Schöpfer und schöpft sich seine eigene Kulturoase, eine, die so ist wie man sie selbst eben gerne hätte, wenn möglich ohne viele Worte.

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Der Reporter also radelt in die Kleinmachnower Nacht, die hier schon um 19.30 Uhr beginnt – auf der Suche nach einer Kultur-Oase namens KultRaum. Die Homepage versprach für jenen Abend eintrittsfreie Jazzsession, guten Wein und feines Bier. Nichts wie hin also, denkt sich der Reporter, um auf kulturell wertvolle Weise sein Überstundenavere ein wenig aufzupolieren. Und ... er hat die Text: Rolf Niebel, Foto: Sebastian Semmer

Jazzkultur im KultRaum falsche Adresse recherchiert. Die Straße ist dunkel, kein Mensch zu sehen, kein Blechblasinstrument zu hören. Läuten an der Tür. Eine junge Frau öffnet und fragt nach dem Begehr. Wo denn wohl der KultRaum sei, fragt der Reporter. Da schmunzelt sie: „Da musst Du zur Thälmann-Straße und dann in den Kapuzinerweg 16.“ Da war es, das große Du. „Danke“, sagt der Reporter und radelt weiter durch die Nacht. Im Kapuzinerweg funzelt eine alte DDR-Laterne vor sich hin und aus der Nummer 16 dringt Getrommel mit Pianoklängen. Ein improvisiert beleuchtetes Schild verheißt den KultRaum. Auf einer kleinen Bühne streichen

die Besen über Trommelfelle und hinter dem Klavier wippt ein Haarschopf im Takt. „Bist Du Raucher?“ Der Herr hinter dem Tresen benötigt ein Feuerzeug zum Entzünden von Teelichtern. Da ist es schon wieder, das große Du. Der Reporter bejaht, bedauert, trotz allem kein Feuer mit sich zu führen und ordert ein Bier bei Frank. Frank heißt mit vollem Namen Frank Nägele und hat im April 2009 mit einigen Gleichgesinnten den KultRaum e.V. ins Leben gerufen. Einen gewissen Mangel hatte man seinerzeit verspürt in Kleinmachnow. Und da die große Dame Kultur eben nicht so einfach durch die Tür spaziert

kommt, musste man eben selbst zur Tat schreiten. Die GEWOG stellte bislang das Haus im Kapuzinerweg 16 zur Verfügung, das sie nicht vermieten konnte oder wollte. Der Verein hält das Haus nun warm und trocken und zahlt die Betriebskosten. Dafür gibt es in Kleinmachnow seit mehreren Jahren eine Kleinkunstbühne der besonderen Art. Künstler wie das Trio Rio, Sebastian Krämer oder Arnulf Rating geben sich hier die Klinke in die Hand. Und dann kommt sie doch durch die Tür, die Kultur – in Form von Kontrabass und jeder Menge Blechinstrumentarium. Der Frank ruft gestikulierend nach dem

Bürgerinformation Kleinmachnow Nr. 10

Bürgerinformationsbroschüre Kleinmachnow 2012  

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