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A C H T U N G : G E S U N D H E I T I N G E F A H R ! // Man kennt es: Halsschmerzen, Bronchitis oder ein kleiner Infekt – begibt man sich in ärztliche Behandlung, so verlässt man die Praxis oftmals mit einem Rezept für ein Antibiotikum in der Hand. Das Fatale: Nicht immer ist das Medikament notwendig; es kann sogar Schaden anrichten. Stichwort: Multiresistente Keime.

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in bisschen Husten hier, ein bisschen Schnupfen da – und zack, ist das Antibiotikum schon geschluckt. Immerhin verspricht es bereits seit Jahrzehnten schnelle Hilfe gegen lästige Krankheiten. Früher, die Kinder der 80er Jahre werden es kennen, hat man bei wirklich allen Kleinigkeiten Antibiotika verschrieben bekommen. Es galt als Zaubermedikament und hat jeder noch so großen Infektion den Garaus gemacht. Wenn man sich zurückerinnert, wie oft man dieses Medikament wohl schon genommen hat, so verhält es sich hier wahrscheinlich wie mit Aspirin, Ibuprofen & Co.: Man kommt gar nicht mehr hinterher mit dem Zählen. Was früher der Goldstandard im Rezepteblock des Hausarztes war, wird heute jedoch kritisch hinterfragt. Denn so langsam wird deutlich, dass Antibiotika nicht immer einen Nutzen haben und – falsch oder zu schnell verschrieben – langfristig sogar Schäden anrichten können. Mittlerweile warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie andere Institutionen sogar vor der zu schnellen Einnahme von Antibiotika. Nicht, weil es in unserem Körper einen direkten Schaden anrichtet, sondern weil die Verursacher der Krankheiten resistent werden. Wichtig zu wissen ist, dass Antibiotika nur gegen bakteriell verursachte Krankheiten wirksam sind, nicht aber bei Viren. Oft untersuchen Ärzte gar nicht, ob die Erreger bakterieller oder viraler Art sind; stattdessen wird prophylaktisch ein Breitbandantibiotikum verschrieben. Hilft ja immerhin gegen alles. Wird also auch in dem individuellen Fall das Richtige sein. Problematisch ist heutzutage jedoch, dass es immer mehr Fälle gibt, in denen das Medikament nicht anschlägt. In solchen Fällen kann es sein, dass die Erreger resistent geworden sind und nicht mehr auf das Antibiotikum anspringen. Man spricht in diesem Fall von multiresistenten Keimen. Und diese könnten in der Zukunft eine Bedrohung für die Weltbevölkerung werden.

Antibiotika erobern die Welt Was früher unbedacht verschrieben wurde, ist heutzutage in große Kritik geraten. Erreger können sich verändern und das Medikament somit wirkungslos werden lassen. Foto stevepb / pixabay.com

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 3 | 19  

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