KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 11 | 21

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Da ist zum einen Giuseppe »Gastone« Porrello, – halb Sarde, halb Sizilianer und ein ganzer Frankfurter. Die Stimme mal zart, mal rau - mal deutsch, mal italienisch. Sein Songwriting: einfach genial. Also macht er das, was er am besten kann; wenig sprechen, viel singen und unglaubliche Lieder schreiben. Wie die aktuelle Release »Eine Million Lieder« beweist. Entstanden ist der Song mitten im Lockdown bei einer Songwriting-Session in Porrellos Studio, in Teamwork und mit der gemeinsamen Vision: Ein Lied als Liebeserklärung zu kreieren, – aber nicht an eine bestimmte Person, – sondern an alle, die in Krisenzeiten zusammenhalten. Heraus kam ein Song, der berührt, den Zuhörer in ein Gefühl von Vertrautheit hüllt und unbedingt mitgesungen werden will. Ein echter Söhne-Song eben.

Zum anderen ist da Karim Amun, bei dem man sich ganz klar fragt: Wo hatte er sich denn bisher versteckt? Der 36-Jährige steht tatsächlich erst seit ein paar Jahren auf der Bühne. Okay, zugegeben: Er hat nach eigenen Angaben schon im Kirchenkinderchor gesungen, früher bei der Oma in den Sommerferien. Aber reicht das für die ganz große Bühne? Verdammt ja! Diese Stimme, unglaublich. KOMPASS hatte ganz kurz vor Konzertbeginn die Gelegenheit auf einen Mini-Plausch mit dem »neusten« Mitglied der Formation.

Foto JoKri

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ass die Söhne Mannheims eine Ausnahmeerscheinung in der Musikszene sind, würde wohl niemand angesichts von so zeitlosen Hits wie »Und wenn ein Lied« und »Das hat die Welt noch nicht gesehen«, unzähligen Goldenen Schallplatten und renommierten Auszeichnungen verneinen wollen. Dennoch war es in den letzten Jahren nach dem Weggang dreier prominenter Gründungsmitglieder ruhig um das multikulturelle Kollektiv geworden, das man getrost als eine der großartigsten LiveFormationen Deutschlands bezeichnen darf. Und weil jedem Abschied auch ein Anfang innewohnt, melden sich die Mannheimer Barden im Jahr 26 ihres Bestehens nicht nur mit beeindruckenden Songmaterial, sondern auch mit zwei »neuen« Gesichtern zurück.

KOMPASS: Die Söhne Mannheims feierten in den 2000er-Jahren unglaubliche Erfolge. Ich gehe einfach mal davon aus, dass Du als »Heidelberger Junge« auch schon vor Deinem Beitritt zur Band von den Söhnen gehört hattest. Das muss doch ein Riesendruck sein, wie gehst Du damit um?

Karim: Das ist tatsächlich das erste Mal, das ich diese Frage gestellt bekomme. Natürlich bin ich damit aufgewachsen. Als es losging 1995 war ich zehn Jahre alt. Dementsprechend habe ich in den 2000ern aktiv Musik gehört. Für mich war die Vorbildfunktion also immer da. Als ich das erste Mal zu einer Probe eingeladen wurde? Ich habe gezittert, das muss ich schon sagen. Das ist für mich ein großes Erbe, das ich da antrete, weil ich jetzt mit meinen Jugendhelden musizieren darf. Ich glaub, ich mach mir am meisten Druck. Die anderen sagen immer, das ist schon alles in Ordnung so. Aber ich guck halt immer, dass ich dem auch gerecht werde, was wir da machen. Die letzten 18 Monate waren für jeden von uns eine große Herausforderung.Was hast Du persönlich am meisten vermisst?

Ich glaube die Situation, vor der ich jetzt gerade stehe. Es ist sieben Minuten vor Showtime, man hat ein bisschen Aufregung, man hat ein bisschen Anspannung, man hört das Gemurmel vor der Bühne, sieht es aber nicht so richtig ... Und ich glaube, der Moment, wo man dann auf die Bühne geht und runterguckt in echte Gesichter von echten Menschen, die lachen und vielleicht sogar klatschen – ich glaub, das habe ich am meisten vermisst.

Karim Amun Diese Stimme sorgt für Gänsehaut. Aufgewachsen in Heidelberg, 36 Jahre jung. Erst seit ein paar Jährchen steht er auf Bühnen und singt. Foto JoKri

Ihr seid ein absolutes Multikulti-Team und Ihr spielt ebenfalls schon immer in wechselnden Besetzungen. Trotzdem gelang und gelingt es Euch immer, eine gemeinsame Sprache zu finden. Gib uns doch bitte einen Tipp für ein harmonisches Miteinander.

Also bei uns, – meine ich als »Neuer« habe das jetzt auch erst erlebt - sagt jeder genau das,

was er denkt und es bekommt jeder den gleichen Respekt von allen Seiten. So kann man in einen Diskurs gehen und die Sachen besprechen. Wenn wir ein Thema haben, wo wir merken, da schaukelt es sich gerade hoch, – wir machen ja derzeit meist Zoommeetings, – reden wir dann sehr klar und offen miteinander über das, was uns bewegt und was uns umtreibt. Da bekommt man einerseits Support und natürlich auch andere Meinungen; und bei zwölf Charakteren kommen natürlich zwölf Meinungen zustande. Ich glaube, das macht auch die Magie in der Band aus. Die Band ist ein »safe place«, das ist der einzige Grund, warum das überhaupt funktioniert, glaube ich. Was treibt Dich an?

Spaß. Freude. Ich möchte jeden Tag so schön machen und haben, wie es eben geht. Und als ich dann gemerkt habe, ich könnte mit Musik mein Geld verdienen, war für mich klar, dass ich das probieren möchte. Dass es jetzt so gut geklappt hat, hätte ich mir nie träumen lassen. Aber mich treibt Freude an, es macht einfach Spaß und man kann die Freude weitergeben und dann multipliziert sie sich und kommt zurück. Ich glaube, dafür machen wir es alle. Mit den drei Veröffentlichungen »Moral«, »Miracle« und »Eine Million Lieder« habt ihr schon reichlich Vorgeschmack auf Euer neues Album gemacht, wann dürfen wir denn nun mit der Veröffentlichung rechnen?

Das ist eine gute Frage. Ich glaub, ich kann das zeitlich überhaupt noch nicht betiteln. Bald. (lacht) Und dann ist es schon so weit, wir müssen uns verabschieden, die Bühne ruft. Vor ihr Menschen mit glücklichen Gesichtern, in ausgelassener Stimmung, die zwischen jugendlichem Erinnern und erwachsenem Genießen die großen Hits mitsingen und den neuesten verzückt lauschen. Text JoKri Info www.soehne-mannheims.de 11 21

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