KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 11 | 21

Page 32

Das Schöne an dem Buch ist nun, dass die beiden Autoren die von ihnen vorgestellten Sehenswürdigkeiten sowohl opulent und witzig illustrieren, aber auch in gefällige Geschichten packen. Am Beispiel unseres Altenhainer Sportplatzes wird die Geschichte an der Seitenwahl beim Fußball festgemacht, die eigentlich eben keine größere Bedeutung für den Spielverlauf haben sollte; mal abgesehen von Altenhain. Dort sollte es von Vorteil sein, in der ersten Halbzeit bergauf zu laufen, um diese Mühe dem Gegner in der zweiten Halbzeit aufzubürden. Ob diese Taktik schon dazu geführt hat, Fußballspiele zu entscheiden, wird sich allerdings wohl nie endgültig feststellen lassen. Dass der Platz heute nur noch sporadisch genutzt wird, weil es seit 2005 einen neuen (ebenen) gibt, tut der Kuriosität keinen Abbruch. Ganz besonders sympathisch an dem Buch ist außerdem, dass die beschriebenen Sehenswürdigkeiten ganz bunt aus dem Menschenleben gegriffen zu sein scheinen. Die Spanne reicht dabei sehr, sehr weit; eine Bank, die zum Ausruhen einlädt zählt genauso zu den Sehenswürdigkeiten wie zum Beispiel eine bunt gestaltete Treppe oder ein Gourmet-Automat. Sie wissen nicht, was das ist? Nun, ein umtriebiger Chemnitzer Restaurantbetreiber hat sich gedacht, dass man doch hochwertiges Essen durchaus auch »to go« anbieten könnte und kurzerhand zwei Gourmet-Automaten aufgestellt, aus denen man die Feinschmecker-Menüs ziehen kann. Ganz interessant wird es dann übrigens auch, wenn die Sehenswürdigkeiten absolut von den gängigen Denkmustern abweichen, wie zum Beispiel bei der Ringbuslinie, die es in Chemnitz erst seit 2017 gibt und die sich zunehmender Beliebtheit bei den Chemnitzer*innen erfreut. Man sieht also, dass sogar Buslinien das Zeug zu Sehenswürdigkeiten haben.

INTERESSANTES IM KLEINGEDRUCKTEN Jeder Beitrag ist mit mindestens einem Bild illustriert. Wissenswertes erfährt man neben der Geschichte zum Sehnsuchtsort auch, wenn man das dortige Kleingedruckte interessiert liest. Oft wird mit Querverweisen auf in der Nähe befindliche weitere Sehenswürdigkeiten verwiesen und die Erreichbarkeit mit dem städtischen Nahverkehr ist auch vermerkt. So mausert sich dieses Büchlein fast schon zu einem Kompendium teilweise unentdeckter (oder schwer entdeckbarer) Orte. Wer aus Chemnitz stammt, hier schon länger wohnt oder arbeitet oder die Stadt aus welchen Gründen auch immer gut zu kennen vermeint, wird beim Schmökern aber ganz sicher noch etwas feststellen. Die vorgestellten Orte sind relativ willkürlich gewählt; gemach, damit soll keiner der Lokalitäten zu nahe getreten werden, denn sie haben ganz sicher alle eine Berechtigung, in dem Büchlein aufgeführt zu werden. Aber um es konkret zu machen: Die Einsiedler Brauerei findet man, die Reichenbrander Brauerei nicht. Logisch, das Büchlein heißt ja auch nicht »1.111 Orte in Chemnitz, die man gesehen haben muss«, sondern die Auswahl beschränkt sich eben auf 111 Orte, da muss man Abstriche machen können und auswählen, was auch zu Lasten anderer interessanter Örtlichkeiten gehen kann.

Haltestelle Pelzmühle-Tierpark Alvin, der übergroße Räuchermann ist das Wahrzeichen des Spielplatzes an der Pelzmühle.

Traumhafte Ausblicke Der Rosengarten an der Heinrich-Lorenz-Straße ist von Frühsommer bis in den November ein Blickfang.

BUCHTIPP

111 Orte in Chemnitz, die man gesehen haben muss Lea Becker, Benjamin Schaller; Verlag: emons Verlag ISBN 978-3-7408-1175-4 Preis: 16,95 EUR

Inhalt Was haben die vier Audi-Ringe mit einem leerstehenden Krankenhaus zu tun? Wo können Gourmets ihr Essen am Automaten ziehen? Und wie trainiert es sich auf Deutschlands schiefstem Fußballplatz? Entdecken Sie 111 unerwartete, bedeutsame, verborgene und liebgewonnene Chemnitzer Orte, die im Nischel bleiben.

DA FÄLLT UNS ETWAS EIN … Eigentlich schade, denn Chemnitz hat mit Sicherheit noch x-mal 111 Orte, die genauso sehenswert sind. Zum Beispiel denke ich an den Spielplatz an der Pelzmühle in Rabenstein, an die Papeterie Haamit oder die Buchhandlung Lessing & Companie auf dem Kaßberg, die schönherr.fabrik, neu angelegte Blühwiesen, die das Stadtbild im Sommer verschönen, in Rabenstein den Eisenbahnviadukt oder das Wildgatter, den Lessingplatz, das Gablenzer Freibad, den Signalgarten in Hilbersdorf ... Sie merken schon, die Aufzählung könnte man an dieser Stelle noch lange fortsetzen. Ganz sicher haben auch die KOMPASS-Leserinnen und Leser Lieblingsorte in Chemnitz, die nicht so im Fokus stehen wie Roter Turm oder Opernhaus. Dann lassen Sie es uns doch einfach wissen und schreiben Sie uns. Am besten funktioniert das per Mail und wenn Sie ein Foto Ihres Lieblingsortes mitschicken wollen, dann bitte in guter Auflösung, sodass wir es gegebenenfalls auch drucken können. Die Redaktion wird dann für eines der nächsten Hefte einen weiteren Beitrag zusammenstellen, der sich Orten in Chemnitz widmet, die erst auf den zweiten Blick interessant werden. Dann aber umso mehr. Und wenn das Ganze noch mit einer interessanten Geschichte garniert wird, ersparen Sie uns sogar noch ein wenig Arbeit … oder sollte ich den letzten Satz wieder streichen. Ach, ich lass ihn stehen …

Text Stefan Tschök Fotos Stefan Tschök 11 21

32

STADTLEBEN T H E M A

« 111 ORTE IN CHEMNITZ


Millions discover their favorite reads on issuu every month.

Give your content the digital home it deserves. Get it to any device in seconds.