KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 11 | 21

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it der Zahl 111 lässt sich sicher trefflich spielen, muss man sich beim Emons Verlag in Köln wohl gedacht haben, ehe man eine Buchreihe konzipierte, die so ganz ab vom RatgeberMainstream á la »Richtig entspannen auf der Gartenbank« oder »Wie bastle ich mir meinen eigenen Schatten« zu liegen scheint und trotzdem Interessent*innen landauf und landab finden dürfte. Neben »111 Orten, die man in … gesehen haben muss« (mit dem Komma, das wir hier selbstverliebt wegen exakter deutscher Sprache eingefügt haben und mit dem die einzelnen Titel auch grammatikalisch richtiger wären) gibt es zum Beispiel auch solch skurril anmutende Titel wie »111 Berliner, die man kennen lernen sollte« oder »111 Insekten, die täglich unsere Welt retten«. Noch ein Beispiel gefällig? Gern doch: »111 Belgische Biere, die man getrunken haben muss«. Jedenfalls scheint die Idee zu tragen, denn im Verlagsverzeichnis tauchen schon wieder die neuesten Titel auf, die eben mit dieser verflixten 111 beginnen. Das mag schön und gut sein, aber trägt das auch für Chemnitz?

ORTE, DIE ES IN SICH HABEN Genau diese Frage müssen sich wohl die 1987 geborene Reporterin Lea Becker und Benjamin Schaller (Jahrgang 1990, auch in der Medienbranche tätig) gestellt haben, als sie sich vornahmen, 111 Orte in Chemnitz zu finden, die es wert sind, in einem solchen Büchlein verewigt zu werden. Beide haben inzwischen ihren Lebensmittelpunkt in Chemnitz und wenn man in dem Büchlein blättert, merkt man, dass es beide auch recht gut zu kennen scheinen. Und jetzt kommt das eigentlich Spannende an dem Büchlein: Man wird in Ecken und an Orte geführt, die alle zu kennen wohl auch die eingefleischtesten Chemnitzerinnen und Chemnitzer nicht wagen würden zu behaupten. Nun gehört Chemnitz trotz Oper, Kunstsammlungen, Museum Gunzenhauser, Markthalle, den Häusern Tietz und Schocken usw. usf. wahrlich nicht zu den Städten Sachsens und Deutschlands, die von historischen Sehenswürdigkeiten geradezu überzulaufen drohen (auf den an dieser Stelle gern herangezogenen Vergleich mit anderen sächsischen Städten wird hier wohlweislich verzichtet), und trotzdem scheint es Novitäten und Sehenswürdigkeiten zu geben, die auch eine gewisse Einmaligkeit aufweisen können. Dabei muss es nicht unbedingt um Sehenswürdigkeiten gehen, die mit historischem Edelrost überzogen sind. Nein, auch das Alltägliche kann seinen Reiz haben, wie man sehen wird.

Refugium in der Stadt

EIN PAAR KONKRETE BEISPIELE GEFÄLLIG? Im Ortsteil Altenhain im Südosten der Stadt gibt es einen Sportplatz. Das scheint nicht der Rede wert zu sein und ein Alleinstellungsmerkmal ist es für einen Ortsteil auch nicht; der Autor dieses Beitrages hat sich nicht die Mühe gemacht nachzuzählen, wie viele Sportplätze es wohl insgesamt in der Stadt geben mag. Und dass ein Sportplatz nicht völlig eben ist, ist auch eine Binsenweisheit, weiß man doch, dass Fußballplätze in großen Stadien sogar so angelegt sind, dass sie, um Pfützenbildung zu vermeiden, in der Mitte sogar ein klein wenig höher als an den Außenlinien sind. Besagter Platz in Altenhain allerdings bringt es auf einen Höhenunterschied von sage und schreibe sechs Metern und siebzig Zentimetern zwischen den beiden Torauslinien. Als ich den Beitrag schrieb, bin ich kurz in unseren Garten gegangen, denn das Häuschen, in dem wir wohnen, dürfte so um die sechs oder sieben Meter hoch sein. Da blieb mir glatt die Spucke weg; dieser Höhenunterschied auf eine Länge von rund einhundert Metern bedeutet nicht mehr und nicht weniger, als dass auf eine Länge von zehn Metern der Unterschied immerhin noch 67 Zentimeter beträgt und er auf einen Meter Länge noch sage und schreibe 6,7 Zentimeter beträgt. Wenn Sie zu Hause einen Tisch haben, der sagen wir mal rund zwei Meter lang ist, dann heben Sie ihn auf einer Seite rund vierzehn Zentimeter an und Sie haben eine gute Verdeutlichung für das Gefälle.

Natur pur gibt es im Chemnitzer Stadtpark.

Die Markersdorfer Oase Foto emons Verlag

Das »Herr Ferdinand« Das Kaffeehaus mit original österreichischem Charme und Ambiente Foto emons Verlag

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