KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 11 | 21

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ünfhundert verkaufte Suppen innerhalb von 45 Minuten – das ist wahrhaft rekordverdächtig. Die Suppenküchenaktion für den kleinen Rudi aus Reinsdorf, der in Berlin auf ein Spenderherz wartet, war in mehr als einer Hinsicht herzberührend. Zum einen, weil sie bewies, wie viel Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten möglich ist und zum anderen, weil sie zeigt, wie weit die Aktionen der Zwickauer Initiative bereits strahlen. Sogar aus dem erzgebirgischen Annaberg reiste eine Gruppe Suppenliebhaber an, um die Spendensammler zu unterstützen. Nicht jeder, der wollte, hatte am Ende einen warmen Seelenstreichler. Der Spendenfreudigkeit tat das glücklicherweise keinen Abbruch, rund 4.200 Euro kamen an jenem Montag im August zusammen. Kompass hat mit sich mit Marko Kaufmann, dem Kopf hinter »Zusammen Füreinander«, über seine Beweggründe unterhalten, die Initiative im April dieses Jahres aus der Taufe zu heben. Entstanden sei das Ganze, weil er persönlich den Eindruck hatte, dass sich die Menschen - je länger die noch immer aktuelle Pandemie dauerte – immer »aggressiver« und rücksichtsloser in der Öffentlichkeit verhielten, anstatt nachsichtig zu sein mit ihrem Gegenüber. »Das empfand ich als sehr unangenehm. Dann hat da auch so eine Verzerrung von Tatsachen stattgefunden, was sich in meinen Augen bis heute weiter zugespitzt hat. Fakten zählen immer weniger, es zählen eigentlich nur mehr Schlagzeilen.« Und Schlagzeilen provozieren, was aus Kaufmanns Sicht zumindest teilweise dazu führe, dass sich die Leute rücksichtslos verhalten und keinerlei Gespür mehr dafür haben, was andere vielleicht leisten. »Und darum ging es mir. Ich wollte zeigen, das sich Leute den ›Arsch‹ für andere aufreißen, in Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen. Oder die Rettungssanitäter, die werden gern vergessen, die als Erstes am Hilfebedürftigen dran sind. Und gerade diese Menschen haben zu dieser Zeit am wenigsten Gehör gehabt.« Klar wurde für sie zunächst applaudiert. Aber die Menschen vergessen schnell, wenn sie Dinge nicht regelmäßig vor Augen gehalten bekommen. Marko Kaufmann Der Zwickauer Unternehmer macht sich für ein Miteinander stark. Foto Ralph Köhler

Also wollten Marko Kaufmann und die beiden Wegbegleiter Benjamin Strunz und Jörg Hempel, den Menschen eine Stimme geben und gleichzeitig »dem Handel, der natürlich auch zu recht frustriert war, signalisieren: Die Bevölkerung unserer Stadt steht hinter Euch und will Euch unter die Arme greifen. Für mich war das ein Stück weit auch hemdsärmelig gedacht.« Entsprechend wurden im ersten Schritt bei verschiedenen Innenstadthändlern 25-Euro-Gutscheine erworben und in den Krankenhäusern und den Einrichtungen verteilt, überall dort, wo Leute mit dem Thema Pandemie beschäftigt waren und sind »und sich dafür einsetzen, dass die Gesellschaft da irgendwie durchkommt.« Dieser Grundgedanke, wie Marko Kaufmann ihn nennt, hatte zweierlei Wirkung, zum einen dankt man mit einer liebevollen Geste all jenen, die in der ersten Reihe standen und bis heute stehen und zum anderen unterstützt man den Innenstadthandel. Denn, wenn die Leute ihre Gutscheine einlösen, beleben sie den Handel in der Stadt und vielleicht verkonsumiert der eine oder andere auch etwas mehr als den Nennwert des Gutscheines, ist sich Kaufmann sicher und nennt das Ganze Mitzieh-Effekt. Dass so eine Aktion »nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, war mir klar. Aber es ist ein Signal und darum gehts.«

PROJEKT METALLBAUKASTEN Und Signalwirkung hat die Aktion, schnell finden sich zahlreiche Unterstützer. »Wir haben von überall her viel Zuspruch bekommen. Dass mit der Unterstützung ging wirklich sehr schnell, das hat mich eigentlich fast gewundert, aber es hat auch gezeigt, dass es sich lohnt, so eine Idee anzuschieben, weil es hier genügend vernünftige Leute im Umkreis gibt, mit denen du etwas reißen kannst.« An Ideen mangelt es den Initiatoren wahrlich nicht, es gebe genügend zu tun. Aktuell fehle es schlicht an der Zeit, alles umzusetzen, immerhin arbeitet das Team ausschließlich ehrenamtlich.Ein neues »ZusammenFüreinander-Projekt« namens »Metallbaukasten« haben sie aber dennoch bereits wieder angeschoben. »Das liegt mir besonders am Herzen, hier geht es um Kinder und die möchten wir auch in den nächsten Wochen und Monaten besonders in den Fokus stellen. Sie haben aus unserer Sicht auch am meisten gelitten. Sie hatten viel zu wenig Zeit mit ihren Freunden, es war nur wenig Teamwork möglich und der ›Metallbaukasten‹ zielt genau da rein. Die Idee dazu hatte Alexander Hellmich. Er geht im Rahmen des Projektes mit seinem XXL-Metallbaukasten in Schulen oder auch andere Kindereinrichtungen und leitet dort die Kinder bei der Umsetzung ihrer persönlichen Projekte an.« So fördere man die Ideen der Kinder, die Gemeinschaft, ihre Teamfähigkeit und Aufmerksamkeit.

Alles in einem »Topf« Unter diesem Motto rief die Initiative bereits zum dritten Mal sieben namhafte Köche der Region an die Töpfe, selbstverständlich für den guten Zweck.

Aufmerksamkeit seitens der Öffentlichkeit wünscht sich Kaufmann auch im Bezug auf die aktuellen Projekte und hofft, dass »man« darüber nachdenkt. »Es gibt so vieles, wo man Kinder mit einbeziehen und sich mit ihnen beschäftigen kann. Da ist ein Metallbaukasten nur eine von vielen Varianten.« Für die Weiterführung ihrer Projekte auch im nächsten Jahr freut sich die Initiative über jede Unterstützung, sei es in finanzieller Hinsicht oder auch sehr gern in ehrenamtlicher Tätigkeit. Eine kurze Kontaktaufnahme über die Webseite genüge und dann findet sich schon ein Einsatzfeld nach den persönlichen Begabungen, verspricht der Mann, der an ein ZusammenFüreinander glaubt.

Text JoKri Fotos Zusammen Füreinander Info www.zusammenfüreinander.de 11 21

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