KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 11 | 21

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NACHHALTIGES BAUEN MIT MASSIVHOLZ Die beiden »Woodscraper« genannten Wohnhäuser im Wolfsburger Stadtteil Hellwinkel sollen zeigen, dass nachhaltiges Bauen mit Holz eine ernstzunehmende Alternative zu bislang genutzten Bauweisen bietet. Die »Woodscraper« werden aus vorgefertigten Massivholzelementen errichtet und sollen eine zeitgemäße und wartungsarme Gebäudetechnik erhalten. Der Baustoff Holz bietet ein ganzes Bündel von Vorteilen. Die Wälder hierzulande liefern genug, um den jährlichen Neubaubedarf zu decken. Das wären etwa 12 Prozent der Holzernte eines Jahres von rund 80 Millionen Kubikmetern Holz. Holz isoliert 15-mal besser als Zement und 400-mal besser als Stahl, so Finkbeiner. Eine 25 cm starke Holzwand ist wärmebeständiger als eine ein Meter dicke Wand aus Ziegelsteinen. Unbehandelte Holzflächen wirken antistatisch und staubmildernd. Zudem behält Holz auch über Jahre seine Dämm- und Schutzwirkung, während gebräuchliche Wärmedämmungsverbünde im Laufe der Zeit ihre Wirkung verlieren.

HÄUSER ALS KOHLENDIOXYD-SPEICHER »Holz ist längs der Faser ein sehr stabiler Baustoff«, so Finkbeiner. Es ist bei gleicher Tragfähigkeit leichter als Stahl und widersteht Druck etwa so gut wie Beton, nimmt im Gegensatz zu Beton aber auch Zugkräfte auf. Bauelemente aus Holz sind nach dem Ende der Nutzungsdauer eines Gebäudes wiederverwendbar. Gebäude wie die »Woodscraper« haben einen weiteren Vorteil: Sie speichern Kohlendioxyd. Denn bei herkömmlichen Bauweisen stecken etwa 50 Prozent der aufgewendeten Energie im Bau selbst. Baut man aber überwiegend mit Holz, sinkt laut Studie der Stiftung Umwelt, dieser Energiebedarf und somit auch der Ausstoß von Kohlendioxyd. Ökologisch & sparsam Die Hightech-Hochhäuser aus Holz sparen bereits beim Bau CO2 ein.

Hohe Wohnqualität Holz wirkt staubmildernd und bildet eine zuverlässige Wärmedämmung.

Das gilt auch dann, wenn das Gebäude wie die beiden Wohnhäuser in Wolfsburg, Fundamente und Treppenhäuser aus Beton hat. Vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung und knapper werdenden Ressourcen bietet der Holzbau die Perspektive, wesentlich umweltschonender zu bauen. Tatsächlich ist die Herstellung von Zement energieintensiv. Etwa 10 Prozent der weltweit erzeugten Energie werden dafür aufgewendet. »Zwischen dreißig und vierzig Prozent der weltweiten CO2Emissionen kommen aus dem Bau und Betrieb von Gebäuden«, weiß Finkbeiner. Hier in Europa ist es sogar die Hälfte.

WERKSTOFF MIT POTENZIAL Zur Zeit sind größere hölzerne Wohnhäuser oder Gewerbebauten selten. Allerdings ändert sich das gerade. Private und gewerbliche Bauherren entdecken das Bauen mit Holz neu. So wurde bereits 2008 in Berlin ein siebengeschossiges Stadthaus in Holzbauweise errichtet. Das momentan höchste Holzgebäude Europas steht in Norwegen. Es ist knapp 89 Meter hoch. Auch in Deutschland wächst die Nachfrage. Partner & Partner haben sich an einem Wettbewerb um den Auftrag für ein 100 Meter hohes Gebäude beteiligt. In Dresden errichtet das Büro die Verwaltungszentrale des Staatsforstes Sachsen – aus Holz. Der erste Spatenstich in Wolfsburg steht noch aus. Allerdings gibt es seit Dezember 2020 eine Anhandgabe an einen Projektentwickler in Berlin. Im Moment gilt es, die Kosten bei den gestiegenen Holzpreisen zu bestimmen. »Wir gehen davon aus, dass wir im nächsten Jahr beginnen können«, sagt Jörg Finkbeiner.

Text Friedrich List Fotos Partner & Partner Architekten 11 21

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