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Natürlich kann man nicht einfach den Job aufgeben - wenn man überhaupt einen hat - und das Portemonnaie ins Wasser schmeißen. Wie geht man an eine solche Lebensänderung heran? Und: Wie kann man gut leben ohne Geld? Hier eine weitläufige Sammlung von Tipps und Tricks:

Kostenlos essen Ohne Geld braucht man entweder Tauschhandel oder Wohltätigkeit. Man kann nach kostenfreiem Essen fragen: bei einem Restaurant, auf einem Markt, bei einem Supermarkt, auf einem Bauernhof oder bei einem Gemeinschaftsgarten. Auch ist es möglich, online kostenlos Essen zu bekommen dank kostenfreier Kostproben und Coupons, oder neuer Initiativen wie foodsharing.de, die es Leuten erlauben, ihr übrig gebliebenes Essen anzubieten. Eine weitere Option bietet das Sammeln von Essen in der Natur. Ein Feldbeuter braucht ziemlich viel Pflanzenwissen. Der Großstadtmensch kann unsere Wegwerfkultur ausnutzen, indem er containert : Nicht alles was Supermärkte oder Frischmärkte wegwerfen ist Müll.

Günstig wohnen Ein weiteres Elementarbedürfnis ist Obdach. Die meisten mehr oder weniger bedürftigen Menschen mieten kostengünstig dank sozialem Wohnraum. Umsonst und dauerhaft wohnen kann sich über ein Tauschgeschäft ergeben: Wer seine Arbeitskraft kostenlos zur Verfügung stellt, sei es für soziale Einrichtungen oder karitative Organisationen, findet unter Umständen eine kostenlose Herberge. Anderenfalls könnte man auch bei anderen wohnen, ein Mobilheim bauen oder eine Eigentumswohnung erwerben.

Reisen ohne Geld Reisen ohne Geld ist einfach: Laufen ist umsonst. Auch fernere Reiseziele sind erreichbar dank Trampen, worüber es viele Informationen im Internet gibt. Blablacar ist eine Mitfahr-App, die leere Reiseplätze an Reisende vermittelt. Oder man teilt das Auto durch Carsharing. Erschwingliche oder sogar kostenlose Übernachtungsweisen sind Haushütten und Couchsurfing. Im Netz gibt es auch diverse Gruppen und Plattformen, wie zum Beispiel die Facebook-Gruppe Urlaub gegen Hand oder www.helpx. net , www.workaway.info oder www.helpstay.com. Hier findet man unzählige Orte, an denen man umsonst Urlaub machen kann, wenn man seinem Gastgeber für ein paar Stunden am Tag helfend zur Hand geht. Auch für den Rest der Lebensbedürfnisse lässt sich eine Lösung finden, manchmal sogar völlig kostenfrei. In sogenannten Umsonstläden findet man viele nützliche Sachen: Kleidung, Bücher, Spielzeug, einen Computer oder eine Pfanne. Solche Läden funktionieren durch Tauschhandel, was man auch in der eigenen Nachbarschaft in die Praxis umsetzen kann. Nicht alles muss neu sein, sogar für Geschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten braucht man nicht unbedingt Geld. Und nicht nur Sachen sind tauschbar: auch Dienstleistungen, wie zum Beispiel Haare schneiden, lassen sich ohne Geld besorgen.

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Lebensstil tr e n d

Menschen, die ohne Geld leben Gibt es tatsächlich Leute, die ganz ohne Geld leben? Ist das überhaupt möglich? Ja und ja. Es gibt viele inspirierende Menschen, die den Schritt in ein Leben ohne Geld schon und auf ihre ganz eigene Weise gewagt haben. Menschen, die eine Welt ohne Geld, eine freie Welt, eine unschätzbar reiche Welt hervorzaubern, für die Umwelt und eine freundlichere Gesellschaft.

Annemarie Schwermer lebte 20 Jahre ohne Geld. Sie gründete ein Tauschnetzwerk namens Gib und Nimm. Für Schwermer war die Gründung der Tauschzentrale und ihr Leben ohne Geld sowohl eine politische als auch eine sprituelle Tat. Sie war der Meinung, »dass die Würde als Mensch nicht davon abhängt, was ich habe, sondern was ich bin«. Da sie Sachen und Dienste tauscht, sieht sie es - begründet - nicht als betteln. Sie fühlte sich nicht abhängig, sondern unabhängiger als je zuvor. Raphael Fellmer und seine Familie leben seit 2010 ohne Geld und ohne Einkommen, um mehr Bewusstsein für die Verantwortung zu schaffen, die wir alle für Hunger, Ungerechtigkeit und Umweltzerstörung tragen. Raphael lebt mit Frau und zwei Kindern in Berlin. Regelmäßig macht er Medienauftritte, sogar beim Fernsehen und Vorträge, alles ohne Bezahlung. Nebenbei arbeitet er auch bei Foodsharing und hat ein eigenes Buch geschrieben mit dem Titel »Glücklich ohne Geld- Wie ich ohne einen Cent besser und ökologischer lebe«.

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 9 | 19  

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