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So kÖnnen Sie ihr kinD beim SPrechen lernen unterStÜtzen:

kleine, große lauscher Bereits im Mutterleib lauschen die Kleinen aufmerksam den sie umgebenden Geräuschen. Foto Free-Photos // pixabay.com

AmmenSPrAche auch: Baby Talk, mütterliche bzw. väterliche Sprech- und Sprachweise gegenüber ihrem kleinen Kind. Hauptmerkmale der Ammensprache von Müttern und Vätern bzw. primären Bezugspersonen sind z. B. erhöhte Tonlage, variationsreiche Intonation, häufige Wiederholungen wichtiger Wörter, Dehnung von Vokalen, einfache und kurze Sätze, kindgemäße Bezeichnungen. Sie ist also nicht nur genau an die Bedürfnisse der Winzlinge angepasst, sondern auch ein kulturübergreifendes Phänomen. Praktisch weltweit wird in ähnlicher Art und Weise mit Babys gesprochen. Übrigens: Auch Kleinkinder ab ca. vier Jahren benutzen instinktiv die Babysprache, wenn sie beispielsweise mit kleineren Geschwistern sprechen.

AlberneS »Dutzi Dutzi«? Doch was hat es nun mit all den Verniedlichungen und hochtonigen, singsangartigen Kurzsätzen auf sich? Hilfreich oder nicht? Während die einen »Balli«, »Katzi« und Co gern aus der kindlichen Kommunikation verbannen würden, sehen nicht wenige Experten darin ein probates Mittel, den Zugang zur Sprache für die kleinen Lauscher spannend zu gestalten. Tatsächlich kommen Wissenschaftler der University of Edinburgh in einer aktuellen Studie zum Ergebnis: Babysprache kann die Sprachkompetenz der Kinder fördern. Konkret lege die Beurteilung der Studie nahe, dass je mehr Wörter die Kleinen in Babysprache erlernen, desto schneller entwickeln sie – auch im direkten Vergleich mit anderen Säuglingen - den eigenen Wortschatz über neue Wörter weiter. So lernten Babys, die mit neun Monaten häufiger Wörter wie »Choo-choo« anstelle von »train« (engl. für Zug) oder »Bunny« hörten, bis zum Alter von 21 Monaten mehr neue Wörter als Gleichaltrige, die weniger Babysprache hörten. Für die Studie wurden übrigens 47 Babys im Alter von neun Monaten über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht, wobei die Forscher den Wortschatz der Kinder im Alter von 9, 15 und 21 Monaten prüften. Insbesondere Wörter, die auf einen I-Laut enden, wie das englische Wort »bunny«, Wortdoppelungen sowie Laute, die konkrete Geräusche nachahmen, halfen den Kindern dabei, neue Wörter in den Sprachgebrauch aufzunehmen.

Stimulieren können Sie die sprachliche Entwicklung Ihres Kindes, indem Sie gemeinsam Bilderbücher lesen, singen und Reime aufsagen. Erzählen Sie von Ihrem spannenden Alltag, verwenden Sie dabei einfache, kurze Sätze, sprechen sie darüber, was Sie gerade sehen oder tun. Übrigens: Man sollte das Kind nicht ständig verbessern. Viel effektiver ist es, das richtige Wort oder die korrekte Aussprache auf natürliche Weise ins weitere Gespräch einfließen zu lassen. Das Kind nimmt diese indirekte Korrektur sehr wohl wahr.

»Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Verniedlichungen und Wort-Doppelungen – die sich häufig in der Babysprache der verschiedensten Sprachen finden lassen – die frühe Entwicklung des Vokabulars fördern können.«

Dr. Mitsuhiko Ota, leiter der Studie

ein zuSAmmenSPiel Vieler komPonenten

Doch nicht nur der Klang macht in diesem Fall die Musik, auch die Mimik ist elementar, weiß Prof. Dr. Ulrike Lüdtke, sie lehrt und forscht am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz-Universität Hannover. Gerade zu Beginn laufe das Erlernen nicht über Worte, die Mimik des Gegenübers ist zunächst das Wichtigste. Neugeborene bemerken durch sie, dass Mama und/oder Papa auf sie reagieren, umso irritierender kann das Ausbleiben einer Reaktion sein. Das sogenannte »Still Face Experiment« (Bewegungsloses-Gesicht-Experiment) geht zurück auf den amerikanischen Entwicklungspsychologen Edward Tronick und bewies, wie sehr das Kleinstkind tatsächlich darauf angewiesen ist, dass die Mama mit ihrem Gesicht, ihrer Mimik auf es reagiert. Zeigte die Mutter keine Reaktion, wurde das Kind misstrauisch, unruhig, ängstlich und sogar verzweifelt. Erst wenn die Mütter ihre Gesichter wieder bewegten, beruhigten sich die Kinder.

Sprechen lernen ist also weit mehr als das bloße Erlernen eines Wortschatzes. Sprechenlernen setzt einen nonverbalen Dialog zur Bezugsperson voraus, die durch Mimik, Gestik und auch Tonlage ein emotionales Feedback generiert. Eltern verfügen über ganz natürliche, intuitive kommunikative Fähigkeiten und passen ihre Sprache flexibel an den Entwicklungsstand ihres Kindes an. Und auch wenn es den einen oder anderen ein wenig albern vorkommt, die »Katzis«, »Tatütatas« und »Brummbrumms« haben tatsächlich einen positiven Einfluss und verwachsen sich mit zunehmenden Alter sowohl beim Baby als auch beim Erwachsenen ganz von selbst.

Text JoKri

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 9 | 19  

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