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»Ursprünglich wollte ich ins Altenpflegebusiness einsteigen«, erzählt er lachend. Ein Schulpraktikum lässt ihn schnell erkennen: »Das ist doch nicht ganz so mein Ding.« Die grundlegende Intension sei gewesen, etwas zu finden, was alle Generationen irgendwie vereint und zusammenbringt. »Also habe ich angefangen, Kirchenmusik zu studieren. Es folgten ein Aufbaustudium und erste praktische Erfahrungen als Kantor im erzgebirgischen Oelsnitz und Referent für Kinder- und Jugendmusik im Kirchenbezirk Annaberg. Den Wechsel von der evangelisch-lutherischen Landeskirche als Arbeitgeber in den weltlich-sächsischen Schuldienst verdankt er einer Fügung, wie er erzählt. »2014 bekam ich drei Tage vor Beginn des neuen Schuljahres eine Anfrage des Gymnasiums ›Prof. Dr. Max Schneider‹ Lichtenstein. Eine Kollegin war kurzfristig schwer erkrankt und so wurde ich gefragt, ob ich mir vorstellen könne, ganz spontan für sie einzuspringen.« Nach kurzer Rücksprache mit seinem damaligen Chef nahm er das Angebot als Teilzeitstelle an und sprang kopfüber ins kalte Wasser.

zurück an der alten Wirkungsstätte auch Simon Voigtländer legte sein abitur am CwG mit vertieft musikalischer ausbildung ab. er bezeichnet die Jahre am CwG als für ihn am meisten erfüllenden abschnitt seiner ganzen Schulzeit. Foto Petra Hillmann

Foto Kristin Schmidt

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ntertags sei es einfach nicht möglich, den Kopierer stundenlang in Beschlag zu nehmen, erklärt Simon Voigtländer entschuldigend, und irgendwann müsse er ja schließlich die Noten für die kommenden Proben vervielfältigen. Seit rund drei Jahren leitet der gebürtige Dittersdorfer die renommierten Jugendchöre des Clara-Wieck-Gymnasiums. Dabei hatte der studierte Kirchenmusiker eigentlich gar nicht vor, die Musik zum Beruf zu machen.

»Im Nachgang war dies ein super Einstieg gewesen, weil ich erst mal geführt mitlaufen konnte und somit relativ sanft herangeführt wurde, wie das System Schule tatsächlich in Realität funktioniert und was es alles ringsherum zu bedenken gibt, fernab vom Fachlichen.« Überfordert man Schüler eigentlich schnell, wenn man mit so einem fachspezifischen Hintergrund auf die Jugend losgelassen wird, wollen wir wissen. »Mein Vorteil war sicher, dass ich es durch meinen vorherigen beruflichen Werdegang gewöhnt war, auch mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten. Aber klar waren meinen Vorstellungen utopisch gewesen, was alles gehen kann, und natürlich habe ich Sachen ausprobiert, die einfach nicht funktioniert haben. Glücklicherweise genoss ich in Lichtenstein eine Art Welpenschutz. So gesehen war die Zeit eine Lebensschule für mich.«

Dass er seit nunmehr vier Jahren am ClaraWieck-Gymnasium unterrichtet, verdankt er einer ähnlichen Fügung. Auch in Zwickau begann er mit einer Halbtagsstelle, als dort jemand gesucht wurde, die Chöre zu leiten. »Allerdings war ich zu dieser Zeit noch in keinem Klassenunterricht involviert. Nach dem Schulleiterwechsel bekam ich das Angebot in Vollzeit einzusteigen. Das Ganze war dann ein recht langes Prozedere, ob dies überhaupt möglich sein wird, da zunächst nicht klar war, ob mir meine Abschlüsse anerkannt werden. Am Ende bekam ich einen unbefristeten Vertrag mit der Auflage, innerhalb der nächsten vier Jahre berufsbegleitend ein Lehramtsstudium als Quereinsteiger in Chemnitz nachzuholen, welches ich letztes Jahr erfolgreich abgeschlossen habe.«

zwiSchen Pflicht unD kÜr Heute fühlt er sich beruflich angekommen, diese »Fügungen«, wie er sie nennt, haben ihn in einen Bereich gelenkt, für den er sich berufen fühlt und der ihm Spaß macht. Und das merkt man ihm an, nur sehr selten weiche das Lächeln aus seinem Gesicht, bestätigen auch seine SchülerInnen. Dabei ist das Arbeitspensum, welches die Chöre jährlich absolvieren, alles andere als Kinderkram. Neben den traditionellen Veranstaltungen wie Herbst-, Weihnachts- und Sommerkonzerten sowie mehreren Musizierstunden stehen für die jungen Talente, die neben dem obligatorischen Chorgesang auch Unterricht in Musiktheorie und wahlweise Chorleitung erhalten, mehrere sogenannte repräsentative Veranstaltungen der Unterhaltungsindustrie wie »Classics unter Sternen«, »Filmharmonic Night« oder »Moviehits for Kids«, die in Kooperation mit der Vogtland Philharmonie stattfinden, auf dem jährlichen Konzertplan. »Das diesjährige Highlight wird sicher die Aufführung der 9. Sinfonie Ludwig van Beethovens in der Plauener Johanniskirche werden, an welcher wir anlässlich des 30. Jubiläums des Mauerfalls am 9. November mitwirken.« Auch aus Weimar kam erst kürzlich eine Anfrage für das zweijährig in der Musikakademie in Colditz stattfindenden »Saxonia Cantat« herein. Damit verbunden ist neben der Vorstellung eines neuen Chorbuches, das Abschlusskonzert zum Deutschen Chorfest am 3. Mai 2020 im Gewandhaus Leipzig. Text JoKri

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 9 | 19  

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