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Bunte Vielfalt

Die Regenbogenfamilie

Wenn auch die Gleichbehandlung am Arbeitsmarkt noch immer zu wünschen übrig lässt, so ist doch mit der Einführung der Ehe für alle gelungen, die diskriminierenden Barrieren für gleichgeschlechtliche Beziehungen endlich niederzureißen und zumindest hier eine Gleichstellung einer gelebten, bunten Familienvielfalt zu ermöglichen. Nicht wenige Wissenschaftler sehen gerade in dieser neuen Wahlfreiheit von familiären Lebensformen eine Zunahme an Bedeutung des Familienbegriffes. Anders als in früheren Zeiten, als wirtschaftliche und vorsorgende Aspekte eine oft übergeordnete Rolle spielten, gilt Familie heute vor allem als emotionale Bezugsgröße. Schätzungen zufolge leben bereits rund 30 Prozent der Deutschen in einer der neuen Familienformen, das klassische Familienmuster ist aber somit noch immer das dominante.

Elternpaare, die in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung mit Kind leben, bezeichnet man als Regenbogenfamilien. Sie vereinen oft verschiedene familiäre Formen des Zusammenlebens. Die Kinder aus gleichgeschlechtlichen Familien können künstlich gezeugt sein, stammen aus vorangegangenen heterosexuellen Beziehungen eines Elternteils, wurden adoptiert oder leben als Pflegekinder in der Familie. Laut dem Datenreport 2018 des Statistischen Bundesamtes lebten im Vorjahr 11.000 gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern zusammen. Davon entfielen 96 Prozent auf gleichgeschlechtliche Partnerschaften von Frauen. Insgesamt lebten 2017 16.000 Kinder bei einem gleichgeschlechtlichen Elternpaar, davon waren 14.000 Kinder unter 18 Jahren. Mit der Öffnung der Ehe für alle seit dem 1. Oktober 2017 haben heute gleichgeschlechtliche Ehepaare auch das gleiche Recht, Kinder zu adoptieren wie andere Ehepaare. Bisher war dies nur über die Stiefkindadoption möglich.

Alles geht, nichts muss

Powerfrauen

Oft eine Mischung aus leiblicher und Stieffamilie ist die moderne Patchworkfamilie ein Konstrukt mit Zukunft. Foto Robert Kneschke // fotolia.com

Der überwiegende Anteil von Kindern in gleichgeschlechtlichen Beziehungen lebt mit zwei Müttern. Foto Joe Ciciarelli // unsplash.com

Patchwork: Die neuen »GroSSfamilien«

Co-Parenting

Scheitern gehört zum Leben dazu. Kam eine Trennung oder gar Scheidung früher einer Katastrophe gleich, ändern selbige heutzutage kaum etwas an der großen Bedeutung, welche eine Ehe oder Partnerschaft im Leben der meisten Menschen einnimmt. Entsprechend halten viele am gewählten Lebenskonzept fest und begeben sich erneut in Beziehung, oft übernehmen sie dabei sogar Verantwortung für Kinder aus früheren Beziehungen ihrer Partner oder bringen eigene Kinder in die neue Partnerschaft ein. Vorbei die Zeiten als Stiefeltern bösen Dämonen gleich in die heile Kinderwelt eindrangen. Immer öfter verstehen sich Patchworker in der Rolle von Bonuseltern für das Kind des jeweiligen Partners. Zusätzliche Geschwister und nicht zuletzt Großeltern komplettieren die sich vergrößernde Ursprungsfamilie. Eine weitere Besonderheit dieser Zusammenlebensform ist, dass sehr viel häufiger als in durchschnittlichen Kernfamilien (zwei Elternteile mit Kind) durch die oben beschriebene Verantwortungsübernahme drei oder mehr Kinder mit Erwachsenen unter einem gemeinsamen Dach leben, oft besteht auch der Wunsch nach einem weiteren, gemeinsamen Kind. Durchaus also ein Familienkonstrukt mit Wachstumspotenzial. Experten schätzen die Zahl der Patchworkfamilien derzeit auf 10 bis 14 Prozent (Stand 2012).

Spätestens mit Mitte 30 wird der Wunsch, so vorhanden, ein eigenes biologisches Kind zu haben dann unaufschiebbar, zumindest für Frauen. Ist der passende Partner nicht in Sicht, blieb in den meisten Fällen »nur« der Gang zur Samenbank und die Entscheidung, das Kind allein großzuziehen. Dass das aber gar nicht sein muss, zeigt das Konzept des Co-Parentings. Simpel ausgedrückt, meint es, dass sich zwei Menschen, die kein Paar sind, für ein gemeinsames Kind entscheiden und es auch gemeinsam großziehen. Die sexuelle Orientierung spielt dabei zumeist keine Rolle. Wichtig hingegen ist die gemeinsame Basis, was Werte und Vorstellungen betrifft und der Wille gemeinsam den Weg zu gehen. Eine gemeinsame Wohnung ist nicht nötig, allerdings die Bereitschaft, Teil im Leben des jeweils anderen zu sein, Entscheidungen gemeinsam zum Wohle des Kindes zu treffen, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur in finanzieller Hinsicht und auf freundschaftlicher Basis.

Titel

Familie im wandel »

Gründerinnen Dr. Christine Wagner (rechts) und Miriam Förster (links) gründeten 2011 die Plattform Familyship. Foto Daniel Cati

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KOMPASS Stadtmagazin Ausgabe 9 | 19  

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